De Sdmam Zeiuner enchamt dalch außer Fetertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter Familiensreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petttzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabalt gill als Kassarabatt u. erlischt bei Kondursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Rebsachtund esmaht.-Sotineshelsgtne Amrilches Kreisolall Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Verbunden mit fal den Kleis Worct holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung schwerter Volksblan Schwerter Cagevlatt Ö Schwerter Hnzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Aüg duter und ichalndgüchen Nennd. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung dei Königlichen Regierung durch Verössentlichung in dei„Schwerter Zeitung" rechtsoerbindliche Kraft.— Die „Schwerker Zeitung“ gewährt ihren Abonnen= ten für jeden mit Tod endenden Unfall gebiagungen“: 300 Mk. Unfall. Druck u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Ruhr Sortocd- Seien eite-hashentrkicht Nr. 240. Dienstag, den 13. Oktober 1914. 46. Jahrgang. er Zur Ernkahme Von Antwerpen Antwerpen. Die stolze Feste an der Scheldemündung ist gefallen. Sie konnte ihrem traurigen Verhängnis sich nicht mehr entwinden, nachdem deutscher Heldenmut und überlegene Belagerungstechnik den äußeren Fortsgürtel siegreich durchbrochen, in den Kranz der inneren Befestigungswerke eine breite Bresche geschossen und die Stadt selbst unter vernichtendes Feuer aus den deutschen Geschützen genommen. Einen hoffnungsvollen Widerstand konnten die in Antwerpen eingeschlossenen feindlichen Tuuppen, deren Gesamtzahl wohl mit 100 000 Mann angenommen werden kann, bereits seit zwei Tagen nicht mehr leisten, trotzdem haben sie— dieses Zeugnis muß auch der Feind ihnen ausstellen!— mit totverachtender Verzweiflung dem mit elementarer Wucht vorrückenden Gegner standgehalten, so lange ihnen noch nicht jede Aussicht geschwunden schien, das schwerste Schicksal von der belgischen Metropole abwenden. Vier Blutvergießen und Zerstörung hätten sich vermeiden lassen, wenn der König in der richtigen Erkenntnis, daß die Stadt unter allen Umständen verloren war, deren Preisgabe früher angeordnet hätte. Es ist daher ein unverzeihliches Verbrechen der englischen Heeresleitung, daß sie ungeachtet der bereits trostlosen Lage mit rücksichtsloser Brutalität die Streitkräfte bis zuletzt den verheerenden Feuerschlünden entgegengetrieben und die wehrlos gewordene Stadt den surchtbaren Wirkungen einer Beschießung aus modernen Belagerungsgeschützen ausgesetzt hat. X Bedford 6 UESWICG hebin 2 Colchroteg 3 * 0 Oxb ∆ 20 O Doder S ih BRIGHFONOE AHSTINGS Balig. „beernescr Sonf uu EKUCbE Rggat ## Thielt-GENP E SRarcheln # Poperingh #e am Tstoiten4aofna BRUSSEL Mede n Nivellese# Airec LILLE“, oMon Obersichtskarte von Nord-Belaten. S Solch ein ohnmächtiges Sich=Aufbäumen gegen das uunvermeidliche Ende kennzeichnet sich nicht mehr als rühmenswerte Heldentat, sondern ist ein frevles Spiel mit Menschenleben und Kulturwerken. Nur verbissener Ingrimm über die Unbesiegbarkeit des bestgehaßten Gegners konnte die englischen Wüteriche veranlassen, mit ihren eigenen Söldnerscharen das belgische Heer für den verlorenen Pesten bis zu gänzlicher Ermattung einzusetzen. Mit Antwerpen ist die stärkste Vorburg der englischen Widerstandsfähigkeit auf dem Kontinent gefallen; Antwerpen in deutschem Besitz bedeutet eine Bedrohung der englischen Machtstellung und ein bitteres Erwachen unserer Feinde aus überspannten Siegesträumen Auf Englands unablässige Antriebe und mit seinen wohlhedachten Hilfeleistungen ist der Ausbau der Befgrigungen um Antwerpen seit Jahren zu einer Stärke gediehen, von der man gemeinhin annahm, da sie einer jeden Belagerung erfolgreich werde Trotz bieten können. Und diese als„uneinnehmbar“ bezeichneten Werke sind in elf Tagen der Vortrefflichkeiunseres Belagerungsmaterials und dem stürmischen Heldengeist unserer Krieger zum Opfer gefallen. In Belgien ist nunmehr der erste unserer ruchlosen Widersacher so zu Boden geworfen, daß sein weiterer Widerstand gänzlich gebrochen ist. Der belgische König, der in unseliger Verblendung sein Schicksal in die Hände der machtlüsternen Politiker am Themsestrand gegeben, muß für sein burzsichtiges und selbstmörderisches Gebaren jetzt furchtbar büßen. Er mag wegen des über sein Haupt sich entladenen Unheils mit seiner englischen Freundschaft sich auseinandersetzen. Für Deutschland ist es eine hohe Genugtitung, daß mit der belgischen Niederlage seinem schtimmsten Feinde, dem gewalttätigen und verlogenen Albion, ein schwerer Schlag versetzt worden ist. In heller Begeisterung über die unvergleichliche Waffentat unserer Kämpfer begrüßen wir den großen Erfolg als ein wertvolles Unterpfangd für den endgültigen Sieg über die seindliche Mächtekoalition. Antwerpen— eine einsame Stadt. Amsterdam, 12. Okt.„Handelsblad“ meldet aus Antwerpen vom 10. Oktober: Die Straßen sowohl der ärmeren als der wohlhabenden Viertel und die Kais entlang dem Hafen sind allesamt leer und einsam. Sehr wenige Menschen wagen sich heraus. Sie schleichen vorsichtig an den Häusern entlang sund kehren möglichst rasch heim. Nur im Zentrum der Stadt, auf dem Stadthausplatz, lassen sich einige Bürger sehen, die aus Neugier den Mut finden, den deutschen Soldaten unter die Augen zu treten. Aber sie sind zu zählen. Die Straßen sind so verödet, daß die dautschen Automobile ohne Huppensignale durchsliegen. Alle Läden sind geschlossen, außer wenigen kleinen Caféhäusern am Stadthausplatz. Eine große Anzahl von Bränden, die durch die Beschießung entstanden waren, nahmen durch die Abwesenheit der Bewohner einen großen Umfang an, da niemand zum Löschen da war; ein Gnund mehr, die unnötige Auswanderung zu beklagen. Wie ist aber erklärlich, daß versichert worden ist, daß die Stadt bis zum letzten Stein verteidigt werden soll; aber davon war keine Rede. Freitag früh 9 Uhr ging der Bürgermeister Devos mit der weißen Flagge in das deutsche Lager, um zu kapitulieren. Es war eigenartig, daß gleichzeitig eine deutsche Abordnung mit weißer Flagge nach der Stadt zuging. Beide kreuzten einander. Erst nachmittags um 3 Uhr wurde das Resultat erreicht. Gleich darauf zogen die Deutschen in die menschenleere Stadt ein. Sie beschädigten nichts in der Stadt. Die Polizeibeamten dürfen bewaffnet einhergehen. Deutsche Soldaten halfen beim Löschen des Brandes. Warum Antwerpen nicht am 2. Oktober übergeben wurde. London, 12. Okt.(Nicht amtlich.) Der Korrespondent der„Morningpost“, in Antwerpen erzählt: Die Belgier sahen schon am 2. Oktober die Uebergabe der Stadt als unvermeidlich an, faßten aber neuen Mut, ols am 3. Oktober morgens die Mitteilung kam, daß englische Hilfe unterwegs sei. Die englischen Marinesoldaten, die am 4. Oktober ankamen, nachdem sie die ganze Nacht hindurch von England gereist waren, bezogen sofort cuf den am stärksten gefährdeten Pesten bei Lier Stellung. Zusammen mit später angekommenen Verstärkungen widerstanden sie den schlimmsten Angriffen, während sie furchtbarem Artilleriefeuer ausgesetzt waren. Die Deutschen täuschten die Belgier durch eine List und waren dadurch imstande, die Stellung bei Lierre zu umgehen, wodurch der Rückzug aus dieser Stellung unvermeidlich wurde. Die Besetzung von Antwerpen machte in England sichtlich einen großen Eindnick.—„Times“ schreiben: Der Fall von Antwerpen ist in London als unvermeidlich angesehen, die Nachricht aber mit Fassung aufgenommen. Der moralische Eindruck des Ereignisses ist bedeutend, besonders, weil die Regierung vorher den furchtbaren Charakter des deutschen Angriffes verschwieg. Der Besitz von Antwerpen erhöht für die Deutschen die Möglichkeit, wenn sie cus Frankreich vertrieben werden, den Krieg in Belgien anstatt in Deutschland fortzusetzen. Antwerpens endgültiges Schicksal hängt von dem Glück der britischen Truppen im Felde ab. Kampf den Spionen. Schon in Friedenszeiten haben unsere Feinde alle Mittel angewandt, um unsere militärischen Geheimnisse zu erforschen. Jetzt aber wird Deutschland von Spionen geradezu überschwemmt. Ueberall im Auslande arbeiten zahlreiche russische, französische und englische Agenten, Männer wie Frauen, um ihre Auftraggeber zu unterrichten. Sie kommen zu uns mit falschen deutschen Pässen oder als Angehörige neutraler Staaten(Dänemark, Schweden, Holland, Schweiz), hören und sehen und berichten über das neutrale Ausland. Am schlimmsten treiben sie es in der Nähe der Grenzen, aber auch im Innern des Landes sitzen sie in größeren Städten, namentlich in Festungen, Hafenplätzen, an wichtigen Eisenbahnlinien. Daß uns durch diese Leute schwerer Schaden zugefügt wird, braucht nicht erst noch bewiesen zu werden. Wie kann man dagegen kämpfen? Nur dadurch, daß jeder sein Vaterland liebende Deutsche in dieser Zeit der Gefahr seine Mitwirkung nicht versagt Man achte auf jeden, der sich durch wiederholten oder längeren Aufenthalt auf Bahnhöfen oder in der Nähe von Kasernen, Flugplätzen, Luftschiffhallen, Werften verdächtig macht. Man beobachte aber auch selbst Vorsicht und Zurückhaltung in der Unterhaltung, sowohl in der Oeffentlichkeit, Eisenbahnen, Straßenbahnen, Wirtshaus, als auch im eigenen Kreise. Man sei vorsichtig in der Mitteilung von Nachrichten von Kriegsschauplätzen aus Feldpostbriefen und bedenke, daß leichtfertige Mitteilsamkeit das Leben der eigenen Angehörigen gefährden kann. Jedes unvorsichtige Wort kann dem Feinde nützen, uns aber ungezählte Opfer kosten und dadurch zu einer schweren Versündigung am Vaterlande werden. Darum nochmals Aufmerksamkeit gegenüber Verdächtigen und Zurückhaltung im Verkehr mit anderen. 40000 Aussen aufgerieben! chisch=ungarischen Kolanner nack im setzt WTB Wien, 12. Okt.(Nicht amtlich.) Das „Neue Wiener Tagblatt“, schreibt über die Entsetzung von Przemysl: Die Russen gelangten nicht weiter, als big zu den Drahtverhauen und Gräben der äußeren Werke. Die ganze Festung schien ein einziger feuerspeiender Vulkan, der nach allen Seiten hin Tod und Verderben hinausdonnerte. Durch die Explosion der Flatterminen im Fortsfelde wurden ganze Abteilungen der von ihren Offizieren vorgetriebenen Gegner auf einmal zersetzt. In den Stürmen vom g. bis 9. Oktober verloren die Russen bei Przemysl an Toten und Verwundeten nicht weniger als 40 000 Mann, also ein ganzes Armeekorps. Przemyst hat seinen strategischen und taktischen Wert für die Operationen unseres Heeres glänzend bewiesen. Deshalb trachteten auch die Russen beim Anmarsch der verbündeten deutschen und österreichisch=ungärischen Kolonnen noch im letzten Moment, sich der Festung zu bemächtigen, denn ein weiteres Vorrücken gegen Westen mit der so offensiven Besatzung dieses schlagkräftigen Stützpunktes im Rücken hätte gewiß eine für das nissische Heer äußerst ungünstige Situation bedeutet. Unmittelbar nach dem letzten Angriff machten sich aber schon die Wirkungen unseres Vorrückens über Rzeszow fühlbar. Während der Feind Przemysl immer wieder vergebens berannte, hatte er zur Deckung seiner Sturmangrifse eine starke Abwehrtruppe von 6 Insanteriedivisionen und einer Division Kosaben, also mehr als 100000 Mann längs der Chaussee über Jaroslau, 50 Km. westwärts, entsandt. In zweitägiger Schlacht warf unsere von Rzeszow=Baric gegen Lancut-Dynow vorstoßende Armee den Feind und verfolgte ihn bis an den S. Paris, 12. Okt. Der„Temps“ sagt in Berechnung der militärischen Lage: Der deutsche Vorstoß in Roye und die deutsche Kavallerie nördlich von Lille beunruhige viele Franzosen. Dazu bemerken wir, daß der Sieg nicht von dem Durchbnuch an einem Punkt abhängt, sondern besonders in der moralischen und materiellen Inferorität eines der beiden Gegner. Des weiteren bespricht der „Temps“ die Möglichkeit des Falles von Reims, Das Bombardement und die Besetzung könnten beinen entscheidenden Einfluß auf den Enderfolg haben. Ohne die Möglichleit eines langen Widerstandes könne man keinen festen Platz halten. Der Widerstand sei nicht zu bemessen nach den Forts usw., sondern nach einer starken Besetzungsarmee. Starke Truppen seien aber bloß in der langen Front gegen die deutschen Feldbefestigungen. Also werde der Fall von Reims ohne Bedeutung sein. Was hier das regierungsoffiziöse Blatt sagt, ist nichts anderes, als ein Präludium für die Meldung, daß die französischen Truppen im Zentrum und im Osten ihre Position hätten aufgeben müssen, nachdem die Armee des Generals Kluck den französischen Flügel bei Noye durchbrochen habe und die deutsche Kavallerie von Norden her immer weiter vorgedrungen sei. Der ganze verklausulierte Inhalt dieser Depesche berechtigt uns also zu der allergrößten Zu versicht, daß nunmehr der wochenlange Kampf an der Aisne mit Niesenschritten sich dem endlichen, für uns günstigen Schlusse nähert. Die Stimmung in England. London, 12. Okt. In ihrer letzten Sonnabendnummer schreibt die„Times“: Ueber die Niesenschlacht, die sich von der schweizerischen Grenze bis hinauf ins belgische Land erstreckt und an der über 10 190 4 5 2½ Millionen Menschen teilnehmen, ist heute nicht viel, auch sobald nichts zu sagen. Es gibt Momente. in denen Schweigen Gold ist. Ein solcher Moment ist der gegenwärtige. Eine solche Schlacht, wie wir sie jetzt staunend miterleben, ist äußerlich nichts als ein wüstes Chaos hin und her Es entspricht gar nicht dem Bilde, das wir uns bisher von Schlachten und Kämpfen gemacht haben. Es birgt dennoch eine Menge von rasenden Verlusten in sich. Es birgt manchmal Triumphe und Freuden, aber es birgt noch viel mehr bittere Enttäuschungen. Der Krieg gegen Frankreich. Die Schlacht an der Aisne. Der Bericht eines Fliegers von dem Kampffeld an der Aisne schildert laut„Tag“ ausführlich die brillante Lage der deutschen Heere, die trotz ihres Abmarsches sich in zielbewußter Stellung befänden. Als aus dem Großen Hauptquartier der Befehl zum Rückzug der 1. Armee kam, befand sie sich gerade mitten in einer siegreichen Schlacht, es siel den Leuten surchtbar schwer, nun 50 Kilometer zurückzugehen. Aber nachher stellte es sich heraus, daß dieser Rückzug überaus wichtig war. Unser Fliegeroffizier hatte oft Gelegenheit, die Wechselfälle im Soldatenleben kennen zu lernen; nachdem er 6 Tage lang im Regen in den Rüben gelegen hatte, kam er plötzlich in ein herrliches Schloß, statt Rüben und Wurzeln gab es jetzt täglich vornehme Diners, dazu Bad und allerbeste Bedienung. Bei Tage unternimmt er Flüge über feindliche Stellungen und Eisenbahnlinien. Einmal steht dr mit drei Herren über einer Karte gebeugt, da platzt ein französisches Schrapnell über ihren Köp. fen und alle Nebenstehenden sind niedergerissen und bewegen sich nicht mehr; er selbst hat nur eine Schrapnellkugel ins Bein bekommen. Ein anderer Offizier kommt sonderbarerweise mit dem Leben davon, weil er eben den Mund aufgemacht hat, um Hurra zu schreien und die Kugel durchgeht. Einer wechselt sein Hemd im Schützengraben, bewegt sich dabei etwas unvorsichtig und sinkt tot zu Boden. Die Kämpfe auf dem rechten Flügel werden bei Noyon dem„B. T.“ zufolge mit einer ungeheuren Erbitterung geführt Ein Bild voll grausigen Schreckens bot ein im Morgengrauen von den Franzosen gewagter Angriff auf versteckt liegende deutsche Schützengräben. Sie gkaubten, daß die Deutschen noch der Nachtruhe pflegen würden und schoben sich lautlos heran. Ihre Infanterie kommt in breitem Schwarm herangesprungen. Nichts regt sich in den deutschen Schützenlinien, aber alle Augen blitzen gespannt durch die Morgendämmerung den anschleichenden Rothosen entgegen. Bis auf 150 Meter sind sie schon heran, da sperren deutsche Drahtverhaue den Weg. Lautlos werden die ersten genommen, noch immer blieb es still in den Schützengräben. Da, als die breite Masse in den engen Drahtmaschen, verwickelt ist, klingt ein schrilles Kommando durch die Luft: Feuer! und nun pfeift der Tod aus tausend Schlün. den in die Menschenmasse hinein, die festgebannt in den Drahtverhauen hängt! Hunderte laufen vor Angst geschüttelt zurück, aber im Drahtverhau hängen noch Hunderte von Franzosen, können nicht vor und zurück, und den ganzen Tag bis zum Abend ertönt ihr Schreien und Wimmern über das Schlachtfeld. Die deutschen Soldaten treibt schließlich das Mitleid, die unglücklichen angeschossenen Soldaten aus ihren Fesseln zu befreien, aber sofort überschüttet sie feindliches Artilleriefener, und sie müssen die Aermsten vor ihren Augen langsam absterben lassen! Barbaren! Der französische Bürgermeister von Vadencourt an der Oise erzählte einem deutschen Militärarzt, der in dem Städtchen unermüdlich von Haus zu Haus ging, um die zurückgelassenen französischen Verwundeten zu pfllegen, folgende Geschichte: Vor ein paar Tagen wurde eine deutsche Ulanenpatrouille aus dem Hinterhalt von versprengten Franzosen beschossen. Sie wehrte sich tapfer, ein Franzose wurde durch einen Lanzenstich schwer verletzt, die anderen entkamen. Da sind zwei von den deutschen Reitern abgestiegen, haben den Schwerverwundeten in das nächste Haus getragen und den Bewohnern mit drohender Stimme zugerufen:„Bon pflegen— schwer blessee!“ Sind wieder ausgestiegen und weitergeritten.— Barbaren? Deutsche Flieger über Paris. 13 Tote, 23 Verwundete. WTB Berlin, 12. Okt. Die tollkühnen Erkundungsfahrten deutscher Flieger über Paris häufen sich in neuerer Zeit. Am Sonntag erschienen zwei Tauben gegen ½10 Uhr und veranlaßten sosort das Zusammenströmen vieler Menschen auf den Straßen. Die ersten Bomben fielen auf die Place Notre Dame de Lorette, in der Aue Bourdalue, den Faubourg Montmartre, beschädigten aber nur einige Häuser. Darauf verschwanden die Aeroplane. Um 12 Uhr kehrten sie wieder und begannen sofort ihr Zerstörungswerk. Eine Bombe siel in den Boulevard Montmartre auf ein Heusdach, richtete aber nur geringen Schaden an, weil sie gerade auf die Brandmauern fiel. In diesem Hause befindet sich die Redaktion der„Libre Parole“. Eine andere Bombe fiel auf den Balkon der Wohnung des italienischen Korrespondenten Pome in der Rue de la Banque Sie durchlug den Balkon und zerstörte das darunter liegende Zimmer. Weiter vernichtete eine Bombe in der Rue Lasayette ein halbes Haus und das Trambahngleis. Alle Fenster der umliegenden Häuser wurden zertrümmert. Viele Personen in der belebten Straße wurden durch den Lustdruck zu Boden geworfen. Im ganzen gab es 23 Verwundete und 13 Tote. Endlich verschwanden die Flieger in nördlicher Richtung. e z S Ein siegreiches Gesecht in Overeisaß. Zürich, 12. Okt. Nach Berichten von der elsässischen Grenze hat am Mittwoch bei AltkirchDammkirch ein hitziges Gefecht stattgefunden, worin die Franzosen starke Verluste hatten. Die Franzosen wurden bis weit über die Grenze zurückgetrieben. Viele Gefangene wurden nach Deutschland abtransportiert. Teilnehmer schildern die Franzosen als kampsesmüde, trotzdem sie in der Mehrzachl waren. Der Krieg gegen Belgien. Die Flucht aus Antwerpen! Rotterdam, 12. Okt. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ meldet unter Vorbehalt, daß nach einer Schätzung belgischer Offiziere in Holland 20 000 Belgier entwaffnet und interniert wurden. Unter denselben befinden sich vier Generale, sieben Oberste und viele andere höhere Offiziere. Die Verluste der belgisch=englischen Armee sollen 15 000 bis 20 000 betragen. Belgische Bahnbeamte sagen aus, daß den Deutschen größere Mengen an Kriegsmaterial, darunter ein Zug mit 60 000 Gewehren, in die Hände fielen. Haag, 12. Okt. Die deutschen Truppen haben gestern die an der holländischen Grenze befindlichen belgischen Truppen durch Maschinengewehr=Feuer gezwungen, die holländische Grenze zu überschreiten und sich entwaffnen zu lassen. Deutsche Patrouillen durchstreifen das ganze Grenzgebiet, um dieses zu säubern. Aus dem Haag, 13. Okt. In Bergen op Zoom haben die belgischen Flüchtlinge eine einseitige Zeitung herausgegeben, in der sie die Arm. verwundung des belgischen Königs und die panikartige Flucht der belgischen Truppen aus Antwerpen bestätigen.— Wie die holländische Regierung mitteilt, beherbergt Hollanz zurzeit eine Million belgischer Flüchtlinge. Halbamtlich wird gemeldet, daß die Gesamtziffer der auf holländisches Gebiet übergetretenen und entwaffneten belgischen und englischen Soldaten sich auf 20000 Mann beläuft. Gent in deutschem Besitz! Rotterdam, 13. Okt. Nachdem die Eng. länder gestern bei Melle gekämpft hatten, zogen sie sich über Gent nach Zeebrüggen zurück. Gestern wurde Gent von den Deutschen besetzt, Der kriegsgefangene Kommandant. Aachen, 12. Okt Der Kommandant von Antwerpen, General Guise, tras als Kriegsgefangener hier ein. Generalmajor Maes von der Antwerpener Besatzungsarmee kam auf dem Transport nach Köln gestern im Auto hier durch. Was die Wehrfähigen fürchten. Amsterdam, 12. Okt. Die Zeitung„Telegraaf“ meldet: Die Aufforderung des deutschen Kommandanten von Antwerpen, die Bevölkerung möge nach Antwerpen zurückkehren, wird noch wenig befolgt. Die wehrfähigen Männer fürchten, in deutsche Dienste eintreten zu müssen und an den Verteidigungswerken zu arbeiten. Der Eindruck in Paris. Kopenhagen, 12. Okt.„Berlinski Tidende“ meldet aus Paris: Der Fall Antwerpens machte hier einen sehr schmerzlichen Eindruck Die Stimmung ist die gleiche wie Ansang September, als die dautschen Ulanen sich dicht vor Paris zeigten. Vornehme Kriegsführung! Bereits lange vor der Beschießung Antwerpens hatte der Befehlshaber der deutschen Belagerungsarmee der belgischen Regierung die Schonung der geschichtlichen Denkmäler der Stadt angeboten. Die belgische Regierung nahm das Anerbieten an und ließ durch Vermittlung der amerikanischen Gesandtschaft in Brüssel, allerdings erst 14 Tage später uund nachdem die Beschießung eingesetzt hatte, der deutschen Verwaltung ein Verzeichnis der in Frage stehenden hauptsächlichsten Denkmäler sowie einen Stadtplan zukommen, auf dem auch die Krankenhäuser und Wohltätigkeitsanstalten verzeichnet waren. Eine große Anzahl von Abzügen dieses Planes wurde sofort von der deutschen Zivilverwaltung in Brüssel dem Befehlshaber der Belagerungstruppen überbracht, der sie noch in der Nacht an die deutschen Artilleriestellungen ausgeben ließ. Solche Anstregnungen mitten in den kritischsten Momenten machten die deutschen„Barbaren“, um Kunstwerke zu schonen!! und von Deutsch=Ostafrika den Südteil bis zum 10. Grade einschließlich Lindi als Beute zu.(!) Die portugiesischen Hilfstruppen sollen über„Nantest nach Orleans gebracht werden(und werden es ja machen!) Im Kampf gegen die Barbaren soll dann plötzlich König Manuel als Führer der portugiesischen Truppen erscheinen, um sich später von seinen ruhmgekrönten Soldaten im Triumphzuge nach Portugal zurückführen zu lassen. Ein Plan, wie ihn nur Engländer aushecken können. Rache für Belgien! London, 13. Okt.„Daily Mail“ schreibt in einem Leitartikel: Es ist jetzt Sache Großbritanniens und Frankreichs, dafür zu sorgen, daß gien gerächt wird. Die Ehre Englands steht auf dem Spiele. Diese Ehrenpflicht muß für England ein Ansporn sein, im Interesse Belgiens zu fechten. Furcht vor Zeppelin! London, 13. Okt. Der Staatssekretär des Innern wendet sich in einem neuen Aufruf an das Publikum in London, in den Abend= und Nachtstunden keinerlei Licht zu brennen. Auch die Automobile sollen in der Dunkelheit ohne Licht fahren. England denkt an sich selbst. London, 12. Okt. Das erste Kontingent der kanadischen Truppen ist in London angelangt. Es ist davon Abstand genommen, es nach dem Kontinent zu schicken. Vielmehr soll dasselbe die Verteidigung des englischen Mutterlandes übernehmen. (Offenbar sagen sich die Engländer, daß aus dem Kontinent doch nichts mehr zu retten ist.) Der Krieg gegen Der Krieg gegen England. England bezahlt mit deutschen Kolonien. Aalborg, 10. Okt. Zu der Meldung des Daily Mail über Konferenzen des portugiesischen Ministerpräsidenten mit einem englischen Spezialkurier erfährt der Berichterstatter des Berliner Tageblattes hier aus gut unterrichteter englischer Quelle: In der Umgegend des Exkönigs Manuels herrscht sieberhafte Tätigkeit und Aufregung. Oft sind ein Dutzend seiner portugiesischen Anhänger zu Konferenzen bei ihm, und englische Offiziere und Beamten nehmen offen daran teil. Es soll sich darum handeln, in Portugal mit englischem Gelde eine große Bewegung zugunsten eines Anschlusses an Frankreich und England zu führen. Für Portugals Hilfe sichert England das deutsche Ambound Damaraland bis zum 22 Grad südlicher Breite Rußland und die Türkei. Petersburg, 12. Okt. Offiziell wird erklärt: Die Lage an der türkisch=persischen Grenze müsse als sehr bedrohlich bezeichnet werden. Unter den Kurden, welche die Kosaken unlängst angriffen, wurden zahlreiche verkleidete Redifs(türkische Landwehr) entdeckt. Die Beziehungen zwischen Rußland und der Türkei sind sehr gespannt. Im Kaukasus kriselt es! Konstantinopel, 12. Okt. Im Kaukasus ist der Belagerungszustand befohlen worden. Die russische Flotte vor Konstanza. Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus Sosia: Freitag früh hielt die russische Schwarze Meerflotte, aus 28 Einheiten bestehend, vor dem rumänischen Hasen Baltschik an. Drei Torpedobootszerstörer drangen in den Hafen ein, und dem Direktor der Zollwache wurde von einem russischen Offizier ein Briief an die rumänische Regierung überreicht, der, wie man annimmt, vom Admival herstammt. Das ganze Geschwader verteilte sich dann in drei Gruppen. Der erste Teil verschwand am Horizont, der zweite, aus 8 Einheiten bestehend, verblleb in einer Entfernung von 5 Meilen vor dem Hasen und der dritte Teil entfernte sich gegen Konstanza zu. WTB. London, 12. Okt.(Nicht amtlich.) Die„Times“ melden aus Sofia: Amtlich wird bestätigt, daß die russische Flotte Konstanza passierte und südwärts weiterfuhr. Der Rückzug aus Galizien. Der Rückzug der Russen vollzieht sich an vielen Stellen überstürzt. Scheinbaren Widerstand leisten sie nur dort, wo bei dem gegenwärtigen schlechten Zustande der Straßen sie ihre schwere Artillerie nicht rasch genug fortbringen können. In welchem beschleinigten Tempo der Rückzug vor sich geht, beweist am besten die Tatsache, daß in den Städten, in denen vor einigen Tagen noch russische Besatzung amwar, heute bereits wieder unsere Behörden Herztos. Roman von Louise Cammerer. 14 „Sie sehen, ich bin ehrlich, somit bleibt uns beiden jede betrübende Erfahrung erspart." „Gut, ganz gut, mein Fräulein.“ Wilten zitterte vor Zorn und Aufregung, gab sich aber Mühe, ruhig zu erscheinen.„Unter diesen Umständen werden Sie einsehen, daß Ihr dienstliches Verhältnis in meinem Hause nicht länger fortbestehen kann. Damit Ihnen jedoch aus dem verfrühten Austritt kein pekuniärer Schaden erwachse, will ich Ihnen bis zum Quartalsschluß Salär und Verpflegung voll anweisen. Ich wünsche Ihnen Glück auf Ihrem ferneren Lebensweg!“ Er machte eine entlassende Handbewegung, so ungefähr, wie einem Diener gegenüber, und wandte ihr einfach den Rücken zu. Mathilde lächelte kühl beherrscht. Gott sei Dank, das war für immer abgetan. Eine kurze Zeit hatte sie hin und her geschwankt. Zu verlockend war der Antrag gewesen, dem jämmerlichen Ringen um eine Existenz für alle Zeiten überhoben zu sein, dem jungen Bruder das Künstlerstudtum ohne niederdrückende Geldnot zu ermöglichen. Doch jählings hatte sich das glänzende Zukunftsbild verdunkelt, noch eine Persönlichkeit sich hineingedrängt, die entstellend wirkte, den Zauber verwischte, eine Persönlichkeit, diemit MathildensSeelenlebennichts zu tun hatte, ihr in alle Ewigkeit fremd blieb. Nein, um den Preis der Selbsterniedrigung, der Selbstentwürdigung war ein ödes Scheinleben zu hoch bezahlt. Mit der ersten Frühpost des neuanbrechenden Tages traf ein ihren Leistungen alles Lob sprechendes, sehr anerkennendes Zeugnis, dazu eine beträchtliche Banknote als Ausgleich für Salär und Verpflegung dis zum Quartalsschluß an Mathilde ein. Mit bitterem Lächeln nahm sie beides in Empsang. Man sah, Wilten hatte es eilig, sie expreß aus dem Hause zu wissen, und nach dem Vorgefallenen war es auch für Mathilde erwünscht, möglichst bald fortzukommen. Nach einer herzlichen Verabschiedung von Susanna, der sie ihren plötzlichen Austritt unter irgend einem ersonnenen Vorwand plausibel zu machen suchte, wobei beide in Tränen zerflossen, verließ Mathilde von Sanden das ungastliche Haus, in dem sie acht Jahre lang tätig gewesen, und mietete sich sodann in einem ruhigen, soliden Stadtteil bei schlichten Leuten ein. Vor allem suchte sie die Frau Braun auf, um ihr hilfreich beizustehen, und in der Tat befand sich diese auch in einer bedauernswerten, hilfsbedürftigen Lage; hatte sie doch in kurzer Zeit ihren Gatten und zwei Kinder verloren, dazu war ihr jene Quittung über einen Zahlungsbetrag von tausend Mark an Wilten abhanden gekommen und sie wußte vor Sorgen nicht aus noch ein. Nachdem sich Mathilde von der Rechtschaffenheit und dem ehrlichen Streben der Witwe überzeugt hatte, die ein kleines Materialwarengeschäft in der Vorstadt betrieb, zögerte sie nicht länger, Frau Brann ein Darlehen von tausend Mark anzuvertrauen und zu dessen Rückerstattung die möglichst günstigsten Bedingungen zu stellen. Von fruhester Jugend an eine geregelte Häuslichkeit gewohnt, war ihr Tätigkeit zu einem Bedürfnis, zur Lebensbedingung geworden, und so bemühte sie sich einige Wochen nach ihrem Austritt von Wiltens wiederum um eine Stelle als Erzieherin, Gesellschafterin oder Repräsentantin einer distinguierten Familie, ließ zu diesem Zwecke mehrere Inserate in den Zeitungen einrükken und erwartete nun mit Spannung und geheimer Sorge das Resultat. Auf dem Wege zur tungsexpedition traf Mathilde auf eine starke Menschenansammlung, die lebhaft nach einem Arzte schrie, jedoch keinen zur Stelle brachte und kopflos durcheinander rannte, ohne etwas zu bezwecken. „Was ist hier vorgefallen?" fragte Mathilde einen ihr zunächst stehenden, dem Arbeiterstande angehörenden Mann, der ihr denn auch bereitwilligst und mit breiter Umständlichkeit erzählte, daß vor wenigen Minuten ein junges, feines Fräulein hier am Platze von epileptischen Krämpfen befallen worden sei und nirgends ein Arzt aufgetrieben werden könne. Mathilde drängte sich rasch durch die Menge. Sie hatte vor Jahren einen Krankenpflegekursus durchgemacht und eine tüchtige Vorbildung genossen, die ihr schon häufig zustatten gekommen war. Die Erkrankte, ein zartes, unstreitig den vornehmen Kreisen angehöriges Fräulein, lag noch immer in bewußtlosem Zustande auf der Erde hingestreckt, indes ein kleines, weißes Bologneserhündchen sie winselnd umkreiste, ihr Antlitz beleckte und jedem sich Nähernden grimmig die Zähne zeigte. Neben dem Fräulein stand eine ältere ratlose, Dienerin, die sich nicht zu helfen wußte. Mathilde beschwichtigte zuerst das Hündchen, hob dann die Kranke empor und trug sie mit Beihilfe der Dienerin in das zunächst liegende offene Haustor, wo sie die Tür hinter sich zumachte, die belästigende Neugierde fernhaltend. Es dauerte eine geraume Zeit, bis sich der Anfall abschwächte, die zukkenden, krampfartigen Bewegungen nachließen. Den Kopf in Mathildens Schoß haltend, blieb sie ruhig liegen, bis allmählich das Bewußtsein wiederkehrte. Die Menge hatte sich inzwischen zerstreut, Mathilde schloß sorglich die Kleider des jungen Mädchens, dem sie auf alle gebotene Weise einige Erleichterungen gebracht, reinigte es von Staub und Schaum und gebot alsdann der Dienerin, einen Wagen herbeizuschaffen, um die Erkrankte, die sich zutraulich an sie auschmiegte, in ihr schützendes Heim zu bringen. Erst als sie ihr Samariterwerk beendet, trat sie in die Zeitungsexpedition ein, wo ihr bereits drei Offerten unter ihrer Chiffre ausgehändigt wurden. Die erste kam aus der Hand einer niederbayerischen Gutsbesitzersfran, deren Anforderungen an menschliche Kraft und Leistungen jedes vernünftige Maß überschritten und die, nach der Arbeitslast, welche sie in Aussicht stellte, jedenfalls den Tag zu vierundzwanzig Stunden rechnete. Da gab es drei Kinder von neun, elf und dreizehn Jahren in Sprachen und Musik, ein jüngeres in Elementarfächern zu unterrichten, in der Hauswirtschaft beizustehen, feine Handarbeiten anzufertigen, die feine Wäsche zu besorgen, und in diesem Tone ging es weiter. 202,16 Mathilde hatte Kinder über die Maßen lieb, dazu eine rege Acbeitslust, allein an diese Aufgabe wagte sie sich dennoch nicht heran. Die zweite Offerte ging von einer Künstlerin aus, die eine überseeische Tournee antrat, Reisebegleiterin, Gesellschafterin und Zofe, in einer Person vereinigt, suchte, hingegen ein sehr bescheidenes Salär bot und eine bestimmte Kündigungszeit gar nicht feststellte, sondern eine Entlassung nur von ihrem persönlichen Wünschen und Wollen abhängig machte. Mit gemischten Empfindungen, nicht ohne eine gewisse Bangigkeit, öffnete sie die dritte und letzte Offerte. Sie führte eine kräftige, vernünftige Sprache, war von einem Manne geschrieben und lautete:„M. S. Meinem Haushalte fehlt seit Jahren die leitende Hand, meinem einzigen, kränklichen Kinde die liebende, pflegende Mutter, allein in unserer Zeit will es schwer halten, eine Dame zu finden, die ihren Beruf nicht als eine Zwangslage der Existenz ansieht, sondern ihn mit Lust und Liebe erfaßt und ausfüllt. Ich hatte Gelegenheit, hierin vielfache, betrübende Erfahrungen zu machen, seitdem ich die Gattin, meine Tochter die Mutter, verlor, und ich mich mit fremden, bezahlten Kräften behelfen mußte. Gerne gewähre ich Heimat und Familien= rechte, Freistunden für eigenes Innenleben, nur verlange ich etwas mehr wie kühle, knappe Pflichterfüllung, verlange ich Herzlichkeit,freundliches Entgegenkommen und Einleben in meine Häuslichkeit. Wären Sie geneigt, meinem Hause etwas Wärme, trautes Behagen zu verschaffen, meinem Kinde einige Liebe und Pflege zu geben, so bitte ich, sich morgen zwischen zwei und vier Uhr bei mir einfinden zu wollen und mich Ihre Bedingungen wissen zu lassen. Hochachtungsvoll Oskar Börne Justizrat.“ 76 kieren. So in Kraszno, Sanod und anderen. Für den russischen Rückzug, der wohl am besten die in alle Welt posaunten Siegesberichte aus Petersburg Lügen straft, hat man folgende Erklärung: Ihre Offensive, die ja zögernd genug unternommen worden war, brach zusammen, weil drei Faktoren zusammenwirkten: Erstens das schlechte Wetter, das in letzter Woche die Flüsse San und Weichsel und Wisloka zu furchtbaren Hindernissen und die Straßen unpassierbar machte; zweitens die Cholera, die im Russenheer grauenhaft wüten soll; drittens die außerordentlichen Schwierigkeiten im Munitionsnachschub. Der russische Kriegsplan besteht anscheinend darin, zuerst das österreichisch=ungarische Heer in Galizien zu überrennen, dann mit kleinen Abteilungen in Ungarn einzubrechen und Serbien die Hand zu reichen, während die Hauptmacht westlich schwenken und sich nach Berlin wenden sollte. Zur Erreichtung dieses Zieles setzten die Russen bei den Schlachten in Ostgalizien alles daran, um das österreichische Heer zu besiegen. Sie haben alle ihre Vorräte erschöpft und stehen nun fast ohne Munition da. Ihr Plan ist aber an dem Heldenmut der österreichisch=ungarischen Tmuppen zerschellt, an deren Kraft sich die russische Uebermacht brach. Angesichts dieser Umstände traten die Russen, als sie unsere geschlossen vordringende Offensive überraschte, den Rückzug an. Es scheint übrigens, daß man in Petersburg und Moskau bereits die Wahrheit kennt uund daß es hier zu brodeln beginnt. Die Reise des Zaren zu den Truppen, die jetzt plötzlich beschlossen wurde, dürfte damit zu erklären sein. Ernst Klein, Kriegsberichterstatter. Ein russischer Lanzernreuzer vernichtet. Berlin, 13. Okt. Wolffs Telegr.=Bureau meldet: Ein russischer Panzerkreuzer der„Bajan“= klasse ist am 11. Oktober vor dem finnischen Meerbusen durch einen Torpedoschuß zum Sinken gebracht. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes: Behnke. De. Krieg gegen Gerbien. König Peter als Heerführer. Berlin, 12. Okt. Dem„Achtuchr=Abendblatt“ wird aus Mailand gedrahtet:„Unione“ meldet aus Sofia: Die Berichte serbischer Flüchtlinge aus Nisch besagen, daß infolge Mißlingens der serbischen Offensive in Ungarn der König wieder in eigener Person die Regierung und die Führung des Heeres übernommen habe. Die Verluste der Serben Sofia, 12. Okt. Nach Feststellungen des serbischen Hauptquartiers beziffern sich die bisherigen Verluste der serbischen Armee auf 18000 Tote, 74000 Verwundete und etwa 20 000 Vermißte. General v. Beseler. Das Oberkommando über die deutsche Belagenungsarmee vor Antwerpen lag in den Händen des Generals der Infanterie Hans v. Beseler, der im Jahre 1911 aus dem aktiven Militärverhältnis ausschied. Er ist im Jahre 1850 zu Greifswald als Sohn eines Geh. Justizrats und Professors der Rechte geboren. Hans v. Beseler war zuletzt Chef des Ingenieur= und Pionierkorps und Generalinspekteur der Festungen Er hat den Feldzug 1870/71 mitgemacht und dabei das eiserne Kreuz erworben. Der Druch der belgischen Neutralitat durch England und Belgien. WTB. Berlin, 12. Okt.(Amtlich.) Die „Nordd. Allg. Itg.“ schreibt: Durch die eigenen Erklärungen Sir Edward Greys ist die Behaup. tung der englischen Regienung bereits als unhaltbar erwiesen, daß die Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland das Eingreifen Englands in dem gegenwärtigen Krieg veranlaßt hat. Das Pathos sichtlicher Entrüstung, mit dem der deutsche Einmarsch in Belgien von englischer Seite zur Stimmungsmache gegen Deutschland bei den Neutralen verwertet worden ist, findet eine neue und eigenartige Beleuchtung durch gewisse Dokumente, die die dautsche Heeresverwaltung in den Archiven des belgischen Generalstabes in Brüssel gefunden hat. Aus dem Inhalt einer Mappe, die die Aufschrift trägt„Intervention anglaise en Belgique“, geht hervor, daß schon im Jahre 1906 die Entsendung eines englischen Expeditionskorps nach Belgien für den Fall eines deutsch=französischen Krie ges in Aussicht genommen war. Nach einem vorgefundenen Schreiben an den belgischen Kriegsminister vom 10. April 1906 hat der Chef des belgischen Generalstabes mit dem damaligen englischen Militärattachee in Brüssel, Oberstleutnant Barmardiston, auf dessen Anregung in wiederholten Beratungen einen eingehenden Plan für gemeinsame Operationen eines englischen Expeditionskorps von 100000 Mann mit der bolgischen Armee gegen Deutschland ausgearbeitet. Der Plan fand die Billigung des Chefs des englischen Generalstabes. Dem belgischen Generalstab wurden alle Angaben über Stärke und Gliederung der englischen Truppenteile, über die Zusammensetzung des Expeditionskorps, die Ausschiffungspunkte, eine genaue Zeitberechnung für den Abtransport und dergleichen geliefert. Auf Grund dieser Nachrichten hat der belgische Generalstab den Transport der englischen Truppen in das belgische Aufmarschgebiet, ihre Unterbringung und Ernährung dort eingehend vorbereitet. Bis in alle Einzelheiten ist das Zusammenwirken sorgfältig ausgearbeitet worden. So sollten der englischen Armee eine große Anzahl von Dolmetschern und belgischen Gendarmen zur Verfügung gestellt sund die nötigen Karten geliefert werden. Selbst an die Versorgung englischer Verwundeter war bereits gedacht worden. Dünkirchen, Calais und Boulogne waren als Ausschiffungspunkte für die englischen Truppen vorgesehen. Von hier cms sollten sie mit belgischem Eisenbahnmaterial in das Ausladungsgebiet gebracht werden. Die beabsichtigte Ausladung in französischen Häfen und der Transport durch französisches Gebiet beweist, daß den englisch=belgischen Vereinbarungen solche mit dem französischen Generalstab vorausgegangen waren. Die drei Mächte haben die Pläne für ein Zusammenarbeiten der verbündeten Armeen, wie es im Schriftstück heißt, genau festgelegt. Dafür spricht cnich, daß in den Geheimakten eine Karte des französischen Aufmarsches vorgefunden worden ist. Die aufgefundenen Schriftstücke bilden einen dokumentarischen Beweis für die den magebenden deutschen Stellen lange vor Kriegsausbruch bekannte Tatsache der belgischen Konnivenz mit den Ententemächten. Sie dienen als eine Rechtfertigung für unser militärisches Vorgehen und als Bestätigung der der deutschen Heeresleitung zugegangenen Informationen über die französischen Absichten dient. Sie mögen dem belgischen Volke die Augen darüber öffnen, wem es die Katastrophe zu vredanken hat, die jetzt über das unglückliche Land hereingebrochen ist. Die Verbrechermaske Greys. Zu den neuen Mitteilungen der„Nordd. Allg. Zeitung" zur Vorgeschichte des gegenwärtigen Krieges heißt es im„Berl. Lokalanz.“. Während Sir Edward Grey mit hauchlerischer Miene zu behaupten wagte, England hätte sich gezwungen gesehen, für den Schutz der angeblich von Deutschland verletzten Neutralität Belgiens in den Krieg zu ziehen, ist es gerade dieser britische Minister gewesen, der bereits vor Jahr und Tag Verabredungen mit Belgien zu Ungunsten Deutschlands einging und auf diese Weise im Verein mit Frankreich den Bruch der belgischen Neutralität vollzog. Fürwahr, es war die höchste Zeit, daß auch das neutrale Ausland das wahre Verbrechergesicht eines hauti gen englischen Ministers zu sehen bekam, nachdem ihm nunmehr die lächelnde Freundschaftsmaske endgültig heruntergerissen ist. In der Tat ein sauberes Kleeblatt, diese drei gegen Deutschland konspirierenden Länder und ihre leitenden Staatsmänner! —— Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 13. Oktober. *e(Der Dank an die Sparkassen.) Der Reichs. bankpräsident Geheimrat von Havenstein hat an den Oberbürgermeister Reimarus(Magdeburg) als den Vorsitzenden des Deutschen Sparkassenverbandes, der weitaus die große Mehrzahl der deutschen Sparkassen umfaßt, folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister! Für Ihre freundlichen Glückwünsche zu dem großartigen Erfolg der Kriegsanleihen sage ich Ihnen meinen besten Dank. Ich brauche kaum erst ausdrücklich auszusprechen, welche Freude und Genugtuung das alle Erwarlungen übersteigende Ergebnis mir bereitet hat. Ich ergreife aber gerne diesen Anlaß, um auch den Dank für die Mitwirkung der Sparkassen bei diesem großen Werke, den ich Ihnen schon am 29. vor. Mis. in der Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank und damit vor der Oeffentlichkeit abgestattet habe, Ihnen als dem berufenen Vertreter der Sparkassen noch besonders zum Ausdruck zu bringen. Die Sparkassen haben in weitherzigster Weise dem an sie ergangenen Rufe Folge geleistet. Ihre eigenen und die von ihnen vermittelten Zeichnungen übersteigen nach einer vorläufigen Aufstellung zusammen, die Summe von 884 Millionen Mark. Die Sparkassen haben damit eine nationale Tat vollbracht, deren das Vaterland dankbar eingedenk bleiben wird.“ **(Liebesgaben) können wieder durch die Schwerter Zeitung übermittelt werden. Diesmal sollen dieselben den Truppen des Landsturm=Infanterie-Bataillons 2 Dortmund per Automobil durch Vermittelung des Herrn W. Balster, Dortmund, Ostenhellweg 47(Valer Uunseres bekanntlich auch im Felde stehenden Mitbürgers Wirt Balster) überbracht werden. Pakete, jedoch nicht über 5 Pfd. schwer(auch Briefe), welche die genaue Adresse des Empfängers und des Absenders tragen müssen, sind bis Dienstag, 13. d. Mts., abends 5 Uhr, in unserer Geschäftsstelle abzugeben, wo sie dann abgeholt werden. Sendungen an andere Truppenteile können diesmal nicht befördert werden. *e(Wagenmangel.) Der Mangel an Wagen, insbesondere offenen und gedeckten, hat nachgerade bedenkliche Formen angenommen. Bestellte gedeckte Wagen werden in der Regel erst ein oder mehrere Tage nach dem Bestelltage gestellt, offene Wagen mit Decke als Ersatz hierfür dürfen nur mäßig verwandt werden, da diese auch sehr knapp sind. Da im Kohlenrevier große Ausfälle eintreten, werden auch den Versendern der übrigen Gebiete von Amts wegen Abzüge gemacht. Die Militär= und Kartoffelsendungen dürften hauptsächlich den Mangel veranlassen.—Am vorgestrigen Sonntage wurden die Güterzüge wie an Werktagen gefahren. Grund: allgemeiner Wagenmangel. Auch mußte aus diesem Anlaß auf den Güterböden gearbeitet werden, damit der Umlauf auch der gedeckten Wagen beschleunigt wird. **(Ein schwerer Verlust) hat die evangelische Kirche Westfalens betroffen. Im Alter von 79 Jahren verschied in Witten der Präses der westf. Provinzialsynode, Superintendent D. König. Er war weit über die Grenzen seiner Heimat bekannt, sowohl als hervorragender Theologe als auch als Organisator. Vielen evangelischen Orts= u. Provinzialvereinen stand er vor und für seine Verdienste wurden ihm auch hohe Auszeichnungen und Orden zu teil. e*(Keine kommunalen Gutscheine.) Einige Städte und Gemeinden im Regierungsbezirk Arns. berg hatten Gutscheine ausgegeben, die im Verkehr das mangelnde Silbergeld ersetzen sollen. Eine solche Maßnahme ist indes leicht geeignet, Kredit und Kreditwürdigkeit herabzusetzen, und der Regierungspräsident von Arnsberg hat denn auch die Ausgabe von Gutscheinen durch Gemeinden entschieden gemißbilligt und untersagt. ligte in seiner letzten Versammlung 170 Mt. für die im Felde stehenden Mitglieder und deren Angehörige. Ferner wurde für Zwecke des Roten Kreuzes der Betrag von 30 Mk. bewilligt und der Kreiestelle vom Roten Krauz in Iserlohn überwiesen.— Der Fußballklub„Ball Heil“ beschloß in letzter Generalversammlung, den im Felde stehenden Mitgliedern einen angemessenen Betrag aus den bescheidenen Vereinsmitteln zu übersenden. * Lippstadt, 10. Okt.(Höchstpreise für Kartoffeln.) Die hiesige Polizeiverwaltung erläßt eine Bekanntmachung, in der es heißt:„Bis auf weiteres werden für Kartoffeln nachstehende Höchstpreise festgesetzt: Industriekartoffeln 3 Mk. für 100 Pfd., Magsembonum bis zu 3,25 Mk. für 100 Pjund. Wer höhere Preise verlangt, wird sofort des Marktes verwiesen. Unsere Mitbürger bitten wir höhere Preise als die oben angegebenen nicht zu bezahlen.“ * Duisburg, 10. Oktober.(Städtische Schweinemästerei.) Die Stadt Duisburg mästet seit einiger Zeit Schweine, um einer gegebenenfalls eintretenden Kriegsnot erfolgreich entgegenwirken zu können. Auf dem Gelände einer grozen Ringofenziegelei zu Meiderich werden die Schweine aufgezogen. Ihre Zahl wird bald 300 betragen. *e Westhofen, 12. Okt.(Liebesgaben.) Auf Anregung des Herrn Pfarrers Klinker war um Abgabe von alten Kleidungsstücken, Wollsachen und dergleichen für die Notleidenden in Ostpreußen gebeten worden. Innerhalb weniger Tage war von derartigen Sachen eine so große Anzahl eingegangen, daß jetzt 21 Kisten und Kollis, zusammen etwa 1100 Pfd., an Herrn Oberbürgermeister Dr. Körte in Königsberg durch die Bahn als Eilgut zum Versand gebracht werden konnten.— In der gestrigen Kommissionssitzung des Kriegervereins konnte festgestellt werden, daß eine unter den Kameraden veranstaltete Geldsammlung, so günstig ausgefallen war, daß die Kommission in der Lage ist, einschließlich des Bestandes der Vergnügungskasse(125 Mk.), die zu diesem Zweck geopfert werden soll, über einen Betrag von etwa 400 Mk. zu verfügen, um den im Felde stehenden Vereinsmitgliedern in verschiedenen Zeitabschnitten Liebes gaben durch die Post zu übersenden. Es ist eine Freude zu sehen, wie in unserer Stadt die Liebes. tätigkeit eine überaus regsame ist. Allen Gebern auch an dieser Stelle herzlichen Dank. *e Hohensyburg, 12. Okt(Unfall.) Beim Kartoffelauflesen erlitt die Ehefrau des Landwirts August Wortmann dadurch einen Unfall, daß sie von ihrem Ehemann aus Unvorsichtigkeit mit einer Kartoffelhacke auf die rechte Hand geschlagen wurde. Die Frau erlitt erhebliche Sehnenund Knochenverletzungen. ** Bürenbruch, 10. Okt.(Liebesgaben.) Der hiesige Turnverein„Grüne Eiche" bewilEttlindentasse. in allen Grössen empflehlt L. Weinberg. 1 Dr. Ad. Heiers Sanatorium Bremen, Rotenburgerstr. 1 Spezialbehandlung von Hautkrankheiten. 6446 Lupus äuss. Krebs Fressflechte, Hauttuberkulose, Fisteln. Hautgeschwülsten, ohne Operation, ohne Bestrahlg, nach eigen. langjähr. erprobt. Methode. Ausführliches Prospekt frei. Wie gebis unseren Truppen? Vielfach ist die Befürchtung ausgesprochen worden, daß die Truppen durch diese wochenlangen Kämpfe außerordentlich ermüdet und in Anspruch genommen seien, so daß es fraglich erscheine, ob sie die lange Dauer aushalten könnten. Diese Befürchtungen sind aber gänzlich ungerechtsertigt und entspringen aus einer salschen Beurteilung dieser Art des Kampfes Nur ein Teil der Truppen befindet sich in vorderster Linie, in Schützengräben, beobachtet den Gegner und kämpft, d. h. er schießt, wenn sich beim Gegner etwas bemerkbar macht, was als Ziel genommen werden kann. Es ist also gewissermaßen eine Art Wachdienst. Der ganze übrige Teil ist als Unterstützung, Bereitschaft oder Reserve zurückgenommen und hat verhältnismäßig Ruhe. Für seine Unterkunft ist gut gesorgt. Er muß immer in der Nähe der Stellungen sein, um schnell in die vordere Reihe eilen zu können, wenn diese plötzlich angegriffen werden sollte. Im übrigen ist dieser Bereitschaftsdienst nicht besonders anstrengend. Es muß sogar dafür gesorgt werden, daß Neserven und Bereitschaften beschäftigt werden. Dies ist sowchl aus gesundheitlichen wie aus disziplinarischen Gründen erforderlich. Die Verhältnisse bei einem solchen wochenlangen Positionskriege ähneln eben außerordentlich denjenigen des Festungskrieges. So konnte man 1870 vor Paris sehen, wie die hinteren Abteilungen langsamen Schritt und Grisse übten, wie Appell mit den Ausrüstungsgegenständen abgehalten wurde. Die Verpflegung ist vollkommen ausreichend und gut; die Truppen leiden keinerlei Not. Man kann also nicht sagen, daß die Kräfte der Truppen besonders in Anspruch genommen werden Im Gegenteil, nach den anstrengenden Gefechten und Verfolgungsmärschen der ersten Zeit ist jetzt eine gewisse Erholung eingetreten. Gegen Abend werden die Truppen in vorderster Linie immer von den inzwischen ausgeruhten Bereitmannschaften abgelöst. Antwerpen! Sie hat sich tapfer gewehret Des Scheldestrom's Königin: „Ich will bis zum Tode mich halten, So sprach sie in trotzigem Sinn. Da warfen stracks die Geschütze Granaten, Bomben hinein, Daß weit in das nächtliche Dunkel Erglänzte der Flammenschein. Es eilte zur letzten Hilfe Der Briten Heerbann heran. Der stand in der ersten Reihe, Entschlossen Mann für Mann. Umsonst ist alles gewesen, Denn nach der Mörser Gekrach Da rief die Trommel zum Stürmen, Und die Deutschen waren nicht schwach. Die deutsche Kraft hat zerbrochen Den feindlichen Widerstand. Zehn Tage währt es im ganzen, Bis alle Hoffnung schwand. „Duutsch ist Antwerpen“, so klingt es In alle Welten hinaus; „Antwerpen bleibt uns am Meere Ein festes deutsches Haus.“ Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u, Verlag von Cael Braus, beide in Schwerte. Statt jeder besonderen Nachricht. Ein kräftiger junge angekommen! Pastor Ohlig u. Frau 6059 Clärchen geb. Heuermann. Schwerte, den 13. Oktober 1914. Garantiert reines Vorstommott 6500 erhalten Sie bei L. Weinberz. 2 Banlksagurg. Für die überaus wohltuenden Beweise der Teilnahme beim Begräbnis unseros innigstgeliebten, sbraven, hoffnungsvollen Sohnes und Bruders, des Grenadiers Franz Zwicker Kgl. Sächs. Grenadier-Reg. Nr. 101, S. Komp. aus Liebertwolkwitz können wir nicht unterlassen für die Pflege im evangelis hen Krankenhause und seinen verwundeten Kameraden daselbst, sowie allen militärischen Vereinen, der Bürgerschaft, Herrn Pastor Nell. Bürgermeister, Magistrat und Stadtverordneten der Stadt Schwerte für die Kranzspenden und das ehrenvolle Geleit unsern tiefgefühlsten Dank auszusprechen. Im tiefsten Schmerze 6498 Familie Franz Zwicker. Liebertwolkwitz, den 5. Okt. 1914. Die auf den Prand-Verstelgerungen nicht verkauften Sachen, wie nidung 4pzüge, Ueberzieher, Haunig Joppen, Hosen, Röcke Arbeiten jeder Art, wie Zöpfe, Puppenperücken 2c. fertigt billigst(auch von ausgekämmten Haai) Strack, Friseur, Hüsingstr. 16. Heute früh 11 Uhr entschlief sanft nach längerem Leiden mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel PrrearieirWall im 60. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Sölde i. W., Karaap. Annen, Herford und z. Zt. im Felde, den 12. Oktober 1914. 6043 Mutterveratungssteue Für unsere Krieger! empfehle 5647 In grosser Auswahl Damenblusen Kostümröcke Paletots Unterröcke Schürzen Handschuhe Kaufhausonomark Mitlwoch, den 14. Okl. Schwerte, Ostenstr. 20. nachm. 3 Uhr Suum Lokal: Sedanschule. Zwangsverkauf. Am Mitlivoch, den 14. Okt. cr., vormittogs 10 Uhr, werde ich im Pfandlokale v. Wirt Müller hierselbst: 1 Schreibtisch, 2 Sopha, 2 Sessel, 1 Büselt, 2 Ausziehlische, 1 Spiegel m. Konsole. 1 Vertikow, 6 Stühle. 3 Wagen u. 4 Schweine gegen bar versteigern. Morgenrolh 6057 Gerichtsvollzieher. Schlachthof. Mittwoch, den 14. d. Mts., vorm 9 Uhr, wird auf der Freibank das Fleisch eines Rindes verkauft. 64991 Die Schlachlholverwaltung Die Beerdigung flndet Donnerstag, den 15 Oktober, nachmittags 4 Uhr vom Sterbehause, Sedanstrasse 153, aus statt. 6197 me mmamer. Dortmund, den 12. Oktober 1914. Zu dem heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben 969 Stück Großvieh, 231 Kälber, 34 Schafe, 3101 Schweine, Bez. f. 100 Pft. Kauen-Heider- ste esce. änte AT K. Ober- u. Unterbetten— Betten Pfühle, Kissen #F-wdy, Taschenuhren, Regulateur. [Uhfen uhren Freischwinger Fahrräder, Nahmaschinen Muslkinstrumente, phologr. Apparate Konversalions-Lenlkons u. sonst. Bücher eic. können täglich in unseren Geschäftsräumen zu sehr billigen Preisen gekauft werden. Die Sachen sind teils gebraucht, teils neu. Pfandleih-Anstalt in Eion& Comd. Balkenstr. 38 Dortmund Micolaistr. 5 beim Bezirkskommando. 6494 Unterzeuge wie: Hemden, jacken, Hosen, Socken, Lungenschützer, Handschuhe, 6378 Taschentücher empfiehlt in grosser Auswahl zu billigen Preisen. Kaufhaus Ollo Mark Ostenstrasse 20. Heute morgen 9 Uhr nahm der liche Gott unser liebes Söhnchen und Brüderchen lohannes im zarten Alter von 2 Monaten wieder zu sich in die Ewigkeit. Um stille Teilnahme bitten Gerh. Eblenkamp und Frau. Wandhofen, 12. Okt 1914. 1. Rinder. Ochsen a)vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben(ungejocht) b) vollfleischige, ausgemästete, im Alter von 4—7 Jahren c) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete... d) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Bullen: a) vollfleischige, ausgewachs. höchsten Schlachtwertes b) vollfleischige, jüngere c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 8 8 S S" S 10 5 Die Beerdigung findet Donnerstag, nachm. 3 Uhr vom Sterbehause aus statt. 6496 33—37 63—69 27—32 56—66 44—47 77—82 2 3 E„ 3 3 Die beste und billigste Bezugsquelle für Schneiderinnen :::: ist das:::: Kaufhaus Otto Marx = Hamburger Engros-Lager= Schwerte, Ostenstr. 20. Fernsprecher 233.— 5873 Gunges Marchen sucht Stellung für ganze oder halbe Tage. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Zeitung 6•93 Ein älteres evangl. Eniderr welches schon in besseren Häusern gedient hat, sucht Stellung zum 1. November oder später. 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Lebendgewicht c) vollfleischige Schweine von 100—120 kg(200—240 Pfd.) Lebendgewicht d) vollfleischige Schweine von 80—100 kg(160—200 Pfd) Lebendgewicht e) vollfleischige Schweine unter 80 kg(160 Pfd.) Lebendgewicht 57—60 71—75 Sauen Wollen Sie Gasthof zu Helle Leleion 251 Otto Marx, Schwerte, Ostenstr. 20 Suapssssn Ginhe zu vermieten. jr. 6424 Hagenerstr. 18. Schöne gelbe Steckrüben verkauft zentnerweise Hohenschwerk 6476 Lichtendorf. NB. Bestellungen werden auch im„Westfäl, Hof“ Restaurant Kordeck entgegengenommen. Schwirter Fietschhaut Mollkestraße 44 empfiehlt schmackhaftes Rindfleisch Ruhrweidenkühen zum äußerst billigsten Preise. Preis im Schaufenster ersichtlich. Wöhnung von 3 Zimmern und abgeschl. Elagen von 4 und 5 Zimmern neb Mansarde, Badezimmer, Vorvon jungen ratskammer. Gartenland sofort und zum 1. Januar 1915 zu vermieten. Wilh. Luck Baugeschäft 65306329 Königstraße 52. Sute Bettel kaufen? So gehen Sie nur in ein reelles Geschäft zu dem Sie Vertrauen haben. 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Solche Karten aber gar an Heeresangehörige zu versenden, denen der Sinn wahrhaftig nicht nach faden Karinaturen und Scherzen steht, ist eine noch größere Gefühllosigkeit.— Alle, die es angeht, mögen sichs gesagt sein lassen. Sie täten besser, die Groschen, die sie dafür ausgeben, zu Liedesgaben zu verwenden. Ich bin überzeugt, alle patriotisch Denkenden aus der Seele zu sprechen. Die P lizeibehörden sind angewiesen worden, auf den Unsug solcher Witzkarten, deren Aushang eine Belästigung des Publikums ist, ein wachsames Auge zu halten und gegebenenfalls mit Sirenge dagegen einzuschreiten. Münster, den 8. Oklober 1914. Der kommandierende General. 8471 Frhr. v. Bissing. GummiSchläuche, Scheiben, Platten und Ringe, sowie * Verpackungen und Putzwolle für Maschinen etc. Wringmaschinenwalzen sowie alle technischen Artikel liefert billigst ab Lager n e e eehe e. —. Sla e Für unsere Krieger! „Kistchen 25 Cigarren Feldpostbrief fertig gepackt 1.75. Carl Trog. Favorit Modenalbum 60 J. 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Plumps!„Weiter nichts als ein Gläschen mit Eingemachtem!“ tönte es beruhigend zu ihr hinein. Weiter nichts! Da hielt sie sich nicht länger. Leise erhob sie sich, schlich auf den Zehen zur Küche und stellte sich heimlich hinter Eduard, jede seiner Bewegung wie die eines Nachtwandlers mit ängstlichen Blicken kontrollierend. Gottlob, er schien ruhiger geworden. Sie sah ihn sill dastehen und etwas aufmerksam betrachten, das er im Arm bielt. ö, 529 Tanalik, Jetzt hob er es hoch, mit der Geberde des Fanatikers. „Oh je“— Ihre große Bratenschüssel! Sie wollte vorwärts stürzen, dem Wilden in den Arm fallen— o Jammer über Jammer, da lag ihr Stolz auch auf der Erde, in tausend Scherben bei den anderen! Wie gelähmt vor Entsetzen blieb sie stehen. Und was sagte dieser Schreckensmensch noch ganz gemütlich zu sich selber?„Nun war's doch gut, daß kein Braten darauf war!“ Und dann:„Was fehlt denn nun noch zu meinem guten Gericht? Aha! zwei Dutzend Eier!“ Da hatte er auch schon den Eierkorb ergriffen. Laut aufkreischend flog El'a auf ihn zu. Pardautz! lag auch der Korb auf der Erde samt der Mandeln Eier, und das, worin sie danach standen, schien das gelbe Meer zu sein. Und er schämte sich nicht einmal, sich obendrein vergnügt die Hände zu reiben, als ob das nur ein kleiner Fastnachtsscher; gewesen sei, und lächelnd auf die Bescherung zu seinen Füßen herabzublinzeln. „Geh nur, geh.“ sagte Ella. bitterlich weinend,.ich beschwöre dich, ehe du weiteres Unheil anrichtest, denn einiges von meinem schönen Porzellan möchte ich doch noch gern ganz behalten—“ „Ja, ich will aber doch essen—“ „Ich werde ja schon kochen,“ rief sie, ihn mit Aufgebot all ihrer Kräfte gewaltsam hinausdrängend, lich will dir sogar versprechen, nie mehr beim Kochen zu lesen, nur räume die Küche!" Und sie verriegelte sie, als sie ihn glücklich hinaus hatte, vorsichtshalber hinter ihm. Herr Eduard aber schlug seinem tiefbetrübten Weibchen hinter derselben vergnügt ein Schnippchen und murmelte:„Ja steh, Schätzchen, so kochen Männer, wenn Frauen streiken!" Frau Ella hat es keitdem nie mehr mit einem Streit versucht. die Arzte sagen Ceste Hilfe bei Unfällen. Bei den meisten Unfällen, mögen sie nun schwerer oder leichterer Art sein, spielt die sofortige Hilfe, d. h. diejenige, die bis zum Eintreffen eines Arztes geleistet wird, eine nicht unwesentliche Rolle. Für blutende Wunden merke man sich, daß das Blut das beste Blutreinigungsmittel ist, man braucht also nicht ängstlich sein, am wenigsten, wenn die Blutung nur gering ist! Zur Beseitigung des Schmutzes an einer Wunde ist Lysol in einprozentiger Lösung zu empfehlen. Passiert unterwegs etwas, so denke man nicht so sehr ans Waschen— damit wird die Wunde meist erst recht verunreinigt—, sondern an die Bedeckung mit einem absolut reinen Taschentuch, das man frisch gewaschen in weißes Papier gewickelt stets mit sich tragen kann. Die Hände des Behandelnden müssen natürlich möglichst gut mit Seife gesäubert werden. Spritzt das Blut aus einer Wunde, so muß zwilchen dieser und dem Herzen das zuführende Gefäßrohr durch Draufdrücken bezw. festes Umbinden eines schmalen Tuches usw. abgedrückt(abgebunden) werden. Bricht jemand ein Glied, so stitze man es durch einen Zweig, einen Stock, eine fest zusammengerollte Jacke, die mittels Taschentüchern über den beiden nächsten Gelenken befestigt werden. Bei Leuten die durch Ertrinken, Ersticken usw. nicht mehr atmen, muß die künstliche Atmung angewendet werden. Der Patient wird oben entkleidet, auf den Rücken gelegt, eine zusammengerollte Jacke usw. unter die Mitte des Rückens geschoben, so daß der Kopf nach unten hängt, und nun der Brustkorb an seinem unteren Umfang rhythmisch zwanzig= bis dreißigmal in der Minute zusammengedrückt und rasch wieder losgelassen, bis eigene Atmung eintritt. Die Zunge muß dabei die ganze Zeit aus dem Munde hervorgezogen bleiben; dies geschieht mit einem Taschentuch; ist man allein, so binde man sie an das Kinn mittels eines umgeschlungenen Bandes oder dergleichen fest. Bei Nasenbluten verhüte man Drücken, Schnauben, Wassereinziehen in die Nase, das Herunterbeugen des Kopfes. Man sitze ruhig aufrecht; dauert das Bluten länger, so kann man sich bis zur Ankunft des Arztes helfen, indem man aus Kompressenstoff, der in gekochtes Wasser getaucht ist, einen Stöpsel dreht und diesen in gerader Richtung nach hinten in die Nase einführt.— Bei Fremdkörpern im Auge reibe man nicht, sondern schließe das Auge, unter Umständen mit einem Tuche; dann hat man Zeit, zum Arzte zu gehen, falls der Fremdkörper nicht durch die Tränen ausgewaschen wird. Fremdkörper im Ohr lasse man ebenfalls in Ruhe; ebenso in der Nase, wenn es nicht gelingt, durch Einatmen durch den Mund und Ausschneuzen ihn zu entfernen. Ist etwas im Rachen stecken geblieben, so versuche man es mit den Fingern zu entfernen oder lege den Patienten mit der Brust auf einen Tisch, eine Bank usw. und versuche durch einige kräftige Schläge mit der flachen Hand zwischen den Schulterblättern denselben herauszuschleudern. Für Geist und Gemüt. Sich selbst versöhnen. Wenns immer also käme, Wie du es dir gedacht, Dir nie das Schicksal nähme, Was lieb es dir gemacht; Du würdest selbst betrügen Dich in dem eignen Wert, Un nie dich selbst besiegen, Nach außen nur gekehrt. Je mehr du kannst ertragen, Bii frei du innerlich. Noch Heil aus Übeln schlagen Heizt selbst versöhnen sich. Ja, noch aus Disteln tragen Die Bienen Honig heim. Drum laß dir Wunden schlagen, Des Edlen, Bess'ren Keim! Wenns immer also käme Wie es gedacht das Herz: Des Lebens Reiz es nähme, Des Glückes Salz, den Schmerz. Buntes Allerlei. Strenge Der burgundische König Gundobald war ein großer Jagdliebhaber, mochte auch wohl anderen Leuten das Jagdvergnügen gönnen; aber er ahndete es strenge, wenn einer dem anderen einen Jagdhund oder einen Falken stahl. Im ersteren Fall mußte der Verbrecher entweder acht Goldtaler Buße erlegen oder dem Hund öffentlich die Rückseite küssen. Der Falkendieb aber mußte ebenfalls acht Goldtaler zahlen oder sich gefallen lassen, daß der Falke ihm zwölf Lot Fleisch aus dem Leibe hackte. Wie schnell geht ein Telegramm? Die Geschwindigkett der Reibungselektrizität betrachtet man seit langer Zeit als etwa gleich der des Lichts. Dem galvanischen Strome wurde früher auch eine annähernd ebenso große Geschwindigkeit nachgerechnet, das hat sich jedoch als Irrtum erwiesen, und neue Veruche unter Benutzung eines atlantischen Kabels von 10 500 Kilometer Länge ergaben für den galvanischen Strom(also den, der zum Telegraphieren dient) eine mittlere Geschwindigkeit von 10000 Kilometer in der Stunde. Merkwürdige Stellvertretung. Bis vor kurzer Zeit konnte jeder Chinese, der zum Tode verurteilt wurde, wenn er sonst reich genug war, einen Stellvertreter stellen, der die Strafe für ihn erlitt. Noch wunderbarer ist es freilich, daß sich immer Leute leicht genug fanden, die ihren Kopf für eine anständige Abfindungssumme hingaben. -Der Nochdruck des gesamten Inhalts dieser Beilage in untersagt.= für den kreis börde Amtliches Kreisblatt 46. Jahrgang O Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Annoncenblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 240. Dienstag, 13. Oktober####### Was du tun sollst, tu Ohne Rast und Ruh', Sei's auch noch so schwer! Doch was gegen Pflicht Dich verlockt, tu nicht, Lockt's auch noch so sehr Der Halbmond. Kriminal=Roman von M. de la Capelle. (7. Fortsetzung.) Jetzt lachte der andere, daß seine blendend weißen Zähne unter dem schwarzen Schnurrbärtchen sichtbar wurden.„O, Sennor Kommissar. Sie sind doch immer spaßhaft! Schade, daß Sie sich haben so lange nicht bei uns sehen lassen— Sie müssen recht bald kommen, um meine neue ProgrammNummer anzusehen— o. Sie werden staunen! Das Publikum überschüttet mich jedesmal mit Beifall. „So?— Ja. das darf ich mir freilich nicht entgehen lassen! Ich war in der letzten Zeit vielfach in Anspruch genommen, hoffe aber, einen der nächsten Abende für einen Besuch des Apollogartens frei zu haben— dann werde ich Sie gebührend bewundern. Sennor Espardo.“ „Sehr schön— halten Sie nur auch Wort— auf baldiges Wiedersehen also!“ „Auf Wiedersehen— und inzwischen viel Erfolg. Sennor!“ verabschiedete sich der Kommissar. „Wer war denn dieser Herr mit dem ausländischen Akzent?“ fragte Erich, der unterdessen langsam weitergegangen, den Bruder, als dieser ihn einholte.„Ich möchte auf seine Zugehörigkeit zu irgend einem Spezialitäten=Genre wetten—“ „Ganz recht— Sennor Espardo ist in der Tat ein Künstler des Varieté=Theaters und zwar ein ganz tüchtiger in seinem Fache. Er ist augenblicklich am hiesigen Apollogarten engagiert und bildet mit seinen Darbietungen als spanischer Jongleur eine der Hauptnummern des Programms.“ „Und wie kommst du zu seiner Bekanntschaft— doch hoffentlich nicht amtlich?“ „Bewahre,“ lachte der Kommissar.„Ich lernte ihn vor etwa vierzehn Tagen bei einem Besuche des Apollogartens nach der Vorstellung im dortigen Restaurant durch einen meiner Kollegen, dessen Hausgenosse er ist, kennen. Da es das erstemal ist, daß ich einem Angehörigen dieser Art von Künstlervölkchen näher trat, war mir die Bekanntschaft nicht uninteressant.„Ist dir's recht, so können wir uns ja in den nächsten Tagen gemeinschaftlich eine der Vorstellungen im Apollogarten und damit die neueste Sensationsnummer Sennor Espardos ansehen— vorausgesetzt natürlich, daß es dir mit dem Spanier in bezug auf den ersten Eindruck nicht ebenso ergeht wie mit dem armen Hagenow, der ja durchaus keine Gnade vor deinen Augen zu finden scheint!“ Erich beantwortete die kleine Neckerei des Bruders nur mit einem halb ungeduldigen, halb abwehrenden Achselzucken, als wäre es ihm unlieb, nochmals auf den ersten Gegenstand ihres Gespräches zurückzukommen. Trotzdem mußten sich seine Gedanken doch noch mit Hagenow beschältigen, denn als beide in der Wohnung des Kommissars angelangt waren, deren eines Zimmer Erich für die Zeit seines Aufenthaltes eingeräumt war, fragte er plötzlich. nachdem die Wirtin wie gewöhnlich den Nachmittagskaffee hereingebracht:„In welcher Beziehung steht Herr Hagenow eigentlich zu der Tochter des alten Kempner?" Der Kommissar, der sich soeben eine Zigarre angezündet und es sich auf dem Sosa bequem gemacht hatte, sah einigermaßen überrascht von der unerwarteten Frage des Bruders zu diesem hinüber.„Gertrud Kempner—“ sagte er dann. „Hm, ich glaube, anscheinend in der denkbar besten— wenigstens beschäftigt man sich in den interessierten Kreisen unserer Stadt schon stark mit der Möglichkeit, Hagenow als den künftigen Chef der Firma Kempner und damit natürlich auch gleichzeitig als Gatten Gertruds zu sehen.“ „Also wirklich—? ich scheine mich demnach in meinen Beobachtungen nicht getäuscht zu haben.“ „In deinen Beobachtungen?— wieso?“ Erich stieß mit heftiger Bewegung den Löffel in die Tasse— vielleicht war er nun doch ein wenig ärgerlich über sich selbst, daß er nochmals von Hagenow angesangen, denn er sah sich gezwungen, dem Bruder genauere Auskunft über seinen heutigen Besuch bei Gertiud zu geben, was er vorher geflissentlich vermieden hatte. Jetzt gab es kein Ausweichen mehr— er mußte sich bequemen, das Verschwiegene zu erzählen und damit die Wahrnehmung zu schildern, welche er in bezug auf Gertrud und Hagenow gemacht hatte.„Ich glaube, ich habe eine ziemlich überflüssige Rolle bei der Gelegenheit gespielt,“ schloß er seinen Bericht,„denn Hagenows Ungeduld, Gertrud nach seiner Rückkehr wiederzusehen, sprach sich in so unverhohlener Weise aus, daß mir kein Zweifel über das enge Einvernehmen bleiben konnte, das zwischen beiden herrscht. „Na, tröste dich wegen deines Mißgeschicks, mein Junge, zwischen Liebesleuten ist der Dritte eben immer störend und daher überflüssig. Und was die Ungeduld Hagenows betrifft. so kannst du es ihm im Grunde nicht übel nehmen, daß er sich wenig Mühe gab, sie zu verbergen, sondern seinem Empfinden ein bißchen die Zügel schießen ließ— wärst du an seiner Stelle gewesen, du hättest es zweifellos ebenso gemacht.“„.v. I5" 92 An Hagenows Steue— ich—:— ach, baran zu denken ist Torbeit!., 2. j. 4. Mi. u. 6ch S.5r rehen Erich hatte diese Worte halblaut, wie zu sich selber rebend, gesprochen. Dennoch klang ein so eigentümlich bitterer, resignierter Ton aus ihnen heraus, daß der Kommissar aufmerksam wurde. Er drehte sich vollends zu dem Bruder um, im Begriff, ihn mit einer seiner gewohnten neckenden Bemerkungen weiter zu befragen— aber ein Blick auf Erichs Gesicht ließ ihn diese Adsicht aufgeben. Ja, er erschrak fast vor dem ernsten, beinahe düsteren Ausdruck, der sich in den Zügen des Bruders ausprägte und aus dem nur zu deutlich das sprach. was jener verschwiegen mit sich herumtrug. Der Kommissar drehte nachdenklich die Zigarre zwischen den Fingern— also so stand die Sache? Darum diese Antipathie Erichs gegen Hagenow, die ohne Zweifel der Eifersucht auf den glücklicheren Nebenbuhler entsprang! Daß Gertrud Kempner damals, vor Jahren, auf seinen Bruder einen gewissen Eindruck gemacht, wußte der Kommissar freilich. Allein er hatte das im stillen als eine jener Jünglingsschwärmereien bezeichnet, die meist ebenso schnell verschwinden. wie sie gekommen sind. Und nun saß diese Jugendliebe doch 5 SSSSSEEAR BSgS#SERS0 SSSSSSS S 58898 3 e 58 ∆ S" r S 9""2 S„ So * n S. S ScESSSSh BIT #OgU TESSEGUER SAUR 8. S"• S. S. SSEETA B 005 * S G 9 SSE 9 2 SSNAU K 9* = 58 ToS S s S 3501 THT S SUAE 9 ∆ noch in seinem Herzen, ja, sie schien sich trotz, den, Igtggn, der Trennung nur noch fester in Erich eingenistet zu haben— das bewies die tiese Niedergeschlagenheit, mit welcher er di Tatsache aufnahm, Hagenow als den zukünftigen Gutten Errirnds au seten.... gesner Soigeste bin und Der Kommissar rückte unrugig in seiner Soideue hin und her— was war denn nur zu tun, um dem armen Jungen zu leisen?— Man konnte ja Gertrud schließlich keinen Vorwurf daraus machen, daß sie ihr Herz an Hagenow gehängt, aber daß Erich derjenige sein mußte, dem diese Wahl eine schöne, heimlich gehegte Lebenshoffnung raubte, schmerzte den KomEr erhod sich und trat zu dem Bruder, ihm zärtlich den Arm um die Schultern legend.„Rimm's nicht gar so schwer, Erich,“ sagte er in beschwichtigendem Tone.„Gertrud hat nohl selbst nicht gewußt, daß sie dir schon damals mehr war, wie eine flüchtige Jugendschwärmerei. Du konntest also nicht von ihr verlangen, daß sie es in geduldigem Warten darauf ankommen lassen sollte, ihr Herz bis zu deiner Rückkehr frei zu halten. Das Hagenow ihren Weg kreuzen mußte, um ihre Liebe zu gewinnen. ist eine Schicksalsfügung, gegen die nun einmal kein Auflehnen mehr von deiner Seite hilftz,, Trage daher männlich das Unabänderliche— das Leben liegt### reich genug vor dir, um dir für die verlorene Hoffnung in der Zukunst Eisatz bieten zu können.“.. g.416 6g 6, Erich ergriff die Hand des Bruders und druckte sie fest in der seinen— wußte er doch, daß jener um seinetwillen fast ebenso schmer lich das Geschehene empfand, wie er seiber. „Es wird mir auch wohl kaum etwas anderes übrig bleiben, als still zu verzichten,“ sagte er mit einem schwachen Versuch, zu lächeln.„Fern aber liegt es mir, Gertrud irgendwie anzuklagen. Du hast vollkommen recht: sie wußte und weig natürlich auch heute noch nicht, was sie mir war und ist— wußte ich es ja fast selbst nicht, wie sehr mein Herz trotz der jahrelangen Trennung an ihr hängt. Erst vas heutige Wiedersehen mit ihr hat mich eigentlich die Größe meiner Neigung für sie erkennen lassen. Umsomehr muß also die Tatsache auf mich wirken, Hagenow im Besitz ihrer Liebe zu wissen, und ich gebe jetzt, bei ruhiger Überlegung, gern zu, daß mich mein eisersüchtiger Groll ihn wohl vorhin nicht ganz gerecht beurteilen ließ. Aber ich verspreche dir, daz du in Ku unft keinen Grund mehr haben sollst, mir über diesen Punit Vorwürse zu machen.“.. 218 „Nun und was deine Liebe zu Gertrud veirist— nicht wahr, du wirft auch hierin vernünftig sein und dir das Überwinden nicht unnötig schwer machen, mein Junge?— Du mußt a doch darüler hinwegkommen, denn wenn Hagenow wirklich Gertruds Liebe besitzt, woran ich nach deinen heutigen Mitteilungen nicht mehr zwei le, so ist jede Aussicht für dich endgüttig ausgeschlossen. Darum noch einmal: trage das Schwere mit Mannesmut und hoffe auf die Zukunft.“ Erich sah einen Augenblick in trübes Sinnen verloren vor sich nieder. Dann erhob er sich und indem er seine schlanke Gestalt straffer empotrichtete, sagte er, dem Bruder herzlich zunickend:„Ich will's versuchen, wenn es mir auch nicht sehr leicht fallen wird. Allein, wie du ganz richtig bemerktest: ich muß darüber hinwegkommen, und ich werde es auch, denn ich hoffe, Energie genug zu besitzen, um in mutigem Aufraffen die erlittene Enttäuschung zu überwinden.“ Die Brüder schüttelten sich die Hände— hatte doch das eben geführte Gespräch aufs neue das Bewußtsein jener gegenseitigen Zusammengehörigkeit in ihnen gefestigt, das sie von jeher alles gemeinsam tragen ließ. 8 Nachdem beide noch verabredet hatten, in der„Krone" ihr Abendessen einzunehmen, begab sich der Kommissar in sein Bureau, während Erich sich anschickte, den Rest des Nachmittags mit einem Spaziergang auszufüllen. Gegen Abend von diesem zurückkehrend, kam er, den Weg nach der„Krone“ einschlagend, an dem Kempnerschen Hause vorüber. In allerlei Grübeleien versunken, hatte er es gar nicht bemerkt, daß er in die Burgstraße geraten war jetzt erschrak er fast, als er plötzlich das wohlbekannte Haus mit den reichen Schnitzereien an den Fensterpfeilern vor Die ersten drei Fenster im Parterre lagen im dunklen— die Kontorstunden waren ja auch schon vorüber. Nur aus den beiden letzten in der Reihe schimmerte noch ein Lichtstrahl, der sich freilich nur mühsam durch die fest zusammengezogenen Stoffvorhänge einen Weg bahnte. Hinter diesen Fenstern befand sich das Privatkontor des verstorbenen Chefs— Erich kannte es genau, wie oft hatte er es damals, vor Jahren, betreten! Jetzt schaltete Hagenow dort, der zukünftige Gatte Gerkruds und somit auch der zukünftige Ehei des Banthauses.„ Wallie sich nicht wieder Rasch ging Erich weiter— er woule sich nicht wieder in nutzlose Grübeleien verlieren—— hatte er sich doch vorgenommen, dem Manne, der selbst jetzt noch, nach Schluß der eigentlichen Kontorstunden, in emsiger Arbeit seinen Fleiß dem Geschäft widmete, sein Glück nicht zu neiden. Hätte er einen Blick in das Privatkontor werfen können, so würde er freilich in bezug auf die„emsige Arbeit" Häge=„ nows anderer Meinung geworden sein.. Screißzsich Möglichst bequem in den Sessel vor dem S#### zurückgelehnt, war Hagenow in das Lesen einer Belt.#.# Unier dem Vorgeben, noch einige hinterlassene Geschäfispapiere des verstorbenen Chefs durchsehen zu wollen, haite er sich vorhin von Herrn Fritzmüller verabschiedet. Aber anstatt das Gesagte zu tun, war es, nachdem er sich ganz allein und ungestört hier unten wußte, sein eestes### wesen, die vor etwa einer Stunde vom Postboten gebrachle heutige Morgenausgabe der im Kontor gehaltenen Beiline Zeitung zu entfalten. Durchlesen s.ine Vorhin war ihm zu genauerem Turciesen keine Zeit geblieben— jetzt aber konnte er sich roile Muße lassen, um das ihn besonders Interessierende herauszusuchen. Dies schien hauptsächlich ein längerer Artikel zu sein, betreffend den am 14. Oktober in Hamburg geschehenen More — ihn las Hagenow bereits zum zweitenmal durch. Jett## warf er das Blatt auf den Schreibtisch und sah eine Weise ins Leere, als dächte er über das eben Gelesene nach. Plötzlich lachte er leise auf.„Keine Spur, die zur Entdeckung des Mörders führen könnte. Das ist vorläufig noch der Endreim," murmelt er halblaut vor sich hin.„Und dabei wird es auch bleiben, meine Herren Kriminalisten und wenn Sie noch so viel herum und herauszuschnüffeln versuchen. Zu dumm nur, daß ich des unauffindbaren Schlüssels wegen eine solche Stunde der Aufregung durchleben mußte—— wer konnte denn aber auch daran denken, ihn dort zu suchen.“ Er nahm die Zeitung wieder auf. in dem erwähnten Artikel eine bestimmte Stelle suchend, die er abermals aufmerksam las. Sie lautete:„Wie sich jetzt herausstellte, hat der Mörder die Wohung Miz Elliots nach gescheher Tat unmöglich sofort verlassen können, da er keinen Schlusel zu der von innen verschlossenen Korridortüre besaß. Nacy ven Angaben der Zimmerwirtin waren nur zwei derartige Schlüssel, sogenannte Drücker, vorhanden. Einen hatte die Wirtin mit sich genommen, wahreno Miß Elliot den andern besaß. Mit diesem hat sie nun jedenfalls dem Mörder aufgeschlossen und, nachdem sie die Tür nach seinem Eintritt von innen wieder abgeschlossen, den Schlüssel in die Tasche ihres Kleides gesteckt. Da diese Tasche der herrschenden Mode nach äußerlich auf der rechten Seite des Kleiderrockes aufgesteppt, also ziemlich flach war, so erscheint es nur zu natürlich, daß der Schlüe leicht herausrutschen konnte, wie dies ja auch tatsächlich per Fal gewesen sein muß, da man jenen zweiten, in Miß Elli Besitz gewesenen Schlüssel zwischen Sitz und Rückenlehne des Sofas fand, auf dem die Ermordete lag. Ohne Zweifel hat also der Mörder sein Opser auf das Sofa niedergedrückt und bei den hierdurch entstandenen ungestümen Bewegungen, denen Miß war, ist der Schlüssel unbemerkt aus der Kleidertasche der Ermordeten gerutscht und unhörbar in sein Versteck geglitten. Der Mörder saß also gewissermaßen in der Falle, his Miß Elliots Zimmerwirtin gegen zehn Uhr Augtuglaneg##er# mit ihrem Drücker die Tür von außen uus, 1##0 uver den Drücker dann von innen stecken. Diesen Umstand hat der bis dahin in dem Zimmer der Ermordeten befindliche Mörder benützt, sich leise in den Korridor geschlichen und ebenso leise die Korridortür aufgeschlossen, um auf diese Art zu kommen, was ihm ja auch glücklich gelungen ist.“ Hagenow nickte lächelnd, als er den Artikel zu Ende gelesen— es amüsierte ihn augenscheinlich, das ohne Zeugen Geschehene hier so wahrheitsgetreu beschrieben zu sehen." Schon wollte er die Zeitung wieder zusammenfalten da wurde seine Aufmerksamkeit aufs neue durch einen zwei Artikel erregt, der sich unter der Rubrik:„Letzte Nachrichten“ besand und die fettgedruckte Überschrift trug: Wichtige Entdeckungen in der Hamburger Mord=Affäre! Hagenow hob das Blatt höher nach der auf dem tisch befindlichen Arbeitslampe und begann abermals zu lesen. „Von unserem nach Hamburg entsendeten Spezia Berichterstatter geht uns soeben kurz vor Redaktionsschluß ucuu sbigymuvsch 8 e 5 S 88 SSGSEESPESES SggE 8 SagrS S 5. O 2 * * 8 S S 55 5 8 ** 5 S m 55 * S„HLHESE * 9."* S#toBErPSSöRE Bü Og S S 88.2 S ar SSESE 8 # 5 SSSnRE Zb:SaS SSS: EAEHTNEE SS STSGSSHE! 9 2 #4 S .* 5 S aESs#g S SSSSgEER S S•TMMESnS folgende Meldung zu: Durch die Aussage eines in dem Hause Klosterstraße 54 wohnhaften Kaufmanns ist die Aufmerksamkeit der Kriminalpolizei auf eine Depesche gelenkt worden, die Miß Elliot am Nachmittag des 14, Oktober erhalten hat. Als der betreffende Kaufmann an genanntem Tage etwa um halb zwei Uhr das Haus verließ, eine kurze Geschäftsreise anzutreten, begegnete er auf der Treppe des ersten Stockwerks einem Depeschenboten, der ihn nach der Wohnung Miß Mary Elliots fragte. Der Kaufmann gab die Auskunft, daß im zweiten Stock, so viel er wisse, eine Dame ein möbliertes Zimmer inne habe— dies könne möglicherweise die Gesuchte sein. Er hörte darauf den Boten die Treppe hinauigehen und an der Tür des zweiten Stockwerks klingeln. Natürlich habe er sich nicht weiter mit der Sache beschäftigt, bis er am nächsten Tage in Bremerhaven von dem während seiner Abwesenheit in Hamburg geschehenen Morde gelesen. Da sei ihm die Erinnerung an jene Depesche aufgestiegen, und heute morgen hierher zurückgekehrt, machte er der Polizei eine diesbezügliche Mitteilung in der Voraussetzung, daß sich vielleicht durch den Inhalt der Depesche eine Spur des Mörders ermitteln ließe. Nach sofort vorgenommenen Nachforschungen hat sich nun diese Vermutung bestätigt. Miß Ellict hat, wie sich auf dem Depeschenamt seststellen ließ, am 14. Oktober eine am selben Tage um 11 Uhr 10 Minuten in Berlin aufgegebene und um 1 Uhr 13 Minuten hier ausgefertigte Depesche erhalten, deren Inhalt nach dem im Verliner Depeschenamt aufbewahrten Manustript lautet: vier Uhr 18 Berliner Bahnhof. Francis. Ohne Zweifel ist also in dielem„Francis“ der Mörder zu suchen. Daß dieser hier in Hamburg seinen ständigen Wohnort haben sollte, erscheint vollständig ausgeschlossen, da die Ermordete während ihres hiesigen Aufenthaltes nie irgend welchen Besuch empfing und sich einmal gegen ihre Wirtin geäußert hat, daß sie keinerlei Verwandte oder Bekannte in Deutschland besitzt. Dadurch wird der Fail noch verwickelter. Dazu kommt noch, daß Miß Elliot nie auch nur mit einem Worte den Grund erwähnte, der sie von Amerika nach Hamburg geführt und hier Aufenthalt nehmen ließ. Bemerkenswert ist ferner, daß die von Miß Elliot in Empfang genommene Depesche weder in ihrem Zimmer noch in irgend einem Kleidungsstück zu finden war. Ein Grund zur Vernichtung lag wohl für die Ermoderte nicht vor— die Annahme dürfte daher zutreffend sein, daß Dder Mörder sich nach vollbrachter Tat in den Besitz der Depesche zu setzen gewußt hat, dadurch einer möglichen Entdeckung vorEine weitere, in ihrer Art merfwürdige und wohl selten dastehende Entdeckung ist an der Ermordeten selbst gemacht worden. Bei der Untersuchung durch den Gerichtsarzt hat sich nämlich am Halse der Erwürgten deutlich der DaumenAbdruck des Mörders gefunden. Nach diesem zu urteilen, muß der Mörder an dem oheren Gliede seines rechten Daumens eine Narbe in der Form eines regelrecht gezeichneten Halbmondes tragen— ein Merkmal, das an der blutunterlaufenen Druckstelle am Halse Miß Elliots mit geradezu verblüffender Deutlichkeit ausgeprägt ist. Natürlich hat man diesen eigentümlichen Abdruck sofort photographisch festgehalten— vielleicht, daß er einen Anhaltspunkt für weitere Nachforschungen Ohne Hast, Zeile für Zeile langsam verfolgend, hatte Hagenow gelesen. Jetzt faltete er die Zeitung bedächtig zusammen und legte sie neben sich auf den Schreibtisch. Einen Augenblick breitete sich etwas wie eine verdunkelnde Wolke über seine Züge. Allein schnell diese Stimmung abschüttelnd, gewann er den gewohnten sicheren Ausdruck in ihnen wieder Es hatte ihm sa freilich wenig genützt, daß er seine an Miß Elliot gerichtet gewesene Depesche an sich genommen— man wußte nun doch, daß man in jenem„Francis" den Mörder vermuten konnte. Dabei würde man aber bleiben müssen, denn jede weitere Spur fehlte.(Forts. folgt.) Hausfrauenstreik. Humoreske von J. L. S. Sie war sehr böse auf ihn und hatte ihn doch so lieb. Kann denn das nebeneinander bestehen? O ja, ganz gut, wenn der Herr Gemahl zum Beispiel das Weibchen so scharf tadelt, wie Herr Eduard heut früh wegen zu viel Romanlesens getan. Die arme, kleine Ella! Keinen Bissen hatte sie vor Arger darüber beim Frühstück über die Lippen bringen können, und die mit Mohn bestreuten Hörnchen schmeckten doch sonst so prächtig zum Kaffee und heute—? Freilich hatte sie beim Lesen ihrer Romane die Braten öiter schon, erst gestern wieder, halb zur Kohle brennen lassen— aber sollte sie denn gar kein Vergnügen haben. während die Herren Ehemänner stundenlang im Wirtshaus miteinander plauderten oder dem nichtswürdigen Billardspiel frönten! Es war empörend— nein, geradezu lächerlich! Aber sie wallte ihm zeigen— schluchzend biß sie zornig in ihr Taschentuch— ja, was denn gleich— daß sie jetzt gerade erst recht Romane las! Sie hatte Unrecht getan, ihn von Haus aus so zu verwöhnen. Sie hätte nie allein kochen sollen. So etwas fiel den Romanheldinnen ja nie im Traum ein, sie streckten sich dafür lieber, stets in einem verführerischen Negligee, auf der Chaiselongue aus. Erregt lief sie zum Bücherschrank hin, langte sich einen dreibändigen Roman heraus und legte ihn mit entschiosseuem Gesicht vor sich hin. Den würde sie jetzt hintereinander auslesen. Und wenn er nach Hause kam und essen wollte, dann konnte er ins Gasthaus gehen... 9241 Sie begann zu lesen. Zwar wußte sie nicht recht, was sie las, denn zwischen den Zeilen schienen beständig die Worte: Feuer anmachen— Suppe— Braten— Kartoffeln — hin und her zu tanzen, doch sie las weiter. Ihr Mann kam vom Amt. Jetzt nur fest sein. „Nun, Liebchen,“ sagte er, sie beifällig betrachtend, was hast du uns denn heut' Gutes gekocht?“ „Romane— das heißt, nicht gekocht sondern geiesen.“ entgegnete sie kalt.„Von morgen an aber sei so gut, mir eine Köchin zu halten.“..g. ag# mi. I. „Und was soll ich heute essen; fragie er mit so langem Gesicht, daß sie beinahe aus der Rolle der marmornen Gattin gefallen wäre und gelacht hätte..„ 8 8 „Was dir beliebt,“ lautete die kühle Antwort. Im Restaurant gibt es ja mancherlei.“ Er sah sie starr an. Dann kam ein eigentümliches Leben in diese starren Züge. Es zuckte verdächtig um seine Mundwinkel, als ob er zu lachen anfangen wollte.„Daß ich ein Narr wäre!“ sagte er nach einer kurzen Pause,„dazu hat man ja gerade seine eigene Wirtschaft, um nicht genötigt zu sein, im Gasthaus zu essen. Willst du uns jetzt also schnell noch etwas kochen oder nicht?“ „Nein!“ antwortete sie empört. „Nun, dann werde ich dir zeigen, daß auch Männer kochen können.“ versetzte Herr Eduard kaltblütig.„'s ist ein Kinderspiel.“ Er warf Hut und Rock weg und ging in die Sie kehrte zum Sosa und ihrem Roman zurück und begann laut zu leien:.. harst uuf haem Goimn var i5. „Theuerstes Wesen,“ rief Egoert, auf den anien vor kyr liegend,„in deinen Händen ruht mein Glück!" „Und in meinen dein Porzellan!“ murmelte er draußen Aber sie hörle es nicht. Zwischen dem teuersten Wesen und dem interessanten, vor ihm auf den Knien herumrutschenden Egbert schienen die ganz gewöhnlichen Worte zu stehen: Er wird sich den Finger abhacken— Finger abhacken — Rock anbrennen— 0. o. Inzwischen begann der Gatte mächtig in der Küche herumzuhantieren und zu rumoren. Es klang. als ob alle darin befindlichen Gegenstände einen Hexentanz um ihn aufführten. prasselle das Feuer auf.„ g. Wirklich, er hatte Feuer bekommen. Warum argerte sie denn das? Was ging denn das sie an? Über das Buch hinweg, lauschte sie mit allen Sinnen zu der halb offen gebliebenen Tür in die Küche hinein. Jetzt schien er Wasser überzusetzen. Sie begann neugierig zu werden, was für ein ungeheuerliches Gericht er sich zusammenbrauen werde. Da sing ein großes Hin= und Herlausen in der Küche an. Dann eine plötzliche, unheimliche Stille wie vor dem „Bums!“ flog etwas krachend zur Erde nieder. Ach. es wird doch nicht etwa unsere große Bratenschüssel sein! Mann — Eduard!“ rief sie,„was war denn das!