85 S SE = 5 5 S S S Sps S 8ag B#0 S 8 3 8 5 a 5 95 0 B 8 S— E. S= S S 9 5 8 • 8 2.* # S S 9— 2• g SSE — # 5 8 De Sdumm Zeiuer erchon uanch außer Feiertags. Bezugspreis M. jährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Illustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhallungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaitene Petttzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Reklamezeile 40 Psg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabakt u. erlisch: bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Robsachnad ermatt-Settingchellogtee Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung 1 Verbunden mit: führ den tchels we Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerker Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt All deter und ichalgntegrüiche nungen für den Kreis Hörde erlangen gemöt Behanntmachung der Königlichen Regierung durch Veröffentlichung in dei„Schwerter Zettung" rechtsverbindliche Kraft.— Die Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adonnen= ten für jeden mit Tod endenden Unfall gebugzungen“: 300 Mk. Unfall: Druckhu Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Ruhr Poto t.- Seiem Alt. Srasshanne cch Nr. 54. Freitag, den 5. März 1915. 47. Jahrgang. bb Kopenhagen, 5. März. Wie der Petersburger„Rjetsch“ aus Toilo meldet, hat das japanische Oberhaus einstimmig die von der Regierung gesorderten Kriegskredite in Höhe von 890 Millionen Vens bewilligt. Der Minister des Aeußeren gab auf Anfrage die Erklärung ab, daß die Regierung auf die Annahme ihrer Vorschläge durch China unbedingt bestehe und daß man verhindern müsse, daß an Stelle des aus China entfernten Deutschland möglicherweise andere Mächte Japan die Tür der Expansion zuschließen könnten. Der Schutz der wirklichen Interessen Chinas sei der einzige Zweck der japanischen Vorsichtsmaßnahmen. (Die Japaner haben im Punkte der Heuchelei viel von den Engländern gelernt; ob das diesen aber angenehm sein wird, ist eine ganz andere Sache.) Ehilia! Ein deutscher Sieg bei Arras. Einspruch Amerikas und Frankreichs gegen die japanischen Forderungen. bb Die„Köln. Ztg.“ meldet von der holländischen Grenze: Nach dem„Neuyork Herald“ wird die Regierung der Vereinigten Staaten in Tokio gegen die von Japan an China gestellten Forderungen Einspruch erheben. In der Pariser Ausgabe dieses Blattes wird mit Ermächtigung der französischen Regierung erklärt, daß auch Frankreich diese Forderungen nicht gut heiße. Großes Hauplquartier, 4. März 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. Ein französischer Munitionsdampfer, für Nieuport bestimmt, fuhr aus Versehen der betrunkenen Mannschaft Oslende an. Er erhielt dort Feuer und sank; die verwundete Besatzung wurde gerettei. Auf der Loreklo=Höhe, westlich von Arras, setzten sich unsere Truppen gestern früh in den Besitz der feindlichen Stellung in einer Breite von 1600 Mtr. 8 Offizierekund 558 Franzosen wurden zu Gefangenen gemacht, sieben Maschinengewehre und sechs kleine Geschütze erobert. Feindliche Gegenangriffe wurden nachmittags abgeschlagen. Erneute französische Angrisse in der Champagne wurden leicht abgewiesen. Ein französischer Vorstoß westlich von St. Hubert in den Argonnen mißlang. Im Gegenangriff entrissen wir den Franzosen einen Schützengraben. Auch im Walde von Cheppy scheiterte ein französischer Angriff. Eire der letzten Eiffelturm=Veröffentlichungen brachte die Nachricht, daß eine deutsche Kolonne leim Morsch über die Höhen von Tahute mit Erfolg beschossen sei. Wir müssen die ausnahmsweise Richtigkeit dieser Nachricht bestätigen. Kolonne bestand aber aus abgeführten französischen Gefangenen, unter denen ein Verlust von 38 Token und 5 Verwundeten eintrat. Oestlicher Kriegsschauplatz. Russische Angriffe nordwestlich Grodno gerieten in unser flankierendes Artilleriefeuer und scheiterten. Auch nordwestlich Lomza brachen die russischen Angriffe unter schweren Verlusten zusammen. In der Gegend südlich von Mysziniel und Chorzole sowie nordwestlich Pracsnicz erneuerten die Russen ihre Angriffe. Auf der übrigen Front keine Veränderung. Oberste Heeresleitung. Blutige Verluste der Russen. Der Kampf um die Dardanellen. Stockholm, 4. März. In der„Rjetsch“ vom 25. Februar heißt es in einem Leitactikel, daß eine Neutralisierung(der Dardanellen und des Bosporus) für Rußland die am wenigsten vorteilhaste Lösung sei und daß Rußland dazu sein Einverständnis nicht geben werde. Es verlangt strategische Maßregeln, welche eine solche Möglichkeit ausschließen. Zwar ist die Zeitung dankbar für den Einsatz des französisch=englischen Geschwaders, aber im entscheidenden Augenblicke müßten die Russen selber mit dabei sein. Es geht aus sich selbst hervor, schreibt das Blatt, daß dem unmittelbaren Eingreifen unserer Streitkräfte bei Enaktion vor Konstantinopel große Bedeutung beigemessen werden muß, nicht nur strategisch, sondern auch politisch. Die Entscheidung über das Schicksal des Sundes ist für uns zu wichtig und zu verwickelt, als daß wir irgendeine Lage annehmen könnten, die nicht zu unserem Vorteile ausfiele. Schwierigkeiten im Zusammenhange damit werden natürlich in einem solchen Maße entstehen, wie die Entscheidung sich nähert. Kopenhagen, 4. März.„Politiken“ schreibt: Für Rußland sei die Aufhebung der Dardanellensperre eine Frage von entscheidender Bedeutung. Rußland müsse Luft bekommen, um Kriegsbedarf, namentlich Munition und andere notwendige Artikel zugeführt zu erhalten und die kolossalen Kornvorräte, die sich in Odessa und in anderen Hafenstädten anhäuften, auszuschiffen. Andererseits bedürsten fast alle anderen Länder des Weizens und Roggens. Italien, Frankreich und England wünschten sehnsuchtsvoll, Rußland seine übervielen Kornvorräte abzukaufen. Eines der größten Ernährungsprobleme des Krieges werde für die Dreiverbandsmächte und die neutralen Staaten gelöst sein, wenn die Freimachung russischer Kornvorräte gelinge, so daß Amerika nicht mehr als einziger Verkäufer alle Bedingungen vorschreiben könne. wtb Wien, 5. März.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: An der Biala, südöstlich Zakliczyn, wurden gestern vorgehende russische Truppen nach blutigem Kampfe zurückgeworfen. Beiderseits des Latorcza=Tales und auf den Höhen nördlich Cisna dauern die Kämpfe stellenweise auch nachts an. Ueberall, wo es unseren Truppen gelang, Raum zu gewinnen, unternahm der Feind wiederholt Gegenangriffe, die stets blutig zurückgeschlagen wurden. Besonders entlang der Straße von Baligrod versuchten die Nussen während des dichten Schneegestöbers mit starken Kräften vorzustoßen. Der Angriff, der bis auf die nächsten Distanzen herangekommen war, brach schließlich unter großen Verlusten des Gegners in unserem Geschützund Maschinengewehrfeuer vollkommen zusammen. An den übrigen Fronten keine wesentliche Veränderung, nur Geschützkampf. Vor Przemysl herrscht Ruhe. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Die Hartung Grattenr. artaesetzt, aber die italierische Reoi bb Rom, 5. März. Die dem Vatikan nahestehende„Correspondenza“ bringt heute eine eindringliche Not zu internationalen Lage. Alle Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung seien noch nicht geschwunden. Der Meinungsaustausch zwischen den europäischen Kabinetten werde sehr energisch fortgesegt, über die ktattenische Regierung werde auf keinen Versuch verzichten, dem Lande den Krieg zu ersparen. Sie sei bereit, ohne jedes Zögern jeden Schritt zu tun, den die Ereignisse und der Willen des Landes von ihr fordern. Mißerfolge der Verbündeten vor den Dardanellen. tu Konstantinopel, 4. März. Das Hauptquartier teilt mit: Die seindliche Flotte beschoß gestern drei Stunden lang erfolglos die nellen. Durch das wirksame Feuer unserer Batterien wurde sie gezwungen, sich zuülzuziehen. Gleichzeitig beschoß eine feindliche Flotte aus vier französischen Kreuzern und einigen Torpedobooten ohne jedes Ergebnis unsere Stellungen am Golfe von Saros. Unsere Flieger bombardierten erfolgreich die seindlichen Schifse. In Jrak, in der Gegend von Anos, wurde nach einem Gefecht zwischen zwei Schwadronen englischer Kavallerie, welche Maschinengewehre mit sich führten, und unseren Aufklärungskolonnen der Feinz zur Flucht gezwungen. Er ließ 50 Tote und eine Menge Wassen und Munition auf dem Kampfplatze zurück. Zurückgewiesene englische Minensucher. bb Berlin, 4. März. Der Konstantinopeler Vertreter der„B. Z. am Mittag“ schreibt vom Kriegsschauplatz aus den Dardanellen vom 2. März: Heute nacht wurden wir durch Kanonendonner aus dem ersten Schlaf gestört. Wie eilten nach dem Forts, wo wir erfuhren, daß mehrere englische Minensucher in der märchenhaft schönen Mondscheinnacht den Versuch gemacht hatten, in die Meerengen einzudringen, um sich dem Minenfelde zu nähern. Sie waren sofort bemerkt worden, man ließ sie aber so weit vorrücken, bis sie von den Batterien auf beiden Seiten unter Feuer genommen werden konnten. Sobald die Schiffe sich entdeckt sahen, traten sie blitzschnell den Rückzug an, den ein am Eingang der Dardanellen liegendes englisches Kriegsschiff durch sein Feuer zu decken suchte. Noch vor Mitternacht war wieder völlige Ruhe eingetreten. Bis zur Stunde ist das Vombardement nicht wieder aufgenommen worden, vermutlich wegen des starken Südwindes. Erneute ersolglose Beschießung der Dardanellen. wtb Konstantinopel, 5. März. Das Hauptquartier teilt mit: Ein Teil der feindlichen Flotte beschoß vorgestern eine halbe Stunde ergebnislog einige unserer Batterien der Dardanelleneingänge. wtb Konstantinopel, 5. März. Ueber das vorgestrige Bombardement der Dardanellen telegraphiert der dortige Korrespondent der „Agence Milli“: Vier feindliche Panzerschiffe, umgeben von mehr als zehn Torpedobooten beteiligten sich an dem Bombardement, ohne irgendwelchen Schaden bei den Batterien, die das Feuer sofort erwiderten, anzurichten. Die feindlichen Schiffe entfernten sich wie gewöhnlich. Vier französische Panzerschiffe gaben eine Anzahl Schüsse gegen Bulair ab, trasen aber nur die englischen Grabstätten, die sich dort bekanntlich seit 1854 befinden. Der Blocade=Krieg gegen England Rotterdam, 4. März. Infolge des deutschen Unterseebootskrieges liefen, einer„Courant“= Meldung zufolge, aus den englischen Häfen in letzter Woche nur 174 Schiffe aus, gegenüber 830 in der ersten Februarwoche.— Man sieht also, daß die deutschen Unterseeboote doch wirken, wenn auch nur durch ihre Anwesenheit. wtb Berlin, 4. März. Zu den gestern veröffentlichten Noten sagt die„Post": Ausgehungert sollte Deutschland nach der Absicht der Engländer werden. Weder die amerikanische, noch die deutsche Regierung kann annehmen, daß England sich ernstlich darauf einlassen werde, die Lebensmittelzufuhr nach Deutschland unter gewissen Voraussetzungen freizugeben und auf den Aushungerungskrieg zu verzichten. Das deutsche Volk hofft auf keine Verständigung mit England, es hofft, daß der Krieg, wie er am 18. Februar begonnen hat, fortgesetzt und durchgeführt werde. Die erfolgreiche deutsche Blockade Englands. Haag, 4. März. Alle Nachrichten, daß die deutsche Blocade Englands keine Unterbrechung des englischen Schiffahrtsdienstes zur Folge habe, sind frei erfunden. Alle englischen und französischen Blätter kommen in Holland jetzt nur noch in wenigen Exemplaren und mit Verspätungen von drei bis vier Tagen an, trotzdem aber noch sehr unregelmäßig. und häufig bleiben sie aus. An manchen Tagen besteht zwischen Boulogne, Calais und England überhaupt kein Passagierverkehr, und nur Torpedoboote besorgen den Postverkehr in beshshalten Anfonge. Fünf überfällige englische Dampfer. bb Hamburg, 4. März. Nach hier gelangten Meldungen sind folgende 5 Dampfer als überfällig bei Lloyds in London angeschlagen: Dampfer „Therese Heymann“ von Tyne nach Savonna, „Cygnus“ von Grimsby nach der Nordsee,„Niggem“ von Alexandrien nach Barzelona,„Ashdene“ von London nach Tyne und„Elenmorgan“ von Tyne nach Livorno.„Ashdene“ wurde zuletzt am 3. Februar vor dem Heimber gesehen. Noch ein englischer Dampfer vermißt. tn London, 5. März. Lloyds Bureau erhält aus Chile die Mitteilung, daß der englische Dampser„Ramilton“ vermißt wird. Man glaubt, daß er einem Angriff des deutschen Hilfskreuzers„Prinz Eitel Friedrich“ Ende Januar zum Opfer gefallen ist, wie bereits im Dezember vorigen Jahres das französische Segelschiff„Jean" und' der englische Segler„Kidalton". Neuer Erfolg deutscher U=Boote. wtb Bremen, 5. März. Der Kapitän des amerie kanischen Dampfers„Golflight“ kam gestern morgen in der Weser mit einer Ladung Baumwolle an Der Kapitän berichtet, er habe im Kanal gesehen, wie zwei Frachtdampfer— der eine mit einer Ladung Reis, der andere mit einer Ladung Kohle— von einem Unterseeboot torpediert wurden und in die Luft flogen. Von dem Loisen, der das Schiff vor dem Erreichen der deutschen Hoheitszone führte, wurde ihm dringend empfohlen, unmittelbar bei Borkum vorbeizusteuern. Der Kapitän hatte aber keine Lust, das Schicksal des„Evelyne“ und des „Carib“ zu erleiden und fuhr entsprechend der deutschen Weisung nördlicher, so daß er den Minen entging. Eine Blockade Deutschland= unmöglich. bb Christiania, 4. März. In hiesigen gut unterrichteten Kreisen wird die Ansicht ausgesprochen, daß die englische Blockade Deutschlands gar nicht effektiv werden könne. Mehr wie England bis jetzt gemacht habe, könne es nicht machen, da ihm dazu jede Gelegenheit und alle Mittel fehlten. Amerika und England. wtb London, 4. März. Nach Meldungen der „Times“ aus Washington ist die verantwortliche Presse in ihren Aeußerungen über die Lage sehr zurückhaltend. Einige Bätter, wie„Philadelphia Ledger“, schelten die Regierung wegen ihrer nutzlosen und vielleicht gejährlichen Einmischung. Einige andere Blätter, wie„Neuyork Tribun meinen, daß alles aufgeboten werden müsse, um die Interessen der neutralen Staaten zu wahren. — Im Repräsentantenhause wurde ein Antrag eingebracht, daß die Neutralen darauf bestehen sollten, daß die Handelsstraßen offenbleiben. Ein Kongreßmitglied mit deutschem Namen forderte die Regierung auf, England 60 Tage Frist zu geben, um seine politischen Handlungen zu ändern, die einen Affront gegen die Vereinigten Staaten bilden. Die Regierung wird sicher enttäuscht sein, daß England ihren Vorschlägen keine Folge gibt. Mangel an deutschen Waren in Amerika. Aus Chicago schreibt ein Mitarbeiter der„Times“: Daß die Deutschen auch etwas anderes erfanden, als Krieg zu führen, das bekommen die Amerikaner hier zu spüren. Man kann große Listen von Bedarfsartikeln aufzählen, die Amerika bisher von Deutschland bezog und die jetzt entweder nicht zu bekommen sind oder aber durch minderwertige ersetzt werden müssen. In den Apotheken sogar ist Mangel an sehr wichtigen Chemikalien. In einzelnen Fällen ist es unmöglich geworden, sie zu liefern, in anderen sind die Preise so stark aufgeschlagen, daß man in solchen Fällen den Leuten irgend etwas in die Hand steckt und auf die Wirkung der Suggestion vertraut. Es fehlen besonders Anilinfarben und Rohstofse für die Textilindustrie, wovon 80 Prozent aus Deutschland geliefert wurden, so daß viele amerikanische Industrien lahmgelegt sind. Andererseits hat gerade dieser Mangel den Scharfsinn der Amerikaner gereizt, so daß jetzt Uhrengläser, Cellulose, Kompasse, Gelatine, weißes Porzellan und manches andere mit Erfolg oder auf mehr oder minder primitive Weise in den Vereinigten Staaten hergestellt werden oder die Herstellung mindestens versucht wird. Deutsch=norwegischer Schiffahrtsverkehr. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Christiania: Die beiden großen norwegischen Dampfschiffs=Gesellschaften, Bergenske und Nordensfjeldske, haben heute beschlossen, ihre Fahrten nach Hamburg einzustellen, dafür eine regelmäßige Verbindung nach Lübeck einzurichten. Die Ostseehäfen der genannten Gesellschaften sollen wie gewöhnlich aufrechterhalten bleiben. Voraussichtlich werden zwei neue Schiffe für den Ostseeverkehr eingestellt werden, doch verlautet, die Kriegsversicherung beabsichtige, den Hamburger Verkehr allgemein zu ise perren und vorläusig keine Fahrten dorthin anzunehmen. Versicherung für Amerikanische Maßnahmen. wib Washington, 5. März. Das Reutersche ##reau meldet: Beide Häuser des Kongresses haden früh Resolutionen angenommen, welche die Regierung ermächtigen, Zollbeamte und bewaffnete eesoldaten bereitzustellen, um die Abreise aller Schiffc jeder Nationalität aus amerikanischen Häfen zu verhindern, so oft man überzeugt ist, daß sie beabsichtigen, Kohlen und Waren an Fahrzeuge Kriegführender zu liefern. Bothas Schuld. u Haag, 4. März. Die hier eingetroffenen südafrikanischen Zeitungen geben interessante Aufschlüsse über Bothas unversöhnliche Haltung und über seinen Entschluß, seine Gegner durch Blutvergießen aus dem Felde zu räumen. In einem der zahlreichen Hochverratsprozesse, die jetzt die Gerichte beschäftigen, in dem Prozeß gegen den Komman danten Wolmarans, sagte der Advokat Meintjes cuis Lichtenburg aus, daß er mit General Beyer eine Unterredung gehabt habe, um ihn zu bewegen, die Maffen niederzulegen. Beyers hielt mit seinen Freunden Kriegsrat und teilte mit, daß unglücklicherweise bereits Blut vergossen worden sei, da die Regierungstruppen auf die Buren unter Beyers schossen. Dieser hatte seinen Leuten Beehl gegeben, nur zur Selbstverteidigung von der Waffe Gebrauch zu machen. Trotzdem wollten Beyer= und seine Freunde die Waffen niederlegen, falls die Regienung den Führern Straflosigkeit zu sicherte und den Feldzug gegen Deutsch=Süd=West nur mit Freiwilligen zu führen sich verpflichtete. Portugal vor ernsten Ereignissen. Madrid, 4. März. Die Erregung in Portugal nimmt täglich zu: Die royalistische Agitation gewinnt große Ausdehnung. In den öffentlichen ugspielhallen wurden die zum Vortrag gebrachten republikanischen Lieder ausgepfiffen. Auf den Straßen ist es bereits häufiger zu Zusammenstößen zwischen den Truppen und der Bevölkerung gekommen. Man erwartet ernste Ereignisse. —— Dei dirien Krr Die Kämpfe um Warschau. ien, 4. März. Petersburger Berichte betonen, daß die Kämpfe in Polen und Galizien ungemein erbittert und verlustreich seien. Die Unbilden der Witterung erschwerten die Gefechtsaktionen sehr. Nowogeorgiewsk werde von den Teutschen mit den schwersten Geschützen angegrifsen, und die Festung werde sicherlich in nicht geringe Gefahr geraten. Dadurch gestalte sich auch die Lage für Warschau heikler. Die Lage in Przemysl. bb Ofenpest, 4. März. Nach einer Meldung des„Az Est“ veröffentlichte die Londoner„Morningpost“ einen Artikel über die Lage in Przemysl, worin bestätigt wird, daß sich die Nussen bei der Belagerung der Festung ziemlich untätig verhalten und keinen Sturmangriff unternehmen. Mit Lebensmitteln ist Przemysl nach den teilungen dieses Blattes zur Genüge versorgt. Bisher befinden sich in der Festung rund 5600 russische Gefangene. Die große Karpathenschlacht. wb Wien, 4. März. Der Kriegsberichterstatter des„Fremdenblattes“ meldet über die Karpathenschlacht: Gestern wurde auf der ganzen Front von nordwestlich Czernowitz bis westlich Duklapaß andauernd heftig gekämpft. Südlich des Dnjestr hat sich unsere kühn angreifende Infanterie bereits sestgebissen und läßt nicht locker. Am Lupkowpaß lämpfen in meterhohem Schnee deutsche und österreichisch=ungarische Truppen mit einer Energie, die den Wetter= und Terrainschwierigkeiten trotzt. mentlich in den überraschenden Nachtangriffen leisteten die dautschen Truppen, die jetzt immer mehr den Anforderungen des ihnen bisher nicht vertrauten Gebirgskrieges gerecht werden, wunderbares.— Ueber die Höhen des Uszokerpasses drangen unsere Truppen nach Galizien ein und bieten den verzweifelten Bemühungen des Feindes die Stirn. In der Duklasenke setzte gestern nach wöchentlichem, ohne besondere Beunruhigung von den Russen geführtem Positionskrieg gleichfalls ein harter Kampf ein, der indes den Feind um keinen Meter vorwärts brachte. Die Stanislauer Schlacht, die noch immer nicht vollends entschieden ist, brachte uns gestern wieder einige Vorteile. Die Wirkung unserer schweren Haubitzen auf die übrigens ausgezeichneten Stellungen der russischen Artillerie macht sich verheerend fühlbar. Trotz der großen Opfer an Menschenmaterial machten die Russen keinen einzigen Fortschritt in den Karpathen. Trügerische Hoffnungen Rußlands und Englands. Köln, 5. März. Wie die„Köln. Ztg.“ erfährt, erwies sich die Hoffnung der Russen und Engländer, daß Archangelsk und das Weiße Meer infolge des ungewöhnlich milden Wetters früher als gewöhnlich offen sein werde, als trügerisch. Im Norden Rußlands hat erneut eine scharfe Kälte eingesetzt. In Archangelsk herrscht 20 Grad unter Null. Stürmische Geheimsitzung der Duma. wtb Paris, 5. März. Die hiesige russische Sozialistenzeitung„Masche Slowo“ meldet einiges über den Inhalt der geheimen Sitzung der Duma, in der Sassonow mit den Abgeordneten die Friedensbedingungen und die Möglichkeit innerer Reformen in Rußland erörterte. Sassonow erklärte, die Regierung wünsche nicht irgend etwas von Deutschland abzutrennen. Sie wünsche nur Galizien und die Dardanellen. Die Abgeordneten, hauptsächlich die Kadetten, bestanden darauf, daß Rußland die Dardanellen erwerbe. Was die inneren Reformen anlangt, so erklärte Maklakow, daß die Regierung keinerlei Konzessionen zu machen gedenke. Die Abgeordneten sprangen bei diesen Worten von ihren Stühlen auf und es war nötig, die Sitzung zu unterbrechen. Nach der Pause versuchte Goremykin beruhigende Erklärungen abzugeben. In der Gesellschaft und bei den Kadetten wird die Haltung Goremykins dahin gedeutet, daß er beabsichtige, zu dem Stolypinschen Kurse zurückzukehren. nissen gewährleisten soll. Außerdem brachte er einen Gesetzentwurf über die militärischen Vorbebereitungen aller Staatsbürger ein, die auus allerhand Ursachen in ständigen Kadres nicht gedient haben. Paragraph 1 dieses Vorschlages lautet: Dem Kriegsminister wird gestattet, periodisch zu 45tägigen Waffenübungen alle bulgarischen Staatsbürger vom 21. bis einschließlich 50. Lebensjahr einzuberufen, die tauglich zum Truppen= oder Nichtkombattantendienste sind, oder aus verschiedenen Gründen den Waffendienst unter der Fahne nicht geleistet haben, damit sie die unumgängliche Kriegsausbildung erhalten. Wachsende Bennruhigung in Persien. wb Moskau, 4. März. Der Korrespondent des „Golos Moskwy“ meldet aus Baku: Die dortigen Handels= und Industriekreise sind sehr besorgt durch die Massenabreise persischer Arbeiter aus Baku. Die Leute verlassen ihre Beschäftigung, verkauften ihre spärliche Habe, und kehrten in die Heimat zurück. Es laufen unter ihnen die unglaublichsten Gerüchte um. Die Vorkommnisse mit den Muselmanen in Kars, die einen sehr strengen Befehl der obersten Verwaltung zur Folge hatten, erhöhten noch den Schrecken unter den persischen Arbeitern. Man versucht, sie zu überzeugen, daß ihnen keinerlei Gefahr drohe, um sie in Baku zu halten. Kriegsvorbereitungen in Bulgarien. bb Sofia, 5. März. Der Kriegsminister brachte in der Sobranje einen Gesetzesvorschlag über die Kriegszensur mit sehr strengen Einschränkungen ein, die die gute Gewährung von KriegsgeheimPreußischer Landtag. (105. Sitzung vom 4. März.) Der Entwurf über die Niederschlagung von Un tersuchungen gegen Kriegsteilnehmer wurde in zweiter und dritter Lesung verabschiedet. Beim Justizetat wies Justizminister Beseler auf die große Zahl der Einberufenen aus dem Bereich der Justizverwaltung hin und betonte, daß bei Neuanstellungen die Verheirateten und im Felde Stehenden besonders berücksichtigt würden. Darcuuf wurde Schluß der Debatte beschlossen, worauf Abg. Liebknecht(Soz.) bedauerte, daß er dadurch verhindert sei, das Verfahren gegen seine Freundin Rosa Luxemburg zu besprechen. Beim Etat der Ansiedelungskommission erklärte Landwirtschaftsminister v. Schorlemer zur Brot srage, daß die Herabsetzung der Rate von 225 auf 200 Gramm sich mur auf Mehl bezöge; bei dem Hinzukommen von 10 Prozent Kartoffeln und den übrigen Materialien bedeute das in Wirklichkeit 290 Gramm Brot. Bei der jetzigen Einschränkung besteht die volle Sicherheit, daß wir durchkommen und von der zurückgelegten Reserve noch etwas er übrigen würden. — Neuregelung der Broiversorgung wtb Berlin, 4. März. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ berichtet über die Regelung der Brotversorgung: Am 9. Februar hatte die Reichsverteilungsstelle vorläusig einen Betrag von 225 Gramm Mehl auf den Kopf und den Tag im Deutschen Reich festgesetzt. Inzwischen haben zahlreiche Kommunalverbände die Regelung der Brotversorgung in ihrem Bezirk durchgeführt und haben hierbei teilweise, wie Frankfurt a. M., einen Satz von 200 Gr. zugrunde gelegt, der nach den Unter suchungen namhafter Hygieniker im Durchschnitt als ausreichend anzusehen ist. Einzelne Bundesstaaten, wie Württemberg, haben für ihr ganzes Land einen Satz von 200 Gramm vom 10. März 2915 an bestimmt. Die Ermittelung der Getreideund Mehlvorräte vom 1. Februar 1915, deren Ergebnisse nunmehr vorliegen, würden an sich eine Beibehaltung des Mehlsatzes von 225 Gramm rechnerisch zulassen. Es erscheint aber geboten, nicht alle verfügbaren Getreidemengen bis zur nächsten Ernte aufzubrauchen, sondern für eine angemessene Rücklage zu sorgen, dann werden wir für alle Zufälligkeiten gewappnet sein und bei Beginn des neuen Erntejahres noch über so viele Vorräte verfügen, daß sich der Uebergang in die neuen Ver hältnisse ohne Störung vollzieht. Um diese Rücklage sicherzustellen, beschloß die Reichsverteilungs stelle, künftig allgemein im Deutschen Reich den Tageskopfbetrag auf 200 Gramm Mehl zu messen. Die Kommunalverbände werden sofort die erforderlichen Einrichtungen zu treffen haben, um die Brotversorgung ihrer Bevölkerung nach diesem Satz zu regeln, damit spätestens am 15. März 1915 die Neuordnung überall durchgeführt ist. Sie wird Ehre und Lieve. Roman von Käthe Lubowski. 33 Täglich, sobald der Abend nahte, ist er in der schweren Zeit zu ihr gekommen, hat an ihrem Bett gesessen und ihr von tausend kleinen Dingen, die draußen in der lauten Welt vorgingen, erzählt. Zuerst hat sie freilich nur den Schall seiner Worte gehört, ohne ihren Sinn zu verstehen, und seine Nähe wie etwas unendlich Wohltnendes, liches empfunden. Damals schlief ihre Geele und ihr Geist ruhte von den Qualen der lichtlosen Dinge, die weit zurück lagen. Die Vergangenheit war überwunden. Er mußte nun für die Zukunft Kräfte sammeln. Durch die lichte, freundliche Gegenwart, zu der sie jetzt erwacht war, führte ein langer, freundlicher Weg zu dieser Zukunft hinüber. Und auf diesem Wege stand Hans Weddo mit seiner neuen, zielbewußten Manneskraft und half ihr über alle Unebenheiten hinweg, damit sie sich nicht weh Er kam jetzt, nachdem die Gefahr gänzlich vorüber war und sie den ganzen Tag bereits außer Bett zubringen durfte, seltener, aber doch mindestens drei= bis viermal in der Woche. Er schenkte ihr damit Stunden reichen Glückes, an deren Erinnerung sie zehren würde. Alles, was sie an tiesem, reinem Gefühl besaß, gehörte ihm. Sie hatte in der Zeit ihrer Krankheit das Verängstigte, das früher in ihrem Wesen lag, abgestreift. Ihre Kindheit war zu Ende. Früher ließ sie sich schleben, gedankenlos folgend, weil sie zu müde zum Widerspruch war. Heute schob sie sich ihr künftiges Leben so zurecht, wie es ihr am besten dünkte. Sie wollte Schwester werden. Es war keine augenblickliche Begeisterung, wie sie manchmal in diesem Alter kommt, um bei dem ersten, völligen Aufgebenmüssen" des eigenen Ichs zu verfliegen. Sie hatte es lange mit Schwester Ulrike überlegt und lange gezögert, ehe sie dem Bruder ihren Entschluß mitteilte. Nun sie es aber getan hatte, war auch ein fester Wille und eine heilige Begeisterung zu dem Werke der Barmherzigkeit in ihr. Tarenberg billigte ihren Vorsatz durchaus. Daran meinte sie zu erkennen, daß sie mit ihm das Richtige getroffen habe. Der Generalarzt hatte sich dahin ausgesprochen, daß eine weitere, fünfwöchentliche Pflege zu ihrer völligen Herstellung genügen werde. Es war ihm durch persönliche Beziehungen zu Schwester Ulrikes Oberin gelungen, deren Bleiben bis zum Ablauf dieser Zeit zu erwirken. Nora sollte dann, unter Aufsicht und Anleitung der jetzigen Pflegerin, in das Königstetter Mutterhaus probeweise eingestellt werden. Der Sanitätsrat Dunker, der inzwischen längst wieder nach München zurückgekehrt und durch Tarenberg über alle Vorgänge der letzten Zeit unterrichtet war, hatte endlich seine Zustimmung zu dem Plan gegeben. Leicht war es ihm nicht geworden. Die Verantwortung, die er damit auf sich nahm, erschien ihm zu groß. Freilich hielt er es nicht für ausgeschlossen, daß die übergroße Zartheit seines Mündels durch die Krankheit vermindert sein könnte, indem ihr Körper nach der reichlichen Absonderung von schädlichen Stoffen sich nunmehr widerstandsfähiger allen äußeren Einwirkungen gegenüber erzeigte. Für so absolut sicher, wie das sein Trautenberger Herr Kollege hinzustellen beliebte, galt es ihm aber noch lange nicht. Er kannte die Nora Fiedler doch von der Wiege her und hatte sie allzeit als ein überaus interessantes Objekt mit scharfen Augen beobachtet. Dabei hatte er mehr und mehr die Ueberzeugung gewonnen, daß die große, leidenschaftliche Seele des damaligen Kindes auf Kosten des zierlichen Körpers erstarkte. Die Kleine besaß zu viel Innerlichkeit. Dagegen hatten alle Eisenpräparate und Solbäder nichts geholfen, und der Krankheitsfall, mochte er auch zehnmal stande sein, eine Umwälzung im Organismus herbeizuführen, würde es auch nicht gekonnt haben. das Hauptverdienst an dem ihm von Tarenberg geschilderten Aufblühen viel mehr der sie umgebenden Sorgfalt und Liebe zu, deren sie so lange gänzlich entbehrt hatte. Schließlich aber gab er, trotz der ernsthaften Bedenken, seine Einwilligung. Er war ein alter Mann, der nicht mehr so starr wie früher auf seinem Willen beharrte. Ging die Sache schief, konnte er immer noch einschreiten— aber er sollte nicht dazu kommen. Das kleine Häuschen, in dem seine Schwester gestorben war, erwarb er. Die Zimmer der oberen Etage genügten ihm als Wohnung vollständig, und in der unteren richtete er eine Klinik ein, die er dereinst dem einzigen Neffen, der zurzeit sein Assistentenjahr absolvierte, hinterlassen würde. Neugierig war der alte Dunker niemals gewesen. Aber er hätte doch gar zu gern gewußt, wie Nora untergebracht war, und ob eine wirklich geeignete Kraft zu ihrer Pflege zur Verfügung stand. Die letzte Frage konnte mit gutem Gewissen bejaht werden. Schwester Ulrike hatte mit ihrem hingebenden Samariterwerk ihrer Schutzbefohlenen einen wahrhaft großen Dienst geleistet. Sie war niemals müde geworden, die tausend Wünsche der Kranken mit immer gleicher Bereitwilligkeit zu erfüllen, wie sie auch nicht erlahmte, die zahlreichen Fragen nach dem künftigen Beruf zu beantworten. Nur das Heranschaffen des Unterhaltes aus der Stadt hatte ihr zu viel Mühe gemacht. Sie ließ, namentlich in der ersten Zeit, die Patientin ungern allein und vernachlässigte so die Pflege ihres eigenen, durch die anstrengenden Nachtwachen geschwächten Körpers. Wieder war es der Generalarzt Wiedenhöfft, der einen Ausweg fand. Sein alter Diener mußte täglich den notwendigen Vorrat in das Inspektorhäuschen schaffen. Und er tat es gern, weil Tarenberg ihn reichlich dafür lohnte. So hätte man also meinen können, daß die Trautenberger nicht das Geringste von dem Stück Leben, das sich, wenig entfernt von ihnen, abspielte, merkten. Tarenberg war dessen auch eben so sicher, wie der Generalarzt. Sie kannten eben beide die Trautenberger noch nicht lange und gründlich geu.—— Der Wachtmeister Hirse von der fünften Barterie hatte nach dem Wort getan:„Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei.“ Ernahm also ein Weib, dessen hauptsächlichst e Vormittagsbeschäftigung darin bestand, vorsichtig mit der Hand die Gardine zurückhaltend, auf die Straße hinunter zu spähen. Dabei hatte sie gemerkt, daß der Wagen des Generalarztes jeden Morgen um zehn Uhr die Ranschener Chaussee hinunter fuhr. Der Umstand, daß er fast regelmäßig nach einer halben Stunde zurückkehrte, bewies ihr, daß er weder auf dem Stadtgute noch auf einem der Nachbardörfer, dessen erstes sieben Kilometer entfernt lag, zu tun haben konnte. Von ihrem Fensterplatz aus übersah sie nicht nur das letzte Haus, sondern noch ein Stück der schnurgeraden Raaschener Pappelallee. Der Wiedenhöftsche Wagen fuhr jedesmal links ab und benntzte den Landweg, der über das Inspektorhaus nach der Buchener Heide führte. Also konnte er nur einen Patienten in diesem haben. Der Versuch, über dessen Person irgend etwas in Erfahrung zu bringen, bildete hinfort den Inhalt ihrer Nachmittage. Sie fühlte plötzlich das dringende Bedürfuis, spazieren zu gehen. Warum sollte sie ihm nicht nachgeben? Wenn man sich die beste Modenzeitung hält und gut angezogen ist, eine stattliche Figur und kein häßliches Gesicht hat, tut man den Leuten einen Gefallen, wenn man sich ihnen zeigt. Nebenbei soll die Bewegung im Freien auch noch sogar gesund sein. Ihr erster Gang galt der zerfallenen Schmiede und dem Jnspektorhaus. Ein Ausdruck arger Enttäuschung erschien auf ihrem Gesicht, als sie ihr Ziel erreicht hatte. Grau und ein wenig vernachlässigt lag es vor ihr und machte mit seinen heruntergelassenen Jalousten den Eindruck völliger Undewohntheit. Die Frau Wachtmeister war aber nicht nur eine stattliche Frau, sondern auch eine gründliche. 220.16 brachte er schen Vorbeie alus allernicht gedient ages lautet: periodisch zu schen Staats9. Lebensjahr suppen= oder us verschiedeer der Fahne inumgängliche ung von Unwurde in siedet. Beim ler auf die Bereich der aß bei Neuim Felde irden. Darlossen, worauf , daß er dagegen seine eechen. 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Vagen des Ge1 Uhr die RanrUmstand, daß en Stunde zuauf dem Stadtfer, dessenerstes m haben konnte. ih sie nicht nur stück der schnurer Wiedenhöft5 und benntzte. orhaus nach der te er nür einen ersuch, über desfrung zu briner Nachmittage. nde Bedürfuis, eihm nicht nachodenzeitung hält iche Figur und den Leuten einen gt. Nebenbei soll ch sogar gesund illenen Schmiede druck arger Entst, als sie ihr Ziel g vernachlässigt neu heruntergevölliger Under war aber nicht auch eine gründ2010 zierbei auf die Verschiedenheit ihrer Bevölkerung g ü c k s i c h t n e h m e n k ö n n e n, b e i s p i e l s w e i s e a n K i n d e r ##unter einem Jahr keine Brottarte oder an Kinder zu einem gewissen Alter nur halbe Karten ausgzehen und dafür zum Ausgleich den Angehörigen ###r Berufe, die durch ihre Lebens= und Arbeits##pohnheiten in besonderem Maße an die Brot##hrung gewöhnt sind, reichlichere Mengen zu##neisen können. Die Notwendigkeit dieser Ein##chänkung im Getreideverbrauch unseres Volkes ###ird allgemein anerkannt werden, denn sie be#itigt gründlich die Sorge, daß wir mit unseren V#orräten nicht ausreichen können und sichert die Vsoltsernährung in zureichender Weise gegen alle Kafäligkeiten. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 5. März. **(Kriegsspende der Kaiserin.) Die Kaiserin #ellte dem Kriegsausschuß für warme Unterlleidung, e. V. Berlin=Aeichstag, in diesen Tagen ###0000 Mk. zur Verfügung. Das Geld wird dazu ###erwandt, besonders den Truppen im Westen, die mußerordentlich unter der Nässe leiden, wasserdichte Keachen zuzuführen. **(Brotkarten.) Auch in unserer Stadt wird Voon Sonntag ab Brot und Mehl nur noch gegen ##ogen, Brotkarten zu haben sein. Mit der VerSteilung der Karten ist bereits begonnen worden. ##ir richten an unsere Mitbürger nochmals die ##dringende Mahnung, sich genau an die gesetzlichen Vorschristen zu halten. Der gemeine Plan unserer Vettern, uns auszuhungern, wird voll#tändig zu Schanden werden, wenn jeder an seinem keile mit dazu beiträgt. *( D i e S p a r k a s s e n u n d d i e n e u e K r i e g s a n l e i h e.) #der Vorstand des khein.=westfälischen Sparkassenver##bandes versendet ein Rundschreiben an seine Mitglieder, in dem es also heißt:„Bei der ersten Kriegsanleihe sind von den Sparkassen Rheinlands und Westfalens 309 Millionen Mark, mehr als ein Drittel des von den deutschen Sparkassen insge##samt aufgebrachten Betrages gezeichnet worden. Wir sprechen die sichere Zuversicht aus, daß unser Verband auch diesmal, seiner gewaltigen wirt#chaftlichen Kraft entsprechend, im deutschen Spar##kassenverband an erster Stelle stehen und das Zeich#nungsergebnis hinter der ersten Anleihe nicht zurückbleiben, sondern es noch übertreffen wird. A##ano! ***( S t ä d t i s c h e r K a r t o f f e l v e r k a u f.) D e r V e r k a u f Vder von der Stadt beschafften Kartoffeln zum Preise von 5,80 Mk. pro Zentner wird auch heute am Güterbahnhof noch fortgesetzt. **(Diebstahl.) In der letzten Nacht haben Spitzbuben dem Händler Knierim in der Sedanstraße einen Besuch abgestattet. Nach ZertrümmeBrung einer Fensterscheibe wurde aus dem Laden Vein Korb mit Eiern gestohlen. Von den Dieben Viehlt jede Spur. *(Der Nestor der westfälischen Lehrerschaft) Ludwig Bliefterning zu Minderheide, genannt ##der Alte von der Heide", ist im Alter von 91 J a h r e n g e s t o r b e n. 6 0 J a h r e i s t e r i m S c h u l d i e n s t Stätig gewesen, das Schulhaus in Minderheide war der Mittelpunkt der Gemeinde, von dem Ströme des Segens ausgingen. Auch literarisch war er #tätig, von ihm stammt die Heimatkunde für den Regierungsbezirk Minden. In der westfälischen Lehrerschaft wird sein Name für immer fortleben. **(Kriegerverein.) Die Generalversammlun#gen werden von jetzt ab wieder des Abends abge#halten. Die nächste sindet am kommenden SonnS#tag, abends 8½ Uhr, statt.(Siehe Inserat.) *(Spar= und Bauverein.) In der am 27. Februar abgehaltenen Generalversammlung wurde die Bilanz pro Dezember 1914 vorgelegt und der übliche Jahresbericht erstattet. Das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres ist trotz der Einwirkungen des Krieges auf die Leistungsfähigkeit der einberufenen Hausanwärter und Mieter befriedigend, sodaß ein Reingewinn von Mk. 838,74 verteilt werden konnte. Die auf 4 Prozent festgesetzte Dividende kann an der Geschäftskasse in Empfang genommen werden. Herr Rentmeister Uffelmann trat auf eigenen Wunsch nach verdienstvoller Tätigkeit seit Gründung der Genossenschaft aus dem Vorstande aus; für ihn hat Herr Rendant Hoppmann die Kassengeschäfte übernommen. Die Genossenschaft zählt 39 Mitglieder und besitzt noch sechseindrittel Morgen unbehautes Land; von den errichteten 19 Häusern sind 17 in festen Händen und es sind von diesen nunmehr 5 an die Anwärter aufgelassen. **(Wer ist bestohlen?) Die Polizei hat gestern zwei Personen festgenommen, welche verschiedene Sachen veräußern wollten, die anscheinend aus einem Diebstahl herstammen. Im Besitz der Verdächtigen befanden sich ein neuer Jacket=Anzug, ein Posten Hosenträger, ein Paar neubesohlte Stiefel, Damenschuhe und andere Gegenstände, über deren rechtmäßigen Erwerb sie sich nicht ausweisen konnten. Zweckdienliche Angaben werden an die hiesige Polizeiverwaltung erbeten. §§(Evangelisches Volksbüro.) Das Jahr 1914 brachte dem evang. Volksbüro der evang. Arbeiteruund Männervereine der Synode Iserlohn bis zum Ausbruch des Krieges wiederum eine erhebliche Zunahme der Besucherzahl, die dann aber etwas nachließ. Dagegen brachte der Krieg aber auch neue Aufgaben auf sozialem und gemeinnützigem Gebiete mit sich, zu deren Erledigung sich das Büro bereitwilligst zur Verfügung stellte. Es galt, den Daheimgebliebenen nicht nur beim Briefwechsel mit den Angehörigen im Felde zu dienen, sondern ihnen auch bei Erlangung wichtiger Nachfragen, bei Erledigung von mancherlei Unterstützungsanträgen und bei Besorgung lohnender Arbeit behülflich zu sein. Zwecks Rechtsberatung und Nechtsauskunft besuchten 143 Leute, vorwiegend aus dem Arbeiterstande, die in Schwerte, Iserlohn, Hohenlimburg, Altena, Hemer und Menden abgehaltenen Sprechstunden und zwar in 1465 Angelegenheiten. Der Verbandssekretär fertigte 484 Schriftsätze und Eingaben an uund hatte außerdem noch 42 persönliche Vertretungen vor verschiedenen Behörden. In 306 mündlichen Besprechungen vertrat er die Interessen des Kreisverbandes und dessen Mitglieder. Der seit Jahren beliebte Ausbildungskursus fand wie gewöhnlich im Anfang des Jahres statt und gab den Vereinsmitgliedern Aufklärung über die wichtigsten Punkte des sozialen Programms des deutschen Gesamtverbandes evang. Arbeitervereine. Er hatte sich eines äußerst starken Besuches zu erfreuen. (Schwerer Verdacht.) Vor einigen Tagen wurde ein hiesiges junges Mädchen unter dem Verdacht des Kindesmordes verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert. **(Für 15 Mark Fleischdauerware auf den Kopf der Bevölkerung.) Man schreibt uns: Deutschlands Gemeinden sind gegenwärtig damit beschäftigt, zur Sicherstellung der Lebensmittelversorgung Schweine in möglichst großer Zahl abschlachten und zu Deuerware verarbeiten zu lassen. Bei den Erörterungen hierüber in den Gemeindevertretungen sind nun sehr abweichende Ansichten über den erforderlichen Umfang der Versorgung hervorgetreten. Teilweise hat man angenommen, daß nur eine große Versorgung von Erfolg sein könnte, wie sie durch Mittel der Gemeinden gar nicht zu erreichen sei. Ueber diese Frage sind an den zuständigen Stellen Beratungen gepflogen, und als ihr Ergebnis ist den Gemeinden eine Mitteilung zugegangen, daß die Verwendung eines Gesamtbetrages von 15 Mark auf den Kopf der Bevölkerung einstweilen als ausreichend angesehen werden kann. Die zwischen der Zentral=Einkaufs=Gesellschaft und dem Deutschen Städtetag getroffene Vereinbarung über die Einschlachtung von etwa einer Million Schweinen und deren Verarbeitung zu Fleischkonserven gibt den Gemeinden die Möglichkeit, einen Teil der Dauerware als Konserven zu beschaffen. Daneben wird es aber notwendig sein, auch an anderen Dauerwaren, wie Pökelfleisch, Schinken, Wurst, Speckseiten und Schmalz in Fässern, ein möglichst großes Lager anzulegen. ** Hennen, 4. März.(Innungs=Versammlung.) Am letzten Sonntage tagte in der Wirtschaft Voß in der Helle die erste Hauptversammlung der Schneider=Zwangsinnung des Amtes Ergste, welche vom Obermeister Jul. Rademacher mit begrüßenden Worten eröffnet wurde. Der Haushaltsplan wurde in der vom Vorstand vorgeschlagenen Fassung angenommen. Sodann wurde der Kassenbericht verlesen und genehmigt. Die Mitgliederzahl beträgt 18, zur Fahne einberufen sind 7 Mitglieder. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Rademacher, Steffen und Claus wurden einstimmig wiedergewählt. Unter Verschiedenes wurde beschlossen, bei den bevorstehenden Handwerkskammerwahlen die Beschlüsse der Innungsausschüsse für den Stadt= und Landkreis betr. die aufgestellten Kandidaten, auszuführen. An die Kriegsteilnehmer sollen wieder Liebesgabenpakete gesandt werden. Nachdem man sich noch einige Zeit über Militärarbeiten unterhalten hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraae, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Bekanntmachung betr. Vorratserhebung und Höchstpreise für ChileSalpeter vom 5. März 1915. Vorratserhebung. Auf Grund der Bundesratsverordnung betr. Vorratserhebungen vom 2. Februar 1915(Reichsgesetzblatt Seite 54) wird folgende Bekanntmachung erlassen.„„„ t. 6e uns § 1. Von der Verfugung verrossen sins: alle Vorräte an Chile=Salpeter. § 2. Zur Auskunft verpflichtet sind: 1. alle, die Chile=Salpeter aus Anlaß ihres Handelsbetriebes oder sonst des Erwebes wegen im Gewahrsam haben, kaufen oder verkaufen; ? l a n d w i r t s c h a f t l i c h e u n d g e w e r b l i c h e U n t e r n e h m e r, in deren Betrieben Chile=Salpeter verarbeitet 955 Ser 3. Kommunen, öffentlich rechtliche Korperschaften und Verbände. § 3. Zu melden sind: 1. Die Vorräte, die den zur Auskunft nach§ 2 Verpflichteten gehören; dabei ist anzugeben, wer diese Vorräte aufbewahrt(genaue Adresse), mit Angabe der Mengen, die von den einzelnen Personen oder Firmen aufbewahrt werden; die einzelnen Vorräte, die sich— mit Ausnahme der unter 1 angegebenen Mengen— außerdem in seinem Gewahrsam, sowie die Eigentümer (unter Angabe der genauen Adresse), der einzelnen Mengen; die Mengen, die sich auf dem Transport zu dem zur Auskunft Verpflichteten oder unter aufsicht(auf dem Wege zu ihm) befinden. Die Mengen sind einheitlich in Kilogramm anzugeben. § 4. Zeitpunkt für die Angaben der Meldung: Zu melden sind alle in§ 3 ausgeführten Vorräte und Mengen nach dem am 5. März vormittags 10 Uhr tatsächlich bestehenden Zustande. § 5. Ausgenommen von der Verfügung sind Vorräte, die am Tage der Vorratserhebung weniger als 500 Kg. betragen. § 6. Die Meldung ist zu richten an die Salpeter=Meldestelle des Königl. Preußischen Kriegsministeriums, Kriegs=Rohstoff=Abteilung, Berlin W 66, Leipzigerstraße 5. § 7. Die Meldung hat zu erfolgen bis zum 15. März an die im§ 6 angegebene Adresse. § 8. Die zuständige Behörde oder die von ihr beauftragten Beamten sind bezugt, zur Ermittelung richtiger Angaben Vorratsräume, in denen Vorräte an Chile=Salpeter zu vermuten sind, zu untersuchen und die Bücher der zur Ausbunft Verpflichleten zu prüfen. § 9. Wer vorsätzlich die in den oben genannten§§ geforderte Auskunft zu der im§ 6 angesetzten Frist nicht erteilt, oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafen bis zu 10000 Mark bestraft; auch können Vorräte, die verschwiegen sind, im Urteil els dem Staat verfallen, erklärt werden. Höchstpreis. Auf Grund des Gesetzes betreffend Höchstpreise vom 4. August 1914(Reichsgesetzhlatt Seite 339) in der Fassung der Bekanntmachung über Höchstpreise vom 17. Dezember 1914(Reichsgesetzblatt Seite 516) und vom 21. Januar 1915(Reichsgesetzblatt Seite 25) wird folgende Bekanntmachung lassen: § 1. Der Preis für eine Tonne Chile=Salpeter darf Mk. 240.— nicht übersteigen. § 2. Der Höchstpreis gilt für Chile=Salpeter, der sich im sreien Perkehr des Reichsgebietes befindet. Die unterzeichnete Kommandobehörde kann Ausnehmen gestatten. § 3. Der Höchstpreis schließt die Vensundungskosten ab heutiger Lagerstelle nicht ein und gilt für Zahlung Zug um Zug. Wird die Zahlung gestundet, so dürfen bis 2 v. H. für Jahreszinsen über Reichsbankdiskont hinzugeschlagen werden. § 4. Die Eigentümer der im freien Verkehr des Reichsgebietes befindlichen Mengen von ChileSalpeter werden hierdurch aufgefordert, ihre Vorräte, soweit sie nicht nachweislich durch vorliegende Aufträge auf Liesenung von Sprengstoffen und Pulver für die deutsche Kriegsmacht belegt sind, bis zum 20. März der Kriegschemikalien= Aktiengesellschaft, Berlin W. 66, Mauerstraße 63/65, zum Höchstpreise zu überlassen. § 5. Mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 10000 Mk. wird bestraft: 1. wer den nach§ 1 festgesetzten Höchstpreis überBstes. W: uuer 8 2. wer einen anderen zum Abschluß eines Verages auffordert, durch den der Höchstpreis überschritten wird, oder sich zu einem folchen Vertrage erbietet; 3. wer Chile=Salpeter beiseite schafft, beschadigt oder zerstört; 4. wer Vorräte von Chile=Salpeter dem zuständigen Beamten gegenüber verheimlicht. § 6. Diese Verordnung tritt am 5. März 1915 in Kraft. Die unterzeichnete Kommandobehärde bestimmt den Zeitrunkt des Außerkrafttretens. Münster, den 5. März 1915. Das stellvertr. Königliche General=Kommaud= VII. Armeekorps. Frhr. von Gayl, General d. Infanterie u kommandierender General. e in großer Auswahl neu eingetroffen. Bachhanriung Eurt Benas; Schwerle(Laht) Große Marktstraße 3—5. 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Aber Blücher hatte es dennoch gehört und blieb vor dem Arzte stehen. „Sie sind ein Träumer, Hans Hiller, und taugen nicht zum Diplomaten und nicht zum Feldherrn!" Damit riß er seinen grünen Damenhut vom Kopfe und band sich endlich das weiche, breite Verbandtuch über die wunden Augen.„ „Wir führen mit Weibern nicht Krieg, wir Verbündeten; aber die Kaiserin Marie Louise ist naturgemäß die erste Vertraute unseres Erzfeindes. Es sind noch keine zehn Tage, da fingen Tettenborns Kosaken einen Brief Napoleons an seine Gemahlin auf, in welchem er ihr alle seine neuen Pläne auseinander„Helsen Sie mir einmal aus der Unisorm, lieber Hiller“, unterbrach sich Blücher selbst,„ich will Ihren Rat befolgen und ins Bett kriechen, um morgen gesund zu sein!— Also— dieser Brief gelangte in meine Hände. Ich nahm Kenntnis von seinem Inhalte und sandte ihn dann mit einem höflichen g###g. schr. iben„an die erhabene Tochter Seiner Nchrstut des Kai ers von Oesterreich“ weiter, nachdem ich eine genaue Abschrift von diesem Briefe genommen. Dieses Schreiben an Madame Marie Louise und der sehnlichste Wunsch, mir Revanche für die Schlacht bei Etoges zu holen, sind die Ursachen, daß wir weit schneller vor Paris angelangt sind, als Napoleon es sich träumen ließ.“ (Fortsetzung folgt.) Flugfisch und Flugmaschine. Wenn auch Otto Lilienthal, die Brüder Wright und die anderen Erfinder der Flugmaschine wichtige Erfahrungen aus der Beobachtung des Vogelfluges gewonnen haben, so ist doch der Flug des Aeroplans von dem des Vogels sehr wesentlich verschieden. Die treibende Kraft bei der Fortbewegung der leichten Luftbewohner ist eine Ruderbewegung, während das Prinzip unserer Flugzeuge auf dem Gleitflug und dem Propellerantrieb aufgebaut ist. Die interessante Frage, ob wir mit unseren Flugmaschinen einer natürlichen „Vorlage“ aus dem Reiche der flugfähigen Organismen nahe kommen, beantwortet Dr. Wilhelm Berndt in einem aufschlußreichen Artikel der bei der Deutschen Verlags=Anstalt erscheinenden Zeitschrift„Ueber Land und Meer“. Ebensowenig wie der Flug der Vögel kommt der der Fledermäuse und Flugreptile dabei in Betracht; denn er ist nur ein unvollkommener Vogel=, d. h. Ruderflug. Auch die zahlreichen Fallschirmtiere der heutigen Fauna, wie die Ilugfrösche" und„fliegenden Drachen“, sind keine Gleitflieger, sondern nur Gleitspringer; die durch den Absprung vom Baumast erzeugte Kraft reicht nur für kurze Zeit aus, die Fallschirmtiere mildern nur ihren Fall, fliegen jedoch nicht. Die einzigen Flugtiere, die mit dem menschlichen Flugzeug verglichen werden können, sind die Flugfische, deren Problem von der modernen Naturforschung noch immer nicht endgültig gelöst worden ist. Die alte Frage, ob der Flugfisch ein echter Gleitflieger wie die Flugmaschine oder ein Ruderflieger wie der Vogel ist, ist lange Zeit dahin beantwortet worden, daß man sich für den Gleitflug entschied. Die langen, stark verbreiterten Brustflossen dieser wundervollen Meereswesen geben vorzügliche Gleitflächen ab; die eigentliche Vorwärtsbewegung aber erfolgt durch den Schwanz, der genau wie ein Propeller wirkt. Kräftige Schwanzschläge geben dem Vorderteil des Fisches einen starken, plötzlichen Auftrieb: der Fisch, der im Brustflossen eng anlegte, schnellt über die Oberfläche empor und kann nun mit den breit ausgespreizten Flossen eine lang einen Gleitflug ausführen. Der Flugfisch wäre mithin ein Aeroplan, der seinen Propeller jedoch nur von Zeit zu Zeit arbeiten läßt. In jüngster Zeit ist aber diese Erklärung des Flugsisch= problems angezweifelt und jedenfalls durch wichtige Beobachtungen ergänzt worden. Schon früher hatte man in den Flossen der im Flug befindlichen Fische ein„sehr geschwindes, zitterndes Vibrieren" beobachtet. Der amerikanische Offizier und Zoologe C. D. Dunford, der den Flugfischen umfassende und sehr genaue Studien gewidmet hat, stellte noch weiteres über diese Bewegung der Flugflossen fest. Da die Fische erhebliche Strecken zurücklegen, ohne das Wasser wieder zu berühren, so kann der ihnen durch den Schwanzpropeller gegebene Anfangsantrieb nicht ausreichen; sie fliegen auch bei völliger Windstille, können ihren Flug beschleunigen, verlangsamen, steigen und fallen, eine andere Richtung einnehmen; sie müssen also wirklich fliegen und nicht nur einen Sprunggleitflug ausführen. Für die Annahme, daß sie mit ihren Brustflossen wie die Bögel einen Ruderflug ausführen, spricht die Feststellung des Forschers Burne, der die Flugfischmuskeln eingehend untersuchte. Er fand einen sehr voluminösen Muskelapparat der Flugflossen, deren Muskeln die Brustflossenmuskeln nichtfliegender, nahe verwandter Fische um das Fünffache übertrafen. Die Flugmuskelmasse, die beim nichtfliegenden nahen Verwandten im Verhältnis von 1:154 entwickelt ist, wiegt ein Zweiunddreißigstel des Körpergewichts; sie steht zwar hinter der des Vogels zurück, die ein Sechstel des Gesamtkörpergewichts beträgt, nähert sich aber der der Fledermäuse, die ein Dreizehntel ausmacht. So können die Ilugfische mit ihren schnell vibrierenden, surrendslatternden Flossen wohl eine Ruderbewegung ausführen; der Gleitflug mit dem Propellerantrieb des Schwanzes bleibt aber daneben immer noch ein wichtiger Faktor der Fischflugbewegung, so daß der Flugfisch als„Naturmodell“ der Flugmaschine immer noch am nächsten steht. Bumur. Keine Verantwortung. Er befand sich nicht in der besten Laune, denn er war sehr hungrig. Da ging er in ein Restaurant und bestelkte ein Beessteak. Nachdem er es durchgeschnitten hatte, rief er den Kellner und sagte spöttisch: „Mit Mühe und Not ist es mir gelungen, das Beefsteak durchzuschneiden, aber wie ich es kauen soll, ist mir ein Rätsel.“ „Ich bedaure sehr, mein Herr," erwiderte der Kellner. „Für die Schärfe unserer Messer können wir garantieren, aber für die Zähne unsrer Gäste können wir wirklich keine Verantwortung übernehmen!“ Wgely. —* 11—43 3• 9 2 2 5 6 5 Per#n Amtlicbes Kreisblatt für den Kreis börde 46. Jabrgang, O Grites und Shelles Cagesorgan des Kreiles O haupt-Annoncenblan Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 54. Freilag, 5. März 1915. Kenenerandl. Orignal-Kriegeroman aus ernster Zeit von Rudolf Hollinger. (31. Fortsetzung.)(Nachdruck vervoien. Alle Rechte vorbehalten.) er Sotnik, offenbar der rangälteste der belden kommandierenden Offizicre, hatte den Ritt neister zwar ausreden lassen, ohne ihn zu unte rbrechen; nun aber schlug er mit der Faust auf den Tisch, daß die fast geleerte Flasche umfiel: „Zum Henker, was unterstehen Sie sich, Sie elender Deutscher! Glauben Sie, daß wir uns von Ihnen dreinreden lassen? Ich pfeise auf Ihre Bürgchaft Danken Sie Ihrem Schöpfer, wenn wir Sie selber mit heiler Haut davonkommen lassen! Sagen Sie doch mal gefälligst, wo die deutsche Insant rie steht, die heute hier durchgekommen ist! Und keine Winke züge, wenn ich bitten darf! Wir haben nämsich einige probate Mittelchen, um auch die schwersten Zungen zu lösen.“ „Ich weiß nichts von den Bewegungen und Stellungen unserer Truppen. Und wenn ich etwas davon wüßte, würde ich es Ihnen selbstverständlich nicht sagen. Ich bin verabschiedeter Ofizier. Diese Feststellung mag Sie der Mühe überheben, weitere derartige Fragen an mich zu richten!“ Das gedunsene Trinkergesicht des Sotniks särbte sich dunkelrot.,„cäitgeit ersegt man je eine solche Unverschäntthen erleot! Der Mann ist auf der Stelle festzunehmen! Das Weitere wird sich finden, sobald wir mit denen da ertig sind!. Nun brachte er sich mit hiltreicher unter luzung seines anscheinend etwas alkoholfesteren Kameraden doch glücklich auf die Füße. Aber sein Bemühen, eine imponierende furchteinflößende Haltung einzunehmen, mißlang auf recht klägliche Art. Jedenfalls hatten die Zornesblitze aus seinen stieren, glasigen Ausen auf den alten Herrn von Raven nicht die geringste Wirkung hervo gebracht. „Sie können in Gottes Namen mit mir anfangen, was Sie vor Ihrem Gewissen als Soldat und Edelmann verantworten können! Jetzt aber handelt es sich nicht um mich, sondern um diese armen Leute da! Und ich lege im Namen der Menschlichkeit, unter Berusung auf die Kriegsgesetze, die heutzutage sogar von den gelben Affen in Ostasien respektiert werden, wahrung ein gegen das, was Sie da tun wollen! Wenn diese unschuldigen Menschen wirklich füsiliert werden sollen, so verlange ich. der erste zu sein, den man erschießt, damit Ihre Handlungsweise vor aller Welt als wird, was sie ist, nämlich als gedas gekennzeichlet Seine mächtige Stimme dröhnte wie Donnergrollen über all die 1 nruhe ringsumher hinweg. Dem Sotril aber erstarb die wutschnaubende Erwiderung auf de Lippen angesichts des Ueberraschenden, was sich jezt vor seinen Augn ereignete. Denn ein schönes, dun elhaariges Mädchen war plötzlich, wie aus der Erde gewachsen, neben dem alten Herrn aufgetaucht, hatte den Arm um seine Schulter gelegt und sich eng an seine Seite geschmiegt...... müssen= Kan „Auch mich werden Sie erschießen mussen, tung klar und surchtlos ihre helle Stimme,„wenn„.. meinem Vater oder unseren braven Leuten ein Leid zufügen. Ich s. ge wie er:„Es ist nicht wahr, daß unserem Dorfe heimtückisch auf Ihre Leute geschossen Der Leutnant Scheremeisew trat vor und meldete die Aus ührung des ihm erteilten Besehls. Aber der Sotnik hörte zunächst nicht auf das, was er sagte. unverwandt waren seine Augen auf das schöne, mutige Mädchen gerichtet, und sein Unterliefer schob sich vor wie der eines beutegierigen Raubtieres. „Man nehme den Mann wie das Mädchen unter sichere Bedeckung!“ befahl er nach sekundenlangem Ueberlegen.„Aber beide getrennt!— Und dann— Der Rest seiner Rede ging unter in einem nervenzerreißenden Geknatter, in vielstimmigem Geschrei und in dem Toben des wilden Aufruhrs, der plötzlich unter den tödlich erschrockenen Gäulen auf der Dorfstraße ausgebrochen war. Als hätten sich mit einem Schlage alle Bande der militärischen Disziplin gelöst, stürm. alles, was Waffen trug, ohne Erwartung eines Befehls den Heutschen!— Die Deutschen!“ schalte es aus hundert Russenkehlen zugleich. Und es war augenscheinlich, daß die Ueberraschten viel weniger an Widerstand dachten, als daran, sich durch eilige Flucht vor dem noch unsichtbaren Gegner zu retten, dessen aus irgendeiner sicheren Deckung kommendes Gewehrfeuer die im oberen Teil des Dorfes ausgestellten Posten bereits niedergestreckt hatte und nun auch schon unter der zu einem wirren Knäuel geballten Hauptmasse der Kosaken seine Opfer zu fordern begann. Mit kaum noch menschlich klingender Stimme drunte der betrunkene Sotnik nach seinem Pferde, während sein Kamerad einer der ersten gewesen war, die sich von der allgemeinen Panik hatten mitreißen lassen. Da schon ganz in ihrer Nähe einige von Gewehrkugeln K S. E. 6 5S S M S 6 ** E * 5.•L 5 a. 15n K 5 S 95 u 05 EB RSHES getrossene Pferde stürzten, zog Herr von Raven, um den sich jetzt keiner der Russen mehr kümmerte, seine Tochter eilig mit sich fort in die Deckung eines Hauses, und die Bauern mit ihren Weibern und Kindern waren mit einem Male wie vom Sturm zerstoben. Nur zwei Minuten noch, und der ganze Reiterhaufe stürmte, ohne auch nur den geringsten Versuch zum Widerstand zu der am machen, unter Zurücklassung oer am Boden liegenden Kameraden in wildester Flucht zum Dorf hinaus und in der Richtung gegen die Grenze davon. 9. Kapitel. Der Retter. Ein paar letzte vereinzelte Schüsse noch; dann hoben sich aus einem noch ungemähten Getreidefelde seitlich des Dorfes elf kraftvolle Gestalten in feldgrauen Uniformen und eilten mit dröhnendem Hurra dem Schauplatz ihres Erfolges zu. Denn in Wirklichkeit war es nur dieser winzige Trupp gewesen, der mit seinem unvermuteten, wohlgezielten Feuer den zwanzigfach überlegenen Feind in die Flucht geschlagen hatte. Und wie sie nun in weit auseinandergezogener Schützenlinie gegen die Kirche vorrückten, da zeigte sich's, daß es nicht tollkühne junge Burschen waren, die den verwegenen Handstreich ausgeführt hatten, sondern gereifte, bärtige Männer zwischen dreißig und vierzig Jahren. Nur der Leutnant an ihrer Spitze mochte die Dreißig noch nicht ganz erreicht haben. Er war hoch und breitschultrig gewachsen und erschien in seiner kriegerischen Ausrüstung als ein rechtes Urbild germanischer Kraft und Ritterlichkeit. Seine blauen Augen strahlten in der Freude über den Erfolg, und sein Hurra klang in markigem, metallischem Wohllaut hell über das seiner wackeren Leute hinweg. Auf dem Platz vor der Kirche, der noch eben der Schauplatz einer so erschütternden Szene gewesen war, ließ er haltmachen, und im nächsten Augenblick trat ihm der alte Rittmeister entgegen. „Meinen Dank und meinen Glückwunsch, Herr Leutnant! Sie sind zur rechten Zeit gekommen! Gott weiß, daß Sie nicht eine Vierteistunde später hätten kommen dürfen!" Der junge Offizier nahm die dargebotene Hand und erwiderte herzlich ihren kraftvollen Druck. „Ja, ein guter Feldstecher ist unbezahlbar,“ lachte er.„Aber die Sorglosigkeit und die Feigheit dieser Burschen hat uns die Arbeit sehr leicht gemacht. Obwohl sie nach allen Seiten hin Posten ausgestellt hatten, hat doch keiner etwas von unserer Annäherung bemerkt. Und es hat offenbar keiner daran gedacht, sich von der Stärke der Angreifer zu überzeugen. Auf einen gehörigen Wischer von meinem Kompagniechef aber werde ich mich wohl gesaßt machen müssen. Denn ich habe als vorausgeschickte Spitze strengen Befehl, mich auf Beobachtung und, wenn es sein muß, Verteidigung zu beschränken. Aber wenn die Gelegenheit so verlockend ist— wer sollte da wohl an sich halten können?“ „Dem Himmel sei Dank dafür, daß Sie nicht an sich gehalten haben, mein lieber, tapferer Herr Kamerad! Gestatten Sie: Rittmeister a. D. von Raven auf Mallente!“ Wie ein heftiger elektrischer Schlag riß es beim Klang dieses Namens den jungen Offizier zusammen; aber in wenig Sekunden war er über die Betroffenheit hinweg. Und in militärisch strammer Haltung erwiderte er die Vorstellung: „Leutnant der Reserve Leuthold vom.. Landwehr=Regiment.— Aber Sie gestatten, Herr Rittmeister, daß ich zunächst meine dienstlichen Pflichten erfülle.“ Es zeigte sich, daß die kleine Schar eine RadfahrerAbteilung bildete, die zu Erkundungs= und Sicherungszwecken dem heranrückenden Landwehrbataillon voraufgeschickt worden war. Von einer kleinen Höhe aus hatte ihr Führer wahrgenommen, daß das Dorf von Kosaken besetzt sei, und er hatte der Versuchung nicht widerstehen können, auf eigene Faust einen Angriff zu wagen. Er hatte zwei Mann bei den in einem Hölzchen versteckten Rädern zurückgelassen und hatte sich mit den übrigen, jede Deckung geschickt ausnützend, herangeschlichen. Die einbrechende Dunkelheit hatte sein Vorhaben begünstigt, und die Ueberrumpelung des Gegners war vollständiger gelungen, als er es hatte hoffen dürfen. Nun schickte er zwei von seinen Leuten zurück, damit sie ihre Räder holten und dem anrückenden Bataillon Meldung von dem Vorgefallenen erstatteten. Als er sich nach Erteilung des Befehls wieder nach dem Rittmeister umsah, fand er ihn nicht mehr allein. Ein schlankes, dunkelhaariges Mädchen stand an seiner Seite. Und es war fürwahr sehr gut, daß der alte Herr ihm vorhin schon seinen Namen genannt hatte, und daß Erich Leuthold dadurch auch auf diese Wiederbegegnung vorbereitet war. Er hätte sich sonst wohl schwerlich so vollkommen in der Gewalt gehabt, wie es jetzt der Fall war. „Meine Tochter Hertha,“ sagte der Rittmeister, und Leuthold machte mit der Hand am Helm seine Verbeugung, fest entschlossen, nichts von ihrer alten Bekanntschaft zu verraten, wenn sie durch ihr Verhalten zu erkennen geben würde, daß sie es nicht wünschte. Aber er hatte sie doch falsch eingeschätzt, wenn er das für möglich gehalten hatte! Nicht ohne merkliche Befangenheit, doch mit der liebenswürdigsten Herzlichkeit streckte sie ihm ihre Hand entgegen. „Es bedarf keiner Vorstellung, Papa, denn Herr Leuthold und ich sind nicht nur Studiengenossen, sondern auch gute alte Freunde von München her. Es zählt erst nach Wochen, daß wir uns zum letztenmal gesehen haben— freilich wohl ohne zu ahnen, wie bald und unter welchen Umständen das Wiedersehen erfolgen würde.“ „Studiengenossen?“ fragte der Rittmeister.„Sie sind also Künstler?“ „Jawohl, Herr Rittmeister, im bürgerlichen Leben bin ich nur Maler.“ „Dann gratuliere ich Ihnen doppelt zu dem, was Sie eben als Soldat geleistet haben! Da— schauen Sie um sich! Alle diese armen Teufel werden Sie von nun an in glühender Dankbarkeit als ihren Lebensretter verehren!" Die in die Häuser Geflüchteten hatten sich allgemach wieder herausgewagt und umdrängten nun die Befreier unter Ausbrüchen einer Freude, wie sie sie wohl nie vorher in ihrem Leben kundgegeben haben mochten. Ein Häuflein von Männern und Frauen aber hatte sich in scheuer Neugier um einen Verwundeten geschart, der sich, jämmerlich ächzend und wimmernd, in heftigen Schmerzen oder in sinnloser Todesangst auf dem Boden wand. Zwei der Soldaten machten sich bereits mitleidig mit ihm zu schaffen, und nun traten auch Leuthold und der Rittmeister herzu. „Lumpengesindel, das seinen Offizier im Stich läßt,“ sagte Herr von Raven ingrimmig, denn er sah, daß der Verwundete kein anderer war als der Sotnik, der vor einer Viertelstunde das Bluturteil über die unglücklichen Dorfbewohner gesprochen. Eine Kugel hatte ihm den Unterkiefer zerschmettert, und der Anblick, den seine Verwundung gewährte, war gräßlich genug. Leuthold gab Befehl, ihn in das nächstgelegene Haus zu tragen und zu seiner Erleichterung alles zu tun, was sich eben bis zum Eintrefsen ärztlicher Hilfe tun ließ. Auch noch drei weitere Schwerverwundete wurden aufgelesen und in den Behausungen des Dorfes gebettet. (Fortsetzung folgt.) icn M u Me BS##geikg 2 S 5E 5 5 S S S S S0SSOE * 4 5 E S. H S S 5 S SSSEE S•S01E 9 8 S5 55 # EgS # ** * S 912 ###1 B SN Denkspruch. Was ist das für ein Kapital, gesunde Knochen zu haben und einen tröhlichen Mut! Gustav Frensten. Rlächers Schützling. Erzählung von M. v. Markovics. (Nachdruck verdoten.) Der Erbseind des deutschen Volkes und Unterjocher von ganz Europa, Napoleon I., wurde Anfang des Jahres 1814 durch Blücher und Bülow bei Laon völlig besiegt. Seine Marschälle wurden geschlagen; er selbst entrann an der Aube nur mit knapper Not der Gefangenschaft und dem Tode, und damit einem wohlverdienten Ende. Trotz seiner verzweifeltsten Anstrengungen, sich den verbündeten Heeren in den Rücken zu wersen, oder den letzten Kampf um seine Hauptstadt selbst zu leiten, gelang ihm keines von beiden. Leider aber mußte diese Kapitulation der Hauptstadt Frankreichs wiederum durch viele Opfer von Freund und Feind erlauft werden. In der Frühe des Schicksalstages hatte der französische General Marmont mit einem Augriff auf das russische Korps des Herzogs von Württemberg die Schlacht vor Paris eröffnet. Es hagette Kartätschen, und Marmont trieb die Russen nach Pantin, und Barklay de Tolly drang dann bis an die Tore von Paris vor. Er zwang den General Marmont, um Waffenstillstand zu bitten. Nach fünfstündigem Kampfe war der Höhenzug des Montmartre erobert. Obwohl der Kalender schon seit einer Woche„Frühling“ ankündigte, war es bitter kalt, und der Nordost suhr in unregelmäßigen Stößen durch das noch völlig knospenlose Buschwerk und trieb von den Wachtfeuern der Viwaks den total ermüdeten Garden den beißenden und stickigen Rauch ins Gesicht. Man hatte erfahren, daß Napoleon in Juvisy, zwei Meilen von Paris, angelangt sei und dort nur mit einem einzigen Begleiter kampiere. Er hatte zu seinem Schrecken bei St.=Dizier erfahren, daß seine„Große Armee“ völlig zersplittert und nur ein Teil des Reiterkorps matt und völlig kampfunfähig nach Paris gelangt sei. Sofort machte er sich, seinen Truppen voraneilend, in einer Postkutsche nach Paris auf— aber der letzte Kampf war entschieden, bevor er noch das Weichbild von Paris erreichte. In dumpfem, unheimlichem Hinbrüten saß er im Hause des Bürgermeisters von St. Dizier. Aber auch einer der Sieger lief mißmutig, nervös und innerlich fluchend durch den tleinen Raum eines ärmlich ausgestatteten Zimmers, das in einer Art von Steuergebände gelegen war. Diesen Mann schüttelten von Zeit zu Zeit arge Fieberschauer. Die nassen Scheite Holz, welche im Kamin schwelten und brannten, tonnten ihm auch keine rechte Wärme spenden. Dazu hatte der Mann, obwohl er in einen von Wind und Wetter und Regen verschossenen Mantel gehüllt war, eine Art Damenhut aus grünem Samt auf den Kopf gestülpt, dessen Rand er tief über die Augen herabzog. Dieser Mann war Feldmarschall Blücher, der sich eine böse Augenentzündung zugezogen hatte, und dem deshalb die Aerzte die größte Schonung auserlegt hatten. Das war für ihn eine schwere Pein; denn sein unruhiges Temperament zog ihn mit allen Fibern hin zum Einzug nach Paris— nach dem eroberten Paris! In einer Zimmerecke aber saß ein junger Mann von dreißig und etlichen Jahren mit blassem feingeschnittenen Gesicht, großen Braunaugen und üppigem dunklen Haupthaar. Es war ein Feldscher— zu der Zeit scherzhaft „Pflasterkasten“ genannt. Ueber einem kleinen Brennöllämpchen hielt er eine kleine Pfanne, in welcher sich Leinsamenbeutelchen im Wasserbade befanden. Diese Leinsamenbeutelchen mußte der Marschall auf die wunden Augenlider legen und sollte sie mit einem weichen Tuche festbinden. Das war nun freilich für den alten Haudegen nichts. Er wollte nicht stilliegen, lief ingrimmig, wie ein Löwe im Käsig, aus einer Zimmerecke in die andere und hielt nur gezwungen bald das eine, bald das andere Auge mit einem Leinenbeutelchen zu. Mit recht besorgter Miene sah der junge Feldscher ihn auf= und abgehen. Der aufgeregte Zustand des Marschalls gesiel ihm nicht. „Mohren— Schock— Millionen!“ fluchte Blücher. —„Ist das eine Beschäftigung für einen alten Soldaten?— Hm! Hm!— Napoleons Bruder Joseph, den er zum Statthalter ernannt hatte, hat vor einer Stunde Paris verlassen— die Kapitulation wird unterzeichnet— und ich bin nicht dabei!“— ein Fieberschauer ging durch seinen Körper.—„Und morgen vielleicht werden wir einziehen in die Hauptstadt der „Grande Nation“— und ich stehe hier und muß mir die Augen mit heißen„Kalaplasuen“ verkleistern—!“ Der Feldscher erhob sich und reichte, als habe er nur auf sein Stichwort„Kataplasmen“ gewartet, Blücher das Leinsamenbeutelchen. „Mein Marschall“, sagte er ehrfurchtsvoll, doch fest,„wenn Sie sich nur ein paar Stunden der Ruhe gönnen, sich niederlegen möchten, die Augen verbunden — und den Nachmittag noch möchten—“ Aber Blücher brauste wild auf. „Warum nicht gar mit den Scheuklappen in Paris einziehen!?— Ist's nicht genug, daß ich heute beim Marsche und im Gesechte diese Vogelscheuche aussetzen mußte? Soll ich zum Gespött des Feindes etwa werden—?“ Und da der junge Arzt halb mit Gewalt ihm das rechte, blutunterlaufene Auge verband, knurrte er: „Na— ja! Macht nur einen störrischen Maulesel aus m.r, Ihr Pllastertasten!“ Einen Augenblick schoß dem jungen Feldscher das frische Blut ins Gesicht, und seine Wangen färbten sich hochrot: denn hätte ein anderer als der allverehrte „Vater Blücher“ ihm diesen Spottnamen gegeben, er hätte blutige Genuginung gefordert. Aber so war es der„Marschall Vorwärts“— der kranke Blücher. Daher sah der Feldscher trüb vor sich hin, nahm den ausgewechselten Leinsamenbeutel und trat wieder an den Tisch, um seine Pfanne heiß zu bekommen; indes konnte er sich doch nicht enthalten zu sagen: „Das Augenlicht ist eines der kostbarsten Güter des Menschen, mein Marschall! Kein anderer Sinn kann uns entschädigen, wenn uns die Sehkraft verloren geht Diese ernste Mahnung verfehlte ihre Wirkung nicht. Er reichte dem Arzte die Hand und erwiderte ernsten Tones: „Sie haben recht, Hiller, und ich weiß es auch, daß Sie es herzlich gut mit mir meinen. Aber— sagen Sie doch selbst— seit mehr als acht Tagen martern mich diese biutroten Nebel vor den Augen— von den Schmerzen schweige ich ganz Marschall Blacher ließ sich schwer auf einen Ledersessel nieder.„Wenn ich am 29. März zwei Stunden früher in Fère Changenoi eingetroffen wäre, hätte ich die Kaiserin und den Prinzen überrumpelt und gefangengenommen! Durch meinen Fieberansall entkamen sie uns!“ —