W Amtiiches Rressblall für den kreis börde De Sdmuam Zeiug gichaat balch. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Gralisbeilage:„Illustrierte: Familiensreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabalt gilt als Kassarabakt u. erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Robeachucd esrmaht.-Setinecheltsane Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt 5 Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Verbunden mit: Schwerter Tageblatt O Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Büg dente, und ichalmntgeüchen Benod. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Veröffentlichung in dei„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Abonnenten für jeden mit Tod endenden Unsall ge300 Mk. UnfallDruau Verlago. Cor Brous. Schwerie=Nuhr Fernsp. 62. Telegr.=Adr. Braus Schwerte=Ruh### Nr. 241. Was ausfunwerpen wilb. Haag, 13. Okt. Das Vaderland stellt sich jetzt die Frage auf: Was werden die siegreichen Deutschen mit Antwerpen anfangen? Die Antwort wird gewissermaßen schon durch die Deutschen selbst gegeben, dadurch, daß die deutsche Artillerie sorgfältig den Hafen und die Docks geschont hat. Im Kriege geschieht so etwas nicht aus Wohlwollen. Im Kriege gibt es das nicht. Wenn ein Belagerer, gleichgiltig welcher, mit Absicht ein Stadtviertel, wie das hiesige schont, ist anzunehmen, daß er dies zum eigenen Nutzen cisführt. Der Nutzen, den Deutschland aus dem Antwerpener Hafen würde erzielen können, wenn es ihn nach dem Kriege behält, braucht kaum näher beschrieben zu werden. Uebrigens würde diese Beschreibung für uns Niederländer eine enorme Schattenseite aufweisen. Wenn Antwerpen in den Besitz eines mächtigen Militärstaates wie Dautschland übergeht, bekommt die Scheldefrage ganz gewiß einen anderen Charakter, als wenn es in den Händen eines nur ebenso starken Staates sich befindet. Unser Recht und unsere Verpflichtung, die Ohnseitigkeit auf der Schelde zu handhaben, würden dieselben bleiben. Aber die Handhabung selbst würde dadurch gewiß nicht leichter werden. Zum sofortigen Gebrauch sind Häfen sund Docks inzwischen durch Versenken von zahlreichen Schiffen in der Schelde dicht vor der Stadt nicht mehr geeignet. Man wird erst mit diesen aufräumen müssen. Daß es gerade die Engländer waren, die diese Schiffe zum Sinken brachten, wird niemand, verwundern. der begreift, daß England sehr fungerne die Deutschen dauernd in Antwerpen sich sestsetzen sieht. Dies würde mehr Schwierigkeiten schaffen, als Minen in der Nordsee treiben. Man denke bloß an die verschiedenen Möglichkeiten und überlege, wieviel Geschicklichkeit und Klugheit aber auch Festigkeit bei unserer Regierung nötig sein wird, um die passende Lösung zu finden. Schauen wir von dieser Frage hinweg, dann stellt sich sofort eine in Verbindung mit Antwerpens Fall vor uns auf, und zwar diese: Wo befindet sich die belgische Feldarmee? Der Ausgang der belgischen Besatzung scheint schon eine gehörige Strecke auf dem Wege nach Frankreich, und wer in den letzten Tagen die Truppenverschielmngen verfolgt hat, dem wird es aufgefallen sein, daß gerade seit einigen Tagen die deutsche Kavallerie von Rissel bis Ypern aufgetreten ist, wohl in der genauen Absicht, den aus Antwerpen ausziehenden belgischen Truppen ihre Verbindung mit dem französischen Flügel zu verhindern. Daraus darf gefolgert werden, daß der Rückzug sich so dicht wie möglich an der Küstenlinie entlang ereignen wird. is ia Mittwoch, den 14. Oktober 1914. 46. Jahrgang. Großes Hauptquartier, 13. Oktober. Vom westlichen Kriegsschauplatz liegen Nachrichten von Bedeutung nicht vor. Heftige Angriffe der Franzosen östlich Soisson sind abgeschlagen worden. Im Argonnenwald finden erbitterte Kämpfe statt. Unsere Vortruppen arbeiten sich in dichtem Unterholz und äußerst schwierigem Gelände mit allen Mitteln des Festungskampfes Schritt für Schritt vorwärts. Die Franzosen leisten hartnäckigen Widerstand, schießen von den Bäumen u. mit Maschinengewehren von Baumkanzeln und haben neben den etagenweise angelegten Schützengräben starke festungsartige Stützpunkte eingerichtet, Die von der französischen Heeresleitung verbreiteten Nachrichten über Erfolge ihrer Truppen in der Voevre=Ebene sind unwahr Nach Gefangenen. Aussagen ist den Truppen mitgeteilt, die Deutschen seien geschlagen und mehrere Forts von Metz bereits gefallen. Tatsächlich haben unsere dort fechtenden Truppen an keiner Stelle Gelände verloren. Etain ist nach wie vor in unserm Besitz. Die jetzigen französischen Angrifse bei St. Mihiel sind sämtlich abgewiesen. Unsere Kriegsbeute von Antwerpen läßt sich auch heute noch nicht übersehen. Die Zahl der in Holland Entwaffneten ist nunmehr auf 28000 gestiegen. Nach amtlichen Londoner und niederländischen Nachrichten befinden sich hierbei auch 2009 Engländer. Scheinbar haben sich viele belgische Soldaten in Zivilkleidern nach ihren Heimatsorten begeben. Der Gebäude, und Materialschaden in Antwerpen ist gering. Die Schleusen und Fähren sind vom Feinde unbrauchbar gemacht worden. Im Hafen befinden sich 4 englische, 2 belgische, 1 französisches, 1 dänisches, 32 deutsche, 2 österreichische Dampfer, sowie 2 deutsche Segelschiffe. Soweit deutsche Schiffe bisher untersucht wurden, scheinen die Kessel unbrauchbar gemacht worden zu sein. Auf dem ostpreußischen Kriegsschauplatz verlief der 11. Oktober im allgemeinen ruhig. Am 12. Oktober wurde ein erneuter Umfassungsversuch der Russen bei Schirwinde abgewiesen. Sie verloren dabei 1500 Gefangene und 20 Geschütze. In Südpolen wurden die russischen Vortruppen südlich von Warschau durch unsere Truppen zurückgeworfen und ein Uebergangsversuch der Russen über die Weichsel südlich Iwangorod unter Verlusten für die Russen verhindert. Oberste Heeresleitung. Belagerungsgeschütze herangebracht würden und die Forts in Trümmer geschossen wären, würden darum die Deutschen dem Place Verve nicht näher gerückt sein. Antwerpen ist nicht so sehr eine Festung, als eine befestigte Stellung, und die Feldbefestigungen können sehr lange aushalten. Osmann Paschas größte Stärke in Plewna war 30000 Mann, und obgleich keine Aehnlichkeit zwischen beiden Positionen besteht, gelang es ihm, die türkische Flagge monatelang über den improvisierten Befestigungen flattern zu lassen. Die Belgier halten eine der stärksten Stellungen in Europa. Sie müssen mindestens 120 000 Mann zu ihrer Verfügung haben, sie besitzen einen offenen Seehafen, sie haben nur zweitklassige Truppen gegen sich, ihre Außenbefestigungen sind die neuesten und furchtbarsten von allen, und sie wissen, daß die Riesenarmee der Verbündeten unmittelbar vor dem Siege stehen und bald zu ihrem Entsatz da sein müssen. Wir brauchen also keinerlei Sorge um Antwerpen zu haben. So etwas liest sich neun Tage später recht behaglich— allerdings nur vom deutschen Standpunkte. Ein russischer Panzerkreuzer vernichtet! Damals und Nachdem Antwerpen gefallen ist, schreibt, wie in der gestrigen Nummer mitgeteilt, die Londoner „Times“: „Antwerpen entsprach nicht den Erwartungen, weil die permamenten Forts in den ausgedehnten Stellungen keine Chancen gegenüber der modernen Artillerie hatten.“ Demgegenüber hat es einen besonderen Reiz, die Stimmen derselben„Times“ vom 1 Oktober nachzulesen. Dort schrieb der militärische Sachverständige desselben Blattes: Die deutschen Operationen gegen Antwerpen erregen vermehrtes Interesse, wenn wir auch höchst zweifelhaft sind, daß ihr Verhältnis zu dem Lärm der bombardierenden Batterien steht. Es ist unkorrekt zu sagen, daß die deutschen Bewegungen etwa eine Belagerung darstellen. Die Angreifer seuern nur auf zwei Forts, von Waelhem und Waore St. Catherine und scheinen nicht viel Schaden anzurichten. Es ist höchst sunwahrscheinlich, daß die deutschen Lanksturmtruppen irgendwelchen Eindruck auf die Antwerpener Außenforts machen können, während die belgische Feldarmee in solch gewaktiger Stärke ist. Selbst wenn die schwersten Berlin, 13. Okt. W. T. B.(Nicht amtlich.) Nach uns vorliegenden Telegrammen verbreitet die russische amtliche Telegraphen=Agentur zu dem amtlich gemeldeten Untergang eines Panzerkreuzers folgende Nachricht: Am 11. Oktober, 2 Uhr nachmittags trafen feindliche Unterseeboote auf unsere Kreuzer„Bajan" und„Pallada“, die in der Ostsee auf Vorposten waren. Obgleich die Kreuzer sofort ein starkes Artilleriefeuer eröffneten, gelang es gleichwohl einem Unterseeboot einen Torpedo gegen die„Pallada“ zu schiezen. Auf dieser entstand eine Explosion und der Kreuzer versank mit der Besatzung senkrecht in die Tiefe. Basel, 13. Okt. Nach Privatmeldungen, die durchaus wahrscheinlich sind, ist der Rückzug der französischen Feldarmee auf die Linie NeversDijon=Langres=Epinal eingeleitet. Die neuen Stellungen sind teilweise schon eingenommen. Dämmerts in Frankreich? Die Pariser„Liberte“ veröffentlicht einen Leitartikel, in dem es heißt: „Als Frankreich, der friedliebende Staat, sich zum Kriege entschloß, kannte es genau seine militärische Krast und war nur unter der Voraussetzung und in der Hoffnung zu diesem aggressiven Schritt zu bewegen, daß seine Verbündeten ihren Bundespflichten in vollem Maße entsprechen würden. Rußland ist der Erfüllung seiner Bundespflichten zumindest zeitlich ausgewichen, als es sich Die„Pallada“ lief am 10. November 1906 vom Stapel. Sie hatte die stattliche Länge von 135 Metern bei einer Breite von 17,5 und einem Tiefgang von 6,5 Metern. Mit einer Wasserverdrängung von 8000 To. ist das Schiff der kleinste Panzerkreuzer der russischen Ostseeflotte, das aber mit einer Fahrgeschwindigkeit von 22,5 Seemeilen und 16½ Tausend Pferdestärken größere Schiffe dieser Klasse hinter sich läßt. Bestückt war das Schiff mit zwei 20,3 Imtr.=, acht 15 Zmtr.=, 22 7,5 Zmtr.= und vier 5,7 Zmtr.=Geschützen. Außerdem hatte es vier Maschinengewehre. Seine Panzerplatten waren Kruppsches Fabrikot. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von 593 Mann. im Interesse Serbiens(damit es einen Teil der drohenden Uebermacht Oesterreich=Ungarns von diesem Lande abwende) mit der ganzen Wucht seiner Armee auf Oesterreich=Ungarn warf. Rußland hat die Existenz Frankreichs dem Interesse seiner Rasseverwandten untergeordnet. Sollte Rußland nicht in allerkürzester Zeit dem Bundesvertrage entsprechend vorgehen, so müssen wir den Bundesvertrag als gebrochen ansehen! Es ist eine Todsünde, daß die französische Regierung unter solchen Verhältnissen unter dem Einfluß Englands in den Vertrag über einen gemeinsamen Friedensschluß eingewilligt hat. Damit hat sie dem französischen Volke die Möglichkeit eines anständigen Rückzuges genommen, und gleichzeitig haben Rußland und England anstatt Taten noch immer nichts als Versprechungen gegeben und damit ihren Bundespflichten entsprochen zu haben geglaubt. Alevertage der der Przemyn! WTB Wien, 13. Okt. Amtlich wird verlautbar: Gestern schlugen unsere gegen Przemysl anrückenden Truppen, unterstützt durch einen Ausfall der Besatzung, die Einschließungstruppen derart zu. rück, daß sich der Feind jetzt nur noch vor der Ostfront der Festung hält. Bei seinem Rückzug stürzten mehrere Kriegsbrücken nächst Sosnica ein. Viele Russen ertranken im San. Der Kampf östlich Chyrow dauert noch an. Eine Kosalendivision Eid des Zaren. Der Vetter des russischen Zaren, der Herzog von Leuchtenberg, hat dem Vertreter des italienischen Blattes La Stampa folgende Erklärung gegeben: „Mein hoher Verwandter Wilhelm 2. und sein Verbündeter Franz Joseph spielen ein gewagtes Spiel, wenn sie noch an den schließlichen Sieg glauben, aber mit unseren 9 Millionen nussischen Soldaten und in Kameradschaft mit den heldenmütigen Söhnen Belgiens, Englands und Frankreichs werden wir Deutschland und Oesterreich in einen Ring von Stahl schmieden, aus dem sie sich unmöglich befreien können. Zum Schluß müssen sie nachgeben.“ Der Journalist fragte darauf, ob es wahr sei, daß während der Wintermonate ein Waffenstillstand abgeschlossen werden sollte. Hierauf antwortete der Herzog: Diese Gerüchte sind vollständig absurd, denn der Zar hat einen Eid geleistet, er wolle Deutschland und Oesterreich absolut zu Boden schmettern. Die russischen Truppen, die an die Strapazen des Winters gewöhnt sind, werden darunter weniger leiden als die Dautschen. Es ist vollständig ausgeschlossen, daß der Zar seinen Feinden eine willkommene Ruhezeit gewähren würde. Ich bin der Meinung. daß mitten im Winter große Schlachten ausgekämpft werden, die für Deutschlands und Oesterreichs Schicksal entscheidend sein werden. Dazu wäre zu bemerken: In Deutschland gibt es kaum einen Menschen, der angenommen hätte, unsere Todfeinde würden uns vielleicht, wenn der Thermometer unter Null geht, einen Waffenstillstand anbieten, um uns verschnaufen zu lassen. Des Zaren Vetter hätte sich also seine BramarbasRede sparen können Die Russen mögen die Kälte nicht fürchten; sind aber die(vor dem Kriege schon gekommenen) Nachrichten richtig, daß Rußland diesmal eine sehr schlechte Ernte hatte, so bekommen wir gegen Rußland vielleicht im Winter einen nicht zu unterschätzenden Bundesgenossen: den Hunger. wurde von unserer Kavallerie gegen Drohobycz geworfen. In den durch sehr ungünstige Witterung und schlechte Wegeverhältnisse außerordentlich erschwerten Märschen und Kämpfen der letzten Wochen hat sich die Leistungsfähigkeit unserer braven Truppen glänzend bewährt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, von Höfer, Generalmajor. Die Verleidigung Kiautschous. Die„La Plata Post“ veröffentlicht einen Artikel über die Verteidigungsfähigkeit Kiautschous, dem wir folgendes entnehmen: Wer da glaubt, die gewaltsame Eroberung von Tsinglau sei eine einfache Spazierfahrt für die Japaner, ist gewaltig im Irrtum; denn mit der Möglichkeit, daß die deutsche Besatzung einem Angriff ausgesetzt sein würde, ohne vom Mutterland Hilfe erwarten zu können, hat man wohl gerechnet und seine Einrichtungen danach getroffen. Einen Angriff von der See aus hat Tsingtau seiner natürlichen Lage halber wenig zu fürchten. Der Hasen liegt hinter einem Höhenzug, der die ganze Küste beherrscht. Auf diesem Höhenzug befinden sich eine Anzahl Forts und Landbatterien, sämtlich vollständig ausgebaut und mit schwersten Festungsund Küstengeschützen bestückt. Alle Forts sind so eingerichtet, daß sie vollkommen unabhängig voneinander operieren können Jedes Festungswerk hat seine eigenen Maschinenanlagen zur Erzeugung von Licht, Kraft, Dampf usw. An jedem Geschütz befinden sich Schlafräume für die Bedienungsmannschaften. Mit Proviant sind die einzelnen Forts auf lange Zeit versorgt, so daß sie einer Einschließung durch einen Feind mit Ruhe entgegensehen können. Von besonderer Wichtigkeit ist, daß man nicht auf den Import von Kohlen angewiesen ist, sondern zwei Kohlenschächte unmittelbar zur Verfügung hat. Gejährlicher als von der Seeseite aus ist der Angriff von der Landseite, aber nur deshalb, weil die Japaner dort ihre Uebermacht besser zur Geltung bringen können. Auch die Landseite ist in Erwartung eines feindlichen Angriffs schon lange durch vorgehauene Geschützstände für Festungsgeschütze, die so eingerichtet sind, daß sie das Vorgelände beherrschen, geschätzt. Da es nun in China keine natürlichen Stützpunkte, wie Wälder oder feste Städte gibt, so muß der Anmarsch eines Landheeres der Japaner auf sehr große Schwierigkeiten stoßen, da unsere Geschütze mit Erfolg aufräumen würden. Ferner sind die Wegeverhältnisse derartig, daß man nur schwer vorwärtskommen kann. Jedenfalls wird so lange noch eine Granate vorhanden ist, kein Japaner seinen Fuß in die deutschen Festungswerke setzen, und sie werden sich ihre Köpfe an diesen Mauern noch blutiger rennen als seinerzeit an den Festungs' werken Port Arthurs. Hat sich Deutschland in allen Sachen für den Kriegsfall gut vorbereitet, so ist dies in Kiautschou nicht minder der Fall. Hierzu bemerkt die deutsche Post und AfrikaKorrespondenz noch, daß die Besatzung Kiantschous durch die aus ganz Ostasien herbeigeströmten wehrpflichtigen Deutschen eine gewaltige Verstärkung erhalten hat. Aus den nicht wehrpflichtigen Personen ist eine Bürgerwehr gebildet worden, auf den ersten Aufruf haben sich gleich 100 Freiwillige gemeldet; auch die Angehörigen der Schützenvereine sind, soweit sie nicht bereits wehrpflichtig waren, in einem freiwilligen Schützenkorps organisiert worden. 0 7 Oesterreich und Frankreich je 32 Millionen fallen. Unberücksichtigt bleibt bei dieser Aufstellung der Aufwand Englands und die wichtige Tatsache, daß Deutschland den Krieg auf nissischem, französischem und belgischem Boden führt. ten ## oceh 100 Die Kathedrale in Mecheln. WET Der Krieg gegen Frankreich. Um Belfort. Berlin, 13. Okt. Dem„Berliner Tageblatt“ wird von hier gedrahtet: Trotz der überaus strengen Maßregeln der französischen Behörden gelang es der„Gazette del Popolo“ folgende Mitteilungen über die in der Umgegend von Belfort augenblicklich gemachten Anstrengungen zur Erweiterung der Befestigungsarbeiten zu erlangen. Längs der Ufer der Savoureuse, die die Stadt von der Zitadelle trennt, wird fieberhaft an der Fertigstellung der Zufluchtkanäle gearbeitet, die zur Wasserzufuhr für die Kanäle der Außenforts und auch zur Ueberschwemmung dienen Sämtliche Außenforts wurden durch erweiterte Fortfikationen verstärkt. Auch ließ der Generalgouverneur die umliegenden Dörfer und Gutshöfe militärisch besetzen. Die Besatzung der Forts besteht ausschließlich aus ausgesuchten Truppen. Das ganze nördlich von Belfort sich erstreckende Gelände ist eine Sumpfgegend mit einer großen Anzahl von Seen, die durch Kanäle und Gräben bis zur elsässischen Grenze hin verbunden sind. Die Franzosen sinz im Begriff, ganze Wälder niederzulegen, um die Wirkungen ihrer Vatterien zu erleichtern und das Holz für Schützengräben zu benutzen. Diese Arbeiten werden deshalb gefördert, da letzthin beträchtliche Kräfte nach dem Woevre gesandt wurden, wo sie dringend benötigt werden. Die Furcht vor deutschen Fliegern. Paris, 14. Okt. Das wiederholte Erscheinen der deutschen Flieger über Paris macht großen Eindruck auf das Volk. Die Presse sordert energische Maßregeln zur Abwehr. Man solle Fesselballons aufsteigen lassen, auch müßte auf dem Eiffelturm ein Beobachtungsposten aufgestellt werden. Frankreich braucht Geld. WTB. Paris, 13. Okt Alle Zeitungen veröffentlichen einen gleichlautend anscheinend offiziösen Aufruf an die Bevölkenung, große Beträge in Staatsscheinen für die Nationalverteidigung zu zeichnen und nach Möglichkeit Schatzscheine als Zahlungsmittel zu verwenden. Wer dies unterlasse, tue seine Pflicht als Patriot nicht. Die Tage der Festungen gezählt. WTB London, 13. Okt.(Nicht amtlich.) Die „Times“ melden aus Vordeaux: Französische militärische Kreise glauben, Antwerpens Fall verlängere den Krieg. Die Deutschen könnten den Hafen besestigen und eine Basis für Zeppelinangriffe gegen die britische Küste aus ihm machen. Englische Militärs halten die Tage der Festungen für gezählt, da den gewaltigen Geschossen der deutschen Riesengeschütze kein Festungswerk widerstehen könne. Wie die Franzosen die Beschlüsse der Genfer Konvention respektierten. Berlin, 13. Okt. Der„Deutschen Kriegsztg.“ wird aus München gedrahtet: Der als Regimentskommandeur verwundete Prinz Franz von Bayern, des Königs dritter Sohn, hat mit einem Berichterstatter der„München=Augsburger Abendzeitung“ über seine Kriegserlebnisse gesprochen und dabei erzählt, wie in der Schlacht bei Saarburg schwere französische Artillerie den Verbandsplatz der Bayern beschossen hat. Dabei waren die verwundeten Franzosen, die hineinkamen, selbst überwältigt von Dankbarkeit für die Hilfsbereitschaft der deutschen Samariter. Ein verwundeter französischer Leutnant hat aus freien Stücken eine Bescheinigung darüber ausgestellt, daß die Franzosen das schon genannte Feldlazarett Chateauville mit 400 Verwundeten trotz des Genfer Beschlusses zusammengeschossen haben. Der Abtransport der Vernundeten mußte mitten im französischen Granatfeuer erfolgen. Von der Feldpost meint der Prinz, sie plage sich redlich. Auch habe er selbst erfahren, daß es keine Bevorzugung bei ihr gebe. Die ausschlaggebende Hauptsache für unser Heer seien viele und gute Offiziere und eiserne Disziplin, frei von aller Humanitätsduselei. Der Tag werde kommen, an dem die französische Streitmacht zusammenbreche. Der Prinz, der in acht Tagen wieder ins Feld will, hofft dann, mit seinem Regiment dabei zu sein Feindliche Flieger über Karlsruhe. WTB Karlsruhe, 13. Okt.(Nicht amtlich.) Gestern nachmittag und gestern abend erschien ein feindlicher Flieger über der Stadt. Das abends erschienene Flugzeug flog langsam über die Waffenund Munitionsfabriken und die Kasernen. Wie man erfährt, entkam der Flieger unversehrt. Der Krieg gegen England und Holland. Zürich, 13. Okt. Die Neutralität Hollands liegt England nicht recht. Während sich die englischen Blätter bemühen, nachzuweisen, daß die Neutralität Hollands durch Deutschland bedroht sei, schreibt die englische Zeitschrift„Spectator“, es wäre zu wünschen, daß Holland aus der Neutralität heraustrete und unser Feind werden würde. Die Neutralität hilft uns nicht Die Angst vor den Zeppelinen. WTB. London, 13. Okt.(Nicht amtlich.) Die „Times“ beschäftigen sich in einem Leitartikel mit einem eventuellen Zeppelinangriff auf England. Das Blatt sagt: Falls Luftschiffe kommen, wird das ohne die gerinste Wirkung auf den Ausgang des Krieges sein. Wir wissen recht gut, wie wir die Zeppeline empfangen sollen. Das Blatt meint Belgien bleibt der Hauptplatz der zukünftigen Operationen. Die Kaiserin bei den Verwundeten. Die Kaiserin besuchte gestern das Lazarett Rennbahn=Grunewald, wo über 500 Verwundete, besonders viele Mannschaften des königlich sächsischen 12. und.19. Armeekorps untergebracht sind. Die Kaiserin verweilte längere Zeit an den Lagerstätten und sprach viele von denen, die schon auuf sein konnten, an. Die Prinzissin August Wilhelm besuchte unterdessen die übrigen Räume der sehr ausgedehnten Anlage. Die Mannschaften wurden mit Karten mit Bildern der Majestäten und reichlichem Rauchmaterial erfreut. Von dort begab sich die Kaiserin zum Orangeriegebäude, das man das Lazarett der Kaiserin zu nennen pflegt. Es sind dort vornehmlich Leichtverwundete untergebracht. Es war gerade Mittagszeit. Die Mannschaften saßen an sauber gedeckten, mit Blumen geschmückten Tischen und ließen sich Vier und Essen gut schmecken. Als dann die Zigarren in Brand gesteckt waren, die die Kaiserin zum Teil selbst verteilt hatte, fingen die Leute an zu singen und benutzten zur Begleitung die dazu für sie beschafften Instrumente. Zuletzt setzte sich ein Mann an das Harmonium und begleitete mit kräftigen Akorden die begeistert gesungene Hymne: Heil Dir im Siegerkranz. Auf der Rückfahrt sprach die Kaiserin bei der Wohnung des Rittmeisters im Regiment Garde du Corps, von Mutius, vor, der verwundet dort gepflegt wird. Heute abend reist die Kaiserin nach Homburg v. d. H., zu kurzem Aufenthalt, um Prinz Oskar zu sehen, bevor dieser demnächst zu seinem Regiment zurückkehren kann. Dei Krieg hegen Beigien. Säuberung Belgiens. WTB Amsterdam, 13. Okt.(Nicht amtlich.) Der„Telegraaf“ meldet aus Sas van Gent: Ein Zeppelin ist am Sonntag über Oudengarde bemerkt worden. Er kam von Deynze her. Neun Ulanen erschienen in Renaix, trirchsuchten den Bahnhof und ritten weiter in der Richtung auf Courtryck. 500 Deutsche brachten die Nacht in Sottegem zu und sprengten zwei Bahnbrücken in die Luft. Nach Amsterdamer Meldungen sollen die Engländer wieder neue Abteilungen von Marinetruppen gelandet haben. Auch die Franzosen hätten Marinesoldaten herangeführt, die dicht bei Gent stehen, so daß eine Schlacht dort zu erwarten sei Am 11. Oktober sollen die Engländer bei Quatrecht und Melle gekämpft haben und sich durch Gent auf Zeebrugge zurückgezogen haben. Nahezu aufgerieben. Berlin, 13. Okt. Dem„Berl. Lokalanz.“ wird aus Rosendaal gemeldet: Aus Gent hierher gekommene Flüchtlinge erzählen, die belgischenglischen Truppen seien bei Lokeeren nahezu aufgerieben worden. Der Rest habe sich nach Ostende zurückgezogen. Der Abzug der Belgier. Amsterdam, 14. Okt Wie der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ meldet, ist das belgische Heer gestern durch Brügge durchgezogen. Der König und die Königin sind bereits am Sonntag durchgekommen. Ueber den Einzug der Deutschen in Gent erfährt man, daß er mit klingendem Spiel erfolgte, nachdem die letzten Engländer die Stadt verlassen hatten. Sofort wurden das Stadthaus, die Postämter und die Stationen in Besitz genommen, die Postkasse wurde beschlagnahmt und die deutsche Flagge wurde anstatt der belgischen, französischen und englischen gehißt. Durch eine Proklamation wurde bekannt gemacht, daß, wer wolle, am Montag und Dienstag die Stadt verlassen könne, später würde keine Erlaubnis mehr dazu erteilt. Viele hundert Belgier verließen die Stadt. Die belgische Regierung in Vordeaux. WTB Berlin, 13. Okt. Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus Rotterdam: Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ berichtet: Nach Meldungen aus zuverlässiger belgischer Quelle ist die belgische Regierung nach Bordeaux verlegt worden. Bürgermeister Max Kriegsgefangener in Ohrdruf. Berlin, 13. Okt. Der„Tägl. Rundsch.“ wird aus Halle a. S. gedrahtet: Der durch seine deutschfeindlichen Umtriebe bekannt gewordene Bürgermeister Max aus Brüssel wurde als Kriegsgefangener ins Gefangenenlager Ohrdruf eingeliefert. Der Krieg gegen Rußland. Die Versenkung des„Pallada“. Berlin, 13. Okt. Zur Versenkung des russischen Panzerkreuzers„Pallada“ durch ein deutsches Unterseeboot meldet die„Norddeutsche Allg. Ztg.“ Wie wir hören, sind, die am Kampfe beteitigten deutschen Seestreitkräfte völlig unbeschädigt in die Heimat zurückgekehrt. Sie hatten einen Vorstoß in die russischen Gewässer unternommen, wie solche schon mehrfach seit Beginn der Feindseligkeiten ausgeführt worden waren. Der Zar als Oberkommandierender. Während es kürzlich hieß, der Zar kehre nach seiner Reise zu den Truppen nach Zarskoje=Selo zurück, gibt die Petersburger Telegraphen=Agentur jetzt bekannt, daß der Zar das Oberkommando über die Armee mit dem Hauptquartier in BrestLitowsk übernommen habe. Kriegsminister Suchomlinow fungiere als Generaladjutant des Zaren, Großfürst Nikolai Nikolajewitsch habe den Oberbefehl über die Nordarmee übernommen. Ablehnung russischer Kriegskredite. Der Baseler„Vorwärts“ meldet: Wie aus Petersburg über Kopenhagen gemeldet wird, beschlossen die soztaldemokratischen Duma=Abgeordneten einstimmig die Ablehnung des geforderten Zwei=Milliarden=Kredits für die Fortsetzung des Krieges. Die Dardanellen bleiben geschlossen. Die„Wiener Reichspost“ meldet aus Konstantinopel: Die Ententeregierungen befaßten sich mit der türkischen Forderung nach Entfernung der englischfranzöschen Eskadre vom Meerengeneingang und stellten die Gegenforderung, daß die deutschen Offiziere und Mannschaften zurückgesandt würden. Da die Türkei darauf nicht eingeht, bleiben die Dardanellen geschlossen. Von der russischen Schwarze Meerflotte. Konstantinopel, 14. Okt. Ueber die Tätigkeit der russischen Schwarze Meerflotte liegen widersprechende Angaben vor. Hier wird versichert, daß sich die Flotte auf der Höhe von Barna aufhalte und daß der russische Admiral strengen Befehl habe, sich jeder feindlichen Handlung gegen die Türkei zu enthalten. Die Räumung von Lemberg. Wien, 13. Okt. Der„V. 3.“ wird telegraphiert: Von Flüchtlingen, die aus Galizien in Wien eingetrosfen sind, wird erzählt, daß Lemberg von den Russen geräumt sei. 9 Die Kosten des Krieges. Die englische Zeitung„Economist", berechnet, laut„Voss. Ztg., die täglichen Kosten des Krieges, die Mobilisierung der neutvalen Mächte einberechnet, auf 200 Millionen Mark. Hiervon sollen auf Deutschland 44 Millionen, auf Rußland 42, auf Ein Aufruf des Islams. WTB Konstantinopel, 13. Okt. Die hier erscheinende türkische geistliche Zeitschrift„Seb il Urreehad“(„Der gerade Weg“) veröfentlicht die Uebersetzung einer unter den muselmanischen Soldaten in Marokko, Algerien und Tunis verteilten arabischen Proklamation. Diese zitiert mehrere Verse aus dem Koran und richtet die Mahnung an die Muselmanen, nicht an der Seite der Franzosen zu kämpfen, denn diese seien Feinde Gottes, des Propheten und der Muselmanen. Diejenigen, die mit ihnen gingen, würden dem Zorn Gottes verfallen. Die Proklamation weist auf die Bedrückung der Muselmanen-hin und richtet einen Appell an die Muselmanen, gegen die Unterdrücker Krieg zu führen, um Vaterland, Religion und Ehre zu retten. Die Proklamation schließt: Muselmanische Soldaten: Wollen wir denn warten, bis diese Leute uns unser Vaterland entreißen und unsere Religion, unser väterliches Erbteil, Ehre und Leben rauben? Zum Thronwechsel in Rumänten. Bukarest, 12. Okt. Gestern fand in der Metropolitankirche ein Gedächtnisgottesdienst für den König Karl statt. Um 2 Uhr nachmittags erfolgte im Saal der Deputiertenkammer die feierliche Eidesleistung König Ferdinands I. auf die Versassung. Der König hielt nach der Vereidigung folgende Thronrede. Berusen durch die Gnade Gottes und den Willen des Volkes, der Erbe des großen Gründers zu sein, der mir als heiliges Vermächtnis die Gefühle der Liebe lund Treue eines ganzen Volkes hinterließ, finde ich in meiner Liebe zu der Nation die Kraft, ohne Schwanken den Weg der Ersüllung meiner großen, aber schwierigen Pflicht zu betreten. (Lebhafter Beifall.) Das Beispiel dessen, den wir alle wie einen Vater beweinen, und die Ueberzeugung, daß es nur durch einen ununterbrochenen Aufschwung möglich ist, die Lebenskraft eines Volkes zu sichern, wird für mich der Leitstern meiner Bemühungen für die Entwickelung dieses Staates während meines ganzen Lebens sein.(Lebhafter Beifall.) In Ersüllung dieser hohen Pflicht, die ich mit unverbrüchlicher Treue und Liebe auf mich nehme, werde ich den süßesten Lohn finden, und indem wir so handeln, geben wir ein Unterpfand der Dankbarkeit dem, dessen Andenken das teuerste Band zwischen dem Lande und meinem Hause ist. (Beifall.) Während seiner glücklichen Regierung, die einen Stolz unserer Geschichte bildet, hat der erste König Rumäniens jedesmal, wenn große Ereignisse ihm diese Pflicht auferlegten, die mächtigste Stütze in der Einigkeit, mit der alle Rumänen sich um den Thron scharten, gefunden. Ich bin überzeugt, daß die Rumänen, von demselben hohen Patriotismuis beseelt, auch in Zukunft dem Throne und dem Lande die Einheit in Gedanken und Tat zu geben wissen werden, die das einzige Unterpfand einer gesunden nationalen Entwickelung ist.(Beifall.) Der Allmächtige, der nach so vielen schweren Prüfungen die Arbeit derer segnete, die sich dem Mohle dieser Nation gewidmet haben, wird das, was mit so viel Mühe gebaut ist, nicht vergessen lassen und mit Liebe für dieses Volk die rastlose Arbeit schützen, die ich als guter Rumäne und als König meinem teuren Lande zu weihen entschlossen bin,#tc — Nr. 241. Beilage. Schwerter Zeitung. Mittwoch, 14. Oktober 1914. Amtliches Kreisblatt. Das neue Räthaus Iu Schwerlt. Die Arbeiten an dem Rathaus=Neubau unserer alten Stadt Schwerte sind trotz der Kriegswirren glücklich zum Abschluß gebracht. Nachdem einzelne Zweige der Verwaltung schon seit einigen Tagen in dem stattlichen Gebäude untergebracht waren, erfolgte gestern die Verlegung der gesamten Geschäfte unserer Stadtverwaltung in das naue Heim, und damit ist Schwerte in einen neuen Abschnitt seiner Entwickelung eingetreten. Der Einzug in das neue Gebäude erfolgte in aller Stille, da in Anbetracht der ernsten Zeitlage sich alle festlichen Einweihungsfeierlichkeiten von selhst verboten. Schon seit langen Jahren genügten die bis. herigen Räumlichkeiten des alten Stadthauses an der Kampstraße dem gesteigerten Verkehr nicht; die Trennung der einzelnen Dienstzweige der Verwaltung und Unterbringung in mehreren Gebäuden in den verschiedensten Stadtteilen, führten zu großen Unzuträglichkeiten u. zu einer Erschwerung dr Geschäfte, und der Wunsch, ein großes, geräumiges Verwaltungsgebäude zu besitzen, wurde immer dringender. Dieser Wunsch wäre aber noch licht lange ein frommer Wunsch geblieben, wenn es die reichen Stiftungen der Familie des Herrn Ceh. Kommerzienrats Fleitmann nicht ermöglicht hätten, endlich mit dem großen Werk zu beKinnen. Im Frühjahr 1912 wurde nach langen Vorverhandlungen, in denen die verschiedensten Wünsche bezüglich der Wahl des Standortes für das neue Rathaus laut wurden, der jetzige Platz an der Hörder= und Goethestraße von den Erben Brügmann(Generalmajor Röhrssen) und den Erben Schütte in Größe von 59 Ar 65 Quadratmetern für den Preis von 63 457 Mk. erworben. Die Wahl des Bauplatzes im äußersten Norden der Stadt hat seinerzeit unter den Bewohnern der Altstadt gerade keine freudige Zustimmung gefunden. Zwecks Erlangung künstlerischer Entwürfe wurde unter den Architekten aus Westfalen und Rheinland ein Wettbewerb ausgeschrieben, zu dem weit über 200 Entwürse eingesandt wurden, die Leianntlich in der Aula des Progymnasiums zur Ausstellung gelangten. Das Preisgericht erkannte dem Entwurf des Architekten Schmitz=Köln den 1. Preis zu; dieser Entwurf wurde von der Staotverwaltung zur Ausführung bestimmt und Herrn Schmitz auch die künstlerische Leitung des Baues übertragen. Am 29. Juni v. Is. wurde anläßlich der Feier des Regierungs=Jubiläums Sr. Majestät unter großer Feierlichkeit und unter Teillnahme der gesamten Bürgerschaft der Grundstein gelegt, und heute steht ein Bau fertig da, der unserer Stadt zur größten Zierde gereicht, dem künstlerischen Können des Erbauers aber das allerbeste Zeugnis ausstellt. Das Gebäude ist in einer einspringenden Winkeiform errichtet. Die Wahl gerade dieser Form ist dem Gefühl des Künstlers entsprungen, dem die Hörderstraße heraufkommenden Beschauer ein dem Nathaus entsprechendes stimmungsvolles Stadtbild zu bieten. Auch ist durch diese Anordnung erreicht worden, daß die hinter der Hohenzollernstraße vorbeiführenden Bahndämme verdeckt sind. Frei von irgend welcher architektonischen Ueberlieferung ist die Gesamtanlage dem Grundstück angepaßt. Die ruhige Lagerung der Hauptmassen 80 -ce nen e ce RRSC Rece R K endet einerseits in der Amtswohnung des Bürgermeisters an der Goethestraße, andererseits in dem Hauptportal mit dem Sitzungssaal und dem Turm an der Hörderstraße. Der Schwerpunkt in der Wirkung eines Nathauses liegt naturgemäß in einer monumental würdevollen Architektur, die bei unserm neuen Stadthause besonders im Hauptportal glücklich zum Ausdruck kommt. Von der Freitreppe gehen Pilaster, einfach und schlicht, in die Höhe, am Fuß kräftig unterstützt durch Postamente, die Statuen tragen. Die Figuren an der Südseite stellen einen Waffenschmied und einen Ratsherrn dar, diejenigen nach der Hörderstraße verkörpern das Handwerk, die Industrie, den Handel und die Landwirtschaft, während die Figuren an der Nordseite einen Richter und einen Krieger darstellen Ein starkes Gesimse, welches direkt in das Dach stößt, bildet den Schluß. Die Gliederung des Turmes, in dem sich oben das Amtszimmer des Bürgermeisters befindet, ist gegeben durch die Teilung der Geschosse. Er wird von starken Pfeilern gestützt und wächst mit dem Dach ungemein glücklich zusammen. Man hat bei diesem Turm, dessen stumpfe Spitze sich ungemein günstig dem massigen Charakter des ganzen Gebäudes anpaßt, nicht das Gefühl, wie das bei derartigen Bauwerken so oft der Fall ist, daß der Turm im Dach versinkt und im Grunde seinen Halt suchen muß. Der künstlerische Schmuck des Turmes durch 4 hübsche Putten=Figuren, die Jahreszeiten darstellend, erhöht die Wirkung desselben auf den Beschauer ungemein. Durch das von beiden Flügeln gebildete Rechteck entsteht nach der Hörder= und nach der Goethestraße zu ein hübscher Vorplatz, dessen im Entstehen begriffene gärtnerische Anlagen das Gebäude erst recht zur Geltung bringen, insbesondere, wenn die Wasser des an der Straßenecke vorgesehenen Brunnens, mit dessen Aufbau bereits begonnen ist, erst lustig sprudeln. Außer der Wohnung des Bürgermeisters liegt auch diejenige des Kastellans an der Goethestraße. Von dieser Straße aus führt auch noch ein Nebeneingang in der Verlängerung der Poststraße ins Rathaus. Unsere gute Stadt hat durch das neue Rathaus ein Gebäude bekommen, welches dem gesamten Stadtbilde einen neuen Charakter ausprägt und das Straßenbild in der allergünstigsten Weise beeinslußt. Durch die reich gegliederte offene Vorhalle des neuen Stadthauses gelangt man zunächst in den Windfang und hierdurch in die Halle des Erdgeschosses. Links liegen hieran anschließend die Stadtkasse mit dem Zimmer des Rendanten und die Stahlkammer, das Meldeamt, das Zimmer des Sekretärs und die Bibliothek An der rechten Seite der Halle liegen das Botenzimmer mit der Fernsprechzentrale, sowie die Räume der Armenverwaltung und die Toiletten. Im anschließenden Flügel sind die für die Polize i erforderlichen Räume untergebracht und zwar die Wachtstube, ein Zimmer für den Kommissar und drei Vernehmungszimmer. Dieser Gebäudeflügel hat einen Nebeneingang von der Goethestraße aus und eine Nebentreppe. Auch ist hier ein Verbindungsgang vom Nathaus zur Bürgermeisterwohnung vorhanden. Die Nebeutreppe führt zum ersten Obergeschoß, zur Wohnung des Kastellans, zu den Gärten für Bürgermeister und Kastellan, ferner zum Raum für Obdachlose und zu den im Kellergeschoß befindlichen Gesangenenzellen. Diese Nebentreppe wird durch ein Fenster mit Bleiverglasung belichtet, welches in origineller Weise die beiden Raumgruppen, denen es hauptsächlich dient, verkörpert: das eine Fenster zeigt einen Schutzmann aus der guten alten Zeit, im anderen wird die Architektur durch einen Charakterkopf mit symbolischer Darstellung versinnbildlicht. Von der sehr gut belichteten Halle des Erdgeschosses führt eine breite, bequeme Treppe in das Obergeschoß. Hier liegt an der geräumigen Treppenhalle anschließend der große StadtverordnetenSitzungssaal. Diesen Naum hat der Baukünstler in den Farben der Stadt Schwerte (schwarz=blau=silber) abgestimmt. Die Wandflächen des Saales sind ganz mit dunkel, fast schwarz gebeiztem Eichenholz in sehr geschmackvoller Aufteilung vertäfelt. Die Decke hat eine geschwungene wirkungsvolle Form, und ist in einem silbergrauen Ton gehalten, mit einer Friesaufteilung in blau und schwarz. Die Fenster, die fast die ganze Höhe des Raumes einnehmen, haben Herseer. Roman von Louise Cammerer. 15 Ein freudiger, befreiender Atemzug hob Mathildeus Brust. Ihr Blick richtete sich himmelwärts. Gott der Herr, der Erhalter jeglichen Geschöpfes, führte auch sie mit liebender Vaterhand über Sorgen und Kümmernisse, eröffnete ihr eine neue, beglückende Lebensaufgabe.— „Fräulein von Sänden?" Ueberrascht legte Justizrat Börne seine Zeitung beiseite und erhob sich von seinem Stuhl.„Sehr erfreut, Sie einmal bei mir zu sehen, sei es auch nur im Auftrage meines Klienten Wilten. Hat der alte Rappelkopf endlich seinen ungerechtfertigten Groll aufgegeben?“ Mathilde lächelte fein. „Ich komme, Ihrem Haushalte die leitende Hand, Ihrem lieben Kinde eine treubesorgte Pflegerin zu sein, wenn anders Sie meine Dienste anzunehmen geneigt wären, Herr Justizrat,“ sagte sie Gnoch,„ 2y. Jg, Tieuer uarbreitete K a.f Ein heller Glücksschimmer verbreitete sich auf seinen ernsten Zügen. „Welch ein gesegneter Tag für mein Haus, Fräulein von Sanden,“ gab er aufrichtig erfreut zur Antwort.„Ich hätte Wilten diese Großmut gar nicht zugetraut, nachdem er mich neulich so brüskierte, als ich ihn ersuchte, Ihnen bei einem etwaigen Wechsel mein Haus zu empfehlen.“ „Herr Wilten hat mit meinem Kommen durchaus nichts zu tun,“ erwiderte Mathilde unter lebhaftem Erröten, ihm seine eigene Offerte vorlegend. „Ich sah mich aus irgend welchen Gründen, die näher zu erörtern ich Sie herzlich bitte, mir erlassen zu wollen, veranlaßt, meine Stellung dort aufzugeben, wenngleich mir die Treunung von Susanna sehr schwer fiel.“ Ihr Auge feuchtete sich. „Ich achte und ehre Ihre Gründe und freue mich. Sie für mein Haus zu gewinnen, Fräulein von Sanden," sagte er lebhaft. Ein frohleuchtender Blick trat in seine Augen.„Und nun gestatten Sie mir, Ihnen mein Kind, meine Nora, zuzuführen. Es ist ein garzartes, schwächliches Menschenpflänzlein, das des Sonnenscheins warmer, opferwilliger Liebe recht sehr benötigt.“ Er verschwand in ein anstoßendes Zimmer und kehrte wenige Augenblicke darauf an der Seite seines Kindes zurück. Ein weißes Hündchen sprang freudig und bellend an Mathilde empor. Mit tiefer Empfindung blickte Mathilde in das bleiche, kränkliche Gesicht des jungen Mädchens, dem sie gestern bei einem epileptischen Anfall so hilfreich beigestanden. Beide Augen begegneten sich und auch in Noras Blicke dämmerte es wie ein blitzschuelles Erkennen auf. „Mein Fräulein,“ sie sagte es zaghaft schüchtern,„ich glaube, wir sind uns nicht ganz freind und ich habe doppelt Ursache, dem Geschick dankbar zu sein, das Sie uns zuführte. Ihr liebes, gütevolles Angesicht begleitete mich noch im Traum. Aus voller Seele erfreue ich mich der lieben Hausgenossin, und ich bitte Sie, mir ein wenig Liebe und Geduld entgegenzubringen, mir Freundin und Schwester zu sein!“ Mathilde beugte sich nieder und küßte sie auf die Stirn. „Die obwaltende Vorsehung hat es gut mit uns beiden gemeint, als sie uns zusammenführte,“ erwiderte sie einfach. „Gott segne Ihren Eingang in mein Haus!“ schloß Börne ernst,„es soll Ihnen fortan eine Heimat werden!" 5. Kapitel. Seit Tagen wütete ein orkanartiger Sturm an der Küste Dänemarks. Haushoch türmten sich die Meereswogen, in entfesselter Wildheit ineinanderschäumend und auf ihren gischtigen Schaumkämmen die Fahrzeuge, leichtgebaute Segler, wie mächtige Dampfer, zerbrechlichen Nußschalen gleich, hinund herschleudernd. Am Landungsplatz von Kopenhagen sah man dem Einlaufen des Schnelldampfers„Thyra" entgegen, der seinen Kurs auf den Hafen gerichtet hielt, von dem tosenden Orkan jedoch immer wieder in die offene See zurückgeschleudert wurde und trotz angestrengtester Bemühungen nicht zu landen vermochte. Am Kai flutete eine zahlreiche Menschenmenge auf und ab, die das aufregende, zugleich imposante Naturschauspiel, das die empörten, aller menschlichen Kraft spottenden Elemente boten, teils mit Spannung und Interesse, teils mit roher Neugierde befolgte. Von der Sternwarte des Fordenskieldschen Palastes aus, der hinsichtlich seiner Lage und seiner monumentalen Ausführung zu den hervorragendsten Prachtbauten der Residenz zählte, beobachteten zwei Damen mit lebhafter Unruhe das Mißgeschick, dem die„Thyra“ ausgesetzt war. Die jüngere der beiden, eine zarte, ideale Erscheinung von schlankem, anmutigem Körperbau mit großen, dunklen Augen in einem Antlitz von bezauberndem Liebreiz, blickte durch einen mächtigen Tubus angelegentlichst in die offene See hinaus, die sich jetzt, nach veränderter Luftströmung, allmählich langsam zu beruhigen aufing. „Tante, der Sturm legt sich mehr und mehr, und die„Thyra“ wird meines Erachtens nach, wenn keine weitere Verzögerung eintritt, in einer knappen Stunde einlaufen." Die verwitwete Admiralin Fordenskield verließ ihren Platz am Tubus und trat an die Seite ihrer ernsten, schweigsamen Gefährtin, die regungslos in einem Polsterstuhl lehnte. „Ach, Tante, fühle, wie mir das Herz schlägt! Ruhig und gefaßt glaubte ich zu sein, glaubte, mein Stolz würde mich das Unabänderliche ertragen lehren, und nun ich mich dem Angenblick des Wiedersehens gegenüber befinde, bricht die künstliche Scheidewand, die widrige Verhältnisse und harter Menschenwille zwischen uns auftürmt, wie ein vom Bleiverglasung und zeigen in den unteren Feldern das Wappen der Stadt Schwerte, das westfälische Wappen und das Wappen der Grafschaft Mark, ferner das preußische und das deutsche Wappen. Für den Fußboden des Saales hat man Parkett gewählt. Die Plätze für die Stadtverordneten sind halbkreisförmig angebracht, diejenigen für den Magistrat sind gegen erstere um eine Kleinigkeit erhöht. Sehr gut ist in dem neuen Beratungssaal auch für die Presse gesorgt, für die ein gräumiger Tisch in der Mitte des Raumes Aufstellung gefunden hat. Auch die Zuhörer=Tribüne ist sehr gut angeordnet. Ein großes, vom Kreise Hörde gestiftetes Kaiserbild an der nördlichen Wandfläche, sowie ein prächtiger Beleuchtungskörper in sich nach unten verjüngender Form mit gegossenen Glasprismen erhöhen noch die imponierende Wirkung des Saales. Von ganz außerordentlich schöner Wirkung ist das Dienstzimmer des Bürgermeisters. Dieses ist bis zur Türhöhe mit Eichenholz verkleidet und hat an den umschließenden Wänden eingebaute Bücher= und Aktenschränke und einen feuersicheren Dokumentenschrank. Die Fenster sind ebenfalls in Bleiverglasung hergestellt. Der Raum wird durch einen umlaufenden, sehr dekorativ wirkenden Fries schön belebt. Als Fußboden ist ein Teppich von Wilton im Raume gespannt. Das Sitzungszimmer des Magistrats, welches an das Dienstzimmer des Bürgermeisters anstößt, hat ebenfalls einen Wilton=Teppich als Fußboden; die Wände sind auch in Türhöhe mit Eichenholz verkleidet. An das Dienstzimmer des Bürgermeisters schließt sich ein Vorzimmer an, ferner das Zimmer für den Stadtsekretär tund weiter die Registratur nehst Kanzlei. An der Treppenhalle liegen außerdem noch die Räume für die Steuerverwaltung, ein Garderoberaum für die Stadtverordneten, die Treppe zum Zuschauerraum des Sitzungssaales und die Toiletten. Im Flügekbau sind die Räume für das Stadtbauamt untergebracht und zwar das Zimmer für den Stadte baumeister, die Baukanzlei und drei andere Zimmer für technische Beamte. Das Trauzimmer, welches gleichfalls in diesem Flügel liegt, verdient ganz besonders hervorgehoben zu werden. Der Raum ist bis zu Dreiviertel seiner Höhe rundum mit Wollstoff in lebhaft grüner Farbe bespannt. Die Türen und Deckenleisten sind palisanderfarbig gehalten; der Schreibtisch für den Standesbeamten sowie alle Stühle sind aus hellpoliertem Kirschbaumholz hergestellt. Die Stühle für die Trauzeugen haben bequeme Polsterung; die beiden großen Sessel für das Brautraar sind durch das geblümte Muster der Polsterung und ihre schöne Form stark hervorgehoben. Die obere Wandausteilung und die Decke weisen reiche dekorative Bemalung auf. Ein interessanter Belauchtungskörper vervollständigt die Wirkung des anheimelnden Raumes. Die Ausstattung sämtlicher Arbeitsräume ist eine überaus einfache, aber praktische sund zweckentsprechende; der Anstrich der Wände ist in glücklicher Uebereinstimmung mit denjenigen der Türen gebracht worden. Das ganze Gebäude hat Warmwasserheizung mit oberer Verteilung, wodurch eine Wind verwehtes Kartenhaus zusammen. Ich fühle nur das eine, daß mein Herz ihm entgegenjubelt. wie in vergangenen, glücklichen Zeiten, wo wir beide hoffen durften, einander alles zu sein, ein Leben lang uns anzugehören in beglückender Liebe! Rate.hilf mir, Taute, wie ich mich aus dem Chaos der Gefühle, aus dem Seelenkampf zu lösen vermöchte, ohne selbst irre an mir zu werden." Wie ein scheues, zagendes Kind warf Dagmar von Fordenskield sich zu den Füßen Frau von Helldrungens nieder und schaute mit verängstigten Augen hilfeflehend zu ihr auf. Zärtlich beschwichtigend wie eine Mutter zog Frau von Helldrungen die Nichte an die Brust. Ein weicher, gütevoller Ausdruck milderte die strengen Linien ihres Angesichts und verschönte es in wunderbarer Weise. „Hier an meinem Herzen ist Dein Platz, mein Kind, ein Platz, der Dir stets gewahrt bleiben und von dem Dich niemand so leicht verdrängen wird. Werner hat mir zu wehe getan mit dieser Heirat, die ich nie verzeihen kann, nie billigen werde, wiewohl pekuniäre Verpflichtungen nur allzu bestimmt auf ihn einwirkten. Dein Mann erfreute sich blühenden Wohlseins, stand in frischer, unverminderter Lebenskraft. Ja, hätte man ahnen können, daß die dunkle Parze so bald entscheiden würde, dann wäre es noch möglich gewesen, einen Ausgleich zu schaffen. Doch so kam die Lösung für beide Teile zu spät, fiel die Todesbotschaft mit dem Hochzeitstrubel zusammen!" Beißender Hohn lag in ihrer Stimme.„Sei klug und bedächtig, mein Kind. Ruhig Blut und äußere Selbstbeherrschung, alles weitere wird sich aus den Verhältnissen folgern. Komm, wir wollen das Unabänderliche, Unvermeidliche vorerst mit Gleichmut auf uns nehmen!" Der gebietende Ton, noch mehr aber der gebtetende Blick gab der Admiralin die stolze, sichere Haltung zurück. 202,10 WI 1 — 895 gute und gleichmäßige Erwärmung aller Näume erzielt wird. In den einzelnen Gebäudeabteilungen läßt sich die Heizung durch besonders eingebaute Ventile abstellen bezw. regulieren. Selbstverständlich sind sämtliche Räume des stattlichen Neubaues mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet, wie auch eine Entstaubungsanlage vorhanden ist. Die Außenflächen des Gebäudes sind in gestocktem Edelputz hergestellt, für den Sockel und die äußeren Treppenstufen ururde Ruhrsandstein verwandt, für die Figuren, Gesimse und den Turmunterbau Kirchheimer Muschelkalkstein, während die Bedachung in Cauber Schiefer ausgeführt wurde. Der zur Dienstwohnung des Herrn Bürgermeisters gehörende Nutzgarten ist durch Einzäunung von dem zwischen Rückfront des Gebäudes und Hohenzollernstraße liegenden recht beträchtlichen Restgrunkstück getrennt worden. Dieses Restgrundstück wird demnächst zu einer parkartigen Anlage umgestaltet werden. Dadurch wird dann die Ansicht des Rathauses cuch von der Hohenzollernstraße aus in überaus günstiger Weise beeinflußtMehrere namhafte Stiftungen und Zuwendungen ermöglichten unserer Stadt den Bau des neuen Stadthauses, ohne größere steuerliche Belastung der Bürgerschaft. Bereits in früheren Jahren waren für die Errichtung einer Badeanstalt folgende Stiftungen gemacht worden: 1. vom Geheimen Kommerzienrat Richard Fleitmann 30.000 Mark, 2. von Erben Dr. Theodor Fleitmann 35000 Mark. Dazu hatte die Stadt Schwerte aus Sparkassenzinsüberschüssen 43 000 Mark bewilligt. Da auf Grund der Beschlüsse der städtischen Vertretungen von der Errichtung einer Badeanstalt jedoch abgesehen wurde, sind diese Beträge, zusammen also 108000 Mark, für den Bau des neuen Rathauses bestimmt worden. Für dasselbe hat dann Herr Geheimer Kommerzienrat Fleitmann weiter noch 108000 Mark gestiftet, ferner die Vereinigten Deutschen Nickelwerke 30000 Mark, Gebrüder Möhling 3000 Mark, Direktor H. Landsberg zu Frankfurt 2500 Mark, Rentner D. Kayser zu Iserlohn 2500 Mark, Fabrikdirektor Emmerich 1000 Mark, Fabrikdirektor Terbrüggen 1000 Mark, Kommerzienrat Theodor Fleitmann zu Bonn 1000 Mark. Endlich sind noch einige kleinere Beträge und Gegenstände(Fenster im Stadtverordneten=Sitzungssaale und Gemälde) geschenkt. Voraussichtlich werden auch noch einige weitere Gegenstände gestiftet. Von obigen Mitteln sind die erforderlichen Grundstücke erworben und die Baukosten für den Neubau bestritten. Für den Rohbau waren 225000 Mark vorgesehen; während des Baues sind jedoch noch mehrere größere Beträge nachbewilligt, z. B. für Unterkellerung des Hauptbaues, für bessere Ausstattung der Räume usw. Trotzdem wird aber mit einer Ueberschreitung der Bausumme, wie dies ja bei derartigen Bauten nicht zu vermeiden ist, zu rechnen sein. An den Arbeiten und Lieferungen für das nque Rathaus sind nachfolgende Firmen beteiligt: Erdarbeiten: L. Rügge=Schwerte, Maurerarbeiten: Karl Dittrich=Schwerte, Sockelverblendung u. Sandsteinstufen: Heinr. Oberste=Westhofen, Muschelkaltsteinlieferung: Gebr. ZeidlerBerlin, Zimmerarbeiten: Arno Pandorf= Schwerte, Schmiede. und Eisenarbeiten: Gebr. Rahlenbeck= Schwerte, Dachdeckerarbeiten: Wilh. Knoch=Hagen i. W., Klempner= und Installationsarbeiten: Heinrich Jonas=Schwerte, innere und äußere Türen, Fenster: Aug. Müller=Schwerte, Schlagläden, äußere Türen, hölzerne Treppen: Stelbrink u. Frage=Schwerte, Fenster: Franz Streßig=Schwerte, innere Einrichtungen: W. Landmann=Hamm i. W., Fenster: Jos. Burstedde=Waltrop i. W., Beschläge für Fenster und Türen: Arn. Kiekert Söhne. Heiligenhaus, Verglasung: Karl Eickermann=Schwerte, Anstreicherarbeiten: Heinrich Eckenrath=Dortmund, Außenputz: Eduard Hoeke=Dortmund, Heizungsanlage: Bechem u. Post, G. m. b. H., Hagen i W., Blitzableiteranlage: Sauerwald u. Heck mann, Dortmund. Rathausvihr: I. F. WeuleBockenem a. Harz, Schlosserarbeiten: Wölhelm Möller=Schwerte, elektr. Lichtanlage: Siemens= Schuckertwerke, G. m. b. H., techn. Burecm=Dortmund, Bildhauerarbeiten: Professor Grasegger=Köln, Parkettboden: Otto Hetzer, A.=G.=Weimar, Plattierungsarbeiten: E. Homel=Schwerte, Zellentüren: Adolf RauhSchwerte, Korkestrich und Steinfußboden: Gesellschaft für Wärme= und Kälteschutz Leuben b. Dresden, Tapetenlieferung: Max Mehlhose=Schwerte, Lineumbelag: Fr. Eichmann=Schwerte, Linaumbelag und Zugvorhänge: Arnold Niederhoff Schwerte, Kunstverglasung: Franz Reuther=Köln, Plattierungsarbeiten: August Sieberg=Schwerte, Büromöbel: Terbrüggen u. Holtmann=Unna, Pritschen: Max Großpietsch=Schwerte, Tresor: Pohlschröder u. Co.=Dortmund, Gardienenhalter: R. Landmann=Schwerte, Terrazzofußboden: Heinrich HempelmannDortmund. Stadttheater Dortmund. Mittwoch, den 14. Oktober 1914, abends 7½—9¾ Uhr:„Iphigenie auf Tauris“. Ein Schauspiel in 5 Aufzügen von Wollsgang von Goethe. Donnerstag, den 15. Oktober 1914, abends 7½ bis 10¼ Uhr:„Aida“. Große Oper mit Ballett. Freitag, den 16. Oktober 1914, abends 7½—10 Uhr:„Minna von Barnhelm“ oder„Das Soldatenglück". Lustspiel in 5 Aufzügen von G. E. Sonnabend, den 17. Oktober 1914, abends 7½ bis 10 Uhr:„Martha“ oder„Der Markt zu Richmond". Romantisch=komische Oper in 4 Aufzügen von Fr. v. Flotow. Sonntag, den 18. Oktober 1914, nachm. 3½—6 Uhr: „Kolberg". Historisches Schauspiel in 5 Akten von Paul Heyse.— Abends 7½—10½ Uhr: „Die Zauberflöte". Oper in 3 Aufzügen von W. A. Mozart. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 15. Abwechselnd, kühler, windig. 16. Kühler, bewölkt, teils heiter, kalte Nacht. 17. Bewölkt, teils heiter, kalter Nachtfrost. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Kart Eitirton, Senttoris u. u. kunl Hoch- und Tiefbaugeschäft Steinbruchbetrieb Steinhauerei Hagenerstrasse 34— Telefon 113 Technisches Büro.— Taxator der Sparkasse Schwerte. Uebernimmt unter Garantie die Ausführung tix und fertiger Wohn- u. 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Es war nun schon Herbst und er erkannte sie an dem lichten Hütchen, das sie im Frühling getragen hatte. Ein Strom von Wohlsein durchdrang ihn. wie er sie erblickte, und auf einmal stand er vor ihr. Sie erschrak leicht und wurde rot.„Ach— Sie? Herr Bernau! Ich dachte Sie am Ende der Welt!" „Aus Liebesgram, Fräulein?" Er lachte. „Sagen Sie mir doch nur, warum sehe ich Sie nirgends?“ „Ich kann Sie nut dasselbe fragen, Herr Bernau!“ „Ich durchlaufe ja täglich die ganze Stadt, immer auf der Suche nach Ihnen. Ja glauben Sie, mir war die ganze Zeit bange nach Ihnen. Kam ich Ihnen niemals in den Sinn?“. Er sah ihr tief in die Augen. „Ach. das schon— ich hätte gerne mit Ihnen geplaudert.“ Sie errötete wieder. „Also doch? Ich habe Sie schon von allem Anfang her so lieb gehabt wie heute. Fräulein Paula! Ich kann's nicht so recht sagen, wie ich's fühle, wieso der Irrtum entstand, aber ich hab's, ich hab's heraus!“ Er faßte ihre Hand. „Was haben Sie heraus?“ Sie stellte sich so naiv und verstand doch so gut. „Dringen Sie nicht in mich, Fräulein Paula! Ich muß erst Ordnung machen im Kopfe da drinnen, dann kann ich's vielleicht sagen in wohlgesetzter Rede, ich gehe jetzt den Weg meines Herzens! Alles, was ich für jene Lyda zu fühlen glaubte, war für Sie gefühlt, nur für Sie! Sehen Sie mich doch nur nicht so überrascht an.“ Und er ergriff noch ihre andre Hand. „Und das wissen Sie so plötzlich?“ Sie glühte wie die Rose, die sie am Busen trug. „Ach, nicht plötzlich! Das lag in mir schon lange! Wie ein versunkener Schatz, und ich habe das alles verkannt, o, ich muß sehr dumm gewesen sein, nicht wahr?" Sie gab keine Antwort. In heißem Glüh'n sah sie zu Boden und zerzupste ein Nußblatt. Er hatte sie leise an sich gedrückt und sah kyr tief in die Augen.——— Roniat—„„ehm al Sie wollte sich seiner umarmung entwinven; als sie sich aber zu schwach dazu fühlte, schmiegte sie sich innig an die breite Mannerbrust, und als er sie voll und innig küßte, sagte ihm der heiße Gegenkuß, daß er sich diesmal nicht geirrt habe. dem Leben— für das Leben. Verkehr mit Gleichgesinnten. Ein wirklich guter Mensch zieht die Seelen mit magnetischer Gewalt an. Unter dem Einflusse seines geläuterten Wesens beruhigen sich die aufgeregten Gemüter. Seine freundlichen Bemühungen und friedfertigen Worte beseitigen den Unfrieden. In seiner Gegenwart wagen sich die bösen Leidenschaften nicht leicht ans Tageslicht.— Den wahrhaft edlen Menschen verknüpft oft schon nach kurzer Bekanntschaft das Band herzlichster Gemeinschaft mit seinesgleichen. Ein Blick genügte, ein Wort war hinreichend; der magnetische Funke flog von einem zum andern, und schon ist der Seelenbund geschlossen, der beiden zur Freude und dem Nächsten zum Segen gereicht. Freiheit des Handelns und Denkens. Ein Sklave ist, wer sich seiner Überzeugung entgegen, der Meinung der Welt beugt. Wer ihr nicht aufs äußerste widerstrebt und sich die Freiheit des Denkens und Handeins bewahrt, muß lebenslang in ihren Ketten schmachten. Nur ein kühner, fester Entichluß, ein innerliches Freiwerden kann aus ihren eisernen Banden erlösen. Derartige Menschen tragen danach aber immer etwas vom Märtyrer an sich. Leuten. Schöner Trost. Der berühmte französische Romanschriftsteller Alexander Dumas hatte so viele Schulden, daß er sich schließlich vor seinen Gläubigern verstecken mußte. Ein hartnäckiger Gläubiger entdeckte jedoch seinen Schlupswinkel und stand plötzlich vor dem nicht wenig erstaunten Schriftsteller. Er verlangte von Dumas für sein Guthaben einen Wechsel und reichte dem Dichter zu diesem Zwecke ein bereits gestempeltes, bis auf das Akzept ausgefülltes Formular. Dumas unterschrieb kaltblütig, dann überreichte er dem beneidenswerten Gläubiger das Ding mit den Worten:„Weiche Zaubermacht besitzt doch meine Unterschrift. Vor wenigen Minuten hatte dieses Stempelpapier noch einen Wert von einigen Pfennigen; nachdem ich meinen Namen darunter gezeichnet, ist es— keinen Heller mehr wert!“ Mir und Mich. Der Feldmarschall Graf York v. Wartenburg hatte in der Jugend einen sehr mangelhaften Schulunterricht genossen. Schon als Knabe von zwölf Jahren war er als Junker in die Armee Friedrichs des Großen eingetreten, und wenn auch die Junker Unterricht erhielten, so reichte dieser jedenfalls nicht sehr weit. York hat noch in späteren Jahren bedauert, daß er in seiner Jugend so wenig gelernt habe, und ist emsig bemüht gewesen, die Lücken in seinem Wissen auszufüllen. Allein zur erfolgreichen Weiterbildung fehlten ihm die Grundlagen. Namentlich waren seine Kenntnisse im Deutschen recht schwach. Der berühmte Heerführer empfand dies oft schmerzlich und pflegie zu sagen:„Die dummen Mir und Michs! Beim Schreiben geht es noch, da macht man einen Buchstaben, den jeder lesen kann wie er will, aber beim Sprechen muß man heraus damit.“ Sitten und Gebräuche. Seltsamer Totenbrauch. In Flandern herrschte noch um die Mitte des 17. Jahrhunderts die sonderbare Sitte, daß man bei der Beerdigung eines Mannes, der leichtsinnig Konkurs gemacht hatte, als Zeichen der höchsten Beschimpfung einen leeren Beutel oder einen Schlüsselbund auf den Sarg oder das Grab legte. Starb ein Mann mit Hinterlassung vieler Schulden, so dursten die Gläubiger nur die Güter des Mannes und nicht diejenigen seiner Gattin mit Beschlag belegen, wenn die Witwe auf die Bahre des Toten ihre Tasche, Güttel oder Schlüsselbund legte. Die Namenwahl. Die Hindukinder erhalten ihren Namen am zwölften Tage nach der Geburt und gewöhnlich nach Wahl ihrer Mutter. Zuweilen kommt es aber auch vor, daß ihr Vater für se einen anderen Namen wünscht. In diesem Falle werden zwei Lampen über die niedergeschriebenen Namen gestellt und der davon, über dem die Lampe am hellsten brennt, wird dem Kinde dann beigelegt.— In einer ägyptischen Familie wählen die Eltern den Namen des Kindes in der Weise, daß sie drei Wachskerzen anzünden. Jeder von diesen geben sie einen Namen, darunter auch stets einen, der einer hervorragenden Persönlichkeit angehört. Nach der Kerze, die dann am längsten brennt, erhält das Kind seinen Namen.— Die Mohammedaner schreiben zuweilen die ihnen genehmen Namen auf fünf Papierstreiten und stecken diese in ein Exemplar des Koran. Der später zuerst daraus herrorgezogene Name gilt dann als der für das Kind bestimmte. Die Kinder der Ainos, eines auf der Insel Sachalin und in Nordjapan lebenden Volksstammes erhalten einen Namen erzt, wenn sie volle fünf Jahre alt geworden sind. und Blüten. Wer gegen sein Gesinde gut ist, ist meistens im Grunde gut. Die ll. inen Kinder drücken den Schoß, die großen das Herz. Jede Person hat zwei Erziehungen: die eine, die sie von andern ercält, und die andere, die wichtigere, die sie sich selbst gibt. Was ist denn die Weisheit jener Zeiten. die man alt nennt? Ist es die Weisheit grauer Haare? Nein, es ist die Weisheit der Wiege. „Es ürt der Mensch, so lange er strebt.“ Nach diesem Spruch zu urteilen, gibt es sehr viele Stieber. Verwandte Seelen knüpft der Augenblick des ersten Sehens mit diamantnen Banden. Der Nachdruck das gesamten Inhalts dieser Beilage iR unteriag“— se u Piei ce 46. Jahrgang O Erites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Annoncenblatt* Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 241 Mittwoch, 14. Oktober 1914 Wer nicht selber. vorwärl: strebt, dem ist es nicht ernst mit Der Kriminal=Roman von M. de la Chapelle. (8. Fortsetzung.) Freilich— der fatale Daumen=Abdruck! Hagenow beugte sich etwas vor. um sich in aufmerksame Betrachtung seines rechten Daumens zu vertiefen. Ohne Mühe erkannte er die verräterische Narbe— sie bildete wirklich einen regelrecht gezeichneten Halbmond. Er hatte seit Jahren nicht mehr auf sie geachtet— nun wurde ihm ihr Vorhandensein wieder in Erinnerung gebracht! Er stibst hatte sie sich beigebracht, als er, ein achtjähriger Knabe, eines Tages heimlich das Taschenmesser seines Vaters genommen, um sich zum Krieaspielen mit seinen Kameraden aus Holz einen Säbel zuzuschnitzen. Dabei war ihm das Messer abgeglitten und mit tiefem Schnitt in das rechte obere Daumenglied gefahren. Daher die Narbe, die auf der Hautoberfläche des inneren Daumengliedes eine fühlbare Erhöhung bildete und sich heute noch mit derselben Deutlichkeit erkennen ließ wie damals.„„ v.. 666 6. 8141, Was nützte es aber der spürnangen Lonzet, vuß sie diesen Daumenabdruck am Halse der Toten gesunden?— Das brachte noch um keinen Schritt weiter und konnte höchstens als„besonderes Kennzeichen“ für den Mörder vermerkt werden. Aber eins wollte er doch nicht vergessen! Die Depesche zu vernichten! Sie ruhte zwar sicher in seiner Brieftasche, und es gewährte ihm nun, nachdem er die heutigen Zeitungsberichte gelesen, einen gewissen Nervenkitzel, sich im Besitz dieses für ihn so gefährlichen Beweises zu wissen. Indessen war es auf alle Fälle sicherer, sie verschwinden zu lassen und das wollte Hagenow noch heute abend tun, obgleich er sich von dem Bewußtsein unbedingter Sicherheit mehr denn je durchdrungen fühlte und jede etwaige Mahnung zur Vorsicht einfach verlacht haben würde. 7. Die Vorstellung hatte bereits ihren Anfang genommen, als Kriminalkommissar Brüning mit seinem Bruder an einem der nächsten Abende im Apollogarten=Theater erschien, um Sennor Manuel Esxardos neueste Programmnummer kennen zu lernen. Erich war eigentlich nur seinem Bruder zuliebe mitgegangen. Er befand sich augenblicklich gar nicht in der Stimmung, derartigen Vorführungen besonderes Interesse entgegenbringen zu können— die erlittene Enttäuschung ließ sich doch schwerer tragen, wie er gedacht und trotz aller redlichen Mühe, die er sich gab, zu verzichten, drängte sich Gertruds Bild doch immer wieder vor seine Seele, ihn zu quälenden Vergleichen veranlassend: wie alles hätte sein können und wie es nun in Wirklichkeit war. Um diese Stimmung nicht noch mehr Raum gewinnen zu lassen, hatte Erich es schon mehreremal unter irgend einem Vorwand vermieden, an dem Mittagstisch in der„Krone" teilzunehmen. Er war gerecht genug, Hagenow aus der Tatsache, Gertruds Liebe gewonnen zu haben, keinen Vorwurf zu machen. Aber mit dem glücklichen Nebenbuhler Tag für Tag zusammen zu sein und höfliche Redensarten zu wechseln. das dünkte ihm eine unwürdige Heuchelei, die außerdem das niederdrückende Bewurt ein, Gertrud für immer verloren zu haben, jedesmal mit verstärkter Kraft in ihm wachgerufen haben würde. Natürlich erriet der Kommissar sogleich den Grund, weshalb Erich dem gemeinschaftlichen Mittagstisch so oft wie möglich fernzubleiben suchte. Allein in richtigem Verstehen vermied er hierüber jede Bemerkung, wie es denn überhaupt ein stillschweigendes Übereinkommen zw schen den Brüdern zu sein schien, den für Erich so schmerzlichen#unkt nicht mehr zu berühren.„„.. M. fahnr Erich Trotzdem entging es dem scommissar nicht, wie sehr Erich im geheimen litt, und er hätte viel darum gegeben, den Bruder glücklich zu sehen. Mit wahrhalt rührender Fürsorge bot er alles auf. um Erich zu zerstreuen. Leider war jedoch das Vergnügungsprogramm, über welches die Stadt verfügte, nicht allzu reichhaltig— außer den nicht üblen Darbietungen des Theaters kam eigentlich nur noch die Spezialitätenbühne des Apollogartens in Betracht, auf der sich allerdings nicht gerade Auserlesenes produzierte, aber doch immerhin Künstler, die den Besuch des hübschen, einen gewissen eleganten Anstrich wahrenden Varité zu einem unterhaltsamen zu gestalten wußten.... gr K. 8 hor uunsx den Vnschein e Dem Bruder zunebe gav er sich daher auch den unschein, als ob er sich über die Couplets der Soubrette und über die Clownspäße eines parodistiichen Tricks amüsiere, während er eigentlich nur mechanisch zusah und hörte. Erst die Jongleurkünste Sennor Espardos erweckten ein wirkliches Interesse in ihm, denn der Spanier zeigte eine Gewandtheit bei der Ausführung seiner Tricks, die geradezu verblüffte und beinahe da an Wunder glauben ließ, wo doch einzig und allein nur eine grandiose Fingerfertigkeit die schöpferische Kraft war. Besonders seine neueste Glanznummer. Die Verwandlung eines gewöhnlichen, hölzernen Tisches in eine von wilden umsponnene Laube präsentierte sich als ebenso anmutiges, wie geschickt ausgeführtes Kunststück, welches den reichen Beifall verdiente, mit dem das Publilum den Spanier belohnte und der seinen Höhepunkt erreichte, als inmitten der zierlichen Laube plötzlich ein weites Taubenpaar aufflatterte, von dem kein Mensch wußte, woher es eigentlich gekommen sei. Da diese Nummer die vorletzte des Programms war, begaben sich die keiden Brüder, auf das nochmalige Erscheinen der Soubrette verzichtend, in das zum Apollogarten gehörige Restaurant, um dort Sennor Espardo zu erwarten, dem der Kommissar ebenso wie Erich ihre Anerkennung über seinen wohlgelungenen Tick aussprechen wollten. Wenige Minuten nach Schluß der Vorstellung kam der Spanier, um, wie gewöhnlich, im Restaurant noch eine Stärkung zu sich zu nehmen. Kaum hatte er die Brü so ge ellte er sich zu ihnen, dankend den Platz annehmend. den der Kommissar. nachdem er ihn mit Erich bekannt gemacht, ihm an ihrem Tisch anbot. Das Gespräch drehte sich natürlich gleich um den Verwandlungstrick Sennor Espardos und der Kommissar erging sich in allerhand Vermutungen darüber, wie das Kunststück eigentlich zustande gekommen sei. „Nun, der Tisch war natürlich präpariert,“ warf Erich lächelnd ein. sonst wäre die Sache doch geradezu unmöglich gewesen, wenn auch dadurch, daß Sie den Tisch aus dem Saale hinaufreichen ließen, das Publikum in die Illusion versetzt wurde, als sei hier von keiner Vorbereitung die V 5 0 5 5 S 5 G S 98 3 2 S S5..—— 5 # ***. 5" Snmn SUOES *** 5 SS5PE PcNEE 1e" 32.5 S S S S 9 * □ „„* * 98111R S• T 5—55 * S•##T - 2 8—05 S#. 55 8 S S SE Sas B0 S BUESG a s ssns gas S GüSS SBESESE S a. B JHGRARSU S e 8 S.#S S 27 2 18 3 —0 E*" 2 0 5 6 5 9 in— S —* S 9 S S S 5 S S 55 um. S S •— 0 5 SL—EE „ S S ESSGGE S FS#E 00 SSESESOEE S 8 12 ## 55 •S 9 9 5 m 8 0 9 S.9 S7 * E *• 8 • S:* „E S3 8 S S S 8: Sege * URSUI S S9SSSE S . SB0E S%. E* i8 8 522 2— 9—- 2 a S 8 S Se E S 9 " S 5 5 SESES S 555s 2 g• ** 8 SAS Der Spanier nickte vergnügt. „Sie haben volikommen recht, der Tisch ist für den Trick eigenhändig von mir vorbereitel.“ entgegnete er in zwar gegeläufigem. aber doch des fremdländischen Akzents nicht entbehrendem Deutsch. „Und auch der Herr. der ihn mir auf das Podium reichte, gehört dazu— es ist mein langjähriger Gehilse, auf den ich mich unbedingt verlassen kann. Er erscheint jeden Abend in einer anderen Verkleidung im Publikum, so daß Sie ihn morgen oder übermorgen nicht wiedererkennen würden.“ „Wie aber, wenn nun einmal jemand aus dem Publikum einen andern Tisch wählte? fragte der Kommissar. „Das ist kaum möglich, mein Gehilfe weiß es stets so einzurichten, daß die Wahl auf den richtigen fallen muß, und spielte ihm wirklich einmal der Zufall einen Streich, so würde er es doch so einzurichten wissen, daß der präparierte Tisch in meinen Besitz kommt.“ „Und in ihm ist also alles verborgen, was Sie zur Ausführung Ihres Tricks brauchen?“ "„So ziemlich— ja,“ beantwortete der Spanier die Frage des Kommissars.„Wenigstens enthält er in seinen unsichtbar angebrachten Fächern einen Teil der Rosen, die die Laube umranten, während durch einen Druck auf bestimmte Stellen der Platte der Draht hervorschnellt, an dem sich die Rosen emporwinden. Natürlich trage ich an mir selbst, das heißt in meiner Kleidung, noch verschiedene Hilfsmittel, deren ich mich, vom Publikum unbemerkt, bediene.“ „Und die hübschen Tauben—— in welchem Schlupfwinkel harren denn sie ihrer Erlösung?“ „O. Sennor Kommissar— Sie sind allzu wißbegierig,“ wehrte der Spanier lachend ab.„Aber ich sehe daraus, wie geschickt ich die Spiegelung in der Schublade des Tisches angebracht habe, da sie selbst bei Ihnen, der doch gewiß der Produktion mit Aufmerksamkeit folgte, die beabsichtigte Täuschung hervorrief.“ „Na. auf solche Kniffe soll auch jemand kommen,“ verteidigte sich der Kommissar.„Wohl niemand im Publikum dachte an eine Täuschung, als Sie so unbefangen die scheinbar leere Schublade herumzeigten, denn es war absolut nichts Verdächtiges zu bemerken. Jedenfalls ist es aber sehr unvorsichtig, Ihre Geheimnisse vor uns zu enthüllen— wie nun, wenn wir ein Komplott schmieden, um Sie bei einer Ihrer nächsten Vorstellungen zu entlarven?“ Der Spanier sah einen Moment in sprachloser Überraschung von einem der Brüder zum andern— er schien im ersten Augenblick nicht recht zu wissen, ob es sich um Spaß oder um Ernst handle. Der verblüffte Ausdruck, den sein hübsches Gesicht hierbei zeigte, war so urtomisch, daß der Kommissar sowohl wie Erich in herzliches Lachen ausbrachen. Das gab dem Spanier seine Sicherheit zurück.„O— Sie werden mich nicht verraten,“ rief er zuversichtlich.„Ich wußte im voraus, daß mein Geheimnis bei Ihnen gut aufgehoben ist, sonst würde ich nicht so offenherzig gewesen sein. Ich habe übrigens ein ganz ähnliches Kunststück bereits vor etwa einem Jahre in Amerika gezeigt, und zwar im Zirkus Cornelli, bei dem ich damals engagiert war. Dort arbeitete ich auch kurze Zeit mit jener Miß Mary Elliot zusammen, die man kürzlich in Hamburg ermordet hat.“ Der Kommissar horchte bei Nennung dieses Namens hoch auf.„Wie— mit Miß Elliot—?“ wiederholte er erstaunt. „Sie kannten Sie also, Sennor Espardo?“ „Ja,— wenn auch zuerst nur flüchtig, denn sie gehörte kaum drei Wochen dem Zirkus an, als sie bei Vorführung einer Parforcejagd mit dem Pserde stürzte und außer einem Armbruch noch schwere, innere Verletzungen erlitt, so daß sie für die Arbeit im Zirkus vollständig untauglich wurde.“ „Miß Elliot war also demnach Kunstreiterin?“ fragte jetzt Erich, ebentalls interessiert. Der Spanier nickte.„Freilich keine Berühmtheit, aber doch immerhin sehr verwendbar, denn sie ritt äußerst waghalsig, weshalb sie namentlich bei Massenaufführungen, wie Jagden oder Hindernisrennen, stets mit einem führenden Part bedacht wurde. Kurz vor meiner Abreise nach Deutschland traf ich noch zufällig in einer New Yorker Bar mit ihr zusammen— damals ahnte ihr wohl nicht, daß sie ein so schreckliches Ende nehmen würde.“ : Die beiden Brüder sahen sich in unwillkürlichem Erstaunen an— während die Behörden vergebens suchten, etwas näheres über die Person Miß Elliots zu erfahren, saßen sie hier dem Manne gegenüber, der durch wenige * Worte das mysteriöse Dunkel zu lichten vermochte. „Nun— nach den letzten Entdeckungen ist lein Zweifel vorhanden, daß jener Unbekannte„Francis“, wie er sich in der Depesche unterzeichnete, der Mörder ist. Sie haben doch jedenfalls die letzten Zeitungsberichte über die Affäre gelesen?“ „Aber natürlich. Sennor Kommissar— ich habe alles eifrig verfolgt, denn es interessierte mich doppelt. Doch war ich nach allem, was ich von diesem Francis gehört, keinen Augenblick im Zweifel, daß nur er die Tat verübt hat.“ Wieder wollte Erich eine rasche Frage einwerfen, allein ein verstohlener Wink des Bruders gebot ihm zu schweigen. Der Scharfblick des Kommissars hatte aus der unbefangenen Art und Weise, wie der Spanier über seine Bekanntschaft mit Miß Elliot sprach, ohne viele Mühe die Überzeugung gewonnen, daß sich jener der Tragweite und Wichtigkeit seiner Mitteilungen ganz und gar nicht bewußt sei. Ebensowenig dachte er auch daran, wem er diese Mitteilungen machte— er mochte wohl als Ausländer doch zu wenig in der deutschen Gerichtsbarkeit bewandert sein, um herausfinden zu können, daß seine Aussagen bei dem Kommissar gerade an die richtige Adresse gelangten. „Da haben Sie wohl auch diesen„Francis“ persönlich gekannt?" forschte der Kommissar scheinbar gleichgültig weiter. „Doch nicht— was ich über ihn weiß, habe ich nur aus Miß Elliots Mund erfahren und das war nicht gerade sehr schmeichelhaft für ihn.“ „Wieso?" Der Kommissar rückte unmerklich etwas näher an den Spanier heran, als läge ihm daran, keines seiner Worte zu verlieren. Sennor Espardo zuckte verächtlich die Achseln, indem er erwiderte:„Nun, so viel ich aus Miß Elliots Mitteilungen entnehmen konnte, die sie mir bei unserer Begegnung in New York machte, hat er sie um den größten Teil ihres Geldes bestohlen und ist dann spurlos verschwunden— dergleichen tut doch kein Ehrenmann.“ „Er stand also allem Anschein nach mit Miß Elliot in näherer Beziehung?“ „Gewiß. Sie hatte ihn ein Jahr vor jenem Unglücksfall kennen gelernt. Damals war ihr unerwartet eine nicht unbeträchtliche Erbschaft zugefallen und das mag vielleicht der Hauptmagnet gewesen sein, der diesen Francis zu ihr zog. Auf sein Trängen gab sie ihren Zirkusberuf auf und beide lebten nun verschwenderisch in den Tag hinein, bis Miß Elliot plötzlich erkannte, daß die schöne Erbschaft bedenklich zusammengeschmolzen war. Um sich wenigstens den Rest zu retten, ging sie wieder zum Zirkus, wo sie kurz nach Antritt ihres Engagements den Sturz mit dem Pferde erlitt. Das war in Milwaulee. Dort lag sie im Hospital, während wir mit unseren Wandervorstellungen durch die Vereinigten Staaten weiterzogen. Und zu jener Zeit hat dieser Schuft, dieser Francis, sie verlassen, nachdem er sich den Rest der Erbschaft angeeignet, was er um so leichter tun konnte, als Miß Elliot in blindem Vertrauen die nötigen Papiere in seinem Besitz gelassen hatte, deren es bedurfte, um die betrefsende Summe bei einem New Yorker Bankhaus zu erheben, bei dem sie hinterlegt war. Damit ist er dann verschwunden, ohne sich um Miß Elliots Schicksal zu kümmern, die in Milwaukee im Hospital lag und auf seine Rückkehr wartete. Nach acht Wochen konnte sie endlich als geheilt entlassen werden. Sie begab sich sogleich nach New York— sie mochte wohl ahnen, daß Francis nicht ohne ihr Geld verschwunden sei, was ja auch tatsächlich der Fall war. Glücklicherweise hatte sie sich noch einige hundert Dollar von dem Gelde zurückbehalten, und nun begann sie die Spur jenes Elenden zu verfolgen, den sie trotz seiner Schurkerei dennoch liebte. Da sie der festen Überzeugung war, daß er sich nach Europa eingeschifft habe, so wollte auch sie Amerika verlassen und sich nach Deutschland begeben, wo sie ihn sicher zu finden hoffte. Sie teilte mir diese Absicht mit, als ich in New York mit ihr zusammentraf, und bei dieser Gelegenheit erfuhr ich auch alles das von ihr, was ich Ihnen soeben erzählte.., gahan Ei., ihm vie assch „Aber dieser Francis—— haben Sie ihn nie gesehn?“ fragte der Kommissar, der mit wachsender Spannung den Worten des Spaniers gefolgt war.„Er muß doch damals, als Miß Elliot mit Ihnen zusammen bei jenem Zirkus Cornelli engagiert war. noch bei ihr gewesen sein.“ „Das wohl— aber ich kann mich nicht erinnern, ihn jemals in Miß Elliots Gesellschaft gesehn zu haben. Vielleicht wollte er es vermeiden, sich mit ihr, der Kunstreiterin, öffentlich zu zeigen. Ja, selbst an dem Abend, als sie den unglücklichen Sturz tat, ist er nicht zum Vorschein gekommen, so daß 8 niemand von uns überhaupt wußle, daß Miß Elliot in irgend welcher Beziehung zu ihm stand, und da wir am nächsten Morgen weilerreisen mußten, blieb uns auch keine Zeit, uns weiter um sie zu kümmern.“ „Und hat Ihnen Miß Elliot nicht seinen vollen Namen genannt, als sie mit Ihnen über ihn sprach?— Denn„Francis" ist doch ohne Zweifel nur als Vorname anzunehmen.“ Der Spanier sann einem Augenblick nach— dann schüttelte er den Kopf.„Sie nannte ihn nur„Francis“, so viel ich mich erinnere,“ antwortete er. Der Kommissar machte eine ungeduldige Bewegung— gerade bei dem Namen. auf den doch so viel ankam, muhten die Mitteilungen des Spaniers versagen! „Allem Anschein nach muß sich dieser Francis in Berlin aufgehalten haben,“ nahm er nach kurzem Nachdenken das Gespräch wieder auf.„Ob er indessen dort seinen ständigen Wohnsitz gehabt, ist fraglich, da ja sonst Miß Elliot, die doch seine Spur ohne Zweifel aufgefunden hatte, ebenfalls in Berlin und nicht in Hamburg ihren Aufenthalt genommen haben würde. Vielleicht hat auch die Begegnung zwischen beiden erst kurz vor der Katastrophe irgendwo anders stattgefunden und Francis hat sich dann nach Hamburg begeben, um sich durch einen Gewaltakt von der ihm lästig Gewordenen zu befreien, denn es ist wohl als sicher an unehmen, daß Miß Elliot, nun sie den Flüchtling in ihrer Gewalt hatte, ihn durch die Drohung, seine Schurkerei zu entlarven, wieder zu sich zurückzuführen gedachte, ihn aber dadurch auch zugleich aufs äußerste gereizt hat.“ „Ganz recht, Sennor Kommissar— so habe ich es mir auch gedacht!“ siel ihm der Spanier lebhaft ins Wort. „Geliebt hat sie diesen Francis immer noch, obgleich er so niederträchtig an ihr handelte— das ließ sich aus der Art und Weise entnehmen, wie sie damals, in New York, zu mir von ihm sprach. Sicher verfolgte sie ihn nicht in der Absicht, ihr Geld wieder zu erlangen, sondern einzig und allein aus dem Grunde. sich wieder mit ihm vereinigen zu können.“ —(Foitt teng Herzensirrium. Novelle von Norbert Falck. Sie waren gute Freunde: er ihr und sie ihm. Sie waren sich indessen vollbewußt, daß dieses Freundschaftsverhältnis ein natürliches, ein selbstverständliches sei, und dennoch hatten sie einander erst an jenem Abend kennen gelernt, da er für ihre Freundin Feuer und Flamme geworden war. Und wie er sich dann gar so sehr für ihre Freundin zu interessieren begann, da begann auch diese so natürliche und doch so eigentümliche Freundschaft. Die Freundin war eine jener blonden Schönheiten, die es niemals verwundert, daß sich immer und immer wieder jemand um ihre Liebe bewirbt, und die es ganz gleichgültig ließe, wenn alle Welt sich um sie schlüge und tötete; ganz absichtios, bloß weil die Fähigkeit tieferen Empfindens mangelte und das Bewußtsein großer Schönheit einen frostigen Dünkel großzog, den auch der glühendste Liebesstrahl nicht schmelzen macht. So ging das durch einige Monate. Die Liebe zu der stolzen Schönen lohte in ihm fort. Er verkehrte mit ihr jetzt sehr viel und hatte neben ihrer hohen Schönheit auch ihren hohen Geist kennen und lieben gelernt. Sie war nun viel zuvorkommender; denn ec imponierte ihr mit seiner Einfachheit und strengen, norddeutschen Männlichkeit, wenngleich sie, die graziöse Wienerin, ihn zu preußisch, zu steif und zu ernst sand. Am meisten verargte sie es ihm, daß er den Walzer nicht vollkommen tanzen könne und dieser berlinerische Mangel war an aller Kühlheit schuld. Mitunter ward er ihr, für einen Berliner, zu feurig und sie war dann ganz unwienerisch kalt und ablehnend. Er sagte sich oft, daß er nichts zu hoffen habe, und wie eine böse Krantheit lastete in ihm das Bewußtsein, er sei ihr antipathisch. Die kleine Paula mußte dann herhalten mit Ratschlägen und Erklärungen. Er beichtete ihr alles, und sie sollte jedes Symptom auslegen und die Diagnose stellen. Da gab es oft herzlich komische Szenen zwischen den beiden. Wie sie da saßen, auf einer Parkbank, tief im Schatten, wie ein rechtes Liebespaar, und Betrachtungen anstellten über die Fühllosigkeit mancher Menschen, und wie sie einmal nicht recht mitschimpfen wollte, ward er ganz ürgerlich und rief:„Doch, Fräulein Paula, Sie sind auch so eine Herzlose!“ „Ich bin nicht herzlos, Herr Bernau, gar nicht herzlos, aber es muß mich ärgern, wenn ich sehe, wie jemand, der sich gar nicht so viel zu mühen brauchte, so bettelt und so ganz und gar unmännlich sich zum Narren halten läßt!“ Dabei war sie hochrot geworden und ihre schönen Augen blitzten zornig. „Das ist nicht wahr!“ rief er erregt. Ich werde nicht zum Narren gehalten, das ist ganz und gar nicht wahr, Fräulein Paula!“ „Wenn Sie das besser wissen, dann lassen Sie mich doch in Ruhe mit Ihren ewigen Fragen und verrückten Geschichten!“ Dabei stand sie aber nicht auf. Nein, sie blieb auf der Bank sitzen und rückte nur ein wenig weiter. Er grub mit seinem Spazierstock den Namen„Lyda“ in den Sand, ganz gedankenlos, schon aus Gewohnheit. „Dummkopf!“ flüsterte die erregie Kleine vor sich hin, wie sie das sah und zerzupfte die Rose, die er ihr gegeben. Sie sprachen kein Wort mehr und gingen nach einem Weilchen. Als er dann im Gasthause saß, mußte er immerfort an das Mädchen denken, und, was ihm früher lächerlich erschienen wäre, er verglich die Freundin mit der Geliebten, welche von beiden schöner sei, und wollte sich totlachen über diese Dummheit. Dann sprach er die Namen der beiden aus, einigemal, welcher wohl schöner klinge:„Lyda— Paula: Paula— Lyda“ und auf einmal sprach er nichts als„Paula“ vor sich hin, da ward er ärgerlich, zahlte und ging. Nicht einmal ein Trinkgeld gab er; das sollte die Strafe dafür sein, daß er immerfort„Paula“ gesagt hatte. So eine Geschmacklosigkeit! Als er auf einige Tage verreisen mußte, bat er seine kleine Unterhändlerin, ihm Bericht zu schicken. Sie ging darauf ein, und als er auf dem Postamte nach einem postlagernden Schreiben unter„Paula“ fragte, und ihm ein kleines Kuvert übergeben wurde, da wurde ihm so ganz eigen, und er drückte einen Kuß auf das Papier. Der galt natürlich der schönen Lyda, aber er prüfte sich nicht gerne, er hatte überhaupt seit einiger Zeit so gemischte Empfindungen in diesem Punkte. Wie hübsch sie schrieb! Wie offen und treu! Ganz so, wie sie sich im Sprechen gab! So lieb und herzig, wirklich, diese Lyda war mitunter recht garstig affektiert, so recht unwahr! Aber, das muß man ihr schon verzeihen. Im Briefchen stand nichts Besonderes, aber das Postskriptum machte ihn sehr ernst. Da hieß es: Oberleutnant von Reményi ist heute von Lydas Mutter zum Souper geladen.„Soweit also schon? Und sie liebt ihn nicht, den Ungarn, sie liebt ihn auch nicht. Ich weiß es. Der Rang, die Stellung, der Adel blendet sie bloß!“ Als er wieder zu Hause war. beschloß er ein Ende zu machen. Er mußte sie sprechen und zwar eindringlich, ein letztes Mal. Er konnte es nicht glauben, daß sie sich so gar nichts aus ihm mache. Und er setzte sich hin und verfaßte ein langes Schreiben voll Liebesglut und Beteuerungen. Vorwürfen und voll Drang nach einem ernsten Worte, nach einer Auseinandersetzung. Er bat sie um eine Zusammenkunft und gab ihr den Ort an. Er erhielt eine Karte zur Antwort:„Morgen nachmittag 5 Uhr, am bewußten Orte. Luda.„„„ 6 Mit welchen Empfinoungen say er dieser Stunde entgegen. Ein stolzer Glückstraum war über Nacht in ihm erwacht, denn er ahnte, daß seine Zeilen nicht ohne Eindiuck geblieben waren. Er war so sicher, daß an diesem Tage das Eis zwischen beiden brechen würde und er sein Lebensglück nach langem Sehnen endlich an sich pressen werde. Lange vor der bestimmten Zeit war er im Parke und wanderte vor der bezeichneten Bank ruhelos auf und nieder. und als die angesetzte Stunde verstrichen war, wurde er unruhig. Er glaubte sie hundertmal kommen zu sehen, und niemals war sie es. Wie erstaunte er aber, als er seine Freundin kommen sah. „Sie, Fräulein Paula?“ rief er. „Ja ich! Ich komme, Ihnen nur sagen, daß Sie nicht umsonst warten sollen, sie kommt nicht. Sie wird Ihnen morgen alles schreiben.“ „Morgen— so!—“ Mehr sagte er nicht: später wunderte ihn diese Gleichgültigkeit. Er erkünstelte sich eine bittere Stimmung, und was er sonst noch sagte, hatte alles einen düsteren Ton. Seine Freundin wurde von seiner Stimmung angesteckt, und als sie vor dem Hause, in dem sie wohnte, von einander schieden, zwang sie sich zu einem Lächeln und sagte mit Beziehung auf sich. Ayybyg: Aus Stadt und Umgebung. * Schwerte, 14. Oktober. *e(Ausnahmetarif für Ostpreußen.) Mit sofortiger Gültigkeit hat die preußisch=hessische Staatseisenbahnverwaltung einen Ausnahmetarif für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, für Düngemittel usw., alle Futtermittel, Torf, Torfstreu usw., Bauholz, Kalk, Zement, fertige Baracken, Steinkohlen, Briketts und Koks u. a. mehr, für Pferde, Ochsen und Schweine, die nach den Stationen des notleidenden ostpreußischen Gebiets versandt werden, eingeführt. **(Deutsch=Belgische Briefmarken.) Im Postverkehr im Bereiche des kaiserlichen deutschen Generallgatvernements in Belgien werden Briefmarken mit Aufdruck Deutsches Reich zu 3, 5 und 10 Pfg., sowie einfache Postkarten und Weltpostlarten zu 5 und 10 Pfg. mit dem Ueberdruck„Belgien“ und der daitschen Wertangabe 3, 5, 10, 25 sowie 5 und 10 Centimes verwendet werden. Zu Sammelzwecken werden solche Wertzeichen in einigen Tagen bei der Kolonial=Wertzeichenstelle des Briefpostamtes IV 2. Berlin, Königinstraße 61 zum Versaufe gestellt. **(Freiwillige werden angenommen.) Das Ersatz=Depot des Infanterie=Regiments 132 in Straßburg stellt noch Kriegsfreiwillige ein Untersuchung beim nächsten Bezirkskommando erwünscht. **(Einen poetischen Gruß) hatte die Klasse 5 unserer höheren Mädchenschuile dem Führer von „U. 9“ übersandt, der bekanntlich durch sein schneidiges Vorgehen drei englische Panzerkreuzer vernichtete. Dem tapferen Führer von U. 9, Der schnell der Nordsee graue Wogen Mit seinem kühnen Boot durchflogen, Tod bringend in der Feinde Reihn, Der, was uns Deutschen nie gelang, Vollbracht, als wären's Kinderspiele, Sich Englands Stolz gesetzt zum Ziele Und Briten Achtung aberzwang, Ihm jubelt unser Herz entgegen, Ihm drücken wir im Geist die Hand, Gott schütz' auf ferneren Siegeswegen Den Landsmann aus Westfalenland! Der Stolz der Klasse bildet die Antwort des wackeren Seehelden, womit dieser unter Zusendung eines Bildes der ordensgeschmückten Besatzung von„U. 9“ für die Huldigung gedankt hat:„Herzlichen Dank für treuen Dichtergruß. Weddingen, Kapitänleutnant.“ **(Liebesgaben.) Die kath. Jünglings= Sodalität bewilligte einen größeren Betrag, um den im Felde stehenden Mitgliedern ein Liebespaket zu übersenden.— Der vor einiger Zeit aufgelöste Damenturnverein überwies sein Vereinsvermögen in Höhe von 171 Mark dem Roten Kreuz.— Eine unter den Schülerinnen der Klasse 1 der Schule am Markt veranstaltete Sammlung ergab einen Betrag von 12 Mk., die zum Ankauf von Wolle verwandt werden sollen, um daraus wärmende Kleidungsstücke für unsere Truppen anzufertigen. Bravo! *(Schwerter Landwehrleute), die heute(Mittwoch) von Köln aus ins Feld rücken, senden allen Schwertern freundlichen Gruß. Unteroffizier Ad. Baretti, Unteroffizier Wirthsmann, Fr. Schnell. Ad. Grotensohn, Fr. Nork, Fr. Weber, Bruno Hoffert, I. Maiwurm, D. Kockelke. L. Weinberg, M. Strauß. Herrn Ostermann für den gesandten schäumenden Gerstensaft unsern besten Dank! Auf frohes Wiedersehen! *e(Ein Austausch von Gefangenen?) Wie bestimmt verlautet, wird der Austausch von Gefangenen zwischen Frankreich und Deutschland nunmehr tatsächlich vor sich gehen. Die französische Regierung hat auf dem Amwege über die Schweiz das erste Verzeichnis sranzösischer Kriegsgefangener aus Deutschland erhalten. Die verschiendenen Truppenkörper prüfen diese Listen und werden die Gefangenen bezeichnen, deren Auslieferung gewünscht wird. Der Austausch erfolgt über Pontarlier. **(Liebesgaben.) Auch dem Landsturm=Infanterie=Bataillon 1 Dortmund sollen demnächst durch ein Automobil Liebesgaben aus der Heimat zugeführt werden Geeignete Pakete im Gewicht von 5 bis 6 Pfd. können in der Zigarrenhandlung 2 #17 e ee e e e e ∆ e er ese e Wer e E Ein englischer Minenfänger in der Nordsec. assle Kleinschmidt, Dortmund, Kaiserstraße 2, abgegeben werden. Da die Autos von Militärpersonen begleitet werden, ist für die Beförderung dieser Pakete eine Gebühr von 1 Mk. zu entrichten, aus der die Kosten für die Verpflegung der Begleitmannschaften bestritten werden. **(Deutsche Helden.) In der neuesten Verlustliste finden wir folgende Namen aus unserem Verbreitungsbezirk: Gefr. Wilhelm VielerSchwerte(verw.), Res. Heinrich BrikeSchwerte(verw.), Gefr d. Res. Heinrich Zängerling=Schwerte(sv.), Res. Wilhelm Cremer=Schwerte(sv.), Gefr. Fritz Holsiepe=Holzen(lv.), Ulan Karl Kersting= Berghofermark(verm.), Res. Karl Rube=Berghofen(verm.), Res. Karl König=Berghofen (tot), Musk. Wilh. Heinr. BorgschulteBerghofen(verw.), Res. Karl TrautnerAplerbeck(verm.), Res. Gust Mell=Aplerbeck (verm.), Res. Friedr. Sporenberg=Apler= beck(verw.), Musk. Friedr. Riese=Aplerbeck (lv.), Unteroffizier Aug. Ruenkranz=Apler= beck(lv.), Gefr. Gust. Hauschke=Hengsen (verm.), Musk. Aug. Mohr=Sölde(lv.). 9* Holzen, 13. Okt.(Als Kriegsliebesgabe) wurden der Kreisstelle vom Roten Kreuz zu Hörde nachstehende von Damen und Kinder der Gemeinde angesertigte Wollsachen übermittelt: 80 Hemden, 30 Leibbinden, 36 Paar Strümpfe, 22 Stück Ohrenbinden, 24 Paar Pulswärmer, 24 Paar Fußlappen, 14 Kniewärmer, 6 Unterhosen, 3 Betttücher Wöchentlich werden Handarbeitsstunden in den Schulen abgehalten, um weitere Liebesgaben fertig zu stellen. ** Westhofen, 13. Okt.(Diebstahl.) Von einer in der sogenannten„Fettkammer“ hierselbst gelegenen Weide ist am vergangenen Freitag eine dem Berginvaliden Koert vom Höchsten gehörige Kuh gestohlen. Das Tier ist von schwarzer Farbe mit einem weißen Fleck an der Stirn und einem weißen Hinterfuß. Ein Horn ist ca. 3 Zentimeter kürzer als das andere und zeigt eine Rißverletzung. Von den Dieben fehlt bisher jede Spur. Vor Ankauf wird gewarnt. ** Villigst, 13. Okt.(Gemeindevertretung.) In der letzten Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung wurde u. a. folgendes verhandelt und beschlossen: Für die Sammlung zur Pflege verwundeter Marinemannschaften bewilligte die Vertreiung 50 Mk.; der gleiche Betrag wurde als Zuschuß zu der Sammlung für in Not geratene Ostpreußen geleistet. Anstelle des verstorbenen Gemeindewaisenrats von Lünen wurde der bisherige Stellvertreter Herr F. Hengstenberg und als dessen Stellvertreter Herr F. Grave gewählt. Alsdann wurde bekannt gemacht, daß mit Ende dieses Jahres as der Vertretung die Herren Grave und Hidding infolge Auslosung ausscheiden. Von dem Stande der Verhandlungen betreffend Zahlung eines Betriebszuschusses gemäß§ 53 des Kommunalabgabengesetzes an die Gemeinde Ergste neirde Kenntnis gegeben und darauf beschlossen, wegen Herabsetzung des Zuschusses weiter zu verhandeln. Ferner wurde beschlossen, die Verhandlungen bezüglich Ausscheidens aus dem Gesamtschulverbande und Bildung eines eigenen Schulverbandes erneut aufzunehmen und durchzuführen. ** Ergste, 13. Okt.(Ein tödlicher Un glücksfall) hat große Trauer und tiefes Herzeleid über die Familie des Maurermeisters Städ ler von hier gebracht. St., ein Mann von etwa 40 Jahren, hatte gestern abend, trotz wiederholter Verbote der Eisenbahnverwaltung, zu seinem Heimwege den Eisenbahndamm der Iserlohner Bahnstrecke benutzt. Im Nebel und in der Dunkelheit muß er nun wohl vom Wege abgekommen sein, unweit der Hochflut=Ueberführung ist er aus beträchtlicher Höhe abgestürzt und hat das Genick gebrochen. Heute morgen wurde der unglückliche Mann als Leiche aufgesunden. Der traurige Vor fall, der hier überaus herzliche Teilnachme auslös ist umso tragischer, als St. eine recht zahlreiche Familie hinterläßt. * Bochum, 12. Okt.(Verbrannt.) In ihrer Wohnung in der Zentrumstraße verbrannte di Ehefrau des Bergmanns Schmidt so schwer am ganzen Körper, daß sie ihren Verletzungen erlag. Das Unglück geschoh beim Ausdrehen der an der Decke hängenden Petroleumlampe, deren Haken sich gelockert hatte, ohne daß man es bemerken konnte. Beim Ausdrehen fiel die Lampe herab und expledierte. Dabei erlitt die Frau die schweren Brandwunden, die ihren Tod verursachten. —— Ein Patrouillenritt. Am 25. August 1914 marschierte die... Division von Bouillon auf Sedan, das Reserve=Alanenregiment Nr... voraus Der diesem Regiment angehörende Oberleutnant Graf Wedel ritt vor dem Regimentsstabe, um dierch Ausfragen der Einwohner festzustellen, ob Sedan noch vom Feinde besetzt sei. Nach übereinstimmenden Aussagen sollten die französischen Truppen durch Sedan marschiert sein und bereits die Maas überschritten haben. Ungeachtet des Umstandes, daß die einmarschicrenden deutschen Truppen und besonders einzelne vorausgesandte Patrestillen im bisherigen Verlzufe des Feldzuges sehr häufig von Zivilpersonen und einzelnen zurückgebliebenen Angehörigen der französischen Armee aus den Fenstern der Häuser beschossen wurden, ritt Graf Wedel, nur begleitet von 2 Ulanen, nach Sedan hinein. An Cingange der Stadt traf er noch eine 10 Mann starke Patrceuille seines Regiments, der er befahl, sich ihm anzuschließen. Mit diesen 12 Ulanen ritt nun Graf Wedel unter fortgesetztem lautem Hurrarufen in scharsem Trabe kreuz und quer durch die winkligen Straßen von Sedan, überall Furcht und chrecken erregend. Mit den Rufen:„les lanciers“ „les uhlans“ flohen die Einwohner in die Häuser und schlossen hinter sich Türen und Fensterläden. Versprengte Soldaten, die sich auf den Straßen besanden, schlossen sich der panikartigen Flucht an und warfen ihre Gewehre weg. Auf einzelne Leute, die noch ihre Gewehre in der Hand hatten, schoß Graf Wedel mit dem Revolver, so daß diese schlimnigst ihre Waffen von sich warfen. An einer Straßenecke stieß Graf Wedel plötzlich auf eine Abteilung von etwa 30 französischen Infanteristen, die sofort auf etwa 30 bis 40 Schritt heftiges Schnellfeuer auf die Patrouille Wedel abgaben. Nach seinem kühnen Ritte konnte Graf Wedel seinem kommandierenden General melden, daß Sedan bis auf einige zurückgebliebene Versprengte vom Feind. frei sei, so daß dieser danach seine weiteren Anordnungen treffen konnte. Unter den Teilnehmern dieser Patrouille befand sich elich ein Sohn unserer Stadt, der Alan Thiem, der sich bei dieser Gelegenheit das eiserne Kreuz verdiente Ueber den gefährlichen Ritt schreibt uns ein Kamerad des Dekorierten, der Unterof izier G. Schröder=Villigst: Bei dieser freiwilligen Patrouille, welche aufklären sollte, ob De Maasbrücke in Sedan vom Jeinde frei sei, befanden sich 2 Schwerter Jungen, der Gefr. Walter Schulte und der Ulan Wilh. Thiem. Wegen der Gefahr, überrascht zu werden, saß die Patrouille vor Sedan ab und ging auf Schleichwegen bis sast zum Ausgang von S. zu Fuz vor. Hier bekam die Patrouille heftiges Iront= und Seitenfeuer, so daß die Flucht ergrifsen werden mißte. Hierbei wurde dauernd aus dem Hinterhalt(Fenster, Keller etc.) von Zivilisten und Militär geschossen. Der Alan Thiem, Gefreiter Schulte, Rombowski(letzterer von Barop), kamen als letzte zum Ausgang von Sedan. Hier besaß Th. die Eeistesgegenwart, in ein Gehöft zu flüchten; als Schulte und Rombowski merkten, daß Th. fehlte, gingen diese nochmals zurück, um denselben zu holen Nach burzer Zeit kam Th. mit einer Droschke angefahren. Er hatte diese einem Hauderer durch Vorhalten des Karabiners abgenommen, nachdem er vorher einen bockbeinigen Kutscher erschossen hatte, welch letzterer auf Th. schießen wollle, wobci ihm aber Th., Gott sei Dank, zuvor kam. Nun fuhr dieser zurück sund nahm trotz des indlichen Feuers noch 3 schwerverwundete Kameraden auf. Während die Verwundeten von Sch. und N. verbunden wurden, fuhr Th. im Galopp unter dem Gesange:„Die Wacht am Rhein“ aus Selan heraus, stets von feindlichem Gewehrseuer verfolgt. Bei dem betr. Regiment befinden sich außerdem noch zwei Söhne unserer Stadt, die Ulanen W. Potthoff und Heinr. Brieke die ihrer Heimat freundl. Gruß senden. Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt war wieder sehr reich beschickt. Aepfel 5 Pfund 60—65 Pfg. Birnen 6 Pfd. 55 Pfg. Pflaumen 2 Pfund 15 Pfg. Weintrauen 1 Pfund 35 Pfg. Rotkohl 25 Pfg. Weiße lohl 20 Pfg. Blumenkohl 25 Pfg. Gurken 10 Pfg. Butter 1 Pfd. 1.45 Mk. Eier 9 Sick 1 Mk. Rindfleisch Pfd. 60 Pfg. Schweinefleisch Pfd. 85 Pfg. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Druck u Verlag von Carl Braus. beide in Schwerte Das volkstümlichste nationale Werk! Von den Pfänderversteigerungen Weltkrieg 1914. sind uns in d. Jahre cr. 2000000 „Die Wen in Flammen“ DIEWELT FIAMMEN Illustrierte Kriegs-Chronik 1914. Nach amtlichen Berichten und Quellen mit Beiträgen hervorragender Mitarbeiter und Augenzeugen bearbeitel und herausgegeben von Albrecht Armin. Mit zahlr. Illustralionen, Karten, Skizzen, Schlachtenplänen elc. Mit ungeheurer Spannung verfolgt die Welt das blutige Schauspiel eines fürchterlichen Krieges, wie ihn die Geschichte der Menschheit noch nicht gekannt hat. Wir sind nun zwar die Miterlebenden dieser wellhistorischen Kämpfe, aber bei der unendlichen Fülle der auf uns einstürmenden Ereignisse gehi selbst dem erfahrenen Kenner die Uebersicht über den wahren Gang der Begebenheiten oft genug verloren. Erst durch eine zusammenhängende, auf authentischen Grundlagen aufgebaute Schilder. ung können wir die Bedeutung dieses mörderischsten aller Kriege in seiner ganzen schrecklichen Größe richtig verstehen lernen. Unsere Kriegs-Chronik bring! eine übersichtlich geschlossene. gemeinverständlich gehaltene Darstellung des gegenwärtigen Welikrieges. Zurückgreifend bis auf die ursächlichen Tatsachen, die zu diesem Weltbrande geführt haben, wird der Verlauf des Krieges in allen seinen vielen Einzelheiten erschöpfend geschildert. Episoden aus den Kämpfen und dem Kriegsleben der beteiligten Völker, Schlachtenberichte von Mitkämpfern und Augenzeuger usw. bringen eine abwechslungsreiche Ergänzung in die einzelnen, packend geschriebenen Kapitel, die in ihrer Gesamtheit ein wertvolles, lebendiges Dokument über die Geschehnisse unserer schweren Tage bilden. Eine große Auswahl von trefflichen Illustrationen, Porträts. Schlachtenplänen usw. erhöht den Reiz des Werkes noch ganz bedeutend. Dasselbe gehör! in den Besitz eines jeden Deutschen, dem ganzen Volke und besonders auch der Jugend zur Erinnerung und Erhedung. 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Zur Beförderung von Liebesgaben ins Feld wird von eiten des stellvertretenden Generalkommandos ein regelmäßigen Kraftwagenverkehr mit der Froni eingerichtet, worüber nähere Bestimmuugen an sämtliche Militär= und Zioilbehörden des Korpsbezirkes ergangen sind. Die Sicherung der Transporte macht es auf Grund der gewonnenen Erfahrungen notwendig, daß sie unter militörische kontrolle und Führung treten. Diese garantiert einerseis die richtige und ordnungsmäßige Ankunft der Liedesgaben, anderseits bietet sie den Kraftwagenbesitzern Schutz vor Inanspruchnahme ihrer Fahrzeuge durch militärische Befehlshaber im Felde. Die mitfahrenden Besitzer oder deren Beauftragte werden zweckmäßige Verpflegung mitnehmen; auf Wunsch stellt ihnen das Generalkommando Konserven zur Verfügung. Eine Beeinträchtigung der Tätigkeit des Roten Kreuzes soll natürlich in keiner Weise eintreten. Das Generalkommando wird nach wie vor bereit sein, den Sammelstellen in jeder Weise an die Hand zu gehen. 6576 Münster, den 11. Oktober 1914. Stellvertr. Generalkommando VII. A. K. Feldpostbriefe im Inlande. Um Unklarheiten zu beseitigen, die in der Oeffentlichkeit hinsichtlich der Feldpostbriefe hervorgetreten sind, gebe ich im Einvernehmen mit der Postbehörde folgendes bekannt: 1. Briese und Karten mit der Bezeichnung„Feldpostbrief“ bezw.„Feldpostkarte“, die private, also keine geschäftlichen 2c. Angelegenheiten betreffen, können in der gleichen Weise wie Feldsendungen porto rei abgesandt und empfangen werden: a) von allen Angehörigen des mobilen Heeres, die verwurdet oder krank sich im Inlande aushalten, b) von allen Angehörigen immobiler Heeresteile oder Militärbehörden. 2. Unteroffiziere und Marnschaften bedürfen bei der Absendung behufs Kontrolle einer Abstempelung der Briefe(neden dem Vermerk„Feldpostbrief") durch eine amtliche Stelle die ein öffentliches Siegel führt: z. B. ein Lazarett, einen Ortsoder Gemeindevorsteher, Pfarrer, Amlmann oder eine PolizeiOffiziere und höhere Milärbeamte haben portofreiheit für abzusendende Briefe, wenn die Adresse außer der Bezeichnung „Feldpostbrief“ auch die Angabe von Namen und Rang des Absenders enthält(links unten: z. B. Absender N., Leutnan! der 3. Feldpostbriese, die an Angehörige mobller oder immobiler Heeresteile gehen, sind ohne weiteres frei, wenn die Eigenschaft des Empfängers als Soldat(Offizier pp.) aus der Adresse zu erkennen ist(z. B. an den Musketier des Infanterie=Reg. 13 4 Sendungen im Ortsverkehr müssen frankierl werden. Für Postanweisungen finden keine Erleichterungen im Inlande Sämtliche Militärpersonen(Milikärbeamte), ob mobil oder immobil, haben also während der Dauer der Mobilmachung unter„Feldpostbrief“ Anspruch auf Porlofreiheit(ausgenommen im Ortsverkehr), sowohl für Briefe, die sie absenden, als für Briefe, die sie empfangen. De Gewichtsgrenze ist 50 g; darüber hinaus, bis 250 g, beträgt das Porto 10 Pfg. Münster, den 11. Oktober 1914. Der kommandierende General. 6571 Frhr. v. Bissing General der Kavallerie. ense enre Weißrohr= empfohlen. 6102 9. Hesse Fernruf 239. Kagener r. 12 Verschönerung: s= verein. Donnerstag, den 15. Okt pünklich 8 Uhr abends im Gasthof Jungesblut 6561 Mitglieder= versammlung zwecks Beschlußfassung über eine Gabe an das Rote Kreuz Der Vorsitzende. „Ich litt seit 3 Jahren an gelblichem Ausschlag mit surchtbarem Durch ein halbes Stück Zuckers Patent- Medizinal- Seife habeich das Uebel völlig beseitigt H. S. Poliz.=Serg.“ à St. 50 Pf (15% igr und 1.50 M(35%ig) stä kste Form). Dazu ZuckoohCreme(à 50 und 75 Pf. 2c. bei C. Trog, Max Mehlhose, Drogerien. Sieuruben! Schöne gelbe Steckrüben verkauft zentnerweise Hohenschwerk 6476 Lichtendorf. 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Wem gilt der Glocken Totengeläut, Und wem ist die Trauermarschklage geweiht? Um wen perlen Tränen bei Jüngling und Greis? Geknickt ward ein lebenstrisch grünendes Reis, Das jüngst noch auf sonnigem Anger geblüht, Durch Gottes Vorsehung, ohn die nichts geschicht. Warum wird entfaltet des Kriegsbeeres Pracht, Die aus kostbaren Fahnen und Ordensstern lacht? Und weshalb der Ernst, der aus Männern spricht. 1 Die Wundbinden tragen um Arm. Fuss, Gesicht? Ein braver Kamerad im Schlummer hier ruht. Der mit ihnen getauft ward in feu'riger Glut. Wen ehrt des Pfarrberrn mild tröstendes Wort, Das. Opfergeist weckend, zum Himmel zieht fort, Wen der endlose Zug, des liebreiche Hand Die Bahre mit Palmen und Blüten umwand? Sie preisen bewundernd den tapferen Held, Der geopfert sich hat auf dem Blutehrenfeld. Drei knatternde Salven durchzittern die Luft! Das Laub deutscher Eichen rankt sich um die Gruft. Drin feierlich wird der Verklärte versenkt, Während drüber der Fahnen Tuch segnend man schwenkt. Da plötzlich ganz nah rollt ein Eisenbahnzug, Der wieder zum Kampf viel Krieger hintrug. Dort jubelt und singt man vom herrlichen Rhein, Des Wächter ein jeder von ihnen will sein. Vom Grab schwebt herüber ganz leise und bang Des alten Soldatenlied's mahnender Klang 1 Vom Reiter, der tummelt stolz heuf noch sein Ross, Den morgen zerschmettert ein tödlich Goschoss. Sie ziehen, wie er, voll begei ternder Glut Für's Vaterland aus mit mannhattem Mut. Ob wieder sie kehren zum heimischen Herd. Ob bald man auch sie im Tode hoch ehrt? Gott weiss es!— Ein inbrünstig Felergebet Für der Braven Kriegsfahrt zum Himmel aufweht.— Seibertz, Amtsgerichtsrat Dortmund. Tnossen Dniase liefert schnell und sauber trader-Ervoie-Böcharucherei u. braus Beranntmachung. Vom 15. d. Mts. ab befinden sich sämtliche Büros einschl. Stadtkasse im neuen Rathause.— Eingang von der Hörderstraße. Schwerte, den 12. Oktober 1914.7 6504 Der Bürgermeister: Rohrmann. Doutschs-mänttor! 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