Ge Sbumm Seiuer uben uend ander Vriertogs. Bezugsprete####.D otertet. JAhrüch, dei der Post für Bestellgeid 62 Pie. Wöchentl. Grafisdeilage:„Jäustrierte: Samillenfreund“ u. t#gl. Unterbaltungsbienl. Anzeigenpreis: Die bedengespoltene Petitzeile o#n, beren Roum 10. Plg., Anzeigen von euswürt I5 Pig., Rehlamezeile 40 Pfo. Jeder Rabalt gill als Rassaraboll u. erllicht bei Ronwisen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Astsudund emst.-Scttnseettene Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Shpates Uoltsblaß Verbunden mit: für den kreis börde * Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Oolbszeitung : Schwerker Cageblatt O Schwerker Anzeiger„ Grlles und älteltes Cagesorgan des Krelles a General-Anzeiger für den Kreis börde o Haupt-Kononrenbian au. Antg, anb ichelpeligrlichen Dran. sungen für den Arsts Hörbe erlangen gomeb Bedanntmochung dei Aöniglichen Regierung durch Verössentlichuag is dn„Schorgter Jeitung“ rchtverbindliche Aroft.— „Schwerter Zeitung“ gewöhrt ihren ten für jeden mit Tod endenden Unfol geGagungen: 300 Mk. Unfall. Druchk u. Verlag o. Car! Brauz. Schwerie=Rude Pend t. Seim ebt Srauchun dch Nr. 133. Donnerstag, den 10. Juni 1915. 47. Jahrgang. O Sehnsucht nach dem Militarismus. Immer wieder muß festgestellt werden, daß ngland, da es sich doch ab und zu schämt, mit in en Chor der Narren einzufallen, die da behaupu, die Entetemächte führten den Krieg im amen der Zivilisation gegen deutsche Barbarei, en lahmen Spuuch herbetet, es führe seinen heilien Krieg nur gegen den deutschen Militarismus. abe es den niedergerungen, wobei es Albion echt schwer wird, sich und den anderen klar zu nachen, was es eigentlich unter diesem Militarisius vorstellt, so falle es ihm garnicht ein, etwa gend welche selbstsüchtige Zwecke nach dem Kriege verfolgen. Es verschweigt schamhaft, daß es die seit des Krieges mit fieberhaftem, wenn auch stark egativem, Eifer berutzt, den deutschen Rivalen uf der ganzen Welt in Handel und Industrie aususchalten— was wohl der eigentliche„Krämer= riegsgrund“. Englands ist. So sehr sich aber ingland vor der Welt über den Militarismus lufregt, einen englischen Militarismus hätte es iebend gern— wenn es ihn nur haben könnte. Wir Dautschen sind auch sehr stolz auf unseren Militarismus, indem wir darunter die Wehrhaftigleit des ganzen Volkes verstehen, eine straffe Kriegsorganisation auch schon zu Friedenszeiten, denn wir wissen, daß ein ernstes Volk kein Gedanke riedliebender machte, als der:„Du bist gerüstet Wir wollten keinen Krieg, wir hätten ihn gerade die letzten Jahre unter günstigeren Constellationen haben können, als heute. Da wir ihn aber, gegen unseren Willen, bekommen hatten, standen wir gerüstet da, vom Kopf bis gi den Füßen, d. h. ausgerüstet mit allen Waffen der Wissenschaft, die wir in die Hände von Männern legen konnten, die im Frieden nicht den kriegerischen Geist der Ahnen verloren hatten. Dafür hatte unser verfehmter Militarismus gesorgt! England hat seit 100 Jahren keinen Tropfen Blut auf europäischen Schlachtfeldern vergossen. Es ließ andere Völker für seine Interessen kämpfen. Es kannte keinen Militarismus, sondern einen Marinismus— für die Landkämpfe glaubte es den englischen Geldsack als beste Wehr uund Waffe zu haben. Aber jetzt sieht es ein, daß Gold doch ein tausendfach unedleres Ding ist als Blut. Wie gerne hätte es jetzt die allgemeine Wehrpflicht! Englischen Staatsmännern muß die Röte der Scham ins Gesicht steigen, wenn sie zugeben müssen, diese Wehrpflicht sei nicht geeignet für das „englische Temperament". Das heißt:„Gold gab ich für Blut und so soll es bleiben.“ Aber allmählich dämmert bei den stolzen Söhnen Albions doch die Erkenntnis auf— so kann es nicht weitergehen, auf diesem Wege werden wir wohl nie zum Ziele kommen— zur Zerschmetterung Deutschlands. Sie sind jetzt in der Lage des Mannes, der sich mit„wenn und aber“ über die Schwere der Zeit weghelfen möchte. „Wenn, so schreibt nämlich der Londoner„Economist", jedermann, wie wir seinerzeit vorschlugen, bei Beginn des Krieges dem; Kriegsministerium und der Admiralität mit seiner Arbeitskraft verpflichtet worden wäre und alle Agenten uno Spehulanten von den Bergwerksbezirken und dem Eisenbahnwesen ferngehalten worden den die Ausgaben des Staates erheblich geringe gewesen sein. Die Erhöhung der Kohlenpreise, Verkehrshindernisse und Frachtensteigerungen wären vermieden worden. Mit anderen Worten: man sieht jetzt selbst in liberalen Kreisen das Uebergewicht ein, das Deutschland durch seine äußerst durchdachte und turchgearbeitete Organisation hatte. Während Englands Kraft datirch geschwächt wurde, daß unentbehrliche Arbeitskräfte ins Feld gingen, hat Deutschland, wo die Rücksicht auf die KriegsDie Einliähme von Stantstau! wtb. Großes Hauptquartier, 9. Juni 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Am Ostrand der Lorekto=Höhe zum Angriff einsetzende feindliche Kräfte wurden gestern nachmittag durch unser Feuer vertrieben. Am Südostrand derselben Höhe scheiterten feindliche Angriffe. Die letzten Häusergruppen des schon seit dem 9. Mai zum größten Teil im Besitz der Franzosen befindlichen Dorfes Neuville wurden heute nacht dem Feinde überlassen. Südlich von Neuville schlugen wir wiederholte Angriffe unter schweren Verlusten für die Franzosen ab. In der Gegend südöstlich von Hebuterne ist der Kampf nach einem in den Morgenstunden mißglückten Angriff der Franzosen wieder im Gange. Im Priesterwalde wurde ein feindlicher Angriff blutig zurückgewiesen. Nur um eine kleine Stelle unserer vordersten Gräben wird noch gekämpft. Oestlicher Kriegsschauplatz. Auf dem östlichen Windau=Ufer wurde Kubyli, nördlich von Kurschani, genommen. Von Südwesten nähern sich unsere angreisenden Truppen der Stadt Szawle An der Dubissa wurde der seindliche Nordflügel durch umfassende Angriffe aus südöstlicher Richtung geworfen. Unsere Truppen erreichten die Straße Bekygola=Ilgize. Südlich des Niemen traten die Russen nach hartnäckigem Kampfe bei Dembowa, Ruda und Kozlyszke den Rückzug auf Kowno an. 300 Gefangene und 2 Maschinengewehre wurden erbeutet. Bei der weiteren Verfolgung gewannen wir unter Sicherung von Kowno die Straße Meriampol=Kowno. Südöstlicher Kriegsscheuplatz. Oestlich Przemysl ist die Lage unverändert. Südöstlich Zurawno brachten die Truppen des Generals v. Linsingen einen russischen Gegenangriff zum Stehen. Weiter südlich wird um die Höhen westlich von Haliez und westlich von Jezapol noch gekämpft. Stanislau ist bereits in unserem Besitz. Es sind bisher 4500 gemacht und 13 Maschinengewehre erbeutet. . Oberste Heeresleitung. Eine Niederlage der Italiener! lichtamtlich.) Am kopf angesetzt wurd= unter schweren Verlu witb Wien, 10. Juni.(Nichramreinz.) Amtlich wird verlautbart vom 9. Juni: Russischer Kriegsschauplatz. Südlich des Dujestr verloren die Russen neuerdings an Boden. Unter vielfachen Verfolgungs. kämpfen siegreich vordringend, erreichten die Verbündeten gestern nördlich Kolomea die Linie Kulaszkowce—Korszow, gewannen die Höhen von Ottyna, nahmen abends Stanislau in Besitz und drangen weiter gegen Kalusz vor. Der Tag brachte 5570 Gefangene. An der übrigen Front in Galizien und Polen hat sich nichts wesentliche, eignet. Italienischer Kriegsschauplatz. Der erste größere Angriff des FFeindes gestern nachmittag von Truppen in der beiläufigen Stärke einer Insanteriedivision gegen den Görzer Brückenlopf ungesegl, würde unter schweren Verlasten für die Italiener abgeschlagen. Diese fluteten im Artilleriefeuer zurück und mußten mehrere Geschütze stehen lassen. Das gleiche Geschick ereilte feindlichen Angriffsversuchen bei Gradiska und Monfalone. Die Kämpfe an der kärntnkrischen Grenze, östlich des Plöcken=Passes und des beiderseitigen Geschützfeuers im Gebiet unserer kärntnerischen und tiroler Sperrbefestigungen dauern sort. Balkan=Kriegsschauplatz. An der serbischen Grenze fanden da und dort Plänkeleien und auch Artillerie=Gefechte ohne Bedeutung statt. Bei Korito wurde eine montenegrinische Bande in österreichisch=ungarischer Uniform zersprengt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Der kommende Zusammenbruch der russischen Armee. etige Verluste nicht en ertro Budapest, 9. Juni. Der bisher dreiverbandfreundliche Bukarester„Adeverul schreibt:„Die von der deutschen Heeresleitung bekanntgegebene Kriegsbeute während des Monats Mai ist so ungeheuer, wie sie bisher in keinem Feldzuge erreicht wurde. Auch eine Niesenarmee, wie die russische, vermag derartige Verluste nicht zu ertragen, ohne dabei zusammenzubrechen. Der hohe Verlust an Geschützen und Maschinen. gewehren beginnt sich in der russischen Armee bereits so stark fühlbar zu machen, daß man den kommenden Zusammenbruch schon vorauszusehen glaubt. eine Riesenarmee, wie die russische, Italiens Kriegsziele. * eg“ be trage müsse. Deutschland müsse aef tu Lugano, 9. Juni. Im„Messagero- besatzt sich der Abgeordnete Colajanni mit der Frage der italienischen Kriegsziele und polemisiert gegen den Abg. de Faliee, der diese Ziele auf die Befreiung der unerlösten Gebiete beschränkt sehen möchte. Colajanni ist der Ansicht, daß diese Ziele weiter gesaßt werden müßten in dem Sinne, daß Italien zur Befreiung Belgiens und Wiederherstellung der internationalen Gerechtigkeit beirragen musse. Dentschlund müsse geschwächt, Oesterreich bi, zur Ohnmacht geschlagen werden. Es liege eine Gefahr für Italien darin, wenn es ihm gelänge, den Trentino und Triest zu erobern, aber Oesterreich gleichzeitig auf den anderen Kriegsschauplätzen siegreich bliebe. Wenn sich die beiden Zentralmächte von Rußland befreit hütten, würden sie sich zweisellos auf Italien stürzen. . O industrie und das sonstige Erwerbsleben mitsprach, eine Auswahl getroffen und die Arbeiterzahl nur dort verringert, wo es am wenigsten schadete. Wieweit das neueingeführte Nationalregister Lloyd Georges ausreichend ist, um dies Ziel zu erreichen, muß die Zeit lehren. Sehr beruhigend wirkt die Ausstellung auf die englischen Untertanen nicht. Hat man erst die Listen ausgearbeitet, so ist der Uebergang nur ein Schritt. So hat der Krieg es mit sich gebracht, daß selbst das Land des Individualismus vor der Notwendigkeit steht, das Zwangssystem einzuführen, das auf der Bevölkerung des Festlandes lastet. Damit ist alles englische Geschrei über den deutschen Militarismus ad absurdum geführt.“ Und, könnte man hinzufügen, wenn England jetzt die Konsequenz aus seinen Lügen, es führe nur Krieg gegen den deutschen Militarismus, ziehen wollte, so müßte es den Krieg abbrechen, denn es ist doch der Gipfel der Dummheit, gegen etwas im Namen der Zivilisation Krieg zu führen, was man so sehr gerne bei sich selbst einführen möchte. Der Krieg gegen England. Was Zeppelin Bomben anrichten. Die wiederholten Zeppelin=Angriffe auf England, bei denen schon eine ganz gewaltige Zahl Bomben abgeworfen wurden, haben nach den Berichten der englischen Admiralität„nur geringen Schaden“ angerichtet. Erschienen schon diese„geringen Beschädigungen“ vom technischen Standpunkte aus wenig glaublich, so haben wir jetzt eine neue Bekräftigung dafür bekommen, daß die tatsächliche Wirkung der Zeppelinbomben einfach furchtbar zu nennen ist. Ein deutscher Seemann, der schon eine lange Seezeit hinter sich hat und infolge seiner Fahrten auf englischen Schiffen sich wie ein Engländer benehmen kann, war zur Stunde des Zeppelinangriffs cuf Newcastle am Tynefluß gerade in der Stadt und Augenzeuge des Bombardements. Er erzählt, daß von dem im Hafen liegenden, im Ausbau befindlichen Ueberkriegsschiff„Resolution" das Deck und der Innenbau zerrissen, sowie eine ganze Seite der Panzerplatten abgerissen wurde. Dadurch ist die ganz moderne„Resolution", ein 25000=Tonnen=Schiff, das bereits diesen Sommer in Dienst gestellt werden. sollte, nach übereinstimmender Aussage englischer Dockarbeiter total unbrauchbar gemacht worden. Weiter wurden durch die deutschen Bomben vier ganze Häuservierecke völlig zerstört, im nahen North Shields wurde das Rathaus wie vom Boden weggefegt. Der Schaden geht in die Millionen. Das nennen die Engländer„geringe Die Zeppelinangriffe auf die Humberdocks haben bei den Engländern den Gedanken wachgerufen, daß diese wiederholten Anzeichen jetzt den endlich in Aussicht genommenen gewaltigen Lustüberfall auf England ankünden. Die erschienenen Zeppeline seien die„Luftpatrauillen“ der zum Abflug bereit stehenden deutschen Luftslotte. Die in der Nähe der Docks und Werftanlagen am Humberfluß wohnenden Familien der Dockarbeiter können nur durch Versprechungen zum Bleiben bewogen werden. Das letzte Bombardement der Marineluftschiffe auf die Humbermündung hat 25 Todesopfer gefordert, der in Grimsby angerichtete Schaden ist noch bedeutender. Die Zeppeline über London. Köln, 10. Juni. Zum Zeppelinbesuch über London erfährt die„Köln. Volksztg.“ von einer Persönlichkeit, die in der Nacht des Besuches in London weilte, daß nicht nur die Vororte, sondern auch London selbst mit Bomben belegt wurde. Eine ganze Anzahl Bomben ist in die östlichen Stadtteile, unweit der bekannten London=Docks, nieder gegangen. Eine Bombe hat in der Liverpoolstreet drei Häuser zertrümmert. Besonders schwer wurde die Gegend um die Bradstreet= und Liverpoolstreetstation mitgenommen, da die dort befindliche Eisenbahnbrücke, die über ein breites Schienenfeld führt, zerstört wurde. Durch polizeiliche Absperrungen ist der Zutritt zu dieser Gegend mehrere Tage unterbunden. Die vom Abend bis andern Mittag andauernden Brände veuursachten großen Schaden. Zurückziehung der englischen Linienschisse von den Dardanellen. tu Berlin, 9. Juni. Nachdem im Laufe der letz8 Tage die Linienschiffe„Triumph",„Majestic“ und„Agamemnon“, von deutschen U=Booten tor pediert worden sind, haben die Verbündeten, wie dem„Lokalanz.“ aus Athen berichtet wird, es für nötig gehalten, ihre großen Schiffe nach Malta zurückzusenden.— Von besonderer Seite erfährt der „Lokalanz.“, daß die Lage der englisch=französischen Dardanellenarmee dadurch, daß ihr durch das Ver schwinden der verbündeten großen Schiffe die Unterstützung der schweren Artillerie entzogen wurde, äußerst kritisch geworden ist. Sie wird schwerlich noch lange die Katastrophe aufhalten können. Der Krieg gegen Rußland. Neue erfreuliche Fortschritte in Galizien. tu Berlin, 9. Juni. Der Berichterstatter des „Verl. Tagebl“, Leonhardt Adelt, meldet aus dem k. k. Kriegspressequartier: Die letzten 24 Stunden brachten besonders am oberen San und am Dujestr=Abschnitt weitere erfreuliche Teilerfolge der verbündeten Waffen. Aus den Angaben, die das heute veröffentlichte Communique enthält, ist ersichtlich, daß die Gegenoffensive sich von den in den letzten Tagen eroberten wichtigen Stützpunkten erfolgreich weiter entwickelt hat. Dieser Umstand beweist auch, daß es den Russen auf keinem Punkte gelungen ist, mit dem Einsetzen ihrer mit verzweifelten Anstrengungen an den gefährdeten Stellen verwendeten Reserven diese Offensive zum Stehen zu bringen. Heute wurde besonders in der Richtung nördlich Zurawno, im Abschnitt Kalusz, und endlich bei Nadworna, wo die Offensive der Pflanzer=Gruppe sich schon fühlbar macht, heftig gekämpft und es genügt, darauf hinzuweisen, daß das österreichisch=ungarische Communique die Gesamtlage als sehr befriedigend bezeichnet. Die Kriegsmüdigkeit der russischen Soldaten. bb Kopenhagen, 9. Juni. Auf den Bahnhöfen der Moskau—Windau—Bybinsk=Bahn ist nachstehende Kundmachung(wörtlich übersetzt) angeschlagen:„Aus dem Standort des Oberstkomman= dierenden. Angesichts der sich in letzter Zeit in außerordentlichem Maße auf den Reisen und Transporten häusenden eigenmächtigen Entfernungen von Soldaten, die in Marschkolonnen eingeteilt sind, wird vom Oberstkommandierenden befohlen: 1. Während des Haltens der Züge darf kein Unbefugter die Station oder deren Umgebung betreten, da Ansammlungen den sich entfernenden Soldaten die Möglichkeit bieten, im Gedränge unbemerkt zu entkommen. 2. Die sich eigenmächtig entfernenden Soldaten werden dem Kriegsgericht übergeben. Zivilisten, die als Anstifter, Hehler oder Helfer erscheinen, verfallen den höchsten, auf Grund des Kriegszustandes zulässigen administrativen Strafen. 3. Die Namen der Abgängigen sind dem Tuuppenchef und dem Polizeichef des Gebietes, aus dem die Abgängigen stammen, unverzüglich zu melden. Die allenfalls wieder Verhafteten sind sofort dem Truppenchef zu überstellen, der sie nicht einzeln, sondern in Gruppen den nächsten, an die Front abgehenden Abteilungen zuMen Wie Rußland getäuscht wird. Petersburg, 9. Juni. Die„Nowoje Wremja“ veröffentlicht einen offenen Brief an das Reutersche Bureau, in dem sie dieses beschuldigt, die Mitteilung des russischen Generalstabes nur sehr spärlich und nicht gewissenhaft wiedergegeben zu haben. Als Beispiel wird angeführt: Während es nach den deutschen amtlichen Berichten bereits feststand, daß die 3. und die 8. russische Armee nicht mehr existieren und die ganze Karpathenarmee vernichtet sei, begnügt sich das Reutersche Bureau mit Erzählungen von harmlosen Schlachtepisoden. Dieser offene Brief an das Reutersche Bureau ist zweisellos ein verschleierter Angriff an die Adresse des russischen Generalstabes, der in seinen Berichten die wichtigsten Tatsachen verheimlicht, da das Reutersche Bureau in Wirklichkeit bisher ausnahmslos alle offiziellen Berichte des russischen Generalstabes wörtlich wiedergab. Offiziersmangel im russischen Heere. Bei den in und um Przemysl gefangenen 33 000 Russen konnte ein starkes Mißverhältnis zwischen der Zahl der Ossiziere und der der Mannschaften festgestellt werden, woraus sich die bereits seit langem vermutete Tatsache mit Gewißheit ergibt, daß in der russischen Armee größter Offiziersmangel herrscht. Dieser Mangel hat sich in letzter Zeit bei den Angriffen gegen die Mackensen=Armee für die Russen besonders schwer fühlbar gemacht. Ganze Kompagnien waren ohne sachverständige Führung und konnten, völlig direktionslos, nichts ausrichten. Karte zum Vorrücken derVerbündeten auf Lemberg. S Ein schweizer Offizier über die preußische Garde. Der schweizerische Major Tanner lernte bei der Südarmee die preußische Garde kennen und schreibt darüber in den„Baseler Nachrichten“ folgendes: „Wenn man im Ausland von der preußischen Garde spricht, knüpft man daran die extremsten Begriffe von Militarismus, Feudalismus und Prussianismus. Die Dienstbestimmung der Truppe bedingt höchste soldatische Eigenschaften. Ich fand alle diese Eigenschaften verkörpert in der größten Freundlichkeit und Bescheidenheit. Ich habe vorher und nachher keine liebenswürdigeren Deutschen in dem Naume der Südarmee gefunden, als die Herren von der preußischen Garde. Ja, es sind Ausnahmeleute im gediegensten Sinne des Wortes. Schon der Ton, in dem hier Fragen erörtert werden und von den Gegnern gesprochen wird, berührt angenehm und dürfte manch anderer Stelle zum Beispiel dienen. Die Balkanstaaten. Ein Ultimatum der Entente an Rumänien? tu Magdeburg, 10. Juni. Wie die„Magd. Ztg.“ meldet, haben, der„Agence Havas“ zufolge, die Ententemächte der rumänischen Regierung ein Ultimatum gestellt, das heute, Donnerstag abend, abläuft. Serbiens albanische Pläne. wtb Sofia, 9. Juni. Die„Agence Bulgare“ erfährt aus sicherer Quelle, daß der Vormarsch der serbischen Truppen in Nordalbanien auf breiter Basis fortdauert und führt dazu aus: Man bewahrt Schweigen über die Tragweite der unternommenen Operationen, um die Mächte vor die vollendete Tatsache der Besetuung zu stellen. Offiziöse Nachrichten fahren fort, über Kämpfe mit Albaniern zu berichten, deren Zahl man vergrößert. In der Zwischenzeit sind die wichtigen Punkte Pogradetz und Poskopes, die die Serben seinerzeit infolge Drohung Oesterreich=Ungarns räumen mußten, durch serbische Truppen besetzt. Griechen und Bulgaren sind erstaunt über diese neuen Manöver der Serben, denen man alle Launen hingehen läßt. Am meisten sind sie erstaunt über ihre Unversöhnlichkeit gegenüber Bulgarien. Gleichzeitig konstatiert man, daß die serbische Armee keine Eile zeigt, etwas gegen die österreichisch=ungarischen Truppen zu unternehmen, und es vorzieht, unverteidigte Gebiete zu besetzen, was übrigens auch im türkisch=balkanischen Kriege getan wurde. zusammen mindestens 900000 Mann gegen Italien aufbieten und damit reichlich auskommen würden. Er wuirde sofort nach dem Zellengefängnis von Regina Coeli abgeführt. Weiter liegt noch folgender Drahtbericht vor: Russischen Zeitungen wird aus Rom gemeldet, die italienische Presse erscheine in stark zugestutztem Format. Die Militärzensur dulde keine Artikel über die Vorgänge auf dem Kriegsschauplatze, wo große Ereignisse nicht sobald zu erwarten wären. Zum neuesten Fliegerbesuch über Venedig. tu Chiasso, 10. Juni. Venedig wurde gestern früh kurz nach 4 Uhr durch gewaltige Detonationen aus dem Schlase geweckt, denen ein Höllenlärm von Schüssen aus Maschinengewehren, Kanonen und Gewehren der Flugabwehrstation folgte. Ein österreichischer Doppeldecker vom Typ-Etrich war erschienen und hielt sich trotz heftiger Beschießung etwa eine halbe Stunde über der Stadt, wobei er etwa 10 Bomben abwarf. Nach einigen Meldungen waren es zwei Doppeldecker, die aber bald zur Umkehr gezwungen wurden. Nach dem„Secolo“ richtete der Flieger seine Bomben nicht, wie beim ersten Fliegerbesuch, gegen das Arsenal, sondern auf die Flugzaughalle von Campolto. Ein Geniekorporal wurde getötet. Im übrigen sei aber dort kein weiterer Schaden angerichtet worden. Andere Bomben fielen in dem Canalazzo nieder, zerstörten den Anlageplatz der Kanaldampfboote der Station San Marco. Eine Bombe fiel auf ein Haus in San Samuele, zerstörte in der Calle del Forno, im volkreichen Viertel von Casello, die Ecke eines Hauses. Italienische Besorgnisse wegen Abessinien. wtb Zürich, 10. Juni. Nach einer Privatmeldung der„Neuen Züricher Ztg.“ aus Mailand wird dort versichert, an der abbessinischen Grenze seien ernste Unruhen ausgebrochen. Man rechne mit einem Ueberfall der abessinischen Stämme auf die italienische Kolonie. Die dortigen italienischen Truppen seien zu schwach, so daß erhebliche Verstärluungen für einen erfolgreichen Widerstand notwendig sein würden. Italienische Ueberläufer. Die„Wiener Allgem. Ztg.“ meldet aus Meran: Bei einem Meraner Bataillon haben sich bereits nahem 300 italienische Soldaten als Ueberläufer eingefunden, darunter auch ein Maurerpolier, der seit neun Jahren in Meran gearbeitet hatte und freudig sein Arbeitsbuch als Bestätigung dafür vorwies. Mit mehreren seiner Loute arbeitet er jetzt am Ausbau der österreichischen Schützengräben. Der Krieg gegen Flnnen. Italiens drakonische Militärzensur. Die Militärzensur waltet bereits ihres Amtes. Sie tut dies mit einem Aufwande von Schärfe, der selbst dem kosakischen Rußland Ehre machen würde. So wurde beispielsweise ein Zeitungsverkäufer in Mailand mit zehnmonatigem Gefängnis bestraft, weil er sein Blatt mit dem Rufe:„Einberufung neuer Reservejahrgänge!“ feilgeboten hatte. Und als sich der„Avanti“ vermaß, die Equipierung der Oesterreicher, ganz besonders ihr Schuhwerk, zu loben, wirde er mit Beschlag belegt, und der säumige Zensor, dem das unerwünschte Lob des Blattes durch die Finger geglitten war, des Amtes enthoben. In Rom ging es einem Kaufmann schlecht, der im Tramwaywagen einem Mitfahrenden versicherte, daß Oesterreich=Ungarn und Deutschland Enttäuschte französische Hoffnungen. Die üherspannten französischen Hoffnungen wegen des Kriegseintritts Italiens beginnen, wie die„Deutsche Tagesztg.“ meldet, bereits eine gewisse Enttäuschung in der Bevölkerung zu erwecken. Man ist allgemein darüber verwundert, daß die italienische Kriegserklärung die Deutschen und Oesterreicher nicht veranlaßt hat, die Offensive in Galizien aufzugeben und fragt sich, ob das Eingreifen Italiens nicht zu spät gekommen ist. Ueberdies ist nicht zu verkennen, daß der Fall von Przemysl und die schlimme Lage der Russen in Galizien in Paris eine sehr gedrückte Stimmung erzeugt. Kein päpstliches Weißbuch. wtb Nom, 10. Juni. Melkung der„Agenzia Stefani“: Die Nachricht von der Veröffentlichung eines Weißbuches durch den Heiligen Stuhl wird von autorisierter Seite dementiert. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 10. Juni. **(Die Hoffnung aus Regen.) Seit Tagen schauen wir nach dem ersehnten Regen aus, weniger aus Unbehagen über die ungewohnte tropische Hitze, als aus banger Sorge um die Entwickelung und das Gedeihen unserer bisher prächtig gedeihenden Garten= und Feldfrüchte. Aber kein Wölkchen, das das Aufziehen eines erlösenden Gewitters und des mit ihm verbundenen Regenschauers kündete, trübte das tiefblaue Himmelsrund, aus dem die Sonne mit immer mehr vermehrter Stärke ihre Strahlen auf die dürstende Erde herabsendet. ! Gestern nachmittag stiegen endlich Gewitterwolken am Himmel auf und nach 4 Uhr setzte ein heftiger Regenguß unter Blitz und Donner ein. Der zuerst niederkommende Hagelschlag war glücklicherweise nur von sehr kurzer Dauer. Eine Abkühlung brachte das Gewitter jedoch nicht und obwohl es bis in den Abend hinein wetterleuchtete, zeitweise auch donnerte, und gegen 6 Uhr auch noch einmal regnete, blieb die herrschende Schwüle doch bestehen. Hoffentlich bringen die nächsten Tage die Niederschläge, deren unsere Felder und Gärten so dringend bedürsen. **(Eine Warnung für Kornblumensucher) erläßt der Landrat des Kreises Teltow, die wohl allgemeine Beachtung verdient. Die Bekanntmachung lautet: Zahlreiche Klagen aus landwirtschaftlichen Kreisen geben mir Anlaß, die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen, daß bestraft wird, wer sich unbefugt vor beendeter Ernte über Wiesen oder bestellte Aecker bewegt. Abgesehen von der Strasbarkeit liegt es aber ganz besonders im Hinblick auf den Ernst der Zeit im allgemeinen Interesse, das Betreten von Getreidefeldern und Aeckern zu unterlassen. Es ist zu bedenken, daß durch das Niedertreten der Halme ein entsprechender Verlust an Brotgetreide hervorgerufen wird. Besonders schädlich wirkt aber das verbotswidrige Sammeln von Kornblumen und dergleichen. Ich darf erwarten, daß schon dieser Hinweis genügen wird, Unberechtigte von dem Betreten bestellter Felder abzuhalten, und dies als eine patriotische Pflicht anzusehen. Sollte aber dem Verbote trotzdem zuwidergehandelt werden, so würden verschärfte Strafmaßnahmen gegen diese Personen in Anwendung kommen müssen, welche unbesugt bestellte Aecker betreten. Die Orts= und Polizeibehörden werden ersucht, mit aller Strenge einzuschreiten, wenn diese Warnung ferner unbeachtet bleibt; gegen Zuwiderhandelnde ist unverziszlich Strafanzeige zu erstatten. **(Mütter, schützt eure kleinen Kinder vor der Sommerhitze!) Weg mit den Federbetten und den warmen Einwickelungen! Unter das Kind eine Matratze oder einen Streusack, über das Kind eine leichte Wolldecke; Streusack und Wolldecke in einen leinenen sauberen Ueberzuig. Ueber das Bettchen oder Körbchen einen langen Gazeschleier. Gebt jetzt den Kindern nur die Brust. Müßt ihr zur künstlichen Ernährung greifen, dann die beste sauberste Kuh= oder Ziegenmilch! Milch sofort kurz abkochen, kalt stellen. Saubere Töpse; Flaschen und Pfropfen sofort nach dem Trinken säubern. Kurze Gummipfropfen, keine Schläuche! Nicht mehr als 5 bis 6 Mahlzeiten in 24 Stunden. Stellt bei der Hitze die Kinder in einen kühlen Raum. Auch nachts die Fenster auf. **(Zählung der Reisenden in den Zügen.) In allen dem Personenverkehr dienenden Zügen werden am 16., 17. und 18. Juni, am 21., 22. und 23. Juli, am 18. 19. und 20. August d. J. die Reisenden gezählt werden. **(Das Reifezeugnis für Kriegsfreiwillige.) Von Mitgliedern aller Fraktionen unterstützt, ist dem Abgeordnetenhause ein Antrag Wildermann (Ztr.) zugegangen, die Regierung zu ersuchen, Anordnungen dahingehend zu treffen, daß den Schülern höherer Lehranstalten, die während des Krieges von der Unterprima abgegangen und in das Heer eingetreten sind, sowie den in gleicher Lage befindlichen Seminaristen die Erlangung des Reifezeugnisses möglichst erleichtert wird, und zu erwägen, ob das Reifezeugnis in besonderen Fällen auch ohne Prüfung von den Provinzialschulkollegien erteilt werden darf. **(Sonntagsruhe im Güterverkehr.) Nachdem der Wagenmangel der Hauptgattungen nunmehr aufgehört hat, ist im Güterverkehr bis auf weiteres die Sonntagsruhe eingekehrt. Auch hat die Belastung der Güterzüge inzwischen nachgelassen, sodaß der Ausfall weiterer Güter= und auch Eilgüterzüge geplant ist. r:(Sämtliche Kriegsverstümmelte der Provinz Westsalen) werden fortan im Bergmannsheil zu Bochum untergebracht. Die Behandlung erfolgt durch Prof. Dr. Mullstein. An der gewerblichen Fortbildungssckule ist für diese Kriegsverstümmelten ein Lehrkursus errichtet worden. Er erstreckt sich auf Geschäftskunde, Rechnen, gewerbliche Buchführung. Namentlich wird die Verbesserung der Handschrift angestrebt, wobei besonders Rücksicht auf diejenigen Soldaten genommen wird, die zum Schreiben mit der linken Hand gezmungen sind. Der Lehrkursus hat eine besondere Abteilung für Linksschreiben. **(Verwertung des Rhabarbers.) Augenblicklich ist für die Rhabarberverwertung die günstigere Zeit, da der Rhubarber jetzt in großen Mengen, also billig, aus den Markt kommt. Mehr denn je sollten darum die Hausfrauen gegenwärtig darauf bedacht sein, die für unsere Gesundheit so wertvolle Nr. 133. Beilage. Schwitere W 3 Amtliches Kreisblatt. Amerika und Deutschland. Bryan in den„Lusitania"=Beratungen zurückgetreten. + Der Staatssekretär des Auswärtigen im Ministerium des Präsidenten Wilson, der eigentliche Politiker der gegenwärtig von einem kurzsichtigen Gelehrten geleiteten Vereinigten Staaten von Nordamerika, die Hoffnung Englands und aller amerikanischen Munitionslieferungs=Enthusiasten, William Bryacy ist nach einer langen Regierungskonserenz in der„Lusitania"=Angelegenheit von seinem Posten zurückgetreten. such eingereicht, das von Wilson angenommen wurde. Der Rücktritt Bryans sei auf Meinungsverschiedenheiten über die an Leutschland zu richtende Note zurückzuführen. Wilson soll dabei die schroffe(..), Bryan die versöhnliche Tonart vertreten daben.— Lansing„Behans Nachfolger. durch die Spanische Bolschaft verschiedentlich wiederholt worden.,„egierung hat.2 fu Die Französische Regierung hal es für nötig gefunden, darauf zu antworten, daß die Deutschen in Dahomey an gesunden Orten lebten— was nicht zutrifft—, daß nur diejenigen nach Frankreich zu senden wären, deren Gesundheit einen längere den wären, deren Gesu. Aufenthalt in Afrika nich...... Frankreich hat also UlseF or. A Seu dung bereit sei. Sie betone die Unrichtig keit der deutschen Behauptung, daß die „Lusitania“ bewaffnet gewesen wäre, und weigere sich, diese Frage einem.... gericht zu unterbreiten. Die Note leyne auch ab, England gegenüber wegen der Nahrungsmittelblockierung Vorstellungen zu erleben, bevor Deutschland eine Entscheidung getroffen hebe. Schließlich verlange die Note, daß Deutschland seine Kriegsführung mit den internationanen Rechten in Einklang bringen soll. Was Bryan selber sagt. ! In einem Brief an Wilson errlart Bryan:„Ihr Pflichtgefühl und höchste Beweggründe bereiten sich vor, an Deutschland eine Note zu schicken, der nicht anschließen kann, ohne meine Pflicht dem Lande gegenüber zu verletzen. Die Frage, um die es sich handelt, ist.so.„ tig, daß mein Verbleiben im Kabinelt##wohl angesichts der Sache, die mir nahe am Herzen liegt, als auch angesichts meiner Bestrebungen zur Verhütung des Krieges unehrlich sein würde.“ Warum ist Bryan zurückgetreten? liemand weiß es. Klarheit können erst die nächsten Tage bringen, sobald man erkennen kann, welchen Kurs die Politik Wilsons gehen wird. Man kann dem Geheimnis auch kaum mit Mutmaßungen nahe kommen. Bryan versuchte sich in der letzten Zeit mit einer wahren Athleten=Politik gegenüber Deutschland. Mit unverkennbarer Freude meldeten Reuter sowie verschiedene andere englische Berichterstatter aus Washington dieser Tage, daß Herr Bryan eine sehr gepfefferte Note an Deutschland bereits fertiggestellt habe, deren Absendung unmittelbar bevorstehe. Woher sie wohl die Kenntnis von diesem amtlichen Schriftstück hatten? Doch von nirgends anders, als von dem Staatssekretariat des Auswärtigen, welchem Herr William Bryan bis zu diesem Augenblick vorstand. Daraus darf man vielleicht folgern, daß Bryan den Engländern in der Lusitaniafrage mit Gewalt entgegenkommen wollte. Stimmt diese Mutmaßung, dann wäre dieser Rücktritt ein Zeichen für die entschlossene Abneigung der Wilsonschen Regierung, mit Deutschland Schwierigkeiten herbeian“ awver Bryan war stets ein entschlasss ner Pazifist, Anhänger der Frigßenigr Sollte diesek undurchsichtige Pers### zurückgetreten sein, weil sie ihre Friebentendenzen nicht durchzusetzen vermochte?— Ohne Zweifel ist die letztere uns günstigere Mutmaßung die unwahrscheinlichere Die bisher eingelaufenen Meldungen lassen noch immer nicht erkennen, woher der Wind weht. Unterstaatssekretär Lansing der Nachfolger. :: Washingtoner Meldungen zufolge hat Staatssekretär Bryan sein EntlassungsgeWeitere Meldungen über England unterstreichen mit allem Nachdruck die Auffassung, als sei Bryan der Vertreter der friedlicheren Richtung: ::„Bryan widersetzte sich jeder Fassung, die einem Ultimatum an Deutschland ähnlich gewesen wäre, da er sich dadurch mit seiner Friedenspolitik in Widerspruch gesetzt haben würde. In dem Entlassungsgesuch erklärte er dies ausdrück::„Die Note ist mit besonderer Sorgfalt stilisiert, weil man(in England. D. R.) annimmt, daß die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten auf unbestimmte Zeit abgebrochen werden, falls keine Enigung erreicht werden sollte.„„ :: Amsterdam, 9. Juni. Nach zweistündigem Kabinettsrat ließ Wilson offiziell bekanntgegeben, daß die Note fertiggestellt sei und wahrscheinlich morgen, Donnerstag, abgeschickt werden würde. Rotterdam, 9. Juni. Eine Reuter=Meldung besagt, die amerikanische Note beharre auf dem Standpunkt, daß Amerikaner auf unbewaffneten Schiffen in Sicherheit gebracht werden müssen, bevor das Schiff, auf dem sie reisen, torpediert werde. * Man wird angssichts dieser Meldungen gut tun, näheres abzuwarten. Wilson erscheint in diesen englischen Meldungen im Mantel einer Tatkraft, die man ihm nicht gut zutrauen kann. Die deutsche Geduld reißt. Wiedervergeltung für grauenhafte Mißhandlung gefangener Teutscher. Schon im November v. Is. hat die Deutsche Regierung die Forderung gestellt, daß die deutschen Kriegs= und Zivilgefangenen aus Afrika an klimatisch einwandfreie Orte geschickt werden sollten. Diese Forderung ist durch die Amerikanische und auch und Zivilgefangenen in Marokko und in Tunis und den anderen französischen BeRebereinstionnende sicher dort an den besagen, daß unsere Deutsa,.. verschiedensten Plätzen verteilt, und beson ders in Dahomey geradezu schmachvoll behandelt werden. Zum größten Teil zuüssen sie in glühender Sonnenhitze körperliche Arbeiten verrichten(Wegearbeiten, Steineklopfen usw.). In Dahomey ist ihre Bekleiddung völlig unzureichend. Sie durften nichts aus Kamerun oder Togo mitnehmen: in den leichten Sachen wurden sie im Herbst 1914 nach Dahomey gebracht.„Abgerissen“, mit leichten Kopfbedeckungen, verrichten sie ihre Sie wurden fast nie in Europäerwohnungen gebracht, sondern lehen in selbst erbauten Lehm= nder Strohhütten, ohne Moskitonetze, auf. Strohmatten, ja auf dem nackten Fußboden. Zum Teil zimmerten sie sich ihre Betten selbst. Sie müssen selbst kochen, und eine Bedienung wird ihnen zum Teil versagt. Die Bewachung geschieht in entwürdigender Weise durch Schwarze, die den Weißen ihre Macht zeigen. Die französische Zeitschrift„Minoir“ hatte sogar die Stirn, dies in einem Bilde zu bringen, das von einem höhnischen Kommentar begleitet war. Es fehlt an den nötigen Medizinen, nie Chinin usv., sowie an ärztlicher, Hilfe. Ein französischer Arzt sagte:„Ti. Manner „Das Kfimg in Dahomey ist mörderischsten der ganzen Westküste von Afrika.„Nicht nur deutsche, sondern auch französische Fachleute haben sich in diesem Sinne geaußert.„ Gelbes Fieber, Schwarewasserfiener, Malaria sind an der Tagesordnung. Man kann sich nur mit Hilfe von Moskitonetzen egen die Insekten schützen. Wenn es auch rte geben mag, die für den Europäer einigermaßen bewohnbar sind, so ist das Klima im allgemeinen eines der ungesündesten. Nicht besser ergeht es unseren.. gefangenen in Nordafrika. Mit dem fortschreitenden Sommer erböhen sich dort die Tagestemperaturen auf 50 M 60 Grad Celsius. Ohne Trovenhalme müssen unsere braven Soldaten in dieser Gluthitze die schwersten Arbeiten verrichten. Das einwas die Französische Fegigrung bis jetzt zugestanden hat, ist eine.angezzug der Mittagspause von 11 bis 3 Uhr. übereinstimmenden Urteilen von Fac männern ist es für Europäer, und noch dazu solche, die des Klimas ungewöhnt sind, ohne Gesundheitsschädigung unmöglich, diese Arbeiten auszuführen. Noch schlimmer erscheint es, daß die Franzosen auch Verwundete und Kranke nach Afrika gebracht haben und ohne Erbarmen zur Arbeit zwingen. Die Ernährung ist auch vier vurchaus Donnerstag, 10. Juni 1915. unzureichend. Die Pakete aus u### eimat kommen in den meisten Fällen bera es oder gor nicht an. Auch die Geldsendungen gehen sehr unregelmäßig ein. Lutic Die Strafen sind außerorbentlich grausam, eine Tatsache, die aus der Fremdenlegion schon längst bekannt ist. Vielfach haben Kriegsgefangene aus Verzweiflung über ihre Lage den Lockungen zum Eintritt in die Fremdenlegion nachgegeben, wo sie es natürlich nicht besser Aus einer großen Anzahl von Briefen hört man übereinstimmend die erschütternden Klagen über die Leiden unserer gefangenen Krieger in Afrika heraus. Hierbei ist zu bedenken, daß alle Postsachen der Prüfung durch die Zensur unterliegen und die Leute nicht das schreiben können, was sie wollen. Aber durch die eidlichen Aussagen zurückgekehrter Frauen und Missionare und in durchgeschmuggelten Nachrichten zeigt sich stets dasselbe traurige Bild. Unsere Heeresverwattung hat sich gezwungen gesehen, da alle Verhandlungen erfolglos blieben, nunmehr zu Taten, d. h. 311 energischen Gegenmaßregeln. zu schreiten. Das mörderische Klima von Tahomey steht uns nicht zur Verfügung, auch auf dem Wege der Erniedrigung der weißen Rasse durch die Aufsicht von Schwarzen vermag Deutschland dem Kulturstaat Frankreich nicht zu folgen. Aber man wird kriegsgefangene Franzosen ungefähr in gleicher Anzahl wie unsere Kriegs= und Zivilgefangenen in Afrika, aus den schönsten Gefangenenlagern, wo sie alle Annehmlichkeiten und alle Fürsorge seitens der Lagerkommandanturen genießen, zu Arbeiten in die Moorkulturen überführen. Die Auswahl der Gesangenen wird ohne jede Rücksicht auf soziale Stellung und Beruf geschehen, genau so, wie es Frankreich mit unseren Kriegsgefangenen in Afrika macht.. 5 Wir wollen dadurch erreichen, was der Appell an die Menschlichkeit Frankreichs und langmütigste Verhandlungen bisher nicht erreicht haben. Reich. 9 1— Berlen, 5. Juni 1915. — Der„Vossischen Zeitung" zufolge ist der Miterfinder des 42=Zentimeter=Mörsers, Major Maximilian Bauer, von der Universität Berlin ehrenhalber zum Doktor der Philosophie promoviert worden. — Nach einer Besprechung zwischen Regierung und Landtag sollen wegen des Krieges die allgemeinen Neuwahlen zum Weimarischen Landtag um ein Jahr verschoben werden. — Der Kaiser hat dem Staatsminister Grafen v. Hertling in Anerkennung seiner erfolgreichen Mitarbeit bei der Kriegsgesetzgebung und in der Durchführung derselben das Eiserne Kreuz 2. Klasse am weißschwarzen Bande verliehen. Die gleiche Auszeichnung hat Staatsminister v. Seidlein für seine Verdienste um die Vorbereitung und Durchführung der Eisenbahnoperationen des Heeres erhalten. * gr „Faust und Mephisto“. :: Eine sehr interessante Erinnerung räbt die„Germania“, das Organ der ZentVornige Eige. Roman von J. v. Düren. 12 Erist ein hübscher, kluger Junge, die Verhältnisse sind günstig, er gesällt mir, und er ist närrisch verliebt in mich. Genügt das nicht? Vielleicht," fuhr sie sinnend fort,„wenn ich mein Lebensschiff ein wenig hinausgetragen hätte in die große, bunte Welt, dann hätte ich— Aber wozu denn die Grübeleien? So ist es, wie es eben ist. Und morgen gib uns Deinen mütterlichen Segen. Ich din glückliche Braut, der Vormundschaft Ernestines entrückt, und vor der Hand bleiben wir noch eine kurze Zeit alle in seliger Eintracht zusammen. Und nun gute Nacht, Mama. Ein Sperling in der Hand. Nur nicht drohen, ich will schon sehen, mit dem Leben zurecht zu kommen.“ Magdalene schloß leise die Tür und ging zu Maria und Edith hinüber. Beide lagen noch wach und kicherten in ihren Betten.„Magdalene, wir haben gewettet. Du mußt entscheiden, ob ich gewonnen habe. Gibt's noch in diesem Jahre bei uus Hochzeit?“ Freilich,“ erwiberte die Angeredete lachend. „Und Brautjungfern könnt Ihr auch sein. Ernestine als erste mit dem hübschen Hohenfels. Hurra!“ rief Edith.„Adieu, Aktjungfernexamen! Es lebe die Liebe und das vergnügte Dasein. Ich avanciere. Ernestine steht ja schließlich außer Wettbewerb. Morgen werde ich meinen geliebten fünften Band„Rechen Söhne" in Flammen aufgehen lassen zur Ehre Hymens, der gnädig über uns waltet.“ „Wie ist Dir denn zu Mute, Schwesterchen?“ meinte Maria. Ich bin furchtbar schläfrig,“ entgegnete Magdalene gähnend, warf ihr Gewand über den Sessel, reckte die Arme und ließ sich in die weichen Kissen fallen„Bin neugierig, wie unsere lieben Freunde und Bekannten sich zu diesem Ereignis verhalten werden.“ „Besonders überrascht wird man wohl nicht sein; man hat es ja kommen sehen," kicherte Maria. „Gute Nacht, lieber Schwager in spe. Hoffentlich erfüllst Du alle Ansprüche, die mein junges, vertrauendesHerz an einen galauten Schwager macht.“ 3. Kapitel. Das frohe Ereiguis im Doktorhause ward bald bekannt im Städtchen. Die Verlobungsszene voller Rührung, Tränen und verhaltenem Jubel des überseligen Bräutigams, die hübsche Feier im ganz intimen Kreise, die aufregenden Wochen voller Arbeit und Unruhe und Besorgungen, die täglichen Besuche des Bräutigams, alles hielt Frau Physikus und die junge Braut in Atem. Es war vom frühen Morgen bis zum späten Abend ein ewiges Beraten, Probieren, Ueberlegen. Der Amtsrichter war ein ungeduldiger, anspruchsvoller Bräutigam; er hätte am liebsten seine reizende Magdalene vom Fleck weg geheiratet. Wie gerne wäre er in seiner Seligkeit, sie endlich ganz für sich allein zu Gesitzen, an einen weltfremden Erdenwinkel gegangen, um ungestört seiner Liebe zu leben. Er fand dieses allen so wichtige Drum und Drau eigentlich höchst überflüssig und zürnte seiner Braut, wenn sie sich aus irgend einem äußeren Grunde ihm entzog. Magdalene nahm sein heißes Empfinden als etwas Selbstverständliches hin. Sie duldete seine leidenschaftlichen Zärtlichkeiten, aber sie blieb kühl. Er legte ihr die Zurückhaltung als mädchenhafte Scheu, als Wohlerzogenheit aus und hoffte, daß sie später ganz aus sich heraus gehen würde. Dann erst glaubte er die Schätze heben zu können, die in ihrer Seele, in ihrem Herzen, ihr selber unbewußt, schlummerten. Mit Ernestine stand er auf freundschaftlichem Fuße. Er verkehrte wie ein Bruder mit ihr. Ihr gleichmäßiges, ruhig freundliches Benehmen täuschte ihn über ihr inneres Empfinden binweg. Ja, er begann mit Sicherheit anzunehmen, daß sie niemals mehr als aufrichtige Freundschaft für ihn empfunden, und dieser Glaube machte ihn sicher und froh und beruhigte die Stimme seines Gewissens, die ihn manchmal in dem Ransche seines Glückes mahnend bewegte. Es fiel keinem auf, wie blaß und müde Ernestine aussah. Jeder hatte im Doktorhause zu viel mit sich zu tun. Frau Physikus saß schon am frühen Morgen über die verschiedenen Modejournale gebengt und studierte die Zusammenstellungen einiger origineller Toiletten. Abends brachte Berg Zeichnungen für die künftige Wohnungseinrichtung. Man beschloß, kurz vor Weihnachten nach Berlin zu fahren, um einzukaufen. Das Musizieren hatte Magdalene fast ganz aufgegeben. Es gab so viel anderes, was wichtiger war und schneller Erledigung harrte. Leo hatte sich die stillen Herbsttage im Hause seiner Braut anders gedacht. Wie selten kam es zu einem vertraulichen Gespräch, zu einem Gedankenaustansch. Magdalene wußte ihm bei solchen Gelegenheiten geschickt auszuweichen. Gewöhnlich fand er im Doktorhause abends Besuch vor oder man verlangte seinen Rat für irgend eine Anschaffung. Waren die Verlobten kurze Zeit allein, so schleppte ich das Gespräch mühsam weiter oder es endete mit einer Neckerei, mit einem koketten Scherz von seiten Magdalenens. War Leo allein, so war er unruhig, gedrückt. Doch beim Anblick seiner liebreizenden Braut hoffte er von neuem auf ein wirkliches Glück im Zusammenleben mit dem jungen, lebensfrohen, heiter sonnigen Geschöpf. Während man im oberen Stock des Doktorhauses eifrig arbeitete, hatte Ernestine mehr als sonst mit ihren Patienten zu tun. Der rauhe, unfreundliche Herbst brachte viele Krankheiten. Besonders trat eine Scharlachepidenne auf, die zu ernsten Besorgnissen Veranlassung gab und ste zu rastloser Tätigkeit zwang. Die Krankheit verbreitete sich unglaublich schnell. Kaum ein Haus blieb verschont. AlleVorsichtsmaßregeln hatten nur einen geringen Erfolg. Alle Aerzte der Umgegend hatten zu tun, um den Kollegen zu helfen. Man ließ mehrere Schwestern kommen, damit sie die Pflege übernähmen. Für Ernestine bedeutete die schwere, anhaltende Arbeit unglaublich viel. Sie lernte nicht nur, sondern badete sich ihre Seele rein von den eigenen Schmerzen; und die Gedanken, die sie sonst verfolgten und ruhelos machten, waren zurückgedrängt durch die allgemeine Not und Gesohr Im Familienkreise ließ sie sich wenig sehen. Frau Physikus war unglaublich ängstlich. Für sie hatte alles, was mit dem Beruf der Tochter zusammenhing, etwas Widerwärtiges Beängstigendes; und sie beschleunigte den Zeitpunkt der Reise, um so schnett wie möglich dem ungesunden Orte den Rücken zu kehren.„ 225,16 Außerdem pflegte man weniger Geselligkeit. Kamen die Damen allwöchentlich zu einem gemütlichen Täßchen Kaffee zusammen, so sprach man eigentlich von nichts anderem, als von der furchtbaren Krankheit und von den vielen Opfern, die sie bereits dahingerafft. Frau Physikus fielen solche Gespräche stets auf die Nerven. Sie war froh, mit allem Ernsten, Traurigen nicht in Berührung zu kommen. Ihre eigenen Kinder hatte sie in solchen Fällen niemals selbst gepflegt. Ihre Nerven vertrugen keine Nachtwachen, keine Krankenzimmerluft. Da war es der Vater, der stets mit Hilfe einer bewährten Wärterin die Beobachtung und Pflege übernommen. Mitte November reiste sie dann mit Magdalene in Begleitung Bergs nach Berlin. Von Ernestine hatte sie nur kurzen Abschied genommen. Man hatte das Geschäftliche, die Erhebung des Ausstattungsgeldes schon vorher veranlaßt. Somit waren alle Aeußerlichkeiten geordnet, und sonst hatte man sich ja wenig zu sagen. Maria und Edith bekamen hunderterrei Aufträge für die Abwesenheit, und Mine wurde zum letzten Male in der Küche ins Verhör genommen, rumsfrartionen des Reichs= und preußrschen Landtages, aus. Sie erinnert daran, daß am 17. Januar 1873 der Zentrumsführer Windthorst im Abgeordnetenhause gegenüber der damals in Erörterung stehenden deutsch=italienischen Allianz ausführte: „In der Tat, meine Herren, das ist nicht zweifelhaft: die italienische Allianz ist der Uranfang alles Unglücks, welches über Deutschland kommt. Sie nennen es Glück— ich nenne es Unglück, und die Zukunft wird mir recht geben. Es ist eine Allianz wie zwischen Faust und Mephisto, und wir in Deutschland spielen die Rolle des Faust..... Ich bin allerdings der Meinung, daß, so lange diese italienische Allianz dauert, wir zur Ruhe nicht kommen, und Europa auch nicht.“ Mephisto hat den Faust betrogen, ganz wie das italienische Mephisto=Königreich. Aber Faust hat sich letzten Endes durch sich selbst, durch eigene Kraft, gerettet und über Mephisto triumphiert. Auch in diesem Punkte wird der Faust=Mephistovergleich zutreffen; dafür werden die österreichischen Waffen schon sorgen. :: Den feindlichen Ausländern, die sich in Berlin aufhalten, ist aufgegeben worden, Berlin nur mit Genehmigung der Kommandantur zu verlassen. Die Waterloofeier der Deutsch=Hannoverauer ist bekanntlich vom zuständigen Generalkommando untersagt worden. Darauf erläßt nun das Direktorium der deutsch=hannoverschen Partei, unter Zeichnung durch den Reichstagsabgeordneten Frhrn. von Schele, folgenden Aufruf: „Die vorjährige Landesversammlung der Deutsch=Hannoverschen Partei zu Stade hatte beschlossen, daß der hundertjährige Gedenktag der Schlacht von Waterloo in allen Teilen des Hannoverlandes festlich. begangen werden sollte. Die Gedenkfeier sollte die Väter ehren, die in jahrelangem Streite für das angestammte Fürstensaus und für ihres Vaterlandes Freiheit gekämpft und diesen Heldenkampf durch den glorreichen Sieg bei Waterloo gekrönt haben. Das Völkerringen der Gegenwart macht uns eine würdige Feier unmöglich. Das Direktorium der DeutschHannoverschen Partei empfiehlt daher, die vaterländische Feier des Gedächtnisses der Väter von der Deutschen Legion und von Waterloo zu vertagen, bis die Söhne unseres Vaterlandes vom gegenwärtigen Kampfe heimgekehrt sein werden.“ " Die Hannoveraner waren bekanntlich an der Schlacht von Waterloo besonders stark beteiligt, so daß in Hannover die Erinnerung gerade an diese Schlacht besonder: lebhaft im Volksgeiste fortlebt. Mitgliederversammlung des Deutschen Luftflottenvereins. :: Der Deutsche Luftflottenverein hiell am Sonntag in Berlin seine Mitgliederversammlung ab. Der Verein zählt jetzt über 30 000 Mitglieder. Gegenüber gemeinschädlicher Spekulation, die dem Publikum wichtige Verbrauchsgegenstände künstlich vorenthält, wird aus Kleinsandelskreisen in Vorschlag gebracht, beim Bundesrat dahin zu wirken, daß auf Angebote von Kriegswaren, die im Lande benötigt, aber nicht in zu großen Mengen vorhanden sind, in gleicher Weise wie durch die Bundesratsverordnung beim Reis, die Beschlagnahme ausgesprochen und die betreffenden Waren zu normalen Tagespreisen vom Reich übernommen werden.— Als Beispiel wird z. B. ein Inserat angeführt, In dem u. a. 200000 Zentner Kerzen angeboten wurden, eines Artikels also, der sonst gar nicht mehr zu haben ist und hier offenbar zum Zwecke der Spekulation längere Zeit festgehalten worden war. Handelskammer und Heereslieferungen. :: Die Feldzeugmeisterei hatte in einem Rundschreiben angeregt, daß die Handelskammern gegebenenfalls Heereslieferungen übernehmen möchten, damit auch kleinere Firmen berücksichtigt werden könnten. Der preußische Handelsminister hat sich hierz. wie folgt ausgesprochen: „... daß die Handelskammern selbst als Großunternehmer auftreten... eine solche Beteiligung der Handelsvertretungen würde allerdings mit ihrer Befugnis, zur Erhebung öffentlich=rechtlicher Abgaben nicht vereinbar sein. Dagegen liegt es durchaus im Aufgabenkreise der Handelsvertretungen, wenn sie im Sinne der sehr beachtenswerten Anregung der Feldzeugmeisterei, ohne Uebernahme finanzieller Verpflichtungen, für die Beteiligung kleinerer Firmen an Heereslieferungen wirken, sei es, indem sie die beteiligten Firmen zu einer Organisation zusammenschließen oder eine die Vermittelung der Heereslieferungen übernehmende Zentralstelle für ihren Bezirk ins Leben rufen, sei es auch in der Weise, daß sie die ihnen. mitgeteilten Aufträge der Heeresverwattungsstellen an die beteiligten Firmen ihres Bezirks unter Berücksichtigung der Leistungs. jähigkeit weiter leiten und unterverteilen.“ Ausland. ee. * Auch die neutrale Schweiz wird durch den Krieg aufs schwerste in Mileidensschuft Ein Vierlehaht&a Errr onlieg. 9* O TTLANO Er#and vor # 0 boruch 4.4# 0 G 0 # Sthm *0 * * 9 ## Goren * E N 6 1A N 0 5 8 6 2 Mr e werpect Bringe 95 FRANKREICA —.— alch Die bisherigen Opfer der deutschen Unterseedoote. gezogen, va altes teurer wird und der Staat erhebliche Aufwendungen für den Krieg machen muß. Bei der am Sonntag vollzogenen Volksabstimmung über die eidgenössische Kriegssteuer ergab deren Annahme mit überwältigender, in der Geschichte der Volksabstimmung nie dagewesenen Mehrheit: durchweg stimmten in allen Kantonen annähernd 25 Mann mit ja. Die Steuer betrifft die Einkommen von über 2500„“... Schweiz. * Die Schweiz will sich nicht durch unbesonnene Elemente in Schwierigkeiten drüngen lassen. Daher hat die Regierung strafrechtliche Maßnahmen vorbereitet, wonach mit Strafen bedroht werden: 1. Kundgebungen zur Veranstaltung von Umzügen. 2. Das Tragen von Abzeichen kriegführender Staaten. 3. Beschimpfungen kriegführender Heere, Länder und Staatsoberhäupter. 4. Provatandatätigkeit zugunsten der einen oder der anderen kriegführenden Michr. Die Beurteilung wird der Mililärjustiz übertragen, die Antragstellung bleibt aber dem Bundesrat vorbehalten.— Die Arnahme dieser Bestimmungen ist gesichert. — England. * Die Arbeiter werden der Regierung immer unbequemer. Der Ausschuß der Gewerkschaften veröffentlicht ein Manifest, in dem er die Regierung und das Volk darauf hinweist, daß in zwei Wochen ganz Lancashire sich in einem industriellen Riesenstreik befinden könne. Das Manifest bedauert, daß die Regierung unfähig war, wirksam die Preise für Lebensmittel, Kohle und Kriegsgewinne zu kontrollieren, und betont, daß die Lebensmittelpreise seit einem Jahre um mehr als 25% sliegen. Die Steigerung der Kohlenpreise sei noch ernster. Die künstlich gesteigerten Kohlenpreise verringern die Arbeitsgelegenheit. Verschiedene Industrielle sagen bereits, daß sie ihre Werke schließen müssen. Falls diese Entwicklung sich ausdehnt, wird eine sehr ernste Lage entstehen. Das Manifest rechtfertigt die Forderung der Arbeiter in Lancashire nach einer Kriegszulage. Während etwa eine Million Arbetter die Zulage erhielten, bekamen zehn oder zwölf Millionen keine. Die Regierung vernachlässige die Organisierung der Eisenbahn und der Ueberseetransporte. Es sei kein Grund vorhanden für eine Gesetzgebung aus Panik und für eine industrielle oder militärische Wehrpflicht. Niederlande. * Holland hält seine Vorräte. Die Ausfuhr aller geschmolzenen und ungeschmolzenen Fette, von Mischungen mit solchen Fetten und von Pflanzenölen und Pflanzenfetten ist verboten worden. Damit wird einer der allerwichtigsten Zweige des holläudischen Handels lahmgelegt.111 4 Der Krieg mit Italien= Der Anfang der Sorgen. Die deutschen Siege in Galizien über die letzte Macht der Russen haben die Stimmung in Italien bereits gründlich umschlagen lassen. Man steht bereits mitten in der Fülle der Sorgen einer großen Niederlage, und glaubt schon nicht mehr an die Möglichkeit eines Sieges. Sogar das schlimmste deutschfeindliche H#### in:. der „Messaggero", bezeichnet einen italienischen Sieg im Trentino und in Triest als wenig wahrscheinlich und fürchtet auch, daß eine neue Niederlage Rußlands üble Folgen für Italien haben werde. Man weiß eben bei allen Urteilsfähigen, daß dieses Vortbruch=Abenteuer mit einer Katastrophe enden muß. Zwar sucht man sich mit Meldungen über eine angebliche...941 „Hungersnot in Deutschland“] zu trösten. Auf Grund von Depeschen der „Idea Nazionale“ aus Bern bringen die italienischen Blätter lange Schauerberichte oon der angeblich in Deutschland herrschenden Teuerung, Hungersnot und Verzweiflung. In Leipzig, Stuttgart und anderen Städten sei Revolution ausgebrochen. Das Volk ziehe drohend vor die Rathäuser und verlange Brot. Die Polizei sei eingeschritten, wobei es, wie es heiße, sowohl bei der Polizei wie beim Volk Schwerverwundete gegeben habe. Jetzt habe die Regierung drakonische Maßnahmen ergriffen, und alle Straßen seien durch Patrouillen bewacht. Den meisten Einsichtigen aber ist dieser Schwindel zu toll, so daß er die wachsende Mißstimmung nicht zu beseitigen vermag. Die schlechte Lage des Sanitätsweseus: tut dazu das ihrige, um die Stimmung niederzuhalten. Neuerdings atmet man in dieser Hinsicht wieder etwas auf. denn die religiösen Orden nehmen sich in großem Umsang der Sache an. Meldungen aus Rom besagen, daß zahlreiche Angehörige von Priesterorden im italienischen Heeresdienst stehen. So sind 800 Salesianer und viele Karmeliter in den italienischen Sanitätsdienst eingetreten. Damit ist viel, aber im Vergleich zu dem zweifellos kommenden Riesenbedarf nur wenig gewonnen, und da auch keine Verlustlisten ausgegeben werden, sind die Angehörigen der Eingezogenen aufs höchste geängstigt. Verantwortlich für die Redaktion Friede. Kraat, Drusk u. Verlog von Coel Braus, beide in Schwerte . S 889 STSER 2: knüpfte daran eine amüsante Geschichte, die seiner Versicherung nach einem seiner Freunde passiert war. Diest hatte von seinem Landhause aus in Begleitung seines Pudels einen weiten Spaziergang gemacht. Als er den Rückweg antrat, lehnte er den Schirm an einen Baum, und das gelehrige Tier sah das als eine Aufforderung an, den Schirm zu tragen, wie es dies so oft getan. Fast zu gleicher Zeit setzte ein heftiger Regen ein, und der Pudel jagte in wilden Sätzen davon. Durchnäßt kam sein Herr zu Hause an ur fand an der Tür seinen Pudel, der ihm den Schirm präsentierte. Dieser Spaß, den Arago in drastische Worte kleidete, gefiel dem Wächter des Hauses, und der Erzähler knüpfte ähnliche Schnurren daran. Es schlug zwölf, und die Frau des Portiers, ebenfalls mit einem Besen bewaffnet, nahte, um ihren Gatten zum Frühstück abzuholen. Der gewandte junge Mann behandelte die gute Frau mit der größten Höflichkeit und gewann dadurch ihre Zuneigung, um so mehr, als er in ihr eine Aehnlichkeit mit einer vornehmen Dame entdeckte, die in einer sogleich erzählten, sehr rührenden Geschichte eine Rolle spielte. (Schluß folgt.) Denkspruch. Witzt ihr, wann einst der Völker Morgenstern erblinkt, Wann erst erblüht Europas goldner lenz? Sobald der Beiten Inselreich ins Meer verlinkt, Belaltst mit dem Fluch des Kontinents. Heinrich Vierordt. Partie Nr. 413. Turnierpartie, gespielt zu Mannheim am 20. Juli 1914. Spanische Partie. Weiß: W. John, Breslau. Schwarz: Dr. S. Tarrasch, Nürnberg. WR Weiß: 2 Steine. Weiß zieht an und gewinnt. Juuigisb gun z29gfl. S 90—9IA+9(in ge%PSp, 261. S 90—212+1—95J, 7 89—90·1 9E—IEI 7 Weiß: Schwarz: 1. 62—64 e7—e5 2. Sgl-f3 8b8—c6 3. Lf1—55 a7—a6 4. LböXc6 d7Xc6 5. d2—44 Lc8—g4 Dies scheint fast noch ungünstiger als die übliche Wendung eöXd4 6. Daix d4 DdsXd4 7. S13Xd4, worauf wir c6—c5 immer noch für die beste Fortsetzung halten. 6. d4Xe5 DasXd1+ 7. KelXd1 0—0—0+ LgIXf34 ist für Weiß noch günstiger, weil der Be5 alsdann ausreichend gedeckt werden kann. 8. Kd1—e2 T08—e8 9. h2—53 Auf 9. Lcl—14 gewinnt. Schwarz mit 17—16 den Bauern bei gutem Spiel zurück. Bearbeitet von E. Schallopp. Aufgabe Nr. 410. Endspielstudie von Fr. Sackmann in Kaiserslautern („Münchener Zeitung" 1912). Schwarz: 3 Steine. 9. 10. Ke2—13 11. L.c1—14 12. Sbl-02 13. Tal—el Lg4X/3Te8Xe5 Te5—e6 L18—46 S88—16? Ein böser Rechenfehler! Schwarz hat das Qualitätsopfer des Anziehenden offenbar unterschätzt. 17—16 ist jedenfalls vorzuziehen. 14. e4—65! Th8—e8 Auf S16—45 könnte solgen: 15. e5Xd6 Te6—16 16. 82—g3 g7—g5 17. S02 —e4 Tf6—f5## 8. K13—g4. 15. e5Xf6: Tetxel 16. ThlXel TesXel 17. 16Xg7 Tel—e8 18. Lf4X46 c7Xd6 19. 802—e4 Te8—88 20. Se4Xd6+ Kc8—47 21. Sd6—15! Kd7—e6 22. K13—14 Ke6—16 23. 82—g4 h7—h6 24. h3—h4 Kf6—e6 25. Kf4—e4 Hier könnte recht gut sofort 25. h4—h5 geschehen, etwa mit der Fortsetzung Ke6—f6 26. g1—85- h6X 65+ 27. Kf4—64 Tg8—e8 28. h5—h6 Kf6—66 29. S15 —e7+ oder 28..... Tes —44+ Kg4—13 usw., bzw. 25..... f7—fö 26. c2— c4 b7—b5 27. cIXb5 a6X b5 28. b2—b4 K16—47 29. S15—h6 Tg8Xg7 30. Kf4 5#Tg7—hT 31. S16—68 mit entscheidendem Vordringen auf dem Königsflügel. 25..... Ke6—f6 Auf 17—16 zieht Weiß sofort 26.h4—h5, bringt dann ebenfalls die Bauern Damenflügels zum Stiustand und gewinnt ebenso, wie in der letzten Anmerkung ausgeführt. 26. 12—13 27. Ket—14 28. h4—15 29. g4—6530. Kf4—84„ Erzwungen angesichts der Drohung h5—h6. 31. S.5Xg7 32. Kg4Xg5 Tg8—e8+ Te8—68 c6—65 b6X85+ Tg8Xg7 KfUXg7 57—5 33. 13—14 31. a2—34 35. a4Xb5 36. b2—53 Aufgegeben. Zu spät! Eine junge Dame geht spaßeshalber zur Kartenlegerin. Die Seherin breitet die Karten aus und beginnt in feierlichem Ton:„In der Liebe werden Ihnen allerlei Widerwärtigkeiten geschehen. Sie werden im Herzen des Geliebten viele Nebenbuhlerinnen haben; sehen Sie die beiden schwarzen Damen, die rechts und links von ihm liegen! Aber— schließlich werden Sie doch seine Frau. Er ist groß und dunkel, ein schöner Mann und sehr reich, er wird Sie mit Juwelen schmücken—“ Hier unterbricht die junge Dame lachend den Redeschwall:„Das ist ja herrlich! Ich hätte gern noch mehr gehört, aber ich muß gehen. Mein Mann wird schon unten auf mich warten. Er versprach, nach Bureauschluß hier vorbeizukommen. Hoffentlich bringt er gleich ein paar Juwelen mit!“ SS#Sg E EOTG!ODTSITBRUG S S 9 *—** S 29 STESESERR STTETN Pempunter: Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 133. Donnerstag, 10. Juni 1915. Blte, orr Kriegssrrichterstatter. 4 Ritter. # ie? 24 0 ist antwortete ich.„ 5 er eine Jungfrau vom Stamme der Beni Dschebbar zum Weibe nimmt?“ „Dann allerdings,“ sagte Rahda langsam,„aber er kennt doch keine Töchter unseres Stammes.“ „Keine?“ fragte ich lächelnd. kennt dein Freund, Effendi, und das Zug pragte sich auf ihrem fragte ich leise. OC OS „Nur mich kenn Sie unterbrach sich plötzlich und heftete ihre großen vicht weitsz. TI. rageze. Es amüsierte mich, sie etwas in Vertegenhen zu „Effendi,“ sagte sie stockend,„glaubst du etwa, Ich nickte.„Jawohl, Rahda, du sollst die Rose sein, deren Duft er trinken will.“ „O Allah il Allah!“ Sie preßte ihre Hände ans Herz, und ein todestrauriger### Geuchtchen aus. Bahdg„ „Du bist erschrocken, Rahoa? „Nicht wahr, Eflendi, du scherzest, du wolltest mich ich die Wahrbiete gogn Sie blickte sinnend vor sich hin und sagte vunn plößzlih:..... In Mise „Effendi, wurbest bu ein Madchen, liebst, zum Weibe nehmen?“ wiß nicht!“.„„„#4 „Habenbei euch im Avenslande die Frauen nicht dieselben Rechte wie der Mann?“ „In moralischer Beziehung, ja.“ „Nun, würde man mich aus eurem Stamme ausstoßen, wenn ich einem Manne, für den mein Herz nichts fühlt, sage, daß ich ihn nitzt liebe?“ „Nein, es kann dich niemand zu einer Verbindung „Auch nicht, wenn das Gebot der Dankbarkeit in Frage käme?“ „Auch dann nicht!“.... 96 daß „Nun, Effendi, dann sage deinem Freunde, baß ich ihn liebe, wie eine Schwester ihren Bruder aber sein Weib nicht werden kann. Willst du es ihm mitteilen?“ „Ich verspreche es dir.“ „Ich danke dir, Effendi! Und nun, gute Nacht!“ Während Rahda schon schlief und Joseph Biller Reiseerzählung von Otto Ritter. “4. Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) Auch nicht, wenn 1 noch in seinem Arbeitszimmer schrieb, saß ich träumend auf der Veranda. All das Sonderbare, das ich erlebt. zog noch einmal an meinem Geiste vorüber und formte sich zu einem schönen, lieblichen Bild— Rahda. Am nächsten Morgen überraschte mich Biller mit der Nachricht, daß er eine Depesche erhalten habe, die ihn sofort nach Marokko beordere. Da war natürlich nichts dagegen zu machen, und schließlich war es mir sogar ganz lieb, daß wir Rahda jetzt in ihre befördern konnten. Es wurde beschlossen, zunächst nach Algier zu reisen, um von dort auf dem Lanowege Asur zu erreichen. Wir teilten Rayda unseren Entschluß mit, und ich sah es ihr an, wie sehr sie sich auf die Heimkehr freute.— 4. Kapitel. In der Wüste. „Sei mir gegrüßt, du Land der ewigen Sonne! Sei mir gegrüßt, du lieblichste unter den Weideplätzen des sandigen Landes, Algrekia, sei gegrüßt: Deine Moscheen sind herrlich wie die Vorhofe des Paradieses und würdig, die Wohnung Ailahs zu sein. Marabut(Heiligenverehrung) in deinen Mauern kommt der herrlichsten unter den Kawakas in Mekka gleich, und die Pilger sinten bei deinem Anblick dankend in den Staub. Deine Töchter, o Algretia, sind sanft und lieblich wie die Frauen des Padischahs, ihr Haar dustet wie die Gärten der Nemschen, und ihr. ist schlan. wie die Rosse Mohammeds. Allah il Auuh, sei mir So sang einst der arabische Dichter Seid Mohammed eine Hymne auf Algier; allerdings nicht auf das heutige Algier, denn seit dieser Dichter den Pegasus ritt, sind inzwischen 550 Jahre verflossen. Die französische Kolonie an der Nordküste Afrikas, zwischen das du nicht Marokko und Tunis, dem Mittelmeere und der Sahara, hat natürlich längst ein anderes, kulturelleres Gepräge angenommen. Ehemals nur von den Arabern und Berbern bewohnt, findet man dort jetzt alle Völkerklassen vertreten. Mohammedaner, Franzosen, Spanier, Italiener, Marokkaner, Tunesen, Juden, Portugiesen und Deutsche, letztere rekrutieren sich hauptsächlich aus Elsaß=Lothringera, all diese Völterklassen stempeln Algier zu einer wahrhaft internationalen Kolonie. Für den Deutschen ist Algier kein Lebensgebiet, er kang und wird sich dort auch niemals entwickeln können, denn die Geburten bleiben weit hinter den Sterbefällen zurück. Die Araber(Beduinen) sind echte Nomaden, meist Abkömmlinge der dritten Invasion im —— ###### — S= 5 S5gSE S Sn 8# 9 SSMEH" aSST S# 8 r•g 5 BEZFS B Sn 2 5 S aag. S# S SSg B H. E 8 * SaES S 3— 9—2 S u. Sie#rans „SUg BSSESTTANE E 5 5 Jag-nn n SAEy-SPEE 8 8 1S S 8 85 E BSE 8 FSE * 8 ** * S•Rg * ∆• 2.— B E 5528 *„=„ O a * J—WB # SggapSS- S süue BURUEESSE * B 5 S S S. 083 2 5 ESS 8 S 5 S H soS:ISs S. a S„„ S a GTEGSEE •- T 9 SS2RTT 9 17 50 S. T A E S SpEISS S RB GETAN 8 15 S 2. . Se 55##eS#5 * elften Jahrhundert, die ihre Namen unverfälscht erhalten haben. Zwischen ihnen und den Fremden besteht eine tiefe Kluft. Sitten, Sprache, Religion, Geschichte, Tradition, alles trennt sie von den verhaßten Rumih(Christen). Im Laufe der Jahrhunderte sind die Eingeborenen immer weiter in die Wüste zurückgedrängt worden, und bisher hat die französische Nation jedes Fleckchen Sand noch mit Blut erkaufen müssen. Die Fehden werden auch nie aufhören, bevor nicht der letzte Araber von der Erde vertilgt ist. Da aber ein Araber zäher und kriegsgewandter ist als zehn Söldner der Fremdenlegion zusammen, so wird sich die„Grande Nation" noch manchen Zahn auszubeißen haben. Wir hielten uns bereits seit einer Woche in Algier auf und waren gerade im Begriff, nach Oran abzureisen, als wir die Nachricht erhielten, daß die marokkanischen Unruhen immer größere Dimensionen annähmen. Wären wir beide allein gewesen, so würden wir unverzüglich zum Kriegsschauplatz abgereist sein; aber so mußten wir auf unseren Schutzling Rücksicht nehmen. Wir beschlossen also, noch am nächsten Tage vormittags nach der marokkanischen Grenzstadt Igli abzureisen, um von dort aus den Weg zum Stamme der Beni Dschebbar einzuschlagen. Nach endloser Fahrt kamen wir endlich am dritten Abend in Igli an und begaben uns sogleich in einen Kawahn(Gasthaus), wo wir glücklicherweise drei verhältnismäßig saubere Zimmer erhielten. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als mein Kollege mich weckte, und eine halbe Stunde später machten wir uns auf den Weg, um die für unsere Wüstenreise erforderlichen Dinge zu kaufen. Zunächst war es wichtig, daß wir uns mit guten Pferden versorgten, und es gelang uns auch, von einem jüdischen Händler ziemlich vorteilhaft drei hübsche Tiere einzuhandeln. In Igli war nicht sonderlich viel von den Unruhen zu merken, das Volk verhielt sich ruhig, und nur die ab und zu durch die Straßen patrouillierenden Kawassen erinnerten daran,„daß etwas faul im Staate" war. Nachdem wir noch Sattelzeug und Munition gekauft hatten, betraten wir eins der zahlreichen Kaffeehäuser, um einen kleinen Imbiß zu uns zu nehmen. Kaum hatten wir Platz genommen, als ein Mann das Lokal betrat und sich an einem der kleinen Tischchen niederließ. Obgleich er mir den Rücken zuwandte, wollte es mir doch scheinen, als ob mir dieser Mensch schon mal begegnet wäre. Ich machte meinen langen Kollegen, der eifrig in seinem arabischen Lexikon las, darauf aufmerksam, doch schüttelte dieser den Kopf. „Kenne ich nicht, Kollega, irrt Euch!“ „Bestimmt nicht, paßt auf, wir werden sehen!" Unauffällig stieß ich meine Mokkaschale vom Tisch, so daß sie in Scherben zu Boden flog, mein Zweck war erreicht. Durch das Geräusch der zu Boden fallenden Scherben auf uns aufmerksam gemacht, wandte sich der Fremde um, und wer war es?— Alfonso Gomez, der einäugige Mädchenräuber. Kaum hatte er uns erblickt, da sprang er mit einem Fluche auf und eilte hinaus. Auch Biller war angesichts dieses Menschen wie von einer Tarantel gestochen emporgefahren und stürmte nun, den Revolver aus der Tasche reißend, Gomez nach. An der Tür gelang es mir, meinen aufgebrachten Kollegen einzuholen und festzuhalten, doch fuhr er mich wütend an:„Laßt los,“ schrie er,„ich muß den Kerl haben!“" „Bleibt hier, Kollega, was wollt Ihr mit dem Kerl anfangen?“ „Dämliche Frage, aufhängen will ich den Schuft.“ „Mit dem Revolver?“ „Erst schieße ich dem Kerl ein halbes Dutzend Kugeln in die Gebeine.“ Ich gab mir alle Mühe, den rasenden Roland zu beruhigen, was mir denn auch schließlich gelang. Als wir uns wieder an unserem Tisch niedergelassen und Joseph Biller seinen Revolver in die unergründlichen Hosentaschen versenkt hatte, meinte er kopfschüttelnd: „Wißt Ihr, lieber Kollege, Ihr habt doch eine große Eselei begangen!“ „Wieso, Mr. Biller?“ „Nun, daß Ihr den Kerl laufen ließt.“ „Angenommen,“ entgegnete ich,„Ihr hättet den Menschen festgenommen, was dann?" „Ich hätte ihm selbstredend zunächst die Jacke voll gebauen und ihn dann der Polizei überliefert.“—„Ersteres hätte sich ja machen lassen, aber mit der Polizei ist das hier solch eine Sache, die hätte diesen Gentleman gar nicht behalten.“—„Oho, Mister Chevalier, der Mann ist ja ein Verbrecher, und die Polizei würde mir dankbar sein, wenn ich ihr solch einen gefährlichen Patron in die Hände liefere." „Da seid Ihr sehr im Irrtum, lieber Mister Joseph; denn nach den Gesetzen des gelobten Landes hat Gomez überhaupt kein Verbrechen begangen; man würde Euch also nur auslachen.“—„Also ist hier der Mädchenraub gestattet?"—„Ja. Der Räuber kann nur von den Angehörigen seines Opfers gerichtet werden, denn durch den Raub verfällt er der Blutrache."—„Nette Zustände,“ schimpfte Biller jetzt,„scheint hier überhaupt eine recht finstere Gegend zu sein.“—„Ihr seht also, lieber Kollege, daß Ihr mit Eurer Gewaltmaßregel nicht allzuviel ausgerichtet hättet. Durch den Zwischenfall sind wir aber jetzt zur äußersten Vorsicht gemahnt worden.“— Biller sah mich fragend an.„Glaubt Ihr, daß der Kerl uns bei Gelegenheit abfassen wird?"— „Uns wohl weniger, aber unseren Schützling, die kleine Rahda!“— Der gute Joseph starrte mich ganz entsetzt an:„Ihr meint, daß er versuchen wird, sich der Kleinen nochmals zu nähern?"...„Ich weiß es bestimmt. Und deshalb dürfen wir jetzt, solange wir uns hier aufhalten, nicht mehr zusammen ausgehen, sondern einer von uns muß sich fortwährend in Rahdas Nähe aufhalten.“—„Alle Teufel," schrie der lange Amerikaner und sprang auf,„Ihr habt recht; sofort nach Hause!“— Er brüllte nach dem bedienenden Boy, warf diesem ein Geldstück zu und stürmte mit Riesenschritten davon. In unserem Hotel angelangt, fanden wir zu unserer Beruhigung Rahda wohl und munter vor, und deutlich glaubte ich zu hören, wie dem guten Joseph ein Stein vom Herzen fiel. Wir erzählten der Kleinen nichts von der Begegnung, denn so mutig sie auch war, würde sie sich doch, weniger um sich als um uns, geängstigt haben. Die von uns gekauften Pferde waren auch bereits eingetroffen und in dem Stall des Gasthauses untergebracht worden. Da auch unsere sonstigen Einkäufe besorgt waren, so schlug ich vor, gleich mit dem Frührot des nächsten Tages die Sättel zu besteigen und dem Heimatsdorf des Wüstenkindes entgegenzureiten. Rahda und Biller waren mit dem Vorschlage völlig einverstanden, und so begaben wir uns denn auch gleich nach dem Tee zur Ruhe, um am anderen Morgen zu dem nicht kleinen Wüstenritt gestärkt zu sein. Vielfach herrscht die Meinung, nur eine Riesenfläche Sand sein, auf Bäume, Felsen usw. zu finden sind. falsch, wenigstens im allgemeinen. Es gibt Wüstenstriche, namentlich in der Gidi=Wüste, die sehr fruchtbar sind und auch von den Arabern ökonomisch weitgehendst ausgenutzt werden. Kommt man nun tiefer in die Wüste hinein, so ändert sich das Bild allerdings gewaltig. Ein Meer von Felsen bildet gewissermaßen die Grenze der Kultur, und hinter ihm beginnt das Reich des Wüstenkönigs. Während die Gidi=Wüste ziemlich reich an Wasser und Dattelbäumen ist, findet man in der Sahara nur wenige gute Oasen. eine Wüste könne der weder Wasser, Diese Ansicht ist (Fortsetzung folgt.) landel bild ler. 20 Das älteste Papier in Deutschland. Aus der Dase Turfan, der die deutschen Sammlungen schon so manchen wertvollen Schatz einer alten Kultur verdanken, ist uns durch eine Handschrift aus dem Jahre 399 n. Chr. das älteste Papier geschenkt worden, das gegenwärtig in Deutschland vorhanden ist. In der„Zeitschrift für Bücherfreunde" macht Dr. Bogeng auf dieses merkwürdige Dokument aufmerksam, das ein treffliches Zeugnis für die Haltbarkeit von Papier darbietet. Die im Königlichen Materialprüfungsamt durch Prof. Herzberg vorgenommene Untersuchung ergab, daß die meisten bei diesem Papier verwendeten Fasern dem Chinagras entstammen, doch sind auch Fasern des Papiermaulbeerbaumes nachweisbar. Zum Schreibstoff ist es in ziemlich umständlicher Weise hergerichtet worden: durch Ueberstreichen mit einem durchsichtigen Klebestoff, durch Bestreuen mit Weizenmehl, durch Pressung. Neben günstigen Verhältnissen der Aufbewahrung bedurfte es eines schon sehr hoch entwickelten Papierherstellungsverfahrens, um dieses Papier noch nach 1500 Jahren in so gutem Zustande zu bewahren, während man das Lebensalter unserer besten Papiere auf höchstens 1000 Jahre einschätzt. Aufregende Stunden. Eine wahre Begebenheit, erzählt von Adolf Thiele. (Nachdruck verboten.) Die jungen Männer hatten den Ausbruch aus dem Gefängnis sorgfältig vorbereitet. Es war im Jahre 1834, als sie, etwa vierzig an der Zahl, infolge des blutigen Aufstandes in Lyon gefangengenommen und in das Gefängnis zu Sainte=Pelagie zu Paris gebracht worden waren. Ein junger Pariser Lustspieldichter war mit einigen dieser politischen Gefangenen eng besreundet, und er entwarf den Plan zur Flucht. Es war dies Etienne Arago, dessen späteres. Leben so wechselvoll verlief. 1848 zum Direktor der Posten ernannt, mußte er im Jahre darauf nach dem Mißlingen des Aufstandes ins Ausland flüchten, wo er zehn volle Jahre im Exil lebte. Dann kehrte er nach Paris zurück, wurde Theaterrezensent; 1870 war er eine Zeitlang Bürgermeister vom Seinebabel, und später wurde er Direttor des Luxemburg=Museums. 1892 starb er in sehr hohem Alter. Doch nun zu den Flüchtlingen zurück! Die jungen Männer, die im allgemeinen manche Freiheit genossen, legten in einem Gefängnishofe, der ihnen zur ausschließlichen Benutzung überlassen war, einen Tunnel an. Sie hatten in einem Winkel des Hofes einen Haufen Kisten und anderes Gerümpel aufgetürmt, und hier befand sich der Eingang zu dem Tunnel, in dem stets einige von ihnen arbeiteten. Die herausgeschaffte Erde wurde verteilt und dann zu den Stuben hinausgeworsen, so daß ihre Anhäufung nirgends auffallen konnte. Ein sinnreich eingerichteter Aufpasserdienst hielt die Gefangenwärter fern. Arago hatte die Richtung und Länge des Tunnels genau bestimmt, und zwar stand es fest, daß dieser im Garten eines Hauses der Rue Copeau münden würde. Nach langer, mühseliger Arbeit war nun der Tunnel sertiggestellt, und die Stunde des Ausbruches war festgestellt worden. Es wurde ausgemacht, daß die Gefangenen, um ein auffallendes Zusammenströmen zu verhindern, in einer bestimmten Reihenfolge in den Junnel eintreten und hindurchkriechen sollten. In der Naye des Hauses, in dessen Garten der Tunnel mündete, stand eine große Anzahl Wagen bereit, welche die Gefangenen sofort über ganz Paris zerstreuen sollten. Dann war ja alles gut, denn die Aufgabe, die jungen Männer in allerlei Verkleidungen aus Paris hinaus und dann später über die Grenze zu schaffen, konnte nicht schwer falten. So wäre alles in Ordnung gewesen, wenn sich nicht noch eine gewaltige Schwierigkeit geboten hätte: die Aufgabe, aus dem Hause hinauszugelangen. Letzteres gehörte zu den zahlreichen Häusern in Paris, die sich von innen ohne die Hilfe des Portiers nicht öffnen lassen, vielmehr muß dieser erst eine in seinem Erdgeschoß befindliche Schnur in Bewegung setzen, um die Tür zu öffnen. Es war also nötig, diese zur Stunde des Ausbruches offen zu halten, damit der Portier nicht Lärm schlagen konnte. Sah dieser die Gefangenen kommen, schloß er seine Tür und rief zum Fenster hinaus nach der Polizei, so konnte das ganze Unternehmen scheitern. Da sprang nun wieder Etienne Arago in die Bresche. „Kinder, das mache ich.“ schrieb er den Gefangenen. „Ich kenne ja die Portiers; wie oft haben wir als junge Burschen diese famosen Kerle geneckt und gefoppt. Das geschah aber alles bei uns drüben auf dem rechten Seine=Ufer; drüben bei euch, und zumal in einem so soliden Viertel, wie das eure ist, da ist die Polizei noch nicht mißtrauisch geworden. Seid aber nur hübsch pünktlich!“— Am bestimmten Tage um 11 Uhr vormittags sollte der Ausbruch stattfinden. Es war dies die Zeit, wo die Wärter frühstückten, und beim Frühstück läßt sich niemand gern stören.. Bereits eine Viertelstunde vor 11 Uhr beobachtete ein gut, aber nicht auffallend gekleideter, intelligent aussehender junger Mann das Haus der Rue Copeau; es war Etienne Arago. Vorher hatte er Nachricht erhalten, daß die Wagen in den Nebenstraßen verteilt waren, und nun ging er an seine Aufgabe. Da endlich öffnete sich die Haustür, und der Portier erschien mit einem Besen bewaffnet, um die Einfahrt zu reinigen. Arago schlenderte herbei und sagte: „Morgen!. Sagen Sie einmal, Herr Hausverwalter, Sir haven wohl auch keinen Herrn mit einer grünen Krawatte hier vorbeikommen sehen?" Der Portier verneinte. „Nichts ist dümmer als Warten,“ fuhr der junge Mann fort.„Da soll ich nun hier in der Straße auf einen Freund warten, und er kommt nicht. Der schnurrige Kerl trägt nur grüne Krawatten; daran ist er erkennbar. Ihn muß ich heute noch sprechen, na, es ist ja noch Zeit!“ Dabei zog er eine goldene Uhr hervor, was ihm sofort das Vertrauen des Portiers gewann. Arago stellte sich in die Einfahrt, so daß diese nicht geschlossen werden konnte. Nun mußten sie doch bald kommen! Zunächst versicherte er dem Portier, dieser käme ihm so bekannt vor, ob er nicht aus St.=Denis stamme. Der Portier erwiderte, er stamme aus Versailles, und nun benutzte Arago die Gelegenheit, ein Gespräch über diese Stadt einzuleiten. Der Portier hörte mit viel Interesse zu; eine derartige Lobpreisung seiner Vaterstadt behagte ihm. „Wo bleiben sie nur?" fragte sich Arago halb 12 Uhr, als er seine langen geschichtlichen Exkurse über die Residenz der französischen Könige beendet hatte.„Heute regnet es wohl schwerlich,“ fuhr er fort, stellte alterlei Betrachtungen über das Wetter an und Pflanze auf jede nur mögliche Art einzumachen, zum Beispiel in Zuckersaft, als Gelee, als Marmelade. In dieser Zeit der Teuerung sind alle Marmeladen wertvoll, denn sie helfen bekanntlich als Brotaufftrich die teure Butter ersetzen. Aber nicht allein aus diesem Grunde ist reichlicher Marmeladengenuß aufs wärmste zu empfehlen, sondern auch, und ganz besonders, weil die Marmeladen ihres reichlichen Zucker= und Säuregehaltes wegen unserem Körper so außerordentlich dienlich sind. Keine Hausfrem sollte daher in diesem Jahre die kleine Mühe des Einmachens scheuen. Wie in der billigen Obstzeit mit Früchten, so sollte sich jetzt jede mit reichlichem Vorrat von Rhabarber versehen. **(Für Landwirte.) Es sei darauf hingewiesen, daß die auf der hiesigen Beschälstation (Wirtschaft Potthoff) untergebrachten 3 Hengste vom Landesgestüt zu Warendorf bis zum 16. Juli auf der Station verbleiben werden. **(Warnung.) Von seiten des stellvertretenden Generalkommandos des 7. Armeekorps geht uns folgendes zu: Es sind bestraft worden: Vom Landgericht in Dortmund am 26. April der Anstreichergehilfe, Postaushelfer Josef Salmen daselbst wegen„Unterschlagung von Feldpostanweisungen zu einem Jahr und am 10. Mai der Postaushelfer Franz Wylenga daselbst wegen Unterschlagung von Feldpostpaketen zu 7 Monaten Gefängnis— vom Schöffengericht in Münster am 8. Mai der Kaufmannslehrling Anton Frantz daselbst wegen Diebstahls von Feldpostpaketen, unter einstweiliger Aussetzung der Strafvollstreckung mit 4 Wochen Gefängnis— vom Landgericht in Bochum am 10. Mai der Bergmann Ludwig Himmelberg daselbst, weil er Kriegsgefangenen Zigaretten zugeworfen hat, zu einem Tage Gefängnis— vom Landgericht in Duisburg am 15. Mai wegen Diebstahls von Feldpostsendungen die sämtlich aus Duisburg=Meiderich stammenden Angeklagten Pferdejunge Johann Szytny zu 4 Monaten, Hilfsarbeiter Paul Nyakowski zu 2 Monaten, Hilfsarbeiter Josef Bender zu 4 Monaten und Laufbursche Josef Mader zu 1 Monat Gefängnis, die beiden letzteren außerdem zu 1 Woche Haft— vom Landgericht in Düsseldorf am 19. Mai wegen Unterschlagung von Feldpostpaketchen der Postaushelfer Johann Kronen daselbst zu einem Jahr Gefängnis. * Köln, 9. Juni.(Zweimal zum Tode verurteilt.) Der 26 Jahre alte Karl Rein, der am 30. Mai den Architekten Butz und dessen Wirtschafterin bei einem Einbruch ermordete, ururde heute vom außerordentlichen Kriegsgericht zweimal zum Tode verurteilt. Dem Mörder, der geständig war, wird auch der Raubmord an der Frau Ulrich in Magdeburg zur Laft gelegt. 100 Jahre deutsche Burschenschaft. es au auch die Erwerbung derjenigen Heuvorräte vorzunehmen, die nicht sofert zum Proviantamt überführt werden können. Da es nun nicht möglich sein wird, diese großen Mengen wegen Raummangels in Münster zu lagern, so wird bealsichtigt, entweder: 1) etwa erferderliche Scheunen zu ermieten oder 2) das Heu in Schobern zur Ansammlung reichlicher Vorräte zu lagern oder das Heu dem Verkäuser bis auf Abruf des Proviantamtes zu belassen. Zur Stredung der Vorräte an Wiesenheu wäre sehr erwünscht, daß auch seitens der Landwirte die Beschaffung von anderweitem Heu, z. B. Laubheu, fur eigenen späteren Verwendung, sowie auch zum Verkauf an die Heeresverwaltung rechtzeitig Bedacht genommen würde. Um sämtliche vorrätigen Heubestände für Zwecke der Heeresverwaltung zu gewinnen, wird ferner gebeten, Ersatzsuttermittel#### verwenden, die sonst in Friedenszeiten weniger Beachtung finden.- In vielen Gegenden bieten z. B. die Erträgnisse des Waldes geeignete Ersatzfuttermittel. Auch Rohr und Schilf sind im grünen Zustande im Notfalle zur Verfütterung geeignet. Jur Erteilung näherer Aiskunft sind die Herren Amtmänner, sowie der Herr Bürgermeister in Schwerte bereit. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwert Das Burschenschaftsdenkmal bei Eisenach Am 12. Juni 1815 wurde in einem Gasthause bei Jena von 113 Studierenden, die größtenteils in den Deutschen Befreiungskriegen mitgesochten hatten, die Burschenschaft des vaterländischen Die Verwertung der Heuernte Das immobile Proviantamt in Münster ersucht uns folgendes aufzunehmen: Die Schwierigkeiten, die sich bisher bei der Beschaffung der für die Heeresverwaltung erforderlichen Heumengen ergeben haben, machen es dringend erforderlich, möglichst große Vorräte aus der neuen Ernte sofort zu erwerben oder sicher zu stellen. Es ist daher seitens des Proviantamtes in Aussicht genommen, in weitem Umfange He Burschenkund gegründet und bringen wir aus Anlaß der hundertjährigen Wiederkehr dieses denkwürdigen Tages eine Aufnahme des Burschendenkmals in Eisenach. an ankäufe während der Erntezeit unmittelbar von den Wiesen vorzunehmen. Alle angebotenen, brauchbaren, selbst kleinere Mengen Heu sollen angekauft werden, soweit sich die Erwerbung überhaupt lohnt. Die vaterländische Pflicht erheischt es, jedes irgendwie geeignete Stückchen Land zur Gewinnung von Heu auszunutzen, da dieses zur Befriedigung des Heeresbedarfs von großer Bedeutung ist. Wirtschaftlichen Interesses wegen und cuich zur Vermeidung späterer Beschaffungsschwierigkeiten ist es erforderlich, Kurz und Klein mit ben beisbiebenen sharsen Waschmitteln und Zauberchemikalien behandelt wird. Fürs Auge mag sie zwar zunächst„blendend“ erscheinen. dann aber——— ach, wie bald, schwinden Schönheit und Gestalt! Dahingegen bleibt bekanntlich die Wäsche recht frisch, dauerhaft und wohl erhalten nach altbewährter solider Waschmelhode: mit Luhns. Schomteh verleiht ein zartes reines Gesicht, rosigen. iugendfrisches Ausschen und ein blendand #r Teint.- Alles dies erzengt die echte JecheneSete (üe beste Lilfeamfichseife), von Srichmt. 1 Sück 50d Drc., Fanes undht der Dads“ C.ilenmich-Cream) rois und epröce gnd: B. Jehn! WAT S 4. An der Königlichen Lehranstalt für Wein=, Obstund Gartenbau zu Geisenheim a. Bh. finden im Jahre 1915 noch folgende Unterrichts1. Obstbau=Nachkursus in der Zeit vom 12. bis 17 Juli. 2 Baumwärter=Nachkursus in der Zeit vom 19. bis 24. Juli 3. Obstverwertungskursus für Männer in der Zeit vom 26. Juli bis 5. August. Obstverwertungskursus für Frauen in der Zeit vom 9. bis 14 August. Das Unterrichtshonorar beträgt: Für den Kursus 1:(Nachkursus) 8 Mark, Nichtpreußen 12 Mark Für den Kursus 2:(Nachkursus) 5 Mark Für den Kursus 3: Preußen 10 Mark, Nichtpreußen 15 Mark. Für den Kursus 4: Preußen 6 Mark, Nichtpreußen 9 Mark. 9 Anmeldungen sind zu richten an die Direktion der Königlichen Lehranstalt. Weitere Auskunft ergeben die von der Lehranstalt kostenlos zu beziehenden Satzungen. Zum Schluß wird noch bemerkt, daß die unter 1 und 2 aufgeführten Kurse Veranstaltungen der Landwirtschaftskammer in Wiesbaden sind. Der Direktor: Wortmann. OriginalVordeaux=Rotwein Bezug in Original=Oxhoff=Fässern. Eigene Abfüllung, daher billigste Preisberechnung, per Flasche 1.10, 1.30, 1.50 und 2.00 Mk. inkl. Flasche Carl Raffin, Gasthof„Zur Helle“ Telephon 251. in ganz. vorzügl. Qualitäten in grosser Auswahl Adgren. Bülgl Kaufhaus OttoMarx 20 Schverte 90 Ostenstr. 20 Einen gut erhaltenen Peskonnstmachung Die periodische Nacheichung aller Maße. Wagen. Gewichle pp. des gewerblichen Verkehrs findet im hiesigen Amtsbezirk in diesem Jahre wie nachstehend angegeben statt: Für die Gemeinde Syburg und die Ortsteile Reichsmark und Buchholz am 17. und 18. Juni im Saale der Wirtschaft Schröer in Syburg; für die Gemeinden Westhofen, Garenselo und den Ortsteil Kückshausen am 21., 22., 2“. und 24. Juni im Saale der Wirtschaft Schulte in Westhosen; für die Gemeinden Holzen und die Ortsteile Wanne. Höchsten, Sommerberg und Rosen am 26. und 28. Juni im Saale der Wirtschaft Hosang(früher Mersmann, in Holzen und für die Gemeinden Geisecke und Lichtendorf am 20. Juli im Saale der Wirtschaft De Gemeinden Wandhosen und Viligkt gehören zum Eichort Schwerte und die Ortsteile Eichholz und Lamberg zum EichZur Einleserung ihnrer Metz= und Megegerste an den)) rels. soppen festgesetzten Eichtagen sind verpflichtet die Gewerbetreidenden, DteIr HOpEE die Landwirte, sobald sie beim Adsatz ihrer landwirtschaftlichen Produkte die Ergebnisse von Meß= und Wiegegeräten einer Jeder Loser dicses Rebus erhält von uns u umsonst das zeitgemässe, in jede Familie passende und packende Bild „Des Kriegers Abschied“„. Herrmanns. einen Porto dieser Auskunft und die damit verbundene Schreibarbeit wollen Sie Ihrer Lösung 10-Pfg.-Briefmarke beifügen.— Schreiben Sie an den Verlag für Wort und Bild, Dortmund HNo. 358 Industriehaus BuT In Silber und Gold billigst abzugeben. 2751 Hohenzollernstraße Nr. 4. Lüster-Joppen gereinigtem 10 Uhr einDie Metz= und Wiegegeräte sind in gehörig Justande in den Morgenstunden bis spätestens 1 Die Einziehung der Eichgebühren ersoigt wöhrend der C5= haltöng der Nacheichungslage. Westhosen, den 7. Juni 1915. Die Polizeiverwaltung. J. V.: Gue, Beigeordneter. 745 Loden-Joppen in allen Weiten empfliehlt 2753 urhor-Maner Schwerte Ostenstrasse 18. erstelgert auf den Pfandverkäufen werden zu den billigsten Preisen 4907 verkauft. DORTMUND Pfandleih-Anstalt Nicolalstr. 5 Balkenstr. 38 beim Bezirks- Kommando A. Eick& Comp. Grosses Werk sucht geeignete Person, welche die Beköstigung und eventl. Unterbringung von ca. 100 kriegsgefangenen Arbeitern übernimmt. Angebot unter F. 2745 an die Geschäftsst. dieser Zeitung. D. Kneebusch. Sadellahd Siegerland, Waldeck, Niederhessen, Bergisches Land, Ruhrgebiet und Industriebezirk. Anhang: Die Hauptwanderstrecken des S. G. V. Preis Mk. 2. Vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus Schwerke(Ruhr). 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Nicht nur während die Kämpfe toben, sondern auch fräter, auf lange Zeit hin, müssen noch ungeheure Auswendungen gemacht werden, um die Schäden, die der Krieg verursacht, zu heilen. Auch zur Pflege und Versorgung der verwundelen und erkrankten Krieger bedarf das Rote Kreuz noch großer Mittel. Diesem Zwecke vornehmlich gilt unsere Sammlung. Jeder, der von einer Auslandsreise Geld oder Postwertzeichen mitgebracht hat oder sonst in den Besitz solcher Gegenstände gekommen ist, stelle sie uns zur Versügung. Zu großen Mengen vereinigt, haben sie bedeutenden Wert. Wer unlauffähige ausländische Geldstücke(auch Papiergeld) oder gültige Posiwertzeichen im Betrage von wenigstens 25 Mk. einsendet, erhält als Ehrenp eis die von dem bekannten Tierbildhauer Professor Gaul entworfene Erinnerungsmünze, die aus Eisen. unter Verwendung von Geschoßzmetall, hergestellt ist Vereine. Schulen, Stammtische und jeder einzelne werden herzlich gebeten, sich der Sammellätigkeit zu widmen. Edelmetalle werden auch in ungemünzter Form dankend entgegengenommen. Central=Komitee des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz Der Vorsitzende. von Pfuel. Die gesammelten Gegenstände liefere man ein(entweder persönlich oder durch Boten oder durch die Post bei der Sammeisielle: Central=Komilee vom Roten Kreuz, Ableilung 6, Sammel= und Werbewesen 2, Berlin W 35, Schöneberger User 13, 1. Bei Gewährung des Ehrenpreises werden umlauffähige Münzen und Postwertzeichen zum durchschnittlichen Friedenskurse, ungemünztes Edelmetall und nicht umlauffähige Goldund Silbermünzen zum Metallwerk angerechnet. 2714 Trauer-Briels Achdtnehgns S Praue Du warst für uns so gut, Du starbst zu früh. Deine Eltern und Geschwister Vergessen dich nie. Ruhe sanft in Frieden. Am 27. Mai starb unser innigstgelieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Landsturmmann Wilh. Finkhaus 7. Komp. Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 56 den Tod fürs Vaterland im blühendem Alter von beinahe 25 Jahren. In tiefer Trauer: Familie Carl Finkhaus. Ergste, Schwerte, Wellinghofen und Frankreich, den 9. Juni 1915. 2759 Den Heldentod für das Vaterland starb am 27. Mai. nachdem er erst zwei Tage vorher ins Feindesland ausgerückt war, mein lieber Sohn, unser guter Bruder und Schwager, der Landsturmmann Gustav Görtz 7. Komp. Res.-Infanterie-Regiment 56 im blühendem Alter von 27 Jahren. In tiefer Trauer: Familie Görtz. Schwerte, Belgien, Dortmund, Iüsten und Marten, 9. Juni 1915. 2762 Neue Besatz- und Jakettknöpfe eue geblümte u. . Karierte BeSi957 satzseide Neue aparte Blusenkragen empfiehlt in grosser Aus-A wahl und jeder Preislage# Kaufhaus 1Otto Marx! Schwerte, Ostenstr. 20. tötet Hotten Eichen=Schälbölzer! kauft jedes Quantum. Gefl. Angebote unter P. D. 1554 durch Haasenstein und Vogler, A.=G., Cöln. 2716 an Private Katalog frei Holzrahmenmatr., Kinderdetten Eisemmüdellabrik. Sudl i. Th Heute eingetrosfen: Frischer Spargel m 38 Pökelfleisch v. Pfund 4.5 pfg. Sauerkraut v. 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S Ohne Kaufzwäng kann meine zu diesem Zwecke besonders eingerichtete Bücher-Ausstellung jederzeit besucht werden. Gute Bücher sind schon von 5, 10, 20, 25 Plennig an bei mir zu haben. Sachnändlung Sart Brads, Sonworts-(Halny Grosse Marktstrasse 8 bis S.