(De Scmmtm ander Feiertag, Dezgprte M. Woinat, Jädrlich, dei der Post für Bestellgeid 42 Pia. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„IAustrierter Samillenfrund“: u. Aogl. Unierbaltgezlet. Anzeigenpreis: Die sebengespaltene Pettzeuoder deren Roum 10 Pig., Anzeigen von auswärts 15 Pig:, Reklamezeile 40 Psg. Jedn Radat gllt als Kassarabalt u. erlischt bei Konaursen, Zwangsoergleichen, gerichtl. Klagen a. Sicbsachuoh gemahl.- Settusstelisene! Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Verbunden für den kreis börde Holzwickeder Zeitung! Aplerbecker Zeitung Schwerter Holkszeitung Schwerter Cageblatt 0 Schwerter Anzeiger Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Börde o Haupt-Annoncenblatt au, brig, end iohelpaligtlichen Vererh. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemöß Bekanntmochung der Röniglicher Regierung dorch Veröstentlichung de der„Schwerter Zeitung“ rrchtsoerbindliche Kroft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhn ihren Adonnenten for jeden mit Tod endenden Unfall ge. nabchrer st. 300) Mk. Unsall. dingungen:---——.„. Druch u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Rud: Fernip. 62.3 Samstag, den 13. März 1915. 47. Jahrgang. Nr. 64. Somsact Eitts neue Ailebertag? der Kuffel an.:*00 Husson gofangon Rriochenlands Neurau Die dritte Kriegssitzung des deutschen Reichstages hat den Eindruck der entschlossenen Einmütigkeit des deutschen Volkes und seiner Vertretung, durchbis aus Ende, sowie die unserer Zuversicht noch verstärkt uind dadurch gegenüber dem feindlichen Auslande die Bedeutung eines Sieges gewonnen. Fand schon PrusioKämpf mit seinen Ausführungen über die Fortschritte unserer unvergleichlichen Truppen im Felde, über die Arissichtslosigkeit des englischen Aushungerungsversuches und über die Gewißheit, daß dem Kriege ein dauernder Friede folgen und unser geliebtes Vaterland zu neuer Blüte, Macht sund Größe führen werde, lebhafte Zustimmung, so steigerte sich der Beifall zu begeisterten Kundgebungen während der Rede des neuen Sch sekretärs Dr. Helfferich. Daß eine Kriegsanleihe von 10 Milliarden ersorderlich werden würde, nahm der Reichstag und mit ihm das gesamte deutsche Volk als etwas Selbstverständliches auf. Die ungehaure Summe schreckt uns nicht; konnte doch der Schatzsekretär den Schleier von den künftigen Friedensbedingungen soweit lüften, daß er mitteilte, die Kriegskosten würden einst unsere Feinde zu zahlen haben, deren tägliche Aufwendungen für den Krieg sich auf 120 Millionen Mark belaufen, während wir zi dem gleichen Zweck täglich 30 Millionen aufwenden. Mit berechtigtem Stolz kann jeden Deutschen erfüllen, was der Staatssekretär über unsere Industrie, Landwirtschaft und Finanzverwaltung sagte und mit beweisenden Zahlen belegte. Unsere Roheisenproduktion, die noch vor zwölf Jahren mit 10 Millionen Tonnen diejenige Englands erreichte, belief sich im Vorjahre des Krieges auf 20 Millionen Tonnen, hatte also die englische Konkurrenz in dieser kurzen Zeit um das Doppelte überholt. Die deutsche Landwirtschaft steht in der ganzen Welt unerreicht da und produziert, auf die Grundfläche bezogen, einen erheblicheren Ertrag als die Landwirtschaft der anderen klimatisch meist besser gestalteten Länder. Auslandsanlagen suchte unser deutsches Kapital verhältnismäßig rur in geringem Amfange; in den letzten fünf Jahren war es an Auslandsanleihen nur mit 15 Prozent beteiligt, das englische dagegen mit 46 und das französische mit 69 Prozent. Wir haben also unser Geld im Lande und kommen mit einem Reichsbankzinsfuß von 6 Prozent aus, während die Bank von England ihren Diskont auf 10 Prozent erhöhen mußte. Der Redner hob dann noch hervor, daß unsere Industrie, wie die stattlichen Einnahmen der Eisenbahnen ausweisen, gut beschäftigt und von Arbeitskosigkeit nichts zu spüren sei. Es wird uns gelingen, durchzuhalten, wenn man sieht, wie es gelungen ist, ein Volk von 70 Millionen, das turch tausend Fäden mit der Weltwirtschaft verflochten ist, auf sich zurückzuführen, und wie dieses Volk ohne Elend durch den größten Krieg der Weltgeschichte geht, der für uns ein Vernichtungskrieg sein sollte. 4% Den Wünschen und Beschwerden des sozialdemokratischen Abg. Haase, die schon der Abg. Spahn (Itr.) im Namen aller bürgerlichen Parteien als unzeitgemäß bezeichnet hatte, trat zum Schlusse der bedeutungsvollen Sitzung Staatssekretär Delbrück wirkungsvoll mit der Erklärung entgegen, daß es im Deutschen Reiche keine Ausnahmegesetze gebe, daß aber während des Krieges und des durch diesen bedingten Belagerungspistandes die Kommandogewalt herrsche, für deren Anordnungen der Kanzler keine verfassungsmäßige Verantwortung trägt, so daß für sie verfassungsrechtlich auch eine Kritik des Reichstages ausscheidet. Nach Beendigung des Krieges wird den veränderten Verhältnissen, soweit ein Anlaß dazu vorliegt, auch in der spneren Polittk Rechnung getragen werden. Weitere 7500 Küssen gefungen. Auch aus der Gegend von Augustowo Großes Hauptquartier, 12. März. Westlicher Kriegsschauplatz. Zwei feindliche Linienschifse, begleitet von einigen Torpedobooten, feuerten gestern auf Westende=Bad über 70 Schuß ab, ohne irgend welchen Schaden anzurichten. Als unsere Batterien in Tätigkeit treten konnten, entfernte sich das feindliche Geschwader. Die Engländer, die sich in Neuve=Chapelle festsetzten, stießen heute nacht mehrere Male in östlicher Richtung vor. Sie wurden zurückgeschlagen. Auch nördlich Neuve=Chapelle wurde gestern ein englischer Angriff abgewiesen. Der Kampf in jener Gegend ist noch im Gange. In der Champazne herrscht im allgemeinen Ruhe. In den Vogesen war wegen heftigen Schneetreibens die Gesechtstätigkeit sehr gering. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nördlich des Augustower Waldes wurden die Russen geschlagen. Sie entzogen sich durch schleunigen Abmarsch in der Richtung Grodno einer völligen Niederlage. Wir machten 4000 Gefangene, darunter 2 Regiments=Kommandeure, und erbeuteten 3 Geschütze und 10 Maschinengewehre. Auch aus der Gegend von Augustowo hat der Feind den Rückzug nach Grodno angetreten. Nordwestlich von Ostrolenka nahmen wir im Angriff 3 Offiziere und 220 Mann gefangen. Nördlich u. nordwestlich von Pracsnycz schreiten unsere Angriffe fort. Ueber 3200 Gesangene blieben hier gestern in unseren Händen. Große Siege haben sich die Russen in ihren amtlichen Bekanntmachungen zugesprochen, den Sieg bei Grodno und den bei Pracsnycz. In beiden Schlachten behaupten sie, je 2 deutsche Armeekorps geschlagen oder vernichtet zu haben. Wenn die russische Heeresleitung im Ernst dieser Meinung war, so werden die Ereignisse der letzten Tage sie über die Kampfesart unserer Truppen eines anderen belehrt haben. Ihre mit so beredten Worten verkündete Offensive von Grodno und dem Arugustower Forst ist bald gescheitert. Die Erfahrungen der dort vorgegangenen Truppen schildern die ersten Sätze unserer heutigen Veröffentlichung. Bei Pracsnycz stehen unsere Tmuppen nach vorübergehendem Ausweichen wieder 4 Kilometer nördlich dieser Stadt. Seit ihrer Aufgabe sind auf den Kampffeldern zwischen Weichsel und Orzyc 11460 Russengefangen genommen worden. Oberste Heeresleitung. re. Der österreichische Bericht. Mär: Aentlie wird-erlaut;s stöber= vom FFeind gesäubert. Im west wtb Wien, 13. März. Amtlich wird verlautbart vom 12. März, mittags: Die Situation unserer Truppen in den neugewonnenen Stellungen in Russisch=Polen und Westgalizien hat sich weiter befestigt. Die Angriffe des Feindes haben sich nicht mehr wiederholt. Bei Inowlodz an der Piliea brachte eine eigene Vatterie gestern nach heftigem Feuerkampf mehrere seindliche Batterien zum Schweigen. In den Karpathen wurde nach erbittertem Kampf eine Ortschaft an der Straße CisnaBaligrod genommen und anschließende Höhen im Laufe des Tages währenz eines dichten Schneegestöberz vom Feind gesäubert. Im westlichen Nachbarabschnitt scheiterte unterdessen ein starter feindlicher Angriff. In der übrigen Front in den Karpathen, sowie in Südostgalizien keine besonderen Ereignisse, da während des ganzen Tages ein heftiger Schneesturm auhielt. Auch nördlich Czernowitz herrscht Ruhe. Auf dem südlichen Kriegsschauplatz ereignete sich seit längerer Zeit nichts. Unbedeutende Plänkeleien an der montenegrinischen Grenze fanden stellenweise statt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Griechenlands Neuranmisponnn. Der neue griechische Ministerpräsident Gunaris, dessen Kabinett bereits die Eidesleistung abgelegt hat, erklärte in einer offiziellen Note an die griechische Presse, daß er in Uebereinstimmung mit dem Könige an der bisherigen Neutralitätspolitik Griechenlands. unverbrüchlich festhalten würde. Griechenland bedürfe zu seiner inneren Befestigung einer längeren Friedensperiode. Das ist die Erklärung der Neutralität Griechenlands, aus der dieses nur heraustreten will, wenn sein serbischer Verbündeter von einem anderen Balkanstaate, etwa von Bulgarien, angegriffen werden sollte. In diesem Falle müßte Griechenland zur Erhaltung seines in dem jüngsten Türkenkriege erworbenen reichen Gebietszuwachses zu den Waffen greifen. Diesen Gebietszuwachs zu schützen, bedürfe es seines Heeres und könne daher nicht den Wünschen der Dreiverbandsstaaten, ihnen militärische Hilfe leisten, entsprechen. England und Frankreich sind im höchsten Maße aufgebracht, daß der König Konstantin es wagen konnte, den ihnen ergebenen Ministerpräsidenten Venizelos durch einen Mann zu ersetzen, der rücksichtslos und ausschließlich die Interessen Griechenlands wahrnimmt. Da England seine Versuche, sich durch Griechenland die Kastanien aus dem Feuer der Dardanellenforts holen zu lassen, ge“ scheitert sieht, hat es zunächst seine Marinemission aus Athen abberufen, um deren Mitglieder in der eigenen Flotte zu verwenden. Damit ist der Bruch auch nach außen hin vollzogen. Die, heißen Bemühungen um die Bundesgenossenschaft Griechenlands zeigten, einen wie hohen Wert England die griechische Hilfe legte, und wie tief es erkannt hatte, daß es im Bunde mit Frankreich und Rußland allein seines Gegners nicht Herr werden könne. Griechenland hat jede Abhängigkeit von England und Frankreich von sich abgeschuttelt. Nachdem noch vor dem Kriege die französische Militärmission unter General Eydoux nach Worten dankbarer Anerkennung, die König Konstantin in Berlin gesprochen, Athen verlassen hatte, ist Griechenland jetzt auch von der englischen Marinemission befreit worden, die ihren Einfluß stets zui steigern suchte. Der gleichzeitige Rücktritt der Generalgouverneure von Mazedonien, den Aegäischen Inseln und Kreta, von denen der letztere seine Demission alsbald zurückzog, ist lediglich eine der Maßnahmen, die in parlamentarisch regierten Ländern bei einem Regierungswechsel üblich sind. Essternaerwacht! wtb Frankfurt. 13. März.(Nichtamtlich.) Die „Frankf. Ztg.“ berichtet aus Amsterdam: Nach einer Meltung der„Daily News“ aus Washington verlautet amtlich, daß Bryan eine zweite Note an Frankreich und England gerichtet habe, worin er gegen die ineffektive Blockade Einspruch erhebt. Die Note sei in durchaus freundlichem Ton gehalten, bestehe jedoch darauf, daß Amerika das Recht habe, mit allen Ländern Handel zu treiben. Eine Einschränkung sei lediglich bei Konterbande erlaubt. Solange nicht eine dem Völkerrecht entsprechende Blockade durchgeführt sei, werde Amerika den überseeischen Handel wie gewöhnlich fortführen. Amerika befürchte, sagt „Daily News“, daß England jeden deutschen Export für Konterbande erklärt, jedoch würde für wahrscheinlich gehalten, daß hinsichtlich einzelner Exportartikel Konzessionen gemacht werden. Amerika werde unter keinen Bedingungen zulassen, daß aller deutscher Export als Konterbande erklärt werde, zumal amerikanische Kaufleute bereits große Abschlüsse für deutsche chemische und Färbereiprotmkte gemacht hätten. sölkerrecht entsprechende Blockade durchgeführt sei, Fö Kampf um die Dardanellen. in hatter Die Dardanellenbatterien eröffneten de Drei seindliche Minensucher und ei Transportschiff versenkt. wtb Konstantinopel, 13. März. Der Feind versuchte in der Nacht vom 19. aus den 11. März unter dem Schutze von Kreuzern und Torpedobootszerstörern die äußerste Minensperre wegzurüumen, nachdem zuvor größere Schisse die Scheinwerseraufstellungen wirkungsleg beschossen hatten. Die Darbastenenbalterten Sröffneren bas Feuer und versenkten drei Minensuchfahrzeuge, worauf der Gegner unverrichteter Sache sich zurückzog. Durch eine Unternehmung der türkischen Seestreitkräfte wurde in der Nacht zum 19. März ein seindliches Transportschiff in der Nähe von Mytitene versentt. u Verletzung griechischen Bodens? Athen, 12. März. Die griechische Regierung erzielt die Nachricht, daß die Verbündeten Marinesoldaten auf Lemnos landeten. Die Regierung erhat neue Informativnen, um, falls diese Landung die Neutralität Griechenlands verletzte, zu protestieren. Der gescheiterte Plan der Verbündeten. Basel, 13. März. Ueber die Gründe, welche zum Sturz des griechischen Ministerpräsidenten Venizelos führten, wird aus Paris gemeldet; Frankreich und England wollten von Nordafrika aus eine Armee von 200000 Mann in Salonikt landen, um von dort aus im Verein mit in Ungarn einzufallen. Hierdurch sollte zunächst ein Eingreifen Rumäniens zugunsten des Dreiverbandes herbeigeführt werden, dann aber auch den russischen Truppen in der Bukowina Luft fen und die russischen Operationen gegen die schlesische Grenze erleichtert werden. Gegen diesen Plan war jedoch König Konstantin; er sei wohl für ein Vorgehen gegen die Türkei gewesen, nicht aber für einen Angriff auf Oesterreich=Ungarn und Deutschland zuurch Gestattung des Durchmarsches seindlicher Truppen durch griechisches Gebiet, Die Stimmung in Italien. In einem Leitartikel des„Osservatore Nomano“ heißt es: Moral und politische Ehrenhaftigkeit legen Italien Verpflichtungen auf, mit denen ein Angriff auf die bisherigen Bundesgenossen unvereinbar ist. Man kann sich abseits vom Streite der Bundesgenossen halten, darf ihnen aber nicht in den Rücken fallen. Keine Sophismen helfen darüber hinweg. Die jetzt in den Vordergrund gestellten nationalen Interessen sind bisher ohne Bedautung gewesen im Verhältnis zu den aus dem Bunde gezogenen Vorteilen. Jetzt machen sich Egoismus, Opportunismus und die Doppelzüngigkeit der nationalistischen Politik breit. Keine sich selbst achtende Regierung kann dem zustimmen, es wäre Selbstbeschimpfung des eigenen Landes, eine Beleidigung für die Würde und Ehre der Nation, die höher zu bewerten ist, als territoriale Vergrößerungen. —— Der Ktieg gegen Frankreich. Stark verminderte französische Steuereinnahmen. ke Kopenhagen, 12. März. Die Steuereinnahmen Frankreichs sind im Februar dieses Jahres um 67 Millionen geringer als im Vorjahre. Für Januar und Februar zusammen ist der Steuerertrag um 163 Millionen niedriger, als im Vorjahre. Die Kämpfe bei Dixmuiden. tu Rotterdam, 12. März. Der Kriegsberichterstatter des„Allgemeenen Handelsblad“ berichtet aus Dixmuiden: Als ich hier ankam, war die belgische Artillerie gerade im Begriff, die deutschen Erdwerke zu beschießen, um sie sturmreif zu machen. Allein so leicht ist dies wahrlich nicht. Vor allem dürfen sich die Angreifer nicht sehen lassen. Die Belgier haben ihre Geschütze tief eingegraben, so daß es den deutschen Fliegern einige Mühe kostet, die belgischen Artilleriestellungen auszukundschaf' ten. Die Infanterieangriffe der Belgier gegen die deutschen Schanzen bei Dixmuiden und die deutschen Befestigungen zwischen Cessen und Vladsloo wurden indessen sämtlich abgewiesen. Im übrigen ist von diesem Teil der Front nichts Besonderes zu berichten. Die Stellungen hüben und drüben sind seit einigen Wochen nahezu dieselben. Nieuport vom Feinde geräumt? Nach Londoner Meldungen holländischer Blätter ist, das am Vserkanal im Ueberschwemmungsgebiet gelegene Nieuport durch erneute Beschießung mit deutschen Geschützen allerschwersten Kalibers jetzt völlig in einen einzigen großen Trümmerhaufen verwandelt worden. Da die Deckung für die englischen und belgischen Truppen dort nicht mehr in Frage kommt, ist die Räumung Nieuports wahrscheinlich, jedoch soll der Ort im Feuerbereich der englischen und belgischen Artillerie bleiben. Mit der Eroberung Nieuports würden wir uns in beachtenswerter Weise Dünkirchen nähern, von wo es nicht mehr weit bis Calais ist. Verzweifelte Anstrengungen der Russen am Sanfluß. tu Budapest, 12. März. Der Sonderberichterstatter des„Anap“ meldet aus Sajoraha=Ujhely: Oestlich von Lupko und entlang des Oberlaufes des San dauern die Kämpfe in wachsender Heftigkeit an. Die Russen haben große Verstärkungen herangezogen. Nach deren Eintreffen versuchten sie unter dem Schutze der Artillerie unsere Stellungen durch aufeinanderfolgende Sturmangriffe zu durchbrechen. Auf Befehl der russischen Heeresleitung unternahm das Kommando der uns gegenüberstehenden Front alles, um größere Streitkräfte in die Schlacht zu werfen. Die in den Schützengräben liegen gebliebenen russischen Mannschaften wurden mit Peitschenhieben vorwärts getrieben. Einzelne Regimenter wurden sogar mit Maschinengewehrfeuer vorwärts gejagt. Auf diese Weise gelang es den Russen, auf unsere glänzend angelegten Stellungen anzugehen. Unsere Truppen ließen den Feind ruhig bis auf eine kurze Entfernung herankommen und überschütteten ihn dann mit einem mörderischen Schnellfeuer, unter dem der russische Angriff zusammenbrach. Selbstmord des russischen Generals Baron Sievers. wtb Frankfurt a. M., 12. März. Die„Fris. Itg.“ meldet aus Petersburg: Der Oberkommandierende der 10. Armee, General Sievers, hat Selbstmord verübt, wie aus Berichten über eine für den auf so tragische Weise Verstorbenen abgehaltene Trauerseier in der lutherischen Annakirche hervorgeht. Die Ausfälle aus Przemysl. bb Budapest, 12. März. Wie der Kriegskorrespondent der„Pesti Hirlap“ meldet, kann festgestellt werden, daß die Russen alle entbehrlichen Kräfte, auch Teile der Przemysl einschließenden Truppen, nach den Karpathen schicken. Ein Fliegeroffizier, der in den letzten Tagen in Przemysl weilte, berichtet, die Stimmung in der Festung sei sehr gut. Die Besatzung bekommt reichliche, normale Portionen. Besonders gut funktionierte der Sanitätsdienst. Ansteckende Krankheiten bleiben unter dem normalen Stand. Unsere Truppen beunruhigen durch fortwährende Ausfälle die Belagerungsarmee. Infolgedessen ziehen die Russen ihre Stellungen immer weiter von den Festungswerken. Der Kampf um die Lardanellen. Ein Mißersolg der Verbündeten hei Saros. Athen, 12. März. Die Engländer und Franzesen versuchten vom Meerbusen Saros aus zur Bezwingung der Dardanellen Truppen zu landen. Als 2000 Mann an Land gegangen waren, griffen die Türken an und zwangen den Feind unter vernichtenden Verlusten, sich wieder einzuschiffen. Schwere Verluste der Verbündeten vor den Dardanellen. tu Hamburg, 13. März. Das holländische Presseburean„Hagas“ meldet aus Athen, daß nach dort eingetroffenen Meldungen die Verluste der englischen Flotte vor den Dardanellen 140 Tote und 310 Verwundete betragen. Zwei englische Torpedoboote sind gesunken und zwei Minenräumer sind vernichtet, sowie vier große Schlachtschiffe außer Gefecht gesetzt. Bei Landungsversuchen sollen, wie den„Hamburger Nachrichten“ aus dem Haag gemeldet wird, ferner 700 Mann Tote, Verwundete und Gesangene verloren worden sein. Die Angriffe stocken. bb Genf, 13. März. Dem„Petit Journal“ vom Dienstag zufolge setzte die französische Flotte die Beschießung der europäischen Küste in den Dardanellen fort, während die englischen Schiffe die asiatische Seite unter Feuer nahmen. Die Kriegsschiffe der Verbündeten seien noch nicht bis zur Meerenge vorgerückt. Die eigentlichen Angriffe stocken seit acht Tagen. Die französischen und englischen Kriegsschiffe sind über Said Albar noch nicht hinausgekommen. Athen, 12. März. Der„Köln. Ztg.“ wird von hier aus gedrahtet: Einige Zeitungen erfahren aus angeblich zuverlässiger Quelle, daß die bisherigen Unternehmungen nicht das gewünschte Ergebnis gehabt hätten. Daher dürfe man annehmen, daß weitere Angriffe gegen die Meerenge eingestellt oder mindestens verschoben würden. Die furchtbare Befestigung der Dardanellen biete der Flotte große Schwierigkeiten, die ohne die nachdrückliche Mitwirkung einer Landarmee nicht zu überwinden seien. Von einigen Blättern wird die Stockung der Operationen auch auf die Ablehnung der erhofften Waffenhilfe Griechenlands zurück8658. Der Krieg gegen England. Die englischen Arbeiter für den Frieden. Rotterdam, 12. März, Nach Londoner Meldungen berief die englische Arbeiterpartei für den kommenden Sonntag wieder über 4000 Volksversammlungen als Kundgebung für die führung des Friedens ein. Zehn weitere Schiffe von„Prinz Eitel Friedrich“ versenkt. bb Kopenhagen, 13. März. In Newport News(Virginia) ist der deutsche Hilfskreuzer „Prinz Eitel Friedrich“ angekommen mit 350 Mann an Bord. Das ist die Besatzung von Schiffen, die er in Grund gebohrt hat, und zwar von vier englischen, vier französischen, einem russischen und einem amerikanischen. Letztererg wurde in den Grund gebohrt, weil es Konterbande an Bord hatte. tu Notterdam, 13. März. Ein Sondertelegramm des Reuterbureaus aus Newport News: Der „Prinz Eitel Friedrich“ hat bereits früher in andern Häfen die Besatzung der in den Grund gebohrten Schifse gelandet und zwar von dem englischen Dampfer„Charchas“, von der Bark„Kildaton“ und von der Bark„Jean“, die im Stillen Ozean in den Grund gebohrt wurden. Vorher war das Schiff mit einer Ladung Steinkohlen nach den Osterinseln gebracht worden, wo die Kohlen ausgeladen wurden. Das Zollamt von Newport News ersuchte den Kapitän des„Prinz Eitel Friedrich“ um einen durch ihn unterzeichneten Bericht über die Vernichtung des amerikanischen Schiffes„Frye“, Vorlegung von dessen Schiffspapieren, sowie Mitteilung, ob noch andere amerikanische Schiffe von ihm vernichtet worden seien. Kapitän Tirschans teilte mit, daß er sein Schiff nicht werde internieren lassen. 70 Passagiere des vernichteten französischen Dampfers„Florida“ wurden von den amerikanischen Behörden, für unerwünschte Einwanderer erklärt und müssen an Bord des„Prinz Eitel Friedrich“ bleiben, bis ihre Regierungen über sie disponiert haben. Der deutsche Marneatlachee Boy Ed traf in Newport News ein und behab sich sofort an Bord des„Prinz Eitel Frichis“ um unter Aussicht der amerikanischen Marine=Behörden die nötigen Reparaturen für seine Seefähigkeit ausführen zu lassen. Wilson und die englische Blockade. wb London, 12. März. Nach einer Meldung aus Washington des„Daily Telegraph“ sagte der Präsident Wilson, er erwarte einen Bericht über die Anordnungen, die die britische Regierung bezüglich der Blockade Deutschlands und Oesterreich= Ungarns treffen werde. Gegen das Embargo auf Baumwollsrachten wird vorläufig kein Protest erhoben werden, vielleicht aber später nach Eröffnung der britischen Blockadebestimmungen. Von der japanischen Flotte. bb Berlin, 13. März. Die„Kreuzztg.“ meldet: Die„Times“ erläuterte letzthin den Bericht des Admirals Sturdee über die Seeschlacht bei den Falklandinseln und nennt dabei das Entkommen des Kreuzers„Dresden“ ein bedauernswertes Ereignis, das mehrere Schiffe zum Aussuchen des Krauzers in Anspruch nahm und mittelbar den Verlust eines schönen japanischen Kreuzers herbeiführte. Damit, so erklärt die„Kreuzztg.“, gibt die „Times“ ein Geheimnis der englischen Admiralität preis, denn bisher hat man von dem Untergang dieses japanischen Kreuzers nichts erfahren. Verschärfte Spannung zwischen Washington und Tokio. Haag, 12. März. Die„Central News“ meldet aus Washington: Die Ablehnung des Vermittelungsvorschlages zwischen Amerika und Japan kam hier nicht unerwartet, hat aber die Spannung zwischen Washington und Tokio anscheinend wesentlich verschärft. Man erwartet weitere Maßnahmen, sobald die von Tolio zugesagte genaue Aufstellung der japanischen Forderungen an China in Washington vorliegt. Der chinesische Gesandte hatte am Sonnabend mit Staatssekretär Bryan mehrere Besprechungen. —— Der Krieg gegen Serbien. Bombardement Belgrads. wtb Bukarest, 12. März. Das letzte Bombardement auf Belgrad hat an vielen Stellen großen Schaden angerichtet. Deutsche Truppen gegen Serbien. wtb Wien, 12. März. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Auf Grund einer allerhöchsten Entschließung ist dem Kommandanten der Balkanstreitkräfte das Recht eingeräumt worden, an Mannschaftspersonen der ihm unterstellten deutschen Heereskörper für verdienstvolle Leistungen die silberne Tapferkeitsmedaille erster und zweiter Klasse zu verleihen. Das Recht der Verleihung der goldenen Tapferkeitsmedaille hat sich das Oberkommando vorbehalten. Man sprach bereits seit einiger Zeit davon, daß die tapferen Deutschen den österreichischen Bundesgenossen gegen das schwer zu bekämpfende Serbien helfen würden. Aus der obigen Meldung geht das nun auch amtlich hervor. —— Umschwung der Stimmung in Poriugal. tu Mailand, 12. März. Die„Stampa“ meldet aris Lissabon: Die neue portugiesische Regierung weigert sich, die in den portugiesischen Häfen liegenden deutschen Frachtdampfer für die englische Regierung als Transportschiffe zu beschlagnahmentu Genf, 12. März. Der Madrider„Liberal“ meldet aus Lissabon: Der Präsident hat erneut die Verfassungsgarantie aufgehoben. Vor der englischen Gesandtschaft fanden in den letzten Tagen lärmende Kundgebuungen des Volkes gegen die Teuerung statt. Die Polizei mußte das Gesandtschaftsgebäude absperren. Der Klub der demokratischen Partei, der immer noch für Portugals Eintreten in den Krieg agitiert, ist auf Befehl des Generals Castro geschlossen worden. Viele wohlhabende Portugiesen sind in Badajoz eingetroffen, um die weiteren Ereignisse abzuwarten. Aus Stadt und Umgebung ** Schwerte, 13. März. **(Kriegsfreiwillige Artilleristen gesucht!) Am 1. April d. I. stellt das Feldartillerie=Regiment Nr. 22 in Minden wieder Kriegsfreiwillige ein. Junge Leute, die bereit sind, als Freiwillige einzutreten, wollen ihre Meldung an das Kommando des Rekruten=Depots Feldartillerie==Regiments Nr. 22 in Minden, Königstraße 51, gelangen lassen. **(Konfirmation.) Am Sonntage werden in der großen Kirche die Konfirmanden aus dem Bezirk von Herrn Pastor Ohlig konfirmiert und zwar Nachmittags um 2 Uhr. Die Konfirmanden von Herrn Pastor Nell gehen am Sonntage zum heiligen Abendmahle. Am kommenden Freitag werden die Konfirmanden von Herrn Past. Wischnath geprüft, nachmittags um 2 Uhr. Am Sonntage findet im Hauptgottesdienst der reformierten Gemeinde die Prüfung der diesjährigen Konfirmanden statt. **(Brotkarten.) Zur Behebung von Zweifeln sei das Publikum darauf aufmerksam gemacht, daß reine Konditorwaren ohne Abgabe von Brotkarten gekauft werden können. Brötchen und Zwieback werden allerdings nicht ohne Brotkarte abgegeben. **(Kriegsliebesdienst.) Die von Angehörigen der Reichspost= und Telegraphenverwaltung seit Beginn des Krieges veranstaltete Sammlung hat 900000 Mk. erreicht. Im Dezember wurden bereits 309000 Mk. an die Kriegs=WohltätigkeitsEinrichtung verteilt. Vor einigen Tagen sind wei' tere 310.000 Mk. zur Verteilung gekommen, und zwar haben u. a. erhalten: Rotes Kreuz 43.000 Nationalstiftung für die Hinterbliebenen 150000 Mk., 39000 Mk. für die Notleidenden in Ostpreußen und 17.000 Mk. für die in ElsaßLothringen, 10000 Mk. der Ausschuß für warme Unterkleidring, 10000 Mk. für die Meditzinalabteilung des Kriegsministeriums, 10000 Mk. für das ausländische Rote Kreuz und 20000 Mk. der Reichsverband zur Unterstützung daitscher Veteranen. Die Sammlung wird fortgesetzt. **(Das Eiserne Kreuz) ist dem Sergeanten Emik op den Winkel, Sohn des pensionierten Polizeisergeanten op den Winkel, verliehen worden. Wir sprechen dem tapferen Krieger, der im Osten für Deutschlands Ehre kämpft, unseren besten Glückwunsch aus. *(Schulen und Kriegsanleihe.) An der Zeichnung der 2. Kriegsanleihe wollen sich auch die Schulen beteiligen. Es ist die Anregung ergangen, ohne jeden Druck, der von vielen Schülern bezw. deren Eltern unliebsam empfunden werden könnte, den Schülern gedruckte Formulare auszuhändigen, in die etwaige Zeichnungen und deren Höhe eingetragen werden. Ob bezw. in welcher Höhe eine Zelchnung erfolgte, wird vom Lehrer unbedingt geheim gehalten. Man hofft, allein in den preußischen höheren Schulen einen Zeichmungsbetrag von mindestens 9 Millionen Mark zu erhalten. Man darf wohl annehmen, daß weit mehr herauskommen wird. Da die übrigen deutsschen Bundesstaaten nicht werden zurückbleiben wollen und auch in den Volksschulen Beiträge geleistet werden können, so darf man auf eine recht stattliche Reihe von Millionen als schließliches Ergebnis des patriotischen Bestrebens rechnen. (Wohltätigkeits=Konzert.) Am morgigen Sonntag gibt der M.=G.=V. Cäcilia unter Leitung seines Chorleiters Hanemann ein Konzert zum Besten des Kriegsliebesdienstes am Freischütz. Solistisch wirken in dem Konzert mit Frl. MertensSchwerte(Klavier) und Frl. Ziebenhaus=Barmen (Sopran). Hoffentlich ist dem Verein ein recht volles Haus beschieden.(Siehe auch Inserat.) **(Verbesserungen in der 4. Wagenklasse.) In den auf den Hauptstrecken verkehrenden Eisenbahnzügen sind neuerdings die Personenwagen 4. Klasse zum Teil noch mit weiteren Sitzbänken ausgerüstet worden, die in der Mitte der Abteile aufgestellt worden sind. Die Zahl der Sitzplätze ist dadurch bedatend erhöht worden. **(Brotkarten im ganzen Reich.) Der Reichskanzler und der preußische Minister des haben angeordnet, daß die Brotkartenkontrolle ausnahmslos für das ganze Reich, Stadt= und Landgemeinden, bis zum 15. März eingeführt sein muß. Man dürfe hoffen, daß das ganze Volk einheitlich und gleichmäßig an dem Sparsystem teilnehmen werde. **(Die Landesversicherungs=Anstalt Westfalen) zeichnete auf die zweite Kriegsanleihe wiederum 8 Millionen Mark. Sie bewilligte ferner weitere 10000 Mk. für die Zwecke des Roten Krauzes und 5000 Mark für die Schwesternschaft vom Roten Kreuz. ** Wandhofen, 12. März.(Gemeinderat.) In der letzten Gemeinderatssitzung wurden die im November v. J. getätigten Gemeindewahlen für gültig erklärt. Die Verpflichtung und Einführung der Vertreter konnte nicht erfolgen, da dieselben zu den Fahnen einberufen sind.— Der GemeindeHaushaltsanschlag pro 1915 wurde durchberaten und die Einnahme und Ausgabe auf 30 130 Mark festgesetzt. Der Kommunalfehlbetrag soll durch 150 Prozent Zuschlag zu sämtlichen Steuerarten, ausschließlich der Betriebssteuer, die mit 100 Prozent belastet wird, gedeckt werden. ** Höchsten, 12. März.(Das Eiserne Kreuz) für bewiesene Tapferkeit vor dem Feinde erhielt der Gefreite Karl Klay von hier. ** Kalthof, 12. März.(Einbrecher gefaßt.) In der letzten Woche sind hier bei dem Wirt Eckmann und dem Landwirt Klaus und noch anderen Stellen in der Richtung nach Iserlohn mehrere Einbruchsdiebstähle verübt worden. Nun“ mehr sind die Einbrecher in den Personen des Arbeiters Echtermann und des Maschinisten Friedrich Radziwill dingfest gemacht worden. Letzterer wird vom Bezirkskommando Düsseldorf steckbrieflich verfolgt, weil er sich der Heerespflicht entzogen hat. * Pletenberg, 11. März.(Kindersegen.) Nachdem im vorigen Jahre den Eheleuten Mühlenbesitzer Friedrich Freiburg in Therek Drillinge geboren, wurden jetzt dem Ehepaar Zwillinge(Mädchen) beschert. * Elberfeld, 11. März.(Ein Liebesdrama) spielte sich hier in der Düsseldorferstraße ab. Dort erschoß der Fabrikant Cristav Müller zuerst seine Geliebte und dann sich selbst aus Eifersucht. Stadttheater Dortmund. Sonntag, 14. März, nachmittags 3½—6 Uhr:„Der Veilchenfresser", Lustspiel in 4 Akten von Gustav Moser.— Abends 7½—10¼ Uhr:„Die Jüdin“, Große Oper mit Ballett in 4 Aufzügen. Montag, 15. März, abends 8—10¼ Uhr(Einheitspreis 60 Pfg.):„Im weißen Röß'!“, Lustspiel in 3 Aufzügen von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg. Gottesdienste am Sonntag Evang. ref. Gemeinde. 9½ Uhr: Pastor Terberger. Prüfung der Konfirmanden. Evang. luth. Gemeinde. 9 Uhr: Beichte. 9½ Uhr: Pastor Nell, hl. Abendmahl. 11 Uhr: Kindergottesdienst. 2 Uhr: Pastor Ohlig, Konfirmation. Gemeinde Westhofen. 10 Uhr: Pastor Klinker. 11¼ Uhr: Kindergottesdiens:. Kath. Pfarrkirche Schwerte. 6¼ Uhr: Stille hl. Messe, Kaplan Röseler. 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt. Gemeinschaftl. hl. Monatskommunion des Marien=Vereins. 8 ¾ Uhr: Schulmesse mit Predigt, Pfr. Schnurbus. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2½ Uhr: Andacht. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Nr. 61. Beilage. Schwerter Zeitung Samstag, 13. März 1911 Amtliches Kreisdlatt. Aus den letzten Stunden Tsingtaus. Aus dem Brief einer Tsingtauer Dame an ihre Eltern, den das„Liegnitzer Tageblatt“ veröffentlicht, seien folgende Episoden wiedergegeben: Seit Juli oder auch August(der Brief ist von Anfang Dezember datiert) schrieb ich nicht mehr. Was liegt alles dazwischen. Ans ist es immer gut gegangen. Das letzte, was wir hörten, war Krieg mit Dänemark. Gestern hatten wir deutsche Zeitungen, die hier in Asien erscheinen. Nachrichten bis zum 23. November und gestern noch Depeschen bis zum 28. November. Darin stand nichts von Verdun und vom Fall von Paris. Ob es trotzdem wahr ist, daß wir sie haben? Mein Lehrer Li lam vorgestern und sprach begeistert von den deutschen Erfolgen. Die chinesischen Zeitungen haben alles gebracht. Zeppelin stand für Li obenan. London mit Dynamit bedacht, daß die Türkei Aegypten nimmt und England u. Frankreich nichts mehr zu essen bekommen. Li strahlte— 500 000 Russen gefangen, die Zahl schrieb er auf, um richtig verstanden zu werden. Die deutschen Zeitungen mit der Reichstagssitzung vom 4. August haben wir gehabt, dann setzten die Telegramme ein und die Funkentelegraphie hörte erst auf nach dem 7. November, Tsingtaus Fall. Nun gibt es wieder Telegramme, da eigentlich alles zerstört ist, staune ich oft darüber. Ich habe es bunt gehabt in dieser Zeit. Zuerst hier im Hause entsetzlich viel Angst, da vor dem Ultimatum am 23. August uns alle Chinesen voller Angst verließen. 15 Dienstboten gingen in einer Stunde weg, aber sie hatten bis zuletzt brav gearbeitet. Wir bekamen aber zwei Boys wieder, die bis gestern beide da waren. Am folgenden Morgen flogen zum erstenmal die 30,5 Granaten in die Stadt, und das Lazarett mußte geräumt werden, weil da glatt hineingeschossen wurde. Nun kamen alle vorgesehenen Hilfsgebäude, Hotel, Hochschule, Seemannshaus und Privathaus in Betrieb, und das große Durcheinander fing an. Gedonnert hat es dann immer— mal mehr, mal weniger. Leider war auch das Hotel so exponiert, daß wir 8 Tage bis zum Fall alle im Keller kampieren mußten, und deshalb alle Schwerverwundeten an die Hochschule weiterschickten. In der Hochschule waren die Lazarettschwestern. Nach dem Fall füllte es sich auch bei uns, die Verluste waren ja erstaunlich gering. Mit zirka 22 Helferinnen, von denen es nur einzelnen dämmerte, was sie mit dem Roten Kreuz übernommen hatten, wäre es auch nicht zu schaffen gewesen. Nur 58 Verwundete bekamen wir am Morgen nach dem Sturm, vier starben, keine Bekannte darunter. Für unsere Heimreise ist für alle Fälle gesorgt. Sicher fühlt sich niemand. Ordnung herrscht aber, und über die Japaner können wir nicht klagen... Landsturmneo. Wir aßen unser Brot in Frieden, Und gingen uns'rer Arbeit nach, Genossen froh, was kuns beschieden, Den Werktag wie den Feiertag. Wir schwangen den Hammer, führten die Feder, Wir pflügten den Acker, wir trieben die Räder; Nun haben die Feinde uns listig umstellt, Nun müssen wir ziehen ins blutige Feld. Hört Ihr es dröhnend vorwärts schreiten? Das ist das Landsturm=Aufgebot! Unzähl'ge Kolonnen zu Fuß und zu Pferde, Als stampfe Alldeutschland Armeen aus der Erde, Einmütig erschallt es: Wir ziehen das Schwert, Wir kämpfen und sterben für Heimat und Herd! geht durchs Land wie Sturmestosen, Fest tritt der Landsturm in die Bahn, Ihr Briten, Nussen und Franzosen, Mit Eurer Macht ist nichts getan! Ihr suchtet ein Bündnis mit höllischen Mächten, Ihr wolltet auf immer uns knebeln und knechten, Wir aber marschieren, ein Herz und ein Sinn; Nach Ost und West braust der Landsturm dahin! Alldeutschland läßt sich nicht bezwingen, Und wenn die Welt voll Teufel wär', So werden wir zu Boden ringen Den gall'schen Hahn, den russ'schen Bär. Wir werden der englischen Dogge vergällen Die Lust, jemals wieder zu beißen und bellen, Der Landsturm erhebt sich und bannt die Gefahr, Und mit seinen Fahnen zieht siegreich der Aar! Der Frühling naht, die Luft weht linder, Doch Frieden bringt der Lenz noch nicht, So lebt denn wohl, Ihr Frau'n und Kinder, Der Landsturmmann kennt seine Pflicht. Bald wird uns ein herrliches Morgenrot tagen, Nun drauf auf die Feinde, und sind sie geschlagen, Dann kehren wir wieder vom feldgrauen Tuch Zurück zu der Feder, zum Amboß und Pflug! A. I. in der Nähe des königlichen Palastes herumtrieb. Als sich der Mann erkundigte, durch welches Portal der König gewöhnlich das Schloß verlasse, schöpfte man Verdacht und verhaftete ihn. Er behauptet, Athanas zu heißen. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung wurden 200000 Drachmen in Gold und zahlreiche Briese in englischer und französischer Sprache gefunden, mit deren Sichtung und Prüfung die Polizei gegenwärtig beschäftigt ist. Es wurde festgestellt, daß der Verhaftete das Haupt einer großen Verschwörerbande ist, die sich Ermordung des Königs Konstantin zum Ziele gesetzt hat. Gewisse Spuren führen nach Paris und London. Die Nachforschungen werden eifrig fortgesetzt. Flünzbsisches unervirien an Fialien Das Pariser Regierungsblatt der„Temps' schlägt einer Meldung der„Frankf. Ztg.“ zufolge vor, Italien die Insel Korsika als eine notwendige Ergänzung zu Sardinien, sowie eine Grenzkorrektur in Tunis anzubieten, um die auf gutem Wege befindliche Verständigung Italiens mit Oesterreich=Ungarn zu vereiteln. Die Insel Korsika, die sich an die Nordspitze des Italien gehörigen Sardinien anlehnt, zählt etwa 300000 Einwohner bei 87222 Quadratkilometer Flächeninhalt. Die Insel, deren Hauptstadt Ajaccio der Geburtsort des ersten Napoleon ist, war lange Zeit genuesisch, dann ein selbständiges Königreich. Nachdem sie vorübergehend im französischen und im englischen Besitz gewesen war, gehört sie seit 1796 zu Frankreich. Als Heimat Napoleons hat sie für die Franzosen eine besondere Bedeutung. und man erkennt die Größe der Not unserer Feinde an dem Entschluß maßgebender Kreise, ein nationales Heiligtum zur Gewinnung eines Bundesgenossen zu opfern. Weiter will Frankreich um den Preis der Bundesgenossenschaft die tunesische Küste bis zum Golf von Hammamet, der nahe der Küste Siziliens gelegen ist, an Italien abtreten, und selbst zur Abrundung von Italienisch=Erythrea das Gebiet von Obok am Roten Meere den Italienern überlassen. Eine Verschwörung gegen Konig Konstantin. bb Hamburg, 12. März. Zu dem Mordanschlag auf König Konstantin von Griechenland werden aus Athen folgende Einzelheiten gemeldet: Militürpersonen und Geheimpolizisten beobachteten mehrere Tage hindurch einen Mann, der sich stets Einschränkung des Verkehrs mit Kraftfahrzeugen. Auf Grund des§ 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen vom 4. August 1914 hat der Bundesrat unter dem 25. v. M. eine Verordnung erlassen, die eine Einschränkung des Verkehrs mit Kraftfahrzeugen zum Ziele hat. Die Notwendigkeit, mit den vorhandenen Vorräten an Gummi, Treiböl und Schmieröl hauszuhalten, rechtfertigt eine Maßnahme, die diese für unsere Industrien wichtigen Rohstoffe einer in Kriegszeiten entbehrlichen Verwendung im Dienste des Luxus und der Bequemlichkeit entzieht. Durch die neue Verordnung wird der Verkehr von Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen und Plätzen von dem 15. März d. J. ab von einer ernguten Zulassung abhängig gemacht, die nur erteilt werden darf, wenn für den Verkehr des Fahrzeugs ein öffentliches Bedürfnis besteht. Diese künftige Beschränkung der Zulassung bezweckt vor allem die Ausschaltung aller der Fahrzeuge, die sportlichen oder Vergnügungszwecken zu dienen bestimmt sind, verweist aber auf die sonstigen Transportmittel wie Eisenbahnen, Straßenbahnen, Pferdedroschken usw. Wird so einerseits Vorsorge dahin getroffen, daß von den rund 50000 Kraftwagen, die zurzeit noch im Verkehr sein dürften, in Zukunft die Hälfte von den Straßen verschwinden wird, so sind doch andererseits Ausnahmen in genügendem Umfang vorgesehen, um berechtigten Interessen auch fernerhin zu genügen. So soll der Verkehr mit Kraftomnibussen, wenn auch in eingeschränktem Maße, aufrechterhalten werden. Insbesondere werden bei der Zulassung von Lastkraftfahrzeugen die Bedürfnisse des Gewerbebetriebes auch volle Berücksichtigung finden. Da gleichzeitig die Heeresverwaltung es sich angelegen sein lassen wird, den militärischen Kraftfahrzaugen im Heimatgebiet so weit einzuschränken, als die militärische Notwendigkeit es irgendwie zuläßt, darf mit einer wesentlichen Ersparnis an Gummi, Treiböl und Schmieröl für die Zukunft mit Sicherheit gerechnet werden. Da als Zeitpunkt, nach dem der Verkehr nur auf Grund ernauter Zulassung gestattet ist, erst der 15. März d. J. festgesetzt worden ist, die Erneuerungsanträge indessen schon jetzt zulässig sind, ist die Gewähr gegeben, daß, von vereinzelten Ausnahmen abgesohen, eine rechtzeitige Entscheidung über die Anträge erfolgen wird. Immerhin kann allen denjenigen, die auf die fernere Zulassung ihres Fahrzauges nach Maßgabe der neuen Bestimmung glauben rechnen zu dürfen, in ihrem eigenen Interesse nur die schleunige Stellung des Antrages bei den mit der Ausführung dieser Verordnung betrauten höheren Verwaltungsbehörden— i Berlin dem Polizeipräsidenten— angeraten wer den. Diese höheren Verwaltungsbehörden sind die selben Stellen, die nach der Verordnung vom# Februar 1910 über die Zulassung der Kraftfahr zeuge zu entscheiden haben. Eine selbständige Strafbestimmung enthält die Verordnung nicht, da ein Verstoß gegen ihre Bes stimmungen schon auf Grund des§ 23 des Gesetzer vom 3. Mai 1909 strafbar wäre. Indessen sieht die Verordnung vor, daß solche Kraftjahrzeuge, die ohne eine erneute Zulassungsbescheinigung nach dem 15. März auf öffentlichen Straßen oder Plätzen verkehren, durch Verfügung der höheren Verwaltungsbehörde ohne Entschädigung zugunsten des Staates eingezogen werden könneng So einschneidend diese Maßnahme erscheint, so ist sie doch als Zwangsmittel gegenüber solchen Per## sonen, die die Interessen der Allgemeinheit den Rücksichten auf ihre eigene Bequemlichkeit hintan sten trchtertich..... en Den billigen Anspruchen derjenigen Automt besitzer, die infolge des unmittelbaren in der neuen# Verordnung begründeten Eingriffs außerstandgesetzt werden, die von ihnen gelöste Steuerkarte auszunutzen, wird durch einen zurzeit in Vorbereitung befindlichen Beschluß des Bundesrat# Rechnung getragen werden. Wetterbericht der deutschen Seewarte. 14. März: Bedeckt, kühl, teils heiter. 15.—Bewölkt, kühl, teils heiter, rauher Wind. 16.—Bewölkt, teils heiter, kalte Nacht. 17.—Nebel, feuchtkühl, später schön, heiter, warm 17.—Vielfach heiter, angenehm. 19.—Bewölkt, milde, strichweise Regen. 20.—Veränderlich, lebhafte Winde, milde. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Aleikum ——.— SoId Zigaretten für unsere Krieger durch die Feldpost Preis: Ne 3¾ 4 S 6810 3¼ 4 S 6 8 10 Pd Sick. 20 Stek. Salem Cigaretten Portofrei! k 50 Stch Salem Cigaretten 10Pf.Posto! .•, Trusttrei: K Roman von Käthe Lubowski. 40 Ihr Inneres zuckt nur bei dem Gedanken, was Haus Weddos feines Empfinden leiden wird, wenn er erfährt, daß jene schmutzigen Gerüchte sogar bis zu ihr getragen worden sind. Auf jeden Fall man heute darüber sprechen. Darum darf sie nicht fehlen. Sie muß doch dabei sein, wenn sich das Mißverständnis aufklärt— und lachen. Ach, so herzhaft lachen, wie sie vorher bitterlich geweint hat, daß man es wagt, ihn— den Besten, den Edelsten— mit solchem Schmutz zu bewerfen. Am meisten aber darüber, daß sie noch nicht vor der Welt das Recht besitzt, sich zu ihm zu bekennen und mit einem Satze die Lästerungen zum Verstummen zwingen kann: Ich, seine Braut, sage Euch, daß Ihr lügt.“ Jetzt sitzt sie am untersten Ende der Tafel als einziges junges Mädchen unter zehn Verheirateten und stichelt an der feinen Stickerei herum, ohne zu sehen, wohin die Nadel geht. Die Stimmen schwirren und summen um sie her, der Brandung gleich, die unbarmherzig verschlingt, was ihr nahe kommt. „Ist das denn auch ganz sicher?“ fragte eine junge Leutnantsfrau, die erst seit wenigen Monaten Trautenberger Pflaster tritt, mit heller Stimme dazwischen. „Natürlich, Liebste, oder meinen Sie, daß ich bloße Vermutungen mit solcher Bestimmtheit aussprechen würde?“ entgeguet Frau von Tettau mit feiner Zurechtweisung im Ton. „Verzeihung, gnädige Frau, ich verstand, daß Ihr Kinderfräulein—“... 4.4 an „Allerdings— mein Kinderframem. Aber für die verbürge ich mich. Sie ist treu wie Gold und sagt nur das, was sie verantworten kann.“ Und was sagt sie denn nun eigentlich, liebste Frau von Tettau?“ fragt die schrille Stimme der Majorin Enders in das allgemeine Atemanhalten Der Damenkreis schiebt sich enger zusammen. Die Hände liegen im Schoß und die Augen brennen voller Neugier..„ Aber— vollste Distretion, meine Damen. „Natürlich! Selbstverständlich,“ haucht und flüstert es rings umher. Und nun hört Adda dieselbe Geschichte noch einmal. Noch weiter ausgesponnen, mit Einzelheiten gespickt, klar und einfach, so recht zum Glauben mundgerecht gemacht. Sie kann sich nicht mehr aufrecht erhalten. Sie wird zusammenbrechen. Davor hat sie brennende Angst. Das muß auf jeden Fall vermieden werden. Keiner darf merken, wie es um sie steht. Die Stricknadel fährt tief in das zarte Handgelenk. An dem Schmerz wird sie sich aufrecht erhalten. Eine wird aber trotzdem ihren Schmerz gewahr. Die junge Leutnantsfrau mit der hellen Stimme. Sie möchte aufspringen und den Geschwätzigen den Mund zuhalten, ihnen in Zorn und Ingrimm entgegenrufen:„Seht Ihr denn gar nicht, was Ihr anrichtet? Wie Ihr das Mädchen mit Eueren Pfeilen martert und quält!“ Und ich glaube es doch nicht,“ sagte sie aus der menschlichen Barmherzigkeit heraus, ganz laut und fest,„denn Leutnant von Tarenberg ist ein Ehrenmann.“ Die anderen warfen ihr bitterböse Blicke zu. „Sollte das nicht ein etwas starker Ausdruck sein, Liebste?“ sagt die Tettau und ihre Stimme zittert ein wenig dabei.„Sollte Ihnen vielleicht noch die Empfindung für die Größe des öffentlichen Aergernisses, das er hierdurch unstreitig verursacht, abgehen? Und damit das Bewußtsein von der Wichtigkeit der Standesehre? Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich verurteile nicht etwa, was er tut. Ich verurteile nur, wo er es tut. Nämlich hier, unter unseren Augen, so daß unsere Töchter davon hören und darüber erröten müssen. Warum verlegt er den Schauplatz seiner Liebestaten nicht in eine Weltstadt, fernab von seiner Garnison. Dann würde ihm niemand übelnehmen, was er getan hat, selbst wenn man davon erführe.“ Die kluge, gesund denkende Frau, der diese lange Rede gegolten hat, wenn sie auch an die Allgemeinheit gerichtet zu sein scheint, versteht die darin dargetaue Moral nicht. Ihre Keuschheit rebelliert gegen die Anschauung der Aelteren. Aber der Respekt vor der Frau des Mannes, der sich völlig von ihren Anti= und Sympathien leiten läßt, heißt sie ruhig bleiben. Sie richtet sich nur ein wenig einpor und fragt befcheiden:„Ich bitte um Verzeihung, wenn ich mir eine gütige Belehrung erbitte. Was hat die Standesehre mit einem Verdacht zu tun, den Köchinnen und Kinderfräuleins auf den Markt werfen und der geeignet ist, Ehre und Glück für alle Zeit zu zerbrechen?“ „Ichpflege mich nicht mit den genannten Dienstboten zu unterhalten, Frau Leutnant von Trizinc. „Aber gnädige Frau sagten doch—“ Allerdings sagte ich— aber ich hätte nichts gesagt, wenn nicht noch ein anderer, über allen Zweifeln stehender Bürge im Hintergrund stände. Nämlich mein— Mann.— Genügt Ihnen das vielleicht?“ Adda von Wachenhusen wankt auf ihrem Stuhl. Sie kann nicht mehr aufrecht sitzen. In wildem Taumel fliegt das Zimmer mit all' seinen Gegenständen und Menschen vor ihren Augen. Nun gibt es kein Auflehnen, kein Verteidigen mehr— aus— vorbei— Die junge, tapfere Leutuantsfrau hat sie bis an die väterliche Villa geleitet. Sie ist die Einzige, die von Addas Liebe weiß. Sie hat die Blicke gesehen und das Strahlen des Glückes, das auf ihren Gesichtern lag, so oft sich ihre Augen begegneten. Darum weiß sie auch, was man dem bebenden, totenblassen Mädchen an ihrer Seite heute angetau hat. Sie möchte sie ans Herz nehmen und trösten, aber sie ist sich nicht sicher, ob jener das nicht noch weher tun würde.„ g an. 9e.9 Vor dem gußeisernen Tor, das von dem Wachenhusenschen Wappen, die Schlange mit dem Löwen im Kampf, gekrönt wird, verabschiedet sie sich. Adda schleppt sich mit müden Füßen in das Haus. Nun kann sie nicht weiter. Ihre Kraft ist verbraucht und ihr Stolz matt. Ohnmächtig bricht sie auf dem Flur zusammen, gerade als Jürgen, der in das Kasino gehen will, die Treppe hinunter kommt. Er schickt den Diener fort und trägt sie auf seinen Armen in das duftige, helle Mädchenstübchen. Er bettet sie sorglich, löst ihr die Sachen und reibt ihre eiskalten Hände. Sie müssen beide ganz allein sein. Niemand darf von dem wissen, was sie sich sagen werden. Jürgen ahnt, weshalb die Schwester zusammengebrochen ist. Der brennende Wunsch, ihr über das Furchtbare fortzuhelfen, dämmt das rasende Wutgefühl in ihm ein. Er kniet an ihrer Seite und gibt ihr all' die Kosenamen, die er längst vergessen zu haben meinte., 8 Endlich schlägt sie die Augen auf. Er konne aufschluchzen, als er ihren irren, verzweifelten Blick steht— und doch lächelt er, um ihr Mut zu mage. Sie steht scheu umyer. Was ist nur mit ihr geschehen? Ein dunkler Schleier liegt über ihrem Glück, den muß sie fort haben, denn er hüllt es ein und verbirgt es, daß sie meinen könnte, es sei verschwunden. Aber er läßt sich nicht fortreißen, er ist mit ihm verwachsen. Ihr Glück ist dunkel geworden und ihr Gaube erschüttert. Nun steht sie wieder in der Wirklichkeit. Ein Schrei kommt von ihren Lippen. Sie umklammert den Bruder mit beiden Armen. „Jürgen, sage mir die Wahrheit! Hast Du auch davon gehört— daß Hans Weddo—“ Sie kann nicht vollenden. Ein wahnsiuniges Grauen schüttelt sie. Er streichelt ihr Haar und flegt ihr Haupt an sein Herz. 22010 2 Männer-Gesang-Verein„Cäcilia“ Chorleiter: Franz Hanemann d. J. Sonntag, den 14. März, nachmittags 4 Uhr Im grossen Saale des Freischütz Wohltätigkeits-Konzert zum Besten des Kriegsliebesdienstes. Ausführende: Fräulein Lili Ziebenhaus(Sopran) Fräulein Aenne Mertens(Klavier) Barmen. Herr Bürgermeister Rohrmann Ansprache. Flügel von der Firma Schulze zur Wiesche& Co. Planoforte-Magazin, Dortmund. Karten: Vorverkauf 0,50, an der Kasse 0,60 Mk. Vorverkaufsstellen durch Plakate erkenntlich. Es ladet ergebenst ein 1266 Der Vorstand u. Rote Kreuz-Ausschuss. 25 1289 Echter Verd Gauno Ohlendorffs Füllhornmarke bester Dünger für alle Garten- und Feldfrüchte. L. Weinberg. Jeugnis: „Ihre Herba=Seise habe ich mit Erfolg angewandt gegen Aechten Mitesser und kann Ihnen für dieses vorzügliche Mittel meinen besten Dank aussprechen". A. Freund, Hamburg. 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Erzählt vom Bord des kleinen Kreuzers„Nürnberg“ aus den Kriegstagen 1914, Minennacht auf der Chemse(„Freiwillige vor!“— Das Los entscheidet— Eine schwere Aufgabe— Englands Küste in Sicht— Zwei Helden, Der letzte Rampf der„Emden“, Ergreisende Schilderungen eines Augenzeugen, Heldenfahrten eines Hilfskreuzers. Fesselnde Schilderung aus dem jetzigen Seekrieg. Der Untergang der„Ariadne". Geschildert von einem der Ueberle benden Wie die Gneisenau im Hafen von Antwerpen von den Engländern versenkt wurde. Von einem Augenzeugen geschildert, mit Abbildung. Verzeichnis der deutschen Kriegsschiffe mit Angabe der Größe, Wasserverdrängung, Pferdekräfte, Geschwindigkeit, Anzahl der Schrauben, Armierung, Besatzungsstärke, Maschinenreisestrecke, des Alters usw. Vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerke=Ruhr, Gr. Marktstraße 3—5. Gerichtliche und aussergerichtliche Beitreibung von Forderungen besorgt bei billigster Berechnung C. Schmidt- Hohenzollernstr. 5.s Die II. 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Ich erhielt soeben Nachricht von der lebensgefährlichen Ertrankung meiner Er schien nicht verstanden zu haben. Ihre Angst, die aus Augen und Mienen sprach, bemerkte er an„Fort? Jetzt fort?— Annemarie, das ist unmöglich.“ Ein leises Lächeln, von der Ueberlegenheit der ruhigen Entscheidung erzeugt, zuckte über sein Gesicht. Wie konnte sie jetzt fort wollen! „Ich muß, Eberhard! O, du wirst die Notwendigkeit einsehen! Halte mich nicht auf und entschuldige mich bei deinen Eltern!“... u5461 Sie flehte es, stammelnd wie ein verangstigtes Kind, und ergriff seine Hand mit einem pressenden Druck.46 5 Schluß fbigl. Bumur. Richt genug frische Luft. Ein bekannter Flieger fühlte sich nicht ganz wohl. Er suchte einen Arzt auf, der ihm persönlich nicht bekannt war, und schilderte ihm seinen Zustand. Der Doktor untersuchte ihn sehr genau und erklärte dann:„Verehrter Herr, Ihre Organe sind alle ganz gesund. Was Ihnen fehlt, ist— sehr frische Lust!“ Partie Nr. 410. Turnierpartie, gespielt zu Steglitz im Winter 1913/14. Spanische Partie. Weiß: A. Schropp.— Schwarz: Dr. Max Lange. Weiß: Schwarz: 1. 02—64 07—65 2. Sgl—13 Sb•—66 3. Lfl—55 a7—46 4. Lb5—a4 Sg8—16 5. 0—0 S16Xe4 6. Dd1—e2? S 4—05 7. L. 4Xc6 d7Xc6 8. 42—44 Sc5—eß 9. d4Xe5 Sc6—441 Damit ist eine bekannte, für Schwarz vorteilhafte Stellung herbeigeführt. Gewöhnlich entsteht sie durch die 1. e2—24 e7—e5 2 Sgl —3 Sb8—c6 3. 1.fl—b5 Sg8—fö 4. 0—0 SföXe4 5. 42—44 Se4—d6 6. L.b5Xc6 d7Xc6 7. d4Xe5 S46—15 8. Ddl—e2? 815—441 In der Textvariante ist nur die Stellung des schwarzen aBauern eine andere. 10. S3X01 DASxa4 11. 171—01 Lr8—34! Ebenfalls ein schon oft angew indter Zu:. 12. TaIXd4 L.g4Xe2 13. Sb1—c3 Verstellt den c-Bauern. Aber bei anderen Zügn entstehen andere Nachteile. 13... Le2—h5 14. L.c1—g5 1.18—e7! Dies dürfte der beste Zug sein, obwohl Schwarz damit den einen schönen Läufer seines Läuferpaares abtauscht. 15. LgöXe7 KesXe7 16. 12—13 Schwarz drohte, in den Alleinbesitz der offenen dLinie zu gelangen. 16. Th8—48 17. Tal—d1 Lhf—66 18. Tü4Xd8 Ta8X08 19. TUIX 8 Ke7X08 20. S 3—44 Dieser, von beiden Spielern schon lange vorher erwogene Zug kann den Ausgleich auch nicht mehr herbeiführen. 20..... Lg6Xc2 21. Sa4—65 b7—b6 22. Sc5Xaß c6—05 23. b2—54 Lc2—03 24. Sa6—b8 1.43—b5 25. b4Xc5 K48—08 26. a2—a4 Kc8xb8 27. a4Xb5- béXc5 und gewinnt; denn auf 28. 13— 14 folgt c7—c6. („Deutsches Wochenschach“.) * 3 a 8 " K 8 E T„ Schach. *. S 5 a. 5— # n e k. 2 9 2 912 9 Bearbeitet von E. Schallopp. Aufgabe Nr. 407. Von F. Larsen in Kopenhagen.(„Nationaltidende.") Schwarz: 9 Steine. 2 22 1 8 222 K a d e d„ 1 5 Weiß: 7 Steine. Weiß zieht an und setzt mit dem 3. Zuge 400—9s0 ·S• 9—810 ·3 Sagu.. **•* 48— gu“ so 000—10W+99—1PS 73 99—S**•1 ee #eXP SANTL( elt und 2 Esperanto=Geld. Der schöne seformatorische Eiser, mit dem die Anhänger des Esperantos für eine allen Völkern der Welt gemeinsame Sprache kämpsen, schickt sich an, nun auch auf das Münzwesen überzugreifen. Im Zusammenhang mit dem jüngsten Esperanto=Kongreß in Bern sind bereits die ersten Geldstücke eines einheitlichen internationalen Münzwesens geprägt worden. Auf der Vorderseite dieser Münzen sieht man das Kopfbild des Dr. Zamenhof, des Erfinders des Esperantos, auf der Rückseite ein Esperanlowappen mit der Umschrift:„Jubiläo de Esperanto 18871912“ und die Vertbezeichnung der Münze:„1 Sm“.„Sm“ ist die Abkürzung für das Wort spesmil, der Grundlage der angestrebten internationalen Münzeinheit. 10 spesmils enthalten genau 8 Gramm Gold, 1 spesmil entspricht in seinem Werte ungeführ 2 Mark oder 2,50 Frank. Durch diese Münzeinheit hossen die Anhänger des Esperantos eine Brücke zwischen dem Dezimalsystem und den Abarten der britischen Währung zu schlagen. Der Anreger dieser Münze ist der Privatdozent an der Genfer Universität, René de Sauffure. Die internationale Esperanto=Gemeinde hat sich das Ziel gesetzt, mit der Zeit die Einführung dieser Münze als eine Art internationaler Hilfswährung in allen Kulturstaaten durchzusetzen, um damit die Auswechslung fremder Münzarten zu erleichtern. 9 ##S*" 5 8% F 3 2 22 * ST 20 S#x 32 S:*. ** 8 Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 61. Samstag, 13. März 1915. In Cleltenerand. Original-Kriegsroman aus eraster Zeit von Rudolf Zollinger. (38. Fortsetzung.)(Nachdruck verboien. Alle Rechte vorbehalten.) Haven das ließ sich dadurch nicht hindern, Samariterwerk an dem OberIntnant zu verrichten, so gut oder schiecht es die Umstände eben zuliegen. Die Verwundung erwies sich nach Entfernung der Bekleidung an (H- und für sich als nicht allzu schwer. Die Kugel hatte allerdings den Oberschenkel glatt durchschlagen; aber der Knochen sch'en unverletzt, und auch die Schlagader war glücklichermeise nicht getrossen worden. Trotzdem mußte der B.utveriust sehr beträchtlich gewesen sein, und die Blutung hatte auch jetzt noch nicht aufgehört. Mit Hilfe seines Hosentragers und der Verbandstreffen, die sich aus einem zemissegen Hemd herstellen ließen, schnürte Raven das Glied kunstgerecht ab. uls er mit seinem improvisierten Verband sertig war, lag der Oberleutnant regungslos und mit geschlossenen Augen. Aber sein Atem ging ruhig, und sein Herz schlug kräftig genug, um die Befürchtung einer unmittelbaren Lebensgefahr auszuAn die verfolgenden Bauern hatte Raven im Eifer seiner Verrichtung kaum noch gedacht. Nun aber mußte er sich wohl aus neue an ihre Existenz erinnern; denn das Geschrei und Gelnall kam ohne Zweiel immer näher.„ 6nde „Der Himmel gebe, daß die Kerle teine Hunde bei sich haben,“ dachte Raven.„Na, was auch kommen mag, billig sollen sie uns beide jedensalls nicht haben.“ seines egenen Bronnings id auch der weiVon den Patronen war noch nicht eine einzige verienert, und Oberlentnant hatte nach dem Gesecht mit dem I decker frisch geladen. Das waren vierzehn Schüne, die einen ent chlossenen Mann wohl in den Stand estten, es mit einer erheblichen Ueberzahl von Feinden auszunehmen. Daß der Pilot trosdem ein St ßgeberiein zum Himmel andte, er möge seine Entdeckung gundig verhindern, geschah wohl weniger als beicher zurcht um das eigene Leben, als um des armen Verwundeten willen, der soviel li.flo,er war als er, und den bis zum legten Atemzug zu verleidigen, er sich heilig vorgesetzt hatte.„ 9 Ob sein Gebet erhort werden wurde? Es geherte schon sehr viel Gettvertrauen da zu, um darauf zu hoften. Denn die Leute, die ieren Wald ja gut genug kennen mußten, schienen geradeswegs auf die Grube zuzukommen. Und dabei begnügten sie sich nicht mit Schreien und Fluchen, sondern trieben eine ungeheuerliche Verschwendung von Munition, mit der sie sehr reichlich ver ehen zein mußten. In den tür gesten Zwichenräumen knallten die offenbar aufs Geratewohl ins Unterholz hineingefeuerten Schüsse, und ein eigentümliches Rascheln und Knacken in dem Strauchwerk über seilem Versteck mußte dem Piloten die Vermutung nahelegen, daß eine verirrte Kuzel auch chon bis hierher ihren Weg gefunden habe. Noch ein paar Minuten, und es gewann geradezu den Anschein, als ob die Verfolger den Schlupfwinkel der Opfer, die ihnen nach menschlicher Voraussicht kaum entrinnen tonnten, regelrecht umzinge#t hätten. Denn die erbosten Stinmen klangen jetzt aus nächster Nähe, so daß Raren deutlich die wüsten Schmähungen verstehen konnte, in denen sich die Leute— es waren auch Weiber unter ihnen— ergingen. Den entsi herten Browning fest in der unverwundeten Rechten, das Auge unverwandt auf die kleine Lücke im Gesträuch gerichtet, die die Stelle ihres Einstiegs in die Grube bezeichnete, kauerte Raven unseweg'ich am Boden, immer darauf gesaßt, im nächten Moment ein spähendes Menschenant itz in dieser Lücke austauchen zu sehen. Aber das kaum zu Erhofsende, das Wunderbare, geschah. Die Bauern dachten entweder nicht an die Fallgrube, oder sie wußten nichts von ihrem Vorhandensein. In unmittelbarer Nähe, so nahe, daß er das Rascheln und Brechen der dürren Zweige unter ihren Füßen hörte, zogen sie rechts und links an Raren und an seinem Schicksalsgenossen vors#ei, und allgemach verhallte der Lärm ihrer Stimmen in der Ferne. Der Pilot warf einen Blick auf den Oberleutnant, den er so bequem zu betten versucht hatte, als die Umstände es eben zuließen. Und er nahm mit Genugtuung wahr, daß das Gesicht des Offiziers noch immer das eines ruhig Schlummernden war. Behutsam überzeugte er sich von der Regelmäßigkeit des nur wenig beschleunigten Pulsschlages; dann lehnte auch er, von einer plotztichen Müdigleit überwältigt, den Kopf gegen die Wand der Grube, und trotz der brennenden Schmerzen in der zerschossenen Hand war er nach Verlauf von laum einer Minute fest eingeschlafen. Die Sonne vollendete ihren Lauf am Himmel, und die Schatten der Dämmerung krochen bereits zwischen den Stämmen des Waldes heran, als Hugo von Raven erwachte. In seinem Zufluchtsort herrichte bereits völlige Finsternis; aber das scharfe Auge des gewöhnte sich rasch an die Dunielheit, und er sah, daß auch sein Gefährte mit offenen Lidern dalag. „Herr Oberleutnant, wie fühlen Sie sich? Kann ich etwas für Sie tun?“ „Nein, Kamerad!“ klang die schwache Antwort zurück.„Und ich fühle mich ganz gut. Der Schlaf hat mich sehr erquickt. Wenn der verdammte Durst nicht wäre, möchte ich beinahe sagen, daß ich es hier ganz behaglich finde.“ „Nun, in einem Walde mit solcher Vegetation muß es doch notwendig auch Wasser geben,“ meinte Raven. „Und ich kann es jetzt wohl ohne besondere Gefahr riskieren, danach zu suchen.“ „Nicht meinetwegen, Herr Raff! Ich habe seit einer Stunde auf Ihr Erwachen gewartet, weil ich Sie bitten wollte, jetzt ernstlich auf Ihre Rettung bedacht zu sein. Wie ich Ihre Findigkeit und Geistesgegenwart beurteile, bringen Sie sich schon durch. Und im allerschlimmsten Fall geben Sie sich eben gefangen. Das Wort hat einen häßlichen Klang für einen Soldaten; aber in dieser Grube zu verkommen, wird wohl schließlich auch nicht das Ziel Ihrer heißesten Wünsche sein.“ „Mit Ihrer Erlaubnis, Herr Oberleutnant,— ich möchte es vorziehen zu bleiben.“ „Und wenn ich Ihnen befehle, die Rückkehr zu unseren Stellungen zu versuchen?“ „Dann, Herr Oberleutaant, verweigere ich den Gehorsam. Ich bin bereit, die Strafe auf mich zu nehmen, die mich dafür treffen kann.“ Der Graf wandte den Kopf zur Seite, ohne ein weiteres Wort zu sprechen, und er erhob auch keinen Einspruch, als Raven sich nun unter größter Schonung seiner wahnsinnig schmerzenden linken Hand wieder an der steilen Grubenwand emporarbeitete. Vorsichtig steckte er den Kopf heraus und lauschte umher. Aber es war außer den wohlvertrauten Stimmen des abendlichen Waldes nichts weiter zu vernehmen als der Donner der Geschütze, die ihre grausige Arbeit noch imnmer nicht eingestellt hatten. Da stieg Raven denn vollends heraus und machte sich auf die Suche nach dem köstlichen Naß, das ihm und dem anderen Erquickung bringen sollte. Der Sturzhelm, den er während der ganzen Zeit auf dem Kopfe behalten hatte, konnte recht wohl als Trinkgefäß dienen, und seine Annahme, daß es hier nicht an Quellen fehlen könne, sand glücklicherweise ihre Bestätigung, ohne daß es dazu allzulangen Suchens bedurft hätte. In einer Lichtung am Waldrande rieselte mit leisem Murmeln ein kristallklares Wässerchen. Aber ehe Raven sich niederbeugte, um zu schöpfen, ließ er den Blick zwischen den hier nur noch locker stehenden Stämmen hindurch in das weite, flache Gefilde hinausschweifen. Von der Dorfschaft, deren Bewohner vorhin Jagd auf sie gemacht hatten, schimmerten traulich einige Lichter herüber, und die unförmige weißliche Masse inmitten der Wiesenfläche war unzweiselhaft sein Apparat, dessen Anblick ihm doch für einen Moment ganz eigen das Herz zusammenschnürte. Wenn er allein gewesen wäre, er würde sicherlich ohne Zaudern versucht haben, sich durch die seindlichen Stellungen zu schleichen— nicht mit dem Hintergedanen, sich im äußersten Notfall zu ergeben, sondern aus dem Gefühl heraus, daß der rasche Tod von einer feindlichen Kugel tausendmal besser war als dies Verstecken und untätige Ausharren in den wildesten Schmerzen, das aller Wahrscheinlichkeit nach ja doch auch nur mit einem qualvollen Hinsterben enden würde. Aber nicht einen Augenblick kam er in Versuchung, das be, reiende Wagnis zu unternehmen. Da er den Oberleutnant nicht mitnehmen konnte, mußte er eben bei ihm ausharren bis zur Erlösung durch die vorrückenden deutschen Truppen, oder, wenn das nicht sein konnte, bis zum bitteren Ende. Zu lange schon hatte er den Schmachtenden auf die Labung harren lassen; konnte er doch an dem Brennen in seiner eigenen Kehle die Größe der Qualen messen, die der andere bereits erduldet haben mochte. Es machte ihn glücklich, das freudige Aufleuchten in dem sonst so ernsten und strengen Gesicht des Grafen zu sehen, als er ihm den bis zum Rande gefüllten Helm, den er mit äußerster Vorsicht in die Grube hinabbefördert hatte, an die Lippen setzen konnte. „Dank, Kamerad!“ flüsterte der Erquickte, nachdem er in langen Zügen getrunken hatte, Raven aber fühlte, daß die Hand, die er ihm dabei reichte, in Fieberhitze brannte. „Sell ich Ihnen eine bequemere Lage verschaffen, Herr Oberleutnant?“ fragte er.„Sie leiden sicherlich große Schmerzen.“ „Es läßt sich ertragen, und ich liege ganz gut. Einen anderen Dienst aber können Sie mir leisten, Kamerad! Nehmen Sie, bitte, die Briestasche hier an sich und sorgen Sie, daß die beiden Briefe, die darin sind, an ihre Adresse befördert werden. Ich habe nämlich noch immer das feste Vertrauen, daß Sie sich lebendig durchschlagen. Und wenn Sie nun schon mal so eigensinnig sein wollen, mich nicht zu verlassen, was Ihnen der Himmel lohnen möge,— länger als bis morgen früh halte ich Sie wohl auf keinen Fall in diesem Loche fest.“ „Das wolle der Himmel nicht, Herr Oberleutnant! — Ich bin ja kein Arzt, so viel aber glaube ich doch gesehen zu haben, daß Ihre Verwundung keine lebensgefährliche ist. Es ist nur die Erschöpfung durch den Blutverlust, die dem Herrn Oberleutnant jetzt so schwarze Gedanken eingibt.“ Ein wehmütiges Lächeln huschte um die Lippen des Grafen; aber er setzte das Gespräch nicht fort. Und erst nachdem Raven auf sein wiederholtes Verlangen die Brieftasche an sich genommen hatte, begann er von neuem: „Wissen Sie, was ich während der letzten Stunde mit ziemlicher Gewißheit festgestellt zu haben glaube? Der Geschützdonner kommt aus erheblich größerer Nähe. Unsere Batterien müssen ihre Stellung gewechselt haben und weiter vorgerückt sein. Es wäre schön, wenn ich mit dem Bewußtsein dahingehen dürfte, daß wir abermals gesiegt haben.“ Raven hatte zwar eine ähnliche Wahrnehmung nicht gemacht, aber da es jetzt auf eine kleine Notlüge wahrlich nicht ankommen konnte, versicherte er, daß auch er den nämlichen Eindruck gehabt habe. Und dann fing er ganz unvermittelt an, eine lustige Geschichte zu erzählen, wobei er nur hier und da für Sekunden eine unfreiwillige Pause machen mußte, wenn der Schmerz in seiner unförmig aufgeschwollenen Hand ihn zu überwältigen drohte. Als er dann mit einem ganz natürlich klingenden Lachen geendet, schob sich der Graf etwas näher zu ihm heran und sagte: „Wollen Sie mir auf eine ehrliche Frage ehrliche Antwort geben, Kamerad? Sie haben sich, wie ich weiß, als Kriegsfreiwilliger gemeldet mit der Angabe, daß Sie nie Soldat gewesen seien. Und wegen Ihrer Eigenschaft als Flieger hat man Sie eingestellt, obwohl Sie angeblich Ihre Papiere nicht sofort beschaffen konnten. Ist da— ist da nicht ein bißchen Schwindel mit untergelaufen, Unteroffizier Raff?" „Zu Besehl, Herr Oberleutnant! Es war Schwindel!“ „Dacht' ich mir's doch! Sie haben gedient?“ „Ja.“ „Und im deutschen Heere?“ „Zu Befehl, Herr Oberleutnant!“ „Als Offizier?“ Hugo von Raven zauderte wohl für einen Moment. Dann aber bejahte er freimütig. „Und wo?“ „Beim.... Infanterie=Regiment.“ (Fortsetzung folgt.) 3 M u □ S 8 6 Denkspruch. ich fühle wohl, wie alle fremden Sitten schädklich wirnen. Sie haben nichts für den Geilust unserer alten, hei igen, heulichen Gebräuche zu bieten. Ludwig Richter. Die höhere Pflicht. Novellette von Fritz Gautzer. (Nachdruck verboten.) „Wenn du dich nun einmal darauf versteift hast, dem Zuge deines Herzens folgen zu wollen, und du so fest überzeugt zu sein behauptest, diese Wahl bedeute das Glück deines Lebens, so wollen wir dir nichts in den Weg legen, lieber Junge. Ich selbst schätze Annemarie Reimarus sehr. Während des halben Jahres, in dem sie meine Gesellschafterin gewesen ist, habe ich ihren edlen Charakter, ihren feinen Takt, ihre Herzensbildung zur Genüge kennen gelernt. Ihre Armut wiegt die gu.e Herkunft vollkommen auf, und ihre Schönheit wirst du gern mit in den Kauf nehmen.“ Die Regierungspräsidentin lächelte fein und fuhr dann fort:„E gentlich hätte ich bei der Wahl meiner Gesellschafterin damals vorsichtiger sein sollen. Ich hätte mir denten können, daß soviel Schönheit und Anmut meinem großen Jungen gefährlich werden mußten.“ Eberhard Garding küßte die Hand seiner Mutter. „Ich hoffte auf eure Zustimmung,“ sagte er warm, „und ich danke euch. Möge mir nun das Glück auch bei meiner Werbung hold sein.“ „Du bist noch ganz im ungewissen?“ fragte die Präsidentin gespannt. „Ich glaube auch bei der Hauptperson hofsen zu dürfen,“ entgegnete der Assessor glücklich lächelnd. Am Abend dieses Tages schrieb Annemarie ihrer Mutter, der guten, einsachen Frau, die in einem Städtchen Thüringens von ihrer schmalen Witwenpension lebte, daß sie Braut sei. Aus jeder Zeile sprach ein tieses, großes Glück, und jedes Wort prägte der unendliche Jubel ihrer freudezitternden Seele. Und die Mutter solle kommen. Bestimmt kommen. Alle bäten darum. Uebermorgen, so habe man beschlossen, solle die Verlobung bei einem schon seit Wochen festgesetzten Hausballe bekanntgegeben werden. Ach, Annemarie sah im Geiste die feuchten, srohleuchtenden Augen ihrer Mutter, wenn sie diesen Brief lesen würde. Sie wäre am liebsten selbst zu ihr geeilt, um ihr zu erzählen, wie unendlich glücklich sie sei. Aber da das nicht anging, mußte schon das geschriebene Wort reden und das tote Stück Papier ein jubelndes Lebensglück in die einfache Stube der Pastorwitwe tragen. Wenn die Gute, Treue doch kommen möchte! Das war der erste heiße Wunsch Annemaries als junge Braut.... Er schien sich ihr nicht erfüllen zu sollen. Keine Nachricht während des ganzen übernächsten Tages, die das Kommen der Mutter angezeigt oder doch wenigstens eine Antwort auf den Brief gebracht hätte. Bis in den sinkenden Abend hinein wartete Annemarie in fieberhafter Erregung. Dann erlosch jede Hoffnung, und mit einem schmerzlichen Seufzer der Enttäuschung fügle sie sich endlich in das Unabänderliche. So mußt: sie ohne die Mutter glücklich sein. Diese Gewißheit betrübte sie aufrichtig. Aber sie wäre undankbar gewesen, wenn sie diesem Gefühl so viel Raum in ihrer Seele gegeben, daß es alles andere überwuchert hätte. Nein, das sollte nicht sein. Das große Glück verlangte eine volle, ganze Freude, die auch eine herbe Enttäuschung ertrug. Strahlend, mit glänzenden Augen und pochendem Herzen schmückte sie sich für ihn. Wie sie ihn liebte! ,, e s w ä r e n i c h t a n d e r s g e w e s e n, w e n n e r a l s g a n z einfacher Mann in bescheidener Steilung in ihr Leben getreten. Solche Menschen, wie Eberhard Garding einer war, mußte man lieben. Der große, bis zum Fußboden reichende Wandspiegel warf ihr Bild in strahlender Schöne zurück, als sie, vor ihm stehend, eine letzte Prüfung ihrer Toilette vornahm. Das schlichte weiße Kleid floß an dem wundervollen Ebenmaß ihrer Glieder herab und hob gerade in seiner Einfachheit den eigenen Reiz: ihrer Schönheit und brachte ihn zur vollen Geltung. Als einziger Schmuck glühte nur die purpurne Blüte einer halberschlossenen Rose in dem Ausschnitt des Kleides. Sie nickte ihrem Spiegelbilde leise lächelnd zu. Eberhard würde mit ihr zufrieden sein. Sie wußte, daß er auch die Einfachheit liebte. Ueberhaupt harmonierten sie in ihren Anschauungen. Davon war Annemarie überzeugt. Und gerade der Gedanke, einem Menschen sich zu eigen gegeben zu haben, mit sie eine seelische Verwandtschaft verband, machte sie so namenlos glücklich. Ihre ganze Zukunft war nun ein einziges sonniges Land. Sie dachte es in einer Aufwallung dankbaren Gefühls und in der ganzen Seligkeit ihres jungen Glückes... Da pochte es. Eberhard?.. Freudestrahlend Jief sie zur Tür und öffnete. Ach, nur Babette, die Jungfer der Präsidentin. „Eine Depesche für Sie, Fräulein Reimarus.“ „Eine Depesche für mich?“ fragte sie tonlos, im Gefühle einer plötzlich in ihr aufsteigenden Angst. Ihre Hände zitterten, als sie das Telegramm nahm. Dann zwang sie sich, ruhig zu sein. Sie dankte freundlich und zog die Tür zu. Weshalb die Angst? Ganz gewiß nur die Segenswünsche der Mutter und die bedauernde Nachricht, nicht selbst kommen zu können. Ganz gewiß. Nun öffnete sie, erleichtert aufatmend und doch mit einer Hast, als glaube sie ihren beruhigenden Vermutungen selber nicht. Alle Buchstaben der wenigen Worte rannen wie Irrlichter durcheinander, als sie las. O Gott, das war nicht möglich, was ihr diese Nachricht sagte! Und doch, da stand's! Jedes Wort sah sie plötzlich in erschreckender Klarheit und Deutlichkeit. Und wie, um es zu glauben, murmelten ihre zitternden Lippen: „Deine Mutter plötzlich lebensgefährlich erkrankt. Tante Agathe.“ Lebensgefährlich! Das eine Wort packte sie und riß an ihrer Stele, wie ein Sturm die Bäume beben macht. Es wirkte wie ein betäubender, unerwarteter Schlag— uund es wies ihr dann in ruhiger Klarheit auch das, was sie nun tun mußte. Sie sah nach der Uhr. In wenigen Minuten sieben. Mit nervöser Hast blätterte sie im Kursbuch — der nächste Schnellzug ging in einer halben Stunde. Wenn sie sich beeilte, konnte sie ihn noch erreichen. Nach fünf Minuten hatte sie das weiße Kleid schon mit dem Reisekostüm vertauscht. Noch den Hut feststeckend, eilte sie die Treppe hinab. Die ganze Flucht der Zimmer im unteren Stockwerk war bereits erleuchtet. Draußen rollte schon der erste Wagen vor. Aufgeregt fragte sie den gerade durch das Vestibül gehenden Diener, wo Eberhard sei. Da kam er ihr schon entgegen. Seine Augen starrten sie an. Sein ganzer Ge8 Wilhelmine geb. Isken im Alter von 72 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Angehörigen. Schwerte, Hörde, Natzungen, Soest und Hagen, den 10. März 1915. Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 6½ U Bismarckstr. 12, aus statt.— Sollte jemand aus icht erhalten, so diene diese als solche. Die Verstorbene,„war Mitglief des Marienvereigs. Kath. „St. Stephanus“. Jur Beerdigung des verstorbenen Kollegen Selrwerte Modenhaus treten die Mitglieder Sonntag. den 14. ds. Mis. nachmittags 3 Uhr am Marien=Hospital an Beteiligung ist Ehrenpflicht eines jeden Mitgieds. 1278 Der Vor Gutsverwalter im Alter von 37 Jahren heute morgen um 1½ Uhr im evang. Krankenhause zu Schwerte gestorben. Wir betrauern den jähen Tod dieses langen, pflichttreuen Beamten und werden demselben stets das beste Andenken bewahren. 1270 Adolph Overweg u. das gesamte Gutspersonal Reichsmark. Reichsmark, den 12. März 1915, Separat-Eingang für die Putzabteilung Haselackstrasse feiner Herren-Anzüge von 55 Mk. an, eleganter Damen-Kostüme. Grosses Stofflager zu alten Preisen. Ernst Müller — Ostenstrasse 18.— Brustleidende hemmt die Euch drohende Gefahr! dats ein jeierts Keuchen durch Vernac läss gunz zu## erns lichen Folgen Veran. MASGEPE lassung geben kann! L rnet ein enen, dass es ein kräfe beriren ueiet zur Entlernung des auf der Brust festsitzenden zähen Sch eimes, ein Mittel, das Nen Kuttenlindernhommen und damit häufig schweren Folsen vorbeu#en wird. Das mittel, das Sie wässen uog... 10ch heute— scfort Kinder! 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