0 Da Scrumem Zeuuer uichen auder Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oiertekjährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Gralisbeilage:„Illustrierter Familiensreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petttzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabalt u. erlischt bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Nebschtund esmcht.-Settinestelusne Amtiiches Kreisbicht Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung ∆ 5 Schwerter Volksblau Verbunden mit: für den Kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis börde o Haupt-Annoncenblatt Alle Areis- and lohalpollzeilichen Verord. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung dei Königlichen Regierung durch Beröffentlichung io der„Schwerte: Zeitung" rechtsverbindliche Kroft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adonnen= ten für jeden mit Tod endenden Unfall genehzihren Vr. 300 Mk. Unfall. usgngne i—.50 Mk. Unse Druck u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Ruhr tortio tb.- Sdiemn-üt Rheasshent-chrt io5 Nr. 34. Mittwoch, den 10. Februar 1915. 47. Jahrgang. A*„ Berect! Das preußische Abgeordnetenhaus. Die neue Kriegstagung. Die amtlichen Tagesberichte. zien keine Norönderung: (98. Sitzung vom 9. Februar.) Präsident Graf Schwerin=Löwitz führt in seiner Ansprache zur Eröffnung der Tagung aus: Neuen unvergänglichen Ruhm haben unsere herrlichen Truppen seit unserer Sitzung am 22. Oktober wieder an unsere Fahnen geknüpft, auch die schwersten Strapazen eines erbitterten Winterfeldzuges ertragen, unser Land vor größeren feindlichen Einbrüchen bewahrt und die fortschreitende Niederringung unserer Feinde ermöglicht. Freilich, die ungeheuren Opfer dieses Krieges sind weiter gestiegen und werden noch weiter steigen, denn wir sind vielleicht noch lange nicht am Ziel. Aber mit der Größe der Opfer festigt sich in unserem Volke der unbeugsame Wille, durchzuhalten bis zu einem vollen Siege, der diese ungeheuren Opfer lohnt. (Lebhafte Zustimmung.) Was auch die Ziele unserer Gegner sein mögen— vielleicht wissen ihre Völker nicht einmal, um was sie eigentlich kämpfen — wir kämpfen um Sein oder Nichtsein, um unsere ganze wirtschaftliche, kulturelle und nationale Zukunft. Und weil es sich für uns um alles handelt, was uns das Leben lebenswert macht, deshalb ist uns in diesem Kampfe auch kein Opfer zu groß. (Lebhafter Beifal.) Tird 84 Nachdem das Haus den vor dem Feind gesallenen Abgeordneten Meyer, dessen Sitz mit Lorbeer geschmückt war, und die inzwischen verstorbenen Mitglieder durch Erheben geehrt hatte, erhielt Finanzminister Dr. Lentze zur Begründung des preußischen Etatsentwurfes das Wort. Er gab keine trockene Aneinanderreihung von Ziffern, sondern eine von patriotischer Stimmung durchglühte, vom Beifall der Abgeordneten unterbrochene Betrachtung der allgemeinen kriegspolitischen Lage und ihrer Einwirkung auf die Finanzen Preußens. Das Leitmotiv dieser Ausführungen war verhaltene Genugtuung darüber, daß das deutsche wirtschaftliche Leben noch keine schwere Wunde erhalten habe und von einer Nötigung zu vorzeitigem Friedensschluß keine Rede sein könne. Abg. Hirsch(Soz.) verliest eine Erklärung, wonach die sozialdemokratische Fraktion ihren grundsätzlich ablehnenden Standrunkt gegenüber der bisherigen Regierungspolitik aufrecht erhält, angesichts dieser ernsten Zeit verzichtet sie jedoch auf parteipolit ische Erörterungen, doch gibt sie schon jetzt dem Verlangen Ausdruck, daß die Regierung, die von den breitesten Volksmassen geforderten innerpolitischen Folgerungen zieht. Die Grundlage dieser nauen Formen soll die Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts bilden. Der Ueberweisung des Etats an die verstärkte Budgetkommission stimmt die Partei bei. Abg. v. Heydebrand(kons.) erklärt im Auftrage der übrigen Parteien des Hauses: Auch wir wollen Wünsche, Klagen und Beschwerden zu geeigneter Zeit und zwar in der Kommission vorbringen, gegebenenfalls auch im Plenum, aber nicht jetzt. Während dieses Existenzkrieges, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat, verlangt und erwartet das preußische Volk nicht, daß der Einzelne Klagen und Beschwerden vorbringt. Wir müssen die Geschlossenheit des ganzen preußischen Volkes auch gegenüber diesem wütenden Kriege zum Ausdruck bringen. Ebensowenig, wie man auf dem Schlachtfelde Klassen kennt, dürfen jetzt Forderungen einzelner Klassen vorgetragen werden. Unsere Brüder draußen in den Schützengräben erwarten, daß auch wir daheim Opfer bringen. Unser Volk ist in dieser ernsten Lage zu jedem Opfer bereit.,(Abg. Liebknecht(Soz.) ruft: Sie haben kein Recht, im Namen des deutrüstungsrufe im ganzen Hause.) Auch wir Großes Hauptquartier. 9. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Es ist nichts wesentliches zu berichten. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der ostpreußischen Grenze wurden wieder einige kleine öitliche Erfolge errungen. Sonst ist die Lage unverändert. Oberste Heeresleitung. Deutsch=österreichische Erfolge. Wien, 19. Febr. Amtlich wird verlautbart vom 9. Februar, mittags: In Polen und Westgalizien keine Veränderung; Geschützkampf. Im Waldgebirge gelang es gestern nachmittag den verbündeten Truppen einen von den Russen hartnäckig verteidigten Ort nördlich des Sattels von Volovec nach mehrtägigen Kämpfen zu nehmen. Zahlreiche Gefangene wurden gemacht und viel Munition und Kriegsmaterial erbeutet. Auf der übrigen Karpathenfront hestige Kämpfe. Auf dem westlichen Abschnitt scheiterten mehrere russische Angrisse, wobei 340 Gefangene und 2 Maschinengewehre in unsere Hände fielen. Die Vorrückung in der Bukowina schreitet fort. Wama wurde von uns besetzt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. den Wert des Friedens zu schätzen, aber er muß uns dauernd die Früchte sichern. Die Aufgabe dieser Stunde ist gemeinsame Arbeit, Pflichterfüllung, Opserbringen, Kämpfen und Siegen und Zusammenstehen.(Stürmischer Beifall.) Da sich weiter niemand zum Worte gemeldet hat, schließt der Präsident die erste Lesung des Etats. Der Etat und die Wohlfahrtsvorlage für die Gemeinden gehen an die Budgetkommission. Montag, den 15. Februar, 2 Uhr: Zweite Etatsberatung. Zur Vorgeschichte des Krieges. 9. Ferruur, mittags: In Polen und West. Erfolge der Türken am Suezkanal. schsdint Feind während des ganzen Tages und klärten sei Ein englischer Kreuzer schwer beschädigt. wtb Konstantinopel, 10. Febr.(Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilte gestern mit: Die Avantgarde unserer gegen Aegypten operierenden Armee machte einen erfolgreichen Erkundungsmarsch durch die Wüste und trieb den vorgeschobenen Posten der Engländer gegen den Kanal hin zurück und überschritt sogar mit einigen Kompagnien Infanterie den Suezkanal zwischen Tussum und Serapeum. Trotz des Feuers englischer Kreuzer und Dungergape„ Unsele Truppen den Zeine Buhrend des ganzen Tages und klärten seine Verteidigungsmittel in vollem Umfange auf. Ein englischer Kreuzer wurde durch unser Geschützfeuer schwer beschädigt. Unsere Avantgarde wird die Fühlung mit dem Feinde aufrecht erhalten und den Aufklärungsdienst auf dem östlichen Kanalufer versehen, bis unsere Hauptmacht zum Angriff schreiten kann.— Unsere Flotte beschoß Jalta wirksam und versenkte an einem anderen Puntte ein russisches Schiff. Panzerzüge beschäftigten unsere Truppen den! Bevorstehende Entscheidung im Osten. in Rußland erhält der Soldaten. noch Munition, um an der Bzura und Der„Köln. Ztg.“ zufolge kommt das Blatt „Italia Nostra“ nach einer Prüfung der Aktenstücke, die von den verschiedenen Staaten über die Vorbereitung und Entstehung des Krieges veröffentlicht worden sind, zu dem Ergebnis, daß in diesem Kriege der Dokumente Deutschland Sieger bleibt. Ueber England sagt das Blatt, daß diese Urkunden den Engländern die schreckliche Anklage der Unehrlichkeit ins Gesicht schleudere. Diese Anklage sei schwerer, als die der Barbarei, welche die anderen gegen Deutschland erheben. Jedes erleuchtete Gewissen empöre sich bei dem Gebanren, daß eine Regierung mit List und Heuchelei gearbeitet habe, wo Aufrichtigkeit ihre Pflicht gewesen wäre. Die Unvermeidlichkeit des Konfliktes zwischen Deutschland und England rechtfertige nicht das Verhalten des letzteren. Auch den Krieg könne man auf moralische Weise vorbereiten, denn der Krieg sei kein Mord. Diesen Krieg aber habe England entgegen aller Sittlichkeit gewollt und vorbereitet. Dafür werde es sich vor dem Richterstuhl der Nachwelt zu verantworten haben. Ueber die Kämpfe in Nußland erhatt der „Temps“, von seinem Petersburger Korrespondenten einen Bericht, der besagt, daß nach Ansicht der leitenden russischen Militärkritiker die deutschen Angriffe im Weichselabschnitt nicht einfache Demonstrationen, sondern eine neue Offensive darstellen. Feldmarschall von Hindenburg hat seit 24. Januar einen neuen Angriff begonnen, der entscheidend sein soll und durch den— es koste, was es wolle— die russischen Stellungen durchbrochen werden sollen.„Der deutsche Generalstab", schreibt der„Temps“,„hat die Ruhe der Wochen benutzt, um seine Artillerie zu verstärken und die Zahl der Truppen zu erhöhen. Seine jetzt beendeten neuen Dispositionen zeigen, daß seine Taktik hauptsächlich darin bestand, bedeutende Kräfte an den Flügeln der beiden Kriegsschauplätze, an der Weichsel und in den Karpathen, zu konzentrieren, indem er im Zentrum nur 1½ Korps ließ. Nachdem die Verstärdungen eingetrofsnd sind, wenden die Oesterreicher mit allen ihren Kräften und die Deutschen ihrerseits ihr Maximum von Anstrengung auf. Nichts wird gespart, weder Soldaten, noch Munition, um an der Bzura und Rawka vorzugehen und die Russen einzukreisen. An der Linie Borzymow—Wolja—Chidlowska in der Richtung von Blonie=Grodzisk scheint eine große Affäre im Gange zu sein, wobei der Feind immer dasselbe Ziel hat: Warschau. Um das zu erreichen, werden keine Opfer gescheut. Nachrichten, die von den dort tobenden Kämpfen einlausen, besagen, daß eine dichte Rauchmauer sich über den Schützengräben erhebt. Auf einem Raum von 10 Kilometer stellt der Feind sieben Divisionen, die von hundert Batterien unterstützt werden. Normalerweise müßten diese Kräfte eine Front von 75 Kilometer einnehmen. Solche Maßnahmen lassen erkennen, daß die Russen um jeden Preis aus dem Eisen= und Feuerring herausgehen wolsen, mit dem die Verbündeten sie umgeben. Zu diesem Zwecke greifen sie zu ihrer ersten Methode, die darin besteht, auf der eine Seite fertig zu werden, bevor auf der anderen Seite losgeschlagen wird. Und jetzt scheint die Reihe an Rußland gekommen zu sein. ——— Die englische Unterseeboot=Blockade Verzweiflung in Warschau. oda, I war auf obrigkeitliche Anordnung h Wien, 10. Febr. In der„Rußkoje Wjedomosti“ berichtet Prokowitsch, daß sich die Lage in Warschau verzweifelt gestalte. Die Arbeitslosigkeit treibe einer Katastrophe zu. Der Ausbruch verheerender Epidemien sei nicht mehr zu verhindern. Der Hungertyphus heische zahllose Opfer. Es herrscht schon jetzt bitterste Not an Lebensmitteln. Auch die Wohnungskrise wirke deprimierend. Die Hausherren jagten ihre Mieter, die keine Miete bezahlen können, auf die Straße. Die Behörden seien machtlos, zumal es an Geld fehle. den Gasthäusern ist eine frühe Sperrstunde eingeführt worden. Die Chambre separces hat man auf borigleitliche Andtonung hin geschlossen. Cafetiers müssen sich schriftlich verpflichten, Soldaten den Zutritt zu ihren Lokalen zu „Nowoje Wremja“, schildert die schwere Aufgabe des von der Zarentochter Tatjana geleiteten Hilfskomitees im Rayon der Westfront. Es gelte, eine Masse hungernder und verseuchter Flüchtlinge zu unterstützen. Das sei um so schwieriger, als Warschau, das bisherige Zentrum der Fürsorge, wegfalle. Diese Stadt sei nämlich vom Kriege und den ihr ständig drohenden Gefahren so mitgenommen, daß sie mit ihrer eigenen Einwohner= schaft genug zu tun habe. d. h. die an sämtliche neutiale Staaten gerichtete Warnung, Handelsschiffe nach den England umgebenden Gewässern zu entsenden, da diese von Deutschland als Kriegsschauplatz wird von der englischen Regierung und Presse als eine schwere Verletzung des internationalen: Rechts bezeichnet. Dieses kenne nur eine effektive Blockade, worunter eine Blockade zu verstehen ist, bei der der sie erklärende Kriegführende tatsächlich durch seine Flotte in der Lage sei, jeden Seeverkehr abzuschneiden. Das ist in der Tat bei der Blockade unter See in ausgedehnten Gebiete, als es die Gewässer um Großbritannien herum sind, nicht der Fall. Aber kann sich England nach der Masse von Seerechtsbrüchen, die es selbst (Beschlagnahme von Gütern, die keine Konte bande sind, Gefangenaghme,g hastente g.Eärurz angehöriger auf neutralen Stzisen,„ eg der Nordsee zum Kriegsschauplatz, d. h. Blockierung neutraler Küsten 2c.) überhaupt noch auf die Londoner Seerechtsdeklaration berufen? Schließlich hat die britische Admiralität gar in einem Geheimerlaß angeordnet, daß englische Handelsschiffe beim Auftauchen deutscher Unterseeboote neutrale Flaggen hifsen sollen,„was Lu englischen Antrag in der Erklärung uber das Seekriegsrecht vom 26. Febrnar 1909 ausdrücklich verboten worden ist, obgleich es sHhgggugen allgemeinen Regeln, weil Treu und verleugnend, als grober Rechtsbruch zu betrachten Die britischen Verteidiger aller dieser Rechtsverletzungen und den neutralen Handel schwer beeinträchtigenden Eigenmächtigkeiten immer darauf, daß die Lebensinteressen Englands in höchster Gefahr seien. Aber auch Deutschland sicht für seine Lebensinteressen. Der Unterschied ist nur der, daß die Lebensinteressen, für die England die Mitschuld an diesem größten aller Kriege auf sich geladen hat, rein politischer urt sind, Bewahrung der Weltherrschaft zur See, was kürzlich noch von Churchill offen eingestanden ist, wogegen es sich bei Deutschland nach der ganzen auf Aushungerung des deutschen Volkes gerichteten Methode der englischen Kriegführung um physische Lebensinteressen handelt. Da England mit seinem Heere und trotz seiner Flottenmacht wenig im offenen Kampfe vermag, will es die deutsche Volkswirtschaft treffen und setzt sich dabei über alle Gebote des Rechts und der Menschlichkeit hinweg. Dagegen uns unter anderem mit der Unterseeblockade, sei sie effektiv oder nicht, zu wehren, ist um so mehr unser gutes Recht, als das Unterseeboot eine ganz neue Waffe ist, über deren Einfluß auf die Kriegführung noch keinerlei internationale Regeln aufgestellt sind. Weitere vermißte sranzösische und englische Schiffe. bb Kopenhagen, 10. Febr. Die„London News“ veröffentlichen eine zweite Liste von 21 französischen und englischen Handelsschiffen mit einem Gesamttonneninhalt von 145 050, von denen jede Nachricht fehlt. Man nimmt an, daß sie verloren sind. Die meisten dieser Schiffe waren auf dem Wege nach den Heimathäsen. Auf der Suche nach deutschen Unterseebooten. Basel, 10. gebr Die„Baseler Nachrichten“ melden aus Mailand: 150 englische Schiffe, Zerstörer und sogenannte Depotschi fe suchen die gesamte englische Küste nach Schlupfwinkeln der dautschen Unterseeboote ab. Gegen die mißbräuchliche Flaggenführung. bb Mailand, 10. Febr. Die„Sera“ meldet aus Neuyork, daß ein Antrag im Senat eingegangen ist auf Einspruch des Staatsdepartemenks gegen die mißbräuchliche Führung der amerikanischen Handelsflagge durch fremde Kauffahrteischiffe. Die verz seifelte Stimmung der Eugländer kommt in erneuten Offensivversuchen an der flandrischen Küste zum Ausdruck, die sie unternehmen, um den deutschen Einfluß daselbst zu brechen und damit die Blockadegefahr abzuschwächen. Über die Kämpfe melden Amsterdamer Blätter: Fortdauernd schweben Flugzeuge der Verbündeten über und hinter der Front, und nach eben eingelaufenen Berichten haben die Verbündeten in kräftiger Art die Offensive ergriffen und versuchen an der Küste entlang vorzudringen. Die englische Flotte unterstützt diese Versuche kräftig und hat gestern den ganzen Tag die Küste bis nach Ostende heftig beschossen. Verschiedene Schiffe wurden auch mehrere Male von Seebrügge ans gesichtet. Die deutschen Küstenbatterien feuerten auch auf diese. Zu einem regelmäßigen Bombardement kam es aber noch nicht. Maritz nicht gesangen genommen? vu Rotterdam, 10. Febr.„Daily Mail“ meldet an versteckter Stelle aus Kapstadt: Während die Bewohner von Kakamas sich durch die Uebergabe von Maritz sicher glaubten, machten 600 Deutsche einen plötzlichen Angriff auf diese Stadt. Jetzt fragt man sich, ob Maritz an der Spitze der Angreifer stand. Bestimmt ist, daß nur ein Teil des Maritz'schen Kommandos sich ergeben hat. Mit der ausposaunten Gefangennahme Maritz' ist es also wieder nichts. —— der Klieg gegen Fiaantia. Die deutsche Offensive im Westen? Zu den Kämpfen in Flandern wird dem Pariser„Temps“ gemeldet: Das milde Wetter in Flandern gestattet, den kriegerischen Operationen längs der Küste einen gewissen Endpunkt zu geben. Es ist bekannt, daß die Deutschen sich in der Umgegend von Ostende fürchterlich verschanzt haben, nicht weil der Besitz dieser Stadt für die Deutschen von großer Wichtigkeit ist, sondern wei Ostende Zeebrügge deckt, wo der Feind eine wichtige Basis für seine Unterseeboote hat und wo er sich um jeden Preis zu halten sucht. Man kann sich also auf einen mächtigen Widerstand gegen die Stellungen der Verbündeten gefaßt machen, und die wütenden Angriffe gegen die letzteren zeigen die Gewalt des Ansturms, den die Deutschen hier zu machen sich vorbereiten. Gleichzeitig führen die Deutschen neue Linien an das Zentrum der Front, und auch in Flandern suchen sie ihre Truppen zu verstärken. Sie haben frische Truppen bei Yseghem, einige Kilometer östlich von Roulers, versammelt, von wo sie leicht nach Bedarf an die Front zwischen Dixmuiden und Ypern oder an die Front zwischen Ypern und Armentieres geworfen werden können. Einige andere versammeln sich in Pilkem südlich Langhemarck, gegenüber den von den Verbündeten auf der Straße von Ypern nach Dixmuiden besetzten Stellungen. Von anderer Seite wird eine Tätigkeit der Deutschen von mit Maschinengewehren ausgerüsteten Motorbooten auf dem Kanal in der Gegend von Ostende und Brügge. gemeldet. Frankreichs wirtschaftliche Krise. Welchen Umfang die wirtschaftliche Krisis in Frankreich angenommen hat, geht aus den Ausührungen der„Humanitee“ hervor, die heftige Angriffe gegen die Regierung richtet, weil sie durch ein Moratorium das Wirtschaftsleben Frankreichs ins Stocken gebracht habe und später nichts getan habe, um der Stockung ein Ende zu bereiten. Die „Humanitee“ berichtet, daß bei der Banque de France sich Wechsel bis zum Betrage von 3½ Milliarden Franken angehäuft haben. Der Wechsetumlauf betrug in den letzten 5 Monaten 1914 363 Millionen Franken gegen 18 Millionen Franken in gewöhnlichen Jahren. Die Bank stellte ihre Kreditoperationen beinahe voll ein. Die „Humanitee“ sagt, daß das, was die deutsche und englische Regierung erreichen konnten, der französischen Regierung auch möglich sein sollte. Gerade Frankreich, das auf seinen Nationalreichtum so ungeheuer stolz ist, dürfe gegenüber dem wirtnicht ohnmächtig dastehen. Die Regierung müsse Maßnahmen zum Wiederaufrichten des Wirtschaftslebens ergreifen. Das Scheitern der Pariser Finanzkonferenz spricht Bände und zeigt uns die wahren Gedanken und Absichten unserer verbündeten Feinde in bengalischer Beleuchtung. Obwohl Rußland sich in so schwerer Geldbedrängnis befindet, daß für das Zarenreich die Möglichkeit, den Krieg fortzusetzen, in Frage gestellt ist, wenn ihm nicht mit so u. so viel Millionen ausgeholfen wird, macht England Ausflüchte über Ausflüchte, rührt aber keinen Finger, dem bedrängten Freunde zu helfen. Ungeachtet des„Not= und Todvertrages“ argwöhnt England, daß seine Drückebergerei sowohl in Rußland wie in Frankreich seine letzten Absichten verraten und die beiden Verbündeten zum Abschluß eines Sonderfriedens veranlassen könnte. Es ist aber nicht dieser Argwohn allein, der England bestimmt, die Hand auf die Tasche zu legen. Das perfide Albion rechnet kaltblütig auch mit einer Niederlage der Verbündeten und ist bestrebt, unter einer solchen persönlich so wenig wie möglich zu leiden. Deshalb die Schonung seiner Streitkräfte zu Wasser und zu Lande, deshalb die Verschließung seiner finanziellen Mittel. Rußland und Frankreich würden ihrem zynischen Verbündeten gerade so gern an die Kehle wie wir, wenn sie könnten. Aber sie können es jetzt nicht; aber wir können es und werden es ausführen.„Einst wird kommen der Tag...“ Die Luftkämpfe, die dieser Krieg zum erstenmal der staunenden Welt zeigte, haben in jeder Beziehung die Ueberlegenheit der deutschen Flieger über unsere Feinde gezeigt. Mochte es manchmal scheinen, als seien die Maschinen der Franzosen den unseren überlegen, so war es jedoch ebenso klar, daß die feindlichen Piloten lange nicht so hervorragend waren, wie unsere zähen Fliegeroffiziere und ihre Beobachter. In den Stellungskämpfen unserer Fronten haben sich die Flieger als wichtigste Waffe gezeigt und auch von größeren Geschwaderflügen, welche meist regelrechte Schlachten in den Lüften im Gehaben, sind unsere jungen Fliegeroffiziere als Sieger heimgekehrt. In der dritten Form des Lustkrieges, im Bewegungskrieg, den jedes Vordringen oder Stellungwechseln größerer Truppen=„# massen mit sich bringt, versagen die französischen Flieger ganz, während unsere junge Luftwaffe an Ausdauer, Unerschrockenheit und Kampflust geradezu hervorragendes leistete. Ein gefährliches Luftduell lieserten sich einige deutsche und französische Flugapparate. Ein deutsches Luftgeschwader war angriffsmutig aufgestiegen. Ein LuftverkehrsDoppeldecker, welcher infolge seiner leichteren Maschine etwas hinter dem Schwarm zurückgeblieben war, sah plötzlich über sich einen Eindecker fliegen, der an seinen Tragflächen die seindlichen Abzeichen trug. Da schlugen auch schon die ersten Schüsse aus einem französischen Maschinengewehr in den deutschen Apparat. Hageldicht flogen die Geschosse um die Köpfe des deutschen Fliegers und seines Beobachtungsoffiziers. Nun begann ein wildes Fliegen in den Lüften. Alle möglichen technischen Manöver wurden angewandt, während der Beobachter des deutschen Apparates kaltblütig die Gelegenheit erspähte; um mit seinem Karabiner den Feind herunterzuschießen. Da, beim dritten Schuß, ging der Gegner in die Tiefe, während das feindliche Maschinengewehr ganze Salven nutzlos verpufft hatte. englischen Troppentra sporte nach Frankreich sind nicht entfernt so stark, wie es die Londoner Nachrichten darzustellen belieben. Von Truppenlandungen in Stärke von 270000 Mann ist keine Rede. En holländischer Berichterstatter meldet als Augenz uge, daß in den letzten Tgen wohl englische Truppen an dei französischen Küste gelandet seien, aber so gewaltige Transporte, die von 270 000 und mehr sprechen, wären weder in Nieuport noch sonst wo an der Küste angekommen. Die große Masse des englischen Heeres sei noch lange nicht so weit. Die Landung soll natürlch an verschiedenen Punkten geschehen. Ein geheimnisvoller Schleier aber liegt über den Kriegsoperationen im Kanal und an der französischen Küste und erst in den nächsten Tagen wird vielleicht eine wichtige Nachricht zu erwarten sein. Von der belgischen Küste. tu Amsterdam, 10. Febr.„Telegraaf“ meldet aus Sluis: Sonntag mittag und Montag sei wieder heftiges Geschützfeuer gewesen, besonders am Montag vormittag, wo man einen Angriff von der See her auf Zeebrügge erwartete. Es sei aber nichts dergleichen geschehen. Eine deutsche„Taube“ stieg auf und flog rund um Zeebrügge herum. Auch an der Front bei Ypern werde in den letzten Tagen wieder heftig gekämpft, ohne daß Aenderungen an der Front eingetreten seien. In beinahe 4 Monaten habe sich die Taktik gar nicht geändert: bei Tage Artilleriegefechte, nachts Angriffe auf die Laufgräben mit Gewehrfeuer und Bajonett. Belischer Bruderzwist. tu Rotterdam, 9. Febr. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ enthält eine Zuschrift aus Gent, in der auf gewisse Bestrebungen aufmerksam gemacht wird, die jetzt in Belgien im Gange sind, um der Mitherrschaft des flämischen Elements ein für allemal den Garaus zu machen. Unter dem Titel„Manuel du Patriotisme“ wird eine anonyme Broschüre verbreitet, die die Leiter der slämischen Bewegung heftig angreift. Besonders werden die flämischen Ratsherren von Antwerpen, die in Gemeinschaft mit den deutschen Behörden das Los der Bevölkerung soviel wie möglich zu erleichtern suchen, auf das heftigste beschimpft. Antwerpen, das von jeher der Stützpunkt des Flamentums war, wird der einzige Schandfleck in dem Ehre und Liebe. Roman von Käthe Lubowski. 15 Er ist heute entlassen worden. Sein Jahr ist zu Ende Er kann gehen. Soweit ist alles in Ordnung. Aber das Andere, das Unfaßbare, das wider die Gerechtigkeit und das Menschengefühl geht, das darf nicht sein. Er opponiert dagegen. Womit hat er das verdient? Das— Das— Wenn er nur mit seinen Gedanken sich durchfinden könnte. Sie haben es ihm doch ein ganzes-Jahr fast jeden Tag aufs neue zu verstehen gegeben, daß er der beste, zuverlässigste Soldat der 5. Batterie sei, verwöhnt und gehätschelt haben sie ihn, und dennoch zuletzt nicht würdig und rein genug befunden, den Offiziersrock dereinst zu tragen, nicht wert, das silberne Portepee an der Seite zu haben. Als er die Nachricht erhielt, daß er zum Offiziersexamen nicht zugelassen sei, hat er das ganze für einen Scherz gehalten und gelacht. Sein klingendes, übermütiges Jungenlachen. Wenn sie ihn nicht brauchen konnten, ja, dann wußte er nicht, was ihre Verheißungen und Neckereien, die auf sein Avancement Bezug hatten, für einen Zweck gehabt haben sollten. Man erlaubt sich mit dem heiligsten Wunsch eines begeisterten Herzens doch keinen Spott.— Sie hatten es ihm hundertmal angedeutet, wie sie sich auf ihn freuten und ihn dadurch zu immer größerem Pflichteifer angestachelt. So stolz und glücklich warer auf das Vertrauen und die Zufriebenheit seiner Vorgesetzten gewesen. Gestorben wäre er für jeden einzelnen, wenn sie es verlangt hätten. Und— doch— hatte er es zuletzt dem Instruktor, Leutnant v. Tarenberg, der es ihm ganz zart, als täte es ihm auch weh, mitgeteilt hatte, glauben müssen. Darnach war er in die dunkelste Ecke des Kasernenhofes getaumelt und dort zusammengebrochen. Irgend jemand hatte ihn aufgehoben. Wer doch nur? Ach so, sein Hauptmann. Der hatte auch zu ihm gesprochen. „Wenn Sie das Bedürfnis nach Klarheit haben, Wiedental, dann kommen Sie heute nachmittag zu mir. Um zwei Uhr am besten. Da stört uns niemand!“ 0 Klaus Wiedenta. schopfte tief atem. Das war ein Lichtblick, vielleicht konnte er das Schreckliche mit starker Hand in Trümmer schlagen, nachdem er es kannte... 1. Hrter Sets Er taumelte von der Lafette herunter, setzte sich die Mütze, die ihm vom Kopfe geglitten war, wieder auf und stolperte in den hellen Sonnentag hinaus. Ein paar Soldaten lachten hinter ihm her.„Kiekt bloß den Wiedental. War ja immer ein kreuzfideler Mensch! Aber so nüchtern, so schlimm nüchtern. Zum Schluß hat er sich nu doch gehörig eingeseeft!“ Eine halbe Stunde später stand er vor Hauptmann von Wegeleben. Ein Ruck ging durch die schlanke, sehnige Gestalt des Vorgesetzten, als er Wiedentals verzerrtes Gesicht und die qualvollen Augen, die in heißem Flehen die seinen suchten, auf sich gerichtet fühlte. Warum mußte das auch an die große Glocke gehängt werden? Es hatte ja doch nicht das Geringste von der untadeligen Ehrenhaftigkeit des jungen, tüchtigen Menschen genommen. „Setzen Sie sich, Wiedental,“ sagte er gütig. „Nicht dahin, hier zu mir her. Sie sind mir nach wie vor ein lieber Mensch, den ich hochschätze! So, und nun geben Sie mir Ihre Hand!" „Herr Hauptmann verzeihen, die Hand, die nicht wert sein soll, den Offizierssäbel zu führen, darf auch nicht wert sein, in der des Herrn Hauptmanns zu liegen!“ „Doch, Wiedental, und nun hören Sie mir zu. Ich nehme mir selbst das Recht, Ihnen diese Enthüllungen zu machen, weil ich fühle, daß Ihnen die Ungewißheit ans Leben gehen würde. Vor vierzehn Tagen erhielt der Oberst von Wachenhusen ein anonymes Schreiben, in dem mitgeteilt wurde, daß Ihre Mutter eine voreheliche Tochter hat, die bei ihr im Hause lebt. Es standen noch viel häßliche, schmutzige Sachen darin, die ich Ihnen nicht mitteilen will und kann. Der Herr Oberst hat die Angelegenheit untersuchen lassen und die Bestäeigung der ersten Mitteilung erhalten, sowie Kenntnis darüber, daß man in allen Kreisen Ihrer Gegend von dem Vorkommnis unterrichtet ist. Er meint nun, daß es gegen die Standesehre verstoße, einen Menschen, auf dessen Familienehre ein Makel ruht, ein öffentlich bekannter, in allen Gesellschaftsklassen bekrittelter Makel, als Offizier im Heere zu dulden. Damit ist in dürren Worten der Ablehnungsgrund dargetan.“ Klaus Wiedental wollte aufstehen, aber er vermochte es nicht. Er fiel matt auf seinen Sitz zurück. Heiß und atemraubend stieg es ihm in der Kehle hoch. Er biß die Zähne zusammen und grub die Fingernägel in das harte Holz des Stuhles. Es half ihm nichts. Die Tränen, die auf seinem Herzen gelegen hatten, stiegen in die Augen. Es war ein jammervolles, herzerschütterndes Schluchzen, das den Hauptmann von Wegeleben im Innersten traf. Und doch konnte er ihm nicht helfen. Er fühlte nur, er mußte nach diesem etwas Großes, Tröstendes tun, er mußte Mensch sein. Er neigte sich zu dem Weinenden und nahm ihn in seine Arme. So warm und herzlich, wie es ein Vater mit seinem verzweifelten Kinde nicht anders häme tun können. „Weinen Sie sich aus,“ sagte erleise und weich. „Ich verstehe Sie. Aber nach dem Weinen seien Sie wieder der Alte, Frohe und Strebende, mit dem tiefen Gefühl und dem scharfausgeprägten Pflichtgefühl, um dessen willen wir Sie alle lieb haben. Denken Sie daran, daß Ihnen die ganze, reiche Welt offen steht. Sie haben mir einmal erzählt, daß Sie Jura studieren wollen. Die fröhliche, ungebundene Studentenzeit wird das Weh Ihres Junern allmählich ausheilen. Wiedental zuckte in seines Hauptmanns Armen empor. Er machte sich frei von ihnen und zwang sich nun doch zum Stehen. „Ich wollte in das alte Korps meines toten Vaters eintreten. Heidelberger Rhenauen. Sie hatten mich schon gekeilt. Das ist nun auch vorbei. Einer, der nicht gut und ehrenwert genug zum Offizier ist, taugt auch zum Korpsstudenten nicht. Seien Herr Hauptmann doch barmherzig, was kann ich für die Sünde meiner Mutter, die mit Tränen und Schmerzen tausendmal gesühnt sein mag!“ „Wiedental, wenn es in meiner Macht läge, weiß Gott. Aber der Alte will nun einmal nicht. Dagegen gibt es nichts!“ „Nichts, Herr Hauptmann, gar nichts? Ist bei ihm ein Menschenleben denn keinen Pfifferling wert?“ „Ein Meuschenleben— oja! Aber das Leben und die Ehre— jenes äußerliche Dokument meine ich jetzt, wenn ich„Ehre“ sage— sind doch zweierlei.“ Klaus Wiedental hört nicht mehr auf ihn. Er schnallt den Säbel um und will die Hände an die Naht legen. Es gelingt ihm aber nicht. Sie zittern zu sehr. „Seht Euch den Einjährigen Wiedental mal an,“ hat sein Wachtmeister oft genug gesagt,„wie der die Knie durchdrückt. Ihr waschlappigen Kerls kapiert in zwei Jahren nicht so viel, wie er an einem einzigen Tage. Heute kriegt er es auch nicht zustande, trotzdem er es ein ganzes Jahr so gut gekonnt hat. Wegeleben streckt ihm beim Abschied beide Hände entgegen. Er sieht sie nicht. In seinen Augen liegt ein irrer Schein, und das schöne, übermütige Jungengesicht sieht alt und verfallen aus. „Wohin gehen Sie jetzt, Wiedental?“ „Nach Hause in meine Wohnung.“ „Und was wollen Sie da beginnen?“ „Ausschlafen, Herr Hauptmann. 220.16 heldenhaften Leben der Belgier genannt. In dem neuen Leben der Belgier soll jedoch dem Flamen tum keinerlei Einfluß mehr eingeräumt werden, Der Krieg gogen Ruhland. Die russische Finanznot. Graf Witte gewinnt an Einfluß, also muß Rußlands Not groß sein. Der bedeutendste Staatsmann des Zarenreiches, Graf Witte, der seiner deutschen Abstammung, sowie seines dem Stockrussentum mißfälligen politischen Standpunktes wegen viel gehaßt und verfolgt wird, wurde um Präsidenten eines Finanzausschusses gewählt, dem mit dem Ministerpräsidenten Goremybin alle russischen Minister angehören. Die Beratungen finden nicht im Ministerium, sondern in der Privatwohnung des Grasen Witte statt. Die auffällige Auszeichnung des Grafen, dem man soeben noch unter dem Vorgeben, er sei der Führer einer auf einen Sonderfrieden hinarbeitenden Partei, die schwersten Vorwürfe gemacht hatte, liegt in dem trostlosen Geldmangel Rußlands. Niemand ist da, der in dieser allgemeinen Pleite Rat und Hilfe schaffen könnte, und da wendet man sich eben an den erprobten Grafen Witte. Ob er diesmal imstande sein wird, den total verfahrenen russischen Finanzkarren wieder ins Gleise zu bringen, ist jedoch mehr als zweifelhaft. Rußland hat kein Geld zur Deckung seiner Milliardenanleihen, damit ist der Finanzkrach unabwendbar. Wie die Russen zur Schlachtbank getrieben werden. tu Wien, 9. Febr. Der Kriegsberichterstatter des„Morgen“ meldet: Auf der ganzen Karpathenfront wird heftig gekämpft. An den Heldenmut der Truppen werden große Anforderungen gestellt. Trotz der feindlichen Uebermacht, des tiefen Schnees und der bitteren Kälte kämpfen die Oesterreicher und ebenso die bisher an ähnliche Verhältnisse nicht gewöhnten Verbündeten mit unvergleichlicher Bravour, die zu überwinden die Russen ganze Hekatomben an Menschenleben opfern. Es wird erzählt, daß die Russen ihre Schwarmlinien in 6 Staffeln vortreiben, was bei den starken Höhenstellungen der Oesterreicher mit besonders großen Verlusten verbunden ist. Es kommt vor, daß die ersten drei abgeschossen werden und die andern drei mitten im Sturm zusammenbrechen, dem mörderischen Feuer der unserigen und der furchtbaren Kälte ausgesetzt, so daß kautes Jammern und Klagen hörbar ist. Die Taktik der Russen, über welche die Menschlichkeit zu richten haben wird, hat sich also nicht geändert. Immer noch werden die Menschen herdenweise zur Schlachtbank getrieben. Gestern war das Wetter tagsüber etwas wärmer, eine dauernde Wärme ist jedoch noch nicht zu erwarten. Der Ktieg gegen Geldicm. Eine Schlacht an der serbischen Grenze. Mailand, 9. Febr. Nach einer Meldung aus Rom beginnt, dem„Corriere della Sera“ zufolge, an der ungarisch=serbischen Grenze eine große Schlacht zwischen den verbündeten Deutschen und Oesterreich=Ungarn und den Serben. Die Verbündeten schlugen unter dem Schutze ihrer Artillerie eine Brücke über die Donau. Französische Truppen für Serbien. Nach einer Genfer Meldung sprechen Pariser Depeschen von der Verschickung französischer Truppen über das Mittelmeer entweder nach Aegypten oder dem Balkan. Ein Genfer Blatt veröffentlicht eine Meldung des Sohnes seiner hier lebenden Mutter, wonach dieser morgen nach Serbien abgehen muß. Jeder Soldat habe Lebensmittel für zwei Wochen erhalten. Nach umlaufenden Gerüchten habe Serbien den Verbündeten erklärt, daß es ohne Hilfe von Mannschaften und Munition unmöglich weiter kämpfen könne. 0 e-dk Spiahyn Sadepr C2ns 02 ** Rechorred Loluunen Czenzyr Rhss-Banircla„Onr. Sfaneshie. 65) 19 8 lainenes Podolster GBerhig □ gmerha ege orornege K * „Dorohoi # 5 Jablonit RussMoldawica: Suczawe 2 Cirlibaba Mresdaue Pflamo Borosani ee Falticeni Cole 8 Pipirig Nhuczra PBdno MarosBorgo Bistritz byorgyo-Belbor Monor Narve„Haldls Diah Toglicza Fiatra (iec urgen Dr N. Aeuend „Giornale d'Italia“ aus Sosia soll England erneut Griechenland um Entsendung von Hülfstruppen für Aegypten gegen Ueberlassung von Cypern, Chios und Mytilene angegangen sein, Griechenland dies jedoch abgelehnt haben, da die Lage in Mazedonien es ihm nicht erlaube, das Land von Truppen zu entblößen. In der Frage von Chios und Mytilene bestehe übrigens Aussicht auf eine gütliche Einigung mit der Türkei. Der heilige Krieg. Aegypten in Aufregung. Konstantinopel, 10. Febr. Die Annäherung der Türken an den Suezkanal hat sicheren Nachrichten aus Aegypten zufolge die erregten Erwartungen unter der Bevölkenung Aegyptens erheblich gesteigert. Der Haß gegen die Engländer nimmt einen immer heftigeren Charakter an. Einige Priester, die den Namen des Sultans bei den Gebeten in Moscheen ausriefen, wurden von der Menge geschlagen und zum Teil schwer verletzt, weil sie den Namen des englischen Sultans statt den des Kalifen ausriefen. Einer weiteren Meldung zufolge soll ein Trupp Mohammedaner die Redaktionen der englandfreundlichen arabischen Zeitungen in Kairo überfallen, die Maschinen zerstört und drei Redakteure des„El Mokatas“ getötet haben. Rußlands Eisersucht auf seine Verbündeten. Basel, 9. Febr. Wie die„Baseler Nachrichten“ erfahren, betont der„Rjetsch“ in einem Leitartikel, der verschiedentlich Spuren der Tätigkeit der Zenfr aufweist, die Gefahr, die darin für Rußland liegen würde, daß die englische und französische Flotte nach Konstantinopel gelange. Das russische Heer müsse um jeden Preis zuerst dort sein. Griechenland winkt ab! otb Franksurt a. M., 9. Jobr. Die„Frauls. Sig= meldet aus Rom: Nach einee Meldung des Ein neuer Vorschlag des Papstes. Mailand, 9. Febr.„Unione“ meldet aus Rom: Der Papst wird für die Karwoche seinen Vorschlag an die kriegführenden Mächte auf Bewilligung einer dreitägigen Waffenruhe erneuern. Aus Stadt und Umgebung. * Schwerte, 10. Februar 1915. *(Von unserem Steruenhimmel.) Ein interessantes astronomisches Schauspiel zeit der westliche Himmel am Abend. Man fieht dort zwei helle Sterne, die einzigen, welche nicht von der hellen Dämmerung überstrahlt werden. Der höher stehende ist der Planet Merkur, der andere Jupiter. Während Jupiter den ganzen Winter hindurch als auffallend glänzender Stern betrachtet werden konnte, ist Merkur nur selten mit unbewaffnetem Auge zu sehen, weil er sich immer in der Nähe der Sonne aufhält. Selbst Kopernikus soll ihn zu seinem größten Bedauern nie beobachtet haben. Wenn die Witterung günstig bleibt, so kann man in wenigen Tagen die Ortsveränderungen beider Planeten feststellen. Am Morgenhimmel im Südosten strahlt in leuchtendem Glanz die Venus. *(Kein Einheitsbrot für das Reich) Eine Reihe von Zeitungen wissen zu melden, daß unter den Bundesregierungen Verhandlungen über die Einführung eines Einheitsbrotes für das ganze Reich zum abschluß gebracht seien. An Stellen, die über diese Frage unterrichtet sein müßten, ist jedoch von solchen Verhandlungen nichts bekannt. In der Brotfrage gehen die Gewohnheiten der Bevölkerung in den einzelnen Teilen des Reiches weit auseinander. Würde durch ein Einheitsbrot die Lebensmittel=Versorgung erleichtert werden, dann dürfte man notürlich auch auf diese Verschiedenheit der Lebensgewohnheiten keine Rücksicht nehmen. Tatsächlich würde aber ein Einheitsbrot für das ganze Reich keinen Einfluß auf die Ledensmittel=Versorgung haben Es ist deshalb ratsamer, den Bundesstaaten und innerhalb dieser den Provinzen, Kreisen oder Kommunalverbänden die Regelung der Frage zu überlassen. **(Die Möglichkeii de Petroleumstteckung) ist bereits von unseren maßgebenden Stellen ins Auge gesaßt worden, ohne daß sich jedoch ein durchführbares Resultat ergeben hätte. Es sei deshalb ein einfaches Rezept gegeben, welches es möglich macht, einen halben Liter gewöhnliches Petroleum auf etwa 20 volle Stunden Brenndauer zu bringen. Man bediene sich hierzu folgender Mischung: Zwei Liter Brunnenwasser werden mit einem halben Kilogramm Soda einmal gekocht. Nach dem Erkalten gibt man zu dieser Mischung einen halben Liter reines Petroleum, rührt tüchtig um und füllt es in die Lampe. Bei jedesmaligem Füllen der Lampe muß das Petroleum umgerührt werden. Man kann bald erfahren, daß man auf zirka zwanzig volle Brennstunden mit einem halben Liter Petroleum kommt. Allerdings brennt die Füllung der Lampe nicht ganz aus, sondern es bleibt ein Rest, welcher nach jedesmaligem Erlöschen der Lampe ausgeleert werden muß. **(Steuern uns Wehrbeitrag.) Wir weisen auch an dieser Stelle darauf hin, daß die Zahlung der Steuern für das letzte Vierteljahr und des Wehrbeitrages(2. Drittel) bis zum 15. d. M. erfolgen muß. Im Interesse des Staates und der Gemeinde ist es wünschenswert, daß jeder Steuerzahler für pünktliche Einhaltung obigen Termins Sorge trägt. *(Keine Leibbinden mehr!) Zuverlässigen Nachrichten zufolge legen die Soldaten an der Front auf die Ueberweisung von Leibbinden keinen großen Wert. Dagegen werden Kniewärmer, warme Fingerhandschuhe, Schals und Kopfschützer (Sturmhauben) mit großer Freude begrüßt und können zurzeit nicht zahlreich genug gesandt werden. (Auszeichnung.) Dem auf dem westlichen Kriegsschauplatz weilenden Sanitäts=Unteroffizier Jos. Deiters aus der Haselackstraße ist das Eiserne Kreuz verliehen worden. **(Ein schweres Verbrechen) wurde vorgestern nachmittag gegen 5 Uhr in der Nähe des„Bohlgartens“ an der siebenjährigen Charlotte Hahn, Töchterchen des Arbeiters H. aus der Theodorstraße verübt. Leider ist der Täter, der als ein dunkelgekleideter Mann in den mittleren Jahren beschrieben wird, unerkannt entkommen. * Holzen, 10. Febr.(Ein tapferer Krieger.) Der Wehrmann Adam Gundlach, welchem erst kürzlich das Eiserne Kreuz verliehen wurde, ist neuerdings mit der Hessischen Tapferkeits=Medaille ausgezeichnet worden. 6. hat in Gemeinschaft eines Kameraden eine weit überlegene Anzahl russischer Soldaten durch eine Kriegslist gefangen genommen. Wir sprechen dem tapferen Krieger unsern besten Glückwunsch aus. * Westhofen, 9. Febr.(Diebstahl.) Im hiesigen Steinbruch„Ackerbach“ erbrachen Spitzbuben eine Steinheuerbude und entwendeten daraus verschiedene Gegenstände. Ferner stahlen die selben 2 Leitern. Man ist den Tätern, die vermutlich noch einen weiteren Diebstahl auf dem Kerbholz haben, bereits auf der Spur. Westfalen und Rheinland. Paderborn, 9. Febr.(Vater und Sohn in derselben Kompagnie.) Mit den Re kruten der 2. Kompagnie Ersatz=Bataillon 158 rückte gestern ein Unteroffizier des Landsturms Born aus Minden mit ins Feld, um an der Seite seines Sohnes, der gleichfalls Unteroffizier ist und das Eiserne Kreuz besitzt, Schulter an Schul ter zu kämpfen. wtb Essen, 9. Febr.(Ein Automobil von einem Güterzug erfaßt.) Heute nacht 2 Uhr durchfuhr ein mit 5 Personen aus Gladbach besetztes Essener Droschkenauto auf der Fahrt von Essen nach Gladbeck die geschlossene und beleuchtete Schranke der Eisenbahnstrecke Vogelheim=Altenessen an der Kreuzung der Essen=Horster Straße in Altenessen. Das Auto wurde von einem von Vogelheim nach Altenessen fahrenden Güterzug erfaßt, herumgeschleudert und teilweise zertrümmert. Der neben dem Chauffeur sitzende Hotelier Dreckmann aus Gladbeck sprang im Augenblick des Zusammenstoßes aus dem Automobil, wurde vom Zuge überfahren und getötet. Der Chauffeur und die übrigen vier Fahrgäste blieben unverletzt. Eine Untersuchung ist eingeleitet. * Köln, 9. Febr.(Gefährliches Spielzeug.) In Frechen bei Köln spielte der 4jährige Sohn eines Landwirtes mit einer geladenen Flobertbüchse seines Vatero. Die Waffe entlud sich, der Schuß traf die Frau des Landwirto, eine Mutter von 10 Kindern, so unglücklich, daß sie gleich darauf starb. Japanischer Panzerkreuzer gestrandel. tu Haag, 9. Febr. Die japanische Admiralität gibt bekannt, daß der japanische Panzerkreuzer „Asama“ an einem unbekannten Riff an der mexikanischen Küste strandete. Nach amerikanischen Meldungen besteht keine direkte Gefahr für das Schiff. Wir und die Welt, Wir haben geschwiegen im Völkerrat Einmal und zweimal und mehr; Und standen zur Seite und mieden die Tat Einmal und zweimal und mehr! Wir haben uns nimmermehr beeilt, Als man die Erde aufgeteilt, Wir hörten der anderen heiseren Schrei— Wir wollten den Frieden— und standen dabei, Zweimal und dreimal und mehr. Und dennoch gaben sie keine Ruh' Keinen Tag und nimmermehr— Und sahen uns scheel und neidisch zu Einmal und zweimal und mehr. Sie haben gehöhnt und haben gehetzt, Und Säbel geschliffen und Messer gewetzt, Den Deutschen zu schimpfen war keiner faul! Wir wollten den Frieden— wir hielten das Maul! Einmal und zweimal und mehr. Sie trieben durch Jahre das freole Spiel, Mehr noch und immermehr, Bis der Tag anbrach, der Gott gefiel— Einmal und zweimal und mehr. Bis die Erde war vom Lügen krank, Bis der Hasser Heulen zum Himmel stank, Bis der Deutsche sprach:„Nun ist's genug! Nun duld' ich die Lügen und dulde den Trug— Nimmer und nimmermehr!" Und er fuhr daher wie ein Wetterstrahl, Und er blickte rings umher: Und er sah seiner Neider Ueberzahl— Einen und manchen mehr! Sah im Ost den Feind und im West den Feind, Mit dem Russen den Franzmann eng vereint— Und den Serben dann und den Belgier dann Und den Briten und alles, was lügen kann, Mehr noch und manche mehr. Montenegro noch und Portugal noch, Ist es wirklich keiner mehr? Die Feinde kriechen aus jedem Loch, Mehr noch und viele mehr! Der Lügenbrite ist immer noch feig, Er knetet noch weiter den Bündnisteig, Hat immer noch Angst vor des Deutschen Sieg— Da hetzt er den Japsen hinein in den Krieg— Den noch und manchen mehr. Mit Senegalnegern— o, schmähliche Zeit! Füllt der Welsche sein zitternd Heer— Mit dem Volk, das die Wüste Sahara ausspeit, Mit dem Turko und manchem mehr! Und aus Britannias Riesenschock Bricht der Schwarze, der Braune, der Gelbe los; Es tanzt nach dem englischen Dudelsack Fünfhundert Millionen Slavenpack, Gegen einen— hundertmal mehr! Der Feinde Hohn und der Uebermacht Spott Rast durch die Welt daher, Und der Deutsche betet:„Nun helfe mir Sott, Einmal, nur einmal mehr!“ Und es fiel seine Faust und es fiel sein Streich, Da sank der Belgier zu Boden gleich.— Und ein neuer Tag und ein neuer Schlag, Bis daß der Franzos auf den Knieen lag! Recht so! Und mehr noch! noch mehr! Nun zitt’re Brite! wie ein Taifun stark Ist des Deutschen blanke Wehr, s trifft sein Schlag— und er trifft ins Mark, Einmal und zweimal und mehr! Nun zitt're Russe und denke daran: Auch deine Stunde naht schon heran— Nur ein Atemholen— nur Zeit, nur Zeit! Auch dir ist ein heißes Süpplein bereit, Einmal und zweimal und mehr! Ein Schlag erdröhnt durch die ganze Welt, Einmal und zweimal und mehr. Wo der Deutsche trifft, ist ein Heer zerschellt, Eines und noch eins mehr! Still lauscht die Welt und atemlos, Denn dies Ringen ist so gewaltig groß; Und in dem wilden, dem letzten Krieg, Pflückt sich der Deutsche den ewigen Sieg— Er allein— und keiner mehr!! Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt war gut beschickt. Es wirden bezahlt für Aepfel Pfund 15—25 Pfg., Apfelsinen Stück 4—10 Pfg., Zitronen 8 Stück 20 Pfg., Spinat Pfd. 20 Pfg., Rosenkohl Pfd. 20 Pfg., Blumenkohl Stück 20—35 Pfg., Rotkohl 20—30 Pf., Weißkohl 15—25 Pfg., Wirsing 25—30 Pfg., Feldalat Pfd. 25 Pfg., Wurzeln 3 Pfd. 20 Pfg., Steckrüben Stück 10 Pfg., Zwiebeln Pfd. 20 Pfg., Eier 7—8 Stück 1,— Mk., Butter 1,60 Mk., Rindfleisch Pfd. 1,— Mk., Schweinefleisch Pfd. 1,30 Mk. Schellsisch, kleiner, Pfd. 25 Pfg., Schellfisch, großer, Pfd. 50 Pfg., Kabliau Pfd. 40 Pfg., grüne Heringe 4 ppn. i vie. Verantwortlich für die Redaktion Friede. Kraao, Druck u. Verlag von Cael Braus, beide in Schweite. Heute nacht 2¼ Uhr entschlief sanft nach langer, schwerer Krankheit mein treusorgender Mann, mein guter Vater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Piax Lunige. Dieses zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen: Elfriede Lange geb. Diehl, Familie Lange, Famllie Glade. 724 Schwerte und Holzen, d. 9. Februar 1915. Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 3½ Uhr vom evangel. Krankenhause aus statt. Bekanntmachung betressend Landsturm=Musierung im Landhreise Hörde. Die Musterung und Aushebung der unausgebildeten Landsturmpflichtigen, welche in den Jahren 1888. 1887. 1886. 1885 und 1884 geboren, sowie der Landturmpflichtigen, die bei der Landsturmmusterung 1914 die Enlscheidung„zeitig untauglich“ erhalten haben und ferner derjenigen Mannschaften, die beim diesjährigen Heeresersatzgeschäft dem Landsturm überwiesen worden sind, ist angeordnet und findet im Landkreise Hörde wie Ain 16. Febrvar d. 3s. in der Wirtschakt Webeltz in Annen, 9 Uhr vormittags, für die Landsturmpflichtigen des . Am 17. Hedrnar d. Js. in der Wirschaft. Jostzenhöler in Schwerle, vormittags 8.45 Uhr, für die Landsturmpflchugen e. S. Lim 18. Februar d. Is,. in der Wirschaft Jockenhöser in Schwerte. vormittags 8.45 Uhr, für die Landsturmpflichtigen 4. Lim 19 Februar d. Is. in der Wirschaft Schulte in Aplerbeck, vormittags 8 45 Uhr, für die Landsturmpflichtigen der Jahrgänge 1884, 1885 und 1886 des Amtes Aplerbeck. 5. Am 20. Februar d. Is. in der Wirtschaft Schulte in Erloschen: Maul= und Klauenseuche unter dem Rindvichbestande des Landwirts Buhrmester zu Brünninghausen Amt Wellinghosen Kreis Hörde. Wellinghosen, den 9. Februar 1915. 720 Die Polizei= Verwallung. Gegen rauhe Haut nur Viebseuchenpolizeiliche Anordnung. Kombella Die nichtfeltende Hautcreme. Das Beste gegen role ausAsltesser- Bigs Sönde! Gegen Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf gersthmt zuür Sie Schöntbeit deGrund des§ 18 fl. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909)“11ag und die Saribe Reichsgesetz-Zlakt Seite 519 mit Ermächligung des Herrn Hände, gube 6o u. 100 Plg, Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt:„ Nachdem nach amtstierärztlicher Feststellung die Maul= und kleine Tube Klauenseuche unter dem Rindvtehbestande der Witwe Combella=Seise 50 Pig. Iu Overbeck zu Holzen abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht haben bei Mox Mehlhose. vorgekommen, die Desinsektion vorschriftsmäßig ausgeführ! Drogerie. und durch den Kreistierarzt abgenommen ist, gilt die Seuche auf dem erwähnten Gehöft als erloschen. Die in meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 21. Oklober 1914 bezw. 6. Januar dieses Jahres angeordneten Schutzmaßregeln hebe ich duher hiermit auf. Hörde, den 6. Februar 1915. 126 5. Am 20. Februar d. Is. in, der Wirtschaft Schulte in Der Königliche Landrat: Aplerbeck, vormittags 8.45 Uhr, für die Landsturmpflichtigen 736 J. V. gez. Burchard, Regierungs=Assessor. * J a h r g ä n g e 8 8 7 1 8 8 8 u n d j ü n g e r e J a h r g ä n g e d e s A m t e s Holzverkauf! Auf Bahnhof Ergste werden am Sonnabend, den 13. Februar 1915, nachm. 3½ Uhr ca. 200 Stück eichene Hölzer 10x10X90 cm. meistbietend gegen Barzahlung verkauft. Königliche Güterabfertigung. gewalzt und ungewalzt. TWeinderg. Anierdech 6 Am 22. Februar d. Is. in der Wirtschaft Bergmann in Hörde, vormittags 8.45 Uhr, für die Landsturmpflichtigen des v. 7. Lim 28 Februar d. Is. in der Wirtschaft Bergmann in Hörde, vormittags 8.45 Uhr, für die Landsturmpflichtigen der Aemter Wellinghosen und Barop Diejenigen Landsturmpflichtigen, welche sich noch nicht zur Landsturmrolle angemeldet haben, werden hierdurch aufgesordert, unverzüglich ihre Anmeldung bei der Ortsbehörde zu bewirken. 7.5 widrigenfalls strenge Bestrafung erfolgt. Die zur Gestellung verpflichteten Personen haben sich eine Stunde vor den bezeichneten Terminen pünktlich einzufinden. Der Landsturmschein ist u d o gen auf Zurückstellung wegen dringender häuslicher Verhältnisse sind bei den Ortsbehörden vor dem Musterungsen Alle Gesuche um Jurückstelung Landsturmpflichtiger vom Waffendienst im Interesse der Aufrechterhaltung gewerblicher Betriebe(Bergwerke. Eisenwerke usw.) sind sofort, spätestens bis 20. Februar) bei dem Unterzeichneten(nicht bei dem Be-Verspäsele Reklamationen müsen unberüchschägt Die Reklamationsgesuche müssen eingehend begründet und behördlich(z. B. durch die Gewerbeinspektion oder Bergrevierbeamten) begulachtet., jeig., Zutßerdem müssen#. Gesuche die tcee Obschon mein Mann zum Heer einberufen wird für gute Arbeit nach wie vor garantiert. Auf eilige Arbeit kann gewartet werden. Senningsweg 26 Frau Hitzegrad. „Ich war am Leibe mit einer 1 727 selge We uocer en, Gedzulsztag des zu Rechlonierenden Belkeg,eigasz. I8 f. des Vehseadengeleches vom 2 Verdand Wesisanischer Albenmachweise! Pischts behaftet, welche mich durch das ewige Jucken Tag und Nacht peinigte. In 14 Tagen hat Zucker’s Patent-MedizinalSeife das Uebel beseitigt. Diese Seife ist nicht 1.50 M., sondern 100 M. wert. Serg. M.“ in Viebseuchenpolizeiliche Anordnung. Ium Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird aus 25 Pf. 3e) bei≈ T 556, wiar und des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909]"# Drogerien Die Arbeils=Nachweisstelle Schwerte Liethstraße 4 Fernspr. Nr. 213 vermitielt Arbeitskräfte aller Ark 411 vollständig kostenfrei. Bei dem gegenwärtig herrschenden Kohlenmangel empfehlen wir als vorzügliches Brennmaterial von großem Heizwert: Gadeinons ga dior U 1M. den Senmer Alserder blaner alh engehrche Gerden. Die Verhandlung über die Reklamationen findet am 23. Februar d. Is., vormittags ½12 Uhr. im Bergmannschen Saale in Hörde im Anschluß an das Musterungsgeschäft statt. Jede Störung der Ruhe und Ordnung des Musterungsgeschäfts durch Trunkenheit, Widersetzlichkeit, unerlaubte Entjernung, sowie ähnliche Ungehörigkeit wird streng bestraft. Hörde, den 5. Februar 1915. Der Landrak. I. V.: Burchard. Bekanntmachung. 16 ss. des Giehfeuchengesetzes vom 26. Jumi 1909 itt Seite 519 mit Ermachtigung des Herrn Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. unter dem Rindviehbestande des Gutsbesitzers Portmann zu GroßHolthausen. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Ortschaft Groß=Hollhausen. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meine viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 21. Oklober 1914 Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung) 688) vom 24. Oktober 1914 Nr. 250(Beilage) enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte III—VII einschließlich der genannten Anordnung bleiden mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz Zu den bisher zum Post= und Telegrammverkehr mit Deutschland zugelassenen belgischen Stadten Brüssel Gabelhoks zu 0 80 Mh. für den Heniner und Verviers sind nunmehr Lütich und Antwerpen Gaseinv ti. Ve. vue, u. galgetreten. Eine weitere Ausdehnung wird angestrebt. ab Gaswerk. Koks mit Kohlen vermscht, eignet sch] Münster, den 9. Februar 1915. 731 des§ 5 Jiffer 1 wie folgt geändert wird: In dem Amte Kirchhörde wird verboten. Hörde, den 6. Februar 1915. Der Landrat. 732 I. V. Dr. Burchard. als gutes Heizmaterial für jeden Ofen. Schwerte, den 1. Februar 1915. Verwaltung des städlischen Gaswerks Holländische Hangeschoten. K. Keineirg. Stellverkr. Generalkommando VII A. K. RRRRRNNNMKRNRR Schellfisch 2-3 Zimmer= Wohnung mit Stall sofort zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Zeitung. 726 Wemlungen von 3, 4, 5 u. 6 Zimmern zu vermieten. 28 Wilhelm Luck, Baugeschäft, Königstraße. Bremen, Rotenburgerstr. 1 Spezialbehandlung von Hautkrankbeiten. 6446 Lupus auss. Krebs Fressllechte, Hauttuberkulose, Fisteln. Hautgeschwülsten, ohne Operation, ohne Be strahlg. nach eigen. langjähr. erprobt Methode. Ausführliches Prospekt frei. Kttosser Pickel im Gesicht u. am Körper beseiligt rasch und zuverlassig Zucker’s Patent-MedizinalSeife, in drei Stärken. à 50 Pf., 1.00 Mk und 1.50 M Nach jeder Waschung mit Zuckooh-Creme, Tube 50 und 75 Pf 2c., nachbehandeln Frappante Wirkung. v. Tausenden bestätigt: bei C. Trog u Max Fiehlhose, Orogerien. Die gesteigerten Ansprüchean die Reinigung der Bettfüllungen haben mich veranlasst 5659 Bettfedern und Daunen nach einem neuen vollkommeneren Verfahren reinigen zu lassen. Alle Qualitäten, auch die billigsten sind jetzt ohne jeden Geruch und durchweg staubfrei. Ich empfehle: Bettfedern zu 1,25, 1,75,/2,25 b. 3,00 Mk. Habdaunen zu 8,00 bis 4.50 Mk. Daunen zu 4,00 bis 6,50 Mk. OrIO MAKA: Kabliau Angelschelfisch empfiehlt Pfund per Pfund 25 35 Pfg. Pig. Mehlhose, Drogerien. Orig. franz. garantiert rein, # pro Flasche aus ). Haus 1,10 Mk., im Ausdank per Glas Franz. Cognac, keines Weindestillat, pro Fl. 10.— und 8 Mk. empfiehlt Carl Ralnx, *- Pedle on 85l. KinderKranken=Weine Flasche 60, 100 Pfg. und teurer Max Mehlhose Drogerie. 734 740 Gaufhaus für Tebensmmer An unsere Mitbürger! Zusammenkunft der Damen vom hiesigen Ausschuß des Roten Kreuzes Donnerslag nachm 3 Uhr im alten Stadthaus Kampstraße: Ordnen der Wollvorräte Mehrere gebrauchte oder neue Werkzeugmaschinen Leispindeldrehbänke Seit 6 Monaten tobt nunmehr der gewaltige Krieg. Unserer tapferen Armee und Marine ist es gelungen, die Feinde vom Vaterlande fern zu halten. Wenn auch von den Daheim= Iotart“ gaufen gesucht. 688 gebliebenen großes geleistet ist, so treten doch noch größere sosort zu Pflichten an uns heran; wir müssen weiter sorgen für die! Wilh. Böhme verwundeten und erkrankten Krieger, wir müssen helfen den Dortmund, Osterholzstraße 23. zurückgebliebenen Familien der zur Fahne Einberufenen, wir müssen helfen den Hinterbliebenen der für das Vaterland ge Rüstiger fallenen Helden. An der Graf=Adolfstraße in Holzen dabe ich noch eine Anzahl Garten zu 40 und 20 Pfg. pro Rute zu verpachten. Otto 735 Hohenzollernstr. 5. Große Mittel sind zur Erfüllung dieser Pflichten erKlsorderlich Wir wenden uns deshalb an unsere Mitbürger mit der Bitte. ein weiteres Opfer zu bringen und für den edlen KRRRRRNERR zweck den Sammlerinnen, welche für den Ausschuß vom Roten Kreuz und zugleich auch für den mit dem Roten Kreuz verschmolzenen Hülfsausschuß sammeln, Barmittel zu überweisen. Auch die keinste Gabe ist willkommen. Schwerse, den 1. Februar 1913. Namens des Ausschusses des Zweigvereins vom Roten Kreuz: Rohrmann, Bürgermeister. 655 Guies bürgerl. Logis Kartoriel, stholr8 Cappen Spargel, Wiener, Reis. HIndUnbarg Erbs, finden Sie, Ausquartierte werden geine übernommen. Gute Verpflegung zugesicherl. Schwerte, Kuhstr. 7. Königin, Geflügel, empfiehlt Weibertreu, Pilz 723 Würmol! d. vielgeforderte Wurmmittel Schmeckt fein! Wirkt ausge zeichnet! à Beutel 30 Pig Nur bei: Max Mehlhose Wedizinal-Drog Ostenstr. 8. Carl Trog. Makulaturpapier— ennfehlt ülgst Carl Braus, Schwerte(Nuhr) Superphosphal 7X9 5X10 Thomasphosphatmehl Kainit Ralisalz Schwesehautes Ammoman empfiehlt zu billigsten Preisen unter Garantie des Gehalts L. Weinberg. Invund! zum Einkassieren gesucht. Angebote erbeten unler 708 an d. Geschäftsst. d. 3|9. Wieder eingetroffen: Prima StearinDrogerie. 733 An die Jahlung der Verinnert Schwerte, 8. Februar 1915 Nehring. □ 9 S # 8 8S „S 5 95 62 2 S SSn. *"" E—„ 9.* *" S 55— 2 * 8 * * 29 □— * * S S 5 S S•• 8 2 5 8 * 8 9 9 E 89 S S. S 9 * 6 4— 1c*)rechigiert von Lotte Sonntag. Freundschaft. Elücklich, wer ein Herz besitzt, Das ihm treu ergeben, Das mit ihm zusammenhält Durch das ganze Leben. Wo zwei gute Freunde sich Treu einander weihen, Da wird bei den beiden stets „Alles recht gedeihen. Wahrlich, ein getreuer Freund Ist ein großer Segen, Seine Lieb' begleitet dich Ja auf allen Wegen. Kannst du stützen dich auf ihn, Wird es dir gelingen, Feinden fest zu widerstehn, Welten zu bezwingen. Der Wettstreit. Ein heftiger Streit entbrannte eines Tages zwischen dem Nordwind und der Sonne. Wie die meisten Streitigkeiten entsprang er aus ganz nichtiger Ursache. Die Sonne hatte erzählt, daß vor einigen Tagen ihre Hitze so groß gewesen, daß ganze Felder reisen Kornes sich von selbst entzündet hätten, und der Nordwind behauptete, er habe eine Stadt nur angeblasen, da seien alle Gebäude eingestürzt wie Kartenhäuser. Dann erklärte er, gewaltiger als er sei überhaupt nichts auf Erden. Die Sonne lächelte nur, und darüber wurde der Nordwind ärgerlich und meinte: „Du hast ja keine Ahnung, was ich alles kann. Weit im Norden, wo du niemals hinkommst, ist das Meer meilenweit hart gefroren, und große Eisberge ragen hier und da daraus hervor. Das ist mein Werk. In jenen Gebieten kann kein Mensch lange leben, denn die Hälfte des Jahres ist Nacht, und in der anderen Hälfte ist Dämmerung. Denn du, Sonne, kannst dort nicht wohnen. Und ebenso ist es im fernen Süden. Wenn ich atme, dann senkt sich Kälte auf die Erde nieder, und Schneefeld und die Ströme sind hart gefroren. Und außerdem—“ „Rede doch nicht so unnütz,“ unterbrach ihn die Sonne. „Ich könnte dir auch von Ländern erzählen, wo ich allein herrsche und du niemals hinkommst, wo Kälte, Eis und Schnee ganz unbekannt sind. Aber wozu? Wir sind beide mächtig, jeder in seiner Art, wenn auch der eine nicht dasselbe kann wie der andere.“ Der Nordwind aber wollte sich damit nicht zufriedengeben, sondern fuhr fort zu behaupten, er sei der mächtigere. Er setzte der Sonne so lange zu, bis diese sich einverstanden erklärte, sofort einen Wettstreit mit ihm einzugehen. Die Sonne, die ihre eigene Macht wohl kannte, hatte eigentlich gar keine Lust, sich mit dem stürmischen Gesellen einzulassen, aber was wollte sie schließlich machen? Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt, und so willigte die Sonne ein, aber nur unter der Bedingung, daß durch den WettKreit die Frage ein für allemal entschieden werden solle. „ Sie schaute auf die Erde hernieder und sah dort einen Wanderer seines Weges ziehen:„Schön,“ sagte sie,„versuchen wir unsere Kräfte an diesem Manne. Wer von uns ihn zuerst dazu bringt, seinen Mantel abzuwerfen, soll Sieger sein.“ Der Nordwind erklärte sich einverstanden, und der Kampf begann. Der Nordwind blies mit vollen Backen dem Manne Schnee und Hagel ins Gesicht, aber je mehr er sich anstrengte, desto fester zog der seinen Mantel um sich. Schließlich hatte er gar keinen Atem mehr, und nun kam die Reihe an die Senne. Schnell verjagte sie die Wolken vom Himmel, und ihre warmen Strahlen machten die Erde froh und heiter. Der Wanderer freute sich, daß der Sturm vorüber war, und eilte mit leichten Schritten dahin. Die Sonne aber steigerte ihre Kraft, und bald mußte der Nordwind zu seiner großen Enttäuschung sehen, wie der Wanderer anfing, seinen Mantel auszuknöpfen. Immer heftiger wurde die Glut der Sonne, große Schweißtropfen rannen dem Manne vom Gesicht, und er schob den Hut zurück. Da machte die Sonne noch eine ganz besondere Kraftanstrengung, und siehe da, der Mann warf den Mantel ab und setzte sich erschöpft auf einen Stein, der am Bege lag. „Siehst du,“ sagte die Sonne,„mit Gute bringt man's weiter als mit roher Gewalt, laß dir das zur Lehre dienen.“ Der Nordwind aber gab ihr gar keine Antwort, sondern eilte schnaubend und prustend davon, von dem herzlichen Lachen der Sonne verfolgt. Diamankrätsel. Die Buchstaben in untenstehender Figur sind so zu ordnen, daß die senkrechte und die wagerechte Mittellinie zwei große Staatsmänner ergeben. Die übrigen wagerechten Linien bedeuten: 1. Konsonant. 2. Teil des Wagens. 3. Kopfbedeckung. 4. Geschütze. 5.— 6. Anfänger. 7. Himmelskörper. 8. Mineral. 9. Konsonant. 5. 0 Die Auflösung folgt in der nächsten„Kinderlaube“. * Auflösungen der Rätsel aus der vorigen„Kinderlaube“: Rätfel. Faden, Laden, Maden, Waden, Aden. — — 22 95 95 S 8 5 S.#07 5. Ponceg 9 S. 5t PRUSSSS S E SpS CERO“S 1 S..•8 PSSESSS 2 Amtliches Kreisblatt Proie Tün für den nieis Borde " 46. Jabrgang O Grlles und Allelles Cagesorgan des Krelles. O Haupt-Annoncenblatt Herr Raoul Lecomte sei, der sie zu sprechen wünsche. Ohne sich von dem Klaviersessel zu erheben, bedeutete sie dem Mädchen durch ein Kopfnicken, daß der Besucher willkommen sei, und ein liebenswürdiges, bezauberndes Lächeln umspielte ihre Lippen, da er eine Minute später auf der Schwelle erschien „Guten Morgen, Kollege! Sie kommen eben recht, um mir über einige Schwierigkeiten hinwegzuhelsen, die für meine Talentlosigkeit vorläufig noch zu groß sind.“ Sie hatte ihm die Hand entgegengestreckt, und er beugte sich nicht nur zu ritterlichem Kusse über diese kleine, von Ringen sunkelnde Hand herab, sondern er drückte sie auch erheblich länger an seine Lippen, als es nach den Gepflogenheiten pariserischer Galanterie unbedingt erforderlich gewesen wäre. Erst als er sich wieder aufrichtete, nahm Erna den Ernst wahr, der auf seinem hübschen, gebräunten Antlitz lag. „Ja, was haben Sie denn, Lecomte?“ kam sie seiner Anrede zuvor.„Sie tragen ja eine wahre Leichenbittermiene zur Schau. Ist Ihnen etwas Unangenehmes widerfahren?“ „Mir?— O nein!— Das heißt, es trifft allerdings auch mich, und trifft mich sogar sehr schwer! Aber sagen Sie mir doch, Fräulein Erna, wann erwarten Sie Ihren Herrn Vater zurück?“ „Meinen Vater? Der lebt in weiter Ferne, im östlichsten Winkel Deutschlands, und wird aller Voraussicht nach niemals hierherkommen.— Aber vielleicht meinen Sie den Grafen Wolkonski?“ „Natürlich meine ich ihn! Ich nenne ihn Ihren Vater, weil er doch der Gatte Ihrer Frau Mutter gewesen ist, und weil er jetzt Vaterstelle an Ihnen vertritt. Sie hatten doch auch bisher nichts dagegen einzuwenden.“ „Heute aber wollen wir von ihm lieber als von dem Grasen Wolkonski sprechen. Wann ich ihn erwarte, fragen Sie? Ich weiß es nicht. Ich erfahre den Zeitpunkt seiner Rückkehr in der Regel nur dadurch, daß er mir telegraphisch seine bevorstehende Ankunft mitteilt. Und das ist bis jetzt nicht geschehen.“ Der Tenorist ging mit unruhigen Schritten hin und her über den Teppich des Musiksalons. Er war ein hochgewachsener, wohlgebauter Mann, der wohl Anspruch darauf erheben konnte, schön genannt zu werden. Sein Aussehen und sein Austreten hatten nichts von jener komödiantischen Geziertheit, die sonst auf den ersten Blick den Bühnenkünstler zu verraten pflegt. Er mochte die Mitte der Dreißig bereits erreicht haben, und seinem Aussehen nach hätte man ihn eher für einen Offizier als für einen Operettensänger halten können. „Aber das ist fatal,— äußerst fatal!“ sprach er vor sich hin.„Seine Anwesenheit wäre gerade jetzt so dringend notwendig gewesen.“ „Aber warum denn? Haben Sie irgendein Anliegen an den Grafen?" Er kehrte ihr sein Gesicht zu und trat dicht an sie heran. Ein Strahl warmer Zärtlichkeit leuchtete in seinen dunklen Augen auf. „Nein doch. Nicht meinetwegen wünsche ich seine Rückkehr, sondern um Ihretwillen. Wissen Sie denn noch gar nicht, wie hier die Dinge stehen?“ „Um des Himmels willen— fangen Sie nur nicht auch noch an, mir von dem drohenden Kriege mit Deutschland zu sprechen! Sind Sie nun wirtlich ebenfalls von der allgemeinen Panik angesteckt? Und ich hielt Sie für einen so vernünftigen Menschen!" „Ich danke Ihnen für diese gute Meinung, Fräulein Erna! Aber es handelt sich leider nicht mehr um bloße Einbildungen und Hirngespinste. Wenn nicht noch im letzten Augenblick ein Wunder geschieht, stehen wir in der Tat unmittelbar vor dem Ausbruch des Krieges!“ Erna hatte die Hände in den Schoß sinken lassen, und in ihren größer gewordenen Augen spiegelte sich deutlich das Erschrecken. „Wenn Sie das sagen, Lecomte—! Aber ist es denn möglich? Wegen dieser serbischen Königsmörder—?“ „Nein— nicht ihretwegen, sondern weil wir mit unzerreißbaren Ketten an den russischen Bundesgenossen geschmiedet sind. Es wird das Verderben meines armen Vaterlandes sein, und Fluch denen, die uns dahin gebracht haben! Aber wir können ja nicht mehr zurück!“ „Und nun? Wenn es zu diesem schrecklichen Kriege kommt, dann müssen wohl auch wir beide zu Feinden werden, Lecomte?" „Das ist es ja, was mich zur Verzweiflung bringt, und was mich jetzt hierhergetrieben hat! Weil Sie eine Deutsche sind, während das Schicksal mich auf französischer Erde zur Welt kommen ließ—, werden Sie sich nun darum verpflichtet fühlen, mich zu hassen?“ Sie war aufgestanden und— halb von ihm abgewendet— an das Fenster getreten. Eine kleine Weile verging, ehe sie mit eigentümlich gepreßter Stimme erwiderte: „Eine solche Frage an mich zu richten, ist es doch wohl noch zu früh. Noch ist der Krieg zwischen Ihrer Nation und der meinigen nicht erklärt. Wir wollen beten, Lecomte, daß es nicht geschehe. Und wir wollen vorläufig alles dem allmächtigen Schicksal überlassen!" Er latte wohl, als sie sich von ihm entfernte, eine ungestüme Bewegung gemacht; aber er hatte dann doch nicht gewagt, ihr zu folgen. Nun lehnte er, schwer atmend, am Klavier und suchte nach Worten für das, was er noch weiter zu sagen hatte. Endlich brachte er stockend und mit sichtlicher Ueberwindung heraus: „Ich wollte, daß ich Ihnen darin zustimmen könnte. Aber wir dürfen uns leider nicht mehr auf untätiges Abwarten beschränken. Vor allen Dingen bitte ich Sie, das Theater nicht mehr zu betreten.“ Ueberrascht und ohne Verständnis fuhr sie herum. „Warum nicht?— Was soll das heißen?— Ich habe doch ganz bestimmte Verpflichtungen, denen ich mich nicht ohne weiteres entziehen darf! In einer Stunde muß ich zur Probe, und heute abend habe ich zu singen.“ „Aber das eine ist nach Lage der Dinge ebenso vollständig ausgeschlossen wie das andere. Der Direktor hat die Probe bereits absagen lassen, und für die heutige Vorstellung übernimmt die Ferrand Ihre Partie.“ Eine dunkle Röte war. in Ernas Wangen aufgestiegen. „Ohne daß man mich gefragt oder benachrichtigt hätte? Nein, nun erst recht werde ich ins Theater fahren!“ „Sie werden es nicht tun—, und wenn ich mit Gewalt daran verhindern müßte! Durch den Verrat irgendeiner eifersüchtigen Kollegin ist es bekannt geworden, daß Sie keine Engländerin, sondern eine Deutsche sind. Und bei der Erbitterung, die sich bereits an allen Ecken und Enden gegen die Prussiens bemerkbar macht, hätten Sie bei Ihrem Erscheinen im Theater möglicherweise Beleidigungen oder noch Schlimmeres zu befürchten. An ein öffentliches Auftreten aber ist vollends nicht mehr zu denken.“ Ein bitteres Lächeln kräuselte die Lippen der jungen Sängerin. (Fortsetzung folgt.) Denkspruch. Unser ganzes Leben ist ein Kampf nicht bloß gegen kremde, lonckern auch gegen eigene, olt lieb gewordene kertümer. Döllinger. Skizze Die Mutter. abeth Bauck. von Eli (Nachdruck verboten.) Es war in dem denkwürdigen Jahre 18.. Die Glocken läuteten ohne Unterlaß. Das klang dunkel und feierlich, als ob es von weither käme, und dann wieder wunderbar weich und hell. Dazwischen schluchzte und seufzte der Wind.— Die kleine, ehemals polnische Grenzstadt J.. war in Wassersnot! Gefahr! riefen all die ehernen Stimmen von den Kirchentürmen den meist noch schlafenden Bewohnern zu. Gefahr für Leben und Gut! Graue Morgennebel wallten über den blinkenden Hausdächern,— aber auch unten auf den Straßen und Plätzen schoben sich seltsam dunkle, unförmige Massen hin. Aber das war kein Nebel. Das war— Wasser!— Wasser!—— Niemand wollte zuerst recht daran glauben! Man rieb sich die Augen. Man fluchte russisch, polnisch und deutsch durcheinander. Die Rasse war sehr vermischt. Unter den Frauen verstand oft eine die andere nicht. In der Angst liefen sie aber doch zusammen, sie schrien, weinten und beteten! Das Unglück war aber da. Es ließ sich weder wegweinen noch wegfluchen! Wochenlang anhaltender Sturm und Regen hatte die Weichsel in ihrem tiefen Bette aufgewühlt, bis sie die Ufer überschwemmte und nun die gelblich grauen Wogen durch die Stadt wälzte; einer Riesenschlange vergleichbar, die wuchs und wuchs.— Zurzeit hielt deutsches Militär den Ort besetzt, um so die Teilungsgrenze zwischen Rußland und Deutschland in das einst so stolze Polenreich zu markieren. Am Marktplatze von J. wohnte der Bezirkshauptmann Karl Boehm, welcher jung verheiratet war, und dem der Himmel gerade in dieser Schreckensnacht ein Kind geschenkt hatte. Unter dem Geläute all der vielstimmigen Kirchenglocken, den Angstrufen und Gebeten verzweifelter Frauen kam der Knabe zur Welt. Kaum zum Leben erwacht, umdrohte ihn schon Not und Gefahr. Doch er ahnte es nicht. In seliger Bewußtlosigkeit lag er weich und sanft im Mutterarm. Wenn er irgend etwas schon fühlen konnte, dann war es ein leiser, müder Kuß von schwachen, liebreichen Frauenlippen. Dies war also das erste, was er empfand, aber auch das schönste, weil es nie wieder ganz so kommen würde. Das Wasser stieg indessen. Die Kaufleute mußten ihre Läden verlassen und dicht verschließen. An irgendeinen Straßenverkehr war längst nicht mehr zu denken. In den Häusern flüchtete man aus dem Parterre in die oberen Etagen. Die Bestürzung wuchs mit der Gefahr. Erst jetzt erkannte man recht die Größe des Unheils. Die schwache Wehr des Ortes versagte natürlich in solcher Not, und Hauptmann Boehm sah ein, daß nur noch durch das energische Zusammenarbeiten des Militärs mit den Rettungsmannschaften etwas zu erhoffen war! Da aber hieß es für ihn, Weib und Kind verlassen in der Stunde höchster Gefahr! Die Pflicht rief ihn zur Fahne, der er den Treueid geschworen hatte, auf Leben und Tod! In dem Augenblick war es ihm so entsetzlich!— Er dachte, er könnte es nicht! Der Wind rüttelte an den Fenstern,— hui, hui, wie das sang und klang! Dieser wilde trotzige Nordost hatte seine eigne Stimme! Unwillkürlich lauschte er. Da,— was war das? — Regen? Eine graue Schlammwelle spülte gegen das Fenster— dann wieder eine.— Das Wasser stieg. O Gott!— Er mußte fort!— Doch zuvor wollte er Maria noch in Sicherheit bringen, — seine Frau und das Kind! Hier, in der Wohnung, durften sie nicht bleiben! Wie lange noch,— dann kam das Wasser.—— Maria lag still in ihrem Bett. Hin und wieder öffnete sie die Augen und sah auf das Kind mit einem langen, zärtlichen, verträumten Blick. Sie war so sehr und so ganz Mutter, daß sie noch nichts bemerkt hatte von der großen Gefahr, welche sie selbst und das geliebte, junge Leben belauerte.— Da plötzlich gewahrte sie etwas Schreckliches! Unten durch die Tür des Zimmers, die sie von ihrem Bett aus sah, rann langsam ein langer, dünner, grauer Streifen hervor,— wie es schien, eine Schlange! Entsetzt hob sie den Kopf höher in den Kissen empor. Konnte das denn wirklich eine Schlange sein?— Dann erkannte sie richtiger, denn der Streifen kam näher an ihr Bett heran und wurde breiter. Nein, es war Wasser,— nur Wasser!— Der Gedanke beruhigte sie etwas, und weil sie sich so unendlich matt fühlte, schloß sie sekundenlang die Augen. Als sie nach einer Weile wieder aufsah, erschrak sie. Es kam ja immer mehr Wasser durch die Tür! Was bedeutete denn das?— In einem plötzlichen Angstgefühl preßte sie ihr Kind an die Brust. Ach, wenn Gefahr drohte, da war es doch geborgen,— so warm, im Mutterarm! Jetzt hörte sie Schritte. Der Hauptmann kam. Er war in Helm und Degen, wie er zum Dienst ging, und hatte den Mantel übergeworfen. Maria sah sofort an seinem ernsten Gesicht, daß irgend etwas geschehen sein mußte. „Du willst fort, Karl?“ fragte sie bang, „O, erschrick nicht, mein Lieb!“ bat er, sich zärtlich über sie beugend.„Aber die Pflicht ruft! Ach, warum mußt du es gerade in dieser Stunde erkennen, wie schwer es ist, eines Soldaten Weib zu sein!“ „Was hast du?“ fragte Maria angstvoll.„Sage mir alles!" „Sei tapfer, meine kleine Frau,“ bat der Hauptmann weich,„und laß dich von mir hinauftragen auf das Hausdach!“ „Auf das Hausdach?“ rief Maria bestürzt. Er nickte ernst. „Ich will dich betten, so gut ich kann, mein Lieb!“ versicherte er innig.„Dich und das Kind. Ihr seid hier nicht mehr sicher! Das Wasser kommt!“ „Das Wasser kommt!" wiederholte Maria tonlos, und blaß und zitternd preßte sie ihr Kind an die Brust.„Ach, warum ist es geboren?" dachte sie. „Nur um zu leiden?" Der Hauptmann sah das Püppchen zum ersten Male an. „Mein Sohn, meine Freude!" flüsterte er warm. Dann hob er die Frau mit dem Kinde in den Betten behutsam hoch und trug sie aus dem Zimmer. (Fortsetzung folgt.) 80 e ce 1