De Simenn Zetung güdhen dach. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter Jamilienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Pelitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabalt gilt als Kassarabalt u. erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Bichsschsuad esnacht.- Seilbnecheltonne Amtliches Kreisblatt Welthotener Zeitung Langscheder Zeitung füt den Kreis werene Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volksblatt Schwerter Volkszeitung Verbunden mit: Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreises o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Aüg danter und ichalgeltgüchen Bonod. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemah Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Veröffentlichung in dei„Schwerter Zeitung", rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adonnen= ten für jeden mit Tod endenden Unfall ge300 Mk. Unfall. Druck u. Veriago, Car Braus. Schwerte= Nuhr Fernsp. 62. Telegr.=Adr. Braus Schwerte=Ruhe“ Nr. 231. Freitag, den 2. Oklober 1914. igang 90 — Rückblick vor der Entscheidung. In dem ersten Abschnitt des Krieg.s war der Siegeslauf unserer Westarme gekennzeichnet durch das Niederringen der belgischen Fiestungen Lüttich und Namur und die Eroberung der frangösischen Eren festungen von Longwy bis Lille. Noch ehe die stärkste dieser Festungen Maubeuge bezwungen war, unterlag das französisch=englische Hoer in mohreren Feldschlachten den deutschen Wassen. Alsbald nach dem Fall dieser Festung(8. Sept.) versuchte das feindliche Heer, gestützt auf die Festungen Paris und Verdun gegen die beiden Flügel der deutschen Armee im Nordwesten und Südosten vorzustoßen. Besonders stark waren diese Durchbruchsversuche auf unserem rechten Flügel, der nach schweren Kämpfen zwischen Meaux und Montmirail zurückgenommen wurde. Die Folge davon war, daß auch die Mitte zurückgenommen werden mußte. Die neue deutsche Linie erstreckte sich zwischen Noyon—Soissons—Reims—Verdun. Am 17 September begann in dem großen Riagen zwischen Oise und Marne die seindliche Widerstandskraft zu erlahmen. Am 19. September war der Feind überall in die Verteidigung gedrängt und begann südlich von Verdun der deutsche Angriff auf die Sperrfortlinie. Noch einmal versuchte dann der Feind unter Ausnutzung seines Bahnnetzes weit ausholend eine Umfassung unserer auf dem äußersten rechten Flügel stehenden Truppenteile, die jedoch mißlang. Inzwischen waren eines der Sperrsorts zwischen Verdun und Toul erobert, drei andere zum Schweigen gebracht. Das langsame Fortschreiten der dreutschen Ofsensive erklärt sich hauptsächlich aus den großen Vorteilen, die den Gegnern die starken Festungsplätze und Sperrforts gewähren. Unter ihrem Schutze konnten sich geschlagene Truppen sammeln und die Besatzungen Ausfälle machen. Nachdem die feindlichen Umgehungsversuche im Nordesten gescheitert, die großen Hindernisse der Sperrfortlinie überwunden sind, wird die allgemeine Frontalschlacht, deren Vorbereitung der zweite Kriegsabschnitt gewidmet wer, die Entscheidung bringen, wahrscheinlich die Entscheidung für den ganzen Krieg in Frankreich. Die Verbündeten der Gegenseite haben alle ihre Kräfte in dem Raume zwilchen Marne und Oise eingesetzt. Der Widerstand gegen das siegreiche Vordringen unserer Westarmee geht zu Ende und wandelt sich hofsent. lich bald in eine vom deutschen Generalstabe mit kaltblütiger Vorsicht herbeigeführte vollständige Niederlage. 414|2 700000 Asghalten märschierren. Konstantinopel, 1. Oktober(Nicht seines Bruders, Masr=Ullah=Khan, mit amtlich] Ein hiesiges Blatt gibt die Meldung des offiziösen afghanistanischen Organs„Aradjuhlah Barjafihan“ wieder, wonach der Emir von Afghanistan eine Streitmacht von 400000 Mann regulärer Truppen unter dem Oberbefehl dem Auftrag entsandt habe, die Stadt Peschawar, den Schlüssel Indiens, zu besetzen. Eine andere aus 300000 Mann bestehende afghanistanische Streitmacht unter dem Befehl des Thronfolgers marschiere gegen Rußland. Es geht weiter vorwärts! Großes Hauptquartier, 2. Okt.(W. T. B.) Am 30. September sind die Höhen von Roye und Fresnoy(nordwestlich von Noyon) den Franzosen entrissen. Südlich von St. Mihiel wurde am 1. Oktober ein Angriff von Toul aus zurückgeworfen, der den Franzosen schwere Verluste beibrachte. Der Angriff auf Antwerpen schreitet erfolgreich fort. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz ist keinerlei Veränderung eingetreten. Berlin, 2. Okt. Es geht weiter vorwärts, schreibt der„Lokalanz.“ zu den neuerlichen deutschen Erfolgen auf dem rechten Flügel des westlichen Kriegsschauplatzes. Die Nachrichten, die uns um Mitternacht vom westlichen Kriegsschauplatz erreichten, sind außererdentlich befriedigend. Wir ahnten zwar aus dem Zurückweichen numerisch überlegener französischer Angriffskolonnen, daß die französische Offensive im Zusammenbruch begriffen sei, aber daz unsere Truppen nach 17tägigen ununterbrochenen Kämpfen imstande sein würden, ihrerseits die Offensive zu übernehmen, das ist ein außerordentlicher Beweis für die Brauchbarkeit unserer Soidaten und für den prächtigen Kampfesmut, der sie erfüllt. Dabei handelt es sich leineswegs um ein verlust= oder kampfloses Nachdrängen des rechten Flügels, nein dieser, der noch vor 24 Stunden angegriffen wurde, steht heute stolz da, denn er vermochte dem Feind die Orte Noye und Fresnoy zu„entreißen“. Dieses Entreißen heißt„nach heftigem Kampfe nehmen". Daher ist erwiesen, daß unsere Truppen nicht ermattet sind. Der Ort Fresnoy liegt 25 Kilometer nord. westlich Noyon auf dem Wege nach Amiens. Der Feind ist demnach beträchtlich zurückgedrängt worden, und was das bei einem ermatteten Feinde bedeutet, liegt auf der Hand. Südöstlich St. Mihiel wurde am 1. Oktober ein Angriff aus Toul mit schweren Verlusten für den Feind zurückgeworfen. So ist die von uns in die Sperrfortkette gerissene Lücke gewissermaßen, trotz aller Anstrengungen der Garnisonen Toul und Verdun, geblieben. Noch mehr, die Festung Verdun hat sich offenbar an den schweren Kämpfen der Garnison Toul nicht mehr beteiligt, vielleicht nicht mehr beteiligen können. Die Schlacht an der Aisne. Berlin, 2. Okt. Dem„Berl. Lokalanz.“ wird aus Genf gemeldet: In hier eingetroffenen Pariser Depeschen wird bekannt, daß der rechte deutsche Flügel auch gestern wieder ungeschwächte Vorstöße zeigte und nordöstlich von Compiégne sehr heftig und zielbewußt vorging. Die Franzosen liesen Gefahr, einen wichtigen Punkt zu verlieren, doch erhielten sie rechtzeitig Verstärkungen. Die Deutschen erneuern heute ihre Bemühungen nach allen Richtungen, auch im Woevregebiet. sonders in der Umgegend von St. Mihiel werden die Kämpfe fortgesetzt. Berlin, 2. Okt. Dem„Verl. Tagebl.“ wird aus Genf gemeldet: Der gestern nachmittags um 3 Uhr 25 Min. ausgegebene französische offizielle Schlachtbericht lautet:„Auf unserem linken Flügel nördlich der Somme fährt die Aktion fort, sich mehr und mehr nach Norden zu entwickeln. Zwischen Oise und Aisne hat der Feind einen heftigen Angriff auf Tracylemont unternommen im Nordwesten des Waldes von Laigle. Er wurde unter Verlusten zurückgeschlagen. Im Zentrum Ruhe auf der ganzen Front von Reims bis zur Maas. Zwischen Somme und Maas leichte Vorstöße der Franzosen. In Woevie rückten französische Truppen nach heftigen Kämpfen auf mehreren Punkten vor, besonders im Osten von St. Mihiel. Auf dem rechten französischen Flügel in Lothringen und in den Vogesen ist die Situation unverändert. Die Sperrung der Dardanellen. Die türkische Regierung rechtsertigte die Sperrung der Dardanellenstraße, die bisher für Handeisschiffe ofsen war mit der Tatsache, daß nicht nur vereinzelte Uebergrisse stattfanden, sondern daß die englische und die französische Flotte seit einiger Zeit am Eingang der Dardanellen kreuzten, ein= und ausfahrende Schisse anhielten, durchsuchten und die Besotzung ausfragten. Dadurch wurde die Freiheit der Schiffahrt in den Dardanellen in dem Maße beeinträchtigt und in Frage gestellt, daß die Regierung des Sultans es vorzog, die Wasserstraße für den Schilfsverkehr gänzlich zu sperren und nicht früher wieder zu öffnen, bis das englische und das französische Kriegsgeschwader die türkichen Gewässer vor den Dardanellen verlassen und wieder normale Zustände eingetreten sind. Auf den Protest Englanderklärte die türkische Regierung in einer Note, daß die Anwesenheit der englischen Kriegsschiffe die Sperrung erzwungen habe, daß diese jedoch sofort ausgehoben werden würde, wenn England eine Schiffe zurückzöge! Das will man aber weder in London noch in Paris oder Petersburg. Unsere Gegner wollen die Türkei vielmehr zwingen, ihre Deutsch-Freundlichkeit auf,ugeben und sich dem Dreiverband anzuschließen. Aus diesem Grunke ist auch die Meldung eines italienischen Blattes nicht unwahrscheinlich, daß der Dreiverband eine Flottendemonstration gegen die Türkei beabsichtigt unter dem Vorwande, damit die Türkei zu zwingen, die von ihr aufgehobrnen Verträge mit den Steaten des Dreiverbandes wieder in Kraft zu setzen. Die russische Schwarze Moer=Flotte nähert sich jener Meldung zufolge bereits dem Bosporus und die englischen wie französischen Kriegsschifse sind im Aegäischen Meere unweit des Dardanelleneingangs vereinigt Das Ultimatum Englands an den Khedive von Aegypten, innerhalb 48 Stunden Konstantinopel zu verlassen, ist in Wirklichkeit an die Türkei gerichtet und zeigt, wie außerordentlich scharf die Spannung zwischen England einer- und der Türkei und Aegypten andererseits geworden ist. Der Khedive Abbas 2., der seit 1992 Vizekönig von Aegypten ist und als solcher vom Sultan anerkannt wurde, besitzt trotz des gestiegenen englischen Einflusses eine starke Anhängerschaft im Pharaonenlande, die in dem Falle, daß die Türkei in einen Krieg gegen England verwickelt werden ollte, sicherlich nicht den untätigen Zuschauer machen würde. Im Grunde genommen hat England aber bereits Feind#eligkeiten gegen die Türkei begonnen, indem es laut„Frankf. Ztg.“ die Zurückziehung eines aus den Dardanellen ausgelaufenen türkischen Kriegsschifses unter der Drohungder sosortigen Beschießung des Schisses forderte. Der seindliche Akt Englands fällt um so mehr ins Gewicht, als er in den türkischen Gewässern erfolgte. Italiens Neutralität. Rom, 1. Okt.(Nicht amtlich.) Die Versammlung der liberalen Deputierten, die unter dem Vorsitz des Vizeprüsidenten der Kammer, Gripvo, tagte, nahm folgende Beschlußfassung an: Die liberalen Deputierten erkennen die Rechtmäßigkeit der Neutralitätserklärung an, welche die Regierung beim Kriegsausbruch abgab und versichern von neuem, daß sie volles Vertrauen zur Regierung haben, von der sie annehmen, daß sie sich ihrer hohen Pflichten und der großen Verantwortlichkeit gegenüber Italien bewußt ist. Sie vertrauen, daß die Regierung mit Vorbedacht und Tatkraft die obersten nationalen Interessen wahrzunehmen wissen wird.— Nach Schluß der Versammlung begab sich eine Abordnung zum Ministerpräsindenten Salandra, um die Beschlußfassung zu überreichen. — Die Schlacht bei Lyck. Ueber die Schlacht bei Lyck, über welche bisher Einzelheiten berichtet wurden, gibt jetzt der Kriegsberichterstatter von Kolschützkie folgende Darstellung: Als die Entscheidung auf der Schlachtlinie Allenstein=Gerdauen=Angerburg gefallen war, und diee große Rechtsschwenkung unserer Armee erfolgte, um die auf dem Abmarsch befindlichen Russen zu umsassen, fiel der Division v. d. Goltz die Aufgabe zu, einen Einfall der Russen durch die Serenge bei Lyck zu verhindern. Die Russen rückten von Neuendorf her an, und versuchten, aus dem Walde gegen die Seenenge vorzustoßen. Bei strömendem Regen begann nachmittags der Angriff. Die Nacht benutzten unsere Truppen dazu, sich zu verschanzen. Sie konnten aber die Schützengräben nicht benutzen, weil sie voll Wasser liefen. Von morgens ½5 Uhr an donnerten die Geschütze von unserer Seite mit solchem Erfolge, daß der Rand des Neuendorfer Hochwaldes stellenweise wie gemäht liegt. Trotzdem kamen Teile des sibirischen Armcekorps unter dem Schutze das Nebels bis auf 200 Meter heran. Inzwischen hatte Exz. v. d. Eoltz einem größeren Truppenkontingent die Deckung der westlichen Seenenge übertragen. Diese Brigade aber wurde durch einen russischen Angriff nordwestlich von Lyck festgehalten, worauf v. d. Goltz eine Reserve von sieben Kompagnien ansetzte, und nach Lötzen telephonieren ließ, man solle alle dort verfügbaren Truppen mit der Bahn sofort nach Schedlischen sonden, zur Deckung seinos rechten Flügels. Während dieses Gespräches wurde der Draht von den Russen durchschnitten, so daß man nicht recht wußte, ob der Antrag verstanden sei. Die sieben Kompagnien kamen zwischen Stanowo und dem Lycker See zuerst gut vorwärts. Als sie aber aus dem Walde heraus sich entwickelten, erhielten die ersten alsbald ein so heftiges Maschinengewehrstuer, daß nicht daran zu denken war, in dem vernichtenden Kugelregen weiter vorzudringen. So war Lyck von Osten und Westen her von überlegenen russischen Kräften umklammert, während der Generalstab auf eine günstige Entscheidung mit Besorgnis harrte. Zur selben Zeit, als er am User des Lycker Sees stand, und die russischen Eranaten zu seinen Füßen ins Wasser klatschten, promenierte ganz harmlos dahinter auf der Straße ein zahlreiches Publikum, das aus dem absichtlich heiteren Mienen der Offiziere auf eine glänzende Lage schloß. Immerhin wurde der Angriff bis zum Nachmittag des zweiten Tages im Westen besonders durch glänzendes Schießen unserer Landwehrartillerie ausgehalten. Um 3 Uhr nachmittags kam plötzlich der erste der ersehnten Züge an. Lötzen hatte den Auftrag doch verstanden! Der Kommandant hatte zusammengebracht, A was möglich war, und nun rollten die Züge einer nach dem andern heran. Sogleich ging es im Lausschritt ins Gesecht. Die ganze Nacht wurde von den Unrigen gegraben und Schanzen hergestellt. Als der neue Tag begann, und die Führer in Erwartung des neuen Angriffes durch die Gläfer blickten, war kein Russe mehr zu sehhen. In Regen und Naß und Nebel waren sie, wie Gesangene später aussagten, im Galopp und Laufschritt über die Grenze zurückgegangen Der strömende Negen, die Erinnerung an Tannenberg, das gute Feuer unserer Landwehrartillerie, hatten ihre Angriffslust gebrochen. Der Krieg gegen Der Erzbischof von Reims über die Kathedrale. Rom, 1. Okt Der„Popolo Romano“, gibt einen Brief des Erzbischoss von Reims, Kardinal Lucon, wieder, in dem es heißt, daß die Türme, die Fassade und die Orgel der Kathedrale zu Reims unbeschädigt sind. Das Blatt meint, die Künstler und die Gelehrten hätten gescheiter daran getan, die genauen Nachrichten abzuwarten, bevor sie ihren Protest losließen. Freilassung deutscher Parlamentäre. Berlin, 1. Okt. Die widerrechtlich von Franzosen festgenommenen drei deutschen Parlamentäre, Major v. Arnim, Rittmeister v. Kummer und der Schauspieler Karl Elewing, der den beiden Offizieren als Meldereiter beigegeben war, sind nun wieder freigelassen worden und werden sich von dort auf den Kriegsschauplatz zurückbegeben. Sie waren bis Orleans verschleppt worden und blieben dort drei Wochen, bis die Franzosen sich überzeugt hatten, daß ihre Gefangennahme unter Mißachtung der Parlamentärflagge einen groben Bruch des Völkerrechts darstellte. Der in Dunkel gehüllte Eiffelturm. Die„Times“ melden aus Paris: Die Bombe, die aus dem Trocaderoplatz explodierte, war anscheinend für den Eiffelturm bestimmt. Sie platzte mit stackem Knall, und obgleich in der Straße nur ein kleines Loch sichtbar ist, wurden die Scheiben der Fenster bis zum siebenten Stock zertrümmert. Die Mauer eines Eckhauses zeigt Kugelspuren Eine große Menschenmenge sammelte sich am Sonntag nachmittag, um die Arbeit eines deutschen Flugzeuges zu beobachten. Man hörte die Bemerkung:„Combien c'est dangereux de sortir sans parapluie!" Der Eifselturm wird sorgfältigst bewacht, und es ist verboten, in der Umgegen von einem Kilometer Licht zu brennen. In den Gasthöfen der Umgegend nimmt man die Mahlzeiten beim Licht einer einsamen Kerze ein. Die ohnmächtigen Zuaven. Rotterdam, 1. Okt. Der Korrespondent der „Daily Mail“ meldet aus Paris eine Unterredung mit einem verwundeten Zuavenoffizier, der erzählte: Am 20. September sei eine Brigade von 8909 Zuaven in deutsches Maschinengewehrfeuer geraten und sei bis auf 1000 Leichtverwundete aufgerieben worden. Die Kampfesweise der afrikanischen Truppen habe gegen die moderne Taktik des deutschen Heeres keine Aussicht auf Erfolg. Cassagnac gefallen. Rom, 2. Okt. Aus Paris wird telegraphiert: Guy de Cassagnac, der Direktor der„Autorite", der sich bekanntlich vor dem Kriege mit einem deutschen Zeitungskorrespondenten wegen der Hansi=Affäre schlagen wollte, befindet sich unter den Toten der letzten Kämpfe. Die französische Kultur. Der Pariser„Matin“ hatte offen zur Ermordung der deutschen Gesangenen ausoesfordert. Zensur der französischen Heeresleitung hatte den Todel eines anderen Blattes über solche Roheit gestrichen, die Aussorderung des„Matin“ jedoch zur Verbreitung ins Ausland zugelassen. Dieses Dokument französischer Schande lautet: Und kein Mitleid in den nächsten Kämpson, wenn wir die: nichtswürdigen Verbrecher wider das gemeine Recht in unserer Gewalt haben werden, aus denen Wilhelm 2. vielleicht sein: Leibwache gebildet hat, die aber wert sind, abgeschlachtet zu werden wie die Schweine. Ganz Frankreich würde einen unwiderstehlichen Protest einlegen, wenn es glauben oder fürchten könnte, daß man es mit derartigen Gessangenen belästigen möchte. Sie sind keinen Pardon wert, sie müssen niedergeschlachtet werden wie wilde Tiere. Ueber die Schlacht zwischen Chalons und Maas erzählt den„L. N. N.“ ein Mitkämpfer surchtbare Einzelheiten. Die deutschen Geschütze wurden mit einem wahnsinnigen Granatenhagel überschüttet. Das dritte Geschütz erhielt plötzlich einen Volltrefser, der Führer flog als formlose Masse über einen Apselbaum hinweg. Der Richtkanonier, dem beide Beine fortgeschossen u. der Leib aufgerissen waren, zog seinen Revolver hervor und schoß sich mit dem Ruf„Lebt wohl, Kameraden!“ eine Kugel in den Kopf. Ein Kanonier, der seinen Arm durch den Schutzschild gedeckt hatte, zog ihn mit einem Schrei zurück, er war völlig zerschmettert worden. Eine Granate riß einem Richtkanonier den Kopf herunter, er blieb noch minutenlang an der Kanone gelehnt stehen und hatte die Hände am Rad festgekrallt. Mannschaften, die entsetzlich verstümmelt vorbeigetragen wurden, lachten laut und seuerten ihre kämpfenden Brüder an. Erst als schwere Artillerie kam, konnten die vollkommen erschöpsten Reste aus dem Feuer gezogen werden. Lokomotiven als 1. Okt. Der Hilfstruppen. „Nieuwe Rotterdamsche Der Riieg gegen Beigen. Unsere Fortschritte bei Antwerpen. Rotterdam, 2. Okt. Aus Antwerpen wird gemeldet: Beim Fort Waethem sprengten die Deutschen das Pulvermagazin. Sie sollen die dortigen Trinkwasserwerke zerstört und die Plätze Lier und Herenthals besetzt haben. Die Beschießung Antwerpens. Amsterdam, 2. Okt. Die Beschießung der Forts Waethem und Wavre St. Katharina wurde gestern mit großer Heftigkeit fortgesetzt. Nach einer weiteren Meldung sollen die Deutschen gestern schon einen Infanterie=Angriff gegen die erste Verteidigungslinie versucht haben. Deutsche Geschütze sind auf den Höhen bei Leyst op den Berg aufgestellt und beschießen Lyer. Der vorlaute Max. Der Exbürgermeister von Brüssel Max, dessen ostentativ zur Schau getragene Deutschfeindlichkeit zu seiner abermaligen Verhastung geführt hat, hat eine für einen Bürgermeister sonderbare Laufbahn hinter sich. Von Beruf Rechtsanwalt wurde er dann Journalist und Theaterkritiker eines übellbeleumundeten Blattes, ging dann zur Politik über und drängte sich allmählich in den Bürgermeisterposten. Er ist ein guter Rechner und finanziell gut gestellt und versteht es, den leichten Sinn seiner Belgier durch prunkhafte Empfänge gefangen zu nehmen. Auch mit den Gemeindebehörden von Paris und London trat er in Fühlung und bereitete auf diese Weise die Entente vor, die jetzt für Belgien so unheilvoll geworden ist. Natürlich hat er sich dadurch bei den Brüssekrn beliebt gemacht und diese Ehre muß ihm wohl in den Kopf gestiegen sein, als er es wagte, die Auszahlung der Schuldverschreibungen der Stadt Brüssel an die deutschen Behörden zu verweigern Haag, 1. 9 Courant“ geht von belgischer Seite eime Schilderung zu, nach der Sonnlag nacht von einer ungenannten belgilchen Station hintereinander acht Züge mit Eisenerz nach Löwen zu abgegangen seiem. Die Maschimnisten und Heizer brachten die Züge so weit als möglich, öfneten alle Ventile und sprangen ab. Man weiß noch nicht, welches Unheil diese Züge angerichtet haben mögen, ehe sie das von den Deutschen besetzte Eisenbahnnetz erreichten. Aber man ist sicher, daß die Linie nach Antwerpen auf lange Zeit(?) unbrauchbar gemacht worden sst.. Die Belgier werden mit dieser maßnahme hofsentlich ebenso wenig Glück gehabt haben, wie ihnen die Sperrung des Tunnels von Noucevaix durch 17 Lokomotiven geglückt ist. Im übrigen ist uns die freundliche Uebersendung solcher Mengen von Rohmaterial gar nicht unwillkommen. Vielleicht lassen sich noch Kanonen gegen ihre Verbündeten daraus gießen. Für die Belgier selbst werden wohl die Kruppschen Geräte in einigen Tagen das letzte Wort reden. Franktireurkämpfe um Antwerpen. An Antwerpen knüpft sich die letzte Hoßsnung Belgiens und deshalb wüten auch dort immer noch die Frantireurkämpfe. Bei Visee wurden laut„Tägl. Rdsch.“ unsere Landwehrmänner im Schlaf übersallen. Auch in Loen wurden Sanitätstruppen beschossen, in dem Kirchturm allein hielten sich 40—50 Franktireurs verborgen. Zum Glück war sofort deutsche Artillerie da, die den Turm herunterschoß. Dann gingen die bärtigen Landwehrleute mit Fackeln umher und zündeten bedächtig I die Häuser an. In Aerschot schoß der Sohn des Bürgermeisters den deut. schen General Stengel bei der Tafel nieder. Jede Nacht spielen sich tolle Episoden ab, belgische Soldaten und Franktireurs versuchen die Munitionswagen der Deutschen in die Luft zu sprengen. Einmal schlug so ein Treffer in einen Korb voll Granaten, ein furchtbarer Krach, und als sich der Rauch etwas verzogen hatte, war von dem Wagen und Mannschaften nichts mehr zu sehen. Nicht mal ein Helm oder Gewehr war zu sinden, alles spurlos in alle Winde geschleudert. Dabei sind die Franktireurs so fanatisch, daß sie sich wenig um das eigene Leben kümmern Ein Bauer, der bei Mecheln während eines Ueberfalles festgenommen war, benahm sich ganz ruhig, bis zum letzten Augenblick hielt er seine Stummelpseife zwischen den Zähnen und starb mit einem bösen Lächeln im Gesicht. den die Engländer nicht erwartet haben. Sie glaubten, uns wirtschaftlich besiegen zu können, und nun müssen sie erfahren, daß sie selbst auf essesem Gebiete, nämlich aus dem der Ausfuhr, auf kom wir die Schwächeren waren, schlimmer leiden, als wir. Neuer Kriegsdiebstahl Englands. Amsterdam, 1. Okt. Wie der„Telegraas“ aus London meldet, wurden die zwei auf englischen. Wersten im Bau befindlichen spanischen Kriegsschifst von der Admiralität beschlagnahmt. Es handelt sich hier anscheinend um zwei Panzerkreuzer„Alsons 13.“ und„James 1“. Die englischen und französischen Kriegsschiffe haben die Dardanellen verlassen. WTB Konstantinopel, 1. Okt.(Nicht amtlich.) „Tanin“, schreibt: Die Tatsache, daß englische Flotten vor den Dardamellen in türkischen Küstengewässern kreuzen, stellt einen Verstoß gegen das Völkerecht dar, da die Türkei die Neutrallität erklärte. Auf Grund von Nachrichten, die bei der Pforte eingingen, verlautet, daß die englische und französische Flotte infolge der Maßnahmen der Pforte die Dardanellen verließen. Sie sollen sich in den Gewässern vom Tencdos befinden, Ein deutscher Flieger über Calais. London, 2. Okt. Wie der„Daily Telegraph“ meldet, wurde ein deutsches Flugzeug in großer Höhe über Calais gesichtet. Der Flieger warf drei Bomben ab, von dinen eine auf das Fort Nieulay siel. Der Schaden soll nicht allzugroß sein. Der Krieg gegen Japan. Angriff der Japaner. WTB Kopenhagen, 1. Okt.(Nicht amt lich.) Der japanische Gesandte veröffentlicht ein Telegramm seiner Regierung, nach dem die paner am 26. September, nachmittags, die Deutschen an der vorgeschobenen, hochgelegenen Stellung zwischen den Flüssen Paisha und Lizun angegriffen haben. Verluste der Japaner. Rotterdam, 1. Okt. Die„Daily Mail“ berichtet aus Tokio, daß die Japaner in den ersten vier Wochen in den Kämpfen um Tsingtau 312 Tote und neun Flugzeuge verloren haben. Japanische Flieger. Rotterdam, 2. Okt. Reuter meldet aus Tokio: Drei japanische Flugzeuge beschossen aus einer Höhe von 700 Metern deutsche Kriegsschifse. Die Flugzeuge wurden zwar beschossen und auch beschädigt, konnten aber noch zurückkehren. Der Klieg gegen Englans." Dei Klieg gegen Rühnans. Das Zahlungsverboot gegen England. WTB Berlin, 1. Okt.(Nicht amtlich.) Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht die Bekanntmachung des Bundesrats betr das Zahlungsverbot gegen England. Danach sind bis auf weiteres verboten, Zahlungen nach Großbritannien, Irland oder dem britichen Kolonien und auswärtigen Besitzungen mittelbar oder unmittelbar in bar, Wechsel oder Schecks durch Ueberweisung oder in sonstiger Weise zu leisten, sowie Geld oder Wertpapiere, mittelbar older unmittelbar nach den bezeichneten Gebieten abzuführen oder zu überweisen. Englands und Deutschlands Export. Berlin, 1. Okt. Im August hat Deutschlands Export weniger gelitten, als der englische. Der deut'sch: Export ist um 345 Millionen Mark, gleich 44,8 Prozent zurückgegangen, der Export Englands aber absolut und relativ stärker, nämlich um 407 Millionen Mark, gleich 45,1 Prozent.— Das wer100000 Russen in Galizien gefallen. Zürich, 1. Okt. Nach einer Meldung der „Neuen Züricher Zeitung" veröffentlichen Londoner Blätter glaubwürdige Meldungen über die Verluste der Russen in Ostpreußen und Ostgalizien, schreiben ganz offen, daß die russische Heeresleitung die Größe der österreichisch=ungarischen Armee verkannte und ihren Jirtum auf dem galizischen Schlachtfelde mit dem Leben von 100 000 Russen bezahlen mußte, Der Zar als„Feldherr“. WTB Rom, 2. Okt Nach einer hier veröffentlichten Petersburger Reutermeldung###d in Rußland eine große Armce von sünf Millionen Mann gebilldet, die unter dem Oberbeschl des Zaren steht und die in Riga, Wilna, Warschau, Lublin und Kowno zusammengezogen wird Man meint, daß durch diele Armee der feindliche Widerstand Herzlos. Roman von Lonise Cammerer. Frau von Helldrungen zeigte ein äußerst indiquiertes Antlitz. Der Mann mit dem vollen Dopreitinn, den starkt geröteten Waugen und schwimRoman von Lonise Cammerer. znenden Augen war ihr in tiefster „Darum lasset uns die Flamme des häuslichen In Rücksicht auf ihre Umgebung mäßigte sie ihren des hoch und heilig halten Möge der Friede Unwillen undentgegnete in gut beherrschtem Tone: „Mein Sohn versteht zu leben und weiß, was er seinem Namen und Rang schuldet. Ein Helldrungen hat die günstigsten Chancen für die Herdes hoch und heinig halten. Mogr err Hiller Eures Hauses stets gewahrt bleiben und Eure Ehe sich segenbringend gestalten für und für!" Die Diener rückten mit neuen Flaschenbatterien an. Die Pfropfen kuallten, die Gläser klirrten, der Sekt schäumte, und diesen allgemeinen Toastjubel benützte Hermine, um dem Vater eine Ermahnung zur größeren Mäßigkeit zuzuflüstern. Wie Oel auf das Feuer wirkten ihre Worte auf den erregten Mann. „Ach was, ich trinke, so lange es mir schmeckt!“ rief er ihr in ungehaltenem Tone zu.„Weshal hält man sich denn Weine, wenn nicht zum Trinken? Du mußt doch stets etwas zu kommandieren haben, Hermine, selbst heute an Deinem Hochzeitstag. Kommandiere künftighin nur Deinen Mann, dem jungen Sausewind dürfte es nottun, daß man ihm die Zügel etwas straffer hält!“ Die Baronin rückte unmerklich ihren Stuhl mehr zur Seite, Justizrat Börne suchte seine Verlegenheit unter einem erkünstelten Hüsteln zu decken und die junge Frau erglühte in Scham und Zorn. Prosit, Baronin!“ Wilten hielt seiner Tischnachbarin das gefüllte Sektglas entgegen.„Unsere Kinder sollen leben! Habe ich ihnen nicht ein reizendes, behagliches Nest eingerichtet, ein Bison, in dem sich's wohl sein läßt? Für wen schafft und strebt man denn, als für die Kinder, und ich meine, sie werden es gut brauchen. Der Werner, mein lieder Schwiegersohn, scheint ein flottes, lustiges Blut zu sein, dem das Geld so durch die Finger fliegt, der Sausewind wird mich bald um ein gutes Stück leichter machen. Nun ja, die Leutchen wissen ja nicht, wie schwer es zu verdienen ist und mit welchen Risikos und Konkurrenzen ein Fabrikant zu rechnen hat.“ Die Herren vom Adel, insbesondere die Offiziere der ersten Regimenter haben großen, geseltschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen und sind zudem keine überlegten Finanzgenies, für sie besitzt das Geld nur insofern Wert, als es dazu da ist, für ihre Bedürfnisse ausgegeben zu werden.“ Wilten lachte spöttisch. gz. 12 6 6. „Eine praktische Auffassung, um die ich die Herren beneide," erwiderte er boshaft,„und wenn zur Befriedigung der vornehmen Gewohnheiten und Bedürfnisse das leidige Geld fehlt, dann sucht man sich mit irgend einem Finanzgenie zu liieren, das schafft den bequemsten Ausweg. Der eine gibt den Titel, der andere die Mittel, das wird schon in der heutigen Gesellschaft zur Usance. Zwar ein etwas einseitiges, belästigendes Assoziationsgeschäft, bei dem der eine nur schaffende Kraft, der andere nur Vergender sein soll. Ich meinerseits danke für das Veranügen.“.... g. etI Boruch Die Baronin suchte den ausfau vornehm z ignorieren, indem sie sich mit Börne in ein Kunst gespräch vertiefte, während Werner, der den Auseinandersetzungen seines Schwiegervaters mit lächelnder Ruhe gefolgt, diesem vertraulich auf die Schulter klopfte und ihm in seiner frisch=fröhlichen Weise zurannte:„Wir sind ja nicht unter uns, Papa, vergiß das nicht, sonst gibt es morgen den schönsten Stadtklatsch. Wozu sich über Tatsachen erregen? Wir Leutnants haben nie Geld, dafür desto liebenswürdigere Schwiegerväter, die für den nötigen Nervns rerum sorgen. Ich bin sehr zufrieden mit dem meinen.“ Schnell versöhnt, drückte Wilten seinem Schwiegersohn herzhaft die Hand. „Du bist ein frischer, fröhlicher Junge, und ich bin Dir gut,“ rief Wilten.„Deshalb habe ich Dir auch mein Kind, meine schöne, stolze Hermine aus Herz gelegt. Halte sie gut, doch lasse Dir die Herrschaft nicht nehmen, denn die Weiber, Junge, die Weiber sind immer im Recht, die wollen herrschen, und wehe, wenn man das Heft erst einmal aus den Händen gegeben hat.“ Seine Stimme zitterte und schwankte in Weinseligkeit, und im Taumel vergaß er vollständig, daß erkurz zuvor Hermine ganzähnliche Ratschläge erteilt, Ratschläge, die den Frieden des häuslichen Herdes nicht eben zu erhalten und zu festigen bestimmt waren. Werner beabsichtigte, dem Gespräch eine scherzhafte Wendung zu geben, allein die Annäherung eines Dieners, der ihm auf silberner Platte einige neu eingelaufene Depeschen präsentierte, hinderte ihn vorerst daran. Rasch öffnete er die erste und zweite der Depeschen, während er die dritte, welche die Adresse seiner Mutter trug, dieser übergab. „Glückwünsche meiner Regimentskameraden, Glück über Glück, wohin mit all dem Glück, Hermine?“ fragte er, sich zu seiner Gattin wendend und seine Augen in ihre dunklen Sterne versenkend, die so kühl und ruhig den seinen begegneten. Wie ein Frösteln überliefes den lebensfrohen Mann. Das schöne Wesen, das in eine duftige Wolke von Seide, Spitzen und Myrten gehüllt, wie eine Erscheinung aus höheren Sphären an seiner Seite saß und ihm freiwillig zum Altare gefolgt war, glich einem starren Marmorbilde, dem zur beglückenden Liebe das warme, pulsierende Leben fehlte, und wiewohl auch er eine starke, innerliche Natur und nur wenig schwärmerisch und empfindsam veranlagt war, fühlte er sich dennoch ernüchtert und in seinen Hoffnungen enttäuscht. Auch die Baronin hatte inzwischen ihre Depesche geöffnet. Ihre Angen irrten mit ungläubigem, verstörtem Ausdruck über die wenigen Worte des Inhaltes. Das Blatt zitterte in ihren Händen auf und nieder und Röte und Blässe jagten sich auf ihren fein gezeichneten, regelmäßigen Zügen. „Ah!" seufzte sie aus tiefster Seele, und sich von ihrem Stuhl erhebend, sagte sie in leisem Flüsterton, durch den eine starke, seelische Erschütterung vibrierte, zu ihrer Schwiegertochter:„Ein unerwarteter Todesfall in meiner Familie stößt alle meine Pläne um und zwingt mich zur sofortigen Abreise. Verzeihe, wenn ich Werner auf einige Augenblicke Deiner lieben Gesellschaft entziehe, um ihn zu einer kurzen Aussprache mit mir zu nehmen. Eure Hochzeitsfeier soll durch die Trauerkunde, die mich persönlich am meisten berührt, keine Störung erfahren, doch will und muß ich mich mit meineen Sohne darüber einigen, was hier geschehen soll.“ In unauffälliger Weise verließen Mutter und Sohn den Speisesaal, um sich zu einer intmen Verständigung in die für die Baronin eingeri##teten Gemächer zu begeben. „Lies, Werner, lies und sage, ob die Bolschaft es nicht wert gewesen wäre, einige Tage früher einzutreffen, sage, ob ich nicht recht hatte. Dich vor einer verfrühten Verbindung zu warnen?“ rief Jreu von Helldrungen mit fliegendem Atem, als sie sitz mit ihrem Sohn allein sah. Sein Antlitz verlor die blühenden Farben und wurde fahlbleich beim Lesen der knapp gehaltenen, trotzdem aber inhaltschweren Depesche, welche die Todesbotschaft eines Familienmitgliedes berichtete.„Admiral Fordenskield gestern einer Lungenlähmung erlegen. Kommt sofort. Dagmar.“ lauteten die wenigen Worte. „Ah!“ seufzte auch der junge Mann aus schwerbeklommener Brust.„O Schicksal, wie hart und grausam kannst Du sein! Dagmar endlich frei und ich—“ Er vollendete nicht, doch seine Augen blickten düster. 202,16 weggesegt wird. Die Armee soll gleichzeitig auf Wien und Berlin marschienen.— Daß die Russen noch fünf Millionen Soldaten aufbringen wollen, erscheint nach menschlicher Berechnung unmöglich, unmöglicher aber noch ihr Vormarsch aus Wien und Berlin. Kein Zeppelin in Nußland abgeschossen. Thorn, 2. Okt. Der„Thorner Ztg.“ wird von zuständiger Seite mitgeteilt: Es ist unzutreffend, daß bei einer Kreuzfahrt über Warschau ein Zeppelin heruntergeschossen wurde. Das Luftschiff liegt unversehrt in seinem Heimatshasen. Rückzug der Seoben. Budapest, 2. Okt. Nach einer Meldung aus Mitrowitza befindet sich die Hauptmacht der Serben in vollem Rückzuge. Bombenwürse auf Cettinje. Budapest, 2. Okt. Aus Zara wirld gemeldet: Unsere Flieger sind in den letzten Tagen wiederholt über Cettinje erschienen und haben Bomben geworfen. Mit welchem Erfolge konnte noch nicht festgestellt werden.—— Aus Stadt und Umgebung. * Schwerte, den 2 Oktober. **(Von der Feldpost.) Amtlich wird uns aus Berlin mitgeteilt, daß von Montag, den 5., bis einschl. Sonntag, den 11. Oktober versuchsweise Feldpostsendungen im Gewichte von 250 bis zu 500 Gramm gegen eine Gebühr von 20 Pfg. angenommen werden. Die Gebühr für Feldpostzendungen im Gewicht über 50 bis 250 Gramm wird gleichzeitig dauernd auf 10 Pfg. herabgesetzt.— Diese beiden Bestimmungen bringen für zwei wesentliche Bemängelungen an unserer Feldpost Abhilfe; einmal gestatten sie die Versendung wenigstens eines Psundpaketes an die Soldaten im Felde, zum andera bringen sie für die jetzigen größeren Feldpostbriefe eine erhebliche Portoermäßigung. Künftig kosten also die Feldpostbriese bis zu 50 Er nichts, von 50—250 Gr. 10 Psg. Porto. von 250 bis 500 Gr. 20 Pig. Porto **(Eisenbahn=Fahrplan.) Vom 6. Oktober d. J. treten auf einzelnen Strecken des Bezirks der Königlichen Eisenbahndirektion Elberfeld weitere Zugvermehrungen und Verkehrsverbesserungen in Kraft. Die Einführung des Fahrplans mit größeren Geschwindigkeiten, nach dem auf allen Strekken eine große Anzahl der bis zur Mobilmachung gefahrenen Züge in den früheren Fahrzeiten verkehren sollen, wird voraussichtillich erst Ende Oktober erfolgen können. Es wird deshalb vom 6. Oktober ab ein neuer Fahrplan auf den Stationen und Bahnsteigen zum Aushang gebracht werden. In diesem Fahrplan sind die nach den jetzt gültigen Fahrplänen vom 10. und 21 September verkehranden neu eingelegten Züge und die sinzwischen zum größten Teil schon erfolgten Verbesserungen einhelner Fahrpläne enthalten. Die Fahrpläne vom 10. und 21. September treten vom 6. Oktober ab außer Kraft. Auch wird vom 5. Oktober ab bei den Fahrkahrtenausgabestellen ein Kleiner Taschenfjahrplan für den dierseitigen Bezirk zum Preisse von 10 Pfennig verkauft werden, aus dem die Zugverbindungen und Anschlüsse ersichtlich sind. *(Die letzte Ehrung.) Ein Leichenbegängnis, wie es umere Stalat noch nicht gesehen hat, bewegte sich gestern nachmittag vom evangelischen Krankenhaus zum evangelllschen Friedhol Galt es doch, dem Kriegsteilnehmer Franz Zwicker aus Liebertwolkwitz, der am Montag im hiesigen Krankenhause seinen auf dem Felde der Ehre bei Lacn erhaltenen Wunc##n erlegen war, die letzte Ehre zu erweisen. Die Kameraden des hies. Kommandos, die hier untergebrachtem Verwundeten und die sämtlichen militärischen Vereine der Stadt ließen es sich nicht nehmen, in überaus stattlicher Zahl ihrem verstorbenen Kameraden das letzte Geleit zu geben. Auch die Bürgerschaft, an der Spitze Herr Bürgermeister Rohrmann, Magistrat und Stadtverordnete, war zahlreich im Trauerzug vertreten. Auf dem Friedhof hat die Verwaltung einen besonders bevorzugten Platz für Kriegergräber bestimmt; hier fand Frz. Zwicker als erster sein„kühles Grab“ An der offenen Gruft sprach Herr Pastor Neil in bewegten Worten von der Liebe, die das Leben läßt für die Brüder. Die Kameraden vom hies. Kommando, die Verwundeten und die Stadt legten prächtige Kranzspenden nieder. Dann rollten 3 Salven über den stillen Friedhof, und das Grab schloß sich über einen Kämpfer für Deutschlands Fortbestehen und Größe. Möge er sein Leben nicht vergeblich für die Brüder geopfert haben und möge er auch sern der Heimat friedlich dem groben Auferstehungsmorgen entgegenschlummern, **(Geschworene.) Am Landgericht Hagen wurden gestern die Geschworenen für die am 12. Oktober beginnend Schwurgerichtsperiode ausgelost. Aus unserem Leserkreise gingen die Herren Gutsbesitzer Fr. Hohenschwert=Lichtendorf und Gutsbesitzer Moritz Beckhaus=Ergste aus der Auswahl hervor *“(Der noch vorhandene Pferdebedarf) wird fast durchweg, so schreibt der Regierungspräsident, durch Remontierungskommissionen und durch Offiziere und Veterinäre, welche hierzu durch militärische Dienststellen besonders beauftragt sind, gedeckt. Hierdurch soll erreicht werden, daß der Pserdebestand der heimischen Landwirtschaft möglichst nicht weiter geschwächt und die Einbringung der Ernte und die Herbstbestellung nicht in Frage gestellt wird. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß Händler Pserde zur Weiterveräußerung an die Militärbehörden und Remontierungskommissionen ankaufen. Abgesehen davon, daß hierdurch die Pserdeankaufskosten ungerechtfertigt erhöht werden, entsteht durch diesen Zwischenhandel auch eine Schädigung der heimischen Landwirtschaft. Es empsiehlt sich deshalb, diesen den militärischen und landwirtschaftlichen Interessen schädlichen Zwischenhandel auss energischste zu bekämpfen und zwar durch geeignete Aufklärung in landwirtschaftlichen Kreisen. **(Die neueste Verlustliste) bringt u. a. folgende Namen uns unserem Verbreitungsbezirk: Musketier Heinr. Baretti=Schwerte(lv.), Res. Wilh. Klingner=Buchholz(rerw.) Musketier Gust. Wilms=Holzwickede(verm.), Musketieer Wilh. Heuvemann=Holzwickede (sv.), Kanonier Gust. Iffland=Aplerbeck(lv.): **(Fürs Rote Kreuz.) Wie schon kurz mitgeteilt, gibt der Ruhrtaler Sängerverein unter Mitwirkung geschätzter Solisten am Sonntag ein Wohltätlgkeits=Konzert am„Freischütz“, dessen Ertrag dem Roten Kreuz überwiesen werdem soll. Der Leiter der Ruhrtaler, Herr Musiklohrer Neuhaus, hat ein hübsches, abwechselungsreiches Programm aufgestellt und auf die Einstudierung der einzelnen Chöre große Sorgsalt rurwendeet. Der Verein singt im ersten Te#l das bekannte„Ein blankes Wort" von Kirchl. „Michel horch“ von Neumann,„Ritters Abschied“ von Kinkel und„Der deutschen Elnheit Bau“ von Robbert. Der zweite Teil wird eröffnet durch Neumanns prächtigen Chor„Matrosenblut", es folgt Bohnes stimmungsvolles„Morgenrot", das bekannte„Ham'kehr“ von Koschat und schläeßt mit Rebhirts markigem„Heil edler Zollernsohn“. Frl. Mertens(Klowier) steht mit. größeren Kompositionen von Chopin und Liszt auf dem Programm, während Frl. Lecking(Alt) Lieder von Altmeister Schubert und dem miueren Tondichter Wolf gewählt hat. Daß auch die beiden Solisten des Voreins, die Herren Dahlbüdding(Tenor) und Schäfer(Bariton) nicht sehlen, versteht sich wohl von selbst. Bei der bekannten Leistungsfähigkeit aller beteiligten Faktoren steht den Konzertbesuchern ein seltener Kunstgenuß in Aussicht. Hoffentlich wird ein vollbesetztes Haus die Veranstalter für die ausgewandte Mühe reichlich entschädigen und ein stattliches Sümmchen dem Roten Kreuz zugeführt werden können. schulinspektor im Namen des Schulvorstandes und der Schulgemeinde herelichen Glückwunsch dargebracht. Wir alle wünschen Herrn Lehrer Kaiser, deß ihm noch manche Jahre weiterer reich#esegmiter Wirksaml it beschielven seien. Diesen Wunsch machen sich nicht zum wenigsten des Herrn Jubilars Schüler zu eigen, di#e(ihn mit Stolz und Frcude„unsern Kaiser" nennen. * Eckamp, 29. Sept.(Ein bedauernsweert#er Automolil- Unfall) er##ignete sich gestern oband gegen 8½ Uhr auf der Chaussee zwischen Kettwig und Ratingen. Ein von der Militärverwaltung Düffeldorf requiriertes Automobil eines Metzgermeisters aus Dortmund fuhr in der Dunkelheit gegen eine mitten auf der Straße liegende Ackerwalze Durch die Wucht des Anpralls sauste das Automobil in den Chausseegraben. Der Führer sowie dr Begleiter kamen unter don Wegen; während der Begleiter auf der Stelle tot war, erlitt der Führer erhebliche Bein= und innerliche Verletzungen. Der Getötete sowie der Vrletzte wurden dem Marien=Hospital in Natingen zugeführt. *e Wandhofen, 1. Okt.(Kriegsliebesdienst.) Auch aus unserer Gemeinde sind die ersten fertigen Sachen für unsere Krieger nach Hörde abgrschickt worden: 100 Paar Strümpfe, 91 Hemden, 49 Unterhosen, 31 Paar Pulswärmer, ein großer Posten Fußlappen, Leibbinden und Handschuhe und 34 Spaziorstöcke. Diese Sachen sind zum Teil in der Gemeinde angesertigt, zum Teil fertig gekauft. Es wurden hierfür 200 Mark aus der Gemeindekasse bewilligt, etwa 200 Mk. wurden in der Gemeinde hierfür gesammelt. Eleich zu Ansang des Krieges sind für das Rote Kreuz 100 Mk. aus der Gemeindekasse bewilligt. Eine Sammlung ergab ca. 300 Mk., hieran beteiligte sich auch der Gesangverein. Der Schützenverein spendete an das Rote Kreuz 100 Mk. Mit der Anfertigung von warmer Unterkleidung soll fortgefahren werden. *“ Holzen, 1. Okt.(Ziegenzucht.Verein.) In der am Sonntag abgehaltenen Versammlung des Zisgenzuchtvereins wurde beschlossen, von Nichtmitgliedern ein Deckgeld in Höhe von 2 Mk. zu erheben. Bezüglich der Freigabe der Böcke an Nichtmitglieder soll es wie im vorigen Jahre gehalten werden. Für die im Feld: stehendden Mitglieder sollen die laufenden Beiträge bis zum 31. Dezember gestundet werden. ** Hohensyburg, 1. Okt.(Jubiläum.) Am heutigen Tage steht Herr Lehrer Kaiser auf eine 25jährige Tätigkeit in der hiesigen Gemeinde urück. Dem allbeliebten Lohrer hat der OrtsDie neutrale Schweiz. Unter dieser Ueberschrift brachten wir, gleich violen anderen Zeitungen, im August folgende Moldung: Genf, 8 Aug. Alle aus Lyon geflüchteten Deutschen wurden hier alls Kriegsgesangene zurückgehalten. Von einem schon lange Jahre in der Schweiz ansässigen treuen Leser unseres Blattes wird uns hierzu geschrieben: Sie bringen in Ihrer Ausgabe vom 10. Aug., Nr. 185 unter: Die„neutrale“ Schweiz eine Mitteilung, welche direkt ersunden ist. Ich zweifle nicht daran, daß Sie diese 3 Zeilen auch aus „sicherer“ Quelle haben, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß deutsche Militärpflichtige auch hier bei uns in anständiger Art und Weise behandelt wurden Von einem„Zurückhalten“ kann absolut nicht die Rede sein; im Eegenteil gab es z. B. ab Zürich am 2. und 3. August extra Militärzüge für deutsche Militärpflichtige! Die Kriegswirren sind für die Schweiz wohl am bedauerlichsten, verursachen sie doch alle Tage ca. 1½ Millionen Franken Ausgabon, von denen mom sagen kann: Ausgegeben sind sie, aber eine Einnahme ist dafür nicht da Nur die Genugtuung ist bei uns allen: Jede feindliche Ueberschreitung der Grenzen müßte teuer, teuer bezahlt werden, sind letztere doch derart stark bewacht, verbaut etc. etc., daß eine Einnahme oder Ueberschreitung mit Gewalt fast zur Unmöglichkeit gerechnet wird. Ich könnte Ihnen da noch manches berichten, aber die Zensur verbietet das. Mit dem Wunsche, daß dieser unheilvolle europäische Krieg, der Handel und Wandel lahm legt urss manche Not und Kummer verursacht, in Bälke beendigt werde, grüße ich Sie als alter Abonnent. Wilh. Knauf. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraue Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte gesucht. 6283 Otto Wilkes Bahnhofstr. Landwirtschattliche s Winterschule Dortmund. Beginn des nächsten Wintersemesters Dienstag, d. 3. Nov. vormittags 10 Uhr. Anmeldungen nimmt entgegen und Auskunft erteilt Der Direktor Dr. Müller, Sonnenstrasse 100. Für unsere Krieger im Felde. KolaPastillen mit Pfefserminz wirhen durststillend u. erfrischend. 2 Schachteln versandfertig Mk. 1.50. Wärme=Leibbinden von Mk. 1.75 an. Orogerie 6299 Mar Arhthofe Teleson 195. Tieresgaren! Eine abgeschl. Stage von 5 Zimmern, Hörderstraße per 1. Januar oder früher zu vermieten. 6811 Näheres bei Karl Dittrich, Baugeschäft. Feinstes 6800 PflaumenMus-Gewürz Paket 10 u. 25 Pfg. empfiehlt Drogerie Man Mehlnose. Aogeschl. v P von 5 Jimmern mit Judehor zum 1. Januar oder früher zu vermieten. 6292 Hörderstr. 45. Am Donnerstag, den 8. Oktober, soll durch 10 Kraftwagen hiesiger Stadt den kämpfenden Truppen des 7. Armmeekorps Liebesgaben zuoführt werden.„ 14 Gut tretese wird dringend gebeten, Lievesgaven jedoer alt, insbesondere wollene Unterzeuge, Strümpfe, Pulswärmer, Handschuhe usw., Zigarren, Zigaretten, Tabak, Dauerfleischwaren bei den nachbenannten drei Sammelstellen: 1. Evangelisches Bürgerhaus, I. Kampstraße Nr. 67—69, 2. Katholisches Gesellenhaus, Silberstraße Nr. 26, 3. Kasino, Betenstraße ahzuliefern.„.„ Gschssaahen C. 42 42 4 Geldspenden woule man dem Konto„Liebesgaben=Transpolk“ bei der Rheinisch=Westfälischen Diskouto=Gesellschaft Dortmund A.=G., Südwall Nr. 9, überweisen. Zu jeder Auskunft und Annahme von Gaben sind auch die nachgenannten Stellen bereit: 6297 Geschäftsstelle der Schwerker Zeitung Fernruf 62. Justizrak Bohnert, Ostenhellweg 38,„ 645—46. Wilhelm Böhmer, Märkischestr. 62,„ 320—21. Otto Bolle, Cappenberg, Fernruf Amt Lünen 287. Cludius u. Gater, Kaiserstr. 30½, Fernruf 181—83. Den Heldentod fürs Vaterland starb in Gerdauen im fernen Ostpreussen mein innigstgeliebter Mann, unser herzensguter Vater, Bruder, Schwager und Schwiegersohn, Wehrmann Franz Boryhs im blühenden Alter von 34 Jahren. In tiefer Trauer 6 93 Frau Boryhs nebst Kinder. Westhofen, den 1. Oktober 1914. Per eine sofort oder später zu vermieten. 696 H. Duhme jr. Hageneritraße 16. Miekne Wohnung befindet sich 6266 Hörderstr. 40. F. J. Degenharth Dach=Schieserdecher=Geschäft. Bankdirektor Pape, Südwall 9, W. H. Schmitz, Hohenzollernstr. 26, Franz Schlüter, Märkischestr. 59, Schröder u. Baum, Oftenhellweg 33, Hans Schulte, Prinz Wilhelmstr. 2, Ingenieur Thal, Kaiser Wilhelm Allee 50 Wiemer u. Trachte. Industriehaus sämtlich in Dortmund. 240—42. 936. 756—58. 285—86. 1636. 808. 754—55 „Zum alten Ratbaus“, Brückstr. 12. Sonntag, den 4. Oklober, nachmiktags 3½ u. abends 8 Uhr große Aufführung des neuen Schauspiels: Deutsche Waffenerfolge 1813—1914 von Fritz Ewald, Dortmund. Unter Mitwirkung von Künstlern des Dortmunder Stadttheaters. Jum Schluß Ewald als westf. Landwehrmann auf Posten. 6296 Eintritt: Sperrsitz 75 Pfg., Saalpl. 50 Pfg., letzter Platz 30 Pig. Karlen sind zu haben im Theaterlokale, Buchhandlung Neumann, sowie in den Cigarrengeschäften Schöttler u. Dorka. tobi. Eimhei :#snuse mit oder sol. Herrn 6280 in desserem Haus ohne Pension an jol 48#n zu vermieten. 9200 Zu erfragen in der Geschäftsie dieser Zeitung. Kopiläuse Dallksagung. Wir sprechen hiermit allen für die rege Beteiligung bei dem Begräbnis unserer lieben Verstorbenen unsern herzlichen Dank aus; insbesondere danken wir auch dem Herrn Pfarrer und dem Herrn Lehrer für ihre Bemühungen. Familie Gustav Veith 6284 Eichholz b. Lichtendorf. beseitigt —k „Haarelement“, Entfernt die, lästigen Schuppen Befördert vortretfl. d. Haarwuchs, 4 Fl. 50 Pfg. Nur bei Max Mehlhose, MedizinalOrggerig, Optenstrassg. H. Margarine Pfund von 555 Pig. an Palmato Rmd SOrg. L. 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Um die Versendung kleiner Bekleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände an die Angehörigen des Feloheers zu erleichtern, wird zunächst versuchsweise auf die Dauer einer Woche, vom 5. Oktober bis einschl 11. Oktober das Meistgewcht der Feldpostbriese von 250 g auf 500 g erhöht. Wenm die Verhältnisse es gestatten, wird die Zulassung der 500 g=Briese bald wiederholt werden Die Gedüyr für die Feldpostbriefe über 250 bis 500g beträgt 20 Pfg. Gleichzeitig wird die Gebühr für die Feldpostbriefe über 50 bis 250g dauernd auf 10 Pig Die Sendungen mit Wareninhalt(Liebesgabenpäclichen) müssen sehr dauerhaft verpackt sein. Nur starke Papphartous, festes Packpapier oder dauerhafte Leinwand sind zu verwenden. Für die Wahl des Verpackungsstoffes ist die Natur des Inhalts maßgebend; zerbrechliche Gegenstände sind ausschließlich in starken Kartons nach vorheriger Umhüllung mit Papier oder Leinwand zu verpacken. Die gebräuchlichen Klammerverschlüsse sind fast durchweg ungeeignet. Die Pacchen, auch die mit Klammerverschluß versehenen, müssen allgemein mit dauerhaftem Bindfaden fest umschnürt werden, bei größerer Ausdehnung in mehrfacher Kreuzung. Streichhölzer und andere seue gefährlichen Gegenstände, insbesondere Taschen; jeuerzeuge mit Benzinfüllung sind von der Versendung burch Die Alusch sten fnd auf die Sendungen niederzuschreiben oder unbedingt haltbar auf ihnen zu befestigen und müssen deutlich, vollständig und richtig sein. Sendungen, die den vorstehenden Bedingungen nicht entsprechen, werden von den Post instalten unweigerlich zurückDer Staalssekrelär des Reichs-Postamts. 6280 Kraelke. wie Reichsmärker Kornbranntwein engstehlt Carl Kaffin Gasthol Jur„Helle“. Nrankenweine Tischweine Aepfelwein empfiehlt 4890 Drogerte Max Mehlhose. Sau Einige Morgen Bekanntmachung. „Abdrucke der Karten Flur 3, Blalt 2 bis 10 der Gemar= stelle dieser Zeitung. kung Holzen können durch das Katasteramt Hörde oder durch die Königliche Regierung zu den im Gebührentarif vom 11. Jaauar 1912 angegebenen Preissätzen. bezogen werden. Hörde, den 28. September 1914. Der Landrak. 6291 J. V. Burchard. in der Schwerter Feldmark zu verpachten. 6257 Zu erfragen in der GeschäftsEinen grosen Füll=Regulier=Osen und eine Vorzüglichen Kaffee. Anerkannt beste Küche am Platze. Empflehlt sich Vereinen, Schulen und Gesellschaften. billig zu verkaufen 6282 Wilhelmstr. 22. Ziegenzucht=Verein, 62ss Holzen. Der Verein hat beschlossen, seine ers klassigen Böcke auch für die Ziegen der Nichtmitglieder zum Decken freizugeben. Das Deckgeld beträgt Mk. 2,—. Bringe meine Weinhandlung in empfehlende Erinnerung. Reichhaltiges Lager in- und ausländischer Weine erster Häuser. h Uien=Ternah. vorrätig in der Buchhandt. dart Braus, Schwerte(Küht) Große Marktstraße 3—5. Treffe im Lause der nächsten Woche mit meiner „Ais Eroutz für Vuttel empfehle: ff. Rübenkraut ff. Kunsthonig ff. Frischobst-Marmelade ff. Apfelkraut gar. rein sf. Aprikosen-Marmelade L. 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Bezirkskommande 1 und i Vorimuns. — 4 komplette Die für de Werkstättenanl. an der Bahnstrecke zwischen Schwerte und Geisecke bestimmten Grundstücke sollen, soweit sie nicht verpachtet sind, am 9. Okt. 1914 varm. 9½ Uhr in der Wirtschaft Schulte=Höppe in Beisecke öffentlich verpachtet werden. 6290 Königl. Bahnmeisterei 79 a Jugena! Sonntag, den 4. Oktober, nachm. 3 Uhr Heule fr. Zinderwurß. Versammlung im Schulhause. wuck und Geber. s: L. Heippel. Hühneraugen Hängelampen umzugshalber ganz billig zu verkaufen. 6286 Bahnhofstr. 12 paterre. Für Sonntag große Auswahl in schmackhaftem Ruhrweidenfleisch. Heute fr. Rinderwurst, Bratschellfisch Portionsfisch Kabliau 3 Pfund 54 Pfennig per„ 22 32 9 beseitigt radikal„Iscret“= à 10 Pig Nur bei Max Mehlhose, MedizinalDrogerie, Ostenstrasse. 99 99 Freiwillige Versteigerung. Am Samstag, den 3. Oklober, vormittags 10 Uhr anfangend, werde ich im Lokale des Witts Aug. 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Leis verwehend verhallte das Lied, das von einer Liebe erzählte, die nicht leben durfte und nicht sterden wolte.....,, Hlank, Fänserin Eheltucd Im Zimmer hielt die schlante, vionde Sangerin Ebeltruc fest umschlungen, die weinend an ihrer Brust lag; und als sie sich wieder gefaßt hatte und ruhiger geworden war, versprach sie ihr auch die zweite Bitte zu erfüllen, ein Gebinde roter Rosen aus Edeltruds Garten auf dem Grabe des Vaters niederzulegen als Zeichen einer nie vergehenden Liebe. —0 alter Zeit. Die Postete als Vermittier. Als der französische Dichter Volkaire im Jahre 1732 sein Trauerspiel Zaire beendigt hatte, las er es in einer größeren Gesellschaft vor, in der auch unter mehreren andern Schauspielern der berühmte Dufresne anwesend war; letzterer sollte die Hauptrolle übernehmen. Die Tragödie gefiel indessen nicht und Dufresne wollte von der Rolle nichts wissen. Voltaire entschloß sich, diese umzuarbeiten, und eilte dann mit der neugestalteten Zaire zu Dufresne. Dieser ließ sich jedoch nicht sprechen, Briefe blieben ebenfalls ohne Erfolg und selbst, als Voltaire stundenlang seine Tür belagerte und endlich in Verzweiflung die einzelnen Blätter des veränderten Manuskriptes durch die Türritzen ins Zimmer schob, blieb der berühmte Mime unsichtbar und unerbittlich. Da erfuhr der Dichter, daß Dufresne der Schauspielergesellschaft ein Gastmahl gebe. Schnell entschlossen ließ er eine Pastete von riesigem Umsange bereiten und dieselbe, von den feinsten Weinen begleitet, zu dem Festmahl tragen, ohne den Geber zu nennen. Das Geschenk wurde natürlich mit Jubel begrüßt und sofort geöffnet. Man hob nach und nach etwa ein Dutzend köstlicher Rebhühner aus der Pastete und jedes trug ein Blatt von der für Dufreine geschriebenen Rolle im Schnabel. Diesem drolligen Einfall konnte der eigensinnige Mime nicht widerstehen. Das Stück wurde mit Fleiß einstudiert und hatte den glänzendsten Erfolg. Schneiderrechnung vor 200 Jahren. Nachstehendes Schriftstück bietet einen interessanten Blick in das Modewesen und die Damenkonsektion des 17. Jahrhunderts. Es lautet:„Memorial Vor die Gnädige Fraw Oberlandbau= meisterin Fraw Johanna von Starkin usw. Waß von mir Endeß ernannten an Arbeit gemachet, und geliefert worden, alß Eine Schnürbrust von gelben Seiden, Estosfe gemachet, darzu gegeben Cannefaß, Seyden, Fischbein, Schlechter doubleuse sampt dem macherlohn, alles zusammen Thlr. 4.— Noch eine Schnürbrust gemachet von blauem Zeug mit Gold gestucket, von Cannefaß, Schlechter Seyden, Fischvein und macherlohn, zusammen Thl In Summa Thlr. 8. Massin, Dresden, am 19. Augusti 1684. Die Gnädige Fraw wolle nicht in üblem vermerken, daß ich dieses Auszüglein überreichen lasse, denn wir eine große Reiße nach Dänemark vor unß haben.— NB. Ist bezahlt.“— Dieser Massin war der kurfürstliche Hofschneider, der also, wie aus obigem„Austüglein“ hervorgeht, den Hof auch auf weiten Reisen begleiten mußte. echte Diamant durch Reiben elektrisch. Auch kann man durch den echten den Grund der Fassung nicht sehen, wohl aber durch den falschen. Weißer Topas, Bergkeistall, Saphir, Straß usw. sind ritzbar.— Lose echte Diamanten sind leicht von falschen zu unterscheiden: hält man eine Nadel dahinter und sieht durch den Stein, so ist er echt, wenn die Nadel einfach erscheint, falsch, wenn man sie doppelt sieht. Die Moritzburger Geweihsammnlung. Die Sammlung der Hirschgeweihe in Moritzburg(Sachsen) ist als eine der schönsten in ihrer Art der größten Aufmerksamkeit wert. In dem einen großen Speisesaal sind 71 Hirschgeweihe vereinigt, von denen keines unter 24 Enden zählt. Die ganze Sammlung besteht aus 18 Geweihen von 24, 18 von 26, 13 von 28, 5 von 30, 10 von 32, 2 von 34, 3 von 36, und 2 von 60 Enden. Alle diese Geweihe sind regelmäßig gestaltet. Um von ihrer ungewöhnlichen Größe einen entfernten Begriff zu geben, sei gesagt, daß unter ihnen 25 Stück 50 bis 59, 13 Stück 60 bis 69, 3 Stück 70 und 73 und 82 Zoll von dem einen äußersten Kronenende bis zum andern messen. Allerlei Interessantes Der Mumsenweizen. Es ist oft behauptet worden, daß man aus Samenkorn, das bei ägyptischen Mumien gesunden, ganz vorzügliches Getreide gewonnen habe. Dies ist irrtümlich. Das den Verstorbenen mitgegebene Getreide nämlich war stets vorher in Ofen so weit gedörrt worden, daß es seine Keimfähigkeit vollständig einbüßte. Wenn trotzdem durch Aussäen desselben zuweilen frische Halme gewonnen wurden, so rührt das von einem Geschäftskniff der schon lange Zeit mit Mumien Handel treibenden Araber her, die, um die Funde aus der Vorzeit interessanter zu machen, die abgetöteten Getreidekörner, die sich bei jenen vorsanden, mit etwas frischem Getreide vermischten. Echte oder unechte Diamanten? Es ist nicht ganz einfach, Diamanten auf ihre Echtheit zu prüfen. Handelt es sich um schon gefaßte Diamanten, so kann man probieren, ob sie sich durch irgend ein Mittel, außer dem Glaserdiamant, z. B. durch einen scharfen Stein oder eine Stahlnadel, oder auch durch Schmirgel, ritzen lassen. Der echte Diamant ist nur durch seinesgleichen ritzbar. Ferner wird der Blätter und Gehst du neidlos durch die Welt, Still dich freuend mit den andern, Voller Demut, Feind der Sünde, Treu vertrauend gleich dem Kinde, Wirst du einst zum Himmelszelt Mit den Auserwählten wandern. * Es säet der Mensch in die Tiefe der Seele Wissend, unwissend, alltäglich, allstündlich Der Gedanken vielfältige Saat. Sie gären, sie keimen, es rollen die Jahre. Und die Gedanken, böse wie gute, Geh'n dem Menschen als Taten auf. * Für andre fürchten und für andre sorgen, Statt andrer leiden und unglücklich sein, Den bittern Kelch, den ihren Lieben strafend Das Schicksal vollgegossen, heimlich leeren Und schweigen,— ja, statt andrer selber sterben, Das kann ein edles, zartgesinntes Weib. * Hoch über allen Freuden Steht hehr und ernst die Pflicht! Willst du von ihr dich scheiden, Verlöscht dir Stern und Licht. Küche fremder Völker. Russische Suppe. : Z u e i n e r r u s s i s c h e n S u p p e n i m m t m a n i m W i n t e r e i n e ¼ Kilogramm=Büchse gemischtes, im Sommer frisches Gemüse, läßt die Gemüse abtropfen, schneidet fünf geschälte Kartoffeln seinwürfelig und kocht sie nebst 50 Gramm Graupen zweimal ab. Dann schwitzt man sie in 40 Gramm Butter durch, gießt ½ Liter Wasser daran, salzt und kocht die Kartoffeln und Graupen weich. Man tut die Gemüse hinein, läßt sie aufkochen, gibt 1 Liter Magermilch dazu und streut zuletzt einen Eßlöfsel Petersilie in die fertige Suppe. Angarische Speckvögel. Man schneidet von einem Stück Kalbfleisch(am besten von der Keule) kleine runde, etwa eigroße Stuckchen, klopst sie gut, durchzieht sie reichlich mit feingeschnittenem Speck, streut Salz und weißen Pfeffer darauf, legt sie nebeneinander in ein Kasserol, in welchem man eine kleine, feingehackte Zwiebel und Butter heiß gemacht hat, und deckt sie mit einem gut passenden Deckel zu. Wenn sie weich und schön braun gedämpft sind, gießt man einige Eßlöffel Fleischbrühe oder sauren Rahm zu, legt die Vögel kranzförmig auf die Schüssel, in die Mitte entweder gedunsteten Reis oder Maccaroni=Nudeln und übergießt beides mit der Sauce. Englische Törichen. Kleine Tortenformen werden mit Mürbteig ausgelegt, mit trockenen Erbsen gefüllt und die Törtchen schön braun gebacken; dann beseitigt man die Erbsen, füllt die Törtchen mit ObstMarmelade und überstreicht sie mit sehr steisem Schnee, der mit Zucker, Zimmet und geschälten, in seine Streifchen geschnittenen Mandeln vermischt ist, worauf man den Schnee in einem sehr gelind warmen Ofen trocknen läßt. Bahheut bei geiente Znbelt bieker Brioge M miniegt= — S. rgs K 8 5 S S. 2 S O# c 9 A— H. Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 231. Freitag, 2 Oktober 1914 W . D a ß w i r s c h l i e ß l i c h o f t s c h w e r a u c h v o n d e n e n A b s c h i e d * nehmen, die uns anfangs unbequem erschienen, beweist nicht I so sehr die Mächtigkeit unserer Gefühle, als die Macht der Gewohnheit. Graf Kwelerath und seine Söhne. * Roman von Horst Bodemer. „„„ (30. Fortsetzung.) ***„In der Halle von Kwelerath hängt euer Stammbaum! Sie waren alle ehrenwerte Männer, deine Vorfahren, drüben in der Gruft schlafen sie der Auferstehung entgegen mit Ausnahme von wenigen, die liegen, wenn ich recht unterrichtet bin, auf den Schlachtfeldern von Turin, Malplaquet, Prag und Ligny.— Taß! Anständig leben kann nicht ein jeder,— aber anständig sterben!“ Da dreht er sich herum, den Schwamm in der Hand und blickt mit großen Augen Rotter an. 1„Ja, ja, mein Junge, so denkt man als Edelmann!“ *„Du meinst, ich sollte wegen dieser albernen Affäre in den Tod gehen?“ meine ich allerdings! Im Leben löschst du die Schuld, die du dir aufgeladen, niemals aus, der Tod versöhnt, den Toten können wir verteidigen und Taß, wir werden es tun, den Lebenden nicht!“ „Das Leben schmeißt man doch nicht weg wie einen alten Rock, Onkel!“ „Redensarten!— Ein Graf Kwelerath muß mit Fassung in den Tod zu gehen wissen!“ „Kunststück! So'n kleiner Druck und das Leben zerflattert!“ Aber ich hab auch nicht die geringste Lust dazu!“ „Darauf kommt es nicht an! Übrigens wird es gut sein. wir könnten annehmen, ein Unglücksfall habe deinem Leben ein Ende gemacht!“ „'ne recht freundliche Aufforderung, lieber Onkel, das muß ich sagen!“ „Eine gut gemeinte, Taß!“ „Würde sich Friedrich Karl aber freuen! Bekäme das Majorat samt der untröstlichen Witwe!“ Ruhig zog Rotter seine Uhr.„Wir vom Adel haben mehr zu verteidigen als unser bißchen ich, auch den Namen, die Vergangenheit! Man spricht in unseren Tagen vom Adel der Geburt, des Geistes, des Geldes, du, Taß, könntest dreifach adlig sein, also überleg dir in Ruhe, was ich dir sagen mußte, schweren Herzens, das weiß Gott, und handele danach. Ich denke, jetzt ist's halb neun, um fünf spätestens reitet ein Bote bei mir vor, der mir zu melden hat, Graf Tassilo Rabe von Kwelerath ist nicht mehr!— Leb wohl, mein Junge, sei ein Mann!" Ein Händedruck, Rotter verließ das Zimmer. Mit großen Augen sah ihm Taß nach, die Nerven zuckten in seinem Gesicht, der Peitschenschlag in das Antlitz seines Weibes sollte sein Ende bedeuten? Der Ansicht war selbst Rotter, der doch ; sonst oftmals fünf grade sein ließ! Das gab ihm doch zu denken! Schnell zog er sich an und ging hinunter in die Halle. Der Stammbaum der Rabe Grafen von Kwelerath war seit langem nicht so eindringlich gemustert worden. Weiß Gott, er hatte allen Grund, stolz zu sein auf sein Geschlecht, einfache Landjunker waren viele gewesen, manche hatten es zu hohen Staatsstellungen gebracht. Über der Tafel stand der appenspruch des Geschlechtes Den slage man mit Keullen dot,„—— Der nicht beffolgt der Ehr Gebott..7 Da schlug sein Herz doch schneller! Es mußte doch etwas Wahres an Onkel otters Worten sein: Anständig leben kann nicht jedermann, aber anständig sterben! Mit gesenktem Haupte ging er in sein Arbeitszimmer. Den Kopf in beide Hände gestützt, saß er wohl eine Stunde an seinem Schreibtisch. Es war ein hartes Ringen, der Jugend graute es vor dem Tode. Als sich Tassilo Rabe Graf von Kwelerath vom Sessel erhob, war er ein Mann geworden!— Totenbleich stieg er in den vierspännigen, leichten Schlitten. Johann und Gustav hielten die Vorderpferde. Rübenack, der Gestütsverwalter, stand neben dem Gefährt. „Herr Graf sollten einen Kutscher mitnehmen!" „Ich werde mit den Tieren allein fertig!“ „Der Schlitten ist so leicht und wenn der Roderich und die Thea warm werden, sind sie schwer zu halten!“ „Keine Sorge, Rübenack!“ Im Schritt fuhr Taß durchs Hoftor. Noch einmal warf er einen Blick rückwärts, auf das Schloß seiner Väter, dann biß er die Zähne aufeinander. Am Ende des Dorses begegnete Scholkmann dem Schlitten. Der alte Mann zog die Pelzmütze und trat heran. Taß hielt. „Nun, was gibt's?“ „Herr Graf, ich wollte um meine Entlassung bitten!“ Da wirft der junge Majoratsherr einen langen Blick auf den Greis, er weiß, der ist verschwiegen.„Tragen Sie morgen Ihre Bitte dem Grafen Friedrich Karl vor!“ Mit der Hand muß sich der biedere alte Mann am Schlitten festhalten, er hat seinen Herrn nur zu gut verstanden.„Herr Graf. nur das nicht, nur das nicht, was soll aus Ihrer Frau Mutter werden?" Um Taß' Mundwinkel zuckt es, er reicht Scholkmann die Hand.„Leben Sie wohl und— wenn Sie können, verteidigen Sie mich in den nächsten Tagen!" „Herr Graf mussen auch an die gnädigste Frau Gräfin denken!" „Scholkmann, lieber Scholkmann, ich weiß, Sie haben es allezeit mit uns Kweleraths gut gemeint, sagen Sie meinem Weibe, ich wünschte ihr in alle Zukunft ein reines Glück, ich konnte es ihr nicht geben,— vielleicht mein Bruder Friedrich Karl! Vergessen Sie meine Worte nicht!". „Herr Graf, wenn man ernstlich will, kann man unter die Vergangenheit einen dicken Strich machen!“ „Hab ich auch geglaubt,— bis vor einer Stunde, jetzt nicht mehr!— Totes können wir Menschen nicht wieder zum Leben erwecken. Also lassen wir in Frieden ruhen, was gewesen ist, Scholkmann, das ist alles, was wir tun können!“ 0 S5ä5 8 2 5 5 5 S S2 S SSSEE * 2 G ∆+ —** * 2 B 16 * 1* D##sesvg###g. S. S# SSSEEPE SAMEREZvSEES 9 Sal-SyS 8 * S 8 0 8 5 S 8 # C Baust S SOnSSBSBEZAUSN S1E ) zür nickte dem treuen, alten Manne freundlich zu und ließ die Pferde antraben. Mit offenem Munde und abgezogener Mütze sah der Krusemarker Inspektor dem Gefahrt nach. Er schüttelte sein greises Haupt, dann faltete der wetterfeste Mann die Hände und sandte seinem jungen Hermn ein Gebet nach. In Kwelerath hatte er jetzt nicheg mehr zu tun, er machte kehrt und bog bald links ab, der Weg führ zum Baron Rotter nach Ringenau.—. — T a ß f u h r ü b e r d a s E r b e s e i n e r V ä t e r,— i m L e i c h t e n Trabe, einzelne Schneeflocken kamen vom grauen Winlerhimmel. Er blickte rechts seitwärts, da drüben lag Raulick in dem großen Buchenwald. Er dachte an die Mutter, die Geschwister und sein Welb! Wie schwer war es doch vom Leben zu scheiden! Alle Kraft mußte er zusammen nehmen, um nicht loszuheulen wie ein Kind! Wenn er— doch nein, ein Weib wie Gerda verzieh den Schlag ins Gesicht nicht, der brannte auf ihrer Wange, so lange er lebte! Also der Tod, mochte der die Sühne sein. Auf einmal hörte er seinen Namen rufen, ein schlechtgekleideter, junger Mann stand an einer Pappel. Taß runzelte die Stirn, daß ihm der auch grade noch über den Weg laufen mußte,— auf seiner letzten Fahrt! „Kennst du mich noch?“ S####-Allerdings, du bist Alexander von Engen!“ * Ein heiseres Lachen war die Antwort.„Sieh mal an, s ich brauche also deinem Gedächtnis nicht nachzuhelfen!“ **„Wolltest du denn zu mir?“ *„Natürlich,— mir gehis schlecht und da dachte ich, du e könntest mir beispringen!“ : Taß war nicht in der Stimmung, Alexanders Klagen g anzuhören. Er nahm aus seiner Brieftasche einen Hundert * markschein. markschein. tun!" Er nahm aus seiner Brie „Hier, Alexander, mehr kann ich nicht für dich Hastig nahm der das Geld.„Danke,— wenigstens etwas! Weißt du. was aus Kurt Lamprecht geworden ist? Schiffsjunge! Sein Vater wurde nicht mit ihm fertig!“ Wieder lachte Alexander heiser.„Und Hans Lädenscheidt sitzt auf dem Kontorsessel in Hamburg, bei einem Großkaufmann mit dem seltenen Namen Meyer, dort hat er so 'was wie’ne Vertrauensstellung. Lebt wie'n Hund und schickt jeden Monat seiner Schwester hundert Mark, schon so'n Ochse!“ „Adieu, Alexander, laß dir's gut gehen!“ Taß wurde es fürchterlich, diese Redensarten anzuhören. Und doch mußte er sich eingestehen, besser war er auch nicht als Kurt Lamprecht und Alexander von Engen, der kleine Haus Lübenscheidt stand turmhoch über ihm. „So warte doch!“ er wollte nichts mehr * Aber Taß griff fester in die Zügel. 55ten. Die Pferde wurden wärmer, immer weiter grissen sie aus, seine ganze Kraft mußte er anwenden, um sie zu halten. Das Meer kam in Sicht. Rechts seitwärts hob sich eine Kuppe scharf aus dem Grau der Landschaft hervor, ein Weg führte hinauf. ase Mühe hatte er die Pferde von der Landstraße auf den schmalen, ungebahnten Pfod zu bringen. Aber es gelang ihm! Nun sauste die lasge Peitsche auf die jungen Vorderpserde herab, sie warsen den Kopf hoch, Schaum flog Taß an den Reck, noch einmal pfiff die Peitscheuschnur duich die Wiaterlust und zeichnete Striemen auf die Eruoren der Tiere, sie senkten die Köpfe tief herab auf die Beust und gingen regelrecht durch. Noch ein paar feste Rucke in den Zügem, das Meer donnerte an die großen Steine zu Fühen des Kreideselsens, der senkrecht ins Meer ragte. In letzten Augenblicke stutzten die jungen Tiere, es war mi szie:, der Schlitten überschlug sich, ein Schrei, ein Krachen, das Mier hatte Tassilo Rabe Graf von Kwelerath mit seinem Gefährt begraben. Rotter hatte mit Gerda noch keine zehn Minuten Raulick verlassen, als Stephanie das Arbeitszimmer ihres Sohnes 9:::3!. „Ar'edrich Karl, was ist geschehen?“ „Was:5!: denn geschehen sein, Mama?— Beruhige dich doch!“ #i*„Die Wahrheit will ich hören,— die Wahrheit! Die Zofe hat mir dunkle Andeutungen gemacht, aus denen ich nicht klug werde!" Da blieb dem Sohne nichts anderes übrig, als der Mutter so schonend wie möglich die Tatsachen einzugestehen. Die Gräfin war nahe daran, den Verstand zu verlieren. „Laß sofort anspannen, ich muß hinüber nach Kwelerath und Ringenau!“ „Hat gar keinen Sinn, Mama, Onkel Rotter wird nichts unversucht lassen, den Schaden zu reparieren!“ Da macht Stephanie dem Sohne die heftigsten Vorwürfe.„Du hast einen guten Teil schuld, wenn ein Unglück passiert, wirst du dein Leben lang daran zu tragen haben!“ „Ich fühle mich schuldlos, Mama, das Schicksal nimmt seinen Lauf, wir haben gekämpft, so lange wir konnten, was über unsere Kraft ist, ist eben über unsere Kraft!— Das Leben ist wirklich zu kurz, wir können nicht über jede Angelegenheit einen langen Prozeß anstrengen, das wäre Selbstbetrug! Und das Urteil? Beide Parteien würde es schwerlich befriedigen!“ „Du bist bis heute untadelhast gewesen, Friedrich Karl!“ Da sieht der Sohn seiner Mutter fest in die Augen. „Und ich denke, ich werde es auch in Zukunft bleiben!“ „Wenn du das Weib deines Bruders begehrst,— wahrlich nicht!“ „Ich begehre Gerda nicht heute und nicht morgen! Mein Pruder hat sein Weib gezüchtigt, schwer gezüchtigt, mein Ehrgefühl bestehlt mir, gegen den Bruder Partei zu nehmen, denn die Züchtigung hat Gerda nicht verdient! Nach Möglichkeit halte ich mich fern von allem,— jetzt, Mama! Onkel Hans=Heinrich Rotter hat die Regelung der bösen Geschichte in die Hand genommen; also halten wir uns abseits, warten wir, was geschehen wird! Meiner Ansicht nach kann Taß den Weg zu mir, vor allem aber zu dir, unserer Mutter leichter finden, als wir zu ihm!“ „Du sprichst so, wie es dir gerade paßt!“ „Ich gehöre nicht zu den ganz Klugen, Mama, das weiß ich wohl, aber zu den Ruhigen, nüchtern Denkenden, und nach allem Grübeln in dieser Nacht vermag ich zu keinem anderen Schluß zu kommen!" Sie reden noch eine geschlagene Stunde hin und her, schließlich muß die Gräfin zugeben, daß Friedrich Karl recht hat. Taß kann den Weg zur Mutter finden, wenn es ihn drängt, sich auszusprechen. ein Eingreifen ihrerseits ist nutzlos, vielleicht nur von Schaden. Mit müden Schritten verläßt sie das Zimmer, zum ersten Male seit langer Zeit ist sie mit ihrem jüngsten Sohne unzufrieden. Als Scholkmann den Gutshof von Ringenau betrat, kam Ihm Rotter sofort entgegen. Seit zwei Stunden saß er am Fenster seines Arbeitszimmers, er erwartete einen Boten aus Kwelerath. „Herr Baron, mein junger Herr fährt in den Tod!“ Der alte Mann schüttelte den Kopf und sah Rotter unsäglich traurig an. „Kommen Sie!" Im Zimmer erzählte Scholkmann sein Zusammentreffen „Meinen Sie nicht, es ist so das Beste?“ „Ach,— er ist doch noch so jung!“ „Aber ein Graf Kwelerath, er muß zu sterben wissen! Das klingt hart, sicherlich, sein Tod tilgt die Schuld, er hat gar zu viel gefrevelt! Jetzt kommt unsere Arbeit, guter Scholkmann, den Lebenden konnten wir nicht verteidigen, dem Toten sollen die Leute die Achtung nicht versagen!“ Mir will's nicht in meinen alten Kopf, ich bin man auch nur ein einfacher Mann, ich meine, er hätte sich bessern können!“ „Das ist sehr christlich gedacht, Scholkmann! Rotten Sie auf den Feldern das Unkraut aus?“ „Mit Stumpf und Stil, sonst leiden die Saaten!“ „Sehen Sie!“ Ja,— aber?“ Ss ucuu sigyutusch „u M SS###S 2 H E 8. 88 82E SSSbe. ch = S• 9 SE, S SEE Serr S. S#gg B05SESREER S# 85 S SE S5 88SESS S4 85 •B E g. 8 2 F 55 2 S S8 SursongP# = SBERHESGRTTLSESUDGS 0 „Nichts ja aber! Seine Frau geht an ihm zugrunde, seine Mutter, die Güter! Vielleicht ist er wirklich nicht ganz normal, vielleicht wäre es gut, man sperrte ihn in eine Nervenheilanstalt, auf Lebenszeit! Was kommt dabei heraus? Nichts! Geht Graf Taß freiwillig, als Mann, in den Tod. dann können wir ihn achten, ihn bedauern, ihm eine fröhliche Auferstehung in Gott wünschen, der anders richtet als wir irmseligen Menschenkinder, denn er ist die Liebe selbst!“ Dem alten Manne rinnen die Tränen in seinen weißen Bart. Rotter schlägt ihn auf die Schulter. *“„Na, na—. Sie ehrliche Haut! Das Leben erlaubt uns oft keine Gefühlsduseleien. es fordert Taten! Ich meine: Graf Taß tut eine gute Tat, es klingt brutal, ich weiß es wohl, widerspricht unserm christlichen Empfinden! Ihr junger Herr begeht vielleicht in diesem Augenblicke seine letzte Sünde, und ich gestehe es Ihnen unumwunden ein, so wahr ich an Gott glaube, diese Sünde vergibt er ihm!“ *„Die armen beiden Gräfinnen!“ *„Über die sprechen wir nach Jahr und Tag!“ ee # Alexander von Engen hatte dem Schlitten nachgeblickt. Er sah, wie Taß von der Landstraße abbog, wie er auf die Pferde schlug, wie sie durchgingen und ins Meer stürzten. Kein Zweifel, sein Kamerad aus Dumbkow hatte den Tod gesucht und sicherlich gesunden! Er eilte ins nächste Dorf. Hohen=Schönau. Der erste, den er traf, war Vfarrer Schröder. „Absichtlich ist der Graf Kwelerath da hinauf gefahren, die Pferde wollten nicht, er hat sie geschlagen, bis sie die ∆ Wand hinunterstürzten!" *„Reden Sie keine Dummheiten, junger Mann!“ hab doch ein paar gute Augen im Kopfe!“ Der Pfarrer musterte den heruntergekommen aussehenden Menschen.„Jedenfalls werden Sie schweigen, ihr eigener - Vorteil ist's!“ Das sah denn Alexander von Engen ein. Brutal erwiderte er:„Wenn Sie meinen, werde ich's vorläufig tun!“ Boten ritten sofort nach Kwelerath und Raulick, der Pfarrer eilte mit dem Inspektor Bruns und einigen Leuten zur Unglücksstelle. Umspült vom Meerwasser, eingeklemmt durch den Schlitten, der sich überschlagen hatte, zwischen zwei mächtigen Steinen lag mit zerschmettertem Schädel Tassilo Rabe Graf von Kwelerath. Ein Pferd gab noch Lebenszeichen von sich, es wurde schnell von seinen Qualen Und während man den Toten nach Hohen=Schönau trug, kam der Güterdirektor Brandis angefahren, wenige Minuten später erschien Friedrich Karl auf dampfendem Pferde vor der Pfarre. Nach einer weiteren Viertelstunde war Rotter mit dem alten Scholkmann zur Stelle.(Schluß folgt.) Ein langverklungenes Lied. Von Anna Refredik. Den musikliebenden Kreisen der Stadt stand ein bedeutungsvolles Ereignis in Aussicht. Es war der Philharmonischen Gesellschaft gelungen, eine berühmte Sängerin zur Mitwirkung an einem Wohltätigkeitskonzert zu gewinnen. Schmeichelhafte Vornotizen in den Zeitungen hatten schon auf diesen Genuß hingewiesen und die Mitglieder der Gesellschaft darauf aufmerksam gemacht, daß Fräulein Etelka Esklony, die Tochter des berühmten verstorbenen Malers Markus Esklony, sich im Konzert der Philharmonie hören lassen werde. In der Tiefe eines großen Gartens, der mit alten Bäumen bestanden ist, liegt ein langgestrecktes Gebäude mit Giebeln und Zinnen verziert. Es ist der Erbsitz der Freiherren von Brunhaupten, eines altadeligen Geschlechts. : Aus einer Seitentüre tritt eine schlanke Frauengestalt, ein Spitzentuch über dem leicht angegrauten Haar, das edelgeschnittene Antlitz zeigt müde Züge, beweist aber deutlich, daß es von großer Schönheit war. Sie nimmt den Weg nach einem Lusthäuschen, das in einem abgelegenen Birkenrondell stebt. Fräulein Edeltrud von Brunhaupten pflegte stundenlang hier zu sitzen, lesend, oder an einer Stickerei arbeitend, auch sinnend, träumend ihren Gedanken nachzuhängen. Sie ging nie unter Menschen, seit Jahren hatte sie Haus und Garten nicht verlassen, fast einsiedlerisch verbrachte sie ihr Leben.— Angekommen, zog sie eine Zeitung aus der Tasche, und ihre Blicke verweilten lange auf der Ankündigung des Konzerts, und ihre Gedanken gingen zurück in ferne Tage... Glückstage, die aus nebelhaft verdämmernder Ferne aufstiegen, aus dem Schoße der Vergangenheit, und vor ihr inneres Schauen trat das Bild eines schönen jungen Mannes mit schwarzen, lachenden, blitzenden Augen. Sie hörte einer Stimme bebend zärtlichen Klang heiße Liebesworte flüstern an ihrem Ohr, spürte den Druck seiner Hand und fühlte einen heißen Mund auf dem ihren ruhen... Der Konzertsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt In einer Loge, ganz im Hintergrund, sitzt eine schlanke schwarzgekleidete Dame. Die Sängerin trat auf. Ihr Organ ist voll, weich strahlend zugleich, eine prachtvolle Altstimme mit ruhiger. edler Tonbildung. Gebannt lauschen die Zuhörer... Ein altes Lied: Sie hat ihm gesessen, er hat sie gemalt, 1 Hell hat ihr braunes Auge gestrahlt, Die Lippen so purpurn, die Stirne so frei. K. Er hat sie gemalt und gezittert dabei.... Das Lied verklang in wehmütig klagenden Lauten. einer Liebe hat es erzählt, die nicht leben durfte und doch nicht sterben wollte... Ganz zuletzt verließ Fräulein von Brunhaupten die Loge, leise rauschten und raunten die Bäume der Lindenallee, die nach Brunhaupten führte. Sie hielten Zwiesprache in dem leise wehenden Wind, der neckisch kosend an ihre Zweige rührte. Im Hotel„Reichskrone“ empfing die berühmte Sängerin am andern Morgen das Freifräulein. Sie hielt ihre Hände fest und blickte ihr lange in die Augen und bat sie dann, ihr von ihrem Vater erzählen zu wollen, den sie gekannt habe vor langen Jahren. Die Sängerin erwiderte, daß sie sie gleich erkannt hätte, nach einem Bild, das in ihres Vaters Zimmer einen Ehrenplatz eingenommen habe, und daß der Vater oft... oft gesprochen habe von seinem Aufenthalt in Schloß Brunhaupten, als er die schöne Edeltrud, die einzige Tochter des stolzen Freiherrn malte. Und das alte Lied, das habe sie vom Vater gelernt, der es oft gesungen in den Dämmerstunden. Ihre Mutter hatte sie schon früh Brustleiden war sie gestorben und im begraben, der Vater hatte sie lange heirauert. Jahren war auch der Vater an einem Herzichlag gestorben. Einmal in einer Dämmerstunde hatte ihr der Vater vertraut, daß er als junger Mann ein adeliges Fräulein heiß geliebt habe, daß seine Neigung erwidert worden sei, daß aber der adelsstolze Freiherr seine Einwilligung versagt und ihn mit harten Worten abgewiesen habe, als er werbend um die Hand der Geliebten vor ihn getreten sei. Er habe ihm den weiteren Aufenthalt im Schlosse verwehrt und dadurch die Liebenden getrennt. Aber vergessen hätte er das schöne Edelsräulein nie: das Bild hätte er nach einem Medaillonbildnis gemalt und oft hätte sie ihn davor sitzen sehen. Edeltrud hatte sich nicht vermählt, so viele Freier auch ihre Hand begehrten, denn sie hatte das Bild des schönen, jungen Malers nicht aus ihrem Herzen reißen können, und in stillen Stunden geht ihr Gedenken zurück in jene glückdurchwobenen Tage, als der Maler im Schloß weilte, die Fresken des Saales ausbessernd und von ihr ein Bildnis malend. Damals hatte er ihr das Lied gesungen. Und die Tage und Jahre waren vergangen. Sie hatte ihren Vater gepflegt und betreut während seines langen Leidens und hatte die an ihr begangene Härte nicht entgelten lassen und war bei ihm gewesen in seinen letzten Stunden. Wie eine Einsiedlerin hat sie fern von dem Gewühl der Menge gelebt, nie die Besitzung verlassen. Aber als sie den Namen Etelka Esklony gelesen hatte, war der Wunsch mit Macht in ihr aufgewacht, die Tochter des Mannes zu sehen. zu hören, der ihre erste und einzige Liebe gewesen. Nun hatte sie eine Bitte an die Sängerin, ob sie ihr nich: das alte, für sie lange verklungene Lied noch einmal n wolle. Über den Garten des Hotels hinweg trugen die eu: verloren: an einem fernen Süden lag sie betrauert. Vor drei —