Ge Scurim Seiuer aicen auder Feiertags. Bezugsprets M. 50 AAhrlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchenkl. Grakisdeilage:„Iäustrierter Hamillensteund" v. tägl. Unterdaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petttzeile H oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Renlamezetle 40 Pfo. Jed Radatt gilt als Kassarnbalt u. erlischt bei RonRchdrachnnd erach.-Johemecbehionene. Deacucungt grzatt. Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Nr. 114. 85 Verbunden mit: er gen nieit we Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Dolkszeitung Schwerter Cageblait 0 Schwerter Hnzeiger Grltes und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis börde o Haupt-Kononcenblan Dienstag, den 18. Mai 1915. ale brig, und ihelgpolzglichen Drrc. nungen für den Kreis Horde erlangen gemäß. Betanntmachung dei Aöniglichen Regierung durch Verbitentlichung io dei„Schwerter Zettung" rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt ihren Abonnenten fA: jeden mit Tod endenden Unsall gehagungen:: 300 Mk. UnsallDruck u. Verlag o. Car! Braus. Schwerte=Nudr. Fernig 62. Tolegr. Adr. Braus Schworte=Nuten 47. Jahrgang. Der Krieg zur See. Die amerikanische Note in Berlin überreicht. :: Dem Auswärtigen Amt in Berlin ist vom amerikanischen Botschafter die Note seiner Regierung in Sachen der Versenkung der„Lusitania“ am Sonnabend überreicht worden. Bis jetzt, liegt die Note nur in der von der„Agence Havas“ verbreiteten Form vor. Danach wird in dem Schriftstück im Hinblick auf die in amerikanischen Blättern veröffentlichte Warnung des deutschen Botschafters gesagt,„daß die Tatsache der Ankündigung, daß eine unbillige und ungesetzliche Handlung begangen werden soll. in keiner Weise als eine Entschuldigung oder als eine Milderung dieser Handlung noch als eine Verringerung der Verantwortsichkeit ihrer Urbeber angesehen werden kann." Die amerikanische Regierung „hofft mit Vertrauen, daß die deutsche Regierung die Handlungen. über die sich die Regierung der Vereinigten Staaten beklagt, mißbillige, deß Genngtuung gegeben weide soweit eine Gennatuung möglich ist, für die verursachten Schäden, daß sie geschätzt werden können. und daß sofort Maßnahmen getroffen werden, um die Rückkehr alles dessen zu verhindern, was offenkundig die des Krieges unstürzt, für die die Kaiserlich deutsche Regierung in der Vergangenheit mit so viel Klutzheit und Festigkeit gekämpft hat.... Der Ausdruck des Bedauerns und das Angevor von Genugtuung im Falle der Zerstörung in: tümlich versenkier neutraler Schiffe, wenn se den internationalen Verpflichtungen tuung verschaffen können, wenn es keinen Verlust an Menschenleben gab. können die Exzesse und die Praktiken, deren natürliche und erzwungene Wirkung ist, die neutralen Nationen und Mächte neuen und ungeheuren Gefahren auszusetzen, nicht rechtfertigen. Die Kaiserlich deutsche Regierung wird nicht zu hoffen haben, daß die Regierung der Vereinigten Staaten versäumen wird, zu rellgmieren, oder zu diesem zur heiligen Pflicht notwendigen Akte Zuflucht zu nehmen, der Pflicht, die darin besteht, die Interessen der Vereinigten Staaten und ihrer Bürger zu unterstützen und die freie übung der Gerechtigkeit und des Rechtes zu schützen.“ Die deutsche Regierung wird mit der erbetenen Antwort gewiß nicht lange und vermutlich zu erwidern haben, daß auch ihr„heilige Pflichten“ obliegen, in deren Wahrnehmung sie sich von keiner Seite beirren lassen wird. Nach der Wiedergabe der Note der„Agence Havas“ bezeichnet, amerikanische Regierung die„Lusirania“ als ein harmloses„Paketboot“, und sie übergeht es ganz, daß es sich in Wirklichkeit um einen Hilfskreuzer und Munitionsdampfer der britischen Marine handelt. Auch aus diesem Grunde wird man mit einer Stellungnahme zu der Note abwarten müssen, bis ihr authentischer Text von unserer Regierung veröffentWieder ein englischer„Fischdampfer“ versenkt. :: Nach einer Rotterdamer Meldung hat die englische Regierung bekannt gegeben, daß der Fischdampfer„Cancer“ aus Grimsby. von den Deutschen versenkt wurde; die Bemannung wurde gefangen nach Deutschland gebracht. Deutsche Unterseeboote im Mittelmeer. Bereits vor einigen Tagen ging durch die Presse eine Meldung, daß der englische Dampfer„Delta" durch Funkspruch an der spanischen Küste gemeldet habe, er werde von einem u. Boot verfelgst, Zexzt, Hgrichzten Athener Blätter, daß ein deutsches unterseeboot bei Kap d'Oro auf der Insel Euböa wurde. Und ferner wird aus Athen gemeldet: Das Erscheinen deutscher Unterseeboote im Mittelmeer ruft hier großes Aufsehen hervor. Wie groß die Furcht der englischen Der Kampf um Przeihrt! wtb. Großes Hauptquartier, 17. Mai 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von Bpern, westlich des Kanals, bei Steenstraale und Hel Sas gaben wir unsere vorgeschobenen Stellungen auf und zogen die dort stehenden schwachen Kräfte, um Verluste durch starkes feindliches Artilleriefeuer zu verhindern, in unsere Hauptstellung am östlichen Kanalufer zurück. Südlich von Neuve Capelle halten die Engländer noch die Teile unserer vorderen Gräben, die seit den vorgestrigen Kämpfen in ihrer Hand sind. Das Gefecht dauert noch an. Nördlich Arras, bei Ablain und Neuville wiesen wir französische Angriffe sehr verlustreich für den Gegner ab. Bei Ailly und im Priesterwalde haben sich geringfügige Infanterie=Kämpse entwickelt. Unsere Luftschiffe machten erfolgreiche Angriffe auf die Kriegshäfen Dover und Calais. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der Dubisse und in der Gegend von Eiragolä und Ezekiszki, sowie südlich des Niemen bei Mariampol und Ludwinow wurden feindliche Angriffe abgewiesen. Unter den bei Szowle gemachten russischen Gefangenen wurden Rekruten des Jahrganges 1916 festgestellt, die eine nur 4 wöchentliche Ausbildung hinter sich hatten. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unser Vormarsch zwischen Pilica und oberer Weichsel sowie auf der Front Sambor=StryjStanislau wird fortgesetzt. Bei Jaroslau und nördlich ist es an manchen Stellen gelungen, den San zu überschreiten. Um Przemysl wird gekämpft. Oberste Heeresleitung. Weitere Fortschritte in Galizien! m( R i c h t a m t l i c h.) A m t= I D i e A r m e e n h a b e n w e i t e r n a c h v o r w ä r t, wtb Wien, 18. Mar.(Richlamstech.) Amtlich wird verlautbart vom 17. Mai mittags: Im Verhältnis zu der Hartnäckigkeit der vergangenen zwei Wochen verlief der gestrige Tag an der ganzen Front im allgemeinen ohne wesentliche Ereignisse Die urmeen haben weiter nach vorwärt, Raum gewonnen. Die gegen den oberen Dujestr vorgerückten Kolonnen haben mit Teilen nun auch Drohobycz genommen, weitere 5100 Gefangene gemacht und acht Maschinengewehre erbeutet. Der Stellvertrreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Ausobe.„ Noch keine Entscheidung in Italien! “ e n P a r s a m e n t s n e n t i o n i s t e n g r o ß e S t r a ß e n k u n d g e b u n g e n; d i e j e Die Macht des italienischen Partaments. Berlin, 18. Mai. In deutschen parlamentarischen Kreisen, die gute Kenntnis von den Zuständen in Italien infolge langjähriger Verbindung in diesem Lande haben wollen, wird die Lage keineswegs für so gefahrdrohend gehalten, wie im allgemeinen in der Presse auf Grund der Meldungen über die Straßenkundgebungen in den italienischen Städten. Die Entschließung des Königs, das Kabinett Salandra vorläufig im Amt zu belassen, wird als eine Formsache betrachtet. Die Uneinigkeit im Kabinett über die Frage, ob Krieg oder Frieden, habe für den König noch nicht genügen können, das Entlassungsgesuch anzunehmen, solange das Parlament seinen Willen nicht kundgegeben habe, worauf es allein ankommt. Der König wird nach der Entscheidung des Parlaments handeln, wie bisher, möge sie fallen, wie sie will. Nach den dort herrschenden konstitutionellen Gepflogenheiten sei etwas anderes nicht zu erwarten gewesen. Man bezweifelt in diesen Kreisen nicht, daß die Einberufung des Parlaments erfolgen wird und vertraut nach wie vor darauf, daß die Entscheidung für die Aufrechterhaltung der Neutralität ausfallen wird, allerdings müßte die Freiheit des Parlamentes diesmal durch Waffengewalt geschützt werden. Das werde sicher auch in ausreichendem Maße geschehen. Genua für den Frieden. bb Zürich, 18. Mai. Wie dem„Luzerner Tagesanzeiger“ aus Genua berichtet wird, hat der dortige Gemeinderat mit allen übrigen gegen 4 Stimmen einen dringlichen Beschluß angenommen, der für die Aufrechterhaltung der Neutraliät bis zum Friedensschluß eintritt. Im Anschluß an dieles Vorgehen des Stadtrats versuchten die Interventionisten große Straßenkundgebungen; die jedoch mit einem starken Milltäraufgebot unterdrückt wurden. Die Sozialisten und die Neutralisten veranstalteten auf einer anderen Straße Gegenkundgebungen. 11000 Versammlungen gegen den Krieg. bb Zürich, 18. Mai. Dem Mailänder„Avanti“ zufolge haben am Sonnabend und Sonntag in Italien an 11000 von den Sozialisten einberusene stürmisch verlaufene Volksversammlungen der Arbeiterschaft gegen den Krieg stattgefunden, über deren Verlauf die„Agenzia Stefani“ hartnäckig stillschweigt. Die Deutschenflucht aus Italien. bb Zürich, 18. Mai. Der Luganoer„Tagesanzeiger“ meldet: Der vorübergehende Stillstand der Deutschenflucht aus Italien ist schon seit Freitag abend von einer neuen Deroute abgelöst worden. Am Freitag abend trafen wieder über 2500 Flüchtlinge ein. Am Sonnabend wurden fast 3000 Flüchtlinge gezählt. Der Zugverkehr aus Italien ist auf wenige Züge am Tage beschränkt. Die Haltung der Sozialisten. Köln, 18. Mai. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Lugano: Gestern fanden in Bologna Verhandlungen der Vertreter der sozialistischen Partei, der Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Fraktion der Kammer statt, die beschlossen, den Widerstand gegen die künstlich bervorgerufene Kriegsströmung unerschütterlich fortzusetzen, den wahren Willen deg Volkes, das den Frieden wolle, zur Geltung zu bringen, der Regierung keine Kriegskredite zu bewilligen und am 19. Mai überall neutralistische Volksversammlungen abzuhalten. Marineleute vor den deutschen U=Booten ist; geht daraus hervor, daß die englische Admiralität sich nicht schämt, Bürger eines neutralen Staates wie Griechenland durch Bestechung dazu zu verlocken, Handlungen zu begehen, die nicht im Einklang mit dem neutralen Verhalten ihrer Regierung stehen, die die ernstesten Folgen haben könnten. Der Gesandte Elliot wurde von dem Kommandanten der englischen Mittelmeerflotte von der Anwesenheit deutscher U=Boote verständigt. Er beeilte sich sofort, in griechischen Zeitungen das griechische Publikum aufzufordern, der britischen Admiralität durch Spionagedienste beizustehen, und versprach für erfolgreiche Spionage im Namen der großbritannischen Regierung eine Belohnung von 12 500 Drachmen. Auch griechische Schiffahrtskreise zeigen sich beunruhigt, da sich zurzeit 300 griechische Handelsschiffe im Mittelmeer befinden. Ein Teil der Presse ist auch mit dem Vorgehen des Herrn Elliot einverstanden. So meint„Embros“, daß Elliot recht gehandelt habe. Jeder Grieche würde es als seine Pflicht ansehen, auch ohne Belohnung dazu beizutragen, die deutschen Piraten zu vernichten. Die grobe Beleidigung und die Geringschätzung des neutralen Griechenlands, die in Elliots plumpem Vorschlag liegt, scheint man hier nicht überall en NC. Rumäniens Haltung. Bukarest, 17. Mai. Die gesamte öffentliche Meinung steht unter dem Eindruck der Nachrichten des Entlassungsgesuches der italienischen Regierung, weil deren Beschlüsse als auch für Rumänien gewissermaßen als richtunggebend bezeichnet wurden. Von hiesiger dreiverbandsfreundlicher Seite war als ganz bestimmt verbreitet worden, das Uebereinkommen Italiens mit dem Dreiverband sei fix und fertig und der Eintritt Italiens in den Krieg nur noch eine Frage von wenigen Tagen. Demgegenüber sticht vorteilhaft ab die Zurückhaltung der leitenden rumänischen Kreise, die kürzlich in einem viel bemerkten Aufsatz der halbamtlichen „Independance Roumaine“, auch vor überstürzten Handlungen der Neutralen warnten. Aus der Haltung der rumänischen Regierung gewinnt man den bestimmten Eindruck, daß sie bis heute vollständige Handlungsfreiheit sich bewahrt hat, und man geht auch nicht zu weit, wenn man annimmt, daß die Stellungnahme des Kabinetts Bratianu gegenüber dem europäischen Kriege demnächst greifbarere Form annehmen wird, und zwar in einem der Lage auuf militärischem und international=politischem Gebiete entsprechenden Sinne. * König Konstantin über die Jukunst Griechenlands. tu Amsterdam, 17. Mai. Ein Vertreter der amerikanischen„United Prez“ hatte eine Unterredung mit dem König Konstantin von Griechenland. Der König sagte: Griechenland kann seine Neutralität nur dann aufgeben, wenn seine Interessen in einem künftigen Augenblick dies verlangen. Die Interessen des Hellenismus, als eines Ganzen, sind einzig und allein für die Politik Griechenlands bisher maßgebend gewesen und werden es auch bis zum Schluß bleiben. Ueber die Zerwürfnisse, die zum Rücktritt Venizelos führten, erklärte der König: Da sich Griechenland zwischen zwei feindlichen Mächtegruppen befindet, habe ich nur eine Politik gehabt und einen Wunsch, nämlich, wie schon gesagt, die künftigen Interessen des Hellenismus aufs Ganze zu wahren. Der Augenblick war für Griechenland nicht günstig gewählt, um die Neutralität aufzugeben, seine Interessen wären dadurch nicht gefördert worden. Sollte M 4 M A Venizelos später wieder ans Ruder kommen, so werden wir zusammen so einträchtig wie früher an der Verwirklichung der nationalen Hoffnungen Griechenlands arbeiten. Auf die Frage, welches diese Hoffnungen seien, antwortete der König: Die Wünsche des griech. Volkes richten sich auf die nationale Einheit, wozu sich das hellenische Volk auf Crund seiner erhabenen Vergangenheit berechtigt hält. Stets war es die Aufgabe Griechenlands, der gesamten Welt die Zivilisation zu bringen und wenn Griechenland sich jetzt und in Zuhunft ausdehnt, so vergrößert sich auch seine Fähigkeit, diese seine Aufgabe zu erfüllen. * Der Krieg gegen Frankreich Frankreicht wirtschaftliche Lage. wtb Paris, 17. Mai. Der„Temps“ meldet: Nach der amtlichen Statistik betrug die Ausfuhr Frankreichs in den ersten 4 Monaten des Jahres 1915 915 499000 Franken, die Einfuhr 2179612 000 Franken. Der Ausfall gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres für die Ausfuhr 1 294 535 000 Franken für die Einfuhr 842999.000 Franken. Im April allein betrug der Ausfall gegenüber April 1914 bei der Ausfuhr 322 775 000 Franken, bei der Einfuhr 33 205 000 Franken. Die Lage der Ausfuhr besserte sich also, wie der Temps bemerkt, nicht, dagegen nähere sich die Einfuhr des April der Höhe normaler Zeiten. Dieses scheinbar günstige Ergebnis sei der bedeutenden Käufe für Heereszwecke zu danken. Es wäre jedoch vorteilhaft, wenn Frankreich die Artikel selbst herstellte, ohne im Auslande, besonders in den Vereinigten Staaten kaufen zu müssen. Die Einfuhr von Rohstofsen, die sich ebenfalls der normalen Einfuhr zu nähern beginne, lasse einen erfreulichen Rückschluß auf das Wiederaufleben der wirtlichen Tätigkeit Frankreichs zu. Ein Sieg der französischen Flotte! wtb Berlin, 17. Mai.(Amtlich.) Am 13. Mai erschien der französische Kreuzer„d'Estrees" vor Alexandrette und stellte den dortigen deutschen Konsul in einem Ultimatum vor die Wahl, die zur Feier des Himmelfahrtstages auf dem Konsulatsgebände wehende deutsche Flagge niederzu' holen oder die Beschießung des Konsulats zu gewärtigen. Der Konsul entließ den Parlamentär ohne Antwort. Der nun einsetzenden Beschießung fiel nach 15 Schuß die Fahnenstange zum Opfer. Die Besatzung des nur 500 Meter abliegenden Kreuzers begrüßte den erstaunlichen Erfolg mit stürmischem Siegesjubel. So hat nun auch die französische Flotte mit Heldenmut ihren ersten Schlag gegen den Bestand des Deutschen Reiches geführt. Sie kann den Erfolg in den Annalen ihrer Geschichte buchen und braucht nicht mehr mit Neid auf den englischen Seesieg bei Bergen zu blicken. Der Krieg gegen England. Britische Kriegsschiffe gesunken. bb Athen, 18. Mai. Aus Mytllene wird gemeldet, daß britische Kriegsschiffe in den Dardanellen auf Minen gestoßen und gesunken sind. Ihre Zahl ist nicht angegeben. Aus Deutsch=Südwest. Ein genauer Kenner dre südafrikanischen Verhältnisse schreibt dem„N. R. C.“, daß mit der Einnahme von Windhuk: der Kampf in Deutsch=Südwestafrika noch lange nicht zu Ende ist, wenn es Botha nicht gelingt, die Deutschen in einer Feldschlacht anzugreifen. Die gesamte deutsche Streitkraft, die noch intakt ist, wird von ihm auf 8= bis 10000 Mann geschätzt. Sollte diese Mannschaft einen Euerillakrieg führen, dann dürfte ein Ende noch nicht abzusehen sein. Ein Bekenntnis der„Times“. wtb Notterdam, 17. Mai. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ gibt folgende Auslassung der „Times“ wieder: In Nordfrankreich haben wir unter einigen Nachteilen zu leiden, die es mühsam machen, durchschlagende Erfolge zu erringen. Das schöne Wetter ermöglichte es, die deutschen Stellungen gründlich aufzuklären. Dabei fanden wir, daß die Deutschen fast alle beherrschenden Höhen besetzt halten, die sich über unseren Stellungen befinden. Die Armee des Kronprinzen von Bayern und des Herzogs von Württemberg stehen uns noch in voller Stärke gegenüber. Es gibt nur wenige Punkte, die angreifbar sind, und die hat der Feind mit starken Verteidigungswerken versehen. Die Laufgräben sind mit guten Truppen besetzt und durch starke Artilleriemassen gedeckt. Dann leiden wir noch von den Gasanfällen bei Ypern, die den Bundesgenossen zu unseren Linien zurücktrieben und unsere Stellungen entblößten. Die Ergebnisse unserer sonntägigen Angriffe enttätschten. Der Feind war stärker verschanzt, als vermutet wurde. Wir verfügten nicht über genügende Mengen von Granaten, um die Verschanzungen ganz zu vernichten. Wir fanden, als wir zum Sturm übergingen, daß die Besatzung unverzagt und viele Hindernisse noch üntakt waren. Aber dadurch, daß wir feindliche Truppen in gleicher Stärke wie die unserigen festhielten, erleichterten wir den Franzosen an unserem llinken Flügel die Offensive. Wir müssen besser mit Munition, Haubitzen und Leuten ausgerüsttet sein, um die deutschen Verteidigungslinien durchbrechen zu können. Die Kämpfe in der Bukowina. Bukarest, 18. Mai. Die Kämpfe in der Bukowina dauern fort. Die Russen haben zwar Verstärkungen erhalten, doch ist jede Anstrengung gegenüler der österreichischen Artillerie erfolglos. Die russische Ossensive in der Bukowina zum Stehen gebracht. tu Budapest, 17. Mai.„Az Est“ meldet: Die nach Südostgalizien vorgedrungenen starken russischen Kräfte haben wir bei Kolomea zum Stehen gebracht und dort geschlagen. Zahlreiche Gefangene sind uns in die Hände gefallen; ihre Zahl vermehrt sich von Stunde zu Stunde. Czernowitz, die Hauptstadt der Bukowina, blickt wiederum auf zwei bewegte Tage zurück. Infolge des Druckes starker seindlicher Kräfte im Dujestr=Raum war für eine kurze Zeit die Zurücknahme unserer Front am linken Pruth=Ufer notwendig. Diese strategische Maßnahme rief unter der Zivilbevölkerung trübe Stimmung hervor, die aber bald wieder vollständig wich. Unsere Artillerie hielt den Feind unter zielsicherem Feuer. Die Folgen der russischen Niederlage bei Gorlice. tu Berlin, 17. Mai. Der Korrespondent des „Berl. Lokalanz.“ Kirchlehner, meldet aus dem k. k. Kriegspressequartier: Immer klarer erweist es sich, wie schwer die russische Heeresmacht durch die Niederlage der Armee Dimitriew in der Schlacht bei Gorlice—Tarnow getroffen wurde. Die furchtbare Schlacht in Westgalizien hat die ganze Front dermaßen erschüttert, daß keine der vom Generalissimus Nakolai Nikolajewitsch anbefohlenen neuen Stellungnahmen westlich des San durchgeführt werden konnten. Immer weiter breiten sich die Folgeerscheinungen der Niederlage aus. Gestern wurde Rudnik, Sezajsk und Jaroslau von den verbündeten Truppen besetzt. Eine Mittelarmee steht knapp vor Przemysl. Die Wiedereroberung Galiziens. tu Budapest, 17. Mai.„Az Est“ meldet aus Eperjes: Nach Dobromil ist auich Chyrow und damit eine wichtige Bahnlinie wieder in unserem Besitz. Eine andere Heeresgruppe zog in Sambor ein. Przemysl nächste Umgebung, also von Westen, Süden und Norden, ist in unserm Besitz. Das linke Ufer des Mittelsan von Rudnik bis in die Gegend von Przemysl ist von den Russen vollständig gesäubert. Die Russen erlitten hierbei große Verluste. In Sambor, das mehr als 6½ Monate in den Händen der Russen war, wurden die Truppen mit Enthusiasmus empfangen. Die Gründe der russischen Niederlage. mb Köln, 17. Mai. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus dem österreichischaungarischen Kriegspressequartier: Ein höherer russischer Stabsoffizier, der jetzt bei Tarnow in Gefangenschaft geriet, gibt auf die Frage, wie eine so umsangreiche Katastrophe in Westgalizien möglich gewesen sei, merkwürdige Erklärungen: Die Russen wußten seit dem 19. April von großen Truppenverschiebungen, die sich gegen Westgalizien bewegten. Nicht nur die Petersburger Telegraphenagentur sprach von ihnen, auch eine russische Zeitung vom 19. April beschäftigte sich mit ihnen. Aber die Russen hielten ihre in der Tat sehr starken westgalizischen Stellungen für uneinnehmbar. Ferner glaubte die russische Armee wirklich an die von der Ententepresse erFindene völlige Erschöpfung der Zentralmächte; drittens seien die russischen Truppen von dem vergeblichen Ansturm gegen die Karpathen sehr mitgenommen gewesen.! Ohne Zweifel hätte endlich die Artillerie der Verbündeten den Ausschlag gegeben, die an Zahl und Tüchtigkeit der russischen Artillerie weit überlegen wäre, was gewiß nicht durch empfindlichen russischen Munitionsmangel wettgemacht würde. Deutsche Flugzeuge über Warschau. bb Wien, 17. Mai.„Nowo Reforma“ meldet aus Warschau: Ueber der Hauptstadt Polens erschienen gestern Flugzeuge, die stets unter der Bevölkerung große Beunruhigung hervorriesen. Die Bomben aus den feindlichen Flugzeugen wurden zweifelsohne von Fliegern abgeworfen, die mit den Ortsverhältnissen vollständig vertraut sein müssen, denn die Bomben fallen zumeist auf solche Yunkte außerhalb der Stadt, die große militärische Bedeutung haben. Der dadurch im russischen Militärarsenal verursachte Schaden ist ungeheuer. Der Presse ist es nicht gestattet, darüber zu berichten. Die österreichischen 42=Zentimeter=Haubitzen. bb Berlin, 17. Mai. Ueber die Skodaer 42= Zentimeter Haubitzen bringt das„B. T.“ von seinem Sonderberichterstatter in Galizien folgendes: Dies ist also die zweite Ueberraschung der SkodaWerke für die Herren Russen. Nach den 30,5 Zentimeter=Mörsern die 42=Zentimeter=Haubitze, die mit den Kruppschen 42 Zentimeter=Mörsern nichts gemein hat. Weder äußerlich, noch in ihren konstruktiven Grundsätzen. In ihrer Wirkung kommt sie ihnen gleich, hat aber größere Schußgeschwindigkeit. Sie ist ein Mammuth, ihr Geschoß hat die Größe eines 14jährigen Knaben und wird durch einen elektrischen Kran vom Zufuhrgleise zum Nohr geholt. Das ganze massige Geschütz ruht auf einem Kugelaussatz, der in eine 2 Meter tiefe Grube eingebettet ist. Die Haubitze kann alle 4 Minuten einen Schuß abfeuern, im Notfalle jede halbe Minute. Vor Tarnow hat sie 300 Schüsse abgrgeben. Das salienische Rässel. Handschreiben des Zaren an den König von Italien. tu Chiasso, 18. Mai.„Corriere della Sera“ meldet aus Bukarest unterm 12. Mai: Gestern abend ist der Hofmarschall Pezezdiecis mit einem Handschreiben des Zaren für den König von Italien auf der Reise von Petersburg nach Nom in Jassy eingetroffen. Der Krieg kommt sicher? tu Rom, 18. Mai. Nach den Aeußerungen der Anhänger der Kriegspartei und ihrer Presse ist der Krieg sicher. Auch andere Kreise sind jetzt von der Kriegsstimmung erfaßt. Giolitti und seine Anhänger verhalten sich gänzlich passiv, so daß man erwartet, daß auch das Parlament auf die Seite der Regierung treten wird. Gestern abend bei der großen Demonstration auf der Piazza del Popolo wurde neben dem Königsmarsch auch die Marseillaise gespielt. tu Chiasso, 18. Mai. Ueber den letzten Besuch Macchios bei Sonnino berichtet der„Secolo" Macchio ersuchte den Minister des Acußeren um Erklärung bezüglich der Zeitungsmeldungen, wonach Italien mit den Dreiverbandsmächten ein Abkommen getroffen habe. Er fügte hinzu, daß, um unliebsame Folgen zu vermeiden, ein formelles Dementi der Regierung erforderlich sei. Sonnino antwortete, da das Ministerium demissioniert habe, könne es keine derartige Handlung vornehmen; der Botschafter möge also die Güte haben, seinen Schritt beim neuen Ministerium zu wiederholen. Eine französische Tendenznachricht. Berlin, 18. Mai. Der„Lok.=Anz.“ schreibt: Auf dem Wege über Paris gelangt ein Gerücht in die italienische Presse, Kaiser Wilhelm habe den italienischen Botschafter in Berlin, Bollati, in einer Audienz grob behandelt, worauf Bollati eine Einladung zu einer zweiten Audienz ablehnte. Wie an zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist an dieser französischen Tendenznachricht kein wahres Wort. Kaiser Wölhelm hat neulich auf der Turchreise durch Berlin den italienischen Botschafter bei einer zufälligen Begegnung angesprochen und eine längere Unterhaltung mit Herrn Bolläti gehabt. Die Nachsuchung einer Audienz konnte schon wegen des auf Stunden berechneten Aufenthaltes des Kaisers in Berlin gar nicht in Frage kommen. — Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 18. Mai **(Kriegsbeschädigten= Fürsorge in Westfalen.) Unter dem Vorsitz des Landeshauptmanns Dr. Hammerschmidt tagte der Ausschuß für die Fürsorge der Kriegsbeschädigten. Aus den Berichten und Mitteilungen ist zu entnehmen, daß in Westfalen das System der sogen. freiwilligen Fürsorgetätigkeit mit gutem Erfolge eingeführt worden ist. Dieses westfälische System bereitet in Zukunft uuch dann keine Schwierigkeiten, wenn später durch Gesetz die Uebernahme der Fürsorge den Kommunalverbänden übertragen wird. Die Fürsorge ist bestrebt, die Kriegsbeschädigten möglichst wieder ihrem eigenen Berufe zuzuführen oder aber möglichst in einen Beruf einzuführen. Im Bereiche des 7. Armeekorps wird an die Verwundeten Handfertigkeitsunterricht erteilt; die Zahl der Amputierten betrug vom 1. Januar bis 25. Aprik 500, darunter 180 Westfalen; die rechtsarmig Amputierten sind hierbei in der Minderzahl. In Bochtum und Düsseldorf hat man Einrichtungen für fachmännische Herstellung der künstlichen Glieder geschaffen. Es sind in Westfalen 300 Berufsarbeiter für die Geschädigten tätig. Zur Aufbringung der Kosten wird die freie Liebestätigkeit in Anspruch genommen. Es sind bis jetzt über 30000 Mark an freiwilligen Spenden, wozu noch 95000 Mark des Provinziallandtages und 40000 Mark der Landesversicherungsanstalt kommen. **(Frühgemüse als Volksnahrungsmittel.) Unter den Mitteln, die zur Sicherung unserer Volksernährung dienen, nehmen die Frühgemüse einen wichtigen Platz ein. Der Verband Deutscher Obst=, Gemüse= und Südfrüchtegroßhändler(Sitz Düsseldorf), hat daher schon seit einigen Monaten durch Verhandlungen, insbesondere mit den Eisenbahnverwaltungen die Frage der Zufuhr von Frühgemüsen in zweckentsprechender Weise zu lösen versucht. Durch das Entgegenkommen der Eisenbahn' verwaltungen ist es gelungen, die Beförderungspläne z. B. aus Holland so einzurichten, daß die Frühgemüse auf den westdeutschen Stapelplätzen rechtzeitig zur Stelle sind, so daß die Gefahr der Verschlechterung bei diesen außerordentlich leicht verderblichen Waren möglichst verringert wird. Wegen der Einfuhr von Frühgemüse aus den anderen Ländern, sowie der Beförderungsverhältnisse im Inlande schweben noch die Verhandlungen. Wie bedaitend die Zufuhr an Gemüse ist, geht daraus hervor, daß Holland beispielsweise in Friedenszeiten fast 20.000 Eisenbahnwagen allein an Gemüse und etwa das Doppelte an Obst nach Deutschland ausführte. In diesem Jahre ist man nicht nur in Deutschland, sondern auch in den nach Deutschland ausführenden Ländern in verstärktem Maße zim Gemüseanbau geschritten. Es werden sich daher die Friedenszehlen noch erheblich steigern. Verschiedene ausländische Gemüse kommen schon jetzt an den Markt, so daß mit dem englischen Aushungerungsplane, zumal, wo wir bis jetzt so günstige Witterungsverhältnisse hatten, sicher nichts wird. Den Bestrebungen des Verbandes Deutscher Obst=, Gemüse= und Südfrüchtegroßhändler(Sitz Düsseldorf) darf man jedenfalls einen vollen Erfolg wünschen. (Die besten Pfingstgrüße) senden aus ihrem neuen Heim zu Hiddessen(bei Detmold) die Schwerter Rekruten Eust. Stommels, Eugen Boshammer, Karl Garde, Jos. Dreps. (Blumen für die Gräber der Krieger.) Aus dem Felde gelangt an das Rote Kreuz die Anregung, für die zahlreichen Kriegsgräber Blumensamen an die Truppenteile zu senden. Wir geben diesem gefühlvollen Wunsche gern Ausdruck u. hofsen auf seine Erfüllung um so mehr, als die Versendung des Blumensamens keine Schwierigkeiten bereitet. Die Rote Kreuzzentrale, Berlin C., Hausvogteiplatz Nr. 11, ist gern bereit, die Ueberweisung zu übermitteln. (Landwirte, versichert gegen Hagelschaden!) Es liegt im Interesse der Erhaltung der Wirtschaftskraft im allgemeinen, die Werte der diesjährigen Ernte mehr noch als in rückliegender Zeit gegen die durch Naturkräfte verursachten Schäden zu schützen. Es ist daher nunmehr der Zeitpunkt gekommen, die diesjährige Ernte gegen Hagelschaden zu versichern, um gerade in dieser schweren Kriegszeit wirtschaftliche Verluste durch Versicherung auszugleichen, die andernfalls der allgemeinen Volkswirtschaft zur Last fallen würden. Da, wo die Landwirte sich im Kriege befinden, müssen die Freuen dafür sorgen, daß gegen Hagelschäden versichert wird, es ist dies eine wirtschaftliche Pflicht gegen sich selbst wie auch gegenüber dem allgemeinen Volksvermögen. (Mehr als die Hälfte aller Verwundeten wird wieder selddiensttanglich.) Bei der großen Zahl von Opfern, welche der Krieg an beiden Fronten erfordert, ist es immerhin tröstlich, daß unter den Verwundeten die Leichtverwundeten überwiegen. Von den in heimischen Heilstätten geheilten verwundeten deutschen Kriegern hat un' gefähr die Hälfte wieder an die Front gehen können. Dazu kommen diejenigen, welche wegen leichter Verwundung gar nicht in die heimischen Lazarette übergeführt wurden, sondern direkt im Kriegsgebiet geheilt und von dort wieder zu ihren Truppenteilen gegangen sind. (Krankheitsstatistik.) In der 18. Jahreswoche vom 25. April bis zum 1. Mai sind in den Kreisen Hörde(Stadt und Land) folgende Fälle von übertragbaren Krankheiten amtlich gemeldet worden: 13 Erkrankungen und 1 Todesfall an Diphtherie(5 Hörde, je 2 Garenfeld, Barop, Annen, je 1 Lichtendorf, Schwerte), Erkrankungen an Körnerkrankheit(1 Hörde), an Scharlach 4(2 Hörde, je 1 Westhofen, Loh), an Unterlelbstyphus 1(Rüdinghausen); Todes= fälle an Lungen= und Kehlkopftuberkulose 2(je 1 Barop, Hombruch). * Homberg, 17. Mai.(Gattenmörder.) Der Bergmann Hein von hier, der mit seiner Frau in Unfrieden lebte, weil sie ihm angeblich ihr Barvermögen von 3500 Mk. vorenthielt, überfiel sie gestern hinterrücks und versetzte ihr mit einem Beile eine tödlichen Hieb auf den Kopf. Er raubte das Geld, entfloh, stellte sich jedoch nach einiger Zeit des Umherirrens der Polizei. Die Frau liegt hoffnungslos darnieder. August Junkeimann+ Im Alter von 83 Jahren ist der berühmte Darsteller Rauterscher Gestalten gestorben. August Junkermann, der auch in unserer Stadt kein Frem' der war, ist durch seine einzige Begabung einer der bekanntesten Bühnenkünstler Deutschlands geworden. Der Humor und das lese deutsche Gemüt, der in seinen Darstellungen zum Ausdruck kam, haben ihm überall die Tore geöffnet. Den kraftvollen Humor, der die Dichtungen Fritz Reuters durchweht, hat niemand mit gleicher Meisterschaft zur Geltung zu bringen vermocht, wie er, dabei hat der mecklenburgische Dialekt Fritz Neuters wohl niemals einen besseren Interpreten gesunden, als in August Junkermann. Das ist um so verwunderlicher, als Junkermann nicht geborener Mecklenburger war, sondern aus Bielefeld stammte, wo er am 15. Dezember 1832 als Sohn eines Stadtsekretärs geboren wurde. Er betrat zum ersten Male die Bühne in Münster, und zwar als Dilettant, während seiner Militärzeit. Nach langen Wanderjahren auf verschiedenen Bühnen, in Breslau, Wien, St. Gollen, Bremen, Stettin, Oldenburg kam er 1870 an das Hoftheater in Stuttgart, wo sein Ruhm seinen Anfang nahm. Ende der 70er Jahre begann er eine Spezialität für die Darstellung Reuterscher Charaktere zu werden und von da an hat er auf allen größeren Bühnen die dramatisch bearbeiteten Werke Fritz Reuters zur Darstelluing gebracht. In den letzten Jahren veranstaltete Junkermann noch häufig viel besuchte Vortragsabende, bei denen seine geistige und körperliche Frische sich immer von neuem zeigte. Noch im vergangenen Jahre sah man ihn am Vortragspult. Jetzt hat der Tod seinem an Erfolgen und Ehren reichen Leben ein Ziel geVerantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraat, Druck u. Verlag von Carl Braus. beide in SchmertEr Ist um die Eche und darf auch in diesem Jahre wieder beim Hausputz, dem Großreinemahen, Lu##o# niczt sehlen. sandes Deutscher oßhändler(Sitz inen vollen Ernden aus ihrem Detmold) die Is, Eugen BosKrieger.) Aus Kreuz die Angräber Blumenden. Wir geben Ausdruck u. hofhr, als die VerSchwierigkeiten ale, Berlin C., ereit, die Ueberi Hagelschaden!) tung der WirtWerte der diestückliegender Zeit rsachten Schäden ir der Zeitpunkt te gegen Hageln dieser schweren durch Versicherder allgemeinen ürden. Da, wo befinden, müssen gen Hagelschäden e wirtschaftliche h gegenüber dem ller Verwundeten Bei der großen rieg an beiden hin tröstlich, daß Leichtverwundeten tischen Heilstätten Kriegern hat un' Front gehen kön; w e l c h e w e g e n in die heimischen sondern direkt im t wieder zu ihren der 18. JahresMai sind in den ) f o l g e n d e F ä l l e amtlich gemeldet 1 Todesfall an enfeld, Barop, Schwerte), Er(1 Hörde), an esthofen, Loh), hausen); Todesberkulose 2(je 1 ittenmörder.) r mit seiner Frau angeblich ihr Barhielt, überfiel sie te ihr mit einem n Kopf. Er raubte edoch nach einiger dlizei. Die Frau nann+. der berühmte Dargestorben. August Stadt kein Frem' Zegabung einer der utschlands geworse deutsche Gemüt, Ausdruck kam, haffnet. Den kraftigen Fritz Reuters eicher Meisterschaft st, wie er, dabei lekt Fritz Neuters nterpreten gestunDas ist um so in nicht geborener Bielefeld stammte, als Sohn eines Er betrat zum ster, und zwar als tärzeit. 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Also auch Sonnino wird weiter die auswärtige Politik Italiens leiten. und er wird sie, da er zweisellos bereits mit England, Frankreich und Rußland einig ist, zum Krieg mit den bisherigen Verbünde: ten, mit Oesterreich=Ungarn und Deutschland, steuern. Der König hat dem Drohen der Straßendemonstranten stattgegeben und seine Versuche einer neuen Kabinettsbildung nicht weiter fortgesetzt. Setars. Nachdem. das Ministerium Salandra sein Rücktrittsgesuch eingereicht hatte, trug Viktor Emanuel zuerst dem Kammerpräsidenten Marcora die Kabinettsbildung an. dann dem Schatzminister Carcano, der ein Freund Giolittis und ein Gegner des Krieges ist. Keiner dieser beiden Männer besaß für eine solche Aufgabe genug zraftvolle Autorität. Ein einziger, Giolitti, hat einen Anhang, auf den er zählen könnte, und die kaltblütige Ruhe, deren ein Staatsmann inmitten einer unheilvollen Agitation bedarf. Aber diesen, der das Kabinett Salandra zum Rücktritt gedrängt und das Vertrauen des größten Teiles des Parlaments hinter sich hatte, ließ der König unbeachtet. So scheint es denn sicher, daß sich Italien in das blutige Abenteuer stürzt, von dem die besten Männer des Landes die Regierung dringend abgeraten haben. Schon werden Beratungen des Königs mit dem General= stabschef Cadorna gemetder, und die demagogische Kriegspresse wird immer ungeduldiger. Sie rät unmuttgen Tones zur Einstellung der überflüssigen Beratungen in Villa Ada und zu sofortiger Wiederaufnahme der Kriegsvorbereitungen durch Salandra, zentsprechend dem entschiedenen Willen der Nation, die nicht dulden werde, daß auch nur eine Linie des Regierungsprogramms geändert werde.“ Das Blatt„Messaggero“ droht den neutralistischen Deputierten mit dem Bürgerkrieg, wobei es ihnen an den Kragen gehen würde. Zugleich dauern in Rom, Mailand und in vielen anderen Städten die Kriegsdemonstrationen fort, bei denen sich Haß und Zorn gegen Giolitti bemerkbar macht. Noch nicht ganz geklärt ist die Frage, ob Italien bereits fest an den Treiverband gebunden ist, und ebenso, ob Meldungen ktalienischer Blätter über eine erfolgte Kündigung des Dreibundvertrages den Tatsachen entsprechen. Schließlich ist das letztere ja auch nebensächlich. Denn wenn Italien zum Kriege gegen seine bisherigen Verbündeten entschlossen ist, wird es sich auch mit Leichtigkeit und ohne viele Umstände über derartige Formalien hinwegsetzen. Wie ihm das freilich bekommen wird, das steht auf einem anderen Blatte. Denn wir und unsere Verbündeten sehen dem Erstehen eines neuen Gegners nicht unvorbereitet entgegen. Zeilung Amtliches Kreisblatt Keine Nündigung des Treibundvertrages durch Italien. :: Berlin, 17. Mai. Mit Bezug aus vie durch die Presse gehende Mitteilung, Italien habe den Dreibundvertrag gekündigt, kann die„Telegraphen=Union“ feststellen, daß in Berlin eine solche Kündigung, oder etwas, was einer solchen gleich sähe, nicht erfolgt ist. Gegen den Krieg. :: Z ü r i c h, 1 7. M a i. D e m M a i l ä n d e r „Avanti“ zufolge haben am Sonnabend und Sonntag in Italien an 11000 von den Sozialisten einberufene, stürmisch verlaufene Volksversammlungen der Arbeiterschaft gegen den Krieg stattgesunden, deren Verlauf die halbamtliche„Agenzia Stefani“, hartnäckig stillschweige. Der„Avanti“ ist das Hauptorgan der italienischen Sozialdemokraten. Er behauptet, die„ungeheure Mehrheit“ des Landes sei gegen den Krieg und bilde„lediglich das Opfer des blutigen Wahnsinns der Clique Salandra=Sonnino. Abermalige Vertagung des italienischen Parlaments? :: Rom, 17. Mai. Der gestrige Tag ist ohne ernstere Zwischenfälle verlausen, obgleich am Nachmittag eine große Volksversammlung auf dem Popolo=Platz stattfand. Sie war ursprünglich als Protestversammlung gegen Giolitti gedacht und wurtt, nachdem der Entschluß des Königs bekannt geworden war, Salandras Demission nicht anzunehmen, zu einer Ovation für das Kabinett Salandra und für den Krieg. Die Demonstranten zogen dann durch die Stadt und brachten zum Teil unweit des Quirinals Ovationen für das Kabinett Salandra dar, während ein anderer Teil der englischen Botschaft bei der Porta Pia huldigte, wo die englische Botschafterin Lady Renell Rodd den Demonstranten Kußhände und Blumen zuwarf. Auf Wunsch der Demonstranken waren schon am Vormittag in den meisten Häusern die Fahnen herausgesteckt worden, und selbst die Straßenbahnwagen waren beslaggt. Es war eine sorgfältig inszenierte Propaganda für den Krieg, gegen welche die friedliche Majorität der Bevölkerung bisher nicht gewagt hat, ihrerseits die Stimme zu erheben. Diesem Ton der Verzagtheit der Intellektuellen ist auch der geringe Teil der Presse angepaßt, der nicht mit vollen Segeln im Fahrwasser der Kriegspartei schwimmt. Man kann kaum noch ein ernstes Wort gegen den Krieg in den Blättern finden, und die Tatsache, daß heute die Tagesordnung für e auf den 20. angejetzte Kammersitzung nicht verfassungsgemäß deröffentlicht wurde, deutet darauf hin, daß I die Kammer wiederum vertagt und ihr die Entscheidung über den Krieg entzogen wird Die Revolution in Portugal. Beschießung von Lissabon durch die vortugiesische Flotte. * In der Hauptstadt Portugals und im Norden des Landes ist am Ende voriger Woche wieder einmal eine Revolution ausgebrochen, an der die seit jeher unzuverlässige Flotte hervorragenden Unteil gehabt hat. Die Ziele der Bewegung lassen sich bislang nicht klar erkennen, allem Anscheine nach aber war der Ausstand gegen die Diktatur des Ministerpräsidenten Generals Pimente Castro gerichtet und vermutlich von dem Führer der Demokraten Alfonso Costa angezettelt. Ministerpräsident Castro hatte, um den Wühlereien Costas einerseits und der Agitation der Monarchisten andererseits energisch entgegenarbeiten zu können, das Parlament aufgelöst und die Neuwahlen auf unbestimmte Zeit vertagt. Alfonso Costa hatte sich agegen offen aufgelehnt und aus seinen Anhängern ein eigenes„Parlament“ gebildet, das in schärfste Opposition zur Regierung trat und unter dem Volk gegen sie wühlte. Verschärft werden diese inneren Kämpfe durch die Spaltung, die die Frage, ob Portugal sich am Weltkriege beteiligen soll oder nicht, in die Parteien und die Massen getragen hat. Costa ist der ärgste Kriegshetzer in Portugal. Castro dagegen hat dem englischen Druck nicht nachgegeben; er ist gegen das gefährliche Abenteuer der Einmischung Portugals in die Kriegshändel. Inwieweit hinter dem jetzigen Aufstande englische Einflüsse beteiligt waren, steht dahin. Im einzelnen wird über die Revolution gemeldet: :: Madrid, 17. Mai. Das Blatt„Imparcial“ meldet, daß in den wichtigsten Städten Portugals eine Revolution ausgebrochen ist. Die Führer der Bewegung befinden sich offenbar auf der Flotte. Ein Geschwader fuhr in die Tajomündung ein. Lissabon wurde bombardiert und beträchtlicher Schaden angerichtet. Es sanden blutige Kämpfe zwischen der Zivilbevölkerung und den Regierungstruppen statt. :: Madrid, 17. Mai. Das Blatt„El Mundo“, berichtet über die Ereignisse in Lissabon: Das Zeichen zum Aufstand wurde um 3½ Uhr nachts durch drei Schüsse auf der Straße gegeben. Die im Hafen ankernden Kreuzer eröffneten sofort das Feuer. Das Schießen wurde bald allgemein. Gegen 4 Uhr durchzogen Truppen(Kavallerie, republikanische Garde und Artillerie) die Straßen und feuerten auf die Aufständischen. Zivilisten durcheilten die Kasernen und forderten die Soldaten auf, sich der Aufstandsbewegung anzuschließen. Gegen Mittag war das Schießen in der ganzen Stadt allgemein. Zahlreiche Verwundete wurden in das Arsenal gebracht. Ueberail ertönte der Ruf: „Nieder mit der Tiktatur!“ Alle Matrosen schlossen sich der Ausstandsbewegung an, alle Kriegsschiffe hißten die republikanische Flagge. Der Präsident Arriaga verließ sein Palais in der Vorstadt Belem und begab sich, begleitet von der republikanischen Garde, nach Lissahon. Der Gouverneur der spanischen Grenzstadt Badajoz berichtet der spanischen Regierung, daß der Kreuzer„Adamastor“ das Zeichen zum Aufstand durch die Beschießung Lissabons gab. Die Kaserne von El Cantaro wurde von 200 Zivilpersonen unter dem Rufe:„Es lebe die Republik!“ gestürmt. Es gab viele Tote und Verwundete. Die republikanische Garde blieb regierungstreu, besetzte die Straßen, Plätze und strategischen Punkte und zerstreute die Menge. Mehrere Bomben explodierten. Das Krieasschiff„Vasco de Gama- verließ Lissabo.. in geheimer Regierungsmission. Der Eisenbahn= und Telegraphenverkehr in der Umgegend von Lissabon ist gestört. Die Garnison von Elvas blieb treu und sandte Truppen nach Lissabon. In Porto Allgere wurde eine Engländern gehörende Korkfabrik eingeäschert. In Oporto kam es ebenfalls zum Aufstand, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Spanische Kriegsschiffe nach Portugal. :: Madrid, 17. Mai. Ministeroräsident Dato hat Journalisten erklärt, ban der Dienstag. 18. Mai 1915. Panzer„Espana“ zum Schutz der Interessen der Spanier und Ausländer heute in Lissabon eintreffe. Wahrscheinlich werde noch ein zweiter Panzer nach Portugal geschickt werden. Wechsel der Regierung. Die portugiesische Gesandtschaft ein erhielt folgendes Telegramm aus Lissavon vom 16. Mai, 4 Uhr nachmittags: Eine revolutionäre Bewegung hat in Portugal stattgefunden, die von der Marine ausging und von der Armee ausgenommen wurde. Das Ministerium Pimente y Castro hat seine Demission gegeben. Der Präsident der Republik hat das folgende Ministerium bestätigt: Vorsitz und Inneres: Joao Chagas; Justiz: Paolo Falcao; Finanzen: Barros Queiros; Krieg: Basilio Telles; Marine: Fernandez Costa; auswärtige Angelegenheiten: Alves Veiga; öffentliche Arbeiten: Magalhaes Lima; Unterricht und bis zum Eintreffen des Ministers für auswärtige Angelegenheiten in Lissabon auch provisorisch auswärtige Angelegenheiten: Jose Castro. Festnahme des früheren Ministerpräsidenten. Rotterdam, 17. Mai. Reuter meldet aus Lissabon, die neue vortugiesische Regierung ließ den früheren Ministerpräsidenten General Pimento Castro und den früheren Ministerpräsidenten Nederros an Bord des Kriegsschiffes„Vasco de Gama“ bringen. Der Gefangenen=Ri Die deutsch=französischen Austauschverhandlungen. :: Ueber die Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich wegen des Austausches dienstuntauglicher Kriegsgefangener sind kürzlich von französischer Seite Preßmeldungen verbreitet worden, die das Verhalten der deutschen Regierung günzlich entstellen. Namentlich wurde dabei der deutschen Regierung das Bestreben nachgesagt, die Verhandlungen zu verschleppen und sich den eingegangenen Verpflichtungen nachträglich zu entziehen. Die erhobenen Vorwürfe sind, wie sich aus nachstehender amtlicher Verlautbarung ergibt, völlig unbegründet. Der erste Austausch dienstunrauglicher Kriegsgefangener hat zwischen Deutschland und Frankreich Anfang März d. I. stattgefunden. Bei den vorhergehenden Verhandlungen, deren Eröffnung von der deutschen Regierung ausging, ist deutscherseits der allgemeine Grundsatz aufgestellt worden, daß alle diejenigen entlassen werden sollten, die für eine militärische Verwendung während der Dauer des Krieges nicht in Frage kommen. Da hiergegen von französischer Seite Einwendungen nicht erhoben wurden, sind unter den französischen Gefangenen die nach diesem Grundsatz Dienstuntauglichen ausgesucht und entlassen worden. Die endgültige Untersuchung ist, um die Einheitlichkeit der Auswahl sicherzustellen, in Konstanz durch eine besondere Untersuchungskommission erfolgt, ein Verfahren, das, soweit hier bekannt ist, in ähnlicher Weise auch von französischer Seite zur Anwendung gebracht worden ist. Die deutsche Kommission hat sich bei der endgültigen Auswahl der zu Entlassenden ausschließlich von dem vorerwähnten Grundsatz leiten lassen. Die von ihr von dem Austausch ausgeschlossenen Gefangenen waren entweder tatsächlich nicht dienstunfähig oder operationsbedürftig oder nicht weiter transportfähig. Die französische Behauptung, daß leutscherseits versucht worden sei, den verabr#beten allasFrauenliebe. Roman von Clara Anlepp=Stübs. 38 Er hielt es hier nicht aus; er trat hinaus in das Vestibül. Niemand zu sehen, nur Stimmengemurmel hörte er durch eine der Türen dringen. Da klopfte er leise an. 9 Die Tür wurde spaltbreit geoffnet, die Schwester schaute heraus. Als sie ihn sah, sprach sie ein paar leise Worte ins Zimmer zurück, und an ihr vorüber schritt gleich darauf der Arzt. Giovanni öffnete das frühere Wohngemach, welches der Kommerzienrat jetzt auch als Eßzimmer beuntzte, und wo er, Gio, soeben gewartet hatte, ließ den Arzt eintreten und folgte ihm. Sein Herzschlag stockte, un dann desto rasender wieder einzusetzen. Er erkannte seine eigene Stimme kaum, als er fragte:„Herr Doktor?“ „Herr Arnheim!" Der Blick des jungen Arztes begeguete dem seinen. Da fuhr er auf:„Nein, nein, nein! Sagen Sie nein, Herr Doktor, das kann nicht möglich sein! Ueberhaupt— so helfen Sie mir doch begreifen, Doktor! Der Briefbeschwerer—“ Giovanni krampfte die Hände ineinander— Er wußte es wohl selbst kaum, daß große Träneu über seine Wangen rollten, bis schließlich sein ganzer Körper von Schluchzen geschüttelt wurde. „Der scharfkantige Briefbeschwerer war ein sehr gefährliches Wurfgeschoß und wurde mit der Kraft des Wahnsinns geschleudert!— Der Tod ist gleich eingetreten, da die Hirnschale zerschmettert ist!“ „Doktor!" So viel verzweiflungsvoller Schmerz lag in dem abwehrenden Aufschrei Giovannis, daß der Arzt seine Hand nahm. „Fassen Sie sich, Herr Arnheim," bat er. zrie Giovanni wild auf:„Ich soll mich da er seinen Vater kannte— er hat die äußerte die Schwester. „O—!“ Der alte Mann trat dicht vor sie hin. „Sagen Sie das nicht, Schwester! Ich leide es richt beingen muß!" Und leise fuhr er fort:„Ach, Lotti! Meine arme, arme Lotti! Doktor— Sie wissen doch?“ Ein traurig fragender Blick traf den Arzt. Und ein verständnisvoller Händedruck, einige bejahende Worte gaben dem unglücklichen Manne die Antwort. Kommen Sie mit mitr, 2 GZiopginiz schluchzte nem Herzblut die Frau Doktor da drüben wieder 2ch: Sicchutr 12: lebendig machen könnte, er tät's zehnmal! Ein Unglück ist's, ein großes Unglück!— Vielleicht war's Schuld!" ab, dann streckte er Klaus, der ihm Hut und Mantel gehalten, wortlos die Hand zum Abschiede hin. Der Alte küßte sie, sah der schlanken Gestalt nach, bis sie unten am Landungssteg in der Kajüte nicht! Nein, der junge Herr hat genug zu erdulden des Motorbootes verschwand und seufzte schwer gehabt. Sie wissen das nicht so, und ich, ich kann das auch nicht so sagen— ich verstehe es nicht— „haber, das weiß ich, wenn der junge Herr mit seiFrau etwas zustößt noch ein paarmal auf, dann strich er sich mit dem Taschentuch über das Gesicht und richtete den Oberkörper straffer.„Kommen Sie— aber erst zur Mutter!“ Giovanni sah mit fest zusammengepreßten Lippen und ineinandergekrampften Händen in das liebe, stille Antlitz seiner Schwiegermutter. Er vermochte das alles noch nicht zu fassen; es war zu furchtbar, zu entsetzlich! Er sah sich um und als er sah, daß die Schwester gegangen war, siürzte er vor dem Lager auf die Knie. „Ich bin schuld— ich bin schuld!“ wimmerte er. Die Hände der Leiche mit Küssen bedeckend, weinte er wie ein Kind. Auch der Arzt ging jetzt. Er gab der Schwester Justruktion betreffs des Kommerzienrats, der nach dem furchtbaren Anfall wieder teilnahmslos auf seinem Bett ruhte, wohin ihn Klaus getragen hatte. „Ich warnte doch vor Aufregungen!“ sagte er zu dem alten Diener. Dieser sah bekümmert auf. „Ach, Herr Doktor, den Herrn vor Aufregung zu bewahren, das stand nicht in unserer Hand. Der erboste sich innerlich über alles, und wenn es nicht heute zum Ausbruch gekommen wäre, wäre es eben ein andermal gewesen! Das Schreckliche ist nur, daß unsere liebe, gute Frau Doktor ihr Leben hat lassen müssen, das ist fürchterlich!“ auf. nicht gekommen, wenn sich der Herr Kommerzienrat nicht aufgeregt hätte, aber man muß denken, es hat so sollen sein. Nur sprechen Sie nicht von Schuld; das leide ich nicht, ich, der ich an die dreißig Jahre hier im Haus bin und den alten Herrn so genau kenne wie den jungen!" Halb erstannt, halb gerührt hatte die Schwester zugehört. Ihr war Giovannis etwas sorglose Art nicht gerade angenehm aufgefallen. Von dem einzigen Sohn hätte sie mehr liebevollere Teilnahme für den Kranken gewünscht, wie zum Beispiel Frau Doktor Falk sie in ihrer feinen, stillen Weise kund tat. Letztere war gerade im Begriff gewesen, Giovanni zu bitten, sich zurückzuziehen und ihm einen Brief für die Tochter einzuhändigen, als das heftige Klingeln sie rasch eintreten ließ und das Unglück geschah. Es war nur natürlich, daß die Schwester den Sohn nun mit nicht eben freundlichen Augen ansah und in ihm die nnmittelbare Ursache des Schrecklichen erblickte. Die Worte des alten Dieners ließen sie milder urteilen und war sie es nun auch, die den Doktor hat, nach ihm zu sehen. Dieser fand den jungen Mann jammervoll aussehend, doch bereit zum Gehen. „Wenn Sie Ihre Frau Gemahlin so sieht, ahnt sie gleich etwas Schlimmes. Trinken Sie erst ein Glas Wein, Herr Arnheim!“ bat der Arzt. „Der arme, junge Herr! Da ging er hin, um seiner jungen Frau das Leid ins Haus zu tragen.“ Dem Diener stieg es heiß in die Angen, mit dem Handrücken wischte er sich die Tropfen fort, die über seine Wangen rollten. Und drüben am Erkerfenster des Eßzimmers immer standen Lotti und Ria Arm in Arm und nickten und winkten mit den weißen Händen dem herannahenden Boote den Gruß zu. Die beiden sich in der kleinen Kasüte stumm gegenübersitzenden Männer sahen sich an. Giovanni ächzte. O—— o! Im nächsten Augenblick würde das liebe Antlitz dort verzerrt sein in rasendem Seelenschmerz; würden die treuen Augen, die ihm jetzt so freudig entgegenstrahlten, verzweiflungsvoll aufflammen in qualvollster Pein. „Doktor!“ „Mut! Deut! Auch das Schwerste geht vorüber.“ „Ach, sie hat die Mutter so sehr geliebt!“ „Ja, ja, ich weiß. Es ist schwer, schwer für die Frau „Wenn es sie tötet?— In ihrem Zustand?“ Giovann is Körper durchflog ein Beben. „Seien Sie vor allen Dingen ruhiger, Herr Arnheim, ich bitte Sie! Wir sind jetzt gleich an Land!“ Der Arzt sprach warm und herzlich, aber auch ernst mahnend. Mit Anspannung seiner ganzen Willenskraft ging Giovanni an seiner Seite dem Hause zu. Er zwang sich sogar, zum Fenster hinauf zu grüßen, aber Lottis scharfes Auge hatte bereits in seinen totenbleichen Zügen gelesen, daß etwas vorgefal SA W M M N M neinen Austausch durch eine Auswechselung nach der Kopfzahl zu ersetzen, wird schon durch die Tatsache widerlegt, daß von Teutschland 29 Offiziere, 160 Unteroffiziere und rund 1520 Mannschaften, von Frankreich 5 Offiziere, 20 Unteroffiziere undrund 830 Mannschaften herausgegeben worden sind. Ebenso unrichtig ist die Behauptung, daß die deutsche Regierung der Antwort auf einen ranzösischen Vorschlag ausgewichen sei, bei der Auswahl der Auszutauschenden eine Liste der die Dienstuntauglichkeit begründenden Gebrechen zu Grunde zu legen. Eine solche Liste ist der deutschen Regierung zur Durchführung des ersten Austausches überhaupt nicht zugegangen. Nachdem dies Ende März d. J. schehen ist, hat die deutsche Regierung zunächst für die von ihr in Vorschlag gebrachte monatliche Fortsetzung des Austausches die Beibehaltung des von ihr bei dem ersten Austausch zur Anwendung gebrachten weitherzigen Verfahrens empfohlen, sich aber neuerdings zur Vermeidung fernerer Verzögerung bereit erklärt, auch auf das französischerseits vorgeschlagene Listenverfahren einzugehen. Hiernach steht ein befriedigender Abschluß der Verhandlungen und damit der ungestörte Fortgang des Austausches in Bälde zu erwarten. Vermischtes. * Muttermord eines„Siebzehnjährigen. Am Sonntag nachmittag wurde in Dresden die Frau des Eisenbahnhilfsbeamten Vogel von ihrem 17jährigen Sohn im Schlaf ermordet und beraubt. Der Mörder, der am Montag beim Militär eintreten sollte, ergrif nach der Tat die Flucht und konnte noch nicht verhaftet werden. Er ist schan wiederholt mit den Behörden in Konflik i und auch bestraft worden. *Schiffsuntergang bei Gibraltar. Der einer Genueser Reedereifirma gehörige Dampfer„Marcorusco“ ist nachts infolge dichtens Nebels mit dem aus Gibraltar kommenden englischen Dampfer„Letimil“ 28 Meilen von Gibraltar entfernt kollidiert und untergegangen. Die gesamte Mannschaft konnte von dem italienischen Dampfer„Ancona“ gerettet werden. tk. Ick bün'n schott'schen Tudelsack.. Am 25. April hat ein Wehrmann während der Kämpfe in Belgien einen vorzüglich erhaltenen, silberbeschlagenen, schottischen Dudelsack in einem feindlichen Schützengraben erbeutet. Da ein großer Teil der Ofsiziere und Mannschaften des betreffenden Regiments in Hamburg und Umgegend ausässig ist, hat das Regiment die Erlaubnis eingeholt, den Tudelsack dem Senat zum Geschenk anzubieten. Ein Unterossizier des Regiments hat dazu folgende Reime, die auf den luftleeren Balg des Tudelsacks anspielen, gemacht: Ick bün'n schott'schen Dudelsack, Min Meister is' en Brit' Bi Langemark kregg in de He wat vör korte Tied! Hamborger Jungens de fleugen em Un stoppen em de Snut. Hamborger Jungens, de jeugen em, Dat uns de Pußt gung ut! = Die luremburgische Gefahr. Eine rere Erinnerung erzählt ein Leser der„Tgl. Rundschau": Beim Durchmarsch durch das schöne luxemburgische Land erreichten wir nach anstrengendem Marsche turz vor der belgischen Grenze ein kleines Dörschen. Der freundliche Pfarrer des Ortes lud einige Offiziere zu sich zu Tisch und gab so gut und viel ihm möglich war. Tankbar wurde seine Gastfreundschaft angenommen. Das Tischgespräch drehte sich natürlich um den Krieg und Luxemburg. Da sagte der Psarrer:„Meine Herren, Sie können doch gar nicht genug dankbar genug sein, daß nicht auch Luxemburg sich auf die Seite Ihrer Feinde gestellt har.“ rachelnd sahen wir ihn an.„Ja, meine Herren, es hätte dann doch schlimm um Deutschland gestanden. Luremburg hätte seine 200 Soldaten an der Grenze aufmarschieren lassen, und die ganze deutsche Armee hätte sich totgelacht!“ tk. Die furchtbaren Wirkungen der österreichischen 42=Zentimeter=Geschütze. Der Kriegsberichterstatter E. Breitner berichtet der„Nat.=Ztg.“ aus dem k. u. k. Kriegspresseauartier folgende Einzelheiten über das neue österreichische 42=Zentimeter=Geschütz: Dieses Geschütz, eine Haubitze, wurde vom Ingenieur der Pilsener Skodawerke, Kroch, konstruiert. Von dem Geschütz, das hinter der Dunajetzbrücke aufgestellt wurde, gab man am 13. Januar den ersten Schuß ab. Ich habe die Wirkung des ersten Treffers in Tarnow gesehen: eine Grube im Ausmaß von etwa sechs mal acht Meter bezeichnet die Stelle, wo das Geschoß niederfiel. Die Gebäude ringsum sind teils zerstört, teils stark beschädigt. Weit im Umkreis sprangen alle Fensterscheiben. Die Bewohner Tarnows berichten, daß das Schrecklichste gewesen sei, das Geschoß in der Luft heulen zu hören. Etwa anderthalb Minuten dauert die Zeit von der Abgabe des Schusses bis zum Einschlag. Die Angst und Spannung während dieser 90 Sekunden sind furchtbar. Es ist Tatsache, daß viele Russen vor Schreck in Irrsinn versielen eder erblindeten. Das klingt wie ein grauenvolles Märchen, wird aber von verschiedenen Seiten einwandfrei bestätigt. Das Geschütz stand im Walde versteckt; auf einer eigens gebauten Feldbahn war die riesige Maschine, deren Dimensionen an eine Lokomotive erinnern, dahin gebracht worden. Unrichtig sind die Angaben, nach denen die Bedienungsmannschaft fern vom Geschütz Aufstellung nehmen muß. Der Mann, der auf Kommando den Schuß löst, befindet sich in fünf Schritten Distanz vom Geschütz. tk. Das Lausclied. Von einigen Wehrmännern in einem Lazarett geht dem„Oberschlesischen Wanderer“ folgendes Gedicht zu: Das Lauselied. Steh' ich in finst'rer Mitternacht##. So einsam auf der Lausejagd, So denk' ich an die Drogerie, Ob sie nichts hat fürs Lause=Vieh. Und wenn ich oft des Nachts erwach' Sitzt alles bei der Lausejagd. Als ich zum Kriege fortgeh'n mußt', Hab' ich nichts von dem Vieh gewußt, Bis ich nachher so manche Nacht Von diesen Läusen ausgewacht. Es biß mich sehr an Brust und Bein, Daß ich vergaß das Schlafen ein. Sie sind uns treu, doch wir nicht gut, Sie saufen gern Soldatenblut. Noch nie schlug's Herz, um war die Nacht, Wenn uns das Lausevieh erwacht. Wir stehen dann vom Schlafe auf Und machen Sturmangriffe drauf. Wie glücklich lebt ihr doch daheim. Daß ihr nichts wisset von der Pein, Ihr schlafet ruhig jede Nacht, Wenn wir sind auf der Lausejagd. Doch für uns ist's wohl keine Schand', Denn wir sind hier im Lauseland. Ein Wunder ist es sicher nicht. Daß wir ersunden dies Gedicht. Viel Ratten gibt es hier und Mäuse, Doch nicht so viel als russ'sche Läuse. Die find't man hier in jedem Haus, Vielleicht auch bei dem Nikolaus. Oberschlesische Schnurren. — In einer an den„Oberschleftschen Wanderer" gelangten Zuschrift aus dem Feldee ntwickekt ein Fewgrauer nachstehenden fröhlichen Humor: ::„Uns geht es hier in... ganz gut. Wir könnten den Krieg 10 Jahre lang ertragen. Wir haben hier manche Rothosen abgefangen, die keinen volizeilich abgestempelten Waffenschein hatten. Unsere Stimmung ist fidel. Nach einem siegreichen Kampfe hat man anfänglich immer die Empfindung:„Jetzt ist der Krieg gewonnen!“ Beifolgend sende ich Ihnen auch ein paar Vierzeiler a la„Oberschlesische Schnurren“: Is sich schrecklich, wenn ihm kracht. Kommt sich schneller, als gedacht, Gutt is, wenn im Grase ligt, Schlecht, wenn sich in Fresse fligt. Ueberschrift:„Dem Sprengstück.“ Fligt sich hin und fligt sich her,# Explodirt und kracht ja serr. Wenn's man sieht, da is ja gutt, Wenn's nicht, is man schont taputt. Ueberschrift:„Der Minenspiel.“ is Krossel nich, nich Appelsine, Wenn man's schmeißt, macht Krach wie Mine. Schmeißt man ihm selber, macht ja Spaaß; Schmeißt Feind ihm, heißt: Verfluchter Aas. Ueberschrift:„Dem Handgranate.“ Feldpost=Briefen. „Hacker, sing' mal eins!" ::„Will man vor dem Schlasengehen noch einen Ohrenschmaus haben, dann braucht man nur nach dem Hörrohr zu greisen. Unter den Telephonisten ist ein großer Sänger, Erni Hacker aus Hamburg. Wenn die letzten Tagesmeldungen weitergegeben sind, vor allem die neuesten Nachrichten von den Kriegsschauplätzen, dann heißt es im Fernsprecher:„Häcker, sing' mak eins!“ Dann singt Hacker in den Fernsprecher, dann haben sämtliche Stationen das Hörrohr am Ohr und lauschen. Dann heißt es weiter:„Als erstes allgemeines steigt usw.“, dann singt die ganze Gesellschaft in den Fernsprecher, und wer es mag, der mag's wohl mögen. Dazwischen kommen schlechte Witze oder unangebrachte Bemerkungen, denn der Aufgeber dieser Bemerkungen ist ja nicht kenntlich. Auch manch ein Prosit fährt dazwischen von irgendeiner durstigen Station auf Isidor oder Martha, Bezeichnungen der einzelnen Stationen. Solcher Art sind die Reize dieses schloßartigen Unterstandes. Sitzt man in ihm, so glaubt man nicht mehr im Schützengraben zu sein. Daher wird er aus den Schützengräben von rechts und links fleißig besucht; er faßt eine große Gesellschaft, und manch Spielchen Kasino oder Skat„für die Hinterbliebenen“ hat er gesehen. Russische Kultur und Kriegsmacht. Die„Nordd. Allgem. Ztg.“ schreibt: Ein amtliches Armutszeugnis für die russische Kultur und Kriegsmacht. In deutsche Hände siel vor einiger Zeit der folgende Befehl des russischen Generals der Infanterie von Sievers, des Führers der in der Masuren=Winterschlacht vernichteten Armee: „Infolge des außergewöhnlich feindlichen Verhaltens der deutschen und der jüdischen Bevölkerung ist diese beim Rückzug der russischen Truppen aus den Operationsgebieten zu entfernen. Für die geringste feindselige Haltung sind die schwersten Kontributionen aufzuerlegen. Wegen der bekannten deutschen Hinterlist ist äußerste Vorsicht geboten. Haussuchungen sind abzuhalken. Das Verlassen der Häufer beim Eintriß der Dunbelheit ist zu verbieten. Das Eigentum von Privatpersonen, die eine feindselige Handlung begehen, ist unverzüglich zu verstören. Das Eigentum des Deutschen Reiches ist, wenn Abbeförderungen nötig sind, sofort zu vernichten, Um die dautsche Industrie zu schädigen, die zum Wohlstande des Feindes mit beiträgt, sind Maschinen in staatlichen und Privatbetrieben durch Pioniere auf das Nachhaltigste zu zerstören. gez. v. Sievers, General der Infanterie!# Das ist amtlich empfohlener Vandalismus, der jeder gesetzlichen Kriegführung Hohn spricht. schwache Versuch, die russische Zerstörungswut durch den Hinweis auf die Industrie, für den Wohlstand des Feindes zu verschleiern, wird von niemand ernst genommen. Bezeichnend dagegen ist dag militärische Armutszeugnis, das aus dem Bestreben spricht, an Stelle des feindlichen Heeres die hilflosen Mittel friedlicher Arbeit zu vernichten, Vielleicht erklärt sich aus diesem Bewußtsein der kriegerischen Ohnmacht auch der ungewöhnliche Scharfblick, mit der der russische General die Abbefördenung seiner Truppen so richtig vorausgeahnt hat. Ueberraschend wird freilich selbst für einen Mann mit so bedeutender Sehergabe die Schnelligkeit gewesen sein, mit der Dank der deutschen Umsicht und Tatkraft diese Abbeförderung vollzogen ist. Auch daß der Transport größtenteils nach dem Innern Deutschlands gehen würde, hat der kulturbringende russische Prophet wohl kaiim vorausgesehen. Henantogertich fir die Nchalen Friede. Kur Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Nach Sibirien mit bundertlausend Deutschen 4 Monate russische Kriegsgefangenschaft von Kurt Kram. „Deutsche, die in Rußland friedlich ihrem Beruf kals Vorarbeiter, Techniker, Ingenieure, Kaufleute kund Industrielle nachgingen, über hunderttausend 1[Deutsche im Alter von 17 bis 50 Jahren hat die russische Regierung seit Beginn des WeltIkrieges wie Verdrecher behandelt und in die lschneeige Wüstenei Sibiriens verschickt. Ueber hunderttausend Deutsche sind schutzlos der russischen Willkür preisgegeben.— Auch Kurt Aram, der bekannte Romanschriftsteller, war 4 Monale unter diesen Verbrechern und hat ihr Schicksal geteilt. In Tiflis. der Stadt Mirza Schaffys. list er vom Krieg überrascht und nach dem Ural verbannt worden. Unter abenteuerlichen Drangsalen hat er den stumpfen, rohen Haß der Russen gegen alles Deutsche an sich erfahren, zugleich jedoch die selbst im Kriege fortdauernde Verwahrlosung der russischen Behörden kennen gelernt. Dann ist es ihm gelungen, mit einem Auslandpaß über Petersburg und Finnland in die deutsche Heimat zurückzukehren. Sein Buch ist die erste und bis jetzt einzige Stimme, die aus dem furchtbaren Winter des Ostens zu uns dringt, die uns erzählt, welche Leiden unsere deutschen Volksgenossen im tiefsten Innern des Jarenreiches hinter der Front bestanden, während in Polen die großen Schlachten geschlagen werden Preis 1 Mark. vorrätig in der Bucbbandlung Carl Braus Schwerte(Ruhr). Gr. Marktstr. 3—5. Krauenliebe. Roman von Clara Aulepp=Stübs. 39 „Ach, da muß etwas mit dem Vater passiert sein, Ria! Sieh nur, wie blaß Gio aussieht.“ „Ja! Wahrhaftig!" bestätigte diese erschrocken. „Und der Doktor mit? Was ist das, was soll das heißen?“ Lotti war schon an der Tür, wollte ihrem Mann stürmisch entgegeneilen, besann sich aber, daß dieses dem Doktor doch etwas kindisch vorkommen könnte und blieb zögernd stehen. Sie hörte die Haustür öffneu, die Herren die wenigen Stufen zum Parterre in die Höhe kommen und trat nun erst grüßend hinaus. Sie sah rührend lieblich aus in dem hellen Hauskleid von feiner Wolle und dem in Flechten aufgesteckten, goldblonden Haar. Mit reizendem Lächeln bor sie dem Arzt die Hand.„Wie geht es meinem Schwiegervater?“ Es lag eine leise Angst in der Stimme, die dem Doktor nicht entging.„Ihr Herr Gemahl wird Ihnen alles mitteilen, liebe, gnädigste Frau!“ „Ja, Liebling, komm!— Herr Doktor leistet Fräulein Forster so lange Gesellschaft, ja? Die Herrschaften kennen sich doch?“ „Jawohl, ja! Bin der Dame neulich vorgestellt! Lassen Sie sich nur nicht stören!" Der Arzt verschwand im Eßzimmer und Lotti, die etwas befremdet von den Worten der beiden Herren=war, schmiegte sich eng in Giovannis sie umschlingenden Arm. „Komm mit hinauf, Lotti.“ bat er. „Aber, warum denn? Kannst mir doch hier sagen, was ist!“ „Bitte, komm doch!" Sein flehender Tou ließ sie nun zwarsofort mitgehen, machte aber zugleich auch ihr Herz noch angsthastig in ihr Zimmer und zog sie dort neben sich auf das Sofa, sie fest an seine Brust pressend. Sie fühlte sein schweres Atmen.„Gio, unn sage mir doch nur, was ist?“ Sie machte sich von ihm los und sah ihm gespannt ins Gesicht.„Dein Vater— war er sehr bös? — Hat er Dir was getau?“ Seine verstörten Züge erregten Mitleid. „Ja, er hat mir was getan— Dir auch!“ Es lag ein Unterton qualvollster Seelenmarter in dem dumpfen Ausruf. „Mir— mir auch? Ach, Gio. so sprich doch, spanne mich doch nicht so auf die Folter; sage, was ist?" bat die Frau. Ach, daß sie so ahnungslos war, so gar nicht nach der Mutter fragte! Und jetzt sprach sie weiter:„Sollen wir hier heraus? Hat— hat er Dich— will er Dich nicht mehr dulden?“ Da stöhnte der Mann in Verzweiflung auf. „Lotti, Lieb! O Gott, wenn es nur das wäre, wie gern wollte ich dieses tragen! Aber so— ach, es bricht mir ja das Herz, es Dir zu sagen, aber es muß doch sein!“ „Sage es nur, Gio! Ich werde alles gern mit Dir tragen; ich bin doch Dein Weib, Dein treuer Kamerad!“ Wie rührend innig das klang! Er riß sie an sich, und das zuckende Antlitz in ihrem duftigen Haar bergend, flüsterte er ihr das Entsetzliche zu. Einen Moment lang lag sie ganz still an seiner Brust, dann richtete sie sich langsam auf, strich sich das Haar aus der Stirn und sagte merkwürdig ruhig, mit einem ungläubigen Lächeln um den Mund:„Ach, Gio— sage doch so etwas nicht! Wie kann das möglich sein?“ Sie schüttelte abweisend den Kopf. In nervösem Spiel ringelten ihre Finger die langen Enden der Bandschleife, die von dem Abschluß der Passe herDer Mann vermochte es nicht mehr mit anzusehen; er nahm ihre Hände in die seinen und sagte, doch jetzt in großer Erregung:„Lotti, o Lotti, es ist aber so, wie ich Dir sage! O, warum, warum habe ich von der Reise gesprochen, warum danach ihm noch mitgeteilt, daß ich seine Bedingung nicht gehalten habe! Ach, und warum konnte ich sie nicht halten, warum war ich so schwach— ein Künstler wird ja nun doch nicht mehr aus mir— ich kann ja nichts, habe nichts gelernt— nur Dich unglücklich gemacht, das habe ich— o, ich Elender — Deine Mutter gemordet— ach——“ Giovanni brach erschöpft ab, glitt vor ihr auf den Boden nieder und barg sein bleiches Antlitz in ihren Händen. Da lief ein Zittern durch ihren Körper. Leise begann es, wurde stärker und zuletzt bebten ihr die Kniee und schlugen die Zähne fast hörbar wie im heftigen Frostschauer aufeinander. Giovanni sprang erschrocken wieder auf und schlang die Arme fest um den bebenden Körper. Und nun klammerte Lotti plötzlich ihre Hände um seinen Hals und stammelte mit irrem, verzweiflungsvollem Blick:„So ist es— denn wahr — wahr, wahr? Meine Mutti, meine liebe, süße Mutti— ist tot? Ja— sage doch, daß es nicht wahr ist! Gio, Liebster, sage doch, daß es nicht wahr ist!“ flehte sie mit angstverzerrtem, blassem Gesichichen. Und ietzt packten ihre schwachen Hände den Mann an den Schultern und schüttelten ihn, als wollten sie ihn aufwecken aus einem entsetzlichen, furchtbaren Traum. Doch erstand fest, regungslos. Aus seinem Herzeu aber stieg ein stummes Gebet auf zu dem Thron des Allmächtigen; er zitterte für das Leben seines geliebten Weibes. Und Lottis kleine, bebende Hände legten sich um seine Wangen und zwangen ihn, ihr in die zuckende Mund immer wieder:„So sage doch, daß das nicht wahr ist— ach, Gio, sage doch—“ Ihr gemartertes Herz klammerte sich noch immer an eine vage Hoffnung. Sie wußte selbst nicht, wie haltlos diese war, denn Giovanni würde ihr doch nicht umsonst eine solche entsetzliche Mitteilung machen. Er sah so schmerzvoll bewegt auf sie nieder, daß ihr endlich die furchtbare Erkenntnis ihres Verlustes voll zum Bewußtsein kam. Ein jäher, atemraubender Schmerz durchzuckte ihr Herz und Hirn; ein wimmernder Laut und schwer sank ihr Kopf an ihres Mannes angstvoll klopfende Brust. Eine wohltätige Ohnmacht enthob die junge Frau für kurze Zeit ihren Qualen, ließ sie aber desto mehr in Giovannis Herzen wachsen.— Wenn Lotti stürbe! Ihm war, als müsse er dann wahnsinnig werden, als könne er es nicht überleben, sein geliebtes Weib sterben sehen— sterben durch seine Schuld — weil sie der Mutter nachging, die sein Vater im ausbrechenden Wahnsinn getötet hatte auch durch seine Schuld!— Ach, der Schmerz, der seine Seele zerriß, ward unerträglich und durch seine Selbstanklagen so folternd, so martervoll, wie heftige, körperliche Pein. Er bettete Lotti sacht und sorgsam aufs Sofa, dann schellte er. Wie er gedacht, so geschah es; der Arzt öffnete leise die Tür und trat nach einem forschenden Blick ins Gemach rasch ein. Die beiden Männer wechselten ernste Worte. In leidvoller Teilnahme blickte der Doktor in das totenblasse Antlitz der jungen Frau. 219,16 Als Lotti aus ihrer tiefen Ohnmacht erwachte, fand sie sich in ihrem Bett liegend mit einer seltsamen Erschöpfung in den Gliedern und stechendem Schmerz in Kopf und Brust. Eine Weile lag sie stumm und regungslos in den weißel Kissen, wie nachdenkend—, dann verzerrte sich ihr Gesicht voller klopfen: Wie Gio nur aussahl Er ging sol unter sielen, auf und ab und wieder auf und ab. Augen zu schauen, und dabei flehte der jammervoll l und ein lauter Schrei brach von ihren Lippen. # SGT.TS.T .„ FA#„E* nd res S 8 5. na. Toa:xÖE, OExGag ST-OE SGEg SSOSES * SS83—BGHSRT0 BOTRA SaaSLE T=. a T T. Oonutn: 835 * SC.* 8 S TaSsen. — 6 WeBaG:rg n Soc 90“ „ 25 S## S Sbe ggan 9 p ag, g.—E .B 0 S.„*„„*** Baas 88Spp SSSSESBSST B5SE SSoSx9 G TeSSMG“ -Tengngg S2g. S Holggn-5 gghigenn S- MOESLARSGE Sog, U0, Cogu BMMSGRSTZTTSTGPST sguchce SOgg *——/0•"** 10"— 2 * 3 F# S 8 P 8 E 8 # L.# B 5 S* 8 8 S.** S s S gSSSSE S Srgafss S S GSEE - S Sgs-eTag ESSog SSEFROET, wnd aTayi rückkehrte, vernahm er, daß der dem Leben und der Trgend wiedergegebene Prager Gehenkte vor kurzem. sanft entschlafen sei. 4288 Toktor Bolislaw bewahrte ihm ein treues Andeulen. Er hatte niemals, keinem Menschen etwas von dem Vorleben verlauten lassen, niemand ahnte in dem reichen. Kaufmann den einstigen Verbrecher, der seit so vielen Jahren unter dem Namen Delnard in glücklichen Verhältnissen lebte. In Wirklichkeit hieß er Lottiz. Erst nach dem Tode des berühmten Anatomieprofessors fanden sich einige Papiere vor, welche die Kunde von der zweifachen Rettung eines Menschen enthielten, eines Menschen, welcher dem Strang versalten war und einem ehrbaren Leben wiedergewonnen wurde. Diese Rettung war das Werk herzlicher Gottesund Nächstenliebe. Die Kriegssammlung des alten Kaisers. Die von der preußischen Staatsverwaltung mit großem Erfolg durchgeführte Sammlung deutscher Kriegsbriefe, Kriegstagebücher und sonstigen Aufzeichnungen aus Kriegszeiten, die zum grüßten Teil in der Berliner Königlichen Bibliothek aufbewahrt werden wird, gibt Anlaß, daran zu erinnern, daß dieselbe königliche Bibliothek zu Berlin bereits eine sehr umsassende„Kriegssammlung" besitzt, die kein anderer als der alte Kaier Wilhelm selbst gesammelt hat. Diese Kriegssammlung— das ist der offizielle Name— stellt eine Spezialbibliothek von Schriften dar, die aus Anlaß des Feldzuges von 1870/71 erschienen sind; sie. wurde auf Befehl Kaiser Withelms k. gegründet, der sie zunächst als einen Teil seiner(nach seinem Tode teils an den Prinzen Heinrich, teits an die Kieler Universitätsbibliothek und an die Kgl. Bibliothek übergegangenen) Privatbibliothek überwies, und zwar durch Kabinettsorder an den Kultusminister Dr. Falk vom 20. Juni 1873„unter dem Vorbehalt der weiteren Vervollständigung“ als untreunbare Sammlung. Die Beschaffung, und längere Zeit auch die Verwaltung, lag in den Händen des bekannten Sängers, Schauspielers, Regisseurs und Königsvorlesers Louis Schneider; wie sehr sich der sparsame alte Kaiser für die Sache interessierte, erhellt aus den bedeutenden Mitteln, die er für die Anschaffungen auswarf: so betrugen nach Schneiders Notizen die Buchhändlerrechnungen 13872 schon über 6000 Taler. Die in ihren Einzelheiten noch ungeschriebene Geschichte ihrer Vervollständigung muß nach den gelegentlich von dem Bibliothekar Dr. Paul Hirsch mitgeteilten Proben recht amüsant sein: da sendet jemand ein Lied ein, das er von einem Leiermann in Soden gekauft hat; ein Heilgehilfe offeriert ein„selbstversaßtes" Lied, und voll Selbstgefühl bietet ein Kreisgerichtssekretär ein Gedicht an, das er„durchweg aus dem Kopfe“ gedichtet hat; weniger Selbstvertrauen verrät ein Angebot, in welchem ein Autor seine Schrift mit der bescheidenen Bitte übersendet, seinem Büchlein„ein Plätzchen in der Sammlung zu gönnen, und sei es auch nur neben oder hinter den Hyänen des Schlachtfeldes". Bevor die Sammlung der Königlichen Bibliothek dauernd einverleibt wurde, wurde sie gegen ein Eintrittsgeld von fünf Silbergroschen(an Montagen zehn Silbergroschen) im großen Saale des alten Bibliothetsgebäudes öffentlich ausgestellt. Der sinanzielle Erfolg der Schau war freilich recht bescheiden. Da es bekannt geworden war, daß der Ueberschuß der Einnahme den Invaliden des letzten Feldzuges zugute kommen sollte, waren von mehreren Seiten diesbezügliche Gesuche an die Bibliothek eingelaufen, u. a. auch vom Kriegsministerium und vom„Invalidendank"; die Entscheidung siel der Bibliothek nicht schwer: an beide Antragsteller erging wenige Tage nach Schluß der Ausstellung der Bescheid, daß die Einnahmen die Unkosten gerade gedeckt hätten. Und worin bestanden die Unkosten? Hauptsächlich in der Remunerierung von zwei Schutzleuten, die das Pr präsidium auf Ersuchen gestellt hatte. 2 Schlimmer. Der Sergeant Schultz war von seiner Gattin mit einem Sohn und Erben beschenkt worden, und die Kameraden kamen alle, um ihm zu gratulieren und bei dieser Gelegenheit von des jungen Vaters bekannt gutem Bier zu thoten. Der Gefreite Müller war eben aus dem Weg dahin, als Sergeant Lehmann ihm auf dem Kasernenhof begegnete. „Wohin willst du denn, Müller?“ fragte er. „Ach, ich wollte nur mal zu Schultz rumjehen und ihm zu seinem Sprößling Glück wünschen,“ war die Antwort. „Da kommst du zu spät,“ erklärte der Sergeant mit feierlichernster Niene. Wun, aud 18. „Was?“ rief Müller erschrocken,„der kleene nrrl is doch nich etwa jestorben?“ „Nee, dem geht's ganz gut,“ versetzte der andere,„aber das Bierfaß ist leer!“ ssseee 0 Aus vergangenen Tagen.) Ein königliches Amüsement. Friedrich Wilhelm I. litt bekanntlich am Podagra, und diese Krankheit versetzte ihn stets in die übelste Laune, so daß der Wunsch nach Erheiterung oft in der eigentümlichsten Weise sich kundgab. Hierher gehörten auch unter anderem die Neckereien mit Hofnarren, die gewöhnlich mit körperlichen Züchtigungen endeten. Oft aber brachten die offiziellen Erheiterungen nicht die beabsichtigte Wirkung auf Seine Majestät hervor. So schritt der König am 25. Januar 1739, an welchem Tage das Podogra ihm große Schmerzen und Ungeduld verursachte, nach einer tags zuvor auf„expressen Befehl“ arrangierten Schlittenfahrt im Lustgarten zu einem ganz exklusiven Amüsement. Er ließ nämlich„sämtliche alten Weiber, so in der Roßstraße mit Eiern und anderen Eßwaren handelten“, auf das Schloß zu sich bescheiden. Hier kaufte er ihnen sämtliche Waren zu hohen Preisen ab, ließ ihnen dann Weißbrot und Branntwein in reichlichem Maße verabfolgen, worauf sie„sehr vergnüget wieder nach der Roßstraße zurückgekehret und viel Plauderns von der ihnen widerfahrenen Gnade gemachet". Daß jene Szene im Schlosse wirklich etwas Erheiterndes gehabt, läßt sich denken. Denn daß der pure Einkauf von Eiern und sonstigen Eßwaren den König allein nicht veraulassen konnte, besagten Weibern Branntwein usw. reichen zu lassen, liegt auf der Hand. Es muß vielmehr die Unterhaltung die eigentliche Würze gewesen sein, wie denn auch handschriftliche Einzelheiten von der„vertraulichen Ausdrucksweise“ des Königs noch vorhanden sind, die auf eine wirklich erheiternde Kraft jenes„urkräftigen“ Wortwechsels mit den Hökerinnen schließen lassen, deren bilderreiche Ausdrucksweise einen europäischen Ruf genoß. Amtliches Kreisblaft für den Kreis börd: 47. Jahrgang O Griles und älleltes Cagesorgan des Kreiles. O Haups-Annoncenblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 114. Dienstag, 18 Mai 1915. Art läßt nicht von Hrt. Roman von H. Hill. (10. Fortsetzung) ätte Edith in der ersten Viertelstunde ihre Entscheidung tressen müssen, so wäre sie wahrscheinlich in der eines entschiedenen und verachtungsvollen Nein erfo'gt. Je mehr aber ihre aufgepeiischten Nerven Zeit fanden, sich zu beruhigen, desto mehr gewannen neben ihrem beleidigten Stolze auch Erwägungen anderer Art Einfluß auf ihre Gedankenwelt. Sie sagte sich, daß es für sie in Wahrheit keine andere Wahl gab als die zwischen zwei Uebeln, von denen das eine nur sie selbst treffen würde, während das andere nicht nur ihr eigenes Unglück, sondern auch das Unglück eines Mannes bedeutete, der ihr teurer war als das Leven. Wenn einem aufrichtig liebenden Herzen in solchem Fall die Art der Entschließung ohnehin schon so gut wie vorgezeichnet ist, so kam hier noch etwas anderes dazu, was die Wage mehr und mehr zugunsten einer bejahenden Antwort sinken ließ. Der Mensch da oben, in dessen Adern— inbrünstig dankte sie dem Himmel dafür— kein Tropfen von dem Blute ihres geliebten Vaters floß, war ein Sterbender. Der Arzt hatte es ihr wiederholt versichert, und sein Aussehen wie seine Schwäche hatten es ihr bestätigt. Wenn sie wirklich einwilligte, sich ihm antrauen zu lassen, so war diese Entschließung nichts anderes als eine Formalität, eine Tragikomödie ohne alle praktischen Konzequenzen. Und obgleich sie jedesmal aufs neue erschauerte, sobald sie sich vorstellte, daß ihr Name in die engste und heiligste Verbindung mit dem eines notorischen Verbrechers gebracht werden sollte, so suchte sie doch ihre Bedenken (Nachdruck verboten.) laternen verbreitete eine matte Helligkeit in dem dem Vensee g gegenen damit zu beschwichtigen, daß ja am Ende diese Scheinheirat das Geheimnis einiger weniger Menschen bleiben würde, von deren keinem sie einen Bruch der Verschwiegenheit zu fürchten hatte. Ihrer Angehörigen war sie von vornherein sicher, und die anderen, die man etwa als Zeugen würde zuziehen müssen, würden ihr Schweigen willig genug mit Geld erkaufen lassen. Der eine einz'ge aber, dem sie mit einem Eingehen auf die gestellte Bedingung wirklich zu nahe trat, weil er einen geheiligten Anspruch auf ihre Treue hatte, er würde sicherlich bereit sein, ihr zu verzeihen, was sie einzig zu seiner Rettung getan., 4an Grühelus ftand Nach einer Stunde schmerzuchen Grubeins stund sie auf und trat an das Fenster, weil sie die grauenhafte Einsamkeit und Verlassenheit minder schwer zu fühlen glaubte, wenn sie Menschen sah. In dem Zimmer selbst war es jetzt nahezu vollständig dunkel; nur das von draußen hereinfallende Licht der StraßenFenster zunächst gelegenen Teil des Gemaches. Das Bedrückende und Unheimliche dieser Umgebung, die in einem so schreienden Gegensatz stand zu allem, was sie vor diesem Tage gewöhnt gewesen war, trug am Ende auch nicht wenig dazu bei, sie zu einem befreienden Entschlusse zu drängen. Ihre ganze Willenskraft aufbietend, ging die Komtesse endlich zur Tür, um den Riegel zurückzuschieben; dann setzte sie die Klingel in Bewegung und stand hochausgerichtet in stolzer, sicherer Haltung do, als auf dies Kungelzechen mit beinahe auffallender Schnelligkeit die hübsche, junge Krankenpflegerin auf der Schwelle erschien. „Die gnädige Komtesse wünschen?“ Befindet sich Doktor Pittius im Hause?" fragte Edith in stolzem, fast hochfahrendem Tone. Dies war ja fast die einzige Waffe, die ihr noch blieb, um sich wenigstens vor dem Schlimmsten zu schützen, und sie war unwiderruflich entschlossen, eher zu sterben, als ihrer weiblichen Würde etwas zu vergeben. „Der Doktor ist bei dem Grafen Donnersberg," lautete die Erwiderung. Die schlechte Beleuchtung machte es Ebith unmoglich, auf dem Gesicht des Mädchens zu lesen; aber wenn sie in der Gemütsversassung gewesen wäre, auf derartige Kleinigkeiten zu achten, so würde ihr der Klang von Spannung und neugieriger Erwartung in der Stimme dieser Person vermutlich nicht entgangen sein. „Wollen Sie also dem Herrn Doktor ausrichten, daß ich ihn bitten lasse, sich möglichst sogleich zu mir bemühen! Ich habe den Wunsch, dem Kranken eine wichtige Botschaft zu1 durch seine Vermittlung vonwen zu kolen: „Möchten die gnädigste Komtesse nuhr neoer hinausgehen und selbst mit dem Kranken sprechen? Er befindet sich zwar sehr schlecht; aber er würde doch wohl imstande sein, Sie zu empfangen. Bei seinem jetzigen Justande macht es schon keinen großen Unterschied mehr, wenn ihm eine kleine Aufregung zugemitcet wird..Hiherhest 4 „Nein!" erwiderte Edith mit Entschiebenhen.„Ich wünsche mich für meine Mitteilung an den Herrn nur der Vermittlung des Herrn Doktor Pittius zu bedienen. Da Sie vorhin bei einem Teil meiner Unterredung mit dem Kranken zugegen waren, werden Sie ja wahrscheinlich bemerkt haben, daß unsere persönlichen Beziehungen nicht die freundlichsten sind.“ Die Krankenpflegerin entfernte sich ohne eine weitere Vemerkung, und nach Verlauf einiger Minuten trat der angebliche Doktor Pittius in das Zimmer. „Erlauben Sie zunächst, daß ich Licht mache,“ sagte er, zog die Fenstervorhänge zu und zündete eine der drei Gasflammen des armseligen Kronleuchters an. Dann wandte er ihr sein gelbliches Gesicht zu, dessen durch Schminke und Farbstift herbeigeführte Veränderung dem erfahrensten Schauspieler Ehre gemacht haben würde. „Sie haben den Wunsch geäußert, mich zu sprechen." antwortete die Komtesse, indem sie ihn durch eine Handbewegung zum Sitzen einlud— eine Einladung, der er indessen nicht Folge leistete.„Sind Sie noch immer der früher geäußerten Meinung, daß es für— für Ihren Patienten da droben keine Hoffnung mehr auf Wiederherstellung gibt, und daß er nur noch eine kurze Reihe von Tagen zu leben hat?“ „Ich pflege meine Prognose niemals zu stellen, ehe ich meiner Sache nicht völlig sicher bin,“ lautete die etwas gekränkte Entgegnüng.„Und in diesem Fall ist die Voraussage überdies leicht genug, da sich der stand von Stunde zu Stunde rapide verschlechtert.“ „Unter dieser Voraussetzung möchte ich Sie ersuchen, dem Patienten eine Bestellung von mir auszurichten, mir seine Antwort zu überbringen und mir dann bei den nötigen Arrangements behilflich zu sein, falls ich mich entschließen sollte, einige Zeit in diesem Hause zu verweilen.“ „Ich bin zu Ihrer Versügung.“ „Ich bitte Sie also, Ihrem Patienten in meinem Namen mitzuteilen, daß ich bereit bin, auf seinen Vorschlag einzugehen; aber nur unter zwei Bedingungen, an denen ich unveränderlich festhalten werde. Erstens muß er sich verpflichten, mir das bewußte Papier— er weiß schon, um was es sich handelt— zum Zwecke der Vernichtung auszuhändigen, sobald ich meinen Teil des Vertrages erfüllt habe. Und zweitens muß er mich davon entbinden, ihn wiederzusehen, ebe der Augenblick der Erfüllung gekommen ist. Geht er auf diese Bedingungen ein, so bin ich bereit, bis zur Erledigung der Angelegenheit hier im Hause zu bleiben — unter der Voraussetzung natürlich, daß mir ein angemessenes Unterkommen gewährt werden kann, und daß ich ganz unbelästigt bleibe. Die nötigen Vorkehrungen zu treffen, muß ich ganz und gar ihm überlassen. Aber Sie dürfen ihm sagen, daß ich den Wunsch habe, es möge alles so schnell als nur möglich vor sich gehen.“ Der Doktor verbeugte sich. „Ich werde Ihren Auftrag wörtlich ausrichten,“ erklärte er und verließ das Zimmer. Der falsche Graf mußte nicht viel Zeit gebraucht haben, um sich auf die ihm gemachten Vorschläge zu entscheiden. Denn es waren kaum zehn Minuten vergangen, als Edith den vermeintlichen Doktor Pittius schon wieder eintreten sah. „Der Graf läßt Ihnen sagen, daß er mit allem einverstanden ist. Um die Vorbereitungen brauchten Sie sich nicht zu kümmern. Das wenige, was da zu tun sei, könnte recht wohl durch seinen Kammerdiener erledigt werden. Daraus, daß der Doktor von dem Kranken noch immer als von dem„Grafen“ gesprochen hatte, zog die Komtesse den Schluß, daß ihr Peiniger den nicht in sein Vertrauen gezogen hatte. Sie fühlte sich dadurch erleichtert, obwohl sie sich anderseits sagen mußte, daß der abscheuliche Handel kaum würde zu Ende geführt werden können, ohne daß die maßgebenden Persönlichkeiten dieses Hauses in das Geheimnis eingeweiht würden. Aber es war jedenfalls gut, wenn ihre Hereinziehung in das Komplott solange als möglich hinausgeschoben wurde. Mußte doch ihre Situation von dem Augenblick an, wo sie sich von lauter„Wissenden" umgeben wußte, noch unerträglicher werden, als —— sie es jetzt schon war. Der Kammerdiener Weigelt war jedenfalls von vornherein ein Spießgeselle des Betrügers gewesen, und er würde schon um seines eigenen Interesses willen Schweigen zu bewahren wissen. „Ich danke Ihnen, Herr Doktor,“ erwiderte sie in jener kühl zurückhaltenden, vielleicht etwas hochmütigen Art, wie sie allen zu begegnen pflegte, die ihr Vertrauen noch nicht vollständig gewonnen hatten.„Darf ich Ihre kostbare Zeit jetzt noch mit dem Ersuchen in Anspruch nehmen, mir eine Unterredung mit der Dame zu vermitteln, die mich hier irgendwo unterzubringen haben, wird, solange— solange die Krankheit Ihres Patienten noch währt?" „Der Herr Graf, der Ihren Wunsch vermutlich voraussah, hatte bereits ein Zimmer für Sie belegt. Wir können es Ihnen ohne Schwierigkeit zur Verfügung stellen, da das Haus gerade in diesem Augenblick nicht sehr stark belegt ist. Ich werde, ehe ich für heute fortgehe, die Hausdame veranlassen, sich Ihnen vorzustellen, und mit ihr können Sie ja dann alles weitere besprechen.“ „Sie selbst wohnen also gar nicht hier in Ihrer Klinik?“ „O nein, dazu habe ich eine viel zu ausgedehnte Praxis außer dem Hause. Aber ich benutze jeden freien Augenblick, um hierherzukommen und mich über das Ergehen meiner Patienten zu unterrichten.“ „Sie werden mir also die Hausdame schicken. Darf ich mich nach ihrem Namen erkundigen?" „Es ist ein Fräulein Johannsen, und ich bitte Sie, ihr rückhaltlos alle Ihre Wünsche mitzuteilen, die gewiß nach besten Krästen Berücksichtigung finden werden. Sie dürfen sich nicht daran stoßen, daß Fräulein Johannsen ein etwas autokratisches Auftreten hat. Für die Aufrechterhaltung der Ordnung in einer Klinik ist das durchaus notwendig. Und die Verantwortlichkeit, die auf den Schultern der Dame liegt, ist sehr groß.“ Mit einer abermaligen Verbeugung zog er sich /10 zurück, so eilig, wie seine ausgedehnte Praxis es ihm zur Pflicht zu machen schien. Edith aber machte sich allerlei unruhige Gedanken über die Gründe, die ihn bestimmt haben konnt#n, eine derartige Charakteristik der Hausdame zu geben— eine Aeußerung, die beinahe etwas von dem Klange einer Warnung gehabt hatte. Eine halbe Stunde verging, ohne daß sich jemand hätte bei ihr sehen lassen. Dann erschien Weigelt, um ihr eine einfache aber wohl zubereitete Mahlzeit zu servieren, währenddessen er mit der geräuschlosen Gewandtheit seines Berufes aufwartete. Er benahm sich so respektvoll und so korrekt, wie die Komtesse es nur immer erwarten konnte, und doch ging es jedesmal wie ein Erschauern über ihren Leib, wenn er neben sie trat, um ihr eine Schüssel anzubieten. Wußte sie doch jetzt, daß dieser Mensch der Vertraute seines schurkischen Herrn war, und daß die Vorbereitungen für die tiefste Erniedrigung ihres Lebens in seine Hände gelegt werden sollten, oder bereits gelegt waren. Worin diese Vorbereitungen zu bestehen hätten, ahnte sie allerdings nicht. Sie war in allen Dingen des praktischen Lebens, die außerhalb ihrer gewohnten Sphäre lagen, sehr wenig bewandert, und sie wußte darum auch nicht, welcher Formalitäten es für eine Nattrauung bedurfte, oder von wem dieselbe vollzogen werden mußte. Aber sie nahm an, daß es durch eine obrigkeitliche Persönlichkeit oder durch einen Geistlichen geschehen würde, da sie ähnliches in Romanen gelesen zu haben glaubte. Ein paarmal war sie nahe daran, eine diesbezügliche Frage an den Kammerdiener zu richten. Aber ihr Stolz hielt sie schließlich davon ebenso gebieterisch zurück, wie die verschlossene Miene des Mannes, dessen Gesicht ihr niemals abstoßender und widerwärtiger vorgekommen war wie jetzt. (Fortsetzung folgt.) Der Langsamste, der sein Ziel nur nicht aus den Rugen verliert, geht noch immer geschwinder, als der ohne Ziel herumirt. Leiling. Die Geschichte eines Gehenkten. Erzählt von Dr. L. Otto. (Schluß.)(Na#hbruck verdeten.) Vor dem„Tor der Deutschen“ angekommen, wurden beide von den Wachen angehalten, aber unbehelligt durchgelassen, als sich der Doktor entsprechend ausgewiesen hatte. Er zählte zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt, und fast jedes Kind kannte den freundlichen, alten Herrn. Noch eine Strecke begleitete er den Flüchtenden, dann nahmen sie voneinander Abschied. Der Gerettete umschlang die Knie des Arztes, indem er noch einmal versicherte, seine Dankbarkeit durch einen gebesserten Lebenswandel an den Tag zu legen. Mit dem Bewußtsein, ein gutes Werk getan zu haben, kehrte der Arzt in die Stadt zurück. Einige Tage später teilte er seinen Schülern unter dem Siegel der Verschwiegenheit den wahren Sachverhalt mit, und keiner von ihnen hat das Geheimnis jemals ausgeplaudert. ** * Zwölf Jahre später, als sich Doktor Bolislaw in Straßburg befand und eines Tages durch eine Straße ging, wurde er von einem elegant gekleideten Bürger, der sich ihm als Großkaufmann vorstellte, angesprochen. „Ich irre wohl nicht," begann dieser,„wenn ich behaupte, daß wir uns schon irgendwo gesehen haben.“ „Sie irren sich doch, mein Herr,“ versetzte Bolislaw;„ich entsinne mich nicht, Sie je gesehen zu haben.“ „Sie sind aber doch der Herr Professor Dr. Bolislaw aus Prag.“ Der Gelehrte antwortete bejahend. „Gut, dann sind wir Landsleute, und ich kann nicht umhin, dem Glück und der Freude ob Ihrer Begegnung Ausdruck zu geben. Bitte, kommen Sie mit mir. Ich wohne in der rue de la Nuée-Bleue und es ist nicht weit hin. Sie müssen mir die Ehre antun, sich von mir bewirten zu lassen.“ Befremdet über eine so große Zuvorkommenheit, wollte Dr. Bolislaw ablehnen. Aber der Fremde drang so sehr in ihn, daß er einwilligte, ihn zu begleiten. Vor dem Hause Nr. 8 an der genannten Straße angekommen, führte ihn sein Landsmann über eine breite Treppe in den ersten Stock hinauf. Eine entzückend schöne Frau und zwei hübsche Kinder befanden sich in dem kostbar ausgestatteten Zimmer, in welches der Fremde den Doktor eintreten hieß, und sie empfingen den ihnen Unbekannten mit einer Herzlichkeit, die ihn wohltuend berührte. Zunächst wurde der Professor vorzüglich bewirtet, und dann zog sich der Herr des Hauses mit ihm in sein Bureau zurück. „Kennen Sie mich wirklich nicht mehr, Herr Doktor?“ fragte letzterer, als sie allein waren.„Wissen Sie nicht, daß ich mein Leben Ihnen verdanke, ja, mehr als das: die Hoffnung auf Seligkeit? Taucht kein Bild der Vergangenheit vor Ihnen auf?“ „Herr," erwiderte Bolislaw mit einem Anflug von Verlegenheit,„mir ist das Glück vergönnt gewesen, viele Kranke wiederherzustellen, aber Sie werden es glauben, daß ich mir unmöglich die Namen und Gesichtszüge aller meiner Patienten einzuprägen vermochte.“ „Das glaube ich, aber erlauben Sie, daß ich Ihrem Gedächtnis zu Hilfe komme. Entsinnen Sie sich des Gehenkten von Prag nicht mehr?“ Jetzt ging dem Toktor ein Licht auf. „Meine Ahnung!“ kam es über seine Lippen, „oh, jetzt erkenne ich Sie!“ Beide Männer drückten sich aufs tiefste gerührt die Hände. „Ja, dieser Gehenkte bin ich,“ fuhr der Kaufmann mit bebender Stimme fort.„Ich hab's erreicht, daß ich nun ein glücklicher und geachteter Mann bin. Gott gab mir Kraft, mein Gelübde zu halten, das ich in jener Nacht, da wir voneinander Abschied nahmen, unter freiem Himmel getan. Mit dem guten Vorsatz, ein neues Leben zu beginnen, durchwanderte ich Deutschland und gelangte endlich nach Frankreich. Da erhielt ich nach langem Suchen dank meiner geläufigen Handschrift eine Stellung als Kommis in einer Tuchwarenhandlung. Ich hatte nun mein Brot; ich erwarb mir durch jahrelange Treue, Fleiß und gute Aufführung das Wohlwollen und die Achtung meines Prinzipals, so daß nach dem Tode meines Herrn die Witwe mir ihre Hand antrug. Ich nahm sie in dem Bewußtsein, durch Reue meine Verbrechen getilgt zu haben, zur Frau. Ich setzte den Tuchhandel mit Ausdauer fort, vergrößerte ihn, eroberte mir neue Absatzgebiete, hatte dabei Glück und sammelte so allmählich ein Vermögen. Das alles verdanke ich Ihnen, Herr Doktor, und Sie werden mir glauben, wenn ich Ihnen sage, daß mir zu meinem Glücke nur noch eines fehlt: Ihnen meine Schuld abtragen zu können. Das Geld, welches Sie mir seinerzeit auf den Weg mitgegeben haben, kann ich Ihnen freilich mehrfach zurückerstatten, aber wie soll ich Sie belohnen als meinen Lebensretter?" „Hören Sie mich an, und dann erwägen Sie, auf welche Weise dies am besten geschehen kann.“ Er begann nun dem Kaufmann seine üble Lage, die Gefahr, in der er schwebte, ausführlich zu schildern. Daraus ist kurz zu entnehmen, daß Doktor Bolislaw nicht bloß ein geschickter Arzt, sondern auch ein geistreicher Dichter war und als solcher Anstoß erregte mit seinen Gedichten, in denen er von einem Völkerfrühlinge sang, der einst anbrechen müsse nach der Todesstarre, die das Vaterland— mit dessen Zuständen er unzufrieden war— in Banden halte. Er ward auf die Liste der sogenannten Landesverräter gesetzt, die schon mit vielen unbekannten, aber auch mit vielen berühmten Namen gefüllt war, und sein Schicksal war damit besiegelt. Er wurde jedoch rechtzeitig von Freunden gewarnt, so daß er sich eiligst mit Zurücklassung seines Vermögens durch die Flucht einer ungerechten Strafe entziehen konnte. Ungerecht fand er die Strafe, die über ihn verhängt werden sollte, weil er in seinen Gedichten nur dem Willen des gesamten Volkes Ausdruck gab. Sein Vorhaben war, sich nach England zu wenden, wo er in Zukunft sein Brot zu finden und den Rest seines Lebens zu verbringen hoffte. Allein seine Absicht war in jener verlehrsarmen Zeit wegen der Gefahren und Schwierigleiten, die sich ihrer Durchführung entgegenstellten, eine verfehlte. Fast des Geldes entblößt, ohne Hoffnung auf eine bessere Wendung der Dinge, fand er keinen Ausweg, als Frankreich zuzusteuern. „Das hat offenbar die Vorsehung so gewollt,“ sagte der Kaufmann,„damit ich Ihnen wenigstens einen Teil meiner Schuld abtragen kann.“ Er wußte guten Rat und bot dem menschenfreundlichen Arzte vollste Gastfreundschaft an. Infolge seiner Handelsverbindungen brachte er ihn bald glücklich nach England. Reichlich mit Geld versehen, sah sich Doktor Bolislaw aller Sorgen enthoben, die ihn sonst trotz seiner Wissenschaft im Lande der Söhne Albions das Leben schwer gemacht hätten. Als er nach mehreren Jahren nach Straßburg zu Hieler Busen Wiederum in der grosszügigsten Weise Wchein ufisere diesjährige Knaben u. Mädchen alle Farben Oire Are das Interesse weitester Kreise zu erwecken. Weisse Enorme Auswahl Trotz der enormen Preissteigerung verkaufen wir alles zu ganz alten billigen Preisen. Das Beste, was eine Wohlfeile Woche nur aufweisen Kann, liegt zum Vorteil der Käufer aus. Unsere sehenswert dekorierten Schaufenster geben ein übersichtliches Bild von der Manig. faltigkeit unserer Auslagen, die sich auf alle Abteilungen unseres Kaufhauses erstrecken. Sie kaufen bei uns besser und billiger, wie in jedem Grosstadtgeschäft. Popellne-Faletots und Kudhlaus Gebrader Siem, Schwerte. 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Bez. f. 100 Pfd 1 Nunden. 88 88 Ochsen a)vollfleischige, ausgemastete hoc-#E S1 sten Schlachtwertes, die noch S co* nicht gezogen haben(ungesocht)—— d) vollfleischige, ausgemästete, im Alter von 4—7 Jahren...—— c) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete...—— d) mäßig genährte junge, gut gegährte ältere—— Zullen: a) vollfleischige, ausgewachs. höchsten Schlachtwertes.... 65—69 112-118 b)vollfleischige, jüngere.... 50—55 94-104 c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere..—— Färsen u. a) vollfleischige, ausgemästete FärKühe: sen höchsten Schlachtwertes. 67—72119 118 d vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes dis zu 7 Jahren.. 60—65 115-125 e) ältere, ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen..... 50—57100-114 d) mäßig genährte Kühe u. Färsen 40—44 91-100 e) gering genährte Kühe u. Färsen—— Gering genährtes Jungvieh(Fresser)—— 2. Kälber a) Doppelender, feinste Mast..— d) feinste Mastkälber. 80—85 127—135 c) mittlere Mast= und deste Saugkilder 75—78 120-128 d)geringe Mast= und gute Saugkälder 65—70 110—118 e)geringe Saugkälder—— 3. Schafe Stallmast= 3) Mastlämmer und füngere Mastschafe: hammel.—— d) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genahrte hunge Schafe..—— c)mäßig genahrte Hammel und Schafe(Merzschafe)—— Weide. a) Mastlämmer—— mastschafe: d) geringe Lömmer und Schafe—— 4. Schweine. a) Fettschweine, über 150 kg. 8 Jentner Lebendgewicht—— d) vollfleischige Schweine von 110—150 kg(240—300 Pfd.) Lebendgewicht—— c) vollfleischige Schweine von 100—120 kg(200—240 Pfd.) Lebendgewicht 104.116 130-145 d) vollfleischige Schweine von 80—100 kg(160—200 Pfd.) Lehendespicht...... 104 112130-|40 Amugenguge„Schwene under 80 kg(160 pso.) Ledendgewicht 96.108 115-135 0 Seum 96 119 120 140