Die Seeschlacht vor Helgoland. wtb umsterdam, 27. Januar.(Nichtamtlich.) „Tijd“ ve,ntlicht folgenden, ihm aus Ymuiden vom 26. zuar zugegangenen Bericht. Der Kapitän des hdampfers„Mimi“, der am Sonntag vormittag 10 Uhr sich zwischen den kämpfenden Kriegsschiffen befand, erzählt über die Seeschlacht folgendes: Wir waren auf dem Wege nach Hause und befanden uns West=Nord=West von Helgoland, als wir Rauch in der Ferne aufsteigen sahen, der sich so schnell näherte, daß wir binnen kurzem große Kriegsschifte und etwas später sie begleitende Torpedoboote sahen. Noch bevor wir ihre Nationalität erkennen konnten, erdröhnten Schüsse, denen Salven folgten, von denen der ganze Luftraum erzitterte. Riesenhoch über dem Wasser treibende Rauchwolken entzogen die Schiffe dann vorübergehend unseren Augen. Wir setzten unseren Kurs fort und dachten aus ihrer Nähe zu kommen. Die Kanonade kam aber unheilverkündend näher, so daß wir schließlich von einer großen Anzahl englischer Torpedoboote umringt waren, die schießend und manövrierend an der„Mimi“ vorüberfuhren. Geschosse weit entfernter Schiffe explodierten ganz in unserer Nähe. Nachdem der Wind die Rauchwolken vertrieben hatte, sahen wir ein großes Schlachtschif; brennen. Ein anderes von gleichem Typ, das von Torpedobooten umschwärmt war, hatte schwere Havarie. Auf dieses Schiff konzentrierte sich der Angriff. Turmhohe Wassersäulen stiegen an seinen Seiten empor. Wir konnten die Feuerstrahlen vor den Mündungen seiner Geschütze sehen. Wir waren schließlich froh, als der Abstand zwischen uns und den kämpfenden Schiffen immer größer wurde. Amsterdam, 27. Jan. Der in Ymuiden eingetroffene Fischdampfer„Erika" berichtet, daß er 120 Meilen südwestlich von Helgoland in Sichtweite des Kampfes kam. Die Granaten und Projektile der englischen Schlachtkreuzer regneten förmlich über das deutsche Geschwader, das das Feuer lebhaft erwiderte und d#bei langsam auf Helgoland zurückging. Der Kapitän des Fischdampfers sah die„Blücher“ sinken und ebenso deutlich, daß zwei englische Kreuzer getroffen nurden, der eine im Hinterschiff, der andere in der Mitte beim Schornstein. Die Projektile ließen ungeheure Wasser= und Dampssäulen aus der See aufsteigen. Es war ein großartiges Schauspiel. wurde auch gestern gelämpft. Im oberen Unge, Latorcza= und Nagy Ag=Tale mußte der Gegner nach von ihm wiederholt unternommenen, aber vergeblichen Gegenangrissen, die ihm schwere Opfer kosteten, einige wichtige Höhen räumen. In der Bulowing keine Kämpfe. Am südlichen Kriegsschauplatz herrscht Ruhe. Der stellvertretende Chef des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Die Panzerkreuzer„Princeß Royal“ und „Newseeland“ eingedockt. vu Amsterdam, 27. Jan. Wie das„Allgemeen Handelsbald“, in einer Privatmeldung mitteilt, haben sich die englischen Panzerkreuzer„Princeß Royal" und„Newseeland“ ins Dock begeben, zur Ausbesserung der in der Seeschlacht in der Nordsee erlittenen Beschädigungen. Die falsche Behauptung, daß das englische Geschwader kein Schiff verloren habe, wird noch kräftig aufrecht erhalten. der Krieg g.ven Auulans. Der österreichische Bericht. wtb Wien, 27. Jan. Amtlich wird verlautbart vom 26. Januar, mittags: Die allgemeine Lage hat sich nicht verändert. Im Geschützkampf, der gestern beiderseits der Weichsel stärker als in den letzten Tagen mittags über anhielt, wirkte unere schwere Artillerie westlich Tarnow mit Erfolg. Ein Fuhrwerkspark des Gegners wurde zersprengt, mehrere feindliche Kompagnien bei Zglobice, südwestlich Tarnow vertrieben. Das Artilleriefeuer dauerte bei einer Gruppe an der Nida die Nacht hindurch bis zum Morgen an und setzte mit dem Tageslicht erneut verstärkt ein. In den Karpathen Ein Verlust Warschaus ein Verlust des ganzen Feldzuges für Rußland. Budapest, 26. Jan. Wie der„Pester Hirlap“ sich aus Bukarest drahten läßt, ist die russische Presse mit dem Entschluß des russischen General= stabes, Warschau big auf den letzten Blutstropfen zu verteidigen, durchaus einverstanden. So schreibt der militärische Mitarbeiter der„Ruzkoje Wjedomosti“: Wir können uns in diesem Krieg nicht auf den schon historisch gewordenen siegreichen Rückzug verlassen, obwohl sich diesmal starke Stützpunkte in unserem Rücken befinden. Auch der strengste inter ist kein Hindernis mehr, denn in unserer Zeit kann man mit Hilfe der Technik auch elementare Hindernisse gründlich beseitigen. Darin sind wir unseren Feinden gegenüber allerdings arg im Nachteil. Wenn wir jedoch Warschau aufgeben und auf unsere nächste Verteidigungslinie BrestLitowsk zurückfallen, so wird das ganze Gebiet zu einer großen deutsch=österreichischen Festungsanlage, die uns zwingt, Galizien und die Bukowina möglichst rasch aufzugeben, wobei es mehr als zweifelhaft erscheint, ob wir im Stande sein würden, unsere zurückflutenden Truppen auch nur mit dem allernötigsten an Munition und Lebensmitteln zu versehen. Kurz und gut: Ein Verlust Warschaus würde für Nußland den Verlust des ganzen Feld. zuges bedeuten. Nachlassen der russischen Offensive. Wien, 27. Jan. Die Kriegsberichterstatter melden ein Nachlassen der russischen Offensive auf allen Kriegsschauplätzen. Der Rückzug der Russen. Kopenhagen, 26. Jan. Die Petersburger Agentur meldet nunmehr auch amtlich die Einstellung der russischen Operationen in den Karpathen und die nicht mehr zu hindernde Festsetzung der Deutschen am rechten Ufer der Bzura und Rawka. Der Zusammenbruch der russischen Offenstve. Unsere in der vorigen Nummer gebrachte Meldung von dem Aufgeben der russischen Offensive erfährt eine Bestätigung durch folgende Meldung Der Sonderberichterstatter des Wolff'schen Bureaus telegraphiert aus Lowicz über ein Gespräch, das er mit einem höheren deutschen Generalstabsofizier gehabt hat, der in besonderem Maße über die gesamten Vorgänge auf dem östlichen Kriegsschauplatze unterrichtet ist. Der Offizier wies auf die soeben veröffentlichten offiziellen Darstellungen der Operationen in Polen uund Galizien hin und fügte erläuternd hinzu: Sie sehen den vollständigen Zusammenbruch der großen russischen Ofsensive und können sich darauf verlassen, daß die Russen zur Erneuerung ihrer Offensive großen Stils nicht nur gegenwärtig, sondern auf Monate hinaus völlig unfähig sind. Vor April oder Mai können sie nicht daran denken, und auch dann nur, wenn es ihnen gelingt, inzwischen I die Armee mit neuem Geiste zu erfüllen und den Hecresbedarf vollständig neu zu ergänzen. Aber beachten Sie noch etwas anderes! Die Darstellung hier zeigt Ihnen evident, wie Erfolge, die mit einem Flügel errungen wurden, ihre Wirkung auf die ganze Kampfessront ausüben. Die russische Offensive gegen Krakau ist durch den deutschen Vormarsch auf Warschau zum Scheitern gebracht. Jetzt haben die Russen, um Warschau zu schützen, so ungeheure Truppenmassen nach ihrem rechten Flügel werfen müssen, daß sie entscheidende Operationen in Galizien und gegen Ungarn gar nicht unternehmen könnten, auch wenn die Zustände in ihrer Armee besser wären. Aus der Offensive auf Krakau ist die Verteidigung Warschaus geworden. Wollte jetzt der Großfürst für eine große Operation in Galizien seinen rechten Flügel wieder schwächen, o gäbe er damit aller Voraussicht nach Warschau preis. Nun wäre es aber gewiß ein salscher Schachzug Warschau gegen Krakau einzutauschen, selbst dann falsch, wenn die Einnahme Krakaus den Russen sicher wäre. Doch das ist sie ja keineswegs. Vielmehr würden die Verbündeten wahrscheinlich, um einen Turm zu nehmen, höchstens einen Bauer preisgeben. Nein, die Partie steht nicht so gut für die Russen!“ Die Lage im Kaukasus. wtb Konstantinopel, 26. Jan. In einer Besprechung der militärischen Lage im Kaukasus stellte„Tanin“ fest, daß die russischen Kommuniques falsch oder übertrieben seien. Der Versuch der Russen, den linken Flügel der türkischen Armee in der Gegend östlich Olly zu umgehen, sei durch die außerordentliche Tapferkeit der türkischen Truppen gescheitert. Diese hätten den Boden, den sie auf russischem Gebiet besetzten, nicht aufgegeben, und hätten nur aus taktischen Gründen einige Punkte ohne irgend welche Bedeutung verlassen. Die russischen Verluste seit Beginn des Feldzuges seien mehr als doppelt so groß, als die türkischen. Der Gesundheitszustand und die Ordnung der türkischen Armee seien vorzüglich. mit dem Hungertode bedroht werden, dann soll das in der vollen Ordnung sein und die Welt dazu schweigen. Das Urteil ist durchaus zutreffend und für Englands Moral vernichtend, und es ist nur ein Segen, daß England dank uunserer wirtschaftlichen Stärke seinen teuflischen Plan der Aushungerung unseres Volkes nicht zu verwirklichen vermag. Wie Bryan die Waffenlieferungen beschönigt. Frankfurt a. M., 26. Jan. Die„Frankf. Ztg.“ erhält folgende Meldung: In einem ausführlichen Schreiben an die Senatskommission für auswärtige Angelegenheiten widerlegt Staatssekretär Bryan — wie das Nauter=Telegramm behauptet,„ohne Mühe“— die Klagen der Freunde Deutschlands, die besagen, daß die Vereinigten Staaten die Ententemächte auf Kosten Deutschlands und Oesterreich=Ungarns begünstigen. Er erklärt, daß es Sache der Kriegführenden sei, die die Macht zur See haben, zu verhindern, daß Konterbande ihren Feind erreiche, und er widerspricht der Auffassung, daß die Vereinigten Staaten die Verantwortlichkeit hätten, jeden Handel mit Konterbande zu verhindern. Der Klieg heten amut. Der Schrecken im englischen Küstengebiet. Nach Londoner Meldungen der dänischen Blätter treffen immer noch überfüllte Eisenbahnzüge aus dem Küstengebiet in London ein. Yarmouth ist von über zwei Drittel der bürgerlichen Bevölkerung verlassen und die Beamten sind zurückgeblieben. Der Gemeinderat von Yarmouth hat eine Entschließung gefaßt, in der er sich außerstande erklärt, für die Sicherheit der Bewohner fernerhin einzutreten, falls die Regierung keine energischere Vorsichtsmaßregeln gegenüber feindlichen Angrifsen zu treffen in der Lage ist. Aus Amsterdam wird berichtet: Trotz der Erklärung, daß die englischen Reeder nicht im geringsten durch die Versenkung des„Durward" beunruhigt seien, war gestern der Harwichverkehr bis auf einen Dampfer vollständig eingestellt. Es waren von den holländischen Bahnen keine Platzkarten für Dampfer ausgegeben, da der Verkehr zwischen Holland und Harwich bis auf weiteres völlig eingestellt ist. Der Dampfer„Munich“, der, mit 450 Flüchtlingen an Bord, gestern früh in Begleitung englischer Torpedoboote nach England abfahren sollte, hat von dort Befehl erhalten, in Rotterdam zu bleiben. Englands Moral wird auch von den neutralen Staaten jetzt nach ihrem Werte erkannt und verurteilt. So sagt ein amerikanisches Blatt zu dem Zetermordio, das die Engländer über das Erscheinen deutscher Luftschiffe an ihrer Ostküste erheben: Die Engländer geben das Aushungern von Frauen und Kindern Deutschlands, deren Zahl viele Millionen beträgt, als den ausgesprochenen Zweck ihrer Kriegführung an. Findet ein englisches Baby im natürlichen Verlauf des Krieges seinen Tod, dann wird die Welt zum schaudernden Zeugen angerufen. Wenn aber Millionen deutscher Kinder von England Girleg deren Französische Zeppelinfurcht. tu Basel, 26. Jan. Die Zeppelinfrage ist fortgesetzt das Thema der Pariser Zeitungen. So veröffentlicht das„Echo de Paris“ auf der ersten Seite allein drei Artikel über die Zeppeline. Barres begrüßte in dem Leitartikel die moralische Stärkung, die das Pariser Publikum durch die beständig drohende Gefahr gewinnen werde. Der zweite Artikel will Glauben machen, daß das Leben neutraler Diplomaten im Falle eines Lustangriffs auf das Pariser Kriegsministerium bedroht sei. In dem dritten Aufsatz bespricht der General= ekretär des Aeroklubs die Möglichkeit eines Zeppelinfluges nach Paris. Auf der vierten Seite des„Echo“ äußert General Cherfils die Ansicht über die Zeppeline und sagt, daß diese bei einem Nachtangriff nur Materialschaden anrichten könnten. Aehnlich lauten die Kommentare der übrigen Blätter. Alle Blätter lassen die heillose Angst ahnen, in der die Pariser Bevölkerung jetzt allnächtlich die Zeppeline erwartet. Der dritte Luftangriff auf Dünkirchen. Köln, 27. Jan. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der holländischen Grenze: Aus Nordfrankreich wird der„Times“ unter dem 23. Januar über die Beschädigung Dünkirchens durch die deutschen Flugzeuge des Näheren berichtet: Der gestrige Angriff auf Dünkirchen durch deutsche Flugzeuge war der deitte innerhalb eines Monats. 66 Sprengkörper sind auf die Stadt und die Vororte gefallen. Neun Personen wurden getötet. Furchtbare Verluste der französischen Alpenjäger. tu Genf, 27. Jan. Die furchtbaren Verluste der seit einigen Wochen mit den schwierigsten Aufgaben im Oberelsaß betrauten Alpenjäger veranlaßten die französischen Volksvertreter zu Schritten im Kriegsministerium, dort andere Truppen ins Vordertreffen zu senden. Revolvtion in Portugal. Die Ministerkrise in Portugal wirft wieder einmal ein grelles Schlaglicht auf die Zustände der jüngsten europäischen Republik. Der Kriegsminister, der früher Monarchist war, sich später aber als Republikaner bekannte, mußte den Angriffen der Offiziere weichen, die in aller Form Ehre und Liebe. Roman von Käthe Lubowski. 4 Der dumpfe Druck wich von seinen Schläfen und sein statrer Blick wurde klar und zielbewußt. Er sprang auf und drückte auf den Knopf der elektrischen Klingel, die zu des Burschen Schlafkammer führte. Dann ging er zum Schreibtisch. Wenige Minuten später war das Gesuch um Urlaub zu Papier gebracht. Für alle Fälle erbat er acht Tage. Nun legte er das Telegramm hinein und versah das Schreiben mit dem Umschlag.„An den Regimentskommandeur Herrn Oberst von Wachenhusen." Das waren schon wieder die alten sicheren, steifen Buchstaben, die eckig und trotzig, wie einunbeugsamer Wille, anmuteten. Nun noch eine Nachricht an Adda! Er sann nach. An diesen Fall hatte er vorgestern noch nicht denken können. Der Oberst kannte seine Handschrift genau. Es war nicht ausgeschlossen, daß er durch irgend einen Zufall den an seine Tochter gerichteten Brief in Empfang nahm. Die Folge davon würde ein Fragen, Verleugnen und Erfinden der Antwort sein müssen. Das widerstrebte seiner geraden Natur. Sie hatten beschlossen, alle Zeichen, die ein öffentlicher Brautstand in Anspruch nahm, zu vermeiden. Darum war die Erledigung wichtiger Mitteilungen durch den schriftlichen Verkehr gar nicht von ihnen in Betracht gezogen. Er würde am besten an Jürgen den Brief richten und eine Einlage für Adda hineinlegen. Als er auch damit fertig war, kam sein Bursche herein. Seine Stimme klang ganz ruhig, als er ihm die nötigen Befehle für die Reisevorbereitungen gab, so daß ihr auch ein feineres Ohr als das des treuherzigen Schlesiers nicht mehr die gehabte Aufregung anhören hätte können. Stümecke nahm die Hacken zusammen und verschwand, während Tarenberg das wenige erledigte, was ihm noch zu tun übrig blieb. Run saß er im D=Zug und dampfte dem Heimatsgut Hohen=Litzen entgegen, das seine Mutter nach des Vaters Tode und dem Verkauf der beiden Nebengüter als Witwensitz zurückbehalten hatte. Es stellte sich dabei heraus, daß der Tote den Wert seines seit 100 Jahren in der Familie gewesenen Grundbesitzes viel zu niedrig veranschlagt hatte, 200000 Mark waren allein beim Verkauf herausgekommen und die gleiche Summe repräsentierte der Wert von Hohen=Litzen. Der Vater selbst schätzte sein Gesamtvermögen nur auf ca. 300000 Mark insgesamt ein. Tarenbergs Gedanken krampften sich verzweifelt an diesen nüchternen Zahlen fest. Er wollte nicht an den Zweck der Fahrt und an die blasse Mutter denken. Um ihrer Ruhe willen mußte er stark sein. Er zwang seine Gedanken in die Kindheit zurück, wie sonderbar eigentlich, daß sie ihm so wenig vom Vater gesprochen hatte. Bei seiner Großjährigkeit erfuhr er aus ihrem Munde die Höhe des Vermögens und die notwendigen Aufklärungen über die Anluge des Kapitals, wie sie bei solchem Lebensabschnitt jedem erwachsenen Mann zuteil werden. Das, was sonst dem erwachsenen Sohn als bleibende Erinnerung an den toten Vater gegeben werden mag, war ihm nicht geworden. Er dachte heute zum ersten Mal über das „warum nicht" nach. In dieser Stunde, in der er um das Leben derjenigen, die seine Kindheit behütet und seine Männlichkeit rein erhalten hatte, bangte, sehnte er sich nach seinem Vater. Und immer noch raste der Zug weiter! Die Minuten wurden ihm zu Stunden, die Stunden zu quälenden Ewigkeiten, die in seinem Hirn breunende Gluten entzündeten. Endlich kam die sechste Stunde der Fahrt und mit ihr die Endstation Naaschen, an der ihn der Hohen=Litzener Schlitten erwarten würde. Von dem Feuster seines Abteils aus sah er bereits das leichte Gefährt, dessen feine, mit Goldleisten verzierte Täfelung hell im Sonneuschein aufleuchtete. Auf dem Bock saß kerzeugerade der alte Johann, fast vergraben in dem zottigen Fuchspelz. Ohne sich zu ruhren, saß er da, die Augen starr auf die Trakehner gerichtet. Mit einem Satz sprang Tarenberg heraus und überließ dem Diener die Besorgung des Gepäcks. Er stürzte auf den Schlitten zu und faßte den Alten, der seit 26 Jahren in Tarenbergschen Diensten stand, hart am Nrrn. „Johann, wie geht es meiner Mutter?“ „Es soll heute besser sein, gnädiger Herr!" „Sprichst Du die Wahrheit, Alter?“ „Zu Befehl, Doktor Manke hat es gesagt.“ „Und was meinst Du, Johann?“ Der Alte verzog keine Miene. Der langjährige Drill hielt ihn scharf im Zaum. Sein glattrasiertes Gesicht sah unbeweglich in die Weite. „Hast Du meine Mutter in den letzten Tagen gesehen, Alter?" begann Tarenberg von neuem zu fragen. Es lag ein erschütternder Ausdruck von Qual und Angst in seinen Augen, die dem Mann, der seinen jungen gnädigen Herrn von Kindesbeinen an kannte, aus Herz griff. „Zu Befehl, gestern,“ sagte erleise und die Leine in seiner Hand zuckte dabei.— Die starke Hand krallte sich förmlich in seinen Aermel hinein! „Und— wie— sah— sie da aus? So sprich doch, ließ sie Dich rufen?" „Nein. Ich habe sie und ihr Bett in das hohe Turmzimmer tragen helfen, in dem viel Sonne ist.“ „Und wie fandst Du sie?“ Da sank das steife Haupt des Alten tief auf die Brust herab und ein vergrämtes, schmerzvolles Gesicht sah Tarenberg an. Die Maske ließ sich nicht länger festhalten. Zwei helle Träuen rannen in den Fuchspelz. Da wußte Hans Weddo, daß es toternst stand. Er sprang aus dem Bock und nahm dem Alten die Leine aus den Händen. Dann ging die Fahrt los, So hastig und vorbereitungslos, daß dem jungen Diener nichts anderes übrig blieb, als auf die Sammetpolster des Fond zu springen. Die Schwarzen gaben ihr Bestes. Die Hufe klappten in rasendem Takt auf der glatten Bahn. Es war wie ein einziger dunkler Strich in der lichterftillten Winterluft, so oft sich die schlanken Beine hoben und senkten. Der alte Johann saß wieder aufrecht und gerade neben seinem jungen Herrn und hatte die Maske angetan. Er hatte vor sechsundzwanzig Jahren dieselbe Strecke in einer Stunde geschafft, damals als der, der sie heute in fünfzehn Minuten fahren würde, geboren werden sollte. „Fahr zu, Johann, und wenn die Biester gleich dabei kaput gehen," hatte sein damaliger Herr befohlen,„sie brauchen bloß so lange auszuhalten, bis Du den Professor hierher gebracht hast.“ Und sie hatten ausgehalten. Die blauen Striemen um die Handgelenke, um die er sich zuletzt die Leine geschlungen hatte, waren noch zu sehen gewesen, als der Junge den ersten Schrei von sich gab. Erhatte hundert Taler von seinem Herrn gekriegt und sie hatten ihm gesagt, daß er der schönen gnädigen Frau das Leben gerettet habe, denn es hatte keine Viertelstunde mehr dauern dürfen. Die Fahrt heitte würde sie nicht mehr retten.— Das wußte er genau. Nun war Hans Weddo von Tarenberg bei seiner Mutter. Er kniete an ihrem Bett und hatte den Kopf auf ihre schmalen, durchsichtigen Hände gelegt. Sie sollte seine Tränen nicht sehen. Aber Mutterliebe bedarf der Augen nicht. Sie fühlt mit der Tiefe und Stärke jener unaussprechlichen Zartheit, die in der Seele ihres Kindes zu Hause ist. „Noch bin ich sa bei Dir," tröstete sie ihn leise „Vorläufig zwinge ich den Tod noch— so lange, bis ich Dir gesagt habe, was gesagt werden muß. „Du sollst nicht sprechen, Mutter. Komm, ich trage Dich in den großen Lehnstuhl, dicht aus Feuster, damit Du in die Sonne siehst. Du hast sie immer so sehr geliebt. „Ach— ja— mein Kind. Die Sonne! Es ist mancher da, der sie sucht, ohne doch ihr Licht vertragen zu können.“ 220,16 Wer miütdem Brote spar, erwirbi sich ein Verdienst vor dem Vaterland gegen ihre eigene Regierung meuterten. Zahlreiche Offiziere hatten dem Minister ihren Degen zurückgesandt und ihm erklären lassen, daß sie unter keinen Umständen die Kasernen verlassen würden, sich vielmehr als Gefangene betrachteten, so lange im Amte sei. Der republikanischen Regierung sehlt jedes Machtmittel, sich Respekt zu verschafsen; sie konnte daher auch den Militärkonflikt nur beschwören, indem sie den Meuterern Zugeständnist se machte und den Kriegsminister preisgab, der sofort in einer Person nach dem Herzen der Offiziere einen Nachfolger erhielt. So ist Portugal, und auf einen solchen Bundesgenossen kann England stolz sein. Daß die republikanische Regierung Portugals, die danach im Grunde eine morarchistische ist, nennenswerte Truppen der Verbündeten wegen der Revolutionsgefahr im eigenen Lande nicht zur Verfügung stellen kann, ist eine Sache für sich. tu Zürich, 27. Januar. Die„Neue Züricher Zeitung" hat ein wahrscheinlich chiffriertes, sehr lakonisches Privattelegramm aus Lissabon erhalten, welches meldet, in Portugal sei die Revolution ausgebrochen und man habe die Regierung gestürzt. Ob eine andere republikanische Regierung eingesetzt oder die Monarchie wieder hergestellt ist, geht aus der Meldung nicht hervor. Die Haltung Italiens. Wien, 27. Jan. In der„N. Fr. Pr.“ erörtert Graf Julius Andrassy sehr eingehend die italienische Frage und kommt zu dem Resultat, daß die Interessen Italieng nur auf den Dreibund hinweisen. Die Opposition gegen die itanienischen Kriegshetzer. Mailand, 26. Jan. Die„Stampa“ dementiert das hier verbreitete Gerücht über ein Komplott unter den Anhängern Giolittis, das bestehende Ministerium zu stürzen und ein neutralistisches Kabinett zu bilden. Trotzdem nimmt die Opposition täglich zu. Die bei der Erdbeben=Katastrophe getroffenen Maßnahmen und die Tumulte in Sizilien werden bei der Wiedereröffnung der Kammer sicherlich eine heftige Auseinandersetzung hervorrufen. Inzwischen verlieren die kriegslustigen Parteien natürlich an Boden. Mehrere radikale Abgeordnete befürworten jetzt die Neutralität. Eine innere Spannung ist in der radikalen Partei bereits entstanden. Sollte das Ministerium Salandras gestürzt werden, so wäre ein Kabinett Giolitti gesichert. Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, sprach sich Giolitti noch vor kurzem entschieden für die Neutralität aus. größten Zeit unserer deutschen Geschichte.— Es lag bisher wie eine stille Tragik über dem Wollen und Wirken unserers Herrschers. Wie gut hat er es mit allen Ständen in unserer Nation gemeint, wie hat er durch persönliche Besichtigungen und Kontrollen an vielen Orten Deutschlands sich von der Durchführung gesetzlicher oder militärischer Maßnahmen überzeugen wollen. Und wie ost ist gerade die Tätigkeit dem Mißverständnis und dem Uebelwollen begegnet. Wie hat er immer den Frieden erstrebt, wie er bis an die äußerste Grenze einer Geduld gegangen, um den Weltfrieden zu erhalten. Und nun liegt der blutigrote Schein des Weltkrieges über seinem Land, eine Welt von Feinden steht gegen ihn, aber jetzt erntet der Kaiser Herrliches. Es ist heute sein schönster Geburtstag:„Nie ward ein Kaiser auf den Schild erhoben so hoch wie Du und so vom Volk verehrt!“ Im Wettersturm der Gefahr wuchts die alte deutsche Königstreue in wunderbarer Blüte und Schöne unserm Kaiser entgegen. Ein Kaiser, ein Volk, ein Herz, eine Treue, eine Liebe! Ergreifenderes hat die Weltgeschichte nie gesehen! Betend faltet unser gesamtes Volk heute seine Hände, betend blickt es nach oben zu dem Herrn der Heerscharen, zu dem Lenker der Schlachten und betend klingt nur ein Munsch nach oben: „Vater, kröne du mit Segen unsern Kaiser und sein Haus!“ Aus Stadt und Umgebung Heil unserem Kaiser! Kaisersgeburtstag und Krieg— welche Gegensätze! Sonst fröhliche Feiern und Feste, Zapfenstreich und Paraden, sonst laute, jubelnde Freude an diesem nationalen Feiertag, aber diesmal ist unser Volk still und ernst an diesem Tage, so will es unser Kaiser, und so entspricht es dem Ernst der gegenwärtigen Kriegslage. Die Fahnen, die sonst an diesem Tage aus dem Schlosse geholt murden, wehen jetzt auf den Schlachtfeldern, vielfach von Kugeln zerfetzt und die Offiziere und Reser visten, die sonst mit uns feierten, liegen draußen in den Schützengräben oder ruhen schon längst in den Massengräbern der Schlachtfelder. Das alles stimmt ernst. Und doch geht eine tiefe, heilige Freude gerade heute am Jubeltag unseres Kaisers durch unser ganzes Volk; denn noch nie zuvor hat unser Volk so einmütig und fest, so ungeteilt und so begeistert zu seinem Herrscher gestanden, wie in dieser furchtbarsten aber auch Die Feier in Schwerte. Der ernsten Zeit entsprechend und auf Wunsch des Kaisers selbst finden keine öffentlichen Veranstaltungen statt. Ueberall wird der Geburtstag des Monarchen in schlichter und würdiger Weise begangen. Die Glocken verkündeten heute früh mit ehernem Munde den Tag, an dem unser Kaiser in sein 56. Lebensjahr tritt. Mögen es zugleich Siegesklänge gewesen sein. Millionen Menschen erheben heute betend die Hände zum Allmächtigen, der die Geschicke der Völker lenkt uund erflehen für Kaiser und Reich den Sieg und einen ehrenvollen Frieden. Die militärischen Vereine hatten bereits am Sonntag den Geburtstag des Allerhöchsten Kriegsherrn in schlichter, würdiger Weise gefeiert, und heute vormittag feierten die Schulanstalten unserer Stadt. Ueberall waren Gesänge und Vorträge dem Ernste der Zeit angepaßt. (Eine Reichskupferwoche) ist nach dem hocherfreulichen Ergebnis der Reichswollwoche von verschiedenen Seiten angeregt worden. Es findet sich unter Urväter Hausrat in vielen Familien eine Menge von kupfernen Kesseln, Kannen, Schüsseln, usw., die wohl entbehrt werden könnten. Es ist auch keine Frage, daß unsere deutschen Frauen, wenn es geboten wäre, ihre Vorrüte gern auf dem Altar des Vaterlandes opfern würden. Augenblicklich liegt jedoch dazu kein Anlaß vor, wir find, wie soeben auch der Generalstabschef v. Falkenhayn erklärte, mit Kupfer so reichlich versehen, daß uns die amerikanische Kupfersperre durch England gleichgültig sein kann. Wäre es anders, dann hätte der Gedanke dem Kaiser zum heutigen Geburtstag eine Kupferspende der deutschen Frauen darzubringen, sicherlich Verwirklichung gefunden. Die von vielen deutschen Frauen ergangene Anregung zeigt aber zugleich, über wie große Reichtümer an Kriegsmaterial wir verfügen, und daß wir auch nach dieser Seite hin imstande sind, den Krieg durchzuhalten, wie es nach der Unerschöpflichkeit unserer Reserven, nach dem Stande unserer Finanzen und unseres gesamten Wirtschaftslebens der Fall ist. *(Steigende Einnahmen der preußischen Eisenbahnen.) Die Verkehrseinnahmen der preußischen Staatseisenbahnen zeigen eine weitere erfreuliche Steigerung. Von den Einnahmen des Vorjahres gingen, einschließlich derjenigen aus Militärtransporten, seit Kriegsbeginn ein: Im Personenverkehr im August 56,51 Prozent, im September 49,59 Prozent, im Oktober 61,80 Prozent, im November 67,36 Prozent, im Dezember 78,12 Prozent. Im Güterverkehr 1914 im August 41,25 Prozent, im September 68,73 Prozent, im Oktober 79,67 Prozent im November 81,41 Prozent, im Dezember 95,44 Prozent. Die Zahl der Arbeitstage im Dezember des Vorjahres war gleich. Die Einnahmen aus den Militärtransporten stellten sich im Dezember im Personenverkehr auf nur 5,78 Pro“ zent, im Güterverkehr auf nur 4,54 Prozent. Umso erstaunlicher ist es, daß gleichwohl die ausschlaggebenden Einnahmen aus dem Güterverkehr über 95 Prozent der vorjährigen Einnahmen erreichten, also fast normal waren. Es ist dies ein Zeichen für das starke Wirtschaftsleben in unserem Vaterlande, trotz des schweren Krieges. **(Ein Beispiel für die Anforderungen an die Feldpost.) Nach einer am 16. Januar vorgenommenen Zählung sind an diesem Tage aus dem Deut' schen Reich 7989940 Feldpostbriessendungen nach dem Felde abgegangen, nämlich 4304770 portoreie, also meist bis 50 Gramm schwere Briefe und Postkarten und 3 085170 schwerere frankierte Feldpostbriefe und Feldpostpäckchen. Davon rührten her aus dem Reichspostgebiet 6,6 Millionen, aus Bayern rund 1 Million, aus Württemberg rund 0,4 Million Sendungen. **(In den katholischen Kirchen) der preußischen Diözesen findet am Kaisersgeburtstag und am folgenden Sonntage, den 31. Januar, auf Anordnung der preußischen Bischöfe eine Kollekte für die Kriegsinvaliden statt, deren Ertrag als gemeinsames Gelurtstagsgeschenk aller Diözesen Preußens dem Kaiser übergeben werden soll. **(Milchfrühstück für Schulkinder.) Trotz reicher Betätigung für den Kriegsliebesdienst hat es der hiesige evangelische Frauenverein auch in diesem Jahre möglich zu machen gewußt, etwa 150 schwächeren und weniger bemittelten Kreisen entstammenden Schulkindern der Markt=, Bismarckund Sedanschule während der Monate Jaruar und Februar ein Milchfrühstück täglich unentgeltlich zu gewähren. ** Holzen, 26. Jan.(Vaterländischer Frauenverein.) Einem in hiesigen Frauenkreisen seit längerer Zeit lebhaft empfundenen Bedürfnis, in unserer Gemeinde einen Zweigverein des Vaterländischen Frauenvereins ins Leben zu rufen, ist nunmehr entsprochen worden. Auf in dieser Zeitung ergangene Einladung hatten sich im Hosangschen Saale vor einigen Tagen dreißig Damen versammelt. Nach einleitenden Ausführungen der Frau Hauptlehrer Hillefeld über Notwendigkeit und Pflichtenkreis des zu gründenden Vereins wurde die Gründung beschlossen; sämtliche Anwesenden traten dem Verein bei. In den Vorstand wurden gewählt: Frau Hillefeld, Frau Hohenschwert, Frau Gathmann, Frau Plässer, Frau Budde, Fräulein Eisenberg. Der junge Verein, der seine Tätigkeit in den Kriegsliebesdienst stellt, hofft noch auf zahlreiche Anmeldungen aus allen Bevölkerungsschichten. Anmeldungen nehmen die genannten Damen des Vorstandes gern entgegen. Der Jahresbeitrag beträgt 1 Mk. ** Westhosen, 27. Jan.(Auszeichnung.) Der Leutnant d. R. Hermann Weiberg, Sohn der Ww. Weiberg(jetzt Wirtschaft Fritzenkötter) ist mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Dem tapferen Krieger, der auf dem östlichen Kriegsschauplatz kämpft, unsern besten Glückwunsch! * Dortmund, 27. Jan.(Vom Erdstoß.) Die Untersuchung über den Grund der Erderschütterung, die in den vorgestrigen Abendstunden Dortmund in Unruhe versetzt hat, hat bisher zu einem endgültigen Ergebnis nicht geführt. Vernehmungen von Arbeitern auf einer Baustelle, die ungefähr in der Mitte des Gebietes, das die meisten Gebäudebeschädigungen aufweist, liegt, haben nicht ergeben, daß dort mit Sprengstoffen gearbeitet worden wäre, so daß eine Sprengstoffexplosion also nicht vorliegen könnte. Man neigt der Ansicht zu, daß es sich um die Folge des Einsturzes von unterirdischen Hohl räumen eines verlassenen Bergwerksbetriebes in folge Zubruchgehens eines Pfeilers handelt. Drei Flieger abgestürzt. Berlin, 26. Jan. Das„Berl. Tagebl.“ meldet aus Johannisthal: Bei windstillem Wetter fanden heute auf dem Flugplatze zahlreiche Aufstiege statt. So unternahm auch der Flieger Müller, der erst vor kurzem sein Pilotenexamen bestanden hat, einen Flug in die Umgebung des Flugplatzes. In einer Höhe von 50 Metern stieß sein Apparat mit dem des Feldwebels Konrad zusammen, der Lautnant Böhmer als Passagier an Bord hatte. Die beiden Apparate zerschellten in der Luft und stürzten zu Boden. Alle drei Flieger konnten nur als Leichen aus den Trümmern hervorgezogen werden. Privat=Telegramutekruch. zwischen Heimat u Feldheer, Es wird bekannt gegeben, daß der Privat=Telegrammverkehr zwischen der Heimat und dem Feldheer zunächst versuchsweise unter folgenden Gesichtspunkten vom 20. Januar ds. Is. ab zugelassen wird: 1. Beim stellvertretenden Generalkommando des 7. Armee=Korps ist eine„Annahme= und Prüsungsstelle für den Telegrammverkehr“ eingerichtet (Münster, Steinfurterstraße 6). 2. Es werden nur unbedingt dringliche Telegramme in offener deutscher Sprache zugelassen. Telegramme mit unrichtiger Adresse werden zurückgewiesen. 3. Da nur eine beschränkte Anzahl von Telegrammen zur Beförderung gelangen kann, werden von der Prüfungsstelle nur die wichtigsten ausgesucht; die danach nicht zur Beförderung gelangenden werden den Absendern wieder zugestellt. Den Anträgen ist ein Briefumschlag mit der genauen Adresse des Absenders beizufügen. 4. Die Adresse ist vom Absender so ausführlich anzugeben, wie es für Feldpostsendungen vorgeschrieben ist. Der Unterschrift des Telegramms ist in jedem Falle die genaue Adresse des Absenders beizufügen. Die Gebühr für die Telegramme beträgt: 1. für die Adresse ohne Rücksicht auf die Wortzahl in jedem Falle 50 Pfennig; 2. für jedes fernere Wort 5 Pfennig. Kein Telegramm darf außer der Adresse mehr als 20 Worte enthalten. 5. Die Telegramme werden mur auf Gefahr der Absender angenommen. Sie sind unter Beifügung der Gebühr in Briefmarken, die nicht aufzukleben sind, an das stellvertretende Generalkommando VII. A. K., Annahme= und Prüfungsstelle für den Telegrammverkehr, Münster, Steinfurterstraße 6, einzusenden, also nicht persönlich zu übermitteln. Bei Ueberweisung der Gebühr in anderen Zahbungsmitteln( z. B. mitels Postanweisung) wird die Annahme verweigert. 6. Unbestellbare Telegramme werden brieflich zurückgesandt. 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Zur Herstellung von Weizenmehl ist der Weizen mindestens bis zu 80 vom Hundert durchzumahlen. Die Landeszentraldehörden oder die von ihnen bestimmten Behörden können diese Ausmahlung in der Weise zulassen, daß hierdei ein Auszugsmehl bis zu 10 vom Hundert hergestellt wird. § 3 Die Landeszentralbehörde kann für eine Mühle, die zum Durchmahlen des Getreides bis zu den Mindestsätzen dieser Verordnung außerstande ist, aus besonderen Gründen eine geringere Ausmahlung zulassen. § 4. Soweit ein Verkäufer von Roggen= oder Weizenmehl infolge dieser Verordnung nicht vertragsmäßig liefern kann, ist er verpflichtet, eine nach dieser Verordnung zugelassene Mehlsorte gleicher Art zu liefern, die der verkauften im Ausmahlverhällnis am nächsten steht; zur Lieferung einer nach§ S zugelassenen Mehlsotte ist er nur dann verpflichtet, wenn er sie auf Grund einer nach§ 3 erteilten Erlaudnis selbst herstellen kann. Der Kauspreis ist bei Lieferung eines geringwertigen Mehls nach den§§ 472. 473 des Bürgerlichen Gesetzbuches zu mindern, bei Lieferung eines höherwertigen entsprechend zu erhöhen. Der Käufer ist berechtigt, von dem Vertrage zurückzutreten, soweit der Verkäufer infolge dieser Verordnung nicht vertragsmäßig liefern kann. Das Rücktrittsrecht erlischt wenn der Käufer nicht unverzüglich davon Gebrauch macht, nachdem der Verkäufer ihm angezeigt hat, daß er ganz oder teilweise nicht kiefern kann. § 5. Weizenmehl(§ 2 Abs. 1) darf, insbesondere auch von den Mühlen, nur in einer Mischung abgegeben werden, die 30 Gewichtsteile Roggenmehl(§ 1 Abs. 1) unter hundert Teilen des Gesamtgewichts enthält. Weizenauszugsmehl(§ 2 Abs. 2) darf ungemischt abgegeben werden Roggenauszugsmehl(§ 1 Abs. 2) darf zum Mischen nicht verwendet werden. Diese Bestimmungen gelten auch für Fälle. in denen Weizen für Rechnung eines anderen ausgemahlen wird(Kundenund Lohnmüllerei); sie gelten nicht für Weizenmehl, das dei Inkrafttreten dieser Verordnung bereits im freien Verkehre des Inlands war oder das aus dem Ausland eingeführt wird. Die Landeszentralbehörden können Ausnahmen von der Vorschrift des Abs. 1 Satz 1 für den Fall zulasses, daß die Abgabe von Weizenmehl(§ 2 Abs 1) von einer Mühle an eine andere zur Vornahme des Mischens erfolgt; dies gilt auch für die Kunden= und Lohnmüllerei § 6. Die Beamten der Polizei und die von der Polizeidehörde beauftragten Sachverständigen sind defugt. in die Räume, in denen Mehl dergestellt wird, jederzeit, in die Räume, in denen Mehl aufbewahrt, feilgehalten oder verpackt wird, während der Geschäftszeit einzutreten, daselbst Besichtigungen vorzunehmen, Geschäftsaufzeichnungen einzusehen, auch nach ihrer Auswahl Proben zum Zwecke der Untersuchung gegen Empfangsbestätigung zu entnehmen. Auf Verlangen ist ein Teil der Prode amtlich verschlossen oder versiegelt zurückzulassen und für die entnommene Probe eine angemessene Entschädigung zu leisten. S 7. Die Unternehmer von Betrieben, in denen Mehl hergestellt wird, sowie die von ihnen bestellten Betriebsleiter und Aufsichtspersonen sind verpflichtet, den Beamten der Polizei und den Sachverständigen auf Erfordern Auskunst über das Verfahren bei Herstellung der Erzeugnisse. über den Umfang des Betriebs und über die zur Verarbeitung gelangenden Stoffe, insbesondere auch über deren Menge und Herkunft, zu erteilen. § 8. Die Sachverständigen sind, vorbehaltlich der dienstlichen Berichterstatlung und der Anzeige von Gesetzwidrigkeiten, verpflichtet, über die Einrichtung und Geschäftsverhältzisse, welche durch die Aufsicht zu ihrer Kenntnis kommen, Verschwiegenheit zu beobachten und sich der Mitteilung und Verwertung der Geschäfts= oder Betriebsgeheimnisse zu enthalten. Sie sind hierauf zu vereidigen. S 9. Die Landeszentralbehörden erlassen die Bestimmungen zur Ausführung dieser Verordnung. § 10. Mit Geldstrafe bis zu 1590 M oder mit Kefängnis bis zu 8 Monaten wird bestraft: 1. wer den Vorschriften über das Durchmahlen des Getreides (§§ 1, 2. 8) sowie über das Mischen des Weizenmehls (§ 5) zuwiderhandelt; 2. wer den Vorschriften des§ 8 zuwider Verschwiegenheit nicht beobacht t oder der Mitteilung oder Verwertung von Geschälts= oder Betriebsgeheimnissen sich nicht enthält; 8. wer den nach§ 9 erlassenen Ausführungsbestimmungen zuwiderhandelt. In dem Falle der Nr. 2 tritt die Verfolgung nur auf Antrag des Unternehmers ein. § 11. Mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder mit Haft wird bestraft: 1. wer den Vorschriften des§ 6 zuwider den Eintritt in die Räume, die Besichtigung die Einsicht in die Geschäftsaufzeichnungen oder die Entnahme einer Probe verweigert; 2. wer die in Gemäßheit des§ 7 von ihm erforderte Auskunft nicht erteilt oder bei der Auskunftserteilung wissentlich unwahre Angaben macht. S 12. Diese Verordnung tritt mit dem 11. Januar 1915 in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpankt des Außerkrafttretens. Die Bekanntmachungen über das Ausmahlen von Brotgetreide vom 28. Oktober 1914(R. G. Bl. S. 461) und vom 19. Dezember 1914(R. G Bl. S 585) werden aufgehoben. Berlin, den 5. Januar 1915. Der Stellvertreter des Reichskanzlers: Delbrück. Pur Bachereien Bekanntmachung über die Bereitung von Backware (in Plakatform) " vorrätig in der Buchbandlang Carl Braus Schwerte(Ruhr), Gr. Marktstrasse 3—5 Bekanntmachung über das Verfültern von Brotgetreide. Mehl und Brot. Vom 5. Januar 1915. Der Bundesrat hat auf Grund des§ 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914(R. G. Bl. S. 327) folgende Verordnung erlassen: S 1. Es darf nicht verfüttert werden: 1 mahlfähiger Roggen und Weizen, auch gequetscht, geschroten oder sonst zerkleinert; 2. mahlfähiger Roggen und Weizen, mit anderer Frucht gemischt; 3. Roggen= und Weizenmehl, das allein oder mit anderem Mehle gemischt zur Brotbereitung geeignet ist; 4. Mischungen, denen solches Mehl beigemischt ist; 5 Brot mit Ausnahme von verdorbenem Brot und Brotabfällen S 2. Die im§ 1 genannten Erzeugnisse dürfen auch zum Bereiten von Futtermitteln, wozu auch das Schroten gehört, nicht verwendet werden. § 3. Die Landeszentralbehörden können die Verwendung von mahlfähigem Roggen und Weizen, insbesondere das Schroten, sowie die Verwendung von Roggen= und Weizenmetl(§ 1 Nr. 3) zu anderen Zwecken als zur menschlichen Nahrung noch weiter deschränken oder verdieten. § 4. Soweit dringende wirtschaftliche Bedürfnisse vorliegen, können die Landeszentraldehörden oder die von ihnen bekimmten Behörden das Verfüttern von Roggen, der im land wirtschaftlichen Betriebe des Viehhalkers erzeugt ist, für das in diesem Betriebe gehaltene Vieh allgemein für bestimmte Gegenden und bestimmte Arten von Wirtschaften oder im Einzelfalle zulassen. S 5. Die Beamten der Polizei und die von der Polizeibehörde beauftragten Sachverständigen stod defugt. in die Räume, in denen Futtermittel hergestellt werden oder in denen Vieh gehalten oder gefüttert wird, jederzeit, in die Räume. in denen Futtermittel ausbewahrt, feilgehalten oder verpackt werden, während der Geschäftszeit einzutreten, daselbst Besichtigungen vorzunehmen, Geschäftsaufzeichnungen einzusehen, auch nach ihrer Auswahl Proben zum zum Zwecke der Untersuchung gegen Empfangsbestätigung zu entgehmen. Auf Verlangen ist ein Teil der Probe amtlich verschlossen oder versiegelt zurückzulassen und für die entnommene Probe eine angemessene Entschädigung zu leisten. s 6 Die Unternehmer von Betrieben, in denen Fultermittel hergestellt werden oder Vieh gehalten wird, sowie die von ihnen bestellten Betriebsleiter und Aussichtspersonen sind verpflichtet. den Beamten der Polizei und den Sachverständigen auf Erfordern Auskunft über das Verfahreu bei Herstellung der Erzeugnisse, über den Umfang des Betrieos und über die zur Verarbeitung oder zur Verfütterung gelangenden Stoffe, insbesondere auch über deren Menge und Herkunft, zu erteilen. „Ich lilt seit S Jahren an geld lichem Ausschlag mit surchtbarem Durch ein halbes Stück Zuckers Patent- Medizinal- Seife habe ich das Uebel völlig beseitigt. H. S. Poliz.=Serg.“. In drei Stärken à 50 Pfg, 1.00 Mk. und 1.50 Mk. Dazu ZuckoohCreme(à 50 und 75 Pf. 2c., bei C. Trog, Max Mehlnose, Drogerien. 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Mit Geldstrafe bis zu 1500 M. oder mit Gesängnis bis 3 Monaten wird bestraft: 1. wer dem Verbole der§§ 1, 2 oder den auf Grund des § 3 erlassenen Bestimmungen der Landeszentralbehörde zuwiderhandelt; 2. wer wissentlich Erzeugnisse. die dem Verbote der§§ 1, 2 oder den auf Grand des§ 3 erlassenen Bestimmungen der Landeszentralbehörde zuwider hergestellt sind, verkauft, seilhält oder sonst in den Verkehr bringt; 3. wer den Vorschriften des§ 7 zuwider Verschwiegenheit nicht beobachtet oder der Mitteilung oder Verwertung von Betriebsgeheimnissen sich nicht enthält. 4. wer den nach§ 8 erlassenen Ausführungsbestimmungen zuwiderhandelt. In dem Falle der Nr. 3 tritt die Verfolgung nur auf Autrag des Unternehmens ein. S 10. Mit Geldstrafe bis zu 150 M oder mit Haft wird bestraft; 1. wer den Vorschriften des§ 5 zuwider den Eintritt in die Räume, die Besichtigung, die Einsicht in die Geschäfts aufzeichnungen oder die Entnahme einer Probe verweigert; 2. wer die in Gemäßheit des§ 7 von ihm erforderte Auskunft nicht erteilt oder bei der Anskunftserteilung wissentlich unwahre Angaben macht. § 11 Diese Verordnung tritt mit dem 11 Januar 1915 in Kraft. Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttietens. Die Bekanntmachung über das Verfüttern von Brotgetreide und Mehl vom 28 Oktober 1914(R. G Bl. S. 460) ,wird aufgehoben. Sofern von den Landeszentralbehörden nichts anders bestimmt ist oder bestimmt wird, bleiben die Bestimmungen, welche sie auf Grund der§§ 2, 4 dieser Bekanntmachung erlassen haben, in Kraft; Zuwiderhandlungen werden nach§ 9 der vorstehenden Verordnung bestraft. Berlin, den 5. Januar 1915. Der Stellvertreter des Reichskanzlers: Delbrück. Viehseuchenpolizeiliche Anordnung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Jul Reichsgesetz=Blatt Seite 519 mit Ermächtigung des Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt Nachdem nach amistierärztlicher Feststellung die Maul= und Klauenseuche unler den Rindviehbeständen des Landwirts Huntermann, der Wwe. Aug. Dinsing und des Landwirts Schmidt zu Wichlinghosen abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen, die Desinsektion vorschriftsmäßig ausgeführt und durch den Kreistierarzi abgenommen ist, gilt die Seuche auf den erwähnten Gehöften als erloschen. Die in meinen viehseuchenpolizeilichen Anordnungen vom 9. und 30. Dezember bezw. 21. Oktover vorigen Jahres angeordneten Schutzmaßregeln hebe ich diher hiermit auf. Hörde, den 25. Januar 1915. Der Königliche Landrat: 492 J. V. gez. Burchard. Regierungs=Assessor. Pastor Felke Heilweise Beglaubigter Vertreter: Dr. phil. Mayus. Hagen I. W. Elberfelderstrasse 27 I. Dienstags u. Freitags von 10—1 und 2—5, Mittwochs und Samstags von 2—5, Sonntags von 9—12 Uhr. Dortmund, Burgwall 27. Montags und Donnerstags von 9½—1 und 2—5½ Uhr. Westhofen i. W. und zum sofortigen Eintritt für Station Schwerte gesucht. Hörder Kreisbahnen Eine 3 Zimmer=Wohnung sofort oder später und eine 2 Zimmer=Wohnung per 1. April zu vermielen. 488 Märkischestr. 37. Im Hause Bahnhofstraße 10 ist die erste abgeschlossene Hrage nebst Jubehör an bessere ruhige Familie zum 1. April zu vermielen. 101 Näheres Bahnhofstr. 10„parl. Suche per sofort 461 Kehhung in dess. Hause, 5 Zimmer, eotl. Heizung u. Bad, Nähe Bahnhof. Offerten zu richten an A. Wiesenbacher. Ingenieur Langschede(Ruhr). Eine Juni 1909 Hertn Aet, Und von 3—4 Zimmern mit Stall, Keller und Gartenland auf sofort od. später zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Zeitung. 44 von 8, 4, 5 u. 6 Zimmern zu vermieten 287 Wilhelm Luck, Baugeschäft, Königstraße. 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Rekruten, aus dem Stadt= und Landkreise Hörde und dem Landkreise Dortmund, welche bei dem Oberersatzgeschäft 1914 oder bei der Kriegsmusterung 1914 ausgehoben sind, bisber aber noch keinen Gestellungsbefehl erhalten haben, haben sich sofort auf dem Bezirkskommando, Zimmer 49, zu melden. 471 Königliches Bezirkskommando II, Dortmund. Veranntmachung. In Milderung meiner Verordnung lc Nr. 317 vom 12. Januar d. Is. beireffend das Verbot des Verkaufs von Decken, gestatte ich im Einverständnis mit dem Kriegsministerium die Veräußerung von Decken an Einzelpersonen zur Befriedigung des eigenen Bedarfs. Echte Kamelhaardecken fallen nicht unter das Verkaufsverbot. Münster, den 22. Januar 1915. Der kommandierende General: 493 Frhr. v Gayl, General der Infanterie. Veranntmachung. Die Rechnungen usw. für den bisherigen Kilfsausschuß sind nicht mehr an den früheren Kassierer, Rektor Lecking, sondern an das Büro des Roten Kreuzes(Verwaltungssekretär Schulte)— neues Rathaus, Zimmer Nr. 10— abzugeben. Der Hilfsausschuß ist mit dem Ausschusse des Roten Kreuzes verschmolzen. Schwerte, den 25. Januar 1915. 489 Der Bürgermeister: Rohrmann. Beranutmachung. Im Hinblick auf die außerordentlich große Bedeutung, die die Küchenabfäule für die Erhaltung eines möglichst großen Viehbestandes und damit für die Ernährung des Volkes gewinnen lassen, ist der Sammlung und Verwertung der Rüchenab älle als Viehfutter besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Diejenigen Haushallungen des hiesigen Stadtbezirks, welche derartige Küchenabfälle abzugeben haben und solche Haushaltungen, welche die Küchenabfälle für die Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztiere verwerten wollen, werden ersucht, entsprechende Anträge im Büro oes Stadtsekretärs (Zimmer 19 neues Rathaus) zu stellen oder schriftlich dieses dem Unterzeichneten mitzutellen. Schwerte, den 25. Januar 1915. 487 Der Bürgermeiser: Rohrmann. Koktartverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Händlers Conrad Schindler zu Holzen ist zur Prüfung der angemeldeten Forderungen Termin auf den 6. Februar 1915, vorm. 10 Uhr vor dem Königlichen Amtsgericht in Schwerte— Zimmer Nr. 11— anberaumt. Schwerte, den 8. Januar 1915, 490 4G* recigiert von Lette Sonntag. —— Spielliedchen. Kindelein mein, Tanze nur fein, Tanz' zur Rechten und zur Linken, Dann sollst süße Milch du trinken! Kindlein, so, so, Lache nur froh, Lach' recht lustig, denn die Sorgen Kommen ganz von selber morgen! Kindelein gut, Du junges Blut, Tanz' und spring' und lach' und singe, Nur zu bald gibt's ernstre Dinge“ 3 Der Star. Der Star, von dem es etwa 150 Arten gibt, ist auf der westlichen Halbkugel nicht zu finden, nur in der alten Welt ist er verbreitet, und da meist in den Tropen, nur wenige Arten leben in der gemäßigten Zone. Die Vögel leben sehr gesellig; sie nähren sich von Insekten, Würmern u. dgl., die sie vom Boden aussuchen. Zur Zeit der Beerenreise gehen sie aber auch an diese und können, besonders in den Weinbergen, großen Schaden anrichten, wenn sie auch andrerseits durch massenhafte Vertilgung von Ungeziefer sich außerordentlich nützlich erweisen. Der bei uns heimische gemeine Star(sturus vulgaris), auch in manchen Gegenden Sprehe genannt, hat ein schwarzes, violett und goldiggrün schimmerndes Gesieder, am Kopf und Hals hat er rötlich weiße, auf dem Rücken rostfarbige und am Unterkörper weiße Federränder. Der Schnabel ist je nach dem Alter und der Jahreszeit bald gelb, bald schwarzblau mit gelbem Rand, bald grauschwarz. Er erscheint als einer der ersten Frühlingsboten oft schon im März, muß aber seine Voreiligkeit manchmal schwer büßen, wenn sich Nachtfröste einstellen und er an Nahrungsmangel leidet. Viele Stare gehen dann zugrunde, und daher kann es nicht genug empfohlen werden, für den überaus nützlichen Vogel Starenkästen anzubringen, wo es nur irgend möglich ist. Nach seiner Rückkehr in die deutsche Heimat macht er sich sofort ans Nesterbauen, sehr ordentlich ist er aber dabei nicht, denn das Nest besteht nur aus unordentlich zusammenegtragenem Heu und Stroh und ist mit ein paar gefundenen Federn ausstaffiert. Die Eier— etwa sechs an der Zahl— sind blaugrün und werden abwechselnd von Vater und Mutter Star bebrütet. Nach ungefähr 14 Tagen schlüpfen die Jungen aus, und nun beginnt eine sieberhafte Tätigkeit für die Alten, denn die sechs immer hungrigen Schnäbel wollen gestopft sein. Alle 3—5 Minuten kommen die Alten mit Futter angeflogen, und sobald alle die hungrigen Kleinen befriedigt sind, geht es wieder davon. So fliegen sie den ganzen Tag hin und her, und man hat ausgerechnet, daß eine Starenfamilie den Tag über 364 Schnechen, Heuschrecken, Raupen u. dgl. vertilgt. : D i e A l t e n g e h e n i n i h r e r l i e b e n d e n F ü r s o r g e s o w e i t, daß sie ihren Sprößlingen auch dann noch Futter bringen, wenn diese gefangen und hinter ein Gitter gesetzt werden. Sie sind dann gar nicht scheu, sondern kommen ganz ruhig, auch wenn Menschen in der Nähe sind Die Jungen sind sehr bald flügge, sind aber an ihrer graubraunen Befiederung leicht zu erkennen. Nun tun sich mehrere Starenfamilien zusammen, und es beginnt ein unstätes Umherfliegen, ein lebhaftes Gewimmel, Gezwitscher und Geschwätz. Bald aber begeben sich die Alten an ihre Niststätte zurück und ziehen eine zweite Brut auf. Ist diese flügge, so vereinigen sie sich wieder mit der ersten, und jetzt bleiben die Starenkästen leer. Die Vögel treiben sich jetzt mit Vorliebe auf den Weideplätzen umher, wo sie mit dem Schnabel eifrig nach Beute picken, ohne sich von den Vierfüßlern stören zu lassen. Bei jedem unerwarteten oder ihnen verdächtig scheinenden Geräusch sausen sie wie auf Kommando in die Luft. Nachts suchen sie am liebsten das Rohrdickicht an Weihern und Seen auf, wo sie vor dem Einschlafen laut und anhaltend schwatzen und ebenfalls bei jeder Störung kreischend in die Höhe stieben. Wie der Star der erste Zugvogel ist, der zu uns kommt, so ist er auch der letzte, der uns im Oktober, manchmal sogar erst Anfang November verläßt. 92 Der erste ist im Dampfer, doch niemals auf der See, Der zweite ist im Kreis nicht, jedoch in dem Karree, Der dritte an der Wand ist, doch an der Decke nicht, Der vierte an den Händen, doch nicht in dem Gesicht, Der fünfte ist im Tempel, doch nicht in der Moschee, Der sechste steckt im Sande, doch ist er nie im Schnee, Der siebente im Schrank hängt, doch niemals in dem Spind, Der achte ist beim Vater, doch ist er nicht beim Kind, Der neunte ist im Spiegel, du findst ihn nicht im Glas, Der zehnte auf der Wiese, doch nicht im grünen Gras. Das Ganze macht man gerne zur schönen Sommerszeit, Es herrschet dann im Kreise viel Lust und Fröhlichkeit. 85 Auflösungen der Rätsel aus der vorigen„Kinderlaube“: Silben=Rätsel. Vaterlan d— Imperator. Vali, Abraham, Tarasy, Emilie, Rentier, Louisiana, Atemnot, Novodo, Dudelsack. Rätsel. Karte. gu gng inh sse Bunsgilun Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 22. Mittwoch, 27. Januar 1915. d Camtes Giack! 2 und arie!“ sagte Trine halblaut atemlos vor Erwartung. Die Matrone wandte sich verwundert um, starrte einige Sekunden lang in Trines Gesicht und schrie dann auf: „Trine! Bist du es wirklich?" Im nächsten Augenblick lagen sich die alten Freundinnen in den Armen und machten ihrer Freude über die unerwartete Begegnung in gestammelten Worten Lust.. Jferde Sobald dem starken Gefühlsausdruck die Neug## folgte, hieß Marie ihr pausbäckiges Enkelkind die Blumen weiter begießen und zog die pezandin Hug eine beim Grabe stehende grüne Bank nier gugg dich ansehen!“ sagte sie mit einem gütigen gean#. „Ei, du bist selbst im Winter des Lebens noch, ug blieben, aber deine Blässe, deine Anwesenheit au, beinFriedhof verraten mir, daß auch dich trotz aller Erfolg die Lebensstürme nicht verschont haben. Wen betrauerst du hier?“ „Meinen Mann und meine lebste Tochter, erwiderte Trine. Sie gestand der Freundin, daß die Jagd nach dem Golde und der endliche Reichtums ihr Leben fried= und freudlos gemacht hatten, und daß sie sich jetzt vergeblich frage:„Wofür hast du gelebt, wofür lebst du noch?“ Sie hatte bei der Leidensschilderung ihre Gefühle zu beherrschen verstanden; als sie aber zu Ende war, vergrub sie ihr Gesicht in die Hände, um ihre Tränen ’' vinnigem Mitleid ersaßt, streichelte Marie ihren Arm und sagte leise:„Ich daß Reichtum und Ehrenstellung keinen Wall bilden gegen Verolendung und Unglück. „Warum hast du, meine einzige Freundin, mich nicht zuweilen besucht?" bemerkte Trine vorwurssvoll und trocknete ihre nassen Augen. „Weil kurz nach meiner Verheiratung mein Mann eine Stellung als Lehrer und Organist in seiner Heimat, einem freundlich gelegenen Städtchen in Thüringen, annahm, wo wir fünfundzwanzig Jahre lebten. Als mein Mann dann starb und mein Sohn seine Stelle einnahm, blieb ich bis vor anderthalb Jahren bei diesem. Dann rief mich der Tod meiner Tochter Lene nach Charlottenburg; hier unter diesem Hügel liegt sie begraben. Seither führe ich meinem Schwiegersohn, einem kärglich besoldeten Postbeamten, den Haushalt und erziehe dessen drei Kinder.“ auch (Nachdruuck verboten.) viel gelitten, hast das #* Roman von Rudolf Elcho. (Schluß.) fast„Oh, dann hast du Glück vergeblich gesucht!“ „Nein, nein, du irrst, Liebste! Ich hatte nicht nötig, das Glück zu suchen, denn es stellte sich voi selber ein. Mein Mann besaß gesunden Sinn und ein mutiges. fröhliches Herz. Er lehrte mich die Kunst, auch in beschränktem Kreise Genüsse und Freuden zu finden, und da wir nicht nur mit unseren eigenen Kindern, sondern auch mit den Schulkindern stets innigen Verkehr hatten, so blieben wir jung und frisch mit der Jugend und hatten das Gefühl rechter Befriedigung, wenn unsere Zöglinge munter gediehen und kräftige, aufgeklärte und gufartige Menschen wurden. Keinem von uns werden Stürme und zerstörte Hoffnungen erspart; aber wenn ich auf mein Eheleben zurückblicke, dann wallt ein heißes Dankgefühl in meinem Herzen auf. So tief mich auch der Tod meines Mannes schmerzte, die Trauer verwand ich bald; denn mein guter Junge verstand es, mich zu trösten und mich durch neue Aufgaben von der Erinnerung an dunkle Tage abzusenken. Als nun meine arme Lene im dritten Kindbett dem Fieber erlag, mußte ich ihren Kindern die Mutter ersetzen, und dies gelang mir so gut, daß mein Schwiegersohn bald erklärte, er denke nicht daran, sich je wieder zu heiraten, denn eine bessere Erzieherin seiner Kinder und Haushälterin könne er wohl niemals finden. So trat mich denn mein Sohn dem Schwiegersohn unter der Bedingung ab, daß ich wenigstens einen oder zwei Sommermonate alljährlich in seinem Hause „Hoch, verzeihe!“— Sie legte zärtlich ihren Arm um Trine und fuhr nach kurzer Unterbrechung fort: „Ich prahle mit meinem Glück und bedenke nicht, daß „Als meine Tochter noch lebte, kamst du doch wohl von Zeit zu Zeit nach Berlin. Warum hast du mich niemals aufgesucht?“ Marie errötete. Nach kurzer Ueberlegung gab sie zur Antwort:„Um es ehrlich zu gestehen, ich hatte die Absicht, es zu tun; aber als ich hörte, daß dein Mann Millionär und Kommerzienrat geworden sei und deine älteste Tochter sich mit einem Grafen verheiratet habe, da sagte ich mir: Deine Freundin ist meiner Lebenssphäre entrückt worden, und es fragt sich, ob du sie heute noch Freundin nennen darfst. Jetzt sehe ich, wie unrecht ich tat, an deinem Herzen zu zweifeln. Vergib mir, Liebste!" Trine drückte ihr schweigend die Hand, und eine feine Röte ging über ihr Gesicht. Insgeheim sagte sie sich: Vielleicht hätte die Freundin aus Welanken in jenen Tagen, da der Hochmut uns verblendete, kaum eine bessere Aufnahme gesunden als mein Bruder Karl. Stundenlang verweilten die Freundinnen im traulichen Gespräch auf dem Friedhof. Als die sinkende Sonne sie zur Heimkehr mahnte und Trine beim Verlassen der Gruft ihrer Lieben aufstöhnend den Namen Aennchen rief, legte Marie ihren Arm um sie und sagte in mildem Tone:„Erhebe dich über den Trennungsschmerz, Freundin! Dies Brüten über den Verlust deiner Lieblingstochter und deine Schuld könnten zum Wahnsinn führen. Sieh dich doch um: der Friedhof, auf dessen Gräbern Frühlingsblumen leuchten und dusten, Sträucher Sprossen treiben und Vögel zirpen, legt uns den Auferstehungsgedanken nahe! Wie der Morgen der Nacht, so folgt dem Winter der Frühling. Unablässig erneut, verjüngt sich die Welt. Darauf gründe dein Hoffen. Deine Lieben leben fort. Der Tod hat sie dir nicht geraubt, sondern verklärt.“ „Aber ich bin allein am Abend meines Lebens," seufzte Trine.„All meine Hoffnungen sind zerflattert wie Spreu im Winde!" „Es liegt in deiner Macht, dankbare Menschenkinder um dich zu scharen. Da ein herbes Geschick dir deine Kinder entzogen hat, so laß die Kinder derer zu dir kommen, die mühselig und beladen sind! Lebe mit der aufblühenden Jugend, tue Gutes, und du wirst erfahren, daß das Leben noch Reiz besitzt. Das Glück, das wir in der Jugend erträumten und auf der Höhe des Lebens zu erhaschen meinten, wird selten einem Sterblichen zuteil, und im Alter nennen wir den glücklich, der den Seelenfrieden gewonnen hat.“ „Der aber fehlt mir!" klagte Trine. „So mußt du ihn zu gewinnen suchen. Verbreite Segen um dich her, genieße— die Schönheit der Natur, freue dich der leuchtenden Sonne und der schlichten Heckenrosen, bewundere die Erhabenheit der Alpengipfel und lausche dem Tosen der Meeresbrandung, freue dich an der Kunst und den Errungenschaften der Kultur, fördere gemeinnützige Unternehmungen! Dann wirst du im Sinne deines entschlafenen Kindes leben.— Hat dies Bewußtsein nichts Beseligendes für dich?“ Trine hielt überrascht an und blickte der Freundin in das faltige, aber gütige Gesicht, dann nickte sie wortlos und wandte sich der zu ihren Füßen liegenden Millionenstadt zu. Die Abenddämmerung zog darüber hin; in Trines Seele aber war Morgenhelle, und ein Hoffnungsstrahl brach aus ihren Augen. Ende. Wenn der Missionar zu Menschenfressern kommt... Die Missionare, diese wichtigsten Pioniere der sation in den noch unkultivierten Gebieten der Erde, sind nicht so zahlreich, wie man vielleicht glauben möchte. Es gibt im ganzen heute nicht mehr als höchstens 200 000, und von diesen sind etwa ein Drittel Franzosen. Fesselnde Bilder von der Tätigkeit dieser Missionare im dunkeln Erdteil entwirst ein Aussatz der„Lectures pour Tous“, in dem einige dieser frommen Helden von ihren Erlebnissen erzählen. Am schwierigsten und gesahrvollsten ist das Debut des Missionars in einer noch unerforschten Gegend, wo manchmal Menschenfresser wohnen. Zuerst baut er sein Haus: d. h. aus ein paar Holzstäben und Lianenzweigen errichte eine bescheidene Hütte, in der er auf einer Schicht von Blättern sein Lager findet. Hat er sein dürftiges Heim gefunden, dann errichtet er die Kirche, die den Mittelpunkt der neuen Ansiedlung bilden soll, eine schwere und lange Arbeit, denn die Eingeborenen, die ihm mißtrauisch von ferne zusehen, helfen ihm nicht; er muß allein das Material herbeischleppen und arbeitsreiche, mühselige Tage, bevor endlich das Kreuz im Urwald aufgepflanzt ist. Nun beginnen die Besuche in den Hütten.„Da gibt es zunächst eine allgemeine Flucht," erzählt P. Parisot, ein bekannter Missionar aus Lyon,„alle Welt verschwindet im Dickicht. Unbekümmert setze ich meinen Weg fort, und finde schließlich in dem dichten Laub ein paar Strohhütten, wo sich Kinder im Staube wälzen, die bei meinem Anblick durchdringende Schreie ausstoßen und wie Ziegen davonspringen. Das Dorf scheint wie ausgestorben, aber ich weiß, wo man sich verbirgt, und fühle mich von allen Seiten von neugierigen Augen umlauert. Ganz allmählich wird es wieder lebendiger. Irgendwoher nahen sich Männer mit gleichgültiger Miene, und bald bin ich von ihnen umringt. Nur die Frauen und Kinder halten sich noch in der Ferne und machen bei der geringsten meiner Gebärden oder selbst bei meinen Blicken Kehrt, um sich ins Dickicht zu stürzen. Ich suche sie alle zu beruhigen. Als Beweis habe ich meine Taschen voll von bunten Bildern und will sie den Kindern schenken. Das ist zunächst sehr schwierig. Aber schließlich kommt einer der Kleinen, der Keckste, mir nahe und wagt es, mir sein schwarzes Händchen zu reichen. Da die andern sehen, daß ich ihn nicht fresse, sondern freundlich mit ihm rede, stehen sie bald in einer dichten Gruppe um mich. Ich rede ihnen gut zu, und bald ist dann das ganze Dorf da, und wenn ich am Abend fortgehen will, so muß ich ihnen versprechen, wiederzukommen.“ Beim zweiten Besuch ist man dann schon befreunbet, und entschließt sich erst ein angesehener Mann, dem Missionar seine Kinder zum Unterricht zu übergeben, so folgen die andern bald dem Beispiel, und nach wenigen Tagen sitzt eine ganze Schar von Negerlein um die Hütte des Missionars. Nicht immer sind die Wilden so freundlich; manchmal kann sich der Missionar der Todesgefahr, die ihn umdräut, nur durch rasche Flucht entziehen. Doch allmählich gelingt es furchtloser und hartnäckiger Kulturarbeit, die beiden Hauptlaster, Menschenfresserei und Sklaverei, einzudämmen und schließlich auszurotten. Während der Pater Allaire unter den grausamen Bondjos, die er als erster besuchte, nur wie durch ein Wunder der menschenfresserischen Gier ihres Häuptlings Betu entging, schloß später Monsignore Augouard, der ausgezeichnete Leiter der Mission am Kongo, mit demselben Betu Blutsbrüderschaft, wobei der Häuptling ausdrücklich gelobte, der Menschenfresserei mit seinem ganzen Stamm zu entsagen. Betu hielt Wort; indessen ganz leicht scheint es ihm nicht geworden zu sein, dem neuen Herzensfreunde zuliebe auf die alte Gewohnheit zu verzichten. Mgr. Augouard erzählt, daß sein Blutsbruder von Zeit zu Zeit ihn zärtlich auf den Arm klopfte und mit einem Seufzer des Verlangens sagte:„Trotzdem, das Fleisch des weißen Häuptlings muß sehr gut schmecken, mit Bananen gekocht!“ Wie der Kannibalismus, so ist auch die Sklaverei heute dank der Wirkung der Missionare unter diesen Stämmen völlig verschwunden, und sie bitten sogar darum, daß man ihnen Missionare schicke. C. K. 60 Denkspruch. Die Ehrlurcht ist das höchlte Gelühl, aillen die menschliche Natur fähig, die Krone ihres ganzen moraliichen Wesens und költlich wie das keinste Gold, selbst in der schmuckloselten korm. Chomas Sarlyle. ∆ 5 Wie Wieland heiratete. (Nachdruck verboten.) „Mein Schicksal ist so weit entschieden, daß ich nun auf all mein Lebelang ein zwar ziemlich mühseliges, aber doch einträgliches und honorables Amt habe,“ schreibt Wieland an seinen Freund, den Idyllendichter Geßner, als er nach vierjährigem Prozeß in seiner Kanzleidirettorstelle in Biberach endgültig bestätigt ist. „Nun geht mir von den Bedürfnissen des menschlichen Lebens nichts ab, als ein Weib, und da ich durch den Tod meines Bruders die Ehre habe, der einzige von meiner Familie zu seyn, so werde ich von meinen lieben, alten Eltern über diesen Punkt so sehr in die Enge getrieben, daß ich bald genöthigt seyn werde, in die ganze Welt um ein Weib auszuschreiben.“ „Frei'n oder nicht Frei'n—“ das war nun die Frage, die der Shatespeare=Uebersetzer immer wieder in seinen Gedanken erwog, denn so sehr ihm die Liebe am Herzen lag, so wenig hatte er bisher an die Ehe gedacht. Der leicht entflammte Dichter hatte ja nie ohne Frauen leben können; fast noch als Knabe hatte er sich in die geistvolle Sophie Gutermann verliebt, die dann als Frau Laroche seine Freundin fürs Leben werden sollte. Selbst als seraphischer Poet und Musterjüngling in Zürich hatte er in einer Art„Serail von ältlichen Frauenzimmern“ als„der Großtürk“ gelebt, und eine dieser Vierzigjährigen war ihm sehr gefährlich geworden. Dann kam die in hohen Geistessphären schwebende Liebe zu der genialen Julie Bondeli und zuletzt in Biberach das so gar nicht ideale Verhältnis mit jener Christine Hagel, von dem so viel in seinen Briefen an Sophie Laroche die Rede ist. Zugleich hält er jetzt überall nach Partien Umschau. Geßner bittet er, in den sämtlichen 13 hochlöblichen Kantonen für ihn zu suchen nach„einem artigen Mädchen, die so viel christliche Liebe hätte, einen ehrlichen Biberachischen Kanzleidirektor, der ganz hübsche Verse macht, von seinem Amt ungefähr tausend Gulden Eintünfte hat und die zärtlichste Seele von der Welt ist, glücklich zu machen. Neben diesen und ähnlichen neckischen Spielen der Phantasie eröffnet sich aber im Sommer 1765 auch eine ernsthafte Aussicht. Ein Verwandter mütterlicherseits, der junge Kick, war mit einer Tochter des Kaufmanns Jakob Hillenbrand aus Augsburg verheiratet, und Wielands Eliern glaubten, daß seine Schwägerin eine geeignete Partie für ihren Sohn sei. Der Dichter, sonst nichts weniger als ein Fabius Cunctator, geht sehr vorsichtig zuwege. Er läßt durch den jungen Kick bei den Eltern des Mädchens sondieren, ob sie ihm die Tochter zur Frau geben würden. Das Mädchen selbst kommt dabei wenig in Betracht, denn, wie Wieland an Sophie schreibt:„Sie wissen ja, daß es sich dabei nicht um Geschmack und Neigung des Mädchens handelt; um so schlimmer für sie und für den Mann, wenn die Liebe nicht nach der Hochzeit kommt. Im August kommt dann die erste Begegnung der beiden Zutünftigen zustande.„Ich habe sie gesehen,“ schreibt Wieland,„es ist ein gutes Kind, das nichts Glänzendes hat und niemals haben wird, aber unter den Fittichen meiner Zärtlichkeit und Ihrer Freundschaft häusliche Tugenden entfalten soll, und das genügt mir.“ Im Oktober findet die Hochzeit statt, und schon in den Flitterwochen schreibt der auf so unpoetische Weise beweibte Poet einen begeisterten Brief über das sanfte und gütige Wesen seiner Frau.„Natürlich beschränkt und wenig lebhaft, hat die Erziehung, die man ihr gegeben hat, sie in einer Art Kindheit gelassen, aus der sie nur in unmerklichen Abstufungen herausschreiten wird; sie muß auch noch sprechen lernen, denn das gute Mädchen weiß von unserer Sprache nur, was es im Schoß der Familie und aus der Bibel und dem Kalender lernen konnte... Meine schöngeistigen Freunde von ehemals werden Mühe haben, zu begreifen, wie ich mein Glück an der Seite einer Frau finden kann, die weder Geßner noch Gellert und Hagedorn kennt, die nicht einen englischen Roman versteht, die selbst meine moralischen Erzählungen nicht kennt, weil die mit Bildern und poetischen Figuren überladene Sprache griechisch für sie ist.“ Aber ihre„naive Zärtlichkeit macht mir immer Vergnügen, ohne mir unbequem zu werden.“ „Ich habe ein Weib genommen,“ meldet er Geßner am 7. November,„oder eigentlicher zu reden, ein Weibchen, denn es ist ein kleines, wiewohl in meinen Augen ganz artiges, liebenswürdiges Geschöpf, das ich mir, ich weiß selbst nicht recht wie, von meinen Eltern und guten Freunden habe beilegen lassen Ein gutes, gefälliges, angenehmes Hausweibchen, und damit Punktum.“„Sie hat noch neun Geschwister und ist also nicht reich,“ meint er später,„das, worum es mir zu tun war, ist ihre Person.“ Und das Jahr darauf steht es ihm bereits fest, „die einzige in der Welt bekommen zu haben, welche in allen Stücken dazu taugte, meine Frau zu seyn,“ „ungeachtet ihrer Unwissenheit, die sanfteste, zärtlichste und mit einem Worte die beste Art von Frau ist, die es in allen vier Theilen des schwäbischen Kreises giebt.“ Dies Glücksgefühl, die einzig Richtige bekommen zu haben, hat Wieland bis zu seinem Tode in immer stärkerem Maße gehabt. Er hat mit der einfachen, gutmütig tätigen Frau, die nie gewagt hat, zu ihrem berühmten Mann du zu sagen, in vollkommenster Harmonie gelebt; in 20 Jahren hat sie ihm 14 Kinder geboren und über den großen Haushalt wie eine freundliche Vorsehung gewaltet.„Die Mama ist der gute Genius meines Hauses,“ so schreibt Wieland immer wieder an die bereits verheirateten Töchter, und er stellt ihnen die Mutter als leuchtendes Beispiel vor Augen, aber es hieße einer jeden„sündlich schmeicheln, wollte ich sie mit der Engelsseele Eurer Mutter vergleichen.“ Als sie am 9. November 1801 starb,„die treue Gefährtin seines Lebens, die 36 Jahre lang nur für ihn und ihre Kinder lebte,“ wie er ihr auf den Grabstein schrieb, da hatte sein Haus„all seinen ehemaligen Zauber für mich verloren; ich lebe nur noch durch die schmerzlich süße Erinnerung darin.“ Ihr Tod war„dcs Härteste, was mich betreffen konnte, und hat mich gegen alle anderen Entbehrungen und Beraubungen abgestumpft.“—üh. 35 Dumor. Des Kutschers Rache. Die Autodroschke hat eine Panne, und der Chauffeur müht sich aus Leibeskräften, den Motor wieder in Gang zu bringen. Ein Kollege von der „Pferdebranche" steht breitlächelnd danehen und guckt gemütlich zu.„Na, hilf mir doch etwas!“ ruft der Chauffeur, und der andere streckt ihm mit ruhiger Ixonie die Peitsche hin:„Da, nimm, treib ihn damit an!“ *