lernacht. jedensengel. ückstr. 12. v. abends 8 Uhr spiels: eefolge 4 ung von Künstlern Ewald als westf. 6296 zier Platz 30 Pfg. indlung Neumann, r u. Dorka Märsche nden. BRAUS ktstr. 3—5 Do Sdmrimn Zeitugr euchegt dalch. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gill als Kassarabakt u. erlischt bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Richtbeachungd. gemnacht. Jahlungsbedingung. Amtnehses Kreisolht Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volksblatt Schwerter Volkszeitung Verbunden mit: Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Aüe daster und dohalgntgrüichen Berend. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Veröffentlichung in dei„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Abonnen= ten sü: jeden mit Tod endenden Unfast gebagungen“: 300 Mk. Unfall. Druch u. Verlag v. Carl Braus. Schwerte=Ruhr Fernsp. 62. Telegr.= Adr. Braus Schwerte=Ruhr“ Nr. 233. Montag, den 5. Oktober 1914. 46. Jahrgang Liebesgaben=Teansport Es für Angehörige des 7. Armeekorps. sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, Tir Hrattkirt., Gülistige Enlwillletung imn Westen! , Schwerte daß die Liebesgaben spätestens bis Dienstag mittag in unserer Geschäftsstelle(Gr. Marktstr. 3—5) abgeliefert sein müssen. Um eine gute Ueberkunst und eine rasche Verteilung an die einzelnen Verbände zu erreichen, wird gebeten, handliche Pakete von etwa 5—10 Pfd. Gewicht zu bilden und sie mit Aufschrift des Inhaltes zu versehen. Sehr zu empfehlen ist die Herstellung einer sogenannten „Liebeskiste", die folgende Gegenstände enthält: 1 wollene Unterjacke und Hose, 1 Leibbinde, 1 Paar warme Handschuhe oder Pulswärmer, ferner eine Wurst, 2 Tafeln Schokolade, Zigarren, Zigaretten und Tabak mit Pseife und Feuerzeug im Blechkasten. Wenn noch Platz vorhanden ist, können Suppenwürsel, Dörrobst, Lebkuchen, Briefpapier und Sicherheitsnadeln beigefügt werden. Pakete an bestimmte Adressen können selbstverständlich nur ohne Gewähr der Ueberkunft angenommen werden. Also auf, Ihr westfälischen Frauen und Mädchen, es gilt den Brüdern der roten Erde einen Gruß aus der Heimat zu bringen und ihnen zu zeigen, daß daheim treue Herzen für sie schlagen! — Ein frommes Volk— ein starkes Volk. Wenn wir in der Geschichte der Völker Umschau halten, so werden wir finden, daß ein Volk, sobald ihm Sittlichkeit und Frömmigkeit abhanden gekommen war, damit auch die Kraft und die Stärbe verloven hatte, seinen Feinden zu widerstehen, und ihnen unterliegen mußte. Bei einem Volke, das von seinem Gott weicht,„lösen sich alle Bande frommer Scheu; der Gute räumt den Platz dem Bösen, und alle Laster werden frei.“ Welche Verworsenheit zeigte sich bei den alten Griechen und Römern, als man ansfing, über die Religion zu spotten und das Heiligste in den Staub zu ziehen! Immer tiefer sanken diese Völker bis sie ih. ren Feinden erlagen u. ihre Reiche zusammenbrachen. Aber wir brauchen garnicht so weit in der Geschichte zurückzugehen, an unserem eigenen Volke haben wir es erfahren. Unser Volk mußte im Ausgange des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts keinen tiesten Niedergang erleben und sich dem Willen des korsischen Eroberers bedingungslos unterwersen, nachdem der Geist des Nationalismus, der Entfernung vom lebendigen Gottesglauben in den weitesten Kreisen der damaligen Zeit herrschend geworden war und mit ihm sich, wie das immer der Fall ist, frivole Lebensaufsassung und Genußsucht, Leichtfertigkeit und Lasterhaftigkeit aufs engste verbunden zeigten. Daher hat der berühmte Geschichtsforscher Heinrich von Treitschke einmal den schönen und treffenden Ausspruch getan, daß nur ein frommes Volk ein starkes Volk sein könne. Das hatte auch Proußens edle Königin Luise, der das Unglück ihres geliebten Vaterlandes das Herz brach, durchschaut, als sie schrieb „Weil wir von Gott abgesallen sind, deshalb sind wir so tief gefallen.“ Ja, nur ein frommes Volk ist auch ein starkes Volk. Das zeigte sich auch in den Zeiten großer nationaler Erhebung, die stets mit dem Geiste echter und starker Religiosität erfüllt waren. Das war der Fall in der Zeit der Befreiungskriege, in denen Ernst Moritz Arndt das deutsche Volk darauf hinwies, was ihm vor allem not täte, wenn er den deutschen Mann folgendermaßen charakterisierte: Wer ist ein Mann? Der beten kann Und Gott dem Herrn vertraut; Wenn alles bricht, er zaget nicht, Dem Frommen nimmer graut. Großes Hauptquartier, 4. Okt. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz geht der Kampf auf dem rechten Heeresflügel und in den Argonnen erfolgreich vorwärts. Die Operationen vor Antwerpen und auf dem östlichen Kriegsschauplatz vollziehen sich planmäßig und ohne Kampf. Genf, 3. Oktober. Aus allen privaten und amtlichen französischen Berichten geht hervor, daß Generaloberst von Kluck die eroberten Höhenstellungen von Noye und Fresnoy sehr erfolgreich ausgenutzt hat. Der beabsichtigte Vormarsch des französischen linken Flügels nach Nordosten sei dadurch fast aussichtsl.; geworden. Französischer Schlachtbericht. Berlin, 4. Okt. Dem Berl. Tagebl. wird aus Genf gemeldet: Das französische Kommuniquee von der letzten Nacht lautet: Auf unserem linken Flügel mußte eine unserer Abteilungen, die bei Arras hervorkam, im Osten und Norden dieser Stadt zurückgehen. Im Norden der Somme sind wir gegen Albert zu vorgeschritten. Zwischen Roye und Lassigny hat der Feind heftige Angriffe unternommen, denen wir Widerstand leisteten. Auf der übrigen Front herrscht absolute Ruhe. Um St. Mihiel herum soll auf dem linken Ufer der Maas kein Feind mehr stehen(?). Das Ende Antwerpens! Großes Hauptquartier, 4. Oktober. Im Angriff auf Antwerpen sielen auch die Forts Lierre, Waelhem, Königshoogt und die dazwischen liegenden Redouten. In den Zwischenstellungen wurden 30 Geschütze erobert. Die in dem äußeren Fortgürtel gebrochene Lücke gestattet den Angriff gegen die innere Fortlinie und gegen die Stadt vorzutragen. WXB. Christiania, 3. Okt.(Nicht amtlich.) Der militärische Mitarbeiter der„Aftenposten“ schreibt heute: Deutschland besäße gewaltige Hilfsquellen, um die Belagerung von Antwerpen und anderer größerer Festungen durchführen zu können. Wenn erst einmal der äußere Fortgürtel im bestze der Deutschen sei, sio sei es wahrscheinlich, daß die innere Fortkette nicht widerstehe. Die deutschen Kanonen könnten dann über die innere Fortkette die Stadt ombardieren, so daß es kaum wahrscheinlich sei, daß die Velgier die Verteidigung dann fortsetzen würden. Es sei zu erwarten, daß die Feindseligkeiten überhaupt zwischen Deutschlund und Belgien eingesteilt würden, sobald Großes Hauptquartier, 3. Oktober. Im Osten sind das 3. sibirische und Teile des 22. Armeekorps, welche sich auf dem linken Flügel der um den Njemen vordringenden russischen Armee befanden, nach zweitägigem erbittertem Kampfe bei Augustow geschlagen worden. Ueber 2000 unverwundete Gefangene, eine Anzahl Geschütze und Maschinengewehre wurden erbeutet. Königsberg, 5. Okt. Das stellvertretende General=Kommando in Königsberg hat vom GeneBerlin, 4. Okt. Die„Verl. Neuesten Nachrichten“, erhalten folgendes Telegramm Korrespondenten in Nom: Ich erfahre soeben, daß Frankreich, England und Rußland durch einen gemeinsamen Schritt ihrer Botschafter von der Pforte die Oeffnung der Dardanellen verlangt und um eine bestimmte Antwort unter Stellung einer kurzen Frist ersucht haben.— Das kommt einem Ultimatum gleich und bedeutet im Falle der mit Sicherheit vorauszusehenden ablehnenden Antwort den Kriegszustand zwischen der Türkei und den Mächten des Dreiverbandes, falls diese nicht etwa die äußeren Forts genommen seien, da dann keine Aussicht mehr sei, das Schreckbild der Verbündeten auszuführen, englische Territorialsoldaten in Antwerpen zu landen. Ganz davon abgesehen, daß diese erst nach Monaten Kriegswert erlangten. Mit der Einnahme von Antwerpen würde die Lage der Deutschen noch ganz besonders gebessert. WTB. London, 3. Okt.„Exchange Telegraph“ meldet aus dem Haag: Als die ersten Granaten in Antwerpen hineinfielen, brach eine Panik in der Stadt aus. Da zeigte sich der König auf dem Balkon des Schlosses, ermahnte das Volk, die Ruhe zu bewahren und, seinem Beispiel folgend, abzuwarten, was da kommen würde. Die Belgier ziehen sich zurück. Berlin, 4. Okt. Der„Lokalanzeiger“ meldet alis Kopenhagen: Vom Ministerium des Aeußeren in Antwerpen wird der bolgischen Gesandtschaft in London mitgeteilt, daß die belgischen Truppen nach fünftägigen harten Kämpfen über den Fluß Nethe zurückgegangen sind. ralstab die Ermächtigung erhalten, über die bereits gemeldeten Kämpfe bei Augustow folgende ergänzende Meldung zu veröffentlichen: Die Russen sind in zweitägigem Kampfe bei Suwalki am 1. und 2. Oktober vollständig geschlagen und haben 3000 Gefangene, 18 Geschütze, darunter eine schwere Vatterie, viele Maschinengewehre, Fahrzeuge und Pferde verloren. an die Turher! nur einen Schreckschuß beabsichtigt haben, und bei dessen Versagen zunächst noch mal eine abwartende Haltung einnehmen. Aber auch in diesem Falle würde es sich nur um einen kurzen Aufschub handeln können. Die Spannung der Lage im östlichen Mittelmeer dringt zu einer Lösung, wie diese auch beschaffen sein mag. Die Rückwirkung auf die übrigen Balkanstaaten läßt sich noch nicht überblicken, sie wird voraussichtlich eine weittragende sein und den Ausgangspunkt für einen neuen Abschnitt des Weltkrieges bedeuten. So war es dann wieder im Jahre 1870, als von neuem Napoleon uns zum Kampfe zwang. Während die Franzosen auf„Siegesspuren“ ziehen wollten und sich von Anfang an in prahlerischen, hochmütigen und gottlosen Worten und Redensarten ergingen, rangen sich in Deutschland heiße Gebete zum Himmel empor, die Kirchen füllten sich mit Andächtigen, die in srommer Demut am allgemeinen Buß- und Bettage zum Gebet versammelt waren, und der fromme König Wilhelm stärkte sich im Gebete im Mausoleum zu Charlottenburg am Grabe seiner Eltern. Da zeigte es sich, daß Gottesfurcht und Gottvertrauen noch die starken Wurzeln des deutschen Volkes waren. Darin lagen aber zugleich die Wurzeln seiner Kraft und Stärke; denn„die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren wie Adler“, sagt der Psalmsänger in stolzem Siegeszuge, und bei Sedan ergriff er mit seinen starken Fängen den gallischen Hahn, daß ihm schier der Odem ausging Auch der Krieg aber, den wir gegenwärtig um unsere Existenz führen, hat die Herzen des deutschen Volkes wieder Gott erschlossen. Wir haben wiedder beten gelernt und uns von neuem auf den Quell aller Stärke besonnen, der nur in Gottvertrauen und Gottessurcht zu suchen ist. Wir sind noch ein frommes Volk und darum auch ein starkes Volk. Gebe Gott, daß wir es für alle Zukunft bleiben. Unsere Verwundeten. Berlin, 3. Okt. WTB.(Nicht amtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg.“ teilt Beobachtungen des Generalarztes und Chef des Feldsanitätswesens, von Schjerning, über die Organisation der Kriegskrankenpflege mit, in denen es u a. heißt: Im Westen haben sich Organisation und Material durchaus bewährt. Es sei zu bedenken, daß zunächst in Belgien die Armee ohne Train und ohne Sanitätseinrichtungen vorschreiten mußte. Darauf begannen die großen und kleinen Schlachten mit bedeutenden Verlusten und in weit ausgedehnten Strecken. Alle Verwundeten konnten auf dem Schlachtfelde ordnungsgemäß verbunden werden, so daß meist der erste Verband auf dem ganzen Transport liegen bleiben konnte. In einer Woche habe es 40 bis 50000 Leichtverwundete gegeben, und diese seien in die Heimat geschickt worden. Aerzte und Krankenpfleger hättn Tag und Nacht mit Aufbietung aller Kräfte gearbeitet und die höchste Belobigung des Kaisers und der Kommandostellen gesunden. Der Krieg von heute sei rücksichtslos, töten doch die Gegner selbst die Verwundeten in der Gefangenschaft und ermorden die Aerzte und Krankenpfleger. Man darf aber Einzelheiten nicht verallgemeinern. Es standen über 9000 Aerzte im Felde. Schwierigsei bisweilen der Transport vom Schlachtfelde zur Etappe. Es seien aber bereits weitere Transportmittel beschafft. Der Krieg gegen Frankreich. Der neue Generalquartiermeister. Berlin, 3. Oktober.(Amtlich.) General von Voigts=Rhetz ist mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Generalquartiermeisters beauftragt. Er war bis zum Kriege Ches des Generalstabs beim Gardekorps, bei Kriegsbeginn Chef des Stabes des Generalquartiermeisters. Sein Nachfolger in dieser Stellung ist der königl. hayrische Generalmajor Zoellner geworden. Unbekannte Waffen sind im allgemeinen die Behelsohandgranaten und Brandröhren, die bei der Erstürmung des Verdun=Forts Camp des Nomains eine große Rolle gespielt haben. Schon im Mittelalter war 0 M 4 A M 5 der Gebrauch der Handgranaten bekannt, aber erst die Japaner haben diese Wasse im modernen Krieg mit entschridendem Erfolg angewandt. Die Behelfsgranaten u. Brandröhren sind völberrechtlich zugelassene Kampfmittel, erstere sinz einsache Sprengkörper, die auf ein Brett, das etwa wie eine Maurerkelle aussieht, besestigt, untereinander verbunden und mit einer Zündschnur versehen sind. Je nach der Länge der Schnur dauert die Zeit bis zur Explosion mehrere Minuten, so daß der die Handgranate in die Festungsgräben wersende Soldat sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Die Brandröhren sind mit einem Querholz an langen Stangen befestigt, die surchtbare Dämpfe entwickeln. Ihre Träger suchen sich an der Festungswand entlang den Lücken zu nähern, aus denen heraus die feindlichen Geschütze ragen. Blitzschnell halten sie die Brandröhren hinein und durch die Dämpfe werden die Gegner sofort betäubt! Natürlich setzen diese Wafsen bereits den erbitterndsten Nahkampf voraus. Zeppelin an die Front. Christiania, 5. Okt. Der Pariser Korrespondent von„Aftenposten" berichtet, Graf Zeppelin sei an die Westfront abgegangen, um den Oberbefehl über das Flugwesen zu übernehmen. Die Schlachtlinie der Franzosen habe nunmehr eine Ausdehnung von 1200 Kilometern. Aus der Desensive sei der Feind(die Deutschen) wieder zur Ofsensive übergegangen. Pichon über die Schlacht an der Marne. Paris, 5. Okt. Im„Petit Journal“ bespricht Pichon die militärische Lage. Er erklärte, man darf sich keines übermäßigen Optimismusses hingeben. Wir werden noch lange gegen schwere Hindernisse anstürmen. Berlin wird noch nicht morgen von den Russen besetzt. Wir werden noch nicht morgen den Festungskrieg gegen den Gegner beendigen, welcher in Gräben versteckt ist und weittragende Artillerie und gewaltige Kampfmittel besitzt, um unseren Ansturm aufzuhalten. „Die fleißige Bertha“. Christiania, 5. Okt. Ein aus Belgien heim. gekehrter Norweger berichtet in der„Annonce Tidende“ in Bergen über den Eindruck, den die deutschen 42 Ztm.=Geschütze machen. Er habe in einer Stadt in der Nähe von Antwerpen gewohnt, die von den Deutschen besetzt gewesen sei. Unter der deutchen Artillerie, die gegen Antwerpen aufgestellt sei, hätten sich auf den Höhen mehrere 42 Ztm.-Mörser besunden. Es sei verboten gewesen, mehr als bis auf einen Kilometer heranzutreten. Die ganze Stadt bebte, wenn die Mörser die mächtigen Geschosse in Abständen von einer hallben Stunde abfeuerten. Es war wie der Ausbruch eines Vulkans. Sinkende Siegeshoffnungen in Frankreich. Mailand, 3. Okt. Nach dem Pariser Korrespondent des„Corriere della Sera“ sinkt die Hoffnung auf einen entscheidenden Sieg über die Deutschen immer mehr. Wer in der vorigen Woche die Umgehung des rechten deutschen Flügels für sicher hielt, ist nunmehr von der Unmöglichkeit einer schnellen Lösung der Lage durch einen Hauptschlag gegen die Deutschen überzeugt und sieht jetzt nur noch eine sehr lange Dauer der Kämpfe bis zur Erschöpfung der Gegner voraus Im übrigen scheint aus den Pariser Depeschen an italienische Zeitungen hervorzugehen, daß man in Paris immer noch nicht von der Einnahme des Fort Camp des Romain durch die Deutschen unterrichtet ist. Der Pariser Korrespondent des„Secolo“ schließt beispielsweise sein Telegramm der letzten Nacht mit den Worten:„Die Verbündeten halten die Höhen südöstlich Verdun und nördlich von Spada besetzt und verhinern so das von dee Deutschen versuchte Vorgehen in der Richtung auf die Mosel bei St. Mihiel. Die Riesenschlacht im Westen. Paris, 5. Okt. Ein amtliches Bulletin vom 3. Oktober besagt: Auf dem linken Flügel dauern die Kämpfe an. Die Deutschen haben große Verstärkungen herangezogen. Aus dem Zentrum und aus den Argonnen ist nichts Neues zu meldent. Der gefangene Sohn Delcassees. WTB. Berlin, 3. Okt. Die Morgenblätter melden: Der Sohn Delcassees, welcher Schüsse durch beide Oberschenkel erhalten hat, wurde, laut„Voss. Ztg.“, als geheilt aus dem Lazarett aus Merseburg nach dem Gefangenenlager in Halle a. d. S. übergeführt. Er rühmt die sorgfältige und liebevolle Behandlung der spanzösischen Verwundeten in Deutschland. Die wiederhergestellte Marschallswürde. Die in Bordeaux erscheinende Ausgabe des Matin meldet, daß infolge Dekrets vom 29. September die Besoldung eines„Marechal de France“ auf 30,375 Frank festgesetzt worden sei und daß dies einer Wiederherstellung jener Würde in Frankreich gleichkomme Das Blatt meint, daß man von diesem Beschluß gute Erwartung haben dürse und das man, ohne daß ein Name genannt wird, begreift, wer im 20. Jahrhundert der erste Marschall von Frankreich sein wird. Erschütternde Szenen erleben unsere tapfferen Soldaten oft in der Ausübung ihrer anbefohlenen Besehle. So war bei einem Angriff auf Chenieres von der Bevölkerung aus die deutschen Truppen geschossen worden und es erging der Befehl, in das brennende Dorf einzudringen und Männer und Frauen zur Strafe und Warnung niederzumachen. Als den deutschen Mannschaften dieser Befehl erteilt wurde, verschwand auf einmal aller derber Humor und laute Munterkeit, mit der die tapseren Reihen bisher selbst gegen das verheerende Salvenseuer angestürmt waren. Es ging wie ein tiefer Atemzug durch die Kolonne der schweigenden Männer. Aber der Besehl war erteilt und da gab es kein Auflehnen. Mit ausgepflanztem Bajonett, die Kugeln im Lauf, ging es im Laufschritt auf die Häuer zu, mit zusammengebissenen Zähnen durch die immer noch fallenden Kugeln der Franktireurs hindurch, und sing in den Häuserreihen, auf den Hausfluren und Treppen, in den erbrochenen Wohnungen die blutige Arbeit an. Es spielten sich gräßliche und herzzerreißende Szenen ab, und so manches Auge der harten, todgewohnten Soldaten glänzte feucht. Noch Stunden später erzählte einer ganz erschüttert, daß er eine Frau, die das Gewehr auf ihn angelegt hatte, niedergeschossen habe, daß er das Bild aber nicht vergessen könne, denn jene Frau habe eine täuschende Aehnlichkeit mit seiner Gattin gehabt! überall Geiseln festnehmen, die mit ihrem Leben für die Sicherheit der deutschen VerbinvungsliniLinie Verviers—Lüttich—Löwen—Brüssel bür gen müssen. In den Gemeinden längs der Grenze wurde bekannt gegeben, daß die Geisseln sofort erschossen werden, falls neue Versuche zur Zerstörung von Eisenbahnen, Telegraphen und Telephonlinien gemacht würden. Auch die Dörser in der Nähe der Verbindungslinien werden mit dieser Strafe bedroht. Vom letzten Zeppelinbesuch über Antwerpen. Rotterdam, 4. Okt. Der„Kriegsztg.“ wird von hier gedrahtet: Ueber den letzten Besuch eines Zeppelins in Antwerpen wird von belgischer Seite gemeldet: Das Luftschiff traf nachts 3½ Uhr ein, während die Kanonen der belgischen Forts das Feuer der deutschen Artillerie erwiderten. Der Zeppelin wurde von belgischen Scheinwersern beleuchtet und konnte von mehreren Punkten der Stadt aus sehr gut beobachtet werden. Er passierte über Randt und wurde dann von den Forts in Wyneghem sehr heftig beschossen. Das Luftschiff warf inzwischen Bomben in der Nähe des Forts Berchem.— Aus Brüssel wird gemeldet, daß die Deutschen dort neue Luftschiffhallen errichten und die bestehende Halle verlängern.411132 Ein„sauberer" belgischer Offizier. WTB. Brüssel, 3. Okt. Nachstehender Brief des Grasen Georg d’Ursel, Leutnant im achten gischen Infanterie=Regiment, ist in die Hände der Behörden gelangt: Zele, 24. 9. Geliebte Mama! Ich habe Deinen Brief erhalten, aber erst gestern. Ich werde zwei Brisfe schreiben, einen durch diesen Kurier und den anderen auf dem von Dir angegebenen Wege. Uns beiden geht es sehr gut. Wir sind sind sehr betrübt über den Tod des armen Wolsy und des tapferen Henry. Ich hofse, daß diese verdammten Deutschen balld aus dem Lande verjagt werden. Du wirst zugegen ssein bei unserm Einzug in Brüssel. Welch ein Festtag. Alsdann wird sofort ein großer Vorrat vom Streichhölzern um das Feuer gelegt, um Köln und überall da, wo wir durchziehen Von nun an keinen Verwundeten und Gefangenen mehr. Man tötet alles. Wir sind noch sehr reich. Wir brauchen noch nicht die Einkünfte von Papa. Unsere Erlebnisse in Frankreich und unsere Rückkehr erzähle ich Dir, sobald ich Zeit dazu habe. Schreibe mir, wie es in Brüssel aussieht; wenn möglich, durch densele ben Kurier, und wenn Du eine Gelegenheit hast, dann besuche uns hier Eine Million Küsse für Euch alle und bis auf Wiedersehen, sso Gott will. Georg.“ Nikolaus ohne Wissen des Zaren die Mobilisic= rung der Armee an. Er war es auch, der mit der ihm ergebenen Hofbeamtenschaft dafür sorgte, daß der Zar noch mehr von der Außenwelt abgeschlossen und in Unkenntnis über die wirklichen militärischen Zustände im Reiche gehalten wurde. Als das russische Heer bereits den Vormarsch angetreten hatte, erzwang er vom Zaren mit der unwahren Behauptung, daß die Deutschen bereits in Polen einmarschiert seien und deutsche Agenten eine Revolution zur Vernichtung dues Zarentum und des ganzen Kaiserhauses angezettelt hätten, die Unterschrift zum Mobilmachungsbesehl, die dann schweren Herzens erteilt wurde. Die russischen Verluste. Rom, 4. Okt. Die österreichisch=ungarische Botschaft gibt bekannt: Nach den letzten amtlichen Mitteilungen betrugen die Verluste der russischen Heere auf den verschiedenen Kriagsschauplätzen 250 000 Soldaten als Gesangene und etwa 2100 Kanonen. Wenn man dazu etwa die gleiche Zahl Tote und Verwundete rechnet, so beläuft sich die Zahl der russischen Verluste eher mehr als weniger auf 500000 Mann. Wenn auch die Verluste an Mannschaften leicht durch die unerschöpflichen Reserven des Kaiserreiches ausgefüllt werden können, so muß doch der Verlust von einem Viertel des gesamten Artillerieparks als ein sast unersetzlicher Schaden betrachtet werden. Aus Südrußland. Wien, 4. Okt. Nach einem Bericht der Südslavischen Korrespondenz aus Sosia liegen dort Meldungen aus Warna vor, wonach Reisende, die aus Südrußland eintreffen, erklären, daß in Odessa die Spitäler u. Kasernen mit Schwerverwundeten überfüllt sind. Die meisten Verwundungen rührten von Schrapnellschüssen her, wobei von russ. mil. rischer Seite festgestellt wurde, daß die österreichisch ungarische Artillerie wahre Verwüstungen Der Krieg gegen Belgien. Die deutschen Erfolge vor Antwerpen. Amsterdam, 5. Okt. Das hiesige„Handelsblatt“ meldet: Sämtliche Südost=Forts von Antwerpen befinden sich jetzt in deutschen Händen. Dieselben sind ganz zusammengeschossen. Die eroberten Forts sind sämtlich von modernster Konstruktion, Deutsche Vorsichtsmaßregeln. Berlin, 4 Okt. Dem„Lokalanz.“ wird aus Rotterdam gedrahtet: Aus Maastricht meldet der „Nieuwe Rotterdam'che Courant“, daß die Deutschen in den Orten an den Eisenbahnen entlang Der Krieg gegen Rußland. Die Mundtotmachung des Zaren. Die früheren Meldungen, daß die Kriegspartei unter Führung des Großfürsten Nikolaus Nikola= jewitsch gegen den Willen und ohne Wissen des Zaren die Mobilisation des russischen Heeres angeordnet habe, wird von der„Coburg. Ztg.“ bestätigt. Da man annehmen darf, daß die betreffende Meldung aus den Kreisen der HerzoginWitwe Maria von Sachsen=Coburg, einer russischen Großfürstin, stammt, so verdient sie jedenfalls Beachtung Danach haben in den letzten Julitagen in Sarskoje=Selo äußerst heftige Auseinandersetzungen zwischen dem Zaren und feiner Anhängerschaft einerseits und dem Großfürsten Nikolaus und seiner Gesolgschaft andererseits stattgesunden. Der Zar wünschte mit Kaiser Wilhelm den Frieden zu erhalten. Da der Zar nicht umzustimmen war, ordnete der egoistissche Großfürst urter den russischen Truppen angerichtet hat. Allgemein wird auch über Mangel in der russischer Armee geklagt. —— Der Krieg gegen England. Kein englisches Kriegsschiff im Kattegat. Stockholm, 4. Oktober. Die Frankf. Ztg meldet von hier: Der seit mehreren Tagen herrschende Sturm hat große Verheerungen angerichtet. Englische Kriegsschifse haben infolge des Sturmes anscheinend große Havarien erlitten, wenigstens hat kein Schiff sich nach dem Sturm mehr im Kattegat sehen lassen. Die Engländer unter sich. Frankfurt a. M., 4. Okt. Die„Frankf. Ztg.“ meldet aus London: Sir Edward Carson sagte in einer Versammlung des Ulsterrates, daß er auch nach dem Kriege sofort beantragen werde, das Homerule für Ulster außer Kraft zu setzen und daß die Ulsterfreiwilligen, die sich jetzt dem Kriege weihen, für die Durchführung seines Vorschlages sorgen würden. Der frühere Minister Long sandte dem Ulsterrat einen Brief, in dem es heißt, die liberale Presse werfe den Unionisten vor, daß sie beständig von einer verräterischen Haltung der Regierung sprächen. Die englische Regierung sei, wie die eigenen Landasgenossen zugeben, verräerisch; sie sei es auch in der äußeren Politik gewesen, und in der Homerulesache habe sie nicht Wort gehalten. Die deutschen Kreuzer in der Südsee. WTB. Vordeaux, 4. Okt.(Nicht amtlich.) Amtlich wird vom französischen Kriegsministerium mitgeteilt: Die deutschen Kreuzer„Scharnhorst“ und„Gneisenau“ sind am 22. September vor Papeete auf Tahiti erschienen und haben das kleine Herztos. Roman von Louise Cammerer. „Du bringst es über Dich, Susanna aus dem Hause zu geben?“ fragte der Justizrat erstaunt. „Dein Kind befindet sich unter der Obhut und Erziehung Fräulein von Sandens doch in den vorzüglichsten Händen! Ich schätze das Fräulein sehr hoch, und falls in Deinem Hause eine Veränderung stattfände, würde ich es sofort für meine Nora als Erzieherio aufnehmen!" „Aberich denke ja gar nicht daran, die Sanden ge ontlassen,“ erwiderte Wilten ärgerlich.„Maehilde ist der gute Geist meines Hauses, der stets allen Unfrieden auszugleichen sich bemühte und selbst Hermine hie und da zur Raison brachte. Ich beabsichtige ihr Salär zu erhöhen und sie in ihrer seitherigen Stellung zu belassen.“ „In einer Stellung als Erzieherin Deiner Kinder und Repräsentantin Deines Haushaltes, dem Frau und Kinder fehlen!“ meinte Börne lächelnd. „Ob die Dame bei ihrer Jugend und unter den bestehenden Verhältnissen bei Dir bleiben wird, ist fraglich, außer, sie wüßte eine gutbesoldete Stellung besser einzuschätzen, als ihren guten Ruf!“ „Anständige Mädchen kümmern sich nicht um altes Basengeschwätz,“ rief Wilten aufbrausend, „und keiner steht so hoch, daß sich die Verleumdung nicht an ihn heranwagte! Mein Gott, ja, ich habe Glück gebabt, meinen Weg gemacht, und da ist es nur begreiflich, wenn Neid und Mißgunst sich geschäftig regen und ich vielfach angefeindet werde. Die Welt sieht eben nur den äußeren Erfolg; die Jahre mühevollen Strebens, der Sorge und der rastlosen Arbeit, die dazwischen liegen, zählen nicht mit! Außer meinem kaufmännischen Personal beschäftige ich in meiner Fabrik an tausend Arbeiter; selbstverständlich kann man es nicht jedem recht machen, befinden sich doch auch unzufriedene Elemente darunter!“ „Sehr begreiflich, umsomehr, als Du in Geldsachen viel zu rigoros denkst, um Deinen Gefühlswallungen jemals irgendwelche Rechte einzuräumen!" bestätigte Börne sarkastisch. „Jenun— jeder ist sich selbst der Nächste, sobald es die eigenen Interessen zu wahren gilt,“ erwiderte Wilten etwas gereizt.„In dem Punkte fühle ich mich weder besser noch schlechter wie andere und lebe der Ueberzeugung, auch Freund Börne verstehe in geschäftlichen Angelegenheiten keinen Spaß, sondern wisse seinen Vorteil zu wahren!“ „Nur soweit und sofern, als es sich mit meinen menschlichen Ehrbegriffen und Grundsätzen verträgt!“ gab Börne mit ruhiger Bestimmtheit zur Antwort. Eine lebhafte Röte überflog sein feines Angesicht.„Gewiß halte auch ich es für eine Pflicht und Aufgade des Mannes, emporzustreben und zu erwerben, und gehöre zu den Personen, die den selbsterworbenen, reellen Besitz zu schätzen wissen; dennoch bin ich aber humanen, zeitgemäßen Fragen und Bestrebungen nie aus dem Wege gegangen und verabscheue eine Bereicherung und Ausbeutung, die auf Kosten meiner Mitmenschen geschieht, und die selbst vor den verwerflichsten Mitteln nicht zurückscheut, um das Scherflein der Armut an sich zu bringen, aus tiefster, vollster Seele! Hier ist die Scheidegrenze, die den rechtlich denkenden, anständigen Menschen von dem gewissenlosen Wichte trennt, und unlautere Geschäftsmachinationen größeren Stiles, wie sie in den letzten Jahren vielfach zustande kamen und stets mit einer großen Schädigung des großen Publikums verbunden waren, kann ich weder vom menschlichen noch vom juristischen Standpunkte aus billigen!“ Wilten suchte sich zu erheben, doch seine Glieder versagten ihm den Dienst. „Das heißt man klar und deutlich gesprochen und Deine Worte bedürfen keines weiteren Kommentars!" erwiderte er brüsk.„In Zukunft hoffe ich Deinen juristischen Rat und Beistand in meinen Rechtsfällen entbehren zu können. Es gibt außer Dir noch Rechtsanwälte genug, die sich um meine Klientschaft bemühen!" Börne zuckte bedauernd die Achseln. „Es sollte mir leid tun, Dich beleidigt zu haben, zumal mir jede persönliche Absicht fern lag; trotz alledem nehme ich kein Jota des Gesagten zurück, und so gern ich Dich und jeden anderen meiner Klienten in ehrenhaften Rechtsstreitigkeiten mit Rat und Tat vertrete, für fragwürdige Experimente, die mich in meiner Selbstachtung entwerten, gebe ich mich nicht her, dafür sind mir mein Name und mein Ruf zu lieb!" „Schon gut, schon gut!" Mit einer geringschätzigen Handbewegung schnitt Wilten ihm die Rede ab.„Ich weiß, was ich von Dir zu halten habe und werde mich künftig danach zu richten wissen, und ehe Mathilde von Sanden in Dein Haus kommt, begehe ich die Torheit, sie zu heiraten!" „Mit Dir ist heute nicht mehr zu rechten, Wilten, und für uns beide wird es höchste Zeit, zur Ruhe zu kommen. Gott Bacchus verwirrt uns das klare Denkvermögen," gab Börne gelassen zur Antwort, rief einen Diener herbei, ließ sich in seinen Ueberzieher hüllen, machte vor Wilten eine förmliche Verbeugung und ging. Auf der Straße atmete er einige Male tief auf und sog begierig die erfrischende Luft ein. Die schwüle, blumen= und weingetränkte Atmosphäre des Speisesaales hatte ihm großes physisches und psychisches Unbehagen gebracht, das noch von einer Empfindung des Widerwillens gegen Wilten verstärkt ward, und er beschloß, seine geschäftlichen Beziehungen zu dem selbstsüchtigen, jede höhere menschliche Regung dem Moloch„Geld" unterordnenden Manne endgültig. abzubrechen. 3. Kapitel. Wilten kam vorerst nicht sogleich wieder auf sein Heiratsprojekt zurück, wiewohl er es nicht aus dem Auge verlor. Eine Lohnbewegung unter seinen Arbeitern, die in einen ernstlichen Ausstand überzugehen drohle, mußte mit Rücksicht auf bedeutende überseeische Handelsabschlüsse auf gütlichem Wege beigelegt und die Forderungen der Arheiter bewilligt werden. Es war dies eine empfindliche Niederlage für den glückverwöhnten Mann, der seither stets, nur dem eigenen Vorteil lebend, sich gegen alle humanen Zeitfragen ablehnend verhielt, oder wenn diese fordernd an ihn herantraten, mit einem bedauerlichen Achselzucken und halben Versprechungen auf die Zukunft auszuweichen gesucht, sich jetzt aber vor die Alternative gestellt sah, entweder nachzugeben oder geschäftlich wortbrüchig zu werden. Nach Art reizbarer Naturen trug er die ganze innere Erbitterung und den Groll an seine Untergebenen über, die denn auch unter seiner galligen Stimmung viel zu leiden hatten. Zu dem einen beträchtlichen Gewinnausfall kamen kurz nacheinander noch weitere. Im fiebernden Verlangen, Geld auf Geld zu häufen, hatte er sich in den letzten zwei Jahren mit bedeutenden Kapitalien an einigen Spekulationen beteiligt, deren Bonität von allem Anfang an sehr gewagt schien und die sich denn auch als total mißglückte erwiesen. Dazu trafen auch aus Südamerika, wo ein Guerillakrieg ausbrach, sehr ungünstige Nachrichten ein. Vergeblich bemühte sich Susanna, den Vater aufzuheitern, ihm die Sorgen wegzuschmeicheln. Sie war ein Kind des Frohsinns, das sich nur wenig um die Geschäfte des Vaters kümmerte: als dieser jedoch immer verdrossener und erregter wurde, verlor auch sie ihre frische Heiterkeit. Der Zeitpunkt ihres Eintritts in das Pensionat war auf den Spätherbst festgesetzt worden, und ohne die geschäftlichen Zwischenfälle hätte sie sich über alle Maßen glücklich gefühlt. Die ständigen Aufregungen zehrten an Wiltens Gesundheit. Er verfiel sichtlich, verlor alle Eßlust und sprach desto mehr dem Weine zu. Alle Bemühungen Susannens, den Vater zu erheitern und zu zerstreuen, blieben erfolglos, und die Befürchtung einer amerikanischen Krise raubte ihm vollends alle Ruhe. 202.10 Kanonenboot„Zelee“, das seit dem 14. September abgerüstet im Hassen lag, in Grund geschossen. Hierauf beschossen sie die ossene Stadt Papecte und fuhren weiter. Die Mitteilung drückt zum Schluß die Hoffnung aus, daß den beiden Schissen sehr bald die Kohlen ausgehen würden.(Notzz des Wolffbureaus: Hierzu wird uns von unerrichteter Seite mitgeteilt, daß Papeete durchaus nicht als offene Stadt gelten kann, da es ein Forts und drei Batterien mit etwa zwanzig Geschützem verschiedenen Kalibers hat.) Der Khedive bleibt in Konstantinopel. Konstantinopel, 3. Oktober. Das Vorgehen Englands gegen den Khediven wird allgemein als Verletzung der türkischen Souveränität über Egypten aufgefaßt. In diesem Sinne erhielt auch gestern der englische Botschafter auf der Pforte einen unzweideutigen Bescheid. Dieser ging dahin, daß der Khedive einer Aufforderung seines Souveräns entsprechend in Konstanstinopel bleiben werde. In der Umgebung des Khediven versichert man, daß neue Ultimatum Englands an den Khediven sei auf persönliche Einwirkung Lord Kitcheners zurückzuführen, der rachsüchtig sei und während seiner Amtsführung in Kairo vor aller Welt zu einem vernichtenden Schlage gegen den Khediven habe ausholen wollen In den hiesigen englischen Kreisen wird das Vorgehen gegen den Khediven mit Bedauern als ein Zeichen der zunehmenden Nervosität in London und als Fehlschlag beurteilt. Der Krieg gegen Japah. Die Kämpfe um Kiautschou. Berlin, 3. Oktober. Die„Verl. Ztg.“ meldet aus englischer Quelle über die Vorgänge bei Kiautschon: Am 27. September drangen japanische und englische Kräfte bis zum Listun=Flusse vor, wo ihr rechte: Flügel von drei deutschen Schissen beschossen wurde. Die Verluste der Japaner und Engländer betrugen 150 Tote; die deutschen Verluste sind nicht bekannt. Ein deutsches Kanonenboot wurde zwar heftig beschossen, ist aber anscheinend unbeschädigt geblieben. Am folgenden Tage, an dem Tsingtau zu Lande abgeschnitten wurde, beschossen die Japaner von einer Linienschiffs=Division aus zwei deutsche Küstenbatterien, die das Feuer kräftig erwiderten. Das Ergebnis der Beschießung ist noch nicht bekannt. Am 29. eröffneten die Verbündeten einen Angriff auf die vorgeschobenen deutschen Stellungen; die Deurschen antworteten sehr kräftig. Doch japanische Truppentransporte nach Europa? Berlin, 4. Okt. Die„Voss. Ztg. meldet aus Kopenhagen. Die„Politiben" bringt heute früh einen Bericht eines angeblich zuverlässigen, in Sibirien ansässigen Meiereibesitzers, der am 26. September auf der Reise von Moskau nach Memel in Dünaburg japanische Truppentransporte für Wilna bemerkt haben will. Er will die Japaner an den Unisormen und der Ausrüstung erkannt und von Bahnpersonen erfahren haben, daß bis dahin 160 Züge von je 35 Wagen passiert wären, die eine zwölf- und fünfzehntägige Reise ab Wladiwostok hinter sich hatten. Transporte würden im übrigen sehr geheim gehalten und beliefen sich im ganzen auf 150 000 Mann. Unsere Verbündeten in China. WTB. Wien, 3. Okt(Nicht amtlich.) „Neue Wiener Journal“ veröfsentlicht einen aus Tsingtau vom 4. August datierten Brief eines Unteroffiziers des österreichisch-ungarischen Kreuzers „Kaiserin Elisabeth“ an seine in Wien lebenden Eltern, in welchen es a. u. heißt: Unser Schiff wurde telegraphisch hierher beordert, wo es gemeinsam mit der deutschen Flotte gegen den Feind operieren wird Gott schenke uns den Augenblick, in dem wir mit dem Schwerte in der Hand unserem Vaterlande dienon können. Am 29. Juli tvaf hier die Nachricht ein, daß Oesterreich=Ungarn an Serbien den Krieg erklärt habe. Mit vielhundertstimmigen Hurra wurde das Telegramm begrüßt. In der Ferne liebe Elvern, will ich als treuer Soldat mein Blut für unseren lieben alten Kaiser mit Freuden hingeben. Die deutsche Flotte ist stärker als man glaubt gagenüber der japanischen Flotte, aber ziformäßig wenigstens zu schwach. Aber das macht nichts. Gehaut werden sie, daß sie sich daran werden genug sein lassen. Liehe Eltern, macht Euch keine Sorge um mich, und halltet Euch vor Augen, daß Euer Sohn tapser und treu kämpfen und an Euch und unsern lieben Kaiser bis in den Tod für Euch und unser Vaterland zum Tode denken wird. —— Der Krieg gegen Serbien. Montenegriner und Serben in Bosnien geschlagen. Wien, 5. Okt. Amtlich wird verlautbar vom 4. Oktober: Die im östlichen Bosnien eingedrungenen serbischen und montenegrinischen Kräfte zwangen in dieses, abseits der Hauptentscheidung liegende Gebiet mobile Kräfte zu detachieren. Die erste dort eingeleitete Aktion hat bereits einen erfolgreichen Abschluß gesunden. Zwei montenegrinische Brigaden, die Spuska unter dem Kommando des Generals Vaciwitsch und die Zetska unter dem General Najewitsch wurden nach zweitägigen heftigen Kämpfen vollständig geschlagen und auf Foca zurückgeworfen. Sie befinden sich in panikartigem Rückzuge über die Landesgrenze. Ihren ganzen Train, darunter nicht unbedeutende in Bosnien erbeutete Vorräte mußtrn sie zurücklassen. Auch bei dieser Gelegenheit wurden mehrere Gesallene eigener vorgesandter Patrouillen, darunte: ein Fähnrich, in bestialischer Weise verstümmelt aufgefunden. Bei der im nördlichen Abschnitt ein. geleiteten Aktion wurde ein komplettes Bataillon von einem eigenen Halbbataillon gefangen genommen. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, den 5 Oktober. *“(Fürs Rote Kreuz.) Nicht vergebens hatte der Ruhrtaler Sängerverein der gestern zu einem Konzert zugunsten des Roten Kreuzes eingeladen hatte, an den Wohltätigkeitssinn unserer Bürgerschaft appelliert. Der große Freischütz=Saal war bis auf das letzte Plätzchen mit einer andächtig lauschenden Zuhörerschar besetzt Viele Konzertbesucher mußten sogar auf der Galerie Platz nehmen, während eine besondere Ehrentassel direkt vor der Bühne für die hier untergebrachten Verwundeten ausgestellt war, die auch in stattlicher Anzahl zu dem Konzert erschienen waren. Neben dem schönen Bewußtsein, auch ein Scherflein für einen edlen Zweck geopfert zu haben, dürfte alle Konzertbesucher ein Gefühl hoher Befriedigung ob des gebotenen Kunstgenusses beseelen. Der Verein, von seinem Dirigenten, Musiklehrer Neuhaus, sicher geleitet, entsprach auch gestern wieder allen Erwartungen, die man schon seit langem an diesen Gesangskörper zu stellen gewohnt ist. Sämtliche Chorwerke— das Programm war auf einen ernston Ton gestimmt— waren mit großem Fleiß einstudiert, die Details mit feinem Geschmack herausgearbeitet, und der Vortrag packend und wirkungsvoll. Kein Wunder, daß sich der Beisall des Publikums von Nummer zu Nummer steigerte. Dien stärksten und nachhaltigsten Erfolg erzielten Sänger nd Dirigent mit „Ritvers Abschied“ von Kinkel, dem ergreifenden „Morgenrot“ von Bohnes und Rebberts bekanntem„Heil adller Zollernsohn“; die dramatisch bewegte Steigerung des Schlußsatzes wurde prachtvoll herausgebracht und löste helle Begeisterung im Publikum aus.— Reiche Abwochselung in das Programm brachten die solistischen Darbietungen hiesiger geschätzter Kräfte, die sich iin liebenswürWeise in den Dienst der guten Sache gesell h##ten. Frl. Lecking(Alt), duren prachtvolles Organ wir schon des öfteren in unseren Konzertsälen bewundern konnten, brachte Lieder von Altmeister Schubert(Die Allmacht), und Wolf („Ueber Nacht kommt still das Leid" und„He'mweh“) stimmungsvoll zum Vortrag, während Frl. Mertens, unsere geschätzte Pianistin, am klangvollen Flügel(von Schulze zur Wische. Dortmund zur Verfügung gestellt) mit einem Nocturno und einer Etude in ges-dur von Chopin, sowie einer Lisztschen Rhapsodie auswartete. Beiden Solistinnen, wie auch den Herren Dahlbüdding und Schäfer, welche gleichsalls durch einige Liederspenden das Programm bereicherten, wurde warmer und nachhaltiger Beifall gespendet. Mit dem gemeinfam gesungenen „Deutschland über alles“ sand das Konzert einen würdigen Abschluß. Allen Mitwirkenden sei auch an dieser Stelle herzlicher Dank ausgesprochen; mögen sie in dem Bewußtsein, einer guten Sache gedient zu haben, ihre höchste Anerkennung finden. Nach dem erston Teil ergräff Herr Bürgermeister Rohrmann das Wort zu einer zündenden Ansprache Er begrüßte zunächst alle Anwesenden, besonders die Kriogsteilnehmer, dankte den Mitwirhenden an dem Konzert und seierte die Einigkeit und die nationale Begeisterung, welche Deutschland nach den Tagen der Kriegserblärung bis jetzt ersüllt habe; er dankte dann den Vereinen und Organisationen für die bisherige Liebestätigkeit, die aber nicht nachlassen dürse, da noch große Opser verlangt würden, und verbreitete sich sodann eingehend über den bisherigen Verlauf des uns ausgezwungenen Feldzuges. Jubelnde Zustimmung im ganzen Saale lösten die Worte des Redners aus, als er von einer Vergeltung gegenüber dem perfiden England sprach. Mit Worten des Dankes und einem Hoch auf unser tapferes Heer und unsere wagemutige Marine, und auf den obersten Heerführer Se. Maj. schloß die Ansprache, worauf die Kallserhymne gesungen wurde. **(Verdiente Ehrung.) Dem Landwehr=Unterossizier Heinrich Schmalz, Sohn des Schuhmachermeisters Schmalz aus der Sedanstraße, ist das eiserne Kreuz verliehen worden. Schm., der bei der Festungs=Fernsprech=Abteilung für die Ehre des Vaterlandes kämpft, hat sich die hohe Auszeichnung verdent, weil er im feindlichen Granatseurr die Telephonleitung mit großer Kaltblütigkeit zurückbaute Wir sprechen dem wackeren Vaterlandsverteidiger, der in seinem bürgerlichen Beruf Buchdrucker ist, unsern besten Glückwunsch aus! *(Eine recht stimmungsvolle Erntedankseier) fand gestern nachmittag in der größeren evangelischen Kirche statt. Auf dem Altar und deem Chor waren erstmalig Garten= und Feldfrüchte aller Art, Obst, Eier usw. aufgebaut. Die Gaben, für arme Familien der Gemeinde bestimmt, waren derart reichlich eingegangen, daß allein über zwanzig Zentner Weißkohl zu nennen sind. Die kirchliche Feier, welche in Verbindung mit dem Kindergottesdienst erfolgte, hatte das weite Gotteshaus bis auf den letzten Platz dicht gefüllt. Gemeindeund Wechselgesänge der Knaben und Mädchen stimmten in Verbindung mit der Verlesung geeigneter Schristabschnitte und einer Ansprache des Herrn Pastor Nell die Herzen auf den richtigen Ton des Erntesegens und Erntedankes. Beim Schluß des Gottesdienstes fand eine Tellersammlung für unsere geschädigten Volksgenossen in Ostpreußen statt, denen es infolge russischer Barbarei nicht vergönnt war, in diesem Jahre ein dankbar=sröhliches Erntefest zu feiern, trotzdem sie eine reiche Ernte einbringen konnten, **(Ewalds Kriegsspiele), die gestern im Saale des Herrn Müller stattfanden, hatten sich eines guten Besuches zu ersreuen und wurden die einzelnen Abteilungen des reichen Poogramms mit großem Beifall ausgenommen. Den größten Ecsolg erzielte unser Lanosmann, als er als Landwehrmann seine Kriegsgesangenen vorführte. Wie wir hören, will Herr Ewald demnächst eine Vorstellung zum Besten des Roten Kreuzes in unserer Stadt geben. 3 ** Westhosen, 4. Okt.(Das eiferne Kreuz) ist auch eilnem zweiten Sohne des Herrn Amtmanns, dem Leutnant Alex v. Daniells verliehen. Der tapsere Krizger, bisher Adjutant. beim Infan"ee=Regiment 143 in Straßburg, befindet sich auf dem nordwestlichen Kriegsschauplatz in Frankreich und hat dort ein größeres Magazin der englischen Artillerie ausheben können. Dem Dekorierten sowie der ganzen Familie des Herrn Amtmanns zu dkeser erneuten Auszeichnung unsern herzlichen Glückwunsch! ** Westhofen, 5. Okt.(Kriegerverein.) Gestern abend sand im Lokal der Wwe. Weiberg die Generalversammlung des hiesigen Krieger= u. Landwehr=Vereins statt, zu der eine große Anzahl der Kameraden erschienen waren. Bei Eröffnung der Erneralversammlung gedachte Hauptmann Kogelheide zunächst der im Lause des Jahres durch den Tod abgegangenen Mitglieder. Die Anwesenden ehrten deren Andenken durch Erheben von den Sitzen. Dann wurde in gleicher Weise des ersten Gefallenen aus Westhosen, des Kameraden Borrys, g#dacht. Sodann war Rechnungslage und Jahresbericht und wurde dem Vorstand nach der durch die Rechnungsprüfer Kameraden GroßWeischede und Ebeling voraufgegangenon Erklärung, daß nichts zu erinnern sei, Entlastung erteilt Die satzungsgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder, der stellvertretende Hauptmann, der stellvertretende Schriftführer, der stellvertretende Rechnungsführer die Kameraden Hövelmann und Externbrink, wurden wiedergewählt. Der Kassierer Schulte legte sein Amt als Kassierer insolge Behinderung nieder, dafür wurde Kamerad Groß=Weischede neu gewählt. Kamerad Schulte wurde Fähnrich. Der dritte Punkt der Tagesordnung besaßte sich mit der Stellungnahme des Krieger=Veveins zur Jugendwehr. Nach ausführlichen Darlegungen des Kommandeurs der Jugendwohr, Kamerad Eboling, wurde einstimmig die weitgehondste Unterstützung durch den KriegerVercin beschlossen. 15 Kameraden aus dem Kriogerverein meldeten sich zur Teiilnahme an der Ausbildung der Jungmannschaft. Unter Punkt Verschiedens kam dann zur Sprache, den Kameraden im Felde in nächster Zeit ein Feldpaket zu senden. Eine Kommission, aus dem Vorstande und 6 Herren bestehend, ist beaustragt, alles weitere zu veranlassen Bei dieser Gelegenheit brachte Kamerad Ebeling den Antrag ein, der Kriegerverein möge als das geeignetste Organ bei der hiesigen Stadtvertretung die Bitte vortragen, daß alle aus der Gemeinde Westhofen im Felde befindlichen Vaterlandsverteidiger bei der von der Provinz Westsalen eingerichteten Versicherung gegen Todesgefahr eingelauft werden. Der Verein gibt sich der Hoffnung hin, daß die Gemeindevertretung der Anregung Folge leisten und die Kesten für die Versicherung der Kriegsteilnehmer bewilligen wird. ** Holzen, 2. Okt.(Einen bedauerlichen Unfall) erlitt der 58jährige Arbeiter Heinrich Wilberg. W wurde bei seinen Arbeiten im Stall von einem wütenden Ochfen des Landwirts Plässer angefallen und sehr gefährlich verletzt. Er hat außer mehreren Rippenbrüchen, Wunden an der Brust erlitten; auch ist die Lunge schwer verletzt. Der Verunglückte wurde dem evangel. Krankerhaus in Schwerte zugeführt ** Lichtendorf, 5. Okt.(Liebesgabe.) Der hüesige Knappen=Verein spendete dem Roten Kreuz für seine Zwecke den Betrag von 30 Mark. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraao, u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Nachstehend bezeichnete, der Stadt gehörige Grundstücke sollen verpachtet werden: a) Von Flur 23 Nr. 50 ein Teil in Größe von 48 ar(Weide an der Schützenstraße.) b) Von Flur 23 Nr. 67 ungefähr 86 ar(Weide an der Ostbergerstraße.) c) Flur 21 Nr. 31—53, 72 ar groß(Weide an der Grünstraße). Nähere Auskunft erteilt das Stadtbauamt(Neues Rathaus, I. Stock, Eingang Goethestraße.) Angebote sind bis Donnerstag, den 8. Oklober d. Is. dem Magistrat einzureichen. 6318 Schwerte, den 30. September 1914. Der Magistrat: Rohrmann. Mehrere kräftige Krbeiter zum sofortigen Eintrikt gesucht. Eisenindustrie. Neuheiten in Kriegspostkarten eingetrotten. Buchhandlung Carl Braus, Schwerte Gr. Marktstr. 3—5. MtenThitaut vorrätig in der Zuchhandl. Gart Biaus, Schlrettef( Ruht, Große Marktstraße 3—5. Ein größeres Werk sucht zum baldigen Eintritt stenographiekundige Orrnertnt!.. für die Bedienung des Telefons. Angebote unter K. 6326 an die Geschäftsstelle d. Itg. 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Sehr unliebsam macht sich die ausdringliche Art bemerkbar, wie vielfach die Zeitungsverkäufer mit„allerneuesten“, „soeben gedruckten“ Zeilungen, Ex rablättern und dergl. das Publikum behelligen. Besonders lästig findet man das Ausschreien von Kriegsnachrichten durch die Händler; halbwüchsige Burschen treiben das Unwesen am ärgsten. Um das Publikum zum Kaufen zu reizen, wird es mit der Wahrheit dabei nicht genau genommen: aus dem Untergang eines kleinen Kreuzers wird eine„große Seeschlacht“ und dergl. Diese absloßende öffentliche Sensationsmache um des Profites willen muß aushören. In unserer hochernsten Zeit hat das Publikum erst recht Anspruch darauf, das zu verlangen. Ich sordere die Polizeibehörden auf, dem Unsuge gründlich zu steuern. Münster, den 21. September 1914. 8341 Der kommandierende Generol: Frdr. v. Bilsing. Hinweis. Einem Teil der heutigen Auflage ist eine Beilage der Firma Gebr. Kaufmann, Aplerbeck beigelegt, die wir geneigter Beachtung empfehlen. 6347 Die Geschäststelle. Hörde, den 3. Oktober 1914. 6351 Garantiert reines Gorstomkrent erhalten Sie bei 6353 L. Weinberg. Bekanntmachung. Der Kreistag des Landkreises Hörde. Tieres Har1n! Auf Grund des§ 69 der Kreisordnung für die Provinz Westfalen vom 31. Juli 1886 weiden die auf dem Kreistage am 30. September 1914 gefaßten Beschlüsse ihrem Inhalte nach zur öffentlichen Kenntnis gebracht.....7. Justimmie G. 9 1. Der Kreistag beschloß einimmig, die vom Land kreise Hörde gewährenden Unterstützungssätze für die Familien der zum Feldzuge 1914 einberufenen Mannschaften bis zu 15 bezw. 18 Maik(Wintermonate) für die alleinstehende Ehefrau und die Mutter, soweit sie Haushaltungsvorstand ist und von dem Einberufenen allein unterhalten wurde, und bis zu 10 Mark für die Kinder unter 15 Jahren und die unter§ 2 b und c des Gesetzes vom 4. Auguft 1914 fallenden Angehörigen festzusetzen. Die Leistungen des Kreises sollen aus der am 6. August d. I. beschlossenen in Höhe von einer Million aufzunehmenden Anleihe gedeckt werden. Die erhöhten Unterstützungssätze sollen vom 1. Oktober d. J. ab gelten. 2. Die Bilanz des Kreiswasserwerks Hörde und die 8 Gewinn= und Verlustrechnung für das Jahr 1913 mit einem Reingewinn von 193883,15 Maik wurde genehmigt und dem Rendanten Entlastung erteilt. Von dem Reingewinn sollen je 20000 Mark dem Reserve= und Erneuerungsfonds 150000 Mark der Kreiskommunalkasse überwiesen werden. Der fernere Ueberschuß von 3883,15 Maik sol auf Vorschlag des Kreisausschusses als Bestand in der neuen Jahres Rechnung für 1914/15 vorgetragen werden. Der Reingewinn für Brackel wurde auf 802,7 Mark festgesetzt. 3. Es wurden neu gewählt: a als Civilmitglieder der Militär=Ersatzkommission 1. Gerichtstaxator Hohenschwert— Schwerte 2. Gutsbesitzer Eickhoff—Sölde 3.„ Kahmann—Salingen 4. Gemein devor steher Wollenweber—Annen. b. als Stellvertreter: Z 1. Gutsbesitzer Hohenschwert—Lichtendorf 2. Landwirt Bonnermann—Annen 3.„ Heinrich Westerhoff—Wsthosen 4.„ Specht—Annen. Die zu a 2, 3 und 4 Gewählten waren in der Versammlung anwesend und haben die Wahl angenommen. Der Vorsitzende: 6843 I. V. Burchard, Regierungs=Assessor. Viehseuchenpolizeiliche Anordnung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 23. Juni 1909 Reichsgesetzblatt Seite 519 mit Ermöchtigung des Herrn Regierungspräsidenten Folgendes bestimmt. Die Maul= und Klauenseuche herrscht z. Zt. unter dem Viehbestande des Bergmanns Dreyer zu Hombruch, Friedrich= straße 6. Als Sperrbezirk wird bestimmt: Stallungen des Hauses Friedrichstraße 6. Auf diesem Bezirk finden die Bestimmungen unter I meiner viehseuchenpoltzeilichen Anordnung vom 27. April d. I. Anwendung, die im amtlichen Kreisblatt(Schwerter Jeitung) vom 29 April d. I Beilage) enthalten ist. Ein Beobachtungsgebiet wird nicht gebildet. Die Bestimmungen unter II(Beobachlungsgebiet; der genannten Anordnung gelten daher nicht. Die Abschnitte III—VII einschl. bleiden mit der Maßgabe bestehen, daß der erste Satz des§ 7 Ziffer 1 wie folgt geändert wird. In der Ortschaft Hombruch wird verboten usw. Hörde, den 2. Oktober 1914. 6346 Der Landral. Nr. III, 1166. J. V. Burchard, Regierungs=Assessor. Am Donnerstag, den 8. Oktober, soll durch 10 Kraftwagen hiesiger Stadt den kämpfenden Truppen des 7. Armeekorps b as wird dringend gebeten, Liebesgaben jeder Art, insbesondere wollene Unterzeuge, Strümpfe, Pulswärmer, Handschuhe usw., Zigarren, Zigaretten, Tabak, Dauerfleischwaren bei den nachbenannten drei Sammelstellen: 1. Evangelisches Bürgerhaus, I. Kampstraße Nr. 67—69, 2. Katholisches Gesellenhaus, Silberstraße Nr. 26, 3. Kasino, Betenstraße . Geldspenden wolle man dem Konto„Licbesgaben=Transport“ bei de Rheinisch=Westfälischen Diskonto Gesellschaft Dortmund A.=G., Südwall Nr. 9, überweisen. Zu jeder Auskunft und Annahme von Gaben sind auch die nachgenannten 5n 1.. 6297 Stellen bereit: Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung Fernruf 62. Justizrat Bohnerk, Ostenhellweg 38,„ 645—46. Wilhelm Böhmer, Märkischestr. 62,„ 320—21. Otto Bolle, Cappenberg, Fernruf Amt Lünen 287. Cludius u. Gater, Kasserstr. 30½, Fernruf 181—83. Bankdirektor Pape, Südwall 9, W. H. Schmitz, Hohenzollernstr. 26, Franz Schlüler, Märkischestr 59, Schröder u. Baum, Ostenhellweg 33, Hans Schulle, Priaz Wilhelmstr. 2, Ingenieur Thal, Kaiser Wilhelm Allle 50 Wiemer u. Trachte. Industriehaus sämtlich in Dortmund. 240—42. 936. 756—58. 285—86. 1636. 808. 754—55 Goldwaren und Schmucksachen Moderne Colllers, Medalllons, Anhänger in jeder Art, Damenringe und Herrenringe in den modernsten Formen, Broschen und Ohrgehänge, Armbänder, Kreuze, Vorstecknadeln, Damen- und Herren- Uhrketten in 10 verschiedenen Qualitäten, Brillant-Ringe, Brillant-Broschen. Brillant-Ohrgehänge etc. ssnsanans Sehr grosse Auswahl! 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Die Vorsitzende des Valerländischen Frauenvereins (Zweigverein Schwerte) Frau Direktor Emmerich, ferner die Sammelstellen des Roten Kreuzes: a) in der höheren Töchterschule Schulvorstehe in Fräulein A. Tütel, b) bei Frau Johanna Reisenberg, Kötterbachstr. 26, und ebenso die übrigen Damen des Roten Kreuzes nehmen bereitwilligst Liebesgaben genannter Art in Empsang. 6313 Schwerte, den 2. Oklober 1914, Namens des Ausschusses des Zweigvereins vom Rolen Kreuz: Rohrmann, Bürgermeister. FKrader Eriole Buchbrucherei u. Braus Pioks!, Knötchen, Pusteln usw. SpezialArzt Dr. W.“ à Sik. 50 Pfg. (15% ig und 1 50 Mk. 35%ig, stärkste Form). Dazu Zuckoon Creme(à 50 und 75 Pfg. 2c. Bei C. Trog, Max Mehlhose, Drogerien. Krankenweine Tischweine Repfelwein empfiehlt 4890 Drogerte Max Mehlhose. Meialbeien Jashasä Holzrahmenmatr, Kinderdetten Eisenmödelsabrik, Suhl i. Th. = Feldpostkarten= mit Bibelsprüchen vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerte ür Hatttositr. 6—5. Bekanntmachung. Die dies jährigen Wahlen zu den Gemeindevertretungen finden wie folgt statt: 1. in der Gemeinde Garenfeld: am 10. November d. Is. nachmittags 4 Uhr im Lolale des Wirts Karl Soeding daselbst. Es scheiden mit Ablauf d. Is. aus: Landwirt Ludwig Braß, gewähl von der II. Ateilung; Fabrikarbeiter Wilhelm Funke, gewählt von der III. Abteilung; Die Wahl erfolgt auf 6 Jahre bis Ende 1920. 2. in der Gemeinde Geisecke: am 12. November d. Is. nachmittags 4 Uhr im Lokale des Wirts Schulte=Höxpe daselbst. Es scheiden mit Ablauf d. J6. aus:„ 465 uam 2 Brennereibesitzer Bernhard Drussel, gewahl# von der I. Abteilung„„„„, Ghla. Bergmann Karl Sander, gewählt von der III. Ablenung; Die Wahl erfolgt auf 6 Jahre bis Ende 1920. Außerdem ist für den verstorbenen Landwirt Hugo Rutenborn, gewählt von der II. Abteilung, eine Ersatzwahl bis Ende 1918 vorzunehmen. 3. in der Gemeinde Holzen: am 14. November d. Is. vormittags von 10—12 Uhr in der Wirtschaft Hosang die II. Abteilung und nachm. von 3—5 Uhr in der Wirtschaft Schneider in den Rosen der Rest der II. Abteilung und um 6 Uhr die I. Abteilung daselbst..... 6 Es scheiden mit Ablauf v. Js. aus: Landwirt Ludwig Plässer, gewählt von der U. Abteilung; außerdem ist für den zum Gemeinde=Vorsteher gewählten Landwirt Heinrich Hohenschwert(gewählt von der I. Abteilung) eine Neuwahl vorzunehmen. Die Wahl erfolgt auf 6 Jahre bis Ende 1920. 4. in der Gemeinde Lichtendorf: am 19. November d. Is. vormittags 10—12 Uhr die III. Abteilung bei Wirt Dölemeier zu Eichholz und nachmittags von 3—5 Uhr der Rest der III. Abteilung und um 5½ Uhr die II. Abteilung im Lokale des Wirts Bährensmann daselbft.... 80 Janf. Es scheiden mit Ablauf o. Js. aus: Bergmann Julius Rosenberg, gewählt von der II. Abteilung, Bergmann Heinrich Steinweg, gewählt von der III. Abteilung.„ Die Wahl erfolgt auf 6 Jahre vis Ende 1920. 5. in der Gemeinde Syburg: am 21. November d. Is. nachmittags 4 Uhr in der Burgwirtschaft(Ulmer) daselbst. Es scheiden mit Ablauf d. Is. aus: Rittergutsbesitzer Adolf Overweg, gewählt von der I. Abteilung, Rittergutsbesitzer Hugo v. Basse, gewählt von der II. Abteilung. Die Wahl erfolgt auf 6 Jahre bis Ende 1920. Außerdem ist für den verzogenen Gastwirt Richard Wulf, gewählt von der I. Ableilung, eine Ersatzwahl b.s Ende 1916 vorzunehmen. 6. in der Gemeinde Villigst: am 16. November d. Is. nachmittags 5 Uhr im Lokale des Wirts Grave daselbst. Es scheiden mit Ablauf d. Is. aus; Wirt Friedrich Grave, gewählt von der I. Abteilung Ingeneur Wilh. Hidding,„„„ III.„ Die Wahl erfolgt auf 6 Jahre bis Ende 1920. 7. in der Gemeinde Wandhofen: am 17. November d. J. nachmittags 4 Uhr im Lokale des Wirts Schulte daselbst. Es scheiden mit Ablauf dieses Jahres aus: Kausmann Wilhelm Schwachenberg, gewählt von der II. Abteilung Fabrikarbeiter Ludwig Tetampel, gewählt von der III. Abteilung. Die Wahl erfolgt auf 6 Jahre bis Ende 1920. 8. in der Gemeinde Westhofen: am 24. November d. Is. vormittags 11 Uhr die II. Abteilung, nachmittags 5 Uhr der Rest der II. Abteilung und um 6 Uhr die I. Abteilung im Lokale des Wirts H. Schulte hierselbst. Es scheiden mit Ablauf d. Is. aus: Gutsbesitzer H. Braß, gewählt von der I Abteilung; außerdem ist für den verstorbenen Rentner Wilhelm Albert, gewählt von UI. Abteilung, eine Neuwahl vorzuDie Wahl erfolgt auf 6 Jahre bis Ende 1920. Die aufgestellten Wahltisten liegen vom 6. ds. Mts. ab 4 Wochen lang in den Wohnungen der betr. Herren Gemeinde=Vorsteher zur Einsicht der Beteiligten offen. Einsprüche gegen die Wahlliste sind während der Dauer der Auslegung bei dem Gemeinde=Vorstande anzubringen. Es wird noch besonders darauf hingewiesen, daß in der Gemeinde Westhosen mindestens die Hälfte, während in den übrigen Gemeinden zwei Drittel der Gesamtzahl der Gemeindevertreter mit einem Wohnhause angemessen sein muß. Westhofen, den 3. Oktober 1914. Der Amtmann. 6348" J. V. Gue, Beigeordneter. 9 —• S 2 S 5 S ShD: 9 S 00 * S 8 52 S 5— 5.9 S s 5 9g P5s E: # Jn9•, 9 3E 9 g * 2 25 5 e..*" S a 9# 8 S E S S 2e S S S 2•—8 Sege ESS 7 Sa5g W BGgg * S ** Abwesenheit des Gatten, die letzten, weil sie in Anwesenheit der Gattin erteilt wurden.“ Edita hatte das laute Lachen ihres Gatten herbeigerufen: sie stand auf der Türschwelle und betrachtete sich die komische Gesellschaft mit ihren Augen. Lachend sagte sie:„Was seid Ihr doch für komische Tölpel? Was kommt es denn auf ein paar Küsse an? Freigebig bin ich, aber nur gegen Menschen, die ich lieb habe.— Aber ich bin auch ehrlich: jeden Kuß, den ich von Herrn Rosen erhalten, will ich an seine Frau zurückzahlen.“ Und damit umarmte sie Frau Rosen, die ihr blondes Köpfchen an die Schulter der stattlichen Frau lehnte.— Drei Tage lang dauerte das Friedensfest, das diesem kleinen Zwischenfall folgte, und nun wurde wirklich aus der lockeren Freundschaft, welche die drei Touristen einst geschlossen hatten, eine innige Freundschaft fürs, Leben,, In jedem neuen Frühling werden Pläne fur den Sommer geschmiedet: man trifft sich im Gebirge oder an der See, und kein Familienereignis wird ohne Anteil der lieben Freunde geseiert. Wunder der Technik. Uhren, die nicht aufgezogen werden. In der Schweiz ist man der Lösung einer sehr interessanten Aufgabe praktisch nahegerückt, nämlich Hausuhren mit einem selbsttätigen Aufzug herzustellen. Das Aufziehen der Uhren in unsern Wohn= und Arbeitszimmern, in der Küche oder gar in Räumen, die seltener benützt werden, wird bekanntlich häusig vergessen. Es wird daher in weiten Kreisen mit Freude begrüßt werden, daß es mit Hilfe der neuen Erfinduug möglich ist, Uhren selbsttätig auszuziehen, ohne daß es einer Zuleitung von außen bedarf. Der Auszug wird von kleinen, im Uhrgehäuse untergebrachten Trockenelementen mit elektrischem Sirom versehen. Zwei solcher Elemente reichen hin, die außerordentlich genau sunktionierende Uhr ununterbrochen während drei Jahren in Gang zu erhalten. Erst nach Ablauf dieser Zeit müssen die Elemente ausgewechselt werden, was ohne Mühe und mit sehr geringen Kosten durchführbar ist. Das neue Lustruderboot. Als vor einiger Zeit der Amerikaner Alva Reynold das „Luftruderboot“ erfand, glaubte man, damit sei der Gipfel der Erfindungen auf dem Gebiete der Flugschiffahrt erreicht. Aber schon ist Reynolds Boot übertroffen worden durch eine Maschine, die ebenfalls ein Ruderboot der Luft darstellt. Das neugebaute Luftschiff besteht aus einem spindelförmigen, mit Gas gefüllten Sack und einem daran befestigten leichten Rahmenwerk, das eine Person aufzunehmen bestimmt ist. Durch Gewichte kann der Gasballon so weit herabgezogen werden, daß der Gassack nur ein halbes Pfund weniger wiegt als seine Belastung, also nur einen geringen Auftrieb besitzt. Der Insasse bekommt ein Paar flügelartige Räder, mit denen er das Luftschiff vorwärts, aufwärts und abwärts zu steuern vermag. Bei der richtigen Ausbalanzierung wird die Schwerkraft durch den Gebrauch der Ruder eben überwunden. Jeder, der überhaupt zu rudern versteht, kann dies Luftschiff benutzen. Übrigens ist die Maschine ziemlich umfangreich, denn der Gassack hat eine Länge von etwa elf Metern und einen größten Durchmesser von 4,5 Metern. Um die Gondel und einen Menschen von 150 Psund Gewicht zu tragen, genügen etwa 100 Kubikmeter Gas. Trotzdem sollen die Kosten eines solchen Luftschiffes sehr gering sein, nämlich nur etwas über 400 Mark betragen. Von guten Ruderern wird angeblich eine Geschwindigkeit von 6—10 Kilometern in der Stunde erzielt, was freilich die Leistung eines guten Fußgängers nicht sehr wesentlich übertreffen würde. Es bliebe dann hauptsächlich der Vorteil, daß man in seiner Fortbewegung von bebahnten Wegen unabhängig ist. Körperpflege. Mode und Gesundheit.— Die Mode ist der einzige Tyrann, dessen Herrschaft und Launenhastigkeit die Menschheit(oder wenigstens ihr größerer Teil) sich stets ohne Murren unterworfen hat. Soweit nur der Kostenpunkt und das ästhetische Moment in Frage kommen, liegt ja kein zwingender Grund vor, gegen die Mode zu Felde zu ziehen; sobald aber die Modetorheit sich zu einem die Gesundheit schädigenden Ungeheuer auswächst, ist es Pflicht, einzugreifen.— Wohl hält die Eitelkeit, die Mutter der Mode, die Menschen noch immer in eisernen Banden gefangen, doch darum wollen wir nicht an dem Glauben verzweifeln, daß die Allsiegerin Vernunft am Ende auch die Mode bezwingen werde. Von guter Vorbedeutung ist schon die Tatsache, daß die Frauen, die unter den Modelaunen am meisten zu leiden haben, allgemach beginnen, sich gegen die gesundheitsgefährlichen Modegesetze krä tig aufzulehnen. Man räumt nach und nach mit der Mode auf. Der ärgste Feind der Gesundheit ist von jeher das Korsett gewesen oder, besser gesagt, der Mißbrauch desselben. Sodann verdient eine weitere Betrachtung die Fußbekleidung. Nicht die törichte Laune bezüglich der Farbe ist zu tadeln, denn es hat gewiß keinem Menschen geschadet, daß den gelben Schuhen grüne, rote, graue, weiße und braune gefolgt sind, nur die verkehrten Formen und die hohen Absätze sind zu rügen. Wenn nun einmal die Natur uns Füße verliehen hat, die ihrer Form nach zwei Leisten beanspruchen, ist es geradezu unsinnig, beide Stiefel über den gleichen Leisten zu arbeiten und den Füßen zuzumuten, ihre Form der Stiefelform anzupassen, statt umgekehrt. Die hohen Absätze, die den Fuß kleiner, die Figur größer erscheinen lassen, bewirken, daß der Fuß im Stiefel ganz nach vorn rutscht, die Träger nur mit Anstrengung zu gehen vermögen und häufig seitlich umknicken. Unter die Bekleidungssünden sind noch das Tragen von allzu straffen Hosenträgern, Leibriemen, Strumpsbändern und hohen Stehkragen zu rechnen. Sie drücken und beengen alle, am meisten die beiden zuletzt genannten. Man kann deshalb nicht vorsichtig genug sein. Wir sehr uns die Mode tyrannisiert, sehen wir erst, wenn wir des Arztes bedürfen, der uns von allerlei Übeln helfen soll, die ihren Ursprung in der Modetorheit haben. Gemeinnütziges. Reinigung von Spielkarten. Schmutzig gewordene Spielkarten reinigt man am schnellsten und gründlichsten mit Petroleum, indem man den Zeigefinger der rechten Hand mit einem baumwollenen Lappen umwickelt, denselben in Petroleum taucht und die Karten damit leicht abreibt. Nachher muß nur mit einem recht trocknen Lappen nachgewischt werden. Nachdem alle Karten auf beiden Seiten gereinigt sind, werden sie mit Federweiß nachgerieben, um sie schlüpfrig zu machen, und endlich ausgebreitet, damit das Petroleum verdunstet, was binnen zwei Tagen vollständig geschehen ist. Herstellung von Fischleim. Fischleim(Syndetikon) kann man sich selbst bereiten, indem man einige Tafeln Gelatine zerbricht und mit soviel Essig, daß eine dickliche Masse entsteht, heiß werden läßt; ist er zu dünn geraten, dann kommt noch etwas Gelatine hinzu. und „Zeitvertreib“ ist ein oft gebrauchtes, sicher von einem Müßiggänger erfundenes Wort. Seine Bedeutung ist ebenso häßlich wie widersinnig, denn man kann sich kaum vorstellen, wie ein Mensch, der nicht gerade unglücklich oder krank ist, wünschen könnte, die Zeit zu„vertreiben“. Und doch sind es gerade die jungen, krastvollen, gesunden Menschen, die am liebsten mit der Hetzpeitsche die Zeit vorwärts treiben möchten; die man unzählige Male sagen hört:„ach, wäre es doch erst Sommer, kämen doch bald die Ferien, möchten doch die nächsten Wochen oder gar Monate herumfliegen!" Das 14 jährige Mädchen wünscht recht bald 18 Jahre zu sein; sie hat kaum ihr 14. Jahr vollendet, so erzählt sie bereits jedem, der es hören will, sie sei 15, und so treibt sie es weiter bis die Zeit kommt, wo sie rückwärts zählen möchte. Wie rasch aber kommen die Tage, die man herbeigewünscht; wie rusch entschwinden die Stunden, nach denen man sich lange gesehnt, die Jahre, nach denen man am liebsten auf Windesflügeln hätte herbeieilen sehen, und zu spät erkennt man, wie unrecht es war, Stunden, die man hätte ausnützen können, zu„vertreiben“. Nicht allein in dem Sinne des Vorwärtstreibens braucht man das Wort„Zeitvertreib“, sondern der gebräuchlichere Sinn ist der: Etwas zu finden, womit man die Zeit ausfüllen kann. Während der eine infolge der großen Ansprüche, die das Leben an seine Arbeitskraft stellt, kaum eine Minute für sich erübrigt, kaum zu dem Nötigsten Zeit findet, denkt der andere darüber nach, wie er sich die Zeit„vertreibt“, denn die Stunden seines inhaltlosen Lebens kriechen wie die Schnecken vorwärts und werden ihm qualvoll lang. Wie viele Frauen und Mädchen wissen nicht, womit sie ihre Zeit ausfüllen können; oft und viel beneidet von ien glückloseren Mitschwestern, führen sie vielfach ein Dasein, de##eher das Mitleid als den Neid herausfordern sollte. Nur wirtigen fällt es ein, ihre freie Zeit in den Dienst ihrer Nebenmenschen zu stellen, ihr tatenloses Leben damit auszufüllen, für diese oder jene arme Familie zu sorgen oder einem vernachlässigten Kinde ein menschenwürdigeres Dasein zu bereiten. Die Anregung, Abwechslung und Tätigkett, die ihnen die Geselligdas die Jugend verschwendet, ohne Nachdenken, ohne Berecht und dabei liegt in der richtigen Verwendung der Zeit ein großer Teil des Glücks, das uns das Leben bietet. In40 Ut 10 an Sonnupou lce um orn ** 2 8 # S. — * □ S s3 8 S S 8 * 2.„* 8 * S 8 S 5 15 G— K S 8! —. 20 25 S 8 2: * S: 9 2 925 S* 95 9 * * C □ 0 0 —„ S 2 5 2. S 58 S 9 Sa * n *2 ••∆ Saes Sg2SS S—S• S 5W Touann B BSSSSDSESSS3 Amtücbes Rreisblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 233. Montag, 5 Oktober 1914 Wenn es dir übel geht, nimm es für gut nur immer, Wenn du es übel nimmst, so geht es dir noch schlimmer. Der Halbmond. Kriminal=Roman von M. dela Chapelle. 1. Seit dem vor sechs Wochen plötzlich erfolgten Tode des letzten Chefs der Firma„Friedrich Christian Kempner" bildete die Frage, wie sich die nächste Zukunft des Bankhauses gestalten werde, einen Teil des allgemeinen Gesprächsstoffes. Nahm auch die genannte Firma in dem Geschäftsleben der mittelgroßen Provinzialstadt gerade keinen allerersten Platz ein, so genoß sie doch ein beinahe patriarchalisch zu nennendes Ansehen. Durch Generationen von Sohn zu Sohn forterbend, hatten sich die geschäftlichen Operationen der jeweiligen Chefs immer in gewissen, althergebrachten Grenzen bewegt—„lieber weniger, aber sicher“, lautete der Grundsatz der Firma Kempner, an welchem zäh festgehalten wurde, bis auf den heutigen Tag. Dadurch trug das ganze Gepräge des Bankhauses freilich einen unleugbar altmodischen Zuschnitt zur Schau, der sich zuweilen wunderlich genug neben seinen modern fortgeschrittenen Konkurrenten ausnahm, ihm aber nichts von dem Ruhm selsensicherer Solidität zu rauben vermochte, den es seit undenklichen Zeiten für sich in Anspruch nehmen durfte. Und ebenso wie in geschäftlicher Beziehung war man auch sonst„beim alten“ geblieben. Das zweistöckige, ein wenig schwerfällig gebaute Haus in der Burgstraße hatte zwar im Laufe der Jahre dann und wann einen neuen Anstrich erhalten, allein im Innern waltete derselbe Geist ehrwürdigen Patriziertums, der damals in ihm geherrscht, als zu Ansang des achtzehnten Jahrhunderts Herr Friedrich Christian Kempner die Firma gründete. Man war gewohnt, in dem Kempnerschen Hause alles wie am Schnürchen lausen zu sehen— schien sich ja selbs das Schicksal den Überlieferungen der Fiema anzupassen, denn es sorgte mit pflichtschuldiger Gleichwäßigkeit dastr. daß nur immer ein Sohn und Erbe vorhanden war, wodurch jedwede Streitigkeit um den Ehrenplatz des Cheft vermieden wurde. Der letzte Chef. Herr Friedrich Gottlieb Kempner, wer jedoch merkwürdigerweise ohne Zurücklassung eines männlichen Sprößlings jäh aus dem Leben geschieden. Ihm hatte des Schitia! einen tuckischen Strich durch die altgewohnte Rechnung gemach:, indem es ihm statt eines Sohnes eine Tochter bescherte, die er nichtsdestoweniger zwar innig liedte und mit der er sich nach dem frühzeitig erfolgten Tod seiner Gattin immer enger aneinander schloß, auf deren zarte Schuitern er aber keineswegs die Bürde und Würde des Bankhauses Abertragen konnte. Man durfte daher mit Recht gespannt sein, was nm werden würde, und die Schwere dieser Frage lastete natürl's am nachdrücklichsten auf den Angestellten der Firma. Auch heute, wie so oft in den letzten Woche, wurde diese wichtige Frage zwischen dem Buchhalter des Hauses, Herrn Friemüller, und dem Kassierer, Herrn Lebenicht, während der üblichen Frühstückspause durchgesprochen. Bede Männer gehörten durch ihre langjährige Tätigkeit sozusagen### zum Inventar der Firma— ihnen lagen daher etwaige## Vermutungen darüber, was die Zukunft dem Bankhause und damit auch ihnen bringen würde, am nächsten.:.#; „Passen Sie auf. Lebenicht— es kommt, wie ich Ihnen neulich bereits sagte: Fräulein Gertrud heiratet ihn und damit haben wir ihn offiziell zum Chef—— halb und halb ist er's ja eigentlich jetzt schon.“ schloß Herr Fritzmüller eine längere Rede über den fraglichen Punkt. Der Kassierer schälte sich soeben den dritten Apfel, welchenk als Beilage ein Stück trocknes Weißbrot diente. Lebenicht hatte sich nämlich seit kurzem zum Vegetarismus bekehrt— nicht etwa aus Überzeugung, sondern weil es sein Steckenpferd war, alle Neuerungen auf gesundheitlichem Gebiet so viel wie möglich am eigenen Leibe zu probieren. Zum Glück besaß Herr Lebenicht eine kerngesunde Natur — er konnte sich daher dieser sonderbaren Schwärmerei ohne Bedenken hingeben und durfte also auch der etwaigen Wirkung des Vegetarismus mit Ruhe entgegensehn, ja, es gewährte ihm sogar ein grausames Vergnügen, als er nach vier Wochen fleischloser Kost die anmutige Rundung seines Körpers sich etwes vermindern sah. Deshalb ließ er auch ohne jede Spur von Neid die saftigen Schinkenscheiben auf dem Frühstücksbrot des Buchhalters an sich vorüberziehn: ihm boten seine drei Apfel weit edlere Genüsse. „Sie meinen also wirklich, daß Fräulein Gertrud ernstlich gewillt sei, ihn zu heiraten?“ warf er auf die Schlußbemerkung des Buchhalters ein.„Mir will das noch gar nicht so recht glaubhaft erscheinen.“ „Und warum nicht?— Sie wissen, unser verstorbener Chef hielt große Stücke auf ihn, ja, er schenkte ihm sein volles Vertrauen. Ich bin daher überzeugt, daß unser seliger Herr eine Heirat zwischen Fräulein Gertrud und Herrn Hagenow nicht ungern gesehen haben würde.“ „Nun, das schließt doch immer noch nicht ein, daß Fräulein Gertrud ebenso denkt.“ beharrte der Kassierer. Herr Fritzmüller wiegte etwas ungeduldig den Kopf. „Aber, ich bitte Sie—— wie können Sie daran zweifeln! Das Interesse, welches Herr Hagenow für ihre Person hegt, ist ihr doch ebenso wenig unbekannt geblieben wie uns anderen. Würde sie seine teils offenen, teils versteckten Huldigungen angenommen haben, wenn sie sich nicht ebensalls zu ihm hingezogen fühlte?— Denken Sie an meine Worte: die beiden werden ein Paar— ich pflege mich in meinen Voraussetzungen selten zu irren.“ Lebenicht begnügte sich statt einer Antwort mit einem Achselzucken, welches es unentschieden ließ, ob er der mit so groter Eicherheit ausgesprochenen Meinung seines Kollegen zustimme oder nicht. Er wußte: der Buchhalter tüftelte gern und tat sich, wenn seine Bahrsagungen zufälligerweise einmal das Rechte traf, nicht wenig auf seinen Scharfblick slante. Auch wurde ihr Gespräch jetzt durch das Erscheinen des Mannes unterbrochen, der eigentlich der Hauptgegenstand desselben gewesen. 3 „Bitte, lieber Herr Fritzmüller, wollen Sie einmal diese# Notizen durdh##e##en, welche ich in bezug auf die heute eingelieferten Depots der Firma Wüllner u. Co. festgestellt habe?— Es wäre mir sehr lieb, wenn wir die Entscheidung wegen der dafür aufzukaufenden Aktien bis morgen früh in Händen hätten— rielleich! fragen Sie deshalb im Lause des Tages notz einmel bei Wallnzer u. Co. an.“#### „Gerié, Herr Sagen#n—— in glaube jevoch, es bleibt bei den vergeschlagenen Bebenkreditaktten.“ „Ich denke auch und habe daraushin meine Notizen eingerichtet. Indesten halie ich eine letzte Anfrage trotzdem für geboten,— wir tragen dann der Firma gegenüber keine Verantworiung. Meinen Sie nicht ebenfalls?“ Herr Fritzmüller beeilte sich, seine Zustimmung abzugeven — es schmeiche#te ihm augenscheinlich, von dem zukünftigen Chef seine Meinung geachtet zu sehen. Diesem entging die Wirkung seiner Worte nicht und ein leises Lächeln zuckte einen Augenblick um seinen Mund. Er nickte dem Buchhalter mit sreundlicher Herablassung zu und nachdem er dem sogenannten„jungen Mann“, der in dem anstoßenden kleinen Vorzimmer an einem Stehpult arbeitete, noch eine Weisung gegeben, verließ er die parteire gelegenen Koniorräume..Ian V. InInkunssmumft gefzunden. Gern hätte er noch einen Anrnupfungspun gesunden, um dem alten Kassicrer, der unterdessen auf seinen in dem Vorzimmer befindlichen Platz zurückgekehrt war, einige wohlwollende Worte zu sagen. Allein Herr Lebenicht machte sich so eiftig hinier dem Drahtgitter seines Zahltisches zu schaffen, daß der zukünftige Chef es für ratsam hielt, ihn nicht zu stören, umsomehr, als der Kassierer ihm unerschüttert den Rücken zulchtte...44 Sgalzich beine StellFreilich änderte Lebenicht sogleich seine Stellung, als jener das Kontor verlassen hatte, aber in dem Blick, mit dem der alte Mann ihm nachsah, war deutlich zu lesen, daß Herr Otto Hagenow ganz recht daran getan, die beabsichtigten, wohlwollenden Worte für sich behalten zu haben. Otto Hagenow stieg unterdessen die breite Treppe mit dem eichengeschnitzten Geländer empor, die zu den oberen Stockwerten führte. Ganuf, 3. fagt, ur ohem im erchen „Fräulein Gertrud zu Hause: sragie er oben im ersten Kortidor den alten Hermann— ebenfalls ein Inventar des Kempnerschen Hauses, in welchem er die Stelle eines Kassenboten und Dieners zugleich versah. „Das Fräulein ist im Eckzimmer,“ gab der Alte zur Antwort, mit dem Lederlappen, den er in der Hand hielt, nach dem Ende des Korridors deutend— er war nämlich gerade dabei, die kunstvollen Messingverzierungen an den Türschlössern zu putzen.. Mann zur Li, Hagenow nickte dem alten Mann für die Auskunft dankend zu und schritt nach dem bezeichneten Zimmer. Als ihm auf sein wiederholtes leises Klopsen keine Antwort wurde, wagte er es, diskret die Tür ein wenig zu Durch dieses Geräusch aufmerksam gemacht, wandte sich die junge Dame, die an einem in der Mitte des hohen, eckigen Zimmers stehenden kostbaren Flügel lehnte und wahrscheinlich in den vor ihr liegenden Notenheften geblättert balte, langsam um. g Et tung eingm Hentlichen Mus. Ihr schmales, seines Gesicht trug einen beuriichen Ausdruck der Trauer und der Glanz ihrer dunklen Augen schien sogar von einem Tränenschleier verhüllt zu sein— wenigstens glaubte Hagenow im Näherkommen zu bemerken, daß es seucht von ihren Wimpern schimmerte. „Verzeihen Sie mein Eindringen,“ sagte er in gedämpftem, entschuldigendem Tone.„Allein ich habe zweimal geklopft —— ich glaubte. Sie hätten das Zimmer bereits wieder Die junge Dame schüttelie wehmütig lächelnd den Kopf. „Die Erinnerung an Papa überkam mich beim Durchblättern dieser Noten mit solcher Gewalt, daß ich Ihr Klopfen wohl überhört haben muß,“ entgegnete sie, auf die Blätter deutend, die vor ihr lagen.„Es waren seine Lieblingsstücke— er wird sie nie wieder von mir spielen hören.“ Sie wandte sich ab, um die Hand über die Augen zu legen, in denen es abermals heiß aufzuquellen begann— 2 der Schmerz um den erst vor so kurzer Zeit verlorenen Vater war noch zu gewaltig in ihr, als daß er sich hätte so leicht beherrschen lassen. Hagenow zögerte einen Moment— dann trat er etwas dichter an die Weinende heran und nahm leise ihre herabhängende linke Hand zwischen die seinen.„Ich verstehe und teile Ihre Trauer, Fräulein Gertrud— auch ich habe in dem teuren Verstorbenen unendlich viel verloren und doch war ich ihm erst seit kaum einem Jahre näher getreten, während Sie ihr bisheriges Leben an seiner Seite zubrachten. Der Verlust eines Menschen, mit dem uns so enge Bande verknüpfen, ist schwer, sehr schwer zu verschmerzen und es ist * daher fast unmöglich, Trost zu spenden. Hier kann nur die Zeit mildern— Worte vermögen nichts auch wenn sie aus einem Herzen kommen, das in treuer Ergebenheit mit dem Ihrigen fühlt.“... 9. geinell.: Trotzdem Hagenow in diesen Worten keinerlei neue Gedanken aussprach, so wußte er ihnen doch durch den weichen, etwas dunkel gefärbten Tonsall einen Ausdruck zu geben, dessen Wirkung nicht versagte, denn ein dankbarer Blick traf ihn aus Gertruds schönen Augen, ihn mit heimlicher Genugtuung eüend. b. H mein Schmerz ird ruhiagt „Sie haben recht— auch mein Schmerz wird runiger werden—— nur jetzt, wo mir alles noch so frisch in der Erinnerung ist, empfinde ich jede äußerliche Mahnung an deu Verlorenen doppelt und kann mich nicht so dagegen wappnen, wie ich wohl solle.. 8.E. Omans guserlgsen 2 Cas „Aber warum wollen Sie sich Zwang auferlegen: Dar Gefühl der Trauer ist doch in Ihrem Falle so sehr menschlich und also für jeden begreiflich, daß Sie ein Recht haben, sich ihm hinzugeben. Gewiß haben Sie aber mir gegenüber am allerwenigsten nötig, Ihre Empfindungen zurückzuhalzen, en: Sie wissen, wie sehr ich Ihre Trauer teile. Freilich beilagt ich es immer aufs neue, Ihnen so wenig Trost bieten zu können——...., 3. ascher Ganähemienung D Gertrud unterbrach ion mit rascher Hanovewegung.„O. sagen Sie nichts dergleichen— Sie wissen sehr gut, wac Sie mir in dieser schweren Zeit gewesen sind,“ wehrte sie im: Tone sanften Vorwurss ab.„Nie werde ich Ihre teilnahms. volle Fürsorge, Ihr eifriges Bemühen vergessen, mit denen Sie alle jene äußeren Notwendigkeiten von mir fern hielten. die bei einem solch traurigen Geschehnis erledigt werden müsseg, aber dazu dienen, dem Schmerz immer neue Nahrung Hagenow wiegte bescheiden lächelnd den Kopf.„Sie 1 überschätzen mich, Fräulein Gertrud. Zum mindesten ist es doch kein besonderes Verdienst für mich, wenn ich der Tochter des Mannes, dem ich so vieles verdanke, nach besten Kräften mit Rat und Tat zur Seite stehe, um ihr das Schwere in solch beklagenswerter Lage möglichst zu erleichtern. Leider 1 wird nur zu bald die Zeit kommen, die mir diese Möglichkeit epe. l.. h., hten Tates einen hächst eignischen Hagenow ließ diesem letzten Satze einen hochst elegischen Seufzer folgen, wie er denn überhaupt für die Gefühlsstimmungen, die er in seinen Worten ausdrücken wollte, stets die passenden Mittel zur Hand zu haben schien. „Was soll das heißen——? Doch nicht, daß Sie unser Haus verlassen wollen? Die Bestürzung in dieser Frage ließ Hagenows Augen sekrndenlang aufblitzen— jedenfalls war er mit der vorläufigen Wirkung dessen, was er soeben angedeutet, zufrieden. „Es wird wohl so kommen, Fräulein Gertrud,“ entgegnete er dann mit trübem Lächeln.„Der jähe Tod Ihres Herrn Vaters hat mich aus dem Wege gedrängt, den ich unter seiner Leitung gehen wollte, denn er wird eine Anderung der bestehenden Verhältnisse nach sich ziehen, die nicht ohne zwingenden Einfluß auf mich sein kann. Ich habe daher bereits Schritte getan, mir anderweitig eine Stellung zu sichern. Der Zufall schien hierin mich zu begünstigen, indem er mir den Posten eines Korrespondenten in einem befreundeten Bremer Bankhause sozusagen in die Hände schiebt, darf ich nicht zögern, das mir so unerwartet Gebotene anzunehmen.“ Hagenow schwieg, abermals mit einem jener vorhin erwähnten Seufzer endigend, wobei er es jedoch nicht versäumte, Gertruds Gesicht mit scharf beobachtendem Blick verstohlen zu streisen. Sie hatte ihm mit wachsendem Erstaunen zugehort und es war unschwer zu erkennen, daß seine Worte einen niederschlagenden Eindruck auf sie hervorgebracht.„Aber— mein Gott— so schnell wird sich doch diese Anderung der bestehenden Verhältnisse, wie Sie sagen, nicht vollziehen. Justizrat Bernhardi meinte erst gestern, als er mit mir Rücksprache wegen einiger, Papas Testament betressende Punkte, nahm: so Hals über Kopf ließe sich das Geschäft unmöglich auflösen— auch sand er es vollständig richtig, daß Sie bis dahin die Leitung desselben weiterführen, denn er weiß, in wie hohem Grade Sie Papas Vertrauen besaßen. Ich sehe also doch eigentlich keinen Grund, der Sie so schnell von uns „Und doch habe ich Ihnen diesen Grund soeben mitgeteilt.— Sie wissen selbst wohl am besten, wie schwer es mir wird, dieses mir so unendlich lieb gewordene Haus verlassen zu müssen— allein Sie wissen auch, daß es sich um meine fernere Existenz handelt, zu welcher Ihr Vater in seiner 824— ucuu sbigymuvsch W„u o“ S 2 2 * S 2 * 95xE S E 5 =#EEE □ SEO3 ZENE#ER 5 55 S S.98 9# S g S#nn 5 E s 1b 5 5 95 5 2.•2 8 n 5 2 *— SPEER E.— " Sa Cß SHSESESE m SEE 150 8 85 „###4 e52 S Sabgg großen Güte mir half, den Grundstein zu legen. Meine Pflicht gegen mich selbst stößt hier in hartemn Kampf mit der innigen Verehrung zusammen, die ich für Sie hege und die gebieterisch von mir sordert, treu an Ihrer Seite auszuharren, bis alles jetzt noch Unklare in geordnete Bahnen gelenkt ist. Dadurch aber wird jene günstigeAussicht, von der ich Ihnen vorhin sprach, für mich in weite Ferne gerückt, ja, sie ist mir vielleicht unwiederbringlich verloren— eine satale Möglichkeit, mit der ich jedoch zu rechnen gezwungen bin. Und abgesehen von all dem eben Gesagten— mein längeres Hiersein dürfte am Ende Veranlassung zu Mißzdeutungen geben, denen ich mich nicht aussetzen mag und darf—“ (Fortsetzung folgt.) Editas Leidenschaft. Von Fritz Huth. Sie sind, wie so viele Frauen, zu voreilig in Ihrem Urteil, verehrte Freundin! Der sittliche Maßstab, den Sie sich für ihr Leben, für den Kreis Ihres Verkehrs zugeschnitten haben, paßt nicht für Menschen, die in ganz anderen Anschauungen erzogen und ausgewachsen sind. Ich will Ihnen eine kleine, harmlose Geschichte erzählen, aus der Sie selbst die Nutanwendung ziehen mögen. Mein Freund Hermann Rosen ging vor einigen Jahren — er war damals noch Junggeselle— während der Ferien nach dem Harz— ausgerüstet mit einem kräftigen Bergstabe und einem gefüllten Ranzen. In Magdeburg stieg ein Ehepaar ins Kupee— der Mann ernst und besonnen, aber freundlich und zuvorkommend gegen seine Frau und die Mitreisenden— die junge Frau sehr lebhaft, unbefangen, zu Scherzen aufgelegt. Rosen hatte mit dem Gatten, der sich bald darauf als Rechtsanwalt Bergmann aus Magdeburg vorstellte, zunächst einige gleichgültige Bemerlungen ausgetauscht, dann kam man schnell ins Gespräch, an dem sich auch die junge Frau, die unverkennbar eine Süddeutsche war, beteiligte. Wie das so auf Reisen geht, man befreundete sich schnell und beschloß, die Tour gemeinsam zu machen, und setzte schließlich ein vollständiges Programm fest. Dieser Plan wurde dann auch gewissenhaft durchgeführt — die drei Touristen hatten das herrlichste, lachende Frühlingswetter— und die heitere Stimmung stieg mit jedem Tage. Man gelobte sich, die schnell geschlossene Freundschaft zu einer dauernden fürs Leben zu machen. Schließlich schlug doch die Scheidestunde, und man beschloß, die schönen Tage in würdiger Weise durch ein heiteres Dines abzuschließen. Und so geschah es auch. Als Hermann dann in Halberstadt, wo der Rechtsanwalt noch eine geschäftliche Angelegenheit zu erledigen hatte, von dem Paare Abschied nahm, begleitete die junge Frau meinen Freund zum Bahnhofe und drückte ihm zum Abschiede— drei herzhafte Küsse auf den Mund. Das kam für Rosen ganz überraschend, und da er ein schlichter Mensch ist, der meines Wissens auf galante Abenteuer nicht auszugehen pflegt, mag er sich in dieser Situation ziemlich verlegen und unbeholsen gezeigt haben. Er war überzeugt, daß der beim Diner etwas reichlich genossene Wein der schönen Frau zu Kopfe gestiegen sein müsse. Er selbst geriet ein wenig in Glut, beruhigte sich aber bald wieder beim Lesen der Zeitungen, mit denen er sich für die Reise nach Berlin reichlich versorgt hatte.— Freundschaften, die auf der Reise in begeisterter Stimmung geschlossen werden, flauen in der Regel sehr schnell ab. Acht Tage nach der Rückkehr traf allerdings in Berlin ein sehr liebenswürdiger Brief des Rechtsanwalts ein, der Rosen noch den Dank für die genußreichen Stunden aussprach, die man namentlich seiner vortrefflichen Führung und seiner guten Laune zu danken habe, während die Gattin, die ihre Zeilen nur mit dem Namen Edita unterzeichnete, dem neugewonnenen Freunde erklärte, sie habe ihn sehr lieb gewonnen und darum habe sie ihm eine ebenso schöne wie liebenswürdige Frau zugedacht, ihre Herzensfreundin, die im Herbst aus Stuttgart zum Besuche käme: er möchte nicht versäumen, zur Brautschau zu erscheinen. Rosen antwortete in ebenso ungezwungener Weise, daß er für ihre Liebe und Fürsorge außerordentlich dankbar sei, daß er aber schon einer Jugendliebe die Ehe versprochen und im Herbst die Verlobung feiere, zu welcher Herr Rechtsanwalt nebst Frau Edita freundlichst eingeladen wären. Dann folgten in größeren Zwischenräumen von mehreren Monaten einige Ansichtskarten, die von Magdeburg nach Berlin und wieder von Berlin nach Magdeburg flutterien und eigentlich keinen andern Zmeck hatten, als zu betunden. daß man sich nicht völlig vergessen habe.— Es waren Jahre vergangen: Hermann hatte inzwischen seine Braut zum Altare geführt und wohl auch gelezent#ich einmal seiner Frau von den schönen Tagen berichtet, die er im Harz genossen. Da fügte es der Zufall, daß ihn eine Geschäftsreise nach Magdeburg führte; er beschloß, Bergmanns einen Besuch zu machen und ihnen seine Frau vorzustellen. Die Ankündigung des Besuches wurde sehr begeistert aufgenommen, und Hermann mußte Tag und Stunde seines Eintreffens genau bestimmen. Nachdem man sich im Hotel ein wenig erfrischt hatte, ließ Rosen einen Wagen kommen, nannte dem Kutscher die Adresse des Anwalts, und zehn Minuten später zog er die Glocke an der Tür der Bergmannschen Villa. Die Tür sprang auf, und schon im Vestibül kam Frau Bergmann den Gäten entgegen; und ehe noch Rosen ein Wort der Begrüßung sprechen und seine Frau vorzustellen vermochte, umarmte und küßte ihn Edita so herzlich wie einen aus weiter Feine heimgekehrten Bruder oder Gatten. Sehr freundlich war natürlich auch der Empfang der jungen Frau Martha, die jedoch ihre Mißstimmung nicht verbergen konnte. Beim Kaffee, der bald auf der geschmackvoll gedeckten Tafel stand. setzte sie ein ganz srostiges norddeutsches Gesicht auf und ließ sich nur schwer bewegen, die Hand nach dem leckeren Kuchen auszustrecken. Hermann, der mit dem Gatten und Frau Edita Eninnerungen austauschte und viel zu erzählen hatte, beachtete zunächst die üble Laune seiner Frau nicht; aber diese sorgte schon dafür, daß er sie endlich bemerkte. Über den vier glücklichen Menschen hing ein drohendes Gewitter. Das Gespräch stockte, und es wurde schließlich ganz still. Bergmann mochte etwas ahnen: er hatte zwar der Begrüßungsszene im Vestibül nicht beigewohnt, aber das sauer=süße Gesicht der Frau Rosen und die offenkundige Verlegenheit des guten Hermann berechtigten zu dem Schlusse. daß zwischen den beiden Frauen etwas vorgefallen sein müsse. Edila fand am schnellsten einen Ausweg— sie verschwand in der Küche. „Sagen Sie, lieber Freund.“ begann Bergmann,„wir haben Sie doch auf der Harzreise als einen so überaus lustigen Burschen kennen gelernt. Ich sehe, Sie fühlen sich durch etwas bedrückt, schütten Sie mir doch Ihr Here aus— Sie werden doch nicht daran zweifeln, daß ich Ihres Vertrauens würdig bin.“ Hermann sprach kein Wort, aber er streckte seinen Arm über den Tisch hinweg und drückte herzlich die Hand des Rechtsanwalts. Das sagte genug: die Verstimmung ging also von der Frau aus. „Gestatten Sie, Frau Rosen, daß ich Ihnen zunächst noch ein Täßchen Kaffee eingieße; und dann bitte ich Sie, obwohl wir uns heute zum ersten Male sehen, mir in freundschaftlicher Gesinnung Ihr Herz zu öffnen. Irgend etwas hat uns die frohe Laune verdorben, und da meine Frau in die Küche entflohen ist, so wird sie wohl die Schuldige sein.— Inbisienbeweis:... Jungrtel, Germ.. 2— th Lat „Ach, es ist nichts,“ antwortete Hermann, da er san, oaß seine Frau offenbar die rechten Worte nicht finden konnte. „Die Begrüßung im Vestibül nach der langen Trennung war etwas stürmisch, und— meine Frau—“ Der Rechtsanwalt brach in ein schallendes Gelächter aus— das Gesicht der kleinen Frau Martha färbte sich purpurrot, aber schließlich mußte sie auch mitlachen— sie war von einem drückenden Alp befreit. „Ja, ich kenne die stürmischen Umarmungen meiner Edita — ach, Sie müssen sie recht verstehen! Das ist so ihre süddeutsche Art und ihre überquellende Lebenslust. Und dabei !s sie herzensgut! Wen sie einmal in ihr Herz geschlossen hat. den wird sie nimmer schlecht und recht nach den üblichen Normen und Formen behandeln, der ist ihr Bruder und Geliebter in einer Person.“.„„ 666 Die kleine Frau Rosen biß nun verzhaft in ein Stück Küchen hinein, während ihr ein paar Tränchen der Rührung über die Wangen rollten.„„ ergt a### „Also, nun heraus mit der Stprache," wandte sich der Anwalt an Hermann:„wieviel Küsse hat es gegeben. Sie Der hatte nun auch seine frohe Laune wiedergesunden: „Drei— oder wenn ich ganz ehrlich sein soll: sechs, und zwar sind alle sehr sündhaft. Die ersten drei, weil sie in Se ne