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Robachund ernahl.- Sottineteltene Amtiches Rresolalt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schweres Uolksblat Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Aäurte Uokszellung Schwerker Tageblatt d Schwerter Anzeiger Grltes und ältestes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis börde o Haupt-Hnnoncenblan Büe deuer und ibhenentgeüichn Deurnd nungen für den Kreis Hörde erlangen gemet Betanntmachung dei Königlichen Regierung durch Verötsentlichung in dei„Schwerter Zeitung" rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zettung“ gewährt ihren Adonnen. ten für jeden mit Tod endenden Unsoll ge300 Mk. Unfall. Druckh u. Verlag o. Corl Braus. Schwerte=Rude Pria ti.- Scm al Srasshennsce Nr. 113. Montag, den 17. Mai 1915. 47. Jahrgang. Der„Aec der Anaushaltsam Vorwarts imn Osten! v d Marwiß die Gegend DobroDie deutsche Mauer im Westen: der gächtis wtb. Großes Hauplquartier, 15. Mai 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Steenstraate am Vser=Kanal wiesen wir einen feindlichen nächtlichen Angriff ab. An der Straße St. Julien=Bpern greifen wir weiter an und machen Fortschritte. Drei englische Offfziere und 60 Mann und 1 Maschirengewehr fielen in unsere Hände. Die Zahl der seit dem 22. April bei Ppern von uns gemachten unverwundeten Gefangenen ist auf 110 Offiziere und 5450 Mann gestiegen, wozu noch über 500 verwundete Gefangene kommen. Südwestlich Lille entwickelten sich auch gestern heftige Artilleriekämpfe, feindliche Infanteriekämpfe und Angriffe erfolgten dort nicht. An der Loretto=Höhe wurden gestern feindliche Angriffsversuche niedergehalten. Ein Angriff nördlich des Höhenzuges der bis in unsere Gräben gelangte, wurde unter schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen. Bei der Räumung von Carency und des Westteiles von Ablain wurde, wie jitzt eist festgestellt, ein an der vorderen Linie eingebautes Feldgeschütz und eine Anzahl von Minenwerfern verloren. Außerdem fielen 5 Revolverkanonen sowie 2 Mörser, die als Minenwerfer benutzt wurden, in Feindeshand zurück. Nördlich Arras ist es im Allgemeinen ruhig. Südlich von Ailly, östlich der Maas nahmen wir einige feindliche Gräben, wobei 52 verwundete und 166 unverwundete Franzosen, darunter 1 Bataillonskommandeu:, gefangen genommen vurden.„ E.. 3 feindliche Angriffe gegen unsere Steuung an der Straße Essey-Flirey wurden abgewiesen. Im Priesterwald setzten wir uns im Morgengrauen durch einen Vorstoß in den Besitz eines feindlichen Grabens und machten dabei einige Gefangene. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nach einem vorübergehend kleinen Erfolge des Feindes, der uns 3 Geschütze kostete, ist der Vormarsch starker russischer Kräfte bei Szawle zum Stehen gebracht worden. Feindliche Angriffe gegen die untere Dubisse scheiterten. Der Gegner hat nunmehr auch in der Gegend südlich des Niemen eilig kungen herangeholt. Gefechtsberührung mit diesen besteht noch nicht Bei Augustow und Kalwaija wurden seindliche Angriffe abgeschlagen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In dem Raume der unteren Pilica bis zur Weichsel setzten die verbündeten Truppen den weiter abziehendtn Russen nach. Der Brückenkopf von Jaroslau am San wurde gestern erstürmt. Schulter an Schulter mit der österreich=ungarischen Armee, in deren Verband sie stehen, erreichten die Truppen des Generals o v. Aurwiß die Gegens Voolomil. Weiter südlich wird ebenfalls die Verfolgung rastlos fortgesetzt. Die verbündeten Truppen haben vielfach die Gebirgsausgänge gewonnen. Oberste Heeresleitung. wtb Großes Hauptquartier, 16. Mai. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von Ypern griffen schwarze Truppen seit gestern nachmittag ohne jede Rücksicht auf eigene Verluste unsere Stellungen westlich des Kanalg bei Steenstraate und Het Sas an. Bei Het Sas wurden alle Angriffe abgewiesen, bei Steenstraate dauert der Kampf noch an. Südwestlich von Lille schritten die Engländer nach starker Artillerievorbereitung gegen unsere Stellungen südlich Neuve Chapelle zum Infanterieangriff, der an den meisten Stellen schon abgeschlagen ist. An einzelnen Stellen wird noch gekämpft. Weiter südlich beiderseits des Lorettohöhenrückens und bei Soucchez, sowie nördlich von Arras bei Neuville brachen erneute französische Angriffe in unserem Feuer zusammen. Besonders starke Verluste erlitten die Franzosen auf der Lorettohöhe, sowie bei Soucchez und Neuville. Westlich der Argonnen setzten wir uns abends durch einen Angriff in den Besitz eines starken französischen Stützpunktes von 600 Meter Breite und 200 Meter Tiefe nördlich von Ville=sur=Tourbe und behaupteten denselben gegen drei nächtliche, für den Feind sehr verlustreiche Gegenangriffe. Viel Material und 60 Gefangene fielen in unsere Hand. Zwischen Maas und Mosel fanden auf der ganzen Front lebhafte Artilleriekämpfe statt. Zu Infanterieangriffen kam es nur am Westrande des Priesterwaldes, wo der Kampf noch nicht abgeschlossen ist. Oestlicher Kriegsschauplatz. In der Gegend Szawle wurden russische Vorstöße mühelos abgewiesen. Die Zahl der dort in den letzten Tagen gemachten Gefangenen übersteigt 1500. An der Dubissa, nordwestlich Ugiany, mußte eine kleinere Abteilung vor starken russischen Kräften weichen; sie verlor zwei Geschütze. Weiter südlich bei Ciragola wurden die Russen unter Verlust von 120 Gefangenen zurückgeworfen. Nördlich und südlich von Augustow und beiderseits der Omulow scheiterten starke russ. Nachtangriffe unter schweren Verlusten für den Gegner, der 245 Gefangene bei uns zurückließ. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Zwischen Pilica und oberer Weichsel, sowie auf der Front Sambor(40 Kilometer südlich von Przemysl) Stryj—Stanislau befinden sich die verbündeten Armeen im weiteren Vormarsch. Am unteren San von Przemysl abwärt, leistet der Feind widerstand. Wie es unsere Gewohnheit bei französischen Angriffen mit großer Zahl ist, wird nachfolgend der französische Befehl für die im Gange besindliche Offensive nördlich von Arras bekannt gegeben: 10. Armee, 33. Korps. Der Etatmajor. Nach einem Feldzuge von 9 Monaten, wovon 7 in Verschanzungen zuigebraucht wurden, ist es Zeit, eine endgültige Anstrengung zu machen, um die feindlichen Linien zu durchbrechen und— besseres erwartend— die Deutschen zunächst vom nationalen Boden zu vertreiben. Der Augenblick ist günstig. Niemals war die Armee# stark und von erhebenderem Geist beseelt. Der Feind ist nach seinen heftigen Angriffen der ersten Monate jetzt auf die Verteidigung seiner West= und Ostfront beschränkt, während die neutralen Nationen darauf warten, daß wir ihnen durch einen Erfolg das Zeichen zum Losschlagen e. W Der Feind vor uns scheinr nur über einige Divisionen zu verfügen. Wir sind viermal so stark wie er, und haben eine Artillerie, so furchtbar, wie sie noch nie auf dem Schlachtfelde erschienen ist. Es handelt sich heute nicht mehr darum, einen Handstreich zu wagen oder Gräben zu nehmen, es handelt sich darum, den Feind zu schlagen. Darum gilt es, ihn mit äußerster Heftigkeit anzugreifen und mit unvergleichlicher zäher Erbitterung zu verfolgen, ohne uns um Ermüdung, Hunger, Durst oder Leiden zu kümmern. Nichts ist erreicht, wenn der Feind nicht endgültig geschlagen wird. So möge denn jeder Offizier, Unteroffizier und Soldat davon überzeugt sein, daß das Vaterland von dem Augenblicke an, wo der Befehl zum Angriff gegeben ist, bis zum endgültigen Erfolg jede Kühnheit, jede Kraftanstrengung und jedes Opfer von mns fordert. Der Kommandierende General des 33. Armeekorps. gez. Petain. Der Chef des Generalstabes.(Name unleserlich.) Besonders interessant ist die Angabe über die deutsche Defensive an der Ostfront. Oberste Heeresleitung. Die vsierreich Tagesverichte wtb Wien, 16. Mai.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 15. Mai mittags: Die russischen Armeen in Polen und Galizien sind weiter im Rückzuge auf der ganzen Front. Von Novemiasto an der Pilica bis zum Diajestr in der Gegend von Dolina dringen die verbündeten Armeen vor. Am San sind Rudnik und Lezajsk von unseren, Jaroslau von den deutschen Truppen erobert. Das in Mittelgalizien zuständige österreichisch=ungarische 10. Korps steht vor den Toren seiner Heimatstadt Przemyol. Weiter südlich sind Dobromil, Stary Vorislawn wieder in eigenem Besitz. Verbündete Truppen der Armee von Linsingen erreichten die Höhen südwestlich von Dolina. An der Pruthlinie greisen die Russen noch an. In erbitterten Kämpfen nördlich von Kolomea haben kärntnerische und steyerische Infanterie des Heeres und der Landwehr in zähem Ausharren alle russischen Sturmangriffe blutig abgewiesen. (Nichtamtlich.) Amtwtb Wien, 17. Mai. lich wird verlautbart: In Russisch=Polen verfolgen die verbündeten Streitkräfte den Feind südlich der unteren Pilica, haben das Vergland von Kielce bis zum Oberlauf der Kamienica vom Feinde gesäubert und sind entlang der Weichsel bis auf die Höhe nördlich Klimontow vorgedrungen. An der Sanstrecke Rudnik—Przemyol wurden russische Nachhuten vom westlichen Flußufer zurückgeworsen, hierbei sind viele Gefangene gemacht. Die in den Waldkarpathen vorgedrungenen Armeen setzen ihr Vorrücken fort. Eine starke russische Nachhut wurde gestern in der Nähe der Höhe Magiera versprengt, 7 Geschütze, 11 Maschinengewehre erobert, über 1000 Gesangene gemacht. Unfere Truppen sind am Vormittag mit klingendem Spiel, jubelng begrüßt, in Samber eingezogen. In Südostgalizsen wurven vorolio Kolomet] neue Angriffe der Russen abgewiesen, ein Stutzpunkt dem Gegner entrissen. Weiter den Prut ebwärts bis zur Reichsgrenze herrscht verhältnis, mäßig Ruhe Der Stellvertrreter des Chefs des Generalsabes: von Hoefer, Feld warschall=Leuzgant. Der Zusammenb, ruch der russischen u# Armee. bb Wien, 17. plai.„Az Est“ meldet: Ein### führende militärissche Persönlichkeit erklärte, das der Zusammenbriach des russischen Heeres erst nach Beendigung unse rer Kriegshandlungen vollständig# zutage treten Therde. Er werde sich in einem Maße offenbaren, Taß er auf den Ausgang des Kriegen# von entsche' dendem Einfluß sein werde. Die Kriegsin handlung der verbündeten Heere habe weder an Kraft voch an Ausdehnung ihren Höhepunkt er### reicht und trotz des riesigen Kampfes sei unser#### Kraft immer noch in der Entwickelung. Die 8. ru# sischze Armee sei nahezu vernichtet. Beute und Gefamzenenzahl wachse unaufhörlich. —— Deutschland und Amerika. Aius Washington meldet„Daily Telegraph“: Hier denkt niemand anläßlich der Vernichtung der### „Lusitania“ und des Unterganges einer ganzen Reihe von Amerikanern an einen Krieg mit Deutschland. Insbesondere werden hiergegen folgende Cründe angeführt: Die amerikanischen Streitkräfte sind ungenügend. Auch ohne Krieg ist eine Genugtuung von seiten Dautschlands sehr wohl möglich, während ein Krieg mit Deutschland# vielleicht dem letzteren zugute kommen könnte. Aus allen diesen Gründen glaubt der Korrespondent des genannten Blattes, daß ein Krieg wegen der Lustanka“ Assäre nicht zu erwarten sei. Möglichtt wäre höchstens ein Abbruch der diplomatischen Handelsbeziehungen, sowie die Beschlagnahme internierter deutscher Schiffe. Nach einer weiteren Meldung hat die Erregung der Amerikaner bereits erheblich nachgelassen. Fast alle Blätter zitieren heute einen prachtvoll geschriebenen Artikel der Neuyorker Staatszeitung, der„Notwehr“ betitelt ist und in dem Hermann Ridder in logisch klarer Weise die Rechtfertigung des doutschen Unterseebootskrieges antritt. Ueber die Absichten der Regierung verlautet nichts Bestimmtes, doch lassen halbamtliche Notizen in der Presse bereits erkennen, daß Präsident Wilson sich in keiner Weise durch das Geschrei der vom Dreiverband gekauften Presse beeinflussen zu lassen gedenkt. So wird erklärt, daß die von verschiedenen Seiten aufgestellte Behauptung, Amerika beabsichtige als Gegenmaßregel für die Vernichtung amerikanischen Gutes und amerikanischer Bürger bei der Torpedierung der„Lusitania“, die in amerikanischen Hälen liegenden deutschen Schiffe zu beschlagnahmen, frei erfunden sei. Noch eine ungehörte Warnung. Der Neuyorker Vertreter des Norddeutschen Lloyd, Max Müller, hat, wie in der„Kreuzztg.“ zu lesen ist, in einer Unterredung mit dem Prästdenten der deutsch=amerikanischen Neutralitätsliga bereits vor der Ausreise der„Lusitania“ eine Warnung ausgesprochen, die an Deutlichkeit ebensowenig zu wünschen übrig ließ, wie die Ankündtgung der deutschen Botschaft in Washington: „Die britische Flagge wird bald von der See vertrieben werden“, so änßerte sich Herr Müller. „Das amerikanische Publikum“ möge sich zur Warnung dienen lassen, daß eine deutsche Seeoffensive von noch nicht dagewesener Streugo pe vorsteht. England hat vorübergehend unsere Handelsflotte lahmgelegt. Jetzt ist es an Deutschland, Vergeltung zu üben. Wir werden den britischen Handel vernichten und nicht nuhen, bis der Zweck erreicht ist. Amerikaner haben in der Kriegszone nichts zu suchen. Begeben sie sich dennoch hinein, so tun sie es auf eigene Gefahr. Die„Lusitania“ werden wir sicher kriegen, sie ist nicht so rasch wie unsere neuen Unterseeboote.“ Der deutsche Reichstag der sich am 20. März vertagte, nachdem er in nur viertägiger Beratung den ganzen Etat einstimmig erledigt und einmütig die Zuversicht auf den Sieg der dautschen Waffen ausgesprochen hatte, tritt am Dienstag wieder zusammen. Die Wahl des Termins, unmittelbar vor dem Pfingstfest, deutet schon darauf hin, daß auch die bevorstehende Tagung nur von kurzer Demer sein wird. Die gesetzgeberischen Arbeiten, die vor dem Kriegsausbruch begonnen wurden, werden auch nicht fortgesetzt werden, sondern ausschließlich Besprechungen über Vorlagen und Anregungen bringen, die mit dem Kriege im Zusammenhang stehen. In erster Linie sind es die Fragen der Fürsorge für Kriegsinvaliden und für die Hinterbliebenen gefallener Krieger, über die man eine Verständigung herbeiführen wird. In die feste Form eines Gesetzes werden diese Fragen sich zunächst noch nicht bringen lassen; das ist erst nach dem Kriege möglich, wenn sich die finanziellen Auswendungen für den Feldzug und die Finanzlage des Reiches überblicken lassen. Soviel ist jedoch heute schon gewiß und in der Budgetkommission des Reichstages, die vor den Plenarsittungen tagte, von den Vertretern der Regierung sowohl wie von sämtlichen Parteiführern einhellig bestätigt worden, daß die Fürsorge eine Ehrenpflicht des gesamten deutschen Volkes ist und daß sie ausgiebig und reichlich bemessen werden wird. Unsere finanzielle Lage ist wesentlich günstiger als die Frankreichs, so stolz sich die Republik auch immer den Geldgeber Europas nannte. Wie die militärische, so erregt auch die finanzielle Ueberlegenheit Deutschlands den neiderfüllten Haß der Franzosen und ihre ersten Autoritäten suchen dem Volke nun zu beweisen, daß die Angaben über das günstige Resultat der deutschen Kriegsanleihe nur Trug und Schein seien. Demgegenüber verdient die Feststellung hervorgehoben zu werden, daß von den neun Milliarden der zweiten Kriegsanleihe, an denen das gesamte deutsche Volk teil hat, sieben Milliarden bereits eingezahlt worden sind. Aber nicht genug damit. Die Geldeinlieferungen in die Reichsbank finden noch fortgesetzt statt. Millionenweise fließt der Goldstrom dem Reichsfinanzinstitut, das noch nie über einen so gewaltigen Goldbestand versügte, wie jetzt im Kriege, noch täglich zu. Auch die Sparkassen des Reiches füllen sich, ein Beweis, daß es auch den breiten Schichten des Volkes nicht mangelt. In den deutschen Sparkassen, den Kapitalsanlagestellen des kleinen Mannes, stiegen die Einlagen während der fünf Kriegsmonate des vorigen Jahres um 102,4 Millionen Mark. Der Januar, der kein günstiger Sparmonat ist, erbrachte eine Steigerung der Einzahlungen über die Abhebungen um 390 Millionen. Dagegen zeigen die Ziffern der Bank von Frankreich, daß die Republik, die schon in den Friedenszeiten den Zwischen Riieg und Frieden in Flaltem Salandras Demission nicht augenommen. wib Rom, 17. Mai.(Nichtamtlich.) Die „Agenzia Stefani“ gibt bekannt: Der König hat die Demission de, Ministers Salandra nicht angenommen. Insolgedessen bleibt das gesamte Ministerium auf seinem Posten. Wachsende Kriegsstimmung in Italien. tu Lugano, 17. Mai. Der König hatte eine lange Unterredung mit dem Generalstabschef, General Cadorna. Dann begab sich dieser zum Kriegsminister Zupels. Eine ungehaure Menschenmenge zog gestern früh, zum Quirinal. Die Menge trug Fähnchen mit den Farben der Ententemächte und brachte Hochrufe auf den König und die Minister Salandra u. Sonnino aus. Die Rufe„Hoch der Krieg" nahmen kein Ende. Eine Abordnung des Mailänder Interventionskomitees wurde gestern in Rom vom königlichen Hausminister Mattioli, sowie dem ersten Flügeladjutanten des Königs, Eeneral Brussati empfangen. Die Abordnung drückte die dringenden Kriegswünsche des Volkes von Mailand aus. Der Hausminister und der Flügeladjutant versprachen, den König sofort zu verständigen. Italienz Abkommen mit dem Dreiverband. bb Berlin, 17. Mai. Das„Berliner Tagebl.“ meldet aus der Schweiz: Das Ministerium Salandra hat, wie jetzt bekannt wird, unmittelbar vor seinem Rücktritt weitere 199 Millionen für das Heer und die Marine bewilligt. Dat„Ciornale d'Italia“ bestätigt, daß zwischen London und Rom ein Abkommen über ein sofortiges Eingreifen Italiens abgeschlossen war; das zugleich im Namen Frankreichs und Rußland treffe nicht nur die Art und Wege der italienischen Intervention, sondern die Bürgschaften für die Zulunft Italiens an der Seite der Entente. Das deutschfreundliche Blatt „Vita“, dessen Redakteure fortwährend von dem Pöbel bedroht wurden, hat sein Erscheinen eingestellt. bb Lugano, 17. Mai. Der Ministerrat hatte beschlossen, daß die Regierung am 20. Mai vor die Kammer treten und ihr die vollzogene Mobilmachung, die Unmöglichkeit der Verständigung mit Oesterreich und endlich den Vertrag mit der Entente ankündigen sollte. Die Tätigkeit Bülows hat, so sagt der„Secolo", diesen Plan zum Scheitern gebracht. Die Kammermehrheit für den Frieden. m Zürich, 16. Mai. Der„Anzeiger“ meldet aus Rom: Die Fraktionsvorstände der Kammer sind gestern in Vom zusammengetreten. Ihre Stellungnnahme ergab eine überraschend große Meyrheit für eine Friedenspolitik der Regierung. bb Basel, 16. Mai. Der„Bund“ erklärt, die jetzige Polemik der interventionistischen Presse gegen Giolitti trage alle Züge eines Rückzugsgefechtes. Hoffentlich bringe Giolittis Sieg Italien Frieden. Der„Bund“ druckt den Brief eines in Italien lebenden Schweizers ab, der Land u. Leute aus mehr als 30jährigem Aufenthalt genau kennt. Der Schweizer schreibt: Italien ist für den Krieg keineswegs vorbereitet. Beachtenswert ist das Wort einer bekannten Persönlichkeit:„Wir haben nicht einmal Schuhe für unsere Soldaten“. Die ganzen Kriegsvorbereitungen verfolgen nur den Zweck, die diplomatische Arbeit zu unterstützen. Die Regierung weiß, daß die wirkliche Mehrheit den Krieg nicht will. Man darf bestimmt hoffen, daß Italien nicht marschieren wird. Der Mailländer Sonderberichterstatter des „Bund“ meldet, die letzten Kriegskundgebungen hätten ihn nur in dem Glauben bestärkt, daß wirklich ein Umschwung zugunsten des Friedens eingetreten sei. Inzwischen dauerten aber die Ausstreuungen der Kriegshetzer fort. Pöbelausschreitungen in Nom. Berlin, 16. Mai. Einem Telegramm des „Berliner Lokalanzeigers“ aus Rom zufolge, dauern die Demonstrationen gegen Giolitti heftig fort. Obwohl große Polizeimengen aufgeboten sind, gelingt es den Demonstranten da und dort, neutralistische Politiker anzufallen oder Sachschaden zu stiften, so in der Redaktion des„Popolo Nomano“ und bei der deutschen Buchhandlung Löscher(Regenberg). Die Regierung schreitet energisch ein. wtb Rom, 17. Mai.„Osservatore Romano“ schreibt: Von zuständiger Seite ist behauptet worden, daß der Heilige Stuhl der Geistlichkeit, besonders der Pfarrgeistlichkeit Instruktionen betreffend den Krieg und Italien in dem einen oder dem anderen Sinne gegeben hätte. Wir sind ermächtigt, diese Gerüchte als vollständig aus der Lust gegriffen zu bezeichnen. stärksten Notenumlauf hat, jetzt im Kriege die absolut höchste Zunahme aufweist. Bei dem Wachstum des Notenumlaufs in Frankreich blieb der Goldbestand unverändert, in Rußland ging er sogar zurück; in Deutschland dagegen steht dem vermehrten Notenumlauf auch ein um eine volle Milliarde erhöhter Goldbestand gegenüber. Der Rileg gepen Frannreich. Die Kämpfe in Flandern. tu Rotterdam, 15. Mai. Der militärische Korrespondent der„Times“ in Nordfrankreich meldet, daß die englischen Truppen mit schwierigen Verhältnissen zu kämpfen haben, die es ihnen nicht leicht machen, durchschlagende Erfolge zu erzielen. Das klare Wetter ermöglichte die Rekognoszierung der deutschen Stellungen im Nordosten von Ypern. Dabei wurde festgestellt, daß die Deutschen fast sämtliche Anhöhen besetzt halten, die die englischen Stellungen noch immer beherrschen. Die beiden Armeen des Kronprinzen von Bayern und des Herzogs von Württemberg stehen in ungeschwächter Stärke den Alliierten gegenüber. Es gebe nicht viele Stellen, wo ein Angriff zu versuchen wäre und auch an jenen Stellen habe der Feind starke, mit Maschinengewehren besetzte und mit Stacheldraht versehene Befestigungen inne. Die Laufgräben seien mit guten Kräften besetzt, die von einer gewaltigen Artillerie unterstützt werden. Diese deutschen Linien seien nicht leicht zu erobern.— Weiter sagt der Korrespondent, daß die Engländer noch immer tunter den ersten deutschen Gasangriffen bei Ypern leiden, der die Alliierten zurücktrieb. Die Befestigung der neuen Linien im Osten von Ypern koste viel Zeit und Menschenleben. Die englischen Angriffe in der Gegend von Fromelles und Richebourg seien erfolglos gewesen. Die Engländer hätten immerhin eine starke feindliche Macht vor ihrer Front festgelegt, wodurch die französische Offensive am rechten englischen Flügel unterstützt wird. Der Korrespondent erhefft günstige Erfolge von jener französischen Offensive und Krauenliebe. Roman von Clara Aulepp=Stübs. 37 Er blieb erst einen Augenblick lang unschlüssig stehen, wußte nicht recht, ob er gehen oder bleiben sollte, nahm sich aber dann einen Stuhl und setzte sich seinem Vater gegenüber, dessen Lehnstuhl man dicht neben den Schreibtisch gerückt hatte, und zwar so, daß er mit der linken Hand imstande war, etwas von der Platte nehmen zu können. Er mochte wohl auch schon dieses und jenes Schriftstück berührt haben, denn der Briefbeschwerer— ein Stück Lava mit einen Makkaront essenden Lazzaroni darauf, wie sie von Italienreisen= den so gern mitgebracht werden— war dem Herunterfallen nahe. Giopauni erhob sich, schob ihn etwas zurück, nahm dann wieder Platz und fing an zu plaudern. Der Kommerzienrat hörte vielleicht seinen Worten zu, gab aber kein einziges noch so kleines Zeichen seines Interesses. Er starrte mit fest zusammengepreßten Lippen vor sich nieder auf den Boden. Giovanni wurde ungeduldig; er ärgerte sich, daß sein Vater so teilnahmslos blieb. Wenn er sich so wentig erregte, konnte er ihm schließlich auch ohne Umschweife von seiner beabsichtigten Reise sprechen und vielleicht auch das andere sagen! Merkte denn Giovannt das unheimliche Funkeln und Flackern nicht, das in den halbgeschlossenen Augen zuweilen aufzuckte? Sah er denn nicht, wie die Finger der linken Hand sich krampshaft in die seidene Decke krallten, die über den Knien des Kranken lag? Nein, Giovanni achtete nicht auf diese allerdings kanm merkbaren Zeichen der Erregung. Der Husten, der ihn besonders jedesmal quälte, wenn er von draußen kam, und die plötzliche Wärme des Zimmers die kranken Teile reizte, legte ihm seine Mitteilinng ganz von selbst auf die Zunge. Er kleidete dieselbe jedoch in die Form einer Frage, zwar einer solchen, deren Bejahung für ihn unbedingt fraglos sein mußte, da es sich hier um seine Gesundheit handelte. Er erzählte, wie sehr ihn dieser ewige Katarrh belästige, erwärmte sich an seinen eigenen Worten und als er nun einmal so weit gekommen war, vergaß er die nötige Vorsicht und ließ sich hinreißen, dem Vater auch von seinen Kämpfen und seiner Qual und der schließlichen Verletzung der Bedingung zu berichten. Und so ruhig, als ob ihm die gleichgültigste Sache von der Welt vorgetragen würde, nahm Kommerzieurat Arnheim die Mitteilung seines Sohnes entgegen, nicht eine Muskel des krankhaft fahlen verzerrten Antlitzes bewegte sich. Selbst die Augen blickten seltsam starr immer auf einen Punkt — immer auf einen Punkt. Giovanni atmiete auf.— So wußte es dann der Vater! Es hatte doch auf ihm gelastet, gedrückt, wie eine Schuld, ja, wie eine Schuld! Und die war es ja schließlich auch. Aber er war doch kein Kind mehr; der Vater hatte doch nicht das Recht, ihn immer und ewig nur seinen Zwecken dienstbar zu machen! Er mußte ihm doch auch Rechte einränmen, vor allem das Recht des Mannes, der sich tn seinem eigenen Haus ausleben will. Aber auch dieses hatte er ihm vorenthalten; die Mußestunden daheim verbitterte er ihm durch die Versagung dessen, was ihnen erst den Wert, den Inhalt gab, was ihm Lethe ward! Das Entbehren erzeugte die Sehnsucht, den Groll, die nervöse Unrast, die ihn früher so oft in den wilden Strudel des Lebens gestürzt, peinigte ihn auch jetzt, trotzdem ein geliebtes Weib an seiner Seite saß und mit süßem Geplander dieselbe zu bannen suchte und als sie sah, daß ihr das nicht gelang— daß die Sehnsucht zu tief saß, daß der Frieden, das Glück ihrer Ehe bedroht,— da war sie es, die ihm das Ersehnte bot— ohne die Zustimmung des Vaters! Daß ihm diese aber noch nachträglich zu teil wurde, der Kommerzienrat ihm nicht zurnte, machte ihn doch aufatmen. Vielleicht hatte die Krankheit seinen Vater milder gestimmt?— Es kam ja häufig vor, daß sanfte Menschen während eines Krankenlagers ungeduldig und reizbar wurden, während bei den harten, heftigen Charakteren eine ganz ungewohnte Milde zum Vorschein kam. Ja, gewiß, so würde es auch bei seinem Vater sein, denn noch deutete nichts auf einen Widerspruch; nur den Kopf hatte er ein wenig, die gelähmte Seite mochte ihn wohl hindern, dem Schreibtisch zugewandt. „Möchtest Du etwas, Vater?“ Giovanni bekam keine Antwort, aber er bemerkte jetzt eine eigentümliche Uuruhe, ein krampfhaftes Aufschnellen der Glieder und ein kraftloses Zurückfallen. Bestürzt erhob er sich von seinem Platz. Der Anblick war schauderhaft. Es war beinahe, als wollte sich der Kranke durchaus erheben, und sei nicht imstande dazu. „Vater, was ist? Kann ich Dir nicht helfen?“ Ein unartikulierter Schrei antwortete ihm; das Ringen wurde stärker— Giovanni stürzte nach der Tür, drückte auf den elektrischen Knopf. „Um Himmelswillen,— gar schnell Hilfe— die Aufregung——“ Ihm selbst wurde elend, der Husten schüttelte ihn, aber— vorwärts zum Vater— nur hin— er hatte sich aufgerichtet! „Vater!" „O, waren das noch menschliche Laute, die von des Kranken Lippen brachen?“ „Vater!" Was saufte da an Giovannis Schläfe vorüber? Wer, um Gott— wer brach da hinter ihm— schließt damit, daß die Engländer zum Angriff besser gerüstet werden müßten. Apern vollständig geräumt. tu Genf, 17. Mai. Das„Journal“ meldet, daß Ypern vor einigen Tagen vollständig geräumt worden sei, da die Bevölkerung wegen der Beschießung durch die Deutschen nicht länger in der Stadt bleiben konnte. Aeberdies herrsche in Ypern der Typhus. —.— Der Riies gesen Rußluns. Die Russen über die Karpathenkämpfe. * tu Paris, 16. Mai. Der„Temps“ veröffentlicht folgendes sehr pessimistisch gehaltenes Tele' gramm aus Petersburg über die Karpathenkämpfe: Die Zahl der von beiden Gegnern angesetzten Truppen ist sehr hoch. Die offiziellen russischen Militärkreise zögern, sich auszusprechen, was eigentlich die wirklichen Absichten der Deutschen und Oesterreicher bei ihrer Offensive sind. Sie sagen, daß man vielleicht versucht, das russische Zentrum in zwei Teile zu zersplittern, oder aber, wie der„Petersburger Kurier“ meldet, sollen die Deutschen beabsichtigen; den rechten russischen Flügel in den Karpathen abzuschneiden, um auf diese Weise die Russen zu zwingen, alle ihre bisher festgehaltenen Positionen aufzugeben. Selbst wenn wir das Schkimmste für die Jukunft ins Auge saßten, so werden die Russen an der Wisloka genau das wollen, wie seinerzeit an der Bzura vor Warschau. Jedenfalls entwickeln die Truppen Deutschlands und der Donaumonarchie eine ausgedehnte Tätigkeit, um die Russen zu verhindern, sich irgendwo zu konzentrieren. Der Krieg gegen England. Ein zweiter Winterfeldzug. wtb Manchester, 17. Mai.(Nichtamtlich.) Der Londoner Korrespondent des„Manchester Guardin“ ist in der Lage zu erklären, daß das Kriegsamt einen zweiten Winterfeldzug ins Auge faßt. Der Verlauf des Krieges zwinge zu der Aunahme, daß er im Herbst nicht beendet sein werde. Die Militärbehörden seien zu einem zweiten Winterfeldzuge entschlossen. Deutschenhetze in London. Kopenhagen, 16. Mai.„National Tidende“ meldet: London steht unter dem Zeichen der Pöbelherrschaft. Die Plünderungen der Läden, woran die Männer, Frauen und Kinder teilnehmen, nehmen einen ernsten Charakter an. Die Polizei ist machtlos oder verweigert das Einschreiten. In der Gegend Eastindian mußten sich die Deutschen bewaffnen und sammeln, um ihr Eigentum zu schützen. 64 deutsche Läden und Wirtshäuser dieser Gegend sind völlig zerstört. Die Waren und das Inventar wurden auf die Straße geworfen. Viele Polizisten und Zivilpersonen wurden verwundet. An vielen Stellen versuchten Geistliche dem wüsten Treiben der Menge Einhalt zu tun. Die Regierung ist augenscheinlich gegen den Pöbel, der durch die Presseerzeugnisse aufgepeitscht wird, ganz machtlos oder verhält sich passiv. Die Posten in einzelnen Stadtgegenden wurden vergeblich verstärkt. Die Internierung. tu London, 16. Mai. Der Polizeichef erhielt gestern Befehl, alle feindlichen Ausländer im militärischen Alter zu verhaften. bb Notterdam, 16. Mai. In London wurden sämtliche männlichen Untertanen der feindlichen Staaten, 1755 an der Zahl, verhaftet und interdort an der Tür— mit einem Wehlant zusammen?— Wer war das?—— Und wer tobt dort— brüllte——? „Klaus, Klaus!“ Giovanni umklammerte den Rasenden, dessen Lähmung ihn zum Glück an einer freien Bewegung hinderte und drückte ihn in den Lehnstuhl zurück. Da überließ er ihn dem bestürzt herbeieilenden Diener und wandte sich voll Entsetzen der blutüberströmten Gestalt zu, neben welcher die Krankenschwester bereits kniete. „Schwester—“ Eine bange Frage zitterte durch den Ton. „Rasch den Arzt!“ Wie barsch die Schwester das sagte! Eins der Mädchen jagte davon.— Die Schwester hob Frau Doktor Falk auf; sie wehrte Giovannis Hilfe ab, ließ sich von der Köchin Wasser und Leinen bringen, sprach kein Wort zu dem halbverzweiselten Mann. „Wie unfreundlich sie ist,“ sagteer sich,„als ob ich daran schuld wäre—— ich— ja— Allmächtiger— ich?“ Er ächzte, die Knie versagten ihm den Dienst, kalter Schweiß perlte auf seiner Stirn. Wie betäubt von einem furchtbaren, ihn qualvoll marternden Gedanken sank er im nächsten Zimmer auf einen Stuhl und blieb regungslos dort sitzen, bis der Arzt kam. Da trieb ihn die Unruhe auf. Er trat aus Feuster und preßte die Stirn gegen die Scheiben. Draußen glitt ein Torpedo vorüber, der heulende Ton seiner Dampfpfeife regte Giovannt noch mehr auf. Er wandte sich wieder ins Zimmer zurück. „Tick und tack— tick und tack! Schlag auf Schlag— Schlag auf Schlag—.“ höhnte aber dort wieder die Uhr. O, wie unerträglich das war! Schlag auf Schlag— Schlag auf Schlag! Tick und tack! 219,16 viert. Die Internierung im ganzen Lande soll schnellstens durchgeführt werden, sobald man ein Unterkommen für alle hergerichtet hat. Deutsche Vergeltungsmaßnahmen. Hamburg, 17. Mak. Die„Hamburger Nachrich= ten“ melden aus Berlin: Es kann als unbedingt sicher gelten, daß die ven der englischen Regierung aus Anlaß des„Lusitania"=Falles angekündigten neuen Regierungsmaßnahmen gegen die deutschen Reichsangehörigen in England, wenn sie zur Ausführung gebracht werden sollten, auf deutscher Seite unverzülich mit umfassenden Vergeltungs maßnahmen beantwortet werden. Für die durch die Pöbelausschreitungen in London, Liverpool, Manchester und anderen Orten angerichteten Schäden an deutschem Eigentum wird selbstverständlich die englische Negienung verantwortlich gemacht werden. —— Der Kampf um die Barbanelten. wib Konstantinopel, 16. Mai.(Nichtamt= lich.) Dag Hauptquartier teilt mit: Bei Ari Burnn kann der Feind trotz der Verstärkungen, die er erhalten hat, aus seinen alten Stellungen nicht vorrücken. An einigen Punkten versuchte der Feind eine Unternehmung, die aber vor unseren kräftigen Gegenangriffen scheiterte. Im Abschnitt von Seddil Bahr hält der Feind seine alten Stellungen. Er verhält sich ruhig. Einer unserer Flieger warf erfolgreich Bomben auf das feindliche Lager. Der Feind erhielt Verstärkungen, um seine Verluste zu Ersetzen. Aber die Verstärkungen wurden durch dag wirksame Feuer unserer Batterien, die wir vorschoben, zerstreut. Unsere Küstenbatterien an der anatolischen Küste bombardierten wirksam die Lagerstelle des Feindes bei Seddil Bahr, wo sie einen großen Brand hervorriefen. Das Panzerschiff„Charles Martel" das ohne Erfolg unsere anatolischen Batterien beschoß, wurde zweimal getrossen. Der französische Kreuzer„Jeanne d'Are“ versuchte, in Fenique an der anatolischen Küste Truppen zu landen. Aber auf unseren Gegenangriff ergriffen die gelandeten Soldaten die Flucht, der Kreuzer zog sich zurück. Auf der übrigen Front hat sich nichts Wichtigeg ereignet. Neuer mißglückter Landungsversuch der Engländer aus Gallipoli. tu Budapest, 17. Mai. Dem„Pester Lloyd“ wird aus Maidos auf der Halbinsel Sallipoli gemeldet: Ein feindlicher Landungsversuch wurde gestern bei Kum Kaleh endgültig zurückgeschlagen und bei Sed=ül=Bahn zum Stehen gebracht. Der linke feindliche Flügel wurde bei Ari Burnu ins Meer gedrängt. Nur noch der rechte Flügel hält eine letzte Höhe ganz nahe an der Meeresküste. Eine ganze Division feindlicher Landungstruppen wurde massakriert. Englische Leichen bedecken hausenweise das Schlachtfeld. Der Gesamtverlust der Landungstruppen beträgt 30006 Mann. Die Verschwörung gegen die Türkei. wtb Konstantinopel, 15. Mai. Der„Tan'in setzt die Enthüllungen in der Verschwörungsangelegenheit fort. Danach wurden die Vorschläge Sabris, sich mit der Partei für Einheit und Fortschritt zu verständigen, von Scherif Pascha verworfen, weill dieser gerade damals aus Aegypten von Sadik, der sich mit dem Präsidenten des revolutionären armenischen Komitees Sabah Gulian in Verbinduung gesetzt hatte, ermutigende Nachrich ten erhalten hatte. Sadik kam mit Sabah Gulian überein, daß dieser Emissäre nach Konstantinopel entsenden, die einen Austand anstiften, gegen die Pforte, das Kriegsministerium und die Polizeidirektion einen Anschlag unternehmen, die vornehmsten Mitglieder des Komitees für Einheit und Fortschritt töten und die Regierung in die Hand nehmen sollten. Zum Lohne dafür sollte Sabah Gulian zum Finanzminister ernannt werden. Er verlangte jedoch außerdem Geld. Sadik wandte sich damals an Lord Kitchener, der erklärte, er könne Geld nicht vorweg geben, er würde jedoch 20 000 Pfund Sterling zahlen, wenn man Talaat Bey töten würde und nach getaner Arbei#t weitere Summen. Nun ging man an die Arbeit. Die Emissäre des armenischen Komitees verkehrten in dem Pariser Hause mit Midhats, des Vertrauensmannes des türkischen Komitees, der nach Konstantionopel kommen sollte, um dort eine Filiale zu gründen, tatsächlich aber Agent der türkischen Polizei war und nun die Enthüllungen machte. Als Midhat noch in Paris weilte, kam der Führer des armenischen Komitees mit den Emissären nach Konstantinopel, ohne daß de Polizei von deren Anwesenheit etwas erfuhr. Schließlich wurden die Verschwörer entdeckt und, nachdem Sabah Gulian geschrieben hatte, man müsse endlich Talaat töten, um 20000 Pfund Sterling zu bekommen, verhaftet und dem Kriegsgericht überantwortet. c 4 „Neueterschen) 5 „fast 1. m 15 ahtea, 5auam ## pe on gun„ 9Munkrion Nu F 20 40 60 er Ws h WRERNAEE Unruhen in Portugal! Paris, 15. Mai.(Nichtamtlich.)„Echo de Paris“ erklärt, daß in Lissabon ernste Unruhen ausgebrochen sind. Die Flotte habe an der Aufstandsbewegung teilgenommen. Der Präsident der Republik soll geflohen sein. Lyon, 16. Mai.(Nichtamtlich.)„Republicain“ meldet aus Madrid: In Bordaus haben große Kundgebungen stattgefunden. Mehrere Bomben sind geplatzt. Die Polizei schoß auf die Manifestanten. Zur Wiederherstellung der Ruhe mußte die republikanische Garde herangezogen werden. Madrid, 16. Mai.(Reuter.) Amtliche Berichte melden eine revolutionäre Bewegung in Portugall, die von einem auf dem Tago liegenden Geschwader geleitet werde. Kriegsschiffe bombardierten die Stadt und richteten erheblichen Schaden an. Madrid, 16. Mai.(Agence Havas). Der Kom mandant des Kreuzers„Vasco de Gama“ soll ermordet worden sein. Nach einer späteren funkentelegraphischen Meldung aus Lissabon wurde der Aufruhr unterdrückt. Der Kommandant Martino Lima übernahm das Kommando der rexublikanischen Truppen. Mailand, 17. Mai. Die telegraphischen Verbindungen mit Portugal sind unterbrochen, doch wird von der span'schen Regierung bestätigt, daß die Lage sehr ernst ist. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 17. Mai. **(Schützt die Natur!) Gerade in diesem Sommer sollte sich jeder mehr denn sonst hüten, in seine alten Fehler und Gedankenlosigkeiten zu verfallen, draußen im Wald und Feld, auf Aeckern und Wiesen Schaden anzurichten, in diesem Sommer, da es eine hohe, vaterländische Pflicht ist, die Anstrengungen der Landwirtschaft mit allen Kräften zu unterstützen, durch die Erzielung der höchstmöglichsten Erträge die Aushungerungspolitik unserer Feinde zuschanden zu machen. Ein jeder hat die Pflicht, derartigen Ungezogenheiten entgegenzutreten. Sehr erwünscht ist auch, daß die Besucher der Wälder nicht Papierreste achtlos fortwersen, die das Auge des Naturfreundes verletzen. **(Staatliche Fürsorge für Kriegsinvaliden.) Auf Anordnung der preußisch=hessischen Eisenbahn verwaltung sollen kriegsinvalide Eienbarggr möglichst in ihrer bisherigen oder ähnlichen Strtlung weiter beschäftigt werden, wobei auf ihre körperliche Beschaffenheit und ihre Befähigung Rücksicht zu nehmen ist. Ebenso sollen Kriegsinvaliden eingestellt werden, die noch nicht im Eisenbahndienst beschäftigt, aber bereits in einer Bewerberliste aufgezeichnet waren. Die Vorschriften über die körperliche Tauglichkeit sollen in diesen Fällen nicht hinderlich sein. Kriegsinvalide Eisenbahnarbeiter dürfen auch dann im Beamtendienst verwendet werden, wenn sie den Vorschriften über die körperliche Tauglichkeit nicht voll genügen. Als Arbeiter können während des Krieges auch andere, nicht im Eisenbahndienst beschäftigt gewesene Kriegsinvaliden eingestellt werden, auch wenn sie den Vorschriften nicht voll entsprechen, aber zur Arbeiterbeschäftigung geeignet sind. Die Aemter und Dienststellen sollen sich die Unterbringung der Kriegsinvaliden besonders angelegen sein lassen. **(Steuerhebetermine.) Es wird an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß am Mittwoch, den 19. d. M., die Steuerhebetermine für das neue Steuerjahr beginnen. Mit der Zustellung der Steuerzettel ist bereits begonnen. Mit Rücksicht darauf, daß die Gemeinden infolge des Krieges erhebliche Aufwendungen haben und deshalb auf die eingehenden Steuerbeträge unbedingt angewiesen sind, ist es Pflicht eines jeden Bürgers, pünktlich, d. h. ohne vorherige Anmahnung, seine Steuern zu zahlen. Dadurch wird auch dem Vaterlande in der jetzigen schweren Zeit ein Dienst er wiesen. **(Bürger=Schützenverein.) Unter dem Vorsitz des Herrn Justizrats Backhausen fand Samstag abend in der Wirtschaft Leinweber die Jahresversammlung des Bürger=Schützenvereins statt. Nach einleitenden Begrüßungsworten gedachte der Vorsitzende der im letzten Vereinsjahr gestorbenen sieben Mitglieder, von denen drei auf dem Felde der Ehre geblieben sind; ihr Andenken wurde in der üblichen Weise geehrt. Dann erstattete Herr Homel sen. den Jahresbericht und gab die Rechnungslegung. Nach derselben beliefen sich die Einnahmen insgesamt auf 3054,79 Mark, die Ausgaben auf 2998,62 Mark, mithin Restbestand 56,17 Mark. Mit diesem Ueberchuß steht der Verein nach Begleichung seiner sämtlichen Verbindlichleiten zum ersten Mal nach langen Jahren wieder ohne pekuniäre Sorgen da. Dem Kassenführer und dem Vorstande wurden Entlastung erteilt. Durch Tod und Verzug schieden 16 Mitglieder aus, während 35 Neuanmeldungen zu verzeichnen sind; von den annähernd 300 Mitgliedern stehen rund 70 im Felde. An die hiesige Sammelstelle des Roten Kreuzes hat der Verein 544,15 Mark abgeführt. Weiterhin wurde beschlessen, für das laufende Vereinsjahr infolge Ausfalles sämtlicher Vereinsfestlichkeiten keinen Beitrag zu erheben und keinen Haushaltsplan aufzustellen. Endlich wurde beschlossen, nach Beendigung des Krieges eine Jugendabteilung im Verein einzurichten, um dieselbe in der aus vaterländischen Gründen so wichtigen Fertigkeit im Schießen auszubilden. Mit dem Wunsche für den vollen Sieg und ehrenvollen Frieden, sowie das fernere Wachstum des Vereins wurde die Versammlung geschlossen. **(Gruß aus dem Felde.) Für die pünktliche Zusendung der„Schworter Zeitung“ meinen besten Dank. Ich freue mich jeden Tag auf das Eintreffen des beliebten Heimatsblattes, welcheg uns die Neuigkeiten aus der Heimat nach hier übermittelt. Kraftfahrer Hitzegrad. **(Sehr unruhig) ging es heute nacht auf der Hüsingstraße zu. Drei junge Burschen, die anscheinend des Guten zu viel getan hatten, waren in Streitigkeiten geraten, verprügelten sich gegenseitig und vollführten einen derartigen Lärm, daß die Anwohner der Straße erschreckt aus dem Schlafe auffuhren. Hofsentlich wird den Burschen durch ein recht gepfeffertes Mandätchen beigebracht, daß Nuhe des Bürgers erste Pflicht ist. **(Feuer im Postwagen eines Zuges.) Am 7. Mai ist in einem verschlossenen Postwagen des Zuges 201 Hannerer—Berlin wahrscheinlich durch Selbstentzündung Feuer ausgebrochen. Glücklicherweise wurde der Brand rechtzeitig entdeckt, so daß von dem aus Feldpostsendungen bestehenden Inhalt des Wagens nur zehn Sendungen verbrannt und 30 Sendungen leicht beschädigt wurden. Der Besund läßt darauf schließen, daß eine der vernichteten Sendungen Streichhölzer oder andere leicht entzündbare Gegenstände enthielt. Auf das Verbot der Versendung feuergefährlicher Gegenstände, wie Streichhölzer usw. durch die Feldpost wird deshalb erneut aufmerksam gemacht. **(Ev. Arbeiterverein.) In der gestrigen Monatsversammlung des evangelischen Arbeiter= und Bürgervereins brachte nach erfolgter Beitrags zahlung und Erledigung weiterer Vereinsangelegenheiten Herr Lehrer Otten unter Schilderung der zeitigen Kriegslage eine Anzahl interessanter Kapitel aus Sven Hedins Buch„Ein Volk in Waffen" zur Verlesung. (Im Silberkranz.) Am morgigen Tage können die Ehelaute Werkmeister Beckmann aus der Moltkestraße das schöne Fest der silbernen Hochzeit seiern. Wir sprechen dem Jubelpaare unseren besten Glückwunsch aus. Möge sich das jetzige silber dereinst in Gold verwandeln. Deutschland. England 52.3 Hg poo Hopf u.Jahr 476 H Frankreich 33, 6Hg Oster-Ungern 29.9 f Russland 216 K0 Italien 7044 O S 66e * Mülheim(Ruhr), 15. Mai.(Ein tieftragisches Vorkommnis), durch das der Freude eines unverhofften Wiedersehens ein jähes Ende bereitet wurde, ereignete sich hier in der Familie eines Kaufmanns, der sich seit Ausbruch des Krieges als Reservist auf dem westlichen Kriegsschauplatz befand und zu einem kurzen Erholungsurlaub bei seiner Familie unerwartet eintraf. Er legte seine Uniformstücke ab, in denen sich auch ein geladener Armeerevolver befand. Sein sechs Jahre altes Söhnchen machte sich an der Wasse zu schafsen. Diese entlud sich, und die Kugel drang dem unglücklichen Vater in den Kopf. Der unglückliche Mann brach tödlich getroffen zusammen und starb kurz darauf. * Düsseldorf, 15. Mai.(Unangebrachtes Reklamebedürfnis.) Die hiesige Polizeiverwaltung macht bekannt, daß sie in Zukunft mit aller Schärse gegen solche Geschäftsleute einschreiten werde, die weniger aus berechtigtem Mitteilungsdrange, als aus einem sehr unangebrachten Reklamebekürfnis Kriegsnachrichten, die nicht nur mit den amtlichen Bekanntmachungen in Widerspruch stehen, sondern die den Stempel der Unwahrheit und Uebertreibung offen zur Schau tragen, in ihren Schaufenstern anheften. Derartige Plakate seien geeignet, Verwirrung in der Bevölkenung hervorzurusen, die Bewertung der wirklich errungenen Erfolge zu beeinträchtigen und das Zutrauen zur amtlichen Kriegsberichterstattung m erschüttern. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. und trifft man jetzt eralDer Frühling naht mult Grausen ist dabet der bekannte Luhns Wasch=Extrakt mit Rotdand. Mit Enhns räumt's ganz gehörig! A. Lick& Ceir! Fischer) in Dortmund, Wiederumiaer grösszugigsten weise Farraniglert Vercleilt ulisere Giesjalirige GOKAFUTre Aur oureT das Interesse Trotz der enormen Preis. steigerung verkaufen wir alles zu ganz alten billigen Preisen. Das Beste, was eine Wohlfeile Woche nur aufweisen kann, liegt zum Vorteil der Käufer aus. Kreise zu erwecken. Unsere sehenswert dekorierten Schaufenster geben ein übersichtliches Bild von der Manig. faltigkeit unserer Auslagen, die sich auf alle Abteilungen unseres Kaufhauses erstrecken. Sie kaufen bei uns besser und billiger, wie ia jecem Grosstadtgeschäft.. Kuchads-Gebrader-Siem, Semwerte, Naeingendsse-CI. Den Heldentod für das Vaterland erlitt unser Ablader Kürr-Riochöhher. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Schwerte, den 17. Mai 1915. Eisenindustrie zu Menden 235 und Schwerte, Akt.-Ges. Mos Goldwaren und Schmucksachen Moderne Colllers, Medalllons, Anhänger in jeder Art, Damenringe und Herrenringe in den modernsten Formen, Broschen und Ohrgehänge, Armbänder, Kreuze, Vorstecknadeln, Damen- und Herren-Uhrketten in 10 verschiedenen Qualitäten. Brillant-Ringe, Brillant-Broschen, Brillant-Ohrgehänge etc. anssnnensensssssssens Sehr grosse Auswahl! Billigste Preise A. Eick& Comp. Balkenstrasse836—88 DORTMUND Balkenstrasse 36—38 beim Bezirks-Kommando. 4992 Viehseuchenpolizeiliche Anordnung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehleuchengesetzes vom 29. Juni 1909 (R.=G.=Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Regierungspräsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. unter dem Rindviehbestande des Brennereibesitzers Nathe zu Aplerbeckermark. Als Spertbezirk wird bestimmt: Seuchengehö.t von Nathe, sowie Straße nach Schwerke von Gochel bie Freischyh„ den zu. B.sinmungen uuter Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter 1 meinen viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 25. Mäcz 1915 An wendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerler Jeitung) vom 31. März cr. Nr. 76(Beilage) enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Abschnitte 11I—VII einschl. der gegannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Ziffer 1 wie folgt geandert wird: In dem Amte Aplerbeck wird verdolen. Hörde, den 14. Rai 1915. 2356 Der Landrat. I. V.: Dr. Burchard, Regierungs=Assessor. Stampfzucker lein, per Prü. 24 8 Candis per Pfd. 28 3 Kochsalz per Prd. 9 1/18 2363 empfichlt L. Weinberg. Cieclicha empfiehlt L. Weinberg. 2 Hilikter eoll. ein Bodenzimmer dabei zum 1. Juli oder später zu vermieten. Näheres in der Geschäftslelle d 31g 2332 Neue Besatz- und Jakettknöpfe (Neue geblümte u. S /#, Karierte Besatzseide Neue aparte Blusenkragen " empfiehlt in grosser Aus# wahl und jeder Preislage 6 Kaufhaus Viebseuchenpolizeiliche Anorönung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund der§§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 Reichsgesetz=Blatt Seite 519 mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. unter dem Rindotehbestande des Metzgers Schwerter zu Eichlinghofen. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Ortschaft Eichlinghosen. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 25. März 1915 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung vom 31. März cr. Nr. 76(Beilage) enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte III—VIl einschließlich der genannken Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Jiffer 1 wie folgt geändert wird. In dem Amte Barop wird verboten. Hörde, den 14. Mai 1915. Der Landrak. 5 J. B Burchard, Regierungsassessor. 2362 Wohrungen Holzener Dampfziegelei. 5 Himmer= Wohnung mit Jubehör sofort, 2 Zimmer Wohnung mit Jubehör per 1. Juni zu vermieten, mit Garten und Ackerland. 2357 Holzener Dampfziegelei, Hotten Eine schöne 2461 Wohnung in Wandhofen zu vermieten. Witwe Dittrich Eine 2235 WURTCHSKOHO MarR K Oel)% Schwerte, Ostenstr. 20. Farste. Grosse Auswahl schöner Muster zu äusserst billigen Preisen. empfiehlt 2366 L. Weinberg. zum Glanzbügeln wird angenommen. 2360) Frau Carl Hülscher, Kirchbaumweg 34, bei Weiigg. GODEDOPS Schiöffer, Breher und Hülfsdreher finden dauernde und angenehme Beschäftigung gegen hohen Lohn Wesisäl. Fahrradkettenfabrik 9. m. b. H., Schwerte Ruh I. Erhalte morgen, Diens tag, eine Sendung große und kleine Zufelschweine W. Brauckmann, Bahnhozur. 6 2358 Milchkundschaft (zirka 80—100 Liter) zu verkeusen. Zu erfrogen in der Gesch. d. 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Ich sichere demjenigen, der mir den oder die Täter so namhaft macht, daß gerichtliche Bestrafung erfolgt, obige Belohnung zu. 2359 Julius Boecker Schwerke. Backpulver Paddingpulver aheinungr Technikum Bingen Msschinenbau, Eiektretechnik 1 Autsmoblibau, Brückenbau. (Digchtion: Prot, Hoepke c e 5 empflehlt billigst 2364 L. Weinberg. # 8 822 n" Tn 8 S S S 3 S S.:2 m 25 Km S 8 E S 9 * 8 G Gute zu gewinnen, wenn dieses ihm lebendig vor die Augen tritt. Und dieses Gute wird Ihnen überall begegnen, Sie müssen es sehen, wenn Sie nur die Augen offen behalten. Veherzigen Sie meine Worte, befolgen Sie meinen Rat, und es kann noch ein tüchtiger Mensch Der Unglückliche erneuerte sein Versprechen. Glücklicherweise war der Doktor ein Mann, der sich zu helfen wußte. Er hatte seinen Plan bereits entworfen. Sein vorläufiger Entschluß war, den Geretteten vierundzwanzig Stunden bei sich versteckt zu halten. Er stärkte ihn durch Speise und Trank, gur ihm anständige Kleider und unterhielt sich mit ihm in der mildesten Weise. Unpäßlichkeit vorschützend, hatte er für diesen Tag seine Schüler absagen lassen. Als der Abend angebrochen war, hatte sich der Gehenkte so weit gekräftigt, daß der Doktor an die Ausführung seines Planes denken konnte. Dieser ging dahin, daß ihn sein Klient, als Diener verkleidet, durch die der unruhigen Zeiten wegen von Soldaten bewachten Stadttore hinausbegleiten sollte, was keinen Verdacht erregen konnte, da ja der Professor auch außerhalb der Stadt Patienten zu besuchen hatte. (Schluß folgt.) # Schach. . 2 8 B 9 n Bearbeitet von E. Schallopp. Aufgabe Nr. 366. Wir bringen hier— nach der„Bohemia“, Prag— das Endspiel eines unbekannten Autors, das trotz seines hohen Alters, dank der Finesse, mit der der Sieg erfochten wird, im Gedächtnis unserer Leser aufgefrischt zu werden verdient. Schwarz: 6 Steine. abe d** g h Weiß: 6 Steine. Weiß zieht an und gewinnt.(Matt in 7 Zügen.) 49—9#1•2 guX9S(+gG–gII•9 40—800· 28—88J+80 Xc 881s 91—18¼+99—1101•9 28—9"M+FPO“ ailn co gun cp Inv o Partie Nr. 369. Gespielt Ende November 1913 im Turnier um die Meisterschaft von Hamburg. Weiß: W. Schönmann.— Schwarz: Klüxen. Französische Partie. (Nach dem„Hamburger Fremdenblatt“.) 91 Weiß: Schwarz: 1. 62—64 67—66 2. 42—44 47—45 3. Sbl—c3 Sg8—16 4. Lcl—g5 1.18—b4 5. e4—e5 h7—h6 6. Lg5-54 g7—g5 7. Lh4—83 Lb4Xc3+ Dieser Abtausch erleichtert Weiß das Spiel. Es muß sofort St6—e4 geschehen. 8. b2X53 Sf6—4 9. Sgl—e2 10. 12—s3 11. Se2Xg3 12 D41—02 13. Tal—01 Weiß gibt den Bauern in der Voraussicht, durch Zertrümmerung des schwarzen Königsflügels mindestens Ausgleich zu erzielen. 13. c5X04 14. c3X04 D.5Xa2 15. Sg3—b5! Da2—a5 16. c2—c3 Sc6—e7 c7—c5 Sei1 D48—a5 Sb8—c6 17. Sh5—f6+ Ke8-48 18. h2—h41 göXh4 19. LfI—03 Se7—15? Nun war es höchste zur Entwicklung des Damenläufers; Lc8—47 war geboten. 20. L 3X/5 21. Kel—12 22. T4l—al 23. ThIXh4 Vieneicht u. u l uuen 90—SMIG'S 23—91M+FI—9•3 h one a S unchiu 11121+99—9(1•S 28— +99—9(•788—12 90—8N+9—|3OI e50 Lc8—eß Da5—c7 K08—e7 Vielleicht konnte sich Schwarz durch b7—b6 oder a7—a5, um den König in Sicherheit zu bringen, noch retten. 24. Tal—h1 Ta8-c8 25. Th4Xh6 Th8Xh6 26. Dd2Xh6 DeTxe3? Schwarz übersieht den eleganten Schwindel des Anziehenden. Aber zu halten war die Partie natürlich nicht mehr. 27. S16X05+! Aufgegeben. 2 Die Psychologie des Handkusses. Läßt sich schon von der Art und Weise, wie ein Mann einem anderen die Hand reicht und drückt, ein ziemlich sicherer Schluß auf sein ganzes Wesen ziehen, so ist für geistreiche Frauen die Weise, wie ihnen die Hand geküßt wird, noch bezeichnender für den Charakter eines Verehrers. In Wien kursiert jetzt in dieser Beziehung die nachfolgende Bemerkung einer aristokratischen Schönheit: Ein flüchtiger Kuß, ob auf die Hand oder den Handschuh: ein Sausewind; ein langsamer, warmer Handkuß: ein Schwärmer; ein feuriger, mit kräftigem Druck begleiteter Handkuß: ein entschlossener Mann; ein Handkuß mit„Spuren“, also. ein Handkuß voll Saft und Kraft: ein Ungebildeter; ein Handkuß mit leisem, niemandem als der Dame bemerklichen Ansichziehen der Hand: ein bestimmter Liebhaber; ein Handkuß ohne aufzusehen, ob er auf die rechte oder auf die linke Hand fällt: ein Tor; ein Kuß auf das Handgelenk: ein Zeichen dauernder Liebe. Erfreulicherweise ist der Handkuß in Norddeutschland auch schon so sehr in Mode gekommen, daß unsere Damen einen praktischen Gebrauch von obigen Andeutungen machen können.. Humor. Abgeblitzt. Ein europäischer Edelmann ohne Geld, aber mit mehreren unverheirateten Schwestern, hielt um die Hand einer reichen, jungen Amerikanerin an.„Ich bedauere," versetzte die„smarte“ junge Dame,„mein Vater kann keine so große Familie ernähren.“ für den Kreis börde Amtlicbes Kreisblatt 47. Jahrgang O Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O hauri-Annoncenblau Montag. 17. Mai 1915. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 113. Art läßt nicht von Hrt. Roman von H. Hill. (30. Fortsetzung.) höre zu, Herr Baron— gestatten Sie mir, bitte, mich vorläufig auf diese Zuhörerrolle zu beschränken.“ „Nun wohl, ich kann Sie nicht zwingen, eine Meinung zu äußern. Wir hegten also einen starken Verdacht gegen meinen vom Himmel gefallenen Vetter; aber dieser Verdacht wurde hinfällig gemacht durch das Ergebnis der polizeilichen Erhebungen und durch das einwandfreie ärztliche Gutachten, wonach der junge Graf zu der Zeit, die für die Ausführung der Tat allei in Betracht kommen konnte, sinnlos berauscht und unfähig gewesen sei, sich auch nur auf den Füßen zu erhalten. Dazu kam, daß sich alsbald eine andere Fährte zeigte, die notwendig jeden Verdacht von dem jung Grasen ablenken mußte..... P.ax hinführte. Eine Fährte, die auf meine Peison antg, unterbrach Doktor Odemar, indem er dem Sprechenven fest und ruhig ins Gesicht blickte. „Nicht ohne weiteres. Man tappte vielmehr anfänglich noch ganz im Dunkeln. Da ich Ihnen gegenüber mit offenen Karten spiele, kann ich mich auch darüber unumwunden aussprechen. Und ich will Ihnen sagen, wie es kam, daß Sie verdächtigt wurden.“ Kurz und klar berichtete er ihm von dem bedeutsamen Fund, den der Gendarmeriewachtmeister mit dem blutbefleckten Brieffetzen am Orte der Tat gnachen und von seiner eigenen Entdeckung auf dem Losche##tt der Schreibmappe des ermordeten Grafen. Auch von dem Eifer, den der Major Brandenfels gezeigt hatte, dies verräterische Löschblatt aus der Weit zu schafsen, setzte er ihn oone jeden Rückhalt in Kenntnis. Der Doktor aber unterbrach ihn an dieser Stelle seiner Erzählung mit einer etwas ungeduldigen Be„A enn Sie sich in dieser Beobachtung nicht etwa doch enttäuscht haben sollten, so muß ich wohl annehmen, daß es von dem Herrn Major sehr gut gemeint war, als er mich in dieser Weise zu schützen versuchte, obwohl ich durchaus nicht erraten kann, was ihn dazu veranlaßt haben sollte. Die etwas sonder: bare Art jedoch, in der Sie mich am Tage nan, rin Morde auszufragen versuchten, wird mir jetzt einigermaßen verständlich. Ich also sollte der Empfänger des Briefes gewesen sein, von dem man neben der Leich des Ermordeten ein blutbeflecktes Bruchstück funden? Nun wohl, Herr Baron, ich stehe nicht an, Ihnen zu erklären, daß ich einen solchen Brief des alten Grafen niemals erhalten habe.“ (Nachdruck verboten.) Der Freiherr ließ sich Zeit, sein Gegenüber mit dem scharfen Blick des geübten Physiognomikers z musern, und erst, als er auf einem Gesicht, die stätigung für die Wahrhaftigkeit seiner Erlscherung gelesen zu haben glaubte, erwiderte er: „Diese Erklärung, die ich freilich gern schon vie früher gehabt hälte, ist sehr interessant und von großer Wichtigkeit. Ich ziehe sie nicht in„istereg### dür en mir im Anschluß daran eine werz###de nich verübeln. Warum, wenn Sie einen solchen Blief von dem Grasen nicht erhalten hatten— warum sahen Sie sich dann ve anlaßt, das Fest lange vor seinen. schluß zu verlassen, und warum sind Sie seitdem mehr auf dem Schlosse erschienen? Nicht einmal, um der für einen so häufigen Gast doch sehr naheliegenden Verpflichtung zu einem Kondolenzbesuch zu genugen: „Es ist mir zu meinem Bedauern nicht möglich, bringen. Vielleicht aber teilen Sie mir mit, ob Sie von irgend jemandem etwas über die zweite Hälfte des Briefes erfuhren und ob Sie davurch zu Ihrer nun, nennen wir es: eiligen Abreise von Donnersverg Zum ersten Male huschte es wie der Schatten eines Lächelns über Dottor Odemars seines Gesicht. „Sie erwaren also, daß ich mich selbst eingg erbärmlichen Feigbeit beschulhgag ue, geglohen wenn ich jetzt zugestände, daß uh gestohen sei, wei jemand mir mit der zweiten Briefes gedroht und weil ich gefürchtet hätte, durch diesen Brief in einen Konfikt mit den Gerichten zu kommen, so würde ich mich gleichzeitig der vollkommen bere btigten Verachtung jedes anständig denkenden schen preisgeben.— Nein, Herr Baron, es geschah nicht aus diesem Grunde, daß ich den Donnersberger Gasthof verließ. Und ich habe von der zweiten wie von der ersten Hälfte des Briefes erst soeben durch Sie erfahren. Vorher hatte ich auch nicht die dunkeiste Ahnung, daß ein solches Schreiben existiere, und daß es bei der Untersuchung des Mordfalles eine Rolle geDer Freiherr lehnte sich in seinen Sessel zurück, und jetzt war ein Ausdruck ehrlichsten Bedauerns in Blick, den er auf Doktor Odemar richtete. Er hegte keinen Zweifel, daß der Schriftsteller die Wahrheit sprach, und er beklagte es darum nur um so tiefer, daß er ihn nicht bewegen konnte, die ganze Wahrheit zu enthüllen. Aber er sagte sich, es wurde ein frucht 8 Fä 5121833 # loses Beginnen sein, ihn durch weiteres Drängen zur Preisgabe eines Geheimnisses bestimmen zu wollen, das er mit solcher Energie festhielt. Er mußte also versuchen, auf einem anderen Wege seinem Ziele näherzukommen. „So wenig erschöpfend auch Ihre Mitteilungen waren,“ sagte er,„zur Klärung der rätselhaften Angelegenheit können sie doch immerhin einiges beitragen. Einstweilen bleibt freilich noch vieles in Dunkel gehüllt. Ich habe an die Möglichkeit gedacht, daß der Schurke, der den Mord vollführte, sich des Briefes mit kluger Berechnung bedient hat, um den Verdacht auf einen Unschuldigen zu lenken, und daß ein Gefühl persönlichen Hasses ihn bestimmt habe, gerade Sie als Opfer zu wählen. Aber ich bin an dieser Vermutung doch wieder irre geworden; denn es ist wohl mehr als unwahrscheinlich, daß Sie einem Diener Anlaß gegeben haben sollten, Sie so tödlich zu hassen.“ Mit augenfälligem Erstaunen hatte Doktor Odemar aufgehorcht. „Einem Diener?" wiederholte er.„So wäre es also ein Diener, den Sie für den Mörder halten?“ „Ich bin meiner Sache noch nicht ganz sicher. Aber es haben sich Umstände ergeben, die mich veranlassen, dem Tun und Treiben eines im Schlosse bediensteten Mannes während der fraglichen Zeit nachzuforschen. Es handelt sich um einen gewissen Weigelt, den Kammerdiener des jungen Grafen Donnersberg.“ Es war sonderbar, eine wie niederschmetternde Wirkung diese Eröffnung auf den Schriftsteller hervorbrachte. Er sah völlig verstört aus, und es kostete ihn ersichtlich Anstrengung, seiner Stimme einen leidlich ruhigen Klang zu geben, als er fragte: „Und welche Beweggründe sollte dieser Mann gehabt haben, den Vater seines Herrn zu ermorden?" „Vielleicht tat er es um einer Belohnung willen, die ihm dafür in Aussicht gestellt war. Wäre es nicht denkbar, daß ein anderer den Plan entworfen hätte, und daß er nur das Werkzeug für seine Ausführung war? Mit einem Wort: Könnte er nicht im Einverständnis mit meinem schurkischen Vetter gehandelt haben, der dann diesen Zustand schwerer Betrunkenheit absichtlich herbeiführte, um für seine eigene Person außerhalb jedes Verdachts zu bleiben?“ Der Doktor schüttelte den Kopf wie zum Zeichen, daß er sich diese Auffassung nicht zu eigen machen könne. Aber noch bevor einer von ihnen hatte ein weiteres Wort sprechen können, wurden sie durch ein heftiges Pochen an die äußere Wohnungstür und durch den Klang aufgeregter Stimmen überrascht, die vor dieser Tür laut wurden. „Bleiben Sie, wo Sie sind!“ sagte der Freiherr. „Ich werde hingehen, um nachzusehen, wer da auf so sturmische Weise Einlaß begehrt.“ Er tat, wie er gesagt, und als er die Entreetür öffnete, sah er sich dem Senator Vanderzee und dem Major Brandenfels gegenüber, die er nur anzusehen brauchte, um sofort die Gewißheit zu haben, daß sich etwas Außerordentliches ereignet haben mußte. Das charaktervolle, sonst so unbewegt, ruhige Antlitz des Amerikaners war schneeweiß, und ein tiefer Kummer schien neue Falten um Mund und Augen hervorgerufen zu haben, während das fahle Gesicht des Majors unverkennbare Spuren reichlich vergossener Tränen aufwies. Der Senator war es, der zuerst das Wort ergriff. „Wir sind Ihnen mit dem nächsten Zuge nachgefahren,“ sagte er.„Dieser Schurke hat das Schloß wieder verlassen. Er hinterließ eine Mitteilung für den Major, die in bezug auf Edith einfach niederschmetternd ist. Wenn es nicht gelingt, ihn ausfindig zu machen und sich innerhalb eines Zeitraums von einer oder zwei Stunden seiner zu bemächtigen, so könnten Dinge geschehen, die in ihren Folgen gar nicht auszudenken sind. Der Major hat mich begleitet, weil er entschlossen ist, alles zu tun, was in seinen Kräften steht, obwohl wir in ihm den eigentlichen Urheber all dieses Unglücks zu sehen haben. Es hat einen Augenblick gegeben, wo ich mich nur mit Mühe zurückhalten konnte, ihm an die Kehle zu fahren.“ Der Freiherr nahm alle Kraft seines starken Willens zusammen, um den klaren Kopf zu behalten, dessen es jetzt vor allen Dingen bedurfte. Und er versuchte, sich lediglich an das Tatsächliche in der einstweilen noch sehr unklaren Mitteilung des Senators zu halten. „Wenn der Graf sich nach der Stadt begeben hätte, müßte er doch aber denselben Zug benutzt haben wie ich,“ sagte er.„Und dann wäre er meiner Aufmerksamkeit gewiß nicht entgangen. Oder aber er müßte mit Ihnen gekommen sein.“ „Nein." Er ist mit dem Auto gefahren— mit dem großen Daimler=Wagen, der, wenn er geschickt gesteuert wird, jeden Schnellzug überholt, zumal, wenn er kürzere Wege benutzen kann als die Bahn. Aber wir haben allerdings nicht den geringsten Anhalt dafür, daß er sich hierher begeben hat. Wir sind über das Ziel seiner Fahrt ebenso im unklaren, wie über alles, was sich während dieser letzten Tage zugetragen haben muß.“ „Steuert er den Wagen selbst?“ „Nein, er hat den besten Chauffeur mitgenommen — einen Mann, der wie der Teufel fährt, wenn man es ihm befiehlt.“ „Kommen Sie herein, und lassen Sie mich hören, was der Major zu sagen hat,“ erklärte der Freiherr kurz. Und ohne in diesem Augenblick höchster Erregung an die Anwesenheit des Doktor Odemar zu denken, trat er zur Seite, um den beiden Ankömmlingen den Eintritt in sein Arbeitszimmer freizugeben. 25. Kapitel. Als Edith aus dem Zimmer geflohen war, darin ein Elender ihr die ungeheuerlichste und schimpflichste Bedingung zu stellen gewagt hatte, hatte sie kaum gewußt, wohin sie sich wenden sollte. Ihre erste Eingebung war natürlich gewesen, so wie sie ging und stand, aus diesem schrecklichen Hause zu fliehen. Aber noch ehe sie das untere Stockwerk erreicht hatte, kehrte ihr die klare Ueberlegung wenigstens insoweit zurück, daß sie sich der Gefährlichkeit einer solchen Flucht bewußt wurde. Denn wenn man dem Kranken meldete, daß sie das Haus verlassen hatte, so würde er darin nichts anderes sehen als eine Zurückweisung seines Vorschlages, und wie sie diesen Menschen kannte, zweifelte Edith nicht, daß er alsdann keinen Augenblick länger zaudern würde, seine Drohung zur Tat zu machen und den Brief, der Doktor Odemars sofortige Verhaftung zur Folge haben mußte, an die Polizei zu senden. Wenn sie also überlegen wollte, was sie zu tun habe, so durfte es nur in diesem Hause geschehen, und darum trat sie wieder in das Wartezimmer ein, als in den einzigen Raum, den sie hier kannte. Davon, daß er in Wahrheit die einzige Zuflucht bedeutete, die ihr für den Augenblick offen stand, und daß sie bei einem Fluchtversuch die Haustür verschlossen und verriegelt gefunden haben würde, ahnte sie nichts. Daß sie in dieser sogenannten Privatklinik schon jetzt nichts anderes gewesen war als eine Gefangene, sollte sie erst bei einer späteren Gelegenheit erfahren. Sie rettete sich also in das häßliche, dumpfige Zimmer, drehte hinter sich den Schlüssel um und warf sich erschöpft auf das harte, verschlissene Sofa. Ihr Kopf schmerzte zum Zerspringen, und in tollem Wirbel jagten sich ihre Gedanken. Die Angst um die Sicherheit, die Ehre und das Leben des geliebten Mannes überwog zunächst alle anderen Empfindungen; allgemach aber regte sich immer stärker auch die Empörung über das frevelhafte Ansinnen jenes Sterbenden da oben. (Fortsetzung folgt.) Denkspruch. Der letzie Grund aller sozialen Gefahr liegt nicht in dem Unterschied der Besitz=, sondern der Bildungsgegensätze. Alle soziale Resorm muß an dielem Punkte einsetzen. 2 C. Schmoller. Die Geschichte eines Gehenkten. Erzählt von Dr. L. Otto. (Nachdruck verboten.) Es mag wohl schon länger als einige Menschenalter her sein, daß der berühmte Doktor Johannes Bolislaw Professor der Anatomie an der Universität zu Prag in Böhmen war. Ein leidenschaftlicher Chirurg, führte der Doktor das Seziermesser mit staunenswerter Fertigkeit. Seine Sezierwut war sprichwörtlich geworden, und man sagte ihm nach, daß er förmlich Jagd nach Leichen machte, um sie im Interesse der Wissenschaft nach seiner Manier zerschneiden zu können. Fand vor dem Schwurgericht ein Kriminalprozeß statt, so befand sich unter den Zuhörern stets auch der Herr Anatomieprofessor und verfolgte eifrig den Verlauf der Verhandlungen, dabei grimmige Blicke auf den Verteidiger schleudernd, wenn dieser mit allzu großer Zungenfertigkeit dem Henker einen Kopf streitig machte, dagegen dem Staatsanwalt unverhohlenen Beifall spendend, sobald dieser trotz aller Beredsamkeit des Advokaten das Todesurteil beantragte. Eines Tages war an einem berüchtigten Pferdedieb die Strafe des Stranges vollzogen worden. Auch seine Leiche wurde dem Professor zum Sezieren überlassen. Sie lag bereits in der Kammer, die an sein Studierzimmer grenzte, und sollte am anderen Tage vor den Augen der Studierenden von Bolislaw aufgeschnitten und von seinen Zöglingen besichtigt werden. Das Studierzimmer, in welchem der Professor eben über seinen Büchern brütete, war ein stilles, breites Gemach. Eine Lampe mit großem Schirm ließ ihren vollen Schein auf ein paar aufgeschlagene alte Folianten fallen, in welche der Doktor sich vertiefte, während der größte Teil des Raumes in einem ungewissen Dämmerlichte verharrte. Aus einer Wandnische grinsten ein Paar Skelette herunter, während auf Tischen und Schränken allerhand chirurgische Instrumente, eine Unzahl Flaschen und einige Glashäfen mit allerlei seltsamen anatomischen Präparaten umherstanden. Ausgestopfte Vögel und Vogelskelette bildeten den übrigen ungewöhnlichen Schmuck der Wände. Hatte der Doktor ohnehin die Gewohnheit, lange aufzubleiben, so sollte es an diesem Abende noch später werden wie gewöhnlich, denn er bereitete sich darauf vor, am folgenden Tage vor seinen zahlreichen Studierenden eine neue Theorie über die Art der Fortpflanzung verschiedener Mikroben in den Verzweigungen der Wirbelsäule zu entwickeln. Alles schlief im Hause; denn schon ging es gegen Mitternacht. Plötzlich fuhr der Kopf des Doktors vom Buche empor, so daß die auf die Stirn geschobene Brille ihren gewohnten Stützpunkt auf der Nase wieder einnahm. Dem Doktor war es, als ob er von der Kammer her ein Geräusch vernommen hätte. Da er aber wußte, daß sich kein lebendes Wesen darin befinden konnte, es müßte denn eine Katze unversehenerweise hineingesperrt worden sein, hielt er die Sache für eine Täuschung seiner Sinne und wandte sich wieder seinen Studien zu. Aber nicht lange, so drang ein deutliches Stöhnen an sein Ohr. Das konnte keine Täuschung sein! Spukten etwa die Skelette draußen in der Kammer? Daran dachte er ganz und gar nicht, denn er glaubte nicht an Geisterspuk; dennoch aber konnte er sich eines unbehaglichen Gefühles nicht erwehren. Als er abermals die gleichen Jammertöne vernahm, erhob er sich, nahm die Lampe, sperrte die Kammertür, deren Schlüssel er stets bei sich zu tragen pflegte, auf und schaute hinein. Und siehe da, der Platz, an welchem die Leiche des Gehenkten verbracht worden war, zeigte sich leer! Gehenkte war nicht mehr da, die Fenster waren indes zu, die Türen auch, es war unmöglich, daß man ihm sein Opfer gestohlen haben konnte. Wo war es hingekommen? Dr. Bolislaw war kein Feigling; dennoch aber konnte er sich eines leichten Schauers nicht erwehren, als er, hinter der Tür leuchtend, den Strangulierten in der denkbar einfachsten Gewandung in der Ecke sitzen sah. Einen Augenblick starr vor Erstaunen und Entsetzen, wußte der Doktor nicht, was er beginnen sollte. Der Gehenkte rührte sich nicht. Seine hohlen Augen schienen unverwandt auf den Arzt gerichtet zu sein. Allmählich erlangte dieser seine Kaltblütigkeit wieder, und um sich zu überzeugen, ob er einen Lebenden oder Toten vor sich habe, näherte er sich ihm ein paar Schritte und beugte sich zu ihm nieder. Starren Auges folgte der Unglückliche allen seinen Bewegungen. Plötzlich rührte sich dieser und versuchte, sich in die Höhe zu richten. Rasch entschlossen stellte der Doktor die Lampe auf den Tisch, griff nach einem geeigneten Instrument und ließ den Unglücklichen zu Ader, um dadurch eine Zirkulation des Blutes im Körper zu bewirken. Mehrere Male holte derselbe tief Atem, und der Erfolg der weiteren Rettungsversuche des Doktors blieb nicht aus. Nach und nach kam der Gehenkte völlig zur Besinnung. Nun aber überschaute er auch auf einmal die schreckliche Lage, die Gefahr, in der er sich befand. Seine schwache Lebenskraft zusammennehmend, raffte er sich auf und sank vor dem Doktor auf die Knie nieder. „Gnade, Herr Henker, Gnade! Retten Sie mich, erbarmen Sie sich meiner, ich werde mich bessern, von heute an nie wieder Böses tun!“ Dr. Bolislaw atmete auf, strich sich seinen langen, schwarzen Bart und erwog dabei alle Bedenklichkeiten, welche die Bitte des Unglücklichen, wenn er sie ihm gewährte, im Gefolge haben könnte. Er hatte einen Menschen vor sich, der schon dem Gesetz verfallen war. Wie er selbst gestanden, lag schon ein halbes Leben voll Verbrechen hinter ihm. Oftmals schon bestraft, aus dem Gefängnisse ausgebrochen, hatte er immer größere List angewendet, seine Verbrechen auszuführen, immer größeren Haß gegen seine Richter, gegen alle Menschen in seinem Herzen genährt. Konnten die Tränen der Reue, das Gelöbnis seiner Besserung nicht erkünstelt sein, und er etwa nur auf den Zeitpunkt warten, da seine List ihm wieder neue Wege zu neuen Verbrechen eröffnete? Der Arzt sagte sich, wohl habe der Unglückliche seine Strafe verdient, aber die Rührung, mit der dieser ihn wiederholt anflehte und ihm Besserung versprach, der furchtbar schmerzliche Ausdruck in seinem abgezehrten Angesichte ließen ihn an die Möglichkeit seiner Besserung glauben. Des Arztes Mitleid besiegte bald alle Bedenklichkeiten. „Fürchten Sie nichts,“ sagte er endlich,„ich werde Sie retten, aber nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß Sie Ihr Versprechen halten. Ich bin nicht der Henker, wie Sie glauben, sondern der Professor Dr. Bolislaw, dessen Seziermesser Sie verfallen sollten. Daß durch eine Nachlässigkeit des Henkers Ihr Leben nicht erlosch, war vielleicht eine Fügung Gottes, um Ihnen Gelegenheit zur Reue und Besserung zu geben. Es ist nie zu spät, einen Menschen für das —