He Schunimn Zeihuner uihenn ualch außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 viertelfährlich, dei der Post für Bestellgeld 42 Pfo. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Iäustrierter Famillensreund" u. tögl. Unterdaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gill als Kassarabakt u. erlischt bei sionkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Rctsathuch eerneht.-Sottnetelugne Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Verbunden mit für den nieis we Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerter Cageblatt O Schwerier Inzeiger Grftes und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis börde o Haupt-Annoncenblaft Ale dnte und Ahelenbgrüichen Durd nungen für den Kreis Hörde erlangen gemöß Behanntmachung dei Königlichen Regierung durch Veröffentlichung in dei„Schwerter Zeitung", rechtsverdindliche Kroft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adonnenlen für jeden mit Tod endenden Unfoll ge300 Mk. Unfall. Druchu. Verlage. Cor Bravs Schwerte. Rude Fernsp. 62. Telegr.=Adr. Braus Schwerte=Ruh## Nr. 50. Montag, den 1. März 1915. Die zweite Kriegsanleihe. Durch Ausrufe und Bekanntmachungen wird das deutsche Volk soeben zur Zeichnung auf die zweite Kriegsanleihe eingeladen. Das Deutsche Reich legt diese Anleihe auf, um sich die Geldmittel zu verschaffen, deren es zur siegreichen Durchführung des ihm aufgezwungenen Weltkrieges unbedingt bedarf. Die Anleihe steht den im Frieden ausgegebenen Anleihen des Reiches an Wert und Güte vollständig gleich und genießt wie diese das Privileg der Mündelsicherheit. Sie unterscheidet sich von ihnen aber dadurch, daß sie dem Zeichner unverhältnismäßig viel günstigere Bedingungen bietet, als sie in Friedenszeiten jemals in Frage kommen Guven. G ade 4 Den Hauptbestandten der Anleihe bilden, wie bei der ersten Kriegsanleihe, 5%ige Schuldverschreibungen, die halbjährlich nachträglich verzinst werden. Der Zeichner erhält Wertpapiere nebst Zinsscheinen, welch letztere diesmal jeweils am 2. Januar und 1. Juli, erstmals am 2. Januar 1916 fällig sind und stets einige Tage vor dem Fälligkeitstermin bar eingelöst werden.(Ueber die Einrichtung der sogenannten Schuldbuchbezeichnungen werden wir uns in einem anderen Artikel aussprechen.) Die kleinsten Stücke lauten auf 100 Mk., so daß also Zeichnungen von diesem Betrage aufwärts zulässig sind. Größere Zeichnungen müssen indessen durch 100 teilbar sein. Die Reichsanleihe ist bis zum 1. Oktober 1924 seitens des Reichs unkündbar. Vorher kann auch der Zinsfuß nicht herabgesetzt werden, so daß dem Erwerber bis zu diesem Zeitpunkte die 57ige Verzinsung gesichert ist. Will das Reich nach Ablauf der Unkündbarkeit den Zinsfuß herabsetzen, so hat der Besitzer der Schuldverschreibung die Wahl, ob er nicht vorzieht, statt dessen den Nennwert in bar zurückzufordern. Von seiten des Besitzers kann die Anleihe nicht gekündigt werden. Solche Wertpapiere sind aber in normalen Zeiten jederzeit zum Börsenpreise verkäuflich, so daß der Besitzer, wenn er einmal das bare Kapital braucht, nicht in Verlegenheit gerät. Die erste Kriegsanleihe hat auch in den letzten Monaten trotz des Krieges stets Käuser, und zwar zu einem den Zeichnungspreis erheblich übersteigenden Preise, gefunden. Die naue Anleihe wird zu 98,50 Mk. aufgelegt, d. h. der Zeichner braucht nicht den vollen Nennwert der gezeichneten Anleihe, sondern 98,50 Mk. für je 100 Mk. des Nennwertes zu bezahlen. Die Zahlung ist vom 31. März an zulässig, doch ist bei größeren Zeichnungen Zahlung in Naten, deren letzte erst am 22. August fällig ist, gestattet.— Näheres hierüber ist aus der Bekanntmachung und aus dem Zeichnungsschein ersichtlich. Zeichnungen bis zu 1000 Mk. müssen aber bis spätestens 14. April voll bezahlt werden. Da der Zeichner auf den am 2. Januar 1916 fälligen ersten Zinsschein unter allen Umständen die Zinsen für die Zeit vom 1. Juli bis zum 31. Dezember erhält, so müssen bei allen Zahlungen, die nicht gerade am 30. Juni erfolgen, sogenannte Stückzinsen berechnet werden. Auf Zahlungen vor dem 30. Juni erhält der Zeichner 5% Zinsen vom Nennwert für die Zeit vom Zahlungstage bis zum 30. Juni vergütet, d. h. seine Zahlungsverbindlichkeit vermindert sich um den Betrag dieser Stückzinsen. Für die Jahlungen nach dem 30. Juni muß der Zeichner 5% Zinsen vom 30. Juni bis zum Zahlungstage dazuzahlen. Der Monat wird bei der Stückzinsenberechnung zu 30 Tagen gerechnet. Neben der Reichsanleihe werden auch 5Zige Reichsschatzanweisungen aufgelegt. Diese unterscheiden sich von der Reichsanleihe dadurch, daß sie zu einem bestimmten Termine(bei der gegenwärtigen Anleihe durchschnittlich nach 6½ Jahren) zum Nennwert bar zurückgezahlt werden müssen. Ganfnige viriegnage im Westen und Isien! Großes Hauplquartier, 27. Februar 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. der Champagne haben die Franzosen gestern und heute nacht erneut mit starken Kräften angegriffen. Der Kampf ist an einzelenen Stellen noch imgange. Im übrigen ist der Angriff abgewiesen worden. Nördlich Verdun haben wir einen Teil der französischen Stellungen angegriffen. Das fecht dauert noch an. Von den übrigen Fronten ist nichts wesentliches zu melden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nordwestlich Grodno, westlich Lomza und südlich Pracsnysz sind neue russische Kräfte aufgetreten, die zum Angriff vorgehen. An der Skroda, südlich Kolno, machten wir 1100 Gefangene. Von links der Weichsel ist nichts besonderes zu berichten. Großes Hauplquartier, den 28. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. In der Champagne setzte der Gegner auch gestern seine Vorstöße fort. Die Angriffe wurden in vollem Umsange abgewiesen. Südlich Malancourt, nördlich Verdun, erstürmten wir mehrere hintereinander liegende feindliche Stellungen. Schwache französische Gegenangriffe scheiterten. Wir machten 6 Offiziere und 250 Mann zu Befangenen und eroberten 4 Maschinengewehre und 1 Minenwerfer. Am Westrande der Vogesen warfen wir nach heftigen Kämpfen die Franzosen aus ihren Stellungen bei Blamont=Vionville. Unser Gegenangriff erreichte die Linie Verdinal=Bremenil(östlich Badonvillei) östlich Celle. Durch den Angriff wurde der Gegner in einer Breite von 20 Kilometern und einer Tiefe von 6 Kilometern zurückgedrängt. Die Versuche des Feindes, das eroberte Gelände wiederzugewinnen, mißlangen unter schweren Verlusten. Ebenso wurden weitere feindliche Vorstöße in den Vogesen abgewiesen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nordöstlich Grodno waren gestern neue russische Kräfte vorgegangen. Unser Gegenstoß warf die Russen über die Vorstellungen der Festung zurück. 1800 Gefangene blieben in unsern Händen. Nordwestlich Ostrolenka wurde am Omulew ein feindlicher Angriff abgewiesen. Vor überlegenen feindlichen Kläften, die von Süden und Osten auf Pracznysz vorgingen, sind unsere Truppen in der Gegend nördlich und westlich dieser Stadt ausgewichen Südlich der Weichsel nichts Neues. Oberste Heeresleitung. Die österreichischen Berichte. wtb Wien, 28. Febr. Amtlich wird verlautbart vom 27. Februar, mittags: An der polnisch=galizischen Front stellenweise lebhafter Geschützkampf. In den Karpathen ist die allgemeine Situation unverändert. Im Abschnitt Tucholka=Wyszkow wurde heftig gekämpft. Hier wurde ein neuerlicher Angriff auf die eigenen Stellungen im Oportale nach erbitterten Nahkämpfen unter schweren Verlusten des Gegners zurückgeschlagen. Das angreifende 9. finnische Schützenregiment ließ 300 Tote und wenigstens ebenso viele Verwundete an unseren Stellungen liegen; 730 Mann des Regiments wurden unverwundet gefangen. Ein Allemat auf bus Aus Sofia wird gemeldet: Eine in Rustschuk erscheinende Zeitung veröffentlicht mit behördlicher Erlaubnis einen ausführlichen Bericht über einen rechtzeitig vereitelten Auschlag gegen das bulgarische Königspaar. Die Anstister dazu sind durchweg Russophilen. Die Verschwörer hatten die Absicht, nicht allein das Königspaar, sondern auch die Die mit großer Hartnäckigkeit geführten Kämpfe in Südostgalizien dauern an. wtb Wien, 1. März. Amtlich wird verlautbart vom 28. Februar, mittags: In Polen und Westgalizien hat sich nichts Wesentliches ereignet; es fanden nur Artilleriekämpfe statt. An der Karpathenfront wurde im Raume bei Myszkow, sowie südlich des Dujestr gekämpft. Die Situation hat sich in den letzten Tagen nicht geändert. Der Stellvertreter des Chesg des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. da die Reichssinanzverwaltung nicht allzugroße Fälligkeiten an bestimmten Terminen aufhäufen kann. Es empfiehlt sich deshalb, für alle diejentgen, die mit ihrer vollen Zeichnung an der Anleihe beteiligt werden wollen und in erster Linie Schatz= anweisungen gezeichnet haben, sich damit einverstanden zu erklären, daß ihnen eventl. auch Reichsanleihe zugeteilt wird, eine Möglichkeit, von der auch bei der ersten Kriegsanleihe bereits in weitestem Umfange Gebrauch gemacht worden ist. Gezeichnet kann werden bei der Reichsbank und allen ihren Zweiganstalten, bei sämtlichen deutschen Banken und Bankiers, bei den öffentlichen Sparkassen und ihren Verbänden, bei den deutschen Lebensversicherungsgesellschaften und den deutschen Kreditgenossenschaften. Bei allen diesen Stellen und bei der Post sind auch die Zeichnungsscheine erhältlich. Es werden getrennte Zeichnungsscheine ausgegeben für Anleihe=Stücke(weiß), für Anleihe=Schuldbuch(rot) und für Schatzanweisungen (grün). An allen kleineren Orten(das ist an Orten, wo sich keine öffentliche Sparkasse befindet) werden Zeichnungen auf Reichsanleihe, die bis zum 31. März voll bezahlt werden sollen, auch bei der Post angenommen. Zeichnungsscheine für diese Postzeichnungen sind bei den Postanstalten zu haben uund werden durch diese verteilt. Die Zeichnungsfrist begann am 27. Februar und schließt am Freitag, den 19. März, mittags 1 Uhr. In der ganzen Zwischenzeit werden Zeichnungen entgegengenommen, und das Publikum wird im Interesse einer glatten Erledigung des Zeichnungsgeschäfts guttun, seine Zeichnungen möglichst nicht bis zu den letzten Tagen der Frist hinauszuschieben. M Und nun auf zur Zeichnung! Es ist varerländische Pflicht eines jeden Deutschen, der die Mittel dazu besitzt, auf die Kriegsanleihe zu zeichnen. bringt dadurch, daß er dem Vaterlande sein Geld für die Zwecke der Kriegführung zur Verfügung stellt, nicht einmal ein Opfer, sondern wahrt gleichzeitig seine eigenen Interessen, indem er eine vorzügliche und hochverzinsliche Kapitalanlage zu äußerst billigem Preise erwirbt. 0 russenfeindlichen Politiker des Landes aus dem Wege zu räumen. Der Polizei ist es bereits gelungen, einige Anstifter dieses Komplotts hinter Schloß und Niegel zu bringen. Da jedoch die Verschwörung weit verzweigt ist, stehen noch mehrere Verhaftungen bevor. 1on! Preis, Zahlungspflicht und Verzinsung sind für die Schatzanweisungen ebenso geregelt, wie für die Reichsanleihe. Beide Arten von Kapitalanlage, sowohl Reichsanleihe wie Reichsschatzanweisungen, haben ihre Vorzüge. Die Schatzanweizungen eignen sich mehr für eine vorübergehende Belegung verfügbarer Geldmittel, die Schuldverschreibungen der Reichsanleihe für eine auf die Dauer bemessene Anlage. Erstere. kommen infolgedessen mehr für große Vermögensverwaltungen in Betracht, während für die kleinen Kapitalisten sich die Anlage in Reichsunleihe besser eignen dürfte. Die Reichsanleihe wird ohne Begrenzung ausgegeben, und es können alle ernsten Zeichner auf volle Juteilung der gezeichneten Beträge rechnen. Dagegen wird von den Schatzanweisungen jedenfalls nur ein begrenzter Betrag zugeteilt werden, Ein japanisch=chinesischer Krieg? Die Ablehnung der sämtlichen 21 japanischen Forderungen durch die chinesische Regierung, sowie Pekinger Erklärung, daß es die chinesische gierung mit ihren Hoheitsreichten für unvereinbar halte, sich überhaupt auf Verhandlungen mit Japan einzulassen, verschärft die japanisch=chinesische Spannung dermaßen, daß man mit der Möglichkeit des Ausbruches eines Krieges im fernen Osten ernstlich zu rechnen hat. Da wir über die Vorgänge jenseits der Weltmeere während des Krieges im wesentlichen auf englische Berichte angewiesen sind, so läßt sich die Richtigkeit der eingehenden Meldungen leider nicht sofort nachprüfen. Treffen sie zu, was durchaus wahrscheinlich ist, so erfüllt sich wiederum ein Teil des Gebetswunsches„Gott strase England“ und zwar da, wo man es am wenigsten erwartet hatte. England verliert durch einen Krieg im fernen Osten zunächst Amerika als Waffen= und Lebensmittellieferanten. China würde im Bewußtsein seiner Schwäche Japan nicht zu reizen wagen, wenn es nicht von dritter Seite militärischer Unterstützung sicher wäre. Diese dritte Seite aber ist die nordamerikanische Union. Da Japan auch bereits auf die Philippinen ein Auge geworfen hat, so sehen sich die Vereinigten Staaten von Nordamerika vor so ernste Aufgaben zum Schutze ihrer eigenen Interessen gestellt, daß sie die Unterstützung Englands und Frankreichs einstellen und sich selbst auf eine kriegerische Aktion vorbereiten müssen. Es ist in4 teressant, daß diese Wenduung in dem Augenblick eintritt, da der frühere englische Admiral Lord Beresford den Amerikanern weiszumachen bemüht ist, daß Deutschland amerikanische Handelsschi je zu vernichten suche, um auch die nordamerikanische Union in den Krieg zu verwickeln und infolge der Beteiligung Amerikas an den Friedensverhandlungen womöglich günstigere Bedingungen als sonst für sich herauszuschlagen. Mailand, 28. Febr.„Sera“ meldet aus Tokio: Das Regierungsblatt„Kokumin Schimbum“ veröffentlicht eine amtliche Erklärung, wonach Japan keine Vermittelung einer dritten Macht im japanisch=chinesischen Konflikt zulasse. —— Eine Kaiserrede die der Monarch während seines jüngsten Aufenthaltes auf dem östlichen Kriegsschauplatze gehalten hat, wird erst jetzt bekannt. Der Kaiser spricht darin den Truppen seine volle Anerkennung für ihre Taten aus und bezeichnet es als die Aufgabe des jetzigen Krieges, die Existenzberechtigung Deutschlands vor der ganzen Welt zu beweisen. Die Deutschen seien es gewöhnt, mit überlegenen Kräften zu kämpfen und zu siegen. Ein Mann mit Gott ist immer die Majorität. Unsere Feinde wissen nicht, wofür sie kämpfen. Sie tragen den schweren Tornister des bösen Gewissens, ein friedliebendes Volk überfallen zu haben. Wir aber ziehen gegen den Feind mit dem Sturmgepäck des leichten Gewissens. Zum Erfolge ist aber auch nötig, daß jeder Mann seine Pflicht tut. Ich erwarte und verlange daher, so schloß der Kaiser mit gehobener Stimme, daß jeder sein Letztes hingibt an Gesundheit und Lebenskraft, bis der Sieg unser ist. Der Feind muß völlig niedergerungen werden, und die Friedensbedingungen werde ich mit den Bajonettspitzen meiner Soldaten diktieren. Der Krieg gegen Frankreich. In Erwartung einer großen Schlacht. tu Kopenhagen, 28. Febr. Wie der Korrespondent der Tel.=Union erfährt, haben die Franzosen in Erwartung einer großen Schlacht in Nordfrankreich die dortigen Lazarette geräumt und ihre Verwundeten nach dem Süden transportiert. Offiziersmangel in Frankreich. wtb Paris, 28. Febr. Der„Temps“ meldet, daß der Kriegsminister die Zivilbehörden ersuchte, schnellstens die Namen der Infanterie=, Artillerieund Genieoffiziere bekannt zu geben, die als Beamte tätig sind, aber zu dem aktiven Dienst einberufen werden können, ohne daß die Dienste der Verwaltungszweige durch diese Einberusung gestört werden. Die wiedereinberufenen Offiziere haben gemäß ihrem Dienstalter Anspruch auf Beförderung. Dag deutsche Luftbombardement auf Calais. bb Amsterdam, 28. Febr. Nach dem hier verpätet eingetroffenen„Eclair“ aus Havre wurden bei dem deutschen Luftbombardement auf Calais am 22. Februar 18 Häuser zerstört und 30 Personen getötet. Wie Joffre lügt. Am 16. Februar und den folgenden Tagen unternahmen die Franzosen im Abschnitt nordöstlich von Reims mehrere Vorstöße, deren Erfolglosigkeit unseren Lesern aus den amtlichen deutschen Berichten bekannt ist. Joffre benutzte diese Gelegenheit, um besondere Erfolge für die Franzosen festzustellen. Wie diese„Erfolge“ aber in Wahrheit aussehen, geht aus einem Briefe eines Teilnehmers an den Gefechten hervor, aus dem wir folgendes mitteilen möchten: Am 16. hatten wir ein Gefecht. Nun lese ich in der Zeitung den amtlichen französischen Bericht darüber, wo es heißt:„Im Abschnitt nordöstlich Reims rückten wir bei Loivre vor. Das ist nicht wahr. Gewiß rückten sie wohl vor, haben aber vergessen, anzugeben, daß wir die Vorrückenden zu Gefangenen machten u. daß etwa 400 Tote vor unserer Iront liegen blieben. Unsere Artillerie hat an dem Tage auch gut gearbeitet und immer in die französischen Reservekolonnen geschossen. Sechsmal sind die Franzosen aus ihren Schützengräben gekommen und genau so oft von uns mit schweren Verlusten zurückgejagt. Blockade=Krieg gegen England Englische Dampfer überfällig. bb Amsterdam, 1. März. Die hier eingetroffene„Times“ vom Donnerstag melden, bei Lioyds Versicherungsbureau gelte eine große Anahl Dampfer als überfällig. Fallg nichts Näheres bis Mittwoch von ihnen gehört wird, dürften sie als verloren gelten. Diese Dampfer sind u. a.„Glenmorven", 2812 Tonnen, die„Theres Heimann“, 2333 Tonnen, die„Nigger“, der Dampfer„Eyguus“. ferner melden die„Times": Der belgische Dampser„Regier“, 3099 Tonnen, der in englischen Besitz übergegangen war, ist an der englischen Küste gestrandet. Der Versicherungssatz für die Schifse zer Ellermannlinie, die nach Colombo abfahren, war nicht weniger als 30 Prozent. Vor dem ersten Anterseebootsangriff in der Irischen See betrug der Versicherungssatz nur 5 Prozent. Allgemeines amerikanisches Ausfuhr verbot? bb Frankfurt a. M., 28. Febr. Aus Neuyork wird gemeldet: Die Regierung ist besorgt wegen der Ausfuhr nach Europa. Präsident Wilson befürwortete ein Gesetz, das ihn ermächtigt, ein allgemeines Ausfuhrverbot zu erlassen, wodurch er gewisse kriegführende Mächte zwingen will, die Belästigungen des amerikanischen Handels zu unterlassen. Die amerikanische Kriegslieferung stockt. tu Mailand, 1. März,„Neuyork Herald“ meldet: Infolge des Unterseebootskriegeg in den englischen Gewässern sind fünfzehn mit Kriegsmaterial für England befrachtete Dampfer am Auslaufen verhindert. Die„Dacia“ festgehalten. bb Berlin, 1. März. Die„Berl. Zeitung am Mittag“ erfährt aus Amsterdam, daß ein französischer Kreuzer den Baumwolldampfer„Dacia“ im Kanal angehalten und nach Brest gebracht habe. werden, dürfte die Zugkraft dieses herzbeweglichen Aufrufs wohl in etwa beeinträchtigen. Hollands Sorge um Niederländisch=Indien. Die Ereignisse in Ostasien, die die japanische Gefahr auch für Indien näher gerückt hat, wird von der niederländischen Regierung mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt. Zwischen der niederländischen Regierung und den Vereinigten Staaten stehen Verhandlungen bevor, die die Uebernahme einer Garantie für die Erhaltung eines holländischen Besitzstandes im indischen Ozean(Nieder= ländisch=Indien) durch die Vereinigten Staaten zum Zweck hat. Man vermutet, daß sich die Garantie des holländischen Kolonialbesitzes durch die Vereinigten Staaten, über die schon vor Jahren ergebnislos verhandelt wurde, auch gegenüber etwaigen Gelüsten Englands auf Niederländisch=Indien erstrecken soll. Der Krieg gegen Rubland. Englands Rekrutenanwerbungen. Die Rekrutenanwerbungen scheinen nach einem Bericht der„Voss. Itg.“ nicht so zufriedenstellend zu sein, wie man uns glauben machen möchte. Im Inseratenteil der„Times“ befinden sich in den letzten Tagen wieder folgende Fragen für Männer: Lohnt es Euch, Eure Frauen vor Schlimmerem als dem Tod zu bewahren? Eure Dörfer, Felder und Aecker vor Vernichtung, Eure Freiheit gegen Unterdrückung zu schützen? für Recht gegen Macht, für Menschlichkeit gegen Barbarei zu kämpfen? Wenn das lohnt, dann laßt Euch heute noch anwerben! Wenn das nicht zieht, zieht gar nichts mehr. Der Gedanke, kurz nach der Abfahrt mitsamt dem Truppentransportdampfer durch ein deutsches Unterseeboot auf den Grund des Meeres versenkt zu Die regelrechte Flucht der Russen aus Masuren. tu Berlin, 1. März. Der Korrespondent des „Berl. Tagebl.“ meldet aus Stockholm: Entgegen den amtlichen ussischen Berichten, das russische Heer hätte nach der Winterschlacht in Masuren sich in aller Ordnung zurückgezogen, erfährt der Korrespondent von einem soeben in Stockholm eingetroffenen Augenzeugen, die Russen seien in panikartiger Flucht ohne jede Ordnung, als hätten sie alle Sinne verloren, geflohen. Viele Soldaten hatten kaum Zeit gefunden, sich anzukleiden und sind trotz der Kälte in bloßer Unterwäsche, also ohne Hosen, geflohen. Die Russen werden bescheiden. Die jetzt vorliegenden Petersburger Zeitungskommentare heben die numerische Ueberlegenheit der Verbündeten als Hauptursache der russischen Rückwärtsbewegungen hervor. Oberst Schumski berichtet in den„Bischewija Wjedomosti“, daß die Deutschen allein an zwei Fronten mindestens 60 Armeekorps, also drei Millionen Mann eingesetzt hätten. In einem militärischen Artikel heißt es, man müsse sich mit der Tatsache abfinden, daß die Russen nun zum zweiten Male Ostpreußen geräumt hätten. Der Marsch nach Berlin, von dem die Toren faselten, habe sich als das erwiesen, was jeder vernünftig Denkende wußte, als ein Unsinn. Die Russen seien aber noch immer mnübertrefflich in ihrem schwachen Widerstande und ihrer Gegenstoßkraft. Im allgemeinen wird mit Nachdruck darauf verwiesen, daß es nun abzuwarten gelte, ehe man ein abschließendes Urteil über die Lage und Zukunftsabsichten fälle. Der russische Durchbruch am Duklapatz vereitelt. tu Budapest, 1. März. Der Kriegsberichterstatter des„Esti Usjag“ meldet: Seit drei Wochen sind die heftigsten Kämpfe am Dukla=Paß im Gange. Die Russen haben mit Uebermacht einen Durchbruch an dieser Linie angestrebt. Jedoch hat jeder ihrer Versuche nach dieser Richtung hin mit einem Mißerfolge geendet. Das Ziel der Russen ist offenbar die Eisenbahnlinie Kaschau=Oderberg, um dadurch unsere Truppen= und Munitionstransvorte unmöglich zu machen. Diese Bestrebungen konnten als völlig vereitelt angesehen werden. Das Feldherrngenie Hindenburgs wird von Wiener Blättern als eines der bedeutendsten aller Zeiten gefeiert. Hindenburg hat sich eine eigene Strategie zurechtgelegt und auch als Schlachtenlenker vielfach neue, wenigstens in der Praxis neue Bahnen beschritten. Die Hauptgrundsätze der bewunderswerten und erfolgreichen Hindenburgschen Strategie, die nach der mehr als halbjährigen Kriegführung erkennbar geworden sind, erstrecken sich auf das Bereitstellen der Kräfte, auf ihr Ansetzen und auf die Ausnützung des Erfolges. Bei der Bereitstellung der Kräfte kommt es vor allem auf das Erkennen des richtigen Momentes für die beabsichtigte Operation an. Das läßt sich nicht lernen, sondern ist Instinkt oder Genie. Unter Ausnutzung der reich entwickelten Verkehrswege verschiebt Hindenburg von weit her seine Heeresmassen und ballt sie an entsprechenden Punkten zusammen. Geheimhaltung ist sein oberster Grundgedanke, die Folge davon, Ueberraschung des Gegners. Hinderburg weiß seine Maßnahmen auch den feindlichen Fliegern zu verschleiern. Das Ansetzen der Truppen ist immer gegen die schwächsten Punkte des Feindes gerichtet, gegen seine Flanke. ja gegen seinen Rücken. Die eigentliche Front greift an, beißt sich fest und zieht starke Kräfte auf sich. Inzwischen beginnt die Zange ihr unheilvolles Werk und vollendet es mit mathematischer Präzision und unwiderstehlicher Gewalt. Ist die Schlacht entschieden, so kennen Hindenburg und seine Truppen noch keine Ruhe. Nicht die Verdrängung, sondern die Vernichtung des Feindes ist das Ziel, das durch eine mitleidlose, erbitterte und unaufhaltsame Verfolgung erreicht wird. Der heilige Ktieg. Die Beschießung der Dardanellen. wtb Konstantinopel, 28. Febr. Das Hauptquartier teilt unterm 26. Februar mit: Durch eine siebenstündige Beschießung mit schweren Geschützen haben die feindlichen Schiffe gestern unsere äußeren Forts an den Dardanellen an einigen Punkten beschädigt. Trotzdem hatten wir nur einen Verlust von 5 Toten und 14 Verwundeten. Auch heute hat die seindliche Flotte die Beschießung fortgesetzt, hat sich dann aber nachmittags aus dem Feuerbereich unserer Batterien bei Sedil Bahr zurückgezogen. Am 10. Februar hatte ein französischer Kreuzer an der Küste von Akaba etwa 100 Soldaten ausgeschifft. Nach einem zweistündigen Gefecht flüchtete der Feind unter Verlusten auf das Schiff zurück. Trotz der Heftigkeit seines Geschütz= u. Maschinengewehrfeuers hatten wir nur 3 Tote und 3 Verwundete. Die Türken im Anmarsch auf den Suez=Kanal. tu Amsterdam, 1. März. Reuter meldet offiziell aus Kairo: Flieger, die über die Sinai=Halbinsel geflogen sind, stellten fest, daß eine türkische Streit' macht bei El Sekri und Dschemals Armee bei El Anja und Bersheba stehen. Jahl der deutschen Kriegsgefangenen. bb Frankfurt a. M., 28. Februar. Die„Frankf. Ztg.“ meldet aus Bern: Die deutsche Gesandtschaft in Bern macht der Schweizer Presse folgende Mitteilung: In ausländischen Zeitungen sind vielfach ungeheuerliche Angaben über die Zahl der dautschen Kriegsgefangenen in Feindesland gegeben worden. Demgegenüber wird festgestellt, daß nach den von Frankreich, England und Nußland durch Vermittelung neutraler Regierungen dem preußischen Kriegsminister zugegangenen Angaben bis um 29. Januar d. J. gemeldet wurden in Frankreich und in den französischen Kolonien 49 350, in England 7240 und in Rußland 2030 deutsche Kriegsgefangene, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß in dieser Summe sich eine große Zahl Verwundeter befunden hat.— Hierzu bemerkt die „Frankf. Ztg.“: Die Zahl für Rußland dürfte auf einem Irrtum beruhen und ist mit rund 20 000 anzunehmen. Ehre und Liebe. Roman von Käthe Lubowski. 30 Tarenberg schrieb, bevor er sich bei seinen Vorgesetzten meldete, den Brief an Nora. Er sah ein, daß schon in dem bloßen Versuch, sich freimachen zu wollen, unter den obwaltenden Verhältnissen eine arge Pflichtverletzung gelegen hätte, die er sich niemals vergeben haben wurde. Daß er, sobald die Kameraden wieder dienstfähig wurden, die Reise nach München ausführte, stand bei ihm fest. Aber zwischen Vorsatz und Ausführung hat von jeher der mächtige Wille des Schicksals gelegen, der die Menschen schob nach seinem Ermessen. 8. Kapitel. Es war heute ein sehr schwerer, unerquicklicher Tag gewesen. Tarenberg hatte zuerst die Reitstunde der Unteroffiziere und die der alten Fahrer geleitet. Das schlimmste aber waren Leutnant Merlitts Rekruten. Die Kerle hingen wie die Backpflaumen auf den Sätteln. Zusammengeduckt und verängstigt hielten sie mit den Beinen krampfhaft ihren Gaul umklammert. Es war zum Gotterbarmen. Keinen Schluß, keine Haltung, keinen Mut. Mit dem Schrittreiten und der Volte ging es einigermaßen. Da behaupten sie wenigstens noch ihren Sitz. Beim Traben fing's an. Bautz, flog einer ab— bautz, strampelte der andere auf dem losen, sandigen Boden der Reitbahn. Beim Galopp erreichte ihr Elend den Höhepunkt. Sie lagen zappelnd und pustend neben eineiander, als wenn Stümecke, der zur heißen Sommerszeit in seines Leutnants Wohnung auf die Fliegen erfolgreich Jagd machte, zum Menschenklappen kommandiert gewesen wäre. Für Tarenberg konnte darin doch eigentlich kein Grund zur schlechten Laune liegen. Es war auch mehr eine leichte Traurigkeit, die sich bei ihm geltend machte. Nach sieben Wochen durften die Rekruten nicht mehr in solchem Zustande sein. Der kleine Merlitt nahm es eben nicht ernst mit seiner Aufgabe. Er betrachtete den Dienst lediglich als eine angenehme Unterbrechung seiner Mußestunden und die Ausbildung der Rekruten als eine gymnastische Uebung seiner Lungen. Er vertiefte sich nicht in seine Aufgabe, studierte die Eigentümlichkeiten der einzelnen Leute nicht, sondern schor sie alle, von dem athletischen Bauernsohn an bis herunter zu dem schmalbrüstigen, in der Uniform hängenden Schneidergesellen über einen Kamm. Herrgott noch einmal. Das ihm übergebene Material war nicht wertloser, wie das der verflossenen Jahrgänge, nur der Mann, der es abschleifen und zu einer straffen Macht herausschälen sollte, taugte nichts zu dieser Arbeit. Tarenberg saß an seinem Schreibtisch und wog den Federhalter unschlüssig in der Hand hin und her. Bei dem„Gemütlichen“ im Kasino hatte er sich mit Arbeit entschuldigt. Es war auch wirklich keine leere Ausrede gewesen. Er hatte viel durch sein Fernsein versäumt und benötigte dieser stillen Abendstunden vollauf, um nachzukommen. Aber nun konnte er nicht arbeiten. Seine Gedanken irrten umher und ließen sich nicht auf einen Punkt festnageln. Der Wind heulte sein eintöniges Lied durch die Straßen und schwere Regentropfen klatschten gegen die Fensterscheiben. Es war ein finsterer, unheimlicher Abend für Einsame und für solche, die heimatlos umherirren mußten. Tarenberg öffnete die oberen Knöpfe der Litewka. Es preßte und engte ihn heute alles ein. Dann horchte er plötzlich aufmerksam hinaus. Es war ihm gewesen, als wenn sich schwerfällige Tritte die Treppe hinaufschleppten. Aber er hatte sich natürlich geirrt. Das gleichmäßige Tropfen des Regens verursachte das tappende Geräusch. Wer sollte auch wohl an dem unheimlichen Abend freiwillig das Zimmer verlassen? Stümecke hatte Urlaub, die Kameraden saßen, soweit sie nicht auf ihrer Bude bei Grog und Kognak ihre Jufluenza ausschwitzten, im Kasino, und die Stunde, die den Briefträger herbeiführen konnte, war längst vorüber. Mit schnellem Entschluß tauchte Tarenberg die Feder von neuem ein, um sich gewaltsam zu ernstem Nachdenken zu zwingen. Damit würde er die aus Nichtstun und Unzufriedenheit geborenen Sinnestäuschungen am besten verscheuchen. Aber er mußte sie doch wieder aus der Hand legen. Ein leiser Ton, als wenn jemand mit kraftlosen Händen den Knopf der elektrischen Klingel berührt habe, zitterte durch das Zimmer. Werkonnte um diese Stunde zu ihm kommen? Ein heißes, unerklärliches Angstgefühl stieg in ihm hoch, ähnlich dem, das damals in ihm gewesen war, als der Bote das Telegramm aus Hohen=Litzen gebracht hatte, das ihn an das Sterbelager seiner Mutter rief. Er zündete die Kerze an und ging hinaus. Es war, als ob seine Hand beim Oeffnen der Flurtür bebte. Eine dunkle, schmale Gestalt stand draußen. Ein Mädchen. Er konnte ihr Gesicht in dem durch den scharfen Luftzug hin= und herirrenden Schein der Flämmchen nicht erkennen. Sie stand regungslos und hielt das Haupt tief gesenkt. „Darf ich fragen, was Sie zu mir führt?“ fragte er höflich,„oder sollten Sie sich in der Hausnummer geirrt haben?“ Da klang ihm ein Ton entgegen, der ihn bis ins Innerste traf. „Hans, vergib mir, ich konnte nicht anders.“ Der Leuchter entglitt seiner Hand und die Kerze erlosch. Es war ganz dunkel um sie her. Aber er bedurfte des Lichtes auch nicht mehr. An der hilflos jammernden Stimme erkannte er sie. „Nora,“ sagte er leise,„liebe kleine Schwester, was haben sie Dir getan?“ Sie schluchzte wild auf und warf die Armeum seinen Hals. „Schick' mich nicht wieder fort, Haus Weddo," flehte sie,„tu's nicht. Die Nacht ist so kalt und dunkel und ich fürchte mich so sehr.“ „Sei ganz ruhig, Kind. Du bleibst bei mir. Komm herein, Du sollst mir erzählen, was Dich fortgetrieben hat. Danach wollen wir gemeinsam überlegen, was weiter zu tun ist.“ Vollek Freude will sie ihm folgen. Aber die Füße gehorchen ihr nicht mehr. Die Aufregung der letzten Tage war zu gewaltig für das zarte Mädchen. Sie taumelt gegen die Wand und bricht haltlos zusammen. Da nimmt sie Tarenberg auf seine Arme und trägt sie in den Lehnstuhl am Kaminfener, der früher in Hohen=Litzen an dem Fenster der Turmstube gestanden hat, in der die viele Sonne war. Bei dem Schein der Lampe sieht er, daß ihr Körper von Fieberschauern geschüttelt wird. Ihre Brust keucht und die tiefen Augen glühen förmlich aus dem schmalen Gesichte heraus. Sie ist jakrank. Vielleicht sogar totkrank. Er flößt ihr Arrak ein und reibt ihre eiskalten Hände. Allmählich verliert sich das ruckartige Zucken der jungen Glieder und die Flamme in den dunklen Sternen erlischt. Sie wurde ruhiger.— Sie murmelt etwas. Er neigt sein Ohr zu ihrem Munde herab. „Ich habe— Hunger, Hans Weddo,“ sagt sie in heißer Scham und deckt die Hände über das Gesicht. Er schämt sich auch, daß die Tochter seiner Mutter vor Entkräftung, einer Bettlerin gleich, zusammenbrechen, und wie eine Diebin, wenn es ganz dunkel ist, zu ihm schleichen muß. Im Küchenspinde werden vielleicht ein paar Fleischreste stehen. 220,16 Er eilt heraus und stellt vald darauf einen Teller, mit allem, was er vorsand, vor ste hin. Gierig nimmt sie ein paar Bissen. Dann schiebt sie alles zurück und sieht ihn angstvoll an. Ermuß den wehen, gequälten Blick, der ihm das Herz zerreißt, aus ihren Augen forthaben. Gr muß ihr die Angst nehmen. Leise streichelt er ihr dunkles, volles Haar und zieht ihr behutsam die lose. Jackeaus. nbar geworden llen der Kräfte, nützung des Err K r ä f t e k o m m t is richtigen Moition an. Das Instinkt oder Geentwickelten Vervon weit her in entsprechenden na ist sein oberon, Ueberraschung iahmen auch den n. Das Ansetzen die schwächsten zen seine Flanke. eigentliche Front starke Kräfte auf inge ihr unheilit mathematischer Gewalt. Ist die Hindenburg und Nicht die Verg des Feindes ist ose, erbitterte und st wird. ardanellen. r. Das Hauptr mit: Durch eine chweren Geschützen ern unsere äußeren nigen Punkten benur einen Verlust n. Auch heute hat ießung fortgesetzt, aus dem FeuerSedil Bahr zurückte ein französischer ba etwa 100 Solzweistündigen Ged unter Verlusten er Heftigkeit seines ers hatten wir nur den Suez=Kanal. uter meldet offiziell die Sinai=Halbinsel ine türkische Streit' ials Armee bei El sgefangenen. nar. Die„Frankf. itsche Gesandtschaft eesse folgende Mitngen sind vielfach ie Zahl der dautndesland gegeben stgestellt, daß nach ind Rußland durch ngen dem preußinen Angaben bis wurden in Frankkolonien 49 350, in ind 2030 deutsche berücksichtigen ist, große Zahl Verierzu bemerkt die Rußland dürfte auf ist mit rund 20 000 ibst bei mir. Komm as Dich fortgetriekeinsam überlegen, gen. 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So hat in Polen bis zum Ende der vorigen Woche ununterbrochen Frost geherrscht, der zwar nicht besonders strung war, der aber doch ausgereicht hat, die miserablen russischen Landstraßen passierbar zu machen, zumal das Land eine zusammenhängende Schneedecke trug. Die Ausdehnung des mitteleuropäischen Tauwetters auf den Osten dürfte allerdings in diesen Tagen bis auf die polnischen Kampsplätze gelangt sein, wo sich vermutlich die Wegeverhältnisse wieder verschlechtern dürften. Wesentlich strenger als in Polen aber war der Frost in Masuren, das ja als die kälteste Region Mitteleuropas bekannt ist. Es zeugt von dem außerordentlichen Weitblick und dem glänzenden strategischen Dispositionstalent unserer Heeresverwaltung, daß sie es verstanden hat, den entscheidenden Schlag in Ostpreußen just zu der Zeit zu führen, in der die Witterung weitausholenden Operationen so gunstig war, wie sie es während des Winters in diesen Gebieten überhaupt sein kann. Unsere Truppen hatten zwar schwer unter den Unbilden des Winters, namentlich durch den Schnee, zu leiden; aber der festgefrorene Boden machte die Truppen doch auch wieder weit beweglicher, als sie es bei Regen und Schlamm gewesen wären. Auch am anderen Flügel der riesigen Front, in der Bukowina, haben unsere Verbündeten den dort jetzt noch herrschenden tiefen Winter rechtzeitig ausgenutzt, um die Russen aus dem Lande zu jagen, bevor die dort bald beginnende Schneeschmelze die Operationen zu hindern anfängt. Auf den westlichen Kriegsschauplätzen heirscht, soweit die ebenen Gebiete in Westflandern und in Nordfrankreich in Betracht kommen, nach wie vor Tauwetter, und die gelegentlichen Nachtfröste vermögen daran nichts zu ändern. In den Vogesen allerdings ist zurzeit der Winter noch nicht überwunden, und es sind erst dieser Tage dort wieder starke Schneefälle vorgekommen. In der letzten Generalversammlung hielt der Zuchtdirektor Brüning=Münster einen Vortrag über „Winterfütterung unserer Viehbestände während des Krieges", während Landwirtschaftslehrer Lachhammer=Dortmund über die„Verwendung der Kartoffeln und Kartoffelfabrikate zur Brotbäckerei“ sprach. Durch die gesetzlichen Vorschriften für Bäckerien, so führte der Redner aus, sei das Wesentlichste bereits bekannt geworden. Es sei aber nötig, daß auch die selbstbackenden Privathaushaltungen nach den gesetzlichen Maßnahmen handelten. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft habe ein Büchlein herausgegeben mit vielen ausprobierten Rezepten für schmackhaftes und dauerhastes Brot, für Speisen, Früchte==Einmachen usw. unter Verwendung von Kartoffelmehl,=Stärke, =Sirup,=Flocken,=Walzmehl usw.— Ueber die Jahresrechnung für 1914 berichtete Herr Maßmann. Die Einnahmen haben 10 694,58 Mk., die Ausgaben 9755,60 Mk. betragen, sodaß ein Bestand von 938,98 Mk. verbleibt. Der Voranschlag für 1915 lehnt sich an den vorigen an. Der Etat wurde genehmigt. Eine rege Besprechung veranlaßte ein Schreiben des Regierungspräsidenten wegen der Beschäftigung von Kriegsgejangenen in der Landwirtschaft Gefangene sollen nur in Trupps von 80 bis 100 Mann mit 8 bis 10 Bewachungsmannschaften zur Verfügung gestellt werden. Ihre Beschäftigung kann in einem Umtreise von 6 Kilometern von ihrer Unterkunstsstelle ersolgen. Man verkannte nicht die Schwierigkeiten, die sich wegen der Bewachung bei manchen Arbeiten (z. B. beim Düngerfahren) ergeben würden, wo die Beschäftigung von 8 bis 10 Mann an einer Stelle nicht möglich sei; ferner würde nicht ständig Arbeit vorhanden sein. Das Bedürfnis nach Gefangenenarbeit wurde anerkannt, doch soll zunächst das Landratsamt ersucht werden, Mittel und Wege zu finden, die die Beschäftigung von Gefangenen möglich machen. Ferner soll das Landratsamt gebeten werden, zu versuchen, ob sich nicht eine Aenderung der Zeit erreichen läßt, in der die Ersatztruppenteile Leute, die sonst in der Landwirtschaft tätig sind, beurlauben können. Festgesetzt ist die Zeit vom 13. März bis zum 5. April, aber man war allgemein der Ansicht, daß diese Zeit nicht genüge. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 1. März. **(Meldepflicht des Landsturms.) In einem sam gemacht sei. Die Sitzung findet, wie immer, im Stadtverordneten=Sitzungssaal statt. **(Kriegerverein.) Abermals hat der Verein den Verlust eines alten, treuen Kameraden zu beklagen. Am Samstag starb im hohen Alter von 80 Jahren der Schuhmachermeister Wilh. Nöhrscheidt, der seit 1876, also seit Gründung des Vereins, Mitglied war, ein Mitkämpfer aus großer Zeit. 1864 stand er beim Landwehrbataillon Apenrade, 1870 machte er im Landwehrbataillon den bekannten Ueberfall bei Chatillon(19. Nov.) mit. Ehre seinem Andenken! ** Westhofen, 1. Konzert.) Jum Erlaß der zuständigen Minister werden die unausgebildeten Landsturmpflichtigen der vom Aufruf betrofsenen Jahresklassen in Preußen darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich bei der Ortsbehörde ihres Aufenthaltsortes zur Landsturmrolle anzumelden und beim Verzug in einen anderen Bezirk ebenso bei den Ortsbehörden an= bezw. abzumelden haben, wie die Militärpflichtigen. Die ausgehobenen unausgebildeten Landsturmpflichtigen unterliegen der Kontrolle des Bezirkskommandos. (Königlich Preußische Klassen=Lotterie.) Die Spieler werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Lose zur 3. Klasse 5.(231.) Lotterie bis. spätestens Montag, den 8. März, erneuert werden müssen. Gleichzeitig müssen bis zu diesem Tage auch die Freilose 3. Klasse unter Vorlegung der Cewinnlose 2. Klasse planmäßig abgefordert werden. Der Hauptgewinn der 3. Klasse beträgt 75 000 Mark. Die Ziehung beginnt am 12. März. **(Wochenmarkt.) Vom Mittwoch ab nimmt der Wochenmarkt wieder um 8 Uhr morgens seinen Anfang. **(Der jüngste Kriegsfreiwinige) unserer Stadt ist der 15jährige August Haßler aus der Wilhelmstraße. Der junge Mensch hatte sich einem hier durchkommenden Truppentransport angeschlossen und war auf diese Weise bis über die französische Grenze gelangt. Auf nachträglich eingeholtes Einverständnis des Vaters ist er dann als Kriegsfreiwilliger eingestellt worden. (Rotes Kreuz.) Die auf morgen(Dienstag) nachmittag anberaumte Sitzung des Roten Kreuzes (einschließlich Hilfsausschuß) mußte besonderer Umstände wegen auf Mittwoch, 3. März, verlegt werden, worauf auch an dieser Stelle noch aufmerkMärz.(Wohltätigkeitsonzert.) Zum dritten Male hatte sich die edle Sangeskunst in unserer Stadt in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt, und zwar war es dies mal der Männer=Gesangverein, der zum Besten des Hilfsausschuß ein Konzert im Schulteschen Saale veranstaltet hatte. Auch diese Veranstaltung hatte sich eines überaus regen Besuches seitens der Bürgerschaft zu erfreuen; der Saal war sehr gut mit einer andächtig lauschenden Zuhörerschar besetzt. Der Gesangverein wartete mit einem reichhaltigen, der ernsten Zeitlage angepaßten Programm auf und brachte unter der strassen Leitung seines Dirigenten Musiklehrer Kuuff eine Anzahl prächtiger Lieder stimmungsvoll zum Vortrag. Rauschender Beisall folgte jeder Nummer, sodaß Sänger und Dirigent mit dem gestrigen Erfolge wohl zufrieden sein können. Am besten gefallen hat uns der prächtige Chor„Die Ronde am Rhein“ von Ziegler, welcher in der lebendigen Wiedergabe seitens aller Mitwirkenden ganz vorzüglich gelang; auch das„Abendglöcklein“ von Heyland war von ganz intimem Reiz.— Der Dirigent des Vereins, Herr Knuff, betätigte sich auch als Solist; er sang mit recht weicher Baritonbezw. Baßstimme u. a. die Löwe'sche Ballade„Tom, der Reimer“, die bekannte Arie aus der„Undine" in der Gumbert'schen Bearbeitung und trug nicht wenig zum guten Gelingen des Abends bei, wenn auch die Begleitung auf dem sehr verstimmten Klavier mit den„silberblanken Glöckelein“ aus der Löwe schen Ballade sehr wenig Aehnlichkeit hatte. — Auch das mitwirkende Musik=Quartett(Klavier, Geige, Klarinette und Trompete) hielt sich recht wacker; die tadellose Wiedergabe der großen Fantasie aus„Nigoletto“ von Verdi z. B. war eine hochanzuerkennende Leistung, aber daß man die allerdings sehr anspruchsvolle„Norma"=Fantasie von Bellini einfach unter den Tisch fallen ließ, war nicht schön. Hatten die Herren vielleicht die Noten hierzu aus Versehen vergessen?— Während einer Konzertpause feierte Herr Max Lohmann in begeisterten Worten die infolge des Krieges so recht zutage getretenen hervorragenden Charaktereigenschaften des deutschen Volkes, die Einigkeit, Königstreue und Vaterlandsliebe, und vor allem die überaus große Opferwilligkeit. Er dankte namens des Hülfsausschusses dem Verein für die Veranstaltung des Konzerts u. brachte dann ein jubelnd ausgenommenes Hoch auf den Kaiser aus, worauf von den Anwesenden die Kaiserhymne gesungen wurde. ** Kalthof, 27. Febr.(Der Kriegsliebesdienst) unserer Gemeinde erstreckt sich außer der Mitwirkung für das Rote Kreuz, besonders auf die Kriegsteilnehmer unseres Schulbezirkes. Dank der Opferwilligkeit unserer Hausmütter konnten für 220 Mk. Wolle durch die fleißigen Hände der Frauen, Jungfrauen und Schülerinnen zu Wollsachen für unsere Krieger verarbeitet werden. Der Gesangverein Männerchor, der sein Barvermögen opferte, und dem eine Skatvereinigung und die Totenwagen=Genossenschaft eine ansehnliche Summe beisteuerten, hat die Verteilung der Liebesgaben bewirkt. So konnten im Oktober 26 große Pakete mit Unterzeug, Strümpfen, Tabak, Zigarren, Schokolade und anderen nützlichen Dingen, zu Weihnachten 36 Pakete ähnlichen Inhaltes nebst Wirst usw. abgesandt werden. Die dankbaren Empfangsbestätigungen, spornen zu neuer Liebestätigkeit an. Für die Folge soll, da die Zahl der Kreigsteilnehmer auf 44 angewachsen ist, der Bedarf an Geldmitteln durch monatliche Sammlung eingeholt werden, damit unsere Feldgrauen in gleichen Zwischenräumen ein Liebeszeichen aus der Heimat erhalten. Büchertisch. Alle unter dieser Rubric besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Kriegspostkartenserie. Im Buch= und Kunstverlage von Karl Mittag, Gernrode=Harz, erschien soeben„Deutschland werde hart!", Kriegspostkartenserie bestehend aus 12 Künstler=Postkarten in feinstem Phototin=Druck nach Originalen des bekannten Kunstmalers Fr. Gottschalg in Mappe. Preis Mk. 1.00. Diese außergewöhnlichen Kabinettsstücke meisterhafter Darstellungskunst werden überall berechtigtes Aufsehen erregen. Neue Begeisterung und erhöhter Kampfesmut wird von diesen, von echt deutscher Faust geschaffenen Künstlerkarten ausgehen. Jeder Deutsche söllte es sich angelegen sein lassen, diese von warmer Vaterlandsliebe getragene Kriegspostkartenserie für sich und seine Freunde zu erwerben, um solche dann einem nahestehenden Bekannten, der im Osten oder Westen die Fahnenwacht hält, als einen Heimatsgruß von seiner Muttererde für deutsche Treue zu übersenden, damit würde eine nationale Pflicht erfüllt, denn die Erinnerung an die gewaltige Zeit wird in den Herzen Aller unaustilgbar fortleben! Im Verlag der Firma G. Danner, Mülhausen i. Thür., erschienen soeben 2 Werkchen, von denen wir wünschen, daß sie Volksbücher werden und daß sie weiteste Verbreitung finden möchten. Es sind dies: H. Ermisch, Marschall Hindenburg, ein Lebeusbild und was das deutsche Volk von ihm singt und sagt. Preis 50. E. Belger, Generalfeldmarschall von Hindenburg. Des Gewaltigen Werden, Sein und Siegen. Preis 15 Pfg.(Bei Abnahme von 50 Stück an das Stück 12 Pfg., bei Abnahme von 100 Stück das Stück 10 Pfg.) Beide Bücher sollten in keiner Bibliothek, in keinem deutschen Hause fehlen, um so mehr, als der billige Preis die Anschaffung jedermann ermöglicht; ebenso eignen sie sich vorzüglich zur Verteilung in den Schulen. K V Runskurtonen. Paulsen's Juli Perle von Erfurt Frühe Königin Kaiserkrone Op to date Industrie Kleiner gut erhaliener oileidrischrann um zugshaber billig zu verkaufen. 1056 Wilhelmstr. 24 I. 1063 u. S. W. empflehlt Konlirmanden- und Kommunikanten-Hute ner in grösster Auswahl. 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Heute mittag 12 Uhr entschlief sanft und gottergeben ch kurzem, schwerem Leiden unser innigstgeliebter Vater, hwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel. der Schuhmachermeister findet bei der„Untauschstelle für die Kriegsanleihen“, Berlin WS, Behrenstraße 22, stalt. sämtliche Reichsbankanstalten mit Kasseneinrichtung bis zum 22. Juni d. I. die kostenfreie ches. cheine sind mit Verzeichnissen, in die sie nach den Beträgen und innerhalb dieser nach der einzutragen sind, während der Vormittagsdienststunden bei den genannten Stellen einzureichen; eichnissen können dort in Empfang genommen werden. lassen haben die von ihnen eingereichten Zwischenscheine oben rech's neben der Stücknummer mit versehen. ischenscheine zu den 5% Reichsschatzanweisungen von 1914(Kriegsanleihe) sindel gemäß veröffentlichten Bekanntmachung bereits seit dem 1. Februar d. Is. bei der„Umtauschstelle Wilhelm Röhrscheidt im Alter von 80 Jahren. Um stille Teiluahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen, Schwerte, den 27. Februar 1915. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2. März, nachmittags 3 Uhr, 1046 vom Trauerhause, Nordwall 24, aus statt. Berlin, im Februar 1915. Reichsbank=Direktorium Voranzeige! Nachruf. Am 27. Februar starb der Senior des Vereins, unser lieber Kamerad Derselbe hat die Feldzüge 1866 und 1870/71 mitgemacht. nahm derselbe teil an dem beginnen Mittwoch, den 3. März 1915 In letzterem nanm derseice Gefecht bei Chatillon, welches bekannt ist durch den Ueberfall von Chatillon Der Verein wird dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren. Der Kampfgenossen-Verein Zu der Beerdigung tritt der Verein am 2. März cr., nachmittags ½3 Uhr im Vereinslokal an. 1061 Der Vorstand. Zur Beerdigung des verstorbenen Kameraden Veteran v. 1866 u. 1870/71 trefen die Vereinsmitglieder am Dienstag, den 2. März d. Is., nachm. 2.30 Uhr im Vereinslokale Jockenhöfer„Im Reiche des Wassers" an. Abmarsch 2.40 Uhr. Orden, Ehren= und Vereinsabzeichen sind anzulegen. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Schwerle, 1. März 1915. 1053 Der Vorstand. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 Reichsgesetzblatt Seite 519 mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. unter Rindviehbestande des Landwirts Petersmann zu Schüren. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Ortschaft Schüren. Auf diesen Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 21. Oktober 1914 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung) vom 24. Oktober 1914 Nr. 250(Beilage) enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte III—VII einschließlich der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz Das 19. Landsturm=Inf.=Ers.=Bakl., Münster, z. It. in Stralkowo an der russisch= polnischen Grenze, welchem viele Landsturmmänner von Schwerte und Umgegend angehören, bittet die Einwohner herzlich um Zusendung einer Kiste Konserven aller Art, Zigarren, Tabak, Kaffee, Tee, Schokolade, Zucker, gedörrtes Obst(Birnen, Pflaumen, Ringäpfel), getrocknete Wald= und Wachholderbeeren, einige Säcke oder Körbe roten und weißen Kappus, Wirsing, Wurzeln, Porree, Zwiebeln, Sellerie, einige Eimer mit Stielmus, Sauerkraut, Bohnen, Salzheringe, Fischkonserven, Käse, Dauerwürste, Lektüre, Postkarlen, Briefpapier. Im voraus von Mannschaften und Führern herzlichen Dank und treue Vergelt's Golt. Annahmestelle bei Frl. Tütel und der Geschäftsstille der Schwirter Jede Gabe, auch die kleinste, ist herzlich willkommen und wird in der Schwerter Zeitung dankend darüber quitiert. ihre Behörden Unabkömmlichkeits=B=scheinigungen ausgeBeranntmachung stellt haben, sind von der persönlichen Gestellung im betreffend[Musterungstermine befreit. Die Unabkömmlichkeits=BeLandsturm=Musterung im Landkreis Hörde.(scheinigung ist vor dem Musterungstermine bei der OrtsLandsturmpflichtigen, welche in den Jahren 1883, 1882, Die auf Dienstag, 2. März anberaumte Sitzung des Roten Kreuzes(einschl. Familienausschuß) wird aufgehoben und verlegt auf Mittwoch, den 3. März nachmittags 5 Uhr. Ich bitte um vollzähliges und pünktliches Erscheinen. Schwerte, den 1. März 1915. 1060 Der Bürgermeister: Rohrmann. Verlangen Sie leine Musterkarte licher Verhältmisse sind bei den Ortsbehörden vor den Musterungsterminen anzubringen. Kur Gruthe, um Hr.,g„n„. pflichtiger vom Waffendienst im Interesse der AufBekanntmachung. Alle Gesuche um Zurückstellung Landsturmrechterhattung gewerblicher Betriebe(Bergwerke, Eisenwerke usw.) sind sofort, spätestens bis 6 März bei dem Unt rzeichneren(nicht bei dem Bezi kskommando) agzubringn. Verspätete Reklamationen mussen unverücksichtigt bleiben.„ane Die Reklamationsgesuche mussen eingeyeno begründet und behördlich(z. B durch die GewerbeJ. spektion oder Ber revierbeamten) begutachter sein. Außzerdem müssen die Gesuche die zeitige Wohnung Auf die Ausführungs=Anweisung zum§ 11 der Bundesratsverordnung oom 25. Januar d. Is, wonach Mühlen, Bäcker. Konditoren und Händler, welche von den Befugnissen des§ 4 Abs. 4 der vorbezeichneten Verordnung Gebrauch machen, über die eingetretenen Veränderungen ihrer Getreideund Mehlvorräte am 1., 10. und 20. j. Mts. Anzeige zu erstatten haben, mache ich hierdurch besonders aufmerksam. Die Anzeigen sind der unterzeichneten Behörde pünktlich einzureichen. Westhofen, den 25. Februar 1915. Die Polizeiverwaltung: 1023 v. Daniels. „Warm zu empfehlen ist Zuckers Patent- Medizinal- Seife gegen unreine Haut, Mitesser, Knötchen, Pusteln usw. SpezialArzt Dr. W.“ in drei Stärken à 50 Pfg. 1 00 Mk. u. 1 50 Mk Dazu Zuckooh-Creme(à 50 und 75 Pfg. 2c. Bei&a Teog, Max Mehlhose, Drogerien. empfiehlt L. Weinberg. Für Kinder! Makulaturpapier— empfiehlt billigst Carl Braus, Schwerte(Nuhr) liefert schnell und sauber starrte mit fassungslosem Blick auf die augerichtete „O, ihr bösen, bösen Kinder, was habt ihr gemacht? rief sie außer sich und fast weinend aus. Mzugg „Mäuschen ganz artig gewesen, schrie aus Leibeskräften, worauf Fiffi ganz unverdrossen auf „Junge, schrei nicht so!“ rief Gretchen ganz nervös und faßte den Kleinen an der Schulter, um ihn zum immer hinauszuführen, als in diesem Augenblick die alte Kinderfrau, welcher die Kleinen während ihres kurzen Schläfchens entschlüpft waren, atemlos ins Zim„Meine süßen Herzchen, wer hat euch was zuleide getan?“ rief sie mit einem bösen Blick auf die junge „Ach, und das schöne Bild, das Bild eurer guten Der zungen Frau schien es unwürdig, sich vor einer dienenden Person zu verantworten; sie winkte nur mit der Hand, daß Babette sich mit den Kindern entfernen „Za doch, ja, wir gehen schon,“ rief sie mürrisch, nahm die weinenden Kinder auf den Arm und verließ, sie besänftigend, das Zimmer. (Schluß folgt.) anzutreffen gewesen sein. Ein unumstößlichger. Begeris hefür sind gewisse, in den Gräbern gesundene Beigabrn, keine Emaillefigürchen, die Ameisenbären darstellen. Da dies nächtliche Tier selten sichtbar war, so werden es die Künstre meist nicht aus eigener Anschauung haben darstellen können, wodurch sich die Abweichungen in der Wiedergabe erklären. 12 Kochbuch. Dae rüiselhafte Tier des Gottes Seth. Die den verschiedenen Gottheiten geheiligten Tiere der alten Aegypter sind stets sehr deutlich und meist sogar mit einer bewundernswerten Naturwahrheit dargestellt. Ein einziges dieser symbolischen Götterbilder aber hat der Aegyptologie die schwersten Rätsel ausgegeben und die mannigfachsten Deutungen hervorgerufen. Es ist das Tier des Seth, des in den ältesten Urkunden bereits erwähnten Schutzherrn von Oberägypten; in den verschiedenen Epochen wird es in den verschiedensten Formen wiedergegeben, woraus man geschlossen hat, daß es sich bei dem Urbild um eine ausgestorbene, während der geschichtlichen Zeit im Lande nicht mehr vorhandene Tierart gehandelt hat. Die mannigfachsten Geschöpfe sind in diesem Rätseltier gesehen worden: Esel und Hase, Giraffe und Rüsselfisch; ja nach der Entdeckung des Okapi in den fernen Waldgebieten des Kongo hat man sogar dies exotische Tier mit dem Symbol des Seth identifizieren wollen. Andere wieder nahmen ein Fabeltier an, das aus den Teilen mehrerer Tiere gestaltet sei; dem aber widerspricht die Tatsache, daß die heiligen, den Gott selbst verkörpernden Tiere der alten Aegypter wirklich existierende Wesen sein mußten. Eine neue sehr bestechende Deutung, die endlich das Rätsel zu lösen scheint, gibt nun Prof. Schweinfurth in einem Aufsatz der„Umschau". Die drei wichtigsten Merkmale des Seth=Tieres, die lange, oft einem Vogelschnabel vergleichbare Schnauze, die aufgerichteten und am Ende breiten Ohren, der an der Wurzel dicke und pfriemförmig auslaufende Schwanz, sie finden sich nur bei einer einzigen Tierart der Nil=Fauna wieder, bei dem afrikanischen Ameisenbär, dem„Erdferkel des Sudan“ (Orycteropus aethiopicus). Der Ameisenbär, der über das ganze tropische Afrika verbreitet und noch heute im südlichen Nubien einheimisch ist, muß im alten und mittleren Reich auch noch innerhalb der Grenzen des eigentlichen Aegypten Würzfleisch von Kalbfleisch und Pilzen. schönes Stück Kalbfleisch von der Krule oder vom Bug wird in handflächengroße Stürcke geschnitten, die man reinwäscht und mit Salz und wenig Pfeffer einreibt. Nun gibt man in eine Kasserolle ein Stück Butter und zwei bis drei feingeschnittene Zwiebeln, sowie ein Paar Hände voll getrocknete Pilze irgendwelcher Art. Dies läßt man zugedeckt weich dünsten. Kurz vor dem Garsein stäubt man etwas Mehl darüber, gibt eine Tasse voll süße Sahne hinzu und läßt das Ganze noch einmal durchkochen. Nach Belieben kann man dieser Speise auch etwas Parmesankäse zufügen Kartoffelrollen mit Käse. Ein viertel Pfund Butter wird mit vier Eiern schaumig gerührt. Unterdessen hat man etwa ein Pfund mehlige Kartofseln mit der Schale gekocht und gerieben. Diese mengt man unter die Butter und Eier, ebenso ein viertel Pfund Mehl. Dann würzt man die Masse mit Salz, wenig Pfeffer und Muskatnuß. Nun bestreut man das Backbrett mit Mehl, formt aus der Masse, zwei Finger dicke Würstchen, die man in geriebener Semmel wälzt. Man bäckt sie dann in steigender Butter schön goldbraun. Beim Anrichten streut man geriebenen Parmesankäse darüber.“ Der Hartnäckige.„Ich kann mir noch soviel Mühe geben, die Kugel ist nicht herauszukriegen,“ sagt der Arzt, an dem Schwerverletzten beschäftigt, der sich eine Kugel in den Kopf gejagt hat, um sich das Leben zu nehmen. „Ach, Herr Doktor,“ fällt die jammernde Gattin mit dem Brustton der Ueberzeugung ein,„Sie wissen ja gar nicht, wie hartnäckig der Mensch ist, wenn der sich was in den Kopf gesetzt hat.“ Vom Zeremoniell der Hintertreppe. Erster Lakai:„Warum grüßt du denn den Jean nicht mehr?“ — Zweiter Lakai:„Mit dem verkehre ich nicht; der ist mir zu gewöhnlich. Seine Gnädige trägt schon zum dritten Male dasselbe Kleid.“ 905 Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 50. In Creitenerana. Orig nal-Kriegeroman aus ernster Zeit von Rudolf Zollinger. (27. Fortsetzung.)(Nachdruck verboten. Alle Rechte vorbehalten.) bis zur Anku so langer Zeit nichts mehr von ihr gehört!“ Pro essor bis zur Ankunft des Vaters Gese schat zu leisten, hatte sich iom gegenüber niedergelassen. Trotz seiner altfränkischen Manieren und seiner pedantischen Ausdrucksweise machte ihr der Mann einen sympathischen Eindruck. „Ja, das ist eben die Mobilmachung," erwiderte sie freundlich.„Wir haben seit ihrem Beginn den Eindruck, hier von aller Welt abgeschnitten zu sein. Nicht einmal die Post und die Zeitungen scheinen noch ihren Weg bis in unsere Einsamkeit finden zu können.“ Mathesius nickte ernsthaft. „Es ist eine beschwerliche Zeit. Und doch dürfen Sie sich glücklich schätzen, gnädige Frau oder gnädiges „Fräulein, wenn ich bitten darf,“ belehrte sie ihn lächelnd.„Ich heiße Hertha von Raven.“ Der Professor stand von seinem Stuhle auf, um die Vorstellung mit einer abermaligen Verbeugung zu gutttieren. Dann, nachdem er sich unter sorgfältigem Beiseiteschlagen der Rockschöße wieder gesetzt hatte, „Uund doch dürsen Sie sich glücklich schätzen, mein Fräulein, von dem Kriegsausbruch nicht in fremdem, feindlichem Lande überrascht worden zu sein. Denn ich bin wohlberechtigt, von dem Lande, das ich im Sinne habe, als von einem feindlichen zu sprechen.“ Hertha verstand natürlich nicht, was er meinte, und fing an, ihn mit einem gewissen Mißtrauen zu betrachten. Der Professor aber, nachdem er sich mit einem bunten seidenen Taschentuche die Stirn getrocknet hatte, spann unbeirrt den Faden seiner wohlerwogenei und wohlgesetzten Rede weiter: „Es wäre mir übrigens nicht schwer gefallen, schon aus der unverkennbaren Familienähnlichkeit zu erraten, mit wem ich die Ehre habe, mich zu unterhalten. Sie sind, wie man in einem etwas unglücklich gewählten Bilde zu sagen pflegt, Ihrer Schwester ja wie aus dem Gesicht geschnitten..„ „Meiner Schwester? Sie sino aiso mit Heiga vekannt?"„ 4 „Helga? Nein, so lautete der Name nach meiner Erinnerung nicht. Und ich kann mich, wie ich glaube, einigermaßen auf mein Gedächtnis verlassen. Danach hieß die Dame nicht Helga, sondern Erna.“ In freudigster Ueberraschung hob Hertha den Kopf. Ich stehe Ihnen mit Vergnügen zu Diensten. Um von meiner unvergeßlichen Begegnung mit Ihten Geschwistern zu erzählen, habe ich ja liche Reise untemommen. Denn bei der Größe meiner Dankesschuld schien es mir nicht angemessen, mich des bequemen Auskunftsmittels einer brieflichen Mitteilung zu bedienen.“...... WartHerthas Erstaunen wuchs mit jedem seiner Wolle. „Sie sagen, daß Sie meinen Geschwistern begegnet seien? Also auch meinem Bruder?“ 7465164 „Der Herr hatte sich mir freilich unter dem sch.. bürgerlichen Namen Hugo Raff vorgestellt; aber im Augenblick des Abschieds gab er sich mir als den Sohn des Herrn von Raven auf Mallente zu erkennen. Welche Gründe ihn bewogen haben können, mir anfänglich seinen wirklichen Namen zu verschweigen, entzieht sich selbstverständlich meiner Beurteilung.“ „Aber wo und wann ist es gewesen? Und wisse Sie etwas Näheres über meine Geschwister?“ „Unsere Bekanntschaft zählte nur nach Stunden. Aber es waren Stunden, die wohl Monate oder Jahre eines Verkehrs unter normalen Verhältnissen aufwiegen konnten. Ich stehe nicht an zu erklären, daß Ihr Herr Bruder mir und den Meinigen das Leben gerettet hat, während kein Wort des Loves stark genug ist, um das Verhalten Ihrer Schwester nach Verdienst zu würdigen.“ „Darf ich Sie also recht von Herzen bitten, Herr Professor, mir zu sagen, wo——“ „Gewiß! Gewiß!— Aber vielleicht ist es am besten, wenn ich Ihnen die Aufzeichnungen vorlese, die ich nach unserer glücklichen Heimkehr von jenen schrecklichen Erlebnissen gemacht habe. Sie werden Ihnen ein anschaulicheres und vollständigeres Bild der Geschehnisse vermitteln, als meine improvisierte Erzählung es vermöchte.„„. 75 sch; Zur stillen Verzweiftung der vor Ungevuld schier vergehenden Hertha hatte er ein ziemlich dickes Hest aus der Brusttasche gezogen, und nachdem er die Gläser seiner Brille sorgfältig geputzt hatte, begann er in dozierendem Tone, langsam und mit nachdrücklicher Betonung aller ihm wichtig erscheinenden Stellen, vorWas er zu Papier gebracht hatte, war eine sehr eingehende und durchaus wahrheitsgetreue Schilderung — seiner Erlebnisse auf belgischem Boden. Da im Anfang nur von ihm und von seiner getreuen Gattin die Rede war, machte Hertha ein paarmal den schüchternen Versuch, ihn durch Zwischenfragen rascher auf das zu bringen, was für sie die Hauptsache war; aber er warf ihr jedesmal über seine Brille hinweg einen so schmerzlich vorwurfsvollen Blick zu, daß sie ihn nicht weiter kränken mochte, sondern sich still in das Unabänderliche ergab... B=4r., Von dem Augenvria an, wo er mit der Beschreibung der Flucht aus dem Antwerpener Hotel durch die von einem rasenden Pöbel erfüllten Straßen der Stadt einsetzte, erhielt seine Schilderung einen beinahe dramatischen Charakter, und als ein echter deutscher Gelehrter, dem die Wahrheit über alles, auch über die persönliche Eitelkeit geht, gedachte er dabei des mannhaften Verhaltens und der kaltblütigen Unerschrockenheit seines Beschützers, des vermeintlichen Hugo mit so überschwenglicher Anerkennung, daß Herthas schwesterliches Herz vor Stolz und Freude in rascheren Schlägen klopfte. Dann kam die Erzählung von der schauerlichen Eisenbahnfahrt und der noch schauerlicheren Fußwanderung zur deutschen Grenze. Das Zusammentreffen mit dem belgischen Offizier wurde ausführlich erzählt, und zuletzt kam die ergreifende Schilderung des Abschieds in Herbesthal. Wortgetreu hatte der gewissenhafte Professor den ihm erteilten Auftrag des jungen Mannes an seinen Vater im sernen Ostpreußen wiedergegeben. Und mit einem tiefen Aufatmen ließ er endlich sein Manuskript sinken, um das buntseidene Taschentuch wieder in Bewegung zu setzen, da ihm der Schweiß in großen Tropfen auf der hohen Denkerstirn perlte. Hertha fand darüber die erwünschte Gelegenheit, ihre Bewegung zu meistern. Und es war hohe dazu gewesen; denn schon vernahm sie draußen auf der Diele den schweren Schritt ihres Vaters und hörte, wie er dem Diener einen Befehl erteilte. Rasch entschlossen stand sie auf. „Entschuldigen Sie mich für wenige Minuten, Herr Professor! Mein Vater wird sicherlich sehr erfreut sein über die Liebenswürdigkeit Ihres Besuches; aber ich möchte ihn doch gern ein wenig vorbereiten auf das, was Sie ihm zu sagen haben.“ Sie eilte hinaus und folgte dem Rittmeister, der eben im Begriff war, sein mehr als einfach eingerichtetes Schreibzimmer zu betreten. „Hast du einen Augenblick für mich übrig, Papa? Es ist ein Besuch da; aber ehe du ihn empfängst, hätte ich gern ein paar Worte mit dir gesprochen.“ „Ein Besuch?“ fragte er unwirsch.„Wenn es sich nicht um etwas sehr Dringendes handelt, so entschuldige mich und schicke ihn fort! Mir steht der Kopf nicht nach leerem Geschwätz! Es ist nicht daran zu denken, daß wir die Ernte auch nur zur Hälfte hereinbringen. Woher soll ich die Leute dazu nehmen? Was von den Feldarbeitern deutsch ist, ist bis auf die Kräppel und Lahmen, Gott sei Dank, schon fort zur Fahne. Und das Gesindel von drüben“— er machte eine bezeichnende Handbewegung nach der Richtung hin, wo die Grenze lag—„sollte man lieber sobald als möglich in sichere Verwahrung nehmen. Sie bitten und betteln zwar himmelhoch, man solle sie nur um Himmels willen nicht nach Rußland zurückspedieren; denn sie wollten nichts vom Kriege wissen und gute deutsche Untertanen werden. Aber ich mag mit dem Pack nichts zu schaffen haben! Ehe ich das Slawengeschmeiß weiter auf meinem Grund dulde, eher soll mir das Korn auf dem Felde verfaulen!" „Es wird sich auch dafür Rat finden, Papa! Ich denke doch, daß es gerade in diesem Augenblick sehr wichtig sein müßte, die Ernte zu sichern! Aber der Herr, der dich sprechen möchte, hat dir in der Tat etwas sehr Wichtiges auszurichten! Es ist ein Königsberger Professor, und er hat die unbequeme Fahrt auf der sast beständig gesperrten Strecke unternommen, weil er dir einen Gruß ausrichten soll— etwas wie einen Abschiedsgruß, Papa!“ Als käme ihm eine Ahnung von dem, was sich hinter diesen Worten verbarg, stieg dem alten Herrn langsam die Röte in die Wangen. „Einen Abschiedsgruß? Ein Königsberger Professor? Was für ein Unsinn ist das? Und was soll die Geheimniskrämerei? Du weißt, ich bin kein Freund von solchen Alfanzereien.“ 868 „Es ist ein Gruß von deinen Kindern, Papa! Erna und Hugo lassen ihn dir ehrfurchtsvoll entbieten, ehe sie sich in den Dienst des Vaterlandes stellen.“ Nun stand das Gesicht des Rittmeisters in hellen Flammen.. W aza scharam Liefer m.: Garsa „Er soll sich zum Teufel scheren, vieser Professor! rief er.„Ich habe keine Kinder, die Hugo oder Erna heißen! Und ich habe darum auch keine Grüße von ihnen zu empfangen!" Seine Stimme grollte wie ferner Donner, und er sah so grimmig aus, daß man sich wohl hätte vor ihm fürchten können. Aber Hertha fürchtete sich nicht. Sie trat auf ihn zu und legte trotz seines unmutigen Widerstrebens ihren Arm um seinen Nacken. „Den Herrn, der in der besten Absicht hierhergekommen ist, solltest du wenigstens nicht entgelten lassen, was sie an dir gefehlt haben mögen! Er glaubte dir eine Freude zu bereiten. Und du könntest doch wohl anhören, was er dir zu sagen hat.“ Die tiefen Falten auf der Stirn des Rittmeisters glätteten sich nicht. Aber nach einem kleinen letzten Zaudern erklärte er kurz: „Gut! Ich werde den Mann abfertigen! Wo ist er?“ „Drüben im Wohnzimmer. Erlaubst du, daß ich dich begleite?“ „Meinetwegen! Aber ich verbiete dir jede Einmischung. Wir wollen nicht irgendeinem fremden Menschen das Schauspiel einer Familienszene geben!“ Er ging mit ihr hinüber und grüßte den Besucher mit etwas zurückhaltender, aber durchaus korrekter Höflichteit.„„ 4 4— „Von Raven! Meine Tochter hat mir von Ihrem Hiersein Mitteilung gemacht. Ich habe die Ehre mit Herrn Professor—“ „Mathesius. Ordentlicher Professor an der philosophischen Fakultät der Universität Königsberg.“ „Sehr erfreut! Darf ich erfahren, was mir das Vergnügen verschafft?“ Den Blondbärtigen schien es keineswegs zu verdrießen, daß er mit seinem Bericht noch einmal von vorn anfangen sollte. Er bediente sich seines Taschentuches und sagte nach einem kleinen Räuspern: „Meine Gattin und ich, wir befanden uns auf einer sogenannten Vergnügungsreise in Belgien, als das Gewölk dieses entsetzlichen Krieges ganz unerwartet am politischen Himmel heraufzog. Das heißt, wenn ich sage„Vergnügungsreise“, so ist diese Benennung allerdings cum grano salis zu verstehen. Denn es sich dabei in erster Linie um gewisse archivalische und kunstgeschichtliche Studien, denen ich obzuliegen beabsichtigte. Ich darf wohl sagen, daß die Ausbeute dieser Studien eine sehr reiche war, und daß sie für die Wissenschaft hätte die köstlichsten Früchte tragen können, wenn ich nicht leider gezwungen worden wäre, die Handtasche, die meine Aufzeichnungen enthielt, in den Händen des entfesselten Pöbels zurückzulassen. Gott allein weiß, wann und wo sie jemals wieder an das Licht gelangen werden.“ (Fortsetzung folgt.) Denkspruch. Vor jeder ebrlichen Ueberzeugung Mach', eb' du lie angreifst, eine Veibeugung. Ludwig Julda. Die neue Mama. Eine Kindergeschichte von E. Bauck. (Nachdruck verboten.) „So, meine jungen Herrschaften, hier herein,“ sagte die alte Kinderfrau, die noch von der verstorbenen Mama her die Kleinen in Pflege und, als die Hüterin seiner Lieblinge von Herrn Winter respettiert, sich zu einer Hauptperson des Hauses aufgeschwungen hatte. Sie sah heute sehr festlich aus, die gute Babette, in ihrem Sonntagsstaat, mit der gesteiften, weißen Halskrause und der sauberen Haube, aber ihr Gesicht war in Falten gelegt, und die sonst so freundlichen alten Augen blickten düster und argwöhnisch. War doch heute der Tag gekommen, wo eine andere junge Frau Winter in diese Räume einziehen, der Vater seinen Kindern eine neue Mama zuführen würde. Philipp und Magdalene, mit ihren Kosenamen turz Fiffi und Mäuschen genannt, ein munteres Zwillingspärchen im Alter von fünf Jahren, ahnten indes durchaus nichts von den kriegerischen Absichten ihrer alten Duenna und trippelten unbekümmert in das festlich geschmückte Wohnzimmer. „Heute kommt die neue Mama," begann Fissi mit wichtigtuender Miene. „Ja, von der großen Reise mit dem Papa,“ setzte das kleine Mädchen die Unterhaltung fort. „Sie ist sehr hübs! Nicht wahr, Babette?" „Da kommen sie schon,“ unterbrach ihn Mäuschen. * Und in der Tat öffnete sich bei den Worten des kleinen blondlockigen Mädchens schon die Tür, und die Erwarteten, die sceben angelangt waren, traten ein. Herr Winter war ein stattlicher Mann in den dreißiger Jahren, mit dem welligen, blonden Haar und den tiefblauen Augen seiner Kinder. „Papa, Papa!“ jubelten die hellen Kinderstimmen; rosige Aermchen streckten sich verlangend nach dem Vater aus, und ein paar winzige Aermchen hoben sich kußheischend zu ihm empor. „Ja, meine Lieblinge, da bin ich!“ Herr Winter hob seine Kinder zu sich empor und drückte die herzigen Geschöpfe in berechtigtem Vaterstolz an sein Herz. „Und nun küßt erst einmal die Mama, der habt ihr ja noch gar nicht guten Tag gesagt.“ „Hier, Gretchen, sind meine kleinen Trabanten, Philipp und Magdalene, genannt Fiffi und Mäuschen, ich hoffe, du wirst sie liebgewinnen.“ „O sicherlich!“ entgegnete die junge Frau entzückt, die mit dem Ausdruck ihrer großen dunklen Augen, dem seinen, rosigen Oval ihres Gesichts noch selbst einem Kinde glich. Sie hatte die Handschuhe von ihren Händen gestreift und kniete zu den Kindern auf den Boden nieder. „Also du bist Fissi!“ ref sie lächelnd, den schmucken kleinen Burschen zu sich heranziehend und ihm tief in die blauen Augen schauend,„was für ein herziger kleiner Bub' du bist!“ und sie küßte den rosigen Mund. „Und du bist Mäuschen,“ wandte sich die junge Frau zu dem anderen Kinde;„nun guten Tag, Mäuschen, sag einmal,— willst du mich auch wohl ein wenig liebhaben?“. „Na ja,“ sagte Mäuschen,„wenn du immer gut zu uns bist!“ „Das werde ich gewiß immer sein!" versprach die junge Mutter ernsthaft. „Komm, Gretchen, komm!“ unterbrach sie hier Herr. Winter,„die Kinder können dich noch zur Genüge genießen; jetzt laß mich dich ein wenig herumführen, und dann wirst du müde von der Reise sein und dich ausruhen, Herz.“ Er legte den Arm seines jungen Weibes in den seinen und führte sie, froh ihres errungenen Besitzes, in der ganzen festlich geschmückten Wohnung umher. „Sieh, liebes Herz,“ sagte Herr Winter, indem er die Tür öffnete und die junge Frau in ein reizend eingerichtetes Boudoir führte, dessen Glasverauda unmittelbar in den mit grünen Bäumen und duftigen Blumen bestandenen Park führte,„dies war Alices Zimmer. Ich habe alles erhalten, wie sie es verlassen; du aber magst nun daran ändern, schalten und walten, wie es dich gut dünkt; denn von heute an ist dies dein Reich.“ Die junge Frau sah ihn dankbar an. „Ich danke dir, Erich!“ sagte sie leise, und dann fragte sie, auf ein schönes Frauenporträt deutend, das die Hälfte der einen Wand bedeckte, bewegt: „Ist das Alices Bild?“ „Ja, Liebe, auch dies ist an seiner alten Stelle geblieben, du magst ihm einen anderen Platz geben, wenn du willst.“ „Wie du nur so sprechen kannst, Erich, natürlich bleibt das Bild, wo es ist!“ Die junge Frau hatte ihre Reisetoilette abgelegt und stand im Negligé in ihrem Boudoir. Mit einem Gemisch von Wehmut und Teilnahme schaute sie auf das zierliche Arrangement des Ganzen, auf das Bild mit den edelgeformten Zügen, den ernsten, gütigen Augen, auf die zarte, schlanke Gestalt, welche schon damals den Keim frühen Todes in sich getragen haben mochte. Wie schön sie gewesen war, und wie sehr Erich sie geliebt haben mußte! Und so früh sterben und all das veriassen zu müssen, die reizenden Kinder, den geliebten Mann! Tränen traten in die Augen der jungen Frau. Ihr war, als wenn sie der Verstorbenen so viel Dank schulde, daß sie ihr ihre Schätze hinterlassen, daß sie durch ihr frühes Hinscheiden ihr die Liebe ihres Erich ermöglicht. Alle. Familienbilder hier im Hause waren heute bekränzt, nur das Alices nicht. Aber sie wollte es bekränzen, ihr Andenten hochhalten, ihren Kindern die Mutter ersetzen. Gewiß. Erich würde es ihr Dank wissen. Behende stieg sie auf einen Stuhl, hob das große Bild herab, um es hier unten besser bekränzen zu können, und eilte dann in den Garten, um die Blumen zu ihrem freundlichen Werk zu wählen. Während die junge Frau sich in die tiesen Gänge des Parkes verlor, trippelten zwei Paar kleine, niedliche Füßchen die Verandastusen herauf, und Fissi und Mäuschen schlüpsten durch die ofsen gelassene Tür in das zurzeit leere Boudvir. „Hier ist gar kein Mensch,“ sagte Fifsi enttäuscht; nachdem er sich in dem ganzen Gemache umgeschaut. „Nein,“ entgegnete Mäuschen kopfschüttelnd,„aber sieh mal das große Bild da, das steht auf der Erde!“ „Ja, da können wir Versteck hinter spielen.“ „Nein, da wollen wir eine Hütte von machen, wie Babette uns mit dem Schirm immer macht!“ „Nein, Versteck spielen!“ „Nein, Hütte machen!“ Beide saßten das große Bild, der eine zog es rechts, die andere zog es linis, bis es ihnen aus den Händen glitt; beim Fallen warf es eine Säule mit um, auf der eine Schale von seinem Sevresporzelkan, mit Rosen gefüllt, stand, die klirrend in Scherben zerfiel. Erschrocken erhoben die Kinder ein lautes Klagegeschrei. In demselben Augenblicke wurde hinter ihnen ein leiser Ausruf des Entsetzens laut; die neue Mama erschien auf der Schwelle, die Hände voll Blumen, und