Heuuer ucen ander Feiertags. Bezugsprete#### 1 otertelAhrlch, dei der Post iür Bestellgeld 62 Pio. mehr. Wöchentl. Gratisdeilage:„Jkustrierten Samillenfrund“. u. 18gl. Haterbalhigenblaft (uus omarte Dir Scheundpeime Teütete oden deren Roum 10 Plg., Anzeigen von guswärte 15 Pig., Rehlamezelle 40 Pfo. Jedn Radatt gill als Kassarnball u. erllicht bei Rondursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Asbachund enat. Settusehsten: Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblan Verbunden mit: für den Kreis börde Holzwickeder Zeitung s Aplerbecker Zeitung Ahwrter Uoltenellung Schwerker Cageblatt D Schwerter Anzeiger Erlies und älteltes Cagesorgan des Krelles c General-Anzeiger für den Kreis Börde&am Haupt-Kunoncenblan unn dute, und ihenlentegrichn nungen jAr den Arets Hörde erlongrn gemet Setanwocung ber Aönglichm Tegurse durch Veröffentlichung in de: Jetung“ mcsoerbindiche Aseft.— De „Schwerter Zeitung“ gewöhrt ihren Aboaneaten fü: jeden mit Tod endenden Unsol genubidrerst. 300 Mk. Unsall. dagunges! S00 K.,—: Druch u. Verlag o. Carl Brauz. Schwerte=RudPorio i.- Stien-Ait-Bansshente-er; . *: ubet Donnerstag, den 27. Mai 1915. 47. Jahrgang. „ O Der nnieg gegen Fianen! Der Jubel in Rom. Die Kriegspolitik in Italien ist als eine Geheimbündelei im Stile der Masia gemacht worden. Nur zwei Personen wußten Bescheid, der Ministerpräsident Salandra, ein Sicilianer, tund der Minister des Auswärtigen, Sonnino, der Sohn eines jüdischen Römers und einer Engländerin. Von der Kammer war niemand eingeweiht, auch Giolitti waren die österreichisch=ungarischen Angebote sorgfältig geheim gehalten worden, bis er selbst nach Rom kam. Als dann die Ministerkrisis entstand, weil mehrere Kabinettsmitglieder die österreichisch=ungarischen Angebote zu prüfen wünschten, wurden die wilden Straßenaufläufe für den Krieg inszeniert, das Haus der Abgeordnetenkammer gestürmt tund verwüstet, friedensfreundliche Abgeordnete verprügelt und Geolitti selbst mit einer Flut von Drohbriefen heimgesucht. Es steht fest, daß hierbei von dem Personal der französischen und der englischen Botschaften nicht bloß Kußhändchen, sondern auch mit klingender Münze für die Straßenjungen gearbeitet wurde. Schon Ende April war der heimliche Bund zwischen Salandra==Sonnino und Rodd-Barrère fix uund fertig. Es ist außerordentlich bezeichnend, daß in dem Grünbuch der von Sonnino abgelehnte Vorschlag des Wiener Kabinetts vom 2. Mai, den Grafen Goluchowski mit neuen Vollmachten nach Rom zu senden, verschwiegen worden ist, und daß auf dieses neue Entgegenkommen Oesterreich=Ungarns sofort am 4. Mai die sog. Kündigung des Dreibundsvertrags folgte. Die Verschworenen, die sich ein halbes Jahr lang cuf eben diesen Vertrag berufen hatten, um Konzessionen von Oesterreich= Ungarn herauszuschlagen, hatten nun, nachdem der Pakt mit England und Frankreich fertig war, große Eile, und es kam alles darauf an, die Kammermehrheit zu überrumpeln. Dies geschah eben durch unerhörte Einschüchterung von der Straße her unter Beistand der bestochenen Presse. Weder Giolitti, noch einer der mit Salandra=Sonnino nicht übereinstimmmenden Minister, noch sonst ein Kammermitglied war zu finden, das die Bildung eines neuen Ministeriums übernommen hätte. Dabei steht fest, daß weder im Senat noch in der Kammer, noch im Handel und Industrie, noch in der Arbeiterschaft eine überwiegende Vorliebe für den Krieg, besonders für diesen unter Treubruch und trotz weitgehender friedlicher Befriedigung nationaler Wünsche begonnenen Krieg, bestand. Fast alles, was in der Kammer und im Senat geredet worden ist, ist hohle Phrase. Das gilt insbesondere von der theatralischen Rede des Sprechers im Senat, des Bürgermeisters von Rom, des Fürsten Colonna, der von Rom als der großen Mutter, dem strahlenden Zielpunkt der nationalen Poesie Italiens redete uund Rom als die Stätte des von alters her die Welt erleuchtenden Lichtes feierte. Die alten Römer waren anderen Schlags. Das Schauspiel, das sich jetzt in der ewigen Stadt zutrug, erinnert viel eher an die Intriguen des Mittelalters, nur fehlen noch Gift u. Dolch und— Schneid. Es gibt kaum Länder, wo Parlamente eine hinterlistige Abkehr von alten Bundesgenossen größeren Teils wider besser Empfinden mit so betäubendem Phrasenschwall begrüßt hätten. Erst nach der ersten Schlappe wiro es wieder furchtlose Gegner der gegenwärtigen Ränkespinner und Gewalthaber in Italien geben. Die Neutralen und Italiens Treulosigkeit. wtb Stockholm, 26. Mai. Sämtliche Blätter, sogar der dreiverbandssteundliche„Sozialdemo= trat“, verurteilen die Treulosigkeit Italiens. „Stockholms Dagbladet“ schreibt: Italiens Ein64 wtb. Großes Hauptquarlier, 26. Mai 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Ein nächtlicher seindlicher Vorstoß gegen unsere neu gewonnene Stellung westlich des ches von Bellevaarde wurde abgeschlagen. Die Zahl der den Engländern entrissenen Maschinengewehre hat sich auf 10 erhöht. Nordöstlich von Givenchy gelang es farbigen Engländern, gestern abend sich eines vorspringenden Teiles unseres vordersten Grabens zu bemächtigen. Weiter südlich zwischen Lieven und der Loretto=Höhe setzte nachmittags ein großer, vielgegliederter französischer Angriff ein. Er ist vollkommen gescheitert. Nördlich und südlich der Straße SouchezBethune war es den Feinden anfangs gelungen, in unsere Gräben einzudringen Nächtliche Angriffe brachten uns jedoch wieder in den vollen Besitz unserer Stellung. 100 Franzosen blieben als Gefangene in unserer Hand. Auch südlich Spuchez brachen mehrfach wiederholte starke Angriffe, die von weißen und farbigen Franzosen gegen unsere Linien gerichtet waren, vor den Hindernissen völlig zusammen. Der Feind erlitt überall sehr schwere Verluste. Die ersten Jusa wtb Wien, 27. Mai.(Amtlich.) Nordöstlicher Kriegsschauplatz. Die Schlacht bei Przemysl dauert fort. Die Armee des Generalobersten v. Mackensen dringt im Angriff beiderseits des San in südöstlicher Richtung erfolgreich vor. Der Uebergang über den San östlich Radymno ist erlämpft. Das österreichischeangarische 6. Korpg erstürmte den Brückenropf Jagrody, östlich dieser Stadt und südöstlich sind unsere Armeen gegen die starken, zum Teil betonierten Stellungen der Russen in langsam fortschreitender Entwickelung. Die Zahl der in den letzten zwei Kampftagen eingebrachten Gefangenen ist auf 25 000 gestiegen. An Kriegsmaterial wurden bis gestern abend erbeutet 51 leichte, 10 schwe Geschütze, 64 Maschinengewehre und 14 Munitions= wagen. Bei den Kämpfen an der Lorekto=Höhe zeichnete sich ein schlesisches Infanterie=Regiment besonders aus. Ein feindlicher Vorstoß im Ostteil des Priesterwaldes wurde leicht abgewiesen. Südlich von Lenz wurde von unseren Fliegern ein feindliches Flugzeug abgeschossen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Einzelne schwache Nachtangriffe wurden abgeschlagen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Der Angriff der Armee des Generalobersten v. Mackensen schreitei gut vorwärts. Südöstlich Radymno wurde nach heftigem Kampf der Ort Swiete genommen. Oestlich Radymno wurde, nachdem die österreichischen Truppen den Brückenkopf erstürmt hatten, auch der Uebergang über den San erzwungen. Weiter nördlich erreichten unsere Truppen nach Kampf die Gegend östlich von Lazy und Sorseniegn. g: genen und Maderlef Die Beute an Gefangenen und Material wächst ständig. Oberste Heeresleitung. Südlich des Dujestr und in Russisch=Polen ist die Lage unverändert. Bei einem Gefecht nördlich der Weichsel wurden 998 Russen gefangen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In Tirol rückte eine feindliche Abteilung in Cordino(Judicarien) ein. Am Padon=Paß, nordöstlich des Marmolata, flüchteten die Italiener bei den ersten Schüssen. An der kärntnerischen Grenze wiesen unsere Truppen mehrere Angriffe unter bedeutenden Verlusten der Italiener ab. Westlich des Plöcken floh der Feind und ließ seine Waffen zurück. Im küstenländischen Grenzgebjet haben sich bisher noch keine Kämpfe entwickelt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. 0 Ehre, ein neues schwarzes Blatt beschrieben zu haben. Raubkrieg gegen seine Verbündeten! Das wird wahrscheinlich das Urteil der ganzen neutealen zivilisierten Welt sein. Die ähnliche Sprache der übrigen Blätter, darunter die soztaldemokratischen, weist darauf hin, daß der Krieg gegen den Willen des italienischen Voleg vue, Szene schreibt: Ein schlimmeres Sammelsurium sah man wohl nie in einem welthistorischen Dokument, als in der italienischen Kriegserklärung. Das Aktenstück ist ein Schlag ins Gesicht, oder, um in italienischem Stile zu reden, der brutale Dolch stoß eines Straßeräubers von hinten. —„Aftonbladet" bewundert die Ruhe, mit der die Kriegserklärung in Deutschland ausgenommen wurde.— Der militärische Mitarbeiter des „Svenska Dagbladet“ meint, daß das Eingreifen Italiens kaum eine größere Umwälzung zugunster des Dreiverbandes hervorbringen wird. Der wortbrüchige König. Wien, 26. Mai. Das heute an die Blätter ausgegebene österreichisch=ungarische Rotbuch enthält die eingehende und zutreffendste Rechtferti: gung des österreichischen Vorgehens gegen.. und den schlagendsten Beweis dafür, daß oie Moalles getan hat, um eine mit Italien zu erzielen. Das Rotbuch licht zehn Aktenstücke, aus denen die heuchlerische Sinneswandlung Italiens klar hervorgeht. Besonderes Interesse verdient die Antwort König Viktor Emaruels vom 2. August 1914 auf eine Depesche Kaiser Franz Josefs, in der der König 8 „er brauche nicht zu versichern, daß Italien alles, was in seiner Macht liege, tun werde, wie möglich an der Wiederherstellung des Friedens mitzuhelfen und gegenüber seinen Verbündeten eine herzliche, freundschaftliche Haltung bewahren werde, entsprechend dem Dreibundvertrage, seinen aufrichtigen Gefühlen und den großen Interessen, die er wahren müsse.“ Durch Veröffentlichung dieser Depesche ist das Vorgehen des Königs von Italien gerichtet. bb München, 26. Mai. Wie die„Münchener Neuesten Nachrichten“ aus Wien berichten, war Kardinal=Fürsterzbischof von Wien, Dr. Piffl, vor einigen Tagen in Nom, wo er vom König Viktor Emanuel empfangen wurde. In dieser Audienz wurde auch über den Krieg gesprochen und das Verhalten Italiens gegenüber seinen Bundzagenossen gestreift. Der König sagte zu Kardinal Pissi: Man kann ganz beruhigt sein. Ich wäre der erste aus dem Hause Savoyen, der sein Wort bräche. Vor einer großen Enlscheidungsschlacht im Osten! eine große Entscheidungsschlacht, das wichtigste Ereignis in diesem Weltkriege, vorbereitet. Es sei noch ungewiß, wo der Hauptschlag fallen werde. wtb Petersburg, 27. Mai. Nach dem „Njetsch“ sind jetzt auf der deutschen Ostfront von Opatow bis Kolomea 35 Armeekorp, zusammengezogen. Es ist daher anzunehmen, daß sich jetzt greifen in den Krieg ist die Frucht einer kaltblütigen, skrupellosen Spekulation. Keiner der verantwortlichen Männer Italiens hatte den n ralischen Mut, aufzutreten, um an die Bundespflicht und Treue für ein gegebenes Versprechen zu erinnern. Das Ganze ist ein Versuch, Gewinne und Eroberungen zu machen, die Italien unter normalen Verhältnissen allein mit seinen Machtmitteln niemels erreichen würde. Daß die italienischen Staatsmänner einem Jahrzehnte langen Bundesvertrag, woraus Italien nachweislich bedeutende Vorteile gezogen hat, als wertlosen Pavierfetzen behandeln, zeugt für die Abwesenheit moralischer und ethischer Gesichtspunkte. In allem, was man in den letzten Monaten an Umwertung von Werten erlebte, gibt es kaum etwas, das in brutaler Rücksichtslosigkeit mit der italienischen Politik zu vergleichen wäre, deren Ergebnis die Kriegserklärung ist. Punica fides hieß es früher, italica fides sollte man es nun nennen.—„Svenska Morgenbladet" nennt Italiens Politik eine Camorra=Politik. Die Weltgeschichte, sagt das Blatt, hat so viel schwarze Blätter, aber Italien hat im 20. Jahrhundert die besonders zweifelhafte Die italienische Regierung sucht sich reinzuwaschen. Den Vertretern Italiens im Auslande hat der Minister des Auswärtigen Sonnino ein Zirkulartelegramm zugehen lassen, worin der unmögliche Versuch gemacht wird, die Kriegserklärung Italiens an Oesterreich zu rechtfertigen. Das Zirkular ist im wesentlichen nur eine Umschreibung des Grünbuches. Es bemüht sich gleich jenem klar zu machen, daß Italien das Vorgehen Oesterreichs gegen Serbien zwar im alten Jahre noch halbwegs für berechtigt ansah, es im neuen jedoch als einen Vertragsbruch betrachtete und behandeln mußte. Dabei muß auch das Telegramm Sonninos an die Botschafter einräumen, daß Oesterreich die bekannten territorialen Zugeständnisse machte. Sonnino versucht der österreichischen Regierung namentlich darans einen Strick zu drehen, daß sie das liche Tirol nicht sofort, sondern erst dem Ende des Krieges abtreten wollte. Da die Abtretung bestimmt und für jeden Fall zugesichert war, hatte die Verzögerung natürlich nicht das geringste zu bedeuten Der einzige triftige Grund, den Sonnino angeben konnte, ist der, daß Italien den Krieg erklärte, weil es einige Monate lang hatte ergebnislos verhandeln müssen; als wenn nicht jedes Ergebnis erst das Produkt mehr oder minder ausgedehnter Verhandlungen wäre! Das gegenwärtige Verhältnis Deutschlands zu Italien. Es ist nicht ganz einfach, staatsrechtlich das Verhältnis zu skizzieren das jetzt zwischen Deutschland und Italien herrscht. Mit der Abreise des Fürsten Bülow sind zwar die diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Der Krieg aber ist damit noch keineswegs erklärt, wenn er auch die notwendige Folge bedeutet. Die Dinge dürsten sich so abgespielt haben, daß, als dem österreichischen Botschafter in Rom seine Pässe zugestellt wurden, gleichzeitig auch Fürst Bülow auf die Konsulta geschickt hat und um seine Pässe bat, um damit das treue Zusammenhalten Deutschlands und Oesterreichs zu dokumentieren. Gleichzeitig hat Fürst Bülow der italienischen Regierung andeuten lassen, die österreichischen und deutschen Truppen seien derartig vermischt, daß jeder italienische Schuß gegen österreichische Truppen auch deutsche Soldaten treffen würde. Er hat es dem Scharfsinn der Italiener überlassen, daß ein solches Vorkommnis eine außerordentlich unfreundliche Haltung gegen Deutschland bedeuten müßte, die vielleicht schon eingetreten ist. Jedenfalls haben wir von uns aus keine Veranlassung, den Italienern ihre Stellung irgendwie zu erleichtern. Sie suchen offenbar zur Rückendeckung dem eigenen Volke und den Neutralen gegenüber nach irgend einem Vorwand, der ihnen gestatten könnte, diesem brutalen Angriffskrieg wenigstens das Mäntelchen eines Defensivkrieges umzuhängen. Ihnen dabei behülflich zu sein, fehlt uns jeder Anlaß. Wir werden warten, bis sie auch uns den Krieg erklären und kind einigermaßen neugierig darauf, welchen Grund sie dafür finden mögen. Deutschlands Verhältnis zu Italien. tu Chiasso, 27. Mai. Obwohl zwischen Deutschland und Italien noch keine formelle Kriegserklärung, sondern einfache Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen vorliegt, wird, nach italienischen Meldungen, der Kriegszustand als effektiv eingetreten angesehen, so daß es keiner formellen Kriegserklärung mehr bedarf. Der Hauptgrund Italiens zur Kriegserklärung ist dem Artikel 7 des Dreibundvertrages vom Dezember 1912 entnommen, wonach Oesterreich sich verpflichtet, falls es für sich Vorteile auf dem Balkan erstrebt, sich mit Italien wegen der Entschädigung in Verbindung zu setzen. Solange Giuliano Minister des Auswärtigen war, machte Italien von dieser Vertragsbestimmung keinen Gebrauch, da Oesterreich ausdrücklich und feierlich erklärt hatte, daß es keine territorialen Eroberungen plane. Sonnino erhob Vorstellungen, begann Verhandlungen und zeigte sich als den Unersättlichen in der kaum verhüllten und jedenfalls sonnenklaren Absicht eines Krieges mit Oesterreich um jeden Preis. Sonnino befürchtete, daß auch durch das Eingehen Oesterreichs auf die ungeheuren Forderungen die Situation nicht geklärt werden und Oesterreich das enorme Opfer niemals verschmerzen würde. Er hatte daher auch ursprünglich nur Südtirol verlangt und erst später, da er den Krieg wollte, die Forderungen erhöht. Darin lag zugleich eine Herausforderung Deutschlands, denn Sonning wußte, daß ein Krieg gegen Oesterreich gegenwärtig auch einen solchen gegen Deutschland bedeute, dem ohne jeden Grund die Treue gebrochen wurde. Schwere Anschuldigungen gegen Salandra und Sonnino. Lugano, 26. Mai.„La Depéche“ meldet aus Rom: Zwei politische Redakteure des„Avanti“ sind auf Verfügung des Ministeriums wegen schwerer Anschuldigungen gegen Salandra und Sonnino verhaftet worden. Wie das„Genfer Journal“ hierzu mitteilt, handelt es sich um die Anschuldigung der Annahme französischer Gelder in einer Gesamthöhe von 1750000 Franken durch die beiden Minister, wodurch ihre Abschwenbung vom Dreibunde zum Dreiverband bestimmt worden sei. Der„Avanti“ ist der Beschlagnahme verfallen. Die Anklagen selbst sind nicht nachzuprüfen: sie verienen aber, wie das„Journal“ meint, immerhin Beachtung in der neutralen Presse. Vorsichtsmaßregeln gegen eine Revolution. wtb Basel, 26. Mai. Nach Privatmeldungen der„Nationalztg.“ hat das Aktionskomitee der Interventioniften in Rom in Voraussicht einer alsfallsigen Revolution jetzt beschlossen, nunmehr gegen alle Ruhestörer vorzugehen und die Regierung in deren Maßnahmen für die Aufrechterhaltung der Ruhe zu unterstützen. Das Komitee begründet diesen Beschluß mit dem bezeichneten Hinweis und Geständnis, der Krieg werde zwar siegreich, aber keinesfalls einfach und kurz sein. Die offiziellen Sozialisten beschlossen, ein Manifest zu erlassen, in dem die Bevölkerung aufgefordert wird, die Zivilverwaltung und die Regierung bei den Mobilmachungsmaßnahmen zu unterstützen. Panik in Venedig. Berlin, 26. Mai. Der„B. 3.“ wird aus Athen gedrahtet: Zahlreiche in Korfu angekommene griechische Reisende versichern, daß seit drei Tagen ununterbrochen italienische Truppen nach der Grenze befördert werden. Bei den Soldaten sei aber keine Begeisterung zu merken. Bei der Bevölkerung der italienischen Grenzstädte herrsche Unruhe und Niedergeschlagenheit. Venedig werde von allen Personen, die die Mittel dazu besitzen, eiligst verlassen. Die italienischen Behörden hätten die Kirchen von allen Kunstwerken entblößt und diese nach dem Innern des Landes geschafft. Die Kirchen seien mit Holzverschlägen umgeben, über die zum Schutze gegen Fliegerbomben Sandsäcke gelegt werden. Die Kunstschätze der Museen wurden in Sicherheit gebracht. Auf den Balkons der meisten Häuser Venedigs seien Maschinengewehre als Abwehr gegen Flugzeuge aufgestellt. Unter den Einwohnern der Stadt, die eine Zerstörung von St. Marco voraussagen, herrsche völlige Panik. Venedig im Dunkel. tu Lugano, 27. Mai. Seit der Mobilmachung liegt Venedig nachts völlig im Dunkel. Nach Sonnenuntergang müssen alle Geschäfte geschlossen werden. Das Erscheinen der Tauben wurde um ½4 Uhr durch das Feuer aller Abwehrkanonen, sowie durch zahllose Gewehrschüsse angekündigt. Sofort eilte die ganze Bevölkerung ins Freie, um das Schauspiel zu verfolgen. Die Taube warf eine Anzahl Bomben gegen das Arsenal. Mehrere Häuser wurden durch die herabgeworfenen Bomben in Brand gesteckt, doch konnten die Brände gelöscht werden. Den platzenden Bomben entströmte eine ölartige Flüssigkeit. Außerdem warfen die Flieger Druckschriften herab, in denen die Bevölkerung über den Verrat Italiens aufgeklärt wird. König Viktor Emanuel reist ins Hauptquartier. tu Lugano, 27. Mai. Gestern abend ist der König von Italien abgereist. Der Abfahrt wohnten der späten Stunde wegen nur wenige Hundert Personen bei. Der König, der die Felduniform trug, drückte Salandra und Sonnino die Hand, uimarmte den Reichsverweser, Herzog von Genua, und grüßte, als der Zug sich in Bewegung setzte, lange aus dem Fenster heraus.— Die in Piacenza verhafteten sechs österreichischen Konsuln wurden wieder freigelassen und nach Chiasso geleitet. Ganz Italien im Kriegszustand. Gens. 26. Mai. Dio„Havas“=Agentur meldet aus Rom: Der Kriegszustand wurde auf ganz Italien ausgedehnt. Ein italienischer Lügensieg Köln, 26. Mai. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Zürich: Eine Sonderausgabe des römischen„Corriere d'Italia“ verbreitete gestern die Nachricht von einem Seetreffen zwischen österreichisch=ungarischen und italienischen Kriegsschiffen bei Ancona, wobei die Italiener einen großen Sieg davongetragen hätten. Die Nachricht rief in der Stadt große Begeisterung hervor Sofort wurden große Kundgebungen veranstaltet. Als dann eine amtliche Berichtigung kam, veranstaltete die Bevölkerung Kundgebungen gegen das Blatt, dessen verantwortlicher Redakteur verhastet wurde. Zwei Freiwillige. Pariser Blätter lassen sich aus Bukarest melden: Die Prinzen Alphons, Viktor und Louis Bonaparte sind als Freiwillige in das italienische Heer eingetreten. Haben denn die Herrschaften gar nichts anderes zu tun, als sich im italienischen Heere unnütz zu machen. Eine Unterredung mit dem Fürsten Bülow. tu Lugano, 26. Mai. Der Korrespondent des „Berl. Tagebl.“ meldet: Wie ich berichtet habe, sagte mür Fürst Bülow bei der Abfahrt von Lugano, daß die Abreise von Rom glatt und ohne einen feindlichen Zwischenfall von statten gegangen sei. Im Verlaufe des Gespräches, das ich mit dem Fürsten Bülow in seinem Zuge auf der Fahrt von Chiasso hierher hatte, erinnerte ich den Fürsten Bülow daran, daß er noch in letzter Zeit eine Verständigung mit Italien für möglich gehalten habe. Er habe mir, äußerte ich, vor wenigen Wochen noch gesagt: Es gilt, den Kopf hoch zu halten Noch ist nicht alles verloren; noch habe ich die Hoffnung nicht ganz ausgegeben.„Nein, nein“, erwiderte Bülow,„ich bin niemals Optimist gewesen". Der Fürst hat scharfe Worte gegen die italienischen Minister, hält aber das Volk im großen und ganzen für irre geleitet und warnt davor, Regierung und Volk in einen Topf zu werfen. Die Zeit könne vielleicht einmal kommen, daß die Mäßigung eine künftige Wiederverständigung erleichtern werde. Vor allem möge man den Schimpfartikeln der Hetzpresse nicht allzu große Bedeutung beilegen.“— Auch der Botschaftsrat v. Hindenburg und die übrigen Herren der Botschaft lobten die Haltung der Bevölkerung. In Lugano, wo der Bahnhof natürlich gleichfalls abgesperrt war, wurde der Fürst von einer großen Menge, meist Deutschen, erwartet, die Tücher schwenkten und„Hoch“ riefen. Freiherr v. Mühlberg und die Mitglieder der preußischen Gesandtschaft beim Hl. Stuhl sind in Lugano ausgestiegen, wo die Gesandten zunächst ihren Sitz ausschlagen. Italien gibt die feindlichen Dampfer wieder zurück. tu Lugano, 27. Mai. Eine Note der„Agenzia Stefani besagt über die in Italien liegenden deutschen und österreichischen Dampfer: Die allgemeinen Rechtsprinzipien würden vielleicht eine Konsiskation gestatten, aber die Absicht der Regierung ist, in Uebereinstimmung mit der obwohl von uns nicht anerkannten Haager Konvention, die Dampfer— Gegenseitigkeit vorausgesetzt— zu beschlagnahmen und nach Friedensschluß wieder zurückzugeben oder sie gegen eine nach Friedensschluß zu zahlende Entschädigungssumme zu requirieren. Die Sicherung der schweizerischen Neutralität. wtb Bern, 26. Mai.(Amtlich.) Die deutsche Reichsregierung und die Kaiserlich=Königliche österreichisch=ungarische Regienung habben dem Bundesrat mitgeteilt, daß sie selbstverständlich die bei Kriegsausbruch abgegebene Erklärungen einer strikten Respektierung der schweizerischen Neutrali= tät auch unter den durch die Beteiligung Italiens am Kriege veränderten Verhältnissen emfrecht erhalten. Auch Italien hat dem Bundesrat die Zusicherung gegeben, daß es die Neutralität und Unverletzlichkeit des schweizerischen Gebietes peinlich und loyal betrachten werde. Die Schweiz hat die Vertretung der deutschen Interessen in Italien uund auf Ansuchen auch die Vertretung der italienischen Interessen in Deutschland übernommen. Das Schloß Erzherzog Franz Ferdinand in Cattajo vom Pöbel erstürmt. :: D a s g r o ß a r t i g e B e s i t z t u m m i t S c h l o f und Park von Cattajo an der Eisenbahnlinie Venedig—Bologna des in Serajewo so schmählich ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand ist von 3000 Landleuten besetzt Schlosses sich beharrlich geweigert hatte, die worden, nachdem der alte Wächter des italienische Flagge zu hissen. Das Volk hatte sich in dichten Scharen zusammengerottet, riß das Eingangstor nieder und orang mit einer Musikbande, die den italienischen Königsmarsch spielte, durch den Park zum Herrenhaus vor. Dort riß es alle Türen und Fenster auf und begann in den Räunen zu tanzen und ein Gelage abzuhalten. Kein Polizist ließ sich sehen. Erst am nächsten Tage kamen einige Carabinieri an, die das Schloß vom Volke übernahmen. Die ersten Erenzgesechte. :: Nach dem am Dienstag veröffentlichten ersten amtlichen italienischen Kriegs. bericht haben die Italiener am 24. Mai die Grenze von Friaul überschritten und die unmittelbar an der Grenzlinie gelegenen Ortschaften Cormons, Versa, Cervignanc und Terza besetzt. Die Entfernung von der Grenze beträgt etwa 5 Kilometer. Sie liegen noch in der Ebene westlich des Isonzo, nur Cormons bereits am Fuß der Berge. Italienische Torpedobootszerstörer eröffneten das Feuer gegen eine österreichische Abteilung in Portbuso und landeten Truppen, welche 70 Oesterreicher gefangen nahmen. Porto Buso liegt auf einer dicht an der Küste befindlichen Insel, westlich von Grado. Anscheinend handelt es sich bei diesen Kämpfen nur um Grenzschutzkämpfe und um die Besetzung eines schmalen Grenzgebietes, das taktisch ohne Bedeutung ist und das die österreichisch=ungarischen Truppen deshalb nicht verteidigt haben. Fürst Bülow in Berlin. Fürst und Fürstin Bülow sind Mittwoch morgen aus Rom in Berlin eingetroffen. Der Fürst sieht sehr gut aus. Vor der Abfahrt von Zürich stattete Fürst Bülow in einem Telegramm dem schweizerischen Bundesrat seinen Dank ab für die musterhafte Organisation des militärischen Geleites durch die Schweiz sowie für die liebenswürdige Aufnahme. Ebenso dankte in einem Telegramm der österreichisch=ungarische Botschaster Baron Macchio dem Bundespräsidenten in gleichem Sinne. Abreise des italienischen Botschafters. :: Der italienische Botschafter in Berlin, Bollati, der am Dienstag seine Pässe verlangt hatte, ist mit dem Personal seiner Botschaft Mittwoch früh 4 Uhr 27 Min. vom Anhalter Bahnhof abgereist. Sympathiekundgebung der französischen Kammer für Italien. :: Am Dienstag wurde in der französischen Kammer dem italienischen BundesKrauenliebe. Roman von Clara Aulepp=Stübs. 47 Wohl zog sie in Betracht, was es heißen wollte, als Weib, allein, die Oberleitung einer solchen Firma zu übernehmen, wie es die Arnheimsche war, allein ein Blick auf die Wiege ihres Kindes zeitigte ein solches Hoch= und Kraftgefühl in ihrer Brust, daß sie sich stark geuug fühlte, alle Schwierigkeiten zu überwinden. Je mehr sie leidlich gesundete, je höher entwikkelte sich auch Seele und Geist. Ihre junge Mutterschaft verlieh ihrem Schmerz um den Mann etwas Weihevolles. Und zu der inbrünstigen, heißen Trauer um den Geliebten gesellte sich jetzt eine tiefe, innerliche Dankbarkeit, denn er war es ja, der ihr die liebkosenden Händchen ihres Knaben gegeben, durch ihn hatte ihr Leben einen Inhalt bekommen, und war er auch dahingegangen, so hatte er sie doch nicht allein gelassen. Keine öden, leeren Einsamkeitsstunden harrten ihrer; wie die lichte Glut aufsteigender Morgenröte schimmerte leise und sacht erwachende Kindesliebe aus den Augen ihres Knaben ihr entgegen und gab ihr die wehmütig beglückende Verheißung eines ausgefüllten Daseins, ausgefüllt durch Liebe und Pflicht. In dieser Gemütsverfassung trat sie den leitenden Herren des Bureaus entgegen und fragte und ließ sich belehren und arbeitete in ihres Mannes Zimmer oben von früh bis spät. Endlich war alles geordnet, sie der Vormund ihres Knaben. Der Herr Justizrat führte ehrerbietig die kleine, feste Frauenhand an die Lippen. Die Tapferkeit und schlichte Seelengröße dieser blutjungen Frau hatte ihn tief ergriffen. Und er war doch an vieles gewöhnt; er meinte doch nachgerade kein Uebermaß an Gemüt zu besitzen. Den Beamten der Firma erging es aber nicht anders. Da war wohl keiner unter ihnen, der sich nicht im stillen das Gelöbnis gab, der in ihrer tiesen Trauer so rührend lieblich erscheinenden jungen Frau ein treuer Diener zu sein. Die jungen Ingenieure trugen den Kopf noch einmal so hoch und Herr Direktor Vogt atmete tief auf. An ihnen sollte es nicht fehlen, o— sie wollten der Welt schon zeigen, was sie leisten konnten, die sollten schon Augen machen. Herr Vogt war herzensfroh, daß alles in dieser Weise geordnet war. Herrgott, hatte er eine Angst ausgestanden. Es wär ihm ja ein Schnitt ins Herz gewesen, wenn die Werft verkauft worden wäre. So aber war alles gut. Doch diese Frau auch! Wie verständig und klar ihr Urteil, welche Kenntnisse hatten sich in diesem feinen, blonden Köpschen angesammelt! Herr Direktor Va# hatte sich nie um die Gleichstellungstendenzend. Frauen gekümmert, höchstens dann und wann einmal um ihr Gefühlsleben. Und da war er nie in die Tiefe gegangen. Ein paar oberflächliche Verhältnisse— wie das so geht— und sonst gesellschaftlicher Firlefanz, mit seltenem, höchst seltenem Gedankenaustausch von Mensch zu Mensch. Im übrigen nahm sein Beruf ihn vollständig gefangen; er war ihm Geistes= und Herzenssache zugleich. Denn was in aller Welt konnte mehr befriedigen, als Schiffe zu bauen und die stolzen Fahrzeuge dann übers Weltmeer an ferne Küsten zu senden, und durch sie beizutragen am Emporblühen von Handel und Wandel des geliebten Vaterlandes? Nein, einen schöneren Beruf, als den seinen, konnte es nicht geben. Als er sich in diesem Sinne einmal Lotti gegenüber äußerte, reichte sie ihm wohl mit liebem Lächeln die Hand, sagte aber nichts. Da sah er sie groß an, schwieg aber nun auch. Gedanken fuhren ihm durch den Kopf, sehr sonderbare Gedanken. Und dann Abends, in seinem Restaurant sitzend, nahm er sein Leibblatt vor und vertiefte sich vor allem in die Verhandlungen des großen Frauentages und seine Erfolge. Bald nickte er, bald schüttelte er mißbilligend das Haupt und schließlich legte er das Blatt mit einem tiefen Aufseufzen beiseite. In seinem Innern regten sich Konflikte, zum ersten Male in seinem Leben dachte er ernstlich über das Rätsel„Weib" nach.— In der Nacht schlief er schlecht. Der Winter kam und, und der erste schöne Frühlingstag führte Frau Lotti Ria Forster mit ihrem nunmehrigen Gatten zu. Im Speisezimmer war die kleine Tafel reizend gedeckt. Ihr Leid tapfer unterdrückend, war die Hausfrau nur darauf bedacht, dem jungen Paare es nicht merken zu lassen, wie sich ihr armes Herz immer wieder in stummer Qual zusammenzog. Als Heinz jetzt lächelnd und wichtig seiner Ria die duftenden Maiblumen, die sie zwischen ihrer Serviette fand, in den Gürtel steckte, da meinte Lotti aber doch laut aufschreien zu müssen vor Schmerz. Ach— so— gerade so, tat es— Gio— „Fred!“ Mit einer leidenschaftlichen Mischung von Leid und Freude streckte sie dem in demselben Augenblick auf dem Arme der Amme sich präsentierenden Kindchen die Arme entgegen. Und der Kleine strebte jauchzend zu ihr hin. Als sie ihn nahm, schmiegte er sein Gesichtchen an ihre bleiche Wange und patschte mit den Grübchenhändchen ihr schmales Gesicht. Da rötete es sich leise und in die Augen kam ein warmes Licht, so von innen heraus. Die schlanke Gestalt richtete sich kräftiger auf; der Knabe war schwer. „Ist er nichtprächtig? Ria, Heinz, seht ihn doch nur au!“ Und Ria und Heinz bewunderten das bildhübsche Kind, auf bessen Köpfchen sich bereits dunkle Löckchen krausten. Lotti drückte die Lippen hinein, und noch lange danach, als der Knabe fortgetragen war, lag der Abglanz stiller, heiliger Freude auf ihrem seelenvollen Antlitz. Etwas unbeschreiblich Hohes, Edles lag in ihrem ganzen Wesen. Als sie nach dem Essen hinüber ins Wohnzimmer gingen, legte Ria den Arm um Lottis Schultern. Ihr Herz war zu voll, sie konnte nicht anders, die Worte drängten sich ihr förmlich auf die Lippen:„Lotti, Lotti, wie bewundere ich Dich! Wais bist Du groß und stark!“ „O. still, still, rühre nicht daran!“ Eine feste, kleine Frauenhand preßte sich auf Rias Lippen. Ein Paar flehende Augen tauchten in die ihren. Da sagte sie erschrocken:„O, vergib!“ und dann sprudelte sie in größter Hast allerlei Reiseerlebnisse hervor und sah hilfesuchend sich nach ihrem Manne um, der sie allein gelassen hatte, um einer eventuellen Aussprache der beiden Frauen nicht im Wege zu stehen. Aber Lotti, ach, Lotti, war ja jetzt so ganz anders— mit ihr konnte man ja gar nicht sprechen, dachte die kleine Frau und schmiegte sich wie erlöst in die Arme des bald wieder Eintretenden. Gleich nachdem ihre Gäste sie verlassen hatten, stieg Frau Lotti die Treppe nach ihrem Zimmer einpor. „O. nur einen Augenblick Ruhe," dachte sie, mit prüfendem Blick ihren Schreibtisch musternd, auf dessen Platte manch Schriftstück ihrer Unterschrift harrte;„nur einen Augenblick erst Ruhe." Sie hatte sich für stärker gehalten, als sie war. Die Tragik der tief einschneidenden Erlebnisse, die ihr Herz zerrissen, ihrem Weibempfinden aber den unauslöschlichen Stempel ernsten, stillen Entsagens aufgedrückt hatten, kam ihr wieder zum schmerzvollsten Bewußtsein. 219,16 genossen in Anwesenheit des Botschafter: Tittoni eine Sympathiekundgebung dargebracht. Der Kammerpräsident Deschauel er öffnete die Sitzung mit einer Ansprache, ir der er unter Aufwand eines ungeheuren Phrasenschwalles Italien als neuen Bundesgenossen begrüßte. Zur Charakteristik seiner Rede genügt die Wiedergabe folgender darin vorkommender Sätze: „Wie hätte die feine, geschmeidige Politik des Hauses Savoyen, das in den Dreibund nur eingetreten ist, um sich vor den Streichen seiner Jahrhunderte alten Feinde zu schützen, die Hand dazu bieten können, daß Serbien und das Aegäische Meer durch die Vorhut Deutschlands verschlungen werde? Nein! Rom, das nach Athen die Quelle allen Lichtes war, Rom, wo von Jahrhundert zu Jahrhundert immer wieder die Blume der Moral und der Schönheit wunderbar aufgeblüht ist, konnte in diesen höchsten Stunden nicht mit an den Stätten der List und Gewalt sein! Jetzt steht es an seinem wahren Platze, in seinem wahren Range, gemeinsam mit den Vaterländern des Rechts, des Ideals, mit den ewigen Stätten des Geistes.., alich murhe Lisfe Bche mit Selbstverstanolich wurbe diese Rede mit tosendem Beifall aufgenommen, und nicht ninder folgende Ansprache des Ministerpräsidenten Viviani: „Namens der Regierung der Republik begrüße ich die italienische Nation, welche in dem Willen, zu siegen, ausgestanden ist. Von einem Ende der insel zum anderen hat sich das ganze Volk mit seinem ihm von Natur innewohnenden Enthusiasmus erhoben. Es erhob sich in einer Aufwallung seiner Würde, in Entrüstungsstürm seiner Reinheit, nachdem es neun M.###te lang und ohne schwach zu werden, das Schauspiel des Krieges betrachtet hatte. Es bejubelte seinen König, den würdigen Erben des großen Ahnherrn, welcher mit Cavour und Garibaldi die nationale Einheit begründete. Es wird für das Recht kämpfen. welches mit der Kunst die herrlichste Gabe des Genies ist. Frankreich grüßt das unter seiner Rüstung zitternde Italiea. So wird unsere wiedererblühte Brüderschaft sich verjüngen. Lassen wir jenen vibrierenden Schrei(denn er kommt aus unserem Herzen) über unsere Lippen dringen: Es lebe Italien!“ Es wurde einstimmig beschlossen, die Rede öffentlich anzuschlagen.— Möge sich Frankreich mitsamt Italien an dem vibriesenden Schrei berauschen! Ausdehnung der Wehrpflicht in Italien. :: Die„Gazette de Lausanne" erfährt aus sicherer Quelle, daß die italienische Rezierung ein Dekret erlassen habe, durch das die Militärdienstpflicht, die bisher bis zum 39. Lebensjahre gedauert hatte, bis zum 42. Jahre verlängert wurde. Das Dekret soll nicht sofort in Kraft treten. Rückkehr des bayerischen Gesandten am Quirinal. *::: Der bayerische Gesandte am Quirinal, Freiherr von und zu der Tann, ist, von Rom über die Schweiz kommend, in München eingetroffen. Der italienische Gesandte Tomasi in München, der italienische Generalkonsul, die beiden Konsuln sind mit ihrem Personal von München mit einem Sonderzuge über Lindau nach der Schweiz abgereist. Militärische Begleitung, bestehend aus einer Abteilung des Infanterie=Leib= regiments, wurde dem Zuge beigegeben. Der Ries begen Rußland. Unaufhaltsam vorwärts. tu Perlin, 27. Mai. Der Kriegsberichterstatter des„Verl. Lokalanzeigers“, Kirchlehner, meldet aus dem k. k. Kriegspressequartier vom 26. Mai: Der Erfolg des am Pfingstmontag von der Armee Mackensen bei Nadymno errungenen Siege, wurde am 25. Mai weiter ausgebaut. Trotz wütenden Widerstandes wurde den Russen östlich des San ein Stützpunkt nach dem andern entrissen. So erstürmten die Truppen des Kaschauer 6. Armeekorps (Feldmarschall=Leutnant Arz) den gegenüber Radymno liegenden Ort Zagrody. In die russischen Stellungen ist nun ein starker Keil getrieben, der weit in das östliche Amland des San hineinreicht. Oesterreichische Bomben auf Przemysl? tn Bukarest, 27. Mai. Die Petersburger Agentur Westnik hebt aus einer amtlichen Meldung des russischen Generalstabes besonders hervor, daß über Przemysl zu wiederholten Malen feindliche Flieger erschienen seien, um Bomben abzuwerfen. Besonders in der Zone der Flüsse Lutkow und Jatwegi richteten die österreichisch=ungarischen und die deutschen Truppen heftige Angriffe gegen die russischen Stellungen. Dort gelang es ihnen, mehrere Schützengräben zu erobern. Die Schlacht am San. bb Genf, 26. Mai. Ueber die Schlacht am San melden Pariser Blätter aus Petersburg, daß eine baldige Veränderung der Lage nicht zu erwarten sei. Die deutsche Offensive dauere im Zentrum der russischen Linie in Galtzien fort, als ob der Feind den Druck auf seinen Flügel nicht fürchte. Die feindlichen Truppenmassen, die den San überschritten haben, rücken sangsam aber stetig vor. Die russischen Kritiker glauben nicht, daß diese Massen genügend Munition besitzen, noch länger weiter vorzudringen. Aber selbst im andern Fall fänden die Russen hinter ihren jetzigen Verteidigungslinies neud Desensinvstellungen. Die im Gange! Das neue englische Kabinett. befindliche Schlacht übertresse an Ausdehnung,„ Zahl der Kämpfe und Munitionsverbrauch alle bisherigen Schlachten des Krieges. Russische Drohungen gegen Serbien. tu Pukarest, 27. Mai. Einer Meldung aus Sosia zufolge reiste der russische Gesandte in Nisch, Fürst Trubetzkoi, demonstrativ von dort ab, weil er mit dem Verhalten Serbiens Rußland gegenüber unzufrieden sein soll. Laut Zeitungsmeldungen soll der Gesandte drohende Acußerungen gegen Serbien gemacht haben. —.— Verhaftung tschechischer Abgeordneter. tu Prag, 27. Mai. Der Führer der Jungtschechen, Abgeordneter Dr. Kranarsch, der seine Sommerferien alljährlich auf der Halbinsel Krim, wo er Besitzungen hat, verbrachte, ist in seiner hiesigen Wohnung verhaftet worden. Das gleiche Schicksal erfuhr der tschechische Abgeordnete und Obmann des tschechischen Sokolverbandes, Dr. Scheiner. Der Krieg gegen England. Englische Sorgen. Kopenhagen, 26. Mai.„Pall Mall Gazette" und andere Zeitungen sind sich darin einig, daß zwei Dinge die Hauptaufmerksamkeit der ganzen Nation in Anspruch nehmen müssen, nämlich die Aufstellung neuer Heere und die Beschaffung von genügendem Kriegsgerät, und hebt weiter die Notwendigkeit hervor, alle männlichen Personen im Alter von 18—55 Jahren, vielleicht auch Frauen, in die Kontrollisten einzutragen, damit sie sofort zur Verfügung sind, wenn ihre Arbeit heute zur Herstellung von Kriegsgerät und anderen Zwecken ersorderlich ist. WTB. London, 26. Mai. Feldmarschall French berichtet von gestern: Oestlich von Ypern entwickelten die Deutschen frühmorgens Infanterie=Angriffe unter dem Schutze gistiger Gase, während ihre Artillerie gleichzeitig mit Stickgasen gefüllte Geschosse abfeuerte. Unsere Truppen waren gezwungen, einige Laufgräben zu räumen. Der Feind drang an ein oder zwei Stellen durch unsere Glieder. Der Kampf dauert noch an. Zwei Teile der ursprünglichen Linie wurden zurückerobert. Amerika droht England mit dem Fleischboykott. wtb London, 26. Mai. Die„Morningpost“ meldet aus Washington vom 24. Mai: Die Vertreter des Fleischtrustes befinden sich hier, um beim Präsidenten und beim Staatsdepartement wegen des ungesetzlichen Aufhaltens ihrer Ladungen durch die engkische Regierung vorstellig zu werden. Für neutrale Länder bestimmte Ladungen im Werte von 5 Millionen Pfund Sterling sind durch britische Kreuzer beschlagnahmt uund nach britischen Häsen gebracht worden. Die Vertreter des Fleischtrusts erklären, daß sie England boykottieren und kein Fleisch mehr aus Südamerika, dessen Zufuhr der Trust kontrolliere, nach England ausführen, wenn England nicht die Zufuhr nach neutralen Ländern zulasse, Wilson will der Welt den Weg des Friedens zeigen. wtb Washington, 26. Mai. Bei Eröffnung der amerikanischen Finanzkonferenz, der die Kabinettsmitglieder und Vertreter aller amerikanischen Staaten beiwohnten, drückte Präsident Wilson die Hoffnung aus, daß die Amerikaner der Welt den Weg des Friedens zeigen werden.(Sollte Wilson bei seiner Friedensarbeit die amerikanische„Neutralität“ nicht hindernd im Wege stehen? Oder wollen die amerikanischen Stahlkönige vielleicht auf die Lieferung von Granaten an den Dreiverband verzichten? Schriftl.) Munitionsmangel in Frankreich. Paris, 27. Mai. Ein sozialistischer Deputierter erzählt in der„Humanitee", daß ein anderer soz. Abgeordneter als Unterstaatssekretär in das Kriegsministerium eingetreten sei, um die Herstellung der Munition sicher zu stellen, die in letzter Zeit sehr gefährdet sei. :: D a s n e u g e b i l d e t e M i n i s t e r i u m A s quith, dessen Zusammensetzung jetzt vorliegt, übernimmt aus dem früheren rein lberalen Kabinett neben dem Ministerpräsidenten nur die Minister Grey(Aeußeres), Kitchener (Krieg), den Handelsminister, sowie die sogenannten Sekretäre für Schottland und Irland. Zu diesen sechs Liberalen kommen neu sieben untonistische Minister: Landsdowne, Curzon, Bonar Law, Chamberlain. Balfour, Long und Carson. Mehrere liberale Minister haben ihre Ressorts getauscht....„Winistarten uind Die verschiebenen Ministerten sind wie folgt besetzt worden: Premierminister Asquith, ohne Amt Lansdowne, Lordgroßkanzler Sir Stanley Buckmaster, Lordpräsident des geheimen Rates Lord Crewe, Lordgeheimsiegelbewahrer Curzon, Schatzkanzler Me Kenna, Innenamt Sir John Simon, auswärtige Angelegenheiten Grey, Kökonten Bonar Law, Staatssekretär für Indien Chamberlain, Krieg Lord Kitchener, Kriegsmunition Lloyd George, erster Lord der Admiralität Balfour, Handel Runciman, Präsident der Lokalverwaltung Long, Kanzler des Herzogtums Lancaster Churchill, Chessekretär für Irland Birrell, Sekretär für Schottland Me Kinnon Wood, Präsident des Ackerbauamtes Selborne, erster Kommissar für Arbeit und öffentliche Bauten Harcourt, Präsident des Unterrichtsamtes Henderson, Attorney=General Sir Edward Carson. Dié Zusammensetzung des neuen Kabinetts bedeutet den völligen Bankerott des Ministeriums Asquith, einen in Kriegszeiten erfolgenden, also doppelt und dreifach schwerwiegenden Bankerott. An der Spitze des Marineministeriums, des Kolntalministeriums und des Justizwesens stehen jetzt Konservative. Der Führer der Konservativen im Oberhause, Lord Landsdowne, ist — ein in England bisher unbekannter Rang —„Minister ohne Portefeuille“ geworden. Das heißt, er hält sich für die Nachfolge Asquiths oder Greys in Bereitschaft und übt bis dahin die leitende Kontrolle im neuen Kabinett aus. Ein Novum ist auch die Schaffung des„Ministeriums für Kriegsbedarf": eine höfliche Umschreibung für eine erhebliche Einschränkung und Beaussichtigung des Kriegsministers Lord Kitchener. Daß Lloyd George mit diesem Amt betraut und zu diesem Zweck vom Finanzministerium beseitigt wird, ist ein weiterer großer Erfolg der Konservativen. Ein offenes Eingeständnis einer schweren Niederlage ist die Entfernung Churchills aus der Admiralität und seine Unterbringung in einem versteckten Winkel des Kabinetts, aus dem rein dekorativen Posten des Kanzlers des Herzogtums Lancaster. Das Befinden des Königs von Griechenland. Athen, 26. Mai. Nachdem im Laufe des gestrigen Tages in dem Befinden des Königs eine verhältnismäßige Besserung eingetreten war, verschlimmerte sich heute infolge von Schwächeanfällen der Zustand des Monarchen bedenklich. Gleichzeitig zeigte sich um den Wundkanal ein dunkelroter Fleck. Diese Erscheinung gab zu der Besorgnis wegen etwaiger Vergiftung Anlaß. Gegen Mitternacht trat eine Besserung ein. Als der Verband heute nachmittag von der Wunde entfernt wurde, war der rote Fleck verschwunden. Die Temperatur sank während der Nacht nicht tief unter normal. Heute vormittag betrug die Temperatur 37,1. Trotz verhältnismäßiger Besserung muß der Zustand des Königs Konstantin als besorgniserregend betrachtet werden. Die Teilnahme der Bevölkerung des K uun Das gesunkene englische Limenschiff, Triumph. ganzen Landes ist außerordentlich groß. Das Palais war die ganze Nacht hindurch von Tausenden umlagert. Prinz Georg von Griechenland heimgerufen. bh Stockholm, 27. Mai.„Spenska Dagbladet" erfährt aus Paris, daß Prinz Georg von Griechenland wegen ernster Krankheit König Konstantins telegraphisch heimgerufen wurde. — Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 27. Mai. *(Die häßliche Unsitte), bei Spaziergängen durch unsere herrlichen Waldungen Otstrese, Pa= 10 vier, Düten, Eierschalen usw. achtlos wegzuwerfen, Blumen und Zweige abzureißen und wag dergleichen Ungezogenheiten mehr sind, macht sich auch jetzt wieder bemerkbar. Da möchten wir allen, die 1# es angeht, zur Beherzigung noch folgende Strophe empfehlen, die wir an einer Tafel an einem Baume am Ufer eines Waldteiches im Walde bei Rummenohl lasen: Wer Eierschalen, alte Düten Und alles, was man sonst nicht braucht, Hier von sich wirft, wird fünf Minuten Ins kalte Wasser eingetaucht.“ **(Der Postverkehr zwischen Deutschland und Italien) ist gänzlich eingestellt sund findet auch auf dem Wege über andere Länder nicht mehr statt. Es werden daher keinerlei Postsendungen mach Ita“ lien mehr angenommen, bereits vorliegende oder durch die Briefkasten zur Einlieferung gelangende Sendungen werden den Absendern zurückgegeben. Der private Telegraphen= und Fernsprechverkehr nach und von Italien ist ebensalls eingestellt. **(Die Pfingstferien), die am 21. d. M. begonnen haben, schließen am 31. Mai, sodaß Dienstag, 1. Juni, der Unterricht wieder beginnt. **(Ein Verbot, grünen Roggen oher Weizen zu verfüttern.) Der„Reichsanzeiger“ enthält eine Bekanntmachuung, wonach die Landeszentralbehörden oder die von ihnen bestimmten Behörden verbieten können, daß grüner Roggen oder grüner Weizen als Grünfutter ohne Genehmigung der zuständigen Behörden abgemäht oder verfüttert werde. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft. **(Vorsicht beim Verkauf von Ansichtskarten.) Auf Umwegen über das neutrale Ausland wurde von feindlicher Seite wiederholt der Versuch gemacht, Ansichten deutscher Städte, namentlich Südund Westdeutschlands durch Buchhändler usw. aufzukaufen. Gewünscht werden besonders solche Bilder(Ansichtskarten), die für die Stadt und die Umgebung durch ein besonders auffallendes Gepräge gekennzeichnet sind, wie Kirchen, Burgen, Ruinen und andere in die Augen fallende Bauwerke. Offenbar sind die Bilder dazu bestimmt, den feindlichen Fliegern die Orientierung zu erleichtern. Es muß daher dringend davor gewarnt werden, diesem Ersuchen Folge zu geben: Auch wird sich empfehlen, bei Versendung von Ansichtskarten nach dem Auslande entsprechende Vorsicht zu beobachten. **(Das Eiserne Kreuz) erhielt Herr Lehrer Franz Honsalek von der hies. ev. Volksschule, welcher in einem Infanterieregiment auf dem westlichen Kriegsschauplatz kämpft und, wie wir bereits mitteilten, vor einigen Monaten zum Leutnant befördert wurde. Ein auf dem östlichen Kriegsschauplatz als Kriegsfreiwilliger kämpfender jüngerer Bruder, der Bautechniker Walter H., erhielt bekanntlich vor einiger Zeit das Eiserne Kreuz. Wir gratulieren bestens! **(Der Nuhrtaler Sängerverein) beabsichtigt, am Sonntag nachmittag den in den hiesigen Krankenhäusern befindlichen verwundeten Feldgrauen und auch den übrigen Insassen der beiden Häuser durch den Vortrag mehrerer Lieder eine kleine Aufmerksamkeit zu erweisen. **(Bautätigkeit.) Das an der Hermannstraße liegende Messingwerk, welches bekanntlich vor einiger Zeit von den Vereinigten deutschen Nickelwerken hierselbst angekauft wurde, wird augenblicklich seitens der Baufirma C. Dittrich durch einen Erweiterungsbau von der Nordseite, welcher bereits bis zur Eindachung gediehen ist, vergrößert.— Die Unterführung der Arnsberger Strecke an der Ostbergerstraße im Grüntal, deren nördliche Hälfte anläßlich der Erbarsung der für den Güterverkeht bestimmten Verbindungsbahn zwischen der Dortmunder und Arnsberger Strecke von vier auf sieben Meter erbreitert wurde, wird nunmehr infolge des gesteigerten Verkehrsbedürfnisses auch in ihrer südlichen, zwölf Meter langen Hälfte auf die gleiche Breite gebracht. Die Ausführung dieser Arbeit ist bereits in Angriff ge**(Soldaten=Grüße.) Die nachstehenden Schwerter Musketiere vom Inf.=Regt. 136 fenden ihrer Vaterstadt die besten Grüße: Franke, Funke, Möller, Garroth, Brinkmann, Droste, Nocke, Cron, Sondermann, Dahlbüdding, Seegräff, Hening, Niebaum, Steden, Joseph, Bäcker, Inkobi, Kassel, Schäser, Scheit, Hoppe. Verantwortlich für die Redaktion Friede. Kraao Druck u. Verlag von Cael Braus, beide in Schwerte. Vplicht, deß Luhns Bold-“Fezigungeme sie Salm=Terp.=Kerpleite die dessen 1#..: ug tranfee Hausputz u. Wasche darstellen. Rein und kranstel. zu unserer„Billigen Woche“ sind in vollem Gange. Hervorragende Leistungen, die sich von den üblichen Angeboten des Alltags ganz gewaltig unterscheiden, werden wiederum unsere„Billige Woche“ kennzeichnen. Unsere Angebote bringen wir in einem Aseitigen Extra-Blatt, welches Samstag dieser Zeitung beiliegt. K Iserlohn. Heute frisch eintreffend: Irischer Schellfisch po. 25 pf. Kabliau u. Dorsch, 30 Sauerkraut„10„ Frankfurter Würsichen Paar 30„ empfiehlt 2518 für 9 Brückstraße 23. Bece In Silber und Gold erstelgert auf den Plandverkäufen werden zu den billigsten Preisen 4907 verkauft. DORTMUND Pfandleih-Anstalt Nicolalstr. 5 Balkenstr. 38 beim Bezirks- Kommando K. Lien& Comp. Sach 1eh Sscht uuer nülchobole GIOge von außerhalb f. alle Hausarbeit und Küche zum 1. Juni gesucht. 2508 Frau B. Mühlenhoff Schwerte, Moltkestr 39. zu kaufen. 2484 Mach, Bürenbruch b. Eraste. Ein tüchiges für halbe Tage(nachmittags) gesucht in besseren Haushalt nach Westhofen Näheres in der Exped d. Blattes. 2507 Gesucht wird nach auswärte zum 15. Juni ein evgl. tüchtigs sucht sofort 2400 Carl Baas Beckhaus=Mühle, Villigst. Tüchlige Grobzieher gesuchl. 9448 Leonhard Strack Unna i W., Massenerstr. 50. Kelahtener Werhzeugschlosser das schon in herrschaftlichem Hause gedient hat, für alle Hausarbeit und zur Hülfe kei sveziell für Schnitt= u Stanzenzwei kleinen Kindern. bau, für dauernde Beschäftigung Näheres ist in der Geschälts- und gegen hohen Lohn aus sostelle zu erfahren. 2524 sott gesucht. Offerten unter E. 2494 an Gesucht wird nach auswärts die Geschäftsstelle dsr. Itg. ein eogl. tüchtiges Mädchen für Garten und Hauea beit in herrschaftlichen Hals halt. Iu erfragen bei der„Sez 19 kr. Rele. Statt jeder besonderen Anzeige. Gestern abend, an dem Todestage ihres vor 6 jahren heimgegangenen Gatten, entschlief sanft nach kurzem schweren Kranksein unsere liebe herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Witwe Eemrer u. Tandwirt Frieurieh Mohler Friederike geb. Dahlbüdding im Alter von 62 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Ostberge b. Sölde, Schwerte und Westhofen, den 26. Mai 1915. Die Beerdigung fladet statt am Sonnabend nachmittag 3½ Uhr vom Sterbehause und 5 Uhr auf dem evang. Friedhof in Schwerte. Es wird höflichst gebeten, von Beileidsbesuchen absehen zu wollen. Neue Besatz- und jakettknöpfe Neue geblümte u. karierte Be1957 satzseide Neue aparte Blusenkragen empfiehlt in grosser Auswahl und jeder Preislage Kaufhaus Oito Marx Schwerte, Ostenstr. 20. 93 Habe täglich 20—25 Liser Milch abzugeben. Habe 8 Wochen alte Ferkel zu verkaufen. 2511 Frenhen, Villigst. Dichagse Vordeaux=Rotwein Bezug in Original=Oxhoff=Fässern. Eigene Abfüllung, daher billigste Preisberechnung, per Flasche 1.10, 1.30, 1.50 und 200 Mk. inkl. Flasche Carl Raffin. Gasthof„Jur Helle“ Telephon 251. 10WochenFerkel gibt ab 2512 Holzen. Kuntel. rüben sind zu haben 2519 Hagenerstr. 35. Instinet Boltz Prasz- Abten Imanen: Thör Droen bre Wohnungen Holzener Dampfziegelei. 5 Himmer= Wohnung mit Jubehör sofort, 2 HimmerWohnung mit Jubehör per 1. Juni zu vermieten, mit Garten und Ackerland. 2357 Holzener Dampfziegelei, Holzen Braupaarß sucht zum 1. Juni eine Wohnung von 2 oder 3 Zimmern. Offert u. E 2509 an d Gesaäftsstelle d. Zea 30 bis 60 Liter Vollmilch sind täglich abzugeben. Auskunft erleilt die Geschäft:stelle dieses Blattes. 2529 Nachruf. Am 22. Mai starb den Heldentod für's Vaterland infolge Unglücksfalles der Unteroffizier der Reserve Gustav Frommholz aus Hohensyburg. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen einen braven Kameraden, der sich durch sein edles Wesen und seinen echt kameradschaftlichen Sinn unser aller Liebe erworben hat. Wir bedauern sein frühes Hinscheiden und werden ihm stets ein treues Andenken bewahren. 2522 Das Unterollzier-Korps ## der s. Komp. Füs. Regl. von Steinmetz. Wermuthwein 1.20, Magenstärkend, p. Lir. Apfelwein uu. 45 2521 empfiehlt Kaufhaus für Lebensmittel Brückstraße 23. Grasverkäufe in Schwerte. Sonnabend, den 29. ds. Mis. und zwar: Nachmiltags 5 Uhr in der Pastorat= und Munkenbeckswiese am Mühlengraben unterhalb des Schützenhofes und Nachmittogs 6 Uhr in der städtischen früher Fürstenbeig'schen Wiese an der Liethe a. d. Ruhr nummerweise meistbietend an Ort und Stelle. Zu sämtlichen Wiesen kommen beide Schnitte zun Verkauf. Schwerte, im Mai 1915. 2391 Hohenschwert. Bekanntmachung. Die Auszahlung der Einquartierungsgelder für die Einquartierung im Monat April d. Is., erfolgt am 27. und 28. Mai ce, vormittags 8—12 Uhr an der Stadtkasse hierselbst. 2488 Schwerte, den 22 Mai 1915. Der Bürgermeisler: Rohrmann. KS Sshn Kn 2 5 23 * Om 9 2 3* S * r Ee □ 8 *+ 00 Er8 9. S 55 * Sc•• „ rechigiert von Lotte Sonntag. *—— Laufenlernen. Liebes, kleines Mägdelein, * Lern' doch endlich laufen, . Tann wird Mutter dir auch gleich Neue Schuhe kaufen. Nur der erste Schritt ist schwer, Komm, versuch's, mein Kleines, *. E r s t e i n S c h r i t t c h e n, d a n n n o c h e i n s, *:. Und nachher noch eines. Mutter wartet hier auf dich, Brauchst dich nicht zu bangen," Mutter streckt die Arme aus, . Wird das Kindchen fangen. Komm zur Mutter, kleiner Schatz, Schritt für Schritt bedächtig, Hei, da ist das Kindchen schon, Bravo, das ging prächtig! 80 Das Geld. In alten Zeiten kannte man kein Metallgeld, sondern man betrieb Tauschhandel, d. h. die Leute tauschten Tinge, an denen sie Ueberfluß hatten, gegen solche ein, die sie nötig brauchten. So wird es auch heute noch bei niedrig stehenden Völkern gemacht, und die Europäer tauschen in ihren Kolonien oft wertvolle Waren gegen ganz wertlose ein, weil die letzteren von den Eingeborenen geschätzt werden. So wird in unseren afrikanischen Kolonien vielfach Elfenbein und Palmöl gegen Glasperlen, bunte Bänder, billige Baumwollstofse, Messer, Pfeisen u. dgl. eingehandelt. Die alten Germanen pflegten ihre Schulden mit Pferden, Ochsen, Lämmern und sonstigem Vieh zu bezahlen. In der heutigen Zeit, bei unseren hochentwickelten Handels= und Verkehrsverhältnissen wäre solcher Tauschhandel nicht mehr möglich, unsere Bedürfnisse sind zu vielseitig geworden. Die Kulturvölker des Altertums hatten auch bereits Metallgeld eingeführt; das Handelsvolk der Phönizier war wahrscheinlich das erste, das Gold= und Silbermünzen prägte. Von den Phöniziern nahmen die Juden, und später auch die anderen gebildeten Völker dies Verkehrsmittel an. Griechenland und Rom prägten Messing= münzen, die Spartaner unter Lykurg eiserne. Die Münzen aus Edelmetall kamen erst später allgemein zur Einführung. Heute verwenden wir zur Herstellung der Münzen Kupfer, Nickel, Silber und Gold. An jeder Münze unterscheidet man die vordere oder Kopfseite und die hintere oder Wappenseite. Erstere trägt gewöhnlich das Bild des Herrschers, in dessen Land die Münze geprägt wurde(daher die früheren Bezeichnungen Louisdor, Friedrichdor, Napoleondor usw.), letztere das Wappen des Landes. Die Schrift, die rund herum läuft, wird Legende genannt, der untenstehende Buchstabe die Münzstätte, und zwar bezeichnet A immer die erste, so bei deutschen Reichsmünzen Berlin, bei österreichischen Wien usw. Seit dem Jahre 1872 besitzt das Deutsche Reich Goldwährung, d. h. Gold ist das gesetzliche Zahlungsmittel, größere Beträge sollen in Gold bezahlt werden. Früher hatte Teutschland Silberwährung. Manche Länder haben auch Toppelwährung, so daß große Zahlungen in beiden Münzsorten geleistet werden können; die meisten Staaten jedoch haben Goldwährung, weil dies den ausgedehnten Handelsverkehr erleichtert. 2 Bestrafte Tücke. Als im 30jährigen Krieg die Schweden in Flensburg waren, hatten die Bewohner eben eine Schlacht gewonnen, und ein gemeiner Soldat erhielt einen Wachposten auf dem Schlachtfelde. Mit Mühe und Not war es ihm gelungen, eine Flasche Bier für seinen Durst zu erlangen. Als er sie eben ansetzen wollte, hörte er eine flehende Stimme neben sich und erblickte einen Schweden, dem beide Beine abgeschossen waren und der inständig um einen Trunk bat. Der Soldat neigte sich über den Verwundeten, um ihn trinken zu lassen, da griff der hinterlistige Schwede nach seiner Pistole und schoß auf seinen Wohltäter. Aber zu dessen Glück ging der Schuß fehl. Da setzte er ruhig die Flasche an den Mund, trank sie zur Hälfte aus, und reichte sie dann dem Sterbenden mit den Worten:„So, du Schlingel, zur Strafe für deine Tücke bekommst du jetzt nur die Gülter.... Geugenheit, une 8 Später hörte der Konig von der Begevenhen, und er verlieh dem Soldaten ein Wappen mit einer halbgefüllten Flasche, das dessen Nachkommen, die noch ins Flensburg ansässig sind, noch heute führen. Rätsel. Mit V habt ihr es alle lieb, Mit K ist's oft ein schlimmer Dieb, Mit P ist's ein Mönch, laßt den Fuß verschwinden, Und bei der Taufe ist's zu finden. Zusammensetzrätsel. Wenn du das erste Wort gemacht, So sei aufs Wiedergeben bedacht, Das zweite Wort man ohne Fuß Beim Beten immer sagen muß, Setzt du den Fuß ihm wieder an Und schickst das erste Wort voran, So steht das Bauwerk fest darauf, Und ohne es führt man's nicht auf. (Die Rullölungen der Rättel un, erlolgen in der nächsten „Kinderlaube“. D. Red.) Austösungen der Rätsel aus der vorigen„Kinderlaube“: Scherzsilbenrätsel. Sirene. * Scherzfrage. ZEHN * Vergrabene Elbe, Main, Eider, Maas, Wupper, Elster. 44 2= S STöE S SS3SE: Si 2** K SSSS: K 8 3 1 *SSS SOTTS TEESTTSOSTTTTRR S F g * S 0n BSOSES 2.** S 2 OSEGSe güg sGTar Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde S 47. Jahrgang O Grlles und öteltes Cagesorgan des Krelles. O baugk-Annoncenblag Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 121. Art läßt nicht von Art. Roman von H. Hill. (17. Fortsetzung.) auf einen gibt es für Pfad, um herauszua wären wir also glücklich Holzweg geraten, und jetzt uns nur einen einzigen wieder aus dem Walde kommen. Je schneller wir ihn einschlagen, desto rascher und sicherer werden 3%“ wir am Ziele sein. Geh jetzt vor allem hinunter, um den Mann abzufangen, den wir erwarten, und um ihm zu sagen, daß wir seiner für je t nicht bedürfen.— Ah, da ist er schon, wie ich vermute.“ Die letzten Worte waren durch das schrille Anschlagen der Hausglocke veranlaßt worden. Weigelt aber zauderte noch, dem Befehl zu gehorchen, indem er mit einem ungewissen Blick zu der Komtesse hinübersah. Der Mensch auf dem Bette mußte wohl erraten, was ihn zögern ließ, denn er fuhr ungeduldig fort: „Hier wird alles seine gehörige Ordnung haben darum brauchst du dir keine Sorge zu machen. Die Johannsen und ich, wir sind vollkommen ausreichend, um dafür zu sorgen, daß das gnädige Fräulein sich ruhig verhält. Aber damit die gebotene Vorsicht nicht außer acht bleibe, kannst du ja zum Ueberfluß die Tür dieses Zimmers hinter dir verschließen. Bis du zurückkommst, wird sich nichts Schreckliches zwischen uns dreien ereignet haben." Der Kammerdiener nickte und ging. Aber Edith bemerkte sehr wohl, daß er, bevor er die Tür hinter sich schloß, einen raschen Blick des Einverständnisses mit der angeblichen Hausdame tauschte. Es erschien ihr wie ein Einverständnis, in das der Graf nicht mit eingeschlossen war. Aber wenn sie daran irgendweiche Hoffnungen für sich selbst hätte knüpfen wollen, so würde sie rasch genug enttäuscht worden sein durch den Ausdruck des Hasses, den sie alsbald in den auf sie gerichteten, stechenden Augen des Fräulein Johannsen lesen konnte.m 119 Sie verharrte noch immer in einem stoizen und verachtungsvollen Schweigen. Es war gewiß nicht Furcht oder Unentschlossenheit, was ihr die Kehle zusammenschnürte. Ihre Entschlüsse waren gefaßt, und nichts in der Welt würde imstande sein, sie zu erschüttern. Aber sie wollte abwarten, was man in bezug auf sie beabsichtigte, ehe sie handelte, und darum hinderte sie den Elenden, der ihr Schicksal in seinen Händen zu haben glaubte, nicht, sich weiter in höhnischen Reden zu ergehen. „Sie sind allzu klug gewesen, meine Gnädigste, sagte er, nachdem er sie lange angesehen hatte.„Und Sie haben uns damit vortrefflich in die Hände ge(Nachdruck verboten.) arbeitet. Hoffentlich sind Sie ja in diesem Augenblick eingedenk, daß niemand etwas von Ihrem Hierst weiß, und daß Ihre Angehörigen Sie nicht finden würden, auch wenn sie Hinmel und Erde zi Zweck in Bewegung sebten.“„hnische Sies aufagh Und dann, indem er das höhniche„Sie ungur und wieder zu der gewohnten, vertraulicheren Anrede zurückkehrte, fügte er hinzu: „Selbst wenn du das Unglück hättest, hier dein Leben zu verlieren, würden deine Mutter und dein Großvater um die Genugtuung kommen, den Ruhm deiner Tugenden auf die Nachwelt zu bringen, denn sie würden nie erfahren, wo sich deine letzte Ruhestätte — wie es so poetisch in den Romanen heißt— be„Rechnen Sie nicht zu sest darauf; erwigente die Komtesse, die noch immer ihre Haltung bewahrte. „Wer bürgt Ihnen dafür, daß ich meiner Faman nicht doch eine Mitteilung über meinen gegenwärtigen Aufenthalt habe zukommen lassen?“ „Wer mir dafür bürgt?" lachte er.„Meine eigenen Augen und Ohren. Noch an diesem Morgen bin ich auf Schloß Donnersberg gewesen und habe mich davon überzeugt, daß sie dort in voller Unkenntnis darüber waren. Dein überschlauer Vetter von Reckenburg hat sich, wenn ich nicht irre, aufgemacht, dich zu suchen. Aber ein von mir gewähltes Versteck aufzuspüren, ist er denn doch nicht schlau genug. Du bist also zum letzten Male vor die Ent cheidung gestellt, und ich rate dir dringend, dich nach der vernünftigen Seite hin zu entschließen. Denn die Folg könnten schlimmer sein, als du dir's traumen la#t. Aber ich bedauere, dir nur sehr wenig Zeit zur Ueberlegung lassen zu können— nicht mehr als ein paar Minuten. Denn sobald Weigelt wieder da ist, muß die Sache ins reine gebracht werden— so oder so. Edith stand unbeweglich und würdigte ihn keiner Antwort mehr. Aber sie war gewillt, ihre Ehre und ihr Leben zu verteidigen bis auf den letzten Blutstropfen. 10 G45i 50. Kaptlel. Während er vor dem Gebäude der Polizeidirektion auf die Rückkehr des Freiherrn von Reckenburg wartete, war Doktor Odemar eine Beute verz veiselter Sorgen und tieftrauriger Gedanken. Die von dem Regierungsassessor untemnommenen Schritte hatten ihn nicht mit Vertrauen auf einen Erfolg erküllen können. Er sah nicht, wie man mit alledem die Gefahr abzuwenden vermöchte, von der er nach den Enthüllungen des 2 2 TSgE **-BBDKE r Saa Majors Brandenfels die Komtesse bedroht wußte, und das Bewußtsein seiner eigenen Ohnmacht drückte ihn schwer danieder. Da plötzlich fühlte er sich wie von einem elektrischen Schlage durchzuckt, und seine Augen öffneten sich weit. Es war kein Zweifel: der Insasse der Autodroschke, die soeben, durch die Lebhaftigkeit des Verkehrs dazu genötigt, in ziemlich mäßigem Tempo an ihm vorübergefahren war, konnte kein anderer gewesen sein als der junge Graf Donnersberg. Dies widerwärtige Gesicht mit dem charakteristischen Muttermal und dem boshaften Ausdruck würde er ja unter tausenden auf den ersten Blick erkannt haben, und eine Täuschung war gänzlich ausgeschlossen. In demselben Moment, wo er diese Gewißheit gewonnen hatte, war auch sein Entschluß schon gefaßt. Er mußte diesen Menschen verfolgen und durfte ihn um keinen Preis wieder aus den Augen verlieren. Sein eigener Chauffeur war eben von dem Fahrersitz herabgeklettert und machte sich an der Maschine zu schaffen. Doktor Odemar neigte sich zum Wagenfenster hinaus und rief ihm in hastigen, sich fast überstürzenden Worten zu:.., ert, 9.1, „Sehen Sie das gelbiackierre Auto dort? Sie müssen auf der Stelle hinterherfahren und müssen ihm folgen, gleichviel wohin es gesteuert wird. Und Sie müssen zugleich achtgeben, daß weder der Chauffeur noch der Insasse etwas von der Verfolgung bemerkt. Wenn Sie bis zu dem Augenblick, wo der Fahrgast aussteigt, die Spur des Wagens nicht verloren haben, zahle ich Ihnen hundert Mark.“ Das war eine Verheißung, die den Chauffeur nicht lange zaudern ließ, und die ihn mit einem wahrhaft hingebenden Eifer beseelte. Er fragte nicht lange, ob der Herr, der ihn engagiert und ihm befohlen hatte, hier zu warten, mit den veränderten Dispositionen einverstanden sein würde. Er fragte überhaupt nichts, sondern schwang sich mit der Behendigkeit eines Gymnastikers auf seinen Sitz und setzte sein Gefährt in Bewegung. Die gelblackierte Autodroschke war glücklicherweise noch nicht außer Sehweite, und innerhalb weniger Sekunden hatte er sich ihr so weit genähert, daß er sie, immer in gleichem Abstande hinterher fahrend, bequem im Auge behalten konnte. Die beiden Fahrzeuge durchmaßen auf solche Art zunächst einige der belebten Hauptstraßen, um dann die Richtung nach der Nordvorstadt einzuschlagen, die in ihrer ersten Hälfte von der anständigen Arbeiterschaft, an der Peripherie aber von allerlei bedenklichem, lichtscheuem Gesindel bevölkert war. Hier wurden die Straßen immer schmutziger, die Häuser immer kahler und häßlicher. Es gab da Gassen und Winkel, denen man es ohne weiteres ansah, daß sie vortrefflich geeignet sein mußten, dem Laster und dem Verbrechen als Zufluchtsstätte zu dienen, und während er mit gespannter Aufmerksamkeit durch das Wagenfenster spähte, erschauerte Doktor Odemar bei der Vorstellung, daß man die Komtesse in dies wüste Viertel verschleppt haben könnte. Die Verfolgung mochte ungefähr zwanzig Minuten gewährt haben, als der Chauffeur seinen Wagen an die Bordschwelle lenkte und haltmachte. Mit einem Satz war der junge Schriftsteller auf dem Pflaster. Mit ausgestreckter Hand deutete der Fahrer nach vorn. „Da hält die andere Droschke. Der Herr, der ausgestiegen ist, hat sich in die Querstraße hineinbegeben. Wenn Sie ihn erwischen wollen, müssen Sie sich wohl beeilen.“ Ohne Besinnen drückte ihm Doktor Odemar den bereitgehaltenen Hundertmarkschein in die Hand. Auf die hinterher gerufene Frage des Chauffeurs aber, ob er hier warten solle, antwortete er ohne Ueberlegung mit einem Nein. Er erreichte im Laufschritt die Seitenstraße, eine schmale Gasse mit alten, düsteren Häusern, die sich des Vorzugs elektrischer Beleuchtung noch nicht zu erfreuen hatte, und mit einem tiefen Aufatmen der Erleichterung sah er, daß er noch nicht zu spät gekommen war. Der Graf stand im Gespräch mit einem anderen Manne, von dem er allem Anschein nach hier erwartet worden war, und ein paar Sekunden später setzten sie sich beide Seite an Seite in Bewegung, um die Straße hinabzugehen. Odemar folgte ihnen in kurzer Entfernung nach, sich so dicht an den Häuserwänden haltend, daß sie seiner auch bei zufälligem Umschauen nicht gewahr werden konnten, und er sah, wie sie die Stufen emporstiegen, die zur Eingangstür eines der letzten Häuser führten. Zwei Minuten später hatte er unter dem Torweg des gerade gegenüberliegenden, anscheinend ganz unbewohnten Gebäudes einen Schlupfwinkel gefunden, von dem aus er ohne Gefahr, seinerseits bemerkt zu werden, das Haus auf der anderen Straßenseite einer eingehenden Musterung unterziehen konnte. Aber diese Musterung sagte ihm sehr wenig. Mit Ausnahme eines einzigen Fensters im untersten Stockwerk war alles in Dunkelheit gehüllt. Die Bewohner des Hauses mußten also ausschließlich die nach hinten gelegenen Räumlichkeiten benutzen. Vielleicht hatten sie triftige Gründe, sich der Möglichkeit einer Beobachtung von der Straße her zu entziehen. Doktor Odemar überlegte, was er nun weiter tun solle. Gewiß war es ein außergewöhnlicher Glücksfall gewesen, der ihm den Grafen in den Weg geführt und ihm die Verfolgung seiner Spur bis hierher ermöglicht hatte. Aber es kam jetzt alles darauf an, diesen Glücksfall auch auf die rechte Weise zu nutzen und keine Torheit zu begehen, durch die alles wieder in Frage gestellt werden konnte. Und daß es eine Torheit sein würde, jetzt einfach hinüberzugehen und Einlaß zu begehren, mußte sich der Doktor nach kurzem Besinnen sagen. Wenn es da drinnen wirklich etwas zu verbergen gab, so würde man ihm einfach den Eintritt 1 verweigern, und da er kein Mittel besaß, ihn zu erzwingen, würde der Erfolg seiner Einmischung lediglich darin bestehen, daß sein Todseind gewarnt war und Zeit gewonnen hatte, seine Vorkehrungen zu treffen. Ebensowenig aber glaubte Odemar seinen Beobachtungsposten verlassen zu dürfen, um sich etwa mit dem Senator und dem Freiherrn von Reckenburg in Verbindung zu setzen, oder um auch nur eine Polizeiwache aufzusuchen. Darüber konnte viel kostbare Zeit verloren gehen, und wenn sich der Graf inzwischen aus dem Hause entfernte, so war möglicherweise seine Spur aufs neue verloren. Nach reiflicher Erwägung aller in Betracht kommenden Eventualitäten gelangte der Schriftsteller endlich zu dem Schluß, daß ihm nichts anderes übrigblieb, als hier zu warten, bis ein Schutzmann oder sonst eine Vertrauen erweckende Persönlichkeit vorüberkam, deren er sich zur Uebermittlung einer Botschaft an den Senator bedienen konnte. Hätte er geahnt, daß in diesem Augenblick bereits sämtliche Polizeiämter der Stadt telegraphische Weisung erhalten hatten, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln nach dem Grafen Donnersberg zu fahnden, so würde er es freilich doch wohl vorgezogen haben, sich mit der nächsten Wache in Verbindung zu setzen, um so eher, als seine Hoffnung auf die Unterstützung durch einen Vorübergehenden immer geringer wurde. Die Straße schien trotz der verhältnismäßig frühen Stunde wie ausgestorben, und wenn ja einmal ein Passant des Weges kam, so war er sicherlich von nichts weniger als Vertrauen einflößendem Ausseben..„ I. machte schon dir: reshlch Da aber— der Dottor mochte schon eine reichiiche halbe Stunde gewartet haben— ereignete sich etwas Unvorhergesehenes, das seinen Entschlüssen mit einem Schlage eine ganz bestimmte Richtung gab. (Fortsetzung folgt.) Denkspruch. Alles Alie, loweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir eigentlich jeben. Cheoder Fonlane. Geistesarbeit und Schlaf. (Nachdruck verboten.) Nicht jedem Menschen ist es gegeben, die Stunden des Schlafes ganz nach seinem Willen einzurichten; besonders Menschen, deren physiologisches Gleichgewicht gestört ist, leiden an Schlaflosigkeit. Einer, der in dieser Hinsicht von der Natur in geradezu bewunderungswürdiger Weise ausgestattet war, war Kaiser Napoleon. Er schlief wann und wie er wollte. Offenbar verdankte er diese Eigenschaft seiner Mutter. Er schlief höchstens fünf bis sechs Stunden, meistens bedeutend weniger. Ging er Mitternacht zu Bett, so konnte er bereits drei Stunden darauf nach einem ungestörten Schlummer plötzlich erwachen, seinem Diener läuten, einen Schlafrock anlegen und in sein Arbeitszimmer treten. Dort studierte er dann die Berichte seiner Minister und seiner Generale.„Im Kriege erfuhren seine Gewohnheiten kaum irgendwelche Veränderung. Der Palastmarschall Duroc erzählt, daß er Napoleon nicht nur am Vorabend einer Schlacht, sondern während der Schlacht selbst habe schlafen sehen. Der Kaiser selbst erklärte dies mit folgenden Worten:„Ich konnte nicht umhin, zu schlafen, wenn ich Schlachten lieferte, die drei Tage dauerten; die Natur verlangte ihr Recht. Ich nahm den kleinsten Augenblick wahr, ich schlief, wann und wo ich konnte.“ Er fügte hinzu, daß dieser Schlaf ihm den Vorteil bot, in Ruhe die Berichte seiner Offiziere und das Zusammenarbeiten aller seiner Divisionen abzuwarten, ohne sich von Augenblickseindrücken fortreißen zu lassen. Napoleon hatte einen tiefen und ungestörten Schlaf. Der Graf von Las=Cases hat erzählt, daß man während eines Feldzuges den Kaiser aus irgendwelchen unvorhergesehenen Gründen wecken mußte, worauf er sich sofort erhob, ohne daß man an seinen Augen oder an seiner Stimme erkennen konnte, daß er soeben geschlafen hatte, er gab seine Befehle mit derselben Klarheit und mit derselben Geistesfrische wie am frühen Morgen nach einem tiefen Schlummer. Ebenso leicht schlief er wieder ein, als wenn er niemals im Schlafe gestört worden wäre. Richelieu pflegte während eines Teiles der Nacht zu arbeiten. Er ging gewöhnlich gegen 11 Uhr zu Bett und schlief niemals mehr als drei oder vier Stunden. Dann ließ er sich Licht und sein Portefeuille bringen, um selbst zu schreiben oder einem Sekretär zu diktieren, worauf er wieder gegen sechs Uhr schlasen ging und nicht vor 8 Uhr aufstand. In seiner Nähe mußte sich stets ein„Nachtsekretär“ aufhalten, an dessen Stelle je nach den Umständen sein Arzt, sein Apotheker oder irgendeine andere Person in seinen Diensten trat. Von Bossuet ist bekannt, daß er siebzehn Jahre lang nachts arbeitete. Solange er Bischof von Meaux war und nach Beendigung der Erziehung des Dauphin nicht mehr nötig hatte, am Hofe zu schlafen, gewöhnte sich Bossuet daran, mitten in der Nacht seinen Schlaf zu unterbrechen und aufzustehen. Zu diesem Zweck mußte sich stets in seiner Nähe während der ganzen Nacht eine brennende Lampe befinden. Von dieser Gewohnheit ließ er auch auf Reisen nicht. Wie Bossuet verbrachte auch Madame du Chatelet, die Schülerin von Newton und die Freundin Voltaires, jede Nacht bei der Arbeit. Sie stand um 9 oder 10 Uhr des Morgens, bisweilen sogar schon um sechs Uhr auf, selbst wenn sie sich erst um 4 Uhr zu Bett gelegt hatte. Der große Maler Girodet malte nur während der Nacht. Oft legte er sich um drei Uhr nachts nieder, und um sieben Uhr hatte er noch kein Auge geschlossen. Seine Hand ruhte, aber seine Phantasie malte weiter. Der Naturforscher Lacépéde schlief nur etwa vier Stunden, von 9 bis 11 Uhrtabends und von 3 bis 5 Uhr morgens. Der berühmte Benedektiner Littré ging meistens um drei Uhr morgens zu Bett, um um acht Uhr wieder aufzustehen. Was Balzac betrifft, so ist seine Arbeitsmethode bekannt. Nach einem einfachen Mahl legte er sich abends gegen sechs oder sieben Uhr nieder, ließ sich um Mitternacht wecken, nahm einen sehr starken Kassee zu sich und setzte sich bis Mittags an seinen Arbeitstisch. Michelet nahm ebenfalls als Erfrischungsmittel starken Kaffee zu sich; sobald er um sechs Uhr aufstand, stürzte er die erste Tasse hinunter. Auch die meisten Staatsmänner und Gelehrten haben die Gewohnheit gehabt, zu früher Morgenstunde aufzustehen. Sulky, der Minister Heinrichs IV. erhob sich regelmäßig um vier Uhr. Lord Brougham, der arbeitsamste der Engländer, verließ seine Lagerstatt um dieselbe Stunde. Fontenelle, der fast hundertjährig starb, stand regelmäßig um fünf Uhr auf, Lenné sogar schon um drei Uhr, während Thiers immer um fünf Uhr bei seiner Arbeit war. Lamartine hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, niemals nach sechs Uhr abends zu lesen oder zu schreiben. Er verbrachte seine freien Stunden mit leichter Konversation und verschob die geistige Arbeit auf die Nacht, die ihn gegen vier Uhr am Schreibtische fand. NP. vergangenen Tagen. Eine„Doktorfrage" Friedrich Wilhelms I. In den Akten der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin findet sich ein Aktenstück, das ein interessantes Licht auf die Beziehungen König Friedrich Wilhelms I. zu den Gelehrten seiner Zeit wirft. Der König war bekanntlich kein solcher Freund der Wissenschaften, wie sein großer Sohn Friedrich II., er rieb sich im Gegenteil sogar gern an Gelehrten, wo sich irgend Gelegenheit bot. So gab er einst der Berliner Akademie auf, die Ursache des Champagner= brausens zu erklären. Mehrere Mitglieder ärgerten sich sehr über den absichtlichen Spott des Königs, aber einer der Herren besaß Humor und Freimut genug, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Auf seinen Vorschlag schrieb die Akademie Seiner Majestät untertänigst zurück: sie würden dem Allerhöchsten Befehl sofort nachkommen, wenn ihr fünfzig Flaschen Champagner aus dem königlichen Keller zu den nötigen Versuchen geliefert würden. Friedrich Wilhelm zog es vor, unbekannt mit der Ursache des Brausens zu bleiben. Sein trefflicher Minister Ilgen konnte dem Monarchen nur dadurch den Wert von Büchern plausibel machen, daß er ihm bewies: wenn es kein Studium der Geschichte gäbe, würde man auch später nichts von Seiner Majestät und Dero lieben, blauen Kindern wissen.(Anders nannte nämlich der König nie seine Potsdamer Riesengarde, deren Regiment sein Sohn und Nachfolger Friedrich II. indes unmittelbar nach seinem Regierungsantritt auflöste.) Bumpr. Durch Güte. Jost:„Ich habe mir sagen lassen, daß man einen Menschen auch durch Güte zu Tode quälen kann!" Trost:„Ach, deshalb bist du wohl so liebenswürdig gegen deine Schwiegermutter?"