Amtliches Kreisblatt Da Shurem Seihuer uicen ueld außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oiertelfährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pio. mehr. Wöchentl. Gralisbeilage:„Ihustrierter Familiensreund“ u. tägl. Unterhallungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pig., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabalt u. erlischt dei Konkursen. Iwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Robractundd ssmacht.- Settnechelbane Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Verbunden mit: Schwerker Tageblatt O Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis börde o Haupt-Annoncenblatt Blg deute: und dchalgndgüchen Nuund. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemöß Bekanntmachung dei Königlichen Regierung durch Verössentlichung in dei„Schwerte: Zeitung" rechtsverbindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeilung“ gewährt ihren Adonnen= ten für jeden mit Tod endenden Unsall geHazungen“: 300 Mk. Unfall. Druch u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Ruh# Fernsp. 62. Telegr.=Adr. Braus Schwerte=Ruh### Nr. 295. Donnerstag, den 17. Dezember 1914. 46. Jahrgang Die Stellung Italiens. Der römische Korrespondent des„Pester Lloyd“ teilt die Anschauung eines italienischen Politikeis aus der Regierungspartei über die letzten Erklärungen Salandras mit. Der Politiker sagt:„Vereinzelte Rufe„Sympathie für Belgien!“„Evviva Trieste!“ in der letzten Kammersitzung haben mir Freude gemacht, denn sie haben offenbundig gezeigt, wie vereinzelt solche Bestrebungen in der Kammer dastehen. Alle ernsten Vaterlandsfreunde in Italien wünschen einen Sieg Deutschlands und Oesterreich= Angarns, und zwar nicht so sehr aus Liebe zu Deutschland und Oesterreich-Ungarn als in wohlerwogenen italienischen Interessen. Welches wäre die Lage Italiens angesichts einer durch Zertrümmerung Oesterreich-Ungarns verstärkten Macht Nußlands auf dem Balkan, das dann selbst in der Adria auftauchen würde? Dieser Zustand wurde durch eine Besiegung Deutschlands und die Dienstbeflissenheit Frankreichs bis zur Unerträglichkeit verschärft werden. Das haben selbst unsere intelligenten österreich=feindlichen Politiker eingesehen, die schon bei Begirn des Krieges eine Ausdehnung der russischen Herrschaft auf dem Balkan als Casus belli für Italien bezeichneten. Salandra hal gesagt, daß das gegenwärtige Kräfteverhältnis zwischen Italien und den künftigen Siegern nicht verschoben werden solle. Dies bedeutet, daß Italien eine solche Vergrößerung anstreben muß, die nicht eine Befriedigung von Gefühlen, sondern einen Machtzuwachs bedeutet. Ein Machtzuwachs für Italien kann nur durch Eroberung einer Vormachtstellung im Mittelländischen Meere erreicht werden.“ „Ich will nicht sagen“, schloß der Politiker, „daß Italien unbedingt in den Kampf gegen die Tripleentente eintreten muß; Italien wünscht einen Kampf mit niemand. Wenn es auch rüstet, hofst es doch seine Interessen und sein Programm auf friedlichem Wege verfolgen zu können. Nur wenn diese Hoffnung endgültig trügen würde, würde Italien zu anderen Mitteln greifen.“ Monarchenzusammenkunft in Malmö. Die Schicksalsstunde, die über Europa hereingebrochen ist, hat das Gemeinsamkeitsgefühl zwischen den drei nordischen Königreichen, das man früher als„Skandinavismus“ zu bezeichnen pflegte, das jedoch durch die politische Entwicklung im 19. Jahrhundert, besonders aber durch die Trennung der Union zwischen Schweden und Norwegen im Jahre 1905 so schwer beeinträchtigt worden war, daß es schon tot gesagt werden konnte, neu belebt. Der Zweck der Zusammenkunft der drei Könige in Malmö ist in der amtlichen Meldung so doutlich angegeben, daß es keines weiteren Kommentars bedarf. Da niemand die Neutralität der drei nordischen Königreiche aufrichtiger gewahrt zu wissen wünscht, als das Deutsche Reich, können wir den Abschluß eines Verteidigungsbundes, über den in Malmö beraten werden soll, nur aufrichtig begrüßen, gleichwohl, ob es sich nun um wirtschaftliche Abmachungen oder auch um militärische Besprechungen handelt. Das Interesse, das wir an der Aufrechterhaltung der Neutralität der drei Königreiche haben, bürgt uns dafür, daß sich der neubelebte Skandinavismus nicht gegen das Doulsche Neich wenden wird, sondern ausschließlich gegen die Mächte des Dreiverbandes, die gerade in letzter Zeit eine ziemlich bedrohliche Haltung gegenüber den skandinavischen Ländern eingenommen haben. Berlin, 17. Dezbr.(WTB.) Amtlich wird vom 16. Dezember gemeldet: Teile unserer Hochsee=Streitkräfte haben einen Vorstoß nach der englischen Ostküste gemacht und am 16. Dezember früh die beiden befestigten Küstenplätze Scarborough und Hartlepool beschossen. Ueber den weiteren Verlauf der Unternehmungen können zurzeit noch keine Mitteilungen gemacht werden. Der Chef des Admiralstabes: v. Pohl. London, 17. Dezb.(T.=U.) Die englische Admiralität gibt bekannt: Gestern morgen wurden Scarborough und Hartlepool durch die deutsche Flotte bombardiert. An verschiedenen Punkten befindet sich die englische Flotte im Gefecht. Hartlepool ist Munizipalstadt in der Grafschaft Durham, liegt nördlich von der Münduung des Tees und hat ungefähr 35 000 Einwohner. Es hat einen langen, durch einen Damm geschützten und leicht zugänglichen Hafen, große Docks mit Leuchtturm und Schiffswerften, ein Artilleriedepot und ein Spital für Seeleute. Etwa vier Kilometer entfernt liegt West-Hartlepool mit etwa 75000 Einwohnern. Beide Orte sind Seebäder und treiben ansehnlichen Schiffbau. Daneben bestehen Eisenwerke, Gießereien und Zementfabrikation. Scarborough ist Munizipal= und Parlamentsstadt, sowie Seebad in der englischen Grafschaft York, an der Nordseeküste auf ansteigenden Ufern gelegen, Station der Linie York=Whitby der North=Eastern=Bahn. Es hat etwa 45.000 Einwohner. Die Stadt zerfällt in den altertümlichen North=Eliff und das elegante Fremdenviertel South=Cliff, die durch Brücken über den Einschnitt Ramsdale Valley verbunden sind. Scarborough besitzt guten Strand mit Pier, umsangreiche Badegebäude mit Theater, Kunstgalerie usw. Einzelheiten von der Beschießung. Nach englischen Meldungen sind in Hartlepool über 20 Personen getötet und 80 ver. wundet worden. Ein beträchtlicher Schaden wurde angerichtet. Der Gasometer brennt. Die Beschießung der Festung West=Hartlepool begann zwischen 8 und 9 Uhr früh. In Scarborough sind zwei Kirchen beschädigt; mehrere Dächer sind eingestürzt. In Wihtby soll die historische Abtei teilweise zerstört sein. Die Bevölkerung flieht in das Innere des Landes. wtb. London, 16. Dez. Eine Meldung des Reuterschen Bureaus besagt: Nach weiteren Nachrichten über die Beschießung Scarboroughs war das Wetter neblig, als die Beschießung begann. Viele Frauen und Kinder eilten in Nachtgewändern auf die Straße. Es verlautet, daß 50 Schüsse abgegeben wurden. Aus Hull wird berichtet, daß die Behörden von Scarborough zu früher Stunde die Nachricht von dem geplanten Angriff auf die Küste empfingen. Die Verteidigung wurde sorgfältig vorbereitet. Alle Einheiten, Artillerie und Infanterie befanden sich auf dem Posten.—„Evening Chroniele“ in Newcastle meldet, man glaube, daß drei deutsche Kreuzer an der Beschießung von Hartlepool teilnahmen. Kaum hatten sie das Feuer eröffnet, als sie von englischen Zerstörern angegrissen wurden. Rotterdam, 17. Dez.(Sondertelegramm der Telegraphen=Union.) Das Vombardement von West=Hartlepool-und Scarborough begann um 8 Uhr morgens und hielt etwa eine Stunde an. West=Hartlepool wurde durch zwei deutsche Kreuzer angegriffen, die ein lebhaftes Feuer eröffneten, während einige kleinere Schisfe Scarborough bom. bardierten. Das Wetter war unsichtig und es herrschte dichter Nebel. Die Forts von Hartlepool erwiderten das Feuer und vier englische Torpedoboote liefen aus. Jedoch gelang es den deutschen Schiffen, unbehelligt in nordöstlicher Richtung zu verschwinden. In beiden Städten wurde durch das Bombardement beträchtlicher Schaden angerichtet. Verschiedene Kirchen und andere hoch gelegene Gebäude wurden schwer beschädigt. Unter der Bevölkerung entstand eine wilde Panik, zumal viele Personen getötet wurden. Was will Rumänien? Kopenhagen, 16. Dezbr. Alle in Paris wohnenden wehrpflichtigen Rumänen erhielten Befehl, sich sofort bei der rumänischen Gesandt. schaft zu melden. Adeverul veröffentlicht nach der„Voss. Ztg.“ folgende offiziöse Information: „Die Neutralität Rumäniens ist nunmehr vollständig gesichert, und die Verhandlungen, welche seitens des Dreiverbandes eingeleitet wurden, um einen neuen Balkanbund zwischen Bulgarien, Griechenland und Rumänien ins Leben zu rufen, sind vollständig gescheitert. Auf Grund vollständig zuverlässiger Informationen sind wir in der Lage, festzustellen, daß Rumänien in diesem Kriege auch in dem Falle nicht zum Schwerte greifen wird, wenn die bulgarische Armee, was als sehr nahe bevorstehend angenom. men wird, in Serbisch=Mazedonien einmarschieren sollte. Alle Nachrichten, die wissen wollten, daß Rumänien bereits zum Kriege entschlossen ist und an der Seite des Dreiverbandes kämpfen wird, sind völlig aus der Luft gegriffen. Dies erhellt schon aus der Tatsache, daß Rumänien die russische Forderung, die Regierung möge den Durchmarsch von russischen Truppen nach Serbien gestatten, entschieden abgeschlagen hat.“ Großes Hauptquartier, 16. Dez. Im Westen versuchte der Gegner einen erneuten Vorstoß über Nieuport, der durch das Feuer seiner Schiffe von der See her unterstützt wurde. Das Feuer blieb gänzlich wirkungslos; der Angriff wurde abgewiesen und 450 Franzosen zu Gefangenen gemacht. Auf der übrigen Front ist nur die Erstürmung einer vom Feinde seit vorgestern zähe gehaltenen Höhe westlich von Sennheim erwähnenswert. Von der ostpreußischen Grenze ist nichts neues zu melden. In Nordpolen verlaufen unsere Angrisssbewegungen normal. Es wurden mehrere starke Stützpunkte des Feindes genommen und dabei etwa 3000 Gefangene gemacht und vier Maschinengewehre erbeutet. In Südpolen gewannen unsere dort im Verein mit den Verbündeten kämpfenden Truppen an Boden. Erfolge der Oesterreicher! wtb. Wien, 13. Dez. Amtlich wird gemeldet vom 16. Dezember mittags: In Galizien und Süd. volen wirh der zurückgehende Feind auf der ganzen Front verfolgt. Bei Lisko, Krosno, Jaslo und im Bialatale leisten starke russische Kräfte Widerstand. Im Dunajetztale drangen unsere Truppen kämpfend bis Zaklichn vor. Auch Bochnia ist wie. der von uns genommen. In Südpoken mußten die feindlichen Nachhuten nach kurzen Kämpfen überall vor den Verbündeten weichen. In den Karpathen haben die Russen die Vorrückung im Latorezatale noch nicht aufgegeben. Im oberen Tale der Nawornaer=Bystrzyca wurde ein Angriff des Feinde, zurückgewiesen. Die Besatzung von Przemyst unternahm einen neuerlichen großen Ausfall, bei dem sich die ungarische Landwehr durch Erstürmung eines Stützpunktes mit Draht. hindernissen auszeichnete. Wie gewöhnlich wurden Gefangene und erbeutete Maschinengewehre in die Festung gebracht. Die Erhedung des Islams. London, 16. Dez. 60 000 Mann eingeborener indischer Truppen sind in Aden gelandet, um die Stadt vor einem Ueberfall der ausständischen Araber zu schützen. Sämtliche Stämme in Yemen und Asir haben sich von England losgesagt. Sie erhalten von den Türken Geldmittel und moderne Waffen. Ein Landungsversuch englischer Truppen bei Mekka wurde abgewiesen. Rund tausend Mann türkische Truppen stehen bei Hodeidah, es sind dies Bedeckungsmannschaften der europäischen Ingenieure, die bis zum Ausbruch des Krieges im Innern an der Fertigstellung der Eisenbahn arbeiteten. Mehrfach erschienen tür. kische Flugzeuge auf beiden Ufern des Suezkanals und ließen Proklamationen in ägyptischer Sprache herunterfallen. Sie entkamen, trotzdem sofort von den Engländern Jagd auf sie gemacht wurde. Die türkischen Flugzeuge tragen unter beiden Flügeln einen Riesenhalbmond mit Stern in rot, eingeschlossen von zwei konzentrischen schwarzen Kreisen. —— Englands Pläne gegen die Neutralität Hollands. Holland ist jetzt, wie aus Amsterdam berichtet wird, in derselben bedrängten Situation, wie die Schweiz. Die Gegner Deutschlands scheinen militärisch auf einen toten Punkt angekommen zu sein und benötigen deshalb neue Gedanken, neue Mittel und Wege zu ihrer Kriegsführung. Man kann hier in den Niederlanden nicht nachprüfen, was an den Meldungen über die geplanten Verletzungen der Schweizer Neutralität, insonderheit über einen geplanten Durchbruch französischer Truppen durch die Schweiz, Wahrheit ist— abewir sind geneigt, diese Meldungen nicht anzuzweiseln, weil auch hier von den Feinden des Deutschen Reiches sehr ernsthaft der Versuch gemacht wird, die Niederlande aus ihrer Neutralität zu stoßen, übrigens nicht das erste Mal. Als es sich darum handelte, die Festsetzung der Deutschen in Antwerpen zu verhindern, wurde von England das Ansinnen gestellt, die Scheldemündung für englische Schifse und englische Tpruppen kfreizugeben. Es war Amerika, das damals gegen diesen Versuch intervenierte. Dieser Versuch scheint in die. sen Tagen erneuert worden zu sein. Die Regierung der Nicderlande ist bemüht, zu. nächst diese Dinge„in sich“ zu erledigen. Sie verzichtet darauf, die Volksstimmung zu beunruhigen, und will öffentliche Diskussionen vermeiden, die geeignet sein könnten, eine etwaige Katastrophe zu beschleunigen. Wenn auch ein Teil der niederländischen Bevölkerung noch immer nicht deutschfreundlich ist, so sind. sich doch alle Niederländer darüber einig, daß das englische Ansinnen eine Anmahung bedeutet, die nicht hingenommen wer. den dürfte. Wenn die niederländische Regierung genötigt sein sollte, die Neutralität des Landes mit den Waffen in der Hand zu verteidigen, so würde sie das ganze Volk entschlossen hinter sich haben. Nachdem sich die Bevölkerung überzungt hat, daß der einst befürchtete Eingriff in die holländische Neutraliät durch Deutschland eine Phantasie war, würde die Empörung um so größer sein, wenn jetzt England die Holländer in den Krieg ziehen wollte. Vielleicht werden auch dieses Mal die Vereinigten Staaten England vor den letzten Schritten zurückhalten— und in ihrem eigenen Interesse. Ist doch Holland immer noch für amerikanische Güter eine Durchgangsstelle nach Deutschland, an dem die Amerikaner auch im Kriege noch einen guten Kunden haben. Wird aber das holländische Gebiet in den Kampf gezogen, so bedeutet das eine weitere Verminderung des amerikanischen Geschäftes. —— Iur Beschlegung der engl. Rüste. Unbeschreibliche Panik unter der Bevölkerung. Rotterdam, 17. Dez. Das Bombardement von Scarborough durch die deutsche Flotte rief dort die größte Panit hervor. Die Bevölkerung stürmte den Bahnhof, wo gerade ein bereits dicht besetzter Zug zur Abfahrt nach Hull bereit stand. Die kopflose Menge stürmte diesen Zug und es spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Hundert wild durcheinanderschreiende Menschen hielten die Trittbretter der Eisenbahnwaggons besetzt und ver. teidigten ihre Plätze, indem sie sich an die Dächer des Waggons anklammerten, um sich gegenüber den neu Anstürmenden behaupten zu können. Das Vombardement scheint seine Wirkung nicht versehlt zu haben. Versagen des englischen Patrouillendienstes. Rotterdam, 17. Dez. Die kurze Meldung der beitschen Admiralität über den Vorstoß der deutschen Flotte läßt vermuten, daß die Engländer vollständig überrascht worden sind und daß ihr Patrouillendienst versagte, sonst wäre es nicht möglich gewesen, daß die deutsche Flotte die so wichtigen Punkte Scarborough und Hartlepool bombardieren konnte. Auch erwähnt die Mitteilung nur, daß englische Flottillen in die Kämpfe verwickelt seien. Dieses Wort kann sich nur auf Torpedoboote und Unterseeboote beziehen. Große Schiffe waren vermutlich von dem Kampsplatz entfernt. Der Angriff kommt den Engländern jedenfalls ungelegen in dem Augenblick, in dem einige ihrer besten Schiffe nach der Schlacht bei den Falk. landinseln im Stillen Ozean sind. Der Krieg gegen Belgien. Die Verleumdung des belgischen Gesandten Allard. wtb. Köln, 16. Dez. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Berlin: Nach Mitteilungen der„National= Tidende" stützte sich der belgische Gesandte zur Begründung seiner Behauptungen gegen die deutschen Truppen in Belgien nicht auf neue Dokumente, sondern auf die bekannten Berichte der sogenannten belgischen Untersuchungskommission. Diese niedrige Schmähschrift mit ihren unbewiese. neu und unbeweisbaren Behauptungen ist längst als verleumderisches Machwerk erkannt worden. Der belgische Gesandte ist somit außerstande gewesen, für seine Behauptungen irgendwelche Beweise auszubringen. Sein Auftreten stellt sich als ein schwerer Mißbrauch des Gastrechtes in einem neutralen Staate dar. Aufforderung der Belgier zur Rückkehr nach Belgien. Haag, 16. Dez.„Het Vaterland“ veröffentlicht in seiner Sonntag=Abendausgabe einen Bericht aus Belgien, in dem den gutsituierten Belgiern nahegelegt wird, unverzüglich nach ihrer Heimat zurüdzukehren, sie hätten sowohl in Antwerpen wie in Brüssel von deutscher Seite nichts zu fürchten und ihr Platz sei in ihrer Heimat, wo sie durch ihr Geld viel Gutes stiften könnten, und nicht in den erstklassigen Hotels in der Fremde. Besonders aufgefallen sind dem Mitarbeiter des„Vaterland", der jetzt erst aus Belgien zurückgekehrt ist, die Gegensätze, die sich im Lande abspielen. Während in den Dörsern großes Elend herrscht, sieht man in Brüssel selbst den gewohnten Luxus sich entfalten. Belgien bildet ein neues„Heer“. Zürich, 16. Dez. Der„Köln. Ztg.“ wird von hier aus gedrahtet: Pariser Meldungen berichten, Belgien versuche die Bildung eines neuen Heeres. Die belgische Regierung beruft neuerdings alle Staatsangehörigen zwischen 18 und 30 Jahren, die nicht verheiratet oder nicht bei französisch-belgischen Bahnen beschäftigt sind, ein und setzt eine schwere Strafe auf die Nichtbesolgung des Aufgebots. bevor ihre Ausbildung beendet ist und die Spitäler füllen. Wäre es nicht besser, sie nicht einzustellen, da sie die Armee nicht stärken, sondern schwächen können? Frankreichs Offiziermangel. Die Verluste an Offizieren sind bei der französischen Infanterie so enorm, daß sie auf regelmäßige Weise auch nicht annähernd mehr godeckt werden können. Bereits vor einiger Zeit mußte man sich zu der ungewöhnlichen Maßnahme entschließen, Kavalberieoffiziere in die Infanterieregimen= ter zu versotzen. Doch auch dies Verfahren läßt sich nicht mehr länger durchführen, ohne eine gefährliche Schwächtung des Kavallerieoffizierbestandes herbeizuführen. So hat man denn zum letzten Notbehelf gegrifsen und anamitische Offiziere der Eingeborenenarmee aus Anam auf französische Linienregimenter verteilt. Ein anamitischer Oberstleutnant, Do-Hun=Chau, ist sogar zum Befehlshaber eines sranzösischen Infanterieregiments ernannt worden. Es ist dies das erste Mal, daß weiße Soldaten Farbige zu Vorgesetzten erhalten. Französisches Mißtrauen gegenüber England. Bern, 16. Dez. Der Deputierte Laval verlangte, daß eine Abordnung die französische Regierung ersuchen sollte, Maßnahmen zu ergreisen, damit Frankreichs Handel und Industrie von der jetzigen Lage, die England zum Beherrscher des Meeres machte, auch Nutzen ziehe. Augenscheinlich besteht auf französischer Seite die Befürchtung, daß England die Meeresherrschaft zum Nachteile des französischen Handels und der Industrie Frankreichs ausnutzen werde. Der Krieg gegen Frankreich. 24000 Mann Verluste der Franzosen und Engländer. Rotterdam, 16. Dez. Die„Daily Chroniele“ meldet unter dem 15. Dezember aus Dünkirchen, daß die Verbündeten bei den jüngsten Kämpfen um Ypern 24000 Mann in drei Tagen verloren heben. Die Kämpfe an der Küste. Rotterdam, 17. Dez. Das„Amsterdamer Handelsblatt“ meldet: In den letzten Tagen ist es wieder sehr lebendig an der Schlachtfront. Die Deutschen haben mehrere verlorene Stellungen wieder zurück erobert. Französischer Widerspruch gegen das letzte Aufgebot. Paris, 16. Dez. Die letzten Anordnungen der Regierung bezüglich der Einstellung der früher Zurückgestellten scheinen in Frankreich Widerspruch zu finden.„La guerre sociale" veröffentlicht die Zuschrift eines Majors, in der erklärt wird, daß eine Anzahl verspätet Eingestellter den körperlichen Anstrengungen nicht gewachsen und infolge schwächlicher Konstitution der Ansteckung durch Tuberkulose und ähnlicher Krankheiten leicht ausgesetzt seien, und somit einen Ansteckungsherd für ganze Garnisonen bildeten. Diese Mannschaften, so fährt der Major fort, werden die Garnisonen nicht verlassen; sie werden niederbrechen, —— Der Krieg gegen Rußland. Der Zusammenbruch des russischen Millionenheeres. Zürich, 16. Dez. Die„Neuen Züricher Nach. richten“ melden über die Kriegslage: In gut befestigten Stellungen werden die Russen sich zwar noch einige Zeit zu halten vermögen, aber alle Symptome des kommenden Zusammenbruchs sind bereits da. Dann wird es ein Debaele(Zusam. menbruch) werden, wie es ein gleiches die Kriegs. geschichte noch nicht gesehen hat. Aus dem Millionenheer wird ein Millionenchaos werden. Mit dem erwähnten Zusammenbruch aber sieht man der Kriegslage bereits auf den Grund, denn die russische Kriegsmacht sollte ein tragender Balken des Landkrieges auf dem Kontinent sein; berstet er, so ist die Sache des Dreiverbandes auf dem Festlande verloren, denn auf dem westlichen Kriegsschauplatz ist sie auch nicht mehr zu retten. Revolutionäre Bewegung in Rußland. Nach einer Blättermeldung aus Sofia erhielt ein bulgarisches Großhandlungshaus einen Bericht seines Petersburger Vertreters über das Anwachsen der revolutionären Bewegung in Rußland. Die Geheimpolizei nahm in den letzten Wochen viele hundert Verhaftungen vor. In Petersburg hat man nur die Verhaftung sozialdemokratischer Duma=Deputierter bekanntgegeben. Es bestehen Gerüchte über eine Verschwrung gegen den in die Deputierte von Jekaterinoslaw und Petronski verwickelt sind. In Lupansk fanden Massenverhaftungen statt. Die Cholera wütet in Rußland. Berlin, 16. Dez. Dem„Lok.=Anz.“ zufolge schreibt der„Pesti Hirlap": Laut zuverlässigen Nachrichten hat die Cholera in Rußland sehr über. hand genommen. Es scheint, daß das Wüten dieser gefährlichen Krankheit nicht einmal durch die eingetretene Kälte gehemmt wird. Die Cholera herrscht hauptsächlich in Padolien und Wolynien, wo sie besonders in der ärmeren Bevölkerung schreckliche Opfer fordert. Da zurzeit in Rußland keine genügenden sanitären Vorkehrungen getrofsen werden, besteht die Gefahr, daß auch andere Gebiete verseucht werden. Besonders gefährdet sind die Gouvernements von Kiew und Cherson. Auch in Odessa selbst sind Cholerafälle vorgekommen. Es mangelt überall an dem notwendigen geschulten Personal und an Medikamenten. Die Gesundbeterei greift um sich. Die bulgarenseindliche Politik Rußlands entlarvt. Nach einer Meldung aus Sosia hat der bisherige Agent der russischen Gesandtschaft in Sosia, Siwalck, eine Flugschrift veröffentlicht mit dem Titel„Nieder mit der Maske“. Sie enthält zahlreiche geheime Dokumente der russischen Gesandtschaft, aus denen die bulgarenfeindliche Politik Rußlands klar zu Tage tritt. Die Veröffentlichung habe in Bulgarien ungeheures Aufsehen und unter den Russenfreunden grenzenlose Bestürzung erregt. Der russische Gesandte hat bei der bulgarischen Regierung die Beschlagnahme der Flugschrift nach. gesucht, die aber wahrscheinlich nicht zugestanden wird. Der heilige Krieg. Ein türkisches Kriegsschiff vernichtet. Rotterdam, 16. Dez. Die englische Admi. ralität teilt mit, daß das englische Unterseeboot B 11 in die Dardanellen eingedrungen ist, nachdem es in beträchtlicher Tiefe ein von den Türken gelegtes Minenfeld unterfahren hatte. Das Unterseeboot hat dann das türkische Schlachtschiff„Messudije" torpediert und ist nach neunstündiger Unterseefahrt unbeschädigt zurückgekehrt. B 11 machte die Beobachtung, daß„Messudije“ mit dem Achter. steven sank.„Messudije“ ist ein älteres Schlachtschiff, das 1874 vom Stapel lief und 1903 umgebaut wurde. Es hat 9 250 Tonnen. Die Russen von den Türken verfolgt. wtb. Konstantinopel, 16. Dez.(Amtlich.) Die Kämpse, die seit einigen Tagen an der Ostgrenze des Wilajets Wan andauern, haben zu unseren Gunsten geendet. Die Stellung bei Sarai, die vom Feinde erbittert verteidigt wurde, ist nach einer Umfassungsbewegung unserer Truppen in unsere Hände gefallen. Der Feind zieht sich in der Richtung von Kotur zurück, verfolgt von unserer Kavallerie. Unsere Truppen sind in Sarai ein. gezogen. Ein englischer Kreuzer hat vergebens einen unserer Wachttürme zwischen Jaffa und Gaza beschossen. Der russische Kreuzer„Askold“ hat zwei kleine Schiffe vor Beirut in Grund gebohrt. Der Verlust des Kasernenschiffes„Messudije“ ist nach einer endgültigen Untersuchung entweder auf Berührung mit einer abgetriebene Mine oder auf ein gegen dieses Schiff abgeseuertes Torpedo zu. rückzuführen. Fez von den Beduinen eingeschlossen. Kopenhagen, 16. Dez. Aus Barcelona wird gemeldet: Ein spanisches Geschwader wurde nach Marokko entsandt. Noch herrscht Ruhe in der spanischen Zone. Der Aufruhr der Eingeborenen droht aber sich dorthin auszubreiten. Die Lage der Franzosen in Marokko ist sehr schwierig. Fez ist von 20 000 Beduinen eingeschlossen. Die heilige Fahne von Medina. Der Sohn des Groß=Scheichs der Senussi ist in Medina eingetroffen, um am Heiligen Kriege teil. zunehmen. Wie die Blätter erfahren, werden DaGeheimnis von Thalberg. Roman von F. Kuntschner. 36 Langsam, wie zögernd, verließ er das Gemach; draußen aber fühlte er sich auf einmal von Sehnsucht nach dem Vater erfaßt; da dieser jedoch von einem Besuch in der Nachbarschaft erst zum Sonper zurückerwartet wurde, suchte er zuerst auch jetzt wieder Zuflucht bei seinen Büchern, erhob sich indes, da es ihm nicht gelingen wollte, seine Gedauken zu konzentrieren, ungeduldig aufseufzend, sehr bald wieder vom Sessel, nahm seinen Hut und begab sich in den Park hinab, wo er in der unter den rauschenden Baumkronen herrschenden grüngoldigen Dämmerung ruhiger zu werden und Ordnung in seine regellos umherflatternden Gedanken zu bringen hoffte.——— Obwohl es Richard stark nach Wien zog, doch nicht, wie er sich ehrlich eingestand, um den Freund zu sehen, sondern— so wenig Aussicht dazu auch vorhanden war,— irgendwo den beiden Damen zu begegnen, unterdrückte er doch, um seiner Eltern willen, diese Sehnsucht und blieb wirklich volle zwei Wochen auf Thalberg, was die Freifrau im geheimen nicht wenig wunderte und Herrn von Thalberg offensichtliche Freude machte. Vater und Sohn waren jetzt oft stundenlang beisammen, machten Ausflüge zu Pferd in die nächste Umgebung oder saßen, wenn das Wetter weniger günstig war, plaudernd und rauchend im Studierzimmer Richards, wo es dem ältern Freiherrn augenscheinlich sehr wohl gefiel, obwohl dieses keineswegs die luxuriöse Einrichtung der anderen Räume aufwies, vielmehr der Arbeitsstätte eines auf den Verdienst durch seine geistige Tätigkeit angewieseuen Mannes glich.— „Und was ist denn mit Deinem Freund, dem Maler geschehen? Mau hört und sieht ja gar nichts von ihm. Sollte ihm sein erster Erfolg so zu Kopfe gestiegen sein, daß er darüber seines besten Freundes vergessen könnte?“ Lachend verneinte Richard diese— natürlich nur scherzhaft gemeinte— Frage des Vaters, der dann die weitere folgen ließ, warum er, Richard, seinen Freund denn nicht einmal nach Thalberg mitgebracht habe. „Du bist sehr gütig, lieber Papa,“ lautete die Antwort,„aber, nachdem Mamas seltsame Abneigung gegen den armen Kurt bekannt ist, konnteich es mir eben nicht erlauben, ihn hierher zu bringen. Er ist übrigens gestern abend, wie ich weiß, nach G—stein gefahren?" „Studienhalber? Ist er denn auch Landschaftsmaler? Nun, wenn er wieder zurück sein wird, bringe ihn nur auf eine Zeit zu uns heraus! Vielleicht schwindet dann der Mama Eifersucht auf ihn," lachte Herr von Thalberg gut gelaunt.„Denn auf etwas anderm als Eifersucht beruht ihre Abneigung gewiß nicht.“ „Meinst Du, Papa, daß sie im Ernste auf den armen Kurt eifersüchtig ist? Wenn es so wäre, dann—“ „Dann. Warum sprichst Du nicht zu Ende?“ „Dann würde sie mich doch lieben,“entgegnete Richard, dem Vater freimütig in die Augen schauend. „So zweifelst Du wirklich an der Liebe Deiner eigenen Mutter? Kannst Du Dich denn nicht von dieser fixen Idee losmachen?" fragte der ältere Freiherr, dem Sohne forschend in die ernsten Züge blickend und die Hand auf dessen Arm legend.„Zweifelst Du vielleicht an meiner Vaterliebe?“ fügte er haftig hinzu. „Du, Papa, bist mir ja nie unfreundlich oder kalt entgegengekommen und ich hatte auch immer mehr Vertrauen zu Dir, aber trotzdem— mein Gott, so recht heimisch— Verzeihung, lieber Vater,“ brach er rasch ab, als er den Freiherrn tief erblassen sah—„ich wollte Dir nicht wehe tun— und vielleicht trage ich selbst die meiste Schuld, daß wir uns früher nicht so recht verstanden haben. Doch seit meiner Heimkehr—“ „Hat sich das Gefühl des Fremdseins vermindert, willst Du hoffentlich sagen?“ „Ja, seitdem Du, mein lieber Vater, mir so besonders gütig entgegenkommst—“ „Rede doch keinen Unsinn, Richard? Du bist mein Sohn und wir verstehen uns jetzt wirklich ganz gut. Mama dagegen ist eine etwas sensitive Natur, die mit besonderer Berücksichtigung ihrer Eigenschaften behandelt werden muß. Aber sie hat Dich gerade so lieb, wie ich Dich lieb habe. Und damit wird sich der junge Herr nun wohl zufrieden geben?“ Wieder lachte der Freiherr lustig auf, doch war in diesem Lachen etwas wie ein nervöser Klang, das Richard vielleicht hätte heraushören müssen, wenn nicht seine Gedanken bei der Mutter geweilt hätten. Nochmals durchlebte er im Geist jene kurze Szene zwischen ihr und ihm und mußte sich mit Trauer aufs neue sagen, daß die Kluft, die beide trennte, wohl kaum je zu überbrücken sein würde. Die Stimme des Freiherrn riß ihn aus seinen unerquicklichen Träumereien. „Was läßt Du denn jetzt den Kopf hängen? Das ist doch sonst nicht Deine Gewohnheit. Weißt Du was, ich lasse einspannen und dann fahren wir alle drei nach A—feld hinüber, wo wir einen Gegenbesuch schuldig sind. Willst Du?“ „Aber gewiß, Papa, recht gerne! Die A—felder sind sehr angenehme Leute.“ „Also geh' einstweilen zu Mama, um es ihr zu sagen. Sie ist auch eine Freundin der Familie A—feld und wird gern von der Partie sein.“ Drei Tage später erhielt Richard von Kurt die nur ganz kurze Nachricht, daß er wieder in Wien sei, weiter nichts. ist augenscheinlich mißgestimmt und ich werde Papa bitten, meinen Freund für einige Tagholen zu dürfen," sagte sich der junge Freiherr nach der Lektüre der wenigen Zeilen und begab sich sogleich zu seinem Vater, um ihm seine Bitte vorzubringen. „Aber ja, wenn es Dir Freude macht, hole ihn Dir! Oder noch besser: Wir telegraphieren ihm. Hoffentlich findet er auch allein den Weg nach Thalberg. „Aber wenn nur Mama—“ „Sorge Dich nicht! Sie wird nicht dagegen sein.“ „Nun, so werde ich denn sogleich telegraphieren.“—-— „Also, mein lieber Kurt, herzlich willkommen auf Thalberg!" begrüßte der junge Freiherr den Freund auf der Bahnstation und führte ihn zu dem hinter dem Bahnhofsgebäude wartenden Wagen. Als dann beide im Fond der eleganten Equipage Platz genommen hatten, blickte Richard seinen Gast forschend von der Seite an. „Nun sage mir vor allem, was Dich verstimmt hat, oder richtiger ausgedrückt, heute verstimmt? Hast Du— sie nicht gesehen, denn Dein Ausflug nach G—stein galt doch ihr?“ fragte erden jungen Maler. „Ich will es gar nicht leugnen. Aber meine Sehnsucht blieb ungestillt, denn als ich an der von den Damen bewohnten kleinen Villa vorüberkam, sah ich sämtliche Fenster und Türen fest verschlossen. „Sie sind doch nicht am Ende fortgezogen? Konntest Du nicht bei irgend jemandem diskrete Erkundigungen einziehen?“ „Das tat ich natürlich und erfuhr, die Damen seien telegraphisch zu einem in Wien lebenden— jäh erkrankten— Verwandten berufen worden, sie sind schon über vierzehn Tage fort und dürften, da Frau Durand ihr Dienstmädchen beurlaubt hat, noch eine Zeit in Wien bleiben.“ 217,16 maskus große Vorbereitungen zum Empfange der heiligen Fahne(Sandschak=Scherif) getroffen, die unter dem Geleite von tausenden von Kriegern, welche unter großen Begeisterungskundgebungen von Medina aufgebrochen sind, dort eintressen wird. Eine Mitteilung aus Konstantinopel macht darauf aufmerksam, daß die vielverbreitete Meinung, wonach die Fahne des Propheten von grüner Farbe wäre, irrig ist. Diese Fahne ist schwarz und trägt eine weiße Aufschrift; sie wird mit anderen Reliquien des Propheten im Alten Serail in Stambul ausbewahrt. Die Fahne, die von den Arabern in Medina infolge der Verkündung des Heiligen Krieges aufgerollt wurde, ist gleichfalls eine geschichtliche, geheiligte Fahne, jedoch nicht die des Propheten. Diese letztere wurde, seit die Türken im Besitze der Reliquien Mohammeds sind, nur ein einziges Mal aufgerollt, sund zwar unter Sultan Mohammed II., als die Vernichtung der Janitscharen erfolgte. Generalgouverneur v. Bissing über seine Aufgabe. Einem Berichterstatter des„Hamburger Korrespondenten“ gegenüber äußerte sich Generalgouverneur v. Bissing folgendermaßen: „Viele Leute glauben, daß mit dem neuen Generalgouverneur ein neues System in Belgien aus Nuder trete. Das ist ein Irrtum. Mein Vorgänger hat alles so praktisch und zweckmäßig angelegt, daß ich vorläufig nur in seinem Fahrwasser weiter segeln kann. Natürlich muß ich eifrig darauf bedacht sein, alle Klippen zu vermeiden. Die Belgier sollen sehen, daß ich ein über alle Maßen gerechter Feind bin, und ich hoffe, daß die Belgier das bald anerkennen und mir Vertrauen entgegenbringen werden. Ordnung und Ruhe will ich halten in diesem Land, das zur Basis der Operationen für unsere Truppen geworden ist. Unser Heer soll wissen, daß in seinem Rücken Ordnung herrscht, damit es jederzeit frei den Blick nur nach vorwärts zu richten braucht. Diese Hoffnung führe ich durch. Mit Milde hoffe ich auszukommen, aber wenn sie nicht genügen sollte, werde ich mit harter Faust zugreifen. Ich habe mich für die allgemeine wirtschaftliche Lage immer besonders interessiert. Darum hoffe ich auch, Hand in Hand mit der Zivilverwaltung, viel für die wirtschaftliche Lage erstreben zu können. Als Se. Majestät mich zum Gouverneur ernannte, legte er mir mit ganz besonderem Nachdruck ans Herz, alles zu tun, um den Schwachen in Belgien zu helfen und sie aufzurichten. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 17. Dezember 1914. *(Kriegsteilnehmer von 1870.) Im Hinblick auf den gegenwärtigen Krieg sind amtliche Feststellungen über die Zahl der noch lebenden deut. schen Kriegsteilnehmer von 1870 von Interesse. Einen sicheren Anhalt hierfür bieten die aus Anlaß der Gewährung von Kriegsteilnehmerbeihilfen angestellten Ermittelungen. Diese haben ergeben, daß noch etwa 440000 Feldzugsteilnehmer von 1870 am Leben sind. An dem Feldzuge 1870 haben teilgenommen 33101 Offiziere und 1113254 Mann, davon erlitten 2058 Offiziere und 47•320 Mann den Heldentod. Es ist also heute noch, noch 44 Jahren, mehr als ein Drittel der Gesamtzahl an Kriegern am Leben. Diese Ziffern zeigen zugleich, daß die Krieger trotz der großen Anstrengungen den Feldzug gut überstanden haben. **(Das Kleben nicht unterlassen.) Vielsach wird jetzt das Kleben der Versicherungsmarken unterlassen. Es sei darum an dieser Stelle erneut darauf hingewiesen, daß diejenigen Arbeitgeber, welche versicherungspflichtige Personen beschäftigen, die Beitragsmarken für die Invalidenversicherung in derselben Höhe wie in Friedenszeiten pünktlich in die Quittungskarten einkleben müssen. Die ordnungsmäßige Beitragsentrichtung wird überwacht. Bei Zuwiderhandlungen gegen die gesetzlichen Vorschriften werden bekanntlich gegen die säumigen Arbeitgeber Ordnungsstrasen verhängt. **(Das Eiserne Kreuz) hat sich wiederum ein tapferer Schwerter Junge, der Gefreite d. R. Gustav Weber, Sohn des Fabrikarbeiters Karl Weber von der Hagenerstraße, bei den Kämpfen um Lodz erobert. Wir gratulieren dem wackeren Krieger, der durch drei Schüsse verwundet wurde, und dem wir baldige Genesung wünschen, herzlich zu seiner Auszeichnung. **(Die Postbeamten im Kriege.) Bei der Mobilmachung wurden von dem Personal der Postverwaltung 14 200 Beamte und 52.500 Unterbeamte zum Kriegsdienst eingezogen. Diese Zah. len haben sich durch Einziehung zum Landsturm inzwischen noch erhöht. Zur Feldpost wurden 1310 Beamte, 1070 Unterbeamte und 1030 Postillone kommandiert. Beim Etappen=Telegraphendienst haben 520 Beamte und 620 Telegraphenarbeiter Verwendung gefunden. Ohne Berücksichtigung des Landsturms hat hiernach die Postverwaltung von ihrem Personal 71 250 Kräfte für den Kriegsdienst abgegeben. **(Liebesgaben.) Der kath. Arbeiterverein „St. Stephanus“ beschloß in der letzten Sitzung, den Frauen seiner im Felde stehenden Mitglieder als Weihnachtsunterstützung je 10 Mk. zu überreichen. Auch wurde den 56 Mitgliedern, welche bis jetzt zur Fahne einberufen worden sind, je ein Weihnachtspaket gesandt. **(Soldatengrüße.) Die herzlichsten Grüße an alle Schwerter Freunde und Bekannten senden Karl Kohlmann, Ludwig Wiegeshoff, Fritz Köpp, Walter Schniewind. Niederrheinisches FüsilierRegiment No. 39, Düsseldorf.— Sende Ihnen und der Bürgerschaft von Schwerte, sowie des Ortsteils Rosen herzlichen Gruß von Thorn. Für die pünktliche Zusendung Ihrer werten Zeitung sage ich Ihnen meinen besten Dank. Freue mich jedesmal, wenn die Zeitung hier ankommt; dieselbe wird im Kreise meiner Kameraden sehr gerne gelesen. Wehrmann Weiß. *:(Jugendbund.) Am Freitag nachmittag veranstaltet der Jugendbund eine Weihnachtsfeier in der Aula der höheren Mädchenschule. Die Mütter der Mitglieder sowie der Vorstand des FrauenVerbandes sind zu dieser Feier freundlichst eingeladen.(Siehe auch Inserat.) **(Bestandene Prüsung.) Frl. Klara Reddie, welche bei der Frau Kretschmann die Schneiderei erlernte, hat vor dem Prüfungsausschuß der Handwerkskammer ihre Gesellenprüsung mit bestem Ersolge bestanden. **(Pakete an deutsche Kriegsgefangene in Frankreich) erleiden dadurch Verzögerungen, daß die französischen Eisenbahnstationen, denen die Beförderung dieser Pakete obliegt, die Aufschriften nur schwer oder gar nicht entziffern können, weil sie häusig unleserlich und mit deutschen Buchstaben geschrieben sind. Es empfiehlt sich daher, daß die Absender mindestens den Namen der BestimmungsEisenbahnstation, sofern diese bekannt ist, sonst den Bestimmungsort in der richtigen französischen Schreibweise uund in lateinischen Buchstaben groß und deutlich angeben. Ist der Aufenthaltsort des Empfängers nicht bekannt, so kann das Paket auch ohne diese Angabe abgesandt werden; aber auch dann ist möglichst deutliche Schrift und, wenn bekannt, die Angabe der„Region“ oder des Landes. teiles, wo der Empfänger sich befindet(Nord., Südfrankreich) sehr zu empfehlen. ** Wandhofen, 16. Dez.(Gemeindevertretung.) In der gestrigen unter dem Vorsitz des Herrn Amtmanns von Daniels abgehaltenen Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung wurde u. a. folgendes verhandelt und beschlossen: Die Gemeindekassenrechnung des Jahres 1913 wurde beprüst und für richtig befunden. Dieselbe schließt ab in Einnahme mit 49807,70 Mk. und Ausgabe mit 45 375,31 Mark, mithin Bestand 4432,39 Mi. Die Sparkassenzinsüberschüsse aus dem Jahre 1913 sollen zur Schuldentilgung, sowie zur Ansammlung eines Fonds für Schul. und Wegebauten verwandt werden. In der anschließenden Sitzung des Schulvorstandes wurde die vorgelegte Uebersicht über Einnahmen und Ausgaben für Schulzwecke im Jahre 1915 durchberaten und auf 7900 Mark festgesetzt. ** Westhosen, 16. Dez.(Jugendlicher Straßenräuber.) Der 10jährige Schüler Walter Hunke aus Buchholz wurde, als er von einem Botengange zum elterlichen Hause zurück. kehrte, in der Nähe von Kückshausen auf einem Waldwege von einem gleichaltrigen Knaben überfallen und mißhandelt. Darauf entriß der Täter dem Uebersallenen eine Tasche und entwendete daraus ein Portemonnaie mit einem größeren Geldbetrag, worauf er die Flucht ergriff. Die Polizei nahm die Nochsorschungen auf und ermittelte den Täter in dem Schüler Karl D. Dieser hat erst kürzlich außer anderen Straftaten in einer hiesigen Schule einen zur Aufnahme von Liebesgaben aufgestellten Kasten erbrochen uund daraus Zkgaretten usw. gestohlen. Die beste Strafe für den so früh verdorbenen Burschen wäre strenge Fürsorgeerziehung. ** Syburg, 17. Dez.(Gemeinderatssitzung.) Am gestrigen Tage fand eine Sitzung der Gemeindevertretung statt, in der die Abnahme der Gemeindekassenrechnung für 1913 erfolgte. Sie schließt ab in Einnahme mit 42459,65 Mk., in Ausgabe mit 33.077,34 Mk., mithin mit einem Bestand von 9382,31 Mk. und mit Einnahmeresten von 508,74 Mk. Erinnerungen waren nicht machen, und dem Rendanten wurde Entlastung erteilt. Die Sparkassenzinsüberschüsse aus dem Jahre 1913 sollen verwendet zur Verzinsung und Tilgung von Wegebauschulden. * Letmathe, 16. Dez.(Schrecklicher Tod.) Im nahen Nachrodt wurde heute morgen der von der Nachtschicht heimkehrende Arbeiter Hermann Lappe, Veteran von 1870=71, von einem Auto über. fahren, wobei dem Mann der Kopf vollständig zermalmt wurde. Seine mit ihm von der Arbeit heimkehrenden Kameraden waren Zeugen des schrecklichen Vorkommnisses. ** Caternberg, 16. Dez.(Mord und Selbstmordversuch.) Als der Bergmann Bistan nach Hause kam, fand er seine Frau und seinen 5jährigen Knaben mit durchschnittenem Halse tot vor. Die Tat war von einem Kostgänger begangen worden, der im Anschluß daran einen Selbstmordversuch gemacht hatte. Der Täter wurde verhaftet. Stadttheater Dortmund. Freitag, den 18. Dezember, abends 7½—10 Uhr: „Flachsmann als Erzieher“, Komödie in 3, Aufzügen von Otto Ernst. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Krass, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. 5..ng3, gute haut A.gn:.. 5784 werden in jeder Familie gebraucht. Dazu gehören: Oetker-Puddings aus Dr. Oelker’s Puddingpulvern... zu 10 Pfg.(3 Stück 25 Pfg.) Rote Grütze aus Dr. Oetker's Rote Grüßepulver...... zu 10 Pfg.(3 Stück 25 Pfg.) Mehlspeisen und Suppen aus Dr. Oetker’s Gustin in Paketen zu ¼, ½, ½ Pfund. (Nie wieder das englische Mondamin! Besser ist Dr. Oelker's Gustin.) Preis 15, 30, 60 Pg. Billig. Nahrhaft. Wohlschmeckend. Ohne Preiserhöhung in allen Geschäften zu haben. 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Nachdem nach amtstierärztlicher Feststellung die Maul= und Klauenseuche unter den Rindviehbeständen der Viedhändler Moses Sternberg und Hermann Sternheim zu Schwerte abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen, die Desinjektion vorschriftsmäßig ausgeführt und durch den Kreistierarz“ abgenommen ist, gilt die Seuche auf den erwähnten Gehöften als erloschen. Die in meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 15. November und 21. Oktober d. Is. angeordneten Schutzmaßregeln hede ich doher hiermit auf. 7753 Hörde, den 13. Dezember 1914. Der Landraf. J. B. Burgard, Regierungs=Assessor. Pesiasrmaching. Die Maul= und Klauenseuche unter dem Rindviebbestandt der Viehhändler Moses Sternberg und Hermann Sternheim zu Schwerte ist erloschen. Die zur Bekämpfung der Seuche angeordneten Schutzmaßregeln sind aufgehoben. Der an jedem Mittwoch abzuhaltende Schweinemarkt findet von jetzt ab wieder statt. 7761 Schwerte, den 16. Dezember 1914. Die Polizeiverwaltung: Kohrmann, Vekanutmachung. In Gemäßheit des§ 7 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 liegt der Bebauungsplan von dem Teile zwischen dem Rosenweg, Holzenerweg und der Fleitmannstraße wegen Abänderung vonsheute ab auf dem hiesigen Stadtbauamte(Neues Rathaus, Zimmer No. 25) zu jedermanns Einsicht offen. Einwendungen gegen die Fluchtlinienänderung sind zur Vermeidung des Ausschlusses bis zum 15. Januar. 1915 einschließlich auf dem Stadtbauamt schriftlich oder zu Protokoll anzubringen. Schwerte, den 12. Dezember 1914. n. Der Magistrat: Rohrmann 773## Sagendsund! Am Freitag nachmittag ¼ vor 6 Uhr findet in der Aula der höheren Mädchenschule die Weihnachtsteier statt. 7760 Mütter unserer Mitglieder, sowie der Vorstand des Frauenverbandes sind hiermit freundlichst eingeladen. Renume mm mmrerermmemureremgen Den geehrten Bewohnern von Schwerte und Umgegend zur gefl. Kenntnis, dass ich mit dem heutigen Tage Bahnhofstrasse 8 eine eröffne. Ich bitte darum, mein Unternehmen gütigst zu unterstützen. Frau Wanda Schicke. Viebseuchenpolizeilsche Anordnung. Jum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ft. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 Reichsgesetzblatt Seite 519 mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsidenken solgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. It. unter Rindviehbestände des Landwirts Buhrmester zu Brünnighausen. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Gehäfte Buhrmester und Buse=Brünnighausen Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehfeuchenpoltzeilichen Anordnung vom 21. Oktober ds. Is. Anwendung, die im amtlichen Kreisbkatt(Schwerter Zeitung) vom 24. Oktoder cr. Nr. 230(Beilage) enthalten 1s1. Ein Beobachkungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte 11l—VII einschließlich der genannten Anordnung dleiden mit der Maßgade besiehen, daß der erste Satz des§'3 Siffer 1 wie foigt geändert wird: In dem Amte Wellinghosen wird verdoten. Hörde, den 13. Bezember 1914. Der Landrat. 7734 J. B. 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Die Schraube * Wenn die Erde mit Diamanten bedeckt wäre, und wenn Hügel von schimmerndem Gold sich auf ihr erhöben, dann wäre ein Diamant nicht wertvoller als heute ein Kieselstein, und die ärmsten Leute hätten statt des Messings Gold. Der Mensch ist nun einmal so, sobald etwas billig geworden ist, schenkt er ihm kein Interesse mehr; es hat allen Wert für ihn verloren. Und doch gibt es tausend Dinge, an denen wir achtlos vorübergehen, und die das Resultat tiefen Nachdenkens und angestrengter Arbeit mehrerer Generationen sind, die ein kleines Kunstwerk sind, und die wir aufs empfindlichste vermissen würden, wenn wir sie plötzlich nicht mehr hätten. Nehmen wir z. B. eine gewöhnliche Schraube. Könnten wir heute noch ohne sie sein? Nein. Es gäbe dann keine Flugzeuge— denn was ist der Propeller anders als eine Schraube, die sich in die Luft hineindreht?— es gäbe keine Schraubendampfer, und gar vieles andere hätte nicht erfunden werden können, wenn nicht erst die Schraube erfunden worden wäre. Habt ihr euch jemals eine Schraube genau angesehen? Um ein zylinderförmiges Stück Stahl windet sich ein Grad aus Metall in gleich weit voneinander entfernten Spiralen. Bei einer volkkommenen Schraube müßte dieser Grad überall gleich hoch sein, und die Entfernungen ganz gleich weit. Aber bis jetzt ist es noch niemand gelungen, eine vollkommene Schraube herzustellen. Vor einigen Jahren benötigte ein amerikanischer Prosessor zur Herstellung eines Apparates eine ganz vollkommene Schraube. Er brauchte Monate, um eine solche herzustellen, die nun den Stolz der Universität bildet, an der er lehrt. Sie dient dazu, eine ganz dünne Bronzeplatte den 15 000sten Teil eines Zolls vorwärtszuschieben. Bei jeder solchen Vorwärtsbewegung wird mit der Spitze eines Diamanten eine Linie auf die Bronze gezogen, wovon 15,000 auf einen Zoll kommen. Diese Platte wird zu einem wunderbaren Apparat gebraucht, der das Sonnenlicht in eine Garbe von Regenbogenfarben zerteilt, wodurch es den Gelehrten ermöglicht werden soll, herauszufinden, woraus die Sterne bestehen. Wenn nur eine dieser Linien um den millionsten Teil eines Zolls differiert, so ist die ganze Platte wertlos und muß weggeworfen werden. Aber auch diese Schraube ist nicht ganz vollkommen. Wenn es aber auch noch nicht gelungen ist, eine ganz fehlerlose Schraube herzustellen, so spielt die gewöhnliche Schraube doch im Industrieleben der Gegenwart eine sehr große Rolle. Kein Nagel würde genügen, um die Stöße, Schläge und Erschütterungen auszuhalten, die die Maschinen ertragen müssen, die jetzt meist die menschliche Arbeit verrichten. Die Nägel würden einfach herausgeschleudert werden, aber die Schraube mit ihrer scharfen Spirale, die in das Holz oder das Metall eingreift, widersteht allen Angriffen. Denkt euch nur, wieviel Tausende von Schrauben und Schraubenmuttern den Körper eines jener Riesen der See, eines Kriegs= oder Passagierschiffes zusammenhalten! Und dazu kommen noch die ungeheuren Schrauben, die das Schiff durch das Wasser treiben! Wenn eine Schraube in Holz eingetrieben wird, dann wirkt ihre Spitze wie eine Art Meißel, der eine gewundene Höhlung in das Holz schneidet. Die Spirale sitzt dann darin fest wie mit tausend Zähnchen, und will man die Schraube mit Gewalt herausreißen, so zertrümmert man das Holz. Wird eine Schraube in Metall gedreht, so hält die Widerstandskraft des Metalls sie fest. 9 Silbenrätsel. a, ae, ei, hut, keit, li, lied, nach, ne, nei, ra, ren, so, sop, ta, ta, tel, tier, vi, volks, Aus obigen 20 Silben sollen 8 Wörter gebildet werden, deren Anfangs= und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ein Land und den, der es liebt, bezeichnen. Die Wörter bedeuten: 1. Musikstück. 2. Fabeldichter. 3. Militärschriftsteller. 4. Schlechte Eigenschaft. 5. Säugetier. 6. Gebet. 7. Schiffsart. 8. Heeresabteilung. Austösungen der Rätsel aus der vorigen„Kinderlaube“: Spruchrätsel. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. — uiime —. auh ostan ui M u n Wi se bunsghlan Amtliches Kreisblatt für den kreis börde 0 S S SSE KT#E 8 2 S. 2 5 5 sSuSgs SSEEE2 S5 SE SESESEESER S ESS3SgRE .• 3"* .„* S WEgS9EEE * 3 SE BFSn 3 E 9*• T"5„ FTS *. SSyEgeg *„•**„"*„* n an U n E." 5—* Nachttischchen stehenden Arznei in ein Glas Wasser und setzte es dem Kranken an die Lippen.„Trinken Sie das, lieber Freund, und machen Sie dann keinen Versuch mehr, sich gegen das Schlafbedürfnis zu wehren. Nach Ihrem Erwachen werden wir Zeit genug haben, über alles zu plaudern, was Ihnen am Herzen liegt.“ Werner gehorchte, und schon nach kurzer Zeit war er in der Tat wieder fest entschlummert. Als Doktor Vidal sich nach Isabella umsah, war er betroffen von dem tiefschmerzlichen Ausdruck ihres Gesichts. Tränen glänzten an ihren Wimpern, aber da sie den forschenden Blick Don Josés fühlte, tilgte sie sie hastig mit dem Taschentuch hinweg.„Sie sind erschöpft, liebes Kind,“ sagte er freundlich.„Nach all den Aufregungen dieser letzten Tage hätten Sie sich der aufreibenden Nachtwache bei unserem Freunde nicht unterziehen dürfen. Und wenn ich es nicht ernstlich bereuen soll, meine Einwilligung dazu gegeben zu haben, so müssen Sie mir jetzt gehorchen und sich in Ihr Stübchen zurückziehen. Unser Patient bedarf kaum noch einer ständigen Beaussichtigung; aber ich werde trotzdem meinen Diener herschicken, der ein zuverlässiger Bursche ist und mich sofort benachrichtigen wird, wenn mein Erfcheinen aus irgendeinem Grunde notwendig werden sollte.“ Er mochte kaum erwartet haben, daß sie sich ohne weiteres fügen würde, aber sie erhob in der Tat keinen Widerspruch und ging still hinaus. In dem kleinen freundlichen Zimmer aber, das ihr Doktor Vidal eingeräumt hatte, seitdem in Manuel del Vascos prächtigem Hause alle Türen mit großen amtlichen Siegeln verschlossen waren, sank sie kraftlos nieder und brach in ein so leidenschaftliches Weinen aus, daß ihr schöner Körper wie von wilden Fieberschauern geschüttelt wurde. 23. Kapitel. „Aber wenn ihr wirklich nichts Schlimmes widerfahren ist, warum kommt Conchita dann nicht hierher? Ich kann Ihnen nicht sagen, Doktor, wie ich mich nach ihr sehne. Ich glaube sicher, daß ich mit einemmal gesund sein würde, wenn es mir vergönnt wäre, sie nur eine Minute lang zu sehen.“ Mit diesen Worten bestürmte Rodewaldt seinen ärztlichen Freund, als er vierundzwanzig Stunden später wieder mit ihm allein war. Seine Genesung hatte in dieser kurzen Zeit die erfreulichsten Fortschritte gemacht, und er würde sich stark genug geglaubt haben, das Lager zu verlassen, wenn ihn nicht Don Josés entschiedenes Verbot davon abgehalten hätte. Isabella del Vasco hatte seit gestern das Krankenzimmer nicht mehr betreten, aber Werners erste Frage bei Doktor Vidals Eintritt hatte trotzdem nicht ihr, sondern Conchita gegolten. Es war gut, daß die künstliche Dämmerung, in der man das Gemach noch immer erhielt, ihn verhinderte, den schmerzlich verlegenen Ausdruck in den Zügen des Gefragten wahrzunehmen, als dieser ihm erwiderte: „Ich kann Ihnen nur wiederholen, liebster Freund, daß Sie keine Ursache haben, sich wegen der Sennorita Ortegas zu beunruhigen. Sie kann augenblicklich nicht zu Ihnen kommen, weil sie, wie Sie wissen, nicht die freie Herrin ihres Willens ist. Aber Sie werden sie wiedersehen, sobald die Umstände es nur irgend gestatten, und Sie würden sich schlechten Anspruch auf ihren Dank erwerben, wenn Sie durch diese zwecklose Ungeduld den Fortgang Ihrer Genesung verzögerten. Werner seufzte tief auf.„Es ist schwer, sich in Geduld zu fassen, wenn man von verzehrender Sorge erfüllt ist. Und ich brauche Ihnen wohl kein Geheimnis mehr daraus zu machen, Doktor, daß ich Conchitg liebe.“ „Freilich nicht, denn ich mußte es wohl erraten. Aber sind Sie denn nicht neugierig zu erfahren, wie Sie hierher kamen, und was sich seit dem Augenblick Ihrer Verwundung zugetragen? Um Ihnen das zu erzählen, habe ich Sie ja jetzt aufgesucht.“ „So lassen Sie mich's wissen, Don José! Ist mir's doch wirklich, als befände ich mich immer noch mitten in einem wüsten Traum, oder als wäre es ein romantisches Märchen, das ich wirklich zu durchleben glaube, während mich in Wahrheit doch nur trügerische Einbildungen täuschen.“ „Es sind keine Einbildungen, lieber Freund, aber bei uns zu Lande sieht die Wirklichkeit allerdings zuweilen märchenhaft genug aus. Und die Veränderungen, die gerade während dieser letzten Tage in jähem Wechsel aufeinander gefolgt sind, konnten selbst einem an südamerikanische Revolutionen hinlänglich gewöhnten Eingeborenen wie mir einiges Staunen erregen. Sie erinnern sich wohl, daß auf die von del Vasco erstattete Anzeige hin ein Detachement Soldaten in die Wohnung Ihres Landmannes Henninger abgeschickt worden war, um Sie zu verhaften?" Werner bejahte.„Die Sennorita Isabella war ja gekommen, mich zu warnen. Aber ich glaubte ihr nicht. Als die Kerle dann in mein Zimmer drangen, mußte ich freilich erkennen, daß sie es redlich mit mir gemeint hatte. Aber da war es zu spät, ihren Rat zu befolgen. Von dem, was dann weiter geschehen ist, habe ich nur eine sehr unbestimmte Vorstellung. Es ist mir, als müßte mich einer jener Hallunken mit seinem Gewehr niedergeschlagen haben.“ „Und so war es in der Tat. Sie würden der Wut der Soldaten auch ohne Zweifel zum Opfer gefallen sein, wenn Ihnen nicht diese kleine Teufelin, Sennorita Isabella, und ein glücklicher Zufall zu Hilfe gekommen wären. Das junge Mädchen hatte nämlich im Augenblick der höchsten Not einen für alle Fälle mitgebrachten Revolver gezogen und auf Ihre Angreifer zu feuern begonnen. Zwar hatte sie allem Anschein nach keinen von ihnen getrossen, aber sie hat doch bewirkt, daß die Kerle zunächst von Ihnen abließen, und die damit gewonnene Zeit reichte hin, Sie zu retten. Denn ein großer Trupp von Aufständischen drang eben in die Straße ein, eine geschlagene Militärabteilung vor sich hertreibend, und die zu Ihrer Verhaftung ausgesandten Soldaten waren sich der Gefahr kaum bewußt geworden, in der sie selbst schwebten, als sie auch schon allesamt ihr Heil in schleuniger Flucht suchten. So waren Sie wie durch ein Wunder abermals dem Tode entgangen. Es gelang der mutigen jungen Dame trotz des an vielen Stellen tobenden Straßenkampfes, meine Wohnung zu erreichen, und ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, wie sehr ich mich beeilte, ihrem Rufe Folge zu leisten und zu Ihnen zu eilen. Mein Wagen hatte angespannt im Hofe gestanden, und die Aufständischen wie die Regierungstruppen hatten Achtung genug vor meinem ärztlichen Beruf, mich überall ungehindert passieren zu lassen. Ich fand Sie in tiefer Bewußtlosigkeit und mit einer Kopfwunde, die ich selbst im ersten Moment für recht bedenklich hielt. In dem Hause Ihres verdächtigen Freundes durfte ich Sie natürlich nicht lassen, so nahm ich Sie gleich mit. Senorita. Isabella verdanken Sie Ihr Leben. Vielleicht erwartet sie dafür keinen anderen Lohn, als ein wenig freundlich von Ihnen behandelt zu werden. Den aber sollten Sie ihr um so weniger vorenthalten, als sie sich augenblicklich in einer recht beklagenswerten Lage befindet. Ihre Eltern sitzen unter der Anschuldigung des Hochverrats im Gefängnis, und Sie haben ja nun Gelegenheit gehabt, an sich selbst zu erfahren, was zu gewissen Zeiten in Argentinien eine solche Anschuldigung bedeutet.“ (Fortsetzung folgt.) eauu Sbigputursch u ds * 5 * 2 " 9 S S..* E S SSES n n. 5 K„ = SPge E E S SOEMSSE er S8 5 B a S Ra S. S. S S SS, SSe’s E**• S# W * 0 S SÖMRRSESGER Denkspruch. Laß die Wince stürmen auf des Lebens Bahn, Ob sie Wogen türmen gegen deinen Kahn. Schiffe ruhig weiter, wenn der Mast auch bricht, Gon ist dein Begleiter, er vergißt dich nicht. Cledge. Modernes Empfinden. . Von M. A. von Markovics. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) Leon Baron Wallerhof, ihr Cousin, der von mehrjährigen Reisen kürzlich aus Indien heimgekehrt, schlug in dem Buche das Kapitel auf, in welchem die Weiber in der Waschküche sich prügeln. „Ich teile mit Ihnen die Achtung vor der Kunst des Autors, mit der er mehr als drastische Szenen urwüchsig darstellt und sich von keiner Rücksicht auf Sitte und Kritik abhalten läßt, ein Haar breit vom Pfade des Naturalismus abzuweichen. Dennoch wette ich Hundert gegen Eins— sagen wir, Ihre angefangene Tapisserie gegen das Fell des Panthers, den ich im vorigen Herbst geschossen— Sie, die Sie in heller Begeisterung sich für solch drastische Szenen inflammieren, das heißt, beim Lesen— Sie, Cousine, würden die verpestete, miasmengeschwängerte Luft einer Schnapsschänke und die Roheit und die Brutalität ihrer Besucher, ja nicht einmal den Anblick einer Stätte des Elends, etwa eines Massenquartiers, auch nur eine Stunde ertragen!“ Der Zweifel an der Stärke ihrer Nerven schien Frau von Dahlen zu reizen. Ueberhaupt frappierte sie der Gedanke, jemals in die Hefe des Volkslebens hinabzusteigen. „Das käme auf einen Versuch an,“ sagte sie in Gedanken verloren.„Ich würde jedenfalls vor demselben nicht zurückschrecken! Ich sehne mich immer nach dem, was ich nicht tun und nicht haben kann.“ Wallerhof lächelte. „Wie die Malayen, welche das Krokodil anbeten, weil, wie sie äußerst scharfsinnig und logisch sagen, ein Krokodil einen Menschen, aber der Mensch kein Krokodil verschlingen kann!“ Auch Hermance mußte lachen. „Sie sind ein Spötter! Gesetzt, ich nähme die Wette an, und wäre es auch nur das Vergnügen der Angst. von dem Krokodil gefressen zu werden?“ „Dann, Hermance, sollen Sie durch mich— ich habe oft dergleichen Studien gemacht— ein Stück Naturalismus kennen lernen. Aber wenn Ihnen beim Schauen der Atem vergeht, wenn Sie schaudernd selbst rusen werden:„Wie abscheulich! Mich ekelt vor solch moralischem Schmutz!“— dann, Hermance, müssen Sie mir eingestehen, daß Sie sich getäuscht, daß die Welt eines gewissen Idealismus nicht entbehren kann, nicht entbehren darf, daß ich Ihr treuester, bester Freund, den nach Ihrem Reichtum nicht gelüstet— dann werde ich mit den tausenden, bunten Seidenstichen Ihrer Tapisserie allein vielleicht nicht zufrieden sein, sondern als Preis diese kleine Hand——“ „Wir sind noch nicht soweit, mein Herr!“ meinte Frau von Dahlen und bot ihm eine Schale Eis, die der Diener soeben servierte.—— Einige Tage später. Das Wetter hatte umgeschlagen, der Regen sickerte fein, aber alles durchdringend, seit vierundzwanzig Stunden hernieder. Dazu pfiff der Wind hohl aus Nordost. Von den Türmen, deren Spitzen in grauem Nebel verschwanden, schlug es neun Uhr. In einer der schmutzigsten Vorstadtgassen, die zum Bahnhofe führt, leitete ein Mann ein Weib die Stufen eines Kellers hinunter, aus dem die Töne einer Ziehharmonika, das Schreien mehrerer kleiner Kinder und die Stimmen zweier streitenden Weiber heraufklangen. Der Mann trug eine defekte Arbeiterbluse, über die er einen abgeschabten Rock gehängt hatte, die Mütze schief auf dem Ohr— das Weib sah etwas reinlicher aus in ihren geflickten Gewändern. Ueber die Brust hatte es ein großes Tuch kreuzweise gebunden, es die Hände unter der Schürze und hatte ein verschossenes schwarzes Halstuch um den Kopf gewickelt und tief ins Gesicht gezogen. Das Paar konnte nicht gleich die halbdunkle Kellertreppe hinunter. Am Ende derselben half ein elf= bis zwölfjähriger Knabe einem alten, blinden Mann über die letzten Stufen hinab. „So= noch vier— noch drei Stufen, Herr Lohmann,“ sagte der Junge, der lahm war, aber trotz seiner Krücke und des sehr gekürzten Beines agil wie ein Wiesel,„so jetzt gehe ich wieder'rauf und hole Brot und saure Gurken!“ Damit ließ der Junge den Alten los und humpelte rasch wieder die Treppe hinauf. Der Blinde tappte sich vorwärts. Unser Paar folgte ihm über Latten, Gerümpel und Melonenschalen hinweg zu einem Raum, der durch eine trüb brennende, große Petroleumlampe erhellt wurde, deren Zylinder halb schwarz war. Der Geruch von verfaulten Speiseresten, Schmutz und Unrat und einer zusammengepferchten Menge Leute, die dort jede Nacht Unterkunft suchten, erfüllte den Keller, der nur zwei Luken, die auf die Gasse führten, an der Decke hatte. . Ein dickes Weib, das man„Mutter Therese“ nannte, wischte sich mit fettglänzender Schürze das Gesicht und kam dem Paare entgegen, indem es die Hand aufhielt. Der Blusenmann legte zwei kleine Silberstücke hinein und wies auf seine Begleiterin: „Das ist meine Schwester— die Kathrine! Sie ist etwas marode— gebt ihr einen Extrastrohsack, sie ist etwas Besseres gewöhnt!“ Die Wirtin der Herberge zeigte Miene, besagter Kathrine unter das schützende Tuch zu blicken.„Für Zierpuppen ist hier kein Platz,“ sagte sie höhnisch, grinste aber, als der Blusenmann ihr ein drittes Geldstück zusteckte.„Na— da drüben, neben der kleinen Else, da kann sie liegen—,“ damit ging sie nun, aus einem hölzernen Verschlage einen Sack, gefüllt mit Kukuruzlaub, herauszuzerren. Unterdessen sah sich„Kathrine“ im Keller um. (Schluß folgt.] 2 Sie wundern sich. Ein paar Jungen standen auf der Straße und beobachteten ein Pferd, das vor einem herankommenden Auto scheute. „Wie kommt es nur,“ sagte der eine,„daß die Pferde eine solche Antipathie gegen Autos haben?“ „Das kommt daher," versetzte der andere,„Pferde sind daran gewöhnt, zu sehen, daß andere Pferde Wagen ziehen, und sie können nicht begreifen, wie es möglich ist, daß Wagen ohne Pferde durch die Straßen eilen. Das erschreckt sie. Dir würde es ebenso gehen, wenn du ein Paar Beinkleider ohne Beine drin die Straße herunterkommen sähest. Dann würdest du dich auch wundern wie die Pferde und würdest über das merkwürdige Ding erschterken.“