De Shunim Zeihug aichcnt dalch) auber Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfo. mehr. Wöchentl. Gralisbeilage:„Iülustrierter Familienfreund“ u. tägl. Unterbaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Plg., Anzeigen von auzwärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Radatt gilt als Kassarabatt u. erlischl bei Konkursen, Zwangsoergleichen, gerichtl. Klagen u. Aicztbeachung d gemach. Jahzungsbesingung. Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Hpierbecker Zeilung Schwerter Volkszeltung Schwerter Tageblatt O Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis börde o Haupt-Annoncenblaft Alg dune, und Abhalgnltgüichen Nenod nungen für den Kreis Hörde erlangen gemas Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Verössentlichung in der„Schwerter Zeitung“, rechtsoerbindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt idren Adonnesten für jeden mit Tod endenden Unsoll gediagungen: 300 Mk. Unfall. Druck u. Verlag o. Cor Braus. Schwerie=Rudr Honig La.- Sdent Abe Boous StaneAee Nr. 265. Mittwoch, den 11. November 1914. 46. Jahrgang. Srsolgreichs Klamzse ni Flandert!. „ Ein Kaiserhri Die islamitische Welt. Der Islam zählt in Europa, Asien und Afrika rund 250 Millionen Bekenner, stellt also einen recht erheblichen Prozentsatz der Gesamtbevölkerung unserer Erde dar. Wenn Rußland auf sein unerschöpfliches Menschenmaterial pocht, so verdient doch darauf hingewiesen zu werden, daß der Zar einschließlich der entferntesten asiatischen Vasallenstaaten nur über 166 Millionen Köpfe gebietet, während der Padischah, d. h. der türkische Sultan, das Oberhaupt von rund 250 Millionen ist. Die 75 Sekten, die man im Islam unterscheidet, trennen sich nur in unwesentlichen äußerlichen Fragen, in den religiösen Kernfragen sowie in der Anerkennung des Padischah als ihres Oberherrn sind sie einig. In Aegypten und in den übrigen früher der Türkei gehörigen Staaten Nordafrikas Es geht langsam voran! Großes Hauptquartier, 10. November. Unsere Angriffe bei Ypres schritten auch gestern langsam vorwärts. Ueber 500 Franzosen, Farbige und Engländer wurden gefangen und mehrere Maschinengewehre erbeutet. Auch weiter südlich arbeiteten sich unsere Truxpen vorwärts. Heftige Gegenangrifse der Engländer wurden zurückgewiesen. Im Argonner=Wald machten wir Fortschritte. Feindliche Vorstöße wurden leicht abgewehrt. In Russisch=Polen bei Konin sprengte unsere Kavallerie ein russisches Bataillon, nahm 500 Mann gefangen und eroberte acht Maschinengewehre. Ipern steht in Flammen! Inleben gegen 100 Millionen Mohammedaner, in dien, das eine Gesamtbevölkerung von 316 Milslionen hat, gegen 60, in Persien und Afghanistan etwa 12 Millionen. Im europäischen Rußland über zehn Millionen Mohammedaner. Das türkische Reich in Europa und Asien zählt 16,5 Millionen Seelen, in China wohnen mehr als 20 Millionen Bekenner des Islams. Nimmt man die Gesamtbevölkerung der Erde auf 1700 Millionen Menschen, an, so entfallen davon auf Mohammedaner etwa 14 Prozent. Der Begründer des Islam, Mohammed, wurde um das Jahr 570 in Mekka geboren, heiratete als 25jähriger eine reiche Kaufmannswitwe, in derem Dienste der früh Verwaiste bis dahin gestanden hatte, gewann damit eine unabhängige Lebensstellung und sann religiösen Problemen nach, um im 42. Lebensjahre als Religionslehrer aufzutreten. Nach zehnjähriger Tätigkeit hatte Mohammed erst einige 70 Anhänger gewonnen, zu denen er, da ihm das Leben dort zu sauer gemacht wurde, aus Mekka nach Medina auswanderte. Diese Auswanderung oder Hedschra, die am 16. Juli 622 erfolgte, bildet den Beginn der mohammedanischen Zeitrechnung. In Medina stellte sich Mohammed an die Spitze einer kriegerischen Gemeinde und hatte zahlreiche Kämpfe mit den ihm feindlichen Mekkaleuten zu bestehen, wobei er mehrmals siegte, einmal aber auch die Eroberung Medinas mitansehen mußte und selber im Kampf verwundet wurde. Als seine Gemeinde auf 10 000 Gläubige angewachsen war, eroberte er Mekka und unternahm dorthin eine Pilgerfahrt, die für alle späteren Pilgerzüge nach dem den Mohammedanern heiligen Mekka vorbildlich geworden ist. Die Erfüllung des Wunsches, die Byzantiner seiner Lehre durch einen Kriegszug zu unterwerfen, erlebte Mohammed nicht mehr, er starb am 8. Juni 632. Arabischer Fanatismus und Beutesucht breiteten die neue Lehre schnell über West= und Zentralasien, über Afrika und das Türkenreich aus. Der Islam, die„Ergebung“ in Gott, wie der Mohammedaner selber ihre Religion nennen, kennt keine Reformen, sondern hat sich heute noch die ihm vom Propheton gegebene Gestalt unverändert erhalten. Von besonderer Wichtigkeit ist es, daß die Lehre einen Unterschied zwischen Staat und Kirche nicht kennt, vielmehr eine Gottesherrschaft festsetzt. Der Koran, die Bibel des Mohammedaners, regelt nicht nur die kirchliche, sondern auch alle Staats=, Schul., Justizfragen usw. Der Padischah oder Großherr von Konstantinopel ist als Kalif der Oberherr aller Gläubigen, ob diese nun in Indien, Angypten oder in politisch zu Rußland gehörigen Gebieten wohnen. Kein Mohammedaner kennt das anders. Und gerade die Tatsache ist es, die die Möglichkeit einer einheitlichen islamitischen Bewegung mit gewaltigsten Wirkungen bietet, Christiania, 11. Nov. Aus London wird dem„Morgenbladet" telegraphiert: Nach hier eingetrofsenen Meldungen gehen große Mengen frischer Verstärkungen von neuen Truppen aus Deutschland nach Belgien. Die Angriffe zwischen Ppern und Arras dauern an. Ypern steht in Flammen. Amsterdam, 11. Nov. Der Korrespondent des„Telegraaf“, in Sluys meldet folgendes über den Kampf in Westflandern. Sonntag abend sind wieder frische Truppen der Deutschen nach der Front zwischen Ypern und Dixmuiden gezogen. Eine baldige Entscheidung kann man dort noch nicht erwarten. Sehr hartnäckig wird gekämpft bei Bixschoote und Wytschate. Die Deutschen sollen in diesen Gefechten erst Terrain gewonnen, aber später infolge nächtlicher Angriffe das eroberte Gebiet wieder verloren haben. Am Vserfluß begibt sich wenig Neues. Der Kampf hat dort den heftigen Charakter verloren. Vom Pserfluß sind Truppen nach Brügge zurückgekehrt, aber nicht viele. Nördlich Brügge wurden von deutschen Geniesoldaten die Brücken gesprengt. Dadurch wird der Verkehr zwischen Seeländisch. und Belgisch=Flandern unmöglich gemacht. und englische Flieger klären immer noch die Gegend auf. Die Gerüchte über angebliche Entmutigung der deutschen Soldaten sind unrichtig. Die Liebe zu ihrem Vaterlande treibt sie, wahre Todesverachtung zu zeigen. Nord= und Mittelflaudern wird immer mehr ein großes Hospital und der Süden ein Friedhof. Rotterdam, 11. Nov. Am Sonntag wü. tete im Osten von Opern sowie zwischen Arras und Lille die Schlacht in verstärktem Maße. Die deutschen Truppen haben in den Kämpfen bei Ypern Erfolge errungen. Die Stadt Opern wird von der deutschen Artillerie beherrscht. Allgemein ist man hier der Ansicht, daß im Laufe dieser Woche eine für die Deutschen günstige Entscheidung in den Kämpfen an der Nordsee fallen wird. Flacht der Iioilbebomelung aus Nach Mailänder Blättern wurde Verdun oft von deutschen Fliegern besucht, die Bomben warfen. Die Einwohnerzahl von Verdun wuchs von Tag zu Tag, je näher die Deutschen heranrückten, bis der Besehr kam, Verdun zu räumen. Ein Eisenbahnzug mit 2000 Flüchtlingen entging nur durch Zufall dem Bombardement der Deutschen. Eine unglaubliche Panik spielte sich auf dem Bahnhofe bei dem Ansturm auf den Zug ab. Bulgarisches Ultimatum an Serbien? Konstantinopel, 10. Nov. Der„Osmanische Lloyd“ meldet: Die bulgarische Regierung hat ihren Gesandten in Nisch angewiesen, der serbischen Regierung folgende Forderungen vorzulegen: 1. Serbien entläßt sofort die aus Mazedonien stammenden bulgarischen Soldaten, 2. Die Regierung bestraft sofort jene Serben, die den nach Strumitza entsandten bulgarischen Abgeordneten Georgiew ermordeten. 3. Die serbische Regierung trifft geeignete Maßnahmen, um das Treiben der serbischen Behörden in Mazedonien unmöglich zu machen. 4. Die bereits gewählte bulgarisch=serbische Kommission beginnt in dem Bezirk Gewgheli und Istip sofort ihre Tätigkeit. Ein bebeniender Ersdig de Wers. Rotterdam, 11. Nov. Der berühmte Burengeneral Christian de Wet zersprengte eine Abteilung Regierungstruppen unter dem Befehl des Volksratsmitgliedes Cronje. Amtlich wird dazu von Reuter aus Prätoria gemeldet: Cronje berichtet, daß er vorgestern früh mit einer Regierungsabteilung Winburg inmitten des Oranjefreistaates verließ. Nachdem er Befehl erhalten hatte, sich mit anderen Abteilungen in der Nähe zu vereinigen, griff de Wet mit 2000 Mann Cronje bei der Brücke über den Zandfluß an. Das Ergebnis des Gefechts war, daß Cronje 20 Gefangene machte, 10 Leute de Wets tötete und 11 Verwundete. Cronje hatte drei Tote und sechs Verwundete. Ein Sohn de Wets soll gefallen sein. de Wet zog aber Verstärkungen heran, stürmte die Stellung Cronjes, entsetzte die Gefangenen und eroberte Cronjes Troß. Die Regierungsabteilungen sammeln sich wieder und die Regierung entsandte bedeutende Verstärkungen. Ein Kaiserbrief. Mit dem bisher unveröffentlicht gebliebenen Brief des deutschen Kaisers an den damaligen Ersten Lord der englischen Admiralität Tweedmouth vom Februar 1908 beschäftigen sich die Londoner „Times“, die im März des genannten Jahres behauptet hatten, der Kaiser habe mit seinem Briefe den Versuch gemacht, den für die englische Seegeltung verantwortlichen Beamten im deutschen Interesse zu beeinflussen. Diese Behauptung gab damals, wie erinnerlich, im deutschen u. im engl. Parlament Anlaß zu lebhaften Auseinandersetzungen und führte zu der bekannten Fahrt des damaligen Reichskanzlers Fürsten Bülow zum Kaiser nach Potsdam. Jetzt veröffentlicht das genannte Londoner Blatt den Wortlaut des Kaiserbriefes, um ihn mit bodenlosen Gehässigkeiten zu begleiten. Das Londoner Lügenblatt verdreht mit seinem nichtswürdigen Kommentar die schlichte Wahrheit in ihr volles Gegenteil. Der Kaiser nahm in seinem Briefe nach einem der„Köln. Ztg.“ zugegangenen Bericht lediglich die englische Preßpolemik über das deutsche Flottengesetz, das als„deutsche Gefahr“ und eine „deutsche Herausforderung der britischen Vorherrschaft zur See“ bezeichnet wurde, zum Anlaß, um dem Admiral seine eigenen Ansichten darüber vorzutragen und der schlechten Wirkung derartiger Schlagworte zu begegnen. Der Kaiser bezeichnete die der Flottenvorlage zugeschriebene Absicht als völlig unsinnig und unwahr und betonte, daß das Gesetz vom Reichstag genehmigt und zehn Jahre früher veröffentlicht wurde, überdies bei jedem Buchhändler zu kaufen sei. Es sei keine Ueberraschung, kein Geheimnis und keine Hinterlist darin.„Unser jetziges in der Ausführung begriffenes Programm“, sagte der Kaiser,„ist praktisch nur ein Austausch alten Materials gegen neues, aber keine Vermehrung der Zahl der Einheiten, die ursprünglich vor zehn Jahren in dem Gesetz vorgesehen waren". Der Monarch fügte hinzu, England könne soviel Schiffe bauen, als es zu seiner Sicherheit für nötig halte, das würde niemanden beunruhigen, aber es sollte nicht jeden neuen Schiffsbau mit deutschen Rüstungen begründen. Der Monarch schloß humoristisch mit dem Wort des englischen Admirals Fisher: Wenn Eva nicht ständig ihr Auge auf den Apfel gerichtet hätte, so hätte sie ihn nicht gegessen, und wir wären dann nicht dazu verdammt, Kleider zu tragen. Belgiens Bruch des Völkerrechis. Der Krieg hat in seinem ganzen Verlauf gezeigt, wie wenig unsere Gegner das Völkerrecht achten. Und in den meisten Fällen nehmen sie sich nicht einmal die Mühe, ihr Vergehen zu entschuldigen. Sie begnügen sich damit, einfach ihre Schuld zu leugnen, wenn sie ihnen vorgehalten wird, und dasselbe, was man ihnen zur Last legt, von den Deutschen zu behaupten. Nicht immer gelingt es, die Völkerrechtsbrüche der Feinde aktenmäßig nachzuweisen. Umso dankbarer müssen wir dem Geschick sein, wenn es uns ein unzweifelhaftes Dokument in die Hand spielt, das aktenmäßig feststellt, daß den belgischen Soldaten die schwerste Greueltat, der Parlamentärmord direkt befohlen wurde. Das auch in anderer Beziehung wichtige Dokument wurde in der Redoute„du schemin de fer“ von Antwerpen aufgefunden und hat folgenden Wortlaut: „Befestigte Stellung von Antwerpen. Dritter Abschnitt. Generalstab. Düfsel, 28. Sept. 1914. An die Abschnittskommandanten für die Forts- u. Redouten=Kommandanten. 1. Jedes Fort oder jede Redoute bleibt ein brauchbarer Stützpunkt, um einen Sturm auszu halten, selbst im Fall, wenn zerstört wurden: a. Panzerungen, die Geschütze für Nah= und Fernkampfdecken, b. Ueberführungskasematten, c. Flankierungsanlagen. 2. Jeder Fort= u. Redoutenkommandant, der das Werk aufgibt, das er befehligt, oder, der sein Werk verläßt, wird mit dem Tode bestraft. 3. Jeder Offizier, Unterofsizier, Corporal oder Soldat, der sein Fort oder seine Redoute verläßt, wird mit dem Tode bestraft. 4. Es ist ausdrücklich jedem, der ein ständiges Festungswerk besetzt hält, verboten, in Verhandlungen mit feindlichen Parlamentären einzutreten. Es wird ohne Ausnahme auf jeden feindlichen Parlamentär Feuer gegeben, der sich irgend einem Punkte der Amwallung des ständigen Festungswerkes nähert. Generalleutnant und Kommandant Deguise.“ Der fürhische Krieg. Der heilige Krieg! TU. Konstantinopel, 10. Novbr. Es wird ein Fetwah(religiöses Gebot) für alle Mohammedaner beraten, wonach alle Mohammedaner, die in den Armeen Rußlands, Englands u. Frankreichs gegen die Türkei und gegen die ihr zur Seite stehenden Heere kämpfen, nicht als Krieger, sondern als Mörder angesehen werden. Auf Grund dieses Fetwahs wird zweifellos der Heilige Krieg erklärt werden. Die Türkei im Kampfe gegen England. WTB Athen, 10. Nov.„Agence d'Athenes“ meldet: Zwei englische Torpedobootszerstörer haben die Telegraphenstationen Sarmussakel und Ajasmamd beschossen. Die Türken räumten Moskhonissia. Ein kleiner griechischer Dampfer unter englischer Flagge wurde von den Türken bei Aivali in Grund gebohrt. Die Griechen in Smyrna flohen, nachdem dort eine Panit ausgebrochen war, nach Vurla. Ein englischer Torpedobootszerstörer begab sich nach Aivali, um den englischen Konsul an Bord zu nehmen. Die türkischen Behörden lehnten es ab, ihn frei zu machen. Die Operationen gegen Aygypten. Athen, 11. Nov. Aus bester Quelle wird bestätigt, daß die Operationen der Türken in Aegypten fortschreiten, In Syrien soll sich lebhafte militärische Tätigkeit entwickeln. Ueber die Stimmung in Aegypten gibt der Brief eines Bewohners von Kairo an einen Berliner Freund beachtenswerten Ausschluß. Der Brief teilt mit, daß die vornehmen Aegypter Kairos und Alexandriens von den Engländern verhaftet wurden, die Frauen und Kinder der Verhafteten dürfen das Haus nicht verlassen. Einer der zahllosen Spione Englands darf nur eine Persönlichkeit als verdächtig denunzieren, und schon erfolgt deren Verhaftung. Gleich der Bevölkerung Aegyptens ist auch die Indiens zur Erhebung bereit und wartet nur auf den Wink Deutschlands. Hinzuzufügen wäre noch, daß auch die mohamedanischen Marokkaner eine immer drohendere Haltung annehmen. Eine Erhebung von beispielloser Ausdehnung insonderheit gegen England, weiterhin aber auch gegen Rußland und Frankreich ist in greifbare Nähe gerückt. Eine Verletzung des Völkerrechts durch die Russen. WTB. Konstantinopel, 10. Nov.(Nicht amtlich.) Der griechische Metropolitan von Zonguldak richtete an den Minister des Inneren folgendes Telegramm: Während des vorgestrigen Bombar= dements haben die Russen unter Verletzung des Völkerrechts auf die griechische Kirche und griechische Schule geschossen, obgleich darauf die RoteKreuz=Flagge wehte. Der Metropolitan verwünscht in seinem und der griechischen Nation Namen dieses Vorgehen der Russen und gibt der Dankbarkeit für die Ortsbehörden Ausdruck, weil es währeng des Bombardements nicht zu dem geringsten Zwischenfall kam und in der Stadt strengste Ordnung herrschte. Ein niederträchtiges Doppelspiel der russischen Diplomatie. Das Blatt„Dnewuik“ in Sosia veröffentlicht einen aufseheneregenden Artikel über die Doppelzüngigkeit der russischen Diplomatie in Bukarest und Sosia. Als der russische Gesandte in Sofia, Sawinski, Bulgarien das Angebot machte, den Balkaubung ohne Rumänien wieder zu erneuern und als Preis dasür Bulgarien die Rückgabe eines Teiles der Dobrudscha versprach, machte der russische Gesandte in Bukarest die rumänische Regierung darauf aufmerksam, daß Bulgarien militärische Vorbereitungen treffe und Rumänien anzugreisen beabsichtige, um den im Bukarester Frieden abgetretenen Dobrudschastreifen zurückzugewinnen. Nun ist es klar, fügt das Blatt hinzu, daß Rußland daran liegt, die Balkanvölker auseinander zu hetzen, damit sie sich schwächen und der russische Einfluß auf dem Balkan gesichert wird. Wir werden wissen, was wir zu tun haben. China mobilisiert! Mailand, 10. Nov. Lombardia meldet: China hat die allgemeine Mobilisierung angeordnet. Die Konsulate der chinesischen Republik in Italien geben bereits allgemeine Einberufungsbefehle an die chinesischen Staatsangehörigen aus. Der Krieg gegen England. Ein Armeebefehl des Kronprinzen Rupprecht. München, 11. November. Der Führer der 6. Armee, Kronprinz Rupprecht von Bayern, hat einen neuen Armeebefehl erlassen, in dem es heißt: Es gilt jetzt, in dem Kampfe mit unserm verhaßbesten Feind nicht zu erlahmen und seinen Hochmut endgültig zu brechen. Schon wird er mürbe, schon haben sich zahlreiche Ofsiziere und Mannschaften freiwillig ergeben, aber die größte, entscheidende Schlacht steht noch bevor. Ihr müßt darum aushalten bis ans Ende. Der Feind muß herunter! Ihr müßt ausdauern und ihn nicht aus den Zähnen lassen, wir müssen, wollen und werden siegen.“ Soldatenmangel in England. Die Schaffung der englischen Armee ist augenscheinlich im Stocken. Die ganze englische Presse ist voll davon. Sie nennt nur selten Ziffern, einige davon können wir unten geben— aber im allgemeinen schaut aus den Spalten heraus, daß etwa: nicht in Ordnung ist. Es wird behauptet, daß etwa 4000 bis 5000 täglich im günstigsten Falle noch angeworben werden. Es scheint uns das aber nicht glaubhaft; denn bei dem südafrikanischen Kriege bekam man schließlich mit Mühe und Not 400 000 Mann zusammen und jetzt sucht man 1 200 000. Man muß aber auch noch bedenken, daß täglich etwa 1000 bis 2000 Engländer außer Gefecht gesetzt wer. den. Wir haben aus den englischen Nachrichten heraus das Gefühl, daß höchstens 3000 täglich registriert werden und daß der Ueberschuß über die Abgänge hinaus täglich nicht höher ist als etwa 2000 Mann. Englische Furcht vor Landungsversuchen. Amsterdam, 10. Nov. Eine Reihe von An. zeichen spricht dafür, daß man in England die Möglichkeit einer deutschen Landung nach dem Seegesecht von Yarmouth ernst zu nehmen beginnt. Die englische Presse weist die Bevölkerung mit bemerkenswertem Nachdruck darauf hin, daß ein Teil Großbritanniens möglicherweise nicht von den Schrecken des Krieges verschont bleiben wird. Der Marinemitarbeiter des„Daily Telegraph“ untersucht die Frage in einem längeren Aussatz und bereitet die Bevölkerung der Ostküste Englands darauf vor, daß auch sie unter dem Kriege zu leiden haben werde. Es sei möglich, daß die Deutschen zur Beunruhigung Englands den Versuch machen würden, an der englischen Küste zu landen. Ueber die nervöse Stimmung in London berichtet ein Korrespondent der„Frkf. Ztg.“, der am 5. November von England nach der belgischen Küste reiste. Er schreibt: Es geht ein Fieber von Nervosität durch London. Der„Standart“ meldete gestern, es sei in einem Straßburger Krankenhaus ein geheimnisvoller Verwundeter eingeliefert worden; heute sei dieser gestorben. Trotz der Heimlichkeit, mit der man in Straßburg alles umgab, was diesen Verwundeten betraf, habe man erfahren, daß es der deutsche Kronprinz war.(!) Die englischen Blätter melden jeden Tag große englische Siege an der Küste Belgiens. Das türkische Vorgehen hat in London einen Ausbzuch höchster Wut hervorgerufen. Es gibt nur eine Stimme darüber:„Wir müssen die Türkei züchtigen.“ Das Erscheinen der deutschen Flotte vor Yarmouth wurde am ersten Tag amtlich ohne Ortsnennung mitgeteilt. Privatnachrichten nannten erst am folgenden Tage Yarmouth. Das Ereignis wurde überall aufgeregt besprochen. Die Presse behandelte in ausführlichen Besprechungen das Ereignis wie etwas ganz Unglaubliches. Die Frage, wie es möglich war, daß der Feind bis an die englische Küste herankam, kehrte in allen Bemerkungen wieder. Die„Pall Mal Gazette“ nimmt zur Erklärung den berühmt gewordenen vierten Schornstein der„Emden“ zur Hilfe. Aufforderung zum Protest. Amsterdam, 10. Nov. Das„Utrechter Dagblatt“ veröffentlicht einen Artikel des Professors de Leuter, in dem dieser schreibt: Die englische Erklärung der Nordsee als militärisches Gebiet widerspricht dem Grundprinzip der Freiheit der offenen See, sowie der Nordsecerklärung der Mächte vom 24. April 1898. Die Maßregel ist beispiellos. Sie trifft den neutralen Handel ins Herz, insbesondere den der Niederlande, Dänemarks und Norwegens, aber auch den der amerikanischen Staaten. Der Verfasser fragt, ob nicht die neutralen Staaten sich zu einem nachdrücklichen Protest vereinigen und die Vereinigten Staaten nicht die Rolle eines Beschützers der Neutralen übernehmen wollen. Vom Seesieg an der chilenischen Küste. An der pazifischen Küste, in Punta Carranzia, ringt das Wrack eines großen Kriegsschiffes im Todeskampf mit den Wellen. Es ist kein Zweifel. daß es sich um den englischen Panzerkreuzer„Good Hoope“ handelt, der auf der Flucht vor den deutschen Kreuzern in sinkendem Zustande am User ausgelaufen ist. Ueber das Schicksal der Besatzung ist man noch im Ungewissen, sodaß mit der Wahrscheinlichkeit gerechnet werden muß, daß die englische Marine weitere große Verluste an Seeleuten erlitten hat. Vizeadmiral Graf Spee, der Führer des deutschen Geschwaders, dessen Umsicht und Energie dieser Sieg zu danken ist, hat vom Kaiser das E'serne Kreuz erster und zweiter Klasse erhalten, auch eine Anzahl Offiziere und Mannschaften erhielten das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Der Krieg gegen Frankreich. Paris als offene Stadt. Genf, 10. Novbr. Nach Nachrichten des„Courriere“ aus Bordeaux soll die französische Regierung beschlossen haben, falls mit einem vorübergehenden Vorrücken der Deutschen auf Paris im Laufe des Feldzuges zu rechnen sein sollte, Paris zur offenen Stadt zu erklären und nur den äußeren Festungsgürtel zu verteidigen. Die geänderte Haltung der Regierung ergebe sich auch aus dem Verbleiben der sozialistischen Mitglieder im Ministerium, das von der Bedingung, die Einwohner von Paris vor den Schrecken einer nutzlosen Verteidigung zu bewahren, abhängig gemacht worden sei. Trübe Stimmung bei den Verbündeten. Berlin, 10. Novbr. Der militärische Mitarbeiter der„Times“ bespricht die kritische Lage der Verbündeten in Belgien und Nordfrankreich und ist in seinen Darlegungen wenig zuversichtlich.— Holländischen Berichten zufolge haben die deutschen Truppen in den letzten Tagen eine Neihe von Ortschaften von Nordbelgien besetzt. Selbst eine amtliche Note aus Vordeaux verbreitet, wie der„Deutschen Tageszeitung“ aus Genf gemeldet wird, das Ammenmärchen, die Deutschen hätten ein Bataillon als Bauernweiber verkleidet, um näher an die französischen Schanzgräben heranzukommen. Geheimnis von Thalberg. Roman von F. Kuntschner. 4 Plötzlich durchschrillte ein Schrei das ganze Häuschen und, als er erschrocken hinauseilen wollte, stieß jemand wild seine Tür auf. „Josef. um des Heilands willen, die Mutter—“ zitternd, kalkweiß bis in die Lippen, stand Hedwig da. „Meine Mutter, was ist es mit ihr?“ Eine Sekunde später kniete Josef neben der Leiche seiner entschlummerten greisen Mutter, über deren stilles, von einem überirdischen Lächeln verklärtes Antlitz goldene Sonnenlichter huschten— wie himmlische Sendboten und ehrfurchtsvoll küßte der Sohn die Hände der Entschlafenen; diese treuen sorgenden, nimmermüden Mutterhände. „Mutter, arme, liebe Mutter,"schluchzte Hedwig, „ohne ein Wort gingst Du von uns,— arme Mutter!" „Arm? Nein, schau' sie nur an, sie ist selig im Herrn entschlafen; auf sie passen diese oft gedankenlos gesprochenen Worte, wie nicht so bald auf jemanden. Und ohne ein Wort an uns ging sie von hinnen, meinst Du? Nein, Du irrst, sie sprach zu uns durch ein Gebet, dessen bin ich sicher.“ Welch schneidender Kontrast: Drinnen im Totengemache feierliche Ruhe, mystisches Halbdunkel, der schwere Duft von bereits welkenden Blumen und halb niedergebrannten Wachskerzen; draußen in den anderen Räumen, durch die bereits gardinenlosen Feuster und Türen flutendes, grelles Sonneulicht, das die überall herrschende, durch die nahe, bevorstehende Abreise bedingte Unordnung doppelt scharf hervortreten ließ. Den Kopf in beide Hände stützend, saß Josef, von der schlichten und dabei doch so würdigen Leichenfeier heimgekommen, am Tisch und grübelte nach. Er hatte ja mit außerordentlicher Zärtlichkeit an der Mutter gehangen und ihr Verlust— obwohl dieser bei ihrem hohen Alter zu gewärtigen war— traf ihn tief. Gerade jetzt würde er sie sehr missen und auch der Gedanke, das ihm so teure Grab,— kaum daß man ihre irdische Hülle darein versenkt hatte— vielleicht für immer verlassen zu sollen, bedrückte ihn mehr, als er zu sagen vermochte. Da legte sich ein weicher Arm um seinen Hals, „Nun müssen wir uns noch inniger aneinander schließen, Heddy," meinte Josef zu ihr aufschauend, und sprach sich dann auch offenbar darüber aus, wie schwer ihm die Trennung vom frischen Grab der Mutter fallen würde. Helle Röte stieg in Hedwigs Wangen.„Ach, Josef, wenn wir nur nicht fort müßten,“ stieß sie hastig hervor,“ so weit, weit fort von unserer lieben Heimat!“ Er nickte nur stumm zu ihrer Klage; auch ihm wurde es ja unendlich schwer, aber die Würfel waren gefallen, ein Zurück gab es nicht mehr. Auch die kaum verscheuchte Sorge verbot schon jeden noch so leisen Gedanken an ein Aufgeben der so mühselig gewonnenen neuen Stellung. „Laß gut sein, mein Herz! Wenn wir nur in Lieb' und Treu' zusammenbleiben, dann geht's schon,“ tröstete er die an seine Brust sich schmiegende junge Frau. 4. Kapitel. Es goß seit dem frühesten Morgen in Strömen und herbstlich kühl strich der Wind durch die schon stark entlaubten Aeste und Zweige der auf dem weiten Fabrikhof stehenden Bäume. Hedwig saß am Fenster des niedrigen, schmalen Zimmers, schaute, die Hände lässig im Schoß gefaltet, müden Blicks dem unruhigen Spiel des Windes zu und lauschte dem unablässigen Rinnen und Klatschen des gegen die Scheiben schlagenden Regens. Zu den Füßen der jungen Frau spielte die kleine Julie mit einer Puppe, doch die Mutter achtete nicht auf das Kind, das ab und zu laut zu seiner Puppe sprach und sie tanzen ließ. Obwohl die Familie schon manche Woche— es war schon Ende Oktober— an ihrem neuen Bestimmungsorte weilte und im ganzen und großen die Verhältnisse keine ungünstigen waren, so vermochte sich Hedwig trotz Zuspruch des Gatten— noch immer nicht heimisch zu fühlen; ja, je länger sie hier war, desto fremder wurde ihr alles. Freilich, die Wohnung entsprach durchaus nicht ihren Erwartungen, war zu eng und niedrig: kleine dunkle Zimmer, unvorteilhaft eingeteilt, kein Garten, keine Blumen, überhaupt überall zu wenig Luft, Licht und Sonne für jemanden, der auf dem Lande aufgewachsen war, immer auf dem Lande gelebt hatte und jetzt alle diese lust= und lebenspendenden Dinge entbehren sollte. Kein Wunder, daß es ihr oft vor dem nahenden Winter graute, der sie und die Kleine noch mehr in die engen Stuben bannen würde. Die Mutter ging ihr beinahe mehr ab als dem stark beschäftigten Gatten, der sich merkwürdig rasch in die neue Umgebung und neuen Verhältnisse hineingefunden und eingelebt hatte. Freilich, ihm stand eine treue und mächtige Helferin zur Seite: die Arbeit, während Hedwig in die enggezogenen Grenzen ihrer kleinen Häuslichkeit gebannt war. Sie suchte auch keinen Anschluß an die Frauen der anderen Fabrikbeamten, deren Interessen freilich auch in ganz anderen Bahnen als den von ihr gewohnten sich bewegten. Für Lektüre hatte die junge Frau nicht viel Sinn, auch war sie nicht musikalisch gebildet; es war daher nur natürlich, wenn sie nach Verrichtung der kleinen Hausarbeiten sich häufig langweilte. Wenn der Gatte in der Fabrik war, die kleine Julie, die übrigens seit einiger Zeit leicht kränkelte, stundenlang schlief und alle häuslichen Arbeitenmit Hilfe der Magd, einempolnischenschlecht Deutsch sprechenden Mädchen, das sie erst anlerneu mußte, erledigt waren, wußte sie mit ihrer Zeit nichts Rechtes anzufangen. Wie anders war das in der lieben fernen Heimat gewesen, wo sie Weg und Steg kannte, Freunde und Bekannte hatte, mit der Mutter verkehrte und wo alles ringsum so licht und sonnig war, so trant und heimlich! Daran dachte sie auch heute, als sie mit verträumten Blicken in den rinnenden Regen, der die ganze Gegend in trostloses Grau hüllte, hinausschaute und sie bemerkte zunächst auch gar nicht, daß das Kind mit der Puppe im Aermchen eingeschlafen war. Erst als die Magd eintrat, wandte sie sich ins Zimmer zurück und sah das auf dem Teppich liegende schlummernde Kind. „Trage die Kleine ins Bett, Katinka, dann besorge das Nachtmahl!“ sagte sie und begab sich ins Nebenzimmer, von wo aus sie einen Ausblich auf die an dem Fabrikgebäude vorüberführende Straße hatte. Auch da gab es nicht viel zu sehen die Arbeitsstunden waren noch nicht zu Ende und außer den Arbeitern passierten— auch an schönen Tagen— nicht viel die Straße. Plötzlich zuckte die junge Frau leicht zusammen und flüchtige Röte huschte über ihr feines Antlitz: auf der andern Seite der nicht allzu breiten, teils von Wiesen, teils von eingeplankten Bauplätzen flankierten Straße ging, während seine Blicke über Josef's Feuster glitten, als suchten sie hinter den weißen Spitzenvorhängen jemanden, ein in einen eleganten Regenmantel gehüllter schlanker Herr, dessen Gesicht der aufgespannte Schirm halb verdeckte. Entweder mußten die Augen dieses Mannes sehr schar sein oder war die junge Frau doch etwas vorgetreten— genug, ein seltsames Lächeln huschte um seinen Mund und einen Moment den triefenden Schirm höher hebend, blieb er stehen und lüftete den Hut, worauf er rascher seines Weges weiterschritt. Hedwig aber blieb, als hätte sie gar nichts bemerkt, am Fenster stehen und trat erst dann, als sie Josef im Vorgemache nach ihr fragen hörte, in das bereits ganz dunkle Zimmer zurück. 217,16 Ramscapelle von den Verbündeten geräumt. Amsterdam, 11. Nov. Reuter verbreitet die Nachricht der„Daily Mail“, daß die verbündeten Engländer und Franzosen sich genötigt gesehen haben, Ramscapelle vor der Uebermacht der Deutschen Marinetruppen zu räumen. Zur Unterstützung wurden 5000 Inder dorthin gesandt. Ein Teil von Deutsch=Kongo von den Franzosen zurückerobert? Kopenhagen, 11. Nov. Eine amtliche französische Meldung behauptet, daß die französischen Truppen unter dem Kommando des Generals Aymerich den größten Teil des Gebietes am Kongo zurückerobert haben, das 1911 an Deutschland als Kompensation für die Aufgabe seiner Forderungen auf Marokko abgetreten worden war. Der ganze Ubangi=Distrikt sei endgütig in französischem Besitz. Drei türkische Prinzen im Hauptquartier. Berlin, 11. Nov. Drei türkische Prinzen, begleitet vom hiesigen türkischen Botschafter und zwei deutschen Dolmetscher=Offizieren, sind gestern vormittag 8,14 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Kölner D=Zuge vom Bahnhofe Friedrichstraße nach dem Großen Hauptquartier abgereist. Ungeheure Verluste der indischen Truppen. Basel, 11. Nov. Die„Baseler Nachrichten“ geben folgende Pariser Meldung des„Corriere dellSera" wieder: Ein vom Kriegsschauplatz kommender Augenzeuge schildert die Tapferkeit der indischen Truppen, die sofort nnach der Landung in die Schlachtfront gebracht wurden. Sie erlitten gleich in den ersten 8 Tagen ungeheure Verluste. So verlor eine Geniekompagnie schon beim ersten Zusammenstoß alle Offiziere und 60 Prozent des Effektivbestandes. Mit dem Rad durch die Marne. Eine tollkühne Tat hat ein bekannter Rennfahrer, der Magdeburger Herrenfahrer Paul Bruns, vor dem Feinde ausgeführt, der bei einem Berliner Garde=Regiment im Felde steht. Er befand sich mit dem Rad auf einem nächtlichen trouillenwege und hatte sich ziemlich weit an den Jeind herangewagt, wo er wertvolle Erkundigungen machen konnte. Plötzlich sah er sich von einer sranzösischen Reiterpatrouille entdeckt. Er warf sofort sein Rad herum schon bemerkt und pre dem sie vorher ihre K hatten. Ein Schuß reifen, aus dem mit wich. Jetzt wurde d Radfahrer gefährlich, reisen erschwerte das drohte jeden Augenbli Sturz zu bringen. I Jagd den Marnefluf Schrecken bemerkte der die er soeben noch pa Granatenfeuer gespren schlossen raste er vom den Fluten und errei krampshaft festhalten nach kurzer Fahrt sei noch rochtzeitig seine bringen konnte. Er h eiserne Kreuz erhalter Der Krieg Die Räumung Budapest, 11. Nov aus Semlin, daß di in Belgrad die Räu Zivilbevölkerung ang Die Aufreibung Wien, 11. Nov. 1 wird gemeldet vom ten Kämpfe an den Liesnica wurden au fortgesetzt und hierk Stellungen erstürmt. drangen unsere siegr zuvor erreichten Ra vija weiter vor. Aus Kämpfen mit den! sämtlich in kurzer den zahlreichen Gefo Oberst Radakovic, ur eine moderne schwere Die serbisch WTB Sofia, 10. dem Bezirk Istip ank linge richteten eine zuständigen Stellen das von ihren Frai Martyrium ausführ! klären, daß sie trotz verlieren und zuver wirklichung ihrer ne bitten inständig um regeln, damit die u #der tyrannischen Hei die in blindem Has eist, den ausgewande mal erlauben, mit zu treten und alle 750 Monten an Budapest, 11 gemeldet: 750 Mo bei Lifac in Dalme ein Doppelfeuer vo gewehren und wurd vernichtet. Stadtvero Zur heutigen der ersten Arbeitssi des neuen Stadtha des Kollegiums u Direktor Terbri Magistrat waren Emmerich, 9 Brauereibesitzer O Hagemann; d Herrn Stadtbaume Der erste Punkt nahme der Jahresred aus dem Jahre 19 Dem Rendanter den Mitgliedern in den Vorjahren, Mark bewilligt. Dann wurden und der städtischen 1912 vorgelegt. Die Hauptkasse 721719,89 Mk. un Mark, so daß ein verbleibt. Die vorgekom sich auf 85 968,47 Mark früher bewi Mark wurde heut Bei den Nebei von 38 882,42 4 16234,50 Mk. be wurden die restie batte noch nachtri Die Prüfung dungen keinerlei Rendanten Entla Von dem Ges Sge für das Jahr 191 hatte gegen die — Kreich. t. des„Coure Regierung bergehenden Laufe des is zur offeäußeren Ferte Haltung Verbleiben sterium, das 1 Paris vor jung zu beden ische Mitarche Lage der ankreich und ersichtlich.— die deutschen ihe von Ortst eine amte der„Deutet wird, das in Bataillon her an die nen. bündeten verbreitet die verbündeten tigt gesehen cht der DeutZur Unteresandt. n Franzosen tliche franzöfranzösischen es Generals es am Kongo utschland als Forderungen " Der ganze französischem tquartier. Prinzen, betschafter und , s i n d g e s t e r n rplanmäßigen richstraße nach Truppen. achrichten“ geCorriere dellhauplatz komferkeit der in: L a n d u n g i n Sie erlitten eure Verluste. n beim ersten Prozent des arne. annter Rennfahrer Paul der bei einem steht. Er belächtlichen Paweit an den e Erkundigunsich von einer kt. Er warf te, erkehrte und ar, so trant e mit vergen, der die e. hinausgar nicht, schen eingeat, wandte s auf dem a, dann bebegab sich en Ausblich berführende zu sehen u Ende und an schönen ich zuckte die chtige Röte der andern on Wiesen, flankierten Josef's Feitzeißen Spiti eleganten dessen Geedeckte. Entes sehr schar was vorge1huschte um den triefenhen und lüfWeges weiir nichts bedann, als sen hörte, in a. 217,16 sofort sein Rad herum, aber die Reiter hatten ihn schon bemerkt und preschten hinter ihm her, nachdem sie vorher ihre Karabiner auf ihn abgeschossen hatten. Ein Schuß traf den hintersten Gummireifen, aus dem mit lautem Knall die Luft entwich. Jetzt wurde die Lage für den fliehenden Radfahrer gefährlich, denn der luftleere Schlauchreisen erschwerte das Fahren ganz gewaltig und drohte jeden Augenblick abzuspringen und ihn zum Sturz zu bringen. Inzwischen hatte die wilde Jagd den Marnefluß erreicht und zu seinem Schrecken bemerkte der Feldgraue, daß die Brücke, die er soeben noch passiert hatte, durch feindliches Granatenfeuer gesprengt worden war. Kurz entschlossen raste er vom Ufer herab in die schäumenden Fluten und erreichte schwimmend, das Rad krampshaft festhaltend, das andere Ufer, wo er nach kurzer Fahrt seine Truppen wiederfand, und noch rochtzeitig seine wichtigen Nachrichten überbringen konnte. Er hat für seine wackere Tat das eiserne Kreuz erhalten. Der Krieg gegen Serbien. Die Räumung Belgrads bevorstehend. Budapest, 11. Nov.„Budapesti Hirlap“ meldet aus Semlin, daß die serbischen Militärbehörden in Belgrad die Räumung der Stadt seitens der Zivilbevölkerung angeordnet haben. Die Aufreibung der serbischen Armee. Wien, 11. Nov. Vom südlichen Kriegsschauplatz wird gemeldet vom 10. November: Die erbitterten Kämpfe an den Bergflüssen der Linie SabacLiesnica wurden auch gesstern bis in die Nacht fortgesetzt und hierbei einzelne stark verschanzte Stellungen erstürmt. Südlich der Cer Planina drangen unsere siegreichen Truppen in dem tags zuvor erreichten Raume Losnica=Krupanj=Ljubo= vija weiter vor. Auch hier kam es zu hartnäckigen Kämpfen mit den Nachhuten des Gegners, die sämtlich in kurzer Zeit geworfen wurden. Unter den zahlreichen Gefangenen befindet sich auch Oberst Radakovic, unter den erbeuteten Geschützen eine moderne schwere Kanone. Die serbische Schreckensherrschaft. WTB Sofia, 10. Nov.(Nicht amtlich.) Aus dem Bezirk Istip ankommande mazedonische Flüchtlinge richteten eine dringende Vorstellung an die zuständigen Stellen des Königsreichs, in der sie das von ihren Frauen und Kindern erduldete Martyrium ausführlich beschreiben, dabei aber erklären, daß sie trotz aller Leiden den Mut nicht verlieren und zuversichtlich auf die baldige Verwirklichung ihrer nationalen Wünsche hofsen. Sie bitten inständig um die Ergreifung von Maßregeln, damit die unerträgliche Verfolgung unter der tyrannischen Herrschaft der Serben aufhöre, die in blindem Haß gegen alles, was bulgarisch Pist, den ausgewanderten Mazedoniern nicht einmal erlauben, mit ähren Familien in Verbindung zu treten und alle Briefe auffangen. 750 Montenegriner vollständig aufgerieben. Budapest, 11. Nov. Aus Serajewo wird gemeldet: 750 Montenegriner, welche versuchten, bei Lifac in Dalmatien einzudringen, gerieten in ein Doppelfeuer von Geschützen und Maschinen. gewehren und wurden bis auf den letzten Mann vernichtet. Stadtverordneten=Sitzung. ** Schwerte, 10. Nov. Zur heutigen Sitzung der Stadtverordneten, der ersten Arbeitssitzung in dem prächtigen Saale des neuen Stadthauses, hatten sich 14 Mitglieder des Kollegiums unter dem Vorsitz des Herrn Direktor Terbrüggen eingefunden. Vom Magistrat waren anwesend die Herren Direktor Emmerich, Rentmeister Niederstadt, Brauereibesitzer Ostermann und Rentner Hagemann, das Stadtbauamt wurde durch Herrn Stadtbaumeister Bierbach vertreten. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf Abnahme der Jahresrechnungen der Sparkasse aus dem Jahre 1913. Dem Rendanten wurde Entlastung erteilt und den Mitgliedern der Sparkassen=Verwaltung, wie in den Vorjahren, eine Entschädigung von je 150 Mark bewilligt. Dann wurden die Jahresrechnungen der Stadtkasse und der städtischen Nebenkassen für das Jahr 1912 vorgelegt. Die Hauptkasse verzeichnet eine Einnahme von 721719,89 Mk. und eine Ausgabe von 610 423,66 Mark, so daß ein Bestand von 111 294,23 Mark verbleibt. Die vorgekommenen Ueberschreitungen stellen sich auf 85 968,47 Mk., von denen bereits 73 382,62 Mark früher bewilligt sind; der Rest von 12 585,85 Mark wurde heute bewilligt. Bei den Nebenkassen ist eine Ueberschreitung von 38882,42 Mk. vorgekommen, von denen 16 234,50 Mk. bereits bewilligt sind; auch hier wurden die restierenden 22647,92 Mk. ohne Debatte noch nachträglich bewilligt. Die Prüfung der Rechnungen hat zu Beanstan dungen keinerlei Anlaß gegeben und wurde dem Rendanten Entlastung erteilt. Von dem Geschäftsbericht und der Bilanz des Spar= und Bauvereins für das Jahr 1913 nahm Kollegium Kenntnis und hatte gegen die Bilanz nichts einzuwenden. Mit Befriedigung wurde konstatiert, daß der Verein seit Jahren wieder einen Gewinn in Höhe von 607,63 Mark erzielt hat. Herr Direktor Terbrüggen nahm Veranlassung, den leitenden Persönlichkeiten des Vereins herzlichen Dank für ihre Tätigkeit auszusprechen. Es folgten dann die Wahlen von Beisitzern und Stellvertretern für die Stadtverordneten=Wahlen, welche am 26. und 27. November im Hotel Ostermann stattfinden. Gewählt wurden die Herren Kaufmann Ernst Klein, Kaufm. Rich. Landmann, Kaufm. Aug. Sieberg, Kaufm. C. Kettler, Wirt Frank und Postsekretär Ludwig als Beisitzer; Kaufm. C. Lethaus, Uhrmacher Fr. Kayser, Kaufmann Sally Weinberg, Landwirt E. Duhme, Uhrmacher R. Plümer und Kaufmann C. Böhmer als Stellvertreter. Ein Antrag des Spar= und Bauvereins auf Entlassung eines Grundstücks des Vereins aus der Mithaft für die seitens der Stadt übernommene Bürgschaft, fand unter den üblichen Bedingungen einstimmige Annahme. Es handelt sich um das Grundstück Klusenweg 65, welches zum Preise von 7000 Mk. an den Bahnbeamten Exsternbrink verkauft iist. Eine längere Aussprache zeitigte der folgende Punkt der Tagesordnung: Verlängerung der Straßenbahn=Weiche auf der Bahnhof= und Hohenzollernstraße. Die Angelegenheit hat bereits eine frühtre Sitzung beschäftigt und wurde damals vertagt. Inzwischen hat sich die Baukommission nochmals mit der Sache eingehend befaßt und empfiehlt Annahme der Vorlage. Der Fahrdamm der Bahnhofstraße habe eine Breite von 8,1 Mtr. und auch bei Legung des zweiten Gleises blieben immer noch 4,16 Meter für den Fahrdamm übrig. Herr Stern kann sich mit der Vorlage auch jetzt noch nicht besreunden. Die Stadt habe absolut keinen Vorteil von der Neuerung; im Gegenteil sei zu befürchten, daß die Straßenbahn mit der Zeit die Umsteigestation auf dem Marktplatz ganz aufheben und diese nach dem Bahnhof verlegen würde. Jedenfalls müßten in dieser Hinsicht Garantien von der Straßenbahn gefordert werden. Herr I.=R. Backhausen ist im Gegenteil der Ansicht, daß die Bevölkerung des westlichen Stadtteiles es sicherlich nicht ungern sehen würde, wenn sie unter Wegfall der Umsteigestation auf dem Marktplatz auf dem schnellsten Wege mit der Straßenbahn zum Bahnhof gelangen könne; zumal bei schlechter Witterung sei dies kein zu unterschätzender Vorteik. Außerdem sei die Bahnhosstraße auch nach Einbau des zweiten Gleises noch breit genug. Herr Wolf weist darauf hin, daß bei Genehmigung der Neuanlage die Wagen direkt bis zum „Kaiserhof“, durchfahren könnten und die Passagiere, die zum Bahnhof wollten, nicht gezwungen seien, schon bei der Otlinghaus'schen Besitzung auszusteigen, wie es jetzt vielfach der Fall sei, wenn der Gegenwagen nicht pünktlich eintreffe. Herr Duisberg würde es für einen sehr großen Nachteil für die sogen.„Altstadt“ halten, wenn die Umsteigestelle auf dem Marktplatz aufgehoben und der Verkehr dadurch noch mehr, als es bereits geschehen, aus der Stadt herausgeführt werde. Im übrigen habe er gegen die Anlage als solche keine Bedenken. Herr Frank weist ähnlich wie Herr Wolf auf die großen Vorteile hin, welche eine Verlegung der Weiche für das reisende Publikum im Gefolge habe. Eine Verlegung der Umsteigestation vom Marktplatz nach dem Bahnhof halte er für genz ausgeschlossen, da auf der Bahnhofstraße ja gar kein Platz für Rangierbewegungen vorhanden se. Herr Direktor Terbruggen ist jedoch der Ansicht, daß die Bedenken, die Herr Stern gegen die Vorlage habe, nicht von der Hand zu weien seien. Er halte die Angelegenheit für noch nicht genügend geklärt und mache den Vorschlag, die Sache nochmals zu vertagen, womit sich Kollegium einverstanden erklärt. Für den Ankauf von Grundstücken, auf denen die neue Eisenbahnwerkstätte errichtet werden soll, bewölligten die städtischen Vertretungen s. Zt. den Betrag von 225000 Mk.; für das bei der städtischen Sparkasse anzuleihende Kapital war ein Tilgungssatz von 1¾ Prozent vorgesehen. Die kgl. Regierung hatte den Satz nicht genehmigt, sie verlangte eine Tilgung mit 2 Prozent. Das Kollegium stimmte dem Antrage zu. Es folgte dann eine geheime Sitzung. gräben liegenden Truppen und Verrichtung von Kundschafterdiensten nicht zu gestatten. *e(Dankbare Krieger.) Dem Roten Kieus hierselbst ging wiederum folgendes Dankschreiben zu: In den letzten Tagen erhielt die Abteilung eine größere Sendung Liebesgaben von der Stadt Schwerte. Die praktischen Sachen haben uns Alle sehr gefreut. Allen gütigen Spendern sagen wir herzlichen Dank; wir werden die guten Schwerter in dankbarer Erinnerung behalten. gez. von Moeller, Major u. Abteilungskommandeur, 1. Abteilung 2. Großh. Hessischen Feldartillerie=Reg. Nr. 31. *(Die zweite Lehrerprüfung.) In bezug auf die zweite Lehrerprüfung im Winterhalbjahr läßt der Minister den Regierungen folgenden Erlaß zugehen:„Die in dem Erlaß vom August d. J. für die Notprüsung zugestandene Erleichterung kann auch auf solche Lehrer angewandt werden, die sich zum 1, September d. J. zur Prüfung gemeldet haben und zu ihr zugelassen werden, sofern sie zum Militärdienst einberufen oder ausgehoben sind.“ *(Turn= und Ballspiel=Verein.) Wie aus der Anzeige in der heutigen Ausgabe ersichtlich ist, fordert der Verein seine jüngeren Mitglieder auf, sich der Jungwehr anzuschließen. Der Verein zeigt dadurch, daß er auch in der jetzigen Zeit seine Aufgaben richtig erkennt, denn Turnerei und Militär gehört zusammen. Ein guter Turner ist auch fast immer ein guter Soldat. Deshalb hat der Verein beschlossen, daß die Mitglieder der Jungwehr unentgeltlich an den Turnübungen des Vereins teilnehmen können. Es wäre zu wünschen, daß von diesem Entgegenkommen reicher Gebrauch gemacht wird.— Von den Vereinsmitgliedern stehen zurzeit etwa 50 unter den Fahnen. **(Den Heldentod fürs Vaterland) starb am 24. Oktober auf dem östlichen Kriegsschauplatz der Landwehrmann Klemens Kremer, Hörderstraße wohnhaft. Ehre seinem Andenken! *(Liebesgaben für die 130er.) Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß morgen(Donnerstag) mittag von hier aus ein Waggon mit Liebesgaben an das Ersatz=Depot des Inf.=Regm. Nr. 130 in Höxter abgehen soll. Bei dem Regiment stehen zahlreiche Mannschaften aus dem Kreise Hörde, auch viele aus der Stadt Schwerte. Die Pakete müssen gut verpackt sein und erfolgt die Beförderung direkt an die Front in einem an den Transportzug angehängten Waggon; die Ausladung geschieht unter militärischer Aufsicht. Allen Spendern von Liebesgaben spricht das Regiment herzlichen Dank aus. Gaben können in unserer Geschäftsstelle abgegeben werden. **(Vom Brotverkauf.) Nach§ 4 der Bekanntmachung über den Verkehr mit Brot vom 28. Oktober d. J. haben Bäcker und Brotverkäufer einen Abdruck der Verordnung in ihren Verkaufsräumen auszuhängen. Abdrücke sind von uns zu beziehen. zeit ist ihm das ausländische Anhängsel recht unbequem und er möchte es am liebsten abschütteln. Aber einen Sohn hat er ins Feld gesandt, der verwundet zurückgekehrt ist und manches Erlebnis zu erzählen weiß. Jeder Schilderung fügt er hinzu: „Aber eins war drüben sonderbar, daß mich so viele Franzosen kannten. Ueberall, wo ich mit einem sprach, sagten sie:„Qui, Monsieur!“ oder „Nno, Monsieur!". Der Teufel weiß, woher die Kerls wußten, daß ich Monsieur heiße!“ Bunte Chronin. )( Die Bundesgenossen unter sich. Ein reicher französischer Privatmann hat kürzlich für die französischen Gefangenen in Hessen eine namhafte Summe gespendet. An dieses Geschenk hat er aus. drücklich die Bitte geknüpft:„Nicht einen Sous davon für die Engländer zu verwenden!“ 1(„Englische Soldaten gesucht!" lautet ein Aufruf in englischen Blättern. Um den kläglichen Eindruck, den dieses Inserat auf das Ausland machen muß, zu verwischen, fügen sie hinzu, daß sich bisher önfolge eines Mißverständnisses, nicht etwa aus Mangel an Patriotismus, zu wenig gemeldet hätten. Nun wissen wir's! )(„Fräulein, wenn wir wiederkommen, heiraten wir!" Dieses Versprechen gab ein Landsturmmann auf dem Bahnhofe in Camenz einer Pflegerin, die dort Liebesgaben an einen durchfahrenden Landsturmtransport verteilte.„Na, wollen mal sehen, ob Sie Wort halten,“ gab die Pflegerin lächelnd zur Antwort. Große Augen machte der brave Landsturmmann, als ihm kurz darauf die Leiterin der Verpflegungsstation zuflüsterte:„Das war ja die Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen!“ 1 Zweimal das Eiserne Kreuz besitzt der Kommerzienrat Heimann aus Köln, der sich das erste Kreuz 1870 wegen tapseren Verhaltens auf dem Schlachtfelde erwarb und damals auch zum Offizier befördert worden war Jetzt hat er es zum zweitenmal als Führer eines Landwehrbataillons erhalten. 1( Die Dorfkirche als Liebesgabensammelstelle. In einer märkischen Dorfkirche hatte man einen Tisch vor dem Altar aufgestellt, und nun kamen die Leute und brachten, was sie hatten: Wäsche, Strümpfe, Pulswärmer und andere Wollwaren. Aber der Tisch reichte nicht aus; es wurde ein zweiter, ein dritter herangeschafft. Da kamen auch Würste, Brot und Eier zur Kirche, Wein und was sich sonst irgend zu Liebesgaben eignete. Sogar an Geld fehlte es nicht; es kamen nicht weniger als 1700 Mark zusammen. Zur Nachahmung empfohlen! Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 11. November. *(Keine Pfadfinder ins Feld.) Wie das Kriegsministerium auf Grund einiger Schilderungen in der Presse über die Tätigkeit von Pfadfindern usw. mitteilt, sind an die Armee Weisungen ergangen, nach denen die Verwendung von Pjadfindern und sonstigen nicht im Heeresdienst stehenden jungen Leuten bei den kämpfenden Truppen unzulässig ist. Insbesondere ist eine Begleitung von Truppen ins Operationsgebiet oder in Feindesland, Hilfeleistung bei Verpflegungs=, Munitions= und Verwundetentransporten außerhalb des Heimatsgebietes, Heranschaffung von Lebensmitteln und Munition an die in Schützen** Wandhofen, 10. Nov.(Wilddieberei.) Zu der von uns vorgestern gebrachten Notiz wird uns mitgeteilt, daß der angeblich bei der unberechtigten Ausübung der Jagd angetroffene M. von einem hiesigen Landwirt gebeten sei, die massenhaft auftretenden Krähen auf dessen Feldern abzuschießen. Demgegenüber bleibt unser Gewährsmann bei seiner ersten Darstellung. Da die Angelegenheit jedenfalls noch das Gericht beschäftigen wird, dürfte hier wohl Klarheit geschaffen werden. Westhofen, 10. Nov.(Ein schweres Sittlichkeitsverbrechen) wurde gestern abend gegen 8 Uhr in der sogenannten„Ackers bach“ verübt. Dortselbst wurde die 18jährige Auguste Omansiek, als sie sich auf dem Wege zu ihrer elterlichen Wohnung befand, von fünf Burschen im Alter von 20 bis 25 Jahren angefallen und überwältigt. Vorher hatten die Unmenschen ihrem Opfer ein Taschentuch in den Mund gesteckt, um das Mähchen am Hülferufen zu hindern. DiePolizei ist den Tätern bereits auf der Spur und gelingt es ihr hoffentlich recht bald, derselben habhaft zu werden. ** Lichtendorf, 10. Nov.(Ein frecher Einbruchsdüe bstahl) wurde in der vergangenen Nacht bei dem Berginvaliden Kroll ausgeführt. Die Diebe haben ein Fenster zertrümmert und sind hierdurch in das Haus eingestiegen. Sie erbrachen Kleiderschränke und sonstige Behältnisse, aus denen sie für ca. 100 Mk. Kleidungsstücke und Bettwäsche entwendeten. Ferner sielen don Dieben eine Damenuhr mit goldener Kette, eine silberne Uhrkette, ein Trauring, ein goldenes Modaillon und verschiedene andere Schmucksachen in bedeutendem Werte sowie ein Geldbetrag von 10 Mark in die Hände. Die Polizei hat die Nachforschungen sofort aufgenommen, doch konnten die Diebe noch nicht ermittelt werden. * Duisburg, 10. Novbr.(Tragisches Familienschicksal.) In einem Anfall von Geistesgestörtheit versuchte ein Bewohner des Stadtteils Beeck seinem Leben ein Ende zu machen. Er wollte sich aus dem Fenster der im zweiten Stockwerk gelegenen Wohnung stürzen Seine Frau, die das Vorhaben merkte, sprang hinzu und es gelang ihr auch, den Anglücklichen noch zu fassen. Da aber ihre Kräfte versagten, stürzte sie mit ihrem Manne aus dem Fenster. Beide Eheleute hatten bei dem Sturze so furchtbare Verletzungen davongetragen, daß sie ihnen bald erlagen. * Koblenz, 10. Nov.(Herr Monsseur.) Ein biederer Bauer vom Westerwald trägt den echt französischen Namen Monsieur. Woher er ihn hat, weiß er selber nicht. In der jetzigen KriegeBüchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Kriegslieder von 1914. Unter diesem Titel hat der unter dem Protektorat des deutschen Kronprinzen arbeitende Kaiser=Wilhelm=Dank als Doppelheft 6/7 seiner„Kriegsschriften“ im Verlage der Kameradschaft, Berlin W. 35, soeben eine Sammlung von 40 nach der Mobilmachung entstandenen Kriegsliedern erscheinen lassen. 13 der Lieder sind nach bekannten Weisen zu singen. 27 Lieder sind von 17 verschiedenen Komponisten neu vertont. Wir wünschen dem schönen, zeitgemäßen Buche weiteste Verbreitung. Es sollte in keiner deutschen Familie fehlen, und wer einen Angehörigen im Felde hat, sollte es diesem nachsenden. Den Jugendorganisationen usw. sollten Wohltäter das Buch zum Geschenk machen. Wolltag. Ein erfreuliches Zeugnis für die Opferwilligkeit der Daheimgebliebenen für unsere braven Truppen hat der von verschiedenen Städten festgesetzte Tabaktag abgelegt. Es ist wohl ein großer Wunsch erfüllt worden, jedoch nicht der größte. Der Winter naht und die Unserigen im Felde haben unter Kälte und Nässe zu leiden. Es fehlt an Wollsachen. Verschicdene Städte haben auch hierfür Sorge getragen und einen Wolltag vorgesehen, der auch hoffentlich zur Freude unserer Braven ausfallen wird. Frruen und Mädchen denkt rechtzeitig hieran. Die Firma Hermann Kornblum in Hagen gibt in der heutigen Beilage unseres Blattes allen eine genau Uebersicht über die gewünschten Artikel. Auch alle übrigen Preise sind der heutigen Zeit entsprechend gestellt, so daß ein Besuch nur lohnend sein kann. Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt war wieder sehr reich beschickt. Es wurden bezahlt für Kochäpfel Psund 10—20 Pfg., Tafeläpfel 20—25 Pfg., Birnen 20 Pfg., Zitronen Stck. 10 Pfg., Zwiebeln 1 Pfd. 15 Pfg., Rosenkohl 30 Pfg., Blumenkohl 25—40 Pfg., Wirsing 20 Pfg., Notkohl 25 Pfg., Weißkohl 13—20 Pfg., Schweinefleisch 90 Pfg. Der Schweinemarkt war nur mäßig beschickt. Sechs=Wochen=Ferkel kosteten 8 Mk., halbjährige Schweine ca. 50 Mark. Der Handel war recht still. Verantwortlich für die Redaktion Friede. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. FurunserokPes Unterzeuge, Pulswärmer, Kniewärmer, Ohrenwärmer, Leibbinden in enormer Auswahl. Durch frühzeitigen Einkauf bin ich in der Lage, ohne Erhöhung zu alten Preisen zu verkaufen. 2000 Pfand Strickwolle, ständiges Lager. Seit Bestehen des Geschäftes Engros-Verkauf für Wiederverkäufer. Die Todesstunde schlug zu früh, Doch Gott der Hrr bestimmte sie, Den Heldent d fürs Vaterland Starb mein lieber Mann in Feindesland. Geflossen ist sehn junges Blut, Für uns so früh, er war so gut. Den Heldentod fürs Vaterland starb bei Michalin am 24. Oktober mein lieber unvergesslicher Mann, unser herzensguter treusorgender Vater, unser guter Bruder, Schwager und Onkel, der Wehrmann Siomens-Kromer im blühenden Alter von 30 Jahren. In tiefem Schmerz: 7070 Frau Marla Kremer geb. Beckmann. Schwerte, Hörde, Menden, Lüdermünd, Neuenberg, Fulda, Amerika, den 11. November 1914. Jos. Kustor, Modohnaus, Conttorte. geteor Fahrrad und Geldbörse mit Inhali. Wellinghosen, d. 9. Nov. 1914. 7081 Polizeiverwallung. Bekanntmachung. Die Auszahlung der Einquartierungsgelder für die Einquartierung bis zum 1. November cr. erfolgl am 12. u. 13. d. M. an der Stadtkasse hierselbst(neues Rathaus. Hörderstr. Zimmer Nr. 1) gegen Vorzeigung des Quartierzettels. Schwerte, den 9. November 1914. 7069 Der Bürgermeister: Rohrmann. für sofort gesucht. Daselbst ein Krankenfahrstuhl abzugeben. Kleppingstr. 2. 7064 Söhlleder Schäfte und sämtl. Schuhmacher-Bedarfsartikel verkaufe billig weg. Geschäftsaufgabe. 707* Heinrich Heiermann Schwerte, Hellpotbstr. 20. Die Arbeilen und Lieferungen zur Verbreiterung der Wegeunterführung in km 157,2 und 62 der Strecke Schwerte- Frönden berg. etwa 2200 chm Erdaushub. 280 chm Stampfbeton 400 chm Bruchsteinmauerwerk und 150 chm Ziegelsteingewölbemauerwerk sollen ungeteilt vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen im hiesigen Geschäftsgebäude(Zimmer 4) zur Einsichtnahme aus. Angebotshefte können für 1,20 Mk. abgegeben oder gegen Einsendung des Betrages in bar, solange der Vorrat reicht. zugesandt werden. Die Oeffnung der Angebote findet am Miltwoch, den 25. d. Mts., vormittags 10½ Uhr statt. Zuschlagsfrist läuft ab am 31. 12. d. Ss. 7067 Hagen(Westf.), im Nov. 1914 Königl. Eisenbahn=Betriebsamt 3. Ich zeige hiermit an, dass die neuesten Buxkins für Herren- Anzüge Paletots u. Uister nunmehr in grosser Auswahl eingetroffen sind. Anfertigung erstklassiger Herren- Garderobe nach Mass unter vollIster Garantie eleganten Sitzes. 6833 Hochachtungsvoll Friet Mnller Schwerte, Ostenstr. 18. Wiische zum waschen und flicken wird im Hause angenommen. Frau Vernegau Teichstr. 5, 7068(Rest. z. Hirsch). Turn u. Bulispier Mitgl. d. Deutsch. Turnersch. Pickel, Mitesser, Blüten verschwinden sehr schnell, wenn man abends den Schaum v. Zuckers Patent Medizinal-Seife, a St. 50 Pf.(15% ig) und 1,50 M. (35% ig. stärkste Form) eintrocknen läßt. Schaum erst morgens abwaschen und mit Zuckooh-Creme(à 50 u. 75 Pf. 2c.) nachstreichen. Großartige Wirkung von Tausenden bestätigt. Bei C. Trog und Mar Mehlhose, Drogeren. K Die Turngenossen von 16—20 Jahren wrden hiermit aufgefordert, sich der hier bestehenden Jungwehr anzuschließen. Die regelmäßigen Turnstunden unseres Vereins finden am Mittwoch u. Freitag von 8½—10 Uhr abends in der Halle des städt. Proggymnasiums Ctt“..„.. Ler Gimamohr Bännen an biaste Die Mitglieder der Jungwehr ronnen an diesen Uebungen teilnehmen. Eintrittsgeld und Beiträge werden tich sthechen. a Der Vorstand. Dessendenalteliche Aunrdung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 Reichsgesetz Blatt Seite 519 mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Nachdem nach am slierärztlicher Feststellung die Maul= und Klauenseuche unter dem Rindviehbestande des Landwirts Vohwinkel zu Wellinghofen abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen. die Desinfektion vorschriftsmäßig ausgeführt und durch den Kreistierarzt abgenommen ist, gilt die Seuche auf dem erwähnten Gehöft als erloschen. ] Die in meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 28. September 1911 bezw. 27. April 1914 angeordneten Schutzmaßregeln hebe ich daher hiermit auf. 7082 Hörde, den 9 November 1914. Der Landrat. J. V. Burchard. Bekanntmachung süe den Landwehebezick I1 Vorimund. Es wird erneut darauf hingewiesen, daß es völlig zwecklos ist, wenn Kriegsfreiwillige, Freiwillige und ausgehobene Rekruten sich mit Einstellungsgesuchen an das stellv. Generalkommando wenden Derartige Gesuche sind grundsätzlich nur bei den zuständigen Bezirkskommandos mündlich oder schriftlich anzubringerg####„.#.. und Die Einstellungstermine der Rekruten sind von dem eintretenden Bedarf abhängig und können daher nicht angegeben “ Die Rekruken werden außerdem darauf hingewiesen, daß sie in erster Linie den Bezirkskommandos unterstellt sind und Gesuche 2c nur an diese zu richten haben. Zuwiderhandlungen werden eotl. bestraft. Dortmund, den 10. November 1914. Bezirkskommando II. 7077 sischartenen per 100 Pfd. 3.50 u. 4.00 ab meinem Lager hier empfiehlt 7084 9e8: * Die gesteigerten Ansprüche an die Reinigung der Bettfüllungen haben mich geranlasst. 5659 Eine hochtragende Kuh zu verkaufen. Heinrich Wilte 7065 Garenfeld. l Sachentmnesen Krankenweine Cischweine Reprelwein S Drogerte Max Mehlhose. Bessendhewolzeliche Aaocdung. — 28 Kg. Sachs. 1227 TTe.-Intikum weida Ner Gache. echnikum Mittweida Direktor: Professor Holzt. Höheres techn. Institut f. Elektro- u. Maschinentechnik. Sonderabteilungen f. Ingenieure, Technikern, Werkmeister. Eilektr. u. Masch.-Laboratorien. Sehrfabrik-Verkstätten. □I Alteste u. besuchteste Anstalt. Programmete. terts Soen! Gebr. Vellstrut (1½ schl.) m. Matr. zu kaufen gesucht. Schriftl. Angeb. mit Preisangabe u. H. 2 an die Gesch. dieser Zeitung. 7068 Straverburger Landbrot —— läglich frisch— empfiehlt 7074 Loke, Sedanstraße. 90 Mar Mehlhose Saen Gonaunen, Giesen Feinsten Nordseeschellfisch, Cabliau und Bratsch=llsisch. Wilh. Kauke 7076 Hüsingste. 8. Teleson 181. Ae Gh esch Hagenerstr. 17, ist zum 1 Januar ganz oder geteilt vermieten. Hermann Sternheim Hüsin,str. 30. Per sofort oder später eine abgeschl. Clage zu vermieten. Duhme jr. Hagenertr. 18. Hellpothstr. 28 ist eine 3 Zimmer= zu vermieten. Zu erfragen bei Heinrich Falke 7062 Baharofstr. 38. Wohnungen vermieten Sie schnell durch ein Inserat in der Schwert Jeitung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 fl. des Viehseuchengesetzes vom 26 Juni 1909 Reichsgesetzblatt Seite 519 mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsiderten folgendes bestimmt: Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. Zt. unter dem Rindotehbestande des Landwirts Grüne zu Aplerdeck. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Gehöft von Grüne. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehleuchenpolizeilichen Anordnung vom 21. Oktober d. Is. Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung) vom 24. Oktober d. Is Nr. 250(Beilage) enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Abschnitte III—VII einschließlich der genannten Anordnung bleiben mit der Maßgade bestehen, daß der erste Satz des§ 5 Ziffer 1 wie folgt geändert wird: In der Gemeinde Aplerbeck wird verboten. Hörde, den 9. November 1914. 7088 Der Landrat. I. V. Burchard. Bekanntmachung. Auf Grund des§ 1 des Gesetzes vom 4. August 1914 wird fur den Stadtbezira Schwerte der Höchstpreis für einen Zentner runde rote und runde weige Speisekarloffeln auf Alk 3.50 u. für einen Jentner der besseren Sorten Speisekartosseln auf Mk 4 im Kleinverhauf festgeseht. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß unter„Höchstpreis“ der Preis für die beste Ware zu verstehen ist. Wer diesen Höchstpreis überschreitet, wird nach§ 4 des Gesetzes mit Geldstrafe bis zu Mk. 3000 oder im Unvermögensfalle mit Gesängnis bis zu 6 Monaten bestraft. Schwerte, den 7. November 1911. 7027 Der Magisteal: Rohrmann. Die Eingesessenen der Gemeinde Lichtendorf werden einer Besprechung zwick: Versand von Liebesgaben an de Krieger der Gemeinde, auf Mittwoch, den 11. d. Mts., nachmittags 6 Uhr b im Wirt Döllemeier zu Eitholz freundlichst eingeladen Um recht zahlreiches erchenen wird g biten. Au richten dorf, den 9. November 1914. 17080 Friedrich Hoherschwert Bettfedern und Daunen * nach einem neuen vollkommeneren Verfahren reinigen zu lassen. * A l l e Q u a l i t ä t e n, a u c h d i e b i l l i g s t e n u sind jetzt ohne jeden Geruch und # durchweg staubfrei. Ich empfehle: Bettfedern zu 1,25, 1,75, 2,25 b. 3,00 Mk. Habdaunen zu 3,00 bis 4.50 Mk. Daunen zu 4,00 bis 6,50 Mk. 85 Schwerte Ostenstrasse 20. K OTTO MARX * 38 Als feinster Ersatz für empfehle meine Süssrahmmargarine der Berg.-Märkischen Margarinewerke (echt deutsche Firma). Esbu 90 Pig. Cebu 95 Pig. Trog. Frader Prieie lieiert schnell und sauber Buchdruckerei u. Braus 11 liefert gut und billig C. W. Böhmer — 8 S"* 9* B 88 0 Ue enkannrnuntterkerne gleich lachend aus,„das trifft sich gut! Der kommt sicher auch zum Schäferstündchen! Stellen wir ihn mal auf 2 Probe!“— Er hatte uns bis jetzt nicht erblickt und war daher, und vielleicht auch aus einem anderen Grunde, höchst überrascht, als wir eiligen Schrittes auf ihn zutraten.„Guten Abend, Erwin!“ riefen wir wie aus einem Munde.„Wohin so spät? Auf den Bummel? Hm?“—„Wird die Herren nicht interessieren!“ erwiderte er, analog unserem bissigen Verhältnisse zueinander.„Guten Abend zusammen!“ Mit kaltem Lächeln, das auch ein wenig höhnisch sein sollte, kehrte er uns den Rücken und verschwand auf einem Seitemege nach rechts in den Büschen, va rief ich ihm ,mit gauter Stimme nach:„Erwin, du hist auf dem falschen Wege. Das Bänkchen ist hier links!“ Und wirklich, Erwin kehrte wieder zurück, ging jedoch nicht nach links, sondern direkt auf uns zu.„Die Herren wollen mich doch nicht beleidigen? Was bedeutet diese Anspielung?“—„Die Anspielung? Die bedeutet nicht viel! Nur daß du eben auch der Lackierte bist!“—„Wieso?“—„Ja, dich hat ein Fräulein hierher bestellt—“—„Woher wissen die Herren—“—„Geduld— ein Fräulein hierher bestellt, das keinen anderen heiraten will als den, der sie einmal geküßt hat——.—„Zum Teufel! Das ist gut! Wie kommen——“—„Nur ruhig! Sie hat dir eine Geschichte erzählt!“—„Haha, ich begreise! Von dem Kuß natürlich!“—„Gewiß, und du bist es nicht gewesen.“—„Nein!“—„Aber warum bist du dann gekommen?"—„Weil ich, nun, weil ich gelogen habe. Haha!“—„Natürlich um der Liebe willen!“— „Versteht sich!“—„Ja, schau, wir zwei auch!“— „Was, ihr auch! Wie kann das möglich sein?"— „Sehr einfach! Marie, das brave, aufrichtige Wesen, hat sich bewogen gefühlt, uns allen dreien ein und dieselbe Geschichte zu erzählen, jedenfalts, um sich, natürlich auf unsere Kosten, königlich zu ergötzen. Wir haben selbstverständlich nichts Eiligeres gewußt, als uns mit dem Helden der„wahrhaftigen“ Geschichte identisch zu machen, zu lügen, um—— tüchtig auf den Leim zu gehen. Ja, meine lieben Freunde, da sind wir auch jetzt, und ich glaube, wir kleben ewige Zeiten daran, wenn wir uns nicht so bald als möglich Revanche verschaffen. Was sollen wir tun? Was meint ihr? Gerochen muß es werden!“—„Ach was, lassen wir die falsche Hexe gehen!“ meinte Erwin trocken.„O nein!“ rief Kurt dagegen.„Mir fällt etwas ein! Mariechen ist nicht gekommen——“—„Sehr gut!“—„Marschieren wir also gemeinsam, Arm in Arm, zu unserer ehemaligen Geliebten Behausung und arrangieren ihr, nämlich der falschen Hexe, nicht der Behansung, ein romantisches Ständchen, wie sie's verdient!“—„Famos!“ riefen wir.„Das wird gemacht!“— In einem nahen Gasthause tranken wir uns den nötigen Mut an und trottelten dann, ziemlich angeheitert, vor der Exliebsten Haus. Als wir die Luft annähernd rein glaubten, stimmte Kurt mit wunderbarer Technik einen Kantus an, in den wir anderen mustergültig und korrekt(!) einfielen.— In schreiend=krächzenden Tönen gräßlicher Bierstimmen schallte weit hinaus in die klare Abendluft und hinein in Maries Kämmerlein die herrliche Stelle aus Rigoketto: 4 Meifr „O, wie so trugerisch sinv Weiderherzen, Mögen sie klagen, mögen sie scherzen, Oft spielt ein Lächeln um ihre Züge, Oft fließen Tränen! Alles ist Lüge!"—— Aber horch! Kaum waren die letzten Akkorde des feierlichen Sanges verklungen, da hub ein feines, liebreizendes Stimmchen melodisch an zu singen, und zwar nach derselben Singweise: „O, wie so trügerisch sind Männerherzen! Man kann sie biegen wie weiche Kerzen! Geht ruhig heim,— ich kenn' zur Genüge Jetzt eure Herzen!— Alles ist Lüge!“ Potz Türken! Auf das waren wir nicht gefaßt, aber was konnten wir machen? Recht hatte sie. Alles war Lüge! Klein und häßlich geworden, verschwanden wir still um die Hausecke! Wer aber war schuld an allem?“—„Sie!“—„Wer hat uns zum Lügen herausgefordert?“—„Sie!“—„Wer hat dazu noch am stärksten gelogen?"—„Sie!“—„So, und, meine Herren, wer mußte nun auch die Strafe erleiden?“ „Immer schon„Sie“!“—„Sehr richtig! Und drum erfüllt es mich immer noch mit ungemeiner Befriedi g, daß sie sich zwar aders besonnen und auch einen heiraten möchte, der sie— nicht gelüßt, aber bis heute hat sie, trotz ihrer 30 Lenze, noch keinen Fang gemacht, obwohl sie ihre Angel jetzt auch nach„verlogenen“ Männern ausgeworfen hat. Sie muß eben warten auf „jemand, der nicht mehr kommt!“—— es müßte höchstens einer der Herren so barmherzig sein „Gott bewahre! Mir wär's Angst! Nur das nicht!“ rief die ganze Stammtischkorona durcheinander.„P Herr Apotheker, prosit! Ein Hoch der ewigen Jungfer!——“ Denkspruch. tut alles nichts! Nur nicht Verschroben, venückt, ja langweilig herzensroh: das tötel die Gesellschaft. U. Raabe. „E Ratschläße fürs haus von Laura Uincent. Petroleumöfen und= kocher bereiten oft Aerger durch das leidige Qualmen und den üblen Geruch. Um dies zu vermeiden, löse man in jedem Liter Petroleum einen Eßlöffel voll Salz auf. Das so behandelte Petroleum brennt auch bedeutend heller, und der Oelbehälter rostet nicht so leicht Sommerkleider, Blusen und andere Sachen, die auf längere Zeit fortgelegt werden, dürfen nie gestärkt werden, weil gestärkte Stoffe bei langem Liegen brechen. Solche Sachen dürfen daher nur gewaschen und durch anhaltendes Spülen von der etwa noch anhaftenden Stärke befreit werden. Nach dem Trocknen wickelt man sie in blaues Seidenpapier, das sie vor dem Gelbwerden schützt. Bumur. Der arme Willi. Willi kommt, bitterlich weinend, aus der Schule. „Mutter,“ schluchzt er,„ich gebe mir wirklich keine Mühe mehr, in der Schule artig zu sein.“ „Aber, Willi, was ist denn geschehen?“ fragt die Mutter. „Huh, huh,“ schluchzt Willi.„Ich habe heute in der Schule gesehen, wie Karl Schmidt eine verbogene Stecknadel auf den Stuhl des Lehrers legte, und weil ich nicht wollte, daß der Lehrer sich drauf setzen sollte, zog ich den Stuhl fort, und er setzte sich auf den Boden. Der Lehrer hat mich durchgehauen, weil ich den Stuhl fortgezogen habe, und wie die Schule aus war, hat mich Karl Schmidt verhauen, weil ich mich um seine Angelegenheiten gekümmert hätte.“ Amtliches Kreisblatt AS % für den hreis Jahrgang O Erlies und älteltes Cagesorgan des Kreiles. 6 haupt-Annonc Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 265 Mittwoch 11. November s#iDer neue Bankatrenter! Roman von Reinhold Ortmann. (12. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) ber man kann aus solchen Beweggründen dach keine Revolution anzetteln. Die grage Masse des Volkes hätte ja, wenn Ihre Schilderung zutrifft, nicht das geringste Interesse daran, eine diebische Regierung zu stürzen, um sie durch eine ebenso spitzbübische zu ersetzen.“ ist die Triebfeder bei all den großen und kleinen Aufständen, deren es mindestens einen in jedem Jahre gibt, immer nur die Ungeduld einiger ehrgeiziger Politiker, die sich zu lange von den wohlgefüllten Kassen des Staates ferngehalten sehen. Was die große Masse des Volkes betrifft, so steht sie diesen Umwälzungen im allgemeinen sehr gleichgültig gegenüber. Aber es fehlt niemals an einigen Hunderten oder Tausenden, denen die Lust am Demonstrieren und Revoltieren sozusagen im Blute liegt, und die bei jeder gewaltsamen Umgestaltung der Dinge immer noch mehr zu gewinnen als zu verlieren haben. Gewöhnlich hängt alles nur davon ab, ob sich dieser oder jener einflußreiche General auf die Seite der Empörer schlägt.“ „Und Sie halten es für moglich, oaß eine solche Revolution gerade jetzt bevorstehr?“ Vidal zuckte mit den Achseln.„Man kann bezüglich des möglichen Ausbruchs einer Revolution nichts prophezeien. Der jetzige Präsident ist ein tüchtiger Mann, der die Augen offen hält, und dem es auch nicht an der nötigen Rücksichtslosigkeit fehlt, um gefährliche Gegner rechtzeitig unschädlich zu machen. Aber auch unter seinen Feinden gibt es kluge und energische Köpfe. Wer wollte da voraussagen, was sich morgen oder in einem Monat ereignen kann!" „Wenn ich Sie recht verstanden habe,“ entgegnete Rodewaldt,„läßt sich Sennor del Vasco also nur deshalb nicht zu einem Mitglied der gegenwärtigen Regierung machen, um es nicht mit den kommenden Männern zu verderben? Es wäre dies allerdings ein nicht gerade glänzendes Zeugnis für seine Gesinnungstüchtigteit“.. P.6e matr E.: 974. „Sie werden oas nicht mehl befremblch sinden, wenn Sie erst einige Zeit an den Ufern des„Silbernen Stromes“ gelebt haben. Das, was man drüben in Europa politische Ueberzeugung nennt, gibt es hier überhaupt nicht. Es handelt sich stets nur um Fragen persönlicher Natur und um die beste Lösung des großen Problems, rasch zu einem beträchtlichen Vermögen zu gelangen. Ich empfehle Ihnen, alle die schönen Phrasen von Freiheit, Gerechtigkeit und Humanität, mit denen unsere Politiker so freigebig um sich zu werfen pflegen, immer nur unter diesem Vorbehalt hinzunehmen. Sie werden sich dann nicht mehr allzusehr enttäuscht fühlen, wenn Sie eines Tages die Entdeckung machen, daß alle diese herrlichen Schlagworte nur eine Umschreibung sind für die eigentliche die einzig„Geld“ und immer wieder„Geld“ lautet. Ein Auflauf, der an der Kreuzung der Straßen Santa Fé und Montevideo entstanden war, lenkte in diesem Augenblick die Aufmerksamkeit der beiden Spaziergänger auf sich. Die Ursache war eines jener widerwärtigen Vorkommnisse, wie sie im Straßenleben von Buenos Aires nicht zu den Seltenheiten gehören. Ein betrunkener Soldat hatte seinem Abscheu gegen die Nachkommen der Ureinwohner des Landes dadurch Ausdruck gegeben, daß er einem harmlos seines Weges gehenden zerlumpten Indianer ohne jede äußere Veranlassung mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Mißhandelte hatte nicht daran gedacht, den Schlag zurückzugeben, denn in dieser heruntergekommenen, rettungslos dem Untergang geweihten Rasse lebt seit langem nichts mehr von dem Mute und dem kriegerischen Geiste ihrer Vorfahren. Er war nur scheu zur Seite gewichen und hatte etwas vor sich hin gemurmelt, das wohl eher eine Entschuldigung als ein Schimpfwort war. Aber der berauschte Soldat verstand seine Sprache nicht oder wollte sie nicht verstehen. Indem er sich den Anschein gab, als hätte er das Gemurmel für eine Schmähung gehalten, drang er unter wüstem Geschrei mit gezücktem Seitengewehr auf den Unglücklichen ein und versetzte ihm einen Stich in die Schulter, der den schwächlich gebauten Indianer wehklagend gegen die Mauer eines Hauses taumeln ließ. Von den zahlreichen Augenzeugen dieses brutalen Auftritts machte kein einziger Miene, dem Bedtängten gegen seinen Peiniger beizustehen, und eben holte der rohe Mensch in sinnloser Wut zu einem neuen Schlage aus, als ein vornehm gekleidetes junges Mädchen sich, unbekümmert um die drohende Gefahr, zwischen ihn und den Angegriffenen warf. Mit einem zornig befehlenden Wort rief sie den Rasenden zur Vernunft, und für einen Moment machte die unerwartete Einmischung den Soidaten wirklich so betroffen, daß er den erhobenen Arm sinken ließ. Aber die Geister des Branntweins, die ihn beherrschten, ließen ihn nicht zur Besinnung kommen und erstickten jede Regung von Ritterlichkeit, wie sie sonst auch dem Argentinier aus den unteren Ständen eigentümlich ist. Er stieß ein rohes Schimpfwort aus 55S5SSS 88 669 8 9 S 26 □ 50 * *„„„ = 5 15 5030, S Eg B EST“ SCE „ E E v.—* S 0 2 S 9 2 22 5 8 5 5 5 5 85 Set“TSESig SpG S SESS SSnnS 2 5 G 5. E 9 2 G S 6 ** * 8 S 2 · 8 * 3 5 e □— S S S S 9 5 S 65 .2 3 S 8 5 S GS S # ia u: 3 55 L S S 0g 5 S 5* 2 S S E 5 E Br S 2 5 2 S 5 E= S #S 2 5:m 1e S# e. s22= .— * 8 2 23* G S — E 5 * S 2. S 2 pg B o|enns 90 5 2n 55 G 9..*** STg#Pg(s ## SPSEES * i. 10 S 903 SS 22 —# E 55 12 S E S5 S * 2 S SSE S S S S„2EE S# S#E: SSEESS — GGEEES* * S EE 2 50 5. elt und Zeit. Falsche Pelze. Wahre Meisterwerke aus der Kunst der Pelzfälschung sind es, die vor einiger Zeit bei der großen internationalen Ausstellung für Vogelzucht in Paris vor allem die bewundernden und beneidenden Blicke der Damen auf sich zogen. Hier konnte man sehen, zu welcher Vollkommenheit Frankreich in zäher Arbeit die Fabrikation der sogenannten„künstlichen“ Hermelin=, Otter=, Silberfuchs= und Skunkspelze entwickelt hat. Selbst leidliche Kenner von Pelzen werden beim Anblick dieser prachtvollen Mäntel, Muffe und Stolen unsicher. Freilich ist diesen Leistungen eine systematische und zielbewußte Veredelung der französischen Kaninchenzucht voraufgegangen. Ohne die kostbaren kleinen, weißen, polnischen Kaninchen ließe sich der Hermelin nicht so täuschend nachahmen; die größeren Silberkaninchen liefern ihr Fell für die Chinchilla=Imitationen, die französischen Havannakaninchen geben eine täuschende Nachahmung des Zobelpelzes, und die schwarzen Kaninchen werden hingeopfert zugunsten der Frauen, die ihre Freundinnen mit einer als Nachahmung unmöglich erkennbaren Jacke aus Otterfell erfreuen oder neidisch machen wollen. Für manche Felle dieser veredelten Kaninchen werden heute dem Züchter bereits 75 oder 80 Franken bezahlt, denn nur ausgezeichnete Exemplare ermöglichen die Herstellung einer ausgezeichneten Nachahmung. Aber nicht nur auf dem Gebiete der Pelzindustrie ist die Imitation infolge der gewaltig steigenden Preise eine wichtige und hochentwickelte Kunst geworden: auf der Ausstellung findet man einen Saal mit künstlichen Vogelfedern. Hier sieht man die prachtvollsten Paradiesvogelreiher, die ihr Dasein den schlichten Bewohnern eines Hühnerhofes verdanken. Aus den Federn von Gänsen, Truthähnen, Enten, Pfauen, Hühnern und Tauben stellen die französischen Federfabrikanten und Federfärber wahre Wunder an Federn her, und besonders sind es die weißen Pfauenfedern, die von den Modistinnen gesucht werden; hier ist die Nachfrage bereits viel größer als das Angebot. Eine„wahre“ Geschichte. Von„M. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) Schon waren aber wieder zwei Viertelstunden zu einer halben geworden und, wer kann es glauben, zwei halbe wieder zu einer ganzen. Die Uhr schlug sieben. Bis 5 Uhr hatte sie mich hierherbestellt, und noch war sie nicht da. Schrecklich! Aus lauter Langerweile und Aerger stützte ich den Kopf auf beide Hände und, vornübergebeugt, studierte ich eine Strafrede für ihr langes Ausbleiben ein.— Da fühlte ich plötzlich einen Handschlag auf meinen Schultern:„Grüß' Gott, Alfred!“ sprach jemand. Ich schaute mich um, und wer war's? Sie — nicht, aber mein Freund Kurt, einer von dem Flegeltrio.„Ah, Grüß' Gott, Kurt!“ entgegnete ich etwas kalt.„Gehst auch ein wenig promenieren?“—„Ja, ja, ich habe im Sinn, ein wenig spazierenzugehen. Vorerst möchte ich aber auf dem Bänkchen da ein wenig ausruhen.“—„So, so, du könntest dir aber doch ein anderes heraussuchen, denn ich glaube, wir unterhalten uns doch nicht sehr angenehm!“—„Kann sein!“ entgegnete er.„Aber ich bleibe nun einmal hier; wenn's dir nicht gefällt, kannst ja du woanders hin!“— nein, ich bleibe auch hier auf diesem Bänkchen. Aber ich habe doch mehr Recht darauf. Ich war Erster hier—“—„Gleichgültig, wenn's dir nicht paßt, so geh' doch!“—„Kurt, hör' einmal, es ist doch besser, du gehst!“—„Nein, ich gehe nicht, laß mich in Ruhe jetzt—— ich muß auf jemand warten!“ sagte er bissig und wendete sich ab. Ich sagte nichts mehr vor Zorn und— Angst.„Wenn sie jetzt käme,“ dachte ich mir und fiel in meine vorige Stellung wieder zurück, „was wird da geschehen? Herrgott, der ist mir jetzt sehr gelegen gekommen.— Hm, was machen wir da!— Uebrigens, auf wen wartet denn der wohl? Kann mir nicht denken,— ist mir eigentlich höchst gleichgültig. Wenn nur Marie käme, daß ich ihn recht ärgern könnte.“ So und Aehnliches dachte ich mir damals, aber da ließ sich gut reden und überlegen, sie kam einfach nicht. Es verrann Stunde um Stunde, schon war’s acht Uhr, und sie war noch nicht da. Und sonderbar! Kurt saß auch immer noch allein am anderen Ende des Bänkchens, und zwar, wie es schien, recht mißgestimmt, wie ich. Er summte ein Liedchen vor sich hin, ich glaube, es war das Motiv: O, wie so trügerisch sind Weiberherzen!— So unrecht hatte er nicht, und ohne lange zu überlegen, pfiff ich die Melodie mit. Da mußte er plötzlich lachen:„Ha, ha, ich glaube, wir sind Leidensgenossen. Du wartest auch auf jemand, der nicht mehr kommt.“—„Kann sein!“ antwortete ich lakonisch.„Auf eine„Sie“!“—„Möglich!“—„Und wie heißt das liebwerte Fräulein?“— „Kurt, der Name tut nichts zur Sache!“—„Aha, ich ahne!“ Ich gab ihm keine Antwort. Beide schwiegen wir. Lautlos verging fast eine Viertelstunde, da sagte Kurt plötzlich:„Du, Alfred, die Dame, die dich hierher bestellt hat, ist Fräulein Marie!“ Ich war höchst überrascht, ließ mir aber nichts anmerken.„Und wenn sie's wäre!“ entgegnete ich überlegen, glaubte ich doch, ihn schon längst ausgestochen zu haben. Da fing der Mensch aber zu lachen an, wie ich noch nie einen habe lachen sehen. Er sprang auf, trat vor mich hin, ergriff meine Hände und rief:„Hahaha, Alfred, sauber sind wir ausgeschmiert; ich bin auch von Marie gebeten worden, hierher zu kommen.“—„Was, du auch?“ rief ich ganz baff. —„Ja, und unter höchst seltsamen Umständen.“ „Wieso!“—„Alfred, laß dir erzählen, setzen wir uns. — Vorgestern saß ich mit Marie hier auf diesem Bänkchen, ganz allein. Du weißt, ich habe große Chancen bei ihr gehabt; und ich habe schon meine Liebe zu ihr gestehen wollen, da sagte sie kurz, sie heirate überhaupt nicht, höchstens den, der sie——“—„— einmal geküßt!“, rief ich dazwischen. Jetzt war die Reihe an mir zu lachen, und das tat ich zur Genüge. Was brauch' ich weiter zu erzählen! Fräulein Marie hatte meinem Freunde dieselbe Geschichte mit dem Kuß vorgeschwefelt wie mir; auch die Folge war, wie man sehen konnte, die nämliche. Auch er war trotz seiner Charakterfestigkeit dem Teufel der Lüge unterlegen, hatte gelogen um der Liebe willen. Daß wir unter derartigen Umständen das Warten aufgaben, ist selbstverständlich. Lachend verließen wir das Bänkchen. Ich muß noch einschalten, daß wir auf dieses Vorkommnis hin unsere alte Jugendfreundschaft wieder neu erstehen ließen, daß wir offen und ehrlich gegeneinander wurden und ganz besonders in puncto Liebe keinerlei Zwistigkeiten aufkommen ließen——“—„Also hat das Lügen doch noch einen Nutzen gehabt: alte Freundschaft in neuer Auflage, gewiß einen recht schönen. Aber was geschah dann mit dem Fräulein? Und was war denn mit dem dritten Flegel? Haben sich die zwei doch wohl geheiratet?“ wendete einer von den Tischgenossen ein.„Nur Geduld, meine Herren!“ fuhr der Apotheker fort.„Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Sie hat auch einen Schluß! Hören Sie! Als ich und mein Kurt das Bänkchen verlassen und lustiger Dinge Arm in Arm in das Städtchen zurückwandelten, wer kam da uns entgegen?—— Erwin, der dritte aus dem Flegelbunde.„Haha!“ riefen wir