SC Amtiches Kreisoiall für den kreis börde oo Shurem Zeiur nicen uole. außzer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Ikustrierter Familiensreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petttzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabakt u. erlischt bei Konzursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. obsattunnd sencht.-Sotliunsstelloune Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblau Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwertei Volkszeitung Verbunden mit: Schwerter Tageblatt O Schwerter Anzeiger Grites und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis Börde o Haupt-Annoncenblatt Nr. 36. Freitag, den 12. Februar 1915. aus, bris, und iohelpolizgelichen Derord. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemaß Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Verösfentlichung in der„Schwerter Zeitung", rechtsverbindliche Kroft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adonnen= ien s0: jeden mit Tod endenden Unsall gedagungen“: 300 Mk. Unfall. Druch u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Rude Fernsp. 62. Telegr.=Adr. Braus Schwerte=Rud## 47. Jahrgang. —„„ verpreußische Etat für 1915.] Die Gesreideversorgung Englands hal aufgehört. In prautischen Abgeothnetenhause, das gelternSte: 8416 vien mit Söst uer Siun Iu verngischen Abgeotdnetenhause, das gestern wieder zu einer voraussichtlich nur kurze Zeit dauernden Tagung zusammentrat, ist der Etat für 1915 eingebracht worden. Seine Entgegennahme und Beratung bildet den Zweck der Tagung. Der Präsident Schwerin=Löwitz begrüßte die Anwesenden mit einer kurzen Ansprache. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Mitteilungen ergriff der Finanzminister Dr. Lentze das Wort, um den Etat zu erläutern. Der Etatsentwurf für 1915 konnte nicht nach den gewöhnlichen Grundsätzen aufgestellt werden. Während in Friedenszeiten eine ordentliche Finanzgebarung bei der Veranschlagung der Einnahmen und Ausgaben im Etat ihre Aufgabe darin finden muß, die Ansätze möglichst der Wirklichkeit entsprechen zu lassen, ist dies für das Etatsjahr 1915 durch den Krieg außerordentlich erschwert, ja vielsach sogar unmöglich gemacht. Sowohl bei den Betrieben wie bei den Stouer= und eigentlichen Staatsverwaltungen werden die Einnahmen durch den Kriegszustand wesentlich beeinflußt, und das Gleiche gilt auch von den Ausgaben. Unter den Betriebsverwaltungen sind es besonders die Eisenbahn= und die Bergverwaltung, deren Erträgnisse von der Dauer und dem Ausgange des Krieges abhängen. Bei den Steuerverwaltungen wird das Aufkommen an Staatseinkommensteuer und an Stempelsteuern wesentlich durch den Krieg berührt, und von den Staatsverwaltungen leiden besonders die Justizverwaltung und die Bauverwaltung in ihren Einnahmen unter den Wirkungen des Krieges. Auf allen diesen Gebieten würde bei der Ungewißheit darüber, wie lange sich der Krieg noch in das Etatsjahr 1915 hineinerstrecken wird, und wie sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nach Friedensschluß gestalten werden, jeder Versuch einer wirklich zutreffenden Schätzung versagen. Unter solchen Umständen blieb nichts übrig, als bei der Veranschlagung auf kürzere oder längere Dauer des Krieges und auf seine Nachwirkungen überhaupt keine Rücksicht zu nehmen, den Etatsentwurf unter der Annahme gewöhnlicher Friedensverhältnisse aufzustellen und in Ermangelung anderer Unterlagen die Ansätze des laufenden Etats unverändert zu übernehmen, soweit nicht etwa bereits im gegenwärtigen Zeitpunkte bestimmte Tatsachen bekannt sind, die eine andere Veranschlagung bedingen. Diese Uebernahme der Etatssätze von 1914 ist bei den Staatseinnahmen mit wenigen Ausnahmen durchgeführt. Insbesondere ist bei der Eisenbahnverwaltung, deren Erträgnisse im praußischen Staatshaushalt neben den Steuern vor allem in Betracht kommen, auf eine Neuveranschlagung der Betriebseinnahmen verzichtet. Was die Veranschlagung der Ausgaben betrifft, so hat sich die Eisenbahnverwaltung im Interesse der Einheitlichkeit ihres Etatsbildes wie bei den Einnahmen, so auch im allgemeinen bei den Ausgaben, deren Gestaltung ja mit den Verkehrseinnahmen im engsten Zusammenhange steht, auf die einsache Uebernahme der Ansätze des Etats für 1914 beschränkt. Nur bei den Titeln für Verzinsung und Tilgung der auf die Eisenbahnen entfallenden Staatsschuld bedingte die inzwischen eingetretene Schuldvermehrung ausnahmsweise eine Erhöhung, weil es sich hier um eine auf gesetzlicher Grundlage beruhende Ausgabe handelt. Im sonstigen Etat sind bei den Ausgaben unter Abstandnahme von jeder grundsätzlichen Neuerung Erhöhungen und neue Einstellungen nur da vorgenommen worden, wo sie durch feststehende rechtliche Verpflichtungen oder durch unabweisbare Bedürfnisse der Verwaltung bedingt waren. Am das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben herbeizuführen, genügte es in dem Etatsentwurf für 1915 nicht, etwa bloß die einStockholm, 12. Febr. Die„Köln. Ztg.“ schreibt: Aus London wird in einem Privat=Telegramm an dag„Svenska=Dagbladet“ mitgeteilt, daß die Getreideversorgung Englands tatsächlich aufgehört habe, weil die Frachtsätze für die Getreidedampfer von Amerika zu einer Höhe gestiegen sind, daß sie geradezu prohibitiv wirken. Dies gilt auch für den La Plata=Markt. Die Fracht hat hier eine Höhe von 75 Schilling die Tonne erreicht. Auch hier scheint es, als ob die hohen Frachten die Ueberfahrt der benötigten großen Getreidemassen hemmen werden. Die Herrschaft der deutschen Unterseeboote. Ein holländisches Blatt schreibt zu der Maskierung der englischen Handelsschiffe, daß dies keineswegs eine solche einfache Sache sei, denn viele Schiffe seien mit Hilfe von Lloyds Schiffregister sehr leicht erkennbar. Einen Namen müsse jedes Schiff tragen und in wenigen Minuten würden die deutschen Seeoffiziere aus dem genannten Handbuch die Maskieruung des Schiffes oder Fälschung des Namens erkannt haben. Was die englische Absicht, die Handelsschiffe mit Kanonen auszurüsten, anbelange, so seien Kenner des Seerechts der Meinung, daß die Kapitäne solcher Dampfer als Franktireurs anzusehen wären. Selbst bei dem knappen Raum der Unterseeboote könnte der Kapitän eines solchen Schiffes gefangen nach Deutschland gebracht und dort abgeurteilt werden. Wenn England auf dem Meere herrsche, tue Deutschland dies einige Meter unter dem Wasserspiegel. Ganfiige Rachrichten von beiden Fronten. Großes Hauptquartier, 11. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Eih Angriff in den Argonnen brachte uns einen Gewinn an Boden. Dem Gegner wurden 6 Offiziere und 307 Mann, 2 Maschinengewehre und 6 kleine Geschütze abgenommen. Auch in den Mittel= und Südvogesen hatten wir einige kleinere örtliche Erfolge. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Kämpfe an der oflpreußischen Grenze wurden auch gestern mit durchweg erfolgreichem Ausgange für uns fortgesetzt, trotzdem tiefer Schnec die Bewegungen der Trappen hinderte. Die Ergeboisse der Zusammenstöße mit dem Gegner lassen sich noch nicht klar übersehen. Auf dem polnischen Kriegsschauplatze rechts der Wechsel brachte uns ein Vorstoß in der Gegend nor westlich Sierpo, durch den der Gegner überall, wo er getroffen, zur ückgeschlagen ist, einige hundert Gefangene ein. Links der Weichsel sind keine besonderen Ereignisse vorgekommen. Oberste Heeresleitung. maligen Ausgaben herabzumindern, sondern es mußte auch bei den ordentlichen Ausgaben der gesamte Zuschnitt der Staatsverwaltung vereinfacht und zugleich bei allen Neueinstellungen darauf Bedacht genommen werden, daß durch deren Folgeausgaben die künftigen Jahre nicht zu sehr belastet werden. Nach diesem Gesichtspunkte ist in dem Etatsentwurfe verfahren worden. Das Extraordinarium der gesamten Verwaltungen mit Ausnahme der besonderen Grundsätzen folgenden Eisenbahnverwaltung ist gegenüber demjenigen des Etats für 1914 um 54,8 Millionen Mark ermäßigt worden, indem vor allem bei neuen Bauten, soweit nicht etwa Rücksichten auf mögliche Arbeitslosigkeit entgegenstanden, sowie bei Dispositions= und Zuschußfonds die größte Zurückhaltung beobachtet worden ist. Der zur Herstellung des Gleichgewichts dann noch ersorderliche Rest ist bei dazu geeigneten Fonds des Ordinariums, wie beispielsweise bei den Fonds für Reisekosten, Geschäftsbedürfnisse, zur Errichtung von Kursen, von Kunstsammlungen und dergleichen eingespart worden. Zahlenmäßig stellt sich danach das Bild des Etatsentwurfes so dar, daß der Etat in Einnahme und Ausgabe mit rund 4816 Millionen Mark abschließt. Einnahmen und Ausgaben halten sich ohne Anleihe das Gleichgewicht. Man wird dem preußischen Etatsentwurf für 1915 das Zeugnis nicht versagen können, daß er mit größtmöglichster Vorsicht und unter Befolgung des durch die Zeitlage gebotenen Grundsatzes weiser Sparsamkeit aufgestellt worden ist. Weitere Stsbige der Besterreicher! wtb Wien, 12. Febr. Amtlich wird verlautbart vom 11. Februar, mittags: In Nussisch=Polen und Westgalizien, abgesehen von Artilleriekämpfen, keine Ereignisse. An der Karpathenfront wurden im Abschnitt westlich des Uzsoker Passes russische Angrifse und einzelne partielle Vorstöße unter starken Verlusten des Feindes zurückgeschlagen. Im Waldgebirge und in der Bukowina sind erneut Fortschritte zu verzeichnen. Mehrere hundert Gefangene, sowie Maschinengewehre wurden eingebracht. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. urlien Vetioben der Beibes wrütgstiegen!„ Frannreich in Erwartung der küfsischen Riieverlagen. Basel, 11. Fehr. Die Pariser Blätter stellen bei Besprechung der Kriegslage fest, daß das ganze Interesse momentan auf die Entscheidung in Polen gerichtet sei. Der„Matin“ schreibt: Wenn die Russen auch wider Erwarten die Schlacht verlieren sollten, würde das Endergebnis des Krieges dadurch in keiner Weise berührt.(?!)„Excelsior“ bereitet seine Leser darauf vor, daß das Ringen in Polen an einzelnen Punkten eine für Rußland ungünstige Wendung neh könne. Das Blatt versichert aber, das russische Kommando verdiene volle Vertrauen. Die Gattung Grattenr. Genua, 11. Febr. Hinsichtlich der Kriegsrüstungen Italiens ist zu bemerken, daß diese im nächsten Monat fertig sein werden; man arbeitet überall mit Hochdruck. In den nächsten Tagen wird eine große Menge Dampfer mit Getreide aus Argentinien erwartet; auch sollen über 15 000 Pferde von dort hier eintreffen. Am 18. d. M. wird das Parlament eröffnet; man sieht der ersten Sitzung mit großer Spannung entgegen; wir dürfen wohl annehmen, daß, wenn bis zu diesem Zeitpunkte keine besonderen Verhältnisse eintreten, Italien seine bewassnete Neutealität weiter. führen wird. Viele Leute glaubten, daß der frühere Ministerpräsident Giolitti versuchen würde, wieder ans Ruder zu kommen und der Politik Italiens eine andere Richtung geben würde; diese Leute haben sich geirrt, denn schon legte man Giolitti gewisse Andeutungen in den Mund, die geeignet waren, die heutige Lage zu trüben; da gab Giolitti selbst, um alle Zweifel zu beseitigen, in der offiziösen„Tribung“ eine Erklärung ab, in der er in knappen Worten sagt, daß er nicht nur die tit des jetzigen Kabinetts billige, sondern sie unter allen Umständen unterstützen werde. Zur Kennzeichnung unseres Kaisers. Im„Neuen Wiener Tagebl.“ heißt es unter der Ueberschrift:„Worte des Deutschen Kaisers": „Die Menschen in Europa, und wir Wiener mit, glaubten den Deutschen Kaiser nach alledem, was wir von ihm in 25 Jahren gesehen und gehört hatten, genau zu kennen. Und doch gaben alle Berichte und Beiträge zur Kennzeichnung seines Wesens nur ein Bild von ihm, das wir als unzulängliches Stückwerk empfanden. Durch alle Züge, die uns einen hochgebildeten, mit seltener Lebensenergie auf allen Gebieten sorglichen, rastlos tatigen Fürsten zeigten, suchte das Auge nach dem Mittelpun te dieser Persönlichkeit, nach dem„Etwas“, worin dieser Mann am meisten Mann, am meisten er selbst ist. Nach diesem Kriege scheint uns eine Notwendigkeit dieses Suchens nicht mehr vorhanden. Die Berichte Ganghofers lassen uns acußerungen aus dem Munde des Kaisers vernehmen, die das, was im Innersten dieses Fürsten pulst, was ihm auch seine wahre Höhe gibt, deutlicher präzisieren, als was uns je von noch so gutgemeinter Momentaufnahme über ihn klar gemacht wurde. Die Schilderungen Ganghofers bilden bei uns den allgemeinen G.sprächsstoff. Eines dieser Kaiserworte übertrifft das andere an lichtvoller Kraft. Wort vom Wettrennen und vom Jockey, der nach dem andern besseren Pferde schlägt, ist so scharf, daß es dem Manne wirklich seine Physiognomie gibt, überdies mit geradezu schneidendem Umriß zugleich die Lage auf allen denen Kriegsschauplätzen klarmacht. Schließlich jene kostbaren Worte, die auch in der Kulturgeschichte unvergessen bleiben werden, die Worte vom Unterschied zwischen Zivilisation und Kultur. Hier traf der Kaiser gerade ins Schwarze und legte mit einem Echnitt die letzte Quelle bloß, aus der dieser Krieg floß.“ Bulgarien und der Krieg. wtb Paria, 11. Febeuar. Alle Blätter sind einig darüber, daß die Nachricht, Vulgarien habe eine deutsch=österreichisch=ungarische Anleihe aufgenommen, ein Zeichen dafür sei, daß es demnächst gegen die Verbundeten auftreten werde. wtb Sosia, 11. Febr.(Meldung der„Agence Bulgare.) Ein Teil der Reserveoffiziere ist zu einer einmonatigen Uebung einberusen worden, um die Kenntnisse der Offiziere aufzufrischen und sie mit den infolge der neuesten Kriege in der Armee eingeführten Reformen vertraut zu machen. Der Kaiser im Osten. wtb Berlin, 12. Febr. Se. Maj. der Kaiser hat sich wiederum auf den östlichen Kriegsschauplatz begeben. —— Der Ziomabe=Krieg begen England Eine neue Gemeinheit Englands. Die britische Admiralität hat einer Kieler Meldung der„Köln. Ztg.“ zufolge den ungewöhnlichen Schritt getan, zurückgehaltene feindliche Handeisschiffe für die Beförderung ihres Bedarfs an Kohlen heranzuziehen. Man hat nichts davon gehört, daß das Londoner Prisengericht die betref fenden Schiffe als Prisen erklärt hat. Es ist anzunehmen, daß die Admiralität sich nicht damit begnügt, die festgehaltenen Schiffe nur für die Kohlenbeförderung zu verwenden, sondern daß sie diese tatsächlich deutschen Schiffe für ihre Truppentransporte über den Aermelkanal fahren läßt, ob mit einem Schein von Recht unter falscher Flagge, bleibt abzuwarten. Das Ziel Englands bei diesem neuen Willkürakt ist natürlich, daß, wenn schon bei Truppen= oder anderen Transporten ein Schiff den deutschen Unterseebooten zum Opfer fällt, die ses Schiff dann wenigstens ein deutsches sein soll. Einem deutschen Tauchboot entronnen. wtb Bmuiden, 12. Febr. Der Kapitän des eng lischen Dampfers„Laertes", der heute früh von Java eintraf, erzählte, daß er gestern zwischen dem Maasleuchtschiff und der Schouwerbank von einem deutschen Tauchboot beschossen wurde. Projektile drangen durch den Schornstein, den Kompaß und die Schiffsboote in boot versuchte da das Schiff ein. Das Tauch Schiff zu torpedieren, aber „Laertes“ entkam durch ein schnelles Manöver und durch die Entwickelung der größten Schnelligkeit. Amerika über den Mißbrauch seiner Flagge. Haag, 11. Febr. Wie vorauszusehen war, hat das englische Eingeständnis des Mißbrauches der amerikanischen Flagge dem größten Teil der amerikanischen Presse die Augen geöffnet. Wie den „Times“ von ihrem Korrespondenten in Washington gedrahtet wird, hat die Tatsache, daß die„Lusitania“ auf Anweisung der englischen Admiralität die englische Flagge mit der amerikanischen ver tauschte, dem Vorfall in den Augen der Ameri kaner eine besondere Bedeutung verschafft. Es werde befürchtet, daß, obgleich man im allgemeinen von dem Recht Englands überzeugt sei, die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten in Unsicherheit über die Unantastbarkeit der amerikanischen Flagge und die Sicherheit der amerikanischen Schiffahrt geraten wird. Die„New York Sun“ spricht von großer Erregung unter den Kongreßmitgliedern. Laute Debatten scheinen bevorzustehen. Der Umstand, daß in früheren Zeiten der Mißbrauch neutraler Flaggen geduldet worden sei, dürfe, sagt die„Neuyorker Staatszeitung“, nicht verhindern, gegen diesen neuen Beweis der britischen Heuchelei energisch zu protestieren. „Washington Post“ weist darauf hin, daß die amerikanischen Reisenden und Handelsfirmen nunmehr gewarnt seien, denn falls die Vereinigten Staaten den englischen Schiffen den Gebrauch der amerikanischen Flagge erlaubten, würden die deut schen Kriegsschiffe in jedem Falle die amerikanische Flagge als Deckung der englischen ansehen, und das Sternenbanner sei kein Schutz mehr für die amerilanischen Schiffe, die vernichtet werden könnten, ohne daß die Vereinigten Staaten einen begründeten Vorwurf gegen Deutschland erheben önnten. Alles dieses würde gleichbedeutend mit dem Untergange des amerikanischen Handels sein. Fortsetzung der Malmöer Verhandlungen. In der schwedischen Hafenstadt Malmö waren bekanntlich vor einigen Wochen die Könige der drei nordischen Reiche mit ihren Ministern zu Besprechungen über gemeinsame Abwehr der den Neutralen im Kriege drohenden Gefahren durch die vereinigten skandinavischen Staaten zusammengetreten. Man hatte damals die Grundlagen für ein gemeinschaftliches Vorgehen festgelegt. Die Sperrung der deutschen Nordsee durch England, sowie die englische Anweisung, nach der englische Handelsschiffe neutrale Flaggen anzulegen haben, schufen eine neue Lage und neue Schwierigkeiten. Deshalb beschlossen Norwegen, Schweden und Dänemark die Fortsetzung der Malmöer Verhandlungen. In Holland besteht starke Neigung, sich dem Vorgehen Skandinaviens anzuschließen. Das Schlimmste ist das englandfreundliche Verhalten merikas; ohne dieses würde den Machenschaften John Bulls schnell und nachdrücklich ein Ende bereitet werden. Kein gemeinsamer Protest der Neutralen. tu Amsterdam, 12. Febr. Nach den Londoner „Central News“ dementiert Präsident Wilson die Nachricht über einen gemeinsamen Protest der neutralen Staaten gegen die deutsche Blockadeproklamation. Der Präsident faßt die Proklamation als eine Warnung an die nautralen Staaten auf, daß gewisse Gegenden als gefährlich betrachtet werden müssen. Echt amerikanisch. wtb London, 12. Febr. Reuter läßt sich aus Washington vom 9. Februar melden: Wie an wohlunterrichteter Stelle verlautet, beabsichtigt die Regierung wegen der Hissung der amerikanischen Flagge auf der„Lusitania“ keinen Protest zu erheben, da die Benutzung neutraler Flaggen bei Schiffen kriegführender Nationen ganz gebräuchlich sei.(?) Die Regierung dürfte es jedoch für geboten erachten, Großbritannien eine Note zu überreichen, in der sie auf die Gefahr, die daraus für die neutrale Schiffahrt entstehe, hinweisen wird. (An eine solche Note wird sich England wenig kehren. D. Schriftl.) Amerikanische Soldaten für England? Amsterdam, 11. Febr. Wie die„Times“ aus Kanada meldet, wird zu dem deitten kanadischen Kontingent eine amerikanische Brigade gehören, die aus 2000 in Kanada, lebenden Amerilanern gebildet und von Offizieren der Vereinigten Staaten=Armee befehligt wird, die sich in die Listen eintragen und als britische Untertanen haben naturalisieren lassen. Es hätten sich genügend ameri kanische Offiziere zur Verfügung gestellt, um eine ganze Brigade zu bilden. — Dei dirien hegen Frannreich. Fliegerbomben auf Vlissingen! tu Amsterdam, 12. Febr. Aus dem Haag wird gemeldet: Flieger, die aus westlicher Richtung kamen, warfen gestern morgen Bomben auf Vlissingen; eine fiel ins Wasser, eine andere auf die steinerne Hafenmole, ohne viel Schaden anzurichten. Die Flieger setzten dann ihren Weg in östlicher Richtung fort, kehrten aber um und verschwunden in nördlicher Richtung. Man glaubt, es mit französischen Fliegern zu tun zu haben. Die neue französische Uniform. bb Rom, 11. Febr. Diego Angeli schildert in einem Brief aus Paris die neuen französischen Uniformen als sehr unpraktisch. Um die Soldaten möglichst unsichtbar zu machen, führte man ein hellblaues Tuch ein, das aber die Soldaten nicht mehr schützt, als die bisher getragenen Rothosen. Das Blau der neuen Uniformen sticht von der Landschaft im höchsten Grade ab; dazu kommt, daß der plumpe und unzweckmäßige Schnitt der alten Uniform, sowie die ganze veraltete Ausrüstung beibehalten ist. Dei dilieg hegen Die russische Niederlage am Duklapaß. wtb Budapest, 12. Febr. Der Kriegsberichterstatter des„Az Est“. Franz Molnar, berichtet vom Kriegsschauplatz am Duklapaß: Der Hauptzweck der dortigen russischen Offensive ist einerseits, unsere Erfolge in den Ostkarpathen zu paralisieren und andererseits die Eisenbahn Jaslo=Lemberg, die für sie eine Lebensfrage ist, zu verteidigen. Ihr Hauptangriff fand von nachmittags des 3. Februar bis zum Abend des 4. Februar statt. Am 3. kamen kleinere Gruppen in dichtem Nebel herab, um unsere Stellung zu stürmen. Wir warteten, bis größere Gruppen herbeikamen, dann eröffneten wir das Feuer. Trotz ihrer Verluste unternahmen die Russen die Stürmung des Kastelikberges. Wir antworteten mit Artilleriefeuer und Gegenangriffen. Am 4. Februar abends traten die Russen den Rückzug an. Der Angriff kostetete ihnen 973 Tote und 2509 Gefangene von drei Regimentern. Das 198. Regiment wurde völlig aufgerieben. Unsere Verluste sind gering, weil Uunsere Deckung ausgezeichnet war. Gestern erneuerten die Russen ihre Angrifse, jedoch viel schwächer. Die Gesamtzahl an Toten und Verwundeten der Russen wird von der hiesigen Kommandantur auf 3000 geschätzt. Russische„Heldentaten“. wtb Konstantinopel, 12. Febr. Eine halbamtliche Mitteilung besagt, daß zwei russische Torpedoboote, die am 8. Februar in den Hafen von Trapezunt kamen, auf den amerikanischen Dampfer „Washington", der dort vor Anker lag, Feuer gaben und ihn am Vorder= und Hinterschiff beschädigten. Zwei später gekommene russische Kreuzer eröffneten ein heftiges Fauer aus schweren Geschützen auf die„Washington“ und versenkten sie in wenigen Augenblicken. Die amerikanische Flagge weht noch über den Fluten und gibt Zeugnis von diesem Akt der Barbarei. Nach dieser Heldentat richtete der Feind sein Feuer auf die Stadt, besonders auf das Hospital, wo er den Tod zweier Verwundeter sund zweier anderer Kranken herbeiführte. Diese Handlungsweise der Russen, die auch. die Flagge einer neutralen Großmacht beleidigt hat, verdient die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt. Die Disziplin der russischen Soldaten. Der„Nußkoje Slowo“ veröffentlicht einen Erlaß des russischen Kriegsministers, in dem strengste Strafen für Ungehorsam und Beschädigungen der Einrichtungen in den Kasernen angedroht####den. Trotz der früheren Erlasse mehrten sich die Falle, wo die Soldaten in den Kasernen Oesen, Fenster, Türen und Schränke beschädigten, die Gasleitungen verstopften, die Wasserhähne öffneten und die Zimmer in jeder Weise verunreinigten, so daß die Kasernen durch die notwendigen Ausbesserungen für längere Zeit nicht benutzbar seien. Der Erlaß schärft den Vorgesetzten ein, bei den Soldaten die Disziplin aufrechtzuerhalten und für Reinlichkeit in den Kasernen zu sorgen, denn die Feuchtigkeit und der Schmutz seien gesundheitsschädlich. Der russische Wassenmangel hat nach neutralem Urteil einen für den Weiterbestand der Armee sehr gefährlichen Umfang angenommen. Die neueingestellten Truppen werden mit Stöcken autsgebildet, die vor kurzem zur Front abgegangenen Truppen sind mit alten Waffen aus dem Krimkrieg, sogar mit Steinschloßflinten ausgerüstet worden. Obwohl die Waffen und Ausrüstungsgegenstände der gefallenen russischen Soldaten soviel wie möglich wieder verwendet werden, ist es doch nicht möglich, alle neuen Abteilungen damit zu versehen, weil die verbündeten Dautschen und Oesterreicher ihr Hauptaugenmerk auf die russischen Waffen gerichtet haben. Die furchtbare Wirkung der deutschen Actillerie, welche jetzt in Polen verwendet wird, übersteigt nach Meldungen der russischen Kriegsberichterstatter alle Begriffe. Hauptsächlich die Elfzollgeschütze richten enormen Schaden an. Ein einziger Schuß aus diesen Kruppgeschützen zerschmettert ein zweistöckiges Steinhaus und hüllt die ganze Umgebung in eine schwarze Rauchwolke. Man hört ihr Nahen schon in der Entfernung von einem Kilometer. In den letzten Tagen hat die deutsche Heeresleitung neue starke Truppenmassen gegen Warschau geworfen, sodaß der von Rußland mit so viel Geschrei angekündigte neue Angriffsplan nach den Berichten russischer Blätter wohl eine„Verzögerung“ erleiden werde. Die russische Offensive gegen die Linie Lipno=Mlawa sei plötzlich von den Deutschen aufgehalten worden. In den Karpathen habe die Kampffront eine Länge von 170 Kilometern erreicht. Um Przemyst zu entsetzen, habe sich eine aus Deutschen und Oesterreichern bestehende Armee in Stärke von einer halben Million Mann in Bewegung gesetzt. Man wisse aber nicht genau, ob es sich nicht nur um ein Scheinmanöver handle und das wirkliche Ziel der Verbündeten, die Befreiung der Bukowina, sei. Die russischen Meldungen bereiten übrigens das Volk in versteckter Weise darauf vor, daß die erhoffte Entscheidung im Karpathengebiet doch noch einige Zeit auf sich warten lassen werde, weil die neu aufgetauchten österreichisch=ungarischen Kräfte die Russen geradezu überrumpelt hätten. und Liebe. Roman von Käthe Lubowski. 17 Den schmalen Fußsteg um die Mühle herum geht an dem nämlichen Abend, der auf die Unterredung mit seinem Hauptmann folgte, Klaus Wiedental entlang. Er trägt jetzt bereits Zivil und sieht sehr blaß und abgespannt aus. Die Ereignisse des Tages liegen wie ein wüster Traum hinter ihm. Er dünkt sich mimnmehr erhaben über dem, was ihm so lange als das Erstrebenswerteste und Höchste erschienen ist. Ein leidenschaftliches Gefühl des Hasses gegen alles Bestehende gärt in ihm. Er möchte es betätigen und austoben lassen, um jenen zu zeigen,„das ist die Frucht dessen, was Ihr gesät habt. Der Müller Ulfilas steht in der kurzen, grellroten Weste im Schatten seines Hauses und beobachtet ihn scharf. Er hat lange keinen guten Fang getan. Der hier scheint einen zu verheißen. Ein junger Milchbart, elegant und neu angezogen und augenscheinlich über irgend etwas in Verzweiflung. Er pfeift den Hund, der in die Wellen hineinspringt, um kleine Holzstückchen zu apportieren, heran, Das macht einen besseren Eindruck, als wenn er den Fremden anruft. Wiedental wird wirklich durch den Pfiff aus seiner Versunkenheit aufgeschreckt und auf die Gegenwart eines Menschen aufmerksam gemacht. Er hat manches Dunkle über den Mann in der fremdländischen Tracht schon gehört, um ihn, infolgedessen, gleich den andern über die Schulter anzusehen. Das war früher. Heute ist er ihm dadurch sympathisch. Ein Ausgestoßener und Verachteter, vielleicht genau so unschuldig, wie er, vielleicht auch ebenso haßerfüllt und innerlich zerschlagen. Das alte warzherzige Jungengefühl ist wieder in ihm. Es zwingk ihn, dem finsteren Manne irgend etwas Liedes zu erweisen. Er tritt auf ihn zu und streckt ihm die Hand entgegen. Das passiert jenem in den zehn Jahren seines Hierseins zum ersten Mal. Ein lauerndes Fragen liegt in des Müllers Augen, als er die schlanke, weiße Rechte wieder freigibt. „Es war heiß heute, Herr. Vielleicht ein Glas Milch gefällig? Frisch von der Kuh und auf Eis gekühlt!“ „Etwas anderes wäre mir offen gestanden lieber, Mann!“ „Es ist auch noch Wein im Keller, Herr! Guter, alter Muskateller von anno 1850! Aberer ist schwer zu ertragen und gibt heißes Blut!“ „Das paßt herrlich!“ sagt Wiedental.„Das meinige kann gerade eine kleine Aufwärmung vertragen,“ und folgt dem Voranschreitenden ins Haus. „Holen Sie eine Flasche heraus, Ulfilas und bringen Sie zwei Gläser. Sie sind mein Gast!" Als er das erste Glas hinuntergegossen hat, fühlt er eine wohlige Wärme durch seinen Körper rieseln. Und immer von neuem fließt aus dem verstaubten Hals der#asche der edle, goldgelbe Tropfen in seinen Römer. Als er das vierte Glas an die Lippen führt, üffnet sich die Tür und zwei Männer kommen herein. Sauber gekleidet, von guten, bescheidenen Manieren und mittleren Jahren. Sie lassen sich müde auf. die Holzschemel fallen und bestellen einen Becher Milch. Klaus Wiedental lachte sie aus. „Wollen die Herren nicht mit mir trinken?“ fordert er sie in der großmütigen Aufwallung, die der Wein in ihm entzündet hat, auf.„Es ist ein edler Tropfen, und es wäre schade, wenn wir ihn den andern gönnen wollten.“ Nach langem Zögern nehmen sie seine Einladung an. Ein paar neue Flaschen werden gebracht. Wiedentals Augen glühen bereits und seine Pulse fliegen. Da bringt der Müller die Karten herbei. „Wenn die Herren ein Spielchen machen wol len,“ sagte er mit dem Gesicht eines Biedermanns und vorsorglichen Wirtes, dem die Unterhaltung seiner Gäste am Herzen liegt. Der älteste der beiden Fremden hebt abwehrend die Hand. „Uns allein macht es keinen Spaß, Herr Wirt, und der Herr da wird wohl kaum Lust haben. Der Abend ist auch eigentlich viel zu schön für das Stubenhocken.“ Wiedental hat niemals zuvor eine Karte angerührt. Seitdem er, von einem Kameraden mitgezogen, in ein Schanklokal niederen Ranges einen Blick getau hat, in dem sie mit stieren, glasigen Augen ihre Karten mischten, empfand er jedesmal beim Anblick der bunten Blätter ein Ekelgefühl. Aber das war ja lange, lange her. Damals hatte er noch Ideale und hohes Streben besessen. Heute. Du lieber Gott. Was unterschied ihn noch von jenen, die sich ein Unrecht zu schulden hatten kommen lassen? Er wußte jetzt, wohin man im Leben mit der Aufopferungstheorie und der Treue kam. Umgekehrt mußte man es aufangen, um Beachtung zu finden. Das Spiel nahm seinen Anfang. Er drängte die Fremden förmlich dazu. Ein harmloses Zufallspiel, das er sofort begriffen hatte. Zehn Pfennig — das Point— das konnte nicht schlimm werden. Die beiden ehrsamen Familienväter waren ja so sträflich solide. Taille um Taille schlug für ihn. Ein stattliches Häuflein blanken Silbers hatte ihm der Müller bereits in Gold eingewechselt. Ein angenehmes Prikkeln lag in seinen Nerven. Er begann dem Spiel Geschmack abzugewinnen. Jemand machte den Vorschlag, den Einsatz zu verdoppeln. Er stimmte zu. Plötzlich verließ ihn das Glück. Sein Häuflein bestand schließlich nur noch aus ein paar armseligen Kupfermünzen. Den Mitspielenden war sein Verlieren offenbarunangenehm. Sie wollten die letzte„Runde“ ansagen. Dagegen erhob er energisch Einspruch. Er hatte das Gefühl, als läge Mitleid in ihren Mienen, wie man es einem unmündigen Jungen entgegenbringt. Mitleid hatte er heute schon zu viel genossen. Meinten jene vielleicht, daß ihm die Mittel ausgegangen seien. Da sollten sie aber Augen machen. Der Mietzins für das letzte Vierteljahr, die Beträge für allerhand kleine Rechnungen, für die NeuErfolge der Türken im Kaukasus. wtb Konstantinopel, 12. Febr. Ein halbamtliches Telegramm aus Iseban an der türkisch=russischen Grenze meldet, daß die Russen vorgestern und gestern mehrere Angriffe auf Egriklissa und Lespik unternahmen. Die Angriffe wurden unter großen Verlusten des Feindes durch die krastvolle Offensive der türkischen Truppen zurückgewiesen. Die Russen zogen sich in Unordnung zurück und ließen eine große Menge Kriegsmaterial zurück. Die englische und französische Flotte am Balkan. Gerettete Matrosen des seinerzeit in den Dardanellen gesunkenen französischen Unterseebootes sagen aus, daß das französische Boot„Saphir“ vorgegangen sei, da die englischen Boote wiederholt vergeblich versucht hätten, in die Dardanellen einzudringen. Ernste Zustände in Marokko. tu Paris, 11. Febr. Wie erst jetzt bekannt wird, ist Anfang Februar ein ganzes kriegsstarken Kolonial=Infanterieregiment von Marseille nach Marokko verschifft worden. Diese an und für sich bereits bedenkliche Tatsache macht infolge ihrer Verheimlichung einen umso unangenehmeren Eindruck. Es liegen fast überhaupt keine direkten französischen Nachrichten mehr über die Zustände anschaffung der Zivilsachen, Reisegeld nach Haus und zur Universität, der erste Monatswechsel für das Studium und eine kleine Extrasumme für unvorhergesehene Ausgaben, die sich der Berechnung entzogen, das alles lag in neun neuen Hunderten in seiner Brusttasche. Lächelnd zog er sie hervor und ließ die Papiere vor ihren Augen durch seine Finger gleiten. „Damit die Herren nicht etwa glauben, daß ich zahlungsunfähig sei.“ Das Spiel nahm seinen Fortgang. Wiedental verlor Schlag auf Schlag! Der zweite Hundertmarkschein war bereits gewechselt. Seine Hände.vermochten vor Erregung kanm mehr die Kartenblätter zu halten.„Aufhören— Aufhören“ — schrie die Stimme seines Gewissens voller Verzweiflung. Die Leidenschaft erhob grimmigen Protest.— Jetzt— das war unmöglich! Zuerst mußte der Verlust wieder eingebracht werden! Der Anfang war so vielversprechend gewesen, und das Glück würde schon wiederkommen. Aber— es kam nicht wieder. Er goß den schweren Wein wie Wasser herunter, und ließ sich einschenken. Er setzte und verlor! Er hoffte fieberhaft und wurde immer bitterer enttäuscht. In wirren Strähnen hing ihm das Haar von der Stirn herab. Seine Lippen brannten wie Feuer. Aber weiterspielen mußte er trotz des Ekelgefühls, das in ihm aufflammte und trotz der Schmerzen. Wovon sollte er, wenn sein Verlust unausgeglichen blieb, all die kleinen und großen Rechnungen bezahlen? Ein reicher, kinderloser Onkel, dessen Erbe er dereinst sein würde, hatte ihm die große Summe Geldes geschickt im festen Vertrauen auf seinen zuverlässigen Charakter. Er hatte es ihm in die Hand gelobt, sich allezeit der reichlichen Spenden würdig zu erzeigen, unter dem Bilde des verstorbenen Vaters, der dabei mit seinen klugen, sauften Augen bittend auf den einzigen Sohn herabgeschaut hatte. 220,16 4 Frieden malten Preis! Wou Wiein Volles Gewicht 2 Holländische Hangeschoken. N Westfalischer Pfarrerverein. * Gtaf Zeppelin über den Lusihrieg. Marolko vor. Die Regierung bestreitet in einer an die Presse gerichteteten Note, daß Fez von den aufständischen erstürmt worden sei. tu Berlin, 11. Febr. Der Vertreter der„Unijed Preß“, von Wiegand, hatte eine Unterredung mit dem Grafen Zeppelin. Dieser erklärte, daß der Luftkrieg stets ein wichtiger Faktor in dem sampfe zwischen den Nationen bleiben werde, wie jetzt der Unterseekrieg. An große Luftschlachten zwischen Luftschifflotten glaubt Graf Zeppelin nicht. Der englischen Emvörung über die Tötung von Nichtkombattanten durch Bomben von Luftschiffen liege nur die Furcht zugrunbe, daß die Seppeline die Isolierung Englands zerstören könnten. Die Frage, ob London mit einer Zeppelinflotte angegriffen würde, beantwortete der Graf dahin, daß es sich hier um eine Angelegenheit des Generalstabes handle. Ebenso wollte sich der Graf nicht über den militärischen Wert und die Zukunftsaussichten seiner Luftkreuzer äußern, und betonte nur, daß wir erst am Ansang der Aera der Luftfahrt ständen. Ein Lustfahrzeug habe er im Verlaufe dieses Krieges bisher persönnicht geleitet. Zum Schluß gab der Graf der Hoffnung Ausdruck, sein Lebenswerk mit einer Luftfahrt über den atlantischen Ozean krönen zu können. —— Japan und China. tu Peking, 11. Febr. Nach Ansicht aller unterrichteten Kreise steht China am Vorabend sehr ernster Ereignisse. Die Erregung der Bevölkerung über die japanischen Forderungen ist in stetigem Wachsen begriffen. In den verschiedensten Großstädten des Landes wurden stürmische Protestversammlungen abgehalten. Die Regierung Juanschikais befindet sich in schwierigster Lage; nimmt sie die Forderungen Japans an, so bricht zweifellos in Nordchina eine Revolution aus, weist sie die Forderungen ab, so erhalten die aufrührerischen Elemente in Südchina von Neuem japanische Gelder und erregen wieder schwere Unruhen, wenn nicht gar Japan selbst zu Gewaltmaßregeln übergeht. Die Bewachung Juanschikais ist noch strenger geworden, da man sehr für das Leben des Diktators fürchtet. Es ist fast unmöglich, Zutritt zu ihm zu erlangen. Der japanische Geschäftsträger in Peking, der nach Tokio gereist war, um Instruktionen zu holen, ist zurückgekehrt. Man erwartet für die nächsten Tage eine entscheidende Wendung. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 12. Februar. **(Des Kaisers Dank.) Aus der Kriegssammlung der Eisenbahn ist dem Kaiser zu seinem Geburtstag die Summe von 300000 Mk. für Zwecke der Kriegswohltätigkeit zur Verfügung gestellt worden. Vom Kaiser ist darauf aus dem Haupt=, quartier an den Eisenbahnminister nachstehendes Telegramm eingegangen:„An den Minister der öffentlichen Arbeiten, Berlin. Mit großer Besriedigung habe Ich aus Ihrer Meldung vom 20. Januar erfahren, welche staunenswerte Opferfreudigkeit die Beamten und Arbeiter der preußisch=hessischen Eisenbahngemeinschaft und der Reichseisenbahn durch die Aufbringung von mehreren Millionen Mark zur Linderung der schweren Wunden des Krieges betätigt haben. Mit Freuden nehme Ich die Mir zum Geburtstage für die Zwecke der Kriegswohltätigkeit dargebotene Spende von 300000 Mark als eine besondere Aufmerksamkeit an und behalte Mir die Bestimmung über ihre Verwendung noch vor. Ich ersuche Sie aber schon jetzt, allen beteiligten Eisenbahnbeamten und Arbeitern für ihr vorbildlich opferwilliges Verhalten und zugleich für ihre treue Pflichterfüllung unter schwierigsten Verhältnissen Meinen Dank und meine Anerkennung auszusprechen. Wilhelm R.“ **(Erhöhung der Spirituspreise.) Die Spirituszentrale gibt bekannt: Nach Beschluß des Gesamtausschusses wurde der Abschlagspreis von 54 auf 58 Mk., der Verkaufspreis für Primaspiritus von 74 auf 79 Mk., derjenige für vergällten Branntwein einschließlich des Brennspiritus in Flaschen uum etwa 4 Mk. für das Hektoliter erhöht. Die Preissteigerung erfolgte, um die Aufwendungen zu decken, die den neuerlichen Verordnungen des Bundesrats dadurch entstehen, daß die Brennereien zur Ausdehnung ihres Betriebes vornehmlich auf die Verarbeitung von Zucker angewiesen werden. **(Im Silberkranz.) Am gestrigen Tage konnten die Eheleute Anstreichermeister Joh. Fischer und Frau, geb. Jungesblut, sowie Kaufmann W. Plate u. Frau, geb. Braunschweig, das schöne Fest der silbernen Hochzeit feiern. Wir sprechen beiden Silberbrautpaaren unsern besten Glückwunsch aus! Möge sich das jetzige Silber dereinst in Gold verwandeln. **(Die Deutsche Turnerschaft und der Krieg.) Von den Mitgliedern der Deutschen Turnerschaft sind bis jetzt 8000 Mann auf dem Felde der Ehre gefallen. 9000 erhielten das Eiserne Krauz. *?(Gegen die Preistreiberei im Kartosselhandel.) Wie wir erfahren, liegen dem Bundesrat Anträge mehrerer Bundesregierung vor auf Erlaß weiterer Schutzmaßnahmen zur Sicherstellung der Lebensmittelversorgung Deutschlands. Voraussichtlich werden in aller Kürze noue Maßnahmen des Bundesrats bekannt gegeben werden, die den Preistreibereien im Kartoffelhandel ein Ende bereiten sollen. (Gesellenprüfung.) Die Putzmacherin Frl. Haßler von hier, welche bei Frl. Baumeister die Putzmacherei erlernte, bestand vor dem Prüsungsausschuß der Handwerkskammer zu Dortmund ihre Gesellenprüfung mit bestem Erfolge. **(Westfälischer Fortbildungsschultag.) Der geschäftsführende Ausschuß des Vereins zur Förderung des Fortbildungsschulwesens in der Provinz Westfalen beschloß in seiner letzten Sitzung, zum 6. Westfälischen Fortbildungsschuktage nach Buer i. W. einzuladen, sobald ihm die Verhältnisse dazu angetan erscheinen. Als Verhandlungsthemen sind vorgesehen: 1. Was kann die gewerbliche Fortbildungsschule auf Grund der in dem gegenwärtigen Kriege gemachten Erfahrungen wun, um unsere männliche Jugend für den Militärdienst vorzubereiten?(Referent: Oberbürgermeister Cuno=Hagen.) 2. Inwieweit sprechen die während des Krieges gemachten Erfahrungen für die Notwendigkeit der Einrichtung von Mädchenfortbildungsschulen?(Referent: Lehrerin ClevenDortmund.) **(Krankheits=Statistik.) In der Woche vom 17. bis 23. Januar wurden im Stadt= und Landkreise Hörde folgende Fälle von übertragbaren Krankheiten gemeldet: Es erkrankten an Diphtherie: je 3 in Schwerte und Hombruch, 2 in Hörde, je 1 in Annen und Barop; Scharlach: 4 in Wandhofen, je 1 in Kirchhörde, Annen und Schwerte.— Es starben an Diphtherie 2 im Landkreise Hörde, Lungen= und Kehlkopftuberkulose je 1 in Schwerte, Hörde, Hombruch und Aplerbeck. In Dortmund fand die 14. Tagung des Westfälischen Pfarrervereins statt. Der Vorsitzende, Präses der Provinzialsynode Superintendent Kockelke=Schwelm, eröffnete die Tagung und begrüßte den Vertreter der im Oktober eröffneten evangelisch=theologischen Fakultät der Universität Münster, Professor D. Smend, der nach dem Jahresbericht des Schriftführers das Wort ergriff zu dem Vortrag:„Unser Gottesdienst und der Krieg.“ Es wurde sodann durch den Vorsitzenden des evangelischen Preßverbandes Pastor Wolff=Witten und den Pastor Close=Bochum über den Kongreß in Berlin betr. Volksernährung berichtet. Es wurde festgestellt, daß Deutschland wohl genügend Roggen hervorzubringen vermag, aber zwei Drittel der Futtermehle und der Mais fehlen. Auch Kartoffeln bringt das Land in großer Fülle hervor, aber es ist notwendig, daß Roggen und Kartoffeln auch wirklich als Nahrungsmittel verwendet werden und ein Verbot erlassen wird, das Korn und die Kartoffel zur Bereitung von Alkohol zu verwenden. Es wurde einstimmig beschlossen, eine Eingabe an den Bundesrat einzureichen, dem Ernst der Lage entsprechend die erforderlichen Maßnahmen zu beschleunigen. Büchertisch. * Sölde, 11. Febr.(Pfarrwahl.) Zum Pfarrer des Pfarrbezirks Sölde wurde einstimmig Herr Pfarrer Nuwe gewählt. * Essen, 11. Febr.(Ein Opfer seines Berufes.) Gestern nacht starb im Elisabeth= Krankenhaus der Sanitätsrat Dr. Renoldi an den Folgen einer Blutvergiftung, die er sich bei einer Operation zugezogen hatte. Der Verstorbene, einer der bekanntesten hiesigen Aerzte, hat sich auch als Stadtverordneter große Verdienste um das Gesundheitswesen der Stadt Essen erworben. Alle unter dieser Rubrit besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Aegypten, das Land der Wunder und der Sehnsucht seit Jahrtausenden, ist nun ganz von den hab' gierigen Händen unserer britischen Gegner umtrallt. Ein seinem Volk und Glauben Abtrünniger führt ein Scheinkönigtum von Englands Gnaden. Aber schon ziehen unsere Bundesgenossen, die Türken, am heiligen Sinai vorbei zur Befreiung des alten Pharaonenlandes. In solcher Zeit muß das Interesse für Aegypten besonders stark werden. Im Februarheft von Paul Kellers Monatsschrift „Die Bergstadt“.(Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn, Breslau I; Preis vierteljährlich 3 Mk.) finden wir einen prachtvoll bunt illustrierten Artikel von Kiene=Naton über das Land der Pharaonen. Diese billigen Monatshefte, die wir der deutschen Familie warm empfehlen, werden im Stoff immer vielgestaltiger, in der Ausstattung immer reicher. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. 1 Pfund-Paket (Netto-Inhalt 500 gr) 65 Pig. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meiner unvergesslichen Frau, unserer herzensguten, treusorgenden Mutter sagen wir allen, besonders Herrn Pastor Schulze-Nölle hiermit unsern 759 innigsten Dank. Carl Schäfer nebst Kindern. Ergste, den 11. Februar 1915. 1 Pfund-Paket (Netto-Inhall 500 gr) 65 Pig. Auch während des Krieges erhalten Sie beim: Einkauf des selbsttätigen Waschmittels Persil, das nach wie vor in gleicher Güte geliefert wird, volles Gewicht zum alten Preis, im Gegensatz zu manch anderen Waren, die infolge Rohstoffmangels oder Rohstoff-Verteuerung entweder im Gewicht gemindert oder im Preise heraufgesetzt worden sind. Persil ist als Wasch-, Bleich- und Desinfektionsmittel für Kranken-, Woll- und Haushaltungs-Wäsche jeder Art unübertrollen, da es die Wäsche nicht nur blütenweiß, wie auf dem Rasen bleicht, sondern auch gleichzeilig alle Krankheitskeime vernichtet. Es erfordert keine weiteren Waschzutaten wie z. B. Seife, Seifenpulver usw., daher billigstes Waschverfahren! Sie sparen damit wirklich! HENKEL& CIE., DUSSELDORF, auch Fabrikanten der bekannten Henkel’s Bleich-Soda. des evangl. Frauenvereins, Schwerte zum Besten der Hausarmen sind zu haben in der Voranzeige! Henng Porten-Lichtspiele — früher Metropol-Theater.— Brückstrasse 12. Unter neuer Direktion. Ab Samstag, Sonntag, gelangt ein Riesen-Schlager-Programm zur Vorführung.— Unter anderem: Der Königsrubin. In 4 Akte. Gespenster. 2. Teil, in 3 Akte. Henny Porten-Schlager. la 8 Akto. 766 766 DO erstklassige Planos zu vermieten. 10jjährige Garautie. Die gezablte Miete wird bei späterem Kauf voll in Anrechnung gebracht. Ehrlichs Pano-Haus 750 Iserlohn. zum räuchern wird angenommen. res Moltkestr. 10. 5 Gewerkverein der Deutschen □ G. Maschinenbau- u. Metallarbeiter. □ 9 Ortsverein Schwerte.(H. D.) □ Sonntag, den 14. Februar 1915, nachm. 5 Uhr, □ m im Saale des Herrn Köster, Wilhelmstrasse: □ 3 Wébllätigkeits-" 9 Lichtbilder-Vortrag. 8 □ Thema:„Die Entwickelung des See□ wesens vom Einbaum bis zum □ Unterseeboot.“ □ Redner: Kapitän Köster aus Düsseldorf. □ Der Reinertrag wird an das Rote Krenz abgeführt □— Mit 66 kolorierten Lichtbildern.— □ Eintritt 30 Pig. 771 Der Vorstand. Buchhandlung CARL BRAUS SCHWERTE(Ruhr), Gr. Marktstr. 3—5 Kheit&a Sappen Spargel, Wiener, Reis. Hindenburg Kartoffel, Erbs, Weibertreu, Königin, Geflügel, Pilz empfiehlt Carr PUr! Bekanntmachung betressend Landsturm=Musterung im Landhreise Hörde. Die Musterung und Aushebung der unausgebildeten Landsturmpflichtigen, welche in den Jahren 1888. 1·87, 1886. 188) und 1884 geboren, sowie der Landsturmpflichtigen, die bei der Landsturmmusterung 1914 die Entscheidung„zeitig untauglich“ erhalten haben und ferner derjenigen Mannschaften, die beim diesjährigen Heeresersatzgeschäft dem Landsturm überwiesen worden sind, ist angeordnet und findet im Landkreise Hörde wie folgt siatt: 1. Am 16. Februar d. Is. in der Wirtschalt Wiebelitz in Annen, 9 Uhr vormittags, für die Landsturmpflichtigen des Amtes Annen. 4, 6 4ap 2. Am 17. Februar d. Is. in der Wirtschaft Jomenhöfer in Schwerle, vormittags 8.45 Uhr, für die Landsturmpflichtigen der Stadt Schwerte„8 4 3. Am 18. Februar d. Is. in der Wirtschalt Jochenhöfer in Schwerte, vormittags 8.45 Uhr, für die Landsturmpflichtigen des Amtes Westhosen.„.„ s. Schult; 4. Am 19. Februar d. Is. in der Wittschaft Schalle in Aplerbeck, vormittags 8 45 Uhr, für die Landsturmpflichtigen der Jahrgänge 1884, 1885 und 1886 des Amtes Aplerbeck. 5. Am 20. Februar d. Is. in der Wirtschaft Schulte in Aplerbeck, vormiltags 8.45 Uhr, für die Landsturmpflichtigen der Jahrgänge 1887, 1888 und jüngere Jahrgänge des Amtes Aplerbeck 6. Am 22. Februar d. Is. in der Wirtschaft Bergmann in Hörde, vormittags 8.45 Uhr, für die Landsturmpflichtigen des Amtes Kirchhörde. 7. Am 28 Februar d. Is. in der Wirtschaft Bergmann in Hörde, vormittags 8.45 Uhr, für die Landsturmpflichtigen der Aemter Wellinghosen und Barop. Diejenigen Landsturmpflichtigen, welche sich noch nicht zur Landsturmrolle angemeldet haben, werden hierdurch aufgefordert, unverzüglich ihre Anmeldung bei der Ortsbehörde zu bewirken. widrigenfalls strenge Bestrafung erfolgt. Die zur Gestellung verpflichteten Personen haben sich eine Stunde vor den bezeichneten Terminen pünktlich einzufinden. Der Landsturmschein ist Antrage auf Zurückstellung wegen dringender häuslicher Verhältnisse sind bei den Ortsbehörden vor dem Musterungs. termine anzubringen. Alle Gesuche um Zurückstellung Landsturmpflichtiger vom Waffendienst im Interesse der Aufrechterhaltung gewerblicher Betriebe(Bergwerke. Eisenwerke usw.) sind sofort, spätestens bis 20. Februar) bei dem Unterzeichneten(nicht bei dem Bezirkskommando) anzubringen. 441 61916 Verspätete Reklamationen müssen unverucksichtigt bleiven. Die Reklamationsgesuche müssen eingehend begründet und behördlich(z. B. durch die Gewerbeinspektion oder Bergreoierbeamten) begutachtet sein. Außerdem müssen die Gesuche die zeitige Wohnung und den Geburtstag des zu Reklamierenden enthalten und ausdrücklich zum Ausdruck dringen, daß es sich um eine Reklamation eines unausgebildeten Landsturmpflichtigen handelt. Reklamationen anderer Jahrgänge als der zu Musternden können nicht angebracht werden. Die Verhandlung über die Reklamationen findet am 23. Februar d. Is., vormittags ½12 Uhr. im Bergmannschen Saale in Hörde im Anschluß an das Musterungsgeschäft statt. Jede Störung der Ruhe und Ordnung des Musterungs. geschäfts durch Trunkenheit, Widersetzlichkeit, unerlaubte Entfernung, sowie ähnliche Ungehörigkeit wird streng bestraft. Hörde, den 5. Februar 1915. 682 Der Landral I. V.: Burchard. In Abänderung meiner Verfügung le Nr. 37922 vom 1. Dezember 1914, betrefsend das Verbot der Veiwendung von Neutialölen und Fetten zur Herstellung von Schmier= und Leimseifen, wird im Einverständnis mit dem Kriegsminisserium das Verbot dahin eingeschränkt, daß die im deutschen Arzneibuch genannten Seifenpräparate 1. Sapo kalinus 2 Sapo kalinus venalis 8. Liquor Cresoli saponatus nicht unter das Verbot fallen. Münster, den 26. Januar 1915. Der kommandierende General: 768 Frhr. v. Gayl, General der Infanterie. für Wurst, Schokolade und Zigarren geeignei sind vorrätig in der Bechhandlung uaku Bhkee SCHWERTE(RUHR), Gr. Marktstrasse 3—5 Frische 7748 PKeIeT 9 Stck. 100 fg. E. VVemberg Veranntmachung. Nachdem bereits vor einiger Zeit für die Notleidenden in Ostpreußen ein Betrag von 3000 Mk. aus einer Sammlung der hiesigen Kreiseingesessenen an die Sammelstelle in Königsberg hat abgeführt werden können, ist jetzt ein weiterer Betrag von 1200 Mk nach dorthin gesandt worden. Der Oberbürgermeister der Königl. Haupt= und Residenzstadt Königsberg hal mich bei dieser Gelegenheit gebeten, allen Spendern den wärmsten Dank zu sagen. Indem ich diesem Wunsche nachkomme, gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß auch fernerhin die Bevölkerung des Kreises sich das Elend der von den Schrecknissen des Krieges heimgesuch'en Ostpreußen ständig vor Augen hält und in bisheriger Opferwilligkeit gibt, was nur immer zu entSpenden nimmt entgegen die im Kreishause zu Hörde befindliche Kreisstelle vom Roten Kreuz. Hörde, 8. Februar 1915.. 769 Der Landral. I. V.: Burchard. Fürsorge für die nächstjäbrige Ernle. Die Unterbindung des Handels der neutralen Länder durch die englische Flotte hat zur Folge, daß wertvolle, aus dem Ausland stammende Rohstoffe, an deren Verwendung unsere Landwirte zur Hedung der Erträge seit Jahren gewöhnt sind, für die kommende Frühjahrsbestellung gar nicht oder nur in sehr beschränkter Menge zur Verfügung stehen. Zu diesen Rohstoffen gehört der Stickstoffdünger. Zum Wohle des Vaterlandes hat daher jeder Landwirt die Pflicht, an einer möglichsten Steigerung der einheimischen Stickstoffdünger=Erzeugung mitzuhelfen und den in der Landwirtschaft setbst vorhandenen organischen Stickstoffdünger möglicht zweckmäßig zu verwenden. Im Inla de wird Stickstoffdünger in Form des Ammoniaks gewonnen als Nebenerzeugnis der Kokereien. Da aber infolge der Einberusung der Arbeiter zum Heeresdienst und infolge der Unlerbindung des Uverseehandels die Hauptverbraucher des Kokses, die Hochöfen, nicht voll in Betried sind. fällt mit dem Sinken des Kodsve brauches auch die Kokserzeugung und damit die Herstellung von Stickstoffdünger. Um ihren Rückgang nach Möglichkeit zu beschränken, muß im ganzen deutschen Valerlande mit Nachdruck dahin gewirkt werden, daß an Stelle von Kohlen Koks in allen Feuerungen verwendet werde. Hierzu kann in erheblichem Umfange auch die Landwirtschaft beitragen, in dem in allen Feuerungen, die ganz oder teilweise mit Koks geheizt werden können, in den Brennereien, Stärkeund Zuckerfabriken. Kartoffeltrocknungs=Aalagen in Futterdämpfern. Lokomobilen jeder Art. Küchenherden und Zimmeröfen, soviel als möglich die Kohle durch Koks ersetzt wird. Die geringen, mit dem Übergange zum Koksbrand verbundenen Undegumlichkeiten muß jeder Landwirt auf sich nehmen, der sich nicht den Vorwurf aussetzen will, dewußt eine schwere Verantwortung für den Rückgang der Ernte in 1915 auf sich zu laden. Auf Anregung des landwirtschaftlichen Ministeriums hal der Leiter der technischen Abteilung des Vereins zur Förderung der Moorkultur. Herr Arland, in einer landwirtschaftlichen Brennerei und an sonstigen Feuerungen die Möglichkeit, Koks zu verbrennen, erprobt. Hierdet hat sich gezeigt, daß in allen Feuerungsanlagen, die mit Rosten versehen sind, Jechenkoks und Gaskoks in Mischung mit Schwarzkohlen und mit Braunkohlen-Briketts sehr gut verwendet werden kann: der Koks ist für diesen Zweck zu nußgroßen Stücken zu zerkleinern Bei Dampskesselanlagen mit schwachem Zug durch niedrige Schornsteine oder längee wagerechte Rauchkanäle kann die Dampfleistung bei der Koksfeuerung allein oder als Zusatz zu anderen Brennsloffen durch Anordnung eines einfachen Dampfgebläses unter dem Rost, das jeder Schlosser herzustellen weiß. wesentlich erhöht werden. Bei Dampfkesseln mit gutem Jug und geeigneten Rost stäben von 4—6 mm Lustspalten ist unter Umständen Gaskoks allein zu verseuern, für Schmelzkoks. der schwer anbrennt, muß dagegen stets ein Grundfeuer von Steinkohlen oder Braunkohlen vorhanden sein, auf dem mit Koks weiter gefeuert werden kann. Durch die angestellten Versuche ist ermitielt worden, daß sich bei Kesselanlagen die Kosten pro 1000 kg Betriebsdampf bei der Verfeuerung von Steinkohlen oder Braunkohlenbriketts mit Jusatz von 1/8 Gaskoks ziemlich gleich hoch wie bei Steinkohlenfeuerung stellen, bei etuem Zusatz von 1/ Gaskoks sich um etwa 4—5% erhöhen würden. Bei Zusatz von 1/8 Schmelzkoks würden sich die Dampfkosten um etwa 5—6% und bei einem solchen von ½ Schmelzkoks um etwa 10—12% steigern. Hierbei sind die in der Versuchsanlage festgesetzten Preise für die Brennstoffe zugrunde gelegt, die sich für Gaskoks um 10% und für Schmelzkoks sogar um 25% höher stellen als die Steinkohlenpreise und zwar in allen Fällen einschließlich Ausfuhr, also frei Kesselhaus gerechnet. Bei der großen Bedeutung der Frage muß trotz der ent stehenden, nicht wesentlich höheren Kosten die Verwendung von Koks überall dort statlfinden, wo es nach der Beschaffenheit der Feuerun gsanlagen irgend möglich ist. Wesentlich leichter kann die zweite vaterländische Pflicht erfüllt werden, den in der Landwirtschaft seldst vorhandenen organischen Stückstoffdünger zweckmäßig zu verwenden. Die seit Jahren übliche und von allen Landwirtschaftslehrern nachdrücklichst empfohlene Stickstoff=Kopfdüngung kann in diesem Frühjahr den Getreidesaaten nur dann gegeben werden, wenn die Jauche in unverdünnter Form, also unter Fernhaltung des Regenwassers, vierfür verwertet wird. Da die Kopfdüngung in verhältnismäßig schwachen Gaben verabfolgt wird, die aber möglichst gleichmäßig zu verteilen sind, diese Verteilung aber in flüssiger Form undurchföhrbar ist, muß die Jauche mit Torfmull vermischt werden, der in beliebigen Mengen leicht beschafft werden kann. Die bisher übliche Verteilung der Jauche in flüssiger Form über Wiesen und Acker muß im Jahre 1915 unbedingt unterbleiben. Die Jauche darf nur für die Beschaffung von Brotgelreide Verwertung finden. Auf Anregung des landwirtschaftlichen Ministeriums sind praktische Versuche gemacht worden, die ergeben haben, daß bei inniger Vermischung von 5 Jeniner Jauche mit 1 Zentner Torfmull durch Hin= und Herschaufeln eine Masse entsteht, die keinkrümmelig genug ist, um mit der Hand in gleichmäßiger Verteilung auf die Getreideselder ausgestreut zu werden. Die Mischung wird am besten in dichten Kastenwagen lose auf das Feld gefahren und unter Verwendung von Körben oder anderen größeren offenen Gefäßen ausgestreut. Säcke sind für diesen Zweck ungeeignet. Die Mischung enthält in 6 Jentnern 1.25 Pfund leichtlöslichen Slickstoffes, also in 1 Zentner rund 0.20 Pfund. Will mann die übliche Gabe von 50 Pfund Salveter auf den Morgen, enthaltend 8 Pfund Stickstoff, ersetzen, so müssen 40 Zentner der Torfmulljauchemischung ausgestreut werden. Der zu 6 Zentner Mischung gebrauchle Zenter Torf kostet srei Hof durchschnittlich 1,30 c, 1 Zentner der Mischung also rund 22 H und einschließlich des Mischens, Ausfahrens und Ausstreuens(18 I) 40 H. Eine Jauchekopfdüngung von 40 Zentnern stellt sich demnach für den Morgen auf 16 c. Die Kosten der Beschaffung und des Ausstreuens von 50 Pfund Salpeter betragen 5.75 J. Die Jaucheverwendung ist also wesentlich teurer. Der Umstand, daß auf den meisten Gütern die russisch=polnischen Schnitter den ganzen Winter hindurch beschäftigt werden müssen und zu ermäßigten Löhnen zu arbeiten tereit sind, wird aver die im wesentlichen aus Arbeitslöhnen bestehenden Kosten erheblich herabmindern. Außerdem muß berücksichtigt werden, daß bei den herrschenden hoben Getreidepreisen eine volle Deckung der Kosten eintritt. Endlich zwingt der Krieg den deutschen Landwirt, in den nächsten Jahren zur Erhaltung des Vaterlandes hohe Getreideernten zu erzielen die Jauchekopfdüngung muß also überall im höchstmöglichen Umpfange durchgeführt werden. Mit der Erzeugung des Jauchetorfs ist natürlich nicht erst im Frühjahr zu beginnen, sie muß sofort einsetzen und den ganzen Winter hindurch in dem Maße anhalten, in dem die Sauche anfällt.„.., Leinan Maslu g.. Wenngleich die Jaucheverwendung neinen vonlen Ersay für die bisher übliche Kopfdüngung dietet, ist sie im laufenden Jahre das einzigste überall brauchbare„Mittel, um eine für die Steigerung der Erträge an Brokgetreide unbedingt nötige Stickstoffdüngung wenigstens in bescheidenen Grenzen zu ermöglichen Für alle schwächer bestandenen Saaten ist eine Torfmull=Jauchedüngung. auch bei geringerem Jauchevorrat, wenigstens mit 4 Pfund Stickstoff. entsprechend 20 Zentner Tocfmull=Jauchemischung auf den Morgen unerläßlich. Kein Trovfen Jauche darf ungenutzt abfließen! Der heute unersetzliche, in der eigenen Wirtschaft erzeugte organische Stickstofsvorrat muß vor Verlusten möglichst bewahrt bleiden Berlin, den 15. Januar 1915. 753 BAdeT vom Neueste Feldaufnahmen. Grösse 31X25 cm. in künstlerischer Ausführung. Preis 60 Pfg. vorrätig in der Buchhandlung CARL BRAUS Schwerte(Ruhr.) Gr. Marktstrasse 3—5. An der Königl. Lebranstalt für Wein= Obstund Gartenbau zu Geisenheim a. A0. finden im Jahre 1915 folgende Unterrichts=Kurse statt: 1. Oeffentlicher Reblauskursus in der Zeit vom 15.—17. Febr 2. Obstbaukursus in der Zeit vom 22. Februar bis 6. März. 3. Hefekursus in der Zeit vom 1.—13. März. 4. Baumwärterkursus in der Zeit vom 8.—20. März. 5. Pflanzenschutzkursus in der Zeit vom 7.—9. Juni. 6. Obstbau=Nachkursus in der Jeit vom 12.—17. Juli. 7. Baumwärter=Nachkursus in der Zeit vom 19.—24. Juli. 8. Obstverwertungskursus für Männer in der Zeit vom 26. Juli bis 5 August. 9. Obstverwertungskursus für Frauen in der Zeit vom 9. bis 14. August. Das Unterrichtshonorar beträgt Für den Kursus 1: Richts. Für den Kursus S: Preußen je 20 Mn., nlichtpreußen je 25 Mk., wozu noch 20 Mk. für Gebrauchsgegenstände(Reagentien usw.) und 1 Mk. für Bedienung kommen. Für den Kursus 2 und 6: Preußen 20 Mk.. Nichtpreußen (auch Lehrer) 30 Mk., preußische Lehrer sind frei. Personen, die nur am Nachkursus(Nr. 6) teilnehmen, zahlen 8 Mk., Nichtpreußen 12 Mk Für den Kursus 4 und 7 wird ein Honorar von 10 Mk. erhoben. Personen, die nur am Nachkursus(Nr. 7) teilnehmen, haben 5 Mk. zu zahlen. Für den Kursus 5: Preußen und Nichtpreußen 10 Mk. Für den Kursus 8: Preußen 10 Mh., Nichtpreußen 15 Mk. Für den Kursus 8: Preußen 6 Mk., Nichtpreußen 9 Mk. Anmeldungen sind zu richten an die Direktion der Königl Lehranstalt. Wegen Julassung zum Reblauskursus(Nr. 1) wollen sich Personen aus der Provinz Hessen=Nassau an den Herrn OberPräsidenten in Kassel, Nichlpreußen an ihre Landesregierung wenden. 94 Weitere Auskunft ergeven vie von der Lehranstalt kostenlos zu beziebenden Satzungen. Ja6 Ji, unsn 9 4 Zum Schluß wird noch demerkt, oag, die unter 2.-, o und 7 aufgeführten Kurse Veranstaltungen der Landwirtschaftskammer in Wiesbaden sind. 767 Der Direklor: Wortmann. in den nächsten Tagen eintressend, 763 offeriert billigst Börstingbaus. Kavalterie=Leien Schwerke. Sonnlag. den 14. d. Mis., abends 8 Uhr im Vereinslokal General= Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht 2. Verschiedenes. Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein 758 Der Vorstand. Favorit Modenalbum 60½ Favorik Haudarbtsalb. 60,, Alleinverkauf für Schwerte Favorit Jugendalbum 60 L !! Favorit Schnittmuster!! Kaufbaus Otto Mark Für unsere Krieger! 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Behutsam näherte er sich ihr, um sie nur ja nicht zu erschrecken. „Mein Lieb!“ sagte er leise.„Mein armes Lieb, da bin ich wieder.“—. 8 8, Sie antwortete nicht, und ihre Hano, die er jetzt erfaßte,— war so kalt.— „Maria!“ schrie er auf. Aber alles blieb still,— nur der Wind sang— sang.— Da siel ihm das Kind ein. Ach, da lag er im Mutterarm, kalten, starren Brust.— Der schüttert. „O Mutterliebe!" flüsterte er,„Mutterliebe!"— Ein Sonnenstrahl kam vom Himmel her und glitt leise, leise über Marias weißes Gesicht. Es sah so schön aus und so glücklich in diesem klaren Licht.—— Wo war der Knabe? so warm noch, an der Hauptmann stand erDer taube Professor. Eine der ältesten Sitten des Studentenlebens ist, die, den jungen Füchsen, also Neulingen. soviel Schabernack zu spielen, wie nur möglich. amtierte noch vor wenigen Jahren an einer preußischen Univerfttät ein fast völlig tauber Professor, der dem Uebermut, der akademischen Jugend oft zum Spielball diente. Ein„krasser Fuchs“— so heißt bekanntlich der Bruder Studio im ersten Semester— wollte bei dem Gelehrten hören und fragte ein„bemoostes Haupt“, ob es Sitte sei, sich den Universitätslehrern in ihrer Behausung vorzustellen. „Ja,“ versetzte der alte Bursche,„und da ich dieselbe Vorlesung zu hören beabsichtige, wollen wir zusammen zu Professor X. gehen.“ Unterwegs instruierte er den Neuling folgendermaßen:„Fuchs, du mußt nicht etwa glauben, daß du deinen jetzigen Lehrern mit solcher Unterwürfigkeit entgegenzutreten hast, wie du es auf dem Gymnasium gewohnt warst. Hier sind wir die Hecren, und wie wir mit den Professoren umgehen, werde ich dir zeigen. Benimm dich nur genau wie ich!“ Sie kamen an das Haus des Professors, dessen Taubheit der alte Student dem jungen wohlweislich verschwiegen hatte. Ein paar donnernden Fußstößen an die Stubentür folgte von drinnen das„Herein“! Der Gelehrte empfing die Jünger der Wissenschaft mit vielen Bücklingen und fragte, was die„hochzuverehrenden Herren“ wünschten. Das„bemooste Haupt“ hielt ihm seinen Testierbogen unter die Augen und rief mit einer Stentorstimme: „Du altes Oberkamel, ich will dein Kolleg hören!“ Der Professor verbeugte sich von neuem und schrieb seinen Namen in das dargereichte Papier. Der Fuchs stand höchst betroffen dabei, stotterte aber, da ihm sein Kommilitone. einen energischen Wink gab, heraus:„Ich wünsche auch bei dir Kolleg zu hören, du altes—“, das Hauptwort blieb Bestrafte Neugierde. In einer kleinen Stadt starb ein reicher Mann. Natürlich zerbrach man sich den Kopf, wieviel er wohl hinterlassen haben mochte, und wer das Geld erben würde. Aber man konnte nichts darüber erfahren. Endlich meinte einer der Neugierigen:„Ach was, ich werde einfach den Stier bei den Hörnern fassen und zu dem Notar gehen, der das Testament aufgesetzt hat. Der weiß es doch.“ Gesagt, getan! Er begab sich zu dem Justizrat, und nachdem er ein paar allgemeine Bemerkungen über den Verstorbenen gemacht hatte, frägte er:„Sie haben doch Reichweins Testament ausgesetzt, Herr Justizrat, nicht?“ „Allerdings.“ „Dann wissen Sie doch auch, was er hinterlassen hat?“ „Gewiß.“ „Würden Sie es mir vielleicht sagen?“ „Aber gern.“ Schmunzelnd rieb sich der Besucher die Hände. So leicht hatte er sich den Erfolg nicht vorgestellt. „Also, Herr Doktor, was hat er hinterlassen?“ Der Justizrat schaute auf:„Alles, was er hatte,“ sagte er und wandte sich wieder seiner Arbeit zu. ihm in der Kehle stecken. Nachdem der Professor seinen Bogen gleichfalls ausgefüllt hatte, empfahlen sich die Studenten, der jüngere schweigend, der andere mit einem derben „Prost!“. Wieder auf die Straße gelangt, sagte der Mentor zu, seinem Telemach:„Siehst du, Fuchs, so machst du es überall. Geh jetzt nur zum Professor Y., ich muß zu Z. Auf der Kneipe sehen wir uns wieder.“ Dem Fuchs hutte die soeben erlebte Szene ungeheuer imponiert. Auf dem Marsch zu Professor Y. warf er alle Schüchternheit ab und ließ zwei Fußtritte an das Zimmer dröhnen. Herr Y., der aber nicht taub war, sprang entsetzt auf und öffnete.„Du altes Oberkamel,“ schrie der Student ihn an,„ich will bei dir Kolleg annehmen!“„Herr, sind Sie verrückt?", rief der Professor zurückspringend und ergriff seinen am Ofen beschäftigten Bedienten am Arm:„Friedrich, wirf den unverschämten Kerl hinaus!“ Man denke sich den Schreck des armen Fuchses und das Gelächter, als er bleich und zitternd die Kneipe betrat. E Ratschläße lürs haus von Lanra Uincent. Alte Kartoffeln werden beim Kochen leicht schwarz. Gießt man kurz vor dem Abschütten einen Eßlöffel voll Essig an das Wasser, so werden die Kartoffeln weiß und mehlig, ohne daß der Geschmack irgendwie beeinträchtigt wird. Sogenannte blaue Flecken, durch S'oß oder Schlag verursacht, lassen sich vermeiden, wenn man sofort nach dem Unfall die verletzte Stelle mit ein wenig in kaltem Wasser zu einem dicken Brei verrührter Stärke bestreicht. Beim Kochen von Aepfeln setze man ein klein wenig Salz zu. Man wird finden, daß sie dadurch außerordentlich zart werden und ihr Wohlgeschmack sich erhöht. (88— 46. Jahrgang O Grites und ältelles Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Annoncenblat Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 36. Freitag, 12. Februar 1915. I Clettenerand. Orig nal-Kriegeroman aus ernster Zeit von Rudolf Hollinger. (13. Fortsetzung.)(Nachdruck verboten. Alle Rechte vorbehalten.) eute aber zog keiner der Herren seinen Lüge! Glauben Sie, daß ich mein Vaterland verund eine Preußin engagiert haben würde? Hut zum Gruße, und Erna sah aller Augen mit feindseligen Blicken auf sich gerichtet. Sie gab sich jedoch den Anschein, es nicht zu bemerken, und richtete I an den Regisseur, einen älteren Mann, [) der sich bisher an Liebenswürdigkeiten ihr gegenüber gar nicht hatte genug tun können, die Frage, ob die Probe, zu der sie leider nicht rechtzeitig habe erscheinen können, bald beginnen würde. Der Angeredete warf sich in die Brust, und indem er sie mit einem Blick voll echter Komödiantenmajestät vom Kopf bis zu den Füßen maß, erwiderte er: „Für Sie, mein Fraulein, wird hier überhaupt keine Probe mehr beginnen. Auf einer französischen Bühne ist kein Platz für Spioninnen, die sich unter falschen Vorspiegelungen einzuschleichen wußten.“ Ernas Wangen brannten, und sie hatte eine heftige Entgegnung auf den Lippen. Aber sie unterdrückte sie noch und begnügte sich, ihm mit einem kurzen: „Sie sind ein Narr!“ den Rücken zu kehren. Unbekümmert um die gehässigen Bemerkungen, die um sie her laut wurden, nahm sie ihren Weg mitten durch die Versammelten, um sich in das Bureau des Direktors zu begeben, und es hatte in der Tat niemand den Mut, sie auszuhalten. Der kleine dicke Herr aber, dessen Arbeitszimmer sie gleich darauf betrat, wurde durch ihren Anblick sichtlich in große Verlegenheit gesetzt. Erst wußte er offenbar nicht recht, was für eine Miene er aussetzen sollte, dann aber sing er an, mit den Augen zu rollen, und zog die Stirn in Falten. „Ich bin erstaunt, Fräulein Ravenna——“ „Bitte!“ fiel sie ihm in die Rede.„Sie wissen sehr gut, daß ich nicht Ravenna, sondern von Raven heiße. Ich wünsche, fortan nur noch mit diesem meinem richtigen Namen angeredet zu werden.“ „Pardon! Ich kenne Sie nur als Erna Ravenna. Wenn Sie mich bezüglich Ihres Namens und Ihrer Nationalität belogen haben, so müssen Sie eben jetzt die Konsequenzen tragen.“ „Das ist unerhört! Sie wußten seit der Stunde, da Herr Lecomte mich Ihnen vorstellte, daß ich eine Deutsche bin, und der Vorschlag, mich für eine Engländerin auszugeben, kam von Ihnen, nicht von mir.“ Ausgeregt begann der kleine dicke Herr im Zimmer herumzulaufen, und unter den heftigsten Gestikulationen schrie er sie an: raten Nimmermehr! Nimmermehr! Mein Theater ist durch Ihr Auftreten beschmutzt worden,— beschmutzt, sage ich, — und noch einmal beschmutzt! Jawohl! Ich bin außer mir, und ich kann Ihnen nur raten, das Haus auf der Stelle zu verlassen.“ „Möchten Sie mir nicht wenigstens zuvor meine fällige Gage auszahlen?“ Die Aufregung des Herrn Direktors steigerte sich bis zu solcher Höhe, daß ihm die Stimme überschnappte. „Gage? Se wagen es, mir von Gage zu reden? Sie? Eine Feindin Frankreichs?— Ah, das ist zuviel! Ich befehle Ihnen, sich unverzüglich zu entfernen!“ „Wohl— ich schenke Ihnen diese tausend Frank. — Aber ich habe in meiner Garderobe noch einige Gegenstände, die für mich von Wert sind. Es wird mir doch wohl gestattet sein, sie zu holen?“ Der Direktor hielt es für zweckmäßig, die Antwort auf diese Frage schuldig zu bleiben, und Erna legte auf seine ausdrückliche Erlaubnis auch offenbar keinen besonderen Wert, da sie ohne Gruß das Bureau verließ und den Gang durchschritt, der zum Bühnenhause und den Garderoberäumen führte. Aber sie sollte diese letzteren nicht mehr unangefochten erreichen. Einige der Bühnenmitglieder mußten ihr vorhin gefolgt sein und mußten jetzt die übrigen herbeigerusen haben. Denn plötzlich sah sich die junge Sängerin von der ganzen Schar umgeben, so daß sie weder vorwärts noch rückwärts konnte. Während sich die Männer zunächst noch beschimpfender Worte oder gewaltsamer Handlungen enthielten, benahmen sich die Frauen desto leidenschaftlicher und brutaler. All der giftige Komödiantenneid und die nagende Eifersucht, die sich Monate hindurch gegen das bevorzugte und vom Publikum verhätschelte Mitglied in ihren Herzen aufgespeichert hatten, machten sich nun mit elementarem Ungestüm Luft, und die eleganten Dämchen, die sich sonst alle erdenkliche Mühe gaben, Vornehmheit zu erheucheln, wurden mit einem Male zu zügellosen Vorstadtmegären. Die eisige Ruhe, die Erna dem Ansturm entgegensetzte, und vor allem das spöttische Zucken ihrer Mundwinkel stachelten die Wut der ehemaligen Kolleginnen nur noch mehr; ein blutjunges Persönchen drängte sich dicht an sie heran und erhob die Hand, wie wenn sie sie ins Gesicht schlagen wollte. Da richtete die junge „Wie können Sie wagen, etwas Derartiges zu be= Deutsche sich hoch auf, stieß die Angreiferin zornig zuhaupten! Es ist eine Lüge, sage ich,— eine dreiste rück und rief in französischer Sprache: 9 R K—. 8 50 2 „Ist dies das Künstlerpersonal eines Theaters, oder bin ich zwischen das Gesindel der Gasse geraten?“ Das unbedachte Wort drohte ihr zum Verhängnis zu werden; denn nun wurden auch die Männer von dem allgemeinen Wutparoxismus ergriffen. Sie begannen ebenfalls zu schreien und zu gestikulieren, und eine gellende Weiberstimme schrie über den wüsten Lärm hinweg: „Sie hat mich geschlagen!— Werft sie zum Fenster hinaus— die Preußin— die Spionin!" Die Möglichkeit, daß sich willige Hände finden würden, der Aufforderung nachzukommen, lag wahrlich nahe genug. Man hatte Erna bis an die Wand zurückgedrängt, und jeder Weg zur Flucht war ihr abgeschnitten. Schon machte sie sich mit fest zusammengepreßten Lippen zu verzweifeltem Widerstande bereit, als plötzlich eine neue, unvorhergesehene Bewegung in den dicht zusammengedrängten Menschenhaufen kam. Ein paar der lautesten Schreier flogen nach rechts und links zur Seite, und die kreischende Hetzerin wurde so unsankt zurückgerissen, daß sie mit einem Schmerzensruf zu Boden taumelte. Dann stand die hohe Gestalt des Tenoristen Lecomte wie eine lebendige Schutzmauer vor der Bedrohten. Sein Gesicht war vom Zorn gerötet, und seine dunklen Augen sprühten Blitze. „Schämt ihr euch nicht, ihr elenden Feiglinge?“ donnerte er den Verblüfften zu, die sich eilig aus dem Bereich seiner Fäuste zurückgezogen hatten.„Ist das sranzösische Gastfreundschaft? Ist das französische Ritterlichkeit? Gebt Raum! Und dem ersten, der es wagt, Fräulein Ravenna zu berühren, dem schlage ich den Schädel ein,— gleichviel, ob es ein Mann ist oder ein Weib!“ Die Ankündigung wirkte geradezu Wunder. Einzig diejenigen, die am weitesten entfernt noch ein undeutliches Murren.: Und als Lecomte der den, wagten Meinung totenbleichen jungen Sängerin den Arm reichte, um sie die Treppe hinabzuführen, öffnete sich vor ihnen bereitwillig eine Gasse. Sie waren schon unten, als die kreischende Weiberstimme von vorhin ihnen ein unslätiges Schimpfwort nachschrie; aber ohne den Kopf zu wenden, gingen sie weiter, bis sie unbehelligt auf die Straße hinaus gelangt waren. Da wurde das erste Wort zwischen ihnen gesprochen. „Warum haben Sie meinen Rat nicht befolgt?“ fragte Lecomte mit bebender Stimme.„Warum kamen Sie hierher?" „Wie es scheint, hatte ich allerdings eine zu hohe von Ihrer Nation, Lecomte! Aber ich danke Ihnen! Sie haben sich großmütig an mir gerächt.“ „Wie können Sie so sprechen, Erna! Wofür hätte ich mich an Ihnen rächen sollen? Ich begreife ja, daß Sie vorhin nicht anders sprechen konnten. Und Gott ist mein Zeuge, daß ich Ihnen nicht zürne! Alles, was ich von Ihnen erbitte, ist, daß Sie mir erlauben, bis zur Rückkehr des Grafen zu Ihrem Schutze bei Ihnen zu bleiben. Man kann nicht wissen, wessen das Gesindel da drinnen fähig ist. Diese haßerfüllten Weiber sind imstande, Ihnen eine ganze Volksmenge auf den Hals zu hetzen.“ „Sie meinen es gut, Lecomte, und ich werde Ihnen Ihre selbstlose Ritterlichkeit gewiß nie vergessen. Aber Sie stellen sich die Dinge doch wohl schlimmer vor, als sie sind. Der Komödiantenhausen da oben ist nicht das französische Volk. Sie hassen in mir wohl weniger die Deutsche als die Kollegin, die das Glück hatte, beim Publikum mehr Beifall zu finden als sie. Und für den äußersten Fall habe ich daheim einen Browning, auf dessen Handhabung ich mich recht gut verstehe..“ Sie hatte eine leer vorüberfahrende Autodroschke herangewinkt, und während sie ihren Fuß auf das Trittbrett setzte, reichte sie dem Sänger noch einmal die Hand. „Leben Sie wohl, Lecomte! Wie die Dinge nun einmal liegen, dürfen wir nicht auf ein Wiedersehen hoffen und dürfen es uns wohl nicht einmal wünschen. Aber wir werden einander immer als gute und treue Freunde im Gedächtnis behalten, nicht wahr?“ Die Tränen standen ihm in den Augen, und er konnte kein Wort herausbringen, als er ihr hier auf offener Straße die Hand küßte. Er fühlte noch einen letzten warmen Druck der feinen nervigen Finger; dann ratterte das Automobil davon, und er blickte ihm nach, bis es ihm im Verkehrsgewühl der Straße entschwunden war. In der Hauptstadt der französischen Republik mochte es in diesem Augenblick wohl keinen schlechteren Patrioten geben als ihn.— In ihrer Wohnung wurde Erna von dem Mädchen mit der Neuigkeit empfangen, daß vor einer halben Stunde der Herr Graf zurückgekehrt sei. Er habe sehr bedauert, das gnädige Fräulein nicht zu Haus zu finden, aber er sei so ermüdet gewesen, daß er sich sogleich in seinem Arbeitszimmer zum Schlafen niedergelegt habe. Es mochte das Mädchen nicht wenig in Erstaunen setzen, daß ihre junge Herrin die Rücksichtslosigkeit hatte, trotz dieser Mitteilung ohne weiteres auf die Tür des Arbeitszimmers zuzugehen und so lange hart und ungestüm zu klopfen, bis drinnen eine verschlafene Männerstimme laut wurde: „Ja, zum Henker, was gibt's denn? Ich hatte doch ausdrücklich verboten, mich zu stören!“ „Ich bin es— Erna!“ rief sie zurück.„Und ich bitte dich, mir zu öffnen. Ich habe etwas Wichtiges und Unaufschiebbares mit dir zu sprechen.“ Gleich darauf wurde drinnen ein Schlüssel gedreht, und die Gestalt des Grafen Fedor Wolkonski erschien im Rahmen der geöffneten Tür. Er hatte die Sechzig sicherlich schon erreicht; aber man mußte bei seinem Anblick trotzdem ohne weiteres begreifen, daß er jahrzehntelang hatte für einen der schönsten Männer gelten können. Seine gertenschlanke, geschmeidige Gestalt war noch immer ein Typus vollkommenster männlicher Eleganz. Das ungelichtete, nur leicht angegraute Haupthaar, das glatte, rosige Gesicht mit dem wohlgepflegten, spitz geschnittenen Vollbart ließen ihn im Verein mit der Elastizität seiner Haltung und seiner Bewegungen geradezu jugendlich erscheinen, und sein Lächeln, das zwei Reihen gesunder, schneeweißer Zähne sehen ließ, war von bestrickender Liebenswürdigkeit. Vom Wirbel bis zur Sohle war er die vollkommenste Verkörperung jener Männergattung, der die Herzen der Frauen zuzufliegen pflegen wie betörte Schmetterlinge einer Kerzenslamme. „Ah, du bist'es, mein Liebling!— Vergib den unwirschen Empfang! Du weißt, von dir gestört zu werden, bedeutet mir immer eine Freude.“ Er sprach Französisch, aber mit dem harten Akzent des Russen, und er streckte zugleich seine beiden Hände aus, wie wenn er das junge Mädchen zärtlich an sich ziehen und umarmen wollte. Aber Erna, die rasch an ihm vorbei in das Zimmer getreten war und die Tür hinter sich ins Schloß gedrückt hatte, wich vor der beabsichtigten Berührung zurück. „Ich hätte deinen Schlummer gewiß nicht unterbrochen, wenn es nicht dringend notwendig gewesen wäre," erwiderte sie auf deutsch.„Aber unsere Auseinandersetzung duldet keinen Aufschub. Weißt du, daß wir unmittelbar vor dem Ausbruch eines Krieges stehen? Aber ich brauche wohl nicht erst zu fragen. Denn wer sollte es besser wissen als du?“ (Fortsetzung folgt.) u cmuc Mn tihn„Bunmes Denkspruch. Wer kest will, sest und unverrückt dasselbe, Der sprengt vom telten Himmel das Gewölbe, Dem müslen alle Geister sich verneigen Und rusen:„Komm und nimm! Du nimmst dein Eigen.“ E. M. Krndi. Die Alutter. Skizze von Elisabeth Bauck. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) Die Stunden kamen und gingen. Der Wind pfiff und sang,— unten aber rieselte, seufzte und schluchzte das Wasser.— Das Glockenläuten hörte eine Weile auf und begann dann wieder.— Dazwischen wirbelten stets von neuem die Trommeln der Soldaten: Rum, bum, bum, rum, bum, bum! Maria aber klang das jetzt so unheimlich, so schaurig in den Ohren, sie wußte nicht, warum! Dann nahm die Kälte allmählich zu, denn der Tag sank.— Die junge Frau konnte es kaum fassen, daß sie all die Stunden schon hier oben lag, und doch sah sie, daß es Abend wurde.— Plötzlich hörte sie einen Schuß fallen, dann wieder einen. Gleich darauf antworteten mehrere Schüsse aus anderer Richtung. Was bedeutete das? Warum schossen die Soldaten? Waren die Rettungsmannschaften vielleicht selbst in Todesnot? Maria schüttelte das Fieber. Großer Gott, auch das noch! Sie dachte an ihren Mann, wie er sie lebensvoll und frisch am Morgen verlassen hatte! Als die Trommel rief! Und nun! In dieser Minute rang er vielleicht noch verzweiflungsvoll um sein Leben,— in der nächsten?— Ja,—— ja, das war Soldatenlos, und sie, sein Weib, mußte es tragen wie er.— Ein leiser, kläglicher Ton von schwachen Kinderlippen erinnerte sie an ihre Mutterpflicht. Zärtlicher preßte sie den Knaben an die Brust. Der kleine Körper war so warm, sie fühlte es in stiller Wonne, daß sie ihn bis jetzt noch hatte schützen können vor Sturm und Not. Wie lange noch?— Wie lange noch?— Grau sank die Dämmerung auf das trübe Bild der vom Wasser überschwemmten Stadt herab. Maria sah das alles bald nur wie ein schleierhaftes Bild, und endlich verlor sich auch das in immer tiefere Dunkelheit. Da flammten denn hier und da rote Lichter auf, vielleicht waren es Fackeln oder Laternen, und im Innern der Kirchtürme wurde es hell. Maria blickte zum Himmel auf, der erst so hoffnungslos finster war. Dann aber kamen die Sterne. — Wie Perlenschnüre schienen sie aufgereiht dort oben, und Perlen brachten ja wohl Tränen? Sie lächelte und weinte doch und herzte so viele, viele Male das Kind.— Es war kalt zur Nacht, aber es fror sie nicht mehr. In ihren Pulsen hämmerte fieberheiß das Blut. Die Glocken schwiegen jetzt, und so klang nur noch das Seufzen des Wassers von unten herauf, das aber auch immer schwächer zu werden schien. Der Wind kam zuerst, ganz wie am Tage, nur in kurzen, wilden Schauern,— später jedoch, in der feierlichen Stille der Nacht, sang er ein brausendes, majestätisches Lied. Die arme Mutter im Fieberwahn schützte noch immer ängstlich ihr Kind vor Sturm und Not. Schon halb bewußtlos flüsterte sie zärtlich: „Mein Sohn, meine Freude!“ Der Morgen tagte. Fern im Osten schimmerte ein roter Streifen. Langsam wurde der Streifen größer und breiter. Es sah aus, als ob flüssiges Feuer durch die Wolken brechen wollte.— Die Sonne ging auf. Das Wasser war über Nacht gefallen. Die Bäume waren schon wieder bis auf die Stämme sichtbar,— aus ihren Blättern rann und tropfte es unaufhörlich. Die Häuser, welche meist noch bis zum Parterre unter Wasser standen, sahen häßlich und verwittert aus in dem dunstigen Morgenlicht. Der Weichselschlamm hatte einen grünlichen Schein an den Wänden zurückgelassen, einen dünnen, zähen Schleim, der sich in Ritzen und Spalten festsetzte. Hier und da waren Dachgiebel eingestürzt oder Türen und Fenster losgerissen. Von Gärten und Schmuckplätzen sah man nichts mehr, sie schienen wie weggefegt.— Das schmutzige Wasser, welches jetzt in trägen Wellen abwärts durch die Straßen trieb,— spülte so manches mit hinweg, was Menschenhand und Menschenfleiß mühevoll erschaffen. Die Gefahr war nun vorüber, doch die Stille folgte ihr, die jedes große Unglück begleitet.— Viele hatten Hab und Gut verloren und mußten Obdach suchen bei ihren Freunden. Manches Auge der Liebe sah vergebens aus nach allem, was ihm teuer war. Hier fehlte ein Kind, dort die Mutter— woanders wieder hatte das Wasser den Vater und Ernährer der Familie in ein frühes Grab gerissen.— Fast in jedem Haus wurden irgendwo weiße Tücher ausgebreitet und Lichter angezündet, die dann so still, so feierlich brannten. Spät,— zuallerletzt,— zogen die Rettungsmannschaften heimwärts durch die Stadt. Ihre Kähne hatten sie jetzt nicht mehr benutzen können, und so kamen sie beritten in langen Zügen. Die Trommel klang, und dazwischen schmetterten die Trompeten so schön und froh das alte Reiterlied: „Morgenrot, Morgenrot“. Hauptmann Boehm führte seine Soldaten über den Marktplatz— an seinem Hause vorüber— nach ihrem Standquartier. Er dachte an Maria und den Knaben, und wie sie gelitten haben mochten die lange, bange Nacht.— Wieder wirbelte die Trommel, und nun endlich— war er frei! Hastig wandte er sein Pferd und ritt zurück nach seinem Hause. Als er schnell die Treppen emporeilte, verstaubt und schmutzig, wie er war, hielt er plötzlich inne und blieb stehen. Auf der Fensterbank saß da in einer Ecke Kaschka, sein polnisches Dienstmädchen, und weinte. „Warum weinst du?“ fragte er sie in ihrer Sprache; denn sie verstand kein Wort Deutsch. „Ach, der Herr! der Herr!“ rief das Mädchen aufspringend und warf sich ihm ohne weiteres zu Füßen. „Gelobt sei Jesus Christus!“ „Ich frage dich, warum du weinst!“ sagte der Hauptmann barsch und zog seine Hand zurück, die das Mädchen küssen wollte. „Ja so!“ Kaschka fuhr sich mit der Schürze über die Augen:„Ich weine um die Frau, weil sie doch so gut war!" „Wo ist sie denn?“ „Ach, ich weiß es ja nicht, Herr!“ Kaschka weinte von frischem.— „Dummes Ding!“ murmelte der Hauptmann und stieß das Mädchen von sich fort. ] Dann lief er noch hastiger die Treppen empor, bis