Amtliches Kreisblatt für den kreis börde #e Stmem Seiuer nicen dalch außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Gratisboilage:„Illustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pig., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabalt u. erlischt bei Kon#ursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Rebscchbund erncht.-Sotinsstelsame. 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Herr Helfferich, der bekanntlich vor kurzem zum künftigen Staatssekretär des Reichsschatzamtes ausersehen worden ist, hat auf Grund der Veröffentlichungen der Dreiverbandsmächte die Zusammenhänge der diplomatischen Verhandlungen, die dem Kriege unmittelbar vorhergingen, verfolgt. Er hat den Nachweis geführt, daß nach diesen Dokumenten selbst die von unseren Gegnern verbreitete Mär von dem Kriegswillen Deutschlands in nichts zusammenfällt, daß vielmehr im eigenen Spiegelbilde Rußland als der Brandstifter, Frankreich und England als Mitschuldige Rußlands erscheinen. Am Schbusse seiner Ausführungen stellt er fest, daß folgende verderbliche Kräfte am Werke waren, unsere Feinde zu der unverantwortlichen Kriegshetze gegen uns und zum Ausbruch des Weltkrieges zu treiben: Bei Rußland der Drang nach der Vorherrschaft im nahen Orient, doppelt stark seit der Niederlage im Krieg mit Japan, und entschlossen, bei Aussicht auf Erfolg jeden Widerstand der Zentralmächte gewaltsam zu brechen. Bei Frankreich die verhängnisvolle Orientierung der Gesamtpolitik nach dem negativen Pol des mit Furcht gepaarten unversöhnlichen Revanchedurstes, auslaufend in die immerwährende Bereitschaft, mit jedem starken Gegner Deutschlands gegen uns zu marschieren. Bei England der Handelsneid gegen jede aufstrebende Wirtschaft, dazu die instinktive Gegnerschaft zur stärksten Kontinentalmacht und die Tradition der gewaltsamen Unterdrückung jedes kontinentalen Strebens nach Seegeltung. Die Verflechtung von Schuld und Verhängnis bei unseren Feinden im einzelnen klarzustellen und darzulegen, werde dereinst die große Aufgabe der Geschichtsschreiber unserer Zeit sein. Kaisersgeburkslagsfeier im Großen Haupiquarier. Berlin, 28. Jan. Aus dem Großen Hauptquartier meldet der Berichterstatter des„Berl. Tagebl.“ über die Kaisersgeburtstagsfeier: In einem kahlen Raume, an der Rückwand ein Altar mit Decke, rechts und links militärische Embleme, fand der feierliche Gottesdienst anläßlich des Geburtstages des Kaisers statt. Die Altardecke ist ein Geburtstagsgeschenk der Kaiserin. Das Haus ist ganz gefüllt mit einer dicht zusammengedrängten Menschenmenge, Truppen, Rote Kreuz=Schwestern msw. Auf der Estrade der Kaiser ganz allein vor allen, auf einem Stuhle. Hinter ihm Prinz Oskar. Um den Kaiser der Reichskanzler, Großadmiral v. Tirpitz, der neue Kriegsminister, das Gefolge und hohe Militärs, unter ihnen Offiziere der österreichisch= ungarischen und der türkischen Armee. Hofprediger Eoens hielt die Festpredigt über das Bibelwort: Er legt uns eine Last auf, aber er hilft sie uns auch tragen. Den Schluß des Gottesdienstes bildete das Niederländische Dankgebet, das von allen Anwesenden mit tiefer Ergriffenheit gesungen wurde. Nach dem Festgottesdienst nahm der Kaiser draußen den Vorbeimarsch der Truppen entgegen. Der Monarch begrüßte die zahlreichen Offiziere des Hauptquartiers und die Kriegsberichterstatter, an die er folgende Worte richtete, die man als eine Anerkennung für die gesamte Presse ansehen kann: Euuten Morgen, meine Herren! Ich mache Ihnen mein Kompliment. Sie Eine schweie Aiedertage der Frungosen. Großes Hauplquartier, 27. Jan. Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Nieuport und Voern fanden nur Artilleriekämpfe statt Bei Cuinchi, südöstlich La Bassee, versuchte der Feind gestern abend die ihm am 25. Januar entrissene Stellung zurück zu erobern Das Bemühen war vergeblich; der Angriff brach in unserem Feuer zusammen. Die schon gestern gemeldeten Kämpfe auf den Höhen von Craonne hatten vollen Erfolg. Die Franzosen wurden aus ihren Höhenstellungen westlich La Creute=Ferme und östlich Hurtebise geworfen und auf den südlichen Abhang des Hügels gedrängt. Mehrere Stützpunkte auf einer Breite von 1400 Mtr. wurden von den Sachsen im Sturm genommen. 865 unverwundete Franzosen wurden gefangen genommen. 8 Maschinengewehre erobert, 1 Pionierdepot und viel sonstiges Material erbeutet. Stdöstlich St. 1 Mihiel nahmen unsere Truppen einen französischen Statzpunkt. Gegenangriffe der Franzosen blieben erfolglos. In den Vogesen liegt hoher Schnee, der unsere Bewegungen verlangsamt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die ru sischen Angriffe nordöstlich Gumbinnen machten keine; Fortschritte. Die Verluste des Feindes waren stellenweise schwer. In Polen keine Veränderung Oberste Heeresleitung. Ein Erstig der Besterreicher in den Rarpachen. wtb Wien, 28. Jan. Amtlich wird verlautbart vom 27. Januar: Im oberen Ungtale wurde gestern der Gegner aus seinen Stellungen auf den Grenzhöhen beiderseits des Uszoker Passes geworfen. Einer der wichtigsten Karpathenpässe, um dessen Besitz im Verlaufe des Feldzuges schon oft mit Erbitterung gekämpft wurde, und der seit dem 1. Januar von den Russen besetzt, stark besestigt und durch mehrere hinter einander liegende gute Stellungen zäh verteidigt wurde, gelangte hierdurch nach dreitägigen Kämpfen wieder in unseren Besitz. Nordwestlich des Uszoker Passes, sowie im Latorcza= und Nagy=Ag=Tal dauert der Kampf noch an.— In Westgalizien und Polen infolge Schneegestöbers nur mäßiger Artilleriekampf. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Niene Bfsensior der Turnentim Raunusas. wtb Konstantinopel, 28. Jan. Das Große Hauptquartier meldet: Im Kaukasus rückten unsere Truppen, von neuem zur Ofsensive übergehend, in der Richtung auf Olü vor, warfen den Feind, der sich vor ihrer Front befand, zurück uund erbeuteten eine Menge Kriegsmaterial. Die Russen äscherten während dieses Rückzuges das russische Dorf Narwan ein, um das dort befindliche Kriegsmaterial nicht in unsere Hände fallen zu lassen. Die Seeschlacht bei Beigbland. Stockholm, 27. Jan. Der„Köln. Ztg.“ wird von hier aus gemeldet: Die Zeitung„Stockholms Dagbladet“ schreibt über die Seeschlacht bei Helgoland: Vergleicht man die Gewichte der Geschosse einer Breitseite der beteiligten englischen und dautschen Schiffe, dann sindet man, daß diese bei den Engländern ungefähr 20 590 Kg. betrugen und bei den Deutschen nur 11130 Kg. Daß es der englischen Flotte unter solchen Umständen gelang, ein deutsches Fahrzeug zu versenken, ist nicht verwunderlich. Man hätte eher größere Verluste auf deutscher Seite während des vierstündigen Kampfes gegenüber einer so bedeutenden Uebermacht erwarten können. Daß es den drei deutschen Panzerkreuzern gelang, sich zurückzuziehen, scheint darauf zu deuten, daß die modernen Dreadnoughtsfahrzeuge eine gehörige Beschießung vertragen können. Die englischen Verluste in der Nordseeschlacht. tu Berlin, 28. Jan. Der„L.=A.“ berichtet aus Rotterdam: Eine amtliche Meldrung aus London schreiben ja famos. Ich danke Ihnen dafür. Sie leisten Vorzügliches. Ihre Artikel haben einen hohen patriotischen Schwung. Ich lese sie gern. Das ist auch für unsere Leute in den Schützengräben von hohem Werte, wenn wir ihnen solche Sachen schicken können. Und nun noch eins, gibt nunmehr zu, daß die englische Flotte beim Kampfe in der Nordsee größeren Schaden erlitten hat, als zuerst angegeben wurde. Der Schlachtkreuzer„Lion“ erhielt einen Treffer unter der Wasserlinie. Der Innenraum strömte voll Wasser und das Schiff mußte vom„Indomitable“ ins Schlepptau genommen werden, der Torpedojäger „Meteor“ wurde auch havariert und vom Torpedojäger„Liberty“ ins Schlepptau genommen. Beide Schiffe wurden auf der Rückfahrt durch ein starkes Geleit von Torpedojägern geschützt. Sie können der amtlichen Meldung zufolge bald repariert werden. Der Gesamtverlust an Offizieren und Mannschaften beträgt an Bord der„Lion“ 17 Mann verwundet, an Bord des„Tiger“ 1 Offizier und 9 Mann getötet, drei Offiziere und 27 Mann verwundet. An Bord des„Meteor“ 4 Mann getötet, einer verwundet. Man glaubt nicht, daß esmoch andere Verluste gibt. Sobald aber Admiral Beattys Bericht einläuft, werden weitere Einzelheiten veröffentlicht werden. meine Herren! Merken Sie sich das. Mein Grundsatz auch für diesen Krieg ist das Wort des alten John Knox, des Reformators von Schottland: Ein Mann mit Gott ist immer die Majorität. Das können Sie weitergeben, meine Herren, Unsere Verluste. Unsere Gegner haben es mit der Wahrheit nie“ mals recht genau genommen. Am schlimmsten wird es, wenn sie mit Zahlen arbeiten. Sie begnügen sich dann meist damit, irgend eine ihnen vorteilhafte Angabe als wahr in die Welt zu setzen, ohne auch nur den geringsten Versuch zu machen, Belege dafür beizubringen. Solche Angaben sind offenbar nur dazu da, die sinkende Zuversicht neu zu beleben. Anders ist es wenigstens kaum zu erklären, wenn kürzlich in der Presse des feindlichen Auslandes allen Ernstes behauptet wurde, Deutschland habe an Toten, Verwundeten und Gesangenen 1200000 Mann verloren und wenn ein ganz besonders gut„unterrichteter“. Gewährsmann sogar von 2 Millionen wissen wollte. Wir möchten unseren Gegnern empfehlen unsere sehr gewissenhaft aufgestellten Verlustlisten zu studieren. Sie werden sich dann zu ihrem Schmerz von der völligen Unhaltbarkeit dieser Ziffern über“ zeugen. Es ist nicht nötig, hier alle feindlichen Uebertreibungen zu entkräften. Nur eine ganz besonders dreiste Entstellung sei herausgegriffen. Durch die Presse ging die Meldung, Rußland habe bisher 1140 Offiziere und 134700 Mann von uns zu Gesangenen gemacht. Dem gegenüber konnte unsere Heeresleitung feststellen, daß die Zahl unserer Vermißten auf dem östlichen Kriegsschauplatz im Höchstfalle 15 Prozent, also nicht einmal ein Sechstel dieser Summe beträgt. Wenn wir, wie es nicht anders zu erwarten war, in diesem gewaltigen Kriege erhebliche Verluste gehabt haben, so kann das bei der todesmutigen Betätigung des An“ griffsgeistes unserer Truppen nicht überraschen. Es steht aber fest, daß unsere gesamten Verluste an Toten, Verwundeten, Kranken und Vermißten kaum die Ziffer der in Deutschland kriegsgefangenen Franzosen, Russen, Belgier und Engländer übersteigen. Auch darf man nicht vergessen, daß unsere Listen viele Tausende von Leichtverwundeten enthalten, die jetzt längst zur Front zurückgekehrt sind. Viele von ihnen sind inzwischen sogar schon zum zweiten Male verwundet worden. Da sie somit doppelt in den Listen erschienen sind, bleibt die wirkliche Zahl uunserer Verluste also erheblich hinter der zurück, die sich durch einfache Addition ergeben würde. Der Prozentsatz der feldddienstfähig wieder hergestellten Verwundeten ist überdies dank unseren vorzüglichen Sanitätseinrichtungen außerordentlich hoch. Die Hoffnung unserer Feinde, daß Dautschlands Widerstandskraft durch seine Abgänge mehr geschwächt sei, als die seiner Gegner, ist also trügerisch. Schon der Umstand, daß unsere Feinde allein an Gefangenen fast ebensoviel eingebüßt haben, wie unser Gesamtverlust beträgt, läßt klar erkennen, auf welcher Seite man in Wirklichkeit Grund hat, mit ernster Sorge in die Zukunft zu Alden Und China Der Pekinger Berichterstatter der„Times“ schreibt seinem Blatte, daß in China, besonders in Kwantung und Jangtse Unruhen herrschen. Man fürchtet einen allgemeinen Aufruhr und in den verschiedenen Provinzen haben die Behörden denn auch kräftige Maßnahmen zur Unterdrückung aufrührerischer Verbände getroffen. Zahlreiche Verhaftungen werden vorgenommen und viele Hinrichtungen haben stattgefunden. Die Regienung scheint das Zutrauen zu haben, jeden Aufstand unterdrücken zu können. Trotzdem gehen allerhand wilde Gerüchte um, und vor einigen Wochen herrschte hier viel Aufregung über das Gerücht einer neuen Verschwörung der Mandschus zum Zwecke der Niederwerfung der Republik. Das Gerücht erwies sich aber als falsch. Nun scheinen, einige ältere Gelehrte Flugschriften für die Win derkohr der Mandschus versaßt zu haben, aber von einer Verschwörung war keine Rede. Die Verhaftungen dieser Gelehrten hatte zu den Gerüchten Anlaß gegeben. Von größerer Wichtigkeit ist die Bewegung, den militärischen Geist des Volkes zu wecken. Die Bildung eines Musterheeres aus den gebildeten Kreisen ist in Vorbereitung; der Prästdent hat die Führerschaft übernommen. Weitere Maßnahmen bezwecken die Anfeuerung des militärischen Geistes. Die finanzielle Lage scheint trotz der Versicherungen aus Regierungskreisen nicht besonders glänzend zu sein, da alle Versuche, aus dem Auslande, besonders aus Amerika, Geld zu bekommen, bis jetzt keinen Erfolg hatten. Der Krieg hat auf Handel und Gewerbe seine Schatten geworfen und der Geldmangel hindert die Anlage von Eisenbahnen. Die Tätigkeit der Franzosen und Belgier llegt vollständig still und die englischen Ingenieure sind bereits zurückberufen worden. Wer den Schaden hat. Die Japaner fangen an, mit den Dreiverbändlern ihren Spott zu treiben. Der Widerspruch zwischen der Bettelei um japanische Hilfe und den Stegesmeldungen, die das„Reuter"=Büro täglich in die Welt hinaustrompetet, ist den verstandeskühlen, von irgendwelchen Gefühlen für die Bundesgenossen nicht geplagten Japanern keineswegs verborgen geblieben. Und so meint das Blatt „Kotumin“, das als Sprachrohr der Militärkreise gilt, es sei doch überflüssig, daß Japan den Siegern zu Hilfe komme. Die Franzosen und Engländer, die auf diese Weise mit ihren Siegesdepeschen beim Worte genommen werden, sind sicherlich wenig erbaut von dieser Beweisführung ihrer ostasiatischen Bundesbrüder, aus der der bittere Spott vernehmlich genug herausklingt. Aber sie müssen gute Miene zum bösen Spiel machen und den Hohn hinnehmen, der wieder einmal das Sprichwort zu Ehren bringt: Wer den Schoden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Dei Krieg gegen Frankreich. Kampf auf der ganzen Linie. tu Kopenhagen, 28. Jan.„Nationaltidende" meldet aus Paris: Mit Ausnahme des WoeoreGebietes, wo starker Nebel herrscht, tobt der Kampf auf der ganzen Linie. Trotzdem ist das Aussehen der Front unverändert. In Belgien und Nordfrankreich sind die Kampfplätze in fürchterlicher Verfassung; die Schützengräben sind in Bäche verwandelt, die Wälle bestehen aus Morästen und müssen unaufhörlich ausgebessert werden. Die gedrückte Stimmung in Frankreich. Basel, 27. Jan. Der französische Abgeordnete Jules Delafosse predigt in einem Leitartikel des „Echo de Paris“ Vertrauen und Geduld. Delafosse beklagt, daß viele Leute in Frankreich, besonders Frauen, nicht genug Seelenstärke hätten. Diese sollten bedenken, daß Frankreich hauptsächlich einen psychologischen Kampf mit Deutschland auszufechten habe, in dem der Zähere siegen werde. Wer den Kriegern Mitleid zeige und ihr hartes Los beklage, schwäche dadurch die Seelenstärke des Heeres und trage zur Verlängerung des Krieges bei. Es gelte, das Vaterland zu retten. Die„deprimierenden Suggestionen des Egoismus“, die zur Niederlage führen, würden bereits von Leuten ausgebeutet, die sich Franzosen nennen, in Wirklichkeit aber Deutschlands Sache vertreten; sie mischten sich in Unterhaltungen, sprächen entmutigend über die Uebel des Krieges und rieten schließlich zum Frieden. Delasosse fordert die guten Franzosen auf, diesen Pessimisten unzerstörbaren Optimismus entgegenzuhalten. Die Kämpfe bei Opern. “ tu Amsterdam, 28. Jan. Ueber die Kämpfe bei Ypern berichtet der Korrespondent der„Tyjd“ aus Sluis: Paschendaele sei kurz nach Moorslede wieder in die Hände der Deutschen gekommen. Jedoch in Birschote hätten die Verbündeten sich gut gehalten. Sie machten täglich kleinere Fortschritte. Paschendaele sei wegen Geländeschwierigkeiten freigegeben worden. Das Gelände sei dort so schwierig gewesen, daß es unmöglich war, die Artillerie vorzubringen. Paschendaele habe Tag und Nacht unter feindlichem Feuer gestanden. So bald sich das Wetter ändert, kann man wieder wichtige Kämpfe dort erwarten. Beide Parteien bereiten sich darauf vor. Ein bekannter französischer Flieger abgeschossen. tu Paris, 28. Jan. Auf einem Erkundigungsfluge nach den deutschen Stellungen im Oberelsaß ist der bekannte französische Flieger G. Montmian, der als Kriegsfreiwilliger in das Heer eingetreten war, tödlich verunglückt. Montmians Flugzeug wurde von den Deutschen unter Maschinengewehrfeuer genommen und bereits nach kurzer Zeit hatte der Flieger selbst mehrere Verwundungen erlitten. Er hatte noch die Kraft, seinen Apparat innerhalb der französischen Linien zum Landen zu bringen, erlag jedoch dann den erlittenen Verletzungen. Montmian war der erste Schüler Pegouds und selbst ein tollkühner Kopfflieger. Das französische Fliegerkorps erleidet durch seinen Tod einen empindlichen Verlust. Zahlreiche Verwundete in Boulogne. Köln, 27. Jan. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der holländischen Grenze: Aus Boulogne wird vom 26. Januar gemeldet: Diese Nacht und heute morgen trafen zahlreiche Verwundete hier ein, woraus man schließt, daß an der Front der Kampf in beträchtlichem Umfang wieder aufgenommen worden ist. Lazarettzüge lausen fortwährend im Bahnhofe ein. Vierzig Lazarettkraftwagen verkehren zwischen dem Bahnhof und den Lazaretten. Keine französischen Verlustlisten. wtb Paris, 27. Jan. Wie der„Temps“ meldet, hat Kriegsminister Millerand auf das Ersuchen der Liga für Menschenrechte um Veröffentlichung amtlicher Verlustlisten geantwortet, der Zeitzunkt dafür sei noch nicht gekommen. Sobald die Umstände es aber erlauben, werde die Regierung sie veröffentlichen. Die belgische Geistlichkeit und die deutsche Verwaltung. Notterdam, 27. Jan. Wie der„Maasbode“ mitteilt, erhielten die belgischen Geistlichen am 22. Januar von der deutschen Verwaltung Belgiens ein Schreiben mit der Mitteilung, daß sie in Zukunft ihre Gehälter durch die deutsche Verwaltung erhalten würden. Sie haben sich schriftlich zu verpflichten, nichts gegen die Deutschen zu unternehmen. Dieses Schreiben ist von dem Generalvikar des Bistums Mecheln unterzeichnet. Schwierigkeiten der Dreiverbandsanleihe. Gegen die von französisch=russischer Seite vorgeschlagene gemeinsame Anleihe der Dreiverbandsmächte von 15 Milliarden Mark scheinen ernste Unstimmigkeiten im Schoße der englischen Regierung zu bestehen. Auch sei es, wie gerüchtweise verlautet, schon zu politischen Reibereien zwischen den einzelnen Kabinetten gekommen, weil England die Frage angeschnitten habe, ob Frankreich und Rußland England gegenüber besondere Garantien geben möchten oder könnten. Die Meinungsverschiedenheiten darüber hätten zwar keine praktische Bedeutung, aber in einzelnen Kreisen werde das Zustandekommen des Planes ziemlich bezweifelt, uund man spricht bereits von einer Vertagung der beabsichtigten Reise des russischen Finanzministers nach Paris. Der Krieg gegen England. Eingestandene englische Gemeinheit. Amsterdam, 27. Jan. Die von den Engländern abgeleugnete Tatsache, daß deutsche Verwundete und Gefangene auf ein Schiff im Hasen von Portsmeuth gebracht worden sind, um diesen vor einer Beschießung zu sichern, wird jetzt zugegeben. Der Arztleutnant Athelstane Nobbs teilte mit, daß die Gesamtzahl der auf diesen Schiffen untergebrachten deutschen Gesangenen über 1206 beträgt; davon sind 200 verwundet. Weiteres zur Seeschlacht bei Helgoland. Das gesamte Ausland steht vor der Tatsache: die deutschen Schiffe waren es, welche die überlegenen englischen Seestreitkräfte angriffen— nicht umgekehrt! Dieses auch von den englischen Marinebehörden gemachte Eingeständnis zerstört auch die letzte Illusion, die noch an eine Ueberlegenheit englischer Kriegsschiffe über deutsche glaubte. Während das englische Geschwader aus den Dreadnought=Kreuzern„Lion", „Prinzeß Royal",„Tiger",„New=Zeeland“ und „Indomitable“ bestand, die turchschnittlich eine Bemannung von 750 bis 1000 Köpfe hatten, konnten auf deutscher Seite, dem Kräfteverhältnis nach, in den Kreuzern„Derfflinger",„Seydlitz",„Moltke“ und„Blücher“ nur etwa 3½ Einheiten diesen fünf englischen Einheiten gegenübergestellt werden. Die gleichfalls am Kampf beteiligt gewesenen leichteren Streitkräfte waren auf beiden Seiten ungefähr gleichbedeutend, für das eigentliche Gefecht aber kamen sie weniger in Frage, da sie mehr in zweiter Linie als Reservekräfte gehalten wurden. Sofort, als unsere Schiffe die Feinde erblickten, brachen sie ihre Fahrtrichtung ab und fuhren mit Volldampf auf die englischen Dreadnoughts zu. Allen voran unser Kreuzer„Blücher“. Mutig löste er sich aus der schützenden Gefechtsstellung und ging, fortwährend feuernd, dem Gegner zu Leibe. Sofort schoben sich englische Torpedojäger in Verbindung mit anderen Einheiten zwischen „Blücher“ und die anderen deutschen Kriegsschiffe, so daß„Blücher", von einer Uebermacht umgeben, nach tapferer Gegenwehr in die Tiefe ging. Etwa 700 brave Seeleute sind dabei umgekommen, während die übrigen, davon 25 in schwer verletztem Zustande, von den Engländern aus dem Wasser gefischt und nach England gebracht wurden. Man muß aber annehmen, daß der von uns zum Sinken gebrachte englische Dreadnought auf die Rechnung des sich mit einem Löwenmute verteidigenden „Blücher" zu schreiben ist, daß also sein Untergang voll gerächt ist. Inzwischen waren unsere Schiffe fortwährend in Fahrt geblieben, und es gelang so dem deutschen Geschwaderkommandanten, die Engländer bis zu einer Zone zu locken, welche, wie die Engländer selbst zugeben, durch deutsche Unterseeboote bewacht wurde. Da auch Minengefahr vorlag, wagten die englischen Schlachtschiffe sich nicht mehr vorwärts. Schwer beschädigt mußten sie sich zurückziehen, teils um sofort in Docks zu gehen, während die anderen heimfuhren. Vormarsch der Buren in der Kapkolonie. Pretoria, 27. Jan. Der Angriff auf Upington war die Folge von Operationen gegen Maritz und Kämpf. Anfang voriger Woche zog sich der Feind nordwestlich zurück; aber er machte offenbor eine Umgehungsbewegung und setzte den Einbruch in die Kapkolonie fort. Er marschierte ostwärts, machte dann eine schwenkende Bewegung und zog südwärts nach Apington, wo er britische Truppen unter van de Venter angriff. (Mit dieser etwas gewundenen Mitteilung geben die Engländer die Verlogenheit ihrer bisherigen Siegesmeldungen aus Südafrika zu. Die Schriftl.) Der Krieg gegen Rußland. Was Warschau bedeutet. Auf die Behauptung Warschaus legen die Russen aus mehreren Gründen den allerhöchsten Wert, nicht bloß aus strategischen, sondern auch aus politischen. Warschau mit Nowogeorgiewsk und Zegyczze bildet das gewaitige Festungsdreieck, das als Prellbock des weit dahinter gelegenen weitmaschigen Festunggürtels ein feindliches Vordringen da aufhalten soll, wo es am leichtesten aufzuhalten ist. Die Lage an der Weichsel verleiht der Festung einen besonderen Wert, der noch daduurch gesteigert wird, daß sie nahezu nach beiden Richtungen, nach Norden wie nach Süden, den zwischen Deutschland und Oesterreich vorgeschobenen Zipfel des Zarenreiches bis an die Landesgrenzen beherrscht. Ist Warschau verloren, so stehen unserem siegreichen Vormarsch bis nach Petersburg uund Moskau nur noch verhältnismäßig geringe Hindernisse im Wege. Das weiß die russische Heeresleitung am allerbesten und daher bietet sie alle Kräfte auf, um Warschau vor dem Fall zu bewahren. Warschau ist aber ferner auch die alte Hauptstadt der Polenkönige, von denen es bereits 1550 zur Residenz erhoben wurde. Das Herz der Polen hängt daher an Warschau, auch nachdem sie unter russische Herrschaft geraten waren; wem Warschem gehört, dem gehören auch die Bewohner Russisch=Polens und das um so mehr, als diese tunter der russischen Knute eine harte Leidenszeit sondergleichen durchzumachen hatten. Die russische Armee. Der russische Kriegsberichterstatter des„Journal“ entwirft in seinem letzten Telegramm vom östlichen Kriegsschauplatz ein sehr anschauliches Bild von den Verhältnissen innerhalb der in den Karpathen operierenden russischen Armee. Danach setzt sich diese einheitliche Heeresformation aus nicht weniger als 26 grundverschiedenen Völkerstämmen zusammen, die sich untereinander gar nicht verständlich machen können. Es sind zunächst die hochgewachsenen Großrussen und dann die schmächtigen Kleinrussen. Dann kommen die sibirischen Negimenter vom Baikalsee mit katholischen Polen und protestantischon Letten. Etwas abseits halten sich die katholischen Litauer und ganz abgesondert von allen stehen die Deutschen aus den baltischen Ostseeprovinzen. Weiter erblickt man zahlreiche Donkosaken. Sie sind eng befreundet mit den zahlreichen jüdischen Soldaten aus Südnußland. Es folgen moslemische Kosaken aus dem Kaukasus, deren Lieblingswaffe der gebogene Türkensäbel ist. Dann werden angeführt Baschkiren aus Ufa und Orenburg und Korjäten aus Transbaikalien, Anhänger Buddhas, die man stets mit Japanern verwechselt, Kirgisen, Kalmücken und andere Mongolenstämme aus Astrachan, Verehrer des Dalai, Lama. Moslemische Tataren aus der Krim kommen auf ihren schnellen Pferden herüber. Ihnen folgen russische Griechen, Rumänen und Bulgaren. Zahlreich sind die Truppen aus Turkestan, Buchara und Samarland. Zum Schluß erscheinen die Tscherkessen, Tscheremissen, Mordwiner und Tschuwaschen, Permiaken und Samojeden mit den Leuten aus der Akraine. Mit Hilfe dieser so zivilisierten und wohl disziplinierten Völkerscharen wird es Väterchen Zar sicherlich gelingen, die deutschen Barbarenhorden aufs Knie zu zwingen. Der Munitionsmangel bei den Russen. Berlin, 28. Jan. Aus dem österreichischen Kreigspressequartier meldet die„B. 3.“: Uebereinstimmende Mitteilungen von Artillerieoffizieren besagen, daß bei der russischen Artillerie immer mehr Munitionsmangel in die Erscheinung trete. Bei dem letzten Artilleriekampf wurde konstatiert, Ehre und Lieve. Roman von Käthe Lubowski. 5 „Still, Mutter. Ich will Dir erzählen. Du sollst Dich doch ganz ruhig verhalten.“ Sie fächelte.„u6 L.0] Wer misich „Laß das jetzt, Haus Weoov! Wer, wieich, vor dem dunklen Abhang steht, der kennt das Wort „Sollen“ nicht mehr! Er will nur noch. Ich will auch. Du bist so lange mein Kind, mein beschütztes und behütetes Kleinod gewesen, fortan sollst Dit mein Beschützer sein!“ „Hat das, was Du mir zu sagen haft, nicht Zeit bis morgen, mein Mutting!“ „Nein, es hat schon viel zu lange Zeit gehabt, Es ist sehr lang und sehr traurig. Ich muß damit beginnen, so lange die Sonne noch scheint. Soust fürchtest Du Dich zu sehr vor all dem Dunkel.“ Da stand er auf und setzte sich zu ihr auf den Rand des mächtigen Himmelbettes. Den rechten Arm schob er unter ihr Haupt, das die Fülle der schweren Flechten kaum mehr zu tragen vermochte. Sie sah ihn mit ihren ernsten, wunderschönen Augen bittend an. „Nimm Deinen Arm fort, mein Junge. Es ist beffer so für uns beide. Ich könnte es nicht ertragen, wenn Du ihn mir entzögest, nachdem Du weißt. Und nun höre mich an. Ich muß weit zurückgreifen, damit Du alles verstehst. Meine Eltern starben, als ich zwei Jahre zählte. Ich fand im Haufe meines Onkels, des Masors von Wittgenstein, einen Unterschlupf. Es ist ein häßliches, hartes Wort, das ich damit für meine Aufnahme gebrauche. Aber es entspricht dem, was ich dort empfing. Ich habe die Bedeutung des Wortes„Armut“ täglich, stündlich erklären hören. Mit heimlichen Tränen und offenem Grollen, mit ohnmächtiger Wut gegen das Schicksal und grausame Härte. Ich habe ein Grauen vor jener Welt des Scheins mit ihrer endlolen, Zuioe Webebomzsher herselhe.=Rbsi Geputsiag. 70; Kautbd er. Es war anmeillen 29) Z., erzgerte zusdeuck ihres Gesihzts uid das meine Liebe auf einen Mann, welcher verselden Welt entstammte. Er liebte mich auch. Und das war das Bitterste und zugleich das Schönste. Wir saßen beide im Paradies des ersten goldenen Traumes und spannen die Fäden der Hoffnung. Aber sie waren zu spinnwebenfein, um halten zu können. Sie mußten zerreißen. Wir waren ja beide so arm. Da kam Dein Vater zum ersten Mal in des Onkels Haus. Bald kam er täglich. Und nicht lange, dann warb er um mich. Ich wehrte mich wild. Ich liebte den anderen zu tief. Es half nichts. Der Oukel drohte mich aus dem Hause zu jagen, wenn ich mich noch länger widersetzte, und wo hätte ich dann hin sollen? Ich hatte ja nichts gelernt, um mir ein Stück Brot verdienen zu können. Und doch blieb ich noch stark! Ich wandte mich an Deinen Vater, an seine Großmut und Barmherzigkeit! Ich habe vor ihm auf den Knien gelegen. Aber er hat nicht abgelassen von mir. Er hat mich aufgehoben und getröstet! Und als die Kraft meines Widerstandes gebrochen war, wurde ich sein Weib! Er ist immer gut und nachsichtig zu mir gewesen, und ich habe kein schlechtes Leben an seiner Seite gehabt! Nur ein innerlich armes. Ich liebte den andern immer noch. Begegnet bin ich ihm in der Zeit unserer nicht. Das habe ich meinem Herrgott in heißem Gebet abgerungen. Nach zwei Jahren unserer Ehe wurdest Du geboren. Ich war dadurch viel ruhiger geworden, beinahe glücklich. Als ich dann nach einiger Zeit hörte, daß auch er sich verheirate##habe, din ich es wirklich gewesen, so lange, dis näch vier Jahren seine Frau starb. Da begann mein altes Leid wieder! Dein Vater hat seines Namens vor mir niemals Erwähnung getan, und doch stand er hindernd zwischen uns. Die Vergangenheit schlief, und dennoch zehrte sie an ihm. Alts ste ihn mir an jenem Unglücksabend vom Jagddiner beim Grafen Ellernbrink, vom Schlagfluß gerührt, nach Hause brachten, haben mir die Fieberreden der nachfolgenden Nacht von seinem seelischen Leiden erzählt. Oberkörper eine erhöhte Lage. Endlich glättete sich Geburtstag. der verzerrte Ausdruck ihres Gesichts und das Blut Wenige Tage nach seiner Beisetzung ging ich mit begann langsam unter der durchsichtigen Haut zu Dir auf Reisen. Justizrat Brankmann erhielt eine pulsieren. Generalvollmacht für die Erledigung meiner gesamten Angelegenheiten. Ich habe niemals etwas von Geschäften verstanden und war froh, einem alten bewährten Freunde das alles übertragen zu können. Bald nach der Testamentsvollstreckung ging mir die Mitteilung zu, daß die Abschrift in Brankmanns Haus zu meiner Einsicht bereit läge. Nach acht Monaten kehrte ich wieder nach Hohen=Litzen zurück. Du kanist in Pension. Meine Mutterliebe brachte Deinem Jugendrecht dies Opfer mit heißen Tränen. Du solltest im Kreise von Altersgenossen Guachle,#.#. gaete ic hm 8 ua#. Kurz nachher begegniete ich ihm, dem mein Herz immer noch gehörte. Ich habe wieder mit mir gerungen und gekämpft, edenso heiß wie damaks. Nur viel bewußter und ernster. Es half nichts. Die alte Liebe, die auch in seinen Augen stand, schrie um ihr Recht.— Bis das Trauerjahr zu Ende war, habe ich mich noch gegen sie auflehnen können. Und auch dann noch blieb ich schwankend. Ich wollte Dir keinen Stiefvater geben. Er aber hat mir das „Jawort" abgezwungen. Wenige Wochen später sollte unsere Hochzeit sein. Vorher begab ich mich zu meinem Freund und Rechtsbeistand. Ich wollte nunmehr endlich meine Vermögenslage mit ihm erörtern und Einsicht in das Testament nehmen! Nun kam— das Ungeahnte— das Schreckliche." Ein Schauder flog jetzt durch Frau von Tarenbergs Körper. Ihre Hände griffen wild in der Luft umher. Die Fieberröte auf ihren Wangen und der leuchtende Glanz der Augen wurde von der qualvollen Erinnerung ausgelöscht! Keuchend und stoßweise ging der Atem von ihren Lippen. Das war einer jeuer Krampfanfälle, vor deren Wiederkehr Doktor Manke zitterte. Haus Weddo hob die Mutter in seines starken Armnen empor und gab ihrem „Höre auf, Mutter," flehte Haus Weddo in Todesangst. Sie schüttelte matt den Kopf. „Ich— bin nun— ja— bald— am Ende. Wo war ich stehen geblieben? Ach so— das Testament. Hier— unter meinem Kopfkissen ruht es schon zehn Tage, damit es zum Lesen bereit wäre, wenn ich Dich rufen mußte. Lies es, mein Kind!" Hans Weddo faltete den großen, etwas vergilbten Bogen auseinander und überflog den Inhalt mit den Augen:„Schloß Hohen=Litzen, 1. Dez. 1885. Ich bestimme: Mein gesamtes Vermögen— bestehend aus dem Hauptgut Hohen=Litzen und den Nebengütern Tratten und Linde— fällt zu gleichen Teilen meiner Ehefrau Hildegard geb. von Keltern und meinem rechtmäßigen Sohne Haus Weddo zu. Die Güter Tratten und Linde sollen nach meinem Ableben verkauft werden. Sie haben kalteu moorigen Boden und reutieren sich nicht. HohenLitzen soll der Familie erhalten bleiben. Im Falle mein Sohn vor seiner Mutter sterben sollte und meine Schwester Aques verehel. Gräfin Beeskow oder deren Kinder am Leben sind, bestimme ich, daß einhunderttausend Mark an diese fallen. Ueberlebt mein Sohn seine Mutter, so soll er den uneingeschränkten Besitz meines ganzen Vermögens haben. Geht meine Ehefrau nach meinem Tode eine neue Ehe ein, so sollen die eben zum Ansdruck gebrachten Bestimmungen Platz ergreifen. Ausgenommen— sie heiratet(hier war ein Name sorg= fältig ausgekraßt). In diesem Falle setze ich meinen Sohn auf das Pflichtteil und meine Ehefrau enterbe ich. Sie kann hiergegen den Schutz des Gerichts anrufen. Das übrige Vermögen fällt dann sofort meiner Schwester zu oder deren Erben. Ich weiß, daß ich damit sehr hart bin. Aber ich will es auch sein.“ 220,16 haß die Russen diesem Mangel durch Verwendung alter Munition zu steuern suchen. Hilse für Serbien. Athen, 28. Jan. Hiesige Zeitungen melden, daß zur Verstärkung des serbischen Heeres demnächst Antivari zwei Transporte von 50 000 und 80 000 Mann Inder und Engländer aus Aegypten gelandet werden sollen. Der heinge diieg. Die Leistungen der Türken im Kaukasus werden auch von den Feinden anerkannt. Der Petersburger Berichterstatter eines Londoner Blattes teilt Einzelheiten aus diesen Kämpfen mit, die höchsten Respekt vor der Kriegstüchtigkeit der türkischen Soldaten ausdrücken und einflößen. Fußhoher Schnee bedeckte die Höhen des SagenbugGebirgszuges. Mit dem ungenügenden Material, das den Soldaten in den Schützengräben zur Versügung stand, mußten sie sich durch den Schnee fünf Stunden lang einen Weg bahnen, häufig an ganz steilen Abhängen. Am Adlerberge kamen die Feinde in besonders enge Fühlung miteinander, und zwei Tage tobte ein schrecklicher Nahkampf. Das zweite türkische Korps unternahm mehrfach Bajonettangriffe auf die russischen Stellungen, unterstützt von dem Feuer schwerer Gebirgsartillerie. die Türken zwangen die Russen, den BurbusatehaPaß zu räumen. Es erfolgte russischerseits ein Gegenangriff, der von den Türken sofort erwidert wurde, und lange schwankte das Kriegsglück hin und her. Die wundervollsten Leistungen vollbrachte jedoch das 9. türkische Armeekorps, das Lieblingskorps Enver Paschas. Hier befinden sich die besten, wohl ausgerüsteten und geübtesten Truppen der ganzen türkischen Armee. Das Korps ging in die Schlacht wie zu einem Balle. Alle Banner flatterten im Winde, und voran schritt die Regimentsmusik. Nicht einen Augenblick wurde dieses 9. Korps durch das höllische Feuer der Russen zum Stocken gebracht, sondern es ging unaufhaltsam im Sturme vor, eine russische Stellung nach der anderen erobernd. Eine große Anzahl von schwarzen Trägern begleitete die Türken. Außerdem eine ungeheure Karawane von Maultieren und Kamelen, die die Munition schleppen. Die Ausrüstung jedes einzelnen Soldaten ist bis ins kleinste erolgt und muß geradezu als luxuriös bezeichnet verden. Die Vorräte der Türken an Munition ercheinen unerschöpflich. Die Verpflegung ist sehr jut. Die Verluste beider Gegner sind sehr bedeusend. 0 Rußlands Absichten im Ruutasus. tu Petersburg, 27. Jan. Die Absicht Rußlands geht nicht dahin, über die türkische Armee im Kaukasus zu siegen. Im Kaukasus sollen die Türken vor allem nur am Vordringen verhindert werden. Den Hauptschlag will Rußland der Türkei vor Adrianopel versetzen und von dort aus soll es nach Konstantinopel gehen. Der Weg der russischen Truppen führt in diesem Fall durch Bulgarien und hierzu braucht man die Durchzugserlaubnis. Wie der„Rjetsch“ erfährt, richtete die russische Regietunng erneut ein dringendes Ersuchen um die Gestattung des Durchzugs an die bulgarische Regietung, das jedoch zu keinem Erfolge führte. Das russische Blatt meint, für die Unzugänglichkeit Bulgariens seien zwei Umstände von wesentlicher Bedeutung: der Mißerfolg der diplomatischen Aktion es Fürsten Trubetzkoi in den Balkanländern und sie geheimnisvolle Reise des bulgarischen Abgeirdneten Genadiew nach Rom. Verkündigung des Heiligen Krieges in Flandern. Amsterdam, 28. Jan. In Brügge ist türkischer Geistlicher eingetrosfen, um den in Belzien, besonders in Flandern, im Felde stehenden Roleminen den Heilizen Krieg zu verkündigen. Die Neutralität Italiens. Köln, 28. Jan. Die„Köln Ztg.“ meldet aus Zürich: Italienischen Meldungen zufolge enthält die„Tribuna“ eine Erörterung über die Haltung Giolittis zur Neutralitätsfrage und über die Ge3115 Panzerkreuzer.„Blucher.“ vnn rüchte von Unterredungen zwischen diesem italienischen Staatsmann und dem Fürsten Bülow. Darin sei auseinandergesetzt worden, daß Giolitti stets die nationalen Interessen verfolgt habe. Seine Besonnenheit in diplomatschen Angelegenheiten schließe es aus, daß er sich für eine feste Formel erklärt habe. Von geheimen Verhandlungen Giolittis mit Bülow zu reden, wäre unverantwortlich. Die„Stampa“ läßt erkennen, daß Giolitti die Idee der striktesten Neutralität nicht vollständig vertrete, während der„Secolo“ an der Behauptung festhält, daß mit Bülow Verhandlungen stattgefunden hätten, und der„Avanti“ schreibt, daß Giolitti wirklich gegen Salandra eine Opposition organisiere, um in das Kabinett eintreten zu können. Attentat auf den König von Griechenland? Konstantinopel, 28. Januar. Mehrere Blätter berichten übereinstimmend, aus Dedeagatsch angelangte Reisende hätten erzählt, in Matras sei auf den griechischen König vor einer Woche, als er von der Truppeninspektion nach der Stadtpräsektur zurückkehrte, ein Attentat verübt worden. Der Attentäter hätte zwei Schüsse auf den König abgegeben. Ob dieser getroffen wurde oder nicht, wird nicht angegeben. Es ist vielleicht auch nicht bekannt geworden, da die Polizei den Vorgang äußerst geheim hält. Angeblich haben die Gegner des Ministerpräsidenten Venizelos dem Attentäter die Waffen gegeben. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 28. Januar 1915. *(Die Ausgestaltung des Obst= und Gemüsebaues) ist ein hochbedeutsames Mittel für die Streckung unserer Lebensmittelvorräte. Es ist daher zu begrüßen, daß die Landwirtschaftskammern beschlossen, den vermehrten Anbau von Früh= und Spätgemüse allen Landwirten dringend zu empfehlen. Ihnen ist auch ebenso dringend der allgemeine Anbau von Hülsenfrüchten anzuraten. Zum Anbau von Kartoffeln und Hülsenfrüchten ist möglichst viel Oedland zu kultivieren. Alle vorhandenen Kultureinrichtungen sind frühzeitig für die Heranzucht von Frühgemüse zu benutzen. Besonders zu wählen sind Bohnen, Erbsen, Mohrrüben, Spinat, Kohlrabi, Frühkartoffeln und Kohlrüben. Um genügende Arbeitskräfte zu haben, wäre die Heranziehung von brauchbaren Kriegsgefangenen, wo inländische Kräfte fehlen, besonders wünschenswert. Zinslose Darlehen für Bewässerungsanlagen sind erstrebenswert. Die Gemeinden sind zu veranlassen, alle Bestrebtungen für den vermehrten Anbau von Gemüse usw. zu fördern. Der MassenObstanbau ist unerläßlich. *e(Im Weltenbrand.) Mit dem Abdruck dieses Original=Kriegsromans aus der Feder von Rudolf Zollinger beginnen wir in heutiger Nummer. Der Roman, der uns mitten in die Kriegsgreuel in Ostpreußen hineinführt, und der uns auch mit einigen serbischen Verschwörern bekannt macht, ist äußerst flott und spannend geschrieben und wird das Interesse unserer Leserschaft sicherlich bis zum versöhnenden Abschluß fesseln. **(Reichsschatzanweisungen.) Auf die in heutiger Nummer veröffentlichte Bekanntmachung betr. „5% Reichsschatzanweisungen“ sei auch an dieser Stelle hingewiesen. **(Eine prächtige Kaisersgeburtstagsseier) hatte gestern abend das kath. Krankenhaus für die verwundeten Krieger veranstaltet, zu der sich auch die Aerzte und das Pflegepersonal des Hauses eingefunden hatten. Durch eine patriotische Ansprache des Herrn Pfarrer Schnurbus mit anschließendem Kaiserhoch eingeleitet, brachte der weitere Verlauf der Feier einen mit großem Beifall ausgenommenen Lichtbildervortrag über den bisherigen Verlauf der Kämpfe im Westen, Liederspenden der „Ruhrtaler“, einen kleinen Fackelzug durch den Anstaltsgarten, gemeinschaftliche Gesänge und Vorträge aller Art. Die Teilnehmer an der schönen Feier schieden mit dem Bewußtsein, einige recht genußreiche Stunden verlebt zu haben. *(Die Wollspende der Eisenbahner.) Der Vor' stand der Pensionskasse der preußisch=hessischen Staatseisenbahnen hat neuerdings den einstimmigen Beschluß gefaßt, außer dem zur Beschaftung von Decken für die bei den Feldeisenbahnformationen in Feindesland befindlichen Pensionskassenmitglieder aufgewendeten Betrag von 50000 Mk. weitere 100000 Mark aus den Mitteln der Abteilung A der Pensionskasse an den Kriegsausschuß für wareme Unterkleidung zu überweisen. Der Eisenbahnminister hat sich mit diesem Beschluß einverstanden erklärt. *(Ungetreuer Postaushelfer.) Der 18 Jahre alte Aushelfer Heinrich Kuhr aus Bochum ist nach Unterschlagung von Postkassengeldern in Höhe von 1344 Mk. seit dem 25. Januar flüchtig. Auf die Ergreifung des Flüchtigen und die Wiederherbeischaffung des Geldes ist eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt. Etwaige Mitteilungen in der Angelegenheit sind an das nächste Postamt oder an die Ober=Postdirektion in Dortmund zu richten. **(Versteuerung der Mietverträge.) Die interessierten Kreise seien nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Versteuerung der Mietverträge bis Ende dieses Monats bewirkt werden muß. Diesbezügl. Formulare sind beim Stempelverteiler Bürovorsteher Bedue(Rechtsanwalt Thoholte) zu haben. **(Das Verbot des Verkaufs von Decken.) In Milderung seiner Verordnung vom 12. Januar d. J. betreffend das Verbot des Verkaufs von Decken gestattet jetzt der Kommandierende General des 7. Armeekorps im Einverständnis mit dem Kriegsmi“ nisterium die Veräußerung von Decken an EinzelPersonen zur Befriedigung des eigenen Bedarfs. Echte Kamelhaardecken fallen nicht unter das Verkaussverbot. **(8 Wochen Herbstferien 1915.) Die Ferien 1915/16 sind wie folgt festgesetzt: Ostern: Dienstag, den 30. März, bis Dienstag, den 13. April. Pfingsten: Freitag, 21. Mai, bis Dienstag, 1. Juni. Herbst: Dienstag, 3. August, bis Donnerstag, 29. September. Weihnachten: Donnerstag, 23. Dezember 1915, bis Dienstag, 11. Januar 1916. **(Wie weit schießen die Deutschen?) Die „Nordd. Allg. Ztg.“ veröffentlicht eine Darstellung der„Artill. Monatshefte“ worin festgestellt wird, daß die Schußweite der Knppschen 40,64 Zentimeter=Kanone auf 42 Kilometer geschätzt werden darf. Man kann daher die Frage, ob wir über den Kanal schießen können, bejahen, da der Kanal an der schmalsten Stelle nur 33 Kilometer breit ist. Feuert man von Calais aus nach Dover, so wird nicht nur die englische Kanalküste durch das Geschütz beherrscht, sondern noch ein Küstenstrich des englischen Festlandes von 9 Kilometer Breite. *e Wandhosen, 28. Jan.(Ein tapferer Krieger.) Herr Lehrer Friedrich Kayser, Sohn des Schuhmachermeisters K. von hier, der als Gefreiter auf dem östlichen Kriegsschauplatz kämpft, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet; gleichzeitig wurde er zum Unteroffizier befördert. Wir gratulieren bestens! ** Holzen, 28. Januar.(Frauen=Verein.) Bezüglich der Gründung des Holzener FrauenVereins wird uns noch mitgeteilt: Es ist nicht ein Zweigverein des Vaterländischen Frauenvereins gegründet worden, sondern ein selbständiger Verein, der sich paritätischer Frauen= und Jungfrauenverein Holzen nennt. Außer den angeführten Damen gehören noch zum Vorstand: Frau Nöber, Frau Karlheim, Frau Frahne und Frau SchulteDrüfel. Während der Kriegszeit widmet sich der Verein dem Kriegsliebesdienst. Zunächst werden die Wollsachen, die während der Reichswollwoche in großen Mengen eingekommen und in der„Rosenschule“ desinfiziert worden sind, zu Decken und nützlichen Kleidungsstücken für unsere braven Vaterlandsverteidiger verarbeitet. In Friedenszeiten unterstützt der Verein die Bedürftigen der Gemeinde Holzen. Als Arbeitslokal wurde die Schule in den Rosen gewählt, wo jeden Donnerstag nachmittag von ½3—6 Uhr fleißig genäht und gestrickt wird. Mögen recht viele aktive und passive Mitglieder dem jungen Verein beitreten. * Sölde, 27. Jan.(Ein tödlicher Unglücksfall) ereignete sich auf der Zeche„Schleswig". Der auf der 3. Sohle mit Seilauflegen beschästigte Schachthauer Ludwig Müller aus Sölderholz geriet zwischen Trommel und Kammrad und wurde so stark gequetscht, daß er sofort tot war. 44000 Opfer der Erdbebenkalastropbe. tu Rom, 27. Jan. Das furchtbare Unglück, das durch das Erdbeben über 5 italienische Provinzen hereingebrochen ist, findet seinen Ausdruck in einer vorläufigen statistischen Feststellung. Der„Mattino“ berechnet die Zahl der Anglücklichen, die durch das Erdbeben ihren Tod fanden, auf 44000. Briefkasten. Nr. 190. Um allen Weiterungen aus dem Wege zu gehen, ist es das beste, wenn Sie selbst die Kündigung aussprechen und dieses nicht Ihrer übertassen. Wetterbericht der deutschen Seewarte. 29.—Bewölkt, Niederschläge, milde. —Meist bedeckt, feuchtkalt, Niederschläge. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Bessel als das englische Mondamin ist Dr. Oetker’s Gustin zur Bereitung von Puddings, Milch und flammeris. In Paketen zu 15. 80 und 60 Pfg., überall zu haben. 498 Vrigniall Vordeaux=Rolwein (Südfrankreich) Bezug in Original=Ox hoff=Fässern Eigene Abfüllung, daher billigste Preisberechnung, per Flassche 1.10, 1.30, 1.50 und 2.00 Mk. inkl. Flasche. Carl Raffin, Gasthof„Zur Helle“ Telephon 251. Für die uns beim Hinscheiden unseres lieben Vaters erwiesene Teilnahme herzlichen Dank. Friedrich Hagemann Ludwig Hagemann. 502 Karl Hagemann. Schwerte, den 28. Januar 1915. Kerger und Ossatrent. zum sofortigen Eintritt für Station Schwerte gesucht. Kreisbaynen. Die glückliche Geburt eines Mädchens zeigen an Amtsrichter Sasse und Frau Martha, geb. Strathmann. Charlottenburg, 25. Januar 1915. Dernburgstrasse 50. 506 Den Heldentod für das Vaterland starb am 16 Januar in Frankreich mein lieber, guter Mann, der treusorgende Vater meiner 4 Kinder, unser guter Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Wehrmann Paul Riedel Infanterie-Regiment Nr. 13. 11. Komp. im vollendeten 36. Lebensjahre. Eine Handgranate hat, als er auf treuer Wacht im Schützengraben stand, ihn in das bessere Jenselts abgerufen. 505 In tiefer Trauer: Frau Else Riedel geb. Langenfeld. Holzen bei Schwerte, Stabelwitz, Breslau, Sörup, Hadersleben u Elberfeld, 27. Jan. 1915. Am Dienstag morgen starb plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Schwiegersohn, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Berginvalide PIRE-TERaPT im Alter von 61 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Knappmann. Schwerterheide, den 27. Januar 1915. 501 Die Beerdigung findet am Freitag nachmittag 3 Uhr vom Sterbeheuse, Bergstr. 6. aus statt. M Fnovon Nnigic Uelert schnell und Sauber Trader Ortele-Buchbrucherei u. Brone ###1., Fahnr OIEZ PEm, Abitur. Teß. Prour bei an Private Meiallbeiten Raialog frei Holzrahmenmatr., Kinderdetten Essemmübeltabec Goht 1. Sd. Auf Grund von§ 9 der Verordnung des Bundesrats über das Ausmahlen von Brotgetreide vom 5. Januar 1915(RGB 1, G. 3) erlasse ich unter Aushebung der Erlasse vom 2. November, 10. und 13. Dezember 1914(Ub 12296, 14096, 13702) folgende Bestimmungen zur Ausführung dieser Verordnung: . 1. D i e A u s m a h l u n g v o n W e i z e n w i r d i n d e r W e i s e zugelassen, daß von einem Mehl, bei dem der Weizen mindestens bis zu 80 vom Hundert ausgemahlen wird, ein Auszugsmehl bis zu 10 vom Hundert hergestellt . Das Herstellen von Auszugsmehl bei der Ausmahlung von Roggen ist nicht gestattet. 3. Die Vorschriften der Verordnung, daß zur Herstellung von Roggenmehl der Roggen mindestens bis zu 82 vom Hundert und zur Herstellung von Weizenmehl der Weizen mindestens bis zu 80 vom Hundert durchzumahlen ist, gelten für alle Mühlen und sind daher auch von den Kunden=, Lohn= und Tauschmühlen zu beachten. Dem Verlangen der Kundschaft nach weniger durchgemahlenen Mehlen und nach glei Rücklieferung einer entsprechend größeren Kleiemenge darf nicht entsprochen werden. 4. Diese Ausmahlungsvorschriften getten auch dann, wenn gemischtes Getreide vermahlen werden soll; so muß Roggen, der etwa mit Gerste gemischt ist, mindestens bis 82 vom Hundert durchgemahlen werden. 5. Auf die Durchführung der Vorschriften über das Ausmahlen des Getreides und der im§ 5 der Verordnung enthaltenen Vorschrift, daß Weizenmehl(mit Ausnahme des Weizenauszugsmehls) nur in einer Mischung abgegeben werden darf, die 30 Gewichtsteile durchgemahlenes Roggenmehl unter 100 Teilen des Gesamtgewichts enthält, müssen die Mühlen durch die behörden scharf überwacht werden. Dabei sind, soweit möglich, zur Unterstützung der Polizeibeamten besondere Sachverständige, gemäß§ 6 der Verordnung, heranzuziehen. Bei der Bestellung von Sachverständigen, die zur Ueberwachung der handwerksmäßig beiriebenen Mühlen(also im allgemeinen der Mühlen, die nicht mehr als 5 Tonnen Getreide täglich vermahlen können) heranzuziehen sind, empfiehlt es sich, die Hilfe der Handwerkskammer in Anspruch zu nehmen. Die Sachverständigen für die Ueberwachung der größeren Muhlen, lichst mit Hilfe der Handelskammer zu bestellen. Wegen der Bezeichnung von Stellen, denen die bei einer Besichtigung entnommenen Proben zum Zwecke wissenschaftlicher Untersuchung vorzulegen sind, falls die or.# verständigen mögliche Prüfung zu kerner,iungen Feststellung führt, behalte ich mir weitere Mitlenungen 6. Im Sinne von§ 5 Abs. 2 der Verordnung ist unter Weizenmehl, das bei Inkrafttreten der Verordnung im freien Verkehr des Inlandes war, alles Weizenmehl zu verstehen, das bis zum Ablauf des 10. Januar hergestellt ist und sich im Besitz von Mühlen, Händlern, Verarbeitern usw. im Inlande befindet. Solches darf auch nachher ungemischt abgegeben werden. das aus dem Ausland eingeführt wird, darf stets ungemischt abgegeben werden, ohne daß es auf den Zeitpunkt der Herstellung oder Einführung ankommt. 7. Die Unternehmer von Mühlen haben Verzeichnisse über Bestände an den Mehlsorten anzulegen, die nach §§ 1, 2 der Verordnung und nach Ziffer 1, 2 dieser Bestimmung in Preußen seit dem 11. Januar 1915 nicht mehr hergestelt werden dürfen. Die Verzeichnisse, sind nach den beiliegenden Mustern aufzustellen; sie jeden Mühlenbetrieb gesondert anzulegen und haben die Vorräte zu umfassen, die in dem Betriebe selbst oder in sonstigen eigenen oder gemieteten Räumen und Silos lagern. Die Verzeichnisse sind durch Eintragung der Abgänge auf dem laufenden zu erhalten. Bekanntmachung. Die Rechnungen usw. für den bisherigen Kilfsausschuß sind nicht mehr an den früheren Kassierer, Rektor Lecking, sondern an das Büro des Roten Kreuzes(Verwaltungssekretat Schulte)— neues Rathaus, Zimmer Nr. 10— abzugeben. Der Hilfsausschuß ist mit dem Ausschusse des noten Kreuzes verschmolzen. Schwerte, den 25. Januar 1915. 489 Der Bürgermeister: Rohrmann. Bekanntmachung. Im Hinblick auf die außerordentlich große Bedeutung, die die Küchenabfälle für die Erhaltung eines möglichst großen Viehbestandes und damit für die Ernährung des Volkes gewinnen lassen, ist der Sammlung und Verwertung der Küchenabfälle als Viehfutter besondere Aufmerksamkeit zuDiesenigen Haushallungen des hiesigen Stadlbezirks, welche derartige Küchenabfälle abzugeben haben und solche Haushaltungen, welche die Küchenabfälle für die Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztiere verwerten wollen, werden ersucht, entsprechende Anträge im Büro des Stadtsekretärs (Zimmer 19 neues Rathaus) zu stellen oder schriftlich dieses dem Unterzeichneten mitzuteilen. Schwerte, den 25. Januar 1915. 487 Der Bürgermeister: Rohrmann. Bekanntmachung. Tiener k, aus dem Stadt= und Landkreise Horde und dem Landkreise Dortmund, welche bei dem Oberersatzgeschäft 1914 oder bei der Kriegsmusterung 1914 ausgehoben sind, bisher aber noch keinen Gestellungsbefehl erhalten haben, haben sich sofort auf dem Bezirkskommando, Zimmer 49, zu melden. 47 Königliches Bezirkskommando II, Dortmund. Sie haben zu enthalten: eine laufende Nummer,. 6.8 gunfängers b) Firma oder Vor= und Zuname des Empfangers, 9 den Tog.„! I. 1100 91.—. d) das Gewicht des Mehrs in ar(100 Kilogl.). Die Verzeichnisse sollen den Bestand vom 11. Januar nachweisen; ist dies nicht mehr möglich, so ist der Tag maßgebend, an dem diese Bestimmungen im amtlichen Kreisblatt veröffentlicht worden sind. 8. Diese Bestimmungen sind in dem amtlichen Kreisblatte zu veröffentlichen. abdrucke für die Landräte und Polizeiverwaltungen der kreisfreien Städte sind beigefügt. Berlin W. 9, den 13. Januar 1915. gez.: Sydow. An die Herren Regierungs=Präsidenten pp. Arnsberg, den 19. Januar 1915. Der Regierungspräsident. Mühle: Muster I Roggenmehl, zu dem der Roggen nicht bis 82 vom Hundert durchgemahlen worden ist. Bestand am Abgang. Bekanntmachung. 1. Die Zwischenscheine zu den 5% Reichsschatzanweisungen von 1914 (Kriegsanleihe) können vom 1. Februar d. J. die en Der uinlausch sindel bei der„Umiauschlielle für die Arlegsanleihen“ Verin W s. Stellen einzureichen; Formulare zu den Verzeichnissen können dort I Sppoagen us dasen hoden de von ihen engerichen e Dder Umtausch der Zwischenscheine zu den Reichs von 1914(Kriegsanleihe)— unkündbar bis 1. Oktober 1924— findet vom 1. März d. J. ab bei der„Untauschstelle für die Kriegsanleihen“, Verlan W 8. Bzggegtroße, 32„lorte lichen Reichsbankanstalten mit Kasseneinrichtung— bei letzteren jedoch nur bis— 22. Juni Im übrigen gellen für ihn die für den Umtausch der Reichsschatzanweisungen getrossenen Pestumtneen 10 Berlin, im Januar 1915. Havenstein v. Grimm. dz * Muster IIa Ungemischtes zu dem der Weizen nicht bis 80 vom Hundert durchgemahlen worden ist(außer Weizenauszugsmehl). Bestand am Abgang Eine 3 Zimmer=Wohnung sofort oder später und eine 2 Zimmer=Wohnung per 1. April zu vermieten. 488 Märhischestr. 37. Lid. Nr. dz Gewerbedann e. G. mitd. a. Schwerte. Die Vermögensaufstellung vom 31. Dezember 1914 liegt in unserm Geschäftszimmer aus und kann von den Mttgliedern eingesehen werden. Diesen wird ein Abdruck in den nächsten Tagen zugehen. 509 Der Aussichtsrät: Der Vorstand; ihnhof, I. A. Olto Homel, stellv. Vorsitz. Klein, Bernhard Skern. venieur Schneider=Vereinigung Schwerse(Ruhr). Bestand am Muster Ilb Weizenauszugsmehl. Abgang. Lfd. Nr. dz Sonstiges ungemischtes Weizenmehl. Bestand am Abgang. Suche per solgr Wehklung in dess. Hause, 5 Zimmer, eotl. Heizung u. Bad, Nähe Bah.— Offerten zu richten an A. Wiesenbacher. IngemeuLangschede(Ruhr) IIT•LRNS Zwecks Gründung einer Innung werden sämtliche KORNGNGfim Stadtbezirk Schwerte wohnenden Schneidermeister *(zu einer Versammlung auf: Montag, den 1. Februar 1915, abends 8 Uhr, in den Gasthof W. Wilmsmann(Klempi) Mährstraße, hiermit eingeladen. Bei der Wichtigkeit der Sache wird um zähliges und pünktliches Erscheinen gebeten. Schwerte, den 28. Januar 1915. 504 Im Auftrage: Ludwig Afer. von 3—1 Zimmern mit Stall, Keller und Gartenland auf sofort od. später zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Jeitung. 448 Lid. Nr. dz von 3, 4, 5 u. 6 Zimmern zu vermieten. 287 Luck, Baugeschäft, Königstraße. Abgeshlossene von 4 Zimmern mit Vorratskammer zum 1. April zu vermieten 429 Mährstraße 7. und i. Zmmermit elektr. Licht und Gas zu vermieten. 375 Fr. Werth. Freundich Richaröstr. 2. I. Eig. in Slber und Gold ersteigert auf den Pfandverkäufen werden zu den billigsten Preisen 4907 verkauft. DORTMUND Pfandleih-Anstalt Bezirks-Kommands R. Lion& Comp. 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Dezember vorigen Jahres angeordneten Schutzmaßregeln hebe ich daher hiermit auf. Hörde, den 25. Januar 1915. Der Königliche Landrat: 491 J. B. gez. Burchard, Regierungs=Assessor. Kriegsgeschichten und Kriegschroniken 1914. Granatsplitter. Neueste ill. Kriegsberichte à 10 Pfg. Der Krieg III. Chronik des Krieges 1914... à 80„ Der Völkerkrieg. Eine Chronik der Ereignisse vom 1./7. 1914 an à 30„ Der Weltkrieg 1914. Darstellung der neuesten Ereignisse in Wort und Bild à 10„“ Der Weltkrieg. Eine chronologische Folge der Ereignisse von C. F. Werner à 25„ Deutsche Feldpostbriefe4 10„ Die Kriegs-Zeitung 1914. Ill Wochenausgabe vom Berliner Lokal-Anzeiger 4 10„ Die Welt in Waffen. III. Kriegschr. 1914 v. A. Armin à 20„ Feinde ringsum. Bilder aus dem Völkerkrieg 1914 von Horst Kohl à 30„ Illustr. Gesch, des europ. Kriegs 1914 v. Aspern à 40„ Illustr. Geschichte des Weltkrieges à 25„ Illustr. Kriegschronik 1914 à 10„ Illustr. Weltkriegschronik der Lpz. Illustr. Ztg. à 60" Kriegs-Echo. Illustr. Wochenschrift à 10" Kriegschronik des Daheim. Illustr. 4 60„ empfiehlt die Buchhandlung CARL BRAUS Schwerte(Ruhr.) Gr. Marktstrasse 3—5. Eine schöne 2 bis 3 Wohnung mit Stall und Gartenland auf sofort oder 4päter zu vermieten. E Aßhoff. 500 Grünstraße 3. Zwangsverkauf. Am Freitag. d. 29. Jan. er., vorm. 10½ Uhr, werde ich zu Syburg an Ort und Stelle, Versammlung an der Kirchhof'schen Wirtschaft daselbst: 1 Sopha, Gessel, 2 Schränke, 2 Vertikoms. 1 Pianino, 1 Regulator u. s. w. gegen bar versteigern. Schwerte, 28. Januar 1915. Morgenroth 508 Gerichtsoollzieher. — beieisches— Technikum Bingen Gaschinenbau, Elektretechnik Autemebllbau, Brückenbau Wrctlog: Prof. Raen) # Cverkateeg“ m gedeiht auch während des Krieges ein Geschäft, das Sie durch geschickte Inseraten- Reklame unterstützen. Haasenstein& Vogler Akt.- Ges. Aelteste deutsche Annoncen-Expedition Dortmund, Markt 2 Es wird gebeten, kleinere Anzeigen möglichst bei Aufgabe zu bezahlen. Die Geschäftsstelle der „Schwerter Zeitung". ece echnikum Mittweida Direktor: Professor Holst. Höheres techn. Institut f. Elektro- u. Maschinentechnik. Sonderabteilungen f. Ingenleure, Techniker u. Werkmeis u. Masch.-Laborp“ Lehrfabrik-Werkerarten. u. besuchteste 4 Programmete. gret. v. Sekret. Ister Elektr. stomen.— sp ürton. s Anstalt. 1### Als er heimkam, hatte sich seine Cattin bereits niedergelegt. Auf ihre Frage, ob er seine Arbeit beendet habe, erwiderte er:„Ja! Nun, morgen! Ich muß mich erkältet haben. Mir ist nicht wohl!“ Und auf ihre weiteren Fragen erwiderte er nur:„Rein, nein, mir tut Ruhe am wohlsten!“ Alles dies sagte er mit unruhiger, zitternder Stimme Schwerfällig kleidete sich der sonst so rüstige Mann aus und legte sich nieder. Aber der Schlaf floh ihn. Immer wieder erklang in der Stille der Nacht der entsetzliche Ton in seinem Ohr. Deutlich wurde ihm dabei, daß das Klingen jetzt nur ein Nachklang war jenes wirklichen, durchaus nicht auf Sinnestäuschung beruhenden Tones. Ihm, dem Gesunden, waren Irrtümer der Sinne, die Klänge vortäuschen, überhaupt unbekannt, noch nie war ihm Unerklärliches nahegetreten. Und nun dieser deutliche, unleugbare Ton, in seiner ganzen sinnenfälligen Wirklichkeit! Geisterglaube und Aberglaube waren ihm fremd, sein Beruf führte ihn oft an Gräber, nie hatte er Furcht gehabt. Und nun auf einmal dieser Schauder. Wenige Stunden Schlafs in der Frühe genügten nicht, die Schrecken der Nacht zu verscheuchen. Noch immer ganz verstört war der Bildhauer, als er am Morgen aufstand. Er fühlte sich schwach, elend! Wie mochte sich dieser Zustand seelischer Niedergeschle genheit wohl in seinem Gesicht ausprägen? Im vollen Lichte des Morgens trat Priestley vor den Spiegel. Was war das? Täuschte er sich? Er beugte sich ganz nahe zum wahrheitstreuen Spiegelglase vor, er suhr mit der Hand nach seinem Haupte. Seine schönen wohlgepflegten Locken— das sah er nun— waren an der einen Seite völlig verbrannt. Wie war denn das? Und auf einmal wurde ihm die Wahrheit offenbar: bei seiner Arbeit hatte er sich im Eiser niedergebeugt und war dabei der offenen Kerze zu nahe gekommen. Und mit zischendem Laut hatte das Licht den schönen Lockenwald gelichtet. Zum Lachen war Priestley nicht gestimmt, dazu lag ihm die Sache zu tief in den Nerven. Aber wenn er später einmal andere von etwas Unerklärlichem reden hörte, dann erzählte er zu ihrem Nutz und Frommen die Geschichte von der Geisterstimme, die im nächtlichen Dunkel der Kirche erschollen war. 12 Denkspruchz. Ein ehler Zorn ist dem heirn lieb und ein mutiger Stolz, der sich nicht beugen jäßt. S. M. Arnd:(Katechismus). 4— Etwas vom Lachen. „Kinder und Narren lachen schnell“, sagt ein altes Sprichwort, vernünftige Menschen lachen jedoch auch, wenn es ihnen wohl ums Herz ist. Kurz, Lachen ist ein Vorzug. den wir vor dem Tier haben, und nur der Mensch, der herzlich lachen kann, ist glücklich. Uebrigens ist das Lachen eine für den Körper sehr wohltätige Erschütterung, und man darf getrost die Behauptung aufstellen, daß ein durch ein Dorf reisender Hanswurst auf den Gesundheitszustand der Einwohner einen günstigeren Einfluß ausubt, als drei mit Medikamenten beladene Gel. Aristoteles und Plinius hielten das Lachen für eine Reizung der Haut, während französische Physiologen es der Milz zuschrieben, und man sagt noch heute in Frankreich: S'épaneuir la rate(Durch tüchtiges Lachen die Milz erregen), désopiler la rate(Verstopfung der Milz durch Lachen beheben). Seltsamerweise lesen wir nur bei den Alten, daß mand sich im wahren Sinne des Wortes zu Tode gelacht habe. Zeuxis, der Maler, soll über sein eigenes Werk, das Bildnis einer alten Frau, so sehr gelacht haben, daß er tot hingesunken sei. Philemon starb vor Lachen, als er einen Esel die sorgsam gehegten Feigen eines Philosophen vom Baume abfressen sah. Pomponius Mela erzählt die Sage von einer glücklichen Insel, auf welcher zwei Frühlinge herrschen. Sobald der eine Frühling zu Ende geht, lachen die Bewohner der Insel sich zu Tode; die erste Schwalbe jedoch, die der zweite Frühling sendet, erweckt sie aus ihrem Todesschlummer wieder. Wie es keine zwei sich gänzlich gleiche menschliche Gesichter oder Stimmen gibt, so wird man auch schwerlich zwei Menschen finden, deren Lachen dasselbe ist. Frauen lachen, anders als Männer, Kinder wieder anders als Frauen. Der Abbé Damasceni glaubte an dem Lachen eines Menschen dessen Charakter erkennen zu können. Er gab als ein zuverlässiges Zeichen an, daß die häusig nacheinander ausgestoßene Silbe„hä“ ein cholerisches,„hu“ ein phlegmatisches,„hi“ ein melancholisches und„ho“ ein sanguinisches Gemüt kennzeichne. Es ist Tatsache, daß Männer meistens mit den Vokalen A und 0, Frauen hingegen mit E und J lachen. Die alten Theologen neunen das Lachen eine der Ursachen des ersten Sündenfalles, auch bezeichneten sie es als etwas Unheitiges; sie vergaßen dabei, daß geschrieben steht: „Doch der Herr Zebaoth lachet ihrer.“ Papst Innocenz III. schreibt, daß neugeborene Knaben in A, Mädchen hingegen in E weinen; er zieht hieraus den Schluß, die Kinder betrauerten gleich bei ihrem Eintritt in die Welt die Sünden Adams und Evas. Die Dominikaner= mönche im Mittelalter wollten jedesmal, wenn eine Münze in ihre Bettelbüchse fiel, das Gelächter der armen Seelen im Fegefeuer gehört haben. Wenn wir Plinius Glauben schenken wollen, so gab es unter den Alten Männer, die das Lachen gänzlich abgeschworen hatten. Lucilius Crassus führt den Namen des „Niemals Lachenden". Es lassen sich jedoch auch wieder Beispiele anführen, die beweisen, daß die alten Griechen und Römer außerordentlich lachfreudig waren. Die Griechen naunten das Heulen des Sturmes„das Lachen Neptuns", und Virgil sagt, indem er von Jupiter spricht:„Rist pater optimus“(Es lachte der göttliche Vater). Philipp IV. von Spanien gestand, in seinem Leben nur einmal herzlich gelacht zu haben. Lord Chestersield sagt, daß er, solange er im Besitz seines Denkvermögens sei, sich noch niemals so tief erniedrigt habe, zu lachen. Trotz dieser seltsamen Ansicht über eines der Hauptprivilegien der Menschheit, versuchte im Jahre 1805 der Sänger Roberts in Paris und London Lachunterricht zu erteilen, da nach der Meinung dieses Herrn ein stereotypes Lachen zu den menschlichen Schwächen gezählt werden müsse. P. C. Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde 46. Jabrgang Grites und ätelles Cagesergan des Kreiles. O Haupt-Annoncenblatt 0 Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 23. Donnerstag, 28. Januar 1915. Imn Sleitenerand. Original-Kriegeroman aus ernster Teit von Rudolf Zollinger. 1. Kapitel. Der zündende Funke. goldener Pracht leuchtete die Sonne eines wolkenlosen Junitages über der smaragdgrünen Fläche des lieblichen oberbayerischen Gebirgssees und dem Kranz dunkler Wälder, der ihn umschloß. Sonntagsfriede und Sonntagsheiterkeit schienen über das anmutige Landschaftsbild ausgegossen, und harmonisch fügte sich in dies farbenfreudige Gemälde das übermütige Lachen und Plaudern der jungen Menschenkinder, die sich am sanft abfallenden Uferhang einer kleinen Bucht gelagert hatten, um die Herrlichkeit des Sommertages nach Künstlerart zu genießen. Denn man brauchte nicht eben ein hervorragend scharssichtiger Menschenkenner zu sein, um zu erraten, welcher Gilde die ausgelassene kleine Gesellschaft angehörte. Langwallende Locken und exzentrische Kleidung zwar, wie man ihnen in den Straßen des Münchener Malerviertels Schwabing zuweilen begegnet, schienen als Merkmale der Künstlerschaft bei diesen Ausflüglern nicht in besonderem Ansehen zu stehen. Der berühmte Historienmaler Professor Grünwald, dessen Malschule sich vor dem Beginn der sommerlichen Ferien noch einmal zu dieser gemeinschaftlichen Sonntagsfahrt zusammengefunden hatte, war ein abgesagter Feind derartiger„Alfanzereien", und wer unter die Schar seiner Jünger ausgenommen werden wollte, mußte von vornherein auf alle äußerliche Geckenhaftigkeit und Narretei verzichten. Was diese jungen Männer und jungen Mädchen von dem Haufen der gewöhnlichen, spießbürgerlichen Sonntagsausflügler unterschied, waren nur jene Kennzeichen, die künstlerisches Talent, ideales Streben und eine freie. weitherzige Lebensauffassung der äußeren Erscheinung eines Menschen au zudrücken pflegen. Auch die Art, in der sie sich unterhielten, war nicht die der wackeren Münchener Philister, von denen es zuweilen hier am Seegestade wimmelte. Man sang mit wohlklingenden, gut geschulten Stimmen ernste und heitere Lieder zum Klang der Laute, man ergötzte sich an Reigentänzen und fröhlichen Bewegungsspielen; der Frohsinn streifte oft hart an die Grenze überschäumender Ausgelassenheit, aber er ging niemals auch nur um eines Haares Breite über diese Grenze hinaus. Zwei von den Teilnehmern des kleinen improvisierten Künstlerfestes freilich schienen sich nicht in den harmlos übermütigen Ton der anderen finden zu können. Es waren zwei junge Männer, von denen (Nachdruck verboten. Alle Rechte vorbehalten.) wohl noch keiner das fünfundzwanzigste Lebensjahr überschritten hatte, und denen man es auf den ersten Blick ansah, daß sie einer anderen Rasse angehörten als die übrigen. Bei beiden war der slawische Typus unverkennbar. Aber sie waren einander trotzdem sehr unähnlich. Hager und starkknochig der eine, mit scharf geschnittenen Zügen und einer kühn vorspringenden Adlernase; von einer fast mädchenhaften Weichheit des Gesichtsausdrucks und der schwermütig blickenden Augen der andere. Im Schatten einer breitästigen Buche hatten sie sich etwas abseits gelagert, und während eines langen Zeitraumes wurde kaum ein Wort zwischen ihnen gewechselt. Ihre Aufmerksamkeit aber war während dieser ganzen Zeit unverkennbar auf das nämliche Ziel gerichtet gewesen. Keiner von ihnen hatte auch nur eine Minute lang seine Augen von einem jungen Paare abgewendet, das— wohl ohne es selbst zu ahnen— den eigentlichen Mittelpunkt der fröhlichen Gesellschaft bildete. Es waren ein Mädchen im Beginn der zwanziger Jahre und ein Mann, der wohl schon an der Schwelle der dreißig stand, sicherlich der älteste von Professor Grünwalds hier vereinigten Schülern. Sie waren immer beieinander, bei den Tänzen wie bei den Spielen. Und wenn jemandem die Aufgabe zuerteilt worden wäre, aus den Anwesenden das schönste Paar zusammenzustellen, so hätte seine Wahl sicherlich nur auf diese beiden fallen können. Der reckenhaft hoch und breitschultrig gewachsene junge Mann erschien wie ein Urbild deutscher Kraft und Ritterlichkeit. Sein leichtgewelltes blondes Haupthaar und seine leuchtendblauen Augen ließen auf eine Herkunft aus der norddeutschen Küstenbevölkerung schließen, und auch der Tonfall seiner Rede mußte diese Annahme bestätigen. Die Sprache des jungen Mädchens aber war von unverkennbar ostpreußischer Färbung, und bei dem auffallenden Wohllaut ihrer weichen, hellen Stimme hatte dieser leichte Dialektanklang etwas ungemein Anmutiges und Bestrickendes. Sie war sch'ank und dunkelhaarig; in ihren großen, braunen Augen schienen beständig kleine, goldene Pünktchen zu glitzern, und wenn sie lächelte— wozu es ihr heute an Gelegenheit wahrlich nicht fehlte—. zeigten sich allerliebste, winzige Grübchen in ihren Wangen. Die Biegsamkeit und Gewandtheit ihrer vollkommen ebenmäßigen Gestalt deuteten auf eine in eifriger sportlicher Uebung gewonnene Kraft und auf blühendste Gesundheit. Dabei waren ihre Hände und Füße aristokratisch fein und zierlich, wie auch die ganze Art ihres Benehmens, so unge künstelt natürlich und so frei von aller Ziererei es auch sein mochte, die vortreffliche Erziehung nicht einen Augenblick verleugnete. „Wie schön sie ist!“ sagte plötzlich der junge Mann mit dem schwermütigen Gesichtsausdruck zu seinem Nachbarn unter der Buche.„Ich habe nie etwas Schöneres gesehen als sie."4—, gast, um Obwohl er keinen Namen genannt halte, mußte der andere doch sofort wissen, wen er meinte, denn nach einem kleinen Schweigen erwiderte er in den eigentümlichen Kehltönen des Südslawen: „Du solltest sie nicht fortwährend anschauen, Makarow, wenn du sie so schön findest! Sie ist nicht für dich.“ Der Russe kehrte ihm sein Gesicht zu. „Wähnst du vielleicht, daß sie für dich sein ronnte, Milan Georgewitsch? Wenn sie auch freundlich gegen uns ist, in ihrem Herzen verspottet sie uns doch Die senkrechte Falte, die beständig zwischen den buschigen Brauen des Serben lag, schien sich bei diesen Worten des Gefährten noch tiefer einzuschneiden, und sie gab seinem Gesicht etwas beinahe unheimlich Finsteres und Drohendes. 76 „Es ist nicht nötig, mir das erst zu sagen, Wlaoimir Petrowitsch! Narren sind wir, daß wir uns in sie vergafft haben. Weißt du auch, daß ich einmal nahe daran war, dich um ihretwillen zu töten?“ Wladimir Petrowitsch Makarow lächelte, wie man über das Geschwätz eines Kindes lächelt; aber es war ein Lächeln, das sein Gesicht nicht erhellte, sor dern nur noch trauriger machte. „Und nun möchtest du um ihretwillen viesen Leuthold töten, nicht wahr?" „Nein!“ klang die rauhe Erwiderung.„Denn er wird um dies Mädchen leiden, wie wir jetzt um sie leiden müssen. Niemals wird er sie besitzen!“ „Und warum nicht? Ist es nicht ganz offenkundig, daß sie ihn liebt?“ „Tielleicht! Aber sie kann ihm trotzdem nicht angehören. Sie ist ja die Braut eines andern.“ Mit einer Geste der Ueberraschung richtete sich der Russe aus seiner halb liegenden Stellung auf. „Woher weißt du das?— Wer hat es dir gesagt?“ „Ich habe einen Freund, der in Königsberg studiert, und ich habe ihn beautragt, sich nach der Familie zu erkundigen. Hertha von Raven ist mit einem Verwandten verlobt, einem jungen Offizier. Und die deutschen Offiziere verstehen in solchen Dingen keinen Spaß. Wenn ein anderer versuchen wolite, sie ihm abwendig zu machen, würde er ihn niederschießen wie einen Hund.“.... in2 schmermet Makarow antwortete nicht, aver seine schwermungen Augen suchten wieder das schöne, junge Paar, von dem sie eben gesprochen. Die kleine Gesellschaft war gerade im Begriff, sich nach verschiedenen Richtungen hin zu zerstreuen, und an der Seite des blonden Recken stieg Hertha von Raven in lebhaftem Gespräch zu dem Walde empor, der den Uferhang einfaßte. Noch zwei Minuten, dann war die reizende Mädchengestalt in dem sommerlich hellen Gewande zwischen den Stämmen verschwunden. JJ. Ginnen bes Wie grimmiger Hohn zuckte es um die Lippen des Serben Milan Georgewitsch.„(.s Werderhen“ „So läuft man blindlings in sein Ververben,“ murmelte er. Der Russe aber schüttelte den Kopf. „Was bedeutet das Verderben, das später über ihn kommen mag, neben der Glückseligkeit des gegenwärtigen Augenblicks! Mit Freuden würde ich in der nächsten Stunde mein Leben dahingeben, wenn ich jetzt an seiner Stelle sein könnte."„ Milan Georgewitsch warf sich rucklings ins Gras zurück und verschränkte die Hände unter dem Hinterkopf. „Du sprichst vom Sterben wie einer, der den Tod noch nie aus der Nähe gesehen hat,“ sagte er mit einem Ausdruck unsäglicher Geringschätzung.„Ein erbärmlicher Schwächling, wer mit solchen Dingen kokettiert. Man wirft sein Leben hin, wenn es einem lästig wird, oder wenn es der Mühe wert scheint, es für irgendeinen Zweck zu opfern. Aber man macht darüber nicht vorher große Worte.“ Sie versanken beide in Schweigen, und von der übrigen Gesellschaft fiel es keinem ein, sich um sie zu kümmern. Hertha von Raven und Erich Leuthold waren unterdessen plaudernd immer tiefer in den Wald hineingeschritten. Es waren sehr harmlose und unverfängliche Dinge, von denen sie sprachen, und der junge Mann hatte seiner reizenden Begleiterin bisher nicht einmal den Arm geboten. Plötzlich aber, als von weither ein heller Jodler zu ihnen herübertönte, blieb Hertha stehen..... 19, f4st. f. 6 „Ist das einer der Unsrigen:" fragte sie ganz betroffen.„Wäre es möglich, daß wir uns schon so weit von den anderen entfernt haben?“ „Ach, die Gesellschaft ist ja nach allen Richtungen der Windrose auseinandergestoben,“ gab er lachend zurück.„Und die Verabredung lautet, daß wir uns nachher beim Jäger am See wieder zusammenfinden. Wir sind also nicht in Gefahr, den Anschluß an die Herde zu versäumen.“.... Wan eine 2 „Pfui, Herr Leuthold, wie kann man eine Schar junger Künstler und Künstlerinnen eine Herde nennen! Ganz abgesehen davon, daß ich aus dem Vergleich auch etwas für mich wenig Schmeichelhaftes heraushören könnte!“ Mmaint is „Oh, Sie wissen woyl, wie es gemeinr ist! Ich schätze unsere werten Kunstgenossen gewiß nach Verdienst; aber es kommt schließlich doch ein Augenblick, wo man ihrer lindlichen Harmlosigkeit für eine Weile überdrüssig wird und sich nach Besserem sehnt.“ „Wenn Sie damit sagen wollen, daß Sie Sehnsucht nach einer ernsthaften Unterhaltung empfinden, so muß ich Ihnen leider erwidern, daß Sie eine schlechte Wahl getroffen haben. Denn ich habe mich an diesem Ausflug beteiligt mit der festen Absicht, noch einmal recht fröhlich zu sein. Dafür, daß der Ernst des Lebens einen früh genug anfaßt, ist ja leider immer gesorgt.“ Sie hatte sich auf einen moosüberwachsenen Baumstumpf niedergelassen, um eine Handvoll Waldblumen, die sie auf dem bisherigen Wege gepflückt hatte, zu einem Sträußchen zu arrangieren. Sichtlich froh über dies Verweilen, streckte sich Erich Leuthold neben ihr auf den Boden nieder..„ 9 „Sagen Sie mir aufrichtig, Frautein von Raven, können Sie sich in diesem Kreise von Kindsköpfen wirklich wohlfühlen?" „Nun, es sind doch wohl nicht bloß Kindsköpfe. Herr Makarow zum Beispiel oder Herr Georgewitsch — haben Sie die beiden heute auch nur ein einziges Mal lachen hören?“ Unmutig runzelte Leuthold die Stirn. „Ach, die„Schlawiner“ zähle ich gar nicht mit!— Wenn es auf mich ankäme, würde man diesem Russeni und Balkangesindel unsere Akademien wie unsere Universitäten überhaupt verschließen. Sie werden uns die großmütige Gastfreundschaft, die wir ihnen erweisen, eines Tages schmählich genug vergelten.“ (Fortsetzung folgt.) Ein schwacher Ersatz.„Glauben Sie, daß Ihre Frau nun glücklich sein wird, wenn sie das Stimmrecht erhält?“„Ich fürchte, sie wird es nicht sein,“ meinte Mr. Meekton.„Wissen Sie, bloß so zu der Urne gehen und einen Stimmzettel reintun, das wird nur ein schwacher Ersatz sein für die schönen Dinge, die sie jetzt hat, die großen Straßendemonstrationen, von den Bomben gar nicht zu sprechen...“ * Er hat's gelernt. Braun:„Sie scheinen jetzt mit der Kochkunst Ihrer Frau mehr zufrieden zu sein als früher. Sie hat inzwischen wohl viel gelernt?“ Smith: „Nein, sie nicht, aber ich.“ Wie eine Geisterstimme. Eine wahre Geschichte von Adolf Thiele. (Nachdruck verboten.) Unten in den Grüften die Särge.— Priestley dachte ihrer nur flüchtig, zunächst lag ihm seine Arbeit am Jetzt stand er vor dem Grabdenkmal, das sich in dem Rundgang hinter dem Altar befand. Es unterschied sich wenig von den anderen, die da rechts und links standen, nur ein Unterschied war: auf dem Fußboden befand sich ein Denkstein mit einer Diese galt es auszubessern, denn der Fuß der Lebenden hatte die Schrift für die Toten allmählich ausDen größten Teil der Arbeit hatte der Meister am Tage vollendet, der Rest mußte heute noch fertig werden, denn morgen in der Frühe wollte die Kirchenbehörde den Stein besichtigen. Priestley stellte seine Laterne neben sich, ergriff den Meißel, den er am Nachmittag zurückgelassen hatte, und begann seine Arbeit. Die Kerze in der Laterne verbreitete nur ein schwaches, mattes Licht, die altertümlichen Buchstaben, die der Bildhauer vertiefte und verschärfte, wurden nur undeutlich erhelt..... grg6 W8. E. wirs Da zündete er noch die zweite nerze un; sie würde ja, wie er sich sagte, bis zur Beendigung der Arbeit ausreichen. Fleißig arbeitete er, der Hammer schlug auf den Meißel in leichten Schlägen, und jeder hallte in dem totenstillen, weiten Raume wider. Still war es, von draußen drang kein Laut in die Kirche— eine bedrückende, schwerlastende Stille. Plötzlich— was war das? Der Bildhauer hielt inne, er hatte etwas gehört. Ein kurzer Laut war es, Inmitten, einer Gruppe von Grabmälern Hon) an ein leises Zischen, ein gleichsam,warnendes„Sst. einem dunkeln Aprilabende der Bildhauer Priestley, Priestleg unterbrach seine Arveit und blickte Sein Gehilfe war nach Hause gegangen, und der Meister musterte noch die Arbeit, die jener geleistet. Dann ging er in seine Wohnung hinüber; hier wartete seine Gattin bereits mit dem Abendessen und dem Tee. „Viel zu tun jetzt,“ sagte Priestley, ein in mittleren Jahren stehender Mann, dessen üppiges Lockenhaar erst wenig graue Fäden zeigte.„Im Frühjahr sind in Wakefield wieder viele gestorben. In die Kirche muß ich heute auch noch hinüber.“ „Heute noch in die Kirche?“ fragte seine Gattin etwas erschrectz.,.g,(gat. 8 Ttain dmm i4 „Was ist babei?“ sagie er.„Der Stein, den ich dort ausbessern muß, hat doch längere Zeit als ich dachte. Heute nachmittag bin ich mit der Inschrift nicht fertig geworden, und morgen früh muß sie fertig sein. Man will ihn besichtigen. Granit, mächtig hart! Eine Stunde Arbeit, denke ich!“ Nach dem Mahle nahm der Meister eine Laterne und eine zweite Kerze und trat seinen Weg an. Eine mächtige Kirche ist es, die in Waresield, dieser Mittelstadt der Grafschaft York, ein Bau aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert. Geisterhaft, gleichsam im Dunkel der Nacht verschwindend, ragte der mächtige Turm des gotischen Baues empor.. R. Kantr audes. Priestley war an einer Nebentür angekommen. Er trat ein und zündete in der Vorhalle die Laterne an, dann betrat er die Kirche, deren gewaltiges Schiff in Dunkel gehüllt war. Sein einsamer Schritt klang von den Wanden und Kirchenstühlen hohl zurück, in entfernten Winkeln ein Scho weckend.. Bisdhauer schon öst Der Beruf hatte den Bilbhauer schon vfters in diese und andere Kirchen geführt, er hatte ihn gegen die bedrückenden steinernen Gewalten der Grabmäler gleichgültig gemacht, zudem lag ihm seine Arbeit im Aber trotzdem war ihm nicht leicht zumute. So allein in der alten Kirche, nach allen Seiten undurchdringliches Dunkel, das erregte in ihm doch ein beklemmendes Gefühl! leises Zischen, ein gleichsam warnendes ptrestley unterbrach seine Arbeit und blickte um sich. In dem engen Lichtkreise, der ihn umgab, war niemand zu sehen, und dahinter gähnte dunkle Nacht. Sollte er sich getäuscht haben? Nach einigem Harren nahm er Hammer und Meißel wieder zur Hand und arbeitete weiter. 6 Tceimmt, Doch da wieder der unerriarliche, geheimnisvolle Ton! Priestley hatte jetzt das Gefühl, als sei das warnende„Sst“, ganz in seiner Nähe ertönt. Es war der gleiche Ton wie vorher. All seine Selbstbeherrschung nahm der kräftige Mann zusammen. Er erhob die Laterne und leuchtete, den Hammer in der Hand, in der Nähe herum, an die Hinterwand des Altars, hinter dem er arbeitete, und in dem ganzen Rundgange. In dem weiten Raum der Kirche forschte er nicht nach, war doch der Ton ganz nahe erklungen!. Ptantere richt sumet Er konnte sich eines Schauders nicht erwehren, das Unerklärliche, das den Gesetzen der Natur Widersprechende erfaßte ihn mit grauser Macht. Unter großer Selbstüberwindung ging er trotzdem wieder an die Arbeit, er zwang sich, nur an sie zu denken, und wieder fiel der Hammer auf den Meißel Einige Minuten schaffte er so, da—„Sstl“ erklang es wieder, geisterhaft warnend, mahnend. Priestley erblaßte, Hammer und Meißel entfielen seiner Hand. Heftig zitternd, nahm er die Laterne, sprang auf, taumelte in schnellem Laufe, hie und da anstoßend, der Kirchentür zu. Mit zitternden Händen öffnete er, kaum hatte er draußen noch die Kraft, den Schlüssel drehen. Dann wankte er mit schlotternden Gliedern, mit zitternden Knien über den Kirchplatz. Erst als er einigen Menschen begegnete, die ihn beim hellen Gaslicht erstaunt ansahen, verlöschte er Seine Nerven waren erschüttert, auf dem ganzen Wege tönte in ihm hie und da der geisterhafte Laut wieder, die unerklärliche, leise warnende, seinen Ohren so nahe Geisterstimme.