S 9 m 8 5 SS 9.# 90 85. 03 5 2 T9 SaSS **E *• Sy a S 9 50 SE S 9 am S S 8 . 9 T5 SEge K99s □ 58. # 85 5#TE S#g B 93SP #8 88 Alkriiches Rressoichl on Schmudn Zotungr guichean dalch. gußer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Illustrierter Familienfreund"“ u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Rehlamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabalt u. erlischt bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Aichtbeachtungd. gemacht. Jahlungsbedingung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Verbunden mit: Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Nr. 223. Mittwoch, den 28. September 1914. " Wiedergeburt. Die Gassenhauer sind verstummt, Kein Tango tönt mehr von den Geigen Der große Festungsmörser brummt Kanonen spielen auf zum Reigen. Kein Gent geht mehr zum Tanzpalast Mit wohlgepflegten Bügelfalten— Die Furie des Weltkriegs rast. Wo Völber aneinanderprallten. Es schämt sich seiner Eitelkeit Der Snob mit der Aestheterpose. Münchhausen, Dehmel ziehen zum Streit In Wassenrock und Lederhose. Nun ist das Leben lebenswert, Denn alles Kleine ist zerronnen! Mars schreibt ein Epos mit dem Schwert, Wie es kein Dichter je ersonnen! Berlin, 23. Sept. WTB. Aus London wird unter dem 22. ds. Mts. gemeldet: Deutsche Unterseeboote schossen in der Nordsee die Panzerkreuzer„Aboukir“,„Hogue“ und„Cressy“ in den Grund. Eine beträchtliche Anzahl Mannschaften wurde durch herbeieilende englische Kreuzer und holländische Dampfer gerettet. Wie uns von amtlicher Seite mitgeteilt wird, kann eine Bestätigung dieser Nachricht deutscherseits noch nicht erfolgen, da die Unterseeboote infolge der Entfernung Meldung noch nicht haben erstatten können. Wie viel der Tod auch Leichen sät, Wie schrecklich auch die Wunden schmerzen. Des Krieges eherne Majestät Erhebt und reinigt alle Herzen. Aus anderen Quellen wird bekannt, daß der Zusammenstoß am 22. September zwischen 6 und 8 Uhr früh 20 Seemeilen nordw. von Hoek von Holland stattsand.„Aboukir“ wurde als erstes Schiff durch ein Torpedo getroffen. Der holländische Dampfer „Flora“ brachte 287 Ueberlebende nach Amuiden. Die Panzerkreuzer„Aboukir",„Hougue" und „Cressy“ stammen aus dem Jahre 1900, haben je 12 200 Tonnen Wasserverdrängung und eine Vestückung von je 2 23,4, 12 15 und 12 7,6 Zentimeter=Geschützen. Die Maschinen entwickeln je 21000 Pferdekräfte, die Besatzung besteht aus je 755 Mann. Vom Westlichen Kiriegsschauptah! Französische Kriegführung. Von einem braunschweigischen Geistlichen wird der„Braunschweigischen Landeszeitung“ berichtet: Es war bei..., als etwa 80 Mann des... Bataillons des... Regiments zu weit in die seindlichen Massen eingedrungen waren und dann plötzlich abgeschnitten wurden. Umstellt von allen Seiten, sahen sie ein, daß sie sich ergeben mußten. Sie warsen die Waffen sort und hielten die Hände hoch. Eine sranzösische Abteilung rückte heran, sich ihrer zu bemächtigen, aber statt sie abzuführen, umsprangen sie sie mit höhnischem Jubel und schossen ihnen dann aus unmittelbarster Nähe ins Gesicht und in die Brust. Entsetzlich war das Geschrei der Verzweiselten, die sich dem Tode geweiht sahen, entsetzlich das Wimmern der Sterbenden, aber keiner von jenen Teufeln, die diese Unglücklichen so hinschlachteten, hatte Erbarmen, kein Ossizier wurde sich dessen bewußt, welche Unmenschlichkeit und gemeinen Frevel gegen das Völkerrecht man da ausübte. Zwei von der Schar, Eie weiter rückwärts unter den ersten Bäumen einer ganz kleinen Waldung standen, hatten sich während dieses surchtbaren Hinmordens ihrer Kameraden in ein Brombeerengestrüpp verkriechen können, ein Feldwebel und ein Unteroffizier, aber man durchstöberte das Gebüsch und zog bald die zum Tode Erschrockenen aus dem Dickicht hervor. Mit Entzetzen schrie der Feldwebel aus, als er sah, daß man immer noch kein Erbarmen walten lassen wollte, und im nächsten Augenblick sank er auch schon zu Tode getrossen nieder. Der Unterofizier lag neben ihm auf dem Gesicht, ob geschossen, ob gestoßen, ob umgesunken, man wußte es so wenig wie er selbst, aber einer der Halunken wollte doch sicher sein, daß er tot wäre, und so stach er blindlings mit dem Bajonett deimal in den Körper des am Boden Liegenden. Dann floh er mit den übrigen, da die Deutschen näle#rrückten. Nach etwa einer Viertelstunde kroch der noch bebende Unteroffizier heraus aus dem Wäldchen an die grausige Mordstätte, wo die Leichen seiner Kameraden ausgehäust lagen, um hier vielleicht gesunden zu werden. Da wurde das Wäldchen mit heftigem Granatfeuer der Deutschen überschüttet und ein Granatspliter riß dem elend Daliegenden eine grobe Fleischwunde. An Abend wurde er gesunden. Es stellte sich heraus, daß sowohl die drei Bajonettstiche wie auch der Granatschuß nicht tödlich waren. Er, der einzig Ueberlebende dieser Todesschar, der Unteroßsizier Hermann Winter, gebürtig aus Hornburg bei Börzum, liegt seit vorletzter Nacht im Herzoglichen Krankenhause in Braunschweig. Berlin, 23. Sept. Aus den gestern abend vom Kriegsschauplatz aus dem Westen vorliegenden Nachrichten ist über den Fortgang der Entscheidungsschlacht wenig zu ersehen. Es geht nur so viel daraus hervor, daß mit größter Erbitterung weiter gekämpft wird und daß die Deutschen, was jetzt endlich auch französische Quellen zugeben, sich nicht nur auf die Verteidigung beschränken, sondern ihrerseits auch heftig angreisen. Wir verzeichnen folgende Meldungen: Ein Kampf bei Chateau Thierry. von Reims vermeiden wollen, läßt der Korrespondent nicht gelten. Er verlangt vielmehr eine kriegsgerichtliche Untersuchung über die Umstände, unter denen die Uebergabe von Reims erfolgte. Dem„Berl. Lok.=Anz.“ wird aus Notterdam gemeldet: Der Berichterstatter der„Daily News“ meldet aus Chateau=Thierry, daß der heftigste Kampf des Krieges während der letzten Tage geliefert wurde und am Tage und nachts unaufhörliche Angriffe stattfanden. Die deutsche Infanterie bedrohte fortwährend die Richtung der französischen und englischen Stellungen. Den Franzosen und Engländern war die unmitteibare Fühlung mit dem Feinde willkommen und gleichsam eine Erleichterung nach den stetigen Artillerieduellen, wobei sie von den Deutschen nichts als den Rauch ihrer Kanonen bemerkten. Die deutschen Artilleristen bestimmen die Schußzweite sehr genau. Am Freitag platzte eine Granate im englischen Hauptquartier, die große Verwirrung verursachte. Der englische Stab kam jedoch mit dem Leben davon. Die Deutschen haben ihre schwersten Geschütze, darunter vier Kanonen von 30 Zentimetern, auf den Hügeln auf ihrem rechten Flügel aufgestellt. Die Veibündeten konnten nur um den Preis entsetzlicher Verluste Fortschritte machen. Das Feuer gegen die Schanzen war öfters so heftig, daß es unmöglich war, Tote und Verwundete fortzuschaffen. Ein Engländer tadelt die Uebergabe von Reims. Der„Vossischen Zeitung“ wird aus dem Haag gemeldet: Der Korrespondent des„Daily Chroniele" bezeichnet es als unerklärlich, daß bei dem schnellen Vorrücken der Deutschen ansangs September in Reims kein Widerstand geleistet wurde, um so mehr, als Reims als eine der stärksten Stellungen Frankreichs anzusehen sei, eine große Zahl von Straßen= und Eisenbahnen beherrsche und bestimmt war, den von den Ardennen auf die Argonnen anrückenden Feind auszuhalten. Hätte Reims Widerstand geleistet, wäre der Aufmarsch nach Süden. wonn nicht unmöglich, doch o gefährlich gewesen, daß er vermutlich unterblieben wäre. Die fran. zösische Erklärung, man habe ein Bombardement Franzosen und Engländer stehen im Wasser. Ein„Exchange"=Telegramm vom Sonntag meldet: Dile in der Front besündlichen Franzosen und Engländer stehen infolge des anhaltenden Regens in den Laufgräben bis an die Nabel im Wasser. Ein Vergleich zwischen den französischen und deutschen Truppen. Dem„Berl. Tagabl.“ wird aus Rom gedrahtet: Barzini schildert im„Corriere della Sera“ die französischen und deutschen Truppen auf dem Schlachtselde an der Marne. Während die Franzosen, sogt er, noch im Tod den Eindruck ungezügelten Vorwärtsstürmens machen, bieten die deutschen Leichen das Bild der Ordnung und Disziplin. Die deutsche Armee, sagt Barzini, ist zurückgegangen, ist aber nicht besiegt. Sie mußte sich vor der Uebermacht zurückziehen. Aber es war keine Verwirrung, sondern nur eine Losmachung. Gewiß mußten die Deutschen da und dort Material, auch Verwundete, in den Händen des Feindes lassen, aber das deutsche Heer in seinem Kern ist völlig intakt. Die Beschießung der Kathedrale in Reims. Aus dem Großen Hauptquartier wird gemeldet: Die französische Regierung behauptet, die Beschießung der Kathedrale sei keine Notwendigkeit gewesen. Demgegenüber sei festgestellt: Nachdem die Franzosen die Stadt Reims durch starke Verschanzungen zum Hauptstützpunkt ihrer Verteidigung gemacht hatten, forderten sie selbst uns zum Angriff auf die Stadt auf. Die Kathedrale sollte geschont werden, solange der Feind sie nicht zu seinen Gunsten ausnutzte. Schon am 20. September wurde auf der Kathedrale eine weiße Flagge gehißt und von uns auch geachtet. Trotzdem konnten wir auf dem Turm die Anwesenheit eines Beobachtungsposten; seststellen, der die gute Wirkung der feindlichen Artillerie gegen unsere vorrückende Infanterie erklärte. Er mußte beseitigt werden, dies geschah durch Schrapnellsener. Das Feuer wurde sofort eingestellt, als der Posten entfernt war. Der Turm und das Aeußere der Kathedrale sind nicht zerstört, der Dachstuhl ist allerdings in Flammen aufgegangen. Die Angriffe unserer Truppen gingen nur so weit, wie sie unbedingt gehen muzten. Die Verantwortung dafür trägt der Feind, der ein ehrwürdiges Bauwerk unter dem Schutz der weißen Flagge zu mißbrauchen versuchte. Dem„Berner Bund“ wird von seinem Kriegsberichterstatter vom 15. September geschrieben: Das Tressen um Thann zog auf der ganzen Linie eine Reihe von Verfolgungskämpfen nach sich. Im Wesserlinger=Tal, Straße von Bußnang lam es zu Gesechten, ebenso bis nach Bisl. Als die Schlacht um Thann entschieden war, marschierten die Deutschen nach Mühlhausen zurück, die Stadt hatte geflaggt(nicht auf Befehl der Behörde, wie böswillig gesagt wird, sondern spontan, von innen getrieben, denn unter den Kämpfern waren viele Elsässer, besonders Landwehren). Aber nur Teile, etwa 1200 Mann, zogen ein, alles Landwehrleute, sie hatten bei sich die am stärksten gelittenen Batterien, Train und Pferde, welche marode waren. Der Kommandierende mit seinem Stabe nahm den Vorbeimarsch jedes kleinen Truppenteils feierlich salutierend ab. Trotz der starken Ermüdungen der fünj Kampftage machten die Soldaren einen sehr guten Eindruck. Jedoch wurde der größte Teil der Truppen, was nicht recht gebraucht wurde, zur Verfolgung sofort nordwärts dirigiert. Soviel ich in Erfahrung bringen konnte, wurde das 15. und 16. Korps, welche beide hier standen, in letzter Zeit ebenfalls nordwärts genommen. Jedoch ist Reservemannschaft genügend im Lande. Denn die Freiwilligen und auch Neueinberufenen sind jetzt einexerziert, nur für die südlichen Länder, über eine Million Leute. In den nächsten acht bis vierzehn Tagen(dies habe ich von Generalstabsoffizieren erjahren) werden über 2000 000 Mann seldsertig zum Nachschieben bereit sein. Diese neue Kraft macht sich aber auch bereits merkbar, denn aus den großen Garnisonstädten(es lagen mancherorts 30 000—60000 Mann dieser Reservetruppen) ziehen täglich die Truppen regimentsweise ab, um nach ihrer Bestimmung zu gelangen. Allein eine Stadt wie Freiburg i. B. ist jetzt imstande, 40 000 Mann Leute als ausgebildet abzugeben. Dabei ist zu bedenken, daß jede kleine Kreisstadt nun Garnison wurde, daß alte Offiziere zu vielen, vielen Tausenden„ihrg" Leute, mit denen sie sechten sollen, selbst ausbilden. Diese Freiwilligen schlagen sich sehr brav. Einige tausend Mann kamen gerade noch recht, um an den Verfolgungskämpsen nach Thann teilzunehmen. Sie bekamen am Südjuß der Vogesen die Feuertaufe. Die Franzosen, notabene frisch eingesetzte Truppen, die den Rückzug der geschlagenen Kameraden erleichtern sollten, mußten zurückgehen. Was bei diesen Freiwilligen on Drill sehlt, ersetzt die Begeisterung, denn es steut ein starker Zug in dieser neuen Jugend, diese stellen auch meistens die Haupteile. Bei meiner gestrigen und heute morgigen Rundfahrt sah ich, wie sehr die Orte, welche in Mitleidenschaft gezogen waren, durch das Treffen um Thann golitten haben. Viele Häuser sind nur noch Trümmerhausen, ebenso große Fabriken. Dieser Schaden an Gebäuden kommt daher, daß die Franzosen mit Vorliebe ihre Artillerie hinter Gebäuden ausstellen, abs Deckung dienend. Auch beschießen die Franzosen immer, da sie einmarschieren(d. h. wähdend des Kampfes, niemals aus dem Mar'che) eine Ortschaft oft stundenlang. Unsere Flieger als Zielhelfer unserer Artillerie. WTB. Basel, 22. Sept.(Nicht amtlich.) Die Gazette de Lausanne enthält ein Telegramm aus Toulouse über den Bericht eines französtschen Obfiziers. Darin heißt es: Auch unsere Feinde haben aus den Kriegen ihre Lehren gezogen. Sie unterhalten den bestorganisierten Nachrichtendienst, der sich über die ganze Welt erstreckt und sie mit ziemlich genauen Beobachtungen versorgt. Wir hätten nicht geglaubt, daß die deutschen Flieger so zahlreich wären Ganze Schwärme haben unsere Stellungen ausgekundschaftet. Wenn einer heruntergeschossen wurde, so erschienen fünf andere, die höher flogen. Das können Tausende von Zeugen versichern. Die Flieger ließen rote Kugeln herabsallen. Unsere Soldaten warsen sich zu Boden, denn sie erwarteten eine Explosion. Aber nichts erfolgte. Nur eine weiße Rauchfahne stieg hervor, ein paar Minuten später aber sauste ein Hagel von Granaten und Schrapnells über uns her. Die deutsche Artillerie zielt und trifft genau, wenn sie uns auch an Material und Munition nicht gleichkommt. Der Plan, das Ziel durch Flieger markieren zu lassen, ist eine geniale Idee. Der Kniff ist nun entdeckt, aber er hat genug genutzt. Der nieg hegen England. König Georg und Prinz Heinrich. WTB. Berlin, 22. Sept.(Amtlich.) Von unterrichteter Seite hört das Wolffbureau, daß die über Wien gemeldete Nachricht, König Georg von England habe dem Prinzen Heinrich von Preußen gegenüber Ende Juli in London in aller bindenster Form die Erklärung abgegeben, daß England, was auch immer kommen möge, niemals das Schwert gegen Deutschland ergreifen werde, in keiner Weise zutreffend ist. Der Prinz von Wales nicht kampfbereit. WTB. Paris, 22. Sept. Aus London wird gemeldet: Der Prinz von Wales hatte die Erlaubnis erbeten, das Expeditionskorps zu begleiten. Lord Kitchener ließ den König wissen, der Augenblick sei für den Prinzen noch nicht gekommen, um zur Front zu gehen, da der Prinz seine militärische Ausbildung noch nicht beendet habe. Englisches Dementi. WTB. London, 22. Sept.(Nicht amtlich.) Das Pressebureau dementiert offiziell die Nachricht von der Landung russischer Truppen in Frankreich. Die Schwierigkeiten der englischen Millionen=Armee. Haag, 22. Sept. Die mit großer Zuversicht ausposaunte Schaffung eines neuen englischen Milionenheeres stößt nun doch auf die größten Schwierigkeiten, und ihr Vater Kitchener muß das selbst zugeben. In der gestrigen Oberhaussitzung klagte der Kriegsminister über die großen Schwierigkeiten, die ihm die Durchsührung seines Planes bereite Mannschaften seien zwar vorläufig genügend da. Aber einmal mache sich ein empfindlicher Mangel an Ossizieren geltend und dann fehle es auch an dem nötigen Material, um ein so großes Heer auszurüsten. Einzelheiten über alle diese Sorgen behielt Kitchener dem Oberhause allerdings vor, da er davon eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit befürchtete. Es muß also wohl recht schlimm stehen. Auch der gestern hier eingetroffene Bericht über die Unterhaussitzung wirft kein gutes Licht auf die Organisation des englischen Heeresersatzes. Vor allem wurde von mehreren Seiten über die unglaublichen Zustände in den Kasernen und Truppenlagern geklagt, unter denen die jungen Rekruten außerordentlich zu leiden hätten. Englische Beschwörungen an Frankreich, Die Londoner„Times“ beschwört Frankreich in einem viel beachteten Leitartikel, sich um keine französischen Sonderinteressen zu kümmern, sondern nur darauf bedacht zu sein, Cherbourg zu retten. „Es ist kein Zweifel,“ schreibt das Blatt,„daß Ostende, Rosendael, Dünkirchen und Calais als verloren gelten können, wenn sie es nicht schon tatsächlich sind. Mit dem Falle Cherboungs wäre die Suprematie zur See, die wir so glorreich(?!!) behauptet haben, auf das ernstlichste gefährdet. England wäre rettungslos der Invasion der germanischen Horden preisgegeben.“ Die Panik in London ist um so größer, als gleich mit diesem Alarmruf die Nachricht verbreitet wurde, 100 Zeppeline und 4000 deutsche Aeroplane seien bereit, den Kanal zu übersliegen. Die stille Arbeit der deutschen Flotte, die ihre Wirkungen zum großen Leidwesen der Engländer mehr und mehr äußert, gübt einem hohen Secossizier“ in der„Westminster Gazette“ Anlaß zu einem bekümmerten Vergleich zwisschen deutscher und und englischer Seekriegführung. Er schreibt u. a.: „Die deutsche Flotte arbeitet mit geheimnisvollen Mitteln, die wir alle wohl kennen, jetzt aber erst in ihrer vollen Wirkung fühlen! Unsere Schisse fahren still und ruhig über die See, plötzlich bersten sie auseinander und sind verschwunden. Wir sprechen nur von Minen und Minen und Minen. Auch diese vollführen ihr grausames Werk. Alle Anzeichen aber deuten darauf hin, daß die Unterseebootflotte Deutschlands hart an der Arbeit ist. England ist unstreitig Herr des Meeres. Was nutzt das aber, wenn Deutschland sich zum Herrn des Meergrundes macht? Der Kampf unter der See und der Kampf hoch in den Lüsten zeigt Deutschland als Meister. Die Waffen, die in diesem Kampf erst sozusagen die Feuertause erhalten, sind vor der Hand sast ausschließlich zu Wassen Deutschlands geworden.“ Selbstmord eines entsprungenen englischen Offiziers. Halle a. S., 22. Sept. In Torgau überstieg der gefangene englische Major Yate vom Yorkshire Light Ins.=Reg. nachts den Wall der Brückenkopfkaserne und entkam; die nachgesandten Schüsse gingen in der Dunkelheit fehl. Als er heute mittag bei der Zuckerfabrik Brottewitz gestellt wurde, tötete er sich durch einen Kehlschnitt. Major Yate ist der englische Stabsoffizier, von dem jüngst berichtet wurde, er habe auf Befragen nicht bestritten, daß den englischen Truppen Dum=Dum=Geschosse ausgehändigt worden seien, und der im Verlauf jenes Verhörs erklärte, man müsse doch mit der Munition schießen, die die Regierung geliesert habe. Ein deutscher Flieger über der Tafelbai. London, 23. Sept. Dem„Berl. Bönsenkurier“ wird von hier aus gemeldet: Zu dem Einfall deutscher Truppen in Südasrika wird den„Times“ gemeldet: Ein Punkt, worin die Deutschen unzweiselhaft im Vorteil sind, ist die Beherrschung der Luft. Einer ihrer Aeroplane ist in den letzten Tagen wiederholt über der Tafelbai gesehen worden und hat dort große Beunruhigung hervorgerusen. Schwierige Lage der Engländer in Südafrika. WTB. London, 22. Sept.(Nicht amtlich.) Die „Times“ melden aus Kopenhagen: Der Rücktritt des Generals Beyers, des Oberbessehlshabers der südafrikanischen Miliz, versetzt die Regierung in eine schwierige Lage. Es besteht eine starke Opposition gegen die Ossensivmaßnahmen gegen DeutschSüdwestafrika, und zwar nicht nur bei den Anhängern des Generals Herzog, sondern auch bei einer beträchtlichen Anzahl Buren, die sonst die Regierung unterstützten, namentlich in der Orangekolonie, im Transvaalbezirk, im Bezirk Lichtenburg und in den Grenzbezirken der Kapkolonie. Die Buren sind loyale britische Untertanen, sie halten aber die Offensive gegen Deutsch=Südwestalrika für unpolitisch, unweise und überflüssig. Einfall deutscher Truppen in das Kapland. WTB Frankfurt a. M., 22. Sept.(Nicht amtlich.) Die„Frankfurter Zeitung“ bringt aus London eine Depesche, in der aus Kapstadt gemeldet wird: Die Regierung kündigte an, daß deutssche Truppon aus Deutsch=Südwestafrika zwischen Nakob und Upington in das Kapland eingedrungen sind und dort sich verschanzt haben. Man hält die deutschen Truppen nicht für sehr zahlreich. Der Ktieg gegen Frankreich. Paris entvölkert! Paris, 23. Sept.(Nicht amtlich.) In Paris sind nach dem endgültigen Ergebnis der Pariser Volkszählung 1807044 Einwohner anwesend, also nur zwei Drittel der Zahl in normalen Zeiten und zwar fast die doppelte Zahl Frauen wie Männer. Der Gesundheitszustand unserer Truppen ausgezeichnet. Stuttgart, 23. Sept. Dem„Staatsanzeiger“ meldet ein Militärarzt, daß im Westen der Gesundheitszustand unserer Truppen trotz des scheußlichen Regenwetters ausgezeichnet ist. Schuft Wetterlee auf der Kanzel. Vordeaux, 22. Sept. In der Kathedrale von St. Andreas wurde vorgestern eine Messe für den Erfolg der Wassen des Dreiverbandes gehalten, bei der Wetterké predigte. Fürsorge für die französischen Kriegersamilien. Paris, 22. Sept.„Petit Parisien" beklagt die mangelhafte Fürsorge für die Familien der Krieger, 1,25 Francs für die Frau und 0,50 Frcs. für jedes Kind sei angesetzt und werde auch in Paris anscheinend bezahlt. In den Ortschaften der Umgebung seien wegen der ausgebliebenen Zahlung Familienmütter mit mehreren Kindern in jämmerliche Not geraten. In Montgeron beispielsweise habe eine Mutter mit 4 Kindern gänzlich ungenügende Naturalien erhalten. Aus ihre Beschwerde sei ihr erklärt worden, daß angezeigt worden sei, daß sie nur drei Kinder habe und deshalb keine Unterstützung erhalte. Das Blatt tadelt diesen Vorfall energisch, da der Vater der Kinder dem Lande Leib, Gut und Blut opfere. Das gleiche Blatt bringt den Brief eines Bauern, der sich darüber beschwert, daß man nirgends die Nequisitionen durch die Heeresverwaltung bezahlt erhalte. Man werde vom Steuereinnehmer zur Necette des sinances, von dort zur Intendanz, von dort zum Helmatbezirk geschickt, man erhalte aber nichts. Pöbelherrschaft in Frankreich. WTB. Basel, 22. Sept.(Nicht amtlich.) Laut „Bas. Nachr.“ erklärten die gestern hier durchgehenden deut'chen Sanitätssolbaten, sie hätten, seit sie Schweizer Boden beträten, sich wie im Himmel gefühlt, gerührt durch die warme Herzlichkeit der Aufnahme und die glänzende Verpslegung. Sie bekllagen sich über die Behandlung durch die Frau zosen während ihrer Hilfstätigkeit in den franzö sischen Lazaretten. Später erhielten sie zwei Tage lang keinerlei Nahrung, dann nur Brot, erst an der Grenze jeder eine Konservenbüchse. Sie wurden vom Pöbel mit Steinen beworsen, ihrer Helme und einer auch seiner Mütze beraubt. Sie büßten zum größten Teil ihr Gepäck ein. Einem Offizier wurde der Koffer völlig ausgeleert, ebenso einem Oberstabsarzt, welcher Sonnabend nacht hier eintraf und erst telephonisch Leibwäsche erbitten mußte Ein grauenhaftes Geständnis. Aus dem Privatbries eines preußischen Majors, dessen Handschrift in Original vorlag, stellt man der„Frankfurter Zeitung" nachstehendes einwandfrei festgestelltes Ergebnis einer militärischen Untersuchung zur Verfügung: Meine Brigade kommandierte mich gestern ins Lazarett, um über einen Franzosen zu Gericht zu sitzen. Ich fand einen Gesreiten vor, Ende der 30er, soldat seit 1895. Er gab ohne weiteres zu, zwei verwundeten deutschen Soldaten des T. Armeekorps, das hier vor einigen Tagen die Maasübergänge genommen hatte, mit seinem Bajonett die Augen ausgestochen zu haben. Nach dem Grunde gefragt, sagte er ganz ruhig:„Cest ne revanche comme toute autre.“(Das ist eine Art von Vergeltung wie jede andere.) Damit war für mich der Tatbestand festgestellt und ich meldete dies der Brigade, die ihn sofort erschießen ließ. Geschehen in X. am 31. August abends. Der Gefreite hieß E. B. Er war von Sanitätsmannschaften bei der Tat abgesaßt worden. Ihnen gegenüber hat er behauptet, von seinem Hauptmann dazu Besehl erhalten zu haben. Die deutschen Sanitätsmannschaften sagten, daß der französische Gefreite etwa 30 verwundeten Deutschen die Augen ausgestochen habe. Der Krieg gegen Belgien. von der Goltz erhielt das Eiserne Kreuz. WTB. Brüssel, 22. Sept.(Nicht amtlich.) Der Kaiser hat dem Generalgouverneur von der Goltz das eiserne Kreuz erster Klasse verliehen. Die Käuflichkeit der belgischen Presse. Eine Aufsehen erregende Enthüllung bringt die „Tägl. Nundschau". Danach hat seit langer Zeit der französische Botschafter in Brüssel die belgischen Jeltungen mit einer halben Million Franks jährlich unterstützt mit der Weisung, gegen Deutschland zu hetzen. Auch französisches Kapital ist nach und nach in belgische Preßunternehmungen hineingesteckt worden Die Folgen dieser systematischen Verhetzung haben sich ja in diesem Kriege in schrecklicher Weise gezeigt. Die belgische Bevölkerung ist durch die eigene Lügenpresse so fanatisiert worden, daß sie in der schändlischsten Weise sich an deutschen Truppen vergangen hat. Oft genug sind ehrliche Bestrebungen von deutscher Seite, so von dem„Preßbureau zur Förderung gegenseitiger Kenntnis der Kulturvölker", das zu diesem Zwecke eigens begründet worden war, gemacht worden, aber die belgischen Zeitungen, an der Spitze das führende Blatt„Etoile Belge“ ließen sich lieber kaufen, als einer Versöhnungspolitik die Hand zu reichen. Daher kann auch die Nachricht nur sympathisch berühren, daß der General= gouverneur von Belgien die Maschinen dieser Zeitung, als sie sich weigerte, weiter zu erscheinen, zerstören ließ. Diese käuflichen Gesellen müßten vollkommen ausgerottet werden Wie die Belgier ihre Kirchen und Kunststätten „schützen“. Die holländische Zeitung„De Maasbode“ vom 10. Sptember veröffentlicht folgendes Eingesandt: „Sollte das wahr sein?— Gestern hörte ich einen Augenzeugen erzählen, daß der Turm der Liebfrauenkirche in Antwerpen ganz mit Maschinengewehren besetzt ist, und daß solche aus dem Kirchenschißf stehen sollen; ferner soll eine drahtlose Einrichtung auf dem Turm sein. Weiß Ihr Berichterstatter, ob das wahr ist? Ich kann doch unmöglich annehmen, daß Belgien dieses Monument der Verwüstung preisgeben will, nur um einige Deutsche zu töten; die Regierung weiß doch sehr gut, daß eine Kugel aus den 42=ZentimeterKanonen ausreichen kann, um aus Turm und Kirche einen einzigen Schutthausen zu machen. Könnte man nicht aus dem Ausland erreichen, daß Turm und Kirche nicht für Kriegszwecke gebraucht werden, und daß sie unter den Schutz einer neutralen Macht gestellt werden? Bei offfzieller Bekanntgabe hiervon an die deutsche Regierung würde man aller Wahrscheinlichkeit nach dieses prächtige Bauwerk vor dem Untergang bewahren können.“ Der Schatzgräber. Roman von Erich Ebenstein. 43 Wie eine Vision stieg plötzlich die Gestalt des Wiener Antiquitätenhändlers vor ihm auf. Dem hatte der Vater ja ein Rubinkollier verkauft und vieles andere. Und das viele Geld, das er angeblich gewonneu hatte. „Heiliger Gott!“ schrie Hans auf und schlug die Hände, welche zitterten wie Espenlaub, vor das Gesicht. Dann saß er lange regungslos da, vornübergebengt, wie ein gebrochener Mann. Er wußte nun, wie das Papier in seines Vaters Besitz gekommen war. Gestohlen war es. Den alten Schatz des Herzogs hatte er, weiß Gott durch welchen Zufall, gefunden und für sich behalten. Ein Dieb war sein Vater gewesen. Nein, viel, viel schlimmer als ein Dieb. Denn er hatte die Bestohlenen dann noch verfolgt mit seinem Haß und sie unerbittlich zu Grunde gerichtet mit dem Gelde, das von rechtswegen ihnen gehört hätte. „O, mein Gott," dachte Hans halb von Sinneu,„laß mich nicht denken— laß mich nicht denken, was mein Vater war, sonst müßte ich ihm noch im Grabe fluchen.“ Und dennoch arbeiteten seine Gedanken rastlos weiter. Das war nun sein Erbe. Ein befleckter Name. Die Schmach, daß er vor Peter Herzog hintreten mußte und ihm sagen: Mein Vater war ein Dieb! Und glaube mir es nur, daß ich nichts wußte von der Sache. Und Konstanze? Not und Sorge hätte sie vielleicht mit ihm geteilt, aber Schmach und Entehrung? Würde sie sich nicht voll Abscheu wenden von dem Sohn des Diebes? Er stöhnte qualvoll auf und vergrub den Kopf zwischen den Händen. Nein, ihm war kein Glück beschieden. Nun würden sie bald in Winkel mit Fingern nach ihm zeigen, und wer weiß, ob alles, was er besaß, hinreichte, um den Schaden voll und gut zu machen, der den Herzogs zugefügt worden war? Und plötzlich überkam ihn eineheiße Sehnsucht, dazuliegen, wie sein Vater drüben, steif und kalt und nichts, gar nichts mehr zu wissen von dieser schönen und doch schrecklichen Welt. 22. Kapitel. Höher und höher stieg die Morgensonne am tiefblauen Himmel empor, bis sie endlich über dem granen Schieferdach der Villa Paur stand und sich wohlgefällig in den Wassern des dahinter fließenden Seebaches spiegelte. In tausend blitzenden Lichtfunken tanzte sie darüber hin, legte sich in breiten Silberspiegeln an die Buchten, kletterte dann neugierig an den geblichen Mauern des Hauses empor und schlüpfte endlich keck ins Innere. An den Fenstern des großen Ecksalons glitt sie nur mit flüchtigem Schein vorüber. Da sah es recht unwirtlich aus. All die schönen prunkvollen Möbelstückewurden von ernst dreinblickenden Männern hinausgeräumt, andere errichteten inmitten des Gemaches einen Katafalk, und unter der Tür stand Barbara mit verweinten Augen und erteilte leise ihre Befehle. Nebenan lag der Tote, schon feierlich angetan mit dem schwarzen Gewand, das ihn zur letzten Ruhestätte begleiten sollte. Auch da huschte die Sonne mit scheuer Eile vorüber und wagte sich kanm einen Fußbreit ins Gemach. Aber um die Ecke, da standen Feuster offen, wie sehnsüchtig ausgestreckte Arme direkt gegen die Sonne hin. Neugierig guckte sie hinein, und als sie nichts sah als einen einsamen Mann, der regungslos am Schreibtisch saß und vor sich hinsah, drang sie kühn immer weiter vor, streifte leise seinen Aermel, stieg an seiner Schulter empor und legte sich endlich schmeichelnd tief in sein blondes Haar hinein. Aber er merkte es nicht. Er hätte es vielleicht nicht einmal bemerkt, wenn der Himmel statt Sonneustrahlen Schlossen auf ihn herabgeworfen hätte. Viertelstunde auf Viertelstunde verrann, die Sonne hatte ihn ganz umsponnen mit goldenen Netzen und das Gemach war erfüllt von ihrem Licht, Haus Paur aber rührte sich nicht. Was hätte er auch tun sollen? Es gab nur eins: hingehen zu den Herzogs und ihnen die Wahrheit sagen.. Und so oft er daran dachte, schanderte erzurna. Die Guadenfrist von Stunden wenigstens durfte er sich gönnen. Vielleicht geschah inzwischen ein Wunder, das ihm den Weg ersparte. Irgend etwas, das ihn jäh niederwarf und in den Lebensnero traf, wie drüben den Alten. Plötzlich schrak erzusammen. Leise hatte sich die Tür geöffnet und wiedergeschlossen. Er wagte nicht, sich umzuwenden, irgend ein dunkler Instinkt sagte ihm, daß seine Buadenfrist nun abgelaufen war. „Hans, lieber Haus, willst Du mich nicht ansehen, ich bin gekommen, weil ich dachte, Du würdest es leichter tragen, wenn—“ Sie verstummte erschrocken. Er hatte sich langsamumgedreht, und seine Augen blickten aus einem völlig veränderten Gesicht fremnd zu ihr auf. „Um Gotteswillen— Hans! Was ist Dir? So tief hat es Dich getroffen?" stammelte Konstanze Herzog fassungslos. Sie begriff es nicht. Gestern so strahlend, zuversichtlich und mutig— heute ein gebrochener Mann. War es denn möglich, daß er an dem Alten mit zärtlicher Liebe gehangen? „Haus.“ sagte sie bebend, während ein unendliches Mitleid ihr Herz schwellte und die ganze, tiefe Liebe in ihren Blick trat,„Haus— nimm es doch nicht so furchtbar schwer! Es ist der Vater, ja, aber er war alt und eine lange Frist wäre ihm wohl kann mehr vergönnt gewesen.“ Da lachte er in bitterer Härte auf. „Ah—das, meinst Du, wirft mich nieder? Nein, nein, beruhige Dich—“ er sprang auf, und während er im Zimmer planlos herumging, sprudelten ihm die Worte überstürzt aus dem Munde:„Ich danke Gott, daß er tot ist, und für ihn ist es das größte Glück— sonst hätte er vielleicht noch ins Zuchthaus wandern müssen. Ja— steh mich nur entsetzt an. Es ist schon so. Das Zuchthaus— wie das klingt! Und ich sein Sohn— laß nur, Konstanze,“ er wehrte sie hastig ab, da sie sich ihm genähert hatte, und die Hand auf seinen Arm legen wollte,„beflecke Deine schönen, reinen Hände nicht mit dem Sohn des Diebes, geh fort aus diesem Haus, laß mich allein! Das Wort, das ich Dir gestern gab, ich kann es nicht halten.Darf esnicht—“ Konstanze, die ihm verständnislos und tief betroffen zugehört hatte, trat jetztplötzlich auf ihn zu, und indem sie ihre Hände auf seine Schultern legte und ihm fest in die Augen blickte, sagte sie ernst: „Was Du da zusammenredest, Haus, ist Unsinn, und ich verstehe kein Wort davon. Aber ich habe seit gestern ein Recht, die Wahrheit von Dir zu fordern. Sage mir, was Dich bedrückt und—“ sie beugte sich so nahe an ihn, daß ihre Wange die seine streifte, und flüsterte weich:„wäre es auch noch so schwer— Dein Wort kann ich Dir nimmer zurückgeben, Hans, denn Du bist mir ja das Liebste auf Erden!" Er schauerte unter ihren Worten zusammen, und als er in ihre glänzenden Augen blickte, die ihn wie Sterne anleuchteten, voll reinster, innigster Liebe, wollte er sie stürmisch in die Arme reißen. Doch besann er sich im letzten Moment. „Nein— erst sollst Du alles wissen, dann entscheide selbst!“ murmelte er und zog sie hastig zum Schreibtisch. Dort sagte er ihr alles, gab ihr auch das Dokument zu lesen und stand neben ihr, während sie las, wie ein armer, verurteilter Sünder. der überzeugt ist, daß es nun keine Gnade für ihn geben kann. Konstanze las mit tiefem Erstannen. Dann ließ sie das Blatt sinken und blickte Haus kopfschüttelnd an. 216,16 Zuberlassige- Nachrionten von den Kriegsschauplätzen, einen sorgsam gepflegten lokalen Teil und erstklassige Romane und Novellen bringt die Schwerter Zeitung, welche monatlich nur 60 Pfg. kostet. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Der Klieg gegen Rußland. Rußland kämpft gegen das Deutschtum, nicht nur gegen Deutschland, so sagte der Ministerpräsident Goremykin einer Abordnung baltischer Deutscher, die nach Petersburg gekommen war, um von der Negierung Schutz gegen die drohenden Angrissse sanatischer Altrussen zu erbitten. Die russische Regierung versagt den Deutschen der Ostseeprovingen jeden Schutz, um das Deutschtum zu vernichten, und doch sind gerade die Ostseeprovinzen, die 30 Jahre lang dem deutschen Ritterorden angehörten und im 18. Jahrhundert an Rußland flelen, dank ihrer deutschen Bevölkerung die Kulturträger im Zarenreich. Die Finnländer, die sich durch eine große Summe, die sie jährlich zu entrichten haben, von der Dienstpflicht im russischen Heere loskauften, sollen zu den Fahnen einberusen werden Das würde, da Rußland allen Grund hat, den Finnländern zu mißtrauen, beweisen, wie grundlos die Fabel von der Unerschöpflichkeit des kriegsfähigen russischen Menschonmaterials ist. Ein Bombenattentat gegen einen russischen Militärzug. Budapest, 22 Sep. Dem„Utro“ wird gemeldet, daz gegen einen russischen Militärzug auf der Linie nach Warschau ein Bombenattentat verübt wurde. Es sollen 150 Offiziere und 1000 Soldaten getötet worden sein. Außerdem gab es viele Verwundete. Bulgarien rüstet. WTB Wien, 22. Sept.(Nicht amtlich.) Die „Politische Korrespondenz“ meldet aus Saloniki: Die serbische Regierung hat die Zustimmung zur Errichtung eines bulgarischen Konsulats in Monastir erteilt. In der Gegend von Strumitza wird eine erhöhte Bandentätigkeit gemeldet, welcher die serbische Gendarmerie und Miliz nur schwer gewachsen sei. Aus griechischer Quelle verlautet, daß die Bulgaren in der Gegend von Oktschila weitere Besestigungen ausführen und zehn schwere Geschütze in Position brächten, Russisches Theater. Berlin, 21. Sept. Aus Rom wird dem„Berl. Tagebl.“ gemeldet: Bei Wiedererösfnung des laiserlichen Theaters in Petersburg sanden Kundgebungen statt, die wirklich sehr„theatralisch“ waren. Kaum hatte der Dirigent Platz genommen, so erhob sich das ganze Theater. Das Orchester spielte dreimal hintereinander die Kaiserhymne und ebenfalls dreimal hintereinander die Marseillaise. Das Publikum jubelte dem französischen Botschafter, Pateologue, zu, der seinerseits dem Publikum lebhaft zuwinkte. Dasselbe erbauliche Spiel wiederholte sich dann mit der englischen, der serbischen, der belgischen und der japanischen Hymne. Nur die Hymnen der Basutoneger und Hottentotten konnten leider nicht gespielt werden, da augenblicklich die Noten fehlten. Jedesmal erschienen die betressenden Botschafter lächelnd an der Logenbrüstung, dankten und winkten dem Publikum mit lebhaften Gesten zu. In den Zwischenpausen wurden im Foyer russische Siegesbulletins angeschlagen. Zum Schluß der Vorstellung gab es von neuem tosende Kundgebungen, und wiederum wurden sämtliche Nationalhymnen dreimal gespielt. Besonders begeisterte Ovationen wurden dem japanischen Botschafter Motono dargebracht, der lächelnd dankte. Die Besatzung des Schütte=Lanz 2 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Breslau, 22. Sept. Die Besatzung des Luftschiffes Schütte=Lanz 2 ist durch das Eiserne Kreuz ausgezeichnet worden. Die Verleihung des Ehrenzeichens hängt, nach der„Breslauer Zeitung“, mit einer glänzenden Erkundigungsfahrt zusam, men, die das Lustschiff unternommen hatte. Der Krieg gegen Japan. Japaner protestieren gegen den Krieg. WTB. Wien, 23. Sept.(Nicht amtlich.) Die Korrespondenz Rundschau meldet: Nach Nachrichten aus Peking ist in Japan eine heitige Bewegung gegen den Krieg wahrzunehmen, Bei Haussuchungen in Tokio sind Aufruse vorgefunden worden, deren Inhalt in der Erwägung gipfelt, daß Japan, statt diesen Krieg mit Deutschland zu beginnen, lieber die Frage der Mandschurei und Mongolei hätte aufrollen sollen. Die japanische Regierung handele unpatriotisch und stehe oissenbar im Solde Englands, das Japan nur dazu verwende, die Kastanien aus dem Feuer zu holen, sich aber niemals dankbar erweisen würde. Diese Proklamationen fanden sich auch in Kasernen in Eine neue Französische Aeroplan Mitrailleuse. Feindlicher Flieger über Dusseldors. * Düsseldorf, 22. Sept. Die„Düsseldorfer Zeitung“ meldet: In der Nähe der Luftschilsshalle wurden heute von einem seindlichen Flieger zwei Fliegerbomben geworsen Schaden wurde, abgesehen von einigen zersprungenen Fensterscheiben, nicht angerichtet. Die Wache war auf dem Posten. Uober die Bombenwürse des Fliegers in Düsseldorf wird dem„Hörder Volksbl.“ von Kriegsfreiwilligen noch gemeldet: Unsere Abteilung war um 8¼ Uhr zum Scharfschießen ausgerückt, als plötzlich kurz vor der Lustschiffhalle ein Doppeldecker aus dem Nebel austauchte, der das deutsche Erkennungszeichen zelgte. Aus einer Höhe von etwa 150 Meter siel die erste Bombe, 20 Meter von uns entsernt, die jesdoch nicht krepierte, die zweite siel ungejähr 30 Meter von der Halle entsert, uns mit einem Hagel von Steinen und Sand überchüttend. Jetzt erst sahen wir, daß es sich um einem fremden Flieger handelte. Bei dem starken Nebel konnten unsere Abwehr=Kanonen und Maschinen= gwehre sowie unser Schnelljeuer dem Flieger keinen Schaden zufügen. Vorstehendes Bild ist eine Reproduktion einer französischen Postkarte, die von französischen Flugzeugen auf deutsches Gebiet abgeworsen sind, um die Bevölkerung in Angst zu versetzen. Sie zeigt einen französischen Doppeldecker, System Henry Farman, der mit einer Mitrailleuse, System Hotchkiß, armiert ist. Die Inschrift, rechts oben besagt, ferner daß das Flugzeug von Kapitän Mahlsert geführt wird, während Sergeant Darbost die Mitrailleuse bedient. Tokio und Jokohama vor. In der Priesterschaft von Kioto soll gleichfalls lebhaffte Mißstimmung wegen des Krieges herrschen. —— Der Papst als Friedensvermittler. Rom, 22. Sept. Papst Benodikt 15. hat, wie die„Tribuna“ schreibt, es nicht nur bei seiner Friedensenzyklika, die an alle Bischöse der Welt gerichtet ist, bewenden lassen, sondern hat auch die Initiative ergrifsen, um bei den Regierungen der Kriegsmächte die Einstellung der Feindseligkeiten und die Einsetzung eines Schiedsgerichts anzuregen. In der Abschiedsaudienz, in der der Papst die hervorragendsten Kardinäle, die am Konklave teilgenommen hatten, empfing, hat er ihnen die besondere Mission anvertraut, bei den in Frage kommenden Regierungen sofort das Terrain zu sondieren und ihm sogleich Bericht zu erstatten. Unterdessen hat die vatikanische Diplomavie in Oesterreich, Bayern, Preußen und Belgien in diesem Sinne schon vorgearbeitet, und es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß der apostolische Delegierte in Washington in vertraulicher Weise beim Präsidenten Wilson gewirkt hat und daß darauf der Friedensschritt Wilsons zurückzuführen ist. —— Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, den 23. September. **(Die Zugvögel ziehen.) Daß der Herbst da ist, kündet die Pflanzenwelt in Wald und Feld deutlich an. Auch die Zugvögel treten ihre Reise nach dem Süden an. Nachdem uns die Schwalben schon in großen Scharen verlassen haben, konnte man gestern einen Zug Kraniche beobachten, die unter lautem Geschrei nach dem Süden zogen. *(Das glänzende Ergebnis der Kriegsanlei. hen) hat den Wert einer gewonnenen Schlacht. Diese Finanzleistung macht uns keiner der mit uns im Kriege liegenden Staaten nach, so geringschätzig diese auch unsere wirtschaftliche Stärke stets zu beurteilen beliebten. Die Wirkung dieser erstaunlichen und alles Erwarten übersteigenden deutschen Finanzleistung, durch die das Vlersache dessen aufgebracht wurde, was zunächst gefordert wurde, au, das Ausland kann und wird nicht aus. bleiben. Das Fiasko der 3,5prozentigen französischen Rente als Seitenstück zu dem prompten und großartigen Erfolg der deutschen Kriegsanleiche läßt nicht nur den Unterschied zwischen der Finanzkraft, sondern auch den zwischen der Zuversicht beider Staaten deutlich erkennen. In Frankreich wurden die fällligen Einzahlungen aus die genannte Rente nicht geleistet, so daß die Regienung in Bordeaux sich zur Ausschreibung einer sechsprozentigen Kriegsanleihe genötigt sah, auf deren Ergebnis man gespannt sein kann Arbeitslosigkeit und Geldnot können in Frankreich bei längerer Kriegsdauer vernichtende Wirkungen herbeißühren. In Rußland ist die Lage genau obenso. *(Liebesgaben.) Der Ausschuß des Roten Kreuzes in Schwerte hat gestern vier große Kisten Liebesgaben im Gewichte von 258 Kilogramm für die im Felde stehenden Soldaten und ffür die Feldlazarette abgeschickt. Weitere Sendungen werden in nächster Zeit erfolgen. **(Schützt die Brieftauben!) Es ist in letzter Zeit vorgekommen, daß Brieftauben angeschossen nach dem heimatlichen Schlage zurückgekehrt oder verloven gegangen sind. Da Militärbrieftauben im Kriege von großer Bedeutung sind, so wird dringend davor gewarnt, feldernden Tauben überhaupt, da sich Diensttauben darunter befinden können, nachzustellen. Sog.„wüde Schläge“, deren Besitzer sich keinem Verbandsverein angeschlossen haben, mögen regelmäßig von ihnen auf eingeflogene Tauben, die für Nachrichtendienste bestimmt sind, untersucht werden, (Stadtverordneten=Sitzung.) Für Dienstag, 29. ds. Mts. ist eine Sitzung des Stadtverordneten=Kollegiums anberaumt. Auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung, welche unsere Leser im Inseratenteil der heutigen Nummer sinden, steht auch ein Antrag des hiesigen Haus= und Grundbesitzer=Vereins auf Vermehrung der Stadtverordneten. *(Kriegsfreiwillige.) In das Ersatz=Batail= lon des Infanterie=Regiments Nr. 88 in Mainz werden noch Kriegsfreiwillige eingestellt. (Das 1=Pfund=Paket als Feldpost.) Aus geschäftlichen Kreisen geht dem„Manufakturist“ die Anregung zu, die Postbehörde möge den Versand des vor kurzer Zeit zur Einführung gelangten 1=Pfund=Paketes an die Truppen im Felde zulassen. Die Angehörigen zu Hause wollen jetzt zu Beginn des Herbstes den Söhnen im Felde warme Unterkleidung schicken, jedoch sind sie dazu nicht in der Lage, da noch keine Pakete von der Feldpost besördert werden. Ebensogut wie Briefe bis zu 250 Gramm angenommen werden, dürften auch 1=Pfund=Pakete besördert werden können. Die Feldpost käme sowohl den Wünschen der kämpfenden Soldaten, als denen der zu Hause Gebliebenen mit der Zulassung des 1=Psund=Paketes als Feldpost entgegen. *(Vertagt.) Der Herbst=Zonentag der Westf.= Lippischen Zone des Deutschen Gastwirt=Verbandes, der für Arnsberg in Aussicht genommen war, ist mit Rücksicht auf die Kriegsereignisse durch den Zonenvorstand auf unbestimmte Zeit vertagt worden. **(Einen überaus frechen Diebstahl) verübte gestern die 16jährige W aus der Fleitmannstraße. Dieselbe schlich sich in die Sedanschule und stibitzte dort einen wertvollen Kinderwantel. Dann hatte die judendliche Diebin die Dreistigkeit, mit dem gestohlenen Mantel angetan, nachmittags ihrer an der Hellpothstraße wohnenden Großmutter einen Besuch abzustatten. Hier wurde sie von Kindern aus der Sedanschule bemerkt, der Mantel alls das gestohlene Diebesgut erkannt und nun eine wilde Jagd au die Diebin eröffnet. Weit über 100 Kinder versolgten die diebische Elster durch mehrere Straßen und stellten sie auch schließlich; der gestohlene Mantel wurde dem Mädchen vom Leibe gerissen und dieses dann der Polizei übergeben. Vielleicht wäre hier die Zwangserziehung angebracht. Sechs Mann ertrunken. WTB. Stuttgart, 22. Sept. Heute nachmittag fuhren an der Baustelle der Kläranlage iin Mühlhausen zwei bei der Stadt beschäftigte Leute über den etwas angeschwollenen Neckar. Der Kahn kam ins Treiben und stieß dabei an einen eisernen Pahl, wodurch er umkippte. Einer der beidem Leute hi##lt sich an dem eisernen Pfahl fest, wäh. rend der andere nach längerem Schwimmen unterging. Dem am Pfahl hängenden Mann wollte ein mit vier Mann besetztes Boot zu Hilse kommen, wobei ihr Nachen ebenhalls zum Kippen kam. Es konnte keine weitere Hilse gebracht werden, sso daß auch Dbe vier Leute ertranken. Alle Verunglückten sind verheiratet. —. Ergste, 23. Sept.(Der Krieger= und Landwehr=Verein) zahlt schon seit mehreren Jahren zufolge einstimmigen Beschlusses der Hauptversammlung an die Hinterblliebenen bei jedem Sterbefall ein Sterbegeld von 100 Mk. Das angesammelte Guthaben wurd es dem Verein auch in dieser ernsten Zeit ermöglichen, seinen Verpflichtungen gegenüber den überaus zahlreich einberusenen Kameraden in Kriegssterbefällen durch Zahlung des Sterbegeldes von 100 Mk. gerecht zu werden. Diese gewiß nicht zu unterschätzende Leistung würde ausgeschlossen sein, wenn Vorstand und Mitglieder nicht stets an dem Grundsatz festgehalten hätten:„Spare in der Zeit, so hast du in der Not“ und vor allen Dingen as nicht verwieden hätten, durch Veranstaltung großer Festlichkeiten mit ihrem unvermeidlichen Defizit die zurückgelegten Ersparnisse wieder zu opfern. Das für Ansang August cr. aus Anlaß des 45jährigen Bestehens des Vereins beschlossene Jubiläums=Preisschießen konnte in diesen bewegten Tagen selbstverständlich nicht abgehalten werden. Die hierfür gestifteten 40 wertvolben Jubiläums= und Ehrenpreise sind in sicherer Ausbewahrung aufgehoben, bis die mit der Parole:„Gott mit uns“ für Kaiser und Reich ins Feld gezogenen Kameraden als Krieger und Sieger wiederum Einzug halten werden. Der Ernst der Gott sei Dank! Fast alle unsere deutschen Dörfer und Ortschaften liegen in dieser Kriegszeit frieldlich und unversehrt da. Die Fackel des Krieges hat sie nicht berührt. Unter braves Heer hat die Feinde des Landes serngehalten oder sie wieder hinausgejagt. Fröhlich und singend ziehen die Kinder im gleichen Schritt und Tritt über die Straßen, aus dem Kopf den Helm, in der Hand den Säbel, in. der Luft das wehende Banner. Umsere Jugend treibt überall lustiges Kriegsspiel. Aus den Fenstern sind bunte Fahnen hinausgesteckt, die fröhlich im Winde slattern. Die Erwachsenen wandern in froher Unterhaltung über die Straßen. Und wenn eine neue Siegesnachricht kommt, so zieht ganz besonders lauter Jubel durch die Straßen der Ortschaften. Sicherlich, wir wollen uns, sollen uns fveuen, daß uns Gott entcheidende Skege verliehen hat. Wir wollen es den Kleinen nicht verargen, wenn für sie der Ernst des Lebens zum kindlichen Spiel wird. Aber es ist sicher, daß unsere Freude in dieser ernsten und schweren Zeit nicht allzulärmend und allzuoberflächlich sein darf. Wir wollen bei aller Dankbarkeit die Schwere der Schickung erkennen, die uns auserlegt ist. Es soll uns zum Bewußtsein kommen, daß Gott uns in dieser Kriegszeit heimsucht und daß er uns durch Trübsal zu sich empor ziehen will. Der Krieg ist doch ein furchtbares, ein schreckliches Erziehungsmittel in der Hand unseres Gottes. Denken wir an die brennenden Dörser, an die fliehenden Bewohner, an die verwundeten Krieger, an die gesallenen Helden! Erschreckend und grausam zieht das Kriegselend durch die Länder Europas. Ungeheures Herzeleid fügen sich die Völler in wildem Haß untereinander zu. Wer all das Elend als Christenmensch mitempfindet, wer die Grausamkeiten erfährt, die verübt werden, der könnte mutlos und verzweifelt sein. Das will selbstverständlich auch unser Gott nicht. Wer Gott vertraut, der verzagt nicht, auch wenn das Meer wild wütet und wallet. Bei allem Elend und allem Leid dürsen wir nicht verzweiseln. Zwischen Uebermut und Leichtsinn auf der einen, zwischen Verzagtheit und Verzweislung auf der anderen Seite liegt die rechte Herzensstimmung, die uns jetzt ertüllen soll. Eine Herzensstimmung, die uns im Glück nicht übermütig und im Unglück nicht verzagt sein läßt, die uns Demut und Tapserkeit zugleich verleiht und die aus dem rechten Gottvertrauen hervorwächst; eine Herzensstimmung, die uns die Kraft gibt, daß wir jetzt unsere großen Pflichten dem Vaterlande gegenüber ersüllen. Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt war wieder sehr reich beschickt. Es wurden bezahlt für: Aepfol Plund 10—30 Pfg., Birnen Pfund 10—25 Pfg., Pflaumen 5 Pfund 30—40 Pg., Zitronen 3 Stück 25 Pfg., Weintrauben Pfund 30—50 Plg., Gurken 10—15 Pfg., Bohnen 10—15 Pfg., Zwiebeln 2 Pid. 15 Pfg., Rotkohl 25 Pfg., Weißkohl 10 bis 25 Pfg., Wirsing 25—35 Pfg., Kartosseln 10 Psd. 35 Pfg., Eier 10 Stück 1 Mk., Butter Psund 1,30 Mark, Rindsleisch 65 Pfg., Schweinefleisch 75—80 Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Nraan. pruck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schmerte Sehr gute Prima trockene 6115 per Sack Mr. 6.50 E. Weinberg. (Industrie) hat rutenweise abzugeben 6111 Gutspächter Lehnemann Holzen. Beranntmachung. Da die Preise für wichtige Lebensmittel im allgemeinen zurückgehen, so wird von der Festsetzung der Höchstpreise für den Stadtbeziik bis auf weiteres abgesehen und die Preissestsetzung vom 12. September 1914 ausgehoben. Sollte sich herausstellen, daß für die genannten Lebensmittel in Zukunft dennoch nicht angemessene Preise gefordert weiden, so wird die Festsetzung der Höchstpreise auf Grund des Gesetzes vom 4. August 1914 demnächst wieder erfolgen. Die Einwohner des Stadtbezirks werden ersucht, Fälle, in denen übermäßige Preise für Lebensmittel gesordert werden, der unterzeichneten Behörde zwecks Verfolgung anzuzeigen. Schwerte, den 19. September 1914. 8060 Der Magistral: Rohrmann. Bekanntmachung. Auf Befehl des stellv. Generalkommandos in Münster sind für die noch nicht einberufenen Unteroffiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes Kontrollversammlungen abzuhalten. Sämtliche Unteroffiziere und Mannschaften aller Waffengattungen der Reserve, der Land= und Seewehr I. und II. Aufgebols— ausgenommen nur Ersatzreserve— haben sich daher wie folgt zu melden: am Freitag, den 25. Septe nber 1914 9 Uhr vorm. in Schwerle, Wirtschaft „Im Reiche des Wassers“ am Freilag, den 25. September 1914 11½ Uhr vorm. in Hörde, Wirlschaft Bergmann am Freitag. den 25. Seplember 1914 4 Uhr nachm. in Annen, Wirtschaft Wibbelitz am Marhlplatz am Freitag, den 25. September 1914 9 Uhr vorm in Castrop, Wirtschaft „kath. Gesellenhaus“ am Sonnabend. den 26. September 1914 9 Uhr vorm. in Lünen, Wirtschaft„Schützenhof“. am Sonnabend, den 26. September 1914 9 Uhr vorm. in Dortmund, Wirtschaft Reinoldushof. Wißstraße (am Hansaplatz) Es haben auch diejenigen Leute zu erscheinen, die von den Ersatztruppenteilen entlassen und bisher nicht wieder eingestellt sind: sowie diejenigen, die bei früheren Untersuchungen für längere oder kürzere Zeit als dienstuntauglich besunden worden bezw. zu einem bestimmten Tage zur Untersuchung zum Bezirkskommando II Dortmund befohlen sind. Unteroffiziere und Mannschaften die im Besitze einer Kriegsbeorderung zum 25. oder 26. September sind, haben diese zu befolgen und brauchen daher an der Kontrollversammlung nicht teilnehmen. Leute, welche dauernd oder vorläufig vom Waffendienst zurückgestellt sind, sind von der Teilnahme an der Kontrollversammlung entbunden. Stöcke, Schirme und brennende Jigarten sind vorher abzulegen. Die Militärpapiere sind mitzubringen. Nach beendeter Versammlung werden die Leute vorläusig in die Heimat entlassen. Wer der Einberusung nicht Folge leistet oder unpünktlich oder betrunken erscheint, sowie wer sich des Ungehorsams gegen vorstehende Befehle schuldig macht, wird nach den Kriegsgesetzen bestraft. Befreiungen finden unler keinen Umständen stalt. Dortmund, den 21. September 1914. 6084 Bezirkskommando II. Feinstes 6118 Pflaumen Mus-Gewürz Paket 10 u. 25 Pfg. empfiehlt Drogerie Max mehlhose. — sere Krien 1 Für unse... 4 # 1 Kistchen 25 Cigarren * fertig gepackt 1.75. Cark Trog. Viehhof, Dortmund. Dortmund, den 22. September 1914 Zu dem heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieben: 683 Stück Großvieh, 327 Kölder, 10 Schafe, 2659 Schweine. Bez. f. 100 Pfd. Ia. Saatgerste frühreifend Peltkuser Saattoggen empfiehlt T. Weinberg. 6116 Einlädung Stadl Schwerle Amt Westhosen. Stadt Hörde. Ami Barop. Amt Wellinghosen, Amt Aplerbech. Amt Annen, Amt Kirchhörde. Amt Castrop. Amt Sodingen, Amt Rauxel Amt Lülgendortmund. Stadt Lünen, Amt Derne. Aml Brachel. Am Mengede, das frühere Am! Eoing.das frühere Amt Dorstseld. Eine einjährige Hiese und ein überjähriges Lamm und mehrere Kaninchen werden billigst verkauft. Rosen 6083 Schulstraße 6. 1. Rinder. Ochsen a)vollfleischige, ausgemästete sten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben(ungejocht) b) vollfleischige, ausgemästete, im Alter von 4—7 Jahren c) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete... d) mäßig genährte junge, gut genährte ältere Bullen: a) vollfleischige, ausgewachs. höchsten Schlachtwertes b) vollfleischige, jüngere. c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere Färsen u. a) vollfleischige, ausgemästete FärKühe: sen höchsten Schlachtwertes b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren........ c) ältere, ausgemästete Kuhe uno wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen S 6 6 BB SS # S• 8 10 42—44 72 75 33—37 63—70 28—30 59—62 44—46 78—82 39—42 75—80 34—38 68—75 9 Krankenweine Tischweine Keptelwein empfiehlt 4890 Drogerte Max Mehlhose. d) mäßig genährte Kühe u. Färsen 28—30 63—8 e) gering genährte Kühe u. 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Schafe Stallmast= a) Mastlämmer und jüngere Mastschafe: hammel......— b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe— c) mäßig genährte Hammer und Schafe(Merzschafe)—— Weide= a) Mastlämmer— mastschafe: b) geringe Lämmer und Schafe— 4. Schweine. Fettschweine, über 150 kg. 8 Jentner Lebendgewicht b) vollfleischige Schweine von 120—150 kg(240—300 Pfd.) Lebendgewicht c) vollfleischige Schweine von 100—120 kg(200—240 Pfd.) Lebendgewicht d) vollfleischige Schweine von 80-100 kg(160—200 Psd.) Lebendgewicht e) vollfleischige Schweine unter 80 kg(160 Pfd.) Lebendgewicht 43-45 52—56 Souen 39 44 48—53 zur Sitzung der am Dienslag, den 29. Sepl. 1914, nachmittags 5 Uhr, im Rathaussaale hier. Tagesordnung: I. Oeffentliche Sitzung: 1. Aufnahme des Oesterreichischen Staatsangehörigen Wenzel Focke in den Preußischen Staatsverband. 2. Genehmigung des Hauungsplans und des Forstkulturplans des Schwerter Stadtwaldes für 1913. 3. Nachtrag zu den Satzungen der Sparkasse zu Schwerte. 4. Bewilligung einer Beihülfe für die durch den Krieg in Ostpreußen Geschädigten. 5. Bewilligung einer Bethülfe für die Kriegspflege verwundeter Marinemannschaften 6. Desgleichen für die Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen. Mfe.4 7. Adänderung der Satzungen für die hohere Aädchenschute. 8. Antrag des Haus= und Grundbesitzer=Vereins betreffend Vermehrung der Zahl der Stadtverordneten. 9. Herstellung eines Schmutzwasserkar als in der Richard= und Nickelstraße und eines Regenwasserkanals in der Richardstraße und dem Rosenweg. 10. Niederschlagung unbeibringlicher Gemeindesteuer. 11. Benennung einer Straße. 12. Mitteilungen. II. Geheime Sitzung. Schwerte(Ruhr), den 22. Sept. 1911. Der Stadtverordnetenvorsteher. 6096 Terbrüggen. a) 47—49 58-60 45—47 56—58 45—47 55—58 44—46 51—57 Zu vermieten zum 1. Oklober oder später: Märkische Straße Nr. 24 eine 3=ZimmerWohnung, Nr. 26 eine 2=Zimmer=Wohnung u. 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Bleiche srei. 6037 K. Otten. Lehrer. Einfach mool. Iimer an ein oder zwei Herren zuvermieten. 6062 Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Zeitung. Im Hause Moltnestraße 37 ist die 6103 In der früheren Költer'schen Villa in Holzen habe ich sofort oder später eine l. Elage 6 Zimmer, Bodenraum und Mansarde per 1. Januar cr. (ev. auch früher) an ruhige Familie zu vermieten. W Stricker Schwerle Elolge Abenser sofort gesucht. 6100 Friedr. Zeuch Baugeschäft. Schmerte Suche auf sofort kräftigen Canze.. zum Milchfahren. 6095 H. Linnigmann .. Rheinen. von 4 Immern zu vermieten. O. Schmidt Sahentotternte 5. Schöne 2 Zimurt= Wohndun zum 1. Okl. oder späler Bekanntmachung Nach der Kreis=Polizei=Verordnung vom 23. April 1907 ist es verboten, Tauben in der Zeit vom 25. September dis 15. November frei umherfliegen zu lassen. Für Militärbriestauben ist die festgesetzte Sperrzeit nur für die ersten zehn Tage gültig. Diese Bestimmung wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Wellinghofen, den 21. September 1911 8105 Der Amimann: Hartung. Bekanntmachung. Die Nachschau der am 17. September 1914 geimpften Personen findet am Donnerstag. den 24. September 1914, vormittags 11 Uhr, im Jockenhöfer'schen Saae hierselbst statt. Schwerte, den 22. September 1914. 6110 Die Polizei=Verwaltung: Rohrmann. Bekanntmachung. Unter Hinweis aus die Bestimmungen der§§ 53, 54 und 55 der Hinterlegungsordnung vom 14. März 1879(Gesetzsammlung Seite 249) machen wir die Beteiligten darauf aufmerksam, daß in dem öffentlichen Anzeiger zum 38. Stücke des Regierungs=Amtsblattes das durch§ 57 a. a. O. vorgeschriebene Verzeichnis derjenigen bei uns hinkerlegten Massen veröffentlicht worden ist, bei welchem im Laufe des Vierteljahres vom 1. Oktober 1914 bis Ende Dezember 1914 die Einstellung der Verzinsung bevorsteht. Arnsberg. den 11. September 1914. 6098 Königliche Regierung. Baron v. Stempel. Bekanntmachung. Im Anschlusse an meine Bekanntmachung in Nr. 212 dieses Blattes gebe ich des Weiteren bekannt, daß die für den 13 September o. J. festgesetzte Verlosung des landwirtschaftlichen Kreis=Vereins Hörde mit Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten vorläufig auf 6 Monate verschoben wird. Der demnächstige Zeitpunkt der Verlosung wird später noch zur Kenntnis gebracht werden. Hörde, den 18. September 1914. 6099 Der Vereinsdirektor des landwirtschaftlichen Kreisvereins Hörde. Nr. 579 gez. Dr. Burchard, Königlicher Landrat i V. Kraun 8 Lenrsden Herausgegeben von der MedizinalAbteilung des Königlich-Preussischen Ministeriums des Innern. = Preis Mk. 2.50. vorrätig in der Buchhanolung CAkz-BRAes SCHWERTE(RUHR), Gr. Marktstr. 3—5. vermielen 616 Sedanstr. 7. von 5 Zimmern im ganzen oder geleill zu vermieten. 61o: Mährste. 7. Kurtolfein zum Einkellern empflehlt 6117 E. Wenllberg. G — 131 Wangen rollen..O Süße,“ fährt Waldemar sort,„wie war es nur möglich, daß wir in so verhängnisvollem Irrtum befangen sein konnten? Und ich glaubte, du liebtest mich nicht mehr, da du seit jenem Tage, als Waldau soviel in deiner Nähe war und du auf meine Frage eine so sonderbare Frage hattest, so still, so seltsam warst.“ Nun muß Hedwig doch lachen. Silberhell klingt es durch den stillen Raum, ach, wohl zum erstenmal in ihrer Ehe! Sie schlingt die Arme um seinen Hals, sieht ihn innig an und erzählt errötend die wahre Ursache ihrer äußeren Umwandlung. und als sie geendet, finden sich ihre Lippen zum ersten, wahren Brautkuß. Anekdotenschatz. G S8 S * (9 22 * 00 6 9 9 9 S 5 □ * 9 — 5. 9 8 8 9 9 a Ser i S.5 097 S 9— EE 5.9 5 0 *SS1 9 0 e S a SS95 S98891 S• Wasserpflanzen bedeckt, so daß sie den Unkundigen oder Unvorsichtigen leicht täuschen und in Gefahr bringen können. Wegen der reicht aufzuweichenden dicken Humusschicht wird auch jide unter Wasser gesetzte Bodenstelle in kürzester Zeit grundlos und schwer passierbar. Der Reisende, der die Sümpfe durchwandern will, muß sich ziemlich großer Plankenstücke bedienen, in deren Mitte er einige Streisen Baumrinde derart befestigt, daß seine Füße hineinpassen, worauf er, ähnlich wie die Norweger mit ihren Schneeschuhen, langsam über den Sumpf gleitet. Dieses Mittel gelangte übrigens auch anderweitig, z. B. in Südfrankreich, zur Anwendung. Zum Krauinarren. Im Jahre 1790 lebte in der Vorstadt Weißgerber in Wien ein Wirt mit Namen Josef Bruckner, der ein kleines Gasthaus besaß und sich des zahlreichen Besuches erfreute, weil man bei ihm das beste Sauerkraut erhielt. Man nannte nie den Namen des Wirtes, wenn man dieses Gasthaus bezeichnen wollte, sondern es hieß stets:„Gehen wir zum Krautnarren!“ Der Ursprung dieses Spitznamens war ein merkwürdiger und das ging so zu: Eine der Liebling=speisen des Kaisers Franz war das Sauerkraut. Der Kammerdiener des Monarchen, Jakob Hartmann, der seinem hohen Gönner über alle Wiener Neuigkeiten berichtete, hatte ihm auch von der exquisiten Zubereitung des Krautes in dem genannten Gasthause gesprochen und dadurch dessen Lust erregt, davon zu kosten. Der Kaiser ging daher eines Tages auf einer der Wanderungen, die er sehr oft durch die Vorstädte machte, in dieses Wirtshaus und ließ sich Schweinebraten bringen, wobei er verlangte, daß man ihm von dem berühmten Sauerkraut dazu geben sollte. Der Wirt aber hatte den Kaiser erkannt, näherte sich ihm mit abgezogenem Käppchen und äußerte:„Euer Marestät san also a on Liebhaber von Kraut?"—„Ei freilich eß ich Kraut sehr gern,“ antwortete der Monarch.—„So sehn's, Euer Majestät, scheil: erfreut der Wirt,„i bin halt a an solcher Krautnarr!“ Versiingliche Jusammenstellung. Als König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen bereits hoffnungslos danieder lag, äußerte die Königin Clisabeth gegen den Leibarzt Dr. Schönlein, der mit Dr. Weiß zusammen den königlichen Patienten behandelte, den Wunsch, noch einen dritten berühmten Arzt hinzuzuziehen, und sie schlug den Geheimrat Nix aus München vor; aber hartnäckig weigerte sich Hofrat Schönlein, diesen Kollegen anzunehmen.„Jeden anderen Arzt, nur nicht diesen!“ war seine Rede. Schließlich sagte die Königin etwas gereizt:„Aber, lieber Schönlein, sagen Sie mir doch endlich einen vernünftigen Grund für Ihre Ablehnung.“ Der Leibarzt antwortete nach kurzem Zögern respektvoll:„Majestät, jetzt steht unter dem täglichen Bulletin über das Befinden Sr. Majestät des Königs: Schönlein. Weiß. Soll es nun künftig heißen: Schönlein— Weiß— Nix?“ dem Reiche der Natur. Das Rätse der Hasen. Das Hasengeschlecht macht, merkwürdig genug, den Zoologen noch immer Kopfzerbrechen. Der alte Linnee hatte nämlich in seine Gattung Lepus alles mögliche hineingesteckt, was ihm von hasenähnlichen Tieren namhaft geworden war und jetzt, nachdem die Kenntnis fortgeschritten ist, nicht mehr hineinpassen will. Zunächst teilte man dann die Hasen= und Kaninchensippe noch in eine Anjahl von Gattungen und Untergattungen, aber die Unordnung ist dadurch vorläufig noch nicht geringer geworden. Zwei der größten Sachkerner streiten sich noch um diesen Punkt, und es wird zugegeben, daß man von einigen Mitgliedern der großen, über die ganze Erde verbreiteten Familie noch gar nicht weiß, wohin sie nach ihrer Verwandtschaft eigentlich gehören. Zum Glück gibt es tüchtige Zoologen, die an der Lösung der Schwierigkeiten arbeiten und dann wohl auch bald den verlaufenen Hasen ihre richtige Stelle innerhalv der Sippschaft anweisen werden. Allerlei Interessantes Ein kosibarer Globus. Unter den Kostbarkeiten der Herrscher von Persien befindet sich ein Erdglobus, der zwar nicht ganz korrekt, dafür aber um so prachtvoller ist, da die einzelnen Länder auf demselben durch edle Gesteine zur Darstellung kommen. So wird z. B. Italien durch Topase, Frankreich durch Saphire, England durch Rubine usw. bezeichnet. Die Meere bestehen dabei aus Smaragden. Die teuersten Geigenbogen. Den bis jetzt höchsten Preis, der für einen Geigenbogen angelegt wurde, erzielte ein solcher aus der Werkstatt Francois Tourte's(1747—1835) in Paris, vielleicht des hervorragendsten Bogenmachers, der je gelebt hat. Ein Komitee. das zur Beschaffung eines Geschenkes für den berühmten Violinisten Joachim zusammengetreten war, erkaufte denselben für 1000 Mark und überlieferte ihn dem großen Virtuosen. Der höchste, für denselben Gegenstand bei einer Versteigerung erzielte Preis belief sich auf die Summe von 880 Mark, die ein Engländer, namens Hill, im Februar 1867 in dem bekannten Hotel DrouotIn Paris bezahlte. Die kälteste Stadt. Eine der lältesten Städte der Welt ist Jakutsk an der Lena in Sibirien, wo eine mittlere Jahrertemperatur wie die auf der Höhe des Mont Blanc herrscht. Es gibt wohl noch dem Nordpol näher gelegene und bevölkertere Städte, aber hier ist das Klima doch nicht so grimmig und der Boden nicht stets festgefroren, wie dies in Jakutsk der Fall ist. Und doch leben hier 5000 Menschen beständig, und von Zeit zu Zeit werden daselbst von Tausen#en von Kaufleuten, Jägern und Schiffern besuchte Märkte abgehalten, auf denen das kostbarste Pelzwerk und allerlei Lebensmittel um eine Miltion Rubel jährlich umgesetzt werden. Zur Zeit des Laren Nikolaus war Jakutsk ein Hauptverbannungsort für politische Verbrecher, heute werden hier vornehmlich die Schwürmer der Sekten untergebracht, deren Lehren und Gebräuche mit den Staatsgesetzen unvereinbar sind. Die Gebiete zwischen dem Amazonenstrome, dem Orinoco und dem Vtlantischen Ozean, die man unter dem gemeinsamen Namen Guyana zusammensaßt, sind außerordentlich reich an Sümp en. Die Niederungen der oben genannten Ströme, sowie Teile der Küste weisen große morastige Strecken auf; und zuweilen macht es den Stromfahrern viel Mühe, einen passenden Landungsplatz zu finden; oft sind die Sümpfe mit einer trügerischen Decke von Jugendecke. Allerlei Würfelkunststücke. Wenn man die Augen erraten will, die jemand mit einem, zwei oder drei Würseln geworfen hat, läft man folgende Berechnungen anstellen. Bei einem Würfel läßt man die Zahl der oberen Augen zweimal nehmen, hierzu 5 zählen, dies fünfmal nehmen und sich die Zahl sagen, zieht davon 25 ab, und die Nul streicht man. Zeigt beispielsweise der Würsel drei Augen, so erhält man: 6, 11, 55, welche Zahl genannt wird, dann 30, und indem man die Null wegläßt, 3. Bei zwei Würfeln läßt man die Zahl der oberen Augen des einen Würfels zur Linken zweimal nehmen, hierzu 5 zählen, dies fünfmal nehmen, hierzu die andere Zahl der oberen Augen zählen und sich diese Zahl sagen, von welcher man aber seibst 25 abzieht und so die beiden Zahlen für die oberen Augen erhält. Beispiel: sind die oberen Augen des einen Würfels 3, des anderen 5, so erhält man 6, dann: 11, 55, 60, welche Zahl genannt wird, davon 25 abgezogen, ergibt 35. Folglich ist die Anzahl des einen Würfels 3, die des anderen 5.— Bei drei Würfeln läßt man die overen Augen des ersten Würfels zur Linken zweimal nehmen, hierzu 5 zählen, dies fünfmal nehmen und hierzu die Zahl der Augen des zweiten(mittleren) Würfels zählen, dies zehnmal nehmen und hierzu die Zahl der oberen Augen des dritten Würsels addieren und sich die Zahl, welche nun kommt, sagen, von welcher man selost aber nun 250 abzieht. Der Rest zeigt die drei Zahlen für die zu erratende Anzahl Augen der drei Würfel. Sind z. B. die Augen des einen Würfels 3, die des anderen 6. die des dritten 2, dann erhält man: 6, dann 11, 55, 61, 610, 612, welche Zahl genannt wird. Zieht man davon 250 ab, dann ergeben sich 36? ala für die Anzahl der oberen Augen des einen Wi 6 und die des dritten 2. 30E, urb für die fürfe.s 3, die des anderen des gesamten Inhalts dieser Beilage ist untersagt.= U P- schuns9 1 0 10 10 6 — 8 5 c 46. Jeisgng O dis t Reis Capsgn de bin hmansste Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 223. Mittwoch, 23. September 1514 Darfst du deiner Frau gestehen, Sie war schön, die du gesehen— Besser ist's, du fügst hinzu: „Freilich nicht so schön wie du!“ Graf Kwelerath und seine Söhne. Roman von Horst Bodemer. (22. Fortsetzung.) Maria sprang behend zur Tür hinaus. Schon im Korridor rief sie:„Väterchen,— Väterchen.— Papi,— Papi!“ Aber keine Antwort wurde ihr zuteil. Sie ging in das Arbeitszimmer. Kwelerath saß in einem bequemen Ledersessel mit offenem Munde. „Aber Väterchen.— Mami wartet, die Suppe wird kalt!“ Ihres Vaters Augen irrten umher, sein Unterkiefer bewegte sich krampfhaft, da bekam das arme Kind Angst, es stürzte weinend aus dem Zimmer. „Mami.— Mami!“ Kaum hörte die Marias ängstliches Rusen, so eilte sie herbei.„Was gibts, Maria?“ Die zitterte am ganzen Körper. „Papi ist so komisch, ich glaube, er kann nicht reden und möchte gern. seine Augen gehen immer im Zimmer herum!“ „Bleib hier!“ Schnell eilte Stephanie nach dem Arbeitszimmer, sofort erkannte sie ihres Mannes Zustand,— ein Schlaganfall! „Egon,— erkennst du mich?“ schrie sie ihn an. Aber er antwortete nicht, immer noch irrten die Augen hin und her und der Mund wollte sich nicht schließen. Sie klingelte, der Diener stürzte herbei, man sandte nach dem Arzt und brachte den Grasen zu Bett. Da ging ein Beben durch den großen, siarken Leib, sein Kopf neigte sich zur Seite. Egon Rabe Graf von Kwelerath war zu seinen Vätern versammelt. 35. Nach all den Aufregungen der letzten Wochen war Stephanie nahe am Zusammenbrechen. Erst vor kurzem hatte sie plötzlich den Bruder und nun den Gatten verloren. Der Setretär des Grafen war ein tüchtiger Mann, er sandte sofort die nötigen Telegramme ab. Johann mußte schleunigst mit dem leichten Jagdwagen nach Raulick fahren, den General von Strahlendorff. der in der letzten Zeit auch recht trapprig geworden war, und seine Schwiegertochter holen. Die ersten, die in Kwelerath eintrasen, waren Rotters mit Klara. Der Baron nahm sofort die Leitung in die Hand, Frau und Tochter widmeten sich Stepbanie und Maria. die nicht aufhörten zu weinen. Die Gräfin war völlig teilnahmslos. Der Arzt kam. Rotter ging mit ihm zu dem Toten.„Ich habe das vorausgesehen. Herr Baron, die Kweleraths werden alle nicht alt. freilich neunundvierzig ist reichlich wenig!“ „Sie hätten ein Machtwort sprechen sollen. Herr Doktor!“ „War dem Grasen gegenüber verlorene Liebesmüh. Sie haben ihn ja genügend gekannt, solche Naturen wie er machen keine Konzessionen, die sterben auf dem Posten!“ Bald kamen der General und Elisabeth Strahlendorf. Der alte Offizier war in einer heillosen Aufregung.„Wer das gedacht hätte! Mein Gott, du armes Kind! In den besten Jahren'nen Schlaganfall, das ist ja unglaublich!“ Und dann schimpfte er auf die ganze Welt, vor allem auf Taß.„Dieser Rüpel ist dran schuld, der infame Bengel!" „Aber Papa,— so beruhige dich doch,“ bat Elisahelh, während Stephanie schluchzend im Stuhle saß und kein Wort herausbrachte. „Beruhigen?— Soll man vielleicht nicht wild werden nach solchen Tatsachen?“ Der Vater fiel Stephanie auf die Nerven, sie bat Elisabeth, mit ihm bald wieder nach Raulick zurückzufahren, helfen könne er doch nicht, Rotter ordne vorläufig die Verhältnisse und Taß und Friedrich Karl würden spätestens morgen abend zu Hause sein. Der Diener brachte der Gräfin ein Telegramm, es war an ihrem Mann gerichtet. Ankomme morgen nachmittag vier Kreisstadt, zu kurzem Besuch. Prechten. „Na.“ meinte der General,„wenn Exzellenz Prechten kommt, ist's ja gut!“ Zu Rotter hatte er kein übermäßiges Vertrauen, die beiden vertrugen sich nicht sonderlich. Stephanie war froh, als ihr Vater wieder weggefahren war, seine Schimpfereien auf Taß trafen sie schwer. Hertha Rotter brachte die Gräfin zu Bett.„Du mußt ruhen nach den Aufregungen. Hans=Heinrich ist gewandt, er wird schon alles richtig besorgen!“ „Ja, ruhen!" Stephanie hatte alle Energie verloren, sie war der Baronin dankbar für den vernünftigen Vorschlag.— Der General kam nicht zur Ruhe, er ging aufgeregt in seinem Zimmer auf und ab.„Elijabeth, das wird eine schöne Geschichte geben, wenn die Jungens nach Hause kommen, nein. daß ich das auf meine alten Tage noch erleben muß!— Warum hat mich unser Herrgott nicht vorher von dieser Erde genommen?“ Dabei paffte er dicke Rauchwolken aus seiner langen Pfeise. ich hier und trage doch gottergeben mein Schicksal!“ Da fuhr er mit zitternder Hand seiner Schwiegertochter über die bleiche Wange.„Du bist ein braves Weib, Elisabeth. dir wird's Gott an deinen Kindern lohnen!“— Spät abends kam Friedrich Karl, der nur wenige Stunden von Kweleraih in Manöverquartier lag, zu Hause an.„Mami, arme Mami!“ Ein Schluchzen war die ganze Antwort. „Ich quittiere natürlich sofort den Dienst und übernehme mein Erbe, und du ziehst mit Maria zu mir, nicht wahr, das tust du?“ Da fand die Gräfin wieder Worte. Sie ergriff die Hand ihres Sohnes.„Ja. Friedrich Karl, mit dir zusammen will ich dies Leben tragen!“ Zitternd rangen sich die Worte von ihren Lippen, als fürchte sie sich vor ihrem ältesten Sohne,— ihrem Liebling! Es kommt kein Glück allein, aber erst recht kein Unglück! Am nächsten Morgen, um acht Uhr, jagte der Inspektor voli Raulick auf nassem Pferde auf den Hof.„Vor Stunde hat man den Herrn General tot auf dem Teppich seines Arbeitszimmers gefunden, der Tod muß schon vor Stunden eingetreten sein!“..§ gm. Schonend bringt's Friedrich Kari der Mutter bei. Die rauft sich vor Verzweiflung das Haar, ihr Sohn hat Angst, die Mutter könnte den Verstand verlieren. Sie bekommt ein starkes Schlafmittel, das übt seinen wohltätigen Einfluß aus. ** * Taß lag in Naundorf bei Großenhain bei einem Bauern in Quartier. Der Tag war anstrengend gewesen, er fühlte sich schachmatt. Trotzdem ging er gegen Abend in die nahe Stadt, um ein ordentliches Stück Fleisch zu essen. Auf seinen Rittmeister hatte er nachgerade eine gelinde Wut bekommen, der nahm ihn scharf ran und behandelte ihn wie jeden anderen Gardisten. Selbst jetzt, im Manöver, aß er nicht mit dem Offizierkorps, da bekam er oft auf den Dörfern einen„Fraß" vorgesetzt, der seinem verwöhnten Magen gar nicht behagte. Eier und zähe Hühner, der„Manövervogel", waren seine Hauptnahrung, Die Delikateßhandlung Lehmann und Leichsenring in Dresden versorgte ihn zwar reichlich mit Leckereien, aber Konserven bekam er schnell satt, er sehnte sich nach einem ordentlichen Beefsteak„mit Schikanen“. Und das bekam man in Großenhain! In der letzten Minute vor Zapsenstreich kehrte er in sein Quartier zurück. Sein Wirt trat ihm entgegen. „Da is ooch heite gegen Abend e Telegramm für Sie angekommen. Se waren grade erscht weg!'s liegt oben off Ihrem Bette!“ „Danke In aller Gemütsruhe stieg Taß„die Hühnerleiter" rauf, natürlich von Gerda, er hatte die letzten zwei Tage nicht geschrieben, bei der Schinderei verging ihm die Lust dazu. Er nahm es von dem karierten Überzug und trat an das kleine Fenster, die Dämmerung war schon stark hereingebrochen. Papa soeben Schlaganfall erlegen, sofort kommen. Mama. Da mußte er sich doch auf den einzigen, wackligen Stuhl setzen. Wer das gedacht hätte! Sein rüstiger, in der Blüte der Jahre stehender Vater, so plötzlich tot! Draußen schmetierten die Klänge des Zapfenstreiches durch die Dorfgasse, Gelächter und Gesang tönte zu ihm herauf. Natürlich, — er mußte nach Hause,— schleunigst! Er ging zum Wachteter...., Garrm Grafen gleich furech „Ich mochte den Herrn Grafen gleich sprechen!“ „Der ist in Großenhain, Herr von Kralenthin ist aber meines Wissens zurück,— was gibt's denn so Dringendes?" Taß stand sich mit der Eskadronsmutter sehr gut, die rauchte gern eine gute Zigarre und trank lieber französischen Cegnak wie Fusel., J2 M.M, um W. Jank „Mein Vater ist plötzuich gestorven, ich wollte um Urlauo hitten!“ Taß reichte ihm das Telegramm. „O. Sie armer Kerl, na kommen Sie, wir wollen gleich mal sehen, was sich tun läßt!“...„ „Herr Wachtmeister, Herrn von Kralenthin machte ich nicht gern um Urlaub bitten!" Verständnisvoll zwinkerte der ihn mit den Augen an. „Na ja,— aber in solchem Falle ist's doch was anderes! Gehen wir zuerst in das Quartier„des Alten“. Wenn der freilich nicht da ist, müssen Sie sich an Herrn von Kralenthin wvenden!.... Gerr nom Grahlenthin v. „Der Alte“ war nicht da. Herr von Krahlenthin konnte nicht umhin, Taß sein Beileid auszusprechen.„Warten Sie auf die Rückkehr des Herrn Grafen, ich gebe Ihnen Urlaub bis dahin, lange wird er sicher nicht mehr ausbleiben, denn übungsbeginn ist morgen früh fünf Uhr!" Kralenthin machte eine förmliche Verbeugung, der Wachtmeister und Taß schlugen die Sporen zusammen und verließen das Zimmer....,.. Mäsut 5: 2.#huhe auf Der Offizier schleuoerte wureno die Hanoschuhe auf den Tisch, nun wußte er, daß er Gerda für immer verloren hatte. Das Vöglein Hoffnung hatte bis heute immer noch in seiner Brust gesungen.„ Pn Nach einer halben Stunde kam der Graf mit dem Krümperwagen angefahren. 289135 Taß trat an ihn heran.„Ich bitte um einen achtlagigen Urlaub, mein Vater ist plötzlich verschieden!“ Der Graf runzelte die Stirn.„Acht Tage kann ich Ihnen nicht bewilligen, höchstens fünf, jetzt im Manöver, nachher können Sie nochmals auf einige Tage nach Kwelerath fahren,— wenn es dringend nötig sein sollte! Ihrer Frau Mutter wie Ihnen mein herzlichstes Beileid!“ Leicht legte Mollnitz zwei Finger an die Mütze, Taß machte kehrt und begab sich zum Wachtmeister, der auf ihn in der Kneive wartete. „Fünf Tage habe ich nur erhalten!“ Na, das langt doch!. Maigrat ähernehmen „Herr Wachtmeister, wenn man ein Majorat übernehmen muß von fünftausend Hektar Größe, noch dazu während der Ernte!“ „Oho, ist das aber boomig ville!“ „Wenn ich mein Jahr nur erst abgeschraubt hätte!“ Da schlägt ihm der Wachtmeister auf die Schulter. „Ja—a, auf ein hübsches Weib wartet man nicht gern!“ Wieder zuckt ein Lächeln um Taß' Mund.„Der ist zu traurig, um sich jetzt solchen Gedanken hinzugeben!“ „Graf, ich bin ja nur ein einfacher Mann, aber so viel weiß ich, ins Gras müssen wir alle miteinander mal beißen und den Lebenden gehört die Welt!“— Mollnitz hat noch Kralenthin aufgesucht.„Hast du gehört, Kurt, Graf Kwelerath ist tot!“ „Ja, meine letzte Hoffnung geht in die Brüche!“ Da legt ihm sein ehemaliger Schwager die Hand auf die Schulter.„Auch ohne sein Sterben wäre alles so gekommen!" „Meinst du wirklich?“ 44250 meis, „Der Graf war keiner von denen, die das Schiasalmeistern!“ „Aber Gerda wird unglücklich!" Ganz gewiß,— wir können es beide nicht andern, mein lieber Kurt!" 36. Taß sand in dieser Nacht keinen Schlaf. Um sehr Uhr kam der Schnellzug Dresden=Berlin durch Großenhain, den mußte er benutzen. Er setzte sich auf den Stuhl mit dem eingedrückten Rohrgeflecht und starrte vor sich hin. In seinem Herzen rangen zwei Empfindungen miteinander, die Trauer um den Vater und die Zufriedenheit, nun keinerlei Hindernisse mehr überwinden zu müssen. Jetzt war er der Herr, jetzt konnte er nach dem ersten April Gerda rufen! Er wußte wohl, seine Energie, seine Verschlagenheit würden ihm den endgültigen Sieg leicht machen! Und schnell nahm die kunft von seinen Gedanken Besitz, die Vergangenheit und Gegenwart waren erledigt oder würden es bald sein, der Wachtmeister hatte ganz Recht: den Lebenden gehört die Welt! Über Verlorenes nachtrauern hatte keinen rechten Sinn. Gut hatte er sich mit seinem Vater ja niemals gestanden, aber Mami würde den Verlust schwer tragen, sehr, sehr schwer! Und er redete sich ein: Gerda wird teilweise Ersatz schaffen, sie wird lieb zu der Mutter sein und mit den kommenden Jahren würden sich Kinder einstellen. Die junge Großmutter hatte dann einen neuen Pflichtkreis. In seinen Gedanken drehte sich schon lange die ganze Familie nur noch um ihn, mochten ihn auch Anwandlungen in die Kaschemmen und Spelunken Berlins geführt haben, um die Armsten der Armen kennen zu lernen, im Grunde genommen war er eine rücksichtslose Herrennatur, die nur seinen eigenen Vorteil gelten ließ. Taher wollte sich kein Schmerz, keine Tränen einstellen über den Verlust des Vaters.— In Großenhain gab er zwei Telegramme auf, eines nach Kwelerath, das andere an Gerda, die sich in Tö'z in den bayrischen Alpen aufhielt. Dann ging er auf den Bahnhof. Nur eine Minute hielt der Schnellzug. „Erster, Berlin!“ Der Schaffner riß ein Abteil auf. Am liebsten hätte er sofort kehrt gemacht, in ihm saß Prechten! Schnell faßte er sich.„Guten Morgen, Onkel, fährst du auch nach Kwelerath?“ — geht es denn Papa so schlecht?“ Er ist tot— weißt du das nicht?“..... ge „Was?— Tot?— Keine Ahnung have ich, der urzt hat mir gestern mittag telegraphiert, er wäre leidend!" „So muß er kurz darauf gestorben sein!" Prechten sagte kein Wort, er sah mit finsterem Gesicht vor sich hin. Taß dachte, er könnte mir auch sein Beileid ausWortlos legten sie die Fahrt bis Berlin zurück. Da wurde Taß wütend. So ließ er sich noch lange nicht behandeln! Prechten wollte er schon die Lust nehmen, noch einmal nach Kwelerath zu kommen." S Mucuu sbigyutusch 38 5 5 # 2 OSERSSEMESMEEBE GKEBZSENBGAGEEZ3 8 45 2 S S SSS Bsesn S SSESSSESSST Der Zug fuhr in den Anhalter Bahnhof in Berlin ein. „Wir nehmen wohl eine Droschke zusammen nach dem Stetiner Bahnhof?“... S.6 sohr nam okaen barah „Wenn du willst,“ antwortete Taß sehr von oben herav. Um vier Uhr kamen sie in der Kreisstadt an, nur wenige Worte waren auf der weiteren Fahrt zwischen ihnen gewechselt worden. Der Wagen war zur Stelle.(Forts. folgt.) Durchgerungen. Novelle von Antonie Polleit. Das Haupt in die linke Hand gestützt, die einen breiten Goldreif trägt, das Buch aufgeschlagen im Schoße ruhend, sitzt Hedwig am Fenster des Wohnzimmers und schaut sinnend hinaus. Über zwei Monate ist ihr Hochzeitstag: wie färben sich ihre Wangen höher bei dem Gedanken, dann mit dem geliebten Manne vereint zu sein? Sie freut sich so unendlich darauf, aber ob er, Waldemar, auch den Tag herbeisehnt? Betrübt schüttelt sie das Köpfchen, ach nein, sie glaubt es nicht, denn er liebt sie ja nicht. Offen und ehrlich hat er es ihr bei seiner Werbung gesagt, daß sein Herz jener blonden Sängerin gehöre, die ihn ausgelacht und verschmäht hat. Er hoffe in ihr eine sorgsame, pflichttreue Gattin zu erhalten und so seine Ruhe, seinen inneren Frieden wiederzufinden. Wieder späht Hedwig hinaus, da sieht sie ihren Verlobten um die Ecke biegen, sie steht auf und winkt grüßend mit dem Tuch. Freundlich erwidert er den Gruß, sie aber geht hinaus, ihm entgegen, und reicht ihm die frischen Lippen zum Kuß. „O Waldemar,“ sagt sie liebevoll,„ich habe so lange auf dich gewartet.“„Wirklich,“ fragt er, und seine Stimme klingt müde und traütig. „Komm Maus,“ sagt er endlich nach einem drückenden Schweigen,„laß uns einen Gang ins Freie unternehmen, es ist so herrlich draußen.“ Hedwig ist gern einverstanden und so wählen sie den Weg durchs Tor, fröhlich miteinander plaudernd. Da sieht sie in einiger Entfernung die Sängerin Ella Ramminger ihnen entgegenkommen und sie erschrickt. Waldemar hat jene noch nicht bemerkt, denn er hat sich ihr zugeneigt und spricht lebhaft. Hedwig atmet schwer, sie fühlt, daß in der nächsten Minute etwas besonderes geschehen muß. Da sieht er auf und zuckt, wie von einem elektrischen Schlage getroffen, zusammen. Angstlich spähend schaut sie ihm ins Gesicht, es ist todbleich, das Haupt nach vorn geneigt, wie wenn es eine schwere Last trägt. Aber er will nicht, will nicht, daß jene ihre Herrschaft über ihn behaupte, und darum, wie um sich zu betäuben, ist er noch gesprächiger als vorhin und macht seine Braut auf alle Schönheiten um sie her aufmerksam. Er beachtet, in dem Bestreben, sie den vorigen Eindruck vergessen zu machen, nicht, daß Hedwig fast ganz verstummt ist. Langsam kehren sie nach Hause zurück. An demselben Abend ist bei ihren Eltern kleine Gesellschaft. Unter den Geladenen befindet sich auch Leutnant Waldau, der um Hedwig geworben, den sie aber um Waldemars willen abwies. Waldau jedoch, um das sonderbare Verhältnis der Verlobten wissend, gibt selbst jetzt die Hoffnung noch nicht auf, die Geliebte einstmals sein nennen zu können. Auch heute ist er in auffallender Weise um sie bemüht, was Waldemar lächeind bemerkt. Hedwig läßt alles über sich ergehen, sie bai so viel zu denken, wenn sie doch allein sein könnte! Endlich, endlich verabschieden sich die Gäste, und Waldemar sitzt mit seinen Schwiegereltern und seiner Braut noch ein Weilchen zusammen. Sie sprechen über die letzten Eindrücke, nur sie ist seltsam still und traurig. Waldemar fragt scherzend, ob sie denn bemerkt habe, wie Waldau heute gar nicht von ihrer Seite gewichen sei, da schlägt sie die großen dunkelgrauen Augen ernst zu ihm auf und sagt langsam auf etwas anderes Bezug nehmend:„Ja, heute ist mir's kar geworden.“ Erstaunt blickt er in ihr Gesichtchen, es sieht so müde, so abgespannt aus, so verabschiedet er sich und geht, um ihr die nötige Ruhe zu geben. Hedwig aber findet in ihrem Stübchen noch lange keinen Schlummer, der heutige Tag hat sie mächtig erregt. Ist es nicht frevelhaft, den Geliebten an sich zu fesseln und ihm so jede Aussicht zu nehmen, Ella Ramminger einst doch noch zu gewinnen? Sie kämpft surchtbar mit sich, aber ihr Herz bäumt sich auf in Weh und Schmerz, wenn sie daran denkt, Waldemar freizugeben. Nein, nein, nein, stie kann es nicht. Lieber an seiner Seite leben mit dem Bewußtsein: er liebt dich nicht, wird dich niemals lieben, als ohne ihn. Eines aber gelobt sie sich: niemals wieder will sie sich ihm zärtlich nahen. Hell und strahlend bricht der Hochzeitsmorgen an: Hedwig erwacht, und in ihren Augen glänzen Tränen. Tränen, an diesem Tage Tränen? Wenn sie nicht strahlend glücklich sein kann, will sie wenigstens gefaßt und fröhlich sein. Sie läßt sich ankleiden und spricht so lieb mit ihrem Mütterchen, das sich nicht nehmen läßt, selbst hier und da etwas an ihrem bräutlichen Schmuck zu ordnen. Bei dem Festmahl ist sie lebhaft und heiler, aber kein verstohlen zärtlicher Händedruck, kein süßer, inniger Blick sagen dem Mann neben ihr, daß sie von Wonne erfüllt sei, sein Weib zu heißen. Tief bewegt nimmt sie von ihren Eltern Abschied, und dann fahren sie ihrer Wohnung zu. Hedwig fast schweigend, Waldemar zärtlich in sie hineinsprechend. Vier Monate sind seitdem vergangen. Wieder sitzt die junge Frau am Fenster ihres Wohnzimmers und erwartet ihren Gatten. Heute aber lehnt ihr Köpfchen hinter der Gardine, um nicht gesehen zu werden, und auf ihrem Gesichtchen lagern Trauer und Hoffnungslosigkeit. Die großen dunkelgrauen Augen erscheinen in dem jetzt sehr blassen Antlitz noch größer und zeugen von oft vergossenen Tränen. Was sie sich damals gelobte, hat sie gehalten. Niemals mehr hat sie Waldemar durch ihre Zärtlichkeit belästigt, ihm nie mehr mit dem Taschentuch einen Gruß gewinkt, sondern, wie eben jetzt, verstohlen hinter der Cardine gewartet. Wenn er dann kam, ist sie zurückgetreten und hat sich still an den Nähtisch gesetzt. Sie ist ihm nicht mehr entgegengeeilt, sondern sagte, wenn er ins Zimmer trat, freundlich:„Guten Tag, Waldemar“, und er ging meistens gleich in seine Stube. Anfangs in ihrer Ehe schien es ihr freilich, als ob er wirklich liebevoller und besorgter um sie gewesen wäre, aber das war wohl nur eine plötzliche Regung und ist längst vorüber. So muß sie nun weiter neben ihm leben, ohne über seine Angelegenheiten mit ihm beraten zu können, oder ihm all ihre kleinen Freuden und Leiden zu erzählen. Sie seufzt: ach, es wird ihr dies Scheinleben oft so unsagbar schwer, und im Kampf mit sich und ihrer nach Betätigung dürstenden Liebe sind ihre Wangen schmal und ihre Augen trübe geworden.— Da kommt Waldemar. Wie er so bleich ist! Sie preßt die Hand aufs arme Herz und nimmt ihre Arbeit wieder auf. Wenn sie ihn trösten dürfte! Grüßend tritt er ins Zimmer und geht ohne ein weiteres Wort nebenan in seine Arbeitsstube, die Tür offen lassend. Dort setzt er sich an seinen Schreibtisch und legt das Haupt auf die verschlungenen Hände. Er ist sehr erregt. In begeisterten Worten hat heute nach der Probe ein kürzlich verheirateter Kollege von seiner Frau gesprochen, wie sie zärtlich Abschied von ihm nimmt, wenn er fortgeht, und ihm entgegenfliegt, wenn er heimkehrt. Er, Waldemar, kennt das nicht mehr. Die Liebe für sein Weib, die am Hochzeilslage in sein Herz einzog und stetig wuchs, hat er in sich verschließen müssen, denn Hedwig ist verwandelt, und er fühlte und sah, daß sie zwar seine Zärtlichkeiten duldete, aber nie mehr erwiderte. Dabei wurden ihre Wangen blasser und blasser, ihre Augen traurig und ihr Lachen seltener. Wo soll er den Grund suchen? Seit wann ist diese Umwandlung vor sich gegangen? Seit der Hochzeit? Ja, er erinnert sich des Zurückbebens, als er sie küßte, und doch— war es nicht schon früher so? Er sinnt und sinnt. Jetzt hat er's. Es ist seit dem Tage, als Waldau sich so sehr um sie bemühte, er entsinnt sich nun auch des sonderbaren Ausspruchs:„Heute ist mir's klar geworden.“ Sicher war ihr klar geworden, daß sie Waldau liebe. O, nur das nicht! Sollte er zum zweitenmal sich so entsetzlich getäuscht haben, und sie, nur um ihm diese Enttäuschung zu ersparen. seine Frau geworden sein? Er stöhnt laut; wie ist er so unglücklich! Hedwig hört dies Stöhnen, es zerreißt ihr das Herz. Sie kann ihn nicht so leiden sehen, ohne den Versuch zu machen, ihn zu trören. Leise tritt sie an ihn heran und legt sanst ihre Hand auf sein volles, dunkelblondes Haar.„Waldemar,“ sagt sie,„willst du mir nicht sagen, was dich so quält?“ Er sieht nicht auf, und wieder entringt sich ein Stöhnen seiner Brust.„Waldy,“ fragt Hedwig dringender,„liebst du sie denn immer noch so sehr, kannst du sie nicht vergessen?“ Da schnellt sein Haupt empor, und die blauen, ernsten Augen tauchen tief in die ihren. Noch ist seine Seele von Zweifeln erfüllt, aber schon kommt ihm die Ahnung eines großen, unendlichen Glückes.„Geliebte,“ fragt er innig, indem er sie zu sich niederzieht und ihr Köpfchen an seine Brust bettet, „ist es darum, daß du so verwandelt warst all die lange Zeit, weil du glaubtest, mein Herz gehöre noch jener, die nicht wert ist, mit dir zusammen genannt zu werden?“ Hedwig nickte stumm, während Tränen des Glückes über ihre 1