ns Stmmm Heiur uicen deand aber Geanoes Bouoorg 9. Adritch, bei der Post für Vrwellgeld 62 Pto. mehr. Wöchentl. Gratisdeilage: Hamillensreund“ u. tägl. Ugterdaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siedengespaltene Petttzeile ## oden deren Raum 10 Pfg., Anzeigen vun auswärts 15 Pig., Reklamezelle 40 Pfg. Jeder Radatt gilt als Kassarobalt u. erlischt bei Konkursen,. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. gemacht. Lohlungsbedingung. Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung ( Schwerter Volksblau Verbunden mit: tu. dek ichlel. K. Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung erter Oolkszeitung Schwerker Cageblatt O Schwerker Anzeiger. ub. Arig, end ioholgeligetlichen Deranh. nungen für den Areis Hörde erlangen gemoß Betanntmachung der Höaiglichen Regierung durcd Verössentlichung io des„Schorgter Zettung" rechtsverdindliche Kraft. „Schwerter Zeitung“ gewöhrt ihren Adonnen. ten für jeden mit Tod endenden Unsoll gebagungen“: 300 Mk. Unfall. Druc u. Verlago. Gor Brous. tortio tl.- Setiemn eit Sasshent cch) Landesverrat ohne Absicht. Einer von jenen sogenannten„Neutralen", die ungehindert Dautschland von einem Ende zum andern durchreisen und für ihre im Plauderton abgefaßten Berichte lohnenden Absatz bei englische Zeitungen finden, während sie ihre wirklich wichtigen Wahrnehmungen ohne Zweifel dem Kundschaftsamt der englischen Regierung zuführen, erzählt in der„Times“ von Nebelbomben und neuen Zeppelinen, die zu einem Angriff auf stimmt sein sollen. Was wir daraus mit ernstem Nachdruck hervorheben möchten, liegt jedoch auf einem anderen Felde; es sind ein paar für ihn ganz nebensächliche Bemerkungen, die sich aber unsererseits zu einem sehr herben Vorwurf für deutche Schpäter zuhoiten müsen. Vepagen, iebe bomben sprechend schaltet er ein: den Fabriken, die sonst so zurückhaltend sind, lassen sich mit der Begeisterung von Schulknaben über neuen Versuche aus" usw. Sodann erwähnt er laute Wirtshausgespräche in München, denen ungläubig zuhörte, die aber durch ein kleines Erlebnis auf einer Bahnfahrt Bedeutung für ihn gewannen.„Südlich von München", erzählt er,„fuhr ich mit einem jungen Manne zusammen, der, obwohl ich ihm vollkommen fremd war, nach deutscher Art, gleich eine Unterhaltung mit mir anknüpfte. Es war ihm offenbar schwer, seine Wissenschaft für sich zu behalten. Er zeigte nach mehreren Richtungen, wo vor kurzem merkwürdige Dinge zu sehen gewesen seien. Dann schilderte er läufig einen Versuchsflug, den ein neuer großer Zeppelin von Friedrichshafen aus mit einer kürzlich erfundenen Vorrichting für Nebelbomben unternommen hätte.„Ich habe alles mit eigenen Augen gesehen“, fügte er hinzu.„Es war großartig. Der Nebel breitete sich im Nu viele Kilometer weit aus“ usw. Meinem erstaunten Zweifel begegnete er dann mit der Versicherung:„Ob ich es weiß! Hab' ich doch die Bombe selbst in der Hand gehabt; ich bin in der Fabrik beschäftigt.“ Ich suchte muin weiteres herauszubringen, worauf er mit der Bemerkung:„O, Sie werden bald noch mehr davon hören“, zu den großartigen chemischen Entdeckungen überging, die solche Dinge möglich machten.— Hier haben wir das Schnattermaul in Reinkultur. Einem ganz fremden Menschen gegenüber muß dieser eitle Gimpel seine hafte Seele ausschütten. Ob seine Neuigkeit Wert hatte oder nicht, ist hier gleichgültig; er selbst hielt sie jedenfalls für bedeutsam, und wenn er mitwirkend irgendwie beteiligt war, so konnten sie es auch sein. Es ist schon oft gemahnt worden, daß die einfachste Auskunft über eine Fahrt oder den neuen Standort eines Soldaten dem Feinde wichtige Aufschlüsse über Truppenbewegungen ermöglichen und ihm dazu helfen können, einen Plan unserer Heeresleitung zu Darum: trau, schau, wem! Die an den Deutschen so oft getadelte verächtliche Neigung, aus reinem Schwatzbedürfnis Unterhaltungen mit unbekannten Reisegefährten anzuknüpfen, kann in diesen Kriegszeiten geradezu verhängnisvoll werden. Das gilt natürlich ebenso von Wirtshausgesprächen und ähnlichen Gelegenheiten. Unter den scharfblickenden Beobachtern, die in fremdem Solde unser Land durchspähen, machen gerade die gefährlichsten einen vollkommen deutschen Eindruck in Erscheinung wie in Sprache, mögen sie aus deutschstammen ner und Engländer mit längerem deutschen Aufenthalt sein. Solche Schwatzmäuler aber, wie sie hier gekennzeichnet sind, treiben Landesverrat, und daß sie nicht diese Absicht haben, mildert wohl ihre gesetzliche Verantwortung verringert aber nicht die Gefahren für das Vaterland, und ihre sittliche Schuld bleibt daher sehr schwer. Tul., Schwere Verluste der Franzosen! Erfolgreiche Kämpfe um Przemysl! H 4ogg- be wnorher gengn wtb. Großes Hauplquartier, 27. Mai 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Ungeachtit ihres gänzlichen Mißerfolges vom 25 Mai erneuerten die Franzosen ihre Durchbruchsversuche zwischen Vermelles und der Lorekto=Höhe. Sehr starke Kräfte wurden auf dem schmalen Raum von 10 km zum Sturm angesetzt. Die Angriffe wurden überall zurückeschiggen, Witr Bed i Aste un uul Stellungen. Eine ungemein grog.# französischer Gefallener liegt vor den deuschen Gräben. Ein weiterer französischer Angriff richtete sich am späten Abend gegen die Linie SouchezNeuville. Hier ist dicht südlich von Souchez der Kampf noch nicht ganz abgeschlossen. Bein Friedhof von Neuville schanzten die Franzosen aufrecht stehen., indem sie zur Bechung in borhel gegungenen Kämpfen gefangene Deutsche verwendeten. Bei einer Erkundigung nördlich Dixmuiden nahmen wir 1 Offizier und 25 Belgier geKleinere feindliche Vortöße bei Soissons und im Priesterwalde wurden abgewiesen. Ein Luftangriff wurde mit Erfolg auf die Befestigungen von Southend an der unteren Themse gemacht. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Sowohl nordöstlich von Przemysl als auch in der Gegend vom Stryj schritt der Angriff unserer Truppen rüstig vorwärts. Die Beute und sonstige Ergebnisse sind noch che u Vberjeshen, Hberste Hereleitung, sen aufrcht stehend, toden se Weitere 4800 Russen gefangen! Zwei italienische Kompagnien vernichter: Prontlinje eurchbeachen un Wien, 28. Mai. Amtlich wird verlautbart vom 27. Mai mittags: Nordöstlicher Kriegsschauplatz. Im Raume von Przemysl dringen die verbündeten Armeen in erbitterten Kämpfen weiter vor. Oestlich Radymno eroberten die Truppen unseres 6. Korps den von den Russen hartnäckig verteidigten Ort Nienowice und die Höhe Horodysko im Sturm und machten über 2000 Gesangene und erbeuteten 6 Geschütze. Südöstlich Przemysl gelang es den verbündeten Truppen in der Gegend bei Hussakow in die feindliche Hauptverteidigungsstellung einzudringen un die Russen zurückzuwersen. 2800 Mann wurden gefangen genommen und 11 erobert. Die Kämpfe dauern an. Gleichzeitig haben unsere und deutsche Truppen der Armee von Linsingen südöstlich Drohobycz und bei Stryj nach schweren Kämpfen die befestigte seindlich Fronernie gurrhbrochen und zum gezwungen. Der Angriff wird auch hier An der Pruthlinie und in Russisch=Polen ist die Lage unverändret. Südwestlicher Kriegsschauplatz. In Tirol begann der Feind an einzelnen Punkten südöstlich Trient unsere Grenzwerke mit schwerer Artillerie zu beschießen. Bei Caerile Cordevole=Tale wurden zwei italienische Kompagnien durch unser Maschinengewehrfeuer verAn der kärntnerischen Grenze erfolglog feindliches Artilleriefeuer. Im Küstenlande überschritten die Italiener an mehreren Stellen die Grenze. Feindliche Abteilungen, die in unsere Stellungen vordrangen, wurden zurückgeworfen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Die Entscheidung im Osten Der Kaiser auf dem östlichen Kriegsschauplatz. wtb Berlin, 27. Mai. Aus dem Großen Hauptquartier erfahren wir über das Fortschreiten der Operationen der Verbündeten in Mittel=Galizien. In knapp 14 Tagen hatte die Armee Mackensen ihre Offensive von Gorlice bis Jaroslau vorgetragen. Unter täglichen Kämpfen, zumeist gegen befestigte Stellungen, hatte sie drei Flußlinien überschritten und einen Raumgewinn von über 100 Kilometern Lustlinie erzielt. Am Abend des 14. Tages hatte sie mit der Wegnahme von Stadt und## San erkämpft. Es galt jetzt, diesen Fluß in breiter Front zu überschreiten. Roch ubg. perte ioge Feind vorwäts Radymno und im Winkel in zwei stark ausgebauten Brückenköpfen das Westufer dieses Flusses. Im übrigen beschränkte er sich auf die frontale Verteidigung des Ostufers. Während Gardetruppen mit österreichischen Regimentern sich bei Jaroslau den Uebergang über den Fluß erkämpften und den durch frische Truppen sich täglich verstärkenden Feind immer weiter nach Osten und Nordosten zurückwarfen, erzwangen mehrere Kilometer weiter stromabwärts hannoversche Regimenter den Flußübergang. Braunschweiger waren es, die durch Erstürmung der Höhen von Wiazownica die Bahn öffneten und dadurch den hartnäckig verteidigten San=Uebergang gewannen. Weiter nördlich wurde der San=Wislok=Winkel von dem dort noch standhaltenden Gegner gesäubert. Ein Oberst, 15 Offi ziere, 7800 Gefangene, 4 Geschütze, 28 Maschinengewehre, 13 Munitionswagen und eine Felbüch sielen in unsere Hand. Der Rest sah sich schleunigen Abzuge nach dem östlichen Ufer verDese Kämpfe und Erfolge der verbüindeten Truppen vollzogen sich am 17. Mai in sr. Majestät des deutschen Kaisers, der an diesem Tage dem Chef des Generalstabes der Ber kämpfenden Armee, Oberst v. Seeckt, Pour le merite verlieh, nachdem schon vorher der Arme ührer Generaloberkt von Moveztegggg ders ausgezeichnet worden wor. Ppoxzgzg u. war der Kaiser zu seinen Truppen vorgeen. Unbegrüßten die auf Wagen Verwundeten mit lautem Furra ihren allerhöchsten Kriegsherrn. Auf der Höhe von Jaroslau sprach der Kaiser seinen Sohn, Prinz Eitel Friedrich und folgte dann von verschiedenen Standpunkten aus stundenlang mit angespannter Aufmerksamkeit dem Verlaufe des Kampfes um den Flußübergu## rückt schnellen Schrittes näher. Petersburger Berichte besagen, daß die große Entscheidungsschlacht, die als das wichtigste Ereignis dieses Weltkrieges sich erweisen werde, bevorstehe. Wir können ihr mit fester Zuversicht entgegenschauen. Der## tige Brückenkopf westlich des San wurde von öster' reichischen Truppen erobert und der Uebergang über den Fluß erzwungen. Weiter nach Osten, auf Lemberg zu, drangen die Verbündeten an der Lubaszowka vor, die 20 Kilometer nördlich von Jarosleu in den San fließt Der Feind vermag sich nirgends zu halten. Wann und wo die große Entscheidungsschlacht geschlagen werden wird, ist unbekannt. Da die Beute der Verbündeten an Gefangenen und Material fortwährend wächst, so sind die russischen Truppen in voller Auflösung begriffen und werden in der entscheidenden Stunde überrannt werden. Da Nußland die kriegstauglichen Reserven ausgehen, wird der Feind im Osten hoffentlich völlig aufs Haupt geschlagen sein, bevor die Italiener an der österreichischen Südgrenze zu einer richtigen Aktion gelangen. Auf böse Hiebe können sie sich gefaßt machen. nds zu halten. Wann und wo die ###n.„„„ : aas Schiff, das in Jahre 1935 vom StapKonstantinopel, 27. Mai. Wie die„Agenze Milli“ mitteilt, ist das englische Linienschiss„Majestie“ heute früß vor Seddil=Bahr in den Grund gebohrt worden. Das Emi„, das im Jahre 1895 vom Stapel gelausen war und 15 150 Tonnen verdrängte, hatte in Friedenszeiten 747 Mann Besatzung. Die Schweiz als großes Krankenhaus. Der neutrale Charakter der Schweiz findet eine schöne Bestätigung in der soeben von der schweizerischen Bundesregierung erklärten eretzgstrenget, verwundete Kriegsgesangene aller Länder zu verpflegen. Die Anregung hierzu war vom Papst ausgegangen, der unablässig bemüht t)., die furchtbaren Wunden dieses gigantischen Völkerringens auf ein Minimum zu die klimatischen Vorzüge des herrlichen landes machen einen Aufenthalt dort wertvoll. Die schweizerische Regierung auf den Vorschlag des Papster, daß es nicht an: gängig sein wirde, alle Kriegsverwunderg. nehmen, aber daß sie wohl bereit wäre, 7g. den Versuch mit 20000 Veromndeten ugg 4en zu machen und zwar gur Hälfte aus bez, führenden Lagern, die natürlich auch die nosten zu tragen haben. Frankreich und Velgien=haben Spart Ctoimarten! der Bundesregierung ihre Zustimmung zu diesem Vorschlag bekanntgegeben, von Deutschland und Oesterreich=Ungarn und England erwartet man, den„Leipz. N. N.“ zufolge, ebenfalls eine zustimmende Antwort. Nur aus Rußland dürfte die Be' fördenung von Verwundeten sehr schwer sein. Der unseg gegen Iianen! Kaiser Wilhelm an den italienischen Botschafter in Berlin. Köln, 28. Mai. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der französischen Grenze: Eine anscheinend vom Pressebureau der französischen Regierung stam mende Miteilung der französtschen Presse satzt, man glaube zu wissen, daß dem italienischen Botschafter in Berlin vom Auswärtigen Amte dort vor seiner Abreise die schriftliche Mitteilung zugegangen sei, daß Deutschland sich als im Kriegszustande mit Italien befindlich erachte. Der Kaiser habe ferner dem Botschafter ein Abschiedstelegramm gesandt mit dem Ersuchen, zugleich dem König Viktor Emanuel die Entrüstung auszudrücken, die in Deutschland über die Haltung Italiens herrsche. Der österreichische Oberkommandierende. Budapest, 28. Mai. Wie„Az Est“ berichtet, ist zum Oberkommandierenden der gegen Italien onerierenden Streitkräfte der zum Generaloberst ernannte Erzherzog Eugen bestimmt worden. Die ersten Grenzgesechte. Die Italiener haben nach dem etwas kleinlauten Kriegsbulletin ihres Hauptquartiers am 24. Mai die Grenze von Friaul überschritten und die unmittelbar an der Grenzlinie belegenen Ortschaften Cornsons, Versa und Terza besetzt. Die Entfernung dieser Ortschaften von der italienischen Grenze beträgt etwa 5 Kilometer. Sie liegen noch in der Ebene westlich des Isonzo. Cornsons liegt bereits am Fuße der Berge. Anscheinend handelt es sich bei diesen kleinen Gefechten nur um Grenzschutzkämpfe und um die Besetzung eines schmalen Grenzgebietes, das taktisch ohne Bedeutung ist und das die Oesterreicher daher ohne weiteres aufgegeben haben. Die natürliche Verteidigungsstellung der Oesterreicher lehnt sich an den Isonzo an und bis dahin sind die italienischen Vortruppen noch nicht vorgedrungen. Erst hier wird sich zeigen müssen, ob die Italiener ernstlich den Versuch machen können, an dieser Stelle die österreichische Grenzschutzkette zu durchbrechen. Ganz einfach wird das für sie nicht sein, da die Oesterreicher in der natürlichen Beschaffenheit des Bodens einen starken Bundesgenossen bei ihrer Verteidigung haben. Geringe Begeisterung über die italienische Hilse. bb Basel, 27 Mai. In einem Leitartikel über die durch Eintritt Italiens geschaffene Lage schreibt der„Baseler Anzeiger“ u. a.: Auffällig ist, wie gering die Begeisterung über die italienische Hilfe ganz besonders in Frankreich ist, wo General Avon im„Eclair“ sich für diese Vermischung beider Heere geradezu bedankt lund verlangt, daß jedes sein eigenes Operationsgebiet habe. Natürlich ist es überaus schwer, richtig zu bearteilen, wie und wo die italienischen Kräfte eingesetzt werden. Sicher ist nur das eine, daß die Dreiverbandsmächte die Italiener ganz gerne in den Vordergrund rücken werden, nicht nur, um die eigenen Kräfte zu schonen, sondern auch, weil sie nicht das geringste Interesse an einem besonders starken Italien haben, sondern vielmehr ein geschwächtes wünschen müssen. Man wird also daür sorgen, daß die Italiener auch etwas von den Segnungen des Krieges zu spüren bekommen werden. Schon jetzt sind die französischen Preßstimmen auf den Ton gestimmt, daß Italien keinen Anspruch auf besondere Dankbarkeit habe, da es sich nur von den eigenen Interessen leiten ließ. Eine Erlösung. Das„Neue Wiener Icurnal“ erhielt von seinem Kriegsberichterstatter folgendes Telegramm: Als die Nachricht von der italienischen Kriegserklärung eintraf, hatte ich Gelegenheit, mit einem dem Armeeoberkommando angehörenden hohen militärischen Würdenträger zu sprechen, der sagte: Ich empfinde diese Nachricht als eine Erlösung. Ich hatte in den letzten Tagen nur die Angst, daß die Italiener doch das von uns gemachte Abtretungsangebot annehmen würden. Es gibt für uns keine andere Friedensmöglichkeit als jene, die über den Krieg mit Italien führt. Niemals wäre ein Frie“ densschluß mit den Ententemächten möglich gewesen, solange für sie noch die bloße Hoffnung auuf ein Eingreifen Italiens bestand. Erst wenn wir auch diese offene Frage erledigt haben werden, ist an ein Kriegsende zu denken. Das Hauptverdienst an Italiens Verrat. Das Hauptverdienst, Itallen in das Lager des Dreiverbandes hinübergelockt zu haben wird von der Petersburger Presse für Rußland in Anspruch genommen. Nach einer Meldung des„Rjetsch haben die häufigen Besprechungen, die zui dem grundlegenden Ergebnis geführt haben, und an denen Ssasonow, der dortige englische Botschafter und besondere Vertreter Italiens beteiligt waren, in Petersburg stattgefunden. Diese Konserenzen seien so umfangreich und so bedeutungsvoll gewesen, daß man von den Petersburger diplomatischen Kreisen davon wie von einem permanenten Ausschuß zur Behandlung der italienischen Frage gesprochen habe. Auch Italien will Deutschland„aushungern". Die„Köln. Ztg. meldet von der französischen Grenze: Ein französischer Berichterstatter, der am 22. Mai über Domodossola nach Italien fuhr, be richtet, daß die Geleise des Grenzbahnhofes von Domodossola von zahlreichen für die Schweiz bestimmten Güterzügen angefüllt waren, die aber die italienische Eisenbahnverwaltung schon vom 21. Mai an nicht mehr abgehen ließ, denn Italien habe beschlossen, ebenfalls an dem Hungerkrieg gegen Deutschland teilzunehmen, und deshalb halte es auch alle Waren für die Schweiz zurück, bis diese die unerläßlichen Verpflichtungen Italien gegen über eingegangen seil. Indessen ist nach schweizeri schen Berichten zwischen der Schweiz und Italien ein Abkommen über die gegenseitigen Lieferungen von Lebensmitteln uund anderen Waren getroffen worden. Dieses Abkommen ist allerdings nur auf die gegenseitigen Bedürfnisse gerichtet. Wie der italienische Bauer über den Krieg denk!. Das gewiß nicht als deutsch=freundlich bekannte „Journal de Genéve“ brachte am 23. Mai folgendes Stimmungsbild aus Italien:„Wir wohnen auf dem Lande in Toskana, und hier sind die armen Landbauern durchaus nicht der Ansicht der von der schönen Prosa d'Annunzios trunken gemachten Stadtbevölkerung und jener Agitatoren, die im Falle des Krieges ihre Haut nicht zu Markte tragen dürfen. Die Bauern sind einfach trostlos. Wenn man den Krieg macht, sind sie ruiniert. Alle Männer sind einberufen worden, und die Landwirtschaft entbehrt der Arme, noch dartt nach einem Winter, der ohnehin schon sehr schlecht war. Wir haben schon viel durch den Rückschlag des Krieges gelitten, und Italien ist so arm, daß es sich durch die Anschaffung von Ausrüstungsstücken und Gewehren verbluten dürfte. Wenn das Volk schreiben könnte, würde es schon lange eine Bittschrift eingereicht haben. Wer aber würde einem mit Hunderten von Kreuzen unterschriebenen Schriftstück glauben? Alle Tage reisen einige fünszig Leute ab; man zieht sie nach und nach ein, um nicht auf einmal einen zu traurigen Eindruck zu machen. Diese Abfahrten sind herzzerreißend. Der größte Teil der Leute schluchzt und befindet sich in einer bejammernswerten seelischen Verfassung.“ Italiens Anschluß an den Dreiverband. tu Rotterdam, 28. Mai. Dem„Daily Chronicle“ wird aus Rom gemeldet, daß Sonnino am Sonntag mit den Botschaftern Frankreichs, Englands und Rußlands eine lange Besprechung hatte, deren Ergebnis war, daß sich der bisherige Dreiverband in einen Vierverband umgestaltete, indem Italien sich den Mächten des bisherigen Dreiverbandes in aller Form anschloß. Bei dieser Besprechung wurden auch alle wirtschaftspolitischen, militärischen und maritimen Verpflichtungen geregelt, die Italien seinem neuen Verbündeten gegenüber auf sich zu nehmen hat. Griechische Stimmen über das perfide Italien. bb Athen, 28. Mai. In Besprechung der italienischen Perfide erklärt das Blatt„Chronos“, die italienische Mobilmachung sei fehlerhaft. Norditalien sei neutralistisch und es fehle den Truppen an Enthusiasmus. Der Ausgang des Kampfes sei sicher. Das Blatt betont die Perfide, sich nach 30 Jahren gegen die zu wenden, die Italien ernäherten und ausrüsteten, und die weitere Perfide, nach neun Monaten langen Verhandlungen den Krieg zu erklären. Italien sei unwürdig der Renaissance und der nationalen Wiedergeburt. „Espera“ findet die italienische Kriegserklänung nach neun Monaten lächerlich und noch lächerlicher die inszenierten Kundgebungen. Der der Regierung nahestehende„Neon Asty“ sagt: Feile Verleumdung hätte die Krankheit des Königs verschlimmert, doch habe er Griechenland vor Vertusten gerettet und es vor der diplomatischen Demütigung bewahrt, Italien um sein Mitwirken zu bitten.„Athiani“ sagt, die Entente würde auf die griechischen Interessen nicht mehr Rücksicht nehmen, als auf die serbischen.„Embros" wundert sich, daß die Entente die Schande Italiens feiert, und bemerkt: Wer soll jetzt seine Existenz einem andern anvertrauen, wenn nicht mehr Ehre und Gewissen die gegenseitigen Beziehungen der Staaten regeln. Der Riieg hegen Frünnreich. Frankreichs letztes Aufgebot. bb Genf, 28. Mai. Wie der Pariser„Neuyork Herald“ meldet, sind die französischen Konsulate aufgesordert worden, mit der Stammrolle für die Sechzehnjährigen umgehend zu beginnen. Die Eintragung der Sechzehnjährigen in die Stammrolle bezwecke nicht deren Einstellung, sondern diene ausschließlich statistischen Zwecken der Heeresverwaltung. Die„Tribune“ meldet aus Paris: Kriegsminister Millerand teilte im Heeresausschuß der Kammer mit, daß er im Ministerrat die Ausdehnung der Landsturmpflicht um drei Jahrgänge beantragt habe. Der Dienst in der Territorialarmee würde hinfort erst mit dem 48 Lebensjahr sein Ende erreichen. Die Rückdatiening des Gesetzes auf die unter den Fahnen stehenden Mannschaften sei vorgesehen. Frauenliebe. Roman von Clara Aulepp=Stübs. 48 Nein und nein und nein! Sie wollte nicht daran denken. Aber sie wollte sich auch nicht selbst betrügen. Etwas in ihr war todwund und würde es bleiben. Doch daueben war der frische Quell, der unablässig strömte und sie zu Handlungen trieb, die die Menschen bewunderten. Doch was tat sie denn Großes? Sie tat nur ihre Pflicht. Und die wollte und mußte sie tun. Das war so selbstverständlich. Aber ihr Herz würde immer weh tnn, immer schmerzen. Die Marterwerkzeuge aus der Folterkammer des Schicksals hatten es zerfleischt. Vielleicht— wenn der Quell stärker wurde—, daß er die Wunden kühlte, die so brannten. Lotti weinte nicht. Sie starrte nur mit brennenden Augen auf den Hafen, in den lachenden Frühlingssönnenschein hinaus. Majestätisch glitt ein Kriegsschiff vorüber. Die Wasser rauschten um den Kiel. Sie sangen wohl ein Abschiedslied? Lotti öffnete das Feuster und lehnte den blonden Kopf weit hinaus. Auf Deck bewegten sich unzählige Gestalten von Marineinfanteristen. Und jetzt klang es deutlich herüber: dann denk ich au mein fernes Lieb.“ Jäh schloß die Frau das Feuster, nur nicht weich werden, nicht weich. Sie warf das Haupt empor, würgte das Schluchzen hinnuter und setzte sich an den Schreibtisch. Ihre Feder flog über das Papier. Einige Minuten später trat sie aus Telephon und wieder einige Minuten später stand Herr Direktor Vogt vor ihr. „Die Sache mit der Krankenkasse und hier mit den Larsens— bitte, daß dies gleich geordnet wird!“ Und so geht es weiter und weiter, ganz rühig im verbindlich geschäftsmäßigen Ton, mit einem Metallklang in der sonst so weichen Frauenstimme, daß dem großen, kräftigen Mann ein leises Frösteln über den Rücken läuft. Und jetzt fragt die Stimme wieder:„Also Dienstag kann der Stapellauf stattfinden?“ „Ja, Dienstag!" Dann etwas zaghaft, als ob er fürchte, eine schmerzende Wunde mit der Frage zu berühren:„Und wie wollen Sie das Schiff neunen?“ Da hob sich der über die Papiere gebengte Kopf, zwei blaue Augen sahen ihn groß an.„Ich werde das Schiff„Fred Arnheim“ nennen.“ Er schaute erschrocken auf sie nieder.„Ich dachte—“ Sie winkte ihm mit der Hand ab.„Es war nie der Wunsch meines Mannes— also lassen wir das — ich werde selbst die Taufe vollziehen. Herr Direktor Vigt strich sich draußen im Vestibüil mit der weißen, kräftigen Hand über die Stirn, das Frösteln war verschwunden, ihm war jetzt heiß geworden.— O, diese Frau, diese Frau. 14. Kapitel. „Glauben Sie es doch, gnädige Frau! Der Herr Kommerzieurat wird es gewahr und freut sich darüber,“ sagte Klaus voll Ueberzeugung und sah Frau Lotti erwartungsvoll an,„es beobachtet ihn doch keiner so wie ich, der ich den ganzen Tag um ihn bin.“ „Ja, ja, Klaus, das weiß ich wohl. Aber es ist zu gefahrvoll, den Kranken einer Aufregung auszusetzen. Bedenken Sie—“ Frau Lotti wandte das erblaßte Gesicht ab. „Der Herr Kommerzienrat ist doch jetzt nicht mehr so krank wie damals.“ wagte der treue Alte leise einzuwenden,„und führt ein so trauriges Leben. Ach, seine Augen wandern so oft über das Wasser und es liegt so was drinn dann— es könnte einem wahrhaftig auch noch das Wasser in die Angen treiben.“ „Mit den Doktor haben Sie gesprochen?" fragte Lotti sinnend. „Ja! Er meinte, für alle Fälle sei er ja auch dort.“ „Nun— dann wollen wir es tun. Und ein gütiges Schicksal mag geben, daß es gut abläuft.— Ich will jetzt hinein zu ihm. Der Kommerzienrat lehnte wie schlafend in den seidenen Kissen seines Fahrstuhls. Als er Lottis leichten Schritt vernahm, wandte er ein klein wenig den Kopf und öffnete die Augen. Die junge Fran neigte sich über ihn und rückte die verschobenen Kissen bequem. Ach— sie konnte es nicht ändern, daß der Anblick ihres Schwiegervaters ihr grenzenloses Leid ihr stets so tief zum Bewußtsein brachte und daß sie ein fast an Haß grenzendes Gefühl für ihn empfand. Sie schämte sich dessen und doch war es so echt menschlich, denn wir sind allzumal Sünder. So groß ist wohl selten ein Meusch, daß er die Hand küßt, die ihm das Beste geraubt. Gewöhnlich blieb ihr Mund herb geschlossen, der Kranke merkte das wohl kaum. Aber heute, als ihre Hand die Decke glättete, suchten seine kalten, zitternden Finger die ihren und ganz leise, in abgebrochenen Worten, rang es sich mühsam von seinen Lippen:„Vergib— ich— tötete sie Dir— die Mutter!“ Dabei blickten seine Augen sie so seltsam an, starr und doch mit einer so hilflosen Erkenntnis im Ausdruck, als ob das Gehirn dieselbe noch nicht zu fassen vermochte. Lotti war tief erschüttert. Sie sank neben dem Kranken nieder und umschloß seine Hände fest mit den ihrigen:„Vater, auch ich bin nicht ohne Schuld!“ Die Tränen flossen ihr über die Wangen; jetzt unterdrückte sie dieselben nicht, sondern neigte das Haupt und ließ sie über die kranken Hände des Greises strömen. Besorgnisse im französischen Kabinett. bb Genf, 28. Mai. In einem unter dem Vorsitze des Präsidenten Poincare gestern abgehaltenen Ministerrat wurde die gegenwärtige diploma tische und militärische Lage besprochen. Ernste Besorgnisse erregte die ungünstige Lage der Russen auf dem östlichen Kriegsschauplatz, besonders in Galizien, die auch die französische Presse nicht mehr beschönigen kann. Wie verlautet, sollen andere militärische Maßnahmen dadurch bedingt werden. Das Eingreifen Italiens gab Gelegenheit, Einzel“ heiten über die Mitarbeit des neuen Bundesgenossen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen zu besprechen. Hierüber bewahrt die Presse noch strengstes Stillschweigen. Französischer Fliegerangriff auf Ludwigshafen. Mannheim, 27. Mai. Heute früh erschien ein Flugzeuggeschwader in Stärke von 8 Flugzeugen über Ludwigshafen. Es urirde eine Anzahl Bomben abgeworfen. Die feindlichen Flieger hatten es hauptsächlich auf die badische Anilin= und Sodafabrik abgesehen, in der jedoch kein Schaden angerichtet wurde, der den Betrieb irgendwie stören könnte. Die Flieger wurden beschossen. 1 Flugzeug wure zur Landung gezwungen. Nach einer amtlichen Meldung wurden in der Anilinfabrik durch Bombenwürfe vier Personen getötet und 15 Personen schwer verletzt. In Mundenheim sind drei Personen getötet und eine schwer verletzt, in Friesenheim zwei getötet und 7 schwer verletzt. Im ganzen sind 9 Personen getötet und 23 schwer verletzt. Des Dreiverbandes letzte Hoffnung. wtb Bern, 28. Mai.(Nichtamtlich.) Hegemann sagt im„Bund“: Ueberraschend haben die Deut schen wieder nach einer Operationspause die Angriffsbewegung ausgenommen; bei Ypern und am San. Die Tatsache ist von größter strategischer Bedeutung, da sie beweist, daß die beiden verbün deten Heeresleitungen sich stark genug halten, ihre eigenen Absichten energisch zu fördern und auch trotz des Beginns der Feindseligkeiten an der ita lienischen Grenze die Offensive in Galizien weiter zu verfolgen. Letzteres ist besonders überraschend. Hegemann erwähnt dann die Begeisterung in Tirol und weist darauf hin, daß anfangs die Franzosen den Gegner festhalten und die Engländer angreifen sollten. Später seien die Engländer und Franzosen zum Aufhalten bestimmt gewesen, wogegen die Russen den entscheidenden Stoß führen sollten. Heute seien cuich diese Millionenheere nur noch zur Defensive verpflichtet, damit die Italiener die Entscheidung bringen könnten. — Der Krieg gegen Ainglans. Der letzte Plan Hindenburgs. tu Paris, 27. Mai. In einem Artikel„Der letzte Plan Hindenburgs“ bespricht der„Figaro“ die militärischen und taktischen Folgen, die den Verbündeten aus dem Rückzug der Russen entstanden sind. Das Blatt erklärt, es sei unbestritten, daß die Russen durch den ungestümen, mit überlegener Kraft ausgeführten Angriff gezwungen seien, sich zurückzuziehen und den Gesamtgewinn eines dreimonatigen schwierigen Feldzuges verloren haben. Der Einfall in Ungarn sei für lange Zeit unmöglich geworden. Tatsache sei, daß Deutschland seinem Verbündeten einen großen Dienst erwiesen und die Gefahr von diesem abgewandt habe, als sie am drohendsten geworden. Der Ehrgeiz der Deutschen ginge aber weiter. Es sei sichtbar, daß man der Verwirklichung einer gewaltigen von Hindenburg kombinierten Operation beiwohne, die nichts weniger beabsichtige, als die Fühlte er die heißen Tropfen? Mühsam rang er die gesunde Linke los und legte sie auf Lottis blonden Scheitel, wie segnend. Sie konnte nicht verstehen, was er sagte. Deshalb hob sie den Blick wieder und war überwältigt von dem verklärenden Schein nie gesehener Milde, der ihr aus dem sonst so harten Antlitz entgegenstrahlte. Ueber dem Abgrund von Schuld baute versöhnende Liebe die Brücke, und sie vergab, vergab! — Doch seine Augen baten noch um mehr. Seine Hände krampften sich um die ihren, die Lippen vermochten die Worte nur schwer zu formen, doch Lotti verstand jetzt; sie richtete den Blick nach oben: „Und vergib uns unsere Schuld!“ Wenige Tage später schien die Sonne des Frühlings auf ein bewegtes Bild. Sie schien auf eine hübsche, blasse Fran, die mit kleiner, fester Hand die Champagnerflasche am Bug eines stattlichen Schiffes zerschellen ließ; sie schien wärmend und strahlend auf einen weißhaarigen Greis und auf ein blühendes Kind, das jauchzend die Aermchen der Sonne entgegenstreckte, nicht ahnend, was seiner Mutter Seele erbeben machte und was sie dennoch in ihrem Innern erstarken ließ zu mutigem Ausharren in voller Erkenntnis der Schwere der Worte: Und Leben ist Kampf! — Ende!— Einer, der bestimmt kommt. Nachtwächter:„Warten Sie auf jemand?“—„Natürlich!“— Nachtwächter(nach einer Stunde):„Ans wen warten Sie denn noch immer?"—„Na, auf den Morgen!“ Naiv. Vater:„Wo sind denn die Rhabarber= pillen nur alle hin?“— Fritzchen:„Ich habe sie in den Küchenausgüß geworfen.“— Vater:„Weshalb?“— Fritzchen:„Karoline sagte, der Ausguß wäre verstopft. 219,16 gänzliche Eroberung Galiziens. Hindenburg habe seine Armeen so aufgestellt, um konzentrisch auf den Gegner zu wirken, Das Blatt glaubt natürlich nicht an das Gelingen dieses Planes. Die Russen seien ohne Zweifel über den San zurückgetrieben worden, den der Gegner bei Jaroslau überschritten habe. Die Karpathen seien verloren. Die deutsch=österreichischen Armeen hätten jedoch nach den gewaltigen Anstrengungen nicht mehr die nötige Kraft, um die Offensive bis zum Endziele durchzuführen.(Wir sind anderer Ansicht. Schriftl.) Der Ring um Przemysl. bb Berlin, 27. Mai. Der Berichterstatter des Berliner Tageblatts", Leonhard Adelt, meldet über die Einschließung Przemysls aus dem k. m. k. Kriegspressequartier: Der Ring um Przemysl schließt sich immer mehr auch östlich des San. Während bayrische Regimenter schon im Westen und galizische Truppen im Südosten in den Vorstellungen des Fortgürtels von Przemysl stehen, ist mit dem Brückenkopf von Radymno nun auch die nordwestliche Abwehrlinie der Russen gefallen. Der Verlust dieses letzten Brückenkopfes außerhalb Przemysls hatte für die aufwärts des San zusammengezogenen jungen Reservetruppen des Gegners katastrophale Folgen. Sie gerieten in Artilleriefeuer der nachsetzenden deutschen und österreichisch=ungarischen Tuuppen Mackensens, das ganze Kompagnien dezimierte. Ihre Verbände lösten ud verwirrten sich; es wurden 21000 Mann mit 39 Geschützen gefangen. Südlich Przemysls rückte allmählich unsere zweite Armee an die dritte heran, die bereits Mycyniez mit der Mapirahöhe im Besitz hat. Die zweite Armee hat jetzt die Sumpfniederung erreicht, die sich östlich Nowomiasso bis an die Bahnlinie Sambor—Lemberg erstreckt. Die Gefangenen, die das neunte Korps auf der Verfolgung machte, gehörten mehr als 50 verschiedenen Regimentern an. Was geht in der russischen Ostseeflotte vor? Die schon vor einiger Zeit durchgesickerten Nachrichten, daß in der russischen Ostseeflotte Revolten ausgebrochen seien, in deren Verlauf ein Admiral und etwa 20 Schiffsoffiziere eines geheimnisvollen Todes gestorben seien, nehmen immer bestimmtere Formen an. Nicht nur Admiral Birilow ist während einer Inspizierungsfahrt plötzlich„gestorben“, sondern auch der Kommandant der Baltischen Flette hat dieses rätselhafte Schicksal gefunden. Zahlreiche Prozesse gegen Matrosen der russischen Kriegsschiffe, die der Meuterei beschuldigt werden, haben in Petersburg stattgefunden. Vielleicht ist die Untätigkeit der russischen Ostseeflotte mit diesen umfangreichen Revolutionen in Verbindung zu bringen. Wie man sich in Rußland tröstet. Der Peterskuurger„Rußki Invalid“ schreibt über die Kriegslage, daß der russische Rückzug aus Calizien nur ersolgt sei, um ihn von der Basis Krakau und seinen guten Eisenbahnverbindungen abzuziehen. Die derzeitige, von den Dautschen, Oesterreichern und Ungarn eingenommene Linie werde jetzt von der russischen Nida=Linie aus bedroht. Es sei aber nicht ausgeschlossen, daß die Russen selbst sich von der Nida=Linie zurückziehen würden, weil der russissiche Winterplan noch nicht voll zur Ausführung gekommen sei. Die Ursache dafür, daß die russischen Heere in Galizien zurückweichen mußten, sei, daß die Engländer und Franzosen an der Westfront nicht genügend Initiative entfaltet und die deutschen Truppen dort nicht getügend gebunden hätten. Feindlicher Flieger in Ostpreußen. Königsberg, 28. Mai. Ein russischer Flieger hat gestern auf dem Bahnhof in Johannisburg eine Bombe geworfen, die jedoch keinen Schaden anrichtete. Landungsabteilungen werden bereits von 200 000 Mann-türkischer Infanterie bedrängt. Auch die türkischen Kriegsschiffe sind nach diesem feindlichen Eingeständnis erfolgreich tätig. Die Kämpfe stellen ein furchtbares Würgen dar, aus allen Richtungen stürmen die Türken auf die Engländer ein. Die ganze Halbinsel sei eine Hölle heulender Geschosse. Der Angriff könne deshalb mur sehr langsam vorwärts gehen.— Es scheint den Engländern schon miserabel zu gehen. Der Luftschiffangriff auf Southend. tu Rotterdam, 28. Mai. Aus London wird über den gestern nacht erfolgten Luftangriff auf South= end gemeldet, daß das Bombardement um 11 Uhr 50 Min. begonnen habe. Man vermutet, daß nur ein Zeppelin den Angriff ausgeführt habe. Ein Haus sei in Brand geraten und zwei Frauen, darunter eine, die besuchsweise in Southend weilte, seien getötet, eine Anzahl Menschen, darunter Frauen und Kinder, verwundet worden. Die bri tische Admiralität meldet, daß der Schaden ntur gering ist. Flieger vertrieben den Zeppelin. Die Haltung der Balkanstaaten. Rußlands Druck auf Rumänien und Bulgarien. bb Wien, 28. Mai. Verschiedene Morgenblätter melden aug Wien, daß Rußland sowohl in Sofia als auch in Bukarest präzis formulierte Anerbietungen des Dreiverbandes machte, die aber zurückgewiesen wurden. Daß der Druck der Entente nun, nachdem ihr Italien ins Garn gegangen ist, mit verstärkter Gewalt auf die Balkanstaaten, namentlich Rumänien und Bulgarien, ausüben würde, war vorauszusehen. Daher überrascht uns die obige Meldung nicht sonderlich. Rumäniens Haltung. Wien, 28. Mai. Offiziöse Bukarester Blätterstimmen versichern nauerdings, daß das Eingreifen Italiens die Haltung Rumäniens nicht beeinflusse. In letzter Zeit stärker als jemals einsetzende Drohungen und Versprechungen Rußlands und Ita liens seien wirkungslos geblieben und könnten an der Haltung Bratianus und des Königs nichts ändern. Man halte die militärische Intervention Italiens nicht als entscheidend für den Sieg des Dreiverbandes. Uebrigens sei man sich klar darüber, daß ein Sieg des Dreiverbandes mit Hilfe Italiens dieses zum Herrn über das ganze Adriagebiet machen, dann Rußlands Herrschaft in der Bukowina bedeuten und die Alleinherrschaft Rußlands über das Schwarze Meer und die Dardanellen sichern würde, so daß Rumänien in brutalen Slawismus eingezwängt, von Westauropa abgeschnitten und ihm der Weg zum freien Meere abgesperrt wäre. Friedenssehnsucht in Japan Kopenhagen, 27. Mai. Wie die Petersburger„Nowoje Wremja“ aus Tokio meldet, ist im japanischen Parlament ein von einem Drittel der Abgeordneten unterzeichneter Antrag eingegangen, der die Regierung um Wiederherstellung freundschaftlicher Beziehungen zu allen europäischen Staaten ersucht. Karlsruhe außerordentlich reich. Der Verlauf der Blüte war außerordentlich günstig und der Ansatz an Früchten selbst an solchen Bäumen reichlich, die im vergangenen Jahre stark getragen haben. In den bekannten Anbaugebieten des Kaiserstuhles, des Markgräflerlandes, des Kandertales, des Kinzig=, Rench= und Bühlertales ist aus diesem Grunde mit einem Massenanfall von Obst zu rechnen. In erster Linie kommen Kirschen und Erdbeeren aus den Gebieten des Kaiserstuhles, des Gengenbacher, Oberkircher und Bühler Bezirks in Frage, die in überaus reichem Maße angesetzt haben und mit Ende Mai zur Reise gelangen. **(Der Goldregen) steht jetzt in voller Blüte. Er ist als Zierstrauch unserer Gärten sehr bellebt. Es sei indeß daran erinnert, daß der Goldregen in allen Teilen giftig ist. Die namentlich bei Kindern oft zu beobachtende Unsitte, Blumen in den Mund zu nehmen, ist hier geradezu gefährlich. **(Die Einschränkung der Pfändung.) Der Bundesrat hat eine Verordnung über die Einschränkung der Pfändbarkeit von Lohn=, Gehalts und ähnlichen Ansprüchen erlassen. Dabei handelt es sich nur um eine vorläusige, für die Dauer der Kriegsteuenung gedachte Maßregel; die endgültige Regelung muß einer den 1500=Mark=Vertrag und gegebenenfalls auch die Aufrechnungsfrage um fassenden Reform vorbehalten bleiben. Die Ver ordnung bestimmt, daß an die Stelle der für die Pfändung bisher maßgebenden Stumme von 1500 Mk. bis artf weiteres die Summe von 2000 M. tritt. Dies hat gleichzeitig zur Folge, daß in gleicher Weise die Aufrechnung gegenüber Lohnforderungen, sowie die Abtretung und Verpsändung solcher Ansprüche beschränkt ist. Damit der erstrebte Zweck in vollem Umfange erreicht werde, ist der Ver ordnung insofern rückwirkende Kraft beigelegt worden. **(Unfall.) Von einem vosen Unfaul betroffen wurde gestern nachmittag der Fuhrknecht Hagemann aus der Fleitmannstraße. Als er mit seinem Fuhrwerk die Holzener Unterführung passierte. scheuten die Pferde plötzlich und gingen durch. Bei dem Versuch, die aufgeregten Tiere zu beruhigen, kam H. zu Fall und geriet unter die Räder seines Wagens. Er hat erhebliche Verletzungen am rechten Knie erlitten mnd mußte ins Krankenhaus gebracht werden. **(Ausstellungspreise.) Gelegentlich einer in Hörde abgehaltenen Kaninchen=Ausstellung, die sehr gut beschickt war, wurden auch mehrere hiesige Züchter mit Preisen bedacht, und zwar erhielten die Herren Rost, Kothe und Ballul je einen Ehrenpreis, Köppen 2. Preis, Engelhardt und Heierhoff 3. Preis und Rost 4. Preis. **(Wohnungen für Eisenbahnangestellte.) Der preußische Eisenbahn=Minister hat bestimmt, daß bei sonst gleichen Verhältnissen die Eisenbahnbe diensteten mit größerer Kinderzahl bei Vergebung staatseigener Privatwohnungen in erster Linie zu berücksichtigen sind. Ebenso ist bei der Zuteilung von Dienstwohnungen zu verfahren, sofern nicht betriebliche Rücksichten eine Ausnahme geboten erscheinen lassen. **(Einquartierungsgelder.) Es sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Einquartienungsgelder für den Monat April an den Vor mittagsstunden bei der Stadtkasse(Rathaus) in Empfang genommen werden können. ** Hennen, 27. Mai.(Schadenfeuer.) Nach längerer Zeit meldeten die Brandglocke und Sinale der Freiwilligen Feuerwehr Hennen Großfeuer. Es brannte das Wohnhaus des Rentners Heinr. Westhoff gt. Romberg bei Rheinen. Das Gebäude, das aus Fachwerk bestand und im Jahre 1753 erbeut wurde, brannte total nieder. An der Türschwelle befand sich folgende altertümliche Inschrift: Jesus sei dis Hauses Hüter— Schütz es, Herr, für Feuer und Brand— Dem Bewohner Schenk die Güte Deiner treuen Vater Hand. Die Feuerwehren von Hennen und Drupptingsen, die sofort zur Stelle waren, konnten nur die naheliegende Scheune und das Einwohnerhaus vom Feuer frei halten. Die Entstehung des Brandes ist unbekannt. * Grürmannsheide, 27. Mai.(Die Sache Scharfenort=Mark) zieht immer weitere Kreise. Der verurteilte Mark trat seine Strafe am 2. Mai v. J. an, wurde aber am 1. April d. J. mit Rücksicht auf seine gute Führung während der bisher verflossenen Strafzeit und seine wirtschaftlichen Verhältnisse arif 6 Monate aus der Strafhaft beurlaubt, so daß er noch 8 Monate und einen Tag zu verbüßen hätte. Jetzt hat die Witwe des Getöteten gegen Mark vor dem Landgericht in Hagen Zivilklage auf Zahlung von vorläufig 12.000 Mark— Erhöhung vorbehalten— oder einer monatlichen Rente von 150 Mark angestrengt mit der Begründung, daß jener durch seine Straftat sie #ind ihre drei minderjährigen Kinder des Ernährers beraubt habe, der, ein Mann im Alter von 47 Jahren und von bester Gesundheit, nach menschlichem Ermessen noch 25—30 Jahre hätte leben und der Familie sein bisheriges Monatseinkommen von 150 Mark zuwenden können. Die Zivilkammer muß nun die Schuldfrage, unabhängig von dem Strafurteil, selbständig prüfen. * Meschede, 27. Mai.(Schreckliches,„Unglück.) In der Oststraße in der Nähe eines Bauplatzes ereignete sich ein schreckliches Unglück. Von einer zum Trensport benutzten Lokomotive löste sich der mit Steinen beladene Hinterwagen, der die Straßenböschung hinabrollte und drei spielende Kinder unter sich vergrub. Ein Knabe und ein Mädchen wurden auf der Stelle getötet; ein drittes Kind wurde schwer verletzt. Der Krieg gegen England. Den Engländern gehen die Augen auf. Die ungeheuren Schwierigkeiten auf der Gallipoli=Halbinsel wachsen den Engländern über den Kopf. Und es scheint, daß die ungeschminkten Eingeständnisse der Londoner Blätter bereits eine Vorbereitung zu einem kommenden Abbruch der Dardanellenaktionen sind. Die Türken haben danach große Verstärkungen bekommen, nach jedem Kampf greifen neue Massen in die Schlacht ein. Die geringen englischen Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 28. Mai. **(Die Einzahlungen auf die zweite deutsche Kriegsanleihe) waren bis zum 22. Mai auf 7830 (15. Mai 7461) Millionen Mark gestiegen, oder gleich 86 Prozent der Gesamtzeichnung von 9103 Millionen Mark. Von diesem Betrag von 7830 Millionen Mark waren am 22. d. M. 536,2(am 1. Mai 411,1) Millionen Mark von den Darlehnskassen entnommen, wobei aber zu berücksichtigen ist, daß der 20. Mai der zweite Einzahlungstermin auf die Kriegsanleihe war. Zudem machen diese den Darlehnskassen entnommenen Zeichnungen nur etwa 6,8 Prozent des Gesamtbetrages aus. **(Obsternteaussichten.) Die Obstbaumblüte im ganzen badischen Lande war nach den Mitteilungen der Badischen Landwirtschaftskammer in * Syburg, 27. Mai.(Waldbrand.) Am sog. Cleff wurden durch einen Waldbrand Kiefernbestände und kleine Anpflanzungen vernichtet. ** Garenfeld, 28. Mai.(Dankschreiben.) Die hiesige Bürgerschaft hatte am Pfingstsonntag eine auf einem Uebungsmarsch befindliche Kompagwie des Düsseldorfer Freiwilligen=Regiments gastfreundlich aufgenommen und verpflegt. Dem Cemeindevorsteher Herrn Kockelke ist vom Leiter der Jugendwehr jetzt nachstehendes Dankschreiben zugegangen:„Der dortigen Einwohnerschaft spreche ich für die freundliche Aufnahme einer Abteilung des Freiwilligen=Regiments Düsseldorf anläßlich des Uebungsmarsches vom 22. bis 31. Mai d. J. namens der Ofsiziere, Unteroffiziere und Mannschaften den herzlichsten Dank aus. Die Einwohnerschaft hat damit dem Vaterlande einen schätzbaren Dienst geleistet. Auch Ihnen selbst sage ich für Ihre vielfachen Bemühungen meinen wärmsten Dani. Anschlag auf einen deuischen Diplomatea. wtb Berlin, 28. Mai. Aus Mexiko liegt folgende Meldung vor: Am 18. Mai um 11 Uhr abends wurde im Gesandschaftsviertel der deutsche Geschäftsträger Dr. Magnus, etwa 150 Meter von der deutschen Gesandtschaft entfernt, von einem Menschen angefallen, der ihm Uhr und Kette zu rauben versuchte. Dr. Magnus wehrte den Angreifer mit Stockschlägen ab. Dieser versetzte darauf dem Geschäftsträger einen Messerstich in die Herzgegend, ohne ihn jedoch ernstlich zu verletzen. Abgesehen von einer Fleischwunde, die das Zwerchfell unversehrt ließ, trug Dr. Magnus keinen Schaden davon. Er ist fieberfrei und außer Lebensgefahr, hat auch die Führung der Geschäfte nicht aufgegeben. Seine Wiederherstellung wird binnen zwei Wochen erwartet. Die Verfolgung des Rauban alles ist eingeleitet worden. Reliefkarte vom Woevre=Gebiet und Priesterwald(Metz—Verdiun und Pont=à=Mousson—St. Mihiel), Stuttgarter Reliefkarten der Kriegsschauplätze Nr. 27. Preis 25 Pfg. Franckh'sche Verlagshandlung in Stuttgart. Die Schlacht der Neuzeit. Eine schematische Darstellung. Mit Uebersicht der Einteilung eines mobilen deutschen und österreichisch=ungarischen Armeekorps.— Der Schützengraben, Sappen= und Minenkrieg in Wort und Bild. Stuttgarter Kriegsbilderbogen Nr. 5 und 6. Preis je 25 Pfg.(Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart.) Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraae, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte Wenn Hausputz ist Echen das große Reinemachen beginnt: das Putzen, Abwaschen, Fegen. Wischen, Schrubben, Kratzen, Scheuern, dann bewährt sich, wie schon seit langen Jahren, debei am besten der bekannte Luhns Wasch=Extrakt mit rotem Band 2 Zimmermit Zubehör zum 1. Juli zu vermieten. Rosen, Friedrichstr. 3. Eine hübsche, abgeschlossene Slage 4, eokl. 5 Räume, mit allen Bequemlichkeiten. Gas, elektr. Licht, Baderaum, Wasserleitung etc., per gleich oder 1. Juli zu vermielen. 2498 Hohenzollernstraße 37. bei Soest in Westfalen. Das ganze Jahr geöffnet. Sol- und natürliche KohlensäursSolbäder, gleiche Heilwirkung wie in Nauheim. 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Welzenmehl, ohne Brotmarken zu haben bei 2537 „"— Gaponndemtein als Schweine-, Aind-und ter delutter empflchlt 36 8440 Ein= und Verkaufsgenossenschaft eingetragene Gesellschaft mit beschr. Haftung zu Schwerte. Veranurmachuug. Auf Grund der Bestimmungen des§ 74 der Kreisordnung für die Provinz Westsalen vom 31. Juli 1886 veröffentliche ich nachstehend den Rechnungsauszug aus der Jahresrechnung der Kreiskommunalkasse für das Rechnungsjahr 1913 mit dem Bemerken, daß die Rechnung geprüft, vom Kreistage unter dim 30. April d. Is. festgestellt worden und dem Rendanten Enklastung erteilt worden ist. Hörde, den 22. Mai 1915. Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Burchard, Königl. Landrat i. V. Soll nach dem Ekal 2 Jugang Abgang Rechnungsmäßiges Soll ∆ Ist schaftlicher und gewerblicher Betriebe, die vor dem 17. Mai 1915 nicht Gerste zur Herstellung von Nahrungsmitteln, insbesondere von Mehl. Graupen und Malzextrakt, zur Herstellung von Gerste= und Malzkafsee, sowie zur Herstellung von Grünmal; für Branntweindrennerei und Preßhesefabrikation verwendet habeg. Weiter haben Bierbrauereien nach§ 2 der Bekanntmachung über Molz anzugeben, wieviel Malz sie nach den§§ 1 3 dei Bekanntmachung, betr. Einschränkung der Malzverwendung in den Bierbrauereien vom 15. Februar 1915 in der Zeit vom 1. April bis 81. Dezember 1915 verwenden dürfen, und zwar möglichst getrennt für die drei Vierteljahre, da hierdurch dem Brauerbund seine Ausgabe wesentlich erleicheit wird. Soweil den Bierbrauereien die Höhe des ihnen zustehenden Malzkontingents noch nicht bekannt ist, werden die betreffenden Jollstellen den Brauereien auf Anfragen entsprechende Auskunft geben. Gleichzeitig haben die Brauereien anzuzeigen, wieviel Malz sie seit dem 1. April 1915 bis zum 24. Mai zur Bierbrauerei verwendet haben. Malz. das nach dem 15 Februar 1915 aus dem Ausland eingeführt ist, ist hierbei nicht mit anzugeben. Die Anzeigen sind bis zum 1 Juni 1915 zu erstatten Anzeigen über Darrmalz, das sich zu dieser Zeit auf dem Transporte befindet, sind unverzüglich nach dem Empfang von dem Empfänger an den deutschen Brauerbund E V. zu erstatten. Gleichzeitig mit der Anzeige werden Anzeigepflichtige diejenigen Malzvorräle gesondert anzuführen haben, für welche sie nach § 3 von der Absatzpflicht und von der Ueberlassungspflicht befreit sein wollen. Hierunter fallen: a) Malzvorräte, die der Verpflichtele zur Fortführung seines Betriebes in dem bisherigen Umfang bis zum 31. Dezember 1915 nachweislich für die Herstellung von Malzextrakt und ähnlichen pharmazeutischen Erzeugnissen oder für Malzkaffee benötigt;,„„4„„ 9,. b) Malzoorräte, die der Verpflichtete zur Erfüllung von Lieferungsverträgen an Verarbeiter benötigt, die vor dem Inkrafttrelen der Bekanntmachung, also vor dem 17. Mai 1915. geschlossen sind; ist an eine Bierbrauerei zu liefern, so gilt dies nur insoweit, als durch die zu liefernden Mengen deren Malzkontiagent nicht überschritten wird; c) Malzvorräte einer Bierbrauerei, die sich innerhalb ihres Malzkontingents halten..... 6568 G. Zur Durchführung der Anzeigen hat der beutsche Brauerbund E. V Anzeigevordrucke herstellen lassen, die er im allgemeinen den Brauereien unmittelbar zusenden wird. Interessenten, denen die Vordrucke noch nicht oder nicht in der genügenden Anzahl zugegangen sind, können diese bei der Dortmunder Handelskammer. Spilthoff 4. erhalten. Wer die mit Vorstehendem gesorderten Anzeigen nicht erattet, oder wer wissentlich unrigtige oder unvollständige Anaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Zeldstrafe bis zu 15000 Mk. bestraft. Gidt ein Anzeigepflichtiger bei Erstattung der Anzeige Malzoorräte an, die er bei der Aufnahme der Malzvorräte vom 27. März 1915 verschwiegen hat, so bleibt er von der durch das Verschweigen verwirkten Strafe frei. Veröffentlicht Hörde, den 26. Mai 1915. Der Landrak. 2517 J. V. gez. Burchard Regierungsassessor Auf Grund des§ 95 des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 2. Juni 1851 verbiete ich hierdurch die Ausfuhr von Heu aus dem Gebiete des VII. Armeekoips in andere Bezirke des Deutschen Reiches. Münster, den 17. Mai 1915. Der kommandierende General: 2506 Frhr. von Gayl. giechsche für Kranke und Rekonvaleszenten empfiehlt billigst C. Raffin Gasthof zur Helle — Telefon 251.— Corset „Hammonia“ verleiht jeder starken Dame eine? gute(Figur und sitzt bequem, auch in sehr weiten Nummern vorrätig. Otto Marx Schwerte, Ostenstr. 20 Soche dle 8 Ssel Diebfeachenponzeniche Andidnung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund der§§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 B5 e— is, ttc, grrschtigung des Herrn unter dem Kleinholt= Hörde, den 3. September 1914. Der Rendant Templin. gez. 2520 Schluß der Rechnung. Summa der Einnahmen.... 11135093|50 „„ Ausgaben...... s1134331/99 Bestand am Schlusse des Jahres 1913| 761/51 wörtlich: Siebenhunderteinundsechzig Mark 51 Pfennige. Amtsslattvelaunimachung. Die Hufbeschlagprüfungen vor der slaatlichen Prüfungskommission für den Regierungsbezirk Arnsberg finden regelmäßig im ersten Monat eines jeden Vierteljahres statt. Die weiteren Angaben über die Zeit, den O.t und die Schmiede werden den Prüflingen durch Ladung bekanntgegeben. Für die Prüfung gelten die im Regierungs=Amtsblatt Stück 41 von 1994 unter Nr. 13 7 veröffentlichten Vorschriften für Hufbeschlag. Den hiesigen stellvertietenden Regierungs= und Veterinärrat, Geheimen Vekerinär at Dr. Mehrdorf, welcher als wein Kommissar an den Prüfungen teilnimmt, habe ich zum Vorsitzenden der aus 3 Mitgliedern bestehenden Prüfungskommission ergannt. Der Meldung zur Prüfung, welche an den genannten Vorsitzenden zu richten ist, hat der Prüfling folgende Nachweise beizufügen: 1. wie amtliche Bescheinigung, daß er das 19. Lebensjahr vollendet hat(Geburtsschein). 2. die amtliche Bescheinigung, daß er mindestens die letzten 8 Monate vor der Meldung im Bezirke der Prüfungskommission sich aufgehalten hat. 3. dte Versicherung, daß er innerhalb der letzten 6 Monate einer Hufbeschlagprüfung nicht erfolglos sich unlerzogen hat. 4. die Bescheinigung über die erlangte technische Ausbildung. Der, Vorsitzende entscheidet über die Zulassung zur Prüsung berust die Prüflinge zur Prütung ein Im Falle der Zulassung hat der Prütling 100 Mk. Prüsungsgebühr porto= und bestellgeldgebührenfrei an die Königliche Regierungs=Hauptkasse in Arnsberg mit dem Vermerk„Gebühr für Hufbeschlagprütung“ einzureichen Von der erfolgten Einzahlung der Gedühr setzt der Prüfling den Vorsitzenden durch Einsendung des Posteinlieferungsscheines, mit seiner Namensunterschrift versehen, in Kenntnis. Die Prüfungsgebühr ist verfallen, wenn der Prütling odne zenügende Entschuldigung im Termine nicht erscheint oder die Prüfung nicht besteht. Bei nachgewiesener Bedürstigkeit hann die Gedühr ganz oder teilweise erlassen werden. Jur Prüfung hat der Prüfling ein Rinnmesser und einen Unterhauer mitzudringen. Das übrige Handwerkszeug, die Schmiedeeinrichtungen und die nötigen Pferde werden von der Kommission zur Verfügung gestellt. In besonderen Fällen kann die Kommission auf Antrag eines oder mehrerer Prüflinge auch außerhald der regelmößigen Vierteljahrstermine und Ergänzungstermine eine Prüfung abhalten. Die Kosten solcher Prüfungen sind von denen, welche und sie beantrogt haben, zu gleichen Teilen zu tragen. Ich mache serner darauf aufmerksam, daß. abgesehen von den Schmiedeinnungen in Gelsenkirchen. Bochum und Witten, in den unter tierärztlicher Leitung stehenden Hufbeschlaglehranstalten zu Herdecke a. Ruhr: Lehrschmiede von Duhme. zu Dortmund: Lehrschmiede von Wagener und zu Nieder=Marsberg: Lehrschmiede von Köhler, alljährlich mehrere bis 3(drei) Monale dauernde theoretisch=praktische Kurse über Hufbeschlag stattfinden Die Kurse schließen mit einer Prüfung ob. welche gleich wie die staatliche Prütung. vor einer aus 3 Mitgliedern bestehenden Kommsssion unter dem Vorsitz des stellvertretenden Regierungs= und Veterinärrats Geheimen Veterinärrat Dr. Mehrdorf zu Arnsberg abgelegt und durch deren Bestehen ebenfalls die Berechtigung(Zeugnis) zur selbständigen Ausübung des Hutbeschlaggewerdes erworben wird. 2495 Meldungen sind an die betreffenden Anstalten zu richten. Der Besuch dieser Anstalten ist sehr zu empfehlen. Arnsberg; den 5 Mai 1915. Der Regierungspräsident. 3. V. gez. Pfesser. Hörde, 15. Mai 1915. Der Landral. Bekanntmachung. Wer nach§ 1 der Bekanntmachung über Malz vom 17. Mai ds Is. Darrmalz mit Beginn des 25. Mai 1915 in Gewahrsam hat, ist verpflichtet, die vorhandenen Mengen getrennt nach Eigentümern unter Nennung der Eigentümer und des Lagerortes dem deutschen Brauerdund e V. in BerlinCharlottenburg. Kantstr. 10, anzuzeigen. Soweit die vorhandenen Malzoortäte nach dem 15. Februar 1915 aus dem Aus land eingejührt sind, haben die Anzeigepflichtigen dies bei Erstattung der Anzeigen anzugeben. " Bei Bierdrauereien hat sich die Anzeigepflicht noch auf weilere Angaben zu erstrecken. Zunächst haben die Bierbrauereien die Gerstenmenge anzuzeigen, die mit Beginn des 25. Mai 1915 in der Verarbeitung degriffen ist Nachdem durch die Bekanntmachung vom 17. Mai ds. Is, betr. Aenderung der Bekanntmachung über die Regelung des Verkehrs mit Gerste vom 9. März 1915. in§ 4 den Bierbrauereien die Weilerverarbeitung der Gerste nicht mehr gestattet ist, sind diese Gersten# mengen für das Reich vertreten durch die Zentralstelle zur Beschaffung der Heeresverpflegung in Berlin verstrickt. Die Bierbrauereien haben also auch die Vorräte an Gerste und ihre Eigentümer, die sie mit dem Beginn des 25. Mai 1915 im Besitz haben, dem deutschen Brauerbund E. V. anzuzeigen, der die Anzeigen an die Zentralstelle zur Beschaffung der Heererverpflegung dis zum 10. Juni weitergeben wird. Die entsprechende Anzeigepflicht bezieht sich auf Unternehmer landwirtReichsgesetz Btatt Seite 519 mit Ermachngung Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche derrscht z. It. Rindviehbestande des Landwitts Middelmann zu hausen. Als Sperrbezirk wird bestimm!: Ortschaft Kleinholthausen. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 25. März 1915 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeilung vom 31 März er. Nr. 76(Betlage)) enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Adschnitte III—VII einschließlich der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Ziffer 1 wie folgt geändert wird. In dem Amte Kirchhörde wird verboten. Hörde, den 23. Mai 1915. Der Landrat. 2514„ J. B Burchard. Bebsencbenpolzeliche Anordnung. Jum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (R.=G.=Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten folgendes bestimmt: Nachdem nach amtstierärztlicher Feststellung die Maul= und Klauenseuche auf einer Weide in Wandhofen unter dem Rindviehbestande des Metzgermeisters Schäfer zu Schwerte abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen. die Desinsektion vorschriftsmäßig ausgeführt und durch den Kreistierarzt abgenommen ist, gilt die Seuche auf der erwähnten Weide als erloschen. Die in meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 25. März und 26. April cc. angeordneten Schutzmaßregeln hebe ich daher biermit auf. Hörde, den 25. Mai 1915. Der Landrat. 2515, J. V. Burchard. uaInadon Rollmöpse mit Gurkeneinlage, 3 Bratheringe 3 Stück. Sardinen 4 Pfd.-Dose Salzgurken 4 Stck. Stck. 40 40 115 20 2538 ∆ ∆ Huborn Mobenalbum 60 2 1 Kavorik Schntmuler Desel Schhutntaper! Favoril Handarbtsalb. 60 S alletn verkauf für Schwerte Kaufbaus Otte Mark an Atage 20 984 1 6 zu kaufen. Preis mit angeben. und Größe 2536 Fr. 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Direktion; Prof. Hoe Laanfen Furse ntechnik. terbau. ½ r —5 S □ Menschen, welche jetzt einänder gegenüber an den Marmortischchen saßen. Sie dachten wohl zurück an jene Zeit. Aber zwischen dem Heute und dem Einst flutete der große Strom des Alltags. Sie waren beide in „Wie ist es Ihnen ergangen im Leben2“ fragte da plötzlich die schöne Frau. Sie waren jetzt fast allein. Nur Hilde saß in der Nähe neben dem brodelnden Samovar. Aber da Hilde immerhin gewissermaßen den Posten einer Gesellschafterin hier bekleidete, tat sich Frau Emma weiter keinen Zwang an. Solche zählen, auch wenn sie nahe Verwandte sind, ja doch eigentlich nie ganz mit. (Schluß folgt.) # Das Pferd in der Geschichte. Das Pferd hat eine Geschichte, die fast so ält ist wie die des Menschengeschlechtes. Schon vor Troja kämpften die Helden vom rossebespannten Kriegswagen, mit Streitwagen zogen die Pharaonen des alten tens auf ihre Eroberungszüge aus, mit ihnen durcheilten die Könige Babylons und Ninives die Länder ihrer Feinde, und die Stärke des persischen Heeres bestand in der berittenen Leibgarde des Adels, der in gold= und silberschimmernden Rüstungen, in bunter, perlenblitzender Kleidung, auf mutigem Schimmel sich um den königlichen Wagen scharte und sich mit niederwersendem Ungestüm auf den Feind stürzte. Aber auch unseren Vorfahren war das Pferd nicht minder ein treuer und unentbehrlicher Begleiter, wie den Nomaden Ostasiens, den Berbern und Beduinen, den Magyaren und Sarmaten. Bei einem so kriegerischen Volk wie dem deutschen, mußte der treue Gejährte in der Schlacht wohl hoch im Ansehen stehen. Und in der Tat bewiesen sie es nicht nur allein, durch, daß sie sich selbst als Schmeichelnamen sola beilegten, welche gleichzeitig den Ruhm ihrer Streitrosse verherrlichten, wie zum Beispiel Dankmar(Ehrenpferd), Gelimar(Munterpserd), Marquard(Kampfroß), Siegmar(Kampfroß), Vollmar(Starkroß), Godomar (Gutpferd), sondern sie stellten das Pferd auch noch unter den besonderen Schutz ihrer Gesetze, denn wer ein solches raubte, wurde so bestraft, als wenn er einen Knecht geraubt hätte, und die Verwundung eines Pserdes stellte man der Verwundung des Reiters gleich. In Burgund trieb man die Vorliebe sogar weit, daß der Zelter der Damen in das Gesellschaftszimmer kommen durfte, um dort Brot und Wein zu Bei den Germanen standen zu Cäsars Zeiten besonders die kleinen, dauerhaften Pferde in so hohem Ansehen, daß der Vater seiner Tochter zur Aussteuer, außer=Rindern, ein aufgezäumtes Psesd, Schild, und Schwert gab. Die kleinen germanischen Pferde waren so eingeübt, daß sie auf der Stelle stehen blieben, wenn die Reiter mitten im Gefecht absprangen, um zu Fuß zu kämpfen. Dabei verschmähten die letzteren den Sattel, als ein Zeichen der Verweichlichung, grifsen aber trotzdem mit wildem Ungestüm an, wie dies zum Beispiel in der Schlacht bei Pharsalus geschah, wo die 800 in Cäsars Sold stehenden germanischen Reiter 5000 römische Ritter niederwarfen und in Als dennoch später Deutschland den ungarischen Reiterhorden hilflos preisgegeben war, verordnete Kaiser Heinrich I., daß derjenige ein Reichslehen erhalten sollte, welcher sich beritten zur Volkswehr stellte, und daß diese Reiter sich jährlich zu Uebungen in geschlossenen Reihen vereinigen sollten. Aus jenen Reitern wurden Ritter, und sie waren es, welche von nun an den Ausgang einer Schlacht entschieden, bis später, zunächst durch die Erfahrungen, welche man in den Kämpfen mit den Schweizern gemacht hatte, das Uebergewicht des Kampfes in den geschlossenen Reihen des Fußvolts gesucht wurde. landelbilder. Der Gruß bei den verschiedenen Völkern. Die Art zu grüßen, ist fast bei jedem Volke eine andere; im allgemeinen jedoch sind die Begrüßungen in der Kindheit der Völker dieselben, und Achtung, Ehrfurcht oder Demut werden in der gesitteten Gesellschaft auf gleiche Weise bezeugt. Während der Grönländer lacht, wenn ein Europäer den Hut abnimmt und eine Verbeugung macht, was, nebenbei gesagt, bei den Engländern nicht so oft zu geschehen pflegt, grüßen die Lappländer einander, indem der eine seine Nase heftig gegen die des anderen drückt. Die Urbewohner der Philippinen bücken sich sehr tief, halten die Hände an die Wangen und heben zugleich einen Fuß mit gebogenem Knie in die Höhe. Eine große Uebung erfordert es, um auf einer der Inseln in der Sundastraße recht höflich zu sein. Dort ergreift man nämlich den linken Fuß des Begrüßten und führt ihn sanft über das rechte Bein und über sein Gesicht. Der Aethiopier ergreift das Gewand des anderen und schlägt es um seinen eigenen Körper, so daß der Begrüßte in einem halb paradiesischen Zustande dasteht. Die Neger ergehen sich in höchst ergötzlichen Krümmungen und Verrenkungen des Körpers, und wenn zwei Negerfürsten sich besuchen, so begrüßen sie einander dadurch, daß sie mit dem Mittelfinger und Daumen dreimal ein Schnippchen schlagen. Auf einer der größeren Zykladeninseln benetzt man sich das Haar beim Begegnen. Am originellsten aber ist die Begrüßungsart in Siam. Dort wirft der Geringere sich vor dem Vornehmeren zur Erde nieder; dieser schickt dann seinen Diener zu ihm und läßt untersuchen, ob er etwas Uebelriechendes gegessen habe oder bei sich führe. Ist dies der Fall, so empfängt er von dem vornehmen Herrn einen Fußtritt und muß sich schleunigst entfernen. 2 Richtig verstanden. Ein Chinese, der sich irgend etwas gegen die englischen Gesetze hatte zuschulden kommen lassen, wurde mit einer Strafe von 20 Schilling belegt. Der Richter versuchte, ihm dies klarzumachen, aber der Chinese stellte sich, als könne er kein Wort Englisch verstehen. Alles bemühte sich. ihm die Sache begreiflich zu machen, aber die Antwort lautete immer wieder:„No savoy“(weiß nicht!). Da sprach der Schutzmann, der ihn festgenommen hatte: „Gestatten Euer Ehren, daß ich einmal mit dem Heiden rede? Ich werde ihn schon lehren. Euer Ehren verstehen!“ Die Erlaubnis wurde nun gegeben, der Schutzmann ergriff den Chinesen bei der Schulter und schrie ihm ins : „Du Kerl mit dem Teekannengesicht, du bist mit zwei Pfund in Strafe genommen!“ „Haufen große Lüge," versetzte der Chinese ganz ruhig, „ist doch nur ein Pfund!“ Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde 47. Jahrgang O Grlies und öteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupf-Annoncenblaß Freitag, 28 Mai 1915. Art läßt nicht von Art. (48. Fo: on der nämlichen Seite her, aus der Odemar selber vorhin gekommen war, bog eine langsam fahrende Pferdedroschke in die Straße ein. Der Kutscher, der bei der schlechten Beleuchtung offenbar Mühe hatte, die Hausnummern zu erkennen, hielt ungefähr zwanzig Schritte vor dem von dem Doktor beobachteten Hause und wechselte vom Bock herab ein paar Worte mit seinem Fahrgast, der alsbald das Gefährt verließ und den Rosselenker bezahlte. Da er dabei gerade unter einer der wenigen Laternen stand, konnte der junge Schriftsteller deutlich erkennen, daß der Mann wie ein Geistlicher gekleidet war, und eine furchtbare Ahnung zuckte bei dieser Entdeckung in seinem Geiste auf. Er strengte alle seine Sinne auf das äußerste an, um nichts von dem zu verlieren, was sich weiter ereignen würde, und er sah, daß der Mann regungslos stehen blieb, bis der Wagen an der nächsten Straßenkreuzung wieder um die Ecke gebogen war. Dann drehte er den Kopf nach rechts und nach links, wie um sich zu vergewissern, daß er von niemandem beobachtet werde, und schritt, als er darüber beruhigt schien, weiter bis zu dem Eingang des Hauses, in dem Graf Donnersberg vorhin verschwunden war. Er stieg die Stufen empor und setzte die Glocke in Bewegung. Ein paar Minuten vergingen, bevor ihm geöffnet wurde. In diesem Augenblick aber war Doktor Odemar nach einem letzten, kurzen Zaudern mit sich ins reine gekommen über das, was er jetzt zu tun habe. Wenn dieser Mann da drüben wirklich ein Geistlicher war, und wenn er hierher kam, um eine Trauung zu vollziehen, so war es auch außer Zweifel, daß sich die Komtesse ebenfalls in jenem Hause befand, und daß keine Sekunde mehr verloren werden durfte, um das Ungeheuerliche, Unausdenkbare zu verhindern, das sich da drüben vorbereitete. Jetzt gab es keine Rücksicht und keine Bedenken mehr, die ein längeres Zaudern gerechtfertigt hätten, und selbst wenn er sein Leben wagte, war der Einsatz nicht zu hoch für das, was hier auf dem Spiele stand. Mit raschen, aber behutsamen Schritten kreuzte er die Straße und sprang die Stufen empor, auf deren höchster noch immer der Mann im Pastorenrock stand und sich mit jemandem in der halb geöffneten Tür unterhielt. Die beiden hatten nichts von der Annäherung des Doktors wahrgenommen, und Odemar hörte deutlich, wie der Mann in der Tür sagte: „Für diesmal ist es also nichts. Die Sache hat eine unerwartete Wendung genommen. Aber wenn Roman von H. Hill. rtsetzung)(Nachdruck verboten.) Sie zu schweigen verstehen, wird Ihnen die bedungene Belohnung trotzdem nicht entgeben,„tandliches und Der andere brummte etwas Unverstandlichrt und wandte sich zum Gehen. In diesem Augenblick setzte Odemar den Fuß zwischen die Tür, um damit zu verhindern, daß ihm diese vor der Nase zugeschlagen werden könnte, und faßte den Menschen ins Auge, der ihn mit mehr erstaunter als erschrockener Miene ansah. Sein Personengedächtnis war gut genug, um ihn das unangenehme Gesicht sogleich als das des Kammerdieners von Schloß Donnersberg erkennen zu lassen; und so glaubte er sich alle einleitenden Erklärungen varen zu dürsen.„ In snrechen“ sagte er. „Ich muß den Grafen sprechen, sagle er.„Auf der Stelle muß ich ihn sprechen. Versuchen Sie nicht seine Anwesenheit in diesem Hause zu leugnen. Es wäre nutzloses Bemühen, denn ich bin ihm von der Stadt her gefolgt und habe ihn hier eintreten sehen.“ Wenn Weigelt durch das unerwartete Erscheinen des Schriftstellers in Bestürzung versetzt worden war, so verstand er es jedenfalls meisterhaft, diese Bestürzung zu verbergen. Seine Miene war so höflich und so tadellos korrekt, wie es einem wohlerzogenen Diener zukam, und nicht die geringste Erregung offenbarte sich im Klang seiner Stimme, da er erwiderte: „Ich habe keinerlei Auftrag von dem Herrn Grafen, seine Anwesenheit in Abrede zu stellen. Wenn Sie die Güte haben wollen, einzutreten und einstweilen Platz zu nehmen, so werde ich Sie melden und werde den Herrn Grafen fragen, ob er in der Lage ist, Sie zu empfangen. Er ist nämlich im Augenblick durch eine wichtige Angelegenheit in Anspruch genommen. „Gut! Aver sagen Sie ihm gefälligst, daß meine selegenheit jedenfalls die wichtigere ist, und daß ich Ang.###.ufalls die wichtigere ist, un.#.#6 nicht gesonnen vin, mich mit irgendwelchen Revensarten abspeisen zu lassen.“ Er war eingetreten und hatte sich in das Wartezimmer begeben, dessen Tür Weigelt mit respektvoller Höflichkeit vor ihm geöffnet hatte. Als der Diener Miene machte, sich zurückzuziehen, hielt er ihn noch „Noch einen Augenblick! Besindet sich auch die Komtesse Edith Donnersberg hier im Hause?" Diesmal erschien ein Ausdruck höchster Ueberraschung auf dem Gesicht des Dieners. „Die Komtesse Donnersberg?“ wiederholte er, als sei er nicht sicher, recht gehört zu haben.„Nein, gewiß nicht. Dies wäre wahrhaftig kein geeigneter Aufenthaltsort für eine so vornehme junge Dame.“ Et 95 * 5 „ E Sabanee“ Sog-SSGEEE" SbS#-pgEEEgigs S SEGE SRÄOESHSGES # S gS SpigE S SE S S UE ERSE * S S GcE S2 8 * B E S PGCIE * Ö• 8 öEUS S## S SEE A S 2 g8gE S0A 9„ SERLUET neus SS 5SS— 99-SS 2 G BBEANSSE U*** 5 F EmP SS5 BSInR „Können Sie mir sagen, ob sich Ihr Herr heute in der Gesellschaft der Komtesse befunden hat?“ „Ich bedauere außerordentlich, mein Herr, Ihnen darüber keine Auskunft geben zu können. Aber ich halte es für äußerst unwährscheinlich. Der Herr Graf ist allerdings erst vor kurzem hier erschienen, doch glaube ich gehört zu haben, daß er auch erst im Laufe des heutigen Tages von Schloß Donnersberg eingetroffen ist. Ob er etwa in der Zwischenzeit eine Begegnung mit der gnädigsten Komtesse gehabt hat, ist mir nicht bekannt.“ „Gut— so gehen Sie, und richten Sie dem Grafen wörtlich aus, was ich Ihnen gesagt habe. Ich bin nicht gesonnen, lange auf eine Antwort zu warten.“ Nachdem sich die Tür hinter dem Diener geschlossen hatte, sing er an, mit ungeduldigen Schritten in dem kleinen Raume auf= und niederzugehen, und er bedauerte tief, daß ihm bei der Unterredung, auf die er sich gefaßt machte, keine anderen Waffen zur Verfügung standen als seine beiden, allerdings sehr kraftvollen und eisenfesten Fäuste. 31. Kapitel. Als Weigelt die von außen versperrte Tür des Krankenzimmers wieder geöffnet und die Schwelle überschritten hatte, sah er, daß die Situation sich während seiner kurzen Abwesenheit nicht merklich geändert hatte. Der Graf saß noch immer auf dem Bettrand, nur mit dem Unterschied, daß er inzwischen die Verbände und Pflaster von seinem Gesicht entfernt hatte, Fräulein Johannsen hatte sich auf einen Stuhl in der Nähe der Tür niedergelassen, und die Komtesse stand regungslos und bleich wie eine schöne Marmorstatue auf dem nämlichen Fleck wie vorhin. „Sie sind verteufelt lange ausgeblieben,“ rief ihm der Graf entgegen.„War denn da unten irgend was nicht in Ordnung?“ Statt der Antwort machte ihm Weigelt ein Zeichen, ihm auf den Flur hinaus zu folgen, und nachdem er ihn dort um einige Schritte beiseite gezogen hatte, flüsterte er: „Rege dich nicht auf über das, was ich dir jetzt zu sagen habe, mein Bester! Unten im Wartezimmer sitzt der Doktor Odemar. Er hat dich von der Stadt her verfolgt und hier eintreten sehen. Als ich mit dem anderen sprach, nahm er die Gelegenheit wahr, sich den Eintritt zu erzwingen. Ich hätte ihn nicht daran hindern können, ohne einen großen Skandal zu erregen, denn er hatte wie ein unverschämter Bettler seinen Fuß zwischen die Tür und den Pfosten gestellt.“ Der Graf war bei der Nennung von Odemars Namen wohl erschrocken zusammengefahren, aber er gewann seine dreiste Zuversicht bald zurück. „So weiß er auch, daß das Mädchen hier im Hause ist?“ fragte er rasch. „Rein. Aber er vermutet es jedenfalls; fragte mich danach. Daß ich es entschieden in gestellt habe, kannst du dir wohl denken.“ Es gab eine kleine bedeutsame Stille. Dann, während sein Gesicht einen erschreckend brutalen Ausdruck annahm, sagte der Graf mit vorsichtig gedämpfter Stimme: „Wohl, wenn er es nicht anders haben will! Wir dürfen selbstverständlich nicht zugeben, daß er dies Haus wieder verläßt— so wenig, wie wir es dem Mädchen gestatten dürfen, das gütlich nicht mit sich reden läßt.“ „Hm— es würde allerdings einigermaßen gefährlich für uns sein.“ „Gefährlich?— Es wäre unser totsicheres Verderben. Was das Mädchen betrifft, so liegt die Notwendigkeit, sie für immer zum Schweigen zu bringen, auf der flachen Hand.— Und der da unten? Wenn man ihn ungehindert gehen ließe, so wäre tausend denn er Abrede gegen eins zu wetten, daß er in weniger als einer halben Stunde wieder da wäre— mit diesem von Reckenburg und vermutlich auch mit einigen Polizisten, die verdammt wenig Federlesens mit uns machen würden. Du mußt hinuntergehen und die Sache mit ihm ins reine bringen. Aber ohne Geräusch, mein Lieber! Nichts von Schießen oder dergleichen. Wir haben wahrhaftig kein Interesse daran, daß die Nachbarschaft vor der Zeit alarmiert wird.“ Der Diener betrachtete seinen angeblichen Herrn mit einem Blick, der alles andere eher als respektvoll zu nennen war. „Wenn du ein Interesse daran hast, den Mann abzutun, so besorge das gefälligst selbst. Was kümmert er mich?“ „Ich gebe dir zehntausend Mark mehr, wenn du es tust. Ich fühle mich heute nicht recht disponiert für ein solches Stück Arbeit. Meine Nerven sind nicht mehr, was sie gewesen sind.“ „Ein für allemal: ich denke nicht daran. Ein Narr müßte ich sein, wollte ich dir alle deine Kastanien aus dem Feuer holen. Deine Rechnung mit dem da unten mußt du persönlich begleichen. Denk' an das Geld, das du in der Tasche hast; das wird deinen Nerven die nötige Festigkeit wiedergeben.“ „Ah, steht es so mit uns. Du willst mir dein Wort nicht halten. Haben wir nicht verabredet, daß du das Mädchen auf dich nimmst, wenn es nötig werden sollte?“ „Ja.— Aber das ist auch ganz was anderes. An dieser Sache bin ich persönlich interessiert. Und wo meine eigenen Interessen in Frage kommen, weiß ich auch zu handeln. Sie weiß zu viel, um mich ins Zuchthaus zu liefern, wenn man ihr Gelegenheit gibt, zu reden. Der da unten aber weiß gar nichts. Meinetwegen wäre es also durchaus nicht nötig, ihn um die Ecke zu bringen. Und ich sehe durchaus nicht ein, weshalb es überhaupt nötig wäre. Mit etwas diplomatischer Geschicklichkeit kannft du ihn ganz gut wegschaffen und ihm die Ueberzeugung beibringen, daß das Mädchen nicht hier ist. Du bist doch sonst nicht so leicht in Verlegenheit um Ausreden und Winkelzüge.“ Der andere aber schüttelte den Kopf. „Sei vernünftig, Mensch! Wenn dir zehntausend nicht genug sind— ich lege noch etwas dazu.“ „Nein.“ Ich habe mein letztes Wort gesprochen. Und wenn du durchaus der Meinung bist, daß es getan werden muß, so kann ich dir nur raten, es bald zu tun. Er sah nicht aus, als ob er gesonnen wäre, sich lange zu gedulden. Und ich wette, daß wir ihn in fünf Minuten hier oben haben, wenn wir ihn noch länger warten lassen.“ Der Graf mochte wohl einsehen, daß alle weiteren Ueberredungsversuche nutzlose Zeitvergeudung sein würden, und mit einem schweren Seufzer fügte er sich in das Unabänderliche. „Nun, meinetwegen— wenn alles andere gelungen ist, werde ich auch wohl das noch fertig bringen. Aber du kannst mir doch wenigstens einen Rat geben, wie ich zu Werke gehen soll. Ein Schuß wäre ja das einfachste und sicherste, aber wenn du der Meinung bist, daß das zu viel Geräusch machen würde——“ „Unbedingt! Es ist ganz ausgeschlossen. Wir brauchen noch viel zu viel Zeit für das andere, als daß wir auf diese Art die Aufmerksamkeit der Umgebung erregen dürften. Selbst wenn von den Bewohnern dieser gesegneten Gegend nicht viel zu fürchten wäre, es wäre doch immerhin möglich, daß sich zufällig ein Schutzmann in der Nähe befindet. Und was dann passieren würde, brauche ich dir ja nicht erst auszumalen.“ „Ja, ja, ich sehe ein, daß du recht hast. Wie also sollte ich es deiner Meinung nach anfangen?“ (Fortsetzung folgt.) Denkspruch. Je mehr sich unsere Bekanntschaft mit guten Büchern vergrößert, desto geringer wird der Kreis der Menschen, an deren Umgang wit Geschmack finden. Ludwig Feuerbach. Zwei Wege. Von A. Hottner=Grefe. (Nachdruck verboten.) Ueber der breiten Straße liegt die süße, weiche Tämmerung des Frühlingsabends. Laue Luft weht von den Bergen, welche die Riesenstadt umkränzen, bis hier herein; im Westen steht eine goldene Wolkenbank, die blasser und blasser wird, um allgemach einem matten Grau Platz zu machen. Der sanfte Wind spielt mit den zartgrünen Blättchen der Bäume, vom Kursalon des Stadtparkes dringen vereinzelte Töne der Musik herüber und vermengen sich mit den tiefen Klängen der Abendglocken, dem leisen Gezwitscher der Vögel und den tausendfältigen Stimmen der großen, hin und her wogenden Menschenmasse zu einem seltsamen verwirrenden Akkord. Seidene Kleider rauschen, Fächer wehen. Die Blumenmädchen schreien mit eintöniger, heiserer Stimme ihr ewiges:„Veilchen! Kauft frische Veilchen!“ Man schiebt und drängt langsam aneinander vorbei. Im fahlen Zwielicht sehen die vielen Gesichter mit dem stereotypen Lächeln eigenartig aus, und dem ruhigen Beobachter scheint es, als zögen lauter Masken an ihm vorüber. Masken, welche einander eine Komödie vorspielen. Man weiß nicht, wo der wahre Mensch anfängt, wo die Vermummung aufhört. „Der Korso ist heute langweilig,“ sagte die schöne Frau Emma von Heutern zu ihrer Begleiterin, die mit aufmerksamem Blick in die Menschen hineinsah.„Es ist jetzt überhaupt rein gar nichts los! Ach, dieses Frühjahr! Die Saison ist aus— der Sommer liegt noch in weiter Ferne. Für uns Großstadtpflanzen ein schrecklicher Uebergang.“ Das Mädchen an ihrer Seite antwortete nicht. Sie hatte das kluge Gesicht ein wenig abgewendet und sog mit vollen Zügen die köstliche Luft ein. Emma von Heutern gähnte.„Und wie müde man wird!“ fuhr sie fort.—„Schauderhaft! Findest du nicht auch, Hilde? Und so traurig! Unendlich traurig.“ Hilde Werner antwortete nun doch.„Ach, warum nicht gar,“ sagte sie mit ihrer frischen, kräftigen Stimme.„Traurig? Weshalb? Weil der Frühling da ist mit seinem Zauber? Mich freut's.“ Frau Emma gähnte wieder hinter dem Fächer. „Bei mir ist's was anderes,“ meinte sie,„ich hab' es dir doch oft erzählt. Just so ein milder Abend war es, voller Veischenduft und Dämmerungsschatten, da standen wir beide zum letzten Male nebeneinander dort unter den Stadtparkbäumen, Felix und ich! Ach du lieber Himmel, wie lange ist das her! Aber die alten Schmerzen werden immer wieder lebendig—“ „Sind's aber auch noch echte Schmerzen?" warf die andere ein.„Es liegen doch viele Jahre dazwischen, Jahre voll glatten Wohllebens, ich möchte sagen: nivelnierende Jahre.“ „Hör' auf,“ fiel Frau Emma ungeduldig ein,„laß mir mein Höchstes, Heiligstes! Es war ein großer Schmerz, und ich habe ihn lieben gelernt, weil er mein Bestes ist! Ich habe Felix Hartenstein geliebt, wie man nur einmal liebt. Das Schicksal hat uns getrennt—“ „Das Schicksal?“ Hilde Werner hob ihr Antlitz jetzt voll zu Emma:„Ich denke, ihr saht selbst die Notwendigkeit des Scheidens ein? Er ein junger Offizier — du ein mittelloses Mädchen. Ihr zogt es beide vor, auseinanderzugehen, als den Kampf mit dem schweren Dasein aufzunehmen. Er freite die Tochter des reichen Brauherrn; du nahmst den Antrag des Herrn von Heutern an. Jetzt bist du seit Jahren eine vielumworbene Witwe. Sollte all das Angenehme, Freundliche nicht jenes eine Leid zum Schweigen gebracht haben? Du entschuldigst, daß ich so spreche. Aber wir anderen, die wir auf der Schattenseite des Lebens stehen und mit gierigen Augen zu euch hinüberblicken, wir, die wir wirklich leben und die ganze Bitterkeit dieses Wortes so oft auskosten müssen, tbir haben doch etwas vor euch, den Genutmenschen, voraus, die ihr es nie gelernt habt, euer Brot mit Tränen zu essen: Uns gehören die seltenen, aber echten Freuden, uns die tiefsten Schmerzen.“ Sie verstummte jäh; denn Emma von Heutern preßte ihren Arm so heftig, daß sie erschreckt emporsah. Und da, gerade vor ihnen, im Menschengewoge, einer unter Hunderten, schob sich eine hohe Gestalt vorwärts: ein Offizier in eleganter Uniform. Jetzt wandte er das Gesicht ein wenig— „Felix!“ Die schöne Frau hatte den Namen fast laut geschrien. Eine Sekunde später standen alle drei in einer Nische der Häuser, ein wenig abgetrennt von dem großen Strom. Emma blaß und zitternd, der stattliche Offizier in vollkommen beherrschter Haltung. „Gnädige Frau,“— er küßte chevalerest die kleine Hand.—„Welch ein angenehmer Zufall! Ich bin bloß für einige Tage hier— Urlaub—. Da muß mich das Geschick so unglaublich begünstigen...“ Sie sprach nicht. Nur ihre Augen glitten immer wieder und wieder hin über sein flaches, angenehmes Gesicht, über die etwas zur Fülle neigende Gestalt, über die sehr eleganten Einzelheiten seines äußeren Menschen. War all das wirklich wahr? Nun endlich erlebte sie dies Zusammentreffen, um das sich alle ihre heimlichen Träume drehten, und so erlebte sie es? Hilde Werner brach das Schweigen.„Sie kennen mich kaum mehr, Major Hartenstein,“ sagte sie in ihrer resoluten Art.„Damals, als Sie mich im Hause meiner Cousine Emma trafen, war ich ein furchtbarer Backfisch.“ Er erinnerte sich natürlich sofort.„Reizender Backfisch— wollten Gnädigste sagen.“ Er plauderte eine ganze Weile. Dann, endlich abbrechend, wandte er sich wieder an Emma:„Wo sind die Damen daheim, wenn ich fragen darf? Würden Sie mir gestatten, Sie zu begleiten?“ „Gewiß,“ entgegnete Emma artig—, nicht nur zu begleiten. Wenn Sie frei sind, Herr— Major, nehmen Sie vielleicht eine Tasse Tee mit uns? Ich empfange um diese Zeit stets meine Freunde.“... Er bot ihr den Arm, und langsam gegen den Menschenstrom ankämpsend, schritten sie vorwärts, plaudernd, lachend, alltägliche Worte wechselnd. Hilde ging still hinter ihnen.—„Und das ist euer Wiedersehen?“ fragte sie sich. Ein anderes Bild stieg vor ihr auf. Da war sie selbst und er, den sie über alles liebte. Auch hier trennende Verhältnisse. Aber er drüben, sie hüben, rangen sie beide verzweifelt mit dem Geschick und hofften, es zu bezwingen durch ehrliche Arbeit und jene große, gewaltige Liebe, welche stärker ist als Menschenmacht. Das Leben verfuhr hart mit ihnen. Aber doch mußte für sie jene selige Stunde kommen, wo alle Hindernisse besiegt waren. Für diese Stunde opferten sie Jahre ihres Lebens. Wieder streifte Hildes Blick das voranschreitende Paar. Frau Emmas Lachen, ein flotter Witz aus seinem Munde trafen ihr Ohr. Und leise schüttelte sie den feinen Kopf:„Eure Wege sind nicht meine Wege.“— Die Teestunde bei Frau Emma verlief heute sehr animiert. Viele Bekannte kamen und gingen. Niemand wußte um die einstigen Beziehungen zwischen den beiden : S esic ceh esche