für den kreis börde Holzwickeder Zeitung ummit Hplerbecker Zeitung Lam SOwerner Dollazelung I. g. 1.9, Amtliches Kreisblatt — wd] Westhofener Zeitung m. S dierer., Wenn, Langscheder Zeitung rteinaesien. Lang Verbunden mit! Druch u. Verlag o. .99. Trou=Schoune=Rat #s Stumm deuuer uben danrd auder Feiertags. Bezugsprets M. 10 viertelJädritch, dei der Post iür Bestellgeld 42 Piemehr. Wöchentl. Grakisdeilage:„Ikustriertee Samillenfruns“ u. M4gl. Uaterbaltungsbient. Anzeigenpreis: Die siedengespaltene Petttzeile oder deren Roum 10 Pig., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Reklamezelle 40 Pig. Jeder Rabalt gilt als Kassarubalt u. ertlicht bei RonAucsen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Retachund erah. Sottnstetesns Schwerter Volksblan Schwerker Tageblatt O Schwerter Anzeiger Grites und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis börde o Haupt-Kononcenblan Nr. 119. Dienstag, den 25. Mai 1915. 47. Jahrgang. au. artg, end bohelgnligrlichen Dremz. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bedaantnochung dei Röaiglichen Regierung durch Verössentlichung io dei„Schwerter Zeitung" rechtsverdindliche Krafi.— Die „Schwerfer Zeitung“ gewährt ihren Adoanen. echrree.. Lagungen: 300 Mk. Unfall. Der VertalD... hat die E Die italien. Kriegserklärung Die Würfel sind gefallen. Ein Staat, der seit über 30 Jahren sich zum Dreibund zählte, der unter den Fittichen Deutschlands und Oesterreich= Ungarns den Aufstieg zur Großmacht unternehmen konnte, hat sich gegen seine biherigen Gönner und Freunde gewandt in der Hoffnung, diesen, in einem gewaltigen, beispiellosen Ringen begriffenen Mächten den Todesstoß versetzen zu können. Nie ward ein größerer Treubruch, schlimmere politische Hinterlist verübt, als hier von der italienischen Regierung. Die Macht, die bei Anbruch dieses Weltkrieges ihre bisherigen Freunde unter streng formeller Auslegung der Bündnisbestimmungen im Stiche ließ, erschwerte sofort den verbündeten Kaisermächten die Kriegslage, indem sie durch die Erklärung strengster Neutralität Frankreich in den Stand setzte, seine Truppen von der italienischen Grenze zu entfernen und sie dem dautschen Heere entgegenzuwersen. War dies schon ein nur mühsam verkleisterter Wortbruch, so ließen die nunmehr; mit den Dreiverbandsmächten einsetzenden Verhandlungen Italiens erkennen, daß die Regierung Salandra=Sonnino auch vor dem offenen Verrate nicht zurückschrecken werde. Bereits reden die Kanonen auch an der italienischen Grenze ihre eherne Sprache. Treu zur Seite seines schmählich verratenen Verbündeten steht Deutschland. Und nun strafe Deutschlands und der Donaumonarchie blankes Schwert, das bisher so erfolgreich die Sache des Rechts und der Gerechtigkeit verfocht, Hinterlist und Treulosigkeit, die nie schmählicher offenbar ward in der Weltgeschichte, als durch das Verhalten italienischer Staatsmänner. Vertrauen wir einer strafenden Gerechtigkeit, die den Bruch geschworener Treueide an den Schuldigen zu rächen wissen wird. Die Grirgslage während der Pfingfnage. Die Berichte der deutschen Heeresleitung. W. T. B. Wien, 23 Mai. Der ital. Botschafter überreichte dem Minister des Aeußern die Erklärung seiner Rezierung, daß Italien sich ab morgen als im Kriegszustande mit Oesterreich= Ungarn befindlich betrachte. Der Wortlaut der Kriegserklärung. wtb Wien, 24. Mai.(Nichtamtlich.) Der Text der vom Königl. italienischen Botschafter dem k. und k. Minister des k. und k. Hauses und des Aeußeren übermachten Kriegserklärung hat folgenden Wortlaut: Wien, 23. Mai. Den Befehlen Seiner Majestät des Königs, seines erhabenen Herrschers, entsprechend, hat der unterzeichnete Königlich italienische Botschafter die Ehre, Seiner Exzellenz dem Herrn österreichisch= ungarischen Minister des Aeußeren folgende Mitteilung zu übergeben: Am 4. Mai wurden der K. und K. Regierung die schwerwiegenden Gründe bekannt gegeben, weshalb Italien im Vertrauen auf sein gutes Recht, den Bündnisvertrag mit Oesterreich=Ungarn, der von der K. und K. Regierung verletzt worden war, für nichtig und von nun an als wirkungslos erklärte und seine volle Handlungsfreiheit in dieser Hinsicht wiedererlangt hat. Fest entschlossen, mit allen Mitteln, über die sie verfügt, für die Wahrung der italienischen Rechte und Interessen Sorge zu tragen, kann die Königl. Regierung sich ihrer Pflicht nicht entziehen, gegen jede gegenwärtige und zukünftige Bedrohtung zum Zwecke der Erfüllung der nationalen Aspirationen jene Maßnahmen zu ergreifen, die ihr die Ereignisse auferlegen. Seine Majestät der König erklärt, daß er sich von morgen ab als im Kriegszustande mit Oesterreich= Ungarn besindlich betrachtet. Der Unterzeichnete wtb. Großes Hauptquartier, 22. Mai 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Zwischen der Straße Eslaires=La Bassee und Arras kam es gestern zu erneuten Zusammenstößen Südwestlich Neuve=Chapelle wurden mehrere zu verschiedenen Zeiten setzende englische Teilangriffe abgewiesen. Eine Anzahl farbiger Engländer wurden hierbei gefangen genommen. Weiter südlich bei Eivenchi wird noch gekämpft. Französische Angriffe, die sich gestern abend gegen unsere Stellungen an der Lorekto=Höhe, bei Ablain und Neuville richteten, brachen meist in unserem Feuer zusammen. Ein weiterer nächtlicher französischer Vorstoß nötdlich Ablain erreichte unsere Gräben, der Kampf ist dort noch nicht abgeschlagen. Auf der übrigen Westfront fanden nur Artilleriekämpfe an verschiedenen Stellen, besonders zwischen Maas und Mosel, statt. Südwestlich Lille und in den Argonnen verwendete der Feind Minen mit giftigen Gasen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Westlich der Windau in der Gegend von Schawdiny kam es zu Reiterkämpfen, bei denen ein Regiment der russischen Ussuri=Reiterbrigade arfgerieben wurde. Einzelne russische Nachtangriffe wurden abgewiesen. Die Zahl der Gefangenen aus den Kämpfen östlich Podubus stieg um 300. Ablain gelang es dem Feinde, bei dem schon gemeldeten nächtlichen Vorstoß, in einem kleinen Teile unseres vordersten Grabens Fuß zu fassen Nördlich Neuville gewannen wir durch Angriffe etwas Gelände, nahmen 90 Franzosen gesangen und erbeuteten 2 Maschinengewehre. Zwischen Maas und Mosel fanden wiederum heftige Artilleriekämpfe statt. Ein Angriff des Feindes im Priesterwalde wurde abgeschlagen. Oestlicher Kriegsschauplatz. In der Gegend von Szawle griffen wir den russischen Nordflügel an und schlugen ihn. 1600 Gefangene, 7 Maschinengewehre waren die Beute. Ein feindlicher Gegenstoß in der Nacht scheiterte. An der Dubissa wurden stärkere gegen die Linie Misiuny=Zemigola gerichtete russische Nachtangriffe abgewiesen. 1000 Gefangene blieben bei uns zurück. Südlich des Niemen schlug ein feindlicher Nachtangriff nördlich Pilwiszki fehl. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentliche Aenderung. wtb. Großes Hauptquartier, 23. Mai 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Givenchy sind Nahlämpfe, die für uns günstig verlaufen, noch im Gange Weiter südlich wurden französische Angriffe an der Straße Bethune=Lens auf dem Rücken der Lorekto=Höhe abgewiesen. Dicht nördlich hat die Ehre, Seiner Exzellenz dem Herrn Minister des Aeußeren gleichzeitig mitzuteilen, daß noch heute dem K. und K. Botschafter in Rom die Pässe werden zur Verfügung gestellt werden, uund er wäre Seiner Exzellenz dankbar, wenn ihm die seinen übermittelt würden. gez. v. Avarna. Großes Haupiquartier, 24. Mai 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Mehrere heftige englische Vorstöße zwischen Nieuve Chapelle und Givenchy, sowie französische Angiiffe am Nordhange der Loretto Höhe, bei Ablain und nördlich und südlich von Neuville wurden unter schwersten Verlusten für den Feind, der außerdem 150 Gefangene einbüßte, abgeschlagen. Zwischen Maas und Mosel dauern die Artillerie=Kämpfe an. Im Priesterwalde erlitten die Franzosen bei einem erfolglosen Angriff Verlufte. Oestlicher und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. Langsames Vorrücken der Verbündelen in Mitlelgalizien. wtb Wien, 23. Mai, mittags.(Amtlich.) In Mittelgalizien wird weiter gekämpft. Das von den verbündeten Truppen bisher erstrittene Terrain wird gegen alle russischen Gegenangriffe behauptet. In langsam fortschreitendem Angriff wird täglich Raum gewonnen. An der Pruthlinie herrscht im allgemeinen Ruhe. Bei Bojan, östlich Czernowitz, scheiterte ein Versuch des Feindes, auf das südliche Ufer zu gelangen, unter starken Verlusten für den Gegner. Im Berglande von Kielce weicht der Feind nach hartnäckigen Kämpfen erneut in nordöstlicher Richtung zurück. Nordöstlicher Kriegsschauplatz. Die allgemeine Situation ist im großen unverändert. Die Kämpfe in Mittelgalizien dauern fort. In den Gesechten der letzten Tage wurden im Berglande von Kielee in Summa 39 Ofsiziere und 6300 Mann gesangen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Deutsche Bundestreue. W. T. B. Berlin, 24. Mai. Die ital. Regierung hat durch ihren vom Zaune brochenen Angriff auf die Donaumonarchie das Bündnis auch mit Dentschland ohne Recht und Grund zerrissen. Daß durch die Waffenbrüderschaft noch fester geschmiedete vertragsmäßige treue Verhältnis zwischen O sterreich=Ungarn und dem deutschen Reiche ist durch den Absall des dritten Bundesgenossen und seinen Uebergang in das Lager der Feinde unberührt geblieben. Der deutsche Botschafter Fürst Bülow hat deshalb Anweisung erhalten, Rom zugleich mit dem österreich=ungarischen Botschafter zu verlassen. Die ersten Kämpfe mit Italien. wtb Wien, 25. Mai.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 24. Mai mittags: Südwestlicher Kriegsschauplatz. Nach Eintritt des Kriegszustandes haben an einzelnen Stellen der Tiroler Grenze kleinere Kämpfe stattgefunden. Im küstenländischen Grenzgebiet hat sich italienische Kavallerie bei dem Grenzorte Strassoldo gezeigt. Der Stellvertreter de. Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Oesterreichische Fliegerbomben auf Chiravallo, Ancona und Venedig. wtb Wien, 24. Mai.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Unsere Flotte hat in der auf die Kriegserklärung folgenden Nacht, vom 23. auf den 24. Mai, eine Aktion gegen die italienische Ostküste zwischen Venedig und Barletta unternommen und hierbei an zahlreichen Stellen militärisch wichtige Objekte mit Erfolg beschossen. Gleichzeitig belegten unsere Seeflugzeuge die Ballonhalle von Chiravallo, sowie militärische Anlagen in Ancona und das Arsenal in Venedig mit Bomben, wodurch sichtlicher Schaden und Brände verursacht wurden. Flottenkommando. Ein italienisches Flugzeug abgeschossen. Triest, 25. Mai. Bei Görz wurde ein mit zwei Generalstabsoffizieren besetztes Flugzeug herabgeschossen. Beide Insassen sind tot. Die italienische Presse über die Schwierigkeiten des Feldzuges. Lugano, 25. Mai. Von hier aus wird der„Köln. Ztg.“ gedrahtet: Der Generalstabschef Cadorna ist gestern abend über Florenz nach dem Grenzgebiet abgereist. Die italienische Presse beginnt bereits ihre Leser auf die Schwierigkeiten des Feldzuges vorzubereiten. Der„Corriere della Sera“ sagt, daß ein Sieg zur See für Italien nur mit schweren Opfern zu erringen sei. Er zählt die vielen Verluste der englischen und französischen Flotte auf und meint natürlich, trotzdem habe die deutsche und österreichische Flotte nicht die entferntesten Hoffnungen auf den Sieg zur See. Im übrigen dürfte es der italienischen Flotte nicht besser ergehen, wie der französischen und britischen Flotte. Im Gegenteil, Oesterreich besitze weit größere Vorteile wegen der natürlichen Verstecke im Adriatischen Meere. Das Blatt befürchtet die Beschießung von Spart Brotmarken! Küstenhäfen und appelliert an den opferwilligen Patriotismus der Bewohner. Man müsse sich so gar cuf die Versenkung ron Panzerschiffen gesaßt machen. Der ärgste Treubruch der Weltgeschichte. Wien, 24. Mai. Ein Manifest des Kaisers Franz Joseph an seine Völker bezeichnet die Kriegserklärung Italiens als einen Treubruch, dessen gleichen die Geschichte nicht kennt. Die Abreise der Botschafter. tu Lugano, 25. Mai. Der Zug der österreichischen Botschaft verließ Sonntag abend 8 Uhr Rom. Die Züge der deutschen Botschaft und der bay rischen Gesandtschaft sollten gestern folgen. Ob auch der türkische Botschafter gleichzeitig seine Pässe fordert, ist unbestimmt. Die Türkei wird wohl die Kriegserkläuung Italiens abwarten. die unausbleiblich ist, da eine von den italienischen Verpflichtungen gegen den Dreiverband die Beteiligung an dem Unternehmen gegen die Darda nellen ist. Die Aufnahme der Kriegserklärung in Wien. tu Wien, 25. Mai. Anläßlich der Verkündigung der Kriegserklänung Italiens kam es hier zu begeisterten Demonstrationen des Volkes. Es herrschte ein Enthusiasmus, wie er noch nie zuvor dagewesen ist. Tausende zogen unter Hochrufen auf den Koiser und den Krieg durch die Stadt uund stauten sich vor dem Kriegsministerium und dem Radetzky=Denkmal. Was der Dreiverband Italien geben will. tu Wien, 25. Mai. Ueber die Versprechungen des Dreiverbandes an Italien wird in Ergänzung früherer Mitteilungen von unterrichteter Seite noch mitgeteilt: Der Dreiverband hat Italien zugesichert: Tirol bis zum Brenner, Görz, Gradisca, Triest, Istrien mit Pola, Fiume, Dalmatien mit allen Inseln bis zum Narenta, Grenzberichtigungen in Tripolis, Anteil bei der Aufteilung der Türkei, Zulassung als gleichberechtigter Partner zur Londoner Vereinbarung über den gemeinsamen Friedensschluß und Gewährung einer Kriegsanleihe, wofür sich Italien der Grenzzollkontrolle Englands unterwirft. Irreführende Nachrichten. wtb Berlin, 25. Mai. Die von„Havas“ und anderen Quellen verbreiteten Nachrichten über die bevorstehende Beschlagnahme deutscher Schiffe und sonstigen deutschen Eigentums in Italien entbehren jeder Begründung. Vielmehr erfahren wir aus sicherer Quelle, daß die deutschen Schiffe entsprechend den Bestimmungen des Haager Abkommens behandelt werden und daß deutsches Eigentum entsprechend dem Völkerrecht weder beschlagnahmt noch sonst beeinträchtigt wird. Massendesertionen italienischer Soldaten. tu Genf, 25. Mai. Den Blätt'rn in Lugano zufolge befanden sich am 22. Mai auf schweizerischem Bundesgebiet über 1500 geflüchtete italienische Heeresangehörige. Massenflucht italienischer Soldaten und Zivilisten in die Schweiz. Berlin, 23. Mai. Aus St. Gallen wird der „Vossischen Ztg.“ gemeldet: Gestern haben 272 italienische Aspenjäger in voller Ausrüstung die schweizerische Grenze überschritten, um sich in der Schweiz internieren zu lassen; sie wurden im Engadin aufgegriffen, vom Hunger stark mitgenommen. Ueber den Morettopaß flüchteten seit Tagen zahlreiche Italiener mit Weib und Kind ins Engadin; sie stammen meist aus den Alpengebieten der Lombardei. Die Auffassung des Papstes. Frankfutt a. M., 23. Mai. Aus Amsterdam bringt die„Frankf. Ztg.“ folgende Meldung: Ein Geistlicher, der in besonderer Audienz beim Papst empfangen wurde, erzählte dem Berichterstatter der„Tijd“, daß der Papst sehr traurig gestimmt sei über den Verlauf, den die Ereignisse genommen hätten. Noch zu Beginn des votigen Monats habe der Papst die feste Hoffnung gehegt, daß ein Krieg gegen die katholische österreichisch= ungarische Monarchie, der seinem Vaterherzen besonders peinlich sei, vermieden werden könne. Im Vatikan ist es bekannt, daß selbst der König vergebliche Versuche gemacht habe, um sich diesen Einflüssen zu entziehen und daß in dem königlichen Palast eine tragische Stunde angebrochen wäre, als man zwischen dem Krieg, der Nevolution und Bedrohung des Thrones zu wählen hatte. Jetzt suchen König und Regierung den wütenden Ekementen zu schmeicheln, aber niemals hat Italien vor einem größeren Abentemer gestanden. Auch sei man sich in vatikanischen Kreisen sehr wohl bewußt, daß die römische Frage in dem kommenden Krieg mehr als jetzt in den Vordergrund treten und ihrer ent scheidenden Lösung entgegengehen werde. Die deutschen Würdenträger beim Vatikan. Die ktalienischen Blätter bringen die Mitteilung, daß fast alle deutschen und österreichischen Klerikalen auf Anraten des Fürsten Bülow Rom verlassen haben. Der Benediktiner=General Migr. von Stotzingen, ein Deutscher und dazu persönlicher Freund Kaiser Wilhelms, hingegen sei in den Vatikan gezogen und beabsichtige auch dort während eines italientsch=österreichisch=deutschen Krieges zu verbleiben. Diese Meldung hat in den 99 ahh. ROSS PH E 6 L# ½ er brdurE 1a — 48gsch PTopiki ,Barzoy Wcent sin Kreisen der Triple=Entente und der Interventio nisten große Unruhe hervorgerufen. Vatikanische Korrespondenten berichten dagn: Msgr. von Stotzingen gehört zu jener Kategorie von Personen, deren Anwesenheit im Vatikan durch das Garantiegesetz ausdrücklich anerkannt wurde. Solche Personen genießen gewissermaßen Immuni tät. Wenn der Krieg ausbricht, so sei nicht unwahrscheinlich, daß auch andere Personen in ähn lichen kirchlichen Stellungen, wie Freiherr von Stotzingen, in den Vatikan einziehen und dort während des Krieges verbleiben, so die Generäle und die Ceneralprokuratoren der religiösen Orden, die Uditoren des Gerichtshoses der Rota usw. Auch sie genießen, selbst wenn sie feindl. Staaten angehören, das Recht der Exterritorialität. Sie dürfen jedoch während des Krieges den Vatikan nicht verlassen. Mannschaft, mit Ausnahme von zwei Toten, ist unversehrt. Auf der übrigen Front nichts wichtiges. Riesige englische Verluste an den Dardanellen. tb Konstantinopel, 25. Mai. Nach sicheren Informationen wurde die Zahl der an den Dardanellen gelandeten englisch=französischen Truppen, die anfangs auf 60 000 Mann geschätzt wurden, durch neue Truppenlandungen auf ungefähr 90 000 Mann gebracht, die durch die erneuten Verluste an Gefallenen, Verwundeten, Gefangenen und Kranken gegenwärtig auf kaum 40 000 gesunken ist, die noch immer in den Abschnitten von Seddil Bahr und Ari Burnu konzentriert sind. — Griechenland und das Eingreifen Italiens. tu Athen, 24. Mai. Die Entwickelung der italienischen Krisis wird hier ohne Aufregung ausgenommen. Die Regierungspresse betont, daß Italiens Haltung die Politik Griechenlands nicht beeinflussen werde. Rumänien bleibt neutral. Bukarest, 23. Mai. Wie hiesige Blätter melden, beschäftigte sich der gestrige Ministerrat mit Rußlands Angebot betreffs Rumäniens Mitwirkung im Kriege gegen die Zentralmächte. Die russischen Vorschläge wurden als unannehmbar zurückgewiesen. Rumänien bleibe vorläufig neutral. Der Kampf um die Bardaltelten. Schwere Niederlage der Feinde in den Dardanellen. wtb Konstantinopel, 25. Mai.(Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Auf der Dardanellenfront griff der bei Seddil Bahr befindliche Feind gestern vormittag unter dem Schutze seiner Batterien und seiner Flotte mit aller Kraft an. Trotz beträchtlicher Verstärkungen des Feindes wiesen unsere Truppen den Angrisf des Feindes, der sich kaum an der Küste zu halten vermochte, ab. Der Feind ließ me als 2000 Tote auf dem verlassenen Teil de, Kampffeldes. Außerdem erbeuteten wir ein Mös., inengewehr. Während der Kümpfe stürzte ein durch unser Feuer beschädigtes Flugzeug ins Meer. Unsere Verluste im Verlaufe des neunstündigen Kampfes betrugen nur 420 Verwundete und 43 Tote. Unsere Batterien an den Dardanellenfronten fügten den feindlichen Schiffen und Vatterien bei Seddil Bahr, die an dem schweren Kampfe teilgenommen haben, schweren Schaden zu. Eine unserer Batterien auf dem kleinasiatischen Ufer traf viermal ein Panzerschiff vom Typ der „Majestic“, das darauf den Eingang der Dardanellen verließ. Ein Ersatzschiff vom Typ der „Vengeanke“ wurde vurch zwei Granaten getroffen. Die Bedienung dieser Batterien hatte sech, Verwundete. Bei Ari Burnu keine Veränderung. Das 25 Jahre alte Kanonenboot„Telenki Deria“(?) ist heute vormittag von einem seindlichen Unterseeboot zum Sinken gebracht worden. Das Kanonenboot schoß bis zu seinem Untergang auf das Unterseeboot, dessen Schicksal unbekannt ist. Die Unglück eines Militärzuges in England. 73 Leichen geborgen. wtb London, 23. Mai.(Nichtamtlich.) Heute früh stieß ein Sonderzug mit Soldaten, 8 Meilen von Carlisle entfernt, mit einem Lokalzug zusammen. Etwa 300 Personen sind getötet oder verletzt. Beide Züge gerieten in Brand. Bisher sind 73 Leichen geborgen. —— Kaiser Wilhelm über Weddigen. wtb Berlin, 22. Mai.(Nichtamtlich.) Der Kaiser hat an die verwitwete Gattin des Kapitänleutnants Weddigen folgende Order gerichtet: Es ist mir gemeldet worden, daß bei dem Untergang des von Ihrem Gatten geführten Unterseeboctes auch sein Orden Pour le merite und sein Eisernes Kreuz 1. Klasse in Verlust geraten sind. Ich bestimme, daß Ihnen die genannten Ordenszeichen als ein äußeres Zeichen an die Taten des heldenhaft vor dem Feinde Gebliebeneu ersetzt werden, und bringe Ihnen bei dieser Celegenheit noch ganz besonders zum Ausdruck, wie sehr ich mit Ihnen den herben Verlust empfinde, den Sie erlitten haben. Sie haben Ihr Bestes für das Vaterland hergeben müssen. Möge Gottes Trost Ihnen zur Seite stehen und es Ihnen immer gegenwärtig bleiben, daß mit Ihnen das ganze Vaterland um Ihren Gatten trauert, der unvergänglichen Ruhm für sich und die Marine erworben hat und für alle Zeiten als ein leuchtendes Beispiel der Kühnheit und der mutigen Entschlossenheit weiter leben wird. Greßes Hauptquartier, 19. Mai 1915. gez. Wilhelm I. R. Aus Stadt und Umgebung. Die Pfingstseiertage. Pfingsten, das„liebliche Fest“, wie es der Dich ter besingt, ist diesmal wirklich ein liebliches Fest, wie wir es seit langen Jahren nicht mehr erlebt, gewesen. Das Wetter war einfach herrlich, nicht zu heiß und die Temperatur von einem beständig wehenden Lüstchen angenehm beeinflußt. Jung und alt genoß die Freuden des Pfingstfestes in vollen Zügen, trotz der Kriegszeit und trotz der frivolen Kriegserklärung Italiens, die mit einer seltsamen, so selbstbewußten und schrecklichen Ruhe hingenomen wurde. Man hatte sie schon seit Tagen erwartet und sie überraschte nicht mehr; man war neugier'g, wie Italien sie begründen werde. Man ließ sich nicht in seiner Pfingstfreude stören, an der die Verwundeten regen Anteil nahmen. Die Sommerlokale, vor allem die Konzerte am Freischütz, hatten überreichen Besuch. Wer aller dings vermochte, schnellte sich einen Rucksack auf den Rüken und begab sich auf die Pfingstwanderung mit näherem gder sernerem Ziel. Die Bahn hatte genug Sonderzüge eingelegt uind gewaltig war der Verkehr. Hoifentlich haben die jetzt wieder hinter uns liegenden Festtage allen unseren Lesern die erwartete Erholung und Ausspannung in reichem Maße gebracht. **(Schützet die Felder und Gärten!) Die durch den Krieg hervorgerufenen Verhältnisse, namentlich die Sicherstellung der Volkserernährung, erfordern es, daß dem Schutze der Felder und Gärten eine ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Klagen über Zextreten der Felder, namentlich der Kornfelder, kirch spielende Kinder, sind leider auch in diesem Jahre wieder laut geworden. Die Eltern werden drinzend ersucht, den Kindern den Schutz der Fluren und Felder warm ans Herz zu legen. Das Abreißen von Roggenhalinen zur Anfertigung von Huppen, das Verstecktspielen in den Kornfeldern, das Laufen über bestellte Felder und Gartenstücke schädigt die Besitzer, die unter großen Mühen und Kosten die Bestellung vorgenommen haben und verringert die Erträgnisse der Ernte, auf die das Vaterland jetzt mehr wie sonst angewiesen ist. **(Auszeichnung.) Dem im Osten kämpfenden Offizier=Stellvertreter W. Jacobs von hier wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Wir gratulieren! **(Radfahrer.) Es wild darauf hingewiesen, daß Radfahrer im Besitze der vorgeschriebenen Ausweiskarte, die bei der Polizeibehörde ausgestellt wird, sein müssen. Bei demnächstiger polizeilicher Revision werden diesbezügliche Uebertretungen bestraft. **(Die Kriegs=Buchwoche.) Um den Schülern bei der von den dem Gesamtausschuß zur Verteilung von Lesestoff im Felde und in den Lazaretten angeschlossenen Organisationen in ganz Deutschland geplanten„Kriegs=Buchwoche" ratend zir Hand zu gehen, sind von der Leipziger Zen trale für volkstümliches Büchereiwesen— im Verein mit bibliothekarischen Fachleuten und hier in Frage kommenden Organisationen— Richtlinien für das Sammeln der Bücher aufgestellt worden, welche einen Anhalt geben werden, was an Büchern für den genannten wahrhaft patriotischen Zweck zu verwenden wäre. Diese Richtlinien kommen in gleicher Weise den Möglichkeiten der Schüler wie den besonderen Ansorderungen der hier zu lösenden Aufgabe entgegen. **(Pfingstgrüße aus dem Felde) senden ihrer Vaterstadt die Kriegsfreiwilligen Otto Kemper, Bernhard Kremer, Hans Bondkowski. **(Im Silberkranz.) Am gestrigen Tage konn ten die in der Bergischenstraße wohnenden Eheleute Fritz Cramer und Frau, Anna geb. Brieke, das Fest der silbernen Hochzeit feiern. Wir sprechen dem Jubelpaar noch nachträglich unsern besten Glückwunsch aus; möge sich das jetzige Silber dereinst in Gold verwandeln! **(Gesindedienstbücher.) Jeder Dienstbote ist verpflichtet, sobald er in den Gesindedienst tritt, sich mit einem Dienstbuche zu versehen. Die Ausstellung des Buches erfolgt kostenfrei bei der Polizei. Die Formulare müssen die Dienstboten sich selbst beschaffen. Beim Dienstantritt ist das Gesindedienstbuch der Herrschaft ohne Aufforderung vorzulegen. Wer die Beschaffung des Dienstbuches oder die Vorlegung bei der Herrschaft unterläßt, verfällt in eine Geldstrafe von 3 Mark. **(Die in den besetzten feindlichen Gebieten vorgefundenen Massengüter) sind von den deutschen Militärbehörden in weitem Umfange in Beschlag genommen worden, um daraus die Bedürfnisse des Besatzungsheeres zu decken; die Kriegsvorräte zu ergänzen und dem heimischen Wirtschaftsleben die unbedingt notwendigen Rohstoffe zur Verfügung zu stellen. Für die beschlagnahmten Waren, soweit sie nicht im Eigentum eines der feindllschen Stanten standen oder aus anderen Gründen als Kriegsbeute anzusehen sind, muß nach allgemein völkerrechtlichen Gundsätzen den Eigentümern eine an gemessene Entschädigung gezahlt werden. Einer alsbaldigen Negelung der zu gewährenden Entschädigungen haben sich aber insofern Schwierigkeiten in den Weg gestellt, als die Eigentümer der Waren sich viel ach nicht ohne weiteres als solche legitimieren können. Dies hat seinen Grund im wesentlichen darin, daß schon vor der Besetzung der in Frage kommenden feindlichen Gebiete erhebliche Mengen der dort lagernden Waren von den heimischen Regierungen angefordert oder eingezogen, insbesondere in Belgien von den belgischen und englischen Truppen weggeführt oder an Ort und Stelle vernichtet worden sind. Infolgedessen ist die Feststellung der Indentität der einzelnen Waren mit den auf den Handelsurkunden angegebenen Gütern in hohem Maße erschwert worden. Zur Fehistellung der Entschädigungen für derartige Beschlagnahmungent eine aus drei Juristen und zwei Kaufleuten bestehende besondere Kommission unter dem Namen„Reiseentschädigungskommission“ eingesetzt worden. Diese Kommission soll unter Nr. 119. Beilage. Amtliches Kreisblatt Italien im Kriegstaumel. Oesterreichs Angebot und Italiens FordePresse und von Pyrasenheiden wie Gabriele d'Annunzio, zitternd vor den Kriegsrufen des Straßenpöbels, hat die Kammer und der Senat der italienischen Regierung rungen. außerordentliches Kriegsbefugnisse übertraMit enbeirrter Planmäßigkeit hat der sgen und die österreichischen Angebote unitalienische Minister des Aeußeren Sonnino berücksichtigt gelassen. Italien hat die habsden Weg, der zu einer friedlichen Verständie burgische Monarchie vor die Wahl gesteilt, gung mit Oesterreich=Ungarn über die Ge= als Großmacht abzudanken oder die Entbietserweiterungsansprüche Italiens führen konnte, immer weiter gedehnt. Den Bemühungen des Fürsten Bülow, des ehrlichen deutschen Maklers, legte er durch Erhöhung der Forderungen immer neue Steine in den Weg. Und schließlich verlangte er Landabtretungen von der Donaumonarchie die dieser bei bestem Willen unmöglich waren. Oesterreich sollte Triest und das umliegende Gebiet hergeben, damit daraus ein selbständiger und unabhängiger Staat gebildet werde, Triest, den einzigen bedeutenden Hafen, über den Oesterreich verfügt. Nichts Geringeres verlangte Sonnino, als daß Oesterreich seinen Anteil am Welthande! aufgeben sollte. Denn die Ausschließung; Triestes aus dem österreichisch=ungarischen Staate bedeutet den völligen Abschluß Oesterreichs vom Meere. Die dalmatinischen Häfen Oesterreichs, die ohnehin mehr von lokaler Bedeutung sind und für den Welthandel kaum ins Gewicht fallen, hätte man den Oesterreichern großmütig gelassen, jedoch auch diese nur mit der Einschränkung daß die zahlreichen großen Inseln, die vor Spalato, dem wichtigsten dieser Häfen, liegen, in ttalienischen Besitz übergehen. Was Oesterreich geben wollte, hat der Reichskanzler am 18. Mai im Reichstage aufgezählt, und das Erstaunen über das weite Entgegenkommen unseres Verbündeten gegenüber den italienischen Forderungen war allgemein. Und das eine ist sicher: es wird bei uns niemanden geben, der sagen würde, daß O-sterreich noch mehr, als es wollte, hätte anbieten können. Wenn es der italienischen Regierung um eine friedliche Verständigung angelegen gewesen wäre, dann wäre es ihr leicht zewesen, auf Grund der österreichischen Anerhietungen Fratiens Geoier zu vergroßerngg ging auf einen Bruch mit dem Veronndeten aus. Und sie vollzog ihn plötzlich mit der seltsamen Begründung, daß Oesterreich neun Monate vorher ein Abkommen verletzt habe. Damit muß ausgerechnet die italienische Regierung ihren Treubruch rechtfertigen, dieselbe Regierung, die sich an bestehende Verträge weder zur Zeit der Konserenz von Algeciras noch zur Zeit des Hierauf unbestimmte aufgehoben. Die krieget verlagte sich der Senat auf und die Sitzung wurde Zeit, KönigsTripolis geitalienischen Raubzuges nach kört hat.„„„. W7 Itali Kurz sei noch gestreift, was großmütig als Gegenleistung anbot. Nicht etwa Wassenhilfe oder sonstige Unterstützung, wie man sie wohl von einem Verbündeten erwarten konnte, nein, Italiens Gegenleistungen sollten sein: eine Goldzahlung von 200 Millionen Lire und vollkommene Neutralität gegenüber Deutschland und Oesterreich=Ungarn während des gegenwärtigen Krieges. Ein Bettelgeld wagt Italien der Großmacht Oesterreich=Ungarn anzubieten! Und dazu das„gnädige“ Versprechen weiterer Neutralität! Als ob man heute noch etwas auf ein Versprechen italienischer Staatsmänner geben könnte! So steht uns heute, nach 33 jährigem Bündnis, Italien als Feind gegenüber. Von einer Clique maßloser Kriegshetzer, die sich zusammensetzt aus Irredentisten, Freimaurern und Revolutionären, ist das streviame italienische Volk an den Rand eines Krieges gebracht worden, der ihm in seinen inneren Gefühlen unsympathisch ist. Geblendet von einer im französischen Solde stehenden scheidung der Waffen an sie herantreten zu lassen. Der italienische Uebermut wagt nach dem Treubruch den Friedensbruch. Aber der österreichische Doppelaar deutsche Fängen nen wisse versiegbaren Kraf auch den treulosen Italienern gegenüber ablegen. M. Wie Graf Goluchowskys Romreise hintertrieben wurde. :: Die bis jetzt vorliegenden Angaben über den Inhalt des italienischen Grünbuches lassen nicht erkennen, ob darin eine Tatsache erwähnt ist, die den ernsten Willen der österreichisch=ungarischen Regierung erweist, zu einer Verständigung mit der italienischen Regierung zu gelangen. Es ist die von dem Wiener Kabinett angebotene, aber von Herrn Sonnino abgelehnte Entsendung des Grafen Goluchowski mit weitgehenden Vollmachten zur Führung der Verhandlungen. Am 2. Mai erklärte der italienische Minister des Aeußeren auf eine wiederholte Anfrage des Wiener Kabinetts, ob eine Entsendung des Grafen genehm sei, daß er diese nicht für opportun halte, weil sie zu großes Aufsehen erregen würde. Am 4. Mai erfolgte die Kündigung des Dreibundvertrages in Wien. Hiernach ist es nicht auf Mangel an Entgegenkommen und Bereitwilligkeit zu ernsthaften Verhandlungen auf seiten der österreichisch= ungarischen Regierung zurückzuführen, daß die Lage damals eine weitere Verschärfung erfuhr. Der Kriegsbeschluß des italienischen Senats. :: Am Freitag ist der italienische Senat der Kriegskundgebung der Kammer beigetreten. Nachdem er in namentlicher Abstimmung mit sämtlichen Stimmen der 281 anwesenden Senatoren beschlossen hatte, zur Abstimmung über die Kriegsvollmacht der Regierung zu schreiten und eine von südländischem Phrasenschwall gesteifte Rede des Bürgermeisters von Rom, Fürsten Coionna, der als Berichterstatter der Komnission sprach, angehört hatte, wurde zuiächst ein Antrag angenommen, die Rede Tolonnas anzuschlagen. Ueber die Vorlage betreffend außerordentliche Vollmachten für die Regierung wurde in geheimer Abstim mung beschlossen; sie wurde mit 262 geger 2 Stimmen angenommen. Die Verkündung des Abstimmungsergebnisses wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Der Präsident des Senates Manfredi rief darauf in einer Schlußrede das glückliche Geschick des Vaterlandes an und sagte:„Ilalien kennt die Schmach, die es zu rächen gilt, und es kennt den Ruf der unerlösten Gebiete; es sieht, auf welcher Seite für Zivilisation und Recht gekämpft wird, und wünsche, daß der Senat sich mit dem Lande vereinige, um den Sieg zu verklären. Es lebe Italien! Es lebe der König!Alle Senatoren und Minister hörten die Rede Manfredis stehend an und riefen ihm lange und lebhaft Beifall zu unter den Rufen:„Es lebe Italien! Es lebe der König!“ zeisterte italienis familie. :: Wie dem„Verl. Tagebl.“ aus Lugano berichtet wird, war Rom am Freitag wieder der Schauplatz großer Demonstrationen. Diese gingen vom Kapitol aus, wo zunächst der Gemeinderat eine Festsitzung abhielt, während deren sich schon eine große den erwähnten Fahnen Triests, Trients und Dalmatiens die Spitze eines Zuges bilden, der sich unter Führung beider städtischer Giulio Romano nach dem Quirinal. Sofort traten der König, die Königin und ihre Kinder auf einen Balkon. Hinter ihnen hielt ein Kammerdiener eine italienische Fahne und hielt sie unmittelbar unter das Angesicht der königlichen Familie. Unbeschreiblicher Jubel begann. Die„Menge brachte Hochrufe auf den König, das Haus Savoyen, das Heer, Italien, Trient und Triest aus. Dann trat der König selbst, der schon grüngraue Felduniform trug, vor, ergriff die italienische Fahne, schwenkte sie und rief mit weit über den Platz tönender Stimme:„Viva l'Italia!“ Die Königin war so gerührt, daß sie beständig ihr Taschentuch an die Augen führte. Die kleinen Prinzessinnen jauchzten, und der Kronprinz schwang seine Matrosenmütze. Als der König die Trikolore entrollte, brach die Volksmenge in Schluchzen aus. Vielen rollten die Freudentränen über das Gesicht. Die Hochrufe auf den König, das Haus, Savoyen und den Krieg nahmen kein Ende. Alles tobte vor Begeisterung und stimmte das Mameli=Lied an. Eine Deputation des Gemeinderates begab sich auf kurze Zeit zum Könige, dann setzte sich der Zug in Bewegung und brachte Huldigungen vor der Consulta, vor dem Kriegsministerium, vor Salandras Wohnung und vor dem Palais der Königin Margherita im viertel dar. Erst kurz vor 9 Uhr löste sich sich der Zug vor der Porta Pia auf. Die Stimmung in Triest. Des früher so stark nach Italien hinneigenden Triests hat sich angesichts der Kriegsmung bemächtigt. Dem„Berl. Lok.=Anz.“ ero vo.—. Fakter Spannung, aber bemächtigt. Dem„Berl. Lok.=Anz. von dort berichtet: :: In fieberhafter, Epännung, ruhig und voll Zuversicht auf die Kraft der Verbündeten, wartet Triest die Entscheidung, ob Krieg, ob Frieden, ab. Noch will man nicht glauben, daß Italien der gemachten Zugeständnisse den Krieg erklärt. Eine merkwürdige Wandlung ist da die Stadt in den Mittelpunkt dieser Entscheidung gerückt ist, vor sich gegangen: Die italienischen Sympathien sino verflogen. Der Handel und die gewerbtätigen Kreise leiden unter der Ungewißheit. Im Volk, auch unter dem Italienisch sprechenden Teil, herrscht eine namenlose Erbitterung über die Kriegshetzer. Im unmittelbaren Kriegsgebiet hat eine allgemeine Flucht vor eingesetzt. Aus Triest sind 70 000 Einwohner nach dem Inneren Oesterreicht zeflüch tet. Die staatliche Verwaltung tut alles um die Beförderung glatt durchzuführen Dienstag. 25. Mai 1915. sorgt in gut eingerichteten Baracentagern für die Unterkunft und vollzieht den Auszug in Ruhe und Ordnung. Trotzdem ist der Eindruck der vielen Flüchtlingszüge mitleiderregend. Immer wieder kommt es zu leidenschaftlichen Ausbrüchen des Hasses gegen die Urheber des Unglücks.„Warum das alles?“„Was will Italien?“ sind die stets wiederkehrenden anklagenden Fragen der weinenden Frauen. Auffallend ist, daß die Irredentisten und Panslawisten, die sich bisher aufs Blut bekämpften, jetzt sich freundschaftlich zusammengesunden„Halggg, Die Behörden arbeiten in gewohnter#####ise weiter. Die k. und l. Regierung nimmt die italienische Kündigung des Dreibundes nicht zur Kenntnis. :: Die österreichisch=ungarische Regierung hat am Freitag die Mitteilung Italiens vom 4. Mai, daß es den Dreibunovertrag als aufgehoben betrachtet, in einer Note wie folgt beantwortet: Mit peinlicher Ueberraschung nimmt die k. und k. Regierung Kenntnis von der Entschließung der italienischen Regierung, auf eine so unvermittelte Weise einem Verträge ein Ende zu bereiten, der auf der Gemeinsamkeit unserer wichtigsten politischen Interessen fußend, unseren Staaten seit langen Jahren Sicherheit und Frieden verbürgt und Italien notorische Dienste geleistet hat. Dieses Erstaunen ist um so gerechtfertigter, als die von der königlichen Regierung zur Begründung ihrer Entscheidung in erster Linie angeführten. Tatsachen, auf mehr neun Monate zurückgehen, und uldie königliche Regierung seit diesem Zeitpunkt wiederholt ihren Wunsch kundgab, die Bande der Allianz zwischen unseren beiden Ländern aufrechtzuerhalten und noch zu verstärken, einen Wunsch, welcher in Oesterreich=Ungarn immer eine günstige Ausnahme und herzlichen Widerhall gesunden hat. Die Gründe, welche die k. und k. Regierung zwangen, an Serbien im Monat Juli vergangenen Jahres ein Ultimatum zu richten, sind zu bekannt, als daß es nörig wäre, sie hier zu wiederholen. Das Ziel, welches sich Oesterreich=Ungarn setzte, und das einzig und allein darin bestand, die Monarchie gegen die umstürzlerischen Machenschaften Serbiens zu schützen und die Fortsetzung einer Agitation zu verhindern, die geradezu auf die Zerstückelung Oesterreich=Ungarns ausging und zahlreiche a#entate und schließlich die Tragödie von Serajewo im Gefolge hatte, konnte die Interessen Italiens in keiner Weise berühren. Denn die k. und k. Regierung hat niemals vorausgesetz und hält es für ausgeschlossen, dag die Interessen Italiens irgendwie mit den verbrecherischen Umtrieben identifiziert werden könnten, die gegen die Sicherheit und die Gebietsintegrität von Oesterreich=Ungarn gerichtet, von der Belgrader Regierung leider geduldet und ermutigt worden waren. Die italienische Regierung war übrigens davon in Kenntnis gesetzt und wußte, daß Oesterreich=Ungarn in Serbien keine Eroberungsabsichten hatte. Es ist in Rom ausdrücklich erklärt worden, daß Oesterreich=Ungarn, wenn der Krieg lokalisiert bleibe, nicht die Absicht habe, die Gebietsintegrität oder die Souveränität Serbiens anzutasten. Als infolge Kranenliebe. Roman von Clara Aulepp=Stübs. 45 Und je stärker diese plötzlich erwachte Energie war, je grauenvoller und länger ward der Todeskampf. Wilde Fieberpyantasien gonnten ihm endlich die Wohltat der Bewußtlosigkeit, bis diese wieder einer stillen, müden Erschöpfung wich. Dumpfe Resignation bemächtigte sich seiner. Er lag mit geschlossenen Augen. Sein Weib neigte sich über ihn. Würde er sie noch einmal auschauen, würde er noch einmal, ach, einmal nur noch die Augen aufschlagen, die sie so geliebt? Ein Ausruf, ein inbrünstiges Flehen drängte sich ihr auf die Lippen, doch sie hielt es zurück. Mit übermenschlicher Willenskraft zwang sie den Jammer nieder und saß still und gefaßt am Lager des Sterbenden. Und um sie war ein Schweigen. Nur der Wind fuhr über die Föhrde und strich leise klagend um das Haus. Die Sonne hatte sich hinter grauen Wolkenschleiern verborgen, als wollte sie dem arien Sterbenden die Welt nicht in ihrem verschonernden Glanz zeigen, sondern, im Falle sich die müden Lider noch einmal heben sollten, ihm den Abschied erleichtern. Als der Tag zur Rüste ging, spann weißgrauer Nebel das Haus ein. Auf der weiten Wasserfläche lagerte er und wogte in seltsamen Gebilden. Bald waren es schemenhafte Gestalten in schleppenden Gewändern, bald waren es bizarre, ins riesenhafte wachsende Tierleiber. Und die Frau saß still am Lager und wartete. Endlich regte sich Giovanni. Leise trat der Arzt neben Lotti. Des Kranken Finger fuhren wiesuchend über die Decke; Lotti hielt sie sachte fest. - Da bewegte der Sterbeude die Lippen. Der darst ichch dast Secuen an uunder des Kissen und stützte ihn. 1.6. 8e Und unn leise, fast wie ein Hauch:„Leb wohl — ich muß— Dich— verlassen—“ Und mit einer schmerzvollen, letzten Anstrengung ein Schrei:„Warum?“ und dabei die Augen wie anklagend nach oben gerichtet. Ein Schauer durchrieselte Lotti. Sie legte sachte ihre Hand über diese Augen. Da zuckte es verklärend über die verzerrten Züge, sie glätteten sich unter der lind kosenden Hand. Und Lotti nun schmerzzitternd, herzzerreißend, mit gebrochener, klangloser Stimme:„Grüße mir meine Mutti, Gio, Du kommst zu ihr und zu Gott, 84 Gott!„ Hi eeme en Das letzte tang wie eine verzweifelte Mahnung und doch wieder so recht frauenhaft sorgend, im grauenvollsten Schmerz das Wohl des Geliebten nicht vergessend bis an die Pforten der Ewigkeit. Und er ging hin— durch das dunkle Tor, nun mit einem Lächeln um die blassen Lippen und einem letzten, heißen Liebesblick auf das junge Weib, das dann fassungslos sich über den Toten warf.—— Arme Lotti!— Dein Giovanni war eine jener heißen Naturen, deren glühende Seelen immer ganz gegenwärtig sind in dem, was sie empfinden und wollen. Jedes Versagen kostet ein Stück ihres LeEr besaß wohl die Seele des Künstlers, aber nicht die Kraft, die göttliche, alles überwindende Kraft! Jede Enttäuschung, jeder Schlag, der ihn traf, traf ihn in den Herzpunkt. 45120 Die Göttin„Kunst" hatte ihm ein schönes Talent in die Wiege gelegt. Es war ein Danaergeschenk! Dem Schicksal gefiel es, durch die zwingende Macht eines für den Erben seines alten Hauses bangenden Vaters, dasselbe unter strengem Bann zu halten, ja, es zu unterdrücken! Und er ließ sich zwingen! Und als er endlich losrang, war es zu spät; seine Kraft war fort: das Eue Staude dosder deschte cue scolaute dagante Gestalt die Treppe hinauf. „Gleich rechts an der Treppe die erste Tür, da liegt er“, rannte Emma ihr noch schnell zu. „Und Frau Arnheim? Wo finde ich die?" „Die darf nicht gestört werden! Sie liegt zu zu Bett. Der Doktor ist eben erst weggegangen!“ Es ist gut!“ 9—6 Mand Mertens stand atemlos oben vor der Tur. Sie sah sich scheu um. Eine fürchterliche Angst beRelon von Tüiche der beäichen zud se haste segite genommen diese Brosamen.— Ach, sie waren ja das Band, das ihre angstvolle, zitternde Weibseele mit dem Geliebten verband! Doch erschauernd hatte sie längst gefühlt, daß sie auf keine Dauer rechnen konnte, daß ein anderer kommen würde und es ihr aus den Händen winden. Und in ihrer verzweifelten Hilflosigkeit lebte sie jetzt nur noch, wenn sie ihn sah. Die Sinne wollten ihr vergehen, wenn sie an das Ende dachte, das Sie sah sich scheu um. Eine fürchterliche Angst be= ten ihr vergehen, fiel sie; aber wie einem geheimnisvollen Zwang unausbleibliche, mir grausamer, dämonischer Macht gehorchend, drückte sie sacht auf die Klinke und trat nahende Ende. ein.„ n Das große Schlafgemach war unveranvert, nur dort auf dem einen Bett eine mit weißen Linnen zugedeckte Gestalt und vor den weit geöffneten Feustern wogende Nebelschleier. Mand konnte sich nicht bewegen. Sie stand da mit einem entsetzlichen Grauen vor dem, was das Linnen verbarg und was ihre Augen nun sehen würden, und zugleich vermeinte sie den Fäulnisgeruch des Todes zu spüren. Unschlüssig sah sie sich um; dann trat sie schweratmend näher an das Lager heran. Ihr Haupt senkte sich. Ein tiefer Schmerz, eine furchtbare Erbitterung wühlte ihr ganzes Innere auf. Mit zitternder Hand schlug sie das Tuch zurück. Ha, da starrte sie der Tod an mit gespenstischen, kalten Augen und sie erschauerte bis in ihre feinsten Nerven unter dem Atem von Eis, der über sie hinfuhr. Sie schrie nicht auf, sie weinte nicht, aber sie wor, fror und erstarrte fast vor Kälte. Die Liebe zu diesem Mann hatte sie bis in ihr eigenstes, innerstes Sein erschüttert. Ihre echteste, beste Sehnsucht galt ihm. Doch er hatte sie zurückgewiesen und sie mußte sie nun knebeln, knebeln mit fieberisch zuckenden Händen, die sich verlangend ausstreckten:„Ach gib mir doch, gib mir doch," und die krank und leer zurückfielen. Und von da an stand sie abseits und mußte zulosrang, war es zu spätz seine Kraft war fort: das. Und.von da an stand sie abseits und mußte zuSchicksat warf ihn zerbrochen zur Seite.— frieden sein, wenin ein paar Grosamen für ste abIhre Spannkraft sing an zu reißen. Ihre Aussprache gestern war durch einen Zustand ihres gepeinigten Herzens herbeigeführt, das unter dem Zwang und der Vorstellung, von dem Geliebten mißachtet zu werden, Höllenqualen litt. Und nun stand sie hier— vor ihr der kalte, stumme Tote, und fror und fror. Es kam ihr vor, als würde alles um sie herum schwarz und leer und sie stehe allein mitten in diesem Schwarzen, Leeren. Eine unaussprechliche Trostlosigkeit bemächtigte sich ihrer, ihre Sinne fingen an, starr zu werden, starr auch ihre Angen, die noch immer an dem bleichen Totenantlitz hingen, starr die Hand, die das Linnen fallen ließ, das sie bis jetzt krampfhaft festgehalten. Und in dieser toten Starrheit ging sie hinaus, die Treppe hinunter aus dem Hause in die wallenden, wogenden Nebel hinein, die sich hinter ihr zu verzerrten, grotesken Gestalten formten und einen seltsamen Reigen aufführten.— Es war wohl der Totentanz?—— Währenddessen saßen unten in der Küche Lise Larsen und Marthe Steffens sich gegenüber. Frau Larsen hatte den Korb mit der fertig gesäumten Küchenwäsche, die sie hatte abliefern wollen, vor sich auf den Boden gestellt. Sie nahm den Schürzenzipfel und wischte sich die — 40 Eingreisens Rußlands der rein tokale Streit zwischen Oesterreich=Ungarn und Ser#dien im Gegensatze zu unseren Wünschen g#einen europäischen Charakter annahm und ich Oesterreich=Ungarn und Deutschland von Unehreren Großmächten angegrissen sahen, ##errlärre die königliche Regierung die NeuBralität Jtaliens ahne ichac nie assinasn nfrictung hterauf zu machen, daß dieser on Rußland hervorgerufene und von langer Hand vorbereitete Krieg geeignet sein i önnte, dem Treibundvertrag seinen Existenzgrund zu entziehen. Es genügt, an die Erklärungen, welche in jenem Zeitpunkte eiland Marchese di San Giuliano abgab, und an das Telegramm, welches Seine Majestät der König von Italien am 2. August 1914 an Seine Majestät den Kaiser und König richtete, zu erinnern, um festzustellen, daß die königliche Regierung damals in dem Vorgehen Oesterreich= Ungarns nichts sah, was den Bestimmungen unseres Bündnisvertrages entgegen gewesen wäre. Von den Mächten des Dreiverbandes angegrissen, imußten Oesterreich=Ungarn und Deutschland ihre Gebiete verteidigen; aber dieser Verteidigungskrieg hatte keineswegs„die Verwirklichung eines den LebensinterVessen Italiens entgegengesetzten Programmes" zum Ziele. Diese Lebensinteressen oder das, was uns von ihnen bekannt sein konnte, waren in keiner Weise bedroht. Wenn übrigens die italienische Regierung in dieser Hinsicht Bedenken gehabt hätte, so hätte sie sie geltend machen können, und sicherlich hätte sie sowohl in Wien als auch in Berlin den besten Willen zum Schutze dieser Interessen gefunden. Die Königliche Regierung war damals der Ansicht, daß sich ihre beiden Verbündeten nach Lage der Dinge Italien gegenüber nicht aus den Bündnisfall berufen konnten, aber sie machte keine Mitteilung, welche zu dem Glauben berechtigt hätte, daß sie das Vorgehen Oesterreich=Ungarns als eine „flagrante Verletzung des Wortes und des „Geistes des Bündnisvertrages“ ansehe. Die Kabinette von Wien und Berlin #ließen, wenn sie auch Italiens Entschluß, neutral zu bleiben,— einen Entschluß, der nach unserer Ansicht mit dem Geist des Vertrages kaum vereinbar war— bedauerten, die Ansicht der italienischen Regierung dennoch in loyaler Weise gelten, und der Meinungsaustausch, der in jenem Zeitpunkt stattfand, stellte die unveränderte Aufrechterhaltung des Treibundes fest. Gerade mit Berufung auf diesen Vertrag, insbesondere auf dessen Artikel 7, legte uns die Königliche Regierung ihre Ansprüche vor, die dahin gingen, gewisse Entschädigungen für den Fall zu erhalten, daß Oesterreich=Ungarn seinerseits aus dem Kriege Vorteile territorialer oder anderer Natur auf der Balkanhalbinsel zöge. Die k. und k. Regierung nahm diesen Standpunkt an und erklärte sich bereit, die Frage einer Prüfung zu unterziehen, indem sie gleichzeitig darauf hinwies, daß es, so lange man nicht in Kenntnis der Oesterreich=Ungarn etwa zufallenden Vorteile sei, schwer wäre, hierfür Kompensationen sestzusezen.„.: Wagierung talte P. Die Königliche Regierung keitte brese Auffassung, die sowohl aus der Erklärung des seither„verstorbenen Marchese di San Giuliano vom 25. August 1914 bervorgeht, in der es heißt:„Es wäre verfrüht, jetzt von Kompensationen zu sprechen“, wie aus den Bemerkungen des Herzogs von Avarna nach unserem Rückzug aus Herbien:„Ge# genwärtig gibt es kein Kompensationsobrekt.“ Nichtsdestoweniger ist die k. und k. Regierung immer bereit gewesen, über diesen Gegenstand eine Konversation zu beginnen. Als die italienische Regierung, indem sie auch jetzt noch ihren Wunsch auf Aufrechterhaltung und Befestigung unseres Bündnisses wiederholte, besondere Forderungen vorbrachte, welche unter dem Titel einer Entschädigung die Abtretung integrierender Bestandteile der Monarchie an Italien betrafen..., hat denn auch die k. und k. Regierung, die auf die Erhaltung bester Beziehungen zu Italien den größten Wert legte, selbst diese Verhandlungsgrundlage angenommen, obwohl nach ihrer Meinung der in Rede stehende Artikel 7 iemals auf Gebiete der zwei vertragschließenden Feile, sndeorn einzig und allein auf die Balkanhalbinsel Bezug hatte. In den Verhandlungen, die über diesen Gegenstand gepflogen wurden, zeigte sich die k. und k. Resteks von dem aufrichtigen Wunsche geleitet, zu einer Verständigung mit Italien zu gelangen, und wenn es ihr aus ethnischen, politischen und militärischen Gründen, die in Rom ausführlich auseinandergesetzt worden sind, unmöglich war, allen Forderungen der Königlichen Regierung nachzugeben, so sind doch die Opfer, die die k. und k. Regierung zu bringen bereit war, so bedeutend, daß sie nur der Wunsch, ein seit so vielen Jahren zum gemeinsamen Vorteil unserer beiden Länder bestehendes Bündnis aufrechtzuerhalten, zu rechtfertigen vermag. Die Königliche Regierung bemängelt es, daß die von Oesterreich=Ungarn angebotenen Zugeständnisse erst in einem unbestimmten Zeitpunkte, das heißt erst am Ende des Krieges, verwirklicht werden sollten, und sie scheint daraus zu folgern, daß diese Zugeständnisse dadurch ihren ganzen Wert verlieren würden. Indem die k. und k. Regierung die materielle Unmöglichkeit einer sofortigen Uebergabe der abgetretenen Gebiete hervorhob, zeigte sie sich dennoch bereit, alle möglichen Garantien zu bieten, um diese Uebergabe vorzubereiten und sie schon jetzt für eine wenig entsernte Frist zu sichern. Der offensichtliche gute Wille und der versöhnliche Sinn, den die k. und k. Regierung im Laufe der Verhandlungen bewiesen hat, scheinen die Meinung der italienischen Regierung, man müßte auf jede Hoffnung verzichten, zu einem Einvernehmen zu gelangen, in keiner Weise zu rechtfertigen. Ein solches Einvernehmen kann jedoch nur erreicht werden. wenn auf beiden Seiten derselbe aufrichtige Wunsch nach Verständigung herrscht. Die k. und k. Regierung vermag die Erklürung der italienischen Regierung, ihre volle Handlungsfreiheit wieder erlangen zu wollen und ihren Bündnisvertrag mit Oesterreich= Ungarn als nichtig und fortau wirtungslo## zu betrachten, nicht zur Kenntnis zu nehmen, da eine solche Erklärung der Königlichen Regierung im entschiedenen Widerspruch zu den feierlich eingegangenen Verpflichtungen steht, welche Italien in dem Vertrage vom 5. Dezember 1912 auf sich genommen hat, der die Dauer unserer Allianz vis gung nur ein Jahr vorher gestattete zum 8. Juli 1920 festsetzte, eine Kündiund keine Kündigung oder Nichtigkeitserklärung vor diesem Zeitpunkte vorsah. Da sich die königlich italienische Regierung aller ihrer Verpflichtungen in willkürlicher Weise erledigt hat, lehnt die k. und t. Regierung die Verantwortlichkeit für alle Folgen ab, die sich aus dieser Vorgangsweise ergehen könnten.“„„ F526, Die Kampfe der Eurten. Zurückgeschlagene feindliche Angriffe an den Tardauellen. :: Das türkische Große Hauptquartier teilt unterm 21. d. M. mit:„An der Dardanellenfront setzte der Feind in der Nacht zum 20. Mai um Mitternacht einen Angriff gegen unseren rechten Flügel an, welcher jedoch vor unserem Gegenstoß scheiterte. Ebenso wurden Angriffe gegen unser Zenirum und unseren linken Flügel verlustreich für den Feind zurückgeschlagen, welcher bei seiner überstürzten Flucht 80 Tote in den Schützengräben zurückließ. Gestern sand kein Gefecht auf diesem Abschnitt statt; nur einer unserer Flieger bewarf den Feind wirksam mit Bomben, deren eine auf einen großen Transportdampfer siel. Gestern vormittag versuchten die Alliierten bei Sedd=ül=Bahr unter dem Schutz ihrer Schiffsgeschütze einen überraschenden Angriff gegen unseren linken Flügel, hatten aber keinen Erfolg und wurden durch unseren Gegenangriff mit dem Bajonett vertrieben. Feindliche Schiffe nahe der Einfahrt in die Meerenge versuchten den vergeblichen feindlichen Angriff gegen unseren linken Flügel durch heftiges Feuer zu unterstützen und vortragen zu helfen, ber unsere vorgeschobenen Batterien auf dem anatolischen Ufer beschossen die feindlichen Schifse erfolgreich und trafen zwei von ihnen mehrere Male. Von den anderen Kriegsschauplätzen ist nichts zu melden.“ Die Stadt auf dem Koffer. :: Der Kriegsgott ist trotz der vielen tausend Jahre, die er auf dem Rücken hat, ein gar munterer Gesell geblieben, und es wäre durchaus falsch, ihn nur im schaudererregenden Lichte des Mannes mit der Hinne zu sehen. Verade in diesem Weltkriege hat' er sich eine Anzahl Stücklein geleistet, die wir unbedenklich als die hervorragendsten Leistungen seines grimmigen Humors bezeichnen dürfen. Von Aristophanes bis zu Bernhard Shaw hat kein Komödiendichter dieser Welt jemals den kostbaren Stoff abgehandelt, wie er z. B. in der „Ayesha"=Fahrt der„Emden"=Mannschaft mit den Händen zu greisen ist. Da gondelt diese Nußschale viele hundert Meilen sicher durch Sturm und Wellen, durch ein Spalier feindlicher Kriegsschiffe und muß schließlich von der eigenen Mannschaft umständlich in Grund gebohrt werden, während das stolze Gegenstück, die mit raffiniertem Witz gegen alle Zufälle und Widrigkeiten der Schiffahrt gebaute„Lusitania“ an einem einzigen Torpedoschuß elendiglich zu Grunde geht. Freilich hatte sie auch, gleich wie eine Ratte, den ungelöschten Kalk in Gestalt der amerikanischen Munition in sich hineingefressen und platzte wie diese, als sie ans Wasser kam. Und dann der Zug der wahrhaftigen Jünger Sir John Falstaffs in den Gewässern Bergens gegen die Schiffe der eigenen Flotte, die 18 Schuß des französischen Kriegsschiffes auf die Fahnenstange des deutschen Konsulats von Alexandrette bis herab zu Abfuhrtonnen, die unsere Feldgrauen als 42=Zentimeter=Mörser für neugierige seindliche Flieger hinten in den flandrischen Schützengräben eingebaut hatten. Ach ja, Gott Mars hat's in sich und wir danken es ihm, daß die Lichter seines Humors in diesem Weltkriege noch immer zu unseren Gunsten In den letzten Tagen hat er sich abermals eine nette Sache geleistet und die Tragödie einer ganzen Stadt mit einem versöhnenden Schimmer grimmigen Kriegshumors umkleidet. Der größte Handels= und Hafenplatz Oesterreichs— Triest— steht urplötzlich vor den folgenschwersten Ereignissen. Hart an der österreichisch=italienischen Grenze gelegen und seit undenklichen Zeiten von der Italia irredenta für die grün=weiß=rote Flagge reklamiert, ist sie sich vollkommen klar darüber gewesen, daß im Kriegssalle die Macht auf der anderen Adriaseite sie zuerst mit Beschlag belegen würde. So war die Stimmung seit Ausbruch des Weltkrieges hier nie recht geheuer und man kann sich ungefähr denken, welche Wogen der Erregung durch die Stadt gingen, als die Bedingungen bekannt wurden, unter denen Italiens Eintreten in den Krieg angeblich verhindert werden konnte. Triest sollle, entgegen allen Erwartungen und Forderungen der Itredentisten, nicht Italien angeschlossen, sondern autonom werden und damit nach der Ansicht ihrer maßgebenden kommerziellen Kreise sogar einer glänzenden Zukunft entgegengehen. Mit einem Schlage erschien hier alles im schönsten Licht, an die Kriegsgefahr glaubte unter diesen Umständen niemand mehr, den Hetzern war der Boden für jede weitere Agitation entzogen und in den Needereien und den Kontoren der Kaufleute sonnte man sich bereits in dem Lichte, das der künftige Welthafen schon jetzt auszustrahlen schien. Da plötzlich zeigt der Kriegsgott sein wahres Gesicht, zeigt, daß er eine volle Woche hindurch mit den Stimmungen und Gefühlen einer Stadt von 240 000 Einwohnern Fangball gespielt hat, und nun ist das Entsetzen allgemein. Denn Oesterreich wird natürlich alles tun, um die Perle der Adria in ihrer jetzigen Fassung zu erhalten, und so sitzt die Stadt in diesem Augenblick gewissermaßen auf dem gepackten Koffer, dem Koffer, der in den letzten acht Tagen abwechselnd ein= und ausgepackt wurde, und an dem der italienische Entscheidungstag den Schlüssel herumdrehen, während er gleichzeitig seinen Eigentümer zu schleuniger Flucht veranlassen wird. So bietet augenblicklich Triest, vor allem in der Hasengegend, wo die Paläste der staatlichen und städtischen Verwaltung#der„reichsten Leute Triests die Riesengebaube der Reedereien und Gloßraufleute und die großen Hotels stehen, einen niegesehenen Anblick. Gewiß, wir haben in Ostpreußen ähnliches erlebt, haben auch in Galizien Einwohner großer Städte vorübergehend auf der Wanderschaft betroffen, aber daß eine Stadt, deren Einwohnerschaft fast zu drei Viertel die Sprache des Landes spricht, das sie mit Krieg überziehen will, vor dem„Befreier“ flüchtet, dies ist eine Groteske, die dadurch nur noch in ihrer Wirkung sich steigert, daß vorsichtshalber auch diejenigen ihre Koffer gepackt haben, die diese„Befreiung“ durch eine jahrelang und skrupellos betriebene Agitation herbeizuführen suchten. Denn wenn die Kanonen zu reden beginnen, heißt es auch für den sonst so zungenfertigen Irredentisten:„Welt vom Ziel ist gut vorm Schuß!"— Der Kriegsgott aber lacht dazu. Ungefähr 40000 Triester haben in den letzten Tagen bereits die Vaterstadt verlassen, die große Mehrzahl natürlich in der Richtung auf Venedig. Andere sind nach Graz, Marburg, Wien und Salzburg gegangen. Die National=Italiener, die in Venedig eine freudige Aufnahme als wiedergewonnene Söhne des einen, unteilbaren Italien erhofft hatten, sind jedoch bitter enttäuscht worden. Man hat sie bis nach Sizilien hinunter abgeschoben und die Heerespflichtigen selbstverständlich gleich eingereiht. Ein Zurück gab es für niemand mehr. Daheim aber, in Triest, sitzen die, welche bis zum letzten, entscheidenden Augenblick aushalten wollen oder müssen, und schauen trübselig auf das weite Meer hinaus, auf dem langsam die letzten Dampser der österreichischen Handelsflotte verschwinden und sichereren Gestaden entgegensteuern. Und trotz der grellen Sonne des Südens, die sich breit und behaglich auf die leergewordenen Hafenstraßen und verödeten Plätze der Stadt legt, ist es, als wenn eine zunehmende Dunkelheit über Triest sich breitet, und els wenn es kalt und unfreundlich wird in der sonst so schönen Stadt, die heute die Stadt au dem Koffer ist.„6 Paul Schweder, Kriegsverichterstantr. Ansere Kavallerte. (Ausschnitte aus Feldpostbriefen.) Attacke. ::„Bis gegen 3 Uhr nachmittags harrten wir dort, in brennender Ungeduld, jeden Adjutanten, jeden Radfahrer anrufend, doch ohne näheren Bescheid zu bekommen. Die Kanonade war sehr heftig, häufig flogen sogar die Granaten über unsere Köpfe, das Gewehrfeuer klang immer näher und näher, und wir, wir standen und warteten, standen uns fast die Beine in den Leib. Endlich, endlich kam unser Alter angesprengt, ein kurzes Signal, und im Trab ging's um die Waldecke herum, gerade auf ein zurückgehendes Bataillon Russen los, die uns, weil wir gut gedeckt anritten, erst im letzten Moment gewahr wurden. Gegenwehr nützte nichts mehr, denn im sausenden Galopp kamen wir angesegt, alles niederreitend, was uns in den Weg kam. Unsere guten Klingen verrichteten glatte Arbeit. Das war Vergeltung für Memel, und nur wenige Russen kamen davon, indem sie sich in den Wald retteten. Eine Feldbatterie wurde glatt überritten. die Bedienungsmannschaften niedergesäbelt, und weiter ging's. Leider schnappte uns nachher die Infanterie die kostbare Beute vor der Nase weg, und wir, die wir die Batterie doch eigentlich erobert hatten, hatten das Nachsehen. Feindliche Reiterei bekamen wir leider nicht vor die Klinge, die Kerle machten sich unsichtbar, wie schon so oft, und so mußten wir leider für den Tag uns zufrieden geben und uns mit dem begnügen, was wir erreicht hatten, denn wir mußten uns sammeln. 240 Gefangene hatte uns dieser Spaß doch eingebracht, dazu über 20 Wagen mit Munition und Bagage. Wenigstens etwas, wenn auch nicht viel. Die Russen wurden nachher wieder in ihre alten Stellungen zurückgedrängt und hatten sehr schwere Verluste. Der Spaziergang war ihnen also übel bekommen.“ Kavallerie im Schützengraben. ::„Wir hatten in der ersten Zeit punkto Dreck und Unsauberkeit schon viel mitmachen müssen, es war das auch in Polen. doch so wie auf unserem jetzigen Marsch war’s ioch nie und wir litten alle sehr darunter. Zum Glück kamen wir, ehe wir ganz verdreckt ind verlaust waren, in die vorderste Linie, ind mußten zwar vorerst wieder Schützenjrabendienst tun, was uns zwar auch nicht behagte, doch noch immer tausendmal besser war, wie in den Ortschaften zu biwakieren. Hier in unserer Stellung wiesen wir gleich am zweiten Abend einen Angriff der Russen ab, die in der Dämmerung bis nahe an den Drahtverhau herangekrochen waren, und nun versuchten, uns zu überraschen. Wir gaben's ihnen tüchtig, und zeigten bei dieser Gelegenheit, daß deutsche Reiter auch zu Fuß ihren Mann zu stellen vermögen. Nur mit den Handgranaten und Handbomben können sich unsere Leute noch nicht recht befreunden, die Dinger sind auch nichts für Kavalleristen. Ein Glück war's, daß unser Schützengrabendienst nur sechs Tage dauerte, es war doch zu langweilig und lag uns nicht, dann hieß es weiter, fernem Kanonendonner zu.“ Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraae, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Am Samstag, den 29. Mai, rachmittags 5 Uhr, sollen oberhalb des Kühling'schen Steinbruches in der Ackersbache 11 Nummern Klee 1. und 2. Schnitt versteigert werden. 2471 Haus Husen bei Weshosen i. W., im Mai 1915. Sonntag. den 30. Mai, nachm. 4 Uor. 39. Jahrkrfest des Hellweger in der evang. Kirche zu Holzwickede. Festprediger: Herr Pastor Meinberg aus Düsseldorf u. a. Es ladet herzlich ein Strathmann, Pfr. Larakaften vom italienischen Kriegsschauplatz sind vorrätig in der Buchhandlung CARL BRAUS Schwerte(Ruhr.) Gr. Marktstrasse 3—5. 170 2477 empfichlt A. Wemnberg. Fächer-Banknotentaschen, in Preis und Ausführung unübertroften:= — für Herren Mk. 2 50 per Stck., " Damen" 2 25„„ E Ferner empfehle: von Hindenburg-Vexlergeldtaschen„Wir besorgt für Schwerte u. Umgeg. halten durch“, pro Stück 0 Pf. Letztere auch mit Reklame- zuverlässiger, hautionskräftiger pägung. bei 100 Stck. 20 Pl. 2467 Mann. Gesl. schr Angeb. mit Paul Knäbel, Papiergeldtaschenfabrik, Drosden-Blasewitz. Mann. 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Außerdem erschienen in den Zeitungen öffentliche Aufforderungen an die„germanischen" oder„teutschen“ Frauen und Jungfrauen; sie möchten alle ihren Geist anstrengen und Muster, sowie Gutachten einsenden zu einem weiblichen National=Festgewande, das jedes deutsche Mädchen, jede deutsche Hausfrau für alle Zeiten bei Festlichkeiten tragen solle, statt der Pariser Alfanzereien. Doktor Meyerhoff in Bremen arbeitete an einem ähnlichen Plane für Männer. Er reiste in Deutschlands Gauen umher und hielt überal!„Vorlesungen über Nationaltracht“, in denen er selbst bald als„Hausvater", bald als mit dem Kreuzschwert gegürteter„Kämpfer“ sich zur Schau stellte. Doch fielen alle diese Bestrebungen jämmerlich ins Wasser. Es zeigte sich, daß es eine Narrheit sei, die Mode, diese launische Göttin, zwingen und ihr ein Gesetz geben zu wollen, das für ewige Zeiten eine bestimmte Kleidung festsetzen sollte. Mit Erfolg eiferten in Süddeutschland angesehene Frauen gegen die Einführung einer weiblichen alldeutschen Nationaltracht. In Berlin aber, wo die Stutzer im Jahre 1815 Samtbaretts und schwarz=rot=goldene Schärpen trugen, schmückten sich die fashionablen jungen Mädchen mit Hüten, die genau so aussahen wie Kürassierhelme. Partie Nr. 370. Turnirrpartie, gespielt im„Ciry cf London Chess Club“. Weiß: P. W. Sergeant.— Schwarz: R. Loman. Schach. a 9. ## n 8 Bearbeitet von E. Schallopp. Aufgabe Nr. 367. Von L. B. Salkind in Moskau. Problemturnier des„Natal Mercury“ 1912 preisgekrönt. Schwarz: 6 Steine. Weiß: 9 Steine. Weiß zieht an und setzt mit dem 3. Zuge matt. Wpyxung s-.—os 3(8100)-, Jn- eito estr-1 U s 00 G9S 98—18 7p—1#1 Abgelehntes Damengambit. Weiß: 1. 42—44 2. 02—04 3. Sbl—c3 Schwarz: 47—45 e7—66 c7—05 Von Dr. Tarrasch als beste Verteidigung empfohlen. 4. C4X05 4. e2—e3 gilt hier als die stärkste Fortsetzung. Der Textzug erleichtert dem Anziehenden die Entwicklung. 4.. e6X05 5. Sgl—13 Sb8—c6 6. 82—83 Diese Art der Entwicklung des weißen Spiels erscheint recht günstig und bewährt sich in der vorliegenden Partie aufs beste. 6.. Sg8—f6 7. L/1—82 Lc8—e6 8. 0—0 L18—e7 Wir dürfen a7—46 vorziehen: Schwarz verliert ein 19. Dale5—2 T48—47 Sc6—65 De6Xes wesentliches Tempo. 9. d4Xc5 10. Sc3—a4 11. S13—44 12 e2—03 13. Sd4Xe6 14. b2—53 15 Lc1—b2 Le'xc5 1.c5—e7 0—0 Da8—47 f·Xe6 Ta8-48 e6— 5 Diese Bauernstellung erweist sich nicht als so stark, wie Schwarz sie eingeschützt hatte, 16. Tal—cl D47-s5 Vielleicht verdiente Da7 —e6 den Vorzug. Auf 17 —b6 könnte 11. Sb5— 3 e5 —e4 18. Sc3X05 SIöX45 19. Lg2Xe4 ein für beide Teile schwieriges Spiel ergeben. 17. Sa4—c5 L=7Xc5 18. TclXc5 D15—46 20. De2—b5 21. Tfl—41 22. I.b2Xe5 23. T05—c2 Um das Eindringen der schwarzen Dame über b2 zu verhindern. 23.... De5—h5 24. T0l—42 T07-17 Verlockend, aber ungesund war hier S16—g4; die Folge würde sein 25. DböXd7 Dh5 Xh2+ 26. Kgl—f1 Sg4X e3+ 27. Kfl—e2 S•3Xc2 28. DI7X05- Kg8—18 29. D.l5Xe4 Sc2—b4 30. Det -e7 und Weiß wird gewinnen.(„The Field“.) 25. h2—53 D55—e5 26. T.12—44 717—07 Ein schwacher Zug infolge von Zeitbedräugnis. 27. Lg2Xe4! St6Xe4 Etwas besser war hier der Abtausch der Türme, wobei Schwarz mit nur einen Bauern im Nachteil geblieben wäre. Ein verlorenes Spiel hatte er aber auch dann. 28. Tc2Xe7 D. 5Xc7 29. Do5X05+ Kg8—b8 30. TdiX-4 718—08 31. Te4—64 Deire7 32. 145—4 De7—f6 33. 4—44 34. D. 4X0 K31—g2 Do7-a8+ Ta—.8 T·48—118+ Das—e8+ 1h8X·8 Te8—66+ 106—46 T48—c8 Tc8-c1+ 7—6 Kn8—117 D.6—eß Kh7—46 DeßXes Tcl—c2 K26—1. Aufgegeben. Bumur. Unwiderleglich. Richter, zum Zeugen:„Sie wollen beschwören, daß das nicht Ihre Handschrift ist?“ Zeuge:„Kann ick, Pan Richter.“ „Sicht sie auch Ihrer Schrift nicht ähnlich Car nir“ 1.6 u. S „Sie wollen also auch beschworen, daß die Schrift der Ihren nicht gleicht?“ „Will ick berschwörren“ „So? Können Sie das denn auch mit gutem Gewissen?“ „Kann ick, weil kann gar nix schreiben!“ Auflösung des Rebus aus voriger Nummer: Wer andere mit Geduld unterrichtet, hebt sich selbst. S Tgögg E STTSSSSOSURSS S•NERE T a T -S-PeSogSSg! SHSSEDLTDTHES Grites und ällestes Cagesorgan des Kreiles. O haugf-Annoncenblan Hrt läßt nicht von Art. Kona!. * Roman ve 41%ledith atmete tief auf und wanvie#. dann wieder der Hausdame zu, die mit #### einem etwas maliziösen Lächeln neben e# i ihr stand. „Nun wohl,“ sagte sie,„nachdem zu H. Hill. (15. Fortsetzung.) mandte sich Dienstag, 25. Mai 1915. diese Angelegenheit abgetan ist möchten Sie mir nicht jetzt erklären, was es zu bedeuten hat, daß die Tür verschlossen ist, und daß sich der Schlüssel nicht im Schloß befindet?“ Die Gefragte, die wieder ihre vorige unverschämte Miene aufgesetzt hatte, lachte kurz auf. „Sie wären vielleicht besser auf Ihrem Schlosse geblieben, mein gnädiges Fräulein, wo Sie die Leute nach Ihrem Belieben kommandieren und zur Rede stellen konnten. Hier kann ich mir zu meinem Bedauern ein Dreinreden in die Hausordnung von niemandem gefallen lassen.“ Die Komtesse blieb unbeweglich. „Ich wiederhole meine Frage,“ sagte sie kalt,„und ich warte auf Antwort.“ „Ich gestehe, daß ich nicht übel Lust hätte, Sie darauf warten zu lassen, solange es Ihnen beliebt. Aber da ich sehe, daß Sie etwas nervös sind, will ich nicht unhöflich sein und Ihnen mitteilen, daß sich augenblicklich ein Geistes ranker im Hause befindet, der wegen seiner Gemeingefährlichkeit an Fluchtversuchen gehindert werden mutß“. H— g.— Gsicht Edith glaubte nicht ein Wort oavon. Der Gesichtsausdruck des Mädchens strafte ihre Rede gar zu augenfällig Lügen. „Ich will Ihnen etwas sagen,“ erklärte sie mit erzwungener Ruhe.„Wenn Sie nicht sofort den Schlüssel in das Türschloß stecken und ihn mindestens eine Viertelstunde darin lassen, werde ich mich durch das Fenster bei erster Gelegenheit mit dem Schutzmann in Verbindung setzen, der, wie ich gesehen habe, in kurzen Zwischenräumen die Straße abpatrouilliert.“ Der Ton dieser Ecklärung konnte der anderen keinen Zweifel lassen, daß sie bitter ernst gemeint war, und die Wirkung war eine dementsprechende. Sie schien für einen Moment sehr verblüfft, und dann sagte sie 6ögend:.....: Gewicht daranf „Wenn— wenn Sie so großes Gewicht varauf legen, kann ich ja hingehen und den Schlüssel holen.“ „Ja, tun Sie das, bitte. Sie haben ja gehört, zu welchen Schritten ich mich sonst genötigt sehen wüirde:„ „Aber Sie mussen mir wenigstens versprechen, bis zu meiner Rückkehr nichts Derartiges zu tun. Es kann (Nachdruck verboten.) Bvs uen den nämlich eine kleine Weile vergehen, bis ich„icherpeit Schlüssel bringe, da doch erst die nötigen., gu# vorkehrungen getroffen werden müssen, 1 fliehen des Geisteskranken zu verhindern." „Gehen Sie, bitte!“ wiederholte die Komtesse mit einer gebieterischen Geste ihren Besehl. Das geforderte Versprechen leistete sie nicht, und die„Hausd“ offenbar nicht den Mut, ihr Verlangen zu wiederholen. Sie begnügte sich, einen gistigen Blick auf das junge Mädchen zu wersen, bevor sie das Zimmer e# Obwohl sie sich bemühte, sehr leise aufzutreten, engng es bei der im Hause herrschenden Stille doch dem scharfen Ohr der Komtesse nicht, daß sie, statt in das obere Stockwerk emporzusteigen, die in den Keller führende Treppe hinabging. Edith eilte zur Ti horchte. Sie glaubte sich nicht zu täuschgge, is. die, dos Geflüster zweier Stimmen, einer weiblichen und einer männlichen, zu vernehmen meinte, und fester als zuvor war sie jetzt davon überzeugt, daß der„geisteskranke Patient“ nur ein Phantasiegebilde dieser sonderbaren ob man ihrem Verlangen. bezügsich des Schlüssels Folge leisten würde oder nicht. Und sie war fest entschlossen, ihre Drohung auszuführen, wenn es nicht geschähe. Denn in diesem Fall konnte es ja keinem Zweifel unterliegen, daß man die Tuc nur verschlossen hielt, um sie am Verlassen des Hauses zu hindern, und daß sie in Wahrheit hier nichts anderes Und wenn man ihrem Willen willfahrte, wenn sie damit die Freiheit erhielt, zu gehen, wie und mann es ihr gefiel, was sollte sie dann tun? Sie sühlte sich kaum noch imstande, länger in diesem schmutzigen, unhe mlichen Hause auszuharren, gefoltert von der qualvollen Ungewißheit eines Wartens, das sich bis ins Endlose zu dehnen schien. Es gab ja hier so vieles, das sie beunruhigte und ängstigte, auch wenn nicht schon die schreckliche Monotonie dieser trostlosen Einsamkeit an ihren Nerven gezehrt hätte, und sie fühlte, daß sie hier mii jedem Tage schlechter und mit teidloser wurde. Wie oft hatte sie sich in den letzten Stunden auf dem heißen Wunsche ertappen müssen, daß der Mensch da oben sterben möge, nachdem es ihr auf irgendeine andere Weise, als durch die fürchterliche Heiratskomödie gelungen sein würde, sich des verhängnisvollen Papiers zu bemächtigen......„ Wahrhaftig, der Gedanke an die Möglichreit einer Flucht hatte in diesem Augenblick etwas beinahe unwiderstehlich Lockendes, und sie wartete mit klopfendem S SESE 8 90 n * * D E E 6n 13 DEEN S W** 8 4 72 Herzen auf die Entscheidung, die mit der Rückkehr des Mädchens erfolgen sollte. Das Geflüster draußen hörte auf, und Edith hatte nur eben Zeit gehabt, rasch bis in die Mitte des Zimmers zurückzutreten, als die Hausdame ohne vorheriges Anklopsen wieder im Gemache erschien. Sie hielt einen Schlüssel in der Hand, den sie mit einer hochfahrenden Geste auf den Tisch legte. „Da haben Sie, was Sie wünschten,“ sagte sie. „Ich habe den Schlüssel nicht in das Schloß gesteckt, weil es mit Rücksicht auf unseren geisteskranken Patienten zu gefährlich wäre. Und ich möchte aus diesem Grunde auch Sie ersuchen, es nicht zu tun. Aber Sie können den Schlüssel eine Viertelstunde lang hier behalten, so, wie Sie es mir vorhin zur Bedingung machten. Dann werden Sie doch wohl überzeugt sein, daß Sie hier keine Gefangene sind, wie Sie es merkwürdigerweise zu vermuten scheinen.“ Sie ging, und Edith betrachtete den Schlüssel, ohne recht zu wissen, ob sie einen Grund hatte, sich befriedigt zu fühlen. Vielleicht handelte es sich nur um ein betrügerisches Manöver, um einen„Bluff“, wie ihr Großvater es genannt haben würde, und der Schlüssel, den man ihr da gebracht hatte, war möglicherweise gar nicht der rechte. Darüber wenigstens wollte sie sich unter allen Umständen sogleich Gewißheit verschaffen. Sie eilte hinaus, schob ihn ins Schloß und drehte ihn um. Mit diesem Verdacht wenigstens hatte sie den Leuten im Hause unrecht getan. Der Riegel sprang zurück, und es bedurfte nur noch eines Drucks auf die Klinke, um die Haustür zu öffnen. Soweit sie zu erkennen vermochte, gab es in diesem Augenblick nichts mehr, das sie gehindert hätte, das Haus zu verlassen, wenn sie es so wünschte. Und wieder fühlte sie sich fast übermächtig versucht, die Gelegenheit zu benutzen und hinauszueilen, so, wie sie ging und stand, nur von dem einen Wunsche beseelt, dieser abscheulichen unerträglichen Umgebung zu entrinnen. Aber der Gedanke an den Geliebten trat von neuem als ein unübersteigliches Hindernis zwischen sie und den Weg in die Freiheit. Es wäre eine schmachvolle Feigheit gewesen, wenn sie den Kampf um die Ehre und das Leben des Geliebten aufgegeben hätte, ohne daß ein unabweisbarer Zwang dazu vorlag. Gerade die Gewißheit, daß man nicht daran dachte, sie gegen ihren Willen hier zurückzuhalten, mußte sie in ihrer Entschlossenheit bestärken und mußte ihr Mut verleihen, auszuharren, bis das Ziel erreicht war, um dessentwillen sie alle diese furchtbaren Prüfungen auf sich genommen. So drückte sie denn mit einem tiefen Seufzer die Tür zu, drehte den Schlüssel und zog ihn wieder ab. Während sie dann dem Wartezimmer zuschritt, war es ihr, als hörte sie ein höhnisches Kichern von der Kellertreppe her, und sie zweifelte nicht, daß ihr Beginnen dort aus dem Dunkel scharf beobachtet worden sei. Noch einmal stieg jenes Angstgefühl in ihr auf, das ihr vorhin den sehnlichen Wunsch nahegelegt hatte, zu entfliehen, aber noch einmal zwang sie es nieder und kehrte in das Zimmer zurück, ohne sich um die Späher zu kümmern. Sie legte den Schlüssel auf den Tisch und wartete auf das Wiedererscheinen der Hausdame, die denn auch, fast auf die Sekunde pünktlich, nach Ablauf der bedungenen Viertelstunde eintrat. Mit demselben höhnischen Lächeln und in demselben unverschämten Ton fragte sie, ob die„gnädige Komtesse“ jetzt beruhigt sei. Edith verschmähte es, ihr anders als durch ein leichtes Kopfneigen zu antworten, und die andere zog sich ohne weitere Bemerkung zurück. Wieder aber entfernten sich ihre Schritte nicht in der Richtung nach oben, sondern nach der Kellertreppe hin, in welcher Richtung sie doch wahrlich nichts zu suchen hatte. Dort unten pflegte sich, wie Edith bereits festgestellt hatte, der Kammerdiener Weigelt aufzuhalten, und sie konnte aus allem, was sie an diesem Abend erlebt, nur den Schluß ziehen, daß sehr nahe Beziehungen zwischen ihm und diesem fatalen Fräulein Johannsen bestehen mußten. Da es um die Stunde war, wo man ihr ihre Abendmahlzeit zu servieren pflegte, wollte sie in ihr Schlafzimmer hinaufgehen, um sich die Hände zu waschen. Sie befand sich in so verzweifelter Stimmung wie kaum je zuvor seit dem Augenblick ihres Eintritts in dieses Haus. Denn sie konnte den Eindruck nicht loswerden, daß sich hinter der scheinbaren Oberfläche der Dinge, die wahrlich an und für sich schon schrecklich genug war, noch irgendwelche düsteren Geheimnisse verbargen, die sie nicht ergründen konnte, von denen sie aber instinktiv fühlte, daß sie für sie schweres Unheil bedeuteten. Ehe sie die Tür des sogenannten Wartezimmers hinter sich schloß, stand sie ein paar Sekunden lang lauschend still. Aber von oben her drang kein Laut zu ihr herab. Dieselbe Totenstille, von der sie schon so oft geängstigt worden war, erfüllte auch heute das ganze Haus. Da kam ihr plötzlich wie eine impulsive Eingebung das Verlangen, selbst hinaufzugehen und sich durch den Augenschein zu überzeugen, ob man ihr die Wahrheit gesagt hatte, als man immer und immer wieder von dem unveränderten Zustand des Schwerkranken sprach. Und diesmal zögerte sie nicht, dem Verlangen nachzugeben. Statt sich nach ihrem Schlafzimmer zu wenden, stieg sie noch eine Treppe höher, bis in das zweite Stockwerk hinauf und näherte sich dem Zimmer, darin sie den Verletzten wußte. Zu ihrer Ueberraschung nahm sie wahr, daß die Tür nicht geschlossen, sondern nur angelehnt war. Auf den Fußspitzen schlich sie sich heran, um durch einen leisen Druck der Hand den Spalt so weit zu vergrößern, daß ihr der Einblick in das kleine Gemach möglich wurde. Im nächsten Moment aber prallte sie in höchstem Entsetzen zurück. Denn das Zimmer war leer, und das Bett, auf dem sie einen Sterbenden zu sehen erwartet, war unberührt. 29. Kapitel. Auf den Zehen, wie sie heraufgestiegen war, begab sich Edith nach sekundenlangem Zaudern wieder in den ersten Stock hinab, wo ihr Schlafzimmer lag. Daß sie das Opfer irgendeines schändlichen Betruges geworden war, unterlag für sie jetzt, nachdem sie das Krankenbett leer gefunden, keinem Zweifel mehr. Aber noch war sie nicht imstande, die Absicht derer zu durchschauen, die das frevelhafte Spiel mit ihr getrieben. Daran, daß man den Kranken aus irgendwelchen Gründen in ein anderes Zimmer geschafft habe, glaubte sie nicht. Das hätte sich kaum ohne einiges Geräusch bewerkstelligen lassen, und die Totenstille, die während all dieser Tage hier oben geherrscht hatte, sprach dagegen. Wenn aber diese einzige beruhigende Erklärung ausgeschaltet wurde, so blieb keine andere Möglichkeit als die, daß von vornherein alles nur Gaukelspiel und schmachvolle Komödie gewesen war. Der Unglücksfall mit all seinen Folgen war eitel Trug gewesen, und nicht einen Schwerkranken hatte sie vor sich gehabt, sondern einen geschickten Schauspieler, der sie mit Hilfe etlicher verbrecherischer Helsershelfer schnöde hintergangen. Den Zweck der raffinierten Intrige freilich vermochte sie noch immer nicht zu erkennen. Denn dieser Mensch hätte wahnsinnig sein müssen, um zu erwarten, daß er auf diesem Wege sein Ziel erreichen würde. Sie konnte sich wohl einem Sterbenden antrauen lassen, um den geliebten Mann zu retten— nimmermehr aber, nicht einmal um diesen Preis, konnte sie in Wirklichkeit jenem Menschen angehören, den sie als einen Auswürfling verachtete, wie keinen zweiten auf der Welt. (Fortsetzung folgt.) Mein erster Patient. Humoreske von Marie Scheller. (Schluß.)(Nachdruck verdeten.) „Zum Donnerwetter, wer reißt denn da wieder wie verrückt an der Klingel! Wißt Ihr nicht, was sich gehört?“ herrschte ich eine draußen stehende ältere Frau an,„habt Ihr vielleicht wieder—“ „Herrjeh, Herr Doktor, machen Sie mal rasch und kommen Sie zu meiner Gnädigen, dem Fräulein Welling, Wilhelmstraße 17, der Hans hats Bein gebrochen,“ und damit sauste die Frau wieder zur Tür hinaus. Ich atmete wie erlöst auf. Gott sei Dank, endlich der erste Patient! Und gleich ein ernsthafter Fall, bei dem es nicht mit einem Besuche abgetan war. Schnell steckte ich die nötigen Instrumente, Gipsbinden, Verbandwatte und was ich sonst brauchte, zu mir, bestieg mein Stahlroß und sauste wie der Wind nach der Wilhelmstraße. Nummer 17 war ein großes, stattliches Gebäude, fast wie ein Patrizierhaus anzusehen; ich zog die Klingel, ein weißhaariger Diener öffnete mir. „Ich bin der gerufene Arzt,“ erklärte ich diesem, „führen Sie mich zu Fräulein Welling!“ Der Alte verbeugte sich, zog mein Rad herein, führte mich eine breite, mit Teppichen belegte Treppe hinauf und ließ mich in ein mit altertümlicher Pracht ausgestattetes Zimmer eintreten, worauf er sich durch die gegenüberliegende Tür entfernte. Befriedigt blickte ich mich um; die neue Kundschaft schien in guten Verhältnissen zu leben, mithin zahlungsfähig zu sein. Meinen Betrachtungen entriß mich das Geräusch eines aufgestoßenen Stockes, und gleich darauf betrat, auf denselben gestützt, eine kleine verwachsene Dame das Zimmer. Eine große Brille auf der Nase und eine altertümliche flügelartige Haube auf den schneeweißen Haaren trug gerade nicht zu ihrer Verschönerung bei. „Sind Sie endlich da?“ rief sie mir mit scharfer Stimme zu,„haben mich lange warten lassen, mein armer Hans hats Bein gebrochen, kommen Sie schnell, es einzurichten!“ Dabei machte sie kehrt und stapfte mir voran in das Nebenzimmer. Auch dieses war ein großer halbverdunkelter vornehmer Raum, aber so sehr ich meine Augen auch anstrengte, von einem Patienten war nichts darin zu sehen. Das Fräulein war inzwischen auf ein Ruhebett zugegangen und zog von demselben eine seidene Steppdecke zurück. Ich trat gespannt näher, sollte sich unter dieser der Patient befinden? Aber wie von der Tarantel gestochen fuhr ich zurück, was meine Augen erblickten, war kein verunglückter Mensch, sondern ein kleiner, wimmernder Hund, der sich bemühte, sein Hinterbein zu belecken. „Da, Herr Dottor, ist der arme Kranke, Hänschen, mein gutes, sei ruhig, Herzblatt!“ und damit strich die Hand der Dame liebtosend über das glatte Fell des kleinen Bologneserhundes. „Sagen Sie mir,“ fuhr sie zu mir gewendet fort, „was Sie zu der Operation nötig haben, und gehen Sie ja recht behutsam mit meinem Liebling um!“ Diese Worte hatten mir Zeit gegeben, mich von diesem Reinfall etwas zu erholen; entrüstet trat ich von dem Krankenlager zurück und rief: „Was denken Sie denn von mir, mein Fräulein, glauben Sie, ich habe mich als Hundedoktor hier niedergelassen?“ „Ach was, Hunde= oder Menschendoktor,“ fiel die Dame mir ins Wort,„das ist ja ganz egal, wenn Sie nur Ihre Sache verstehen, mit dem Honorar macht das keinen Unterschied; mir ist mein vierbeiniger Freund zehnmal lieber, als ein halbes Dutzend von der zweibeinigen Gesellschaft, die um mich herumschwenzeln und hinter meinem Rücken räsonnieren.“ „Aber mir nicht,“ wollte ich eben ärgerlich sagen, da traf mein Blick den großen Wandspiegel, und gleich einer Fata Morgana dünkte mir das, was er mir vorspiegelte; aus den Falten der dunklen Samtportiere hob sich ein blonder, mir ach nur zu wohlbekannter Mädchenkopf, schauten zwei süße, braune Augen mit zärtlich bittendem Ausdruck mich an.„Gretchen,“ wollte ich rufen, aber da war die entzückende Erscheinung schon wieder verschwunden, und nur eine leise Bewegung der schweren Gardine zeigte mir an, daß mich kein Trugbild geneckt. „Die Tante!" Dieser Gedanke fuhr mir meteorgleich durch den Kopf, und ich war trotz meiner Verzückung besonnen genug, die Tragweite desselben nicht außer acht zu lassen. Mit scherzhaftem Lächeln auf den Lippen trat ich darum der Dame wieder näher. „Einem so beredten Anwalt dieses kleinen Wesens gegenüber darf ich mich nicht länger weigern, die ärztliche Behandlung zu übernehmen.“ Dabei hatte ich den kleinen Köter ergriffen, und in kurzer Zeit war zur größten Zufriedenheit der„Tante“ die Operation vorüber. Wäre ich nun nicht ein Sonntagskind gewesen, so hätte ich wohl schwerlich die Bekanntschaft dieses kleinen Hundeviehs gemacht und so den ersten Baustein zu meinem jetzigen Glücke gelegt. Denn mein öfteres Einund Ausgehen im Hause des hochangesehenen und reichen Fräulein Welling war nicht unbemerkt geblieben— wem meine häufigen Besuche galten— davon hatte man ja glücklicherweise keine Ahnung; man faßte Vertrauen zu mir, mein Wartezimmer füllte sich, ich machte einige glückliche Kuren, und mit Stolz kann ich heute sagen, daß ich der gesuchteste Arzt der Stadt, und was noch viel mehr für mich bedeuten will, der glückliche Gatte meiner angebeteten braunäugigen Grete bin. Vielen Spaß macht es mir, zu sehen, wie meine zwei wilden Rangen im Hause Wilhelmstraße 17 Posto fassen und dem vergötterten Hans den Platz in Tante Wellings Herzen streitig machen, und wenn ich einmal in besonders froher Stimmung bin, erzähle ich in Freundeskreisen gern die Geschichte von meinem ersten Patienten. 82 landelbilder. Frühere Bestrebungen, eine deutsche Nationaltracht zu schaffen. Schon mehrmals ist in der Vergangenheit daran gearbeitet worden, die deutsche Nation von den ausländischen, besonders den französischen und englischen Moden unabhängig zu machen, doch stets vergeblich. Nach dem Befreiungskriege, als der Haß gegen Frankreich noch so gewaltig loderte, und der Enthusiasmus für„deutsche Art und Kunst“ überaus stark war, gab man sich sehr viel Mühe, um eine Aenderung des Kostüms in dem angedeuteten Sinne herbeizuführen. Vornehmlich waren es Studenten, die altdeutsche Röcke und Samtbaretts, mittelalterliche Stiefel und Kreuzschwerter trugen. Das Hauptquartier dieser jugendlichen Schwärmer befand sich in Jena, und aus der übertriebenen Deutschtümelei ging schließlich das Demagogentum hervor, das viele junge Leute ins Unglück brachte. Als die Zeit der Verfolgungen vorüber war, da verwandelte sich auch bald der altdeutsche Rock in das bequeme Kamisol oder den noch bequemeren Flauschrock, und die mittelalterlichen Stiefel wurden mit den sogenannten„Kanonen" vertauscht. Das Kreuzschwert hing man an den Nagel und nahm statt dessen die lange, unschuldige Philisterpfeife in □ Znziehung der Beteiligten so rasch wie möglich die Eigentumsverhältnisse an den beschlegnahmten Cütern prüfen und, seweit diese für die Heeresverwaltung angefordert worden sind, eine angemessene Entschödigung festsetzen. Etwaige An sprüche sind bei dem Präsidenten der Reichsentschädigungskommission, Herrn Geheimen Irtstizrat Dr. Hiamann, schriftlich oder mündlich geltend zu machen. **(Die Stachelleerblattwespe.) Ein bäser Feind unserer Beerersträucher####legt sich um diese Jahreszeit einfinden, die Afterraupe der Stachelbeerblattwespe. An den junteren Schößlingen der Stachelbeer= und Johannisbeersträucher findet man die kleinen grünen Raupen, die einen schwarzen Kerf habene Ein Blättchen nach dem anderen wird von der gierigen Gesellschaft verschlungen, und in einigen Tagen haben sie alle Blätter vertilgt und der Strauch ist vollständig kahl. Nur die nackten, Früchte sitzen noch an den welken Zweigen, von denen sie bald abfallen. Ein rechtzeitiges Vergehen gegen den bösen Feind unseres Beerenobstes ist daher dringend geboten. Am besten sommelt man die gefräßigen Tierchen in ein Kästchen oder Körbchen und vernichtet sie nachher, indem man sie in heißes Wasser wirft. Es ist dies eine Arbeit, die sehr gut ron Kindern verrichtet werden kann. Nach etwa fünf Wochen pflegen sich die Schädlinge wieder zu zeigen, weshalb man dann woch einmal die Sträucher revidieren muß. ** Hennen, 25. Mai.(Pfingstkirmes.) Die Pfingstkirmes, welche alter Sitte gemäß am gestrigen zweiten Pfingsttage stattfand und in früheren Jahren ein beliebtes Ausflugsziel der umliegenden Städte Schwerte und Iserlohn bildete, war in diesem Jahre infelge des Krieges nur sehr wenig beschickt und hatte keinen nennenswerten Besuch von auswärts zu verzeichnen. Westfalen und Rheinland. * Ahlen, 23. Mai.(Das nachstehende komische Intermezzo) soll trotz des Ernstes der Zeit der Oeffentlichkeit nicht vorenthalren bleiben. Erscheint da vor einigen Tagen am hiesigen Postschalter ein Herr; der nach einer postlagernden Geldsendung fragt. Der dienstbeflissene Stephansjünger ersucht ihn um die erforderliche poftalisché Asweiskarte, die er alich prompt vorzeigt. Der Schalterbeamte mustert die auf der Karte angegebene Photographie und stellt fest, daß sie mit dem Original nicht übereinstimmt, da dieses als schönste Manneszierde einen stattlichen Vollbart trägt. Der Herr„trumpft auf", und als das dem Beamten gegenüber ohne Wirkung bleibt, reißt er seine Ausweiskarte an sich und entfernt sich wütend. Nach einiger Zeit lehrt er zurück, in der einen Hand seine Karte, in der anderen den inzwischen mit Hille eines bindigen Bartkünstlers entfernten Pollbart, und triumphierend überreicht er dem Beamten die Karte mit din Worten:„Na, bin ich's jetzt?"„Ja, jetzt sind Gie's!“ entgegnet dieser, dreht sich um und revidiert das Postfach für postlagernde Sendungen,„aber leider ist für Sie kein Geld da!“— Tableau! * Köln, 23. Mai.(Will Henn alles deutsch werden?) An einer Brücke nahe der luxemburgisch=französischen Grenze hält ein Landwehrmann aus der Kölner Gegend Wache. Ein anderer kommt dazu und bringt ihm die neuesten Siegesnachrichten.„Un häste dat schon jehört, Hannes, die„Lan#l-erzähle hier, dat Amerika und auch de Krieg will erkläre?"—„Wot“, rust der Alte ganz bege stert,„will denn die janze Welt mit einmal deutsch werde?“ * Köln, 22. Mai.(Du sollst kein falsches Zeugnis zeiven wider deinen Nächsten.) Einc empfindliche Strafe verhängte die Kölner Strafkammer gezen den Maurermeister Andreas Heller aus Berzheim; der unter der Anklage der Beleisigung und schweren Urkundensälschung stand. Heller hatte einen Brief an die Militürbehörde mit dem Namen Raßbach gesälscht und darin seinen Konkurrenten beschuldigt, derselbe drücke sich vom Militärdienst. Beide waren verfeitdet. Der Staatsanwalt beantragte 14 Tage Gefängnis, aber das Gericht verhängte ein Jahr Zuchthaus bei sofortiger Verhastung. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Auch in Kriegszeiten muß gehausputzt we den. Dabei ist eine billige, gründlich säubernde Kratt geradezu unentbehrlich. Luhns Wasch=Extrakt in Rotdand=Packung zu 15 Pf. Korroit G. 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Es wird höfl. gebeten, von Beileidsbesuchen abzusehen Fern von der lieben Helmat Moßtest du-dein Leben lagsen, Im Kampf mit fremden Horden Für's Vaterlund erblassen Doch-bist du nun auch tot Und schloß dein Auge sich, Im Herzen deiner Eltern und Geschwister Lebst du ewiglich! Du. Gott, gabst uns ein Kind als teutes Pfand, Wir legen es zurück in deine Vaterhand. Dem. Ierrn der Heerscharen hat es ge## fallen, unsern unvergesslichen Sohn, lieben Bruder, Schwager, Onkel und Neffen, den Nusketier Heinr. Wöste m Alter von 21 Jahren auf diem Felde der Ehre den Heldentod für's Vaterland sterben zu lassen. 2473 In tiefer Trauer: Familie Wöste. Schwerte, Eilpe, Wismar, Hohenlimburg und Frankreich. 8 Emil Lohmann und Frau: Toni, geb. Ashauer zeigen hocherfreut die Geburt ihres Töchterchens Gudrun Gu an I Westhofen i., Westf., den 23. Mai 1915. 2472 1 SiziS Einj., Fanur, ur beita Priw, Abitur Tos. Prosp. 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Viehseuchenpolizeiliche Anordnung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund der§§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 Reichsgesetz Blatt Seite 519 mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. auf einer Weide an der Ruhr in Wandhofen unter dem Rindviehbestande des Metzaermeisters Bucker zu Schwerte. Als Speirbezirk wird bestimmt: Weiden der Gemeinde Wandhosen zwischen Ruhr und Chaussee Schweite—Westhofen und Eisei b ihn Schwerte—Iserlohn und Wasserwerk des Kreises Hörde. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehlemhenpolizeilich en Anordnung vom 25.(März 1915 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung vom 31. März cr. Nr. 76(Beilage)) enthalten ist. Ein Beobuichtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnille 11—VII einschließlich der genannten Anordnung bleiben mit der Matzgade destehen, daß der erste Satz des§ 5 Jsser. t wie folgt geändett wird In dem Anie Westhosen wird verboten. Syrde, ien 22. Mat 1915. Der Landrat. 2469 J. V. Burchard, Regierungsassessor. 10 Corge? „Hammonia verleiht jeder starken Dame eine' gute Figur und eitzt bequem, auch in sehr weiten Nummern vorrätig. Otto Marx Schworte, Intenatr. 90 Dr. Ad. Heier s Sanatorium Bremen, Rotenburgerstr. 1 Spezialbehandlung von Hautkrankheiten. Preßflechten, Hauttuberkulor Pistein. Hautgeschwülsten ohne Operation, nach eigen. suxjähr. erproht Methede. Keine Bestrahl. Weien!! kürz, Kur. Prospekt und ausführliche Broschüre frei. ∆ ∆ ∆ □ ∆ 0 □ □ 8. 6 ∆ 0 St * 00 9 c C0 0 □□ □ □ 3 C0 1• 00 * C0 * c 9—. □0 8 □ * C □ S 00 n 0 —— 0 00 ∆ C—. —. □: □ alte Mahlung empfiehlt 2476 E. Welnberg. en Modenalbum 60 M, Gavort S/ggchaltung# it Handardtsald. 60. 1! Favorit Schutttmuster 1.. 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