ader Felertiagg. Lewopprt A., Doinat ährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pio. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Iklustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterdaltungsdiatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petttzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassaradalt u. erlischt bei Ronkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Riabeahungd genacht. Jahzungstestngung. Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung J e 10# lürden Kreis Vorcie Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Dolkszeitung Verbunden mit: Schwerker Cageblatt O Schwerter Anzeiger Grites und älteltes Cagesorgan des Krelles a General-Anzeiger für den Kreis börde o Haupt-Annoncenblan aue Arte, und leholgelgelichen Derena. nungen für den Arets Hörde erlongen grmeß Betaantmochung dei Adniglichen Regierung durch Verössentlichung so dei„Schwerter Zettung" rechtsverdindliche Kroft.— Die 2 „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adoanenten für jeden mit Tod endenden Unsoll ge300 Mk. Unfall. Druch u. Verlags. Cor Braus. Schware.= RudPortio il.- Stem eit-RausShenteüch; Montag, den 31. Mai 1915. 47. Jahrgang. Der Bund der Treue. Was haben unsere Gegner vor Ausbnuch des Weltkrieges nicht alles an Hoffnungen produziert, auf Uneinigkeit im Lager der Zentralmächte. Sie haben sich darauf sast mehr verlassen, als auf ihre eigene Stärke. Hatten die Franzosen doch sogar den wahnwitzigen Gedanken, Süddeutschland könne an Kriegsfreudigkeit hinter Preußen zurückstehen. Wie sie sich 70 darin getäuscht hatten, so auch jetzt wieder.„Bairische Hiebe“ bekamen bald einen guten Klang. Aber daß die Habsburger Monarchie unter dem Andräuen der Feinde in seine„nationalen Teile“ zerfallen werde, daran glaubten die Gegner wie an ein Axiom. Die Kroaten und die Tschechen sind die Antwort darauf nicht schuldig geblieben und was die Ungarn in diesem Weltkriege an kriegerischen Taten geleistet haben, ist über jedes, auch das höchste Lob erhaben. Was der Ulan den Franzosen war und ist, das ist der Honvedhusar den Feinden im Osten. Honvedhusaren, die sich„verschossen“ hatten, verteidigten sich mit den Sporen gegen den Feind und trieben ihn in die Flucht. Und dann hieß es wieder, besonders in englischen Blättern, das Einvernehmen zwischen Deutschland und Oesterreich=Ungarn sei gelockert. Das Eintreten Deutschlands für seinen Verbündeten dem naren Feinde gegenüber ist wohl der beste Beweis für das Gegenteil, wenn da überhaupt noch ein Beweis nötig gewesen wäre. Der Deutsche hätte sich geschämt, auch nur mit der Wimper zu zucken, als er seinem Verbündeten eine neue schwere Treue zu halten hatte. Treue gegen einen gemeinsamen verräterischen früheren Fraund! Mit wundervoller Selbstverständlichkeit hat Ungarn auch im Abgeordnetenhause seine feste Absicht zum Durchhalten, komme, was kommen mag, bezeugt. Wohl die schärfsten Worte, die ein Staatsmann für Italiens Verrat vor der Oeffent lichkeit fand, sprach der ungarische Ministerpräsident Graf Tisza. Er nannte die Behauptung liens, Oesterreich=Ungarn habe mit der Note an Serbien territorialen Erwerb erstrebt, eine„offenkundige Unwahrheit" und prägte das zornige Wort:„Wir führten die Verhandlung in dem Glauben, daß es im 20. Jahrhundert unmöglich wäre, daß ein sich zivilisiert nennender Staat, der unser Bundesgenosse ist, uns, während wir im Kriege stehen, angreifen würde, umsomehr, wir ihm ja alles angeboten hatten, was er ernstlich wünschen konnte.“ Und unter den jubelnden Beifallsstürmen der Kammer schloß er seine Rede mit folgenden zündenden Worten:„Die Zeit Maria Theresias erneuert sich wieder. Ihre Gefühle und Kräfte sind in der Nation nicht verschwunden. Das Gefühl: Moriamur pro rege nostro! lebt auch heute in jedem Ungarn. Die ungarische Nation wird vereint mit sämtlichen Völkern der Monarchie diesen Kampf bestehen und vereint mit unserem mächtigen Bundesgenosen im gegenleitigen, Vertrauen diesen Kampf bis zum letzten Alemzug führen gegen alle Teufel der Hölle und dem Schicksal den Sieg abzwingen.“ Mit derselben Festigkeit gaben die ungarischen Parteiführer ihrer Treue zur Monarchie und dem unerschütterlichen Festhalten an ihrem Fürstenhaus in dieser schwersten Stunde Ausdruck. Graf Apponyi, der Redner der Unabhängigkeitspartei, bezeichnete Italiens Handlungsweise als einen „kaum auslöschbaren Schandfleck“ und schlug Rom mit den eigenen Waffen, indem er aus dem amtlichen Blatt des italienischen Kriegsministerims, dem„Esercito“, einen Passus zitierte, der dort im September vorigen Jahres gestanden hatte und folgenden Wortlaut hatte: Wenn„Italien jetzt die Monarchie angriffe, würde die Regierung einen Akt der Felonie und Selbstmord vor der Weltgeschichte begehen.“ Und trefflich charakterisierte Apden Unterschied im Zusammenhalten der Die Berichle der wtb. Großes Hauptquartier, 29. Mai 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Die Franzosen setzten gestern, nachdem wir sie bei Angres zurückgeworfen und ihnen eine Anzahl Gefangene abgenommen hatten, mit starken Massen zu einem Gegenangriff an der Straße Bethune=Souchez an, wurden aber unter empfindlichen Verlusten auf der ganzen Front abgeschlagen. In der Nacht nahmen wir die schwache Be. satzung des Ostteiles von Ablain, deren Verbleib in der dortigen Stellung nur nutzloses Blutvergießen gekostet hatte, unbemerkt vom Feinde auf die unmittelbar dahinter befindliche rächste Linie zurück. Südöstlich Souchez wurde gestern abend ein französischer Angriffsversuch im Keime erstickt. südwestlich von Souchez liegende von den Franzosen als von ihnen erobert erwähnte Schloß Le Cacill ist dauernd von uns gehalteen. Südwestlich Neuville wiesen wie feindliche mit Minen und Handgranatenfeuer vorbereitete Vostiöße leicht ab. Im Priesterwalde nordwestlich Poni a Mousson scheinen die Franzosen wie am 27. Mai abends einen großen Angriff vorbereitet zu haben. Unser Feuer hielt den Feind nieder. Vereinzelte nächtliche Teilangriff=Vorstöße wurden blutig abgewiesen. Unsere Flieger belegteu die Orte Gravelines und Dünkirchen, sowie den Etappenort St. Omer mit Bomben und erzielten auf einem feindlichen Flugplatz nord östlich Fismes mehrere Treffer. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der oberen Dubissa griffen die Russen südöstlich Kuktowiany und südöstlich Kielmy ohne Erfolg an. Im weiteren Verlauf der Kämpfe an der unteren Dubissa wurde der Gegner an verschiedenen Stellen über den Fluß geworfen. Bei der Verfolgung wurden noch 380 Gefangene gemacht. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Truppen haben sich an die Nordfront von Przemysl näher herangeschoben. Auf der Front zwischen Wydzina und Lubaczowka=Abschnitt(östlich Radimno und Jaroslau) machten die Russen wiederholt verzweifelte Teilongriffe; sie wurden überall unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Das russische 179. Infanterie=Regiment ist aufgerieben. Westlich und südlich von Sieniawa hat der Gegner seine Angriffe nicht erneuert. wtb. Großes Hauplquartier, 30. Mai 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Nach 10 stündiger Artillerie=Vorbereitung griffen die Franzosen östlich des Vser=Kanals unsere Stellungen nördlich von D'Hout=Ferme um Mitternacht an. Der Angriff wurde auf der ganzen Front unter schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen. Eine Anzahl von Zuaven von 4 verschiedenen Regimentern wurden gefangen genommen. Zwischen La Bassee=Kanal und Arras fanden nur Aitillerie=Kämpfe statt. An der Straße Bethure=Souchez nahmen wir einige Dutzend schwarze Franzosen gefangen, die sich in einem Wäldchen versteckt hielten. Die übliche Beschießung der Ortschaften hinter unserer Fcont durch die Verbündeten hat unter den dort zurückgebliebenen französischen Frauen und Kindern, die an ihrer heimatlichen Scholle hängen, wieder viele unschuldige Opfer gefordert. Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei Illoky 60 km östlich Libau wurde eine feindliche Abteilung durch unsere Kavallerie in nördlicher und nordöstlicher Richtung zurückgeworfen. An der Dubissa mußte eine kleine deutsche Abteilung den Oit Sawdyniky vor einem überraschenden russischen Angriff aufgeben, 4 Geschütze fielen in Feindeshand. Eintreffende Verstärkungen nahmen das Dorf wieder und trieben den Gegner zurück. In Gegend Szawle wurden feindliche Angriffe abgeschlagen. Der Gegner erlitt schwere Verluste. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei russischen Angriffen auf deutsche Truppen am Unterlaufe der Lubaczowka nordöstlich Jaroslau sowie in Gegend von Stryj erlitt der Feind schwere Verluste. Oberste Heeresleitung. Das Ringen um Przemysl. tu Graz, 31. Mai. Der militärische Mitarbeiter der„Grazer Tagespost“ meldet: Die Schlacht von Przemysl erfuhr durch das Eingreisen frischer russischer Kräfte neue Impulse. Die russische Führung hat min auch ihre Truppen der kaukasischen Armee, die zum größten Teile in Süostgalizien standen, mit an den unteren San gebracht. Ihre Stärke wird auf drei bis vier Armeekorps geschätzt. Wenn weitere Verstärkungen herangeführt werden, ist auf neue heftige Gegenstöße des Feindes zu rechnen. Die Schlacht von Przemysl könnte sich langsam zu einer Entscheidungsschlacht entwickeln. Die österreichischen Berichte. m:„ cg 90.: Amtlich wird verlautbart Wien, 3. Mal. vom 29. Mai mittags: Nordöstlicher Kriegsschauplatz. An der Lubaczowka und östlich Radymo versuchten die Russen auch gestern und heute nacht an mehreren Stellen heftige Angriffe, die alle unter schweren Verlusten für den Feind abgewiesen wurden. Am Ostufer des San dringen die verbündeten Truppen unter fortdauernden Kämpfen vor. Am oberen Dujestr, dann bei Drohobycz und Stryj sind die eigenen Angrifse bi, auf die nächsten Distanzen vorgetragen worden. Die Vorstöße Russen wurden durchweg blutig zurückgeschlagen. Die sonstige Lage ist unverändert. Südwestlicher Kriegsschauplatz. Den Grenzort Ala und das Primoer erreichten italienische Truppen. Im übrigen ereignete sich an der Tiroler und kärntnerischen Grenze nichts. Im Küstenlande begannen kleinere Kämpfe. Bei Karseit wurde ein italienisches Bataillon sprengt. Bei Plav wurde ein Vorstoß eines feindlichen Detachements, nördlich Görz fünf sein flieger eine neue Aktion gegen Venedig und warfen unter hestigstem Gewehr= und Geschützfener große Zahl Bomben zumeist auf das Arsenal ab, die mehrere ausgedehnte Brände und im Fort Nicolo auch eine Explosion hervorriefen. wtb Wien, 31. Mai.(Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart vom 39. Mai mittags: ponyi feindlichen Gruppierungen. Die Ententemächte arbeiteten mit dem„Hintergedanken gegenseitiger Uebervorteilung“, während Deutschland mit Oesterreich=Ungarn sich aus einem innerlichen Solidaritätsgefühl Seite an Seite gestellt hätten. Auch Graf Andrassy, der Führer der oppositionellen Verfassungspartei, wies auf den Gegensatz hin zwischen dem„heiligen Egoismus“, mit dem Italien in seiner moralischen Verlogenheit operieren müsse, und der„beispiellosen Pflichterfüllung“, mit der Deutschland, ohne auch nur einmal Ausflüchte zu versuchen, auf dem„Weg der Treue“ beharre. Das aber ist es, was uns die heilige Ueberzeugung auf den endlichen Sieg gibt. Wo Deutschlands und Oesterreich=Ungarns Fahnen wehen, da beherrscht alle Kämpfer der eine Gedanke:„Du verteidigst eine gerechte Sache“. Unter den Fahnen der Feinde kämpfen Selbstsucht und Eroberungshist. Deutschland und seine Verbündeten sind vereint durch den Gedanken, keiner von ihnen wird je die Treue brechen, die gemeinsame Not schmiedete sie zusammen und, kein Sonderwunsch wird je die Eintracht stören. Unsere Feinde dürfen sich untereinander mißtrauen; denn ihr Bund ist geschlossen, um jedem für sich die Erfüllung selbstsüchtiger Wünsche zu erkämpfen, auf deren gegenseitige Abgrenzung schon jetzt jeder eifersüchtig achtet. Und wie kann da Vertrauen herrschen, wo der offenbare Verräter sich mit an den Tisch gesetzt hat. Russischer Kriegsschauplatz. An der Lubaszowka wurde nachts ein starker rusischer Angrist, der bis zum Handgerenge. kan, zurüchgeschlagen, Ueber geunzert.sghgeiter osie 6n. San, bei und nördlich Steniawa scheiterten schon im Beginn. Oestlich des San ist die Lage unverändert. Eigene schwere Artillerie hält die Bahnlinie Przemysl—Grodek bei Mayka unter Feuer. Truppen des 6. Korps eroberten am 27. neuerdinge acht rusische Geschüte. Die Sinlzlieh. ung von Brzempel wurde von den guu# Truppen im Norden und Süden der Stellun, wei*s bese-beben.„vlic Beselben hauerns Bi. Am Dujestr und südlich besseiden vauern die Kämpfe fort. An dem Pruth und in Polen hat sich nichts ereignet. Italienischee Kriegsschauplatz. Tirol: Die Italiener haben das Geschützfeuer gegen unsere Werke auf dem Plateau von Lavarona wieder ausgenommen. Feindliche ubteilungen rückten in Kortina ein. Ihre abteilungen flüchteten jedoch bei dem ersten Kavonenschut„ An der kärntnerischen wrenze har sieg nichts erders. Im Küstenlande griff der Feind bei den Höhen nördlich Görz nicht wieder an. Uebergangsversuche über den Isonzo bei Monsaleone wurden von unseren Patrouillen leicht abgewiesen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Deutscher Reichstag. Auch im Deutschen Reichstage begegnen sich die Gegensätze. War das Haus bei der Kanzlerrede über Italien, die mit höchster Spannung und stürmischen Beifallskundgeblungen aufgenommen wurde, bis auf den letzten Platz gefüllt, so zeigte es am Sonnabend eine gähnende Leere. Und doch waren die Gegenstände der Tagesordnung, die wie alle Vorlagen dieser Kriegstagung mit dem Kriege in mittelbarem oder unmittelbarem Zusammenhange stehen, von hoher Bedeutung. Der Gesetzentwurf zur Einschränkung der Verfügungen über Miet= und Pachtzinsforderungen wurde in zweiter Lesung gemäß dem Antrage des Ausschusses unverändert nach der Regierungsvorlage angenommen. Sozialdemokratische Anträge auf Erhölzung der Sicherheiten gegen gewisse Schiebungen wurden nach der Erklärung des Staatssekretärs Lisco berücksichtigt, daß die Gerichte ganz selbstverständlich im Sinne dieser Anträge entscheiden würden. Bei der Vorlage über die Versorgung der Kriegsinvaliden und der Hinterbliebenen Gefallener wiederholte Reichsschatzsekretär Helfferich seine in der Kommission gemachten Zusagen, daß die Regierung dem einstimmigen Wunsche des Hauses Rechnung tragen und nach der Beendigung des Krieges ein Gesetz vorlegen werde, worin das Arbeitseinkommen berücksichtigt u. Zusatzrenten gewährt werden sollen. Die Regierungserklärung wurde zur Kenntnis genommen, das Gesetz über die Mietzinsforderung wurde in dritter Lesung genehmigt. Es folgte der Bericht des Ausschusses über die Aufstellung eines Kriegswirtschaftsplanes für 1915•16, über die freie Eisenbahnsahrt für Beurlaubungen und über einige Petitionen. Bei den Petitionen, die Friedensvorschläge enthalten, führte Abg. Ebert(Soz.) aus, daß Italien einen Angriffs= und Eroberungskrieg führe. Das meinten auch die Sozialisten Italiens. Die deutsche Sozialdemokratie stehe auch in dieser Stunde gesteigerter Gefahr rückhaltlos zu i'hrem Bekenntnis vom 4. Aug. Einmütig werde das deutsche Volk seine ganze Kraft einsetzen, um der nauen Gefahr Herr zu werden und unser Land zu schützen. Redner bedauerte, daß die Aussichten auf Frieden nun wieder in weitere Ferne gerückt seien. Nur ein Frieden ohne Vergewaltigung eines anderen Volkes ermögliche einen dewernden Frieden aller Kulturvölker. Seine Freunde verurteilten jeden Eroberungskrieg. Abg. Graf Westarp(kons.) trat der Auffassung entgegen, daß der Frieden unter keinen Umständen von Gebietsabtretungen abhängig gemacht werden dürfte. Abg. Schiffer(natlib.) betonte, daß die stille und starre Entschlossenheit unserers Volkes heute noch größer sei, als die Begeistenung in den ersten Kriegstagen. Wir müßten aber reale Sicherheiten gegen künftige Ueberfälle, eventuell durch Erweiterung unserer Grenzen schaffen. Abg. Liebknecht(Soz.) ruft: Kapitalsinteressen! Gegenrufe: Pfui, Verräter!) Darauf wurde die Abändenung des§ 51 des Versicherungsgesetzes für Angestellte erledigt, nachdem Staatssekretär Delbrück erklärt hatte, daß zwischen Arbeitgebern und=Nehmern alle Streitigkeiten eingestellt seien. Nächste Sitzung am 10. August. Der Kampf um die Dardanellen. Wieder ein englischer Panzer versenkt. tu Konstantinopel, 30. Mai. Ueber die Torpedierung eines weiteren englischen Schlachtschiffes liegt folgende Meldung vor: Gestern vormittag gegen 9 Uhr wurde bei Sigindere, nördlich von Seddil Bahr, von verschiedenen Stellen einwandfrei und unabhängig von einander beobachtet, wie ein englisches Linienschiff torpediert worden ist. Eine gewaltige Wassersäule schlug an der Bordkante auf, worauf das Schiff sich stark auf die Seite legte und dann durch ein anderes Kriegsschiff in der Richtung von Imbros fortgeschleppt wurde. Nach diesem neuen erfolgreichen Unternehmen der deutschen Unterseeboote an den Dardanellen hat der Gegner aus Sorgen vor weiteren Unterseebootsangriffen alle Kriegsschiffe, mit Ausnahme einiger Torpedojäger, von dem Eingang der Dardanellen fortgenommen und sie in den Bachten des ägäischen Meeres eingeschlossen. wtb Konstantinopel, 31. Mai. Aus dem Hauptquartier wird mitgeteilt: An der Dardanellenfront wurde gestern morgen bei Ari Burnu der mittlere Teil der Befestigungen des Feindes von uns durch Vajonettangriff genommen. Die Verschanzungen wurden für unseren Gebrauch befestigt. Bei Seddil Bahr rückte unser rechter Flügel in dem vom Feinde besetzten Abschnitt 400 Meter gegen die Küste vor. Einer unserer Flieger warf mit Erfolg Bomben auf die feindlichen Stellungen bei Seddil Bahr. Das feindliche Panzerschiff vom Agmenon=Typ, dag vorgestern torpediert und nach Imbros geschleppt wurde, ist verschwunden. Man weiß nicht, was aus ihm geworden ist. Von den anderen Fronten nichts von Bedeutung. an die Sanlinie herangebracht und seien trotz ihrer großen Verluste imstande, Przemysl zu bedrohen. 6 Kilometer vom Zentrum Przemyols! tu Wien, 31. Mai. Die„Reichspost“ meldet aus dem k. k. Kriegspressequartier: Die Armeen der Verbündeten haben sich bis auf 6 Kilometer der Mitte von Przemysl genähert. Russische Truppenansammlungen in den Ostseeprovinzen tu Kopenhagen, 31. Mai.„Daily Chroniele" meldet aus Petersburg, daß große russische Truppenkonzentrationen in den Ostseeprovinzen stattfinden. Luftangriff auf Helsingsor. tu. Christiania, 30. Mai. Wie„Astenpost“. meldet, ist Helsingfor(Hauptstadt von Finnland) gestern von einem deutschen Luftgeschwader besucht worden. Zwei Zeppeline warfen über 30 Bonben auf die Stadt, wodurch erheblicher Schaden angerichtet ist. Mehrere Personen wurden schwer verletzt. Wirksames Bombardement von Pont=à=Mousson. tu Genf, 31. Mai. Dank den genauen Fliegerberichten erwies sich das gestrige Bombardement von Pont=à=Mousson durch die Deutschen als besonders wirksam. Von französischer Seite wird der Moterialschaden, der sich vornehmlich auf militärische Anstalten erstreckt, auf 100000 Francs beziffert. Die Zahl der Todesopfer ist noch nicht genau festgestellt, weil im Laufe der Nacht mehrere der 50 Verwundeten starben. * Der Krieg gegen Rußland. Die wahren Absichten Rußlands. bb Budapest, 28. Mai. Der Bukarester„Univerkul“ verzeichnet eine von dem gewesenen missischen Gouverneur von Czernowitz, Eoreimow, gegenüber einem vornehmen rumänischen Politiker gemachte Aeußerung:„Das Hauptbestreben Rußlands ist“, sagte er,„nach dem Mittelländischen Meer hin gerichtet. Es ist eine Lebensfrage für Rußland, jedes Hindernis zu beseitigen. Vielleicht das größte Hindernis dieser Bestreluung ist Oesterreich=Ungarn, dessen Vernichtung Rußland deshalb anstreben muß. Aus der Vernichtung der Monarchie, wofür Rußland so große Opfer bringt, darf Rußland allein und kein anderer Nutzen ziehen. Es wäre für Rußland ein Verbrechen lund ein überflüssiges Blutvergießen, wenn es von den eroberten Gebieten der Monarchie Rumänien etwas abtreten würde. Die Russen haben kein Interesse daran, daß Rumänien größer werde.“ Przemysl— eine russische Episode. tu Wien, 28. Mai. Die russischen Militärkritiker kündigen an, daß die allgemeine Umgruppierung der russischen Armee nunmehr erfolgt ist. Oesterreichisch=ungarische Aeroplane hätten Lemberg überflogen. Przemysl werde andauernd beschossen und man solle sich vor Augen halten, daß diese Festung nur eine episodische Bedeutung für Rußland besitze. Offiziell wird berichtet, die Russen hätten auf ihrem Rückzuge alleg vernichtet. „Nowoje Wremja“ schreibt jedoch, daß die Verbündeten die zerstörten Eisenbahnlinien wiederherstellen, kolossale Truppenmengen heranziehen und bis zum San in ihrem Vormarsch unaufhaltsam gewesen seien. Sie hätten schwere Geschütze Die italienischen Heeresflüchtlinge. bb Chiasso, 29. Mai. Die Zahl der Ueberläufer von Italien nach der Schweiz hat seit gestern so stark zugenommen, daß die Grenzbewachung auf italienischer Seite auch nicht annähernd ihrer schweren Ausgabe gerecht werden kann. Am schlimmsten ist es in dieser Beziehung am Südufer des Luganer See bei Porto Ceresio, ferner bei Ponte Trefa am gleichen See und auf der Strecke zwischen Ponte Tresa und Luino am Langensee bestellt. Hier hat das meilenweite Buschwerk den in ganzen Gruppen von oft 50 bis 100 Mann erscheinenden Ueberläufern in dem Felsgelände die ungestörte Erreichung des Schweizer Gebietes sehr erleichtert. An dem Punkt, der mit dem Namen Ardenna bezeichnet worden und südwestlich von Ponte Tresa gelegen ist, feuerten die Grenzwächter auf die Flüchtlinge, von denen am 25. Mai am frühen Morgen fünf getötet und vier schwer verwundet wurden. Aber auch auf seiten der mit dem Erenzschutz betrauten Beamten müssen einige Leute ihr Leben im Kampf mit den Ueberläufern eingebüßt haben. Man kennt nur nicht die genaue Zahl der Gefallenen. Die Ueberläufer entledigen sich oft ihrer Oberkleider bis aufs Hemnd, um, mit der Wafse in der Hand, sich den Zugang nach der Schweiz zu erzwingen, wo sie zunächst auf einsamen Hügeln und in unwegsamen Wäldern Unterschlupf finden. Gestern sind auch aus Como über 120 Einberufene, darunter die Hälfte bereits in Uniform, mit ihren Gewehren und Munition in der Richtung nach dem Monte Caprino geflüchtet, der auf italienischem Gebiet Lugano gegenüberliegt. In der Nähe von Lanza d'Intelvi kam es zu blutigen Zusammenstößen mit den Grenzposten, wobei die letzteren derart überrscht wurden, daß sie umzingelt, zum Teil schwer verwundet und schließlich entwaffnet wurden, während hinterher in einem Abstande von einer halben Stunde ein Trupp Schutzleute auf der Jagd nach den Ausreißern vorsichtig sich näherte. Die Bevölkerung steht mit ihren Sympathien durchweg auf seiten der Ueberläufer und gewährt ihnen jedweden Schutz. Die Aufregung läßt sich kaum beschreiben. In der Schweiz befinden sich insgesamt über 7000 italienische Heeresflüchtige. Kriegsunlust der italienischen Reservisten. tu Dresden, 30. Mai. Von den seit längerer Zeit in den sächsischen Kohlenbergwerken beschäftigten italienischen Arbeitern ist nur der kleinere Teil dem Einberufungsbefehl gefolgt. Zahlreiche Italiener arbeiten ruhig weiter. Eine ähnliche Beobachtung kann man auch in anderen Berufen machen. Die ersten italienischen Verwundeten. tu Chiasso, 30. Mai. Wie verlautet, sind in Movena 150 Verwundete eingetroffen. Massenverhaftung in Mailand. wtb Mailand, 30. Mai. Wie„Corriere della Sera“ meldet, hat die Polizei aus Anlaß der Anruhen in der Nacht 200 Personen verhaftet, die sich im Besitz von Waren besanden, die aus geplünderten Geschäften stammen. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Wert der amtlichen italienischen Kriegsberichte. München, 30. Mai. Wie sehr die von angeblicher Besetzung einiger Grenzörtlichkeiten handeln“ den amtlichen italienischen Berichte auf Täuschung der öffentlichen Meinung berechnet sind, dafür zeugt, daß verschiedene der genannten Oertlichkeiten abseits der Grenze auf italienischem Gebiete liegen. Die verdächtige Deutsche Botschaft in Nom. tu London, 30. Mai.„Daily Chronicle“ meldet aus Rom, daß Polizei und Pioniere die unterirdischen Gänge der Gewölbe des deutschen Botscha tspalastes einer eingehenden Untersuchung unterziehen. Vorläufig wurde nur der Wein des Fürsten Bülow gefunden, gleichzeitig aber auch ein Gang zu dem Keller eines nahe der Botschaft gelegenen Wirtshauses und ein ganzes Netz unterirdischer Gänge unter dem Tarpeischen Felsen, die in ihrer ganzen Ausdehnung untersucht werden. Schwerer Schaden durch Fliegerbomben in Venedig. tu Genf, 31. Mai. Von den 16 Bomben, mit denen österreichische Flieger das Arsenal von Venedig belegten, trafen vier sehr wichtige Gebäudeteile, angeblich auch die Räume im Arsenal, wo sich die neuen Schiffsmodelle befinden. Die Unterdrückung der durch die Explosion im Nicolafort entffandenen Feuersbrunst gelang. tu Genf, 31. Mai. Nach einer Melduung aus Fürch melden die Blätter aus Lugano: Beim zweiten Fliegerangriff auf Venedig wurden vier Anbauten des Arsenals zerstört, 19 Personen getötet und über 80 verletzt. Die Schiffe seindlicher Staaten in italienischen Häfen. bh Zürich, 30. Mai. Die„Agenzia Stefani“ veröffentlicht ein königliches Dekret über die Behandlung der in den italienischen Häsen befindlichen Schiffe feindlicher Staaten. Das Dekret garantiert den Eigentümern der in den italienischen Häfen liegenden dautschen und österreichischen Schiffe das Besitzrecht für die ganze Dauer des Krieges, auch in den Fällen, in denen zwangsweise die Charterung der Schiffe für Zwecke der. italienischen Heeresverwaltung erfolgen wird. Dornige Wege. Roman von J. v. Düren. wählerisch. Ich vertrug mich mit allen. Ich lebte der Gegenwart. Ichweiß nnr. daß ich keine Stunde, vor, und unwillkürlichzuckte es wild in meinem Herzen auf.„Das ist Dein Werk, das hast Dur aus 2 die ich erlebt, missen möchte, denn die Erinnerung ihr gemacht, die Dich so unendlich geliebt.“ Sie ist das einzige, was ich ietzt für eine ernste Gegen= war an meinen Schreibtisch getreten und überflog wart und ungewisse Zukunft mir erhalten habe. mit einem Blick das so sonderbar geordnete Daß ich stets in Geldnöten war, immer mehrlmer, die verschiedenen Briefe, den verschlossenen brauchte, als ich hatte, wirst Du wohl begreifen. Pistolenkasten und stützte sich schwankend auf den Meiner Mutter Schwäche habe ich es zu danken, nächst besten Stuhl. Einige Momente herrschte „Ichweiß nicht, wie lange es uns vergönnt sein wird, bei einander zu bleiben; aber ich segne den Zusal. der nus usanengeizihr, und esüie eschenn Meiner Muter Schwäche habe ch. s. 81,P Poskez. 1.s Lektei. Stupi, Sirige, Ponerte beit das Leben jetzt nicht mehr so inhaltsleer, als ich daß ich mein väterliches Erbtei fruher als feitge= niefes Schweigen zwischen uns, dann sagte sie mit es noch vor wenigen Stunden geglaubt. Noch ein= setzt erhielt. Anfangs nahm ich die Karten nur als müder Stimme:„Jetzt ist es mir gelungen, mein mal will ich offen und frei zu Dir sprechen, dann Zeitvertreib in die Hand, später spielte ich, um zu kleines Vermögen und das Deiner Schwestern flott hen sein. gewinnen und wurde der zäheste und leidenschaft= zu machen. Wie mir Eberhard schreibt, lichste Berufsspieler. Das Pech verfolgte mich. Ich wohl die Summe, um den größten Teil Deiner sah, wie alles über mir zusammenbrach. Ich Gläubiger zu befriedigen. Ich ahne, was Du vorkonnte mir nicht helfen, die Gläubiger drängten, hast, aber ich glaube, daß man leichtsinnige Handdie Verluste häuften sich, die Summen wuchsen: lungen nicht damit sühnt, um sich der Konsequensoll die Vergangenheit für immer begraben sein. Es wird mir nicht leicht, von all dem zu reden, was ich durchlebt, genossen und durchlitten habe. Du weißt, daß wir uns in Sekunda trennen mußten. Ich kam nach meines Vaters Tode in das Kadettenkorps und sah bald meinen heißesten Wunsch erfüllt, des Königs Rock zu tragen. Mein Offiziersexamen bestand ich gläuzend, war die Freude meiner Vorgesetzten und die beglückende Hoffnung mancher Mütter heiratsfähiger Töchter und der Abgott meiner Mutter, die nach des Vaters Tode mit meinen drei Schwestern in einen Vorort Berlins zog und bescheiden und still in größter Zurückgezogenheit lebte. Mein Bruder hatie das Glück, das Rittergut eines entfernten Vetters zu übernehnien, der ohne männlichen Erben gestorben Ich verlor die geistige und körperliche Spannkraft infolge der durchwachten Nächte, der Trinkgelage. Man begann über mich zu klagen. Mein Oberst, der zugleich ein Freund=anserer Familie ist, ermahnte mich, bat mich steyend, in mich zu gehen, ehe es zu spät war. Ich konnte es nicht versprechen, denn ich fühlte, daß ich mein Wort nicht halten würde. Meinen Abschied mußte ich nehmen. Ich will Dich mit den Einzelheiten dieser letzten Wochen und Monate, in denen der Entschtuß in mir gereist, den Anwandlungen von Witt zen durch den Tod zu entziehen. Du bist leichtsinnig gewesen, willst Du auch noch seige werden?" Sie erhob sich langsam und reichte mir die Hand. Stumm, tränenlos, verließ sie mich. Ihre ruhige, vornehme Art griff mir aus Herz. Wie ein Ruck ging es durch mein Inneres, ich fühlte, daß da in mir etwas sich zu Tode rang, was in anderer Form neu aufleben mußte. Ich war es ihr schuldig. die mir das Leben gegeben, ein zweites Leben zu beginnen, und durfte nicht mein erstes, verfehltes mit dem Tode quittieren. Nachdem mir mein Abschied bewilligt worden, meine Angelegenheiten geregelt waren, widmete ich mich der Landwirschaft. Ich lernte bei einem entfernten Verwandten von mir, der mich schlechter behandelte, als seinen Kuecht. Gleich am ersten Tage erklärte er mir, daß in unserem Verhältnis keine Vertraulichkeiten von früher her, noch verwandtschaftliche noß in vollen Zügen. Meine eiserne Gesundheit, macht, mein Revolverkasten stand bereit auf dem Rücksichten in Frage kämen. Ich nahm diese Dedie Liebe zu meinem Beruf halfen mir trotz man= Tische, ich war zu dem Letzten entschlossen. Mein mütigung auf mich und habe zwei Jahre lang bitcher sonderbaren und zeitraubenden Abenteuer Bursche hatte den streugsten Befehl, niemand ein darunter zu leiden gehabt. Er hatte es verstets pünktlich zur Stelle zu sein. Man sagte mir zulassen. So war ich völlig fassungslos, als plötz= standen, meinen Trotz zu brechen, meinen Stolz zu1 vieles nach, doch niemand konnte mir Pflichtver= lich meine Mutter eintrat. Sie sah blaß und müde zwingen. Aus dieser Stellung befreite mich Buchegessenheit oder Versähiunnis vorwersen, und so be= aus, ihr Gesicht zeigte dentliche Träuenspuren. Die nan, der auf ein Jahr lung mit seiner kranken kam ich bald im Regiment Freunde: Ich war nicht schöne Fran kam mir alt, gebengt und hinfällig Fran nach dem Südengegangen ist. Dennochglaube und Bitterkeit nicht weiter belästigen. Ich hatte mein Abschiedsgesuch eingereicht, hatte Ordnung war. Zwar übernahm er gleich damit dessen einzige Tochter, eine nicht mehr ganz junge Blon= hrein#rn#r### dine, doch scheint sich die Ehe gut gestaltet zu ha= gemacht, bat in einem verzweifelten Briefe, den ben, denn fast jedes Jahr werde ich mit der Nach= sich an meinen Bruder sandte, um Rettung. Er richt überrascht, daß ein neuer, junger Hohenfels sandte ihn mir umgehend mit einer leeren Predigt oder ein Freisräulein das Licht der Welt erblickt zurück. Ich hatte meinen sogenannten letzten Wilhat, Ich stürmte wild ins Leben hinein und ge-len aufgesetzt, äußerlich uied innerlich Ordnunggeich, daß ich auch hier schwere Kümpfe durchzumachen huben werde, ehe ich mir die Stellung festigen werde. Das Bewußtsein, meiner Mutter den Lebensabend durch Sorgen verdunkelt, den Schwestern die Anwartschaft auf eine gesicherte Zukunft genommen zu haben, macht mich oft bis zum Wahnsinn toll. Und nur die angestrengteste Tätigkeit hilft mir, mein Gewissen wenigstens scheinbar zur Ruhe zu bringen. Alles, was ich entbehren kann, sende ich ihnen; aber dennoch weiß ich. wie sie sich ihr Leben bescheiden eingerichtet, um es nur einigermaßen fristen zu können. Du wirst nicht niel Freude an mir haben, alter Junge, die Einfamkeit hat mich wortkarg, einseitig gemacht. Aber gönne mir wenigstens nach den arbeitsreichen Wochentagen ein stilles Eckchen in Deinergemütlichen Bude und laß mich Dir zuhören, wenn Du mit Deiner Geige Zwiegespräche hältst. Und nun lebe wohl. Ich habe eine gute Stunde bis KleinBuchenau und mein Brauner ist gerade nicht der feurigste. Ich danke Dir für die eben verlebten kurzen Minuten.“— Sie schüttelten einander die Hände und Leo begleitete den Freund bis zum Gasthaus. Schweigend legten sie den Weg zurück. In beiden war das eben Erlebte zu lebendig, um in Worten ausgedrückt zu werden. Aber in dem gegenseitigen stummen Nebeneinandergehen fühlten sie sich doch einander nah und schieden mit einem herzlichen Händedruck und der fröhlichen Hoffnung auf baldiges Wiedersehen. Während die beiden Ingendfreunde den kurzen Weg bis zum Gasthaufe eilenden Schritts zurückgelegt, ohne auf die Vorübergehenden besonders zu achten, waren sie der Gegenstand eifrigsten Interesses gewesen. Der laue Sommerabend hatte die Erhölungsbedürftigen vor die Türen und auf die Balkons gelockt. Auf dem Marktplatz gingen in großen Reihen junge Mädchen schwatzend und kichernd um das alte Rathaus. 225,16 bb Roosendaal, 30. Mai.„Eelair de Nice“ erfährt aus Genua, die Verwendung der in italienischen Hafenplätzen liegenden deutschen und österreichisch=ungarischen Dampfer zu Truppentransporten soll besonders Frankreich zustatten kommen. Zur Stunde verhandeln die Regierungen über gewisse Motalitäten. Sperrung der italienischen Adriahäfen. Zürich, 30. Mai. Die„Agenzia Stefani" berichtet: Sämtliche Häfen der adriatischen Küste Italiens wurden infolge Austauchens seindlicher Unterseeboote für den neutralen Handel gesperrt. 1—0 Die„tapferen“ Italiener. tu Graz, 31. Mai. Der Kriegsberichterstatter des„Grazer Tageblatt“ meldet: Ueberall, wo die italienischen Truppen gegen unsere Stellungen vorgingen, wurden sie leicht zurückgewiesen. Im Küstenlande wurde ein in breiter Front geführter Vorstoß an der Isonzo=Linie vollständig abgeschlagen. Der heilige Stuhl und Italien. wtb Rom, 31. Mai.„Osservatore Romano“ glaubt behaupten zu dürfen, daß die beim Vatikan beglaubtigten Diplomaten abgereist seien, weil ihre Stellung moralisch unhaltbar geworden wäre, selbst wenn die italienische Regierung sich geneigt gezeigt hätte, einzuwilligen, daß diese Diplomaten durch Vermittelung und unter Verantwortung des heiligen Stuhles mit ihren Regierungen weiter zu korrespondieren fortfahren. Unter den gegebenen Verhältnissen hätten diese Diplomaten nicht entsprechend der Würde ihres Ranges und den Anforderungen ihres Amtes in Rom bleiben können. Ihre Abreise sei durch die neue, infolge der Teilnahme Italiens am Kriege entstandene Lage erzwungen worden, welche höchst peinlich für den heiligen Stuhl sei, der nunmehr nicht mit den Vertretern einer der kriegführenden Mächte direkt konferieren und ein genaues Bild der Lage gewinnen könne. Der heilige Stuhl sehe sich mithin in der notwendigen Internationalität seiner Aktion eingeengt. Holland bleibt weiter n#utral. tu Amsterdam, 30. Mai. Der„Römische Staatsanzeiger“ enthält die Mitteilung, daß Holland auch im italienisch=österreichischen Kriege völlige Neutralität beobachten werde. — Wie lange wird der Krieg * dauern? noch □ 6 ## Sturmang riff gegen eine FranzösischeStellung Diese schon oft ausgeworfene Frage beantwortet ein amerikanischer Kriegsberichterstatter, dem man gerade keine deutschsreundlichen Absichten nachsagen kann, dahin, daß die englische Ueberhebung allein die lange Dauer des Krieges verschulde. Nach dem, meint er; was ich aus verläßlichen Quellen über Deutschlands militärische und wirtschaftliche Hilfsquellen und über die Stimmung des deutschen Volkes aus den Unterhaltungen mit amtierenden Ministern, Diplomaten, Generalen, und Stabsoffizieren erfahren habe, gelangte ich zu der Ueberzeugung, daß der Krieg zweifellos 2 Jahre dauern wird und daß dann Deutschland vielleicht unbesiegt sein wird. Der leise Wunsch, daß jedoch England den Preis davontragen möchte, kommt dann in seinen folgenden Ratschlägen zum Ausdruck: Je eher das britische Volk seine Selbsttäuschungen aufgibt, den Tatsachen in das Gesicht sieht und zugibt, daß der deutsche Soldat ein ebenso guter Kämpfer ist wie der britische und daß die deutschen Offiziere weit besser ausgebildet sind, als die britischen, und je eher es einsieht, daß, wenn Deutschland geschlagen werden sollte, jeder Engländer zwischen 18 und 45 Jahren ins Feld rücken müßte, desto früher wird der Krieg beendet werden können. Der Vorschlag der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, die der ententefreundliche Amerikaner so warmherzig predigt, wird wohl auf wenig Gegenliebe bei den Engländern treffen und das offen ausgesprochene Lob der Deutschen dürste angesichts der Englandfreundlichkeit des Amerikaners doppelt verschmpfen. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 31. Mai. (Das Hohenzollernjubiläum.) Der Minister der geistlichen- und Unterrichtsangelegenheiten hat an die Provinzialschulkollegien und königlichen Regienungen folgenden Erlaß gerichtet: Seine Majestät der Kaiser und König haben als Gedenktag der 500 jährigen Herrschertätigkeit des Hohenzollernhauses den 21. Oktober 1915 zu bestimmen geruht, da am 21. Oktober 1415 die Erbhyldigung auf dem Landtag in Berlin stattfand. Gemäß allerhöchster Entschließung soll die Feier des Gedenktages auf eine Feier in den Schulen am 21. Oktober und auf eine kirchliche Feier an dem darauf folgenden Sonntag, den 24. Oktober beschränkt werden. Hiernach ist rechtzeitig dafür zu sorgen, daß die Feier in allen mir unterstellten Unterrichtsanstalten am 21. Oktober in geeigneter Weise abgehalten werde. Der Unterricht fällt an diesem Tage aus. **(Der Reichs=Wetterdienst) wird in diesem Jahre um einen Monat verlängert werden. Der Aushang der Wettervorhersage wird danach vom 1. Mai bis zum 1. November bestehen bleiben. Die im vorigen Jahre versuchsweise durchgeführte Erweiterung hat sich bewährt. Auch alle bisherigen Einrichtungen, insbesondere auch die Herausgabe der Abend=Wetterkarten, werden unverändert beibehalten, soweit nicht die Einwirkungen des Krieges Aenderungen erheischen. **(Auszeichnung.) Dem Unteroffizier d. R. Heinrich Eckey, beim Stabe des 1. GardeReserve=Feldartillerie=Regts., Sohn des Landwirts E. von der Westenheide, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Wir gratulieren! **(Den Armsten der Armen), den im Kampfe fürs Vaterland erblindeten Kriegern, soll der Ertrag einer Feier zu nutze kommen, die der erste Bezirk des Hellweg=Märkischen Turngaues mit dem Dortmunder Dilettanten=Orchester und der Hörder Pfadfinder=Kapelle unter Mitwirkung des Herrn Schäfer aus Schwerte, am Sonntag, den 13. Juni, nachmittags 3½ Uhr auf dem Gelände des Freischütz abzuhalten beabsichtigt. Daß gerade die Deutsche Turnerschaft so warm für die Krieger eintritt, die die edle Himmelsgabe des Augenlichtes für uns dahingegeben haben, ist erklärlich, zählen doch aus den Reihen der Turner so viele zu den Bedauernswerten. Ersatz für das, was diese Helden für uns geopfert haben, können wir leider nicht bieten; wohl aber ist es unsere heiligste Aufgabe, ihnen ihr schreckliches Los, soweit es in unseren Kräften steht, zu erleichtern. Darum ist zu hoffen, daß die Listen, die zum Zeichnen von Beiträgen in Umlauf gesetzt werden, recht hohe Beträge bringen. Dazu kommt, daß auch das Programm nach der turnerischen, musikalischen und rednerischen Seite dem Vaterlandsfreunde reiche Anregung bieten dürfte. **(Kartofselverkäufe.) Die von der Stadt bestellten Kartoffeln sind eingetroffen und findet die Abgabe derselben heute in der Zeit von 2 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends am Güterbahnhof statt. Der Preis stellt sich auf 6,50 Mk. pro Zentner.(Näheres siehe Bekanntmachung in heutiger Nummer.) **(Die Kriegssammlung) im Bereiche der preußisch=hessischen Staatseisenbahnen und der Reichseisenbahnen in Elsaß=Lothringen zeitigte bis jetzt folgendes Ergebnis: Es sind eingezahlt 1 573 787,61 Mk., angemeldet 12 616,98 Mk., zusammen 1550 404,59 Mk. Von diesem Betrage sind für 900000 Mk. Liebesgaben angeschafft und zur Front geschickt worden. **(Teuerungszulage für Eisenbahner.) Laut Ministerialerlaß erhalten sämtliche voll beschäftigte Hilfsbeamte und Arbeiter der preußisch=hessischen Staatsbahnen, mit Ausnahme der mittleren technischen Hilfsbeamten, eine einmalige Tauerungszulage, die für ledige und kinderlose Beamte 6 und 8 Mk., die übrigen in zwei Abstufungen bis zu 25 Mark beträgt. Vorübergehend beschäftigte, noch nicht geprüfte Bedienstete bleiben ausgeschlossen. (Viehschlachtungen in Preußen.) Nach der amtlichen Statistik über die Ergebnisse der Fleischbeschau sind im ersten Vierteljahr 1915 die Rinderschlachtungen nennenswert nur bei Ochsen zurückgegangen(44072 Stück gegen 67 556 im vierten und 62 088 im ersten Vierteljahr 1914). Die Kälberschlachtungen dagegen haben einen außerordentlichen Umfang angenommen; eg wurden 614 800 Stück geschlachtet gegen 366239 im letzten und 503694 im ersten Vierteljahr 1914. Außerordentlich groß waren weiterhin die Schweineschlachtungen. Es wurden allein in Preußen über 5 Millionen Stück geschlachtet; die Schweineschlachtungen waren noch etwas größer als im 4. Vierteljahr 1914 und über 700 000 Stück größer, als im ersten Vierteljahr 1914. Sie waren überhaupt die größten bisher verzeichneten. Die Schafschlachtungen waren, der Jahreszeit angemessen, gering; sie betrugen nur 224 314 Stück gegen 355812 im letzten und 256 902 im ersten Vierteljahr 1914. **(Warnung.) Das stellvertr. Generalkbmmando schreibt uns: Wiederholt sind die Verordnungen über Höchstpreise durch sog.„kombinierte Offerten" oder„kombinierte Geschäfte" umgangen. So ist Altkupfer z. B. zum zulässigen Höchstpreise angeboten, daran jedoch die Bedingung geknüpft, daß der Käufer gleichzeitig Zink, für welches ein Höchstpreis nicht festgesetzt ist, zu einem den Marktpreis um 70 Prozent übersteigenden Preise übernimmt. Durch die Verbindung beider Geschäfte zu einem einheitlichen soll die Ueberschreitung des Höchstpreises für Altkupfer verschleiert werden. Ich warne nachdrücklich vor verschleierter Ueberschreitung der Höchstpreise, mögen diese nun in Gestalt der kombinierten Geschäfte, der Forderung von Provision odet ungewöhnlicher Spesen oder auf andere versteckte Weise geschehen. Auch die verschleierte Ueberschreitung der Höchstpreise wird bestraft. **(Ballons und Drachen.) Es wird darauf hingewiesen, daß das Aufsteigenlassen von Ballono und Drachen nach Ziffen 4 der Bekanntmachung des stellvertretenden Generalkommandos in Münster vom 27. November 1914 untersagt ist. Zuwiderhandlungen sind nicht als Uebertretung, sondern nach§ 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 als Vergehen zur Anzeige zu bringen, und werden mit Gefängnis bestraft. **(Schüler und Lehrer der Lehrerseminare im Felde.) Von den 6000 Schülern der obersten Klassen preußischer Lehrerseminare sind bei Kriegsausbruch über 5000 sofort in das Heer eingetreten. Von den Schülern der zweiten uind dritten Klasse stehen rund 4500 unter den Wassen, aus Präparandenanstalten rund 1300. Die Gesamtzahl der am Kriegsheer beteiligten Schüler beträgt in Preußen 11700, die von den Lehrerbildungsanstalten des Reiches rund 15000. Auch die Lehrerschaft der Lehrerbildungsanstalten ist stark am Kampf beteiligt, in Preußen mit über 750(42 v. 5 der Gelanthelt, im Reih über 1200. Die Milchnot ist behoben, wenn juunge Mütter statt der frischen Milch Nestles Kindermehl den Säuglingen geben, denn dieses enthält einen hohen Prozentsatz der tadellosen und absolut gesunden Alpenkuhmilch, außerdem auch noch alle anderen organischen und anorganischen Bestandteile, die zur kräftigen Miskel= und Knochenentwickelung und zum gesunden Gedeihen des Kindes erforderlich sind. Acußerst nährkräftig und dabei selbst für die zartesten Säuglinge leicht verdaulich, ist die Zubereitung leicht und schnell, denn es genügt etwas Wasser, um eine vollständige Mahlzeit zu erhalten. Probedose kostenfrei durch Nestle Gesell“ chaft, Verlin WV 57. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerke. Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen. Aufruf! sätkk braffte Fag fur die Gerwunderen. Ein gewaltiger Krieg ist über Deutschland hereingebrochen. Millionen deutscher Mähner bieten ihre Brust dem Feinde dar. Viele von ihnen werden nicht zurückkehren. Anfere Pflicht ist es, für die Hinterbliebenen der Tapferen zu sorgen. Aufgabe des Reiches ist es zwar, hier in erster Linie zu helfen, aber diese Hilfe muß ergänzt werden durch freie Liebesgaben, als Dankopfer von der Gesamtheit unserer Volksgenossen den Helden dar' gebracht, die in der Verteidigung des Deutschen Vaterlandes zum Schutze unser Aller ihr Leben dahingegeben haben. Deutsche Männer, Deutsche Frauen gebt! Gebt schnell! Auch die kleinste Gabe ist willkommen! Es werden auch Staatspapiere und Obligationen entgegengenommen. Die Geschäftsräume befinden sich Berlin NW. 40, Alsenstraße 11. Berlin NW. 40, Alsenstraße 11. Telephon: Amt Moabit, Nr. 9106. Das Ehrenpräsidium: Dr. von Bethmann Hollweg, Reichskanzler. Dr. Delbrückck, Staatsminister, Stäakssekretär des Innern, Vizepräsident des Staatsministeriums. Zahlstellen: Sämtliche Reichspostanstalten(Postämter, Postagenturen und Posthilfsstellen), die ReichsbankHaupt=, Reichsbank= und Reichsbank=Nebenstellen, die Königlich Prcußische Seehandlung, Bank für Handel und Industrie, Berliner Handelsgesellschaft, S. Bleichröder. Commerz= und Diskontobank, Delbrück, Schickler u. Co., Deutsche Bank, Disconto=Gesellschaft, Dresdner Bank, Georg Fromberg u. Co., von der Heydt u. Co., Jacquir u. Secunlis, F. W. Krause u. Co., Kur= und Neumärk. Ritterschaftl. Darlehnskasse, Mendelssohn u. Co., Mitteldeutsche Creditbank, Nationalbank für Deutschland, Gebrüder Schickler, sowie die sämtlichen Depositenkassen vorstehender Banken. 2565 „In den militärischen Hospitälern haben wir es meistens mit solchen Kranken zu tun, deren Nervensystem durch Ueberarbeitung erschöpft, überregbar geworden ist. Das zeigt sich insbesondere in der Ueberhandnahme der Herzneurose. Wir müssen daher solchen Leuten kunlichst reizlose Kost verabreichen. In dieser Beziehung ist der Genuß von cof Kaffee Hag wichtig. Wir sind daher der Firma für den uns überlassenen coffeinfreien Kaffee zu großem Dank verpflichtet, da der Genuß desselben unseren Pflegebefohlenen nicht nur immer mundete, sondern auch weder deren Nerve noch auch ihr Herz nachteilig beeinflußt hat.“ gez. Kaiserlicher Rai Os. 8., Spilaleiter, Wien, K G KPTTEN-H KNSHER-KMIBANG für Herren, und Knaben-Kleidung der Firma AA.e Horven u. Kouuer. es.- Ostenhellweg 23(gegenüber I. Fischer) in Dortmund. Zu früh bist du von urs gesthieden, Wir stehn vereint im tielsten Schmerz, Doch Haffsung auf ein Wiederschn, Hält aufrecht unser krankes Herz. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute nachmittag 3¾ Uhr unse rinnigstgeliebtes Söhnchen und Brüderchen Eirvvin nach kurzem, schwerem Leiden im zarten Alter von 5 Monaten wieder zu sich in den Himmel zu nehmen. Dieses zeigen an in tietster Trauer und mit der Bitte um stille Teilnahme. Ernst Voss und Frau Anna geb. Fastenrath pebst Kinder. Schwerte, den 29. Mai 1915 Die Verdlgung Audet Dienetas nachm. 3½ Uhr k vom Sterbehause, Beckestrasse Nr 31, aus statt. Sollte jemand aus Verseben keine Nachricht erhalten haben, diene diese als solche 2574 Den Heldentod für's Vaterland starb mein lieber, herzensguter Mann, der treusorgende Vater meiner beiden Kinder, mein lieber Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Wehrmann Valentin Naplerala Feld-Artillerie-Regiment Nr. 48 im Alter von 37 Jahren. In tiefer Trauer: Sofie Napierala geb. Ostermann nebst Kinder. Familie Baukelmann. Familie Kamp. Schwerte, 31. Mai 1915. 2578 Das Seelenamt findet Mittwoch mergen 7 Uhr in der hiesigen Pfarrkirche statt. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute morgen 2½ Uhr unser einziges, innigstgeliebtes Söhnchen nach kurzem, schwerem Kranksein im Alter von 6 Jahren 10 Monaten zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Dies zeigen tiefbetrübt an mit der Bitte um stille Teilnahme. Förster Carl Orlowski und Frau. Ergste, den 29. Mai 1915. Goldwaren und Schmucksachen Moderne Colllers, Medalllons, Anhänger in jeder Art, Damenringe und Herrenringe in den modernsten Formen. Broschen und Ohrgehänge, Armbänder, Kreuze, Vorstecknadeln, Damen- und Herren-Uhrketten in 10 verschiedenen Qualitäten. Brillant-Ringe, Brillant-Broschen, Brillant-Ohrgehänge etc. Sehr grosse Auswahl! Billigste Preise A. Eick& Comp. Balkenstrasses 36—38 DORTMUND Balkenstrasse 36—38 beim Bezirks-Kommando. 4992 Die Beerülgung Andet am Dienstag, den 1. Juni. nachm. 4 Uhr, vom Sterbehaus aus statt. 2570 Beslanntmachane Am Güterbahnhof des Bahnhofs hierselbst werden Verlorn) stadtseitig 2 Waggon Kartofseln In Westhosen auf dem Wege bis zum Bahnhof oder in Schwerie vom — Markt bis zum neuen Rathaus am Sonntag, den 30. Mai zum Preise von Mk. 6.50 für den Zentner verkauft. Die Abgabe erfolgt heute in der Zeit von 2 Uhr! nachmiltags bis 8 Uhr abends. Behälter ist mit zubringen. 2584 Schwerte, den 31. Mai 1915. Der Magistrat: Rohrmann. Desacsennlbgelibe Aaondang. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (R.=G.=Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. unter dem Rindviehbestande des Wirts Glück zu Berghosen. Als Spertbezirk wird bestimmt: Gehöst von Glück, sowie Chaussee Hörde=Schwerte von Gockel bis Freischüßz Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter 1 meiner viehleuchenpolizeilichen Anordnung vom 25. März 1915 Anwendung, die im omtlichen Kreisdlal!(Schwerler Jeilung) vom 31. März er. Nr. 76(Beilage) enthalten ist. Ein Beodachtungsgebiet wird nicht gebildet Die Abschnitte III— VII einschl. der gegannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Sotz des§ 5 Ziffer 1 wie folgt geändert wird: In dem Amle Aplerbeck wird ve boten. Hörde, den 28. Mai 1915. 2•75 Der Landrak. 3.B.: Dr. Burchard. Regierungs=Assessor. (Kette mit Kaprubinen). Wiederbringer erhält gute Belohnung. Abzugeben:„ 2577 Westhosen, Marktstr. 13. ISBuo8m Neue Besatz- und Jakettknöpfe# Neue geblümte u.„ karierte Be1957 satzseide BNleue aparte Blusenkragen empfiehlt in grosser Auswahl und jeder Preislage Kaufhaus Otto Marx Schwerte, Ostenstr. 20. VO OS „Wacm zu empfehlen istzZuckers Patent- Hiedlzinal- Seite gegen unreine Haut, Mitesser, Piokol, Knötchen, Pusteln usw. SpezialArzt Dr. W.“ in drei Stärken à 60 Pfg., 1 00 Mk. u. 1.50 Mk Dazu Zuckooh-Creme(à 50 und 75 Pfg. 2c. Bei C. Trog, Mar Mehihose. Drogersen. per 100 Pld. Mlk. 5.50 empfiehlt 2580 L. Weinberg. Toogon, Anigtg liefert schnell und sauder Draber-ür Tele Buchdruckerei&Ep.; Braus Schneigerin sucht Kundschaft in und außer dem Hause. Rosenweg 34. Eche Friedrichstr., 3. Etage l. Eine dübsche, abgeschlossene Etage 4. eokl. 5 Räume, mit allen Bequemlichkeiten, Gas, elektr. Licht, Baderaum, Wasserleitung eic., per gleich oder 1. Juli vermieten.: 249 Hohenzollernstraße 37. Bekanntmachung. Der besondere Schutz der diesjährigen Ernte ist eine Notwendigkeit. Trotzdem häufen sich die Beschädigungen der Feldfrüchte. Schule und Polizei können allein den Anfug nicht hindern. Ellernhaus und Einsicht der Bewohner müssen mithelfen. Ich warne, da gegebenfalls strenge Bestrafungen erfolgen werden, die in heutiger Zeit doppelt schwer treffen, und bitte zugleich die Ellern und Bürgerschaft, in geeigneter Weise mitzuheisen, daß Beschädigungen der Feldfrüchte im Amtsbezirke nicht mehr vorkommen. Wellinghofen, den 25. Mai 1915. 2572 Der Amtmann: Hartung. Desendewolserliche Aaordung. Ium Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund der S§ 18 fl. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 Reichsgesetz Blatt Seite 519 mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It unler dem Rindviehbestande der Witwe Köller zu Holzwichede=Rausingen. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Ortsteil Rausingen. Auf dies m Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 25. März 1915 Anwendung, die im amllichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung vom 31. März er. Nr. 76(Beilage] enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnilte I1—VII einschließlich der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des 8.5 Jiffer 1 wie folgt geändert wird. In dem Amte Aplerbeck wird verboten. Hörde, den 28. Mai 1915. 2576 Der Landrak. J. B Burchard. Navelhocken sind wieder eingetroffen. L. Weinberg. Den Heldentod für's Vaterland starb unser lieber, unvergesslicher Sohn, Bruder. Schwager, Onkel und Neffe Otto Franz Unteroffizier im Inf.-Regt. Nr. 41, 4. Komp. im Alter von 23½ Jahren. 2573 Die trauernden Hinterbliebenen. Westhofen i W., Hagen i. W., Gevelsberg, Berlin, Düsseldorf, z. Zt. Namur, z. Zt. Sennelager, Liegnitz, den 29. Mai 1915. Du hast als tapfrer Held gestritten, Fürs Vaterland gabst du dein Blut. Du wurdest aus unserer Mitte gerissen, Du warst so edel, treu und gut. Ach hätten wir noch einmal dich gesehn, Und könnten jetzt zu deinem Grabe gehn. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 15 Oktober nach vorheriger schwerer Verwundung unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Neffe, der Reservist Heinr. Ackermann gen. Viereck im Inf.-Regt. 129, 10. Komp. ##im blühenden Alter von 28 Jahren In tiefer Trauer: Familie Viereck 2583 nebst Geschwister. Schwerte, Lüttringhausen u. Cassel, 81. Mai 1915. Reier uih bch straße 28 iln eine 3 Zimmer= Wobnung sofort zu vermieten. 2549 Frau Wilhelm Heppe, Ofenür. 3. Eine westsälische Mietensadrik sucht tüchlige Warm= Niesenpresser zum sofortigen Eintrit dauernde Stellurg Ruhrtaler Nietenfabrik G m. b. 3310 Hatingen I. M0. 37.1 — Makulaturpapier empfiehlt billigs Carl Braus. TOtelzetter mit Darstellung eines sterbenden Soldaten und ein zum Himmel zeigender Engel ist eine dauernde Erinnerung an die gefallenen Krieger Buchdruckerei Carl Braus Schwerte Ruhr, Gr. Marktstr. 3—5. nier blchichch 8 Mädchen in der 1 Offerten unter E 2551 an die Gesa äf sst. d. Zia escher kleinere Anzeigen möglichst bei Aufgabe zu bezahlen. Die Geschäftsstelle der „Schwerter Zeitung". Erdnussmehl hell Baumwollsaalmehl Palmkernmehl Bohnenmehl empfiehlt 228 L Mil den Feldgräuffe nach Beigten hinein von Wilhelm v. Trotha, Oberleutnant a. D. Preis Mk. 1.50 Buchbandlung CARL BRAUS SCHWERTE(RUHR), Gr. Marktstrasse 3—5 en 1 S 49 " 63 5 B SSS ** □. n. 2* ED 00 S 0 2.— XD "— ** 6 Fürstentochter zur Frau, indem er sagte: Je croirais toujours avoir un pot de vin auprèsde moi(Ich müßte immer glauben, einen Weinkrug um mich zu haben). Dahin gehören auch die sogenannten„Weiberzeichen“, die an vielen Orten noch bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts üblich waren, wie in Ochsenbach, Güglingen, Rühlheim bei Sulz, Weilheim bei Tübingen, wo die Schultheißen und Bürgermeister den zechenden Weibern aufwarten mußten. Um jene Zeit wurden in den Städten fast jeden Morgen Betrunkene in den Straßen schlafnd gefunden, und in Nürnberg wurde von dem Magistrat ein besonderer kleiner Wagen gehalten, um sie nach Hause zu führen. Selbst der mäßige Herzog Christoph bekennt in Briefen, daß er„etliche Trünk zu viel getan“, und zog nie auf einen Reichstag, ohne einige Fässer Neckarwein mitzunehmen. Ein Grund zum Heiraten. Ein Bergmann, der in seinen Mußestunden gern dem Kaninchenfang oblag und sich zu diesem Zweck einen Hund hielt, überraschte plötzlich seine Bekannten, die ihn alle für einen eingefleischten Junggesellen gehalten hatten, durch seine Verheiratung. Darüber befragt, erklärte er:„Ja, was sollte ich anders tun? Ich konnte doch den armen Hund nicht immer allein zu Hause lassen, da habe ich mir eben eine Frau genommen, damit sie für ihn sorgt und ihm Gesellschaft leistet.“ # re Nae er. e! Ein gransamer Sport. Bekanntlich ist viel von Hang der Angelsachsen zu grausamen und blutigen Vergnügungen, wie Hahnen= und Stierkämpfen, auch in den Volkscharakter der Amerikaner übergegangen und hat sich im Süden und fernen Westen mit jenem finsteren Zug von Blutgier und Roheit verschmolzen, der dem Charakter aller romanischen Völker, vor allem aber der Spanier, zugrunde liegt. Man sieht dies namentlich in Kalifornien, wo nicht nur zu verschiedenen Malen Truppen von spanischen Stierkämpfern mit ungemeinem Beifall große Vorstellungen gaben, wo Hahnenkämpfe ebenso gewöhnlich sind, wie heutzutage auf Kuba oder ehedem in England, sondern wo auch noch andere Volksbelustigungen und Sports, wie Tierkämpfe usw., üblich sind, die ein zivilisiertes und feinfühligeres Volk anwidern würden. Einer der beliebtesten Sports dieser Art in Kalifornien ist ein Kampf zwischen einem Bären und einem Bullen aus jenen beinahe wilden Viehherden, welche die Grasfluren des kalifornischen Tieflandes an der Küste bevölkern. Wenn man hier und da einen Bären lebendig fängt und in einen Zwinger bringt, wo er mittels eines starken eisernen Halsbandes und einer eisernen Kette, an einem Pfahl befestigt, gehalten wird, se stellt man ihm in diesem Zwinger einen starken Bullen gegenüber, um beide miteinander kämpfen zu lassen. Ein derartiges Schauspiel wird öffentlich angezeigt, ist um Geld zu genießen und findet ungemeinen Zulauf, teils als Schauspiel selbst, teils als Gelegenheit zu hohen Wetten, die ja ebenfalls bei den Kaliforniern leidenschaftlich beliebt sind. Sobald der Bulle in den Zwinger gebracht wird, entfaltet der Bär die größte Wut schon bei seinem bloßen Anblick und macht Mirne, auf den Bullen loszugehen. Daß er daran durch die nette verhindert wird, steigert seine Wut womöglich noch. Zuweilen greift der Bulle den Bären auf den ersten Blick wütend an, und das Schauspiel wird dann ungemein belebt; denn Petz sucht den Hornstößen mit mehr Gewandtheit auszuweichen, als man dem anscheinend plumpen Tiere zutrauen würde, und gelingt es ihm, den Bullen mit seinen starken Zähnen zu fassen und sein furchtbares Gebiß zu gebrauchen, so hat der Bulle einen schweren Stand, und die Wetten der Zuschauer steigen fieberhaft. Bisweilen ist der Bulle aber auch vorsichtig und hält sich in angemessener Entfernung in der Defensive, bis den Zuschauern die Zeit zu lang wird und ein Hagel wohlgezielter Peitschenhiebe den Bullen vorwärtstreibt und den Beginn des Kampfes herbeiführt. 15 Wer war der geschichtliche Blaubart? Ueber die Person des geschichtlichen Blaubarts sind die Ansichten der Gelehrten noch geteilt. Jetzt weist Professor Price in den „Annales historiques" nach, daß Blaubart kein anderer als Gilles von Laval, Herr von Rez, Briolay, Chantocé, Ingrans und anderen Herrschaften in der Bretagne gewesen ist. Zur Zeit König Karls VII. gelangte er in den Besitz eines ungeheuren Vermögens, das er durch grenzenlose Vergeudung verschwendete. Unter anderem führt man von ihm an, daß seine Kapelle aus einem Bischof, einem Diakonus, einem Vorsänger, vier Vikaren, zwölf Kaplänen und acht Chorsängern bestand. Diese folgten ihm, wohin er auch reiste. Jeder hatte ein Pferd nebst Dienern; alle trugen Gewänder von Scharlach und Pelz. Mehrere kleine Orgeln, deren jede von sechs Männern getragen wurde, befanden sich nebst den kostbaren Kirchengeräten in dem Zuge. Später nahm Gilles von Laval einen italienischen Arzt, Nebali, in seinen Dienst, der mit dem Bösen im Bunde zu stehen und die verlorenen Schätze auf übernatürliche Weise wieder ersetzen zu können vorgab. Von da ab begannen die schauderhaften Verbrechen, wie sie die Menschheit vielleicht nie wieder erlebt. Die schönsten Kinder in seinen Besitzungen wurden heimlich nach Chantocé gebracht und abgeschlachtet; in ihrem Blute badete sich der Unmensch, weil er glaubte, dadurch sein Leben und seine Kraft zu erhalten. Nachdem hunderte solcher Opfer bereits gefallen, schritten die Behörden gegen den Verbrecher ein und verurteilten ihn zum Feuertode. Die Exekution wurde am 23. Dezember 1440 auf der Wiese von Nantes vollzogen. Die Ruinen des blutbefleckten Schlosses von Chantocé erinnern noch heutigen Tages an den geschichtlichen Blaubart. 9 Bumor. Brennende Frage. Der kleine Paul hatte sich an Brennesseln gestochen. Nachdem er sich über den ersten Schmerz etwas beruhigt hatte, war er eine Zeitlang sehr nachdenklich. Endlich meinte er:„Mutti, wenn sich eine Biene auf eine Nessel setzt, sticht dann die Nessel die Biene, oder die Biene die Nessel?“ * Bassas 7. *. K gn E =• 0 ens Ee sss:s S S g.. S S S SS a. SSSE 9 S 9 2 ** ** " 6 02 c5 G. c 5 8 co•• 6 9 S 7 5 00 * ∆ S 22 8 8 G• — Art läßt nicht von Hrt. Roman von H. Hill. 4 54 1242) und ich wiederhole, daß Sie #) harrte Edith.„Es ist (5 lügen.“ Jortsetzung) bedurch das Gutachten des Arztes festgestellt, daß er in seiner sinnlosen Trunkenheit gar nicht imstande gewesen wäre, das Verbrechen zu begehen.“ Weigelt lachte höhnisch auf. und die Polizei und der Herr Baron von Reckenburg, sie haben sich alle miteinander als Dummköpfe und Einfaltspinsel erwiesen. Keinem von ihnen ist es in den Sinn gekommen, sich die allernächste und einfachste Möglichkeit zusammenzureimen. Die Betrunkenheit, wegen deren man den sogenannten Herrn Grafen aus der Gesellschaft entfernte und auf sein Zimmer schaffte, war nichts als eine gut gespielte Komödie, denn in jenem Augenblick war der Bursche so nüchtern wie Sie und ich es in diesem Augenblick sind. Sobald man ihn mit mir allein gelassen hatte, ging er in das Arbeitszimmer hinunter, um den schlafenden Grafen zu ermorden. Und erst als er wieder heraufgekommen war, trank er sich wirklich den Rausch an, den man später so gewissenhaft bei ihm feststellte. Der war dann allerdings so echt, wie er nur sein konnte, denn er hatte beinahe eine ganze Flasche Kognak auf einen Zug hinuntergestürzt.“ Fassungslos, mit weit geöffneten Augen und stockendem Herzschlag, hatte Edith die zynische Enthüllung angehört. Die letzten Worte des Dieners aber waren nur noch wie aus weiter Ferne an ihr Ohr gedrungen, und ihr war, als begännen plötzlich alle Gegenstinde des Zimmers sich in tollem Wirbel um sie zu drehen. Sie hatte die Empfindung, daß ihr der Boden unter den Füßen weggezogen würde; eine namenlose Angst schnürte ihr das Herz zusammen. Sie wollte schreien, aber kein Laut entrang sich ihren Lippen, und in der nächsten Sekunde hatte eine wohltätige Ohnmacht die Schleier des Vergessens über sie gebreitet. „Was nun?“ fragte die Johannsen mit bösem Ausdruck, indem sie auf die anschelnend leblos in einen Sessel Gesunkene deutete. Und mit einer gewissen Hast, als ob es ihm darum zu tun wäre, etwas zu verhindern, das sich drohend in den stechenden Augen des Weibes ankündigte, erwiderte Weigelt: „Vorläufig gibt es für uns nichts Dringenderes als die Vorbereitungen zur Flucht. Laß mich zuerst hinuntergehen, um die kleine Maskerade vorzunehmen, die nun einmal leider unerläßlich ist. Du wirst ja nach(Nachdruck verboten.) her schnell mit der deinigen fertig sein, denn für dich ist die Gefahr der Entdeckung nicht so groß.“ „Und das Mädchen?“ beharrte sie. „Ach, du siehst doch, daß sie vorderhand unschädlich ist. Dies sieht ganz aus wie eine Ohnmacht, aus der sie nicht gar zu schnell erwachen wird. Es genügt vollkommen, wenn du hier bleibst, um sie zu überwachen. Nachher— nun, nachher wird sich das weltere schon finden.“ Er ging hinaus und begab sich in eine Kammer, die man recht wohl hätte für das Ankleidezimmer eines Schau pfelers halten können. Denn es gab darin nicht nur eine Menge der verschiedenartigsten Kleidungsstücke, sondern auch einen großen Toilettentisch mit Schminknäpfchen, Puderdosen, Farbstiften und einer ganzen Anzahl von Perücken und salschen Bärten. Mit Hiife dieses reichhaltigen Arsenals hatte sich der blonde Weigelt ohne große Mühe und mit verhältnismäßig wenig Zeitaufwand in den dunkelhaarigen Doktor Pittins verwandeln können, ohne daß selbst Ediths scharfes Auge die ausgeschminkte Maske durchschaute, und mit Hilfe dieser Theaterrequisiten fiel es ihm auch jetzt nicht schwer, sich ein exotisches Aussehen zu geben — so ungefähr, wie man sich einen Vollblut=Mexikaner oder Brasilianer vorstellen mag. Dazu legte er einen sehr eleganten Reiseanzug an von etwas exzentrischem Geschmack, wie ihn diese Herrchaften lieben. Und als er einen letzten Blick in den Spiegel warf, hatte er alle Ursache, sich selber ein Kompliment über die Geschicklichkeit zu machen, mit der er in erstaunlich kurzer Zeit die Metamorphose vollzogen hatte. Trotzdem mußte seiner Helfershelferin droben das Warten zu lange gewährt haben, denn plötzlich stand sie auf der Schwelle. „Nun?“ fragte sie.„Bist du fertig?“ „Wie du siehst. Habe ich mich nicht in einen vollkommenen Gentleman verwandelt? Bist du mit mir zufrieden?" Mit einem flüchtigen Blick nur streifte sie über ihn hinweg. „Ich würde dich auf den ersten Blick unter Hunderten wiedererkennen,“ sagte sie etwas geringschätzig. „Aber es ist wohl möglich, daß die Dummköpfe von der Polizei weniger scharfe Augen haben. Geh jetzt, damit auch ich mich umkleiden kann. Ich denke, wir haben keine Ursache, mit unserer Zeit allzu verschwenderisch umzugehen.“ „Nein— sicherlich nicht.— Aber die Komtesse? # 5 5 S Sags K — Ist sie noch immer ohnmächtig, daß du sie allein lassen konntest?“ „Ja, bis jetzt hat sie sich nicht gerührt. Und ich habe sie selbstverständlich eingeschlossen.“ Der Diener musterte sie mit einem argwöhnischen „Sage mir die Wahrheit!“ forderte er.„Du haßt sie doch nicht etwg——?“ Sie lachte kurz auf. „Sei unbesorgt! Ich habe iyr kein Haar gekrümmt. Ich werde mich hüten, mich mit dergleichen zu befassen. Vor dem Zuchthaus fürchtet man sich ja nicht mehr allzusehr, wenn man es einmal kennen gelernt hat. Aber, um mit dem Scharfrichter Bekanntschaft zu machen, habe ich einstweilen mein Leben doch noch zu lieb. Was da getan werden muß, ist deine Sache. Und du wirst ja hoffentlich selber wissen, was du deiner und meiner Sicherheit schuldig bist.“ Er nickte wohl zustimmend, aber er vermied es, sie anzusehen. Und er wollte sich eben schweigend zum Gehen wenden, als sie ihn noch einmal aufhielt. „Wo ist— du weißt schon, was ich meine. Ich erwartete, ihn auf der Treppe zu finden. Aber es ist gut, daß du ihn gleich beiseite geschafft hast.“ „Es war ein schweres Stück Arbeit,“ erwiderte Weigelt, während es seinen Körper schüttelte.„Nicht um alle Schätze möchte ich das noch einmal machen.“ „Du weißt bestimmt, daß er tot ist?“ Der andere bejahte stumm. Die Art, wie er sich schwer auf eine Stuhllehne stützte, ließ erkennen, daß ihn diese Erörterungen angriffen. „Schwächling!“ sagte die Hausdame vor sich hin, halblaut nur und wie zu sich selbst, aber doch immerhin deutlich genug, daß er es verstehen konnte. Da raffte er sich gewaltsam zusammen.. B.e gotam „Die Hauptsache ist, daß wir das Gelo haben, erklärte er in verändertem, forciert leichtfertigem Ton, indem er sich mit der flachen Hand auf die Brust klopfte, I dahin, wo er vermutlich die Brieftasche des Ermordeten I verwahrte.„Damit hilft man sich schließlich über alles I weg, sogar über unbequeme Gewissensregungen.“ „Und du hast auch ganz sicher alles? Du hast nichts übersehen von dem, was er bei sich trug?“ „Nichts. Wenigstens nicht, soweit es sich um Banknoten und um Wertpapiere handelte, die sich ohne Gefahr zu barem Geld machen lassen. Auf den größeren Teil der Summe freilich müssen wir schweren Herzens verzichten. Denn die hatte er sich in Form eines Schecks aushändigen lassen. Und den dürfen wir natürlich nicht zu verwerten suchen, wenn wir uns nicht wie rechte Tölpel selbst ans Messer liefern wollen.“ „Schlimm genug. Aber ich sehe ein, daß sich nichts dagegen tun läßt. Und nun laß mich allein!“ Als er hinaus war, starrte sie sekundenlang mit finsterem Blick auf die Tür, durch die er verschwunden war. „Ich weiß, daß er ihr nichts antun wird,“ murmelte sie in sich hinein.„Sie dauert ihn, weil er in sie verliebt ist. Aber es ist gut, daß ich auch noch da bin.“ Ehe sie daran ging, sich in das bereitliegende vornehme Reisekostüm zu kleiden, nahm sie eine andere, seltsam anmutende Verrichtung vor. Aus einer Ecke brachte sie zwei große, anscheinend vollständig gefüllte Blechkannen zum Vorschein, denen, als sie die Deckel abhob, ein intensiver Petroleumgeruch entströmte, und mit dem Inhalt dieser Kannen benetzte sie in allen Zimmern des untersten Stockwerks die vorhandenen Möbel, Vorhänge und sonstigen Einrichtungsstücke in “ so reichlichem Maße, daß sie bei der Berührung mit einem Feuerbrand notwendig in hellen Flammen auflodern mußten. Dann erst ließ auch sie sich vor dem Toilettentisch nieder und verwandelte sich mit einem Geschick, das nicht geringer war als das ihres Komplicen, binnen kürzester Frist in eine sehr vornehm aussehende Dame der großen Welt.—: Pi4ssuns Weigelt war der erste, der eine Vierkeistunde später die Stätte des Verbrechens verließ. Nach Verlauf von ungefähr zehn Minuten folgte ihm, der getroffenen Abrede gemäß, seine Mitschuldige, um ihn an einem vorher vereinbarten Platze wieder zu treffen. Sie hatte, ehe sie dem unheimlichen alten Hause für immer den Rücken kehrte, alles getan, was sie zu ihrer Sicherheit für erforderlich hielt. 33. Kapitel. Kurt von Reckenburgs erste Eingebung nach der Feststellung von Doktor Odemars spurlosem Verschwinden war der Gedanke gewesen, noch einmal den Polizeirat aufzusuchen und ihm Mitteilung davon zu machen, daß sein„Gefangener“ ihm entwischt sei. Aber er besann sich denn doch bald eines anderen. Erstens hätte er damit sich selber Lügen strafen müssen, nachdem er dem Beamten vorhin versichert hatte, daß der junge Schriftsteller sich noch in seinem Gewahrsam befände, und dann stand, wie er sich schon wiederholt gesagt, die Ermordung des alten Grafen und ihre Aufklärung für ihn jetzt nicht in erster Linie. Selbst wenn sein Vertrauen in Odemars Schuldlosigkeit ein ungerechtfertigtes gewesen wäre, und wenn sein Verschwinden eine Flucht war, bedeutete das nicht allzuviel neben der schweren Sorge um Ediths Verbleib und um ihr Geschick. Das allein sollte und durfte jetzt das Interesse des Polizeirats in Anspruch nehmen. Von der Reckenburg hätte es für einen unverzeihlichen Fehler gehalten, ihn irgendwie mit der Mordaffäre zu beschäftigen, die dem Beamten möglicherweise als die wichtigere erschienen wäre und ihn von der Verfolgung des Grafen und der Aufspürung der Komtesse abgezogen hätte. Darum zog er es vor, an seiner ursprünglichen Absicht festzuhalten und sich zunächst in seine Wohnung zurückzubegeben. Er fand den Senator und den Major genau so, wie er sie verlassen hatte, nur mit dem Unterschied, daß der letztere seine Schwäche überwunden zu haben schien und nur noch ein wenig ermüdet aussah. Das galt übrigens auch von dem Senator, der während des ganzen Tages noch keine ordentliche Mahlzeit zu sich genommen hatte, und dem es deshalb kaum zu verübeln war, wenn er mit wachsender Ungeduld auf die Rückkehr des Freiherrn gewartet hatte. Natürlich verlangte er einen Bericht über die Erfolge der von dem Regierungsassessor unternommenen Schritte. Aber Kurt von Reckenburg beschränkte sich für den Augenblick auf die Mitteilung, daß es ihm leider nicht gelungen sei, die Spur des Grafen zu finden, oder den Aufenthalt seiner Cousine zu ermitteln, und er bat ihn, sich mit weiteren Erzählungen zu gedulden, bis sie in irgendeinem naheliegenden Restaurant ihren notleidenden Lebensgeistern ein wenig aufgeholfen hätten. Der praktische Amerikaner hatte nichts dagegen einzuwenden, und der Major war augenscheinlich sehr dankbar dafür, daß man ihn aufforderte, sich anzuschließen. Bald saßen sie in einer der bescheideneren Restaurationen, für die sich der Freiherr mit Rücksicht auf die nicht sehr ehrenvolle Gesellschat des Majors entschieden hatte, und nach dem ersten Gange erstattete ec einen ausführlichen Bericht über seine leider so wenig ergebnisreiche Expedition. Ueber das rätselhafte Verschwinden des Schriftstellers ging er ziemlich leicht hinweg; den Major aber, der den bescheiden schweigenden Zuhörer gemacht hatte, schien gerade dieser Teil der Erzählung ganz besonders zu interessieren. Hatte er sich bis dahin ganz so benommen wie jemand, der recht wohl weiß, daß er nur geduldet ist— vielleicht sogar widerwillig geduldet—. so konnte er sich jetzt nicht enthalten, mit einer, allerdings recht zaghaft vorgebrachten Bemerkung in das Gespräch einzugreifen. (Fortsetzung folgt.) * 711 S.. 8 E. 8 a a E 8 35 n ESSSSBRSSSESSBSSSSSSS 7. PTATES S S ago. SBUDER S 2 8 2 S 0. SS S B C E7 S 5 21 2. E EES B SSE1E Denkspructz. Jugendeindtücke sind das ewig Bestimmende in einem Menschen. Es bildet sich da gleichsam ein geistiger Münzluß aus, nach dem lebenslang gerechnet wird. Auerbach. Beethoven in der Küche. (Nachdruck verboten.) Der große Tonkünstler erstreckte seine Genialität auch auf seine Häuslichkeit, die er zu einem wahren Chaos gestaltete, denn er war auch in der Unordnung genial! Er verbot es streng, daß jemals bei ihm aufgeräumt wurde; sogar der Besen durfte nur gegen besondere Erlaubnis den Fußboden seines Zimmers berühren. Er behandelte diesen zugleich als Papierkorb und warf alle Kuverts auf die Erde, zuweilen die zerrissenen Briefe dazu. Auf jedem Stuhle lagen Bücher oder Noten. Das Geschirr der Mahlzeiten vom Frühstück an blieb meistens bis zum anderen Morgen im Zimmer stehen. Wenn er etwas suchte, wurde das Chaos lebendig, Manuskripte stürzten entblättert zur Erde, leere und volle Weinflaschen rollten aus den Ecken hervor, aber was er suchte, fand er natürlich nie; denn der Wirrwarr ward immer ärger durch sein ungeduldiges, unsystematisches Suchen. Verloren aber hatte er immerwährend etwas, das Suchen war also eine seiner gewöhnlichsten Beschäftigungen. Er schalt dabei sehr heftig auf seine Haushälterin, die er seltsamerweise Aran Schnays nannie; sie sei an jumerweise Frau Schnups nannte, sie sei an allem Verdruß, an aller Unordnung schuld, behauptete er, denn er selbst sei streng ordentlich und könne jede Stecknadel bei Nacht wiederfinden, wenn nicht eben stets alles in seinem Zimmer auf eine andere Stelle von ihr gelegt würde. Eine Hauptursache dieser Unordnung lag aber in dem häufigen Quartierwechsel des unzufriedenen, verdrießlichen Tondichters. Er wechselte die Wohnung so oft, wie man die Wäsche wechselt, und nahm sich nie die Zeit, sich wieder ordentlich einzurichten. Einst fehlte die Partitur seiner Lieblingssymphonie, völlig ins Reine geschrieben, ein wahrhaft kostbares Manuskript. Ueber vierzehn Tage brachte Beethoven mit Suchen und Fluchen zu. Er fand es endlich, aber wo? In der Küche, als Unterlage für Butter, Speck und andere Lebensmittel! Ganz außer sich vor Wut warf der Komponist alle Eier, die vorhanden waren— er liebte frische Eier über alles und aß täglich mehrere in rohem Zustande—. seiner Köchin an den Kopf und jagte sie dann aus dem Hause. Er war entschlossen, nie wieder eine solche Kannibalin in seine Küche zu lassen, das Essen war ohnehin längst nicht mehr nach seinem Geschmack gewesen. Selbst wollte er von nun an die Küche besorgen.„Das Kochen kann nicht schwerer sein als das Komponieren!“ rief er und ging vergnügt auf den Markt, um Einkäufe zu machen. Erfreut über die Auswahl und die Billigkeit der Lebensmittel, lud er einige Freunde zum Mittagessen ein und machte sich ans Werk, selbst alle Gerichte zu bereiten. Als die Gäste eintrafen, sahen sie mit einigem Erstaunen ihren Wirt in der Küche. Er trug eine weiße Zipfelmütze und eine nicht mehr weiße Schürze, wie ein Koch von Profession, sah aber aus wie ein Zyklop in rußiger Schmiede. Das Herdfeuer flammte in wilder Glut, die Töpfe zischten und kochten über, die Butter kreischte; nichts schien zur bestimmten Zeit fertig werden zu können, Beethoven stand in zorniger Verzweiflung bald mit dem Kochlöffsel, bald mit dem Messer drohend vor den ungefügigen Töpfen. Er warf sie um, er hob sie wieder auf, er verbrannte sich die Finger und noch mohr den Braten. Die Gäste harrten mit Ungebuld und knurrendem Magen auf die Ergebnisse des Höllenlärms, den Beethoven in der Küche vollführte; ihre guten Aussichten mußten immer mehr schwinden, je mehr Töpfe zerbrachen und Gerichte verbrannten. Endlich kam Beethoven aus der Küche, triumphierend gleich einem Krieger vom Schlachtfeld; aber seine Siege waren sehr kläglich! Die Suppe hatte ein trübes, kraftloses Ansehen, wie eine Bettelmannsbrühe; Beethoven wußte nicht, daß man sie abschäumen mußte, er hatte sie wie toll kochen lassen und fortwährend Wasser zugegossen. Das Gemüse war zu wenig mit diesem wohltätigen Element in Berührung gekommen, es war voller Sand und schwamm in Fett, aber die schrecklichste Leistung war doch der Braten. Er sah aus, als hätte ihn der Höllenfürst in Person geröstet und dann dem Schornsteinseger übergeben, damit er einen rußigen Glanz bekäme. Niemand vermochte etwas zu genießen, nur Beethoven selbst machte seiner Kochkunst Ehre, er verschlang und lobte alles. Die Gäste forderten Butter, Brot und Käse statt dieses Mittagessens, sie hielten sich an dem guten Wein schadlos, der zum schlechten Diner bestellt worden war. Anderen Tags hielt Frau Schnaps wieder ihren feierlichen Einzug in Beethovens Küche; er hatte eingesehen, daß die Kochkunst erlernt und geübt werden muß, wie jede andere Kunst, und hielt es darum für angezeigt, sich nicht mehr dareinzumischen. N. P. 92 Deutsches Triaken in alter Zeit. Die Stuttgarter Stadt=Ordnung vom Jahre 1492 machte es jedem neu eintretenden Richter zur Pflicht, einen silbernen Becher mit seinem Wappen auf die Ratsstube zu bringen; zu dem gleichen Zwecke mußte in Hall jeder„Herr“, der in den Rat gewählt wurde, das erste Quartal seiner Ratsbesoldung zurücklassen; in den Kanzleien gab es Suppen=, Schlaf= und Untertränke, damit die Räte und„Schreibersknechte" nachher wieder fleißiger arbeiteten, so wie Peter der Große in seiner neu eingerichteten öffentlichen Bibliothek in tersburg Schnaps ausschenken ließ, um Leser anzulocken. Herzog Christoph gab bestimmte Verordnungen, wieviel in jeder Kanzlei getrunken werden dürfe, und als ihm einmal einige Kostenzettel vorgelegt wurden, schrieb er darunter:„Muß denn immer gefressen und gesoffen sein? jedoch placet Christoph.“ Ein Kostgeber, dem nachgewiesen war, daß er einem Herrn von Landschad für zwei Gulden zu viel Wein gegeben, berief sich auf die ausdrückliche Erlaubnis des Vaters, daß sein Sohn zuweilen einige Maß über Ordnung nehmen dürfe, da seine Natur etwas Weiteres erfordern tut; und ein Professor Ziegler erklärte, er habe immer dafür gehalten, daß erwachsene Studenten 80—90 Maß Wein im Vierteljahr trinken dürfen. Als die Weinlese von 1539 sehr reichlich und auch im nächsten Jahre der Wein sehr gut ausfiel, geschah es, daß vom Herbste bis zum ersten Sonntage in den Fasten 1541 in Württemberg über 400 Personen beim Zechen ums Leben kamen. Auch das weibliche Geschlecht überschritt oftmals die Gesetze der Mäßigkeit, und es heißt deshalb in einem Ratsdekret von Heilbronn:„Dem Trunke ergebene Weiber sollen vom Stadtknecht herumgedrängelt und ihnen an den Kopf ein Zettel gehoften werden mit den Worten: versofjene Krugsurschel“. In Hall gingen 1532 drei Schwestern zusammen nach Münkheim in des damaligen Mühlmichers Haus, wo sie 32 halbe Maß des besten Weines tranken, dann die Zeche bezahlten und abends rühig nach Hause kamen. Heinrich IV., König von Frankreich, wollte keine deutsche GUT 2s 25 SE5 F S 585 □7, Wese 1 cre