** Amtliches Kreisblatt □ ∆ für den kreis börde ao Stuntm Zehuue nicen uaeh außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. WöchentI. Gratisbeilage:„Ikustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzelgenpreis: Die siebengespaltene Pettkzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabakt u. erlischt bei Konkursen. Zwangsvergleichen. gerichtl. Klagen u. Robsschund ernaht.- Setinecteuuune Wellhofener Zeitung„ Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Verbunden mit: Schwerker Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Börde o Haupt-Annoncenblaft Bug dee, und ichalentgüchen Buurd. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemaß Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Verbitentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft.— Die „Schwerter Jeitung“ gewährt idren Adoanen= ten für jeden mit Tod endenden Unsoll ge300 Mk. Unfall. Druck u. Verlags. Cor Brous. Schwerve. RudFernsp. 62. Telegr.=Adr. Braus Schwerte=Ruh### Nr. 29. Donnerslag, den 4. Februar 1915. 47. Jahrgang. Oreiste„ eent* auf 4•87466 bb. Zürich, den 4. Februar. einer Privatmeldung scheint es tatdaß Bulgarten zugunsten Deutschlands und Oesterreichs in den Krieg eingreifen werde. 4000 Kussen gesungen. Die freien Gewerkschaften und der Krieg. In einer im Apollotheater in Oberhausen abgehaltenen zahlreich besuchten öffentlichen Bergarbeiterversammlung nahmen die freien Gewerkschaften Stellung zu dem Kriege. Reichstagsabg. Sachse, der in grundlegenden Ausfühnungen die Haltung der Gewerkschaften darlegte, führte im wesentlichen folgendes aus: Beim letzten Kriege spielten die freien Gewerkschaften überhaupt noch keine Rolle. Heute zählt die Organisation nicht weniger als 2½ Millionen Arbeiter und daß diese Zahl nicht nur in Friedenszeiten, sondern auch zur Kriegszeit ins Gewicht fällt, ist einleuchtend. Wer wünschte nicht, daß der Krieg vermieden worden wäre. Alles ist in diesem Sinne aufgeboten worden. Die freien Gewerkschaften haben bis zum Schluß in Flugschriften und Versammlungen gegen den Krieg demonstriert. Nun, wo der Krieg entbrannt ist, wird die Streitfrage nicht aufhören, wer den Krieg entfacht hat. Daß die dauutsche Negierung und das deutsche Volk nicht kriegslüstern gewesen ist, das geht schon daraus hervor, daß wir 44 Jahre lang den Frieden gewahrt haben. Keine Nation hätte sich das gesallen lassen, was wir uns vor fünf Jahren anläßlich der Marolkoaffaire haben bieten lassen. Frankreich hat genau so wenig. Anrecht auf Marokko gehabt, als wir. Jeder mag gegen den Kaiser, gegen die deutsche Regierung Stellung nnehmen, wie er will. Das aber nuß unumwunden zugestanden werden, beide Faktoren ha' ben alles getan, was in ihren Kräften stand, um den Krieg zu vermeiden. Rußland wollte den Krieg, und als das intrigante England seine Hilfe hinein' mischte, war er da. Es war durchaus die Pflicht Dautschlands, so zu handeln, wie es gehandelt hat. Die englische Kriegserklärung gilt beileibe nicht der belgischen Neutralität, sie gilt deutschem Handel und Wandel, der deutschen Industrie. Das haben selbst die englischen Gewerkschaftsführer offen ausgesprochen.(Pfuirufe.) Die englischen Gewerkschaftsführer sind massenweise im Lande umhergereist, um auf Kosten der Regierung Propaganda zu machen und zum Kriege zu hetzen.(Wiederholte Pfuirufe.) Welcher deutsche Gewerkschaftsführer wäre dazu imstande gewesen! Da sollen wir ruhig dastehen und mit verschränkten Armen zusehen? Nein! Da miß sich auch die deutsche Arbeiterschaft aufrütteln. Wir deutschen Arbeiter haben ein lebhaftes Interesse daran, zu verhindern, daß unsere Industrie vernichtet wird. Feindlicherseits ist man bestrebt, das rheinisch=westfälische Industriegebiet vom deutschen Reiche abzutrennen. In diesen Gebieten schlägt der Puls unserer dautschen Industrie, und würde dies in die Tat umgesetzt, dann wäre die deutsche Arbeiterschaft vernichtet. Schon zur“ zeit der Marokko=Affäre war es ausgemachte Sache, daß England im Falle eines Krieges mit Deutschland in Belgien einfallen werde. Es war daher unser gutes Recht, in Belgien eingimarschieren, aus Gründen der Selbsterhaltung, wenngleich der Neutralitätsbruch an sich bedauerlich sei. Wer heute von deutschem Barbarentum redet, der soll nach Ostproußen gehen. Dort kann er sich eines anderen Großes Hauptquartier, 3. Februar. Westlicher Kriegsschauplatz. Französische Angriffe gegen unsere Stellungen bei Pertheg wurden abgewiesen. Auf der übrigen Front fanden nur Artilleriekämpfe statt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Von der ostpreußischen Grenze nichts neues. In Polen nördlich der Weichsel haben die Kavallerie=Kämpfe mit der Zurückwersung der Russen geendet. Südlich der Weichsel führten unsere Angriffe östlich Bolimow zur Eroberung des Dorfes Humin. Um Wola=Szydlowiezka wird noch gekämpft. Seit dem 1. Februar sind hier über 4000 Gefangene gemacht und 6 Maschinengewehre erbeutet. Russische Nachtangriffe gegen unsere Stellungen an der Bzura wurden abgewiesen. Oberste Heeresleitung. Siegreiches Vordringen der Oesterreicher. wtb Wien, 4. Febr.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 3. Februar, mittags: In den Ostbeskiden neue sehr heftige Angriffe, die auch nachts andauerten. Sie wurden unter schweren Verlusten der Russen zurückgeschlagen. Die Kämpfe im mittleren Waldgebirge nehmen einen günstigen Verkauf. Die verbündeten Truppen, die gestern vom Feinde hartnäckig verteidigte Höhenstellungen eroberten, machten 1000 Gefangene und erbeuteten mehrere Maschinengewehre. In Polen und in galizien ist die Situation unverändert; es herrscht größtenteils Ruhe. Die Ohnmacht der englischen Flotte. „„ 1## sie durch ein Unterseeboot zum Sinken gebro wtb Berlin, 4. Febr. Aus sicherer Quelle wird folgender Geheimbesehl der englischen Admiralität bekannt: Wegen des Auftretens deutscher Untersceboote im englischen und irischen Kanal sollen sofort alle englischen Handelsschiffe neutrale Flaggen hissen und alle Abzeichen, wie Reedereizeichen, Namen usw. verdecken. Hausflaggen sind nicht zu führen. Dieser Besehl ist geheim zu halten. Kopenhagen, 4. Febr. Der Londoner Berichterstatter der„National Tidende" teilt einen Brief mit, den der englische Admiral Jellicoe, der Höchstkommandierende der gesamten englischen Flotte, an seine in London lebende Gattin gerichtet hat. Dieses Schreiben ist in mehr als einer Hinsicht bemerkenswert, da zum ersten Male von immerhin maßgebender Stelle das Eingeständnis gemacht wird, daß die englische Flotte die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt hat. Der Admiral schreibt: „Im großen ganzen hat unsere Flotte bis heute noch nicht Gelegenheit gehabt, zu beweisen, daß sie von derselben Begeisterung beseelt ist, die sie in früheren Zeiten zum Siege geführt hat. Wenn unsere Männer den Feind auf dem Meere getroffen haben, zeigten sie, daß sie mutig und tapfer sind. Bei allen Gelegenheiten, sei es, daß unsere Schiffe auf unsere Minen gerieten, oder sei es, oaß sie burch ein Unterseeboot zum Sinken gebracht wurden, ist die Disziplin unserer Mannschaften anzuerkennen. Unsere Matrosen sind dem Tode nicht bloß als brave Männer, sondern auch in der opfermutigsten Weise entgegengeganges. Mehrere Male habe ich zu hören bekommen, daß bei zahlreichen solchen Gelegenheiten unsere Matrosen ihren schwächeren Kameraden bei der Rettung noch Hilfe leisteten und ihnen sogar ihre Rettungsgürtel und Treibhölzer überwiesen. Während der langen Wartezeit, die uns aufgezwungen ist, hält uns nur der Humor aufrecht, trotzdem dieses Dasein gleichzeitig einförmig und nervenerschütternd genannt werden muß.“„ 6am Ges. Diese Aeußerungen haben nach ihrem Betanntwerden in London ein gewisses peinliches Aufsehen hervorgerufen, denn man glaubt aus ihnen nicht mit Unrecht eine Bestätigung jener Ansichten hören zu können, die behaupten, daß die englische Flotte ihre frühere so vielfach gepriesene Ueberlegenheit bisher nicht bewiesen habe und in absehbarer Zeit auch keine Aussicht dafür haben dürfe, sie zu beweisen. Man ist peinlich überrascht worden, daß der Admiral nur über die gute Disziplin der Mannschaft bei Unglücksfällen und Schiffsuntergängen zu berichten weiß, allzuwenig jedoch über die Angriffslust der Matrosen erwähnen kann. belehren. Die deutsche Arbeiterschaft ist seit Ausbruch des Krieges ehrlich bestrebt gewesen, mit der Regierung zusammenzuarbeiten. Es würde ein Verbrechen sein, wenn die Arbeiterschaft sich nicht mit aller Energie gegen die russische Knute und die russische Invasion arfraffen würde. Man hat der sozialdemokratischen Fraktion den Vorwurf gemacht, daß sie die Kriegskredite hewilligt hat. Demgegenüber betone ich, daß die Kredite doch willigt worden wären. Dann aber, wie hätte die Ablehnung auf die gewerkschaftlich organisierten Truppen im Felde gewirkt, wenn sie sich hätten sagen müssen, wir sollen kämpfen, und unsere Partei lehnt die Mittel des Kampfes ab. Redner behandelt zum Schluß die Kriegshilfsmaßnahmen. Die Ausführingen fanden lebhaften Beifall und die Versammlung erklärte sich einmütig mit ihnen einverstanden. Aus dem preußischen Etal. Die„Vossische Zeitung" bringt Mitteilungen aus dem preußischen Etat für 1915. Danach stellt sich zahlenmäßig das Bild des Etatsentwurfes wie folgt: Der Etat schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 4816363929 Mark. Die Schlußiumme ermäßigt sich gegen den Etat des laufenden Jahres um 29 519·011 Mark. Die Einnahmen und Ausgaben halten ohne Anleihe das Gleichgewicht. Infolge der Begrenzung der für allgemeine Staatszwecke verwendbaren Reinüberschüsse der Eisenbahnverwaltung auf 2,10 Prozent des statistischen Anlagekapitals ist unter Kapitel 33a, Titel 2 des Etats der Eisenbahnverwaltung für Rücklage an den Tuusgleichsfonds die Summe von 38 416 709 Mark in Ansatz gebracht worden. Abgesehen von der Rücklage an den Ausgleichfonds stellen sich für das Etatsjahr 1915 die ordentlichen Einnahmen auf 4(58 746 629 Mk., die dauernden Ausgaben auf 4522 632069 Mk., der Ueberschuß im Ordinarium auf 226 114 560 Mk., die außerordentlichen Einnahmen auf 57670300 Mk., die einmaligen außerordentlichen Ausgaben auf 255 315 151 Mk. Der Zuschuß im Extraordinarium stellt sich auf 197·697 851 Mk. Der Ueberschuß im Ordinarium übersteigt mithin den Zuschuß im Extraordinarium um 38 416 709 Mark. Diese Summe entspricht der Rücklage im Ausgleichsfonds. Die Stellung der Sozialdemokraten zum Etat. Der„Vorwärts“ schreibt: Was die Stellung unserer Fraktion zur Etatsberatung betrifft, so hat sie am 30. Januar beschlossen, sich für den Fall, daß die Mehrheitsparteien von einer Generaldebatte Abstand nehmen, bei der ersten Lesung des Etats auf eine Erklärung zu beschränken, in der sie aufs neue ihrer Forderung nach Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts Ausdruck verleiht und ihre Stellung zu dem Etat und den damit in Verbindung stehenden Fragen darlegt. Nicht verzichten kann die Fraktion auf die Erörterung wirtschaftspolitischer und sozialpolitischer Fragen, insbesondere der Frage der Kriegsfürsorge, der Maßnahmen zur Sicherung der Lebensmittelversorgung, der Frage des Arbeiterschutzes und der Lage der Arbeiterklasse. Einer sachlichen Erledigung der Geschäfte, wie sie durch den Ernst der gegenwärtigen Situation geboten ist, wird die Fraktion selbstverständlich nichts in den Weg legen. Sache der bürgerlichen Fraktionen, denen dieser Beschluß mitgeteilt wird, wird es sein, ob sie unseren Genossen hiernach einen Platz in der Budgetkommission einräumen wollen. Liebknecht vor dem Parleigericht. Die sozialdemokratische Fraktion hat in ihrer gestrigen Sitzung laut„Vorwärts“ folgenden Beschluß gefaßt: Die Fraktion schließt sich der über die Abstimmung Liebknechts abgegebenen Erklärung des Fraktionsvorstandes vom 2. Dezember 1914 an. Sie verurteilt den von Liebknecht beganganen Disziplinbruch auf das schärfste, sie weist die von ihm verbreitete Begründung seiner Abstimmung als unvereinbar mit den Interessen der deutschen Sozialdemokratie entschieden zurück. Ebenso verurteilt sie die von Liebknecht im Auslande verbreiteten irreführenden Mitteilungen über Vorgänge innerhalb der Partei. Da der Fraktion nach dem Organisationsstatut nicht die Handhabe zu einer weitergehenden Maßnahme zusteht, so muß sie die endgültige Entscheidung dem nächsten Parteitage anheimstellen. Die Fraktion hat weiter beschlossen: Die Abstimmung der Fraktion im Plenum des Reichstages hat geschlossen zu erfolgen, soweit nicht für die einzelnen Fälle die Abstimmung ausdrücklich freigegeben ist. Glaubt ein Fraktionsmitglied, nach seiner Ueberzeugung an der geschlossenen Abstimmung der Fraktion nicht teilnehmen zu können, so steht ihm das Recht zu, der Abstimmung fernzubleiben, ohne daß dies einen demonstrativen Charakter tragen darf. England. Die Aushungerung Englanddurch die deutschen U.=Boote ist nun durch die völvöllige Einkreisung des Inselreiches zur Tatsache geworden. Unseren verwegenen Tauchbooten ist es möglich geworden, jede Nahrungsmittelzusuhr nach Großbritannien zu unterbinden und das die Lieferungen leistende„neutrale“ Ausland durch die Angst vor der Versenkung seiner wertvollen Schiffe von weiteren Lieferungen abzuhalten. Ebenso wie England durch die Absperrung unserer gesamten Lebensmittel= und Industrierohmaterialienzufr, Uns auszuhungern versucht, wenden wir jetzt dasselbe Mittel an, uund da auf dem britischen Inselreich bei weilem nicht so große Vorräte liegen wie bei uns, dürfte das Resultat nicht zweifelhaft sein. Die ersten Folgen des Nahrungsmittelmangels machen sich bereits fühlbar: tausend englische Bahnbeamte beschlossen in einer Versammlung in Willesdam, der Regierung ein nationales Programm abzuzwingen, durch das der Arbeitstag ver kürzt und der Lohn erhoht wird. An die englische Regierung wurde die Aufforderung gerichtet, der Frage der Versorgung mit Lebensmitteln, die immer teurer werden, näher zu treten. Von Englands Aushungerungspolitik kann man also sagen: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Vom Unte wasserkrieg Die Taten der deutschen Unterwasserboote der letzten Tuge haben in England eine derartige Aufregung hervorgerufen, daß die wildesten Gerüchte im Umlauf sind. Es heißt, daß Dutzende deutscher Unterseeboote sich im Kanal und in der Irischen See befinden, denn man hält es für uunmöglich, daß ein oder zwei Unterseeboote innerhalb 48 Stunden fünf große Dampfer versenken können. Wegen der großen Schiffs= und Ladungsverluste stehen mehrere englische Handelssyndikate vor der Auflösung. Die Arbeit des„U 21“ hält den gnzen Schiffsverkehr um England in Furcht. Nach englischen Meldungen wären auch die beiden Dampfer„Atreus" und„Ara“ beinahe einem deutschen Unterseeboote zum Opfer gefallen. Sie fuhren ahnungslos durch die Irische See, als plötzlich auf der Höhe von Moreambe zwischen ihnen aus dem Meeresgrunde ein deutsches Unterseeboot auftauchte. Es hielt sofort einen dritten englischen Dampfer an, welcher ebenfalls die Stelle passierte, und schickte sich an, ihn zu versenken, daß die beiden Schiffe„Atreus" und„Ara“ mit knapper Not entkommen konnten. Auch die großen englischen Dampfer„Highland Brae“ und„Potaro“ werden seit einem Monat vermißt, sodaß mit Sicherheit anzunehmen ist, daß sie ebenfalls von deutschen Unterseebooten versenkt worden sind. Wie die Neutralen über die Tätigkeit der deutschen Unterseeboote urteilen, geht aus dem gestrigen Kommentar des bekanntlich keineswegs übertrieben deutschfreundlichen„Handelsblad“ hervor. Da wird gesagt: Das mutige Auftreten der deutschen Unterseeboote hat in England großes Aufsehen verursacht. Bisher war die Anfuhr von Lebensmitteln nach England sichergestellt. Der einzige deutsche Kreu zer, der noch gegen die englischen Handelsschiffe auftreten könnte, ist die„Karlsruhe", deren Tätigkeit aber nur beschränkt sein kann. England, das die gesamte Lebensmittel= und Industrie=Nohmaterialien=Zufuhr nach Deutschland abschließt und dadurch Deutschland auszuhungern und seine Industrie lahm zu legen sucht, konnte bislang frei seine Bedürfnisse einführen. Deutschland versucht jetzt durch die Vernichtung der englischen Handelsdampfer, deren Bemännung vorher Zeit zur Rettung gegeben ist, den englischen Handel still zu legen. Inwiefern von einer angeblichen systematischen und bewußten Schändung des Völkerrechts die Rede sein kann, ist noch nicht ersichtlich. Davon könnte nur gesprochen werden, wenn der Bemannung der betreffenden Schiffe nicht genügend Zeit gelassen würde, sich zu retten. Das Seerecht sagt über die Inbesitznahme der feindlichen Fahrzeuge: „Sie können nach dem Hafen gebracht oder vernichtet werden, das letztere nur bei Vorliegen einer absoluten Notwendigkeit, z. B. bei zu großer Entfernuing von den eigenen Häfen.“ Kampf Englands gegen Deutschland bis zum Aeußersten. tu Mailand, 3. Febr. Winston Churchill erklärte dem Londoner Korrespondenten des„Matin": Solange die Deutschen nicht aus ihrer Marinebasis heraustreten, haben sie über uns Vorteile. Ein einziges deutsches Unterseeboot, ans seinem Hafen herauskommend und englische Schiffe angreifend, richtet mehr Schaden an, als englische Unterseebobte, die nach deutschen Schiffen die Meere durchsuchen. So vertiert man gegen ein Unterseeboot oder eine Mine ein Panzerschiff von Millionenwert und bringt zahlreiche Menschenleben in Gefahr. Daher müssen die englischen Schiffe Vorsicht gebrauchen, wenn sie das Meer frei durchkreuzen. Die deutsche Flotte kennt am besten diese Bedingungen von dem Bombardement der Ostküste her. Wäre sie nicht beim Rüazuge vom Nebel beschützt worden, so wäre sie leicht in unsere Linie gesallen. England, so schloß der Minister, wird Deutschland bis zum Aeußersten bekämpfen, auch wenn Rußland und Frankreich sich zurückziehen ollten. Die englische Hilfe für Frankreich. tu Neustrelitz, 4. Febr. Die„Landeszeitung für Neustrelitz“ meldet aus Amsterdam, daß die Zeitungsnachrichten über die Höhe der Zahl der englischen Truppen, die in Boulogne und Calais ausgeschifft sind, nicht den Tatsachen entsprechen. Neu' trale Reisende, die von dort in Amsterdam eingetroffen sind, versichern, daß die Ziffer der neuen Truppen höchstens 38000 Mann betrage. Japan gibt Kiautschou nicht heraus. tu Rotterdam, 4. Febr. Eine halbamtliche Information aus Tokio besagt, Japan brauche jetzt, da es Kiautschou mit Waffengewalt erobert habe, das Gebiet nicht ohne weiteres an China zurückzugeben. China habe das Gebiet auf 99 Jahre an Deutschland verpachtet, könne also nicht früher seine Rechte geltend machen. Demnach werde Japan den mit England und Amerika abgeschlossenen Verträgen zu gegebener Zeit nachkommen. Der Krieg gegen Frauurrich. Das französische Heer völlig erschöpft. Rom, 3. Febr. In einer militärischen Studie der„Perseveranza“ wird das französische Heer als völlig erschöpft und zu weiterer Offensive einfach unfähig bezeichnet. Eine Lösung könne nur von auswärts kommen, entweder von England oder von den Russen vder von einer starken Verschiebung der europäischen Lage. Was England anbetrifft, so seien die Hoffnungen auf ein Millionenheer nicht ernst zu nehmen. Nachdem die erste Begeisterung verraucht sei, mache die Rekrutierung nur langsam Forrschritte. Alsdann fehle es an den notwendigen Tausenden von höheren und niederen Offizieren. Wenn die französische Revolution habe Heere aus dem Boden stampfen können, sei dies möglich gewesen, weil Frankreich für seine Freiheit kämpfte. Der deutsche Durchbruch nach Paris wird von den Verbündeten jetzt erwartet. Auf einen im Westen demnächst zu erwartenden großen Durchbruchsversuch der Deutschen weist der militärische Mitarbeiter der„Times“ hin. Er betont die Wahrscheinlichkeit eines solchen Versuches, wodurch die Deutschen Paris zu erreichen hoffen und schätzt die Anzahl der deutschen Mannschaften, die gegen Franzosen und Engländer zusammengezogen würden, auf 2250000 Mann gleich 94 Divisionen, während er die Stärke der gegen Rußland stehenden deutschen Heere auf 43 Divisionen berechnet. Joffre soll weiter warten. General Lacroix konstatiert im„Temps“, die Franzosen begnügten sich in den letzten drei Wochen mit der Desensive. Daher kämen etliche Erfolge des Feindes, der mit Ungestüm angriff. Die dabei erlittenen Verluste seien einbringbar. Lacroix rät im Gegensatz zu anderen Kritikern, Joffre möge mit einer Offensive solange warten, bis alle Lücken in der Front ausgefüllt, und Verpflegung, sowie Munition tadellos in Ordnung seien, damit die dann ergriffene Offensive auch einen rapiden Erfolg habe und nicht unnötige Ver luste koste. Die Korruption der französischen Armeeverwaltung. Ein Leitartikel der Pariser„Humanitee“ führt aus, daß es nur möglich sei, zu dem Maxi#tm der ür den Sieg notwendigen militärischen Kraftanstrengungen zu gelangen, wenn die Mißstände im Heer und in der Heeresintendantur endlich aufhören würden. In dem Artikel heißt es weiter: Seltsame Gerüchte laufen um, man spricht von zu eilig und schlecht gelieferten Ausrüstungsstücken, zahlreichen Schmarotzern in der Intendantur, die auf Kosten des Staates ungeheure Gewinne einstecken. Man sagt, daß militärische Beamte aus politischer oder persönlicher Gefälligkeit Militärpersonal aus dem Frontdienst in die Depots bringen, von unzähligen Klagen über den Sanitätsdienst ja nicht zu reden. Wenn allen Mißständen nicht abgeholfen wird, haben wir, wenn lauter Genies unser Heer führen würden, nichts zu hoffen. Französische Aufhetzung zum Kriegsmeuchelmord. wtb Paris, 3. Febr. Die Maßregelung des Bür germeisters der Nachbargemeinde Nancys, die erfolgte, weil auf deutsche Flugzeuge geschossen wurde, veranlaßt den„Eclair" zu der Erklärung: Bevor man die allzu mutigen Franzosen maßregele, soll man sich erinnern, daß Bürgermeistern, die sich in der Jagd auf schädliche Tiere, in Maßnahmen gegen Feuersbrunst und Landplagen hervortun, die Ehrenlegion verliehen werde. Der Augenblick sei doch nicht dazu angetan, den Muti gen entmutigen zu wollen, namentlich nicht diejenigen, die in der Nähe der Grenze wohnen. „Einer Invasion gegenüber muß jeder mehr oder weniger Soldat sein, so dachten zum mindesten unsere Väter.“ Die Maßregelung werde sicherlich von der Mehrzahl der Franzosen als ein unverständlicher Mißbrauch der Amtsgewalt aufgefaßt. Erneutes Fliegerbombardement auf Dünkirchen. tu Amsterdam, 4. Febr:„Daily Mail“ meldet aus Nordfrankreich vom Montag: Der Besuch deutscher Flieger über Dünkirchen am Mittwoch wurde gestern wiederholt, als um 8 Uhr sechs Flieger von der See her nahten. Niemand ahnte ihre Anwesenheit, bis die ersten Bomben platzten. Sofort fingen die Scheinwerser zu spielen an. Die Abwehrkanonen eröffneten das Feuer. Zwei Stunden dauerte der Kampf. Dann flogen die Deutschen, denen nichts geschehen war, wieder von dannen, nachdem sie nicht weniger als 60 Bomben auf Dünkirchen geworfen hatten. Daß diese große Anzahl Projektile größter Explosionskraft so gut wie gar keinen Schaden anrichteten, ist bei der „Daily Mail“, wie immer, selbstverständlich. Ein deutsches Luftschiff über Paris. wtb London, 4. Febr. Londoner Blätter berichten, daß am Montag ein deutsches Luftschiff über Paris(Teil des 16. Arrondissements) Bomben abgeworfen habe. Intensive Tätigkeit der Deutschen zwischen Opern und der See. tu Amsterdam, 4. Febr.„Daily Telegraph“ meldet aus Boulogne: Die Tätigkeit der Deutschen zwischen Ypern und der See ist sehr intensiv. Das Feuer, das in der letzten Zeit sehr unregelmäßig war, ist jetzt ein furchtbar andauernder. Kugelregen geworden. Das Morastland trocknet jetzt schnell und schon ist die Bewegungsmöglichkeit der Tuuppen viel besser. Der französische Sanitätsdienst ist so mangelhaft eingerichtet, daß sogar italienische Zeitungen mit Empörung von der grenzenlosen Unordnung sprechen. Die langen französischen Lazarettzüge mit den vielen Wagen schwerverwundeter Soldaten werden nur von einem einzigen Arzt begleitet. Die von den Eisenbahngesellschaften zusammengestellten Lazarettzüge werden nicht eingestellt, weil irgend etwas mit der Organisation nicht funktioniert. In den Hospitalschiffen, die die Verwundeten von der Nordsee nach Cherbourg bringen, gibt es keine Aerzte. Als man nach der Vserschlacht mehrere hundert französische Verwundete in fünf Tage langer Seejahrt nach Cherbourg brachte, wurden diese Bedauernswerten nicht ein einziges Mal von einem Arzt besucht. Es gibt eben weder Aerzte nach Arzneien, weder Wasser noch Brot für die hilflosen Verwundeten; die in ieh= und Güterwagen, auf faulendem Stroh liegend, abtransportiert werden. Die Franzosen und ihre Niederlage bei Soissons. Ein Lieferant der englisch=französischen Armee erzählte einem Gewährsmann der„Nieuwe Rotterdamsche Courant": Ueber die Niederlage bei Soissons darf in Paris nicht öffentlich gesprochen werden. Im Publikum zirkulieren aber Gerüchte, daß die Niederlage für die Franzosen noch größer war, als sie von dem deutschen Generalstab hingestellt wird. Und merkwürdigerweise scheinen diesmal diese Gerüchte recht zu haben. Ich sprach nämlich mit einem höheren Offizier, der mir erklärte:„Bei dieser verdammten Affäre von Soissons haben die Deutschen mindestens 5000 Gefangene gemacht und sind sicherlich über 9000 von den Unfrigen gesallen. Höchst, sonderbar ist in Paris die unzufriedene Stimmung gegen den General Joffre, die immer weitere Kreise zieht. Jene, die des Krieges überdrüssig sind und denen er schon zu lange dauert, sind auf einmal der Meinung, Joffre sei zurückhaltend und vorsichtig in der Verwendung seiner Soldaten. Man täte besser einen„Draufgänger“ an seine Stelle zu setzen, der rasch und entschlossen einen kühnen Streich ausführt, damit der Krieg ein Ende nehme. Trotz der bösen Geschichte von Soissons bleibt aber Paris ruhig. Freilich hat es die Regierung verstanden, die mißliebigen Elemente unschädlich zu machen. Zwangsweise Rekrutierung geflüchteter Belgier. Wie gleichzeitig aus Paris und London gemeldet wird, werden in Frankreich und England alle im Alter von 18—30 Jahren stehenden dort befindlichen Belgier zwangsweise auusgehoben und auf die Exerzierfelder geschickt. In Paris versammelte der Seinepräfekt die Belgier in einer Kaserne unter dem Vorwande, ihnen eine wichtige Botschaft mitzuteilen, und ließ sie nicht mehr hinaus, obwohl die meisten gegen dieses Verfahren protestierten. Das gleiche geschah in London und anderen englischen Städten. Der Krieg gegen Acud. Die Räumung Lembergs bevorstehend. tu Krakau, 4. Febr. Die Petersburger„Nowoje Wremja“ verweist auf die kritsche Lage, die sich für die russischen Truppen bei einem längeren Verweilen in der Stadt Lemberg ergeben könnte, und bereitet die öffentliche Meinung Rußlands auf die Wahrscheinlichkeit der Räumung Lembergs für die nächste Zeit vor. Diese Nachricht ist vermutlich auf russische Truppenverschiebungen aus Lemberg zurückzuiführen. Ehre und Liebe. Roman von Käthe Lubowski. 10 Ihre Eitelkeit schlief noch, wenn überhaupt ein derartiges Gefühl in ihr wohnte. Das zudringliche Anstarren trieb ihr die Röte der Scham in die Wangen, weil es ihr immer von neuem ihre Schutzlosigkeit zum Bewußtsein brachte. Sie gehörte niemand an. Von ihrem Vater hatte sie niemals gehört und ihre Mutter war— Dorette Fiedler gewesen. Erst an ihrem sechzehnten Geburtstag hatte es der schönen fremden Frau, die sie alljährlich besucht hatte, gefallen, ihr die Wahrheit zu enthüllen. Sie begriff ganz gut. Man schämte sich ihrer. Ueberall, wo die Sonne schien, war sie im Wege. Sie mußte eben zeitlebens im Dunkeln bleiben, immer ängstlich bemüht, ihre Herkunft zu verbergen, immer heucheln, immer lügen, o, wie sie das haßte. Wenn es nur einen auf der Welt gäbe, der sich zur ihr bekennen würde. Aber die einzige, die wohl die Pflicht dazu hätte, ihre Mutter, war gestorben. Auf der Anzeige mit dem aufdringlichen Trauerrand stand es. Niemand hatte sie gerufen: „Komm, nimm Abschied von Deiner Mutter, wir wollen Dir Dein Recht nicht nehmen, das Recht des Kindes, das bestanden hat, so lange die Welt ist.“ Sie, die nicht den Namen der Mutter tragen durfte, war nicht wert, an ihrem Sarge zu kuien. Unwürdig, ohne ihre Schuld, darüber kam sie nlicht Frau Annette Hüffinger, die seit dem Tode der alten Dorette die Pflege für Noras äußern Menschen übernommen hatte, und durch Emmi Brand= hubers Engagement meinte, sich auch mit den Pflichten gegen den inneren genügend abgefunden zu haben, kam ihnen bei der verspäteten Heimkehr aufgeregt entgegen. „Wobleihens bloß? Schon zweiundvierzig Minuten über die bestimmte Zeit. Der Otto ängstigt sich rein tot, daß Ihnen was zugestoßen sein könnt Einmi Brandhuber sah plötzlich rot und böse aus. „Hat er denn gar nix gescheiteres zu tun?“ fragte je spitz. Sie hatte sofort gemerkt, daß das Interesse von Frau Hüssingers Einzigem nicht dem Bewußtsein der Verantwortlichkeit entsprang, sondern der Eiferucht. Gegen jeden, der länger mit Nora zusammen war, als es unumgänglich notwendig gewesen, zeigte er sich feindlich. Sie fragte sich heimlich, wohin das führen sollte. Zu dem einfachsten und natürlichsten Abschluß— der Heirat— sicherlich nicht. Dazu war die Fiedler zu schön und zu vornehm. Frau Hüssinger neigte sich geheimnisvoll zu Nora herunter und flüsterte ihr ins Ohr:„Fräulein Fiedler— Sie haben a Brief gekriegt.“ Nora lächelte ein wenig. Dann schüttelte sie den Kopf. „Das wird ein Irrtum sein, Frau Hüssinger. Wer sollte mir schreiben?“ „Nun hör bloß auer so was,“ schalt sie halb gutmütig, halb ärgerlich.„Manens denn vielleicht, i s p r ä c h d i e U n w a h r h e i t? D r i n n e n i s t e r.“ Wirklich lag auf dem Nähtisch, an dem Nora, ein Buch in der Hand haltend, ihreTage verträumte, ein großer, weißer Umschlag mit eckigen, steilen Buchstaben. Als Emmi Brandhuber endlich gegangen war und Frau Hüssinger zu ihrem Otto zurückkehrte, verriegelte Nora ihre Tür und riß hastig den Brief auf. Ihre Augen wurden starr und groß und um ihren Mund zuckte es— was— stand— da—? „Liebe Schwester! Die kurze Mitteilung von dem Tode unserer Mutter ging. Dir vor acht Tagen zu. Warum ich Dich nicht rufen durfte, weißt Du. Aus einem aufgefundenen Briefe ersah ich, daß Du über das Notwendigste unterrichtet bist. Ich habe nun vor, auf den ausdrücklichen Wunsch der Mutter, mich Deiner hinfort anzunehmen, das heißt die Pflichten getreulich auszuüben, die ein Bruder an seiner Schwester zu erfüllen pflegt. Zu diesem komme ich am 16. Februar zu Dir, nachdem ich vorher mit Deinem Vormund Rücksprache genominen haben werde. Dein Bruder Haus Weddo von Tarenberg.“ Immer wieder glitten ihre Augen über die Zeilen. Es war ein Jubelgefühl beim Lesen derselben in ihr aufgewacht, an dem sie innerlich frei und glücklich wurde. Aus freien Stücken, unbezahlt und ungezwungen, wollte sich ein Mensch ihrer erbarmen. Ein Bruder! Sie sagte es in scheuer Liebkosung vor sich hin— und ihre Hände falteten sich zum Danken.——— Der Sanitätsrat Dunker war allzeit mit offenen Augen durch die Welt gegangen. Nur, wenn es sich mit seinem Gewissen vereinen ließ, hat er weniger scharf in eine wehe Seele hinein geschaut, als das sonst in seiner geraden Art lag. Auch damals— vor siebzehn Jahren— als sie ihn zu dem todkranken Kinde und den beiden Frauen gerufen hatten. Er sah das zarté, großäugige Dingelchen mit den schwachen Lungen noch heute in der Wiege vor sich, daneben die schöne, vornehme Frau und die schlichte aus dem Volk. Er fühlte, daß sie alle ein Geheimnis mit einander verband, das zu ergründen ihm jedes Recht fehlte. Mochte es so sein. Er stieg darum doch dreimal die steilen Treppen zu dem keuchenden Kinde empor und gab sein Bestes. Er hatte es auch glücklich durchgebracht. Als er eines Tages endgültig erklären konnte, daß nun sein Kommen nicht mehr nötig wäre, wandte sich die schöne Frau, die sich Freiin von Tarenberg nannte mit der Bitte an ihn, bei dem Kinde das Amt eines Vormundes zu übernehmen. Er über legte nicht lange. Ein Ablehnungsgrund vor dem Gericht stand ihm kaum zur Seite. Deshalb nahm er an. Er hatte auch bisher gern die kleinen Angelegenheiten erledigt, nur heute, das ging ihm wider den Strich. Wie kam dieser Leutnant von Tareuberg dazu, ihn nach allen Richtungen hin über sein Mündel auszufragen, ein Interesse an ihrem Ergehen beweisend, das bei seiner Jugend wohl eianet Er antwortete kurz und mürrisch und wurde erst freundlicher, als Tarenberg die Erklärung abgab, daß er im Auftrage seiner toten Mutter, lediglich um ihren Wunsch zu erfüllen und in Erfahrung zu bringen, ob irgend eine Aenderung in dem Leben des Mündels wünschenswert wäre, diese Auskünfte ermittele. Wiederum hatte der alte Sanitätsrat das nämliche Gefühl wie vor siebzehn Jahren. Und wie damals die Schönheit der Mutter, nahm ihn heute die ernste, feste Männlichkeit ihres Sohnes gefangen. Nun erörterten sie die Höhe der zu zahlenden Monatsrate und den Aufenthalt bei Frau Hüssinger. Doktor Dunker fand ihn für das zarte, sensible Mädchen nicht sonderlich glücklich gewählt. „Ich halte es für meine Pflicht als Vormund und Arzt, Sie noch ganz besonders auf den zarten Gesundheitszustand der Nora Fiedler aufmerksam zu machen. Noch mehr auf die starke geistige Depression, die stetig zugenommen hat. Dieser letzte Umstand läßt eine Aenderung in ihren Lebensgewohnheiten als dringend notwendig erscheinen.“ „Und wie haben Sie sich dieselbe gedacht?" fragte Tarenberg.— „Sehr einfach, weil naturgemäß. Man gebe ihr das, was der Jugend zukommt, ernste Arbeit, ein wenig Zerstreuung und viel Liebe.“ „Welchen Weg schlägt man dazu am besten ein, Herr Santätsrat?“ Doktor Dunker räusperte sich verlegen. „Verstehen Sie mich nicht falsch, Herr von Tareuberg, wenn ich Ihnen den Vorschlag mache, sie in Ihrer Nähe unterzubringen. Sorgen Sie für eine würdige, respektable Dame und sehen Sie öfter nach s. Ihre scheue, geängstigte Seele muß sich erst an ge. g war, ernste Besorgnisse hervorzurusen. ihr. Ihre scheue, geängstigte Seele muß sich ers der Barmherzigkeit eines unetgennutzigen Menschen aufrichten, ehe wir weiter kurieren. Ich habe keine Zeit dazu. Ich schaue ab und an im Fluge nach ihr und werde höchstens geob, wenn ich merke, daß sie wieder dünner und elender geworden ist.“ Tarenberg schüttelte den Kopf. 22016 General Pau in Rußland. Auf die russischen Heeresverhältnisse wirft es kein günstiges Licht, daß der französische General Pau sich mit einem größeren Stabe von Offizieren in das Hauptquartier des Oberbefehlshabers Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch begeben hat, um dort als militärischer Berater zu wirken. Um die Entsendung einer Militärmission, wie sie unter Verbündeten Regel ist, handelt es sich bei der Abordnung des Generals Pau nicht. Eine französische Militärmission befindet sich längst im russischen Hauptquartier. General Pau gilt als Vertreter der rücksichtslosen Offensive. Der Zweck seiner Sentung soll daher sein, die russische Heeresleitung zu schnellerem und kraftvollerem Vorgehen zu veranlassen. In der unzureichenden Betätigung des offensiven Geistes erblickt man in Paris jedoch zu Unrecht die Ursache der bisherigen Mißerfolge des Verbündeten. Angegriffen haben die Russen gerade genug, aber ihre Angriffe haben keinen Erfolg gehabt, und sie haben weiterhin den michtigen deutschen Vorstößen nicht zu widerstehen vermocht. die Ursachen dieser Erscheinung liegen auf anderen Gebieten und sind während des Krieges nicht zu beseitigen. Die Sendung des Generals Pau wird also an der strategischen Lage im Osten nichts ändern, wohl aber der russischen Armee und ihrer Führung den Makel der Anzulänglichkeit anheften. —— Der Krieg gegen Serbien. Typhus unter den serbischen Rekruten. wtb Sofia, 3. Februar. Meldung der„Agence Bulgare": Nachrichten aus sicherer Quelle zufolge richtet der Typhus unter den in der mazedonischen Stadt Istüp zusammengezogenen serbischen Rekruten große Verheerung an. Täglich sterben durchschnittlich 30 Personen an dieser Krankheit. Der serbische Bürgermeister ist aus Furcht vor dieser Epidemie nach Verzicht auf seine Stellung mit seiner Familie nach Aesküb gereist. Eine große Zahl gewaltsam in das Heer eingereihter bulgarischer und türkischer Rekruten ist aus den Istüper Kasernen geflüchtet und wurde von einer serbischen Truppenabteilung verfolgt. Es kam auf der Straße nach Radowischte zu einem Kampf, in dessem Verlauf 8 Muselmanen getötet wurden, während es den übrigen gelang, zu entkommen. Die Hinrichtung der Mordgesellen von- Serajewo. wtb Serajewo, 4. Febr. Gestern früh wurden im Hofe des Festungsgefängnisses Veljko Cubrikowic, Micko Jowaniwic und Danilo Ilis, die im Hochverratsprozeß zum Tode verurteilt wurden, hingerichtet. Die Hinrichtung vollzog sich ohne Zwischenfall. Die gleichfalls zum Tode verurteilten Jakow Milowic und Nedjo Kerowic wurden begnadigt. Die Todesstrafe wurde in lebenslänglichen bezw. zwanzigjährigen schweren Kerker umgewandelt. Princip, der Mörder des Erzherzogs, der bekanntlich wegen seines jugendlichen Alters nicht zum Tode verurteilt werden konnte, erhielt eine Kerkerstrafe von 20 Jahren. Die Frage der Wassenlieferungen Amerikas hat im Kongreß zu Washington durch den Abg. Towner eine ganz neue Beleuchtung erfahren. Der Abgeordnete wies darauf hin, daß Amerika unter Umständen schneller, als man es heute vielleicht meine, in einen Krieg mit Japan verwickelt werden und infolge der Ausfuhr von Waffen und Munition dann in die schwierigste Lage geraten könnte. Er forderte mit Rücksicht auf diese nicht fern liegende Möglichkeit ein schleuniges Wafsenausfuhrverbot durch den Präsidenten. Was bisher die Rücksicht auf die Anstandspflicht und auf die Gerechtigkeit nicht vermochte, das bringt jetzt vielleicht die Furcht vor der Gefahr zu Wege. Aus Stadt und Umgebung. Was soll der Junge werden? Nur mnoch einige Wochen, und das Schuljahr 1914=15 ist zu Ende. Da tritt an viele Eltern die ernste Frage heran: Was soll der Junge werden? 1. Traget Sorge, daß der Knabe sich sofort nach Entlassung aus der Schule einem bestimmten Berufe zuwendet. Das Herumlungern taugt nicht. 2. Bei der Wahl des Berufes sind der körperliche Zustand und die geistigen Fähigkeiten des Knaben wohl zu berücksichtigen. Schule und Schularzt geben hier die zuverlässigste Auskunft. Nur ein Knabe, der besonders gute Kenntnisse und Talente besitzt, sollte studieren, falls es an Neigung und den erforderlichen Mitteln nicht fehlt, für die übrigen seien besonders die sogen. gelernten Berufe empsohlen. Vor allem halte man darauf, daß eine ordnungsmäßige Lehre durchgemacht wird, dann ist für die Zukunft des Jungen bestens gesorgt. Mögen sich doch die Eltern nicht durch den augenblicklichen Gewinn blenden lassen, den sie dadurch erzielen, daß sie ihren Sohn sofort nach der Schulentlassung in die Fabrik stecken und so das große Heer der ungelernten Arbeiter vermehren. In der Zeit wirtschaftlichen Niederganges werden die ungelernten Arbeiter zuerst entlassen, und dann tritt es deutlich zutage, welch bedeutende Vorteile der gelernte Arbeiter vor dem ungelernten hat. 3. Die Eltern sollen auf Abfassung eine schriftlichen, den Vorschriften der Reichsgewerbeordnung entsprechenden Lehrvertrages halten. 4. Ueber die Aussichten in den einzelnen Berufen geben die Hanwerkskammern gern Auskunft. **(Einheitsbrot fürs ganze Reich.) Wie die „Landeszeitung für Neustrelitz" zuverlässig erfährt, sind Verhandlungen der Bundesregierungen über die Einführung eines Einheitsbrotes für das ganze Reich bereits abgeschlossen. Eine Verfügung des Bundesrates ist zu erwarten. **(Die Verwertung gebrauchter Wäsche im Felde) ist eine immer noch viel zu wenig beachtete Frage. Während im Reich die größten Anstrengungen gemacht werden, warme Kleidung für uunsere Feldgrauen aufzubringen, müssen dort draußen die schmutzigen und beschädigten Wäschestücke fortgeworfen werden. Ein Landwehrmann faßt laut „Münch. N. N.“ seinen Kummer in folgendem Feldpostbrief zusammen: Es ist ärgerlich, daß hier die Soldaten die schönste Wäsche auf den Misthausen werfen müssen, weil sie nicht nach Hause geEine chickt werden kann— wegen Gewichtsüberschreitung; mehr als 280 Gramm soll so ein Paket nicht haben. Zum Waschen ist oft keine Gelegenheit. Wenn sich nur die Post soweit enschließen könnte, daß ein Stück Wäsche, ganz gleich, welches Gewicht es hat, nach Hause geschickt werden könnte. Wir können doch die Wäsche nicht zerschneiden und in zwei Teilen heimschicken. Auf diese Weise gehen Tausende, ja Millionen Mark an wertvoller Wäsche verloren. Vielleicht läßt sich hier eine Abhilfe schaffen, eventuell wären„Kompagniesäcke" zu empfehlen, in die alle Wäsche eingesammelt und in die Heimat zurücktransportiert wird. **(Ein Einbruch) ist in der letzten Nacht in dem Geschäft der Wwe. Krieger an der Kötterbachstraße verübt worden. Der Dieb ist von einem Stallanbau an der Rückseite des Hauses her eingedrungen und hat sich nach Zertrümmerung des Türschlosses gewaltsamen Eingang in den Laden verschafft, wo er dann eine größere Partie Schuhwaren fein säuberlich in große Kartons verpackte. Durch das entstehende Geräusch wurden die Hausbewohner geweckt, worauf der Spitzbube schleunigst durch ein auf den Hof führendes Fenster verschwand. Bis jetzt fehlt jede Spur von dem Täter. **(Im Silberkranz.) Am heutigen Tage können die Eheleute Kaspar Buschulte, Klusenweg wohnhaft, das schöne Fest der silbernen Hochzeit feiern. Dem Jubelpaare unseren besten Glückwunsch! **(Beförderung.) Herr Lehrer Franz Honsalek von hier, bisher Offizierstellvertreter im Inf.=Regt. 159, ist zum Leutnant der Landwehr befördert worden. Wir gratulieren bestens! **(Zur Beachtung für Haushaltungsvorstände!) Die Anzeige über Getreide= und Mehlvorräte muß von jeder Haushaltung bis einschließlich 5. Februar d. J. an das Bürgermeisteramt(Botenzimmer im Rathaus) abgegeben werden. Sollte eine Haushaltung kein Formular zur Anzeige haben, so kann dasselbe auf der Polizeiwache empfangen werden. Wer die Anzeige unterläßt oder wer wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft. Noch ist es Zeit, noch kann sich jeder vor Strafe schützen. ** Holzen, 3. Febr.(Beförderung.) Herr Polizeisergeant Wald, welcher sich zurzeit beim Landsturm=Infanterie=Ersatz=Bataillon Nr. 17 in Wesel befindet, wurde zum Offizier=Stellvertreter befördert. * Holzen, 3. Febr.(Der Frauen= und Jungfrauen=Verein) hat während der kurzen Zeit seines Bestehens schon eine rege Tätigkeit entfaltet. Aus den in der Reichswollwoche eingekommenen Wollsachen sind bisher 52 Decken und 22 Westen und Unterhosen angefertigt. Die Sachen sind schon nach Münster an die Provinzialstelle des Vaterländischen Frauenvereins abgegangen. Ein großer Posten gutgehaltener Kleider wurde nach Ostpreußen und Elsaß=Lothringen abgeschickt. ** Holzen, 3. Febr.(Maul= und Klauenseuche.) Unter dem Rindviehbestande des Wirts Heinrich Prein zu Höchsten ist die Maul= und Klauenseuche ausgebrochen. Zur Verhinderung der Weiterverbreitung der Seuche sind Schutzmaßregeln angeordnet.— Erloschen ist die unter dem Rindviehbestande der Landwirtin Overbeck herrschende Maul= und Klauenseuche. Ergste, 4. Febr.(Ein Besuch auf den Kriegsschauplätzen in Ostpreußen.) Ein großer öffentlicher Lichtbildervortrag mit 92 Lichtbildern vom Reichstagsabgeordneten Robert schmidt findet Sonntag, den 7. Februar, nachmittags 6 Uhr, im Saale des Herrn Hengstenberg statt. Der Vortrag soll in Wort und Bild eine Darstellung der Leiden geben, denen unsere ostpreußische Bevölkerung durch das Eindringen russischer Heeresmassen ausgesetzt gewesen ist und bei etwaigen erneuten erfolgreichen Vorstößen wieder ausgesetzt sein würde. Krieg ist Krieg! Vernichten und Zerstören gehört zu seinen Aufgaben. Gerade die traurigen Bilder Ostpreußens können uns eine Vorstellung davon geben, wie es in den Ländern aussehen mag, in denen die Millionenheere schon seit Wochen und Monaten miteinander ringen, besonders in Belgien, in Mittel= und Nordfrankreich und in Galizien. Und um so glücklicher können sich die deutschen Staaten und Provinzen schätzen, denen diese herzzerreißenden Schrecken des Krieges erspart bleiben. Niemand versäume diesen hochinteressanten und belehrenden Vortrag zu besuchen. * Köln, 2. Febr.(Verbrannt.) Heute nacht ist in einem Heuse am Übierring auf bisher unaufgeklärte Ursache Feuer ausgebrochen. Als die Feuerwache in das betr. Zimmer eindrang, fand sie eine männliche Leiche vollkommen verkohlt vor. Anscheinend ist die Person durch den rasch sich verdichtenden Qualm sofort betäubt worden. Standesamt Schwerte. Sterbefälle im Monat Januar 1915: Reservist der 9. Kompagnie des Grenadier=Regiments Nr. 6, Gärtner Otto Weifenbach, 27 Jahre.— Tambour= Gefreiter der 7. Kompagnie des Grenadier=Regiments Nr. 6, Fabrikarbeiter Oskar Oettinghausen, 22 Jahre.— Grenadier der 8. Kompagnie des Grenadier=Regiments Nr. 6, Lehrhauer Wilhelm Beine, 25 Jahre.— Witwe Metzger Jodokus Weising, Margarete geb. Sellmann, 76 Jahre.— Brennereibesitzer Franz Gertmann, 63 Jahre.— Wilhelm Heinrich Harms, 1 Monat.— Dienstmädchen Alma Meier, 17 Jahre.— Ehefrau Lokomotivheizer Erwin Kuchheuser, Karoline geb. Gillkötter, 32 Jahre.— Invalide Wilhelm Brieke, 81 — Gefreiter der 5. Kompagnie des 1. Lothr. Infanterie=Regiments Nr. 130, Metalldrucker Friedrich Hermann Sagowski, 23 Jahre.— Kaufmann Ludwig Heinrich Hagemann, 61 Jahre.— Crika Giel, 1 Jahr.— Witwe Sattlermeister Friedrich Recke, Wilhelmine geb. Richwin, 77 Jahre. Berginvalide Friedrich Knappmann, 63 Jahre.— Tagelöhner Karl Matter, 55 Jahre.— Fabrikinvalide Johann Henning, 59 Jahre.— Hermann Grennigloh, 10 Jahre. Verantwortlich für die Redaktion Friedr, Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte, Hontung Bor gu. Bolter! Anständige, fleissige Eheleute, welche in einer Kolonie wohnen, können bequem nebenbei auf ehrliche Art 620 wöchentlich 30 bis 50 mk. verdienen. Einige hundert Mark Sicherheit erwünscht. Die Sache ist streng reell und wollen sich auch nur ehrliche Personen melden. Angeboteunter O. P. 784 an Ed. Krause Ann.-Exp., Essen-Ruhr 617 gesucht. 597 Verwaltung des Gas= u. 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Für die vielen Beweise herzlicher-Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Vaters des Invaliden Wilhelm Pütter sprechen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem Herrn Pastor SchulzeNölle für seine trostreichen Worte unsern besten Dank aus. Villigst, den 4. Februar 1915. 626 Die trauernden Kinder. des Postassistenten Engel=Dortmund Blichke in vie Geheimnisse der Feiopost 1914 Sonnabend, d. 6. Febr. 1915 im Saale des Hotel Ostermann. Anfang 8½ Uhr. Einlaß 8 Karten zum Preise von 30 Pig an der Kasse. Zer Voroerhauf in den Zigarrengeschäften von Schöttler, Winkelmann und Dorka, sowie im Hotel Ostermann. Der Ueberschuß ist für wohltätige Zwecke bestimmt. Der Vortrag hat bereits in weiten und höchsten Kreisen Anklang gesunden. Hübsche abgeschlossene Srage 4 eoll. 5 Räume mit allen Bequemlichketten per 1. April zu vermieten. 633 In erfragen W. Plate. Brückstraße 24. Für Bitchereten Bekanntmachung über die Bereitung von Backware (in Plakatform) vorrätig in der Buchhändlung Carl Braus Schwerte(Ruhr), Gr. Marktstrasse 3—5 Biebseuchenpolizeiliche Anordnung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche bestimme ich auf Grund§§ 18 ff des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909(R.=G.=Bl. S. 519) unter Aufhebung meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 19. September 1914(Amtsblatt Stück 39 unter Nr. 1102) mit Ermächtigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hiermit folgendes: § 1. Klauenvieh— Rinder, Schafe, Schweine— das aus der Provinz Ostpreußen stammt und in den Regierungsbezirk Arnsberg eingeführt werden soll, darf, auch wenn es den Magerviehhof in Friedrichsfelde bei Berlin berührt hat, nur mittels des Eisenbahntransports eingebracht werden und unterliegt bei der Entladung einer amtstierärztlichen Untersuchung. § 2. Für die Entladung solchen Klauenviehs werden nur die Eisenbahnstationen in Dortmund und die in nächster Nähe gelegene Bahnstation zu Brackel, Landkreis Dortmund, zugelassen. § 3. Der Besitzer oder Führer des Viehtransports hat der Ortspolizeibehörde und dem für die Entladestelle zuständigen Kreistierarzte 12 Stunden vor dem Eintreffen des untersuchungspflichtigen Viehs Anzeige zu erstatten und darf das Vieh nicht eher von der Entladestelle entfernen, als bis die amtstierärztliche Untersuchung stattgefunden hat. Ueber das zur Einfuhr gelangende Vieh sind Ursprungszeugnisse beizubringen. § 4. Klauenviehtransporte, die aus der im§ 1 genannten Provinz in den Regierungsbezirk Arnsberg eingeführt werden, sind am Bestimmungsorte für die Dauer von 14 Tagen in besonderen Räumen unter polizeilicher Beobachtung zu stellen. Demgemäß sind diese Viehtransporte in den Pferdeboxen auf der neuen Rennbahn in Wambel unterzubringen. Es bleibt vorbehalten, für die Unterbringung des der Beobachtung unterliegenden Klauenviehs weitere Räume zu bestimmen. § 5. Ein Wechsel des Standorts ist während der polizeilichen Beobachtung verboten. Die Abschlachtung dieses Viehs kann unter den für die Ausfuhr aus Beobachtungsgebieten geltenden Bedingungen—§ 166° V. A. V. G.— von der Polizeibehörde gestattet werden. § 6. Nach Ablauf der 14tägigen Beobachtung ist das Vieh durch den Kreistierarzt oden dessen gesetzlichen Vertreter nochmals zu untersuchen. Wenn diese Untersuchung die Unverdächtigkeit der Tiere ergibt, so ist die Beobachtung aufzuheben. § 7. Auf diejenigen Viehtransvorte, welche zur sofortigen Abschlachtung in einem öffentlichen Schlachthause bestimmt sind und dem letzteren direkt zugeführt werden, finden die Bestimmungen des§ 4 keine Anwendung. § 8. Die Kosten für die amtstierärztliche Untersuchung bei der Entladung des Viehs sind vom Eigentümer zu tragen. Wenn über die Höhe derselben zwischen diesem und dem beamteten Tieraizte eine gütliche Einigung nicht erzielt wird, so werden die Kosten durch mich festgesetzt; hierbei werden die Grundsätze der von mir erlassenen Gebührenordnung für die Untersuchung von Händlerschweinen vom 15. Februar 1913—. Amtsblatt Stück 8 für 1913— Anwendung finden. Die Kosten der amtstierärztlichen Untersuchung nach abgelaufener Beobachtung fallen der Staatskasse zur Last. § 9. Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung werden nach§ 74 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 bestraft. § 10. Diese Anordnung tritt mit ihrer Veröffentlichung im hiesigen Amtsblatte in Kraft; ihre Aufhebung wird erfolgen, sobald die zur Zeit bestehende Seuchengefahr beseitigt ist. Arusberg, den 26. Januar 1915. Der Regierungs=Präsidenk. I. 14 Nr. 207. J. V. Frhr. v Houwald. Bekanntmachung. Im Hinblick auf die außerordentlich große Bedeutung, die die Küchenabfälle für die Erhaltung eines möglichst großen Viehbestandes und damit für die Ernährung des Volkes gewinnen lassen, ist der Sammlung und Verwertung der Küchenadfälle als Viehsutter besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Diejenigen Haushaltungen des hiesigen Stadtbezirks. welche derartige Küchenabfälle abzugeben haben und solche Haushaltungen, welche die Küchenavfälle für die Fütterung der landwirtschaftlicken Nutztiere verwerten wollen, werden ersucht, entsprechende Anträge im Büro des Stadtsekretärs (Zimmer 19 neues Rathaus) zu stellen oder schriftlich dieses dem Unterzeichneten mit zuteilen. Schwerte, den 25. Januar 1915. 824 Der Bürgermeiser: Rohrmann. Allgemeine Ortskrankenkasse für den Amtsbezirk Ergste. Auf Grund des Kriegsgesetzes werden für die Dauer des gegenwärtigen Krieges die Beiträge au 4½% des Grundlohnes, vom 1. Januar 1915 ab, festgesetzt. 627 Der 2. Vorsitzende: Rademacher. Wieder frisch eingetroffen Grüne Heringe 3 p. 50 Pf. Kabliau Backinge Heringe in Gelee Freitag große Sendung Kieler Sprotten per Kiste nur 00 Pfg. Raufhaus fm Lebensmme. Brückstraße 23. 6 2o for nin golungen einen grossen Posten Kleider- und Blusenstoffe weit unter Preis einzukaufen. bekannte Qualitäten nur Kleiderstoffe Blusenstoffe jrüh. Wert teils über 2.00 Mk., Jetzt nur 75, Haustuch beliebte Ware für Kleider nur 45 75 prg. 65 pg. Pfg. p. Meter In schwarzen und weissen Kleiderstoffen für Konfirmandinnen und Kommunikantinnen besonders günstige Kaufgelegenheit— Ferner empfehle mein grosses Lager in: Unterröcken, Korsetts, Handschuhen, Wäsche. i Alle diese Waren noch zu alten Preisen. Wilhelm Sasse Nacht. ½4 Schwerte, Hüsingstr. 3. 621 Fernruf 297. Stulenbesitzer frei. g des vom Stations. Vertritungs=Plan der Beschäler des Königlichen Landgestüts Warendorf zur Deckzeit 1915. Bemerkung: E.=Edelzucht, A.=Arbeitsschlag, A=H.=Aushilfshengst. Warendorf, den 20. Januar 1915. Der Landstallmeister. Biiginal Bordeaux=Rolwein (Südfrankreich) Bezug in Original=Oxhoff=Fässern. Eigene Abfüllung, daher billigste Preisberechnung, per Flasche 1.10, 1.30, 1.50 und 2.00 Mk. inkl. Flasche. Carl Raffin, Gasthof„Zur Helle“ Telephon 251. Eio schdngebauter Ein Gehlen Jahr alt, schwarz ohne Abzeichen, zu verkaufen. 618 Leiar. Thüner, Ergste. Eine hochtragende zu ver’aufen. 616 August Naber, Ergste. Zuet trogende Hiegen zu verkaufen. 622 Westhofen, Wasserwerk 54. Ein 623 Hohaternung (wachsam) zu verkaufen. erfr. in d. Geschäftsstelle dieser Zeitung. Es wird gebeten. kleinere Anzeigen möglichst bei Aufgebe zu bezahlen. Die Geschäftsstelle der „Schwerter Zeilung". Khorta Suppen Spargel, Wiener, Reis. HInaUnburg Kartoffel, Erbs, Weibertreu, Königin, Geflügel, Pilz empfiehlt Sart Bei dem gegenwärtig herrschenden Kohlenmangel empfehlen wir als vorzügliches Brennmaterial von großem Heizwert: Gabeinons zu 0.30 Mn. für den beniner ab Gaswerk. Koks mit Kohlen vermischt, eignet sich als gutes Heizmaterial für jeden Ofen. Schwerte;, den 1. Februar 1915. sos Verwaltung des städtischen Gaswerks. Bekanntmachung. S 1. In der mit dem S. Februar beginnenden und am 1. Juli endigenden Deckperiode 1915 decken auf der Königlichen Beschälstation Eichlinghofen und Schwerte nachbezeichnete Beschäler zu folgenden Sätzen: 1. Osthello, v. Isaac 20 Mk. 2. v. Farceur 15 Mk. 3. Diedrich. v. Diabolo 15 Mk. 4. Restor, v. Nennheim 15 Mh. 5. Isidor, v. Isaac 15 Mk. 6. Ignatz. v. Isidor 15 Mk. Die Deckstunden sind für Februar von 8 bis 9 Uhr vormittags und von 4 bis 5 Uhr nachmittags, für März dis zum Schlusse der Deckzeit von 7 bis 8 Uhr vormittags und von 5 bis 6 Uhr nachmittags. Außerdem von 11 bis 12 Uhr täglich. An Sonntagen finden keine Bedeckungen statt. Stulenbesitzer, die Königliche Beschäler und Aushülsehenaste benutzen, unterwersen sich den im Nachstehenden aufgeführten Bestimmungen. § 2. Die Auswahl des Hengstes stehl dem Es darf jedoch keine Stute ohne Vorzeigung halter ausgefertigten Deckscheines. in dem der gewünschte Hengst bezeichnet ist, zum Decken zugelassen werden. Die angedeckte Stute darf im Lause einer Deckperiode dem Beschäler so lange zugeführt werden, bis sie sicher abgeschlagen hat. Der Gestütwärter hat die Verpflichtung, die Stule, auch wenn sie bereits abgeschlagen hat, ofter zum Nachprovieren zu bestellen. Die Herren Stutenbesitzer werden in ihrem eigenen Interesse gedeten, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Bei Aufstellung von Beschälern verschiedener Zuchlrichtung dürfen solchen der Edelzucht nur Stuten der Edelzucht, den Beschäler des Arbeitsschlages nur Stuten des Arbeitsschlages zugeführt werden. Kreuzungen nach der einen oder andern Richtung sind unbedingt verboten. S 3. Fohlenstuten, Stulbuchstuten und solche, die noch keine Sprünge erhalten haben, sind bei der ersten Rossigkeit den Stuten vorzuziehen, die schon öfter gedeckt sind. § 4. Wird ein Beschäler im Laufe der Deckperiode durch Krankheit. Versetzung nach einer andern Station oder aus sonstigen Gründen verhindert, die von ihm angedeckte Stute nachzudecken, so erhalten diese Stuten einen andern Hengst der Station zugewiesen. In besonderen Fällen können auch benachbarte Stationen zu diesem Zwecke benutzt werden. Der betreffende Stutenbesitzer hat alsdann zuvor die Genehmigung der Gestütdirektion einzuholen. Diese stellt eine dahin laulende Bescheinigung aus, die gleichzeitig mit dem Deckschein der ersten Station im Lause der Deckperiode dem Stationshalter der anderen Station vorgelegt werden muß. § 5. Das Deckgeld ist vor dem ersten Sprunge an den Stationshalter zu entrichten. Durch die Entrichtung des Deckgeldes wird die Berechtigung zur Benutzung der Landbeschäler nur für die laufende Deckperiode erworden. § 6. Stutenbesitzer. die auf ein= und derselben oder auf zwei verschiedenen Stationen durch einen zweiten Hengst nachdecken lassen, sind für den Fall, daß der Deckgeldersatz für die benutzten Hengste nicht gleich hoch bemessen ist, stels zur Zahlung des höheren Deckpreises verpflichtet. Etwaige Differenzdeträge an Deckgeld werden durch die beteiligten Stationshalter dergestalt ausgeglichen, daß das volle Deckgeld auf derjenigen Station verrechnet wird, die den teureren Hengst gestellt hat. S 7. Stutenbesitzer, die ohne vorherige Genehmigung der Gestüldirektion auf anderen Stationen nachdecken lassen, bezahlen das volle Deckgeld für den dort benutzten Hengst ebenso wie auf der ersten Station. S 8. Die Niederschlagung fälliger Deckgelder kann auch dann nicht beansprucht werden, wenn die Stuten vor der Geburt eines aus der Bedeckung stammenden Fohlens eingehen. S 9. Von dem Augenblick der Zuführung der Stuten zu den Königlichen Beschälern ab haftet die Gestütverwaltung für keinerlei den Stuten oder ihren Besitzern oder deren Beauftragten durch den Hengst zugefügte Beschädigungen oder Verletzungen. Insbesondere wird jede Ersatzpflicht aus§ 833 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und jede Haftung der Gestütverwaltung für ein etwaiges Verschulden des Stationshalters, der Gestütwärter und sonstiger Personen, die aus Anlaß des Deckaktes irgendwie tätig werden(§§ 278, 881 usw. BGB.), ausgeschlossen. Warendorf, den 26. Januar 1915.. 532 Königliche Geftütdirektion. In Silber und Gold ersteigert auf den Plandverkäufen werden zu den billigsten Preisen 4907 verkauft. DORTMUND Nicolalstr. 5 Balkenstr. 38 beim Bezirks- Kommando Pfandleih-Anstalt M. Lion& Semp. Au für Wurst, Schokolade und Zigarren geeignet sind worrätig in der Kegiekung=rezirk Städtforst Schwerte(Kuhr). Im Wege des schriftlichen Aufgebots soll nachstehend verzeichnetes, zum Teil noch nicht eingeschlagenes Grubenholz verkauft werden: Eichenslammbolz I. bis V. Kl. 120 fm. Eichenstangenholz k. bis m. Kl. 30 fm. Nadelbolzstammbolz II. bis IV. Kl. 50 fm. Die Angebote sind für den fm. Eichen von 7—11 cm Stangenholz,„zur Lohgewinnung geschältes" und„für nicht geschältes“ Holz abzugeben. Ebenfalls sind die Angebote für die Stärken von 12—29 cm und von 30—39 cm Durchmesser, bei Nadelholz für den fm III. und IV. Klasse abzugeben. Die verschlossenen u. mit der Aufschrift„Holzverkauf“ versehenen Angebote sind bis zum 1. März 1915 an den Magistrat abzugeben und müssen die ausdrückliche Erklärung enthalten, daß der Leiter die ihm bekannten Verkaufsbedingungen anerkennt Die Bedingungen können gegen eine Schreibgebühr von 50 Pfg. vom Stadtförster Schwarz bezogen werden, der auch zu jeder gewünschten Auskunft bereit ist. Schwerte, den 28. Januar 1915. #0: Der Magistrat: Rohrmann. Bochbandlung CARL BRAUS Trauer. SCHWERTE(RUTR), Gr. Marktstrasse 3—5 krüder“. liefert schnell und sauber den Garten zeigen.— Liesel!“ sie dann ins „Ja, ich comme schon!“ antwortete eine helle Stimme von oben. Zwei stinke Füße liefen treppab, und ehe der Fremde noch recht wußte, was geschah, stand vor ihm ein junges Mädel, schüttelte die dunklen Locken aus der Stirn und sah ihn mit lustigen blauen Augen fozschend an. ser Gerr „Liesel,“ sagte ihre Mutter,„vieser Heer hat früher hier gewohnt und möchte nun gern unsern Garten sehen, du kannst ihn hindurchführen und ihm alles zeigen: Liesel, die aufmerksam zugeführt hatte nickte eifrig. „Ja,“ wandte sie sich an den Fremden,„dann müssen Sie unsern Garten sehen und nachher auch das Haus, und dann erzählen Sie mir, wie es früher hier ausgesehen hat, nicht wahr?" Sie ging zur Hintertür, durch die man direkt in den Garten trat, und er folgte ihr, mechanisch, wie im Traum. Schien denn die Sonne heute so hell in den alten dunklen Gang, daß er ganz geblendet war? Oder war's nur der Glanz in den blauen Augen des Mädchens?— Und wie im Traum ging er dann neben ihr her durch den Garten, soh, daß alles fast unverändert war, hörte Liesels fröhlichem Plaudern zu und nahm die weißen Rosen, die sie ihm reichte. Endlich bat sie ihn, nun zu erzählen, wie es früher gewesen wäre, wo er jetzt wohne usw. Da erzählte er ihr von seinem Leben, seinem Ringen und Kämpfen da drüben in Amerika, von allem, sogar von seiner Sehnsucht, die er selbst nicht verstand. Er begriff nicht, warum er ihr das alles sagte, was er noch nie einem Menschen gesagt; aber es war in ihm wie eine zwingende Macht, daß er es ihr erzählen mußte. Und als er dabei in ihre Augen sah, schimmerten sie von Tränen. Und als er sich endlich von ihr verabschiedete, fühlte er, daß ihre Hand in der seinen leise zitterte. Da bekam er Herzklopfen, und in der Nacht träumte er, daß er Hand in Hand mit ihr durch einen herrlichen großen Garten ginge, und daß sie fröhlich waren wie die Kinder.— Am folgenden Tage bekam er Lust, auch die Umgebung des Städtchens wieder zu durchstreisen, ein wenig durch die Wiesen und in den Wald zu gehen. Er tat's und fühlte sich so jung und leicht, wie seit langem nicht mehr. Es war doch gar zu schön in der Heimat! Die Blumen blühten, die Vögel.sangen, und da drüben— saß da nicht eine am Bach und pflückte Vergißmeinnicht? Und eine, die er kannte?— Liesel! Wirklich, sie war es!— Er begrüßte sie voll Freude und half ihr eifrig beim Blumenpflücken. Nachher gingen sie zusammen durch den Wald, aber in der Nähe der Stadt trennten sie sich; er fühlte mit feinem Takt, daß es Liesel unangenehm war, mit ihm durch die Straßen zu gehen. Ein Weilchen standen sie noch zusammen. Er rang mit sich; sollte er ihr etwas von seiner Liebe sagen? Durste er es?— Je länger er so kämpfte, desto stärker wurde seine Leidenschaft.“ Es kam über ihn wie ein wilder Taumel, daß er sie an sich reißen mußte und sie küssen— auf Stirn, die Augen, die Lippen,— immer wilder, immer glühender. Und sie hing in seinen Armen, schlaff, fast leblos, und ließ den ganzen Sturm der Leidenschaft ohne Widerstand über sich ergehen. Doch spürte er einmal, daß sie seine Küsse erwiderte, flüchtig nur wie ein Hauch; aber für ihn war es ein deutliches Eingestehen ihrer Liebe, das ihn unendlich glücklich machte Plötzlich—— ein leises Geräusch—! Knackte ein Ast?— Hatte man sie belauscht?— Liesel riß sich los von ihm und flog wie gejagt durch das Dickicht. Einen Augenblick stand er noch und blickte sich um. Es blieb alles still. Nur das Plätschern des Baches und das leise Rauschen des Waldes war zu hören. Da ging er langsam auf einem Umweg nach dem Städtchen zurück. Unterwegs beruhigteer sich etwas, die heiße Leidenschaft wich einer tiefen innigen Freude. Nun hatte er ja ein Herz gesunden, das ihn verstand und liebte. Und wie bald, wie schnell! Alle Härte und Verbitterung der letzten Jahre war wie weggewischt aus seinem Herzen.„Ueber Nacht, über Nacht, da kommt das Glück!" jubelte es in ihm.— Noch einige Tage sollten darüber hingehen, dann wollte er ihren Eltern einen Besuch machen und um Liesels Hand bitten. Natürlich mußte er nun sein unstätes Leben aufgeben, und er zweifelte nicht, daß er bald eine Stellung finden würde, die ihm und seiner Liesel eine sichere Zukunft bieten sollte. Im Geiste sah er schon ein nettes Häuschen, in dem Liesel als seine junge Frau schaltete; er sah sich selbst am Abend müde nach Hause kommen, sah, wie sie ihn fröhlich begrüßte und iym alles so behaglich machte, wie er es nur wünschen konnte. Einige Tage später hörte er zufällig, daß Liesel nicht mehr zu Hause wäre. Es wurde allerlei gemunkelt, dunkle Gerüchte: sie hätte Streiche gemacht, ihre Eltern wären sehr böse, hätten sie fortgeschickt, usw. Er war bestürzt, als er das hörte: sollte man sie doch im Walde zusammen gesehen haben—? In seiner Angst wußte er sich keinen andern Rat, als sogleich zu ihren Eltern zu gehen. Er kam ans Haus— die Läden waren geschlossen. Er klingelte— niemand öffnete. Er fragte Vorübergehende, ob die Bewohner des Hauses nicht anwesend wären.„Sie müssen wohl verreist sein,“ wurde ihm geantwortet. Keiner wußte Näheres.— Da ergriff ihn die Verzweiflung; noch am selben Tage packte er seine Sachen und reiste abends fort, in die dunkle, kalte Welt hinaus— wieder ein Fremder unter Fremden.— Es war, als sei etwas in ihm erstarrt—— gestorben. „Und keine Träne heißer Reu' Macht eine welle Blume blühn, Crweckt ein totes Herz aufs neu“!“ (Geibel). 9 Auch eine Kritik.„Nun, was sagen Sie zu meinem neuen Anzug?“„Ach, ich wollte, ich wäre ein so guter Geschäftsmann wie der Mann, der Ihnen diesen Anzug verkaufte." I... * Der sicherste Beweis. Betty:„Ich werde nicht heiraten, wenn es nicht ein Held sein kann.“ Alice:„Dann gib ihm nur eine Aufstellung deiner jährlichen Ausgaben, und wenn der Bewerber dann nicht zurücktritt, dann ist er einer.“ * Verhängnisvoll. Erster Herr:„Ich bin ganz außer mir! Nun regnet es wie mit Kannen, und meine Frau ist ohne Schirm ausgegangen.“ Zweiter:„O, sie wird sich schon in ein Warenhaus retten.“ Erster:„Aber deshalb bin ich ja gerade so außer mir.“ .* vudo ono für den kreis börde Amtliches Kreisblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 29. Donnerstag, 4. Februar 1915. Im Cleitenerand. R 6ene 95 Orig'nal-Kriegeroman aus ernster Zeit von Rudolf Zollinger. (6. Fortsetzung.)(Nachdruck verboten. Alle Rechte vorbehalten.) ine halbe Stunde später brachte der Postbote Erich einen Brief mit dem Minchener Ortsstempel. Es war das erste Mal, daß er Herthas Handschrit sah, und doch redete er sich ein, daß er diese schlanken, zierlichen und doch so bestimmten Züge auch unter anderen Umständen sofort als die ihrigen erkannt haben würde! Aber merkwürdig! So fieberhat und beinahe unerträglich die Ungeduld gewesen war, mit der er dem Eintreffen dieses Briefes entgegengeharrt hatte, so schwer konnte er sich jetzt entschließen, ihn zu erbrechen. Jetzt, da er wußte, daß er die Entscheidung in den Händen hielt, war all seine gestrige Freudigkeit und Zuversicht mit einem Mal wie weggewischt aus se nem Herzen! Und vielleicht zum ersten Male seit seinen Knabenjahren ertappte er sich auf einer Anwandlung wirklicher Feigheit, die abzuschütteln es einer energischen Willensanstrengung bedurfte. Er ließ sich vor dem Schreibtisch in einer Ecke des großen Atelierraumes nieder und schnitt langsam den Briefumschlag auf. Schon die Anrede wollte ihm nicht gefallen; denn sie lautete: „Mein lieber Freund!“ Hastig drehte er den eng beschriebenen Bogen, um nach der Unterschrift auf der vierten Seite zu spähen. Und als er da lesen mußte: „In steter Freundschaft Ihre Hertha von Raven“ — da wußte er, daß dieser Brief dazu bestimmt war, ihm eine grausame Enttäuschung zu bereiten. Aber er biß die Zähne zusammen und las ihn von Anfang bis zu Ende. Er lautete: „Mein lieber Freund! Ich habe Ihnen Wahrheit versprochen— da ist sie! Und sie heißt: Ich kann niemals die Ihrige werden. Vielleicht wäre es am besten, wenn ich mich auf diese sechs Worte beschränkte; ja, es wäre vielleicht sogar meine Pflicht. Aber ich bin Ihnen eine Erklärung meines gestrigen Verhaltens schuldig—. eine Erklärung, von der ich freilich nicht erwarten darf, daß sie Ihnen auch als eine Rechtfertigung erscheinen werde. Denn ich selbst bin weit entfernt, sie dafür zu halten. Ich sagte Ihnen schon gestern, daß ich verlobt bin; aber ich sagte es Ihnen um einige Minuten später, als ich es hätte tun müssen. Dafür gibt es keine Entschuldigung! Ob es sich bei wohlwollender Prüsung wenigstens begreifen läßt, mögen Sie beurteilen, nachdem Sie die folgenden Zeilen gelesen haben. Ich bin die Tochter eines ostpreußischen Gutsbesitzers, eines Mannes, der sich vor Jahrzehnten nur sehr ungern entschloß, den Säbel mit der Pflugschar zu vertauschen. Er hatte nie mit dieser Möglichleit gerechnet; denn er war der jüngste von drei Brüdern gewesen, die ihm nach dem natürlichen Verlauf der Tinge bei der Uebernahne des alten Familienbesitzes hätten vorangehen müssen. Aber der älteste Bruder fiel im Duell mit einem russischen Grafen, und der zweite starb auf etwas geheimaisvoe Weise nach sehr kurzer Krankheit in Nizza. Mein Vater mußte seinen Abschied nehmen, um Mallente zu bewirtschaften. Aber er sand die denkbar ungünstigsten Verhältnisse vor, und sein ganzes Leben ist im Grunde nihts anderes gewe en als ein steter, aufreibender Kampf um die Existenz. Er ist in diesen Kampfe früh gealtert und ein rauher, verbitterter Mann geworden, dessen edle Charattereigenschaften nur denen offenbar werden, die den redlichen Willen und die Möglichkeit haben, sie zu ergründen. Vielleicht hätten die ewigen Sorgen nicht in so hohem Maße Gewalt über ihn gewinnen können, wenn ihm in seinem Famllienleben das Glück geblüht hätte, ohne das sich schließlich auch der Stärkste nicht dauernd aufrecht erhalten kann. Aber es war, als sei er vom Schicksal dazu ausersehen, alle Bitterleiten des Lebens bis zum Grunde auszukosten. Ich muß mich auf diese Andeutungen beschränken, denn Sie werden es verstehen, daß ich nicht Geheimnisse preisgeben kann, die nicht die meinigen, sondern die meiner liebsten und teuersten Menschen sind! Ich habe noch drei Geschwister, einen Bruder und zwei Schwestern. Nur die jüngste von uns, meine achtzehnjährige Schwester Helga, lebt augenblicklich im Vaterhause. Mein Bruder und die älteste Schwester sind im Auslande, und sie haben sich beide für Berufsarten entschieden, die nicht meines Vaters Billigung finden konnten. Es bestehen darum keine Beziehungen mehr zwischen ihnen und dem Elternhause. Ich möchte fast sagen: sie sind für uns verschollen. Ich selbst hatte bis vor Jahresfrist kaum daran gedacht, mich über das Dilettantische hinaus mit der Malerei zu beschäftigen, zumal ja, wie Sie selbst wissen, mein Talent ein sehr bescheidenes ist. Ebensowenig dachte ich daran, mich zu verheiraten. Unsere Vermögensverhältnisse brachten es mit sich, daß wir nur wenig gesellschaftlichen Verkehr unterhielten, und von den jüngeren ledigen Herren, die hier und da unser Haus besuchten, K wußte überdies jeder, daß ich auf eine nennenswerte Mitgift nicht zu rechnen habe. So fiel es keinem ein, mir ernsthaft den Hof zu machen, und ich vermißte diese Huldigungen auch nicht im geringsten. Der einzige, mit dem mich seit den Tagen der Kindheit ein herzlicheres Verhältnis verband, war mein Vetter Eberhard von Ragolla, der als früh Verwaister schon in der Kadettenzeit seine Ferien bei uns zuzubringen pflegte, und der dann auch als junger Offizier beinahe jeden Herbsiurlaub als Gast unter dem bescheidenen Dache des Herrenhauses von Mallente verlebte. Wir waren die besten Kameraden von der Welt, und ich hatte hundertfältige Gelegenheit, die trefflichen Herzenseigenschaften Eberhards kennen zu lernen. Nie aber kam es mir in den Sinn, daß er mir jemals mehr werden könnte als ein guter Kamerad. Gerade die unbefangene Vertraulichkeit unseres Verkehrs ließ keine derartige Vorstellung in mir aufkommen. Da ereignete sich vor ungefähr einem Jahre etwas, das mich meinem Vetter zu tiesstem, unauslöschlichem Dank verpflichtete, und das mir zugleich die überraschende Gewißheit brachte, daß er mich schon seit langem mit ganz anderen Augen angesehen hatte, als ich ihn! Seit jenem Tage weiß ich, daß er mich mit der ganzen Kraft seines starken und treuen Herzens liebt, und daß er sehr unglücklich sein würde, wenn seine Hoffnungen sich nicht erfüllen. Damit war mir vorgeschrieben, was ich zu tun hatte. Und es hat mich nicht die mindeste Ueberwindung gekostei, mich ihm zu verloben. Ich würde auch unbedenklich in eine baldige Heirat gewilligt haben, wenn nicht andere Hindernisse einer solchen im Wege gestanden hätten. Der Zeitpunkt unserer Vereinigung mußte aus zwingenden Glünden noch um mindestens ein Jahr hinausgeschoben werden. Und ebenso zwingende Gründe waren es, die mich zu dem Wunsche bestimmten, diese Zeit an einem andern Orte als in meinem Vaterhause zu verleben. Ich hielt mich erst kurze Zeit bei einer befreundeten Familie in Königsberg auf und erlangte dann die Einwilligung meines Vaters und meines Verlobten zu einem sogenannten Studienaufenthalt in München. Mit Eberhärd habe ich während meines Hierseins nur in längeren Zwischenräumen korrespondiert. Er ist kein Federheld, und er gehört nicht zu den Menschen, denen es leicht fällt, ihren Empfindungen durch das gesprochene oder geschriebene Wort Ausdruck zu geben. Auch sühlt er sich meiner wohl zu sicher, als daß er es für notwendig hielte, die Erinnerung an ihn durch häufige Briefe in meinem Herzen lebendig zu erhalten. Und es bedurste bessen ja auch in der Tat nicht. Meine Gedanken waren immer bei ihm, aber erst jetzt ist es mir zu meinem Schmerz und zu meiner Beschamung zum Bewußtsein gekommen, daß ich seiner nach alter lieber Gewohnheit viel weniger als meines künftigen Gatten, denn als meines guten Kameraden gedachte. Ich habe mich gewiß manchmal herzlich nach ihm gesehnt, aber das Gedenken an ihn war für mich nicht das Bollwerk gegen jede Versuchung, das es mir hätte sein müssen. Wie schwer, wie unverzeihlich ich mich damit versündigt habe, ist mir nun seit dem gestrigen Tage beschämend genug klar geworden. Ich habe mich ebenso tadelnswert gegen Sie benommen als gegen ihn, und es bleibt mir nur übrig, Sie voll tiefer Beschämung und von ganzem Herzen deshalb um Verzeihung zu bitten. Daß es am besten ist, wenn wir einander nie mehr begegnen, muß Ihnen nach dem Gesagten ebenso klar sein wie mir. Und ich rechne in dieser Hinsicht ebenso fest auf Ihre Ritterlichkeit, als ich es für überflüssig halte, Sie erst noch ausdrücklich um Ihre Verschwiegenheit zu bitten. Für Sie wird und darf das gestrige Geschehnis ja nichts anderes bedeuten als eine flüchtige, rasch vergangene Episode in Ihrem Leben. Ich aber werde mich Ihrer und der Freundschaft, deren Sie mich gewürdigt haben, allezeit mit herzlicher Dankbarkeit erinnern. Wenn Sie sich nach diesen Geständnissen noch so viel Interesse für mich bewahrt haben sollten, um sich mit dem Gedanken an meine Zukunft zu beschäftigen, so lassen Sie mich Ihnen aus ehrlicher Ueberzeugung versichern, daß ich an dem ruhigen Glück dieser Zukunft nicht zweifle. Mein Verlobter ist ein ebenso guter als tüchtiger Mensch; er gilt für einen der besten Offiziere seines Regiments, und wenn sich die Befürchtungen erfüllen sollten, die wir leider an das schreckliche Ereignis des gestrigen Tages knüpfen müssen, so wird er vor dem Feinde den Beweis erbringen, daß er auch der Liebe eines hundertmal besseren Weibes würdig wäre, als ich es bin. Sie dürfen also aus diesem Briefe nicht etwa herauszulesen suchen, was gewiß nicht darin stehen soll. Ich sage Ihnen warm und herzlich Lebewohl; aber doch Lebewohl für immer. Und als einen Beweis großmütigen Verzeihens erbitte ich, daß Sie keinen Versuch machen, mir zu antworten. In steter Freundschaft. Hertha von Raven.“ Erich Leuthold brauchte den langen Brief nicht zum zweiten Male zu lesen, um jeden Satz wie etwas Unverwischbares in sein Gedächtnis aufzunehmen. Denn jeder dieser Sätze war ihm auf Herz und Hirn niedergefallen wie ein dumpfer, wuchtiger Schlag. Hertha mußte die halbe Nacht damit zugebracht haben, ihm zu schreiben, und er hatte die Empfindung, daß sie bei der Abfassung dieser unzweideutigen Absage mit der kältesten und ruhigsten Ueberlegung zu Werke gegangen. Jedes Wort erschien ihm wie die Frucht reiflichster Erwägung. Da war auch nicht ein einziger Ton, der wie der Aufschrei eines gequälten Herzens geklungen hätte, nichts, was sich mit der Erinnerung an die selige Hingebung hätte vereinbaren lassen, mit der sie gestern in seinen Armen gelegen. Aber gerade dies Uebermaß von Kälte und Berechnung, dies kluge Umschreiben und Verschleiern waren es, die ihn nach und nach irre werden ließen an der Wahrhaftigkeit dessen, was sie schrieb. Wie, wenn das alles nur eine Maske war! Wenn sie diesen erkältenden Ton zu keinem anderen Zweck und in keiner anderen Absicht angeschlagen hatte, als um ihn über ihren wahren Seelenzustand zu täuschen! Wenn Sie nur hatte verhindern wollen, daß er die Verzweiflung sah, die in ihrem Herzen wühlte! Es war ja nicht möglich, daß er sich so ganz in ihr getäuscht hatte! Tausend Einzelheiten, die plötzlich, wie durch ein Zauberwort heraufbeschworen, greifbar deutlich vor seiner Erinnerung standen, wurden für ihn zu ebenso vielen unwiderleglichen Beweisen, daß Herthas gestriges Verhalten nicht ein flüchtiger Augenblicksrausch, sondern der Ausdruck einer wahren und tiefen Empfindung gewesen war. Was sie von der Zuversicht auf ein ruhiges Glück an der Seite des andern, des Ungeliebten, schrieb, es konnte nimmermehr ihr Ernst sein! Sie mochte nach ihrer Meinung gezwungen sein, sich dem Phantom eines einmal gegebenen Wortes zum Opfer zu bringen, daran aber, daß sie es so leichten Herzens tat, wie es nach ihrem Briefe scheinen sollte, daran glaubte er schon jetzt nimmermehr. Und zugleich mit dem riesengroß anwachsenden Zweifel wuchs auch die Festigkeit seines Entschlusses, sich nicht mit dieser Vernichtung seiner Hoffnungen zufriedenzugeben, sondern jetzt erst recht um sein Glück zu kämpfen. Er bereute die pedantische Gewissenhaftigkeit, die ihn abgehalten hatte, schon an diesem Morgen zu der Geliebten zu eilen, und es war ihm mit einem Male, als dürfe er jetzt keine Minute länger zaudern, das sträflich Versäumte nachzuholen. (Fortsetzung folgt.) De Jagd auf Raubvögel mit Hilfe von Krähenhütten. Der Uhn, die größte unserer Eulenarten und der stärkste unserer einheimischen Nachtraubvögel, verursacht der Jagd großen Schaden durch die Menge von jungem Wild, die er verzehrt, und der Weidmann stellt ihm daher sehr eifrig nach, obwohl seine Erlegung ziemlich schwierig ist. Die Standorte des Uhus sind große Wälder, besonders solche, worin hohe und steile Felsen sind, in deren Ritzen er horstet und nistet und die er gewöhnlich nur in der Dämmerung verläßt. Hier lebt er paarweise, und hier legt das Weibchen zwei rundliche, weiße Eier, die es binnen drei Wochen ausbrütet, worauf es seinen Jungen möglichst viel Beute zuträgt, bis diese selber auf Raub ausfliegen können. Der Jäger läßt sich daher angelegen sein, die Alten, wenn sie Raub eintragen, vor dem Neste hinwegzuschießen und die halbflüggen Jungen womöglich auszunehmen und aufzuziehen, um sie sich für die Jagd dienstbar zu machen. Da nämlich der Uhn ein vollkommener Nachtvogel ist, auf den alle Tagvögel und namentlich alle Tagraubvögel stoßen, um ihn zu rupfen und zu schädigen, so gibt es kein besseres Mittel, um Krähen, Falken, Habichte, Sperber, Weihen und alle Arten von Raubvögeln zum Schuß zu bringen, als wenn man einen lebenden Uhn bei einer sogenannten Krähenoder Uhnhütte anfesselt und damit die Raubvögel herbeilockt. Man errichtet eine Krähenhütte auf einem freien Platze am Waldsaum aus Baumzweigen, Brettern u. dgl., und 10 bis 12 Schritte davon wird der Uhn auf einem Kreuzholze angefesselt. Will man nun Raubvögel schießen, so sorgt man dafür, daß man schon morgens den Uhn aufgestellt hat, damit die Raubvögel beim Ausfliegen den letzteren sehen, worauf sie alsbald ein lautes Geschrei erheben, das noch mehr Raubvögel herbeilockt. Meist kommen die Krähen zuerst und gehen auf den Uhn los; sobald der in der Hütte versteckte Jäger eine oder mehrere heruntergeschossen hat, locken sie durch ihr Geschrei noch mehrere herbei, und so erscheinen denn auch Weihen, Sperber, Bussarde und selbst Habichte, denen man auf diese Weise am besten beikommen kann. Der Anstand auf der Krähenhütte ist das beste Mittel, das schädliche Raubzeug, besonders in der Nähe von Gehegen und Fasanerien, rasch zu vermindern. war. Dann hatte ihn die Wanderlust gepackt. Er hatte viel gelesen von dem Goldlande Amerika, dahin wollte er gehen, um sich Ansehen und Reichtum zu erwerben. Verwandte und Freunde h#### er keine außer dem Vormund, und dem tat es nicht ner, wenn Fremder Mann. Novelle nach dem gleichnamigen Schumannschen Klavierstück von Berti Hermanns. (Nachdruck verboten.) „Fremder Mann, fremd geworden in der Heimat!", immer wieder mußte er das denken, als er durch die altbekannten Straßen wanderte. Zehn Jahre war er fern gewesen, eine lange Zeit; aber das alte Heimatstädtchen war dasselbe geblieben, bis auf eine oder zwei neue Straßen mit eleganteren Häusern, die etwas außerhalb entstanden waren. Da draußen, wo er früher mit seinen Kameraden die lustigen Kriegsspiele auf der großen Wiese gespielt hatte. Und er? Was hatte er alles erlebt seit jener Zeit! Seine Eltern hatte erfrüh verloren, hatte bei seinem Vormund gewohnt und diesem im Geschäft geholfen, bis er mündig er ging. Aus dem Plan wurde die Tat. Aber was er drüben in der Neuen Welt fand, war anders, als er's sich geträumt hatte. Er fühlte sich so fremd, so verlassen; keiner kannte ihn, keiner hatte einen freundlichen Blick, einen ermunternden Händedruck für ihn; und doch sehnte er sich nach einem liebevollen Menschen, nach einem einzigen nur, dem er alles, alles hätte sagen können.— Er fand keinen.— Da hatte er sich auf die Arbeit gestürzt und hatte endlich mit eiserner Willenskraft in hartem Kampf ein kleines Vermögen erworben. Viel war es nicht, doch reichte es zu einer Reise in die Heimat, auch wohl noch etwas weiter.— Hart und rauh war er geworden im harten, rauhen Leben, aber im innersten Herzen war ihm die Sehnsucht geblieben, die Sehnsucht nach der Heimat und— nach einem lieben Menschen. Und nun war er wieder hier. Würde er hier finden, was er süchte?— Er ging zu einigen, mit denen er früher auf der Schulbank gesessen. Es waren alles gutgestellte, zufriedene und ruhige Bürger in der ruhigen, kleinen Stadt; aber sie verhielten sich gegen ihn, den Herumstreicher und Vagabunden, wie sie ihn heimlich nannten, kühl und ablehnend. Sie verstanden ihn alle nicht. Fühlten nicht, wie er sich nach Liebe sehnte. Einmal hörte er zufällig ein Gespräch von zweien dieser „Freunde“, ohne von ihnen gesehen zu werden. Sie redeten von ihm. „Weißt du,“ begann der eine,„dieser Amerikaner ist doch ein ganz sonderbarer Kauz geworden." „Ja,“ erwiderte der zweite,„ich glaube, er hat kein Herz, und wenn er eins hat, ist's von Stein.“ „Na ja,“ meinte der erste wieder,„viel Herz hat er wohl nie gehabt. Weißt du noch, wie seine Mutter gestorben war? Da hat er keine Träne geweint.“ „Es ist schrecklich, was für kalte, gefühllose Menschen es in der Welt gibt!“— Sie sprachen noch weiter, aber der heimliche Lauscher hatte genug gehört. Ein trotziger, verbissener Zug lag auf seinem Gesicht, als er sich nun langsam entfernte. Von dem Tage an ging er zu keinem Menschen mehr und wurde noch rauher und unzugänglicher. „Herzloser,“ sagten die Menschen, und er selbst glaubte es auch fast. Aber das weiche, tiefe Sehnen, das ihn in die alte Heimat gezogen hatte, das blieb in ihm und trieb ihn wieder und wieder zu seinem einstigen Elternhause. Da kam ihm, als er einmal sinnend vorüberging, der Wunsch, den Garten wiederzusehen, in dem er als Kind so viel gespielt. Wie von innerer Macht getrieben, ging er zur Haustür und zog an der Glocke. Laut schrillte der Klang durchs Haus: Derselbe Klang, dieselbe alte Glocke, wie zu seiner Kinderzeit. Plötzlich kam er zur Besinnung. Was tat er? — Das Haus gehörte ja jetzt fremden Leuten, er hatte kein Recht mehr darin. Sie würden ihn erstaunt ansehen, wenn er sein Anliegen vorbrächte. Am liebsten wäre er wieder fortgegangen; aber es war schon zu spät. Die Tür öffnete sich, und heraus schaute eine freundliche ältere Frau und fragte ihn, was er wolle. Da nahm er sich zusammen, nannte seinen Namen, erzählte auch, daß er früher in diesem Hause gewohnt, und bat zuletzt um die Erlaubnis, den Garten einmal sehen zu dürfen. „Recht gern,“ sagte die Frau,„ich will meine Tochter rufen, die kann mit Ihnen gehen und Ihnen