„Schweren Zetung“ erscheimt üglc. auber Feierlags. Bezugspreits M. 1.80oierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchent. Gratisbeilage:„Illustrierter Famillenfreund“ u. tägl. Unterdaltungsblatt. Anzelgenpreis: Die siebengespaltene Pelitzeiloder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärs 15 Pig, Netlonezell 40 Plg. Jeder Rabalt gilt als Kassarabalt u. erlischl bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Richteachungd genachz. Jahungssesiagung. Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerter Tageblatt, O Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Börde o Haupt-Annoncenblatt aus bris, und icholpolzelichen Derord. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemas Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Verössenlichung is der„Schwerter Jeitung“, rechtsverdinduche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adonnenten für jeden mit Tod endenden Ugfol geBsgungen: 300 Mk. Unfall: Druchu. Verlago. Gar Pravs. Schwerte. Rude Fernsp.62. Telegr. Adr. Braus Schwerie=Ruhze Nr. 245. Montag, den 19. Oklober 1914. 46. Jahrgang. DiesrO O S Neiche Rriegsdeme in Blügge und Bsiende. Die Kämpfe bei und südlich Warschau dauern Zur Vorgeschichse des Krieges. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht heute eine Reihe von Berichten der dautschen diplomatischen Vertreter im Ausland, die die politischen und militärischen Beziehungen der Ententemächte vor dem Kriegsausbruch zum Gegenstand haben, die der deutschen„Militärpartei“ und dem dautschen„Militarismus“ die Schuld an dem gegenwärtigen Kriege zuschieben wollen. Von einer Bezeichnung der berichtenden Stellen muß abgesehen werden. Aus dem ersten veröffentlichten Bericht, der das Datum: März 1913 trägt, geht bezüglich einer Kooperation der englischen und fran' zösischen Flotten folgendes hervor: Die englische Flotte übernimmt den Schutz der Nordsee, des Kanals und des Atlantischen Ozeans, während Frankreich das Mittelmeer schützt, wobei das englische Mittelmeergeschwader unter französischen Befehl gestellt wird. In einem Notenwechsel, der im Herbst 1912 zwischen Grey und Cambon stattsand, behält sich England bezeichnenderweise im Falle des Eingreifens einer dritten Macht vor, seinen Interessen entsprechend handeln zu können. Ein zweiter Bericht vom Mai 1914 beschäftigt sich mit den politischen Ergebnissen des Besuches des Königs von England in Paris. Hiernach wurde, französischerseits, vertreten durch den Minister Doumergue, dem englischen Minister Grey gegenüber die Anregung gegeben, die bestehenden militärpolitischen Abmachungen zwischen Frankreich und England durch analoge Abmachungen zwischen England und Rußland zu ergänzen. Angesichts der Abneigung der englischen öffentlichen Meinung vor dem Abschluß förmlicher Bündnisverträge mit anderen Mächten, hat man sich schließlich in Paris und Petersburg mit weniger begnügen müssen. Im englischen Ministerrat ist dann beschlossen worden, ein Marineabkommen ins Auge zu fassen. Die russische Regierung soll sogar bereit gewesen sein, Konzessionen in der persischen Frage einzuräumen. Ein Bericht vom Juni 1914 gibt Kenntnis von einer Konferenz, die am 26. Mai 1914 beim Besuch des russischen Geschwaders stattfand; in dieser wurden die Grundlagen für die Verhandlungen über die englisch=russische Marinekonvention festgestellt. Neben regelmäßigen gegenseitigen Mitteilungen der beiden Marinestäbe über die Flotten dritter Mächte und die eigenen sollte ein regelmäßiger Gedankenaustausch stattfinden. Sehr wirkungsvoll ist der Einblick, den man in die Redlichkeit der feindlichen Staatsmänner gewinnt. Ssosonow erklärt im Juli noch, das englisch=russische Marineabkommen besteht lediglich„in der Idee des„Berliner Tageblattes" und im Monde“. Grey wird im Unterhause besragt, ob Verhandbungen im Gange seien; er weicht aus und verneint nur die gar nicht gestellte Frage, daß England bindende Verpflichtungen für einen europäischen Krieg eingegangen sei. —— Feder und Schwert. Auf den Nachweis, daß schon im Jahre 1906 England durch seinen Militärattache in Brüssel Belgien zu gemeinsamen Abreden über ein Zusammenwirken der belgischen Truppen mit einem englischen Landungskorps von 100000 Mann und damit zu einer Verletzung seiner Neutralitätspflichten verleitete, ist jetzt eine Veröffentlichung geheimer Aktenstücke der deutschen Regierung von gleicher Wichtigkeit für die Vorgeschichte des Krieges erfolgt. Mit dieser zweiten Veröffentlichung ist der Beweis erbracht, daß im Anschluß an den Besuch des englischen Königs in Paris im Mai 1914 Großes Hauptquartier, 17. Oktober. (Amtlich.) In Brügge und Ostende ist reichliches Kriegsmaterial erbeutet, u. a. eine große Zahl Infanterie=Gewehre mit Munition und 200 gebrauchsfähige Lokomotiven. Vom französischen Kriegsschauplatz sind wesentliche Ereignisse nicht zu melden. Im Goudernement Suwalki haben sich die Russen am gestrigen Tage ruhig verhalten. Die Zahl der bei Schirwindt eingebrachten Gefangenen hat sich auf 4000 erhöht. Ebenso sind noch einige Geschütze genommen worden. WTB Wien, 19. Okt. Amtlich wird verlautbar vom 18. Oktober mittags: Unser Angriff in der Schlacht beiderseits des Strwiaflusseg wurde gestern fortgesetzt und gelangte stellenweise bereits nahe an die feindlichen Linien heran. An einzelnen Punkten arbeiten sich unsere Truppen wie im Festungskriege in Laufgräben vorwärts. In der vergangenen Nacht wurden mehrere Angriffsversuche der Russen blutig abgeschlagen. Auch heute ist die Schlacht auf der ganzen Linie im Gange. Unsere schwere Artillerie hat angegriffen. Die Verfolgung des nördlich Wyszkowg geworsenen Feindes wird fortgesetzt. Andere Teile unserer über die Karpathen gerückten Kräfte sind bis Lubience auf den Höhen nördlich Orow und in dem Raume von Uroz vorgedrungen. Die Verluste der Russen beim Angriff auf Przemysl werden auf 40 000 Tote und Verwundete geschätzt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Generalmajor. Berlin, 17. Oktober. Dem„Achtuhr=Abend. blatt“ wird aus Zürich gedrahtet: Wie die„Neue Freie Zürcher Zeitung“ meldet, befindet sich ganz Polen westlich der Weichsel in deutschem und österreichisch=ungarischem Besitz. Nur noch Warschau wird von den Russen gehalten. Von einem Aufgeben der Belagerung von Ossowiece, wie von rusBerlin, 19. Okt. Der„Nationalzeitung" wird aus Wien gemeldet: Das„Neue Wiener Tagblatt“ bringt über Basel und Paris einen ausführlichen Bericht, in dem nachgewiesen wird, daß die französische Feldarmee auf der strategischen Linie Nevers=Dijon=Langres=Epinal eine Rückzugsbewegung eingeleitet hat. Das Morvan=Plateau, die Cote d'or und das Tal der Marne mit den südlichen Ausläufern, die schon vor einigen Monaten im Plane des Generals Joffre eine bedeutende Rolle spielen sollten, kommen jetzt zur Geltung, da die Umgehungsbewegung gegen den deutschen rechten Flügel endgültig gescheitert ist und der Belagerungskrieg in der Somme, Oise und Aisne wegen der sehr lang ausgedehnten Front und dem artilleristischen Uebergewicht der Deutschen über die französische Feldarmee eine unerträglich fähmende Lage bedeutet. Von den 344 Regimentern der Linieninfanterie werden 14 oder 12 Korps, 600 000 Mann, im Bereiche des MorvanPlateaus konzentriert. Ein großer Teil dieser fort. WTB Großes Hauptquartier, 18. Okt. vormittags.(Amtlich.) Auf dem westlichen Kriegsschauplatz ist der gestrige Tag allgemein ruhig verlaufen. Die Lage ist unverändert. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz sind unsere Truppen in der Gegend von Lyck im Vorgehen. Der Kampf bei und südlich Warschau dauert an. sischer Seite gemeldet wurde, kann keine Rede sein, denn die Festung ist niemals belagert, sondern nur zur Absperrung des Bober=Ueberganges im Rah. men der früheren Operationen beschossen worden. Die Russen verkündeten jedes Vorrücken in vereinzelte, von den Deutschen geräumte Gebiete als Siege, haben aber in Wahrheit nur da gesiegt, wo sie keinen Gegner mehr vorfanden. Deutsche Tauben und Zeppelin über Warschau. Berlin, 17. Okt. Dem„Achtuhr=Abendblatt“ wird aus Krakau gedrahtet: Nach der Meldung eines hiesigen Blattes sind nauerdings über Warschau zwei deutsche Tauben und ein Zeppelin gesichtet worden. Unter der Bevölkerung verursachte das Erscheinen der Luftschiffe eine unbeschreibliche Panik. Der wohlhabende Teil der Bevölkerung verläßt fluchtartig die Stadt. Verzweiflung in Warschau. Wien, 18. Okt. Wie der„B. Z.“ aus Krakau gemeldet wird, traf in Petersburg eine polnische Deputation ein, die alle Minister besuchte und um die Verlängerung des Moratoriumg und die Versorgung der ruinierten Bevölkerung Russisch=Polens mit Nahrungs= und Heizmitteln bat. Die Stimmung in Warschau wird als verzweifelt geschildert. Es herrscht Mangel an Lebensmitteln und Kohlen. Die Unsicherheit wächst in erschrekkender Weise. Truppen ist bereits an Ort und Stelle, und die französische Feldpost hat ihren neuen Standpunkt bekannt gegeben. Von den rund 200 Infanterieregimentern, die nicht in dem neuen Kriegsgebiet aktiv auftreten werden, entfallen noch einige auf die Linie Toul=Verdun, die aber anscheinend mit der Zeit aufgegeben werden soll. Die übrigen decken südwestlich von Paris den Regierungsbezirk Vordeaux. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Artillerie diese Insanteriebewegung noch nicht mitgemacht hat, denn sie hat die Bewegung zu decken und soll den Belagerungskampf in der langgestreckten Front maskieren. Immerhin sind aber von der Artillerie bereits stärkere Massen auf das Plateau von Morvan zurückgezogen. Ganz deut. lich werden die neuen Pläne des französischen Generalissimus an der Aufstellung der Fliegerkorp## erkannt. Die zwei Luftschifserbataillone gingen nach Bourges und Nivers, die zwei aviatischen Gruppen nach Dijon und Bourges, alles nach dem Morvan. — auf Anregung von Iswolski über ein anglo=russisches Marineabkommen verhandelt wurde. So oft auch die englischen Staatsmänner im Unterhause eine Verpflichtung Englands zu militärischer Hilfsleistung abgeleugnet haben, so war doch tatsächlich England durch die militärischen Abreden vollständig gebunden. Dem Auswärtigen Amt ist häufig vorgeworfen worden, es sei infolge unzulänglicher diplomatischer Vertretung im Auslande nicht gut genug unterrichtet, es lasse sich von Ereignissen überraschen, die bei besserer Unterrichtung hätten vorausgesehen und vielleicht verhindert werden können. Auch während der gegenwärtigen Kriegszeit ist manchem ein vorschneller Tadel dieser Art über die Lippen gekommen. Wie die veröffentlichten Aktenstücke auf der einen Seite zeigen, daß die wahre Kriegspartei in Petersburg ihren Sitz hatte und von den englischen Staatsmännern begünstigt wurde, so stellen sie auf der anderen Seite der Leitung unserer auswärtigen Politik das Zeugnis aus, daß sie recht gut über die geheimen Einkreisungstreibereien unterrichtet war und sich nicht durch heuchlerische offizielle Versicherungen unserer Gegner in Sicherheit wiegen ließ War doch auch nach dem militärischen GeheimAbkommen zwischen Grey und dem Londoner Botschafter Cambon kaum ein Vierteljahr verflossen, als der Reichskanzler in voller Uebereinstimmung mit dem Chef des Großen Generalstabes ankündigen ließ(März 1913), daß eine große Wehrvorlage Deutschland gegen einen Krieg mit mehreren Fronten zur Verteidigung seiner Existenz in bessere Bereitschaft setzen müsse. Deshalb wäre es ungerecht, zu glauben, das Schwert müsse gut machen, was die Feder verdorben hat. Wie sie vor diesem heiligen Abwehrkriege zusammengewirkt haben, so wird auch, wie wir vertrauen, die Feder am Ende des großen Ringens nicht verderben, was das Schwert Ungehaures geleistet hat. Die richtige Antwort. WTB Wien, 17. Okt.(Nicht amtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird amtlich gemeldet: Am 2. Oktober, um 3 Uhr nachmittags, wurde beim Festungskommando Przemysl folgender an den Kommandanten der Festung gerichteter, durch einen Parlamentär überbrachter Brief präsentiert: Herr Kommandant! Das Glück verließ die K. K. Armee. Die letzten erfolgreichen Kämpfe unserer Truppen gaben mir die Möglichkeit, die Eurer Exzellenz anvertraute Festung Przemysk zu umringen. Irgendwelche Hilfe für Sie von außen halte ich für unmöglich. Um das unnütze Blutvergießen zu vermeiden, finde ich, jetzt zur rechten Zeit, Ew. Exzellenz eine Unterhandlung über die Uebergabe der Festung vorzuschlagen, da es in diesem Falle möglich wäre, für Sie und die Garnison ehrenvolle Bedingungen beim allerhöchsten Oberkommando zu erbitten. Falls Ew. Exzellenz die Unterhandlung zu beginnen wünschen, wollen Sie unserm entsprechend bevollmächtigten Delegierten, Oberstleutnant Wandam, Ihre Bedingungen gütigst mitteilen. Ich benutze diesen Anlaß, um Ew. Exzellenz meine Hochachtung auszusprechen. Das Kommando, der Przemysl blockierenden Armee: General Radko Dimitrieff. Die sogleich auf das Schreiben erteilte Antwort lautete: Herr Kommandant! Ich finde es unter meiner Würde, auf Ihr schimpfliches Ansinnen eine meritorische Antwort zu erteilen. Der Kommandant der Besatzung von Przemysl, Die Verlusse der Russen bei Przemysl! deutsch=österreichische Vormarsch in Polen! Die Franzosen leiten eine Rüchzugsbewegung ein. Krieg gegen Frankreich. ige Kämpfe in der Gegend von Lille. erlin, 18. Oktober. Dem„Achtuhr=Abendatt" wird aus Stockholm gedrahtet: Der militärische Mitarbeiter der Londoner„Times“ meint, daß aller Wahrscheinlichkeit nach heftige Kämpfe in der Gegend von Lille stattfinden. Er erklärt weiter: Vorläufig sind wir jetzt vom Festungskriege frei. Allein es stehen eine Reihe ernster Kämpfe auf freiem Gelände sowohl im Westen wie im Osten bevor. Nach allem scheinen die deutschen Heere die Initiative zurückgenommen zu haben und beabsichtigen jedenfalls mittelst Durchbrüche durch die Reihen der Verbündeten den Sieg zu erringen. Höchst wahrscheinlich wird der deutsche rechte Flügel in Frankreich während der nächsten Tage einen heftigen Vormarsch unternehmen, dem ein allgemeiner Angriff auf der linken Linie folgen dürfte. Die Beschießung von Reims. Rotterdam, 18. Oktober. Eine deutsche Granate hat neuerdings die Kathedrale von Reims getroffen und eine Galerie zerstört. Auch der Justizpalast wurde von drei Granaten getroffen und in Trümmer gelegt. Gedrückte Stimmung in Paris. Rom, 19. Okt. Die„Tribuna“ berichtet aus Paris: Tagen der Hoffrung sind Tage der Ungewißheit und Trauer wieder gefolgt. Die Schlacht an der Marne hatte die entsetzliche Furcht vor dem Anmarsch des Feindes auf Paris beseitigt. Obwohl niemand es offen zugibt, fürchtet jeder, daß der Kampf bei Arras unglücklich ausgeht. Nach dem Fall Antwerpens steigern sich die Besorgnisse. Kein Zureden kann den Gemütern die Ruhe wiedergeben. Die Leute sind mißtremisch und ungläubig geworden. Englands Beistand wird für ungenügend gehalten. Man weiß nicht, was die indischen Truppen machen. Der Generalstab hält geheim, daß sie in Lagern untergebracht, europäisch ausge. bildet, im Schanzengraben unterrichtet werden und sich ans Klima gewöhnen müssen Flüchtlinge aus Lille haben die Nachricht von der Einnahme Lilles und dem kampflosen Abzug der dortigen Garnison gebracht. Während alle Zeitungen von siegreichen Kämpfen erzählen, haben die Nachrichten dieser armen Flüchtlinge, die von einem Ort zum anderen gezogen und schließlich auch aus Lille, dessen Forts man für widerstandsfähig hielt, vertrieben wurden, die größte Niedergeschlagenheit verbreitet. Ein Zeichen drohender Gefahr. Genf, 19. Okt. Seit Wochenfrist ist jeder Personenzug nach Paris abgebrochen. Selbst den in Paris wohnenden Personen ist es unmöglich, dahin zurückzukehren. Die Behörden verweigern die Ausstellung von Reisepässen. Die Bevölkerung, die darüber beunruhigt ist, erblickt darin ein Zeichen der drohenden Gefahr. Wie die Deutschen eine Stadt besetzten. 500 Deutsche machten laut„Köln. Ztg.“ einen Bajonettangriff auf Feitles=Cenepfe, erstürmten die Höhen und schlugen die Franzosen. Alle Gebäude der kleinen Stadt hatten schwer unter den Geschossen und dem Feuer zu leiden. Die Deutschen besetzten die Stadt und nach 24 Stunden, nachdem der letzte Schuß gefallen war, waren viele der Bewohner der Stadt wieder in ihren Häusern. 48 Stunden später spielten die Kinder wieder auf den Straßen. Deutsche Soldaten vergnügten sich mit ihnen und gaben ihnen Unterricht im Zweiradfahren. Belgische Frauen lagen ihren häuslichen Pflichten ob, als ob nichts geschehen wäre, wuschen ihre Wäsche usw Zwanzig Schritt entfernt wurde eine Wagenremise mit französischen Gefangenen belegt, unter Eskorte von deutschen Soldaten, Offie Die Kämpfe zur See! Eln englischer Kreuzer, 4 deutsche Torpedoboote gesunken! WTB Berlin, 17. Okt.(Nicht amtlich.) Aus London wird amtlich unter dem 16. d. M. gemeldet: Am 15. d. M., nachmittags, wurde der englische Kreuzer„Hawke“ in der nördlichen Nordsee durch den Torpedoschuß eines Unterseebootes zum Sinken gebracht Ein Offizier, 49 Mann sind gerettet und in Aberdeen gelandet. Etwa 350 Mann werden vermißt. Zu gleicher Zeit wurde der Kreuzer„Theseus“ angegriffen, aber ohne Erfolg. Wie uns von amtlicher Stelle gemeldet wird, liegt eine Bestätigung der Nachricht deutscherseits noch nicht vor.(Wiederholt, weil nur in einem Teil der Samstags=Ausgabe.) Berlin, 18. Oktober. Der vernichtete englische Kreuzer„Hawke“ hatte fast genau dieselbe Ausdehnung und die gleichen Angriffsmittel wie die„Aboukir“=Klasse, von der kürzlich drei Kreuzer durch ein deutsches Unterseeboot torpediert wur' den. Der Besatzungsetat beträgt nach einer anderen Meldung 550 Mann, doch ist es nicht unmöglich, daß die„Hawke“ als älterer Kreuzer nicht die volle Besatzung hatte. Vielleicht aber ändern sich die angegebenen Ziffern noch, wenn erst von deutscher amtlicher Seite Mitteilungen vorliegen. Bis dahin kann mit aller Vorsicht schon gesagt werden, daß es sich abermals um ein Heldenstück unserer Unterseebootsflottille handelt, das um so höher zu veranschlagen ist, als nicht nur dabei ein englisches Kriegsschiff vernichtet, sondern auch ein anderes ernsthaft angegriffen worden ist. Leider scheint der„Theseus“ für diesmal entkommen zu sein. Für die Kühnheit dieses neuen Vorstoßes spricht die Tatsache, daß der Schauplatz der Tat sich sehr weit im nördlichen Teile der Nordsee befindet, was daraus hervorgeht, daß nach der englischen Meldung die Geretteten in Aberdeen im nördlichen Schottland gelandet wurden. nommen habe. Sie waren in einem vollgepfropften Rettungsboote entkommen, vermochten jedoch nicht, die im Wasser treibenden Mannschaften, die sich mit Schwimmgürteln und Floßstücken hielten, zu retten. Kopenhagen, 18. Oktober. Der Zeitung „Politiken“ wird über den Untergang des Kreuzers„Hawke“ aus London noch gemeldet: Die Kreuzer„Hawke“ und„Theseus" befanden sich auf Wachdienst in der Nordsee, als sie zwei deutsche Unterseeboote bemerkten.„Theseus" entging dem Angriff durch ein geschicktes Manöver und schleunige Flucht. Eines der deutschen Boote ist beschädigt. Einzelheiten über den Untergang. Köln, 18. Okt. Der Köln. Ztg. wird von der holländischen Grenze gedrahtet: Ueber den Untergang der„Hawke“ meldet der„Ewening Standart“ aus Aberdeen: Der Kreuzer versank fünf Minuten nach dem Torpedoschuß. Der Fischer des Fischereidampfers meldet, daß er in der Nacht die Geretteten von einem norwegischen Dampfer überBerlin, 19. Okt.(W. T. B.) Die Torpedoboote S. 115, 117, 118, 119 gerieten unweit der holländischen Küste in einen Kampf mit dem englischen Kreuzer„Undaunte" und vier englischen Zerstörern. Nach amtlichen englischen Nachrichten wurden die deutschen Boote zum Sinken gebracht. Von der Besatzung wurden 31 Mann in England gelandet. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes: Behnke. Nähere Einzelheiten: London, 19. Okt Die englische Admiralität erklärt offiziell: An der holländischen Küste wurden 4 deutsche Torpedoboote von dem englischen Kreuzer Undaunte und den vier Torpedobooten Lance, Lennox, Legion und Loyal überrascht und nach heftigem Kampfe versenkt. Die Undaunte ist einer der modernsten englischen kleinen Kreuzer von 3700 Tonnen und erst kürzlich in Dienst gestellt worden. Die englischen Torpedoboote gehören der L=Klasse an und sind gleichfalls erst 1914 in Dienst gestellt. Sie haben einen Raum von 1100 Tonnen und eine Geschwindigkeit von 31 Knoten. Die englische Admiralität meldet weiter: Von den vier versenkten deutschen Torpedobooten wurden 31 Seeleute gerettet, von denen die meisten verwundet sind. Die englischen Verluste belaufen sich auf 1 Offizier und 4 Matrosen. ziere und Soldaten machten Einquartierung in den Hauptstraßen, das alles ging aber so ruhig ab, daß man nicht das geringste von einer Panik spüren konnte. Die Belagerung Belforts. Berlin, 19. Okt. Der Stockholmer Zeitung „Dagenz Nyheter“ wird aus London unter dem 15. Oktober gemeldet: Die Deutschen haben ihre schwere Artillerie gegen Belfort transportiert und die Belagerung begonnen. 500 000 Franzosen tot oder verwundet. Wie spanische Blätter berichten, betrug die Zahl der gefallenen Franzosen am 29. v. M. 150000, die der Verwundeten 350000. Ueber die Zahl der Gefangenen wird von den Blättern nichts berichtet. Jeder Schuß sitzt! Ein französischer Feldpostbrief, der in amerikanischen Blättern(wieder ein Zeichen, daß sich dort allmählich die Wahrheit Bahn bricht!) veröffentlich wird, bestätigt die fabelhafte Treffsicherheit der deutschen Geschütze. Eine eben auf einer Hügelspitze angekommene französische Abteilung war kaum von der deutschen Artillerie erblickt worden, als auch schon die Granaten einschlugen. Es ging immer der Reihe nach: erst kam die Spitze und das Ende der Abteilung zugleich unter Feuer, dann marschierte der Kugelregen langsam nach der Mitte zu, so daß niemand entkommen konnte. Jeder Schuß riß immer ganze Lücken. Einmal waren 6 Mann zu gleicher Zeit zerfetzt worden, während der siebente mit abgerissenen Beinen flehend um Erlösung von seinen Leiden bat. Ein Offizier lief zurück, sah dem Unglücklichen in die Augen, dann holte er seinen Revolver heraus und schoß ihm ins Herz. Der Kugelregen war inzwischen weiter nach vorn gegangen, plötzlich aber kam noch eine deutsche Kugel und schoß auch den mitleidigen Offizier zu Boden, als wollte sie nachholen, was vorher versäumt war So entging auch nicht ein einziger dem sicheren Verhängnis. Ein tapferer Arzt. Mitten im fürchterlichsten Kugelregen auf den Schlachtfeldern Lothringens hat ein als Unterarzt eingezogener Kandidat der Medizin, Oskar Roos aus Hagenau i. E., bei einem schwerverwundeten Soldaten die Amputation eines Beines vorgenommen, unbeirrt durch die dicht neben ihm einschlagenden feindlichen Schrapnells. Die Operation ist so glücklich verlaufen, daß der Soldat sich bereits auf dem Wege der Besserung befindet Der tapfere Mediziner hat vom Großherzog von Hessen für seine wackere Tat den„Orden für Tapferkeit“ erhalten. Die„bayerischen Löwen“ im Lazarett. In Saarburg kam laut„Frankf. Ztg.“ ein Transport schwerverwundeter Bayern zusammen mit Franzosen an. Man bettete sie gemeinsam nebeneinander. Da sprang plötzlich ein junger Bayer, der eben aus dem Operationssaal wieder in sein Bett gebracht worden war, noch halb in der Narkose von seiner Ruhestatt und auf ein paar rote Hosen, die am Kopfende eines verwundeten Franzosen hingen.„Sakerdi!“ schrie er dabei fortwährend,„s' müssen z'rück, s' müssen z'rück!“ Mit Mühe konnte man den noch halb Betäubten wieder in sein Bett bringen. Als er schließlich zu sich kam, fing er an zu weinen: Laßt mich zu meinem Hauptmann! Erst als alle roten Hosen aus dem Saal entfernt worden waren, gab er Ruhe. Ein bayerischer Offizier jammerte noch auf seinem Sterbebette über das„schöne Bombardement", das ihm„verloren gegangen“ sei. Und wieder ein anderer, dem die Franzosen das Gesicht arg entstellt hatten, sagte nur, als er sich im Spiegel betrachtete: Ah, des mocht nix! Aber den, wenn i noch erwisch! Sprachs, ließ sich verbinden und sofort wieder für die Front vermerken. Vor dem Verzweiflungskampf um Dünkirchen. WTB Kopenhagen, 19. Okt.„Berlinske Tidende“ meldet aus London: Seit Donnerstag steht ein verzweifelter Kampf in der Gegend von Ypern un Courtrais, wo die deutschen Truppen von Antwerpen mit größter Heftigkeit auf den äußersten linken Flügel der Franzosen drücken, um eine Verbindung mit dem deutschen westlichen Flügel in Belgien und dem deutschen rechten Flügel in Frankreich herzustellen. Die Anstrengungen waren bisher erfolglos, werden aber mit unverminderter Gewalt fortgesetzt. Gleichzeitig griff ein starkes gemischtes deutsches Korps die englische und französische Besatzung von Ostende und die französischen Marinesoldaten an, die den Rückzug der Belgier nach Dünkirchen decken und eine verschanzte Stellung zwischen Dixmuiden und Roulers vorbereiten. Der Ausgang des Kampfes ist nicht bekannt, doch wird nicht geglaubt, daß die Verbündeten ihre Stellung halten werden. Die Bewegung des Heeres ist sehr durch die flüchtende belgische Bevölkerung gehemmt. Der nächste große Kampf wird bei Dünkirchen erwartet, wo die Franzosen und Engländer Feldbefestigungen um die Stadt errichteten und große Ueberschwemmungen vorgenommen haben. Hier das Vorrücken der Deutschen zu verhindern, ist von allergrößter Bedeutung, da eg dem linken Flügel der Verbündeten gilt. Landesverräter. WTB Straßburg, 18. Okt. Das außerordentliche Kriegsgericht hat gegen den Notar Dr. Jakob Hartmann und den Kantonalarzt Adrian Schmittbühl, früher in Schirmeck und jetzt in Florenz, eine Untersuchung wegen Landesverrats eröffnet. Beider Vermögen ist durch Beschluß vom 13. Oktober mit Beschlag belegt worden. Der Krieg gegen Belgien. Wo ist die belgische Regierung? Berlin, 18. Okt. In einem Kriegsberichte aus dem Westen heißt es im Berliner Tageblatt: In der jetzigen Lage ist Belgien nunmehr bloß ein geographischer Begriff. Aber auch dafür haben die Engländer gesorgt, daß Belgien staatsrechtlich noch wirken kann. England soll, wie von unterrichteter Seite in Antwerpen gesagt wird, ein neutraHerz Roman von Louise Cammerer. 19 Herminens kraftvolle Schönheit hatte ihm schon früher imponiert. Ihr Stolz, gepaart mit Kälte, hatte sie jedoch vor jeder unliebsamen Erfahrung geschützt, da sie von allem Anfang an dem Ernst seiner Absichten mißtraute. Tatsächlich war Stetten auch die Absicht einer Heirat ganz fern gelegen, zumal er seine Freiheit auszugenießen wünschte und er einestiefen, nachhaltigen Gefühls gar nicht fähig war. Dennoch beschloß er, aus der jetzigen Situation Vorteile zu ziehen, umsomehr, als er der schönen Frau eine Demütigung gönnte. „Du fängst an, mir unheimlich zu werden, Helldrungen,“ sagte er mit einem lauernden Seitenblick,„und zählst entweder zu der durchtriebenen Heuchlersorte der Tartüffs oder zu den größten Toren, die mir jemals im Leben vorgekommen sind. Heraus mit der Sprache! Wer ist die Dame Dagmar, der Deine verzweifelten Herzensrufe gelten? Dagmar!“ parodierte er mit aufgehobenen Händen Werners Stellung effektierend,„so viel ich mich entsinne, erwartest Du nun seit Stunden Deine eigene Frau, deren Rechte und Pflichten Du vor wenigen Minuten ostentativ betontest. Seit wann befindet sich Deine Mutter hier?" „Davon ein andermal! Du siehst mich augenblicklich nicht in der Stimmung, Dir Rede und Antwort zu stehen!" erwiderte Werner nervös.„Es ist an der Zeit, mich nach Hermine umzusehen. Auf Wiedersehen, Stetten!" Mit flüchtigem Gruße enteilte er, um allen weiteren belästigenden Fragen zu entgehen. Stetten wandelte noch lange unter den Bäumen auf und ab, deren Blattlaub bereits die Anfangsschattierungen der herrlichsten Malkunst trug und entwarf in Gedanken Eroberungspläne. Hermine stand noch immer vor dem großen Trumeau, als Werner ungestüm ins Zimmer trat. Bei ihrem Anblick verhielt er den Schritt, denn sie hatte gewählte Toilette gemacht und sah in der Tat entzückend schön aus. Ein Seidenkleid von der zarten, duftigen Penseefärbung einer Skabiosa, überreich mitValenciennes drapiert,umschloß knapp anliegend ihre herrliche Figur. Die weiten, offenen, mit Seide unterlegten Spitzenärmel ließen die Arme von klassischer Formenbildung frei. In kraftvoller, blühender Lebensfülle trat sie aus der kostbaren Umhüllung heraus. Werners Auge war aufs neue angeregt, doch sein Herz blieb kalt. „Es hat hübsch lange gedauert, bis ich mit meiner Toilette zustande kam,“ sagte sie, ihm die feinbehandschuhte Linke zum Einknöpfen hinreichend, „doch das ist wohl zu entschuldigen, wenn man so geringe Beihilfe findet. Dazu schrieb mir Papa lauter unerquickliche Dinge, von einer Streikbewegung seiner Arbeiter, von erlittenen Verlusten und noch weiteren, die ihm bevorstünden. Als ob mich derlei interessieren könnte! Längst hätte er sich aus dem Geschäftsleben zurückziehen und sich zur Ruhe setzen sollen, anstatt immer neue Risikos zu übernehmen. Du hast Dir doch auf alle Fälle ein bedeutendes Vermögen für mich sichern lassen, Werner, damit wir nicht mit Papas geschäftlichen Kalamitäten zu rechnen brauchen?" Die empörende Gleichgültigkeit, mit der sie über ihres Vaters Sorgen hinwegging, nur auf die eigene Sicherheit bedacht, erregte seinen Widerwillen. „Papa hat sich sehr vorsorglich gezeigt und zu Deinem reizvoll ausgestatteten Bijou noch ein Barkapital von achtzigtausend Mark auf der Reichsbank deponiert, über welches Vermögen Dir völlig freies Verfügungsrecht zusteht. Mehr zu tun vermochte er augenblicklich nicht, da er weitere Barkapitalten zurzeit nicht im Hause hatte und nicht flüssig machen konnte!“ Herminens feine Nasenflügel vibrierten, das Flacon, aus welchem sie ihr Taschentuch benetzte, entfiel ihrer Hand und zerschmetterte am Boden. „Achtzigtausend Mark," wiederholte sie mit schrillem Auflachen,„wahrlich eine Bagatelle, Papas enormem Vermögen gegenüber. Eine Summe, deren Verzinsungetwa zur Bestreitung meiner Toilettenbedürfnisse ausreichend sein könnte. Wovon sollen wir denn leben? Vielleicht von Deiner Leutnantsgage? In unserem beiderseitigen Interesse hättest Du Papa entschiedener entgegentreten und uns die doppelte Summe deponieren lassen sollen, zumal bei seinen jetzigen Geschäftskrisen.“ Helldrungens Blut geriet in Wallung, heftig trommelte er auf einer Fensterscheibe herum. Wie unkindlich und unzart sie ihres Vaters erwähnte, der ihr gut genug war, ihre luxuriösen Lebensansprüche zu befriedigen, sich aber im sonstigen keinerlei Beweise ihrer Zuneigung erfreuen durfte. „Es bleibt Dir unbenommen, Dich mit Papa ins Einvernehmen zu setzen und ihm Deine Wünsche nahezulegen, Hermine," erwiderte er schroff.„Meines Erachtens ist er ein Mann, dem das Wohlergehen seiner Kinder obenan steht und der stets seine geschäftlichen Vorteile wahrt!“ Sein verächtlicher Ton genierte Hermine nicht. „Bah!“ Trotzig schürzte sie den blühenden Mund und unter gesenkten Wimpern ihm einen bösen Blick zuwersend, sagte sie scharf:„Jeder ist sich selbst der Nächste und uns beiden fehlt das Zeug zu einem rührenden Liebesidyll! Es wäre das beste, unsern hiesigen Aufenthalt tunlichst abzukürzen, damit ich auf der Heimreise noch einige Tage bei den Meinigen zubringen und mich mit Papa über den Geldpunkt verständigen könnte. Er ist gewöhnt, meine Wünsche zu erfüllen und eine längere Ungewißheit würde mir unerträglich sein!" „Dies eingehend zu besprechen, findet sich noch Zeit genug, Hermine!“ sagte er ungeduldig.„Komm, laß uns endlich gehen. Ich habe mich heute morgen bei meiner Cousine zu Gast geladen und erwarte von Dir. daß Du Dich, gegen Mama und Daamar etwas liebenswürdiger zeigst, wie gestern bei unserer Ankunft, wo man Dir wegen der stürmischen Meeresfahrt und den ausgestandenen Aengsten manches zugute hielt. Allen Ernstes fordere ich von der Frau, die meinen Namen trägt, gegen meine Verwandten die Rücksicht zu beobachten, die sie ihnen als meine Frau schuldet, zumal die vornehme Verwandtschaft ihr die glänzende Perspektive eröffnet, die Hermine Wilten vormals für ihr Leben ersehnte!" Mit lächelndem Hohn hatte sie ihm zugehört. Ihre Gestalt reckte sich, schien noch zu wachsen, hochaufgerichtet trat sie vor ihn hin. „Echauffiere Dich nicht, bester Helldrungen, und unterlasse den Kommandoton, der wohl auf dem Exerzierplatz der ländlichen Soldateska imponieren könnte, mir aber keineswegs behagt!“ sagte sie malitiös.„Noch bin ich für den Drill nicht geeignet und gewöhnt, meinen Willen zu behaupten, und Deine Cousine ist mir, so ungern Du es auch hören magst, durchaus unsympathisch! Weshalb sollte ich mich zu einem Verkehr zwingen, der mir nicht zusagt? Liebe und Haß sind Gefühle, welchen sich nicht gebieten läßt, und so wenig ich Dir einen Vorwurf aus der Neigung zu der schönen Cousine mache, so wenig füge ich mich aus leidigen Verwandtschaftsrücksichten irgend einem Drucke!" Mit zorublitzenden Augen, bis in die Lippen bleich, schritt Werner auf die Tür zu. „So wirst Du das Vergnügen haben, Dich während der Dauer Deines Hierseins nach eigenen Wünschen zu amüsieren, da ich mich auf keinen Fall von Deinen Zu= und Abneigungen beeinflussen lassen und mir einen Verkehr versagen werde, zu dem es mich mit ganzer Seele drängt!" erwiderte er in brüskem Ton. 202,16 Finsterdrohend flammte ihr Blick über ihn hinweg, und ein feindlicher, gehässiger Zug störte die schönen Linien ihres Angesichts. Wie zwei Gegner standen sie sich gegenüber, die ihre Kräfte messen les Territerium geschaffen haben und der belgischen Regierung die Insel Guernesey für die Dauer des Krieges abgetreten haben. Auf dieser Insel weilt augenblicklich die belgische Regierung. (Bisher war nur bekannt, daß sie in Havre angekommen war. D. Red.) Der König soll nach London geflüchtet sein. Albert der Hoffnungsselige. London, 18. Okt. Nach dem„Daily Expreß“ hat der König Albert einem belgischen Diplomaten in Ostende erklärt, er gebe niemals die Hoffnung auf, selbst wenn er Belgien verlassen müsse. Das Heer, das sich von Antwerpen zurückgezogen habe, besinde sich in ausgezeichnetem Zustande(?). Das Land müsse noch viel Leiden ertragen, aber er vertraue auf den englischen Sieg, der größer als jemals sein werde. Die Königin der Belgier habe trotz ihrer angegriffenen Gesundheit den König angefleht, ihm und dem Heer überall folgen zu dürfen. Belgiens Zukunft. Die Anwesenheit des deutschen Reichskanzlers in Brüssel beweist, daß über die fernere Zukunft Belgiens die Entscheidungen von deutscher Seite erfolgen. Seit 1906 steht Belgien vertraglich im Bunde mit unseren beiden Feinden im Westen. Das Märchen vom Bruch der belgischen Neutralität durch Deutschland hat ausgespielt. Das Deutsche Reich wird in dem eroberten Gebiete solche Verhältnisse schaffen, die künftige feindliche Beunruhigungen ausschließen. Das ist ein einfaches Gebot der Selbsterhaltung. Ein belgischer Dank an unsere Truppen. WTB Brüssel, 17. Okt.(Nicht amtlich.) Der Bürgermeister der seit fast zehn Wochen von den deutschen Truppen besetzten Stadt Wemmel richtete an General=Gouverneur Frhrn. von der Goltz ein Schreiben, in dem er das Verhalten der dautschen Truppen als durchaus tadellos bezeichnet und in wärmsten Worten die Gerechtigkeitsliebe und die entgegenkommende und menschenfreundliche Haltung des Platzkommandanten Oberstleutnants von B. hervorhebt. Die Bevölkerung Wemmels, welche durch dieses Vorgehen von tiefster Dankbarkeit erfüllt sei, sehe deshalb der Zukunft vertrauensvoll entgegen. Rückkehr dienstpflichtiger Flüchtlinge. Terneuzen, 18. Okt Der Spezialberichterstatter des V. D. Telegraphen=Büros telegraphiert: Nach Mitteilungen vom hiesigen deutschen Konsulat wünscht die deutsche Behörde Kontrolle auszuüben auf diejenigen, die nach Antwerpen zurückkehren, da hier vorläufig Gelegenheit gegeben wird, über Noosendaal zurückzureisen, aber nicht über das Land von Waes. Es können alle jungen Männer, die zur belgischen Armee gehören, zurück. kehren, mit Ausnahme der Garde civique, auch wenn sie nicht in Uniform ist. Sie werden alle als Kriegsgefangene betrachtet. Antwerpen—Paris. Während es sonst als wichtigste Aufgabe einer Verteidigungarmee gilt, die belagerte Stadt zu schützen, hat diesmal genau umgekehrt die Stadt Antwerpen die Beschieftung über sich ergehen lassen müssen, um den fliehenden Engländern den Rücken zu decken! Dieses erbarmungslose Vorgehen englischer Söldnertruppen gibt jetzt, so schreibt die „Kreuz=Ztg.“, den Parisern ernsthaft zu denken, wie es Paris ergehen wird, wenn es unter englischem Schutz verteidigt wird, und man beginnt den englischen Busenfraund bereits mit argwöhnischen Blicken zu betrachten. Frankreich sieht zum erstenmal in dem Fall Antwerpens eine bittere Warnung für seine eigene Landeshauptstadt! Die Engländer stehlen Baumwolle in Antwerpen. M.=Gladbach, 18. Okt. Wie von der hiesigen Handelskammer mitgeteilt wurde, haben Feststellungen ergeben, daß im Hafen von Antwerpen im ganzen etwa 6000 Ballen Baumwolle für die rheinischen Spinner im Werte von 1 Million Mark lagern. Die Engländer haben dagegen 15000 Ballen im Werte von 2½ Millionen Mark, die ebenfalls nach Deutschland eingeführt werden sollten, nach England verschickt. Die sympathischen Holländer. Unter den holländischen Truppen ist folgender Tagesbefehl ausgegeben worden, der am besten den Eindruck des Falles von Antwerpen kennzeichnet: Die Uebergabe dieser bedeutendsten befestigten Stellung der belgischen Armee wird aller Voraussicht nach die Beruhigung in Belgien herbeiführen. Der deutsche Sieg ist von der größten kriegs. geschichtlichen Bedeutung und erbringt den Beweis der technischen Ueberlegenheit des Eroberers von Antwerpen.— Dieses begeisterte Lob in dem Tagesbefehl einer fremden Macht zu finden, muß allenthalben mit Fraude erfüllen und spricht deutlich für die durch keine gegnerischen Anstrengungen zu erschütternde Neutralität Hollands. # Der Krieg gegen Rußland. Der Kampf tobte bei Warschau in solcher Nähe, daß die Offiziere, die einige Stunden frei bekamen, in die Stadt gingen, um sich auszuruhen und dann wieder zurückzukehren. Die Gefechtslinie dehnt sich auf 270 Kilometer aus längs der Weichsel und dem Sanufer bis zum Dienster. Zur Russenzeit in Angerburg. Von der Russenherrschaft in Angerburg findet sich in der„Königsberger Allgemeinen Zeitung“ eine interessante Schilderung: Am Abend des 23. August, dem Beginn des nussischen Einmarsches, fand eine Bürgerversammlung statt, in der der Russengeneral Rennenkampf folgende Ansprache hielt: „Es ist von der Bevölkerung auf das Militär geschossen worden. Ich hätte das Recht, die ganze Stadt in Brand schießen zu lassen, will aber noch Gnade vor Recht ergehen lassen. Die Einwohner sollen sich ruhig verhalten. Wir wollen mit den preußischen Soldaten Krieg führen und nicht mit der Bevölkenung. Wir möchten gern kämpfen mit den preußischen Soldaten, aber wir sehen sie nicht. Ich weiß nicht, ob sie so wenig tapfer oder schwach sind.“ Ein Kaufmann wurde zum Bürgermeister und Landrat gewählt. Beim Nachhausegehen wurde einem Bürger die goldene Uhr nebst Kette geraubt. Die Führer der Bagagewagen und Sanitätskolonnen drangen in das Krüppelheim und bedrohten den Anstaltsgeistlichen, auf dessen Beschwerde die Schuldigen eine Tracht Prügel bekamen. Den gleichen Erfolg hatte die Beschwerde eines Kreisarztes, dessen Wohnung geplündert worden war. Der Kommandant vollzog eigenhändig die Strafe. Acht. zehn Tage dauerte die Russenherrschaft. Als dann die Russen die Flucht ergriffen, steckten sie Eisenbahnbrücken, die Gasanstalt und Scheunen in Brand. „Nache für Neidenburg!" dessen Bewohner von den Russen entsetzlich gemartert worden waren, war der Schlachtruf einer eben neu aus der Heimat in der Front eingetroffenen Truppenabteilung, mit dem sie den Russen auf den Leib rückte. Es waren größtenteils Kriegsfreiwillige, die erst kurz zuvor den Soldatenrock mit dem bürgerlichen Beruf vertauscht hatten Mit einer Begeisterung ohnegleichen nahmen sie den Befehl zum Vorrücken auf. Aber als sie eben durch einen schützenden Wald vordringen wollten, schlugen russische Granaten durch die Zweige, die ersten Verwundeten lagen am Boden. Das Bataillon stutzt einen Augenblick, die laute Begeisterung verwandelt sich in ernste Stimmung. Ein Hauptmann vom vordersten Regimenk, dem ein Granatstück Schulter und Arm total zersetzt hat, wankt ihnen taumelnd entgegen, einer aus der Reihe liegt plötzlich mit abgerissenen Beinen da und schreit fürchterlich um Hilfe. Wie die russische Mobilmachung bewerkstelligt wurde. Rastenburg, 17. Okt. Kürzlich gefangene Russen machten folgende Mitteilungen: Bereits im März und April erfolgten zahlreiche Einberufun. gen zu Waffenübrungen. Ohne Angaben von Gründen wurden dann die Mannschaften über die Zeit hinaus zurückbehalten. Den einberufenen Finnlän“ dern wurde gesagt, daß sie nach Warschau kommen sollten. Man verlud sie in Eisenbahnzüge, die auch tatsächlich Warschau berührten, dort aber durchfuhren und weiter bis an die Grenze gingen, wo die Truppen die Züge verlassen mußten. Sechs Wochen vor der Kriegserklärung war die Mobilmachung in Rußland fix und fertig. Die Vorbereitungsarbeiten gingen so weit, daß Bauern unter dem Befehl von Offizieren gezwungen wurden, in allen möglichen Teilen Russisch=Polens Schützengräben und Verschantzungen anzulegen. Gleichzeitig war auch ein weitverzweigtes Spionagasystem in den Grenzgebieten organisiert worden, unter dem nicht allein in Galizien die Oesterreicher, sondern auch in Ostpreußen die deutschen Tuuppen besonders am Anfang viel zu leiden hatten.(„Natl.=Ztg.“) Russische Räubereien. Zürich, 19. Okt. Dem„Rjetsch“ zufolge wurden von dem ausgeplünderten Gute„Kaiser Wilhelm“. bei Tilsit 30 Waggons Großvieh nach Minsk gebracht. Zur Vertreibung der Russen aus Ungarn. Wien, 17. Okt. Aus dem Kriegspressequartier wird amtlich gemeldet: Die Vertreibung der Russen aus dem Marmaroser Komitat erfolgte nach einer Reihe siegreicher Einzelgesechte. An dieser Aktion hatten auch Mitglieder der polnischen und ukranischen Legionen hervorragenden Anteil. Der heilige Krieg. Das persische Parlament erklärte die russische Antwort den persischen Wünschen gegenüber für ungenügend und fordert die Regierung auf, scharfe Maßnahmen zu treffen Im Innern des Landes durchziehen mohammedanische Priester die Ortschaften und predigen den heiligen Krieg gegen die russischen Unterdrücker. Der Krieg gegen England. Englands Bedrängnis in Indien. Konstantinopel, 18. Oktober. Zuverlässig wird von hier gemeldet, daß am 7. Oktober drei reguläre englische Bataillone von Malta aus den Suez=Kanal auf dem Wege nach Indien passiert hätten.(Diese Nachricht bestätigt die Meldungen von der großen Bedrängnis Englands in Indien.) Englands Verlegenheiten mehren sich! Konstantinopel, 19. Okt. Nach authentischen Nachrichten des Blattes Taswir=I=Frias wurde die afrikanisch=englische Kolonie Berberije von den arabischen Scheiks Mola=Lennez und Abdul erobert. Sämtliche Engländer wurden gefangen genommen. Man erwartet dort noch weitere arabische Angriffe. Die englische Regierung Aegyptens hat dort 120 Beamte und 200 Offiziere entlassen. Deutschseindliche Unruhen in England. WTB. London, 19. Okt.(Nicht amtlich.) Neutermelduung. In Deptford bei London sind in der vergangenen Nacht deutschfeindliche Unruhen ausgebrochen. Die Läden, die sich in deutschem Besitz befinden, wurden zerstört. Einer wurde in Brand gesteckt. Truppen sind zur Unterdrückung der Unruhen aufgeboten. Die Verteidigung Südwestafrikas. London, 18. Okt.„Daily Chronicle“ meldet aus Johannisburg, daß der Bürgermeister von Ermelo, Smuts, nach einer abenteuerlichen Reise durch Deutsch=Südwestafrika, wo er zurückgehalten wurde, dort eingetroffen ist. Smuts und seine Begleiter wurden gefangen genommen, konnten aber später die deutschen Behörden überzeugen, daß sie keine Spione waren. Sie verbrachten 5 Tage in Windhuk, wo sie Zeuge der deutschen Mobilmachung wurden. Die deutschen Streitkräfte setzten sich nach der Schättung Smuts aus 2000 Mann aktiver Truppen und 5000 Reservisten zusammen, in der Hauptsache deutsche Ansiedler, die zum Teil im deutschen Hereroaufstand mitgekämpft hatten. Smuts sah keine Artillerie. Die Deutschen versicherten ihm, daß sie für über drei Jahre genügend Vorräte hätten. Hilferuf Englands an Portugal. Bordeaux, 18. Oktober. Nach einer Zeitungs=Meldung kündigt ein am Freitag abend angekommenes Telegramm aus Lissabon an, daß England die Hilfe Portugals im gegenwärtigen Kriege gefordert habe. Die portugisische Regierung sei dieser Aufforderung gefolgt, werde aber noch das Parlament einberufen, welches die Teilnahme am Kriege wohl billigen werde. In Lissabon herrsche große Begeisterung. Der Krieg gegen Japan. Aus Kiautschou. Kopenhagen, 19. Okt. Die Zeitung„Vort. land“ meldet aus Tokio: Ein Teil des japanischen Geschwaders hat Mittwoch vormittag die IltisForts und die Inselforts zum Teil vernichtet. Zur selben Zeit haben Flieger Bomben geworfen. Währenz des Angriffes wurden ein Engländer getötet und zwei verwundet. Die Japaner erlitten keine Verluste. Für diese aus japanischer Quelle stammende Meldung liegt, wie wir hören, an Berliner amtlicher Stelle keine Bestätigung vor, da ja direkte Nachrichten aus Tsingtau nach Deutschland nicht gelangen. Die Behandlung der Deutschen in Japan ist nach Berichten dort lebender Deutscher zufriedenstellend. Sie stehen wohl unter polizeilicher Bewachung, können aber ihren Berufen nachgehen und dürfen sogar Briefe und Geldsendungen verschlossen absenden. Allerdings bleibt es fraglich, ob bei eintretenden japanischen Verlusten die Freundlichkeit der schlitzäugigen Herrschaften anhalten wird. Verletzung der Neutralität Chinas durch Japan. Nach der Pekinger Meldung eines Londoner Blattes, die der„Voss. Ztg.“ über Mailand zuging, haben zwei Kompagnien japanischer Infanterie Tsinansu, die Endstation der Shantung=Eisenbahn, besetzt und sich des gesamten rollenden Materials bemächtigt. Die Eisenbahn liegt innerhalb chinesischen Gebiets. Das japanische Vorgehen war daher eine scharfe Verletzung der Nautralität Chinas. Eine Division schinesischer Truppen, die in der Nähe lagerten, blieb auf Beobachtungsstationen. Es kamen fortwährend Zwischenfälle vor, jedoch wurde den Japanern kein offener Widerstand gelistet. —— Aus Stadt und Umgebung. Vor den Toren Warschaus. Stockholm, 19. Okt. Aus Warschau wird dem Reuterschen Bureau über die Wirkungen des deutschen Angriffs gemeldet: Die großen russischen Verluste rühren von der Artillerie her, Häuser und Dörfer gingen durch die Wirkungen der Granaten in Flammen auf. Die Deutschen benutzten Flugzeuge, die mit langen schwarzen Wimpeln Signale gaben, wenn sie sich über den russischen Vatterien besanden. Ein deutsches Flugzeug wurde in der Nähe von Warschau von einer Kugel getrossen. Die letzte Mahnung Bulgariens. Sofia, 18. Okt. Die bulgarische Regierung hat ihre Gesandten in Nisch uund Athen neuerdings beauftragt, gegen die Gewalttaten, die sich die serbischen und griechischen Behörden in Neuserbien den dort lebenden Bulgaren gegenüber zuschulden kommen lassen, entschieden zu protestieren. Die bulgarische Regierung hat, wie aus politischen Kreisen verlautet, betont, daß dieser Schritt der letzte sei, den sie in dieser Angelegenheit unternehme. *e Schwerte, den 19. Oktober 1914. *e(Das Porto für die Zehnpfundpakete), welche von heute ab bis zum 26. ds. Mts. mit der Feldpost an unsere Truppen versandt werden können, ist neuerdings auf 25 Pfg., nicht wie früher berichtet, 50 Pfg., festgesetzt. Die Pakete dürfen nicht über 5 Kilogramm schwer sein. Die Marken sind direkt auf das Paket zu kleben. Die Adresse muß lauten: An den..(genaue Adresse, mit Angabe von Komp., Regt., Division und Armeekorps) und darunter auf die Adresse ist der Vermerk zu setzen: Paketpost....(gemäß den Angaben, die wir in einem ausführlichen Artikel in der letzten Freitagnummer für jedes Armeekorps gemacht haben). Wir bemerken noch, daß die Pakete ohne besondere Paketadresse aufgeliefert werden können. *:(Feldpostsendungen.) Im Reichs=Pestamt ein Merkblatt für Feldpostsendung zusammengestellt worden, damit sich das Publ daraus über die einschlägigen wichtigsten Fra. leicht unterrichten kann, wie z. B über den Portotarkif, die Aufschrift und Beschaffenheit der Feldpostsendungen, die vorgedruckten Feldpost-Briefumschläge und Feldpostkarten, Zeitungsbestellungen nach dem Felde, Postsendungen an Angehörige der Marine, den Postverkehr mit unseren deutschen Kriegsgefangenen und die Paketsendungen mit Bekleidungs= und Ausrüstungsstücken an Offiziere und Mannschaften der Feldarmee. Wir haben das Merkblatt an unserem Geschäftslokal zum Aushang gebracht. *(Seit der Hundertjahrfeier der Leipziger Schlacht) nebst Einweihung des riesenhaften, aus echt dautschem Fühlen und Denken herausgewachsenen Völkerschlachtdenkmals ist nun wieder ein Jahr verflossen. Wer hätte damals, im Zeichen des so glänzenden Festes denken sollen, daß schon nach wenigen Monaten ein Völkerringen stattfinden würde, welches nicht weniger groß, schrecklich und bedautungsvoll ist wie jenes von 1813. Fest und wuchtig wie das Denkmal selbst stehen unsere Heere da, um unsere von Neid, Haß und Rachsucht verblendeten Feinde abzuwehren und der Welt zu zeigen, daß der Deutsche sein Schwert noch immer zu führen weiß,— wenn es sein muß. *(Dank für Liebesgaben.) Vom westlichen Kriegsschauplatz ging uns heute morgen folgende Feldpostkarte zu: Besten Dank für die Liebesgaben, welche mit anderen hier angekommen sind. Im Namen aller Soldaten, welche damit bedacht wurden, spreche ich diesen Dank aus. Wir werden mit doppelter Frcude nun an die Arbeit gehen, um bald den Frieden herzustellen. E grüßt ergebenst E. Ferres, Unteroffizier. **(Die Schwerter Jungwehr) wurde gestern nachmittag auf dem Rasen des Schützenhofes aus der Taufe gehoben. Herr Bürgermeister Rohrmann hielt an die erschienenen Jungdeutschen eine begeisternde Ansprache und brachte das Kaiserhoch aus. Und nun ging es in vorerst bescheidener Weise an den weltbekannten preußischen Drill, nachdem drei Züge formiert und diese in die Hände der Führer gegeben waren. Der Nachmittag endete sogar schon mit einem leidlichen Kompagnie=Exerzieren.„Was ein Hälchen werden will...“. Mittwoch abend 8½ Uhr findet im Jockenhöferschen Saale Unterricht statt Es ist selbstverständlich, da alles antritt, es ist aber auch selbstverständlich, daß jeder deutsche Jüngling über 16 Jahre, der seinen Weg in die Jungwehr noch nicht gesunden hat, sich Mittwoch meldet! Restlos und lückenlos soll jeder junge Mann, der deutsches Blut in seinen Adern rollen fühlt, welchen Standes und welcher Bildung er auch sei, dem Beispiel folgen, das die Reihen unserer Krieger draußen vor dem Feinde uns geben: Arbeiter und Fabrikant, Handwerker, Hochschüler und Prinz, alle Mann für Mann und Schulter an Schulter gleich und eins in der heiligen Aufgabe fürs Vaterland, in einen Rang, in eine Linie! e*(Personen= und Güterverkehr.) Die in Aussicht genommene Erweiterung des Personen= und Güterverkehrs tritt nicht, wie zuerst geplant, mit dem 15. d. Mts., sondern erst am 1. oder 2. November in Kraft. *(Provinzialsynode.) Wie wir hören, werden am 24. November die Abgeordneten der Provinzialsynode zu einer. kurzen Tagung, die nur 2 Tage dauern wird, zusammentreten, um wesentlich Wahlen abzuhalten und den vorgelegten Haushaltsplan zu beraten *e(Unterstützung der kleinen Betriebe.) Die Eisenbahnverwaltung ist bemüht, bei der Vergebung von Arbeiten auch die kleinen Betriebe der Industrie, des Handwerks und des Handels zu berücksichtigen. Manche dieser Betriebe kämpfen mit großen Schwierigkeiten, so daß man sie als notleidend bezeichnen kann. Diesen wird durch Zuweisung staatlicher Aufträge die Möglichkeit geboten werden, den Betrieb ohne Entlassung von Arbeitern oder Angestellten weiterzuführen. (Der Ruhrtaler Sängerverein) hat den in den Krankenhäusern untergebrachten verwundeten Soldaten wie auch den übrigen Kranken gestern nachmittag eine große Freude beritet. In beiden Anstalten brachte der Verein eine Anzahl passender Lieder stimmungsvoll zum Vortrag, eine Aufmerksamkeit, die mit lebhaftem Dank ausgenommen wurde. **(Rekrutenfürsorge.) Heute(Montag) abend 8½ Uhr: Exerzieren und Turnen im„Reiche des Wassers“. *e(Auf dem Felde der Ehre gefallen) sind wiederum zwei Söhne unserer Stadt, die Misketiere Bernhard Kaufhold und Friedrich Eversberg, die beide auf dem westlichen Kriegsschauplatz kämpften. Ehre ihrem Andenken! — Weiter finden wir in der neuesten Verlustliste folgende Namen aus unserem Verbreitzungsbezirk: Res. Friedr. Potthoff=Schwerte(verm.), Musketier Rud. Hengstenberg=Schwerte (lv.), Grenadier Wilh. Hünerbein=Overberse (lv.), Wehrmann Aug. Jonassohn= (om.), Grenadier Friedr, Jungholt=Apler= beck(lv.). Verantwertlich für die Redaktion Feiedr. Kraau, Druck u. Verlag pen Carl Braus, beide in Danksagung. Für die so überaus herzliche Teilnahme an dem unersetzlichen Verluste meines lieben Manne: unseres herzensguten Vaters sagen wir allen, besonders dem Herrn Pfarrer Schulze-Nölle für die zu Herzen gehenden Worte am Grabe unsern tiefgefühlten Dank. Mina Städtler nebst Kinder. Ergste, 17. Oktober 1914. 6649 Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anlässlich des Hinscheidens meiner unvergesslichen Frau und unserer gutn Mutter sagen wir allen, besonders Herrn Pastor Wischnath für die trostreichen Worte, welche er an uns zu Hause sowie am Grabe gerichtet herzlichen Dank. 6653 Familie Aug. Rehfeldt sen. Holzen, den 19. Oktober 1914. Vom stellverkr. Generalkommando VII. Armeekorps geht uns folgendes zu: 1. Das Reichsposlamt hat für Feldpostbriefe im Inlande eine wichtige Erleichterung getroffen. Wenn es Unteroffizieren und Mannschaften nicht möglich ist, behufs Portofreiheit ihre abzusendenden Briefe als„Feldpostbriefe" beglaubigen zu lassen, so dürfen sie die Briefe auch ohne Beglaubigung unsrankiert dem Briefkasten übergeben. 2. Noch immer gelangen Feldpostbriefe mit falschen Adressen zur Ausieferung.„, Jbgrng Hipisian Geisad, Die richtige Angabe von urmeekorps. Aioiion, Brigabe, Regiment, Bataillon, Kompagnie ist unerläßlich. Jede Sendung muß auch mit Namen und Adresse des Absenders versehen werden. 9mas Chart Bei Truppenteilen, die einem urmes=Overnommando unmittelbar unterstellt sind, genügt die Angabe des Truppenteils und die Nummer der Armee. Dasselbe gilt für die EtappenSnspektionen.,„.. mi, Alhtasfune Oharst F. Willkürliche Ltamenvezeichnung, wie„Ableilung Obelst x“ kann von der Post nicht berücksichtigt werden. Landsturmformationen sind nach ihrem Aufstellungsort unter Zusatz des betreffenden Generalkommandos zu bezeichnen, z. B.„Landsturmbataillon Münster vom VII. Armeekorps“. In der ungenügenden Beachtung vorstehender Bestimmungen liegt ein Grund zu den zahlreichen Klagen über das Nichteintreffen von Nachrichten aus der Heimat. 8. Das Gleiche wie von den würdelosen„Kriegswitzkarten“ von denen die Bekanntmachung vom 8. Oktober, IId Nr. 491 handelt, gilt auch von den in vielen Buch= und Papierhandlungen ausliegenden Ansichtskarten mit Abbildungen zerschossener feindlicher Orte. Auch sie sind in hohem Grade unangebracht; nur ein rohes Gemüt hat an ihnen Gefallen. Kommt es obendrein dem, den es angeht, nicht auch zum Bewußtsein, daß solche Karten feindlicherseits als Belege für„deutsche Greuel“ herhalten müssen? Also fort mit ihnen! Münster, den 16. Oktober 1914. 6647 Vom stellverkr. Generalkommando VII. Armeekorps gehl uns folgendes zu: 1. Bei der ungeheuren Kopfstärke unserer Heere und der gewaltigen Ausdehnung der Kämpfe ist es nicht zu verwundern, daß eine— glücklicherweise nur geringe— Anzahl deutscher Soldaten, verwundet oder auch unverwundet, in die Gefangenschaft geraten ist.„ Es ist nunmehr auf Grund von Gegenseinigkeit die Möglichkeit gegeben, mit gefangen gehaltenen Heeresangehörigen in Briefwechsel zu treten. Briefe an solche sind frei. Sie müssen offen zur Post gegeben oder offen in den Briefkasten geworfen werden. An die Stelle, wo sonst die Briefmarke aufgeklebt wird, ist der Vermerk zu setzen:„Kriegsgefangenen-Sendung". Dem Namen des Adressaten sind Dienststellung(z. B. Muske. tier, Unteroffizier) und Truppenteil hinzuzufügen Kann der Aufenthaltsort selbst nicht angegeben werden. so ist zu adressieren:„An die Auskunftsstelle über deutsche Kriegsgefangene in Frankreich(Rußland 2c, bestimmt für den Kriegsgefangenen(Name. Dienstgrad und Truppenteil)". In jedem Falle ist Aussicht auf möglichst schleunige Bestellung der Briefe an die Gefangenen geboten. 2. Gesuche Angehöriger von verwundeten Militärpersonen um Ueberführung in ein Heimatslazarett oder in Prioalbehandlung sind nicht an das Generalkommando, sondern an das Lazarekt zu richten, in dem der Verwundete liegt. 3. Die Adressen von Feldpostbriefen werden vielfach immer noch recht mangelhaft gehalten. Die Schuld an der verzögerten Beförderung tlagen in zahlreichen Fällen die Absender selbst. Man möge daher nicht gleich die Feldpost anklagen, die unter den scowierigsten Arbeitsverhältnissen ihr Möglichstes leistet. Am besten ist es. Briesumschläge für Feldpostbriefe, die ordnungsmäßig den auszufüllenden Vordruck enthalten. in Papierhandlungen zu kausen, wo sie billig zu haben sind. 6646 Münster, den 13. Oktober 1914. Beranntmachung. Für den Bezirk der Ober=Postdirektion in Gumbinneu, in dem nach der Bekanntmachung vom 1. August der Postanweisungs=, Zahlkarten=, weisungs=, Postkreditbrief=, Postauftrags= und Postnachnahmeverkehr eingestellt ist, wird dieser Verkehr mit der Maßgabe wieder zugelassen, daß die Ober=Postdirektion berechtigt ist, in Gebietsteilen ihres Bezirks, wo es die Sicherheit erfordert, den Verkehr durch Verfügung an die Postanstalten auszuschließen. Da es nach Lage der Verhältnisse nicht angängig ist, von solchen Ausschließungen die anderen Postanstalten zu benachrichtigen, müssen die Absender von Postsendungen nach Orten im Grenzgebiete die Gefahr in Kauf nehmen, daß die Sendungen den Bestimmungsort nicht erreichen oder die Auszahlung von Beträgen nicht möglich ist. Solche Sendungen werden mit Angabe des Grundes zurückgeleitet. Unter denselben Voraussetzungen wird für den Ober=Postdirektionsbezirk Königsberg(Pr.) der nach der genannten Bekanntmachung eingestellte Postkreditbrief:, der Postnach nahme= und der Postauftragsverkehr wieder zugelassen. Abgesehen von den erwähnten örtlichen Ausnahmen, zu deren Festsetzung für ihre Bezirke nach früheren Bekanntmachungen auch die anderen Grenz=Ober=Postdirektionen berechtigt sind, bestehen nunmehr in den angegebenen Dienstzweigen keine Beschränkungen mehr. Der Staatssekretär des Reichs Postamts. 8651 Kraetke. : Die Ueberhäufung von unnötigen Zuschriften, die sich natürlich nicht auf dieses ein Gebiet beschränken, stellt eine schwere Belastung des schon ohnehin außerordentlich stark in Anspruch genommenen Generalkommandos dar, und es würde daher nur mit Freuden zu begrüßen sein, wenn die größtenteils unbefugten Schreiber derartige Zuschriften unterlassen würden. Daß nicht die Zeit vorhanden ist, derartige Vorschläge, so wohl gemeint sie auch sein mögen, zu beantworten, liegt auf der Hand. Eine besondere Anerkennung muß ich der Presse aussprechen, die im Gegeusatz zu dem Verhalten mancher Kreise die Ruhe bewahrt und erst die Bestätigung des bedauerlichen Vorfalles abgewartet hat, anstatt mit alarmierenden Nachrichten die Unruhe noch zu vermehren. Von manchen Seiten werden dafür Vorwürfe gegen die Presse erhoben, und es wird Abhülfe dagegen verlangt. Vorwürfe gegen die Presse wären aber nur dann berechtigt gewesen, wenn sie dieselbe Aufregung und Nervosität gezeigt hätte, wie sie leider bei einem großen Teil der Düsseldorfer Bevölkerung hervorgetreten sind. 6630 Münster, den 15. Oktober 1914. Der kommandierende General: Frhr. v. Bissing. Viehseuchenpolizeiliche Anorönung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird aus von 3 Zimmern und Grund des§ 18 fl. des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1939„„„„„ Reichsgesetz=Blatt Seite 519 mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Die Maul- und Klauenseuche herrscht z. It. unter dem Rindoiehbestande des Landwirts Hummelbeck zu Groß=Barop Als Sperrbezirk wird bestimmt: Gehöft von Hummelbeck. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen meiner viehseuchenpoltzeilichen Anordnung vom 27 April d. Is. Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Zeitung) vom 29. April d. Is.(Beilage) enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Bestimmungen unter II(Beobachtungsgebiel) der genannten Anordnung gelten daher nicht. Die Abschnitte III—VII einschl. bleiben mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 7 Ziffer 1 wie folgt geändert wird: Im Amte Barop wird verboten usw. Hörde, den 16. Oklober 1914. 6656 J. Nr. III. 1213. Der Landrak. I. V. Burchard. Wader Wriela liefert schnell und sauber Buchdrucherei C. Braus Wohnung K a„ashein und Rbgeschn. Elagen von 4 und 5 Zimmern nebst Mansarde, Badezimmer, Vorratskammer, Gartenland sofort 7 und zum 1. Januar 1915 zu unter 1 vermieten. Wilh. 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Sie lehnte sich an seine Schulter und sah ihn bittend in die lachenden Augen. .„Hubert, ich habe ein recht, recht großes Anliegen!“ „O weh, nun geht's über die Kasse!" wehrte er sich. „Hubert,“ begann sie zaghaft,„ich bin bisher so gedünkenlos gewesen. Gott gab mir unendlich viel, ich schätzte es nicht. Nun aber will ich alles, was seine Hand mir beut, mit echter, rechter Freude genießen. Dazu bedarf ich Geld, viel Geld... Hubert, eine arme Frau, die Mutter von drei Kindern, is dem Tode nahe. Laß mich für die Kleinen tun, was in meinen Kräften steht. Ich will sie zu tüchtigen, brauchbaren Menschen erziehen; sie sollen ihrem Stande Ehre machen und ihre braven Eltern nicht vergessen. Willst du mir dazu helien?" Fest, recht fest drückte Herr Wohlstein sein Weib an sich. Nach einer Weile kamen aus seinem bewegten Herzen die Worte:„Jetzt erst weiß ich, welchen Schatz ich mir in dir erstritt! Wir brauchen Frauen, die es treu meinen mit dem Volle, denn die Zeiten sind schwer, der Ausgaben warten viele! Breite sie getrost aus, die Religion des Friedens und der Liebe, und Gott lasse dein Tun gesegnet sein!“ Von fremden Völkern. Eine eigentümliche Belohnung. Von den Chinesen wird eine Anekdote erzählt, die wahr oder unwahr, eine große kulturgeschichtliche Wahrscheinlichkeit besitzt. Ihr oberster Feldherr hatte sie einst aus schwerer Not gerettet, indem er ihnen die Freiheit, die durch eine langjährige Belagerung auf dem Spiele stand, durch Bekämpsung ihrer Feinde wiedergab. Sie beraten, wie sie dies Verdienst belohnen sollen, sie beraten lange, aber, wie es scheint, erfolglos. Denn selbst, wenn sie ihn zum Herrn der Stadt erheben, so ist er nach ihrer Meinung nicht genug entschädigt. Endlich macht einer von ihnen den Vorschlag, sie sollten ihn töten, um ihn dann— als Retter verehren zu können. Und so geschah es. Heirat bei den Buschmännern. Wie ein Afrikareisender mitteilt, besitzen die Mossaro=Busch= männer in der Kalahariwüste trotz ihrer mangelhaften Nahrung eine bewunderungswerte Ausdauer im Lausen; diese Eigenschaft und ihr wunderbarer Spürsinn setzt sie in den Stand, jedes verwundete Stück Wild zu verfolgen und einzuholen. Keiner dieser Buschmänner darf eher eine Frau nehmen, bis er gezeigt hat, daß er eine unverwundete Antilope im Dauerlauf einzuholen und zu erlegen vermag, was bekanntlich sehr schwierig ist bei der Schnelligkeit dieses Tieres und oft einen mehrstündigen Dauerlauf nötig macht. Hartherzige Väter begnügen sich aber damit noch nicht, sondern verlangen sogar mitunter die Erlegung einer Giraffe. und der Heiratslustige muß dann oft tagelang hinter diesem Wilde herlausen wie ein Bluthund, bis er sie endlich erreicht. Hat er sie erlegt, so schneidet er ihr den Schwanz ab, bedeckt das Wild mit Buschwerk zum Schutze gegen Raubvögel und kehrt zum Lager zurück; sosort brechen dann alle Stammesgenossen auf und folgen seiner Spur, bis sie das erlegte Tier erreichen, das sie ins Lager schleppen. Ohne sonstige Feierlichkeiten wird das Wild verzehrt, und nachdem dies geschehen, nimmt der Freier seine Erwählte an der Hand und führt sie in sein Lagerzelt. Tier= und Pflanzenleben. Die Brutstätten der Aale. Schon im Altertum kannte und schätze man den Aal, der aus dem Meer in die Flüsse hinausstieg, um dann wieder im Meer zu verschwinden, so weit er nicht gefangen wurde, aber man wußte nicht, wo seine Nachkommenschaft herkam. Der alte Aristoteles ließ daher die Aale aus dem Schlamm des Meeres ent pringen, und dieser Aberglaube erhielt sich noch weit über das Mittelalter hinaus. Man vermutet schon seit längerer Zeit, daß die Aale irgendwo in größeren Meerestiefen ihre Brutplätze haben müßten, hatte solche aber noch nicht entdeckt. Dem dänischen Forscher Dr. Schmidt ist es bei Gelegenheit von Meeressorschungen in der Umgebung von Island gelungen, den Laich von Heilbutten und Aalen auszufinden. Junge Aalbrut wurde aus tiesen Meeresschichten zwischen Island und den Faröern aufgefischt. Die jungen Aale waren nur drei Zoll lang und dem ausgewachsenen Fisch völlig unähnlich. Ein Freund des Menschen. Der Kokosnußbaum ist wahrscheinlich der nutzbarste aller auf Erden wachsenden Bäume. Er liefert sowohl Speise wie Getränk, nützliche Gerätschaften wie Stoffe zum Häuserbauen und Dachdecken. In einigen Gegenden Indiens besteht die Nahrung der Cingeborenen fast ausschließlich aus dem Eiweißstoff, den die Nuß enthält, und ihr milchartiger Saft dient zum Trinken; man bereitet auch Wein und Zucker daraus. Auch wird Kokolöl aus dem Fleische der Nuß gepreßt, das in frischem Zustande klar ist und beim Kochen Verwendung findet, während der dickere Satz, Stearin genannt, zur Herstellung von Kerzen dient. Ferner bereitet man Seife aus dem Kokosöl, man brennt es in Lampen, und auch das Glyzerin wird aus gereinigtem Kokosöl gewonnen. Die Faser, die man früher nur zur Anfeitigung von Stricken verwendete, wird jetzt zur Herstellung von Matten, Besen, Bürsten und dergleichen Dingen verarbeitet. Das Holz dient der Kunsttischlerei und nimmt eine seine Politur an. Die harte Schale der Nuß gibt Schüsseln, Becher und andetes Geschirr. Die Wurzel wird gelaut. Aus guten Büchern Des Menschen Antlitz ist zwar nicht immer sein Charakter, aber immer sein Gemüt. Nur kann nicht in jedem jedes Antlitz lesen, denn jedes ist in seiner eigenen Sprache abgefaßt. Das, was der größte Philosoph nicht zu erklären, wohl aber der größte Dummkopf zu empfinden vermag, nennt man Liebe. Wir arbeiten heutigen Tags alle zuviel; es ist eine Rastlosigkeit, die kein vollständiges Ausruhen zuläßt und uns zuletzt zur siebrischen Aufreibung bringt. Der Tag, dem keine zu erfüllende Pflicht und keine Arbeit ihr Senikorn leiht, bietet auch keine Erholung. Der Fluch, der den Söhnen Adams erteilt ward, ist ihr Segen, und wer davon befreit scheint, ist der wirklich Verdammte. Die höchste Aufgabe der Bildung ist die Erziehung zur Pflicht, zur Ersüllung des Gesetzes, das wir in der Erkenntnis finden. Der kleine Zauberer. Ein allerliebstes leichtes und doch überraschendes Zauberkunststückchen ist das folgende: Einer der Anwesenden wird um eine bestimmte Geldmünze ersucht, während man eine gleiche bereits auf seinem Tische unbemerkt in ein Versteck gelegt hat. Ferner hat man zwei ganz gleiche Briesumschläge bereit. Der eine ist fünfmal versiegelt, erhält jedoch nichts. Er liegt verdeckt im Tischkasten neben dem Zauberstabe. Das zweite offene Kuvert übergibt man mit dem Gelde einem Anwesenden und bittet ihn, es regelrecht mit fünf Siegeln im Kuvert zu verschließen. Darauf nimmt man es in Empfang, und indem man angeblich seine Wünschelrute im Kasten sucht, verwechselt man dieses Kuoert mit dem leeren, bittet jemand, sein Taschentuch auf den Tisch zu breiten, schlägt den Brief sorgsam hinein und gibt ihm diesen zum sicheren Aufbewahren. Er kann sich ans entfernteste Ende des Zimmers stellen und das Tuch mit beiden Händen festhalten. Indes erbittet man sich von jemand einen Hut(vielleicht auch ein leeres Portemonnaie), schwingt seine Wünschelrute und zählt:„Eins, zwei, drei!“ läßt dabei das bereitgehaltene Geldstück in den Hut fallen und überreicht es seinem Eigentümer. Das Kuvert wird trotz des unverletzten Siegels leer sein. Die blinde Jagd. Ein unterhaltsames Spiel im Freien ist die blinde Jagd: An einem Mittelpfahle sind etwa in Kopfhöhe nach entgegengesetzter Richtung hin zwei etwa vier Meter lange starke Schnüre (Seile) befestigt; die beiden ausgewählten Spieler fassen die Enden derselben an. Beiden werden die Augen verbunden und sie haben hierauf nach derselben Richtung den Pfahl zu umkreisen. Der eine stellt das„Wild“ vor und muß mit einer Schnurre oder Pfeise usw. Antwort geben, sobald der andere— der„Jäger“—„Hallo!“ ruft. Letzterer hat einen Plumpsack als Waffe und prügelt das„Wild“, sobald er seiner habhaft werden kann. Das Seilchen des„Jägers“ kann kürzer sein als das des „Bildes“. Nachbruck des gesamten Inhalts dieser Beilage ist untersagt. * Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 245. Monsag 19 Oktober 1914 Amtliches Kreisblatt für den kris börde 46. Jahrgang O Erltes und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Annoncenblatt 0 glücklich, wer ein Weib gefunden, Das Treue hält in bittern Stunden. Es kann nicht Gold und Edelstein „Gleich ihrer Liebe köstlich sein. Mit milder hand und gutem Wort Scheucht sie von dir den Rummer fort, Und aus dem lieben Angesicht, (Da strahlt ein tröstend Sonnenlicht. Der Kriminal=Roman von M. de la Chapelle. (12. Fortsetzung.) „Er war aber in Berlin und nicht in Hamburg," warf Erich ein. „Das bestreite ich nicht. Wer aber sagt dir, daß er von Berlin nicht nach Hamburg gefahren ist?— Die Depesche, die Miß Elliot am Nachmittag des 14. Oktober erhalten hat, ist vormittags in Berlin aufgegeben worden— wenn ich nicht irre, um zehn Uhr— es wäre Hagenow also immer noch Zeit genug geblieben, nachmittags in Hamburg sein zu können.“ „Aber er hat im Hotel Terminus in Berlin logiert. Erinnerst du dich nicht, daß er nach seiner Rückkehr sagte, wir hätten ihn an dem Abend. an welchem du in der„Krone" die Bowle zum besten gabst, also am 14. Oktober, im Hotel Terminus telephonisch anklingeln sollen, um ihn von unserem Zusammensein zu benachrichtigen? beweist doch noch nichts. Der Scherz mit dem Anklingeln gibt durchaus keine Gewähr, daß er am Abend des 14. Oktober auch wirklich in Berlin und in dem Hotel gewesen ist. Diese Gewißheit könnte nur eine genaue Nachsorschung an Ort und Stelle ergeben.“ „Und willst du eine solche veranlassen?“ „Aber natürlich— wie kannst du noch fragen! Ich werde sofort dem Polizeirat über meine heutige Entdeckung berichten und daraus ergeben sich dann selbstverständlich alle weiteren Maßregeln.“ Und du glaubst, daß der Polizeirat auf deinen Bericht hin irgend etwas gegen Hagenow unternehmen wird?“ „Das glaube ich allerdings. Dieser Daumenabdruck im Verein mit Hagenows Reise am 14. Oktober ist schwerwiegend genug, um ein amtliches Einschreiten gegen ihn zu rechtfertigen.“ Erich sprang auf und ging einigemal im Zimmer auf und ab. Ein Ausdruck innerer Unruhe lag auf seinen Zügen, und es schien ihm schwer zu werden, das, was er sagen wollte, auszusprechen. Endlich blieb er vor dem Bruder stehen.„Und wenn ich dich nun bäte, vorläufig noch von einer solchen Anzeige abzusehen?" begann er leise und unsicher, um, als ihn der Kommissar verwundert ansah, dringender fortzufahren: „Nicht um Hagenows, sondern um Gertruds willen! Bedenke, wie fürchterlich es für sie sein müßte, auf den Mann, dem sie als Gattin angehören soll, einen so schrecklichen Verdacht geworfen zu sehen—“ Der Kommissar wehrte fast erschrocken ab.„Aber Erich— wie kann ich das—? Du weißt sehr wohl, daß in einem solchen Falle jede Rücksicht schwinden muß.“ „Jawohl, das weiß ich. Aber du selbst gabst vorhin zu. daß du dich vorläufig nur auf Vermutungen stützen könntest— willst du daraufhin die Verantwortung auf dich laden, genow in so entehrenden Verdacht zu bringen?" „Dafür bin ich Kriminalist und an das gebunden, was mir meine Pflicht vorschreibt. Allerdings muß ich mich vorläusig noch auf Vermutungen beschränken. Wenn du dir aber die Aussagen Sennor Espardos vergegenwärnigst, so wirst du zugeben, daß sie Punkte enthalten, die sehr wohl auf Hagenow Anwendung finden können. Vor allem der Umstand, daß jener Francis vor elwa einem Jahr aus Miß Elliots Nähe verschwand. Um jene Zeit— vielleicht einige Wochen später— lernte der alte Kempner Lagenow in Berlin kennen. Dieser sagte ihm, daß er erst vor kurzem nach Deutschland zurückgekehrt sei, um sich hier eine neue Existenz zu schaffen, da er in Amerika nicht das erhoffte Glück gefunden habe. Kempner brachte ihn hierher und Hagenow begann sich eifrig um Gertruds Gunst zu bemühen. Mit welchem Erfolge, weißt du. Damit beginnt eine bedeutungsvolle Phase seines Lebens. Er geht einer gesicherten Zukunft entgegen, ja, der plötzliche Tod des alten Kempner rückt ihm die Möglichkeit nahe, in absehbarer Zeit Chef des Bankhauses zu werden— kurz, er sieht sich plötzlich aus dem Nichts seiner bisherigen Existenz zu der Höhe einer denkbar günstigen Lebensstellung emporgehoben, die ihm außerdem noch durch den Besitz eines liebenswerten Mädchens verschönt wird. Und nun stelle dir vor: es träte ihm plötzlich ein Hindernis in den Weg, das imstande ist, alle seine Aussichten auf die Zukunft und Gertruds Hand zu vernichten! Ist es da nicht erklärlich, wenn er zu den äußersten Mitteln greift, dieses Hindernis hinwegzuräumen?“ „Aber, mein Gott— du tust ja gerade, als ob Hagenow wirklich der Mörder Miß Elliots wäre,“ wandte Erich abermals ein.„Jetzt verwandelst du ihn schon in die Person dieses Francis.“ „Das tue ich nicht. Ich schaffe nur eine Verbindung zwischen beiden auf Grund der Aussagen des Spaniers. Jenem Francis mußte doch aus sehr triftigen Gründen daran gelegen sein, sich Miß Elliots zu entledigen und ebenso sieht sich auch Hagenow unter die zwingende Notwendigkeit gesteilt, alles zu tun, um sich das Glück zu erhalten, das sich ihm so unerwartet geboten.“ „Zugegeben— aber bedenke: ein Mord! Durch Begehung eines solchen vernichtet er ja mit eigener Hand seine mühsam errungene Zukunft." Der Kommissar zuckte die Achseln.„Gesetzt den Fall. Hagenow wäre der Mörder— glaubst du, daß er im Augenblick der Tat dergleichen in Erwägung gezogen hat? Dazu ließ er sich wohl selbst keine Zeit, denn die Tat ist ohne Zweifel das Ergebnis des Augenblicks gewesen, nicht vorheriger Überlegung— er würde sich sonst mit irgend einem Mordwerkzeug versehen und sein Opser nicht mit der nackten Faust erwürgt haben. Erinnerst du dich meiner Worte, als wir neulich mittags in Hagenows Beisein die Mordaffäre besprachen: Wo ist die Frau, der die Ermorderte weichen mutzte?— Bleiben wir in dem eben gegebenen Bilde, so findest du die Beantwortung dieser Frage in Hagenows Liebe zu Gertrud und damit wieder einen Grund mehr für meine Vermutungen.“ Erich strich sich nervös das Haar aus der Stirn die Ausführungen des Bruders wollten nun auch in seiner Seele Zweifel an Hagenow wachrufen, wie denn ein Verdacht siets — Se#5 5 SSESSSGEEE SOT 8 5 8 5 S 55 3a8 HSSSSESE S S TBTE G S 8 #S U OSTE einem rollenden Steine gleicht, der noch andere Gefährten mit sich fortreißt. Aber nein— er wollte sich nicht von seiner Überzeugung abbringen lassen.„Ich kann nicht an eine Schuld Hagenows glauben— ich kann es nicht! Und auch du mußt irren, trotz allem scheinbar Zutreffenden, was du gegen ihn vorbringst. Ich bitte dich daher nochmals, unterlasse vorläufig jede Anzeige, wodurch der Verdacht gegen Hagenow einen amtlichen Charatter annehmen könnte. Eine Vernehmung seiner Person bliebe doch nicht verschwiegen, und wenn er sich auch vollständig rechtfertigen könnte— woran ich nicht zweisle—, so würde doch der ganze Vorfall ein peinliches Aufsehen erregen, unter welchem in erster Linie Gertrud schmerzlich zu leiden haben würde. Um ihretwillen gewähre mir meine Bitte.“ Der Kommissar schüttelte energisch den Kopf.„Ich kann es nicht— ich darf es nicht, Erich!“ entgegnete er ernst, allein jener ließ nicht nach.... bag k.sLämende B. „Denke an Gertruds Tränen, an das beschamenbe Bewußtsein, den Mann ihrer Liebe als Verbrecher angesehen zu wissen, und du wirst es über dich gewinnen, dies eine Mal deine Pflicht zu umgeben:, n#..Jcheäinlichst. Der Kommissar befand sich in augenscheinnihnem Zwiespalt mit sich selbst. Es wurde ihm unendlich schwer, die Bitte des Bruders abzuschlagen, deren Beweggründe er nur zu gut kannte und die einzig und allein in der Liebe Erichs zu Gertrud wurzelten. Aber er durfte nicht nachgeben, so sehr ihn auch sein Herz dazu drängte. „Quäle mich nicht unnütz. Erich— du erschwerst mir dadurch nur meine Pflicht. Was geschehen muß, muß eben geschehen— an die etwaigen Folgen darf ich nicht denken.“ Erich wandte sich ab und sah mutlos zu Boden. Gewiß, er wußte es ja, der Bruder konnte nicht anders handeln. aber sein ganzes Inneres sträubte sich gegen diesen Zwang, wenn er an Gertrud dachte..., 684 Plötzlich hob er den Kopf. als sei ihm unerwartet ein reitender Ausweg einze alg. i, gtam Gtiht an de „So warte wenigstens mur oeinem Bericht an den Polizeirat so lange, bis du für gewiß weißt, ob Hagenow am 14. Oktober im Hotel Terminus in Berlin logiert hat Der Kommissar wollte ungeduldig abwehren, allein Erich fuhr mit eindringlicher Beredsamkeit fort:„Das kannst du tun, ohne deine Pflicht sonderlich zu verletzen. Auf einen Tag oder auch auf achtundvierzig Stunden kommt es nicht an, denn daß du ein heimliches Entweichen Hagenows nicht zu fürchten hast, ist doch klar. Auch er hat ohne Zweisel in den Zeitungen von dem verräterischen Daumenabdruck am Halse der Ermorderten gelesen— ist er nun wirklich der Mörder, so muß er doch wissen, daß sich jenes Zeichen an seiner Hand befindet. Wenn er sich nun nicht vollkommen sicher fühlte, würde er doch schon Anstalten getroffen haben, einer etwaigen Entdeckung vorzubeugen, indem er die nächste Gelegenheit zur Flucht benutzte. Daß er dies nicht tut. beweist entweder, wie wenig er an eine Entdeckung denkt, oder— daß er unschuldig an dem Verbrechen ist. Beides gibt dir daher für seine Person völlige Sicherheit und du sannst also ohne Gewissensbisse die Frist zugestehen, um welche ich dich bitte. Übermorgen früh sollst du über Hagenows Anwesenheit in Berlin an jenem fraglichen Tage Gewißheit haben.“ „Wie das—? Woher willst du wissen—“ „Nun, sehr einfach— ich selbst werde die nötigen Erkundigungen an Oit und Stelle einziehen. Ich fahre heute abend noch nach Berlin. steige im Hotel Terminus ab, wo es mir nicht schwer fallen wird, auf diskrete Weise und ohne Aufmerksamkeit zu erregen, alles für dich Wissenswerte in Erfahrung zu bringen und spätestens übermorgen früh bin ich mit meinen Nachtichten zurück. Beweisen sie ein erschöpfendes Alibi für Hagenow, so wirst du es mir Dank wissen, daß ich dich von einem für ihn verhängnisvollen Schritt zurückgehalten. Im anderen Falle magst du dann tun, was du für nötig hältst.“. 47 verkrachzt, 65i, Der Kommissar überlegte. Was Erich vorbrachte, schien wohl ausgedacht und ließ sich daher nicht so ohne weiteres von der Hand weisen und trotzdem— er schwankte noch, ob er darauf eingehen sollte.„.„„ Jar k.einab:„Du sprichst mit einem Eiser für Hagenow, der beinahe rührend ist,“ versuchte er zu scherzen.. Doch Erich schüttelte ernst den Kopf.„Ich vin ehruch ! genug, zu gestehen, daß ich nicht in Hagenows Interesse rede. Der Gedanke an Gertrud, an ihr Glück, an ihre Ruhe ist es, der mich leitet und deshalb denke daran, daß, wenn du meine Bitte erfüllst, du dies nicht allein um Gertrud, sondern auch um meinetwillen kust.“ 466# 8 Noch einen Augenblick zauoerte der Kommissar— dann sagte er entschlossen:„Nun, gut— ich werde vorläusig schweigen. Was weiter geschehen wird, hängt von dem ab, was du in Berlin über Hagenow erfährst." Erich drückte mit warmer Dankbarkeit die Hano bes Bruders. Dann begann er sich mit den Vorbereitungen zu seiner so plötzlichen Abreise zu beschäftigen.——— 10. Sennor Wanuel Espardo war nicht wenig überrascht, als er am näch en Morgen wegen eines amtlichen Verhörs auf das Bureau der Kriminalpolizei beschieden wurde. Seine Überraschung steigerte sich jedoch noch, als er in dem ihn Vernehmenden den Kommissar Brüning vor sich sah, denn daß dieser mit dem, was der Spanier sich unter dem Begriff: Gericht— vorstellte, durch irgend welche diemtliche Eigenschaft im Zusammenhange stehen könne, war ihm nie zu Sinn gekommen. Seine immerhin nur oberflächliche Bekanntschaft mit dem Kommissar hatte ihm hierzu keine Anhaltspunkte gegeben, ganz abgesehen davon, daß sich seine Personalkenntnis deutscher Gerichtsbeamten bisher nur auf den allgemein üblichen Schutzmann und den GerichtsvollJedenfalls trug aber die Anwesenheit des Kommisars viel zu seiner Beruhigung bei. Er begrüßte ihn daher in der aewohnten herzlichen Weise, hieran sogleich die Nachricht tnüpfend: daß er schon wieder einen neuen Trick in Aussicht habe, der alles bisher Tagewesene in den Schatten stellen und ihn zu einer europäischen Berühmtheit machen würde. Nur mit Mühe gelang es dem Kommissar, ihm begreiflich zu machen, wie wenig dergleichen Mitteilungen im Bureau der Kriminalpolizei angebracht seien, sondern daß es sich hier um rein amtliche Dinge handle, die mit den„Tricks“ einer Varieté=Bühne durchaus nichts zu tun hätten— eine Erklärung, welche Sennor Espardo nicht ohne merkbare Zeichen des Mißvergnügens anhörte. Dieses Mißvergnügen steigerte sich aber noch, als er ersuhr, weshalb man ihn eigentlich geladen. Er verwünschte innerlich seine Tummheit, dem Kommissar von seiner Bekanntschaft mit Miß Elliot gesprochen zu haben— wer weiß, was ihm jetzt aus der ganzen Geschichte noch für Unannehmlichkeiten entstehen konnten, denn mit den deutschen Gerichten, das sah er nun wohl ein, war nicht zu spaßen! Er nahm sich daher vor, mit seinen heutigen Aussagen möglichst auf der Hut zu sein, was zur Folge hatte, daß er sich mehreremal in starke Widersprüche verwickelte, welche seine neulich gemachten Aussagen teilweise unklar erscheinen ließen und obgleich ihm der Kommissar an der Hand der Aufzeichnungen, die er sich noch in der Nacht nach dem Zusammensein mit dem Spanier gemacht, erinnernd nachhalf, blieb Sennor Espardo bei der Ausrede: er könne sich nicht mehr genau erinnern, ob er das wirklich alles an jenem Abend gesagt habe. Er sei von der Vorstellung noch sehr erregt gewesen, habe dann schnell hintereinander mehrere Glas Bier getrunken, was er nicht gut vertragen könne und sei infolgedessen wohl nicht mehr vollkommen Herr seiner Zunge gewesen. Daß er Miß Elliot gekannt und vor seiner Rückreise nach Deutschland in New York getroffen habe, stellte er nicht in Abrede— von den Mitteilungen aber, die sie ihm in Bezug auf jenen Francis gemacht haben sollte, wollte er genaueres nicht mehr wissen, sondern blieb bei seiner Behauptung: daß er dem Kommissar gegenüber mehr gesagt, als ihm eigentlich bekannt sei— eine Tatsache, welche er dem raschen Genuß des Bieres zuschrieb. Vergebens berief sich der Kommissar auf die Zeugenschaft seines Bruders, der ebensowenig wie er selbst, Zeichen des Berauschtseins an dem Spanier wahrgenommen. Sennor Espardo zuckte die Achseln, beharrte jedoch bei dem, was er gesagt, so daß nichts übrig blieb, als ihn nach zweistündigem, ergebnislosen Verhör zu entlassen.,„ 617g h, „Fatale Geschichte, das,“ brummte der Polizeirat, er das Verhör geleitet, nachdem Sennor Espardo sich entfernt hatte.„Nun haben wir den Hamburgern erst den Mund wässerig gemacht und schließlich entpuppt sich die ganze Affäre als die renommistische Faselei eines Dummkopfes, der obendrein noch angetrunken war.“..„„„ Der Kommissar schüttelte energisch den kopf. Das war er nicht, Herr Polizeirat— denn das wäre doch weder von mir, noch von meinem Bruder unbemerj(gorlsetzung, solgt, M eucuue Sbigymtusch W u Me“ Zum Leben erwacht. Von C. Martin. „Gnädige Frau, eine arme Kranke ist in unsern Hausflur getragen worden. Sie brach auf der Straße zusammen. Ist das nicht schrecklich?“ Fräulein Trude, die Kindergärtnerin der Kommerzienrätin Wohlstein, war eiregt in das Wohnzimmer ihrer Herrin getreten. Diese lag lang ausgestreckt auf dem Diwan. Die großen stahlgrauen Augen überflogen gelangweilt die Seiten eines Romans. Jetzt richtete sie dieselben fragend auf Tru2e. „Meine Kinder sind doch hoffentlich nicht dabei gewesen, als man die Frau ins Haus schaffte?“ „O nein, gnädige Frau. Ich kam von einem Ausgange zurück und sah all das Leid. Die Krante ist arm, ganz arm und soll Kinder haben.“ Mit einer ungeduldigen Bewegung erhob sich Frau Wohlstein halb aus ihrer liegenden Stellung.„Sie wollen Geld für die Jamilie.“ sprach sie, ihre Börse aus der Kleidertasche ziehend.„Warum sagten Sie das nicht gleich? Hier sind zehn Mark, tragen Sie dieselben den Leuten hin. Sie haben eine Passion für arme Leute. Gehen Sie nur bald, überzeugen Sie sich vor allen Dingen, daß kein Kind an einer ansteckenden Krankheit leidet, meine Kleinen sind in erster Reihe zu bedenken. Lassen Sie sich auch von der Mamsell den Speisekammerschlüssel geben und nehmen Sie einige Erwaren mit; Kinder vergessen ihren Kummer am schnellsten bei einigen guten Bissen; daran dürste es den Leuten augenblicklich sehlen.“ f. 8 de und ua „Dank, tausend Danr.“ stammelte Truoe uno näherte sich der Herrin mit strahlenden Augen. „Schon gut, bestes Fräulen. Ich habe es Ihnen wieder einmal recht gemacht, das ist alles. Nun seien Sie aber auch dankbar, indem Sie Ihren Zöglingen nicht zu viel Zeit entziehen.“ Trude ging. Die Kommerzienrätin erhob sich vom Sofa, nachdem ein Blick auf ihre mit Brillanten besetzte Uhr sie belehrt hatte, daz es Zeit sei, sich zum Theater ankleiden zu lassen. Sie konnte bei der Toilette einer leisen Verstimmung nicht Herr werden. Sie gefiel sich nicht in dem Kleide von purpurrotem Samt, von dem doch ihr Mann behauptet, es stände ihr vorzüglich. Merkwürdig, als Gerda am nächsten Morgen erwachte, dachte sie zuerst an die arme Frau, von der das Fräulein erzählt, und doch sollte am Abend der Ball beim Obersten Felbern stattfinden, auf den sie sich schon tagelang gesteut. Trude sollte von ihrem späten Gange berichten. Die junge Frau schellte nach ihr. Bald darauf trat die Kindergärtnerin ein. Sie trug Kurt auf dem Arm und führte die kleine, blondlockige Wanda. Nachdem die Kleinen ihr Mündchen zum Kusse dargeboten hatten und mit einem Bisquit beglückt worden waren, sagte Gerda:„Sie haben doch den Jammer nicht allzu groß gesunden, Fräulein? Wohnen die Leute weit von hier?" „O nein, auf der Löschstraße in einer freilich recht ungesunden Kellerwohnung. Der Mann lag auf dem einzigen Bett und schlief. Er schien einen Rausch zu haben.“ „Pfui, ein Trinker!“ fuhr sie dann auf. „Verzeihen Sie, gnädige Frau; das ist er wohl nicht. Aus den Reden des ältesten Mädchens entnahm ich. der Valer habe nur aus Kummer der Fasche stark zugesprochen. Der Mann hat Arbeit für eine Schuhsabrik gehabt, sie kam in Konkurs und er verlor sein sicheres Brot. Da hat denn die Frau Tag und Nacht gewaschen und geplättet. Schwächlich von Körper hielt sie die Anstrengung nicht aus; ich hörte von einem Blutsturze!" „Mein Gott.“ rief Gerda bestürzt,„das wäre allerdings sehr schlimm für die Familie. Wieviel Kinder sind da?“ „Drei Kinder, wie bei uns. Das jüngste ist kaum drei Jahre alt.“ Die junge Frau bedeckte ihr Gesicht mit den Händen. Erst nach geraumer Zeit sagte sie:„Schon gut, Fräulein! Sie können abends, wenn die Kleinen schlasen, nach den Leuten sehen; vielleicht finde ich noch Zeit, Kleider und die Wäsche für die Jüngsten herauszusuchen.“ Trude hatte mit tieser Bewegung den Worten der Kommerzienrätin gelauscht. Nun konnte sie sich nicht länger heherrschen. Rasch bückte sie sich und küßte die weiße, schmale Hand Gerdas. * Ein prächtiger, kalter Winiertag! Schon mancher ähnliche ist vorübergegangen und hat der eleganten Welt der Provinzialhauptstadt das Vergnügen des Schlittenfahrens und eine spiegelglatte Eisbahn beschert. Durch die weniger belebten Straßen huscht ab und zu eine ärmliche Gestalt, Kopf und Brust in unförmliche Tücher gewickelt, die bloßen, zitternden Hände von der dünnen Schürze umhüllt. Winter und Hunger sind unbarmherzige Gäste, die oft zu gleicher Zeit in den Hütten der Armen und Elenden einziehen, nicht fragend, ob sie willkommen sind. Ob sie Ahnliches dachte, die schöne, gefeierte Frau Wohlstein: welche eben in ihren, mit kostbaren Fellen geschmückten Schlikten stieg, um von der Eisbahn nach Hause zu fahren. „Erst zwei Uhr? Was zu Hause tun? Hubert kommt doch erst nach drei Uhr zum Diner. Sprach nicht das Fräulein von einer Besuchsstunde im Hospital? Wenn ich selbst... nein, es geht nicht; was würden meine Bekannten denken! Und doch... ich möchte wissen, wie die Armste ihr Schicksal trägt!... Man weiß dann wenigstens, wem man seine Hilfe zuwendet. Der Schlitten hielt nach schneller Fahrt am Eingange des Krankenhauses. Eine Wärterin im weißen Häubchen und blauer Schürze geleitete sie diensteifrig in die Station Nr. 3. „Hier Frau Hübner, ist eine Dame, welche Sie sehen möchte“, sagte sie, an das Bett der Schwerleidenden tretend, bei welcher bereits ihr ältestes Pädchen saß. Verlegen stand dasselbe auf und bot der Fremden knixend seinen Stuhl an.„" Gast Kand Sie sah sich in dem großen Raum um. Beit stand an Bett. In allen Gesichtern, die in den blaugewürfelten Kissen ruhten, stand eine Schrift, welche sie bisher noch kaum gelesen. Ein verhätscheltes Kind des Glücks weiß ja so wenig von der Not, die sich ringsum so unendlich breit macht, welche langsam die Kräfte des Körpers aufzehrt und die Seele umdüstert, daß sie den Weg zum Guten und Rechten allgemach zu gehen erlernt. „Wenn Hubert plötzlich sein Vermögen verlöre,“ denkt Gerda und schaudert bei dem Gedanken.„Wenn du hier lägest, arm und verlassen, dich sehnend nach dem Augenblicke, da dein Mann, deine Kinder sich nahen...... Gerda erhebt sich mit jähem Ruck, die Luft in diesem Raume erstickt sie.„ „Ich werde Ihre Famiue nicht verlassen— fassen Sie Mut!" flüsterle sie der Frau zu, läßt ein Geldstück in die Hände des kleinen Mädchens gleiten und schreitet durch den langen Saal nach dem Ausgange..„ Zu Hause angekommen, fällt Gerda zartlich dem Gatten um den Hals und fragt:„Hubert, bist du denn auch so glücklich als ich? Fühlst du es. Hubert?" Er nickt still, auf die Kinder sehend, die sich mit dem Fräulein zu Tisch setzen. Das blondlockige Engellöpschen Wandas hebt sich neugierig empor, der große Bruder blickt mit verlangenden Augen nach den prächtigen Weintrauben, die vom Büfelt herüberleuchten.“ Ja, er ist glücklich, jetzt mehr als sonst, denn Gerda kommt ihm seit einigen Tagen sinniger vor: in ihren Augen liegt ein Ernst, den er früher vergebens darin suchte. Das Leben beginnt vielleicht erst recht schön zu werden, wenn es keine Laune ist, die sein Weib so verwandelte. ** * Welch fürchterlicher Traum! In Schweiß gebadet erwacht Frau Wohlstein, das grauenhafte Bild läßt sich nicht verscheuchen. Sie hat einen endlosen Weg in Schnee und Wind gemacht, allein mit den Kindern. Georg fleht um Brot— sie hat keines. Kurt schläft auf ihrem Arm; sie weiß nicht, ob es der Schlaf des Todes ist. Die kleine Wanda nur sieht frisch und lustig aus wie immer! Da braust und tobt der Fluß, der sich dem Winter nicht beugen will. „Halt. Wanda, halt!“ Sie wendet sich zur Mutter, zum Bruder, sie geht rückwärts... nun sinkt sie!„Himmel, erbarm dich!“ Das war der Schrei, mit dem Gerda „Die Kinder!“ sagte sie zu dem eintreitenden Mädchen. welches das Frühstück brachte. Erst als sie Wanda und Kurt wohl und munter in ihren Armen hielt, hob sich ihre Brust leichter. Georg war schon in der Schule, er hatte die Mutter nicht stören wollen. m egain... 4. „Fräulein,“ wendete sich Frau Wohlnein zu Trude, die sich am Fenster zu schaffen machte.„Sie haben mir lange nichts von ihren Schützlingen erzählt. Wie geht es ihnen?“ „Danke, so ziemlich!" berichtete die Kindergärtnerin. „Der Mann hat durch den Missionar des Bezirkes Arbeit erhalten, doch der Wirt läßt ihn nicht länger wohnen, denn er ist mit der Miete im Rückstande. Hier im Hinterhause *