Voe Sdemm Seiuer eihen dene ander Feiertags. Bezugsprete 2. 1.80 oteretJädrlich, dei der Post für Bestellgeld 42 Plo. mehr. Wöchenll. Grafisdeilage:„IAustrierter Famillenfreuns“ u. tgl. Unterbaltungsbien. Anzegenpnig: Die sebengespallene Peütheladen deren Raum 10 Plg., Anzeigen Wzeer würs 15 Pig., Reklamezelle 40 Pfg. Raban gll als Kassamdau u. erischi bal dondursen, Zwangsvergleichen, gerichl. Klagen a. Sectschund ormatt.-Sestteusstelsuns! Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblat Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeltung Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grltes und älteltes Cagesorgan des Krelles a General-Anzeiger für den Kreis Börde a Haupt-Annoncenblan aus bris, und iohalpolizelichen Derort. gungen sor den Aets Hörde erlangen gemez Betaantmnachung der Aöniglichen Regierung durch Verösenlichung ie der„Scherien Zetung: graisoerdindiche Krost.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrihren Adonnenten sor jeden mit Tod endenden Uasal ge. diagungen: 300 Mk. Unfall. Druch u. Verlag o. Corl Braus. Schwerte. Rudr Femisp 62. Teiyr. Ad. Braus Scwert=Royotz Nr. 5. Donnerstag, den 7. Januar 1915. 47. Jahrgang. Engrand vereiter sich auf eine beursche Trupsentanrung vorh # f 1 Der Temps“ erklärt, die Mobilisierung von# tu Amsterdam, 7. Januar. Wie aus einem „Times"=Bericht hervorgeht, gibt England seiner Bevölkerung jetzt umfassende Verhaltungsmaß. regeln für den Fall einer Invasion für Hull. Nichtkämpfer, Frauen und Kinder dürfen nicht die Hauptwege von Hull einschlagen, denn diese Wege müssen für die Truppen frei bleiben. Sie sollen, falls sie Truppen auf dem Wege begegnen, sich sofort in die Felder begeben. Alle Männer sollten dem East Yorkshire=Freiwilligenkorps für die Verteidigung der Heimat beitreten. Hull wird Hauptquar. tier für drei Doppel=Kompagnien sein. Außerdem wird ein Vataillon Zivilgarde zusammengestellt werden. Nachdem der Feind gelandet ist, darf die Zivilgarde die Waffen ergreisen. Hull wird in 5 Militärdistrikte geteilt. Wenn die Deutschen landen, soll es der Zivilbevölkerung freigestellt werden, zu bleiben oder die Stadt in der angedeuteten Weise zu verlassen. Aehnliche Maßregeln wie für Hull sind auch für andere Städte Englands getrofsen worden. Förtschrikle im Westen und Osten! Großes Hauptquartier, 6. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Die Franzosen setzten gestern die planmäßige Beschießung der Orte hinter unserer Front fort. Ob sie damit ihre eigenen Landsleute obdachlos machen oder töten, scheint ihnen gleichgiltig zu sein. Uns schadet die Beschießung wenig. Bei Souayn und im Argonnerwald bemächtigten wir uns mehrerer feindlicher Schützengräben, schlugen verschiedene feindliche Angriffe zurück und machten 2 Ossiziere und 200 Mann zu Gesangenen. Auf der vielumstrittenen Höhe östlich von Sennheim faßten die Franzosen gestern früh erneut Fuß, wurden aber mit kräftigem Bajonett. angriff von der Höhe geworsen und wagten keine neuen Vorstöße. 50 Alpenjäger wurden gefangen genommen. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der Ostgrenze und im nördlichen Polen auch gestern keine Veränderungen. In Polen westlich der Weichsel stießen unsere Truppen nach Fortnahme mehrerer feindlicher Stützpunkte bis zum Socha=Abschnitt durch. 1400 Gefangene und 9 Maschinenge. wehre blieben in unseren Händen. Auf dem östlichen Piliea=Ufer ist die Lage unverändert. Oberste Heeresleitung. Die Schonung unserer wird dem„Echo de pariz auf Grund rusischer Zeitungsberichte aus Petersburg gemeldet, Der Kampf um Warschau. sied dem Echo de Paris“ auf Grund rusischer auch schon Getreidevorräte. wtb. Berlin, 6. Jan.(Amtlich.) Der Bundes. rat hat heute die Bestimmungen über die weitere Streckung unserer Getreidevorräte nach mehreren Richtungen auf Grund der inzwischen gemachten Erfahrungen ergänzt und erweitert. Roggen ist künftig mindestens bis zu 82 Prozent, Weizen bis zu 80 Prozent durchzumahlen, wobei die Landes. zentralbehörde bei einer einzelnen Mühle aus besonderen Gründen eine Ausnahme zulassen kann. Sie kann ferner, wie bisher, Roggen= und Weizenauszugmehle, aber nur bis zur Höhe von 10 Prozent zulassen. Weizenmehl darf von den Mühlen künftig nur in einer Mischung abgegeben werden, die aus 30 Teilen Roggenmehl und 70 Teilen Weizenmehl besteht. Das gilt auch für die Kunden der Lohnmüllereien. Die Vorschriften über das Verfütterungsverbot sind ebenfalls verschärft worden, so daß mahlfähiger Roggen und Weizen nicht mehr verfüttert oder geschrotet und auch nicht mehr zur Futtermittelbereitung verwendet werden darf. Das Verbot erstreckt sich auch auf Roggen und Weizen, der mit anderer Frucht vermischt ist, so daß auch Roggen. und Weizenmehl, das allein oder mit anderen Mehlen gemischt, zur Brotbereitung geeignet ist. Endlich darf auch kein Brot mehr versüttert werden, mit Ausnahme von verdorbenem Brot und Brotabfällen. Die Landeszentralbehörden können die Verfütterung von Noggen und Weizen, sowie von Roggen= und Weizenmehlen zu anderen Zwecken als zur menschlichen Nahrung noch weiter einschränken oder verbieten. Zur Bereitung von Roggen= und Weizenbrot dür. sen Auszugmehle nicht verwendet werden. Weizenbrot muß 30 Prozent Roggenmehl enthalten. Das Weizenmehl kann dabei bis zu 20 Prozent durch Kartoffelstärkemehl ergänzt werden. Roggenbrot muß 90 Teile Roggenmehl und 10 Teile Kartoffelflocken, Kartoffelwalzmehl oder Kartoffelstärkemehl oder 30 Teile gequetschter oder geriebe. ner Kartoffeln enthalten. Bei größerem Kartoffelzusatz muß das Brot mit der Bezeichnung„K“ versehen werden. Statt Kartoffeln kann Gerstenmehl, Hafermehl, Reismehl oder Gerstenschrot zugesetzt werden. Reines Roggenbrot, zu dessen Herstellung der Roggen bis zu mehr als 93 Prozent durchgemahlen ist, braucht keinen Kartoffelzusatz zu enthalten. Weizenbrot darf nur in Stärke bis höchsteno 100 Gramm hergestellt werden. Die Landeszentral. Kampf um Sochaczew zeige deutlich, von welcher Wichtigkeit es für Deutschland wäre, Warschau zu nehmen. Um sich den Weg zur polnischen Hauptstadt zu bahnen, hat Hindenburg 14 Armeekorps auf dem linken Weichselufer konzentriert. Dazu kommen sechs bis sieben andere Korps, die von der Westfront kamen. Allein auf eine Linie von 19 Kilometer wären sünf deutsche Armeekorps postiert, mit 150 Kanonen, die schwere Artillerie gar nicht gerechnet. Die Deutschen kämpften Tag und Nacht, besonders zögen sie Nachtkämpfe vor. Es kam vor, daß sie einen Sturm bis elfmal in der Nacht wieSste ersiete e e e Die deutschen Offiziere feuerten ihre Leute zum Siege an. Man kann sich kaum ein Bild von dem fürchterlichen Anblick dieser Kämpfer machen, die in geschlossenen Reihen bei dem gespensterhaften Aufleuchten der Scheinwerfer vorstürmten. Die Augen weit aufgerissen, mit wilden Blicken, die Musik an der Spitze, stürzten sie sich unter Hurrarufen in das Feuer der russischen Maschinengewehre. Glänzende Erfolge der Türken. Msandoab schlug ein Lekische KosDer Kampf im Schwarzen Meere. wtb. Konstantinopel, 6. Jan.(Nichtamtlich.) Der türkische Generalstab macht bekannt: Gestern kam es im Schwarzen Meer bei Sinope zu einem Zusammentreffen zwischen zwei türkischen Kreuzern und einem aus 17 Einheiten zusammengesetzten russischen Geschwader. Einzelheiten fehlen. Auf jeden Fall vermochte der Feind trotz seiner numerischen Ueberlegenheit nicht unsere Schiffe zu beschädigen. Nach heute angelangten Nachrichten haben unsere Truppen im Verein mit den verbündeten Stämmen in Aserbeidschan noch weitere Erfolge errungen außer dem Sieg bei Miandoab. Die Russen haben auf ihrem Rückzuge zwei Geschütze und zahlreiche Gefangene verloren. Südlich von Miandoab schlug eine türkische Kolonne den Feind und erbeutete eine beträchtliche Menge von Waffen und Munition. Die Theten haben Uenie genommen. wtb. Konstantinopel, 7. Januar.(Nicht amtlich.) Mitteilung des Großen Generalstabes: Unsere aus der Richtung Sowat=Bajirgue vorrückenden Truppen haben Urmia, einen wichtigen Stützpunkt der Russen, besetzt. Nach dem unentschie. denen Seegefecht, das gestern zwischen der russischen Flotte und türkischen Kreuzern stattfand, hat die russische Flotte ein italienisches Kauffahrteischiff in den Grund gebohrt, obwohl es seine Flagge gehißt hatte. Der„Temps“ erklärt, die Mobilisierung von 190# Abgeordneten, also einem Drittel der Deputierten schaffe besondere Schwierigkeiten. Da die Kammer in Abwesenheit so vieler Deputierten, wovon einige mit sehr wichtigen Berichten beauftragt# seien, unmöglich tagen könne, schlägt das Blatt## vor, die Kammern sollten in der ihnen notwendig scheinenden Zeit tagen, sich dann für einige Wochen vertagen, so daß die Ausschüsse ihre Arbeit erledigen und die mobilisierten Abgeordneten an die Front zurückkehren könnten. Sodann könnte man zu einem von der Kammer festgesetzten Zeitpunkt wieder tagen, um die von den Ausschüssen vorbereiteten Arbeiten zu prüfen. Es gäbe so während der fünfmonatigen Session drei oder vier Tagungen, die je nach Willen der Kammer mehr oder# weniger lang sind, und die durch die für die Ausschußarbeit nötigen Zeiträume getrennt werden Der„Temps“ fügt hinzu, dies sei nur ein Vor schlag, das letzte Wort gehöre den Kammern. Jeti schon Gireit um die Beute. Die Athener„Akropolis“ verzeichnet, wie man der„Tägl. Rundschau“ schreibt, die Gerüchte über Unstimmigkeiten innerhalb des Dreiverbandes, und zwar insbesondere zwischen England und Rußland## Nach dieser Darstellung hätten zwischen den Mäch ten des Dreiverbandes Verhandlungen über die Aufteilung der europäischen Türkei und Kleinasiens# im Falle des Sieges dieser Mächtegruppe stattge## funden, und zwar auf Anregung Englands, das über die Absichten und Ansprüche Rußlands Klar heit habe gewinnen wollen. Rußland habe nun erklärt, daß es sich mit Türkisch=Armenien und mitt der Ausdehnung bis zum Persischen Golf nicht begnügen könnte, sondern außer der asiatischen Küsten des Bosporus Konstantinopel und beide Ufer der# Dardanellen beanspruchen müßte. Diese Eröffnung habe in London verstimmt und den Gegensatz zu Petersburg hervorgerufen. England vermeide deshalb jede entscheidende Aktion gegen die Türkei, und in diplomatischen Kreisen gebe es Personen, die auf Grund verläßlicher Informationen## der Ansicht seien, daß England indirekt und zwar im Wege der türkischen Gesandtschaften in den neutralen Staaten, mit der Pforte wegen eines Friedens der Türkei mit dem Dreiverbande zu verhandeln suche unter der Zusicherung der Integrität des türkischen Territoriums in Europa und Asien.„Akropolis“ bemerkt hierzu, daß eine solche Taktik, falls sie tatsächlich befolgt würde, England nichts nützen würde, das sich Deutschland von der Türkei nicht trennen## werde. Jedenfalls bestehe aber für den Dreiverband eine Konstantinopeler Frage. behörde kann hierüber zur Einschränkung des Weizenschrotverbrauchs anders bestimmen. Sie kann auch für Roggen- und Weizenbrot bestimmte Formen und Gewicht vorschreiben. Bei der Bereitung von Kuchen darf nicht mehr als die Hälfte des Gewichtes der verwendeten Mehle oder mehlhaltiger Stoffe aus Weizen bestehen. Die Landeszentral= behörde kann die Kuchenabgabe auf bestimmte Wochentage beschränken. In Bäckereien, Konditoreien einschließlich Hotelbäckereien und ähnlichen Betrieben wird alle Nachtarbeit verboten. Roggenbrot von mehr als 50 Gramm Gewicht darf erst 24 Stunden nach Beendigung des Backens aus der Bäcerei abgegeben werden. Backfähige Mehle dürfen nicht mehr als Streumehle zur Isolierung der Teigware verwendet werden. Zur genauen Durchführung dieser Vorschriften erhalten die Polizeibeamten und die hierfür besonders beauftrag. ten Sachverständigen das Recht, in die Mühlen, in die Bäckereien, in die Lager= und Geschäftsräume und in die Futterräume jederzeit hineinzugehen, Besichtigungen vorzunehmen und Proben zu entnehmen. Die Verordnung über das Ausmahlen des Brotgetreides, wie das Verfütterungsverbot tritt am 11. Januar 1915, die Verordnung über die Abgabe der Backwaren am 15. Januar 1915 in Kraft. Die schwierige Kammerlagung. Paris, 6. Jan. Der durch die Verfassung geforderte Jusammentritt des Parlaments zu einer fünfmonatigen Session veranlaßt den„Temps“, die Frage einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Der Krieg gegen Frankreich. Das Erlahmen des französischen Ofsensivgeistes. Dag schon nach den vorwöchigen Joffre=Noten von der Militärpresse vermerkte Nachlassen der# französischen Spannkraft tritt heute noch deutlicher in die Erscheinung. Joffre selbst gesteht die Erschlaffung der französischen Vorstoßfähigkeit ein und mißt der Angunst des Wetters Schuld daran zu. Die französische Jahresklasse 1916. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Genf: Nach einen Beschluß des französischen Kriegsministeriume werden die Reservisten der Territorialarmee, die der Jahresklasse 1887/88 angehören, entlassen, nur die Handwerker werden vorläufig zurückgehalten. In ganz Frankreich tritt ferner heute der Revisionsrat für die Jahresklasse 1916 in Tätigkeit, der am 27. Februar beendet sein dürfte, so daß die Mannschaften, wenn nötig, am 20. März eingereiht werden könnten. Den Mitgliedern der Revisione. ates wurden genaue Vorschriften erteilt, beson ers soll die Untersuchung im Auge behalten, ob ie Gestellungspflichtigen für den Felddienst taugich sind. Die Drückeberger in Frankreich. 1 Paris, 6. Jan. Wie Clemenceau greift nunkehr auch„Gaulois“ die vielen Drückeberger uner den jungen Franzosen an, welche als„fils a apa“ in ihrem Bestreben, sich um den Dienst in er Feuerlinie herumzudrücken, systematisch von der Legierung begünstigt werden. Advokat Chenu eint im„Gaulois“, man könne aus ihnen minde. ens ein Armeekorps bilden. Clemenceau findet henu bescheiden und erklärt, mit Leichtigkeit seien wei Armeekorps aus ihnen zu bilden. Bevor man ie Japaner vom anderen Ende der Welt hole, färe es gut, wenn man zuerst der Gesamtheit der ungen Franzosen den Weg zur Front zeigen bürde. Wie viel Phrasen habe man nicht über de Einrichtung der allgemeinen Wehrpflicht genacht! Der Augenblick sei gekommen, sie anzubenden. Ueberlegenheit der deutschen Maschinenge wehre. Rom, 6. Jan. In einem Brief aus Dünkirchen neldet der Kriegsberichterstatter Barzini das Unbehagen, das die Arrosoirz(Gießkannen), wie die franzosen die deutschen Maschinengewehre nennen, inter den Verbündeten verbreiten. Die Deutschen besäßzen eine ungeheuere Ueberlegenheit in dieser Raise. Die französischen Gesamtverluste. tu Berlin, 7. Jan. Einer Brüsseler Mitteilung der„Kreuzzeitung" zufolge wird in amtlichen franösischen Kreisen der französische Gesamtverlust vom A. August bis zum 20. Dezember auf nahezu eine Million Toter, Verwundeter und Gefangener ingegeben, darunter 20000 Offiziere. Der Rest des belgischen Heeres. wtb. Zürich, 7. Jan. Der Pariser Mitarbeiter der„Neuen Jüricher Zeitung" bestätigt, daß die #elgische Armee furchtbtr gelitten hat, so daß sie Als vernichtet gelten könne. Der Rest der aus Antverpen angekommenen Armee kämpfe auf einem leinen belgischen Landstreifen am Meere, der von den Deutschen nicht besetzt werden konnte. Eigenartige Unterkunftsstätten hat sich eine feldgraue Truppenabteilung auf dem westl. Kriegsschauplatze gebaut. Der Zufall hatte s gewollt, daß die Stellung eines Regimentes über eine Chaussee hinwegführte. Ueberall hatten ich die Mannschaften in ihren Schützengräben eingenistet, hier an der Landstraße, die zufällig in einer tiefen Senkung lag, hatte man durch eine Aufschüttung mit einem tunnelartigen Unterbau ganz raffinierte Unterstände für den Bataillonsstab gefunden, die kein Feind vermuten konnte. Da waren unter der Fohrstraße Geschäfts., Empfangs=, Eß. und Wohnzimmer eingebaut, eine Küche und ein Telephonzimmer waren ebenfalls vorhanden. Oben über der Landstraße rasten die chweren Granaten, rissen ganze Waldbestände fort, ämtliche Ortschaften der Umgebung waren zerchossen,— und inmitten dieses Vernichtungskampfes lag der deutsche Bataillonsstab hart vor dem Feinde in seiner unterirdischen Wohnung und erjedigte in aller Gemütsruhe seine Arbeiten. Der Krieg gegen Raßland. 1650000 russische Tote und Verwundete. tu Genf, 7. Jan. Der Pariser„Matin“ gibt die Zahl der Verluste der Russen an Toten und Verwundeten bis zum 22. Dezbr. auf 1 650 000 an. Lodz unter deutscher Verwaltung. Berlin, 7. Jan. Ueber Lodz unter deutscher Verwaltung schreibt dem„L.=A.“ ein Krakauer Blatt: In Lodz verkehrt die Straßenbahn wieder normal. Die Kaffeehäuser sind wieder geöffnet. Die polnischen und die deutschen Vereine beginnen ihre Tätigkeit. Das Deutsche Theater kündigt die Wiederaufnahme der Vorstellungen an. Die Zeitungen erscheinen unter deutscher Zensur regelmäßig. Die Deutschen bemühen sich, überall Ordnung einzuführen. Die arme Bevölkerung wird sorgsam verpflegt, die Banken haben wieder ihre Tätigkeit ausgenommen, das ganze Leben geht wieder ruhig und normal. Schwere Verluste der Russen in den Karpathen. Ungarischen Blättern zufolge fanden in den jüngsten Tagen heftige Kämpfe in den Karpathen statt, wobei die russische Armee, insbesondere bei Oekermezoe und im Latorczatal schwere Verluste eeltt Rußland will keinen Frieden. „Agenzia Stefani“ meldet aus Rom: Da einige italienische Zeitungen Gerüchte veröffentlicht haden, wonach Rußland Schritte hinsichtlich des Friedensschlusses unternommen habe, dementiert der russische Botschafter derartige Gerüchte namens seider Regierung in kategorischer Weise. Rußland denke nicht daran, die Friedensfrage zu diskutieren, As seine Gegner gezwungen sein werden, Bedingungen anzunehmen, welche die Verbündeten els einzige Garantie eines dauernden Friedens peeizachten werden. Ein weiblicher Korporal. Auf dem Prager Bahnhof erregte dieser Tage das Erscheinen eines weiblichen Korporals grobes Aussehen; er trug Feldkappe und Bluse unserer Soldaten, einen kurzen schwarzen Rock und hohe Reiterstiefeln mit Sporen. Der weibliche Korporal ist die 17 Jahre alte Marie Bognar aus Klagenfurt, eine bereits ruhmvoll bekannte Reiterin vom südlichen Kriegsschauplatz, wo sie oft bis in die vordersten Reihen drang, um Verwundete zu laben und zu verbinden. Fräulein Bognar wurde schon dreimal verwundet. Die englische Ernüchterung. Oberst Artur Lee schreibt in der„Times“: Es ist ein großer Fehler, anzunehmen, daß der deut. sche Widerstand in Flandern schwächer und der Krieg bald zu Ende sein werde. Das Ende kann nur(2) dann kommen, wenn die Verbündeten einen so vollkommenen Sieg davontragen, daß niemals wieder unser Friede und unsere Existenz in Gefahr gebracht werden durch die brutale Gewalt Preußens, und ein derartiger Sieg liegt noch in weiter Ferne. Die Deutschen sind äußerst tüchtige und zähe Gegner, so zähe und so tapfer, als nur ein Heer sein kann, und diejenigen, die ihren Wert verkleinern, erweisen unserem Heere und der Sache der Verbündeten einen schlechten Dienst. Wir werden jeden dienstfähigen Mann und jeden Schilling nötig haben, um uns durchschlagen zu können. Aber dennoch wird der Sieg endlich auf unserer Seite sein. Treibende englische Minen. wtb. Berlin, 6. Januar. Laut norwegischen Pressenachrichten sind zahkreiche Minen an der Südküste Norwegens angetrieben, von denen eine durch die norwegischen Marinebehörden geborgen und untersucht worden ist. Nach den Ergebnissen der Untersuchung steht, wie wir von amtlicher Seite erfahren, unzweifelhaft fest, daß es sich um eine englische Mine handelt. In letzter Zeit sahen viele zwischen der englischen Küste und dem Skagerak fahrende Dampfer ebenfalls treibende Minen. Angesichts dieser Umstände und bei der anerkannt schlechten Ankervorrichtung der englischen Minen, ist es als sicher anzunehmen, daß die in der Nordsee und an der norwegischen Küste treibenden Minen ausnahmslos desselben Ursprungs sind, wie die zahllos an der holländischen Küste angetriebenen, die von der holländischen Regierung fast aus. schließlich als englische festgestellt wurden. Proteste gegen den Krieg in Lissabon. Mailand, 6. Jan. Wie„Sera“ aus Lissabon über Madrid meldet, haben an den Weihnachtstagen in Lissabon über 40 Massenversammlungen der Oppositionsparteien stattgefunden, in denen gleichlautende Resokutionen gegen den Krieg angenommen wurden. Das letztgemeldete Mißtrauensvotum des Senats gegen die Regierung wurde mit allen gegen zehn Stimmen beschlossen. Die französische Presse beunruhigt sich über die immer noch ausbleibende offizielle Kriegserklärung Portugalg an Deutschland. Nach vorliegenden Meldungen gewinnt die deutsch=freundliche Partei im Senat sogar an Einfluß und beginnt, auch Anhänger unter den radikalen Parteien der Kammer zu finden. Die französische Presse befürchtet, Portugal werde friedliche Wege einschlagen, und schlägt deshalb gegenüber der Republik eine bedrohliche Sprechweise an. Aus Stadt und Umgebung. Kaisers=Geburtstagsfeiern. Vom Bureau des Königl. Staatsministeriums ist folgende Notiz ergangen: „Bei dem Ernste der Zeit sollen an dem bevorstehenden Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers und Königs größere öffentliche Feste, die den Charakter von Vergnügungen haben— wie z. B. Festessen, Theatervorstellungen oder Tanzbelustigungen — durchweg unterbleiben. Dagegen sind der Bedeutung des Tages entsprechende kirchliche Feiern in Aussicht genommen und es ist darauf hinzuwir. ken, daß sie für alle Konfessionen in weitestem Umfange veranstaltet werden". Von seiten des Königl. Kriegsministeriums ist an das Königl. Oberkommando in den Marken und an die stellvertretenden Generakkommandos folgender Erlaß ergangen: „Der Tag ist ein Festtag, bei dessen Feier den Zeitverhältnissen Rechnung getragen werden muß. Großer Zapfenstreich und Wecken finden nicht statt, dagegen sind Militärgottesdienste abzuhalten. Wo solche nicht stattfinden können, ist Teilnahme der Truppen am Gottesdienste der Zivilgemeinden nach näherer Vereinbarung mit den Zivil- und geistlichen Behörden vorzusehen. Appells mit einer dem Ernste des Tages entsprechenden Ansprache sind abzuhalten. Die üblichen Mannschaftsseiern wie sonst, insonderheit Tanz und offizielle Festessen, sind ausgeschlossen“. *e(Bauernregeln vom Januar.) Wenn die Tage langen, kommt der Winter gegangen.— Tanzen im Januar die Mucken, muß der Bauer nach dem Futter gucken.— Wie das Wetter an St. Vincent war, so wird es sein das ganze Jahr.— Schönes Wetter bringt Gewinn, merr dir das in deinem Sinn.— St. Pauli schön mit Sonnenschein, bringt Fruchtbarkeit an Getreid' und Wein.— Januar warm, das Gott erbarm.— Wenn Gras wächst im Januar, wächst es schlecht das ganze Jahr.— Nebel im Januar macht ein nasses Frühjahr.— Sind die Flüsse klein, gibt es guten Wein.— Ist der Januar naß, bleibt leer das Faß.— Januar muß vor Kälte knacken, wenn die Ernte soll sacken.— Ist der Januar warm und naß, bleibt leer das Faß. — Ein gelinder Januar bringt Kälte im Februar. — Morgenrot am ersten Tag, Unwetter bringt und große Plag.— Ist der Januar nicht so naß, füllt sich des Winzers Faß.— Ein schöner Januar bringt uns ein gutes Jahr.— An Vinzenzi Sonnenschein, bringt viel Korn und Wein.— Morgen“ rot am 1. Januar deutet aus viel Gewitter im Sommer. **(Feldpostbriese) nach dem Felcheer im Gewicht über 250 Gramm bis 500 Gramm werden für die Zeit vom 11. bis einschl. 17 Januar 1915 von neuem zugelassen. Die Gebühr beträgt 20 Pfg. Die Sendungen müssen dauerhaft verpackt sein. Nur sehr starke Pappkasten, festes Packpapier oder dauerhafte Leinwand sind zu verwenden. **(Kriegsmaßnahmen der Gemeinden.) Im Berliner Rathause sind in einer stark besuchten Vorstandssitzung des Deutschen Städtetages wich. tige Fragen, die die Kriegsmaßnahmen der Gemeinden betreffen, erörtert worden. Insbesondere wurde mit Nachdruck von allen Seiten der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß zur Regelung der Nahrungsmittelfrage zielbewußte und energische Maßregeln durch die Reichsregierung und alle beteiligten Stellen erforderlich sind. Besonders notwendig erscheint die sofortige Verwertung des starken Ueberauftriebs an Schweinen durch Herstellung und Ankauf von Dauerwaren. In letzter Hinsicht kann auch die Bevölkerung, indem sie selbst ihren Zukunstsbedarf deckt, tatkräftig mitwirken. **(Unterstützung für Soldatenangehörige.) Nach einer Mitteilung des Königlichen Kriegsministeri“ ums gehen bei diesem fortgesetzt Gesuche um Bewilligungen von Unterstützungen an Familien in Dienst eingetretener Mannschaften auf Grund des Gesetzes vom 28. Februar 1888/4. August 1914 sowie um Prüfung von Bescheiden auf solche Gesuche ein. Hierdurch erleidet die Behandlung der Gesuche, bei der Beschleunigung geboten ist, eine unerwünschte Verzögerung. Das Kriegsministerium ist für solche Gesuche nicht zuständig, sondern ausschließlich die zuständige Ortsbehörde, an die solche Gesuche zu richten sind. **(Evangelischer Kriegs=Familienabend.) Am Sonntag, 10. Januar, nachmittags punkt 5 Uhr beginnend, findet im Gemeindehause ein evangelischer Kriegs=Familienabend statt, in dessen Mittelpunkt ein Lichtbildervortrag des Herrn Rechtsanwalt Dr. Nuß aus Dortmund über das Thema steht:„Meine beiden Liebesgabenfahrten bis hinter die Frent unserer Truppen und der Besuch belgischer und französischer Schlachtfelder". 60 an Ort und Stelle aufgenommene Bilder werden einen Einblick in die Schrecken des Krieges gewähren; zudem geht Herrn Rechtsanwalt Dr. Nuß der Ruf eines glänzenden Redners voraus. Der gesamte Reinertrag ist für den städtischen Hilfsausschuß bestimmt. Das Eintrittsgeld ist auf 30 Pfg. für jede Person festgesetzt worden; freiwillige höhere Beträge werden im Interesse des guten Zweckes dankend angenommen. Für die Verwundeten beider Krankenhäuser ist der Eintritt frei und werden die vordersten Stuhlreihen frei gehalten. Ein Vorverkauf von Einlaßkarten findet nicht statt; der Einlaß beginat punkt 4 Uhr. Kindern unter 12 Jahren kann wegen der Raumverhält. nisse der Zutritt nicht gewährt werden. Die Mit. glieder der beiden hiesigen evangelischen Gemeinden in Stadt und Land seien hierdurch schon jetzt auf diesen Abend aufmerksam gemacht.(Siehe Inserat in heutiger Nummer.) **(Kriegerverein.) Die erste Generaloersammlung des neuen Jahres eröffnete Kamerad Althoff mit einer patriotischen Ansprache. Der 2. Vorsitzende Prof. Feldhügel erstattete den ausführlichen Jahresbericht. Aus demselben geht hervor, daß sich der Verein auch im verflossenen Jahr erfreulich entwickelt und eine rege Tätigkeit entfaltet hat. Ins Feld sind etwa 143 Kameraden gezogen, 12 sind gefallen(außerdem sind noch 13 Kameraden gestorben) 15 sind mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Von Offizieren des Vereins blieben auf dem Felde der Ehre General von Harbou und die Leutnants Remmert und Schmallenberg. An der Liebestätigkeit und der Unterstützung der einberufenen Kameraden hat sich der Verein in reichem Maße beteiligt, auch 1000 Mk. Kriegsanleihe gezeichnet. Die Schießübungen hat Kamerad Wigginghaus mit großem Eifer geleitet, den 2. Rekrutenfürsorgekursus der zweite Vorsitzende.— Mit den übrigen militär. Vereinen zusammen seiert der Verein Kaisers Geburtstag durch gemeinsamen Kirchgang und eine schlichte, ernste Feier am Kriegerdenkmal.— Der am 22. Dezember in Rußland gefallene Leutnant Schmallenberg wird morgen nachmittag in Menden bestattet. Der Verein fährt auf Vereinskosten 1.37 dorthin.(Siehe auch Inscrat.) *e Holzen, 7. Jan.(Das Eiserne Kreuz) ist dem Landwehrmann A. Gundlach verliehen worden. G. kämpft auf dem östlichen Kriegsschauplatz und hatte beim Nehmen eines feindlichen Schützengrabens ein russisches Maschinengewehr erobert. Wir gratulieren. ** Ergste, 6. Jan.(Der Turn=Verein Germania) hielt seine diesjährige Generalversammmlung am Sonntag ab. Zunächst gedachte der Vorsitzende des den Heldentod fürs Vaterland gestorbenen Turngenossen Emil Brenne dessen Andenken geehrt wurde. Laut Kassenbericht hat der Verein ein Barvermögen von 1347,13 Mk. Dann wurde die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen, der aus folgenden Herren besteht: Ludwig Filthaus, Bruno Weber, Albert Vatze, Otto Möller, Heinrich Werner, Karl Schumacher, Aug. Batze. Für den Kriegsliebesdienst hat der Verein seinerzeit 500 Mk. bewilligt, wovon dem Roten Kreuz 50 Mk. und der Sammelstelle der Gemeinde Ergste 150 Mk. überwiesen wurden. 300 Mk. stellte der Verein für die im Felde stehenden Mitglieder oder deren Angehörigen zur Verfügung. Nach einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden wurde die Versammlung mit einem dreifachen Gut Heil auf Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. und unsere tapferen Truppen geschlossen. Westfalen und Rheinland. * Welver, 6. Jan.(Das seltene Alter von 102½ Jahren) hat der Landwirt Borggrewe gen. Rüscher im benachbarten Mateln erreicht. Abgesehen von einiger Schwerhörigkeit, war der Verstorbene völlig gesund und rüstig, sodaß er bis zu seinem unverhofften Tode noch häusig die etwa 1 Stunde entfernte hiesige Kirche besuchen konnte. Duisburg, 5. Jan.(Verleihung der Tapferkeitsmedaille an eine Frau.) Die Frau eines hiesigen Bureauvorstehers, die sich zu Beginn des Krieges der freiwilligen Krankenpflege gewidmet hatte, hat vor kurzem für unerschrockenes Verhalten vor dem Feinde das Eiserne Kreuz erhalten. Nunmehr ist der tapseren Frau vom König von Württemberg die Tapferkeitsmedaille verliehen worden. Die Heldin hat häufig Verwundete aus dem feindlichen Feuer geborgen. * Vottrop, 6. Jan.(Mit Drillingen) beschert wurden hier zwei Kriegerfrauen, deren Männer im Felde stehen. In beiden Fällen sind drei Knaben angekommen. Sleigende Eisenbahn=Einnähmen. Die Einnahmen der Preußischen Staatseisenbahnverwaltung einschließlich derjenigen aus den Militärtransporten betrugen für die vier Monate August bis November in Prozenten der Einnahmen der Vergleichsmonate des Jahres 1913 im Personenverkehr 56,51; 49,59; 61,80; 75,36. Im Güterverkehr 41,25; 68,73; 79,67; 81,41. Es ist somit eine ethebliche Verbesserung von Monat zu Monat zu verzeichnen. Bemerkenswert ist, daß sich diese Verbesserung vollzog, obwohl die Einnahmen aus den Militärtransporten nach Erledigung des Truppenaufmarsches immer mehr zurückgingen und im November nur ca. 8 Prozent im Personenverkehr und ca. 4½ Prozent im Güterverkehr ausmachen. Durch diese Entwicklung wird auch die anderweit, namentlich von der Neichsbank und auf dem Arbeitsmarkt gemachten Beobochtung bestätigt, daß das Wirtschaftsleben Deutschlands sich trotz des schweren Krieges in einer über Erwarten günstigen Verfassung befindet und die Gewähr dafür bietet, daß die Hoffnung der Feinde, Deutschland wirtschaftlich aushungera zu können, eine eitle ist. Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Karl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Das 13. Heft der Zeitschrift„Der Völkerkrieg“ (Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart) bechließt die Schilderung der ostpreußischen Kämpfe, deren eingehender Darstellung das vorhergehende Heft gewidmet war, mit einigen trefflich ausgewählten Episoden. Es ist überhaupt ein Verdienst der Zeitschrift, daß sie sich nicht mit der sorgfältigen, interessanten Wiedergabe der großen Ereignisse begnügt, sondern ihnen stets eine Auslese von Einzelerlebnissen, kleinen Genrebildern und Briesen anhängt, in denen die Umwelt der Kämpfer und der Geist der Zeit ganz besonders lebendig werden. Stadttheater Dortmund. Donnerstag, 7. Januar, abends 7½—10½ Uhr: „Der liebe Augustin“, Operette in 3 Akten von Leo Fall. Freitag, 8. Januar, abends 7½—10 Uhr. Ermäßigte Schauspielpreise. Neu einstudiert. Zum ersten Male:„Der Hexenkessel“, Schauspiel in 3 Akten von Georg Engel. Sonnabend, 9. Januar, abends 7½—10½ Uhr: „Undine“, Große romantische Jauberoper mit Ballet in 4 Aufzügen von Albert Lortzing. Sonntag, 10. Januar, nachmittags 3½—5¾ Uhr: Im weißen Röß'!“, Lustspiel in 3 Aufzügen von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg.— Abends 7½ Uhr:„Der Feldprediger“, Operette in 3 Akten von Karl Millöcker. Wetterbericht der detischen Seewatte. 8.—Milder, wolkig mit Sonnenschein, Wind. 9.—Milde, veränderlich, windig. Verantwortlich für die Redaktion Friede. Kraao, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Nr. 5. Beilage. Schwerter Heitung Wer Brotgetreide versüttert, versündigt sich am Vaterlande und macht sich strafbar. Die deutsche Kraft. Du und ich und die Millionen aus deutschem Sproß, wir sind die deutsche Kraft. Ein jeder bedeutet einen Teil dieser Kraft. Und wie wir alle sie verkörpern, so ist sie, so wirkt sie. In den Tagen vor dem Weltsturm gab es viele, die entfernten sich von dem Kern der Kraft; sie schlugen sie in sich verblendet zu Stücken oder gingen niederen Sinnes mit ihrem Teilchen zugrunde. Darob war ein Trauern in den Seelen derer, die mit reinen und wachen Sinnen die deutsche Kraft darstellten. Mit heiliger Liebe warben sie um die aufopfernden und zerfallenen Teilchen. Sie wollten ein Gesunden der Kraft bis ins Mark. Eine deutsche Allkraft wollten sie. Da kam der Sturm, da kam die Not, jäh und furchtbar. Doch auch die deutsche Kraft war da, jäh und furchtbar! Die Allkraft! Es war ein Ineinanderschmelzen der Millionen, ein wunderbares Sichvereinigen. Kraft, Kraft, eine Krast! Und jeder wollte nichts anderes sein als ein Teil dieser herrlichen Kraft, dieses organischen Seins. Verschüttete Quellen waren ans Licht gekommen. Tiefen taten sich auf, und verborgenes Gut wurde emporgehoben von unsichtbaren Händen, und das Gut war strahlend wie reines Gold. Die deutsche Allkraft war ein Sturm der Liebe, ein Feuer der Begeisterung, ein heller, erzener Klang des Treuschwurs. Dreimal gesegnet die deutsche Kraft! Bruder du, Schwester du, und ihr Millionen aus deutschem Sproß, wir sind die Kraft: Unsere Seele, unser Leib, unsere Tugend und Sittlichkeit, unsere Liebe und Sehnsucht, unsere Tapferkeit und Treue. O wie flutet und glüht es in der deutschen Krast! O wie stürmt sie— zu Lande und zu Meere— gegen eine Welt voll frevler Feinde! Sie muß siegen, sie ist die gottdurchdrungene, freie, sonnenlichte Kraft. Schaut zu unsern Feinden hin. über! Hat einer von ihnen diese wundervolle, erhebende Allkraft? Keiner, keiner! Nun, so siegen wir!——— Dann aber, wenn des Sieges volle Sonne strahlt und der Friede unsere Gaue wieder segnet, dann laßt uns alle, Mann wie Weib, in dieser Kraft bleiben mit demselben Streben zur heiligen Einheit, mit demselben hohen Willen zur Tat, wie in den Stunden des Sturmes! Nicht erschlaffen! Nein, nicht erschlaffen! Die deutsche Allkraft muß Segenspenderin für die Welt werden. Du und ich und die Millionen aus deutschem Sproß: wir sind die Kraft, und unsere Kinder zund Kindeskinder werden die Kraft. Lasset uns Nleben mit reinem Leibe und mit reiner Seele, dann steht es gut um die Kraft. Ob du im Brand des Sommers, im Frost des Winters tagelöhnerst, ob du die magere Scholle pflügst, ob du vom Kriege her als ein Krüppel lebst, ob du Künstler oder Gelehrter bist oder ein Herr über große Güter, ob du von äußerem Adel bist, sei du ein Teil der großen Kraft, wie du es mit ganzer Seele vermagst! Keiner sei zu niedrig, keiner zu hoch! Wir müssen Teile sein, um das Ganze zu schmieden. Nun, so schmiedet euch aneinander, schließt euch noch mehr zusammen zur herrlichen deutschen Allkraft. Jubelndes Glück ist es, auch nur ihr winzigster Teil zu sein! Dreimal gesegnet, deutsche Kraft! s Amtliches Kreisblatt. b + Russland Franbreich Belgien England Offzierr: 3575 3459 612 492 Russen, 306 294 franzosen 215905 Belgier Engländer 36852 18824. Donnerstag, 7. Januar 1915 K=Brot für den Kaiser. wtb. Berlin, 5. Jan. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, werden auf Befehl des Kaisers für den Kaiser selbst und dessen Umgebung im Großen Hauptquartier die Anordnungen der Behörden für Mischung des Mehles mit Kartoffelzusatz zur Bereitung von Grau= und Swwarzbrot streng befolgt. Dieses sogenannte K-Brot wird bereits seit Anfang November hergestellt unter einem Zusatz von 5 Prozent Kartoffelflocken und 10 Prozent Kartoffelmehl, zusammen 15 Prozent Zusatz, und ersreut sich allgemeiner Beliebtheit.(Zur Nachahmung empfohlen!) Zohl der beim Janresabschluss in Deutschland internierten Kriegsgefangenen. Die Haupisorge Frankreichs. tu Paris, 6. Januar. Die Unterdrückung des Aufstandes in Marokko bildet eine Hauptsorge in hiesigen parlamentarischen Kreisen. In fast allen Parteisitzungen wurde die Frage erörtert, wie sich die Kammer zu etwaigen Regie. rungsvorschlägen zu verhalten habe und mit welchen Mitteln man am besten die drohende Gefahr abwenden könne. Der Brennpunkt der Frage steht in der Erwägung der Alternative, entweder den Ereignissen vorläufig ihren Lauf zu lassen und sich dadurch eventuell einem Verlust der ganzen Kolonie und der hineingesteckten Milliardenwerte auf unbestimmte Zeit auszusetzen, oder aber zur sofortigen Unterdrückung des Aufstandes neue schwere entbehrliche Truppenmengen und schwer zu beschaffendes Geld herzugeben. Der Abgeordnete Delaroche, ein genauer Kenner der marokkanischen Verhältnisse, hat die zur Unterdrückung des Aufstandes notwendigen Truppenabschübe auf mindestens 40 000 Mann und das sofort benötigte Geld auf eine halbe Milliarde Franken veranschlagt.„Alle Versuche, Spanien zur Hilfeleistung bei den marokkanischen Schwierigkeiten zu bewegen, sind endgültig gescheitert. Es handelt sich jetzt also für das französische Parlament darum, herauszufinden, welches das kleinere der beiden Uebel ist. Verschiedene Parlamentarier haben privat ihrer Ansicht Ausdruck gegeben, daß es vernünftig sei, die Strafexpedition bis zum Friedensschluß zu verschieben, da schließlich auch vielleicht Marokkos Schicksal in Europa entschieden würde. Diese gewiß nicht unvernünftige Ansicht wurde jedoch sofort als„staatsgefährdende Schwarzseherei“, bezeichnet und die Stimmen verhallten ungehört. Bulgarien und Rumänien. Der bulgarische Ministerpräsident erklärte einem Zeitungsberichterstatter: Das Verhältnis zu mänien hat sich gebessert. Die Zeitungen haben seinerzeit gemeldet, daß eine Entente zwischen uns zustande gekommen sei. Offiziell ist eine solche nicht erfolgt, doch ist die Stimmung für das Zustandekommen einer Entente günstig. Dies würde einen Triumph der Politik Deutschlands und Oesterreichs bedeuten, denn diese beiden Großmächte waren stets bemüht, eine Einigung zwischen Bulgarien und Rumänien zu schaffen. Dies war bis. her wegen der Dobrudscha nicht möglich. Heute ist jedoch die Stimmung der Bevölkerung günstiger. Ich glaube, auch Rumänien bleibt neutral. Einige Politiker agitieren für den Krieg, doch teilt die Regierung deren Ansicht nicht. Unzufriedenheit in der Pariser Presse. Die Zeitungszensur, welche von den Oppositionsblättern seit langem der Nachsicht gegenüber der regierungssreundlichen Presse beschuldigt wird, wird von der„Humanitee" besonders scharf angegriffen. Sie schreibt, daß gewisse Meldungen, welche die nationalistische Presse ungehindert veröffentlichen durfte, in ihren Sptlten von der Zensur unterdrückt wurden. Alle Lügen des„Matin", daß die Russen 5 Tagemärsche vor Berlin ständen, daß die deutsche Armee verloren sei und alles gefangen genommen oder getötet wurde, seien mit Erlaubnis der Zensur veröffentlicht worden, aber wenn die„Humanitee“ einen der unzähligen Fälle meldete, welche die Unzugänglichkeit des Sanitätsdienstes zeigen, wenn sie sagte, daß es nicht patriotisch sei, in den Garnisonen vorbestrafte Leute für die Entsendung an die Front zu wählen, da eine solche Entsendung für den französischen Soldaten doch eine Ehre bilde, so trat sofort die Schere in Tätigkeit. Wollen die, schließt das Blatt, welche für Frankreich verantwortlich sind, einen derartigen Skandal weiter dulden? *Der Aufstand in Albanien. Japaner als deutsche Kriegsgefangene. Die Lage in Albanien ist außerordentlich schwie. rig. Essad Pascha wurde gestern von den Rebellen 5 Kilometer vor Durazzo geschlagen und kehrte nach Durazzo zurück, wo er den Belagerungszustand anordnete. Die Anwesenheit des italienischen Linienschiffes„Sardegna" und eines Transportschiffes beruhigt die Bevölkerung, besonders die Italiener und andere Ausländer, die im Notfalle alle eingeschifft werden. Mailand, 6. Jan.„Corriere della Sera" berichtet aus Valona: Nach dem Mißerfolg Essad Paschas und der Erklärung des Standrechts in Durazzo haben die Aufständischen von El Bassan den Abfall von der Regierung Essads erklärt und eine Selbstregierung angekündigt, indem sie die Nachbarstädte zur Nachahmung ihres Beispiels einladen. Die Bevölkerung von Berat hat sich bereits dieser Aufforderung angeschlossen. Rom, 6. Januar. Der„Tribuna“ zufolge verlangten die mohammedanischen Aufständischen in Durazzo namens der Türkei die Auslieferung des serbischen und französischen Gesandten. Nachdem Essad Pascha das abgelehnt hatte, griffen die Aufständischen die Stadt an, wurden aber durch die Geschütze der italienischen Schiffe zurückgeschlagen. Die italienische Kolonie, sowie die Gesandtschaften Italiens, Frankreichs und Serbiens hatten sich mittlerweile an Bord der italienischen Schiffe zurückgezogen.(Diese Meldung ist mit allem Vorbehalt aufzunehmen; sie findet bisher durch andere Nachrichten keine Bestätigung. Die Schriftl.) K Die„Frankfurter Zeitung“ meldet aus Stockholm: Russische Zeitungen schreiben, daß die japanischen Kriegsgefangenen in deutscher Gefangenschaft mißhandelt würden. Besonders schlecht ergehe es ihnen in Frankfurt a. M., wo sie 18 Stunden des Tages in so engen Steinzellen zubringen müßten, daß sie weder richtig sitzen noch liegen könnten. Die in die russische Presse lancierte Nachricht, die den Stempel der Lüge trägt, bezweckt offenbar die Vergiftung der öffentlichen Meinung Japans, um dort die Behandlung der deutschen Kriegsgesangenen zu verschlechtern. Die„Franks. Ztg.“ bemerkt dazu: Wir haben durch Erkundigungen an zuständiger Stelle festgestellt, daß in Frankfurt gegenwärtig überhaupt keine japanischen Kriegsgefangenen untergebracht sind, außer Verwundeten, die nun in dem hiesigen Lazarett genau so verpflegt werden, wie verwundete Deutsche. Japanische Kriegsgefangene sind niemals in Frankfurt untergebracht gewesen. In den ersten Kriegswochen waren hier einige Japaner in Schutzhaft. Alle aber sind längst wieder entlassen worden. Natürlich entsprach ihre Behandlung während der kurzen Schutzhaft allen Geboten der Menschlichkeit. Wir wissen, daß die Militärbehörden in Fällen, die unverdächtige Japaner betrafen, sogar jede Erleichterung der Haft nach Möglichkeit zu gewähren suchten. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Deechehemnievonr shelberg, Roman von F. Kuntschner. 51 24. Kapitel. Auf dem Balkon einer reizenden, kleinen Villa saß an einem herrlichen Morgen, behaglich seine Zigarre rauchend, Leon von Thalberg, indes Richard mit verschränkten Armen an der Balustrade lehnte und traumverloren auf die zu seinen Füßen sich ausbreitende Frühlingspracht niederschaute. „Also, Deine Gedanken sind wieder einmal auf der Reise nach Wien, nicht wahr?" neckte Herr=von Thalberg, der sich in den wenigen Wochen seines Hierseins ziemlich erholt hatte, den rasch sich umwendenden Sohn. „Verzeihe, lieber Papa, wenn ich Dich langweile! Du hast jedoch recht, meine Gedanken waren jetzt wirklich nicht hier," entschuldigte sich der junge Mann lachend. „Nun, nun, ich denke auch gar nicht daran, Dir dies zu verübeln, finde es sogar selbstverständlich; weiß ich doch aus persönlicher Erfahrung,“ fügte Herr Leon mit einem schmerzlichen Seufzer hinzu „was lieben heißt. Du, mein lieber Richard hast ja begründete Hoffnung, den Gegenstand Deiner Liebe für immer Dein eigen zu nennen, während —“ die Augen mit der Hand beschattend, brach er ab. „Mein lieber Vater, auch Du wirst diejenige, die Du so innig geliebt hast, heute noch liebst, einstmals wiedersehen, um sie nie mehr zu verlieren.“ „Diese Hoffnung ist's auch, die mir über den Trennungsschmerz hinweghilft, wie Deine Liebe nur Trost bietet. Wenn ich Dich jetzt nicht hätte, Richard—“ „Und wenn Du wüßtest, mein teuerer Vater, wie Deine Worte mich beglücken.“ Die Hände von Vater und Sohn fanden sich zu innigem Drucke und letzterer fragteisich auch jetzt wieder, wie er jemals an der Liebe des Vaters hatte zweifeln könmen... gb. 51r9 oder g.. „Gefällt es Dir hier noch, Richalo, vber sollen wir unsere Zeit abbrechen, um uns anderswo Hütten zu bauen?“ fragte Herr von Thalberg nach kur„Auf mich kommt das doch wohl nicht an, Papa, sondern ob Du Dich hier behaglich fühlst?“ „Du, Richard!" „Du wünschest, Papa?“ „Wirst Du mich nicht auslachen, wenn ich gestehe, daß ich doch lieber—“ „Heim möchte, Papa?“ rief Richard so lebhaft, daß es keines großen Scharfblickes bedurfte, um zu erkennen, wie er selbst nichts sehnlicher wünschte. „Aber warum sagtest Du denn nicht, daß Du auch lieber nach Hause möchtest, Richard? Es ist ja hier reizend, aber—“ „Auf unsremslieben, stillen Thalberg ist es doch noch schöner," fiel Richard mit großer Wärme ein, was den Freiherrn sichtlich freute; denn ein helles Licht glänzte in seinen Augen. „Ja, ja, auch ich sehne mich jetzt mehr nach Stille. Also, abgemacht, in drei Tagen reisen wir ab. Jetzt aber möchte ich, wenn Du nicht vielleicht Briefe zu schreiben hast, mit Dir, da es ein so wundervoller Tag ist, einen kleinen Ausflug nach L. hinübermachen. Willst Du?“ „Gewiß, lieber Vater, wenn es Dir Freude mnacht!.., Getan I.HHaft und Die beiden Herren plauberten kebhäft und angeregt miteinander und nur dann und wann, wenn ein Wort oder eine an ihnen vorüberkommende schlanke, elegante Frauengestalt, an die zu frühdahingeschiedene Teure sie gemahnte, flog ein Schatten über die Stirn des älteren Freiherrn. Als Richard soeben eine Bemerkung über die Schönheit der Szeuerie machen wollte, sah er den Vater jäh erbleichen und dessen Augen mit dem Ausdruck wahren Entsetzens nach einer bestimmten Richtung binstarren. 1### 8 bun. un „Vater, ich bitte Dich, was ist Dir? Doch der Freiherr schien nicht zu hören und erst als Richard seine Frage wiederholte, wandte ihm der Freiherr sein tieferblaßtes Antlitz zu. „Komme fort von da, Richard!“ raunte er dem Sohne mit heiser klingender Stimme zu.„Ich will nicht von ihm gesehen werden.“ „Von wemn sprichst Du, Papa?“ „Still, komme zum Wagen! Reiche mir den Arm, so, danke.“ Besorgt blickte Richard den Vater an, dessen Hand schwer auf seinem Arme ruhte. „Weißt Du, wen ich gesehen habe, Richard?“ wandte sich Leon von Thalberg, als sie beide im Wagen saßen, an den Sohn. Rustan und seine Tochter.“ „Aber wie kann Dir deren Anblick solches Entsetzen einflößen, Papa? Allerdings ist es ein seltsamer Zufall, daß diese beiden auch hier weilen. Ich dachte, sie domizilierten in Süddeutschland, nicht?“ „Rustan scheint schwer leidend und wird wohl zur Erholung nach dem Süden gegangen sein. Es hat mich Mühe gekostet, in dem verfallen aussehenden Mann den stolzen Rustan von einst wieder zu erkennen.“ „Vielleicht hast Du Dich doch in der Person getäuscht, Papa?“ „Nein, er war es ganz bestimmt; auch erkannte ich seine Tochter, obwohl ich sie seit Jahren nicht mehr gesehen habe.“ „Warum seid Ihr denn noch immer in Feindschaft, Papa?“ „Warum!“ wiederholte Herr von Thalberg kurz und hart auflachend.„Weil er es mir nicht verzeihen konnte, daß Thalberg mir zufiel, nachdem ihm statt des so heißersehnten Sohnes eine Tochter, die Melitta, geboren wurde. Seine Frau soll in der U- uc Uo 10n 7613, Seite schon davon erzählt, Richard?" setzte Herr von Thalberg, mit scheuem Seitenblick auf den sehr ernst gewordenen jungen Mann fragend, hinzu. „Ja, ich erinnere mich aber nur dunkel daran. Diese Feindschaft ist eigentlich—“ „Lächerlich, nicht wahr?" fiel Herr von Thalberg lebhaft ein.„Ebenso gut hätte Rustans Gemahlin einen Knaben zur Welt bringen können. Also, da ließ sich doch nichts machen—“ „Und hast Du niemals eine Annäherung versucht, Papa?“ „Gewiß, gleich nach Deiner Geburt; da aber Rustan mit beleidigender Schroffheit mir gegenübertrat, hatte ich keine Lust, mich neuerlichen Grobheiten auszusetzen. Wir sahen uns auch äußerst selten und, als er mit seiner Familie endgültig nach Süddeutschland zog, hörte selbstverständlich jeder Verkehr zwischen uns auf. Du kannst Dir demnach mein Erschrecken ausmalen, heute den damals in vollster Kraft stehenden Mann anscheinend ganzgebrochen an Leib und Seele so völlig unerwartet wiederzusehen?“ „Er lebt doch in guten Verhältnissen.“ „Gewiß! Und das ist mir immer ein großer Trost gewesen, „Was ich Dir gerne glaube, Papa. Meinst Du, daß er Dich auch gesehen hat?“ „Nein, keinesfalls! Und das ist mir sehr lieb; es ist am besten, wenn sich unsere Wege nicht mehr kreuzen. Wohin gehen denn jetzt Deine Gedanken, Richard?" unterbrach der Freiherr sich selbst, als der andere mit zufammengezogenen Brauen vor sich hinschaute. „Zu Rustaus Tochter.“ „Zu Rustaus Tochter!“ wiederholte Herr Leon ganz verplex.„Das verstehe ich nicht.“ „Und ist doch so leicht zu verstehen, Papa. Sie tut mir leid; denn nach ihres Vaters Heimgang, Folge unter diesem Mißgeschick von seiner Seite wird sie, da sie sonst keine Verwandten hat, ganz viel zu leiden gehabt haben. paoe ich Dir nicht vereinsamt sein.“ Die nichtfettende Haulcreme. Das Beste gegen role auf gesprungene Hande! Gegen Mitesser, Blüten, Flecken! Welt berühmt für die Schönheit der Gesichtes und die Jartheit de Hände. Tube 60 u. 100 Pig, kleine Tube 20 Pfg., Comdella=Seise 50 Pfg. In haben bei Max Mehlhose, Orogerie. 12 Verein d. Hundefreunde. Freilag.8 er., abende 8½ Uh. im Bals#erschen Lokale: Generalversammlung. Es wird dringend um jedermanns Erscheinen gebeten 128 Der Vorstand I. Etagenwohnung von 4 Zimmern zum 1. April zu verm. Kann auch geteilt werden. H. Hitzegrad 80 Senningsweg 26 Ene schhne Wohnung von 4 Zimmern, incl. Küche. mit Badezimmer und Vorratsraum per 1. April zu vermieten Elektr. Licht u. Kochgas vorhanden. 85 Zu erfr. i. d. Gesch. d. Ito. Eine von 4 Zimmern mit Gas u. elektr. Licht zu vermieten 70 W. Hothe. Abgeschlossene 2 Jnung 4 Jimmer, 1. Etage. 2 Zimmer=Wohnung 3. Etage, Rosenweg 32. 2 Zimmer=Wohnung mit Gartentand, Louisenstr. 16 zum 1. April zu vermieten. Steinweg, Holzen 93 Köttershof. 30—40 geübte finden sofort Beschäftigung bei Lilb. Borggräse G. m. b. H. Westhofen. 94 Schahmacher erhalten da#ernd Arbeit bei 131 C. W. Böhmer, Schwerte. Sonntag, 10. Jan. nachm. punkt 5 Uhr beginnend, fladet im Gemeindehause ein Familienabend statt. Lichtbilder-Vortrag: „Meine beiden Liebesgabenfahrten bis hinter die Front unserer Truppen und der Besuch belgischer und französicher Schlachtfelder.“ (Rechtsanwalt Dr. Nuss-Dortmund.) Der gesamte Reinertrag ist für den städtischen Hilfsausschuss bestimmt,— Eintrittsgeld 80 Pfennig;— freiwillige höhere Beträge werden dankend angenommen. Vorverkauf von Einlaßkarten findet nicht statt; Saalöffnung punkt 4 Uhr. Die Mitglieder beider Gemeinden in Stadt und Land werden hierdurch freundlichst eingeladen; Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt. Die Verwundeten beider Kra kenhäuser werden bei treiem Eintritt gleichfalls herzlich eingeladen. 123 cime a-eee Bekanntmachung betressend Famillen=Unterstützungen. Vielfach sind die Anträge wegen Erlangung der Familien= Unterstützungen an das Kriegsministerium oder die stellvertretenden Königlichen Generaldommandos gerichtet worden. Diese sind aber zur Entscheidung über derartige Anträge und Gesuche garnicht zuständig; die Eingaben an diese verzögern nur die Erlangung der Unterstützungen. Nach§ 6 des Gesetzes vom 28. Februar 1888(R. G. Bl. S. 59) entscheiden in Familien=Unterstützungs=Angelegenheiten in den Stadtkreisen die Oderbürgermeister usw.. in den Landkreisen die Kreisausschüsse e dallitig über die Unterstützungsbedürftigkeit der einzelnen Familien und über den Umsang und die Art der Unterstützungen. Ich mache hierauf mit dem Bemerken aufmerksam, daß die Anträge an diese Behörden zu richten sind und zwar zweckmäßig durch die Ortsbehörden. 103 Hörde, den 4. Januar 1915. Der Landrat: I B Burchard. sehen zahlreiche im Felde stehende Söhne unserer Heimat täglich der Feldpost entgegen, die ihnen das Blatt ihrer Heimat bringt. Ihnen und vielen anderen tapferen Kriegern bietet die „Schwerter Zeitung“ erwünschte Erholung und Stärkung in den Kampfespausen. Man bestelle daher für seine Angehörigen im Kriege die„Schwerter Zeitung". Bei täglicher Zusendung im Feldpostbrief kostet die „Schwerker Jeitung“ monatlich Mk. 1.— Bestellungen werden jederzeit in unserer Geschäftsstelle(Große Marktstraße) entgegen genommen Für unsere Pumpstation in Westhosen suchen wir einen Meldungen haben daselbst zu erfolgen. 92 Tapeten! Naturell-Tapeten von 10 Pf. an Gold-Tapeten von 20 Pf. an inden schönsten u. neuesten Mustern. Man verlange kostenfrei Musterbuch Nr. 276. Gebrüder Ziegler, üneburs Meianbelten Kaskesch Holzrahmenmatr., Kinderdetten Eiseumödelfabrik. Subl i. Th. K 0 DDUANOS SCHN BARWEN NEUERWEC 40 Dienslag, den 12. Jan. 1915, nachmiktags 5 Uhr, im Rathaussaale Tagesordnung: I. Oessentliche Sitzung: 1. Beschlußfassung über die Güitigkeit der am 26. und 27 November 1914 gelätigten Stadtverordnelenwahlen. 2. Einführung der neu= bezw. wiedergewählten Stadtverordneten. 8. Wahl des Stadtverordneten=Vorstehers, dessen Stellvertreters, des Protokollführers und dessen Stellvertrelers. 4. Neuwahl der Kommissionen d. Festsetzung der Rechnung der Armenkasse für das Rechnungsjahr 1913. 6. Beschlußfassung über die Verwendung der Sparkassenzinsüberschüsse aus 1913. 7. Umbau des allen Stadthauses Kampstraße 18. 8. Abrechnung über die Legung einer Wasserhauplleitung in der Göthestraße. 9. Abrechnung über die Legung einer Gashauptleitung in der Göthestraße. 10. Austausch von kleineren Grundstücksstreifen mit den Vereinigten Deutschen Nickelwerken A.=G, hier. 11. Anlage eines Aschebürgersteiges vor den Werth'schen Neubauten Senningsweg. 12. Uebernahme des Interessentenkanals in der Mähr=, Teichund Hagenerstraße. 13. Verpachtung derjenigen städtischen Grundstücke, welche in der Nähe des Geländes der Eisenbahnhauptwerkstätte erworben sind. 14. Bewilligung von Mitteln für die Sanitätskolonne. 15. Niederschlagung rückständiger Mielbeträge aus dem städtischen frücer Lebenderg'schen Hause. 16. Mitteilungen. II. Geheime Sitzung. Schwerte(Ruhr), den 5. Januar 1915. Stadtverordnetenvorsteher. 125 Terbrüggen. bei dauernder Beschäftigung u. hohem Lohn gesucht. Gebr. Heimann, Ergste. 130 Eleg. Wohnungs-Einrichtungen, einzelne Speise-, Schlafzimmer, Herrenzimmer, vornehme Klubzimmer, Klubsessel, Teppiche sowie einzelne Stücke liefert in modernster, gediegenster Ausführung unter strengster Diskretion leistungsfähige, grosse Berliner Spezial-Höbel-Firma an Private zu Katalogpreisen gegen 4% Verzinsung auf 1220 Verbot des Schrotens von Aögsen und Weizen. Auf Grund der§§ 2, 4 und 5 der Bekanntmachung über das Versüttern von Brotgetreide und Mehl vom 28. Oktober 1914(R. G. Bl. S. 460, wird folgendes bestimmt: § 1. Schroten von Roggen und Weizen, auch wenn er mit anderen Früchten vermischt oder nicht mahlfähig ist, ist verboten. § 2. Die Ortspolizeibehörden können für einzelne Fälle oder auf jederzeitigen Widerruf allgemein bestimmten Personen oder Betrieben die Herstellung von Roggen= oder Weizenschrot zur Brotbereitung gestatten, sofern die Verwendung des Schrots zur Brotbereitung gesichert ist. Dem Hersteller ist eine schriftliche Genehmigung über die Zulassung auszuhändigen. § 3. Wer auf Grund einer Genehmigung gemäß§ 2 Roggen= oder Weizenschrot zur Brotbereitung gewerbsmäßig herstellt, hat ein Verzeichnis zu führen über die von ihm erledigten Aufträge zur Lieferung von Roggenoder Weizenschrot oder zum Schroten von Roggen oder Weizen, der ihm von dem Auftraggeber oder von einem anderen für den Auftraggeber übergeben ist. Das Verzeichnis muß enthalten: a) eine laufende Nummer, d) Vor= und Zunamen sowie Stand und Wohnort des Auftraggebers, c) Gewicht der gelieferten Schrotmenge nach kg, d. Tag der Lieferung, 6) Datum der polizeilichen Genehmigung(§ 2). Die Ortspolizeibehörde ist berechtigt, zur Nachprüfung des Verzeichnisses die Bücher der zum Führen des Verzeignisses Verpflichteten einsehnen zu lassen. Die Vorschrift zu 3 der Ausführungsbestimmungen vom 29. November 1914 zu der Bekanntmachung vom 28. Oktober 1914 wird, soweit sie sich auf Unternehmer von Mühlen bezieht, aufgehoben. § 4. den Fällen, in denen Gemäß Nr. 4 und 5 der Ausführungsbestimmungen vom 29 November 1914 zu der Bekanntmachung vom 28. Oktober 1914 das Verfüttern von Roggen, der im landwirtschaftlichen Betriebe des Viehhalters erzeugt ist, für das in diesem Betriebe gehaltene Vieh zugelassen ist, darf dieser Roggen geschrotet werden. § 5. Überwachung des Verbots sind die Beamten der Ortspolizeibehörde befugt, in die Betriebsräume der Unternehmer von Getreide= oder Schrotmühlen sowie der Getreide= und Futtermittelbändler jederzeit einzutreten § 6. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen werden gemäß§ 5 der Bekanntmachung vom 28. Oktober 1914 mit Geldstrafe bis zu 1500 M. bestraft. S 7. Diese Bestimmungen treten nach Ablauf von 3 Tagen seit dem Tage ihrer Verkündung im Deutschen Reichs= und Preußischen Staatsanzeiger in Kraft. Berlin, den 18. Dezember 1914. 83 Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. gez. Frhr. v. Schorlemer. Der Minister für Der Minister des Handel und Gewerbe. Innern. I. V. gez. Göppert. J. V. gez. Drews. Mehrere kräftige 99 Mung. Arbeiter gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieses Blattes. Kein Inkasso durch Boten, Kataloge werden nicht versandt. Langjährige Garantie. Da unsere Vertreter ständig ganz Deutschland bereisen, erbitten gefl. Nachricht, vann der unverbindiche Besuch behuts Voriegung von gnouion Onigig lefert schnell und saube1000 durch Radolt Mosse, Beria, Leipeigerztrasse 103 Kl Ouier-Dr Tofes Buchdruckerei E. Braus Landkreis Hörde. Bekanntmachung. Die Ersatz=Kommission für die Musterung der Militärpflichtigen tritt in diesem Jahre wie nachstehend angegeben zusammen: 1. In der Wirtschast Wibelitz in Annen morgens 9 Uhr am 7. und 8. Januar für die Militärpflichtigen des Amtes Annen und der Gemeinde Rüdinghausen. 2. In der Wirtschaft Jockenhöser in Schwerke morgens 8¾ Uhr am 9. Januar für die Militärpflichtigen der Stadt Schwerke. 3. In der Wirtschaft Jockenhöser in Schwerle morgens 8¾ Uhr am 11. Jonuar für die Militärpflichtigen des Amtes Westhofen. 4. In der Wirtschaft Schulte in Aplerbeck morgens 8¾ Uhr am 12., 13, 14. und 15 Januar für die Militärpflichtigen des Amtes Aplerbeck. 5. In der Wirtschaft Bergmann in Hörde morgens 8¾ Uhr am 16. Januar für die Mililärpflichtigen des Amtes Barop. 6 In der Wirtschaft Bergmann in Hörde morgens 8¾ Uhr am 18. Januar für die Militärpflichtigen der Gemeinde Kirchhörde. 7 In der Wirtschaft Bergmann in Hörde morgens 8¾ Uhr am 19. Januar für die Mililärpflichtigen des Amtes Wellinghofen Die Verhandlungen über die Reklamationen finden am 19. Jonuar 1915, vormitlags 12 Uhr in der Wirtschaft Bergmann in Hörde im Anschluß an das Musterungsgeschäft statt. Die zur Gestellung verpflichteten Militärpflichtigen haben sich bei Vermeidung der gesetzlichen Strafen in den bezeichneten Terminen pünktlich einzufinden. Jede Störung der Ruhe und Ordnung des Musterungsgeschäftes wird mit Geldstrafe bis zu 15 M oder mit verhältnismäßiger Haftstrafe geahndet. Eine gleiche Strafe trifft denjenigen, Mititärpflichtigen, welcher sich ohne Erlaubnis der Ersatzkommission von dem angewiesenen Sammelplatze entfernt. Auch ist das Mitbringen von Stöcken in das Musterungslokal nicht gestattet. In der Polizeiverordnung des Herrn Regierungs=Präsidenten zu Arnsberg vom 26. Mai 1900, Regierungsamtsblatt 1900. Nr. 960, Seite 878, ist im allgemeinen folgendes bestimmt: Die Militärpflichtigen haben zum Musterungs= und Aushebungsgeschäft in ordentlicher, sauberer Kleidung und mit reingewaschenem Körper zu erscheinen. Innerhalb und außerhalb des Musterungs= und Aushebungslokals haben die Militärpflichtigen während der Dauer des Geschäftes sich ordnungsmäßig und anständig zu betragen. und jede Störung des Geschäftes durch Trunkenheit. Widersetzlichkeit, unerlaubte Entfernung, unnötiges Sprechen, sowie ähnliche Ungehörigkeit zu vermeiden. Das Rauchen ist den Militärpflichtigen aus dem Sammelplatze und in den Räumen, in denen das Musterungs= und Aushebungsgeschäft stattfindet, verboten. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 60 Mark, im Unvermögensfalle mit verhältnismäßiger Haft bestraft. Hörde, den 2. Januar 1915. 58 Der Landrat: I. V. Dr. Burchard. Landkreis Hörde. Verannimachung. Die Verhandlung und Entscheidung über die zum KriegsKreis=Ersatzgeschäft 1915 angebrachten Militär=Reklamationen findet am 19. Januar 1915, vormittags 12 Uhr, in der Wirtschaft Bergmann in Hörde statt. Gemäß bestehender Vorschrift müssen diejenigen Familienangehörigen eines Militärpflichtigen auf deren angebliche Erwerbs= resp. Aufsichtsunfähigkeit ein Anspruch auf Befreiung oder Zurückstellung des letzteren vom Dienste im stehenden Heere gegründet werden soll, sich der Ersatz=Kommission persönlich vorstellen. Indem ich dieses zur öffentlichen Kenntnis bringe, mache ich zugleich darauf aufmerksam, daß die Reklamanten den Nachteil der ihnen durch elwaige Nichtbefolgung dieser Vorschriften erwachsen möchte, sich selbst beizumessen haben. Unter Bezugnahme auf§ 99,2 der Wehrordnung, weise ich darauf hin, daß bei den begründeten Reklamationen nur eine vorläufige Zurückstellung erfolgen kann. 48 Hörde, den 2. Januar 1915. Der Landrat. I. V. Dr. Burchard. Vorstehende Bekanntmachung wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß zur Entgegennahme der Zurückstellungsgesuche Termin auf Freitag, den 8. Januar d. Is. im Militärdüro des neuen Rathauses anberaumt ist. Schwerte, den 4. Januar 1915. Der Magistrat: Rohrmann. Betanntmachung für den Landwehrbezirk II Dortmund! Auf Befehl des stellv. Generalkommandos sind für Unteroffiziere und Mannschaften des Buurlaubtenstandes am 9. Januar 1915 Kontrollversammlung abzuhalten. Sämtliche Unteroffiziere und Mannschaften der Reserve, der Land= und Seewehr 1. und 2. Aufgebots und der Ersatzreserve. ausgenommen Landsturm, haben sich daher im Gewerbeverein in Dortmund, Kuhstr. 12 (beim Stadttheater) wie folgt, zu melden: Sonnabend, den 9 Januar 915 vormitlags 9 Uhr. Jäger und Maschinengewehrtruppen, Kavallerie. Feldartillerie, Fußartillerie, Pioniere, Verkehrstruppen, Train, Sanitäts= und Veterinärpersonale und sonstige Mannschaften Sonnabend, den 9. Januar 1915 vormiltags 10½ Uhr. Infanterie. Ersatz=Reserve. Es haben auch diejenigen Personen zu erscheinen, welc auf kürzere oder längere Zeit vom Waffendienst zurückgeste vonten fn. 4 wricgen „Personen, welche im Eisenbahndienst angestellt oder d schaftigr sind, sind von der Gestellung entbunden. Leute, welche sich im Krankenhause desinden oder son durch Krankheit am Erscheinen verhindert sind, haben eir Bescheinigung des behandelnden Arztes bis zum 9. Janu 1915 dem Bezirkskommando einzusenden. Die Militärpapiere sind mitzusringen. Wer der Einberusung nicht Foige leistetet oder unpünk lich oder betrunken erscheigt, sowie, wer sich des Ungehorsam gegen vorstehende Befehle schuldig macht, wird nach de Kriegsgesetzen bestraft. Befretungen finden unter keinen Umständen stalt. Dortmund, den 3. Januar 1915. Königliches Vezirkskommando II. # 5 2 6 ∆ 5 a 5 S S 6— S 85 9 8 S 8* **— *** **"* * S 889 S S S D#e. GS## S 92. Ue#3 R 3* 6S 9 3 S• S5 2* S S 83 Sa 97.— S5 SSgES S#79.2□ 5 8a S 2 s G 5 DES SSR MLSNS S O# TnR genF S 8 85 S99.6. S8 5 98 9 SS8 * SaS S 7 S% 5 S. = 5 0###: n S S.8 D##s 75 40 S 5C S S ich in 2 S. S3S ##S S59 S as S WOns 7 8.#— S 8n5 S5 8 25—07 L a C 55 # S E 2=5•2 TEn 80=S 0 aTÖnR 2 5 S O9TÖE *. W 9 SS:— 3 5 Fr 2-* S— 2. * 8 80* „ 4 5 3 —— 971„ 1 und von Kowalsky erzählt war. Ludowika war fortgezogen— mit einem Kinde— zu armen Verwandten irgendwohin. Das war natürlich nach dem Süden gewezen. Später hatte sie sich dann mit Ruskowsky— einem treuen Bewerber— verheiratet, einem ernsten, ehrenhaften Mann, der sich der von dem Herrn Petroseine düsteren Züge schauten aus dem Unterschrift:„Fur Ludowika!“ trug.— Und Frau Ruskowska war darum durch den ersten Anblick des Gastes so erschreckt worden, weil er dem Mann, der sie so maßlos betrogen, und dessen wahren Namen sie nicht kannte, so auffallend ähnlich sah. Er, Colja, nun hatte sich aufgemacht, die Schwester zu suchen— er hatte sie Sonjas wegen, die er liebte, vergessen— und die Schwester rächte sich an ihm, indem sie eben Sonetschka war. Das war alles so klar, hell und deutlich, und es blieben so wenig Zweifel, als Wolken an dem glänzenden, klaren Abendhimmel, in den Coljas Auge hineinstarrte. So stand er regungslos da und hörte nicht, wie drüben Frau Ruskowskas Stimme vergebens nach Sonja rief— noch später das Rollen eines vorfahrenden Wagens— oder die flehenden Laute einer alten, tiesen Mannesstimme— nichts von der erschütternden Szene, die in Frau Ruskowskas Zimmer folgte; er vernahm nichts von alledem; als der goldene Strahl vor ihm erlosch, wandte er sich und schritt hinüber zu Ludowika—, denn es sollte ja alles besprochen werden— sollte klar werden, das mußte so sein. (Schluß folgt.) Denkspruch. Nichts anderes aber muß man wollen und bedürfen als das Höchlte. Wenn sich auch unser Dasein verzehrt, ohne das Ziel zu erreichen— nur nicht vorlicbnehmen, nicht von Aumnosen jeben, die von andeten man nimmt oder sich lelber gibt! Amélie Linz=Godin. Ein Abstieg zum Flammenschlund des Besuv. Nach einem vergeblichen Versuche ist es vor einiger Zeit Prof. Malladra, dem Leiter vom Vesuv=Observatoriums, gelungen, in die Tiefen des Kraters hinabzusteigen und gemeinsam mit dem Chemiker Dr. Luigi Bernardini in unmittelbarer Nähe des glühenden Flammenschlundes eine Reihe von Beobachtungen vorzunehmen, die bestimmt scheinen, die wissenschaftliche Kenntnis über die Tätigkeit des Vesuv in wesentlichen Punkten zu ergänzen und zu vervollkommnen. Man wird sich erinnern, daß der italienische Gelehrte bereits früher— damals in Begleitung zweier deutscher Forscher— einen Abstieg in den Krater des Vesuv erfolgreich unternahm; der neue Versuch erwuchs aus der Tatsache, daß in den Tiefen des Kraters kürzlich von neuem Feuer und Flammen auftauchten. Ein Abstieg während dieses Wiedererscheinens des Feuers mußte naturgemäß auf ungleich größere Schwierigkeiten und Gefahren stoßen, und in der Tat scheiterte auch der unternommene Versuch: in einer Tiefe von 200 Meter waren die beiden Gelehrten gezwungen, ihr Vorhaben aufzugeben und in einem schleunigen Wiederaufstieg Rettung zu suchen; denn die aus dem Kraterinnern M aufsteigenden giftigen und heißen Gase machten die Fortsetzung des Abstieges zur Unmöglichkeit. Allein bei der Wiederholung des Wagnisses waren Malladra und Bernardini vom Glücke besser begünstigt. Vormittags um 9 Uhr begannen sie, von dem Führer Sannino begleitet, am Südsüdostrand des Kraters den Abstieg und ließen sich an jener sast senlrecht abfallenden Wand herab, an der auch die früheren Versuche begonnen hatten. Günstiger Wind trieb die gefährlichen Gaswolken zu der gegenüberliegenden Kraterwand, so daß man verhältnismäßig ungestört die ersten 100 Meter zurücklegen konnte. Hier stießen die Gelehrten nach einem Berichte des„Corriere della Sera“ auf den Grat eines mächtigen, aus großen Lavablöcken gebildeten Hügels, der in steilem Gefälle zu dem 150 Meter tiefer liegenden glühenden Kraterrand hinabführt. Die Forscher umgingen das Hindernis in südlicher Richtung und stießen hier, den aussteigenden heißen Rauchwolken ausbiegend, auf eine Art mächtigen Kanals, auf eine Rinne, durch die ein Strom von Steinen zu der tiefer liegenden 60 Meter hohen steilen Wand der großen gelben Fumarole hinabging. Diese Wand, die unausgesetzt heiße Dämpfe und giftige Gase ausströmte, mußte wiederum umgangen werden und wurde schließlich, unter Ausnutzung einiger weniger gefährlicher Stellen, durch einen Abstieg in diagonaler Richtung überwunden. Das Wagnis gelang mit Hilfe der mitgeführten Drahtseile, doch hatten die kühnen Kratersteiger dabei unter den Gasen schwer zu leiden, die Atmung war erschwert, und heftige Schmerzen im Kehlkopf traten ein. Trotzdem gelang es nach einer weiteren Kletterpartie von etwa ¾ Stunden die große Plattform zu erreichen, in deren trichterartigen Vertiefung, 60 Meter unter der Oberfläche dieser kleinen Ebene, der Flammenschlund sich geöffnet halte. Aus dieser Feuermündung stiegen dichte grüngelbliche Dämpfe auf, die sofort danach eine weiße Farbe annahmen. Der Ausfluß der Dämpse vollzog sich ruckartig, von Zischen und Dröhnen begleitet, und konnte an das keuchende Röcheln eines prähistorischen Fabelwesens gemahnen. Es schien unmöglich, näher an den Feuerschlund heranzukommen, aber die Tollkühnheit überwog schließlich die Bedenken, und die beiden Gelehrten drangen bis an den Saum des Flammenschlundes heran. Er liegt annähernd 350 Meter unterhalb des Kraterrandes. Die Hitze wurde unerträglich, der Aufenthalt am Rande des Feuerschlundes war jeweils nur auf wenige Minuten möglich, wobei man das Gesicht mit den Händen und mit Tüchern schützen mußte. Von dem Anblick geben die Forscher eine Schilderung, die das Unheimliche und Großartige des Schauspiels nachempfinden läßt: ein glühendes, helles Rot erfüllt die ganze Tiefe dieser natürlichen Feuerstätte, die zu Glut erhitzte Lava an den Wänden schillert in tausend Farben: und dazwischen steigen jene leuchtenden Dämpfe auf, die sich unmittelbar über dem Rande wie durch Zauber in hellstes klares Weiß verwandeln. Es gelang, eine ganze Serie von Photographien aufzunehmen und die ausströmenden Gase zum Zwecke der chemischen Analyse in die mitgeführten Apparate einzufn 82 Humor. Seine Erinnerung. Sie:„Gestern habe ich den ganzen Tag geweint.“ Nachbarin:„Warum denn?“ Sie: „Es war unser Hochzeitstag, und da sagte Henry:„Mir ist so, wie wenn mir heute vor zehn Jahren etwas Furchtbares passiert wäre, ich kann mich aber nicht mehr erinnern, was.“ 11 ∆0 Amtliches Kreisblatt K für den Kreis börde 97. Jabrgang O Grin and ihelles Cagessergm des sorhen 0 Unterhaltungs=Beilage zu Nrö. Donnerstag, 7 Januar 1915. Wähtes Giack: 25 89)% Roman 28 Sa Pe ¼ evor ich nicht ein Automebil besitze, H######. bin ich leider— so gern ich in desem # Augenblick jeden Ihrer Wünsche erS füülte sullte— außerstande, eine so weite Reie auzutreten. Uebrigens hoffe ich für den begangenen Raub Vergebung zu finden, wenn Sie mir gestatten wollen, Ihnen Abzüge des eben ausgenommenen Gruppenbildes zu übersenden. Sie werden sich dann überz ugen, daß für die herrliche Winterlandschaft eine idealere Stassage kaum gefunden werden konnte, wie sie mir eben vor die Linse kam. Darf ich die holden Sabinerinnen um ihre Adresse bitten?" Wi ährend ihre Gefährtinnen bei dieser Entgegnung des jungen Mannes errötend silligett, ein schtaftha tes uccher.. die Blicke senkten, um den roten Mund imerte ein schalkha tes Lächeln Blonvine, und sie erwiderte mit lomischer Grandezza: der Blonvine, und sie erwiderte mit lomischer Grandezze „Gestatten Sie, edler Römer, oaß ich Sie mit ihren drei Opern bekannt mache.“ Auf ihre Begleiterin deutend, deren feurige schwarze Augen, breite Backenknochen und dunkles Haar an den Zigeunertyp erinnerten, sagte sie:„Dies ist meine der Pußta entstammte Freundin, Baroneß Mikosch. Der junge Mann verbeugte sich gegen die Vorgegestellte mit der Miene tiefer Verehrung. „Diese junge Dame hier“— sie deutete auf eine sehr elegant gekleidete, hochaufgeschossene Begleiterin und fuhr, trotzdem diese mizbilligend den Kopf schüttelte, ruhig fort—„ist Lady Fashionable; Fräulein von Treppenwitz aber nennt man mich, die Dritte im Bunde der geraubten Sabinerinnen.“ Der junge Mann verbeugte sich wieder mit unerschütterlichem Ernst, lüftete seine Mütze und nannte sich Graf Photo.— Da er sich gleich darauf abwandte, um einen leichten Rodelschlitten hinter dem Wacholderbusch hervorzuziehen, so wurde den Mädchen die willkommene Gelegenheit, leise kichernd listige Blicke auszutauschen. Ihre Haltung aber wurde sofort wieder würdevoll und ihre Miene ernst, als er sich umwandteund die Bitte aussprach: „Nachdem man mich der Ehre gewürdigt hat, in den Kreis dieser edlen Damen treten zu dürfen, so darf ich wohl hoffen, daß Sie mir gestatten werden, beim Aufstieg zum Brockenhaus an ihrer Seite zu bleiben. Lady Fashionable erwiderte im Tone einer Oberhofmeisterin:„Herr Graf, der Weg ist frei, und gegen das Geleite eines Mannes, bei dem wir ritterliche Gevon Rudolf Elcho. (10. Forsetzung.)(Nachdruck verboten.) sinnung voraussetzen dürfen, haben wir nichts einzuwenden.“ „Mylady, Sie sollen erfahren, daß Graf Photo Ihren berechtigten Ansprüchen vollkommen entsprechen wird!" Seinen Schlitten hinter sich herziehend, stieg er im Verein mit den drei Touristinnen der Bergkuppe entgegen. Neben der Blondine herschreitend, gestand er, daß ihn der Ausfluß ihrer Naturschwärmerei sehr angenehm berührt habe. Auch er liebe die Natur in ihren wechselnden Erscheinungen, und kaum eine andere habe ihn jemals so poetisch angemutet wie ein Bergwald im Rauhfrost. Die Erinnerung an die schönen Wintertage und— Nächte, die er vor wenigen Ja ren im Harz verlebt, habe ihn jetzt aus Berlin hierher gelockt. Er wolle einige malerische Stätten im Lichtlilde festhalten und sei erfreut, diese durch drei so frische anmu ige Mädchengestalten beleben zu können. Er bat dann herzlich, man möge seine Bestrebungen unterstützen. „Nun, wenn Sie im Ernst glauben, Herr Graf. daß drei einer Erziehungsanstalt in aller Herrgottsfrühe entschlüpfte Schülerinnen das Naturbild schmücken können, so stehen wir dem Amateurphotographen gern zu Diensten.“— Die Blondine sah ihn dabei lachend an, und während sich das Rot auf ihren Wangen vertiefte, sprühte es aus ihren blauen Augen wie Sonnenglanz. Während der Wanderung durch den Forst, in dem Nadelhölzer mit Laubhölzern abwechselten, machte Graf Photo die jungen Damen in heiterem Plaudertone auf das den eisigen Stürmen Trotz bietende Wintergrün aufmerksam. Hier gaben Tannen und Fichten, dort Stechpalmen und Wacholderbüsche, hier die Beeren der Zwergmispeln, dort die der Wildrosen dem Bergland malerischen Reiz. Wiederholt bat er seine heiteren Begleiterinnen, vor solchen Waldstellen, außerdem an eisumrandeten Wasserfällen und einer einsamen Köhlerhütte, Gruppe zu bilden, und jedesmal versicherte er, die Aufnahme müsse gelungen sein. Die Mädchen fanden das„Bilderstellen" recht amüsant, denn Graf Photo erfand für jede neue Aufnahme eine neue Anordnung und entschädigte sie für ihre Bemühung durch drollige Einfälle und Atelier= scherze. Darüber entging ihnen aber im Flug die Zeit, und als sie endlich das Brockenhaus erreichten, war die Mittagsstunde bereits überschritten. Eben hatte sich die Sonne durch die Nebel gerungen, und bald darauf spannte sich die blaue Himmelsdecke über die weite, im glitzernden Schnee liegende niederdeutsche Ebene. Völlig andächtig schauten die Bergsteiger vom Aussichtsturm auf das mit Städten und Dörfern besäte Flachland herab, dessen Nordrand sich in unermeßlicher Ferne zu erheben schien. Graf Photo war mit dem Landschaftsbild vertraut und konnte seinen Begleiterinnen angeben, welcher Stadt die ins Auge springenden Kirchtürme oder Profanbauten angehörten. „Ise großartig,“ bemerkte Baroneß Mikosch.„Steh' ich zum ärstenmal auf Bärg so hohem. Ise mir zu Mut, als schwäbt' ich im Lustballon ieber weite Aerde. — Aber hob’ ich jetzt Hunger so gewaltigen, daß ich könnt' essen drei Paprikaschnitzel auf einmal. Bitte, Herr Graff, photographieren Sie jetzt die Tischkarte.“ Der junge Mann lachte hell auf und führie dann seine Begleiterinnen in den Speisesaal des Brockenhauses, wo sie bald darauf an einem von der Hoteltafel abgesonderten Tische ein einfaches, aber schmackhaftes Mittagsmahl in fröhlicher Stimmung verzehrten. Der junge Mann hatte zum Braten eine Ilasche Notwein bestellt, und als die Gläser gefüllt waren, erhob er das seinige und sagte mit schallhaftem Lächeln: „Nun, meine sehr verehrten Damen, ist es doch wohl an der Zeit, daß wir die Masken lüsten und das Kind beim rechten Namen nennen. Es war ja ganz belustigend, dem Beispiel gekrönter Häuser zu folgen, welche minderwertige aristokratische Falschnamen wählen, um ihr Inkognito zu wahren, aber der Mensch soll keinen Spaß tot reiten, und darum meine ich, Fräulein Aennchen Kleinschmidt, wir beide gehen mit dem guten Beispiel voran.“ Die junge Blondine riß bei dieser vertraulichen Anrede Augen und Mund weit auf vor Ueberraschung und starrte ihr Gegenüber fassungslos an. Nach einer Weile erst konnte sie sich zu der Entgegnung aufraffen:„Wer sind Sie, mein Herr— habe nicht die Ehre——“ „Da haben wir's! So leicht werden Liebestaten vergessen. Aennchen kennt ihren Fritz nicht mehr, der sich ihren Lebensretter nennen darf; hat er sie doch vom Rande des Abgrundes weggerissen und sie dann in die Arme der teuren Mutter gelegt, die ihm durch Verabreichung einer schallenden Ohrfeige ihren Dank ausdrückte.“ Die Blondine fuhr sich mit der Hand über die Stirne, als wolle sie die ihre Erinnerung verschleiernden Nebel fortwischen; dann leuchteten ihre Augen wieder auf, und sie sagte leise und zögernd:„Nein, das ist ja nicht möglich... Sie sind doch nicht——? — Aber, beim Himmel, es könnte doch sein! Sind Sie mein Spielkamerad Fritz aus der Genthiner Straße, der— Herrgott— wie war es doch——?“ Der junge Mann nippte an seinem Glase und kam dann ihrem' Gedächtnis zu Hilfe:„Ja, ich bin Fritz Rönne, der Sohn jenes pensionierten Briefträgers, der vor zehn Jahren in dem Hause eine Portierstelle innehatte, in dessen Hintergebäude Ihre Eltern wohnten. Sie waren damals fünf oder sechs Jahre alt, und ich würde Sie wohl, ebenso wie Sie mich, nach einem Jahrzehnt der Trennung vollständig vergessen haben, hätte sich nicht ein denkwürdiger Vorfall meinem Gedächtnis fest eingeprägt, und hätte mir nicht vor etwa zwei Jahren ein Schulkamerad, als ich einen graziösen Backfisch auf dem Lawn=Tennis=Platz bewunderte, zugerufen: Das ist die kleine Anna Kleinschmidt aus der Genthiner Straße.“ „Aber der denkwürdige Vorfall— wie war er doch..? Ich erinnere mich dunkel, daß ein junger Bursch mich von einem Fensterbrett wegriß, und daß die Mutter dann heftig schalt—“ „Weil sie die Situation total verkannt hatte. Bei diesem Vorfall spielte die früh erwachte weibliche Eitelkeit eine verhängnisvolle Rolle. Ich war an einem Nachmittage als zehnjähriger Schulbube auf den Hof getreten, um mich nach Spielgefährten umzusehen, da rief ein Kinderstimmchen aus der Höhe:„Fitzi, sieh mal meine neuen Schuhchens!“ Meine Augen zur Fassade des Hinterhauses erhebend, bemerke ich zu meinem Entsetzen Klein=Aennchen auf dem schrägen, mit glattem Blech bedeckten Fensterbrett des vierten Stockwerks stehend und mit der linken Patschhand auf ihre roten Schuhe deutend, während sie sich mit der rechten am Kreuz des weitgeöffneten Fensters festhielt. Mit blitzartiger Schnelligkeit fand ich die Lösung der Frage: Wie ist die Kleine zu dem gefährlichen Standpunkt gekommen?— Vor der Fensteröffnung stand eine Kiste. Auf dieser hatte sie wohl gesessen und in den Hof geschaut. Als sie mich nun dort bemerkte, wollte sie dem Spielgenossen das zeigen, was ihre Kinderseele mit stolzer Freude erfüllte. Ohne ein Schwindelgefühl zu verspüren, stieg sie auf das glatte Gesims. Noch sehe ich ihr verklärtes, rosiges Gesichtchen und die in der Sonne leuchtenden roten Schuhe vor mir. Nach dem ersten Blick rieselte mir ein Schauder übers Herz, und ich sagte mir: Wenn sie sich umdreht, ist sie verloren. Im nächsten Augenblick rief ich ihr zu:„Aennchen, bleib eineMinute da droben stehen, ohne dich zu rühren; bin gleich bei dir!“ Und nun stürmte ich wie der Wind die vier Treppen hinan. Sie war stehengeblieben und als ich atemlos die Hände nach ihr ausstreckte, wandte sie das Köpfchen nach mir um und sank lachend in meine Arme. Ich ließ mich mit ihr auf die Kiste nieder und küßte sie stürmisch. Im nächsten Augenblick aber erhielt ich von mütterlicher Hand eine Ohrseige, und Frau Kleinschmidt rief mir zu: „Wie darfst du leichtfertiger Bengel dich unterstehen, Aennchen aufs Fensterbrett zu heben. Himmel, wenn ich bedenke, wie leicht mein Kind in die Tiese hätte stürzen können, wird es mir dunkel vor den Augen. Vergeblich war mein Versuch, der empörten Mutter ihren Irrtum zu erklären, denn in ihrer Erregung erging sie sich in Selbstvorwürfen darüber, daß sie das lebhafte Kind mit auf den Trockenboden genommen habe, entriß es mir und verschwand hinter der Türe, aus der sie unvermutet herausgetreten war; ich aber schlich wie ein begossener Pudel die Treppe hinab——“ „Und ergingen sich jedenfalls in trüben Betrachtungen über unsere schnöde Welt, die nur denen die Rettungsmedaille zuerkennt, die ins Feuer oder Wasser springen.“ Ein sonniges Lächeln glitt bei diesem Einwurf über Aennchens Gesicht. Sie streckte dem Erzähler die Hand entgegen und suhr fort:„Leider kann ich auch heule die alte Dankesschuld nur mit Worten tilgen!“ Er ergriff die dargebotene Hand und beeilte sich zu versichern, daß er nur scherzhaft von einer Lebensrettung gesprochen habe. Er würde den Vorfall auch nicht erwähnt haben, wäre er nicht durch das neckische Spiel mit den Falschnamen dazu herausgefordert worden. Allerdings habe er auch von ganzem Herzen gewünscht, das freundschaftliche Verhältnis aus der Kinderzeit fortsetzen zu können. Seine Worte klangen so eindringlich, als müsse er den Verdacht, als habe er prahlen wollen, von sich abwehren. Aennchen erwiderte nichts, denn sie fühlte sich seltsam bewegt. In seinen seelenvollen Augen las sie eine Abbitte, und gleich darauf brach daraus der Strahl heißer Liebesempfindung hervor. Und sie mußte sich gestehen, daß ihr Jugendfreund, dem das dunkle, wellige Haar, das bräunliche Gesicht mit den stolzen Brauen und dem flaumigen Schnurrbärtchen so anmutig umrahmte, zu einem schönen jungen Menschen aufgewachsen war. (Fortsetzung folgt.) Schaffung einer deutschen Nationaltracht. Man hat sich in letzter Zeit vielfach mit der Frage der Erhaltung der Volkstrachten beschäftigt und Ausstellungen sowie Volksfeste veranstaltet, die diesem Zwecke dienen sollten. Vielleicht interessiert es, zu erfahren, daß wiederholt an der Schaffung einer deutschen Nationaltracht gearbeitet wurde, um damit gegen die Abhängigkeit der deutschen Nation von ausländischen Moden zu protestieren. So hat man sich nach dem Befreiungskriege, als der Haß gegen Frankreich noch gewaltig loderte, sehr viel Mühe gegeben, um die Mode von französischen Einflüssen zu befreien. Vornehmlich waren es Studenten, die altdeutsche Röcke und Samtbaretts, mittelalterliche Stiefel und Kreuzschwerter trugen. Hauptquartier dieser jugendlichen Schwärmer befand sich in Jena, und aus der übertriebenen Deutschtümelei ging schließlich das Demagogentum hervor, das viele ins Unglück brachte. Als die Zeit der Verfolgungen vorüber war, da verwandelte sich auch bald der altdeutsche Rock in das Kamisol oder den bequemen Flauschrock, und die mittelalterlichen Stiefel wurden mit den sogenannten„Kanonen" vertauscht. Das Kreuzschwert hing man an den Nagel und nahm statt dessen die lange, unschuldige Philisterpfeise in die Hand. Zu jener Zeit brachte ein Magister Wolke, der sich jedoch hartnäckig„Meister“ nannte, um jeden welschen Tand zu verbannen, es fertig, bürgerliche Mädchen mit„Manisell“, adlige aber zum Unterschied mit„Fräulein“ anzureden, und statt„Madame“„Ehrenfrau“ oder„Frau Meisterin" zu sagen. Außerdem erschienen in den Zeitungen öffentliche Aufforderungen an die„germanischen“ oder„teutschen“ Jungfrauen und Frauen, sie möchten all ihren Geist aufwenden, um Muster oder Entwürfe zu einem weiblichen National=Festgewande zu ersinnen, das von nun an jede deutsche Hausfrau, jedes deutsche Mädchen für alle Zeiten bei Festlichkeiten tragen solle. Diese Entwürfe sollten zur Begutachtung an die Zeitung gesandt und der geeignetste dann in die Oeffentlichkeit gebracht werden. Auch ein Dr. Meyerhoff in Bremen arbeitete an einem ähnlichen Plane für Männer. Er reiste in Deutschlands Gauen umher und hielt überall Vorträge über„Nationaltracht“, in denen er selbst bald als„Hausvater“, bald als mit dem„Kreuzschwert gegürteter Kämpfer“ sich zur Schau stellte. Doch fielen alle diese Bestrebungen ins Wasser. Es zeigte sich sehr schnell, daß man die Mode eben nicht vergewaltigen kann, auch in der besten Absicht nicht, und daß zu einem gefälligen Modeentwurf mehr gehört als der gute Wille. 82 Coljas Schwester. Erzählung von Brentano Bauck. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) Am anderen Morgen saß Colja nach dem Frühstück allein, eine Zeitung vor sich, in der Vorlaube. Der Tag war schön, aber heiß. Ein helles Glutnetz spannte sich über der Steppe aus, unter dem die Blätter der Bäume in träger Reglosigkeit versanken. Die Masse des Lichtes blendete und bedrückte, und die Triller der Lerchen schwiegen. Coljas Pulse klopften, er fühlte in sich ein Sehnen und Unbefriedigtsein, und der Entschluß festigte sich in ihm, heute alles zu entscheiden. Er atmete auf, als er Sonetschkas helles Gewand orunten auf dem Wege auftauchen sah. Sie hatte— zum Schutze gegen die Sonnenstrahlen, ein weißes Tüchlein lose über den Strohhut geworfen— bald erkannte er auch ihre lieblichen Züge, auf welchen ein freudiger Glanz lag. Demnach mußte es sich wohl bei Feodorowna, der jungen Mutter, zum Besseren gewandt haben. Und so war es in der Tat, wie Sonja, ihn mit zärtlicher Vertrautheit begrüßend, gleich darauf ihm berichtete. Sie ging auch hinein, es der Mutter zu sagen, war aber gleich wieder bei ihm draußen. Dann saßen sie sich schweigend gegenüber, in seinen auf sie gerichteten Blicken mußte etwas liegen, das ihr das Blut rosig in die Wangen trieb, sie mit seiner Ruhelosigkeit ansteckte. Ihr Auge blieb gesenkt, ihm begann das Herz stürmisch zu schlagen. Worte drängten sich ihm auf die Lippen— er wollte— mußte dieses Zaudern enden— da erschien Frau Ruskowska. Man speiste zu Mittag und verbrachte die Vesperstunde—, ohne daß es zu etwas gekommen wäre. Auf allen lag eine beklommene Erwartung, und heißer Dunst umzog, wie ein feuriger Nebel, den Horizont. Glaubte Colja den Augenblick gekommen, so schob sich wieder irgend etwas dazwischen—. Endlich, erst gegen Abend, fand er sich mit Sonetschka wieder allein—, und schon öffnete er die Lippen, um sogleich die günstige Gelegenheit zu benützen, da entstand eine Bewegung im Innern des Hauses.—„Sonetschka!" rief Frau Ruskowska von drinnen, indem das junge Mädchen hineineilte, trat der Diener zu Colja und brachte ihm eine Depesche. Sie war auf einer Zwischenstation aufgegeben. Colja achtete nicht darauf, riß den Umschlag auf und las folgendes: „Sie sind am Ziel, Pan— bei Ludowika Ruskowska. Heute erfahren, daß sie später wieder geheiratet — den Gutsbesitzer Ruskowsky. Gott hat Sie geführt! Kowalsky.“ Colja starrte auf die Worte— er las sie noch einmal und noch einmal, und stieß dann einen Schrei aus, schrill und jammernd. Sonetschka hörte den Schrei, und als sie gleich darauf vor dem Geliebten stand, sah sie in Augen, welche vor Schmerz zu erlöschen schienen. „Colja,“ stammelte sie in schneidendem Schrecken. Er stand auf und sank kraftlos wieder zurück.„Sonetschka, Sonetschka,“ murmelte er,„es war ein Traum! — Ich habe Sie geliebt, und es war Sünde!“ Sie wich zurück. Ihre Züge verstörten sich jäh: „Sünde?— was— was war Sünde, Colja?“ Schwankend raffte er sich empor, ging zur Tür und drehte sich dort noch einmal zu der starr Dastehenden um:„Sie sind meine Schwester,“ sagte er hart und tonlos— und die Tür fiel hinter ihm ins Schloß. Im Wohnzimmer traf er auf Frau Ruskowska. „Sie haben Nachricht erhalten, doch nichts Unerfreuliches?“ fragte sie teilnehmend. Er blieb stehen, mit einem Ausdruck scheuer Ehrfurcht.„Ich kann noch nicht reden,“ erwiderte er mit schwerer Zunge,—„aber alles wird besprochen werden, sobald ich dazu imstande sein werde!“ Er verneigte sich tief vor ihr, die ihn verständnislos anblickte, und ging auf sein Zimmer. Das flirrende Abendlicht erfüllte den Raum. Er umfaßte das Kreuz des geöffneten Fensters krampfhaft mit beiden Armen und blickte geradehinein in den grellen, flammenden Strahl. „Die Schwester hat sich gerächt,“ sagte er laut vor sich hin. Es war alles deutlich und klar vor seinem Geist. Er besann sich genau, wie jedes Wort, was Frau Ruskowska über die Vergangenheit zu ihm geäußert hatte, zu dem paßte, was ihm von seinem Vater 8 im Jahre kanr gröl der 298 ung Sein, Wie der 11. jänuar, unseres Saison- Ausverkaufs. Unsere 4seitige Extra-Ausgabe erscheint Samstag in dieser Zeiung Iserlohn. TEI Am 14. September in einem Gefecht bei Laon, wo er mit einer Jäger-Komp. vorgegangen war, fand den Heldentod unser guter Sohn u. lieber Bruder, der Husar rauf Seilmanil Freiw. im Husarenreg. Nr. 11 im Alter von 20 Jahren. Die Verleihung des eisernen Kreuzes, welches ihm hierbei anerkannt war, hat er leider nicht mehr erlebt. In tiefer Trauer: D. Schroer und Frau verwitwete Sellmann Lina Sellmann. Garenfeld, Dortmund und Schwerte. den 7. Januar 1915. 129 Kriege Verein Schwerte. 124 Der Vorstand. In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Gebr. Mosbach zu soll eine Abschlagsverteilung erfolgen. Dazu sind M. 3900.— verfügbar. Zu berücksichtigen sind M. 87,14 bevorrechtigte und M. 43419,72 nicht bevorrechtigte Forderungen. Verzeichnis der zu berücksichtigenden Forderungen kann auf der Gerichtsschreiberei des Kgl. Amtsgerichts hierselbst eingesehen werden. Schwerte, den 7. Februar 1915. Der Konkursverwalter Ernst Klein. Kriegsgeschichten und Kriegschroniken 1914. Granatsplitter. Neueste ill. Kriegsberichte à 10 Pfg. Der Krieg III. Chronik des Krieges 1914... à 80„ Der Völkerkrieg. Eine Chronik der Ereignisse vom 1./7. 1914 an à 30„ Der Weltkrieg 1914. Darstellung der neuesten Ereignisse in Wort und Bild à 10" Der Weltkrieg. Eine chronologische Folge der Ereignisse von C. F. Werner à 25„ Deutsche Feldpostbriefe 10„ „Die Kriegs-Zeitung 1914. Ill Wochenausgabe vom Berliner Lokal-Anzeiger à 10" Die Welt in Waffen. III. Kriegschr. 1914 v. A. Armin à 20„ Feinde ringsum. Bilder aus dem Völkerkrieg 1914 von Horst Kohl à 30„ Illustr. Gesch. des europ. Kriegs 1914 v. Aspern à 40" Illustr. Geschichte des Weltkrieges à 25„ Illustr. Kriegschronik 1914 à 10„ Illustr. Weltkriegschronik der Lpz. Illustr. Ztg. à 60" Kriegs-Echo. Illustr. Wochenschrift à 10" Kriegschronik des Daheim. Illustr. à 60„ empfiehlt die Buchhandlung CARL BRAUS Schwerte(R hr.) Gr. Marktstrasse 3—5. Orisina Bordeaux=Rolwein (Südfrankreich) Bezug in Original=Oxhoff=Fässern. 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