De ecumim Zeiuer aiben dene außer Feiertags. Bezugsprets M. 1.80 viertelJähricch, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig.“ mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Ikustrierter Familiensreund" u. tägl. Unterdaltungsdlatt. Anzeigenpreis: Die siedengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pig., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezelle 40 Pfg. Jeder Radatt gilt als Kassaradatt u. erlischt dei Kon##rsen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Robrachund ernacht.-Secttiunstelsgnne! Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblat Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwefter Volkszeiltung Schwerker Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis börde&am Haupt-Aononcenblaft aus hrie, end Schalgelizlichen Drnh nungen für den Kreis Hörde erlangen gemaß Behanntmachung der Königlichen Regierung durch Verössentlichung in dei„Schwerter Zeitung" rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt idren Adonnen= ten für jeden mit Tod endenden Unsoll gedagungen: 300 Mk. Unfall: Druch u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Rudr Ppid t.-Stienn-lte-anshentecchh Nr. 3. Dienstag, den 5. Januar 1915. 47. Jahrgang. Die Wirkung der amerikanischen Note in London. Die Aufregung in London über die amerikanische Note ist noch immer stark. Die Regierung hat sich veranlaßt gesehen, durch das Pressekureau eine Notiz herauszugeben, daß die Note der Vereinigten Staaten nicht am Dienstag, sondern erst am Mittwoch übergeben worden ist. Im Auswärtigen Amt fand eine Konferenz statt, an der Churchill, Sir Francis Hopwood, Sir Edward Grey, Lloyd George, der Staatssekretär des Innern und der Präsident des Handelsamtes teilnahmen, um eine vorläufige Beratung vor dem offiziellen Kabinettsrat über die Note zu halten. O 4 Bericht des deutschen Hauptquartiers. Annerinn! Kein Entgegenkommen Englands gegen Amerika. Kopenhagen, 5. Jan.„Berlingske Ti. dende“ meldet aus London: Es wird jetzt mitgeteilt, daß die englische Antwort auf die amerikani. sche Protestnote nicht allein auf Grund diplomatischer Erwägungen abgefaßt sein werde, die Antwort werde im Gegenteil in weitestem Maße von militärischen und besonders maritimen Richtlinien diktiert sein. Von der Preisgabe irgendwelcher Interessen zum Schaden der Alliierten und zum Besten der Feinde könne keine Rede sein. Großes, Hauptquartier, 4. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Abgesehen von mehr oder weniger schweren Artilleriekämpfen herrschte gestern an der Front im allgemeinen Ruhe. Nur bei Thann im Oberelsaß zeigte der Feind lebhafte Tätigkeit. Nach einem überwältigenden Feuer auf die Höhen westlich Sennheim gelang es ihm in den Abendstunden, unsere zusammengeschossenen Schützen. gräben auf dieser Höhe und anschließend das von uns hartnäckig verteidigte, in den letzten Tagen öfters erwähnte Dorf Steinbach zu nehmen. Die Höhen wurden nach einem Bajonettangriff von ung wieder genommen; um den Ort Steinbach wird noch gekämpft. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage im Osten hat sich nicht verändert. Unsere Angrifse in Polen östlich der Nawka werden fortgesetzt. Oberste Heeresleitung. Die Weihnachlskämpfe der Oesterreicher. wtb. Wien, 5. Jan.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 4. Januar: In den hartnäckigen Kämpfen im Raume südlich Gorlice, die sich unter den schwierigsten Witterungsverhältnissen abspielten, sicherten sich unsere braven Truppen durch Besitznahme einer wichtigen Höhenlinie eine günstige Basis für die weiteren Ereignisse. In den Karpathen keine Veränderungen. Im oberen Ung. tale nur kleinere Gefechte. Während der Kämpfe in der Weihnachtszeit wurden am nördl. Kriegsschauplatz 37 Offiziere und 12698 Mann gefangen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschallentnant. Fortschritte gemacht haben. Die russischen Angriffe bei Inowlodz östlich Tomascow mögen zwar den Zweck gehabt haben, das Vordringen unserer Armee auf die Hauptstellung bei Borzynow und östlich Nawa zu hemmen, aber sie scheiterten unter schweren Verlusten für die Russen trotz deren Lügen, daß sie gelungen seien. Die unveränderte Lage östlich der Pilica mag sich wohl daraus erklären lassen, daß man von seiten der Verbündeten den Erfolg der Stöße gegen das russische Zentrum abwarten wollte. Jedenfalls ist durch die gemeldeten Erfolge klar und deutlich bewiesen, daß die letzte russische Defensive vor Warschau stark erschüttert ist. Der Auslausch der invaliden Kriegsgesangenen. Genf, 4. Jan. Geuf wird für die Rückbeförde. rung invalider Kriegsgefangener die Zentralstelle sein. Die ersten Züge werden binnen Monatsfrist erwartet. Dem Dank der internationalen Gefangenenagentur an Kaiser Wilhelm und den Papst schließt sich die Schweizer Presse in schwungvollen Artikeln an. Das gewaltige Ringen um Warschau. eineetref schau als Ziel an der Bzura unternommen haben. Deutschlands Anerschöpflichkeit. Ein Schweizer, der Deutschland bereiste, schreibt in einem nordamerikanischen Blatt über seine deut. schen Eindrücke: „Man hat in England, in der offenbaren Ab. sicht, die eigenen Fehler zu verdecken, durch die Presse verbreiten lassen, daß die deutsche Heeresleitung gänzlich ungeübte Truppen, die nicht einmal mit dem Gewehr umzugehen verstehen und „vor dem Feind den ersten Schuß abfeuerten“, an die Front sandte. Da ihr„bei den ungeheuren Verlusten nichts anderes übrig blieb", wollte sie die Lücken möglichst rasch ausfüllen. Ich muß mit aller Bestimmtheit, deren ich fähig bin, versichern, daß kein deutscher Soldat ins Feld ging, der nicht mindestens auf eine Ausbildung von 2½ Monaten zurückblicken konnte. An Freiwilligen allein wird Deutschland in der Lage sein— und ich betone, daß diese Behauptung nicht aus der Luft gegriffen ist, wenn ich auch ihre Quelle nicht verraten darf — bis zum Frühjahr des nächsten Jahres drei Heere von je 600000 Mann vollständig ausgebildeter und ausgerüsteter Truppen ins Feld zu stellen. Dann kommt das nächstjährige Rekrutenkontingent an die Reihe, und in letzter Linie wieder, sollte der Krieg so lange dauern, die Ersatzreserven. Die noch nicht unter Waffen stehende, wehrfähige Männlichkeit Deutschlands zählt heute mindestens sechs Millionen. Man mag darüber im Ausland sagen, was man will. Auf meiner Reise, die mich kreuz und quer durch das Reich führte, hielt ich die Augen offen. Und ich sah in den verschiedensten Städten die Tausende und Abertausende junger kräftiger Männer, die in aller Ruhe ihren bürgerlichen Berufen in der Gewißheit nachgingen, daß sie das Vaterland rufen werde, sobald es ihrer bedürfe. In Verbindung damit hatte der Gedanke, daß Deutschland doch jetzt schon„in Waffen starrt", daß jetzt schon vier Millionen in Feindesland für des Reiches Ehre und Größe kämpfen, beinahe etwas Ueberwältiges. Er mußte einem die Ueberzeugung aufzwingen, daß Deutschland nicht unterliegen hann, tu Genf, 5. Jan. Nach einer hier eingetrof. senen Meldung nimmt in Polen im Laufe der Bzura und Nawka die Schlacht mit größter Heftigkeit ihren Fortgang. Man berichtet von fürchter. lichen Angriffen, welche die Deutschen mit War. schau ues Jtel un der Bzura unternommen haben. Mit großer Erbitterung toben die Kämpfe östlich von Lowitsch. Ueberall mache sich ein gewaltiger Krastaufwand der Deutschen bemerkbar, um die russische Front zu durchbrechen. ichen Angriffen, welche die Deutschen mit Anterinäuische Fere. * aus 1 scheint auf den Vorschlag eingehen zu wollen. E Köln, 5. Jan. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Rom: Die drei Kardinäle Nordamerikas reichten beim Präsidenten Wilson eine Denkschrift ein, wonach sie in Anbetracht der Ausdehnung des Katholizismus in der Vereinigten Staaten Amerikas baten, die Regierung möge den Papst in seiner Friedensvermittlung unterstützen. Präsident Wilson scheint auf den Volschlag eingehen zu wollen. Er gedenkt eine Mission zur Beglückwünschrung des Papstes zu seiner Thronbesteigung nach Rom zu entsenden mit dem Sonderauftrage, wegen des Friedensvorschlages mit dem Papste sich ins Einvernehmen zu setzen. Noch eine falsche Meldung möchte ich festnageln. Ich habe es selbst in ausländischen Zeitungen gelesen, daß man„in Berlin in Verzweiflung ist, weil das Gardekorps in Flandern vernichtet wurde". Ich erteile meinem Gewährsmann das Wort:„Die Garde hat überhaupt nicht in Flandern gekämpft. Nur ihr Reservekorps kam vor Ypern zur Verwendung, wo es sich allerdings mit glänzender Tapferkeit schlug, ohne aber größere Verluste zu erleiden, als die übrigen Truppenkörper.“ Von einem„Wunsch nach Frieden“ ist wenig oder nichts zu spüren. In den Herzen der Deutschen ist mit eisernem Griffel die Ueberzeugung eingegraben, daß dieser Kampf ohne Rücksicht auf die Opfer durchgekämpft werden muß, da darin allein Gewähr für einen späteren dauernden Frie. den liegt“. Die allgemeine Kriegslage. Berlin, 4. Jan. Ein militärischer Sachverständiger schreibt: In dem heftigen Infanterieangriff der Franzosen nordwestlich von Menehould haben wir wohl kaum einen Versuch erneuter Offensive zu erkennen, sondern einen der ununterbrochenen Kämpfe, durch die französischerseits seit Wochen vergeblich Zustimmungserklärungen zum päpstlichen Vorschlag. wtb. Rom, 5. Jan. Wie„Giornale d'Italia“ erfährt, hat der Heilige Stuhl auf seine Anregung betr. den Austausch kriegsuntüchtiger Gefangener von Deutschland, England, Oesterreich=Ungarn, Rußland, Montenegro, Serbien und der Türkei günstige Antworten erhalten. Frankreich ließ heute durch Vermittlung des belgischen Vertreters am Heiligen Stuhl seine Zustimmung offiziös zu erkennen geben. Die offizielle Antwort Frankreichs wird für heute abend erwartet. versucht wird, unserem Vordringen in den Argonnen durch Flankenbedrohung ein Ende zu machen. Hochwillkommen ist die Nachricht von der Eroberung der stark befestigten nussischen Hauptstellung bei Borzynow. Dieser Ort liegt unmittelbar vor dem Winkel, der durch Einfluß der Nawka in die Bzura gebildet wird, und zwar sechs Kilometer östlich des Einflusses. Man wird sich entsinnen, daß in den letzten Tagen von heftigen Kämpfen dort die Rede war. Borzynow liegt genau 12 Kilometer südlich von Sochaczew und 18 Kilometer direkt östlich von Lowitsch und beherrscht somit die große Straße von Lowitsch nach Warschau. Die Karte läßt deutlich erkennen, daß der Ort durch seine Lage im südlichen bewaldeten Gelände und durch seine Nähe zu den erwähnten Flüssen eine vorzügliche Stellung für die Verteidigung der Flußübergänge bot, die für den direkten Marsch auf Warschau in Betracht kamen. Es läßt sich wohl verstehen, daß die Russen verzweiselte Anstrengungen machen, den ihnen entrissenen Stützpunkt wieder zu gewinnen. Das Scheitern dieses Gegenangriffes berechtigt uns zu der Hoffnung, daß es gelingen wird, an dieser Stelle die feindlichen Linien zu durchbrechen. Will der Gegner dies vermeiden, so bleibt ihm nur der weitere Rückzug auf Warschau übrig, wozu er sich auch dadurch veranlaßt sehen wird, daß unsere Angriffe auf dem Ostufer der Nawka und bei Nawa Die Kämpfe in den Argonnen. Der Weltkrieg hat Szenen hervorgerufen, die es in der Weltgeschichte noch nie gegeben hat. Zu ihnen gehört der Waldkrieg, der mit Kanonen, Maschinengewehren und Minenkünsten den unruhig krabbelnden Menschenmassen zwischen den ehrwürdigen Baumriesen zu Leibe geht. In den Kämpfen im Argonnerwald kann keine Erfahrung aus früheren Kämpfen mitsprechen, hier ist alle bekannte Kriegstaktik über den Hausen geworfen worden. Die Menschen haben sich wieder auf ihre Urinstinkte besinnen müssen und führen nun in Höhlen und auf Schleichwegen einen Vernichtungskampf gegen alles feindliche Leben. Der Argonnerwald besteht ausschließlich aus Laubhölzern, der junge Baumwuchs ist hier so dicht, daß er auch ohne das Gestrüpp von Hasel. und Ginsterbüschen schon undurchdringlich sein würde. Man hat auf einmal in Europa einen tropischen Urwald entdeckt! Trotzdem der Winter die Bäume und Sträucher fast ganz entlaubt hat, ist es heute noch unmöglich, das undurchdringliche Dunkel, das sich wie eine schwarze Mauer sortzieht, mit dem Blick zu durchdringen. Geschlossene Truppenteile können selbst die wenigen Waldpfade nicht durchdringen, weil sie durch den wochenlangen Regen zu grundlosen Sümpfen geworden sind. Ein einzelner Mann braucht zum Passieren solcher Wege gut eine Stunde für einen Marsch von etwa 2 bis 3 Kilometer; man kann sich da vorstellen, welche furchtbaren Mühen ein Kampf mit modernen Geschützen und Munitionskolonnen in diesem Urwald kostet! Trotzdem sind wir schrittweise vorgedrungen und alle die verzweifelten Anstrengungen der Franzosen konnten die Feldgrauen nicht aufhalten. Joder unserer Schützengräben ist eine kleine Zu in dünsche Heus gehhr dieser Zeit kein Ruchen. in Die steien Geweinschaften über den dnleg. Das„Korrespondenzblatt der Generalkommis. Ausbildung und Disziplin, sondern vor und unsere Soldaten verstehen alle Mittel zur Sicherung dieser Festungen gegen feindliche An. griffe mit erstaunlicher Gewandtheit zu verwenden. Da sind vor den Stellungen Astverhaue, Drahtverhaue und Wolfsgruben, da gibt es weit gegen die feindlichen Gräben hin vorgeschobene Stellungen und Feldwachen, die wiederum kleine Festungen für sich bilden, senkrecht in die Erde hinein sind Gräben gebaut worden, die unter den knorrigen Baumwurzeln fortgehen,— es würde nicht einmal einer Katze gelingen, durch diese eisenstarrende Festungsgürtel im Kleinen hindurchzuschlüpfen. Mit jedem Zoll Boden aber, der gewonnen wird, müssen alle diese kunstreichen Vorrichtungen wieder neu gebaut werden, es ist also kein Wunder, daß trotz beständiger Fortschritte die Kämpfe in diesem Urwalde immer noch andauern. Das„Korrespondenzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands“ schreibt in einem„Rückblick auf das Jahr 1914“: Kein Mensch weiß, ob wir jetzt im Mittelpunkt stehen, ob wir uns dem Ende des Krieges nähern oder noch in den Anfängen längerer Kriegsjahre steclen. Nur eins wissen wir, daß wir durchhalten müssen und durchhalten werden, daß unser Vaterland durch keine Ueberzahl von Feinden, durch keine Ueberlegenheit der Waffen und durch keine Aushungerung unterzukriegen ist. Dieses Selbstvertrauen stützt sich allein auf die Stärke unserer Heeresmacht, auf ihre gute Organisation, * Der Krieg gegen Frankreich. Frankreichs letzte Musterung. Wie der Pariser Korrespondent der„Neuen Züricher Zeitung“ berichtet, sind in Frankreich die bisher vom Militärdienst befreiten oder zurückgestellten Männer der Jahresklassen 1887 bis 1909, also sämtliche 25. bis 47jährigen, vor die Nekrutierungskommission geladen worden. Das ist die letzte Musterung, da die Klasse 1914, die im September eingereiht worden war, bereits Ende November zur Ausfüllung der Lücken ins Feuer geschickt wurde. Man darf die Bereitschaft der frischen 259 000 Soldaten auf Ende Februar veranschlagen. Die Jahresklassen 1916, also Burschen von 18 Jahren, werden im Laufe des Jahres einberufen. Nach diesem Zeitpunkt wird man in Frankreich zu Hause nur noch die Beurlaubten iund Untauglichen antreffen. Es ist die Rede davon, das dienstpflichtige Alter von 47 auf 55 Jahre zu erhöhen. Die heftigen Kämpfe an der Bzura und Nawka. Berlin, 4. Jan. Die„Voss. Ztg.“ meldet: Neuter meldet aus Petersburg: Die Kämpfe an der Bzura und Rawka trugen einen wahnwitzigen Charakter. Die Deutschen brachten es fertig, des Nachts die Flüsse zu überqueren. Beim Morgengrauen befanden sie sich dreiviertel englische Meilen von den russischen Stellungen entfernt, über die sie nun wie toll herfielen und die Russen zum Weichen brachten. Jedoch sammelten sich die Russen wieder und umringten die Deutschen. Es kam zu einem surchtbaren Bajonettkampf. Pardon wurde nicht gegeben, auch nicht verlangt. Frankreichs bisherige Kriegskosten, die eine hochgestellte japanische Persönlichkeit ita. lienischen Blättern zufolge an direkten und indirekten Verlusten auf mindestens 48 Milliarden berechnet, dürften nach der Meinung des japanischen Strategen die Ursache einer baldigen Waffenstreckung der Franzosen bilden. Er wisse aus fester Quelle, daß Frankreich schon aus materiellen Gründen den Frieden wünsche. Trotz dieser offen zutage liegenden mangelhaften Kriegsbereitschaft der Verbündeten betont der japanische Gewährsmann erneut, daß für Japan absolut keine Verpflichtung besteht, an dem europäischen Konflikt teilzunehmen. Die deutschen Tauben über Nancy. Paris, 5. Jan Zum abermaligen Erscheinen von drei deutschen Tauben über Nancy, die in Zwischenräumen von je zwei Stunden erschienen, wird noch gemeldet: Die Flieger schleuderten Bomben, besonders tollkühn flog die zuletzt erschienene Taube. Trotz des Vorhandenseins Ausbildung und Disziplin, sondern vor allem auf die Vaterlandsliebe, in der alle Deutschen ohne Ausnahme einig sind und bereit, für deren Verteidigung jedes Opfer zu bringen, mag der Krieg noch Monate oder Jahre dauern. Er wird das Volk eher fester zusammen. schweißen und seine Kräfte ins Ungeahnte wachsen lassen. Die Hoffnung, daß Deutschland in diesem Ringen schließlich doch noch unterliegen wird, mögen die(Feinde getrost aufgeben— eher würden sie selbst verbluten und in den Staub sinken. Deutschland ist es, das am kräftigsten aus diesem Weltkrieg hervorgehen wird. Der Krieg gegen R Aeroplane steuerte der deutsche Aviatiker auf das Zentrum der Stadt und ging so tief herab, daß man von unten deutlich einen riesigen schwarzweiß=roten Wimpel erkennen konnte, der an seinem Apparat befestigt war. Der angerichtete Material= schaden ist groß, die Stimmung der Bevölkerung sehr gedrückt. Untergang zweier französischer Torpedoboote. Frankfurt a. M., 4. Jan. Wie die„Franlf. Ztg.“ meldet, bringt der„Matia“ die Meldung, daß am 7. Dezember zwei Marineoffiziere vor ein Marinekriegsgericht in Toulon gestellt wurden, wo sie sich wegen des Untergangs von zwei Kriegsschiffen, die sie befehligten, zu verantworten hatten. Es handelt sich um die Torpedoboote 347 und 348, die in der Nacht zum 9. Oktober anscheinend, als sie einem Kreuzer auswichen, zusammenstießen und untergingen, wobei ein Offizier seinen Tod fand. Die Kämpfe im Sundgan. tu Zürich, 5. Jan. Aus Benfel im Berner Jura wird gemeldet: Aus dem Illtal und von seinen Anhöhen sind, nunmehr die Franzosen vollständig verdrängt. Sie haben ihr Hauptquartier in der Richtung Belfort verlegt. Westlich Mülhausen wurden alle französischen Versuche, aus Thann auszuschwärmen, abgewiesen. Ihre Angriffe, die zum Teil sehr gut von der schweizerischen Grenze beobachtet werden konnten, endeten alle mit negativem Erfolge. Man glaubt, daß die Franzosen demnächst das Largtal räumen werden. 6 Der Krieg gegen England. Warum zögern wir? Ohne sich irgendwelchen völkerrechtlichen Bedenken hinzugeben, hat die englische Regierung die Nordsee als Kriegsgebiet erklärt. Und bei jedem Unfall, der einem neutralen Schiff zustößt, erhebt sich in der englischen Presse ein Gezeter, und tatsächlich ist es soweit gekommen, daß in den gesperr. ten Gewässern die neutrale Handelsschiffahrt völlig ruht. Da sollte die Antwort der deutschen Regierung, so schreibt das„B. T.“, lauten: Die gesamten englischen Küstengewässer und Zugangsstraßen zu den Häfen gelten als Kriegsgebiet. Welcher Handelsdampfer sich dorthin begibt, tut es auf eigene Gefahr. Die Ausführung dieser Androhung dürfte den Lebensnerv Englands abschnei. den und all den neutralen Schiffen, welche es mit ihrer„Neutralität“ für vereinbar halten, Eng. land mit Einfuhrwaren zu verfolgen, den Appetit cuf derartige unreelle Geschäfte verderben. Die Verluste der englischen Handelsmarine. tu London, 4. Jan. Die Marineabteilung des Board of Trade empfing im vorigen Monat Bericht über die Verluste von 35 britischen Dompfern mit einem Verlust von 1890 Personen und 32 britischen Segelschiffen mit einem Verlust von 25 Personen. Fünf Dampfer mit einem Gesamt. tonneninhalt von 15 795 Tonnen waren durch deut. sche Kriegsschiffe zum Sinken gebracht worden und sieben mit insgesamt 17432 Tonnen mit 25 Personen sanken durch Minen. Die Engländer als Opfer ihrer eigenen Minen. Mailand, 4. Jan. Englische Blätter behaupten, nach dem deutschen Angriff auf Scarborough seien viele neutrale Schiffe auf deutsche Minen gestoßen, da fast kein englisches Schiff die Nordsee befahre. Die englischen Blätter verschweigen, daß allein seit Weihnachten acht englische Dampfer an der Ostküste auf Minen gelaufen sind, und daß erwiesenermaßen die auf der Nordsee schwimmenden Minen zum allergrößten Teile englischen Ursprungs sind. Die englische Flotten=Abteilung an der belgischen Küste. Notterdam, 4. Jan. Der Marinesachverständige der„Times“ lüftet den Schleier von der englischen Flotten=Abteilung, die an der belgischen Küste operiert. Nach seiner Mitteilung gehören der Flottille an zwei Schlachtschiffe, drei Monitore ein Kreuzer, mehrere Kanonenboote und Schaluppen und eine Anzahl Torpedoboote. Zu der Abteilung gehören auch ein französischer Torpedojäger und ein Kanonenboot. Vom Untergang der„Formidable“. Berlin, 4. Jan. Aus den Erzählungen der Geretteten der„Formidable“, die nach Amsterdam berichtet werden, ist noch hervorzuheben: Die Mannschaft hatte gerade mit Glocken und Zinnbecher das neue Jahr eingeläutet, als das Schiff getroffen wurde. Viele hatten sich schon zur Ruhe begeben. Eine Schlappe der Engländer in Südafrika. Aus Pretoria wird gemeldet: Ueber das Gefecht bei Schuitsdrift, das zwischen Uniontruppen und Buren unter Maritz und Kemp stattfand, werden noch Einzelheiten gemeldet: Danach scheint Maritz nicht 400, sondern 800 Mann zu seiner Verfügung gehabt zu haben, und crißer 4 Maschinen= gewehren versügte er über vier leichte Feldgeschütze. Maritz führte persönlich den Befehl, Kemp war sein Unterbefehlshaber. Sie griffen die Unionstruppen bei dem Wasserloch Nous, 26 Kilometer südlich Schuitsdrift und 70 Kilometer westlich von Katamas, an. Die Regierungstruppen waren 480 Mann stark und bestanden aus Kommandos der mmliegenden Ortschaften. Die Regierungstruppen wurden gezwungen, sich zurückzuziehen. Sie leisteten einige Zeit Widerstand unter dem Befehl von Major Breedt. Inzwischen kamen englische Verstärkungen unter Führung von Kapitän Bronkhorst in Stärke von 120 Mann an. Dadurch wurden die Truppen von Breedt auf zirka 600 Mann verstärkt. Der englische Rückzug wurde jedoch von Maritz's Truppen aufgehalten. Die Stimmung im russischen Heer. Daß die Russen nicht gerade mit besonderer Begeisterung kämpfen, darf man aus einem kleinen Stimmungsbild entnehmen, das der dänische Schriftsteller Aage Madelung aus Satoralja=Ujhely im„Berl. Tagebl.“ entwirft. Er schreibt u. a.: Zum dritten Male versuchten die Russen, von ihrer Sehnsucht nach den ungarischen Ebenen überwältigt, durch die Karpathen vorzudringen. Zum dritten Male scheiterten ihre Hoffrungen. Sie haben es jetzt erst ernst gemeint. Wir aber auch. Nur als Gefangene rücken die Russen in, die ungarische Ebene ein. Gestern kamen 1200 entwasfnete Russen durch die Stadt. Die Offiziere und die Mannschaften berichten Seltsames über die russische Volksseele.„Bei uns geht ein Flüstern durch die ganze Armee. Wir wollen nicht weiter kämpfen. Nur bis zum neuen Jahre, unserem russischen Neujahr, wollen wir kämpfen. Wenn es bis dahin nicht besser geht, ergehen wir uns kolonnenweise, wo wir es nur können“. So raunt man einander zu im ganzen russischen Heer. Bis zum neuen Jahr, dann haben wir genug. Deutsche Zivilverwaltung in Polen. wtb. Berlin, 4. Jan. Für die von den dautschen Truppen besetzten Gebietsteile von RussischPolen ist eine Zivilverwaltung mit Wirkung vom 5. Januar 1915 eingesetzt worden. Zum Verwaltungschef ist der Regierungspräsident z. D. von Brandenstein unter Beilegung des Prädikats Exzellenz ernannt. Der Verwaltungschef wird seinen Sitz zunächst in Posen nehmen. Eine neue russische Armee. Wien, 5. Jan. Nach einer Meldung aus Petersburg hat die russische Regierung über sieben Millionen Kirgisen, Sarthen, Burjäten und Tungusen, die sämtlich nicht nur vollständig militärfrei sind, sondern auch ihre Pferde nicht zur Verfügung der russischen Armee zu halten brauchen, aufgefordert, sich der Stellung zu unterziehen. Rußland hofft dadurch eine neue Armee von einer halben Million Streitern zu erhalten. Außerdem soll in jenen Gebieten eine Kriegssteuer eingeführt werden. Die verlustreichen Kämpfe der Nussen in den Karpathen. Wien, 5. Jan. Der Kriegsberichterstatter der „Wiener Sonn. und Montagszeitung“ drahtet seinem Blatte: Die russische Offensive in Westgalizien schien ursprünglich eine Umfassung unserer Kräfte über Neusandec gegen Krakau zu bezwecken, was eine ähnliche Situation wie in der Schlacht bei Limanowa geschaffen hätte. Nunmehr steht fest, daß die Russen dort unsere Karpathenkräfte drücken, um ungehindert frontal vom Dunajec über Bochnia gegen Krakau vorzustoßen. Diese Absicht scheint an unseren günstigsten Stellen am Dunajec, wo wiederholte Angriffe der Russen, der heitigste gestern, unter furchtbaren Verlusten zusammenbrachen. Der russische Vorstoß am Uzsoker Paß, ebenso wie die Kämpfe in den Ostkarpathen sind von untergeordneter Bedeutung. Wie die Russen Krieg führen. wtb. Konstantinopel, 5. Januar.(Nichtamtlich.) Nach einer Mitteilung des Pressebureaus berichtete der Wali von Erzerum, daß die Russen bei ihrem Rückzuge 40 von ihnen besetzte Dörfer eingeäschert und die Einwohner teils getötet, teils nach Rußland verschleppt haben. In drei Dörsern hat der Wali allein 75 Leichen gesehen. Die Verwüstung in Lowicz. Wien, 5. Jan. Aus Lodz wird dem„Kurier Lwowski“ gemeldet: Die Stadt Lowicz und Umgebung hat zurch die dortigen heftigen, Kämpfe rers 7 * as Geheimnis von Thalberg. Roman von F. Kuntschner. 49 1 „O gnädiger Herr—“... „Na ja, ich bin es. Was hast Du denn, Jakob? D'“t Du über mein Kommen erschrocken, weil Du mich so merkwürdig anstarrst?" „Aber nein; verschlafen sieht er aus und auch Dir, lieber Papa, wird Ruhe guttun,“ meinte Richard eindringlich, EE736 „Gewiß, ich bin wirklich auch schlafrig; nur möchte ich zuerst noch wissen, wie es der Mama geht. Oder weißt Du es, Jakob? Sonst rufe mir die Gertrud—“ Er kamnicht weiter, denn die eben Erwähnte erschien, wie gerufen, im Vorgemache, wo die Herren noch standen. #####d de bist Du ia!# Gerkrub, va bist Tu ja! Schläft meine Frau noch?“ „Ja, gnädiger Herr— sie schläft— und— sehr, sehr gut—“ Die Stimme der alten Frau brach und heiße Tränen entstürzten ihren Augen. Einen Moment stand Herr von Thalberg, der den traurigen Sinn in Gertruds Worten richtig deutete, starr und stumm wie eine Statue, dann gellte ein wilder Schrei von seinen Lippen und, einem Rasenden gleich, stürzte er hinaus und hinüber nach den Gemächern der Freifrau, an deren Leiche er, gebrochen von Schmerz und Verzweiflung, dumpf aufstöhnend, in die Kuie brach.—— Es war alles zu Ende; Freifrau Lydia von Thalberg, geborene Komtesse Saltern, ruhte im stolzen Mansoleum derfreiherrlichen Familie und im prächtigen Schloß oben war es so still und so einsam, als hätte die tote Herrin alles Leben mit sich genommen in die kühle Gruft. Leon von Thalberg war nicht— wie es nach der Katastrophe den Auschein hatte— in eine schwere Krankheit verfallen, trotzdem aber, nachdem ersich physisch aufgerafst hatte, für jeden— ausgenau: ien für Richard, dem er mit großer Lieve rngegenkam und dem er auch das ganze Arrangement der mit auserlesenem Pomp abgehaltenen Trauerfeier überlassen hatte— unsichtbar geblieben. Erst während der letzteren, an der er an Richards Seite teilnahm und während welcher er die Beileidsbezeigungen der ungemein zahlreich erschienenen Trauergäste empfing, war er wieder zu sehen. Obwohl man deutlich erkannte, wie schwer ihn der jähe Verlust, der, wie allgemein bekannt, von ihm abgöttisch geliebten Gemahlin getroffen hatte, wunderte man sich im stillen doch über die auffallende Gefaßtheit, mit der er jenen trug, sowie auch über die zwischen Vater und Sohn zur Schau getragene große Herzlichkeit, von der man in den vergangenen Jahren nicht viel bemerkt haben wollte.„.(6 zu Eir S= Was Richard anbelang., so lilr erin diesen Tagen doppelt: einmal durch den Verlust der Mutter, die ihm in letzter Stunde in Wahrheit eine Mutter geworden, dann aber besonders schmerzlich darunter, daß durch dieses traurige Ereignis seine ernste Annäherung an das geliebte Mädchen, eine innige Aussprache zwischen ihnen auf lange Zeit hinausgeschoben erschien. Hätte er nur wenigstens die Gewißheit von Albertines Gegenliebe gehabt, dann hätte sich die Wartezeit wohl leichter ertragen lassen. Natürlich waren auch die Randolins bei der Leichenfeier auwesend, allein Taktgefühl und Feinfühligkeit verboten Richard strengstens, irgendeine die=Durandschen Damen betreffende Frage zu stellen. Evas innige und schlichte Anteilnahme an dem seinem Hause widerfahrenen schweren Verlust tat seinem Herzen ungemein wohl; ehrlich bewegt, zog er die warme, kleineHand des Mädchens an die Lippen und die plötzliche Sehnsucht, der lieben, teueren Freundin sein Herz ganz zu erschließen, überkam ihn so, stark, daß es seines ganzen festen Willens bedurfte, sie zu unterdrücken. Als die Trauergäste endlich das Schloß verlassen hatten und es wieder still und einsam geworden war in den stolzen Räumen, hielt sich Herr von Thalberg am liebsten in den Zimmern seines Sohnes, in dessen unmittelbarer Nähe auf, die seinem vereinsamten Herzen unendlich wohl zu tun schien. Wenn Richard an seinem Arbeitstische saß und dann und wann den Blick hob, begegnete er zumeist den Augen des Vaters, die mit so viel Liebe und Trauer auf ihm ruhten, daß er sich dadurch tief bewegt fühlte und sich nicht enthalten konnte, jenen zu umarmen.— „Mein armer Papa, ich möchte Dir einen Vorschlag machen,“ sagte Richard bei einer solchen Gelegenheit.„Sieh, der Frühling ist heuer so herrlich. Dir täte es wohl, um Deines Kummers ein wenig zu vergessen, eine kleine Reise zu machen.“ „Wenn Du mich begleitest, dann wäre ich nicht abgeneigt„.„„ is Dir mein fich- 9. „Natürlich kame ich mit Dir, mein lieber Papa, ich ließe Dich doch nicht jetzt allein,“ lächelte Ri8988...... J schchen andin Raech „Du mußt mich sehr llebhaben, mein Sohn, mehr noch als früher, denn ich habe sonst niemanden mehr auf der Welt!" „Das weiß ich, mein Vater. Wir gehören zusammen und werden uns nie treunen," entgeguete Richard fast feierlich. „Schwöre es mir— hörst Du, Richard!“ rief Herr von Thalberg mit zitternder Erregung. „Mein guter Vater, ängstige Dich nicht! Selbst wenn ich es nicht der armen Mama fest versprochen hätte, mich niemals von Dir zu trennen, täte ich es nicht. Wie glücklich werden wir sein, wenn Albertine hier sein wird, wenn Enkelkinder Dich froh umgeben werden." „Wie, Du, der ernste Bücherwurm, der Einsiedler, versteigst Dich zu solchen Phantasien?" stannte, nach Frau Lydias Heimgang zum ersten Mal wieder scherzend, der Schloßherr.„Armer Junge! Dieses Trauerjahr ist eine harte Prüfungszeit für Dich," setzte er ernst hinzu. „Die aber auch schließlich ein Ende nehmen wird. Also, um auf unsere Reise zurückzukommen. Wie wäre es, Papa, wenn wir nach dem Süden gehen würden?" „Warum nicht? Arrangiere nur alles, lieber Richard! Ich ernenne Dich hiermit zu meinem Reisemarschall.“ „Danke, Papa, Du sollst mit mir zufrieden sein.“ Schon einige Tage später verließen die beiden Herren auf unbestimmte Zeit Schloß Thalberg.— 23. Kapitel. „Soll ich Dir die neuesten Nachrichten aus Deiner Zeitung vorlesen oder willst Du, daß ich Dich in den Garten hinabführe, Papa?“ „Ich will, daß Du mich in Ruhe läßt: Deine ewigen Fragen machen mich nervös. Gib mir mein Zigarrenkästchen und—“ „Aber, lieber Papa, Du sollst nicht so viel rauchen: der Arzt—“ „Ist ein— Dummkopf; wenn ich mich nach ihmrichten wollte, müßte ich heute noch mein Testament machen, wozu ich noch lange keine Lust habe. Also gib mir das Kästchen, Feuerzeug und die Zeitung und dann sage dem Josef, daß er mir in einer halben Stunde ein Glas Wein bringt.“ „Lieber Papa—“ „Liebe Tochter,“ persiflierte Herr von Rustan die um ihn Besorgte,„tue, wie ich Dir gesagt und dann laß mich allein!“ Mit einem kummervollen Blick auf den übelgelaunten Vater wollte Melitta das Gemach verlssen, als ein kurzes Lachen hinter ihr her scholl. „Du brauchst mich nicht so mitleidig anzuschanen, als ob ich schon dem Tod verfallen wäre! Oder — käme Dir dieser gelegen, wie?“ Mit zwei Schritten stand Melitta neben dem Vater und legte den Arm um seine leicht gebückte Gestalt.„„— 217.16 * sehr gelitten. Die Straßen und Häuser wurden mit Granaten und Schrapnells geradezu überschüttet. Viele Bauten sind ganz verwüstet, die aus dem 15. Jahrhundert stammende Kollegialkirche ist durch Granaten zerstört. Die Panit war ungehauer, niemand wagte die Straßen zu betreten. Jetzt herrscht überall Ruhe in Lowicz. Kämpfe im Schwarzen Meer? Sofia, 5. Jan. Nach hier eingetrossenen Nachrichten aus Warna wird seit vorgestern äußerst heftiger Kanonendonner vom Schwarzen Meer her gehört. Aus Stadt und Umgebung. Der Landsturm marschiert! Die heute früh auf den Ruf des geliebten Vaterlandes und unseres Kaisers ausgerückten Schwerter Landsturmleute rufen hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie der heimatlichen Scholle ein herzliches Lebewohl und Gott befohlen zu. Wir fassen unsere Abschiedsworte in nachstehendem Schwur zusammen: Dumpf dröhnt des Landsturms Eisenschritt Jungdeutschland vor! Wir halten mit! Floß euer Blut so rosarot, Wir rächen euren Heldentod. Das schwören wir! Ist auch ergraut schon manches Haar, Die Faust ist fest, das Auge klar, Die Brust geschwellt von Jugendmut; Still, Weib und Kind, wir machen's gut. Das schwören wir! Wir sind des Feindes letzter Trutz, Ihr stehet unter Gottes Schutz. Im Frieden mild, im Kampf ein Leu, Bis in den Tod Germanentreu. Das schwören wir! **(Ehrentafel der Lehrer.) Das Amtliche Schulblatt für den Regierungsbezirk Arnsberg führt in der letzten Nummer 19 Lehrer und 4 Schulamtsbewerber auf, die den Heldentod für das Vaterland starben. Das Eiserne Kreuz wurde 51 Lehrern verliehen. e*(Auf die Versteuerung der Miet= und Pacht. verträge) sei zu Anfang des Jahres besonders hingewiesen. Schriftliche und mündliche Verträge über die Verpachtung oder Vermietung in Preußen gelegener unbeweglicher Sachen sind stempelpflichtig, wenn der auf die Dauer eines Kalenderjahres zu berechnende Zins mehr als 360 Mark und bei Verpachtung von Erundstücken zur landoder forstwirtschaftlichen Nutzung mehr als 300 M. beträgt. Eine Steuer gelangt jedoch dann nicht zur Erhebung, wenn der für die Gesamtdauer des Vertragsverhältnisses zu entrichtende Zins den Betrag von 150 Mk. nicht übersteigt. Mündliche und schriftliche Verträge über die Vermietung möblierter Zimmer sind wie die Mietverträge über Erundstücke zu versteuern; steuerfrei sind dagegen Mietverträge, durch die Gastwirte oder Zimmervermieter Fremde zur Beherbergung aufnehmen. Die Versteuerung der schriftlichen oder mündlichen Pacht. oder Mietverträge erfolgt in der Weise, daß der Verpächter oder Vermieter die abgeschlossenen Verträge des letzten Kalenderjahres einzeln in ein Verzeichnis, das von allen Hauptzoll= und Zollämtern und den Stempelverteilern unentgeltlich bezogen werden kann, einträgt und es bis spätestens zum 31. Januar einer Zollstelle oder einem Stempelverteiler vorlegt. Eine Aufforderung zur Versteuerung erfolgt nicht. Die in den Verzeichnissen zu machenden Angaben können auf Verlangen bei der Zollbehörde zu Protokoll erklärt werden. Die wesentlichen gesetzlichen Bestimmungen und der Tarif sind auf dem Verzeichnis angegeben. Die Nichtversteuerung oder die die nicht rechtzeitige Versteuerung der Verträge sind unter Stafe gestellt. **(Königl. Preußische Klassenlotterie.) Die Erneuerung der Lose zur 2. Klasse(5. 231. Lotterie) muß mit der Vorlegung der Lose 1. Klasse bis zum 8. Februar bei den zuständigen Einnehmern geschehen. Die Ziehung dieser Klasse findet am 12. und 13. Februar 1915 statt. Die schon erneuerten Lose 2. Klasse behalten ihre volle Gültigkeit. **(Der erste Frühlingsbote), ein Schmetterling, wurde gestern in unserer Redaktion eingeliefert. Der Falter war von einem Schulknaben in der Regenbogenstraße eingefangen. **(Wests. Provinzialsynode.) Der Evangelische Oberkirchenrat hat der Wahl des Superintendenten Kockelke in Schwelm(eines Sohnes unserer Stadt) als Präses der Westfälischen Provinzialsynode die Bestätigung erteilt. (Sterbekasse.) Am Sonntag fand im Lokale des Wirts Winkelmann die Jahresversammlung der hiesigen Sterbekasse statt. Nach dem Kassenbericht betrug im Jahre 1914 die Einnahme 2310,29 Mk., die Ausgabe 2163,62 Mk. Das Vermögen belief sich am 31. Dezember 1914 auf 20 277,62 Mk. gegen 19 194,80 Mk. am Schlusse des Vorjahres. Mit Rücksicht auf den günstigen Stand der Kasse konnte das Sterbegeld für Erwachsene vom 1. Januar d. J. ab auf rund 90 Mk. erhöht werden, für Kinder beträgt dasselbe 30 Mk. **(Tapfere Krieger.) Wieder wurde einem Sohne unserer Stadt, dem Unteroffizier d. L. J. „ für sein tapferes Verhalten vor dem Schnapp für sein tapf Feinde bei den ersten Kämpfen vor Warschau das Eiserne Kreuz verliehen. Schn. befindet sich zur. zeit im hiesigen Marienhospitak zur Heilung seiner bei Lodz erhaltenen Wunde.— Ferner erhielt das Eiserne Kreuz der Kriegsfreiwillige Ernst Heil, Sohn des lange Jahre hier tätig gewesenen Oberbahnassistenten H. Zugleich wurde der wackere Krieger zum Unteroffizier befördert. Wir gratulieren bestens! ner Landstraße mehrere junge Laute dem erwal ten Unfug, als sich plötzlich der von dem Haf lungsgehilfen Otto Thome benutzte alte Revolentlud und die Kugel den 18jährigen Schrei Theodor Winzen in die Schläfe traf. Der jun Mensch war sofort tot. * Warburg, 4. Jan.(Großfeuer.) benachbarten Borgentreich brach Großfeuer wodurch 15 Häuser, sowie große Erntevorräte### Flammen zum Opfer fielen. * Aachen, 4. Jan.(Weil er kein Sold werden konnte.) Der 18 Jahre alte Soh einer Arbeiterfamilie von hier machte ein Sellstmordversuch, weil er vom Militärdienst rückgewiesen worden war. Der junge Mann hat sich gleich zu Beginn des Krieges als Kriegsfre williger gemeldet, wurde aber wegen eines körpe lichen Gebrechens zurückgewiesen. Er versuchte n## neuerdings noch einmal, beim Militär angenon# men zu werden. Als er aber wieder abgewies# wurde, ging er nach Hause und erhängte sich in s# nem Schlafzimmer. Seine Eltern im Nebenzin mer wurden durch ein Geräusch auf die Vorgän c#ufmerksam, sie sprengten die von innen geschlo sene Schlafzimmertür und kamen gerade noch rech rechtzeitig, um den bereits Bewußtlosen abzuschne den und ins Leben zurüczurusen. Westfalen und Rheinland. Düsseldorf, 4. Jan.(Opfer des Neujahrsschießens.) Die leidige Schießerei in der Neujahrsnacht, der trotz der strengsten Verbote nicht Einhalt getan werden kann, hat hier wiederum ein Menschenleben gefordert. In der Neujahrsnacht fröhnten in einem Hause auf der KölKatholische Pfarrkirche, Schwerte. Mittwoch, 6. Januar.(Hl. Dreikönige.) 61 Uhr: Stille hl. Messe, Kaplan Röseler. 7½ Uhr Frühmesse mit Predigt. 8¾ Uhr: Schulmesse, Pfl Schnurbus. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt und Se gen. Nachm. 2½ Uhr: Vesper. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraa Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwert Der Reichtum an knochenbildenden Kalksalzen mach ∆ ge— mitKilch gekocht zu eine der besten Nähr für K oser and Schwächlicht In Paketen zu 15, 30 und 60 Pfg. überall zu haber Die auf den Bekanntmachung Prand-Versteigerungen Statt besonderer Anzeige. nicht verkauften Sachen, wie Hanner-Hleidung open, Asen, Räcke Jacken, Taillen, Mäntel etc. etc. Ober- u. UnterbettenPfühle, Kissen Traden moider A SS rc--. Taschenuhren, Regulateuruhren, Freischwinger Fabrräder, Nähmaschinen Musikinstrumente, phologr. Apparate Konversalions-Lenikons u. sonst. Bücher eic. können täglich in unseren Geschäftsräumen zu sehr billigen Preisen gekauft werden. Die Sachen sind teils gebraucht, teils neu Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute abend 7 Uhr nach kurzem, schwerem Leiden unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Urgrossmutter u. Tante, die Ww. Karr Brieke geb. Gosemärker im vollendeten 79. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit u eien. Die trauernden Hlinterbilchenen. Familie Brieke. Westhofen, Schwerte. Hagen-Eckesey, 3. Jan. 1915. Es wird darauf hingewiesen, daß Einstellungen von 17 jährigen noch nicht felddienstfähigen Freiwilligen in die bestehenden Unteroffizierschulen Weißenfels und Treptow a. R. erfolgen, und zwar ohne Innehaltung der im Frieden bestehenden Termine. Anmeldungen finden an allen Wochentagen vorm. von 9—10 Uhr auf Zimmer 49 des Bezirkskommandos III statt und sind hierzu folgende Papiere mitzubringen: a) einen von dem Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission seines Aushebungsbezirks ausgestellten Meldeschein,(für eine Unteroffizierschule ausgestellti# b) den Konfirmationsschein oder einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion, c) etwa vorhandene Schulzeugnisse, 0) eine amtliche Bescheinigung güßer die Flandege Beschäftügungsweie, Wver gughl, Abersusben Krankheiten und etwaige erbliche Bllastung. Königliches Bezirkskommando II Dortmund. Steneberg. 60 Major z. D. und stellv. Bezirkskommandeur. Die Beerdigung ündet am Donnerstag, den 7. er., nachm. 3 Uhr vom Sterbehause, Hochstr. 35, aus statt. 7 Behanntmachung. Pfandleih-Anstalt in Eion A-Comp. von 4 Zimmern mit Gas Eine schöne Wohnung Balkenstr. 36 Dortmund Hiho beim Bezirkskommando. I. Etagenwohnung von 4 Zimmern zum 1. April zu verm. Kann auch geteilt werden. u. elektr. Licht zu vermieten. handen. 85 H. Hihzegrad 70" W. Kothe. Zu erfr. i. d. Gesch. d. Itg. Senningsweg 26 von 4 Zimmern, incl. Küche. mit Badezimmer und Vorratsraum per 1. April zu vermieten Elektr. Licht u. Kochgas vorDie Heberollen der Gemeinden des Amtes Westhofen über die für das Jahr 1914 aufzubringenden Kosten zur westf landw. Berufsgenossenschaft nebst Verteilungsplan liegen vom 4. Januar cr. während zweier Wochen im hiesigen Amtsbüro Zimmer Nr. 2 zur Einsicht der Beteiligten aus. Wiedersprüche gegen die Betrage berechnung sind unbeschadet der Verpflichtung zur vorläufigen Zahlung binnen einer weiteren Frist von 2 Wochen bei dem Sektionsvorstand in Hörde anzubringen. 77 Westhofen, d. 30. Dez. 1914. Der Amtmann. in den neuesten * Fassons in grosser g Auswahl vorrätig. ## Vorzüglicher Sitz. 6494 Vom 6. Januar ab werden zirka Eine Einige an der Hohenv. Daniels. 100 Waschmaschinen zu sehr billigen Preisen gegen bar verkauft, vormittags 9—12, nachmittags 3—5 Uhr. von 3, 4, 5, u. 6 Zimmern zu vermieten. 7958 Wilbelm Baugeschäft, Königstraße 5 Simmer=(zolleensraße gelegene Wohnung Garlenstüche Zwangsverkauf Gute Stoffqualitäten selbst in den billigeren Preislagen. Otto Marx, Schwerte, Ostenstr. 20 ununanmgam. * 2 mit Stall zum 1. April zus zu verpachten. oermieten. 69„„ 81 Abgeschlossene 7008 Hermann Grothstück Rosen, Roonstraße 4. Waschmaschinenfabrik Braukmann& Hahn G. m. b. H. in Konkurs. 72 Werstiuntg Meiner werten Kundschaft die Mitteilung, dass ich meine Wohnung nach der Moltkestr. 441 (im Hause Schwerter Fleischhalle) verlegte. Frau Thiem, Schneiderin. 4 Zimmer mit Vorratskammer zum 1. April zu vermieten. Karl Klemot Mährstraße 7. Auf sofort oder später eine 731 Werniull von 3 Zimmern zu vermieten. Rosen, Schulstr. 2. Samstag, 9. Januar 1915, nachm. 2 Uhr, läßt Herr Gutsbesitzer Heinrich Linnigmann„zu Rheinen, in seiner Waldung Am Miltwoch, d. 6. Januar cr., vormitlags 10 Uhr. werde ich im Pfandlokale Wirtschaft Müller hierselbst: 1 Büfelt, 1 Schreibtisch, 1 Sopha, 1 Lexinon und 40 Kisten Zigarren gegen bar versteigern. Der Verkauf findet bestimmt statt. Morgenroth 86 Gerichtsvollzieher. FarTrader empfehle 5647 In grosser Auswahl Damenblusen Kostümröcke Paletots sterröcke Schürzen 84 von 5 Zimmern per 1. April oder früber zu vermieten. Hücdertsche 65. Ein freundlich mödl. Zillliher Wer würde der hier einquartierten 2. 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Jeder Ausländer, der sich im Gebiet des Deutschen Reiches aufhält, ist verpflichtet, sich durch einen Paß über seine Person auszuweisen; eines Passes bedürfen jedoch die bereits im Inland beschäftigten ausländischen Arbeiter nicht, wenn und solange sie im Besitz der von der Deutschen Arbeiterzentrale ausgestellten gültigen Inlands=Legitimationskarten sind. Jeder Deutsche oder Ausländer, der die Brenze von oder nach Holland überschreiten will, ist verpflichtet, sich durch einen Paß über seine Person auszuweisen. 2. Der Paß muß mit einer Personalbeschreibung und mit einer Photographie des Paßinhabers aus neuester Zeit, mit dessen eigenhändiger Unterschrift unter der Photographie, sowie mit einer amtlichen Bescheinigung darüber versehen sein, daß der Paßinhaber tarsächlich die durch die Phetographie dargestellte Person ist und die Unterschrift eigenhändig vollzogen hat. Die Photographie ist auf den Paß aufzukleben und amtlich derart abzustempeln, daß der Stempel etwa zur Hälfte auf dem Bild, zur anderen Hälfte auf dem Papier des Passes angebracht ist. 3. Die unter Ziffer 2 vorgesehene amtliche Bescheinigung auf dem Paß muß von der zuständigen Polizeibehörde oder von dem Gesandten oder Berufskonsul des Landes, dem der Paßinhaber angehört, ausgestellt sein; im Auslande genügt auch eine gerichtliche oder notarielle Bescheinigung. 4. Ausländische Pässe, die zum Eintritt in das Reichsgebiet verwendet werden, bedürfen außerdem des Visa einer deutschen diplomatischen oder konsularischen Vertretung. 5. Aus dem feindlichen Auslande zurückkehrende Deutsche, die nicht im Besitz eines Passes sind, werden durch die Grenzüberwachungsstelle einem Garnisonkommando zwecks Feststellung ihrer Persönlichkeit und Unverdächtigkeit zugeführt. B. Personenverlehr im Grenzstreifen. 1. Als Grenzstreifen wird ein Gebiet zwischen der holländischen Grenze und einer nach beiden Seiten hin von dem Kommandeur des Grenzschutzes näher festzulegenden Linie bezeichnet. 2. Für die Personen, die durch ihre Beschäftigung gezwungen sind, die Grenze regelmäßig zu überschreiten (Aerzte, Geistliche, Hebammen, ländliche Bewohner, Dienstboten, ländliche und gewerbliche Arbeiter) genügt an Stelle des Passes ein Ausweis der Ortspolizeibehörde. Dieser Ausweis muß eine Personalbeschreibung des Inhabers, seine rigenhändige Unterschrift, seine Photographie aus neuester Zeit und den Stempel der Ortspolizeibehörde, halb auf dem Bild, halb auf dem Papier des Ausweises, tragen und von der Ortspolizeibehörde unterschrieben sein. C. Kraftfahrzeugver kehr. 1. Das Ueberschreiten der Grenze nach oder von Holland im Kraftfahrzeug ist nur mit jedesmaliger Genehmigung des stellvertretenden Generalkommandos des VII. Armeekorps zulässig. Dieser Genehmigung bedarf es nicht, wenn die Insassen und Führer des Kraftwagens mit der unverdächtigen unterschriebenen und abgestempelten Genehmigung zum Ueberschreiten der Grenze seitens einer Immediatstelle(Reichskanzler, Ministerien, Generalstab, stellvertr. Generalstab, Akmiralstab, Oberste Heeresleitung, Armee=Oberkommandos, Marinestationen, Generalkommandos und stellvertr. Generalkommandos) versehen sind. 2. Innerhalb des Grenzgebiets, d. i. das Gebiet zwischen der deutsch=holländischen Grenze und der Eisenbahn Salzbergen—Rheine—Dorsten, Lauf der Lippe bis zur Mündung in den Rhein, sowie die Kreise Clewe, Mörs, Geldern, Crefeld(Stadt und Land) ist der Kraftfahrzeugverkehr nur unter folgenden Bedingungen gestattet: a) Alle Insassen von Kraftfahrzeugen, auch die Führer, müssen einen von der Polizeibehörde ihres Wohnortes ausgestellten Ausweis bei sich führen. Der Ausweis muß die eigenhändige Unterschrift des Inhabers tragen und mit einer deutlichen Photographie des Inhabers neuester Zeit beklebt sein. Dieser Ausweis ist von der ausstellenden Behörde derart abzustempeln, daß der Stempel halb auf dem Bild, halb auf dem Papier des Ausweises angebracht und in allen Teilen deutlich erkennbar ist. b) Die ausstellende Polizeibehörde hat auf dem Ausweis zu bescheinigen, daß der Inhaber deutscher Untertan und nach jeder Richtung hin, namentlich hinsichtlich der Spionage, durchaus unverdächtig ist, sowie daß die Photographie den Inhaber darstellt und die Unterschrift von ihm eigenhändig geleistet ist. c) Das Mitführen der nach den allzemeinen Vorschriften für Kraftfahrzeuge erforderlichen ausweispapiere des Kraftfahrzeugführers ist nach wie vor durchaus erforderlich. Kraftfahrzeuge, deren Führer oder Insassen nicht die geforderten Ausweise mit sich führen, werden nicht durchgelassen. Liegen irgendwelche Verdachtsgründe vor, so werden die Führer und Insassen in Hast genommen und das Fahrzeug wird beschlagnahmt. d) Ausländern ist jeder Verkehr mit Kraftfahrzeugen im Grenzgebiet nur mit Genehmigung des stellvertr. Generalkommandos VII., VIlI. und X. Armeekorps gestattet. Im Uebertretungsfalle werden Führer und Insassen festgenommen und das Fahrzeug wird beschlagnahmt. e) Auf Halt=Rufe oder Halt=Zeichen hat jedes Kraftfahrzeug sofort zu halten. Bei Annäherung an eine Sperre ist langsam zu fahren und rechtzeitig zu halten. Auf Fahrzeuge, die die Speire durchbrechen, wird geschossen. ]) Für den Verkehr militärischer Kraftfahrzeuge gelten folgende Sonderbestimmungen: Der Ausweis der militärischen Insassen und Führer von Militärkraftfahrzeugen ist nicht von einer Polizeibehörde, sondern von einer Militärbehörde vom Bataillons=Kommando und den im Rang gleichstehenden Behörden aufwärts auszustellen und abzustea peln und bedarf einer Photographie nicht. Für die militärischen Führer von Kraftfahrzeugen sind die sonst vorgeschriebenen Ausweispapiere(Absatz C 2c) nicht erforderlich D. Rheinschiffahrtverkehe. Die Bestimmungen der Bekanntmachung vom 27. November 1914— 1b K. 38065— bleiben in Kraft. Münster, den 31. Dezember 1914. Der kommandierende Geueral. Biebseuchenpolizelliche Anorönung. Zum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (R. G. Bl. Seite 519) mit Ermächtigung des Herrn RegierungsPräsidenten folgendes bestimmt. Nachdem nach amtstierärztlicher Feststellung die Maul= und Klauenseuche unter dem Rindviehbestande des Landwirts Surig zu Groß=Barop abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen, die Desinsektion vorschriftsmäßig ausgeführt und durch den Kreistierarzt abgenommen ist, gilt die Seuche auf dem erwähnten Gehöft als erloschen. Die in meinen viehseuchenpolizeilichen Anordnungen vom 5. Novemder bezw. 21. Oklober 1914 angeordneten Schutzmaßtegeln hebe ich duher hiermit auf. 18 Hörde, den 30. Dezember 1914. Der Landrak. I. V. Dr. Burchard. U8 4 Aesciortel Tansche FArren, Kun, Hoghan, Wein empfiehlt Drogerie Cari Trog. I Die beste und billigste bezugsguelle für Schneiderinnen :::: ist das:::: Kaufhaus Otto Marx = Hamburger Engros-Lager= Schwerte, Ostenstr. 20. — Fernsprecher 233.— 5873 Reihit hhh e ch von General der Inkanterie. 59 Schlachthause wird am Auttwoch, den 6. Januar 1915, morgens von 9—12 Uhr geräucherter Speck zum Preise von 0,70 Mk. für das Pfund in Mengen von je 3 Pfund an hiesige Familien der zum Kriegsdienst Einberufenen verkauft. Schwerte, den 2. Januar 1915. 38 Der Magistral: Kohrmann. Stahlwerke Brüninghaus A.=G. Ableitung Eisenwert Westhosen, 45 Westhofen i. W. Favori Modenalbum 60 J, Favortt Jugendaldum 60 J f Favorit Handarbtsald. 60.8 I! Favorit Schnittmuster!! Alletnverdauf für Schwerte Kaufbaus Otte Marz 1222 Ostenstraße 20. 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Schließlich lächelte sie ihm freundlich zu und sagte:„Ach, wenn Sie doch jeden Tag zu uns zum Essen kämen!“ Der Gast war sehr geschmeichelt.„Möchtest du das, mein Kind, warum denn?“ „Ja, wenn Sie so viel essen, dann würden wir nie am anderen Tage was Kaltes kriegen!" Die Rettung.„Es wird also keinen Poststreik geben, Mrs, Johnson?“ „Man kann nie wissen, was kommt; ich habe mir zur Sicherheit schon einen ganzen Satz Marken gekauft.“ 2 Coljas Schwester. Erzählung von Brentano Bauck. (Nachdruck verboten.) Gedämpfte Klagelaute drangen ihm von einer niederen Bettstatt entgegen, und über dem flammenden Herdseuer in der Mitte des durch eine kleine Tranlampe, welche von der rauchgeschwärzten Decke herabhing, nur spärlich erhellten Raumes hantierte ein zierlich gekleidetes Mädchen, das offenbar den besseren Ständen angehörte, eifrig mit Töpfen und Tiegeln. Als er eintrat, wandte sie erschrocken das reizende Gazellenköpfchen mit den großen, lächelnden Aurikelaugen, und der Kochlöffel entfiel ihren kleinen Händen. Dann aber faßte sie sich schnell.„Was wünschen Sie, Herr?“ fragte sie ruhig. „Nur etwas Gastfreundschaft— eine Herberge für die Nacht“— erklärte Colja, sich artig verbeugend, „mein Name ist Graf Libanoff, ich komme von Norden her und habe mich zur Nachtzeit auf der Steppe verirrt!“ „Oh,“ sagte sie bedauernd,„das tut mir leid— aber treten Sie nur ein, Herr Graf, es ist zwar nicht mein Dach, unter dem Sie Schutz suchen; ich bin nur hier, die kranke Feodorowna zu pflegen— die junge I Bäuerin da— aber ich habe doch wohl das Recht, Sie willkommen zu heißen, denn Maminka ist Herrin auf diesem Grund!“ Mit diesen Worten schob sie ihm über den Tisch einen Teller hin, auf dem ein Stück grobes Brot und Salz war. Colja nahm dankend an, und sie entzündete, während er aß, eine kleine Oellampe, um ihm in der nebenliegenden Kammer ein schneeiges Lager zu beSie selbst bettete sich zu Füßen der Kranken. Colja schlief nur wenig diese Nacht, obwohl es ihm sehr wohl in den schneeigen Linnen, die von dem frischen Heu gar lieblich durchduftet wurden, war. Vor seinen Augen schwebte nur immer das feine, dunkte Gazellenköpschen und begann das Bild der unbekannten Schwester allmählich zu verdrängen. In seine. Träume hinein drang das leise: Wimmern der Kranken:„Ich werde sterben, Pana Conetschka— Paninka— weiße Taube“— und dann wieder leise— sanft und tröstend, eine helle Stimme dagegen:„Nicht doch, gute Feodorowna— du wirst gesund werden— ganz gesundschtaf nur!"— „Sonetschka," flüsterte Colja schlaftrunken.„Sonja!“ ** * Glutrot dämmerte der Morgen über der einsamen Steppe, und goldige Lichtstrahlen drangen durch die bleigefaßten Scheiben auch in das Innere der Blocks..... fräh erboben und bas Hard, Sonetschia hatte sich fruh erhoben, und oas Herdfeuer prasselte unter ihren geschickten Fingern bald wieder lustig auf. Dann klopfte sie leise— denn die junge Bäuerin war in Schlaf gesunken, an die Tür der Kammer. Da öffnete Colja die Tür.„Leize leise,“ mahnte Sonetschka,„sie schläft, aber es geht besser mit ihr. Kommen Sie und nehmen Sie etwas Milch und Brot zur ersten Stärkung, und dann begleiten Sie mich zu Maminka, die sich freuen wird, Sie als Gast begrüßen zu können.“ Colja verbeugte sich dankend und zustimmend er war entzückt von Sonetschkas natürlicher Liebenswürdigkeit, ihrem heiteren, unbefangenen Wesen. Und dabei dieses Figürchen! Diese kleine, zarte, fast kindliche Gestalt, so schwach, so hilflos und liebebedürstig, just, wie er sich die kleine Schwester vorgestellt, die er zu suchen ausgezogen war. In seiner Seele aber regte sich verstohlen, ihm selbst noch unbewußt, das Gefühl, daß es noch etwas Süßeres auf der Welt geben müsse, als— eine Schwester zu besitzen. Da kam auch schon die brave, alte Kaschka, die„Dorfsamariterin“, wie Sonetschka dem jungen Grafen erklärte, um das junge Mädchen in der Pflege der kranken Feodorowna abzulösen. „So kommen Sie, Pan,“ rief Sonja nun leise und schritt dem jungen Mann durch die einsame Steppe Dort aber blühten Blumen, blaue und weiße Erika, feine Gräser und schwankende Halme, an denen noch funkelnde Tautropfen blitten; Sonetschka trug ein weißes Strohhütchen auf die braunen Locken gedrückt und hatte sich in einen weichen, hellen Schal gehüllt, so hüpfte sie vor Colja her, von Blüte zu Blüte, vor Freude jauchzend, wenn hier und da ein blasser Schmetterling darüber hingaukelte, und dann wieder still stehenbleibend und das feine Gesichtchen mit dem Ausdruck reinsten Entzückens zum Himmel aufhebend, wenn eine Lerche sich, mit hellem Triller, dahin aufschwang. Endlich kam ein herrschaftliches Gehöft in Sicht, von blühenden Baumgruppen umgeben— in der Mitte, gefällig wie eine Perle in einem Schmuckstück— ein kleines, weißes Landhaus, mit einer offenen Glasterrasse, auf der ein gedeckter Frühstückstisch den Ankommenden lachend entgegenwinkte. In einem Korbstuhl vor demselben präsidierte eine behäbige Dame. „Maminka!“ rief das junge Mädchen, fröhlich die Stufen emporsteigend, die zu der Vorlaube führten. „Ich bringe dir gute Nachrichten von Feodorowna, der Bäuerin, und einen Gast bringe ich dir auch— einen armen Verirrten— den Grafen von Libanoff.“ Die Dame erhob sich.„Seien Sie mir willkommen,“ sprach sie, Colja entgegenschreitend:„Ich hoffe, es wird Ihnen hier in Ruskowsko gefallen!“ „Ich zweifle nicht daran, gnädigste Frau,“ stammelte Colja, der noch sehr wenig gewandt im Verkehr mit Frauen war, und den der große, traurige und halberschrockene Blick, mit dem die Augen der Mutter, die doch eigentlich die Augen der Tochter waren, seine ganze Erscheinung umfaßten, verwirrte. „Nehmen Sie Platz, Graf— bedienen bat indessen die Frau des Hauses.„Tun Sie, bitte, Unterhaltungs=Beitage zu Nr. 3. Dienstag, 5 Januar 1915. Wähtes Siack: 29 Weg Roman 6. Kapitel. zum eigenen Schloßpark erwies sich für Christ Kleinschmidt beschwerlicher, als er vorausgesetzt hatte. Das erste Haus, das er auf eigene Rechnung baute, lag an der Peripherie der Stadt. Der Bauplatz war so billig, daß seine Ersparnisse und Trines Vermögen zur Erwerbung ausgereicht hatten. Baurat Schauer, für den Kleinschmidt jahrelang gearbeitet, gewährte ihm Kredt für de ersten Materiallieferungen. Nun hoffte er, sobald der Rohbau unter Dach war, Geld gegen eine Hypothek au nehmen und den inneren Ausbau vollenden zu können, allein sein Kostenanschlag war zu niedrig gewesen, und er mußte zunächst Darlehen suchen. Ein alarmierender Vorfall vermittelte seine Bekanntstaft mit dem Rentier Meyer, der Baugeld gegen hohe Zinsen verlieh. Die in einem Seitenflügel belegene Wohnung der Kleinschmidts war nur durch eine Treppe von der im Vorderhaus befindlichen der Meyers geschieden. Diese Familie, welche aus dem Rentier Meyer, seiner Gattin und seiner von ihrem Manne geschiedenen Tochter bestand, war von einem krankhaften Mißtrauen gegen ihre Mitmenschen beseelt, und als sie ein Dienstmädchen ins Haus genommen hatte, das frisch vom Lande gekommen. war, glaubten die beiden Frauen, behufs Siche st=llung ihrer Person und ihres wertvollen Eigeniums, dies arglose Mitglied ihres Haushalts pessimistisch beeinflissen zu müssen. Sie wählten dazu ein ebenso zweckmäßiges wie naheliegendes Mittel. Sooft sie in der Zeitung Nachrichten über Diebstähle, Einbrüche oder Mordtaten fanden, lasen sie Amalie— so hieß die Arglose— die betreffenden Berichte vor und tnüptten daran Warnungen, die etwa lauteten:„Sie ersehen daraus, liebes Kind, daß wir in der Großstadt von Dieben, Heiratsschwindlern und Raubmördern umgeben sind. Wenn Sie es also verhüten wollen, daß man in unser friedliches Heim eindringt, es ausraubt und Ihnen wie uns erbarmungslos die Hälse abschneidet, so lassen Sie keine Menschenseele während unserer Abwesenheit zur Tür herein. Mißtrauen Sie vor allen Dingen den Männern, die Ihnen Liebe heucheln, das sind die schlimmsten Gauner; sie haben es nicht auf Ihre- Person, sondern auf Ihr Sparkassenbuch und unsern Geldschrank abgesehen; sie schleichen sich hier ein, um Abdrücke der Schlüssellöcher zu erhalten und die beste Gelegenheit zum Einbrechen auszubaldowern.“ Dank der suggestiven Wirkung dieses Verfahrens gelang es den Damen bald, die arglose Amalie zur von Rudolf Elcho. (8. Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) Schwarzseherin auszubilden. Eines Abends nun verließ die Familie Meyer ihr Domizil, um einer Theatervorstellung beizuwohnen. Bei der Haltestelle der Pferdebahn angekommen, entdeckte die Tochter, daß sie die Theaterbilletts auf dem Schreibtisch hatte liegen lassen. Eilig kehrte sie in die Wohnung zurück. Hier hatte Amalie unterdessen die Lichter in den Vorderräumen gelöscht und sich in die von einer sparsamen Oellampe matt erieuchtete Küche zurückgezogen. Diese war lang und schmal, und die tiefen Schatten in den Ecken und Winkeln gaben dem Raum einen unheimlichen, fast gespenstischen Charakter. Da nun Frau Meyer kurz vor ihrem Weggang noch eine höchst sensationelle Eifersuchtstragödie vorgelesen hatte, die mit Mord und Selbstmord endete, so war es kein Wunder, daß Amalie blutige Schreckgestalten sah, als in der totenstillen Behausung mit einem Male das Oeffnen und Zuschlagen der Haustür vernehmbar wurde. Einige Sekunden lang stand sie schreckgebannt da, als aber hastige Schritte sich anscheinend der Küche näherten, rannte sie blindlings gegen den Küchentisch, warf dadurch die Lampe um, riß das Fenster auf und kreischte in das über dem Hof liegende Dunkel hinein:„Hilfe, Mörder, Einbrecher! Hilfe, um Himmels willen, Hilfe!" Dies Geschrei überraschte und erschreckte niemand mehr, als das jüngste Mitglied der Familie Meyer. Ohne an Amalie, geschweige denn an die ihr gegebenen Verwarnungen zu denken, war die junge Frau eingetreten, um möglichst rasch ihr Versäumnis nachzuholen. Nun gellten Schreie durch das Haus, die an die Schrecken der Bartholomäusnacht gemahnten. Wie dem Donner der Blitz, so folgte ihrer Frage:„Was ist da los?“ die Erkenntais: Unsere Warnungen haben gefruchtet. Mit drei Sprüngen war sie in der Küche und rief der Schreienden zu:„Sind Sie toll geworden? Ich bin es ja. Um's Himmels willen, hören Sie auf zu brüllen! Amalie, ich bin es ja——.“ Aber Amalie war sinnlos geworden vor Entsetzen und schrie weiter. Um die Quelle dieser Hilferufe zu verstopfen, griff die junge Herrin nach dem Mund der Schreienden, konnte aber nur deren Hals erreichen. Nun glaubte das Mädchen, der hinter ihrem Rücken befindliche Einbrecher wolle sie erdrosseln, und in jammervollen Tönen wimmerte sie:„Ach Gott, ach Gott, man erwergt mir!" Und ihr Appell an das öffentliche Mitleid war nicht ungehört verhallt. Jetzt pochte eine starke Faust an die Küchentür, und als niemand öffnete, erfolgte ein rS# SSSE S S. 2# a E 8— G S 8 S s S 5 — Krachen, und Christ Kleinschmidt stürzte, mit einem Stock bewaffnet, durch die aufgesprengte Tür. Sein erster Blick fiel auf eine Flamme. Die vom Tisch gefallene Lampe war nicht verlöscht, sondern gegen das Fenster hingerollt, wo die Flamme eben den durchs Oel geschleiften Kleidersaum der jungen Frau erfaßte. Kleinschmidt ließ seinen Stock fallen, ergriff einen gefüllten Milchtopf und goß die weiße Flut über die auflodernde Flamme. Das Krachen der Tür hatte die kreischende Amalie bewogen, sich endlich umzudrehen, und als sie den ihr wohlbekannten Nachbar erblickte, stammelte sie:„Gerettet!" Dieser Ausruf aber wurde übertönt von einem Aufschrei ihrer Herrin, die beim Zischen der erlöschenden Flamme auf die Falten ihrer Robe geblickt und erkannt hatte, welche furchtbare Gefahr sie bedrohte. Vom Schrecken überwältigt, fiel sie in Ohnmacht. Kleinschmidt und die ihm nachfolgende Trine hatten nunmehr alle Hände voll zu tun, um die junge Frau wieder ins Bewußtsein zurückzurufen, um Amalie, deren Angst zu einer Tränenflut zerschmolz, und die anstürmenden Hofbewohner zu beruhigen. Als die durch das lange Ausbleiben ihrer Tochter besorgt gewordenen Eltern in ihr Heim zurückkehrten, fanden sie die Vermißte bleich und in stark ramponierter Toilette in den Armen der Frau Kleinschmidt, Amalie aber schluchzte:„Ich konnte nicht dafür; Sie hatten mir ja so verängstigt.“ Durch diesen Vorfall kamen der Familie Meyer starke Bedenken, ob ihr Erziehungssystem bei jedem Dienstmädchen mit Erfolg anzuwenden sei, und sie neigten zu der Annahme, daß freundliche Beziehungen zu hilfsbereiten Nachbarn von Nutzen fein könnten. Sie dankten den Kleinschmidts mit wohltönenden Worten; als diese aber betreffs einer Anleihe in geschäftliche Verbindung mit ihnen treten wollten, wurde es klar, daß Herr Oskar Meyer nach dem Grundsatz handelte, Geschäst ist Geschäft und verträgt keine sentimentalen Wallungen. Er gewährte dem biederen Maurermeister zwar ein Darlehen, aber unter sehr harten Bedingungen. Als das Haus vollendet dastand, besichtigte es Ostar Meyer sehr genau und ließ sich dann überreden, gegen Hypothek eine Summe darauf zu leihen, die, nach Kleinschmidts Schätzung, bei weitem nicht dem Werte entsprach. Dieser hoffte es bald mit Mietern bevölkern und dann vorteilhaft verkaufen zu können; allein seine Hoffnung wurde vereitelt. Es waren in dieser Zeit weit mehr Häuser gebaut worden, als dem Wohnungsbedürfnis entsprach, und die Wohnungssucher hatten nicht nötig, sich dahin zu bemühen, wo die letzten Häuser stehen. So kam es, daß Kleinschmidts Gebäude, trotzdem es ein Eckhaus war, trotzdem es lichte, geräumige und gefällig ausgestattete Zimmer und bequeme Wirtschaftsräume besaß, ein Jahr nach seiner Fertigstellung noch nicht zur Hälfte vermietet war. In dem Maße aber, wie die Zahl der leerstehenden Wohnungen in Großberlin sich mehrte, wurde es den Unternehmern schwieriger, Geld flüssig zu machen. Der Zinsfuß stieg, und zuletzt erfolgte ein Baukrach, dem auch Kleinschmidts Haus zum Opfer fiel. Es war ihm unmöglich geworden, auf zweite Hypothek Geld zu erhalten, und da er Bauhandwerkern und Arbeitern noch kleine Summen schuldete, so rotteten diese sich eines Abends zusammen, forderten lärmend ihr Geld, und als der unglückliche Schuldner sie zu beruhigen suchte, hieben sie ihn mit Fäusten und Stöcken blutig und warfen die Fenster seiner Wohnung ein. Dies geschah just an dem Tage, da Trine ihr erstes Kind, ein Töchterchen, gebar. Das Toben der empörten Arbeiter, das Prasseln der zerschmetterten Fenster und Hereinfliegen der Steine erschreckte sie derart, daß sie in hitziges Fieber fiel und wochenlang mit dem Tode rang. Der Maurermeister geriet durch diese Ereignisse in einen ähnlichen Zustand wie der Seefahrer, der auf wilden Wogen den Untergang seines Fahrzeugs nicht mehr abwenden kann. In dumpfer Betäubung nahm er es hin, daß das Haus, auf welches er so stolze Hoffnungen gesetzt hatte, unter den Hammer kam und seinem Hauptgläubiger für ein Gebot zugeschlagen wurde, das zwölftausend Mark weniger als die Hypothekenschuld betrug. Mochte alles verloren gehen, wenn nur Trine und sein Kind gerettet wurden! Dieser heiße Wunsch wenigstens wurde ihm erfüllt. Als sein Weib sich endlich wieder vom Lager erheben konnte, war es ihm, als sei ein furchtbarer, seine Ernte vernichtender Sturm vorübergerauscht und die Sonne lache wieder. In seinem Innern aber wogten widerstreitende Gefühle. Er dankte dem Himmel für Erhaltung seiner Lieben und verabscheute seine Gegner im Kampfe ums Dasein. Der Grimm über die erlittenen schweren Verluste wurde noch gewaltig gesteigert, als es Oskar Meyer nach einem Jahre gelang, das ihm zugefallene Haus zu einem Preise zu verkaufen, der fünfunddreißigtausend Mark mehr als Kleinschmidts vormalige Hypothekenschuld betrug. Dieser glaubte nun mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß das nach der Versteigerung noch übrige Defizit von zwölftausend Mark durch den günstigen Verkauf des Hauses gedeckt sei, mußte aber zu seiner schmerzlichen Bestürzung erfahren, daß er Meyers Schuldner blieb, bis er den Restbetrag gezahlt hatte. Kleinschmidt empfand diese gesetzliche Bestimmung als eine grausame Ungerechtigkeit. Er beklagte sich vor Trine bitter darüber und folgerte daraus:„Wir haben alles hingegeben, was wir besaßen; der Halsabschneider Meyer aber verlangt noch zwölftausend Mark, trotzdem er fünfunddreißigtausend Mark an unserem Hause verdiente, und trotzdem ich seiner Tochter das Leben gerettet habe. Vor dem Gesetz ist dies sein gutes Recht. Du siehst also, daß jeder, der Geld erwerben will, mitleidslos gegen den Nächsten vorgehen muß. Aus der Art, wie unsere lieben Nebenmenschen mein Malheur ausgebeutet haben, müssen wir die Lehre schöpfen: Rücksicht bringt zurück. Der Weichherzige wird von dem Hartherzigen unter die Füße getrampelt. Das wollen wir uns merken. Wenn ich jetzt die ganze Familie Meyer am Bratspieß stecken sähe, würde ich keine Hand rühren, um sie kattzustellen. Was mich nicht brennt, blase ich nicht mehr. Trine befand sich durch den Verlust ihres Vermögens und die Ausschreitungen der Gläubiger in ebenso erbitterter Stimmung wie ihr Mann und stimmte seinem Losungswort für den Daseinskampf bei. Kleinschmidt mußte nach der Katastrophe den Baurat Schauer wieder um Beschäftigung angehen. Der erfahrene Architekt schätzte ihn um seiner Kenntnisse und Pflichttreue willen und ging auf sein Gesuch ein. Es kamen nun für Christ und Trine mehrere Jahre harter Arbeit und schmerzlicher Entbehrungen, denn sie waren beide fest entschlossen, ihre Schulden bis auf den letzten Pfennig zu tilgen. Die Ausführung aber wurde ihnen dadurch erschwert, daß Trine einem zweiten Töchterchen das Leben gab. Sie mußte auf die Wartung und Pflege der beiden Kleinen, welche als Mathilde und Anna ins Taufregister eingetragen, aber Tilde und Aennchen genannt wurden, viel Zeit und Geld aufwenden und geriet in peinliche Verlegenheiten. Um Christ in seiner Absicht, rasch wieder schuldenfrei zu werden, nach Kräften zu unterstützen, hatte sie zu ihrer aus drei Zimmern bestehenden Hofwohnung noch drei danebenliegende Räume hinzugemietet und diese an zwei Studenten und eine ältere Dame abgegeben.(Fortsetzung folgt.) M Shputunsc als ob Sie zu Hause wären— als wenn Sie— eine Mutter in mir gefunden hätten.“ Ganz unbeabsichtigt hatte sie das gesagt, aber sie wurde dadurch noch nachdenklicher, lehnte sich in ihren Sessel zurück und betrachtete, die Augen mit der Hand beschattend, unverwandt den jungen Gast. Sonja plauderte indes unaufhörlich. „Oh, ich weiß im voraus, daß Sie nicht so bald wieder fortgehen werden," erklärte sie fröhlich,„denn jedermann gefällt Ruskowsko gut! Sie müssen nur erst unser Gestüt sehen, Graf, und dann die Tauben! — Schöne Tauben— ganz weiße— habe ich!“ „Sie ist noch ein Kind," warf die Mutter entschuldigend dazwischen.„Nicht wahr, Sonja, mein Täubchen, du zählst erst sechzehn?“ „Siebzehn! Geschlagene siebzehn, süße Maminka!“ versicherte Sonetschka lachend.„Die Kinderschuhe drücken schon!“ Nun lachte auch die Maminka, aber das Lachen sah so fremd, so ungewohnt auf dem blassen, traurigen Gesicht aus— wie ein verirrtes Kind im Schnee. „Sie müssen viel gelitten haben,“ entfuhr es unwilltürlich Coljas Lippen. Da schlug sie die Augen zu ihm auf, diese großen, schicksalstiefen Sterne, die einen so seltsamen, inneren Glanz besaßen, und die Sonetschkas Augen so ähnlich schienen, ohne es doch zu sein.— „Sehr viel, Graf,“ gab sie mit verschleierter Stimme zu.„Ich bin betrogen worden, wo ich am meisten liebte— wo ich mit ganzer Seele vertraute; aber ich habe vergeben, vergessen— vergessen freilich— das ist schwerer, Pan——“ „Ich glaube es,“ sagte Colia ergriffen.„Auch ich bin ja ausgegangen, eine Frau zu suchen— eine Unglückliche— eine Betrogene—“— „Wo?“ forschte Maminka leise, und Sonetschka war hinter der Mutter Stuhl getreten, den Grafen mit großen Augen betrachtend. „Wo?“ wiederholte Colja sinnend, während ein nachdenklicher Zug in sein Gesicht trat.„Ja, das ist es ja eben! Ich habe nämlich meinen Begleiter unterwegs verloren, einen Bauern, der, was ich nicht wußte, ein Trinker ist und in einer Schänke unterwegs liegen geblieben sein muß. Er kennt die Spur und wollte mein Führer sein, ohne ihn weiß ich den Weg nicht zu finden!" „So werden Sie unser Gast bleiben, bis Sie den Mann gefunden haben,“ riet ihm die Dame lächelnd, und Colja verbeugte sich dankend. (Fortsetzung folgt.) 12 Denkspruch. digkeit von acht Kilometern in der Stunde in den Atlantischen Ozean einströmen. Die Breite des Golfstromes beträgt gegen 60 Kilometer, seine Tiefe rund 400 Meter, und nach wissenschaftlichen Berechnungen führt dieser mächtige Strom eine Wärmemenge von 40000 Billionen Kalorien mit sich. Diese unvorstellbar gewaltige Menge von Wärme erlangt einen entscheidenden Einfluß auf das Klima der Erde, und die neuesten Forschungen ergeben nach einem Berichte der„Revue“, daß dieser warme Strom des Atlantischen Ozeans in direkter Folgewirkung die Ursache für die Entstehung von Wüsten wird. Das Wasser ist ein Körper, der Wärme ungewöhnlich gut bewahrt, und selbst in den hohen nördlichen Breitegraden führt der Golfstrom noch eine sehr große Wärmemenge. Die auf dem Wasser ruhenden Luftmassen empfangen naturgemäß vom Golfstrom eine wesentliche Erhöhung ihrer Temperatur und sind viel wärmer als die sie umgebende Atmosphäre. Auf diese Weise bildet sich über dem Golfstrom des Ozeans ein regelrechter Golfstrom der Lüfte. Allein diese warme Luftströmung wird nicht durch die Erdteile aufgehalten und abgelenkt, sie setzt ihren Weg über Europa fort und gibt ihre gewaltigen Wassermassen in Form von Regen ab, wodurch sie die zahlreichen Binnenseen in Schweden, Finnland und im nördlichen Rußland speisen. Infolge der Erdumdrehung wendet sich der Golfstrom der Lüfte aufangs nach Osten, um dann nach Süden zu streben. So entstehen die Massen kühler Luft, die die wesentlichen meteorologischen Eigentümlichkeiten der russischen Steppengegend bestimmen. In dem Maße, wie der Luftstrom sich wiederum dem Aequator nähert, erwärmt er sich von neuem, bleibt aber trocken und ohne Dunst: trockene Winde begleiten ihn und üben ihren Einfluß auf die berührten Erdstriche; und so entsteht auf unserem Erdball jener mächtige Wüstenstreifen, der sich von Turkestan über Arabien durch die Sahara erstreckt: das entspricht genau der Linie, die der Golfstrom der Lüfte auf seiner Heimkehr aus dem nördlichen Asien beschreibt. Nachdem dieser Luftstrom den afrikanischen Erdteil verlassen hat, wird er durch die Passatwinde seinem Ursprungsorte wieder zugeführt, und der Kreislauf beginnt in ewiger Wiederholung von neuem. C. K. 8 SE Umsonst zu sterben lieb' ich nicht, Doch lieb' ich zu sallen am Opterhügel fürs Uaterland, Zu bluten des Herzens Blut fürs Vaterland. Hölderlin. Der Golfstrom der Lüfte. Einen fesselnden Einblick in die Kette von Wirkungen, die der Golfstrom ausübt, gewähren eine Reihe von neuen Forschungen, die in der Feststellung des Vorhandenseins einer interessanten atmosphärischen Paralielerscheinung, eines regelrechten Golfstroms der Lüfte gipfelt. Man weiß, daß die erwärmten Wasserfluten des Golfstromes bei ihrem Ausfluß aus dem mexikanischen Golfe mit einer Geschwinunserm 0 e Seser Kochbuch. Von Laura Uincent. Kartoffeltorte. 20—25 Stück große Kartoffeln von einer recht mehligen Sorte werden in der Schale gekocht oder, noch besser, im Ofen gebraten. Dann werden sie geschält, und nachdem sie ganz kalt geworden sind, auf dem Reibeisen gerieben. Nun rührt man nach und nach 12 Eigelb und 180 Gramm Zucker mit ebensoviel Butter schaumig, mischt es mit den Kartoffeln, gibt einen Eßlöffel voll Rum, einen Teelöffel voll feingewiegte Zitronen= oder Orangenschale und eine Messerspitze voll Zimt dazu und rührt noch eine halbe Stunde. Nun vermischt man die Masse mit dein festen Schnee der 12 Eier, gibt sie in eine mit Butter bestrichene und mit Semmelbröseln ausgestreute Springform und läßt sie im nicht zu heißen Ofen 1¼ Stunden backen. Wenn die Torte aus dem Ofen kommt, nehme man gleich den Ring ab und lege sie auf ein Haarsieb, domit sie schneller abkühlt. Sie wird stark mit feinem Zucker bestreut.