De Sdonten Zecung zichamt dalch. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabakt u. erlischt bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Bcbsachtnad esnaht.-Setinssteloane Antrliches Nreisblalt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Schwerter Tageblatt d Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreiles c General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Nr. 290 Samstag, den 19. September 1914. Frankreichs Gold nach Englano. Wenig passend zu den französischen Siegesfansaren wird aus London gemeldet, daß die Bank von Frankreich ihre Goldschätze über Paris nach London in Gewahrsam der großen britischen Nationalbank gebracht hat, wohin auch viele große Pariser Privatschätze befördert wurden. „ un der Malne siehl Zwei französische Armeekorps geschlagen! ben und sehen, ob den französischen Ministern zu der ihnen in der obigen Meldung zudiktierten Handlung wirklich der Mut oder vielmehr der Wahnwitz innewohnt. B8 Wenn das wahr wäre, so hätten die Engländer das, was sie wünschen: Geld und Gold den Franzosen genommen, um den Krämerkrieg gegen uns für englisches Interesse fortzusetzen. Was, wenn wir Frankreichs Heer niedergerungen haben, aus den ihres Geldes und ihres Kredits beraubten Franzosen dann wird, das kümmert natürlich die Herren Engländer nicht. Französische Minister, die die oben erwähnte Tatsache zugegeben hätten (wir zweiseln immer noch daran), hätten ihr Land verraten und ihr Volk dem Hungertode preisgegeben. Denn die 10 Milliarden Franken umlausenden französischen Banknoten würden natürlich sast wertlose Zettel werden, wenn ihnen die Deckung, das Gold der Bank von Frankreich, genommen und nach England geschleppt würde. Und das würde bedeuten: das Aufhören jeglichen Handels und Wandels in Frankreich, das wirtschafftlische Chaos, die völlige psysische Auflösung. Wir wollen nicht des heute noch reichen Frankreichs Gold holen, wie wir es nach 70=71 nicht nahmen, denn wir haben keinerlei Lust oder Interesse, französische Weiber und Kinder dem Hungertode preiszugeben— aber wir würden uns drüben an Geldeswert, insbesonders an Lebensmitteln und Industriestoffen nehmen müssen, was wir brauchen und sinden. Der Ertrag einer französischen Ernte ist allein mehr wert als das gesamte Gold der Bank von Frankreich! Man denke daher nicht, daß man mit Nachrichten oder Tatsachen, wie die oben angeführten, uns irgendwie ins Bockshorn jagen könnte. Der deutsche Volkswirt und Kaufmann haben längs bewiesen, daß sie sich durch englische Geschäftsknisse nicht übers Ohr hauen lassen. Das wan längst im kleinen anders, und wird nun jetzt im großen ebenso sein: die Bilanz wird am Abschlußtage einen Saldo zu unsern, nicht zu Englands gunsten, ergeben, wenn unsere Heere wie bisher siegreich bleiben. Aber es muß heute schon mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß die Verantwortung für eine völ lige Brachlegung jeglicher privaten Wirtschaftstätigkeit, wie sie bei Beschlagnahme der französischen Goldbestände seitens einer anderen Macht sicher eintreten würde, nicht dem ins Land gedrungenen Felnde, sondern den Maßnahmen der französischen verantwortlichen Staatsmänner selber zufallt. Der Schaden, den ein mit Mann und Noß durchs Land ziehender Feind unwillkürlich oder mit roher Gewalt anrichtet, tvitt zwar mit nackter Deutlichkeit in Erscheinung— größer aber ist im tegreichen Land und mehr noch im besiegten Staate auf alle Fälle der wirtschaftliche Nachteil, den das Auge nicht sieht und an den das ober lächliche Hirn nicht denkt: das teilweise und schließlich gänzliche Erlahmen der menschlichen Initiative, das teilneise und schließlich totale Aufhören der Gutererzeugung aus Bodenbearbeitung und Maschinenbetrieb! Zur Güter=Erzeugung und=Bewegung aber gehört bei dem heutigen Stand der Arbeitsteilung und der Produktion für den Verbrauch Dritter ein gewisses Maß von ordentlicher Geld- und Kredit=Organisation. Darum ist der argste Feind eines Landes der die Unterlagen seinner Geld= und Kredit=Wirtschaft blindlings zerstört, der der nationalen Bankorganisation ihre WirkungsMöglichkeit nimmt, indem er das Vertrauen in die gute Deckung und eventl. Einlösbarkeit der umlausenden Banknoten erschüttert. Wir werden beGroßes Hauptq uartier, 18. Sept. Zur Ergänzung der Meldungen von gestern abend: Das französische 13. und 14. Armeekorps und Teile einer weiteren Division sind gestern südlich Noyon entscheidend geschlagen und haben mehrere Batterien verloren. Feindliche Angriffe gegen verschiedene Stellen der Schlachtfront sind blutig zusammen gebrochen und ebenso ist ein Vorgehen französischer Alpenjäger am Vogesenkamm in Breuschtal zurückgewiesen. Bei der Erstürmung des Chateau=Brimont bei Reims sind 2500 Gefangene gemacht worden. Auch sonst wurden in offener Feldschlacht Gefangene und Geschütze erbeutet, deren Zahl noch nicht zu übersehen ist. Vorrücken in Großes Hauptquartier, 18. Sept. Das Ostheer setzt seine Operationen im Gouvernement Suwalki fort. Teile gehen auf die Festung Osowiec vor. Die großen Erfolge im Westen. Berlin, 19. Sept. Die großen Erfolge in der Schlacht im Westen, die aus dem Großen Hauptquartier gestern nachmittag gemeldet wurden, lassen erkennen, daß die französische Offensive zusammenzubrechen beginnt. Sie sind ein glänzendes Zeugnis für die Unerschütterlichkeit unseres Willens zum Siege und sie geben frohe Bürgschaft dafür, daß die Entscheidung, die jetzt immer näher heranrückt, zu unseren Gunsten sein wird. In diesem Sinne werden die deutschen Teilerfolge auch von den Blättern eingehend gewürdigt. So schreibt der militärische Mitarbeiter der „Loss. Ztg.“: Es ist dies ein schöner, voller Erfolg von großer Bedeutung und Tragweite. Auf anderen Teilen der Schlachtfront haben die Franzosen versucht, ofsensiv vorzugehen. Diese Angnffe sind aber blutig zusammengebrochen. Man kann annehmen, daß dies die letzten Versuche der Franzosen gewesen sind, offensiv vorzugehen. Damit wird ihre letzte Kraft endgültig gebrochen sein. Faßt man diese Nachrichten mit früher bereits mitgeteilten zusammen, so zeigt sich, daß die Entscheidung immer näher heranrückt und daß sich die Lage immer mehr zugunsten der Deutschen verschiebt. Zuerst Abwehr der französischen Angnise, dann selbst erfolgreiches offensives Vorgehen. Zwar nur Teilersolge bisher, die sich aber so gehäuft haben, daß ihre Summe auf den gesamten Verlauf von entscheidender Bedeutung sein wird. Zahlreiche Gefangene und eroberte Geschütze als deutlicher Beweis von der Niederlage der Franzosen auf einzelnen Teilen der weiten Schlachtfront. Jetzt ist alles im besten Gange, alles günstig für die deutschen Waffen. An einen vollen Erfolg ist nicht mehr zu zweieln. Die„Deutsche Tagesztg.“ sagt: Die Franzosen hatten, wir es scheint, mit Hilsse ihres vorzüglichen Eilenbahnnetzes eine große Zahl von Konxs nach ihrem äußersten linken Flügel nördlich Paris geworsen. Ihre Absicht ging augens#einlich dahin, durch einen Hauptangriff gegen unseren äußersten rechten Flügel nordöstlich Paris womöglich unsere ganze gewaltige Schlachtfront an der Aisne und Marne aufzurollen. Dieser Plan ist nun gescheitert. So bedeutet der Sieg von Noyon des 17. September einen weiteren entscheidenden Wendepunkt für die gesamte Kriegslage im Westen. Wir dürsen mit voller Zuversicht hofsen, daß sich die Folgen in den nächsten Tagen in ihrem vollen Umfange zeigen werden. Der„Berl. Lokalanz.“ sieht in den neuen Ersolgen einen Beweis daffür, daß der Geist unserer Truppen unverändert gut ist. So tapfer der Gegner ist, mit welchem Nachdruck er auch für seine Hauptstadt, für das Geschick des Feldzuges, wohl des Krieges kämpft, unseren Truppen ist es immer gelungen, in offener Feldschlacht reiche Siegesbeute an Gesangenen und Geschützen zu machen. Diese Tatsachen dürften unser Bürge sein für den endgültigen Sieg, der— vergessen wir es nicht— noch nicht errungen ist, und den zu erringen sicherlich noch große Anstrengungen kosten wird. Ueber die Schlacht selbst liegen folgende Berichte vor: Rotterdam, 18. Sept. Dem„Verl. Lokalanz.“ wird von hier gemeldet: Eine französische amtliche Mitteilung von gestern nachmittag 3 Uhr besagt: Ueber der ganzen Front von der Oise bis zur Maas dauert die Schlacht an. Die Deutschen halten Stellungen besetzt, die für Verteidigung hergerichtet und mit schweren Erschützen versehen sind. Dem französischen linken Flügel sind die Deutschen, die auf eigener Seite die Höhen nördlich der Aisne besetzt halten, an einigen Punkten ein wenig zuDie Stimmung in Rußland. rückgewichen. Die Deutschen verschanzen sich. Die französischen Armeen haben überall Fühlung mit dem Feinde. Rotterdam, 18. Sept. Dem„Lokalanz.“ wird weiter von hier gemeldet: Englische Berichterstatter schildern die heitigen Kämpse, die um Soissons stattfanden. Der Kampf, der im Flusse, in Wäldern und auf Hügeln wütete, dauerte vier Tage. Die Aisne führt infolge Platzregens Hochwasser, und es war den Verbündeten unmöglich, in die Stadt einzurücken, auf die ein heftiges Artillerieund Gewehrseuer konzentriert war. Das heftigste Feuer war auf einen Punkt gerichtet, wo britische und französische Cenietruppen eine Brücke zu bauen verluchten. Dort wurde ein schreckliches Gemetzel angerichtet. Mehrere Regimenter, die das nördliche User erreichten, erlitten entsetzliche Verluste. Es war ein surchtbares Duell zwischen den britischen Batterien, die den Uebergang der Truppen beschützten, und deutscher Artillerie. Der Berichterstatter der„Daily Mail“ sagt, daß die Deutschen eine sehr vorteilhafte Stellung der Eisenbahn entlang einnehmen. Der Berichterstatter der„Times“ meldet, daß schreckliche Schilderungen Paris erreichten. Reihen von Toten und Verwundeten bedeckten die Schlachtselder an der Marne. Die Eisenbahnzüge nach Paris sind überfüllt mit Verwundeten. An einer Stelle verteidigten die Deutschen sich hinter einer sechs Fuß hohen Barriere von Leichen, hinter der sie den Attacken der Franzosen Widerstand leisteten. 7000 Leichen bezeichneten später den Schauplatz dieses Kampfes. Haag, 18. Sept. Die„Voss. Ztg.“ meldet von hier: Die französischen und englischen Berichterstatter sind heute wohlwollend bescheiden. Sie besagen mit vielen Worten, daß die Hofnungen auf eine Zurückdrängung der Deutschen unerfüllt geblieben sind. Sie suchen sich aber zu trösten mit der guten Stimmung der Truppen und mit der Reutermeldung, daß die jungen Leute in England sich zu den Nach einer Meldung Wiener Blätter hat die Niederlage der Russen in Ostpreußen auf die russische Meinung einen niederdrückenden Einfluß ausgeübt. Amtlich wurde zugestanden, daß 2 Korps vernichtet worden sind. In der russischen Presse zeigt sich das Bestreben, die öffentliche Meinung zu beruhigen. Es heißt in diesem Sinne, daß diese Niederlage weder die Stimmung der russischen Armee noch Rußland selbst bedrücken dürfte. Der Enthusiasmus, der unmittelbar nach dem Ausbruch des Krieges für England in Petersburg herrschte, hat nun eine große Schwächung ersahren. Man erhebt gegen England den Vorwurf, daß es seine Kräfte zur See zu sehr schone, und ist auch ungehalten über die englische Berichterstattung, die Rußland als Nebensache behandele und England eine führende Nolle im Landkrieg zuzuschreiben suche. Aus Kopenhagen wird gemeldet; daß auch das Ergebnis der schweren Kämpfe bei Lemberg in Petersburg eine Depression hervorgerufen habe, da die russischen Operationen nicht den erhofsten Erfolg erzielten, sondern an dem hartnäckigen Widerstand der österreichisch=ungarischen Armee gescheitert sind. Der russische Generalstab hat zwar versucht, die Nachrichten von den schweren Verlusten der russischen Armee und der Gesangennahme von tausenden von russischon Soldaten zu verheimlichen, doch verbreiteten sich diese Meldungen trotzdem. Das hat die Mißstimmung noch gesteigert. Die Zahl der in Rußland eingetrofsenen Verwundeten ist überall groß, so daß bei pielsweise in Moskau kaum mehr Platz zur Aufnahme der Verletzten vorhanden ist. —48 Die Wirkung unserer Jeppeline Jahnen drängen und Kitcheners neue Armee von einer Million Streiter vollständig sei. Im Gegensatz zu den Berichten aus feindlicher Quelle, die von dem Abwersen von Bomben durch Zeppeline nur mit dem ständigen Zusatz:„ohne Schaden anzurichten“ Kenntnis zu geben pflegen, erhält der„Dailly Chronicle“ von seinem Korrespondenten in Antwerpen einen Bericht über die Wirkung der Zeppelinbomben, in dem es heißt: Noch nie habe ich etwas Grauenhafteres gesehen, als die Stätten, wo die Zeppelinbomben geallen sind. Es ist unmöglich, zu sagen, wieviel Menschen ihnen zum Opfer gefallen sind. Alle Regierungen Europas und Amerikas sollten gegen die Verwendung der Zeppeline protestieren. Ich habe die zehn Orte, an denen die Bomben eingeschlagen haben, alle besucht, und halbe dann mehrere der le#rvorragendsten Persönlichkeiten Belgiens gebeten, mitzukommen und sich von der grauenhaften Wirkung der Bomben zu überzeugen. Es schlossen sich mir an: der päpstliche Nunzius, der russische Botschafter, der Privatsekretär des Königs von Belgien, der Staatssekretär des Auswärtigen und zwei belgische Minister. Sie waren entsetzt von dem, was sie sahen. Der russische Botschafter war so überwältigt von Grauen, daß er erklärte, nicht mehr zu den anderen Stellen mitgehen zu können. Die Bevölkerung von Antwerpen ist gelähmt vor Entsetzen und die Tragödie des Zeppelin bewegt sie mehr als das Schickcsal der Schlacht von Mecheln. Der seinnervige russische Botschafter wirkt hier ebenso komisch wie der englische Berichterstatter, dem offenbar nur die Angst um sein Vaterland diese ausgesucht grausige Schilderung in die Feder diktiert hat. Große Veränderungen in den Oberprasidentenpostr. Wie verlautet, ist das seit mehreren Monaten bereits vorliegende, wegen des Ausbruches des Krieges aber einstweilen zurückgestellte Abschiedsgesuch des Oberpräsidenten v. Wentzel in Hannover letzhin genehmigt worden. Ebenso soll dem Abschiedsgesuch des Oberpräsidenten v. Bülow in Schleswig entsprochen worden sein. Als Nachfolger für den Oberpräsidenten v. Bülow ist der frühere Minister des Innern v. Moltke genannt, der bereits seit einigen Wochen die Stellvertretung des wegen Krankheit beurlaubten Oberpräsidenten führt. Oberpräsident in Hannover soll dem Vernehmen nach von Windheim in Königsberg werden, während an dessen Stelle der in weiteren Kreisen bekannte Vorsitzende der Landwirtschaftskammer für Ostpreußen, v Batocki, Oberpräsident von Ostpreußen werden soll. 85 Der Landsturm marschiert Alldeutschland in Waffen! Die Kriegssackel loht, Es wuchsen die seindlichen Scharen, Doch un're Parole heißt: Sieg oder Tod Es gilt unsre Ehre zu wahren. Und wie sich die Linie und Landwehr bewährt, So greift auch der älteste Jahrgang zum Schwert, Zum heiligen Kampf wird die Trommel gerührt; Der Landsturm marschiert! Es schärfen ihr Eisen mit zornigem Mut Des Vaterlands trutzige Hüter, Hell blitzet ihr Auge, heiß wallet ihr Blut Im Kampf um die heiligsten Güter. Schon zogen der Brüder und Söhne so viel Dem Feinde entgegen mit klingendem Spiel, Und weiter und weiter wird mobilisirt: Der Landsturm marschiert! Manch einer, dess’ Bart schon bei Zeiten ergraut, Im brausenden Kampse des Lebens, Wird wieder aufs neu mit der Wasse vertraut, Nun führt er sie nimmer vergebens. Kerndeutsche Gestalten aus jeglichem Stand Beweisen: Noch haben wir Streiter im Land, Und wehe dem Feind, der den Einfall riskiert: Der Landsturm marschiert! Wir haben zwar Feinde wir Sand an dem Meer, Doch werden wir nimmer verzagen. Und kommen die Tommys und Turkos daher, Wir müssen und werden sie schlagen; Und brechen die Hunnen in Ostpreußen ein, Und ob auch die Japse in Asien schrein, Sie alle erhalten, was ihnen gebührt: Der Landssturm marschiert! Im Osten und Westen die Kriegsjackel loht, Verderben droht fernher vom Meere, Alldeutschland in Wafsen, doch nimmer in Not, Es hat ja so treffliche Heere; Und wie sich die Linie und Landwehr bewährt, So greift auch der älteste Jahrgang zum Schwert. Zum heiligen Kampf wird die Trommel gerührt; Der Landsturm marschiert! A. I. —— tes gefunden. Ein Privattelegramm des„Lokalanz. meldet aus Nom:„Corriere d Italia“ erfährt aus Bordeaux, daß die von den Deutschen eingenommenen Stellungen westlich von Chalons surchtbar stark besestigt seien. Die Schanzen seien meterdick, in Zwischenräumen von 20 Metern durch Stahlplatten geschützt, mit Erde bedeckt und mit Baumstämmen befestigt. Die Maschinengewehre hätten unsichtbare Stellungen und die schwere Artillerie schieße hinter Gräben. Dieser Bericht, seine Richtigket vorausgesetzt, meldet die Lügenhaftigkeit der früheren sranzösischen Meldungen über einen zluchtartigen Rückzug der Deutschen, denn ein fliehendes Heer kann solche Besestigungen nicht anlegen Die hiesige französische Botschaft macht bekannt, daß alle hier befindlichen Franzosen unter 48 Jahren sich binnen acht Tagen zur Feststellung ihrer Militärverhältnisse melden sollen.— Der „Lokalanz. bemerkt hierzu: Flüchtlinge wurden nicht so starke Befestigungswerke gebaut haben und auch in Ordnung zurückgehende Truppen hätten sich wohl kaum dazu entschlossen, der großen Ermattung wegen. Oberst von Reuter lebt noch. WTB Berlin, 19. Sept. Wie die Morgenblätter melden, erhielt die„Coburger Zeitung“ von der in Coburg lebenden Schwester des Obersten von Reuter die Mitteilung, daß das Gerücht vom Tode des Obersten von Reuter unrichtig sei. Das Gerücht ist wohl dadurch entstanden, wie verwundete Osfiziere sahen, wie dem Obersten das Pserd unter dem Leibe erschossen worden ist, Staatliche Maßnahmen gegen unbegründete Gehaltskürzung? München, 18. Sept. Auch das baierische Kriegsministerium hat in zwei Fällen die erteilten Aufträge auf Lieserungen für den Heeresbedauf zurückgezogen, weil die beiden Firmen die Gehälter für Personal und die Löhne für die Arbeiter ohne Veranlassung gekürzt haben. Der Klieg gegen# untergebracht. Ihre Nahrung bestand aus trockenem Brot und unreinem Wasser. Im Gouvernement Cher'on wurde ihnen ein Dolmetscher zur Verfügung gestellt Neun Matrosen, die die italienische Sprache beherrschten, wurden freigelassen und gelangten unter furchtbaren Entbehrungen über Rumänien nach Ungarn. Die übrigen 20 sind nach Sibirien weiter geschleppt worden, Ein Heldenmädchen. WTB Berlin, 18. Sept. Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus Wien: Mit einem Verwundetentransport aus der Lemberger Schlacht wurde auch ein 12jähriges Mädchen namens Henoch gebracht. Ein Bein war ihm durch einen Schrapnellschuß zerschmettert worden und mußte noch während der Eisenbahnfahrt abgenommen werden. Das Mädchen hatte während der Schlocht im größten Kugelregen den in der Schützenlinie liegenden Soldaten ununterbrochen Wasser gebracht. Kein Verlust deutscher Kriegslustschifse. Berlin, 18. Sept. In der auswärtigen Presse, auch der neutralen Länder, werden fortgesetzt Nachrichten verbreitet, denen zufolge deutsche Luftschifse vernichtet oder in Feindesland gefallen sind. Dem gegenüber kann die„Telegraphen=Union" nach Erkundigungen an zuständiger Stelle auss bestimmteste versichern, daß keins unserer Luftschisse vernichtet oder erobert worden ist. Unsere Lenkluftschiffe aller Systeme(Zeppelin, Schütte=Lanz, Parseval und Groß) haben einen tüchtigen Anteil an den Erfolgen unseres Heeres auf allen Kriegsschauplätzen gehabt. Sie sind infolgedessen auch in die Feuertause gekommen und haben dabei zumteil Beschädigungen erlitten. Diese Havarien sind jedoch in keinem Falle so groß gewesen, daß es nicht möglich gewesen sein sollte, die Luftschisse zu bergen. Auf jeden Fall konnten sich die Lenkballons aus der Gefahrzone entsernen und ihre Standplätze erreichen, wo sie eingehender Neparatur unterzogen wurden. Die Beschädigungen waren nie so schwer, daß es nötig gewesen wäre, eins der Schissse vollständig außer Betrieb zu setzen. durch die Einberujung so vieler Staatsbürger zu den Fahnen oft empfindlich gestörten Geschäfts. gang alls gewöhnlichen bezeichnen darf. *(Rekrutenfürsorge.) Heute(Samstag) nachmittag 5½ Uhr versammeln sich die Teilnehmer zur Nachtselddienstübung mit nachfolgendem Biwack. Der Abmarsch erfolgt um 6 Uhr vom„Reiche des Wassers". *( J u b i l a r d e r A r b e i t.) A m h e u t i g e n T a g e kann der Polierer Joh. Geisel, Osthellweg wohnhalt, auf eine 25jährige Tätigkeit in den Diensten des Nichelwalzwerkes zurückblicken. Wir sprechen dem treuen Arbeiter unsern besten Glückwunsch aus und hofsen gern, daß er noch lange Jahre in seinem Berufe tätig sein kann. **(Unsere Helden!) Die neueste Verlustliste weist folgende Namen aus unserem Leierkreise auf: Reservist Gottfried Renzing=Lichtendorf (lv.), Res. Karl Schramm=Garenfeld(verm.), Res. Gust. Michels=Sommerberg(verm.), Res. Fr. Schreiner=Westhosen(verm.), Res. Wilh. Schenk=Hohensyburg(tot), Ulan Karl Brieke=Schwerte(sv.), Musketier Eduard Olheide=Sölde(tot), Musketier Fritz Hoffmann=Hengsen(verm.), Gefr. Emil Brock schmidt=Aplerbeck(verm.). *(Diebstähle.) Mit einer bodenlosen Frechheit haben Spitzbuben vor einigen Nächten den Häusern Königstraße 11, 13 und 15 Brsuche abgestattet. Zunächst wurde in den Keller des ersteren Hauses eingebrochen, dort mit einer Axt, deren Stiel sogar abgebrochen ist, eine Tür erbrochen und dann durch das ganze Haus vom Keller bis zum Boden eine Inspektionsreise unternommen. In Unsere„Goeben“. Ein Lebenszeichen von der„Goeben", das uns die Bestätigung bringt, daß das Kriegsschiff bei all seinen Wagnissen und kühnen Taten unversehrt geblieben ist, meldet eine„Wasserpostkarte“ eines Solinger Matrosen vom 4. September. Der junge Mann, Willi B., schreibt seinen Eltern u. a.:„Am 29 August erhielt ich endlich eine Karte und zwei Briefe, abgeschickt, anfangs August. Das gab eine Aufregung auf dem ganzen Schiff, als das Postsignal nochmals ertönte nach so langer Zeit. Es ist ja für uns ein so schlechter Postverkehr, wer weiß, wann diese Karte ankommt. Ihr möchtet gerne wissen, wo wir sind und was wir machen? Leider kann ich nichts Näheres schreiben, sonst bekomme ich die Karte wieder zurück. Nur soviel sei zu Eurer Beruhigung gesagt, daß die„Goeben" noch nicht mal eine Schramme aufzuweisen hat! Und da schreiben die fremden Blätter von„In die Lust gesprengt“ und dergleichen. Morgen laufen wir einen Hasen an, wo diese Karte weggeht. Was die„Goeben“, schon alles auf dem Gewissen hat, werdet Ihr wohl schon zum Teil gelesen haben, das andere erfahrt Ihr später. Vorgestern war Gottesdienst. U. a. sagte der Pastor, wir sollten uns von innen befestigen, der Glaube sei die beste Waffe. Er mag recht haben, ich dachte aber, unsere „28 Zentimeter“ sind auch nicht schlecht.... Ihr werdet es bald aus der Zeitung erfahren, wenn die Sache vorüber ist(hoffentlich glücklich), die wir vorhaben. Wenn wir bloß bald losbollern wollten! Wenn die„Goeben“ auch in die Luft geht, für mich ist es ja nicht schlimm, ich„bin ja——— bei der Musik“, wie Klärchen schreibt Also seht die Sache nicht so schwarz an, was kommen soll, kommt doch. Es wird schon alles gut gehen! Nun viele Grüße aus dom... meer!“ Dei Klieg hegen Frünnreich. Die französische Regierung gibt ihre Mißerfolge zu. WTB Berlin, 19 Sept. Die französische Negierung hat bereits dem Auslande gegenüber eine Erklärung für die jüngsten Mißerfolge ihres HeeKönig Georg, der Wankelmütige. Wien, 18. Sept. Zum Beweise, daß König Georg von England erst seit kurzem in das Fahrwasser der englischen Chauvinisten gelenkt wurde, teilt die„Wiener Allgemeine Zeitung“ folgendes mit: Im Juli, bereits nach dem Mordanschlag gegen den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gemahlin, weilte Prinz Heinrich von Preußen in London. Wie uns von bestunterrichteter Berliner Seite berichtet wird, fanden damals zwischen Könkg Georg und dem Prinzen Heinrich wichtige Besprechungen statt, die von dem Geiste großer Herzlichkeit getragen wurden Es wurde auch die Möglichkeit eines europäischen Konslikts erörtert und in diesem Zusammenhange gab der englische König in allerbündigster Form die Erklärung ab, daß England, was auch immer kommen möge, nie das Schwert gegen Deutschland ziehen werde. Die englische Garde rückt an. WTB Berlin, 18. Sept. Ueber Holland erfahren verschiedene Blätter, daß am Dienstag die englischen Garde=Grenadiere, 14 000 Mann stark, nach dem Kriegsschauplatz abgegangen seien Der Prinz von Wales wurde angeblich von dem ersten in das in London zurückbleibende Bataillon versetzt. Kitcheners neues Heer— auf dem Papier. London, 18 Sept.(Reuter.) Das neue Heer Kitcheners von einer Million Mann ist„beinahe“ vollzählig. Die Heeresverwaltung hat alle Hände voll zu tun, um alle Anerbieten zu erledigen. Der Zustrom hält an, obwohl das Mindestmaß von 1,58 ihn etwas verringert hat. Kitchener hat das Anerbieten einer Truppenabteilung aus Ceylon angenommen. Frömmigkeit u. Menschlichkeit des deutschen Soldaten. Ein Berichterstatter der„Amsterdamer Tijd“ teilt gegenüber den vielen verleumderischen Berichten von angeblichen Grausamkeiten deutscher Soldaten folgendes mit, was mit jenen Berichten in scharsem Widerspruch steht: „In Thienen ging ich in die Kirche, die nicht verbrannt ist, wie andere sälschlich berichtet haben. Es wurde gerade Messe abgehalten. Da traf ich außerhalb des Gotteshauses an der Tür kniend einige deutsche Soldaten mit den Gewehren neben sich. Und drinnen sah ich noch verschiedene andere in derselben Weise andächtig knien. Es waren Mannschaften aus Bayern, die seit einigen Tagen hier die Wachtposten bezogen haben. Und zwischen Thienen und Löwen traf lisch unabsehbare Reihen von Flüchtlingen, die nichts weiter gerettet hatten als einige notwendige Kleidungsstücke. Die armen Leute sahen todmüde aus. Aber ein deutscher Soldat, das Gewehr auf der Schulter, trug in jeder Hand noch ein großes und schweres Paket, das einer der ärmsten Familien gehörte. Hut ab vor dieser Menschenfreundlichkeit!“ — Aus Stadt und Umgebung. Dei Klieg gegen Außtand. Tilsit von Russen befreit. WTB Tilsit, 18. Sept. Nach dreiwöchiger Herrschaft der Russen ist die Stadt Tilsit wieder besreit und am Dienstag ist die„Tillsiter Zeitung" von neuem erschienen, die einen begeisterten Artikel über die Besreiuung durch unsere Truppen bringt und feststellt, daß es das Verdienst der Stadtverwaltung gewesen sei, die Russen zu einer Haltung in Tilsit zu veranlassen, wie sie sie nirgends gezeigt hätten. Die russischen Sozialisten gegen den Krieg. Bukarest, 18. Sept. Nach einer Petersburger Meldung beschlossen die sozialdemokratischen Abgeordneten der Duma, sowie die Abgeordneten der Arbeiterorganisationen den Dumasitzungen, in denen die Kriegsvorlage der Regierung zur Erzielung der neuen Steuern zur Regelung gelangen soll, fern zu bleiben. Traurige Behandlung österreichischer Gefangener in Rußland. WTB Wien, 19. Sept.(Nicht amtlich.) Das „Neue Wiener Journal“ meldet aus Fiume: Neun aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrte Matrosen berichten: Bei Ausbruch des Krieges wurde der Triester Dampfer„Libera Stella“ im Schwarzen Meer von einem russischen Kreuzer angehalten und die Besatzung gesangen genommen. Es waren 29 Mann, die später von dem Hasen Eupatoria gefesselt nach Sibirien marschieren sollten. Bei dem Aufenthalt in verschiedenen Städten wurden sie tagelang in schrecklichen unterirdischen Kerkern Schwerte, den 19. September. **(Ausnahmetarif für frische Kartosseln.) Mit Gültigkeit vom 15. ab trat ein Ausnahmetarif für frische Kartosseln zur Herstellung von Trokkenkartofseln für die Dauer des gegenwärtigen Krieges auf Entfernungen bis 150 Kilometer in Kraft. Er gilt für die Preußisch=Hessischen Staatsund einige Privatbahnen. **(Freiwillige.) Es wird erneut darauf hingewiesen, daß es völlig zwecklos ist, wenn Kriegsfreiwillige oder ältere Personen des Beurlaubtenstandes oder des gedienten Landsturms sich mit Einstellungsgesuchen unmittelbar an das stellvertretende Generalkommando oder gar an das Kriegsministerium wenden. Derartige Gesuche sind grundsätzlich nur bei den zuständigen Bezirkskommandos mündlich oder schriftlich anzubringen, werches das Weitere veranlaßt. Weitere unmittelbar bei dem stellvertretenden Generalkomando eingehende Gesuche müssen mit Rücksicht auf seine Geschäftslage unbeantwortet bleiben. **(Kriegsanleihe.) In der gestrigen gemeinsamen Sitzung beider Vertretungen der kath. Gemeinde wurde bischlossen, auf die Kriegsanleihe den Betrag von 30000 Mark aus verschicdenen Fonds zu zeichnen. *(Wohlgemeinter Nat.) Im Interesse einer möglichst vollkommenen Gesundheit unserer sich für uns ausopsernden Helden erluchen wir hierdurch die wohltuenden Stifter von wollenen Strümpsen und ähnlichen Sachen, sich auch noch der geringen Mühe unterziehen zu wollen, dieselben vor der Abgabe in einer Lauge zu waschen. Es wird hierdurch ein Wundwerden der Füße bei lang dauernden Märschen vermieden, auch macht das Marschieren in neuen ungewaschenen Strümpsen nicht nur wund, sondern ist meist auch ohnedies beschwerlich. *(Schluß der Gerichtsferien.) Mit dem vorgestrigen Tage haben die Gerichtsferien ihr Ende erreicht und hat der gewöhnliche Geschäftsbetrieb bei den Gerichten wieder eingesetzt, soweit man den ähnlicher Weise wurden auch die beiden anderen Häuser heimgesucht. In den Morgenstunden wurden mehrere Per'onen beobachtet, welche mit allerhand Gegenständen beladeen die Königstraße passierten. Leider fehlt von den frechen Spitzbuben noch jede Spur.„„7nt **(Grüße von Schwerter Landwehrtenten. Heute morgen ging uns folgende Karte zu: Mehrere Abonnenten Ihrer Zeitung, Schwerter Landwehrleute, senden aus Belgien die besten Grüße an alle Bewohner der Stadt Schwerte. Wir sind noch gesund und munter. Schuhmacher Georg Eichenauer, Zimmerer Ant Liekmeier, Fabrikarbeiter Gust. Palm, Fabrikarbeiter Wilhelm Stellpflug. *(Bei der Kreisstelle vom Roten Kreuz) in Hörde(Kreishaus) ist bereits eine große Anzahl von Liebesgaben für unsere Krieger im Felde und in den Lazaretten eingegangen. Von den Frauenvereinen in den Amtsbezirken Aplerbeck, Annen, Barop, Wellinghosen und sonstigen Wohltätern wurden bisher abgeliefert: 692 Hensen, 750 Paar Strümpse, 270 Fußlappen, 98 Unterhosen, 12 Unterjacken, 137 Leibbinden, 98 Paar Pulswärmer, 21 Brustwärmer, 8 Paar Kniewärmer 182 Bettücher, 186 Kissenbezüge, 134 Bettbezüge. 172 Handtücher, 153 Taschentücher, 39 Mundtücher, 60 Trockentücher, 66 Schürzen für Wärter, 133 Armbinden, 84 Paar Schlappen, 81 Unterlagen, 18 kleine Kissen, 112 Binden, 5 Decken, 3 Steppdecken, 1 Federkissen, 42 Halstücher, 20 Stöcke, 3950 Zigarren, 200 Zigaretten, 43 Päckchen Kaffee und Kasseezusatz, eine große Anzahl Täschchen mit Seise und Handtücher und eine große Anzahl Täschchen mit Nähutensilien, Nadeln und Knöpfen. Von der Firma Hanna wurden 2000, Birckenhoff in Hörde 1700 Zigarren gestiftet. Auch aus dem Amtsbezirke Barop gingen der Kreisstelle Zigarren, Zigaretten und Tabak zu. Eine große Anzahl von Täschchen enthaltend: Seife mit Handtuch oder Zwirn, Nadeln, Knöpfe sertigten die Firmen Witwe J. Heimann(Schuhgeschäft), Zürnforser und Gebr. Wolff in Hörde. Die Täschchen waren an den Bahnhöfen in Holzwickede und Schwerte sehr begehrt. Jedem Geber sei aber an dieser Stelle für seine Spende, möge sie auch noch so klein sein, herzlichst gedankt. Mögen auch sernerhin die Gaben reichlich fließen. Sehr erwünscht sind für unsere Soldaten: Zigarren, Tabak, Schokobads. ** Westhosen, 19. Sep.(Jugendwehr.) Gestern abend sand im Lokale des Herrn Wilh. Neuhaus eine zahlreich besuchte, von dem Fabrikanten Adolf Ebeling geleitete Versammlung statt, welche die einleitenden Schritte zur Bildung einer Jugendwehr, die nach den vom Kriegsministerium ausgestellten Richtlinien ihre militärischen Vorbereitungen erhalten soll, vornahm. Es wurde einstimmig beschlossen, am Sonntag, den 20. September, 3 Uhr, im Saale des Herrn Schulte eine große Versammlung für alle die in Frage kommenden Personen abzuhalten, in der die endgültige Zusammensetzung und Einteilung der militärischen Wehr statthinden soll. Aus der Versammlung heraus wurde angeregt, als Altersgrenze für den Eintritt in die Wehr nicht das 16. Lebensjahr festzuhalten, sondern schon eventuell unter besonderer Gruppierung mit der schulentlassenen Jugend den Ansang zu machen damit keine zweijährige Lücke in der Weiterbildung unserer Jugendmannschaft einträte. ** Holzen, 18. Sept(Diebstähle) an Feldund Gartensrüchten sind hier in letzter Zeit wiederholt vorgekommen. Neuerdings wurde dem Fabrikarbeiter Kerl Brost im Ortsteil Rosen von einem Kartosselselde ein großer Komplex nachts völlig abgeerntet; ebenso lleßen die Diebe aus den zur Holzener Dampfziegelei gehörenden Gartenanlagen große Mengen Früchte mitgehen. Den Nr. 220. Beilage. Samstag, 19. September 1914. Amlliches Kreisblatt. Ruhe und Besonnenheit. Von dem stellvertretenden Generalkommando des 7. Armeekorps geht uns folgendes zu: Aus der Aufregung, die das Gemüt der Bevölkerung in dieser gewaltigen Zeit ergriffen hat, ist es zu erklären, daß oft die unsinnigsten Gerüchte von kriegerischen Ereignissen in der Oefsentlichkeit auftauchen und geglaubt werden. Ruhiges Blut! Unverbürgte oder an sich wenig glaubhafte Nachrichten nicht gleich für bare Münze zu nehmen, ist dringend geboten. Vor allem empsiehlt sich Vorsicht und Mißtrauen gegenüber; jeder unbestimmten privaten Nachricht aus dem Felde, daß etwa dieser oder jener vor dem Feinde leicht oder schwer verwundet oder gar gefallen sei. Nicht eindringlich genug kann betont werden, daß Empfänger solcher flüchtigen Mitteilungen von der Front sich hüten mögen, sie sogleich weiterzugeben. Wer möchte vorzeinlg Leid und Kummer, Angst und Sorge über Familien bringen, ehe eine wirklich beglaubigte Trauernachricht da ist! Die kommt immer noch früh genug. In sehr zahlreichen Fällen haben private Mitteilungen aus dem Felde sich nachher als irrig herausgestellt; ja, von manchen wiederholt Totgesagten sind nach Tagen die besten Nachrichten in die Heimat gelangt. Jeder, der den Krieg kennt, wird wissen, daß Sinn und Auge aller Kämpsenden nur vorwärts, vorwärts auf den Feind gerichtet sind; alles, was ringsum geschieht, hinterläßt bloß unbestimmte, flüchtige Eindrücke. So ist, zumal bei der Ausdehnung der Gefechtslinie, selbst eigene Beobachtung keineswegs immer ein sicherer Anhalt für Tat'ächlichkeit von Verwundung oder Tod von Kameraden. Wer z. B. vorn in der Schützenlinie liegt, sieht vielleicht, wie seitlich Artilleriegeschosse einschlagen und wie gleichzeitig Leute stürzen. Der Lu#tdruck nun, den das Zerspringen der wuchtigen Ceschosse verursacht, ist so gewaltig, daß selbst auf beträchtliche Entfernung hin oft Leute zu Boden geworfen werden und durch die sich entwickelnden Gase betäubt längere Zeit wie tot daliegen; tatsächlich sind sie unverletzt. In die Heimat aber fliegt hinterher gar zu leicht die briefliche Kunde von einem Kameraden:„Schwer verwundet", „tot“! Im übrigen wolle man beachten, daß heute auch solche Verwundungen, die früher; fast mit Sicherheit zum Tode führten, eine schnelle und leichte Heilung sfinden. Zahllose, durch Brustschüsse entstandene Verletzungen sind z. B. nach vierzehn Tapen bis drei Wochen bereits wieder ausgeheilt. Also Vorsicht bei unbestimmten Feldpostnachrichten über Verwundung oder Tod! Man sieht, wier notwendig sie ist. Bekannt ist auch, wie leicht Gerüchte sich vergrößern. Heißt es in einem Berichte von der Front:„Der und der soll verwundet, gesallen sein“, so macht das Gerücht gar bald daraus eine Gewißheit, und oft genug ist die Folge höchst beklagenswert, Ist die Verwundung eines Angehörigen einwandfrei, so kann nicht nachdrücklich genug von dem Versuche abgeraten werden, zu dessen Pflege selbst auf den Kriegsschauplatz zu eilen. Bei dem schnellen und unaushaltsamen Vorrücken unserer Truppen ist es in den meisten Fällen schwierig, iberhaupt festzustellen, in welchem der zahlreichen Fels= und Etappenlazarette ein Verwundeter untergebracht ist Wenn wirklich das Lazarett gefunden worden, so können die Verhältnisse sich inzwischen längst geändert haben. Alle Verletzten, der Heilung transportfähig erdie: bei Eintritt 3. 4 2. F E. G7. I.Einfache abgepletefe Spftze.— Lübgephffeke Spitze mit huoshöhlung.. Z. Abgeplatfete Spitze mit Rissen. 5.beschosse nach dem Hufschlagen. 3. Tiefe Einkerbungen im Stahlmantel. 6.Verpackung der beschosse. 1 scheinen, werden mit Lazarett= oder Krankenzügen möglichst bald in die Heimat abbesördert. Schwerverwundeten aber, deren Transport den Aerzten vorläufig noch nicht angängig erscheint, ist in allen Fällen eins vonnöten: Ruhe! Sie ist die Hauptund Grundbedingung einer baldigen Wiederherstellung. Und wer wollte sie unseren Verwundeten rauben! Die seelische Erregung, die ein Wiedersehen hervorruft, kann für eben erst in die Genesung Eingetretene von verhängnisvollen Folgen sein. Das wird jeder Arzt bestätigen; nach schweren Operationen wird denn auch Besuchern der Zutritt zu den Kranken meist verwehrt. Also keime Voreiligkeit! Gar leicht werden auch Genesende auf der Bahn in Richtung Heimat durchgesahren, während etwa Anverwandte in Richtung Kriegsschauplatz ausreisen, ohne natürlich den Gesuchten zu sinden. Im übrigen sind unsere Feldlazarette mit allen Errungenschaften hygienischer und medizinischer Wissenschaft ausgestattet, und unser Sanitätspersonal ist so sachgemäß durchgebildet, wie es wohl, das darf man sagen, in keinem anderen Staate Europas der Fall ist. In den gewaltigen Tagen, in denen wir leben, handelt es sich für alle beteiligte Kreise darum, bei festem Gottvertrauen ruhiges Blut, kühle Besonnenheit zu bewahren. Darum nicht in übereilten Briefen und Telegrammen den Dienst auf den Etappenlinien unnötig erschweren! Der geringe Vorteil, der sich hier in seltenen Fällen vielleicht für den einzelnen erreichen ließe, wiegt nicht den Nachteil auf, der dadurch für die Allgemeinheit erwächst. Wie die Kugel keinen Unterschied macht zwischen Rang und Stand, zwischen hoch und niedrig, reich und arm, so können auch die Behörden im Interesse des Ganzen auf derartige, wenn auch in den Augen des Bittstellers noch so gerechtfertigte Anliegen und Ersuche keinerlei Rücksicht nehmen. Zum Wohle unser aller sind solche Einzelwünsche zu unterdrücken. Möge denn ein jeder an seiner Stelle mit Geduld und Vertrauen die Opser und die Prüfungen ertragen, die lin dieser außerordentlichen Zeit ihm auserlegt werden, zum Besten des Ganzen, des Vaterlandes! Russische Horden in Ostpreußen. Der Landrat eines ostpreußischen Kreifes schreibt der Kreuzzeitung unter dem 11 d. Mts.: Ich komme soeben von der Fahrt in den Kreisteil, den die Russen heute räumten, und möchte kurz schildern, wie unser armes Ostpreußen aussieht, soweit es in Feindeshand war. Diese Gegend meines Kreises ist besiedelt mit Bauerndörfern und vielen hundert Kolonisten und bietet sonst das Bild besonders regen Lebens. Jetzt allenthalben tiefe Stille, und soweit das Auge reicht, kein lebendes Wesen. Die Männer und Jungen sind von den Russen nach Osten fortgeführt, alles Vieh sortgetrieben und die Frauen und Mädchen geflohen. Wohl denen, die es noch konnten! Gleich in dem ersten großen Dorse, in dem ich den 85jährigen Amtsvorsteher, einen in Kreisämtern wohlverdienten Mann suche, finde ich nur einen Hügel vor seiner Tür und ein Brettchen mit der Ausschrift:„Erschossen am 3. September“. Er ist ermordet worden, als er ein Mädchen vor einem russischen Soldaten schützen wollte. Im nächsten Dorfe sehe ich eine alte Frau eine frischgegrabene Stelle nachscharren. Sie erzählte, die Russen hätten fünf von der Musterung heimkehrende Leute erschossen und sie suche, ob die Ihrigen darunter wären Der Zustand auf den Gehöften und namentlich in den Wohnhäusern ist derart, daß ich wieder an das Wort denken muß:„Krieg kann man nicht schildern, man kann ihn nur erleben.“ Nicht ein Stück ist unzertrümmert, die größeren Möbel sind mühsam zerhackt, die Betten zerschnitten, auf den Kaiserbildern überall die Augen zerstochen. Verwesendes Vieh ist hereingeworsen und über alles noch Wasser und Unrat geschüttet— eine unbeschreibliche Verwüstung. Mit dem Browning in der Hand durchsuchten wir einige Ortschaften, ohne irgend etwas von Nachzüglern zu finden. Die Militärpatrouillen machten gleichzeitig aber mehrere Gesangene. Ich erwähne dies besonders, um die unvergleichliche Gutartigkeit und Nachsicht unserer Truppen mit dem russischen Gesindel zu kennzeichnen. Es ist ein erschütterndes Leid, das Gott unserer Heimat mit der russischen Verheerung auferlegt hat, und doch wird es Ostpreußen nicht beugen. Nirgends habe ich haltlose Klagen gesunden, wohl aber überall den festen Willen, wieder von vorn anzufangen, und überall festes Vertrauen auf die Hülle des Staates dabei. Und es ist die Empfindung des ganzen Volkes hier, wenn mir heute ein Bauer sagte, dem alles, aber auch alles, verloren gegangen war:„Ach, Herr Landrat, was schadet das? Auf den Knien will ich arbeiten und mit den Händen den Boden scharren, wenn wir nur deutsch bleiben! Und wir werden ja siegen!“ England als Erlöser des deutschen Volkes England hat den Weltkrieg entfesselt, nur— um die Deutschen von einem surchtbaren Los zu retten und ihnen ihre Menschenwürde zurückzugeben. Der Mann, der das an den Tag gebracht hat, ist kein Geringerer als Sir Arthur Conan Doyle. Der geniale Erfinder der Sherlock Holmes hat ja mehr als einmal den Reichtum seiner Phantasie bewiesen, aber mit dieser seiner neuesten Entdeckung übertrifft er sich selbst. In der„Daily Chronicle“ vom 9. September läßt er sich so vernehmen: „Wir kämpfen für das starke, tiese Deutschland der Vergangenheit, das Deutschland der Musik und der Philosophie, gegen das jetzige monströse Deutschland von Blut und Eisen. Für die Deutschen, die nicht der regierenden Klasse angehören, wird unser Sieg dauernde Erlösung bringen. Aus den Trümmern des Reiches wird sich der Deutsche dann jenes herrliche Juwel heraussuchen; das Juwel der persönlichen Freiheit, das höher steht, als der Ruhm der Eroberung fremder Länder.“ Das Deutschland von ehedem, das Deutschland der Musik und der Philosophie sehnt Conan Doyle herbei. Mit anderen Worten: das Deutschland ohn Flotte und Handel. Nur mit diesen Worten klingt es nicht so gut. Aber Conan Doyle ist immer ein geistreicher Schriftsteller gewesen. Die Verluste unserer Gegner. Wer rasche Arbeit tut, darf sich mit Ueberzähllen des schon Geleisteten nicht aushalten: das ist anerkannter Grundsatz aller Praxis. Nach diesem Grundsatz hat sich der deutsche Generalstab gerichtet. Nur eine einzige der sieben Armeen unseres Westheeres fand Zeit, den Umfang ihrer Siegesbeute jestzustellen. Sonst waren besonders die Schätzungen der Gesangenenzahl auf Einzelnachtlichten und Wahrscheinlichkeitsrechnung angewiesen; bis die erste genauere Zahl veröffentlicht wurde: 220 000. Unerwartet groß, mit fist 90000, war die Menge der gefangenen Franzosen angegeben; sie bestätigte, daß viele bedeutende Einzelergobnisse garnicht erst gemeldet worden waren. Noch am Abend des gleichen Tages erfuhr man aber, daß in der gewaltigen Summe der 220000 entwaffneten Feinde die 40000 der Besatzung von Maubeuge noch sehlten, desgleichen Zehntausende der in den masurischen Seen gesangenen Russen; seitdem brachte uns die Niederlage der russischen Memelarmer abermals(bis zum 13. September) Der Schatzgrabet. Roman von Erich Ebenstein. 40 Tränen der Scham traten in ihre Augen, und außer sich über seinen vermeintlichen Mangel an (rotzmut, rief sie bebend:„OHerr von Paur, möge Gott Sie bewahren vor so bitterer Demütigung, wie Sie sie mir bereiten. Zur Bettlerinerniedrigt habe ich mich vor Ihnen, der Sie mich einst in der schwersten Stunde meines Lebens verhöhnten— dies und anderes habe ich niedergerungen— und Sie finden nicht einmal ein Wort des Mitleids. Sie können selbst jetzt den Haß nicht vergessen, Sie, der Sie sich einst mein Freund nannten. Vergeben Sie, daß ich Ihren Weg kreuzte— ich wußte nicht, daß Sie so ganz der Sohn Ihres Vaters sind.“ Sie konnte nicht weiter sprechen. Hastig wandte sie sich ab und wollte ohne Gruß an ihm vorüber hinwegeilen. Das brachte Hans, der ihr wie versteinert zugehört hatte, zu sich. Und während er ihr instinktiv den Weg vertrat, schrie eine wilde Angst in ihm auf, er könne sie verlieren. Wie Schuppen fiel es ihm plötzlich von den Augen: Das ist Dein Glück, laß es nicht von Dir. Halt es mit tausend Armen und mit ganzer Kraft, denn all der Haß, den Du Dir eingebildet hast, ist nichts als brennende Liebe. Bebend wie ein Knabe stand er vor ihr. Alles andere war ausgelöscht in ihm bis auf das eine: darfst sie nicht gehen lassen, Du mußt ihr sagen, was in Dir ist, mußt sie fragen. Und dann rang es sich stockend von seinen Lippen:„Konstanze— was ist das? Ich hätte Sie verhöhnt?“ Etwas im Ton seiner Stimme ließ sie aufblikken. Gleich darauf senkte sie betroffen den Blick nieder. In seinen Augen stand eine Sprache, die ihr das Blut jäh zum Herzen trieb; auf seinem Antlitz lag ein strahlender Glanz, der sie blendete. weich:„Konstanze, was reden Sie von Haß? Ein=fnieder und blickte ihr tief in die Angen, minntenmal sagte ich: Solange ein Atemzug in mir ist, lang, selbstvergessen, von tiefer Zärtlichkeit ersüllt. brauchen Sie nur zu rufen— das Wort gilt heute Und Konstanze erwiderte seinen Blick, ebenso tief, so gut wie damals— und tausendmal mehr— von unbewußter Zärtlichkeit. tausendmal mehr als damals!"! Und als müsse es so sein, legte Haus den Arm „Damals!“ wiederholte siewerwirrt, fasziniert um Konstanze und führte sie zur Bank zurück, wo durch seinen unverwandt auf ihr ruhenden Blick. „damals—“ Dann raffte sie sich auf und sagte, sich gewaltsam zur Festigkeit zwingend:„Seitdem ist so vieles geschehen. Und über alles wäre ich ja hinweggekommen, aber jener Brief nach Richards Tod— daß Sie den schreiben konnten—“ Er schüttelte verständnislos den Kopf. „Welcher Brief? Ich habe doch nie an Sie geschrieben?“ Konstanze nestelte an ihrer Uhrkette herum, wo sich neben anderen Dingen das Medaillon mit dem Brief befand. Mit bebenden Fingern machte sie es los und reichte Hans den Brief. Sein Gesicht wurde sehr bleich während des Lesens. Auf den ersten Blick hatte er die wenn auch nerstellte Schrift seines Vaters erkannt. Dann wurde sein Blick finster. „Das also haben Sie mir zugetraut, Konstanze? Darum haben Sie nicht einmal meine Blumen neben dem Toten geduldet, den ich doch ehrlich und von Herzen betrauerte?“ Er verstummte unwillkürlich. Konstanzes Augen leuchteten plötzlich in wundersamem Glanz, und über ihre vorher so traurigen Züge breitete sich langsam Licht. „Also nicht! O mein Gott, ich danke Dir!" murmelte sie leise. Dann streckte sie Hans die Hand hin:„Verzeihen Sie mir, wenn ich Ihnen unrecht tat. Niemand hat bitterer darunter gelitten, als ich, denn nie habe ich an einen Menschen geglaubt, wie ich an Sie glaubte!“ Haus hielt ihre Hand fest. „Und das andere, das Sie mir noch zu verzeihen haben?“ Sie errötete über und über und schwieg. er sie neben sich niederzog. Dann sagte er weich: „Es war eine törichte Sache— der Haß zwischen uns, Konstanze— nicht wahr?“ Konstanze nickte und brach plötzlich in Tränen aus. „Konstanze?“ rief Haus erschrocken.„Was ist — habe ich Sie beleidigt?“ Sie schüttelte den Kopf und lächelte unter Tränen. „Nein— aber es war so schrecklich, die lange, finstere, einsame Zeit, wo ich dachte— und jetzt ist alles so schön, jetzt sind wir wieder die alten Freunde und ich bin so glücklich!“ Er lag plötzlich zu ihren Füßen, schlang die Arme um sie und drückte sein Gesicht auf ihre schlanken Hände. „Nein— nein— nicht die alten Freunde— etwas viel, viel Schöneres— ich liebe Dich, Konstanze! Und unn lasse ich Dich nicht mehr! Der alte Haß zwischen Herzog und Paur soll ertränkt werden in unserer jungen Liebe— Konstanze, liebe, teure, sage mir, nein, sage nichts, blicke mich nur noch einmal so an wie vorhin, auf daß ich wieder lerne, an das Glück zu glauben!" Konstanze saß regungslos da und wagte nicht, sich zu rühren. Ihr war, als habe sich plötzlich ein Traum erfüllt, den sie oft geträumt in tiefer Nacht, wenn der Körper schlafgebannt lag und die Seele emporwanderte zu lichten Sternen. Ein Traum, den sie im Wachen nie zu denken gewagt hätte. Ganz leise und ängstlich glitten ihre Finger über das blonde Haar des Mannes, dessen Augen fragend an ihrem Antlitz hingen, und um den feingeschliffenen Mund erstand wieder das sonnige, nahm er ihre Hände in dieseinenund sagte.I. Er nahm ihre zweite Hand, beugte sich etwas gllickliche Lächeln vergangenerTage. Versunkenwaren Schmerz und Enttäuschung, Vergangenheit und Zukunft. Sie atmete tief auf— wie hier die Welt ringsum dalag im Frieden des Abends. Die Winkel rauschte und in den Erlen flüsterte leise der Abendwind. Ein Stern begann zu funkeln am blassen Himmel, und unter den alten Buchen schlich die Dämmerung hin. „Konstanze,“ sagte Haus weich,„nun ist das Glück gekommen— fühlst Du es? Mir ist, als sei nichts mehr auf Erden als Du und ich— Du und ich— wie ein Märchen ist es!“ Da kam es plötzlich über sie mit brausender Gewalt, ein wildes Sehnen nach Glück erfüllte sie, das alle Gedanken auslöschte. Sie beugte sich nieder und küßte ihn. „Das Glück— ja— Du mein Glück— Haus!“ murmelte sie,„o könnten wir es halten!“ Konstanze erhob sich rasch und strich sich mit den Händen über die Stirn. Ihre Stimme klang auf einmal verändert, als sie sagte:„Ein Märchen ist es, Haus, Du hast recht und als schönes, schönes Märchen wollen wir die Stunde immer im Gedächtnis halten. Und nun komm.“ Verwundert blickte er sie an. „Was meinst Du, Konstanze? Das Märchen ist uns zur schönen Wirklichkeit geworden!" Konstanze vermied es ihn anzusehen. „Märchen können nicht Wirklichkeit werden." murmelte sie traurig.„Wenn wir die Erlen hier hinter uns lassen, dann tritt all das wieder zwischen uns, was uns trennt." „Was sollte— was könnte uns jetzt nochtrennen?“ rief Haus heftig.„Dein Leben und meines sind fortan eins.“ „Und Deine Braut? Und Dein Vater? O. Hans, Du siehst wohl, daß es immer ein Märchen bleiben muß!“ Hans schüttelte den Kopf.„Nein,“ sagte er, und etwas von der starrköpfigen Euergie seines Vaters klang aus seinen Worten, E.#g 816.10 30 000 Gesangené. Alles in allem ließ sich, nach sechswöchliger Kriegsdauer, die Zahl der Gefangenen auf 330 000 schätzen. Hierzu kommen mindestens 50000 Gesangene der Oesterreicher. 380 000 Soldaten haben, in sechs Wochen, die verbündeten Russen, Franzosen, Beiger, Englön. der, Serben und Montenegriner in den thres Gegners grlasen. Das kind gientgege, kriegstäglich 9000 Mann. Da nur der der Gesamtzahl auf die Katastrophe der armee in den majurischen Seen ent,ällt, ist einmal der Einwand berechtigt: der Durchschn dieser Wochen sei kein Matzstad für längerg räume, Umgskehrt; es ließe sich loggt machen, daß die großen Kämpfe erst und dem 20. August begonnen haben, tatsächlich also die weitaus meiten der Gesangenen im Vestzggn. pon4 Tagen, mindestens 14000 täglich, die##### Sei dem wie immer: die Gesamtzahl steht fest. Wie groß aber waren die sonstigen Verlüste unserer Feinde? Von den 200000 Mann der vernichteten Narew=Armoe können im äußersten Fall kaum 50 000 wieder gesammelt werden; die Memelormee kann nicht unter 50000 verloren haben. Der Gesamtverlust der russischen Truppen, die gegen Deutschland standen, ist mit 220 000 gewiß nicht zu hoch angesetzt. Die Achtmalhunderttausend, die gegen Oesterreich kämpften, hatten im wochenlangen blutigen Ringen, ohne die Gehangenen, wohl mindestens 10 v H an Toten, Verwundeten und sonstigen Kampfunfähigen. Nimmt man den Verlust der Serben und Montenegriner hinzu, so läßt sich die Ersamteinbuße unserer Gegner im Osten u soad berchuen, gerächnet, 1900 Im Westen zählt man knapp#, 100 000 Gefangene, bei beträchtlichen Blutverlusten(allein das verhältnismäßig kleine Kontingent der Engländer 10 000!). Eine Wahrscheinlichkeitsberech= nung ergibt auf diesem Kriegsschauplatz einen Gesamtverlust von 310 000. Danach wären, in allem, 670000 Mann unserer verbündeten Gegner auß Gefecht gesetzt. Da ihre Feldheere auf vier bis viereinhalb Millionen zu schätzen sind, bedeut das eine Schwächung um wenigstens 15 v. H. Am eigentümlichsten durch solche Ziffern beleuchtet wird die gegnerische Drohung mit lange Kriegsdauer. Wenn sie recht hätte: welche Aussicht für Leute, die im Durchschnitt jedes ges(die Zeit der Mobilmachung und des Aumit eingerechnet) 16.000 ihrer Soldaten verlieren! Geht es so weiter, dann reicht der gesamte Menschenvorrat ihrer aktiven Armcen für läingtens neun Monate— und wir hürgeggg#g. Frühling an, nur noch mit russicher Re#ch, sranzösischen Territorialen, englischen Angeworbenen und sonstigen militärisch minderwertigen Hilfssormationen zu tun. Denken die Verbündeten auch dann noch daran, den Krieg„zwanzig Jahre lang“ fortzuführen? — Die Kämpfe in Ostpreußen vom 9. und 10. September sind von den deutschen Truppen mit einer Erbitterung ohnegleichen geführt worden, denn auf Schritt und Tritt zeigten sich den braven Landwehrmännern die entsetzlichen Spuren der Zerstörungswut der Rennekamp'schen Armee. Wenn unsere Soldaten, sast durchweg selbst Familienväter, an den zerstörten Anwesen vorüberkamen, wo die Gruppen ländlicher Frauen, Männer und Kinder stumm und starr vor den rauHurkrraffig und ben diesem allen auch die soralame P über die Kriegsereignisse unterrichtet zu werden, ist jetzt der Wunsch jeder deutschen Familie. Diesem berechtigten Wunsche möglichst voll zu entsprechen, betrachtet die„Schwerter Zeitung“ zurzeit als wichtigste Aufgabz. Ihr Nachrichtendienst ist auss beste ausgestaltet; außer den ofsiziellen grammen, die zudem noch durch besondere Extrablätter verbreitet werden, bringt die„Schwerter Zeitung" interessante Schilderungen von den Kriegsschauplätzen, politische Betrachtungen über die Weltlage, Karten und Pläne,, und vergißt neden Eicsen allen V—, die sorn, Flege und Ausgestaltung des lokalen Teiles nicht. Dem Unterhaltungsbedürfnis an den jetzt kommenden langen Winterabenden ist durch die Verössentlichung sorosam ausgewählter Romane und Novelleen reichlich Rechnung getragen, Neubestellungen auf die„Schwerter Zeitung“, deren Bezugspreis monatlich nur 60 Pfg. beträgt, werden jederzeit von unseren Boten, in der Geschäftsstelle(Gr. Marktstraße) und bei Herrn Ad. Neumann(Hüsingstr.) entgegen genommen. chenden Trümmern ihrer Häuser standen, packte sie jedesmal eine heillose Wut. Nicht mal unsere Trauringe haben sie uns gelassen, erzählte ein weißhaariger Greis, zwanzig Jahre haben wie sie getragen, aber als die Russen sie bei mir und meiner Frau entdeckten, machten sie eine Bewegung, als wollten sie uns die Hand abhacken, sie zogen die Säbel, da Gott sei Dank bekamen wir sie noch schnell von den Fingern! Das gibt Wut bei den Soldaten und mit zusammengebissenen Zähnen wird welter marschiert, Insanterie, Kavallerie, Artillerie in langer Reihe. Drei Batterien haben endlich den Feind gefaßt. Ununterbrochen sausen die Granaten, die Kanoniere stohen mit den die Granate enthaltenden Flechtkörben zum neuen Schuß bereit. Da rast der Hauptmann heran. Da stehen die Halkunden! Front nach rechts mit geladenen Geschützen! Galopp preschen die Pferde mit den Protzen heran, im Augenblick sind die Geschütze befestigt, wird eingeschwenkt. Dem Feldwebel geht es immer noch nicht schuell genug: Rascher, zum Himmelhonger: wetter! Wollt Ihr denn die Schufte entwischen lassen? Und mit wiehernden, schnaubenden Pierden jagt die Batterie über den Sturzacker, wo es stockt, greisen Hände in die Räderspeichen, heben und tragen beinahe das schwere Geschütz. Die Erbitterung der Leute schafft alles! Was er sich vorgenommen hatte. Verwundete Soldaten erzählen ein Stückchen, das sich den zahlreichen sonstigen Berichten von der Tapferkeit und Kaltblütigkeit unserer westsälischen Krieger würdig anreiht. Das Gesecht war heiß und heftig. Die Unseren kämpften gegen einen an Zahl überlegenen Gegner. Die Kleinkalibrigen und Schrapnells pisen nur so raume Zeit hatten West alens Söhne schon im Schützengraben gelegen und in unerschütterter Ruhe ihr tödliches Blei in die Reihen der Fransosen esandt, Plöszlich iggterte einer der Branen ohne das Befehl zum Vorgehen gegeben aur, seebenruhig aus der Deckung hervor und marschierte ungeachtet der Warnungsrufe seiner Kameradeen etwa achtzig Meter vorwärts. Der Kugelregen, der ihn verstärkt umprasselte, kümmerte ihn nicht. Gelassen nahm er die Knarre und hielt mit vorsichtigem Zielen drauf. Die Mannschaft glaubte schon, der Mann habe im Getümmel der Schlacht seinen Verstand eingebüßt. Die Vermutung erwies sich aber bald als salsch. Nachdem unser Westfale eine Anzahl Schüsse abgesseuert hatte, kehrte er gemütsruhig in den Schützengraben zurück. Vom besehlshabenden Offizier wegen seines sonderbaren Gebahrens zur Rede gestellt, erklärte er:„Ich hatte mir da so einen Musjö aufs Korn genommen und konnte ihn beim besten Willen nicht treffen. Da dachte ich mür, du mußt en bißchen näher'ran. Na, und nu hab ichn denn auch richtig runtergepfeffert!“ Aufräumung des Schlachtfeldes. Der Krieg in Wort und Bild Unsere Neuerscheinung, reich illustriert, Zweifarbendruck, bringt nur Originalphotographien, Kriegs-Berichte, Feldpost-Briefe, Stimmungs-Bilder, Kriegspoesie und Satyren unserer im Felde weilenden Berichterstatter. Elegante Ausstattung. 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Nur bei Max Mehlhose, Medi zinal-Drogerie, Ostenstrasse. 6043 In diesen Tagen blutiger, wenn schon siegreicher und glorreicher Schlachten und Gefechte denken so Viele im deutschen Volke mit bangen Zweifeln darüber nach, wie es wohl nach dem jeweiligen Kampf dort aussieht, wo das blutige Ringen stattgefunden hat. Wie mag es den armen Verwundeten ergehen, die dort liegen geblieben sind? Wer sorgt für die Bestattung der für ihr Vaterland auf beiden Seiten Gefallenen? Wer sieht nach den armen verwundeten Tieren, die sonst dort in Qualen verenden müssen? Wie steht es mit der Habe der Gefallenen und schwer verwundeten Leute? Man möge sich beruhigen. Was irgendwie nach Menschenermessen geschehen kann, geschieht. Wie geschieht es? Absuchen des Kampffeldes: Zunächst ist nach dem Gefecht jeder Truppenteil verpflichtet, das Kampffeld in seiner Nähe nach Verwandeten und Gefallenen, wie auch nach plünderndem und mordendem Gesindel abzusuchen. Besondere Sorgfalt ist in der Nacht auf Durchführung dieser Maßnahmen zu verwenden. Die nachfolgenden Abteilungen werden bei fortschreitendem Gefecht dasselbe auf den Strecken tun, über die der Kampf gegangen ist. Aber es hätte dieser strikten Vorschrift kaum bedurft. Auch unsere ermüdetsten Leute denken an die, die mir ihnen gesochten haben, und eine gleiche Wut Prima trockene 0 per Sack Mr. 5.50 L. Weinberg. beherrscht sie alle gegen die Hyänen des Schlachtfeldes. Marschfähige Verwundete werden sich selber der Truppe wieder angeschlossen oder nach dem nächsten Verbandsplatz begeben haben. Sie erhalten einen einfachen Schutzverband und begeben sich dann nach dem nächsten Sammelplatz für Leichtverwundete von wo sie nach dem nächsten Etappenort in Marsch kgesetzt werden. Die übrigen Verwundeten sind vom Truppenverbandsplatz, nach dem sie zunächst geschafft wurden, tunlichst unmittelbar in die Feldlazarette abzuliefern. Müssen sie aber zunächst auf dem Verbandsplatz verbleiben, so sind sie unter Verwendung von Zelten aus der tragbaren Zeltausrüstung von Schutzdächern, Windschitmen, Strohdecken usw. geschützt zu lagern. Das notwendige Personal bleibt bei ihnen zurück. Die Sorge für die Lebenden verlangt eine schnelle Beezdigung der Gefallenen. Man braucht sich eestimm. nicht der irrigen Vorstellung hinzugeben, es könnten noch Lebende zu den Toten Der Tod muß bei jedem einzelnen völlig ein wandsrei festgestellt worden sein, ehe seine Mitbeerdigung gestattet wird. Den zum Aufräumen des Schlachtfeldes bestimmten Kommandos sind stets Sanitätsoffiziere, möglichst auch weiteres Sanitätspersonal beizugeben.— Die Gräber sind so anzuordnen, daß von ihnen aus eine Verschlechterung des Wassers und der Luft nicht eintreten kann. Nach beendeter Aufräumung des Kampffeldes ist durch ein besonderes Kommando unter einem älteren Offizier, dem ein Sanitätsoffizier beizugeben ist, genau nachzuprüfen, o# alles, was notwendig, geschehen ist. Auch für die Tiere wird in entsprechender Weise beim Aufräumen des Schlachtfeldes gesorgt. Solche mit heilbaren Verletzungen werden verbunden und nach dem nächsten Etappenort geschafft, falls sie nicht bei der Truppe verbleiben können. Zu schwer Verletzte erhalten den Gnadenschuß. Auch unsere Tierfreunde können sich also beruhigen Unsere Mannschaften da draußen haben auch für ihre treuen Tiere ein weiches Herz, und es wird ihren Leiden ein schonendes Ende bereitet, wenn ihnen sonst nicht mehr zu helfen ist. Die Festellung der Gefallenen wird durch die Erkennungsmarken erreicht, die den Verwundeten natürlich zu belassen sind. Briefe, Wertsachen, sonstige Habseligkeiten von Gefallenen, Sterbenden, bewußrlosen Verwundeten und von Schwerverwundeten, die es wünschen sollten, werden von den Zahlmeistern in Verwahrung genommen. Kirche und Schule. Der Erzbischof von Gnesen und Posen. Wie der Staatsanzeiger meldet, ist unter Zustimmung der Königlichen Staatsregierung der bisherige Kapitularvikar der Erzdiözese Posen, Domkechant und Weihbischof Dr. Eduard Likowski, zum Erzbischof von Gnesen und Posen durch den Papst ernannt worden. Der Kaiser hat mittels Allerhöchster Urkunde vom 8. September dieses Jahres dem Erzbischof Dr. Likowski die nachgesuchte landesherrliche Anerkennung als Erzbischof am 16. d. M. durch den Minister der geistlichen Angelegenheiten aushändigen lassen, nachdem der Erzbischof den durch die Verordnung vom 13. Jebruar 1887 vorgeschriebenen Eid geleistet hat. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in SchwertPreis 50 Pfg. vorrätig in der Buchbändlung CARE BRAUS SCHWERTE(RUHR), Gr. Marktstr. 3—5. in Flaschen und ausgewogen empfiehlt Caht Frog Repardtat an Regenschirmen in eigener Werkstatt auch an solchen, welche nicht bei mir gekauft sind prompt und billig. Auf jede Reparatur kann gewartet werden. Bernhard Feit Hüsingstrasse 23. 545 Fernruf 212 Makulaturpapier empfiehlt billigst Carl Braus, Schwerte(Nuyr) 1 2 * 8 SeaSS S•E * * 9S• 95 S F 5 E SSSCGggwse. STGSRASaTTE ∆ 8 5 * P GSSS a.* GERRS n S S 9 2 S SJy SSSRn a 7•.* * 8 S 5 2 4 * 8 G 8 S.— 50 GEnE 8m 9—. 2 890-— S 1— "8SSG2 B 13o#c. S 2: SpSEe S•859 * 8 ** G. 220 62 # 3 2 D 2 B esr" ## 552 2 S 8932 a. 99## c 8. O. Fes S Neben den Komponisten sind es besonders die Schriftsteller und die Professoren, die sich mit überraschenden Beiträgen am Album der Zer reuten beteiligen. Eine kostbare Spende bietet der Schriftsteiler Thümmel(1738—1812). Erschöpft von der Hitze bei einem Spaziergange, kehrt er unterwegs in eine Mühle ein, die einst sein Eigentum gewesen, doch schon vor zwanzig Ja ren von ihm verkauft worden war. Er bat um ein Glasilch und erkundigte sich dann nach der Einrichtung der Mühle, worüber er die gewünschte Aufklärung erhielt. Endlich sing er an. allerlei Warnungen und gute Lehren wegen des Gebrauches des Mühlenraeds und der Geräte zu erteilen, und zwar in einem so auffallend strengen Tone, daß der Besitzer solches Gebahren sehr sonderbar und ungehörig fand, bis es sich herausstellte, daß Thümmel sich noch für den Besitzer seines Grundstückes und den gegenwärtigen Eigentümer für seinen Pächter hielt. Von dem Sprachforscher Professor Schleicher in Jena erzählt man sich folgendes: Eines Tages erschien derselbe im Kolleg nicht wie gewöhnlich in seinem grauen, bis an den Hals zugeknöpften Anzug, sondern im schwarzen, offenen Oberrock; als er aber seine Hefte aus der Tasche ziehen wollte, waren sie nicht darin. Er entschuldigte sich, bittet einen Augenblick zu warten, er werde in zehn Minuten wieder da sein und eilt weg. Zu Hause angekommen, nimmt er zunächst die Hefte aus der Tasche des grauen Rockes und steckt sie in den schwarzen. Dann aber denkt er: Du kannst auch die Röcke wechseln. Gedacht, getan! Er zieht den grauen Rock an, läßt aber die Hefte in dem schwarzen stecken. So erscheint er zum zweiten Male im Kolleg, bemerkt hier mit großer Bestürzung seine Zerstreutheit und entläßt dann, nachdem er den tragikomischen Hergang erzählt hat, seine Zuhörer bis zum folgenden Tage.„ Aus der Reihe der Sänger war Laviache vurch seine Zerstreutheit berühmt. Bei seinem Aufenthalt in Neapel wurde er oft zum Könige gerufen. Als dies auch eines Tages wieder der Fall war, eilte er in den Palast, unterhielt sich im Vorzimmer mit den anwesenden Hofleuten, die er bat, seinen Hut aufbehalten zu dürfen, da er am Schnupfen leide. Plötzlich rief der diensttuende Kammerherr!„Seine Majestät befehlen die Gegenwart des Signor Lablache." Der Sänger eilte, dem Rufe nachzukommen, und da er ganz vergessen hatte, daß er seinen Hut aufbehalten, griff er in der Eile nach einem anderen und trat in das Kabinett des Königs. Dieser empfing ihn mit lautem Gelächter, was Lablache einigermaßen in Verwirrung brachte; doch faßte er sich bald wieder und fragte den König ehrerbietig, wodurch seine Heiterkeit erregt worden sei.„Mein lieber Lablache,“ sagte der König,„geben Sie mir doch eine Erklärung darüber, welcher von den beiden Hüten der ihrige ist, der, den Sie in der Hand oder derjenige, den Sie auf dem Kopfe haben, oder gehören beide Ihnen?" Jetzt erinnerte sich Lablache, daß er seinen Hut aufbehalten, und sein Haupt entblößend, sprach er zum König:„Verzeihung, Majestät! Zwei Hüte sind in der Tat für einen Mann zuviel, der keinen Kopf hat!“ Aus der Reihe der Dichter möge zum Schluß noch La Fontaine einen Beitrag liefern. Er speiste eines Tages mit Boileau, Molière und zwei oder drei anderen Freunden und behauptete gegen Molière, daß das Bei=Seite=Reden auf dem Theater ganz widersinnig sei.„Ist es möglich,“ sagte er, „daß man in den entferntesten Logen versteht, was der Schauspieler sagt, und daß der es nicht hört, der dicht bei ihm steht?“ Bald darauf überließ er sich seinen Gedanken und hatte für seine Umgebung weder Auge noch Ohr.„Man muß gestehen,“ sagte Boileau ganz laut,„La Fontaine ist ein großer Schalk,“ und er fuhr in diesem Tone fort, ohne daß La Fontaine in seinem wachen Schlummer etwas merkte. Alles lachte. Endlich weckte man La Fontaine aus seinen Träumereien und machte ihn aufmerksam, daß er am wenigsten das Bei=Seite=Reden verwerfen dürfe, weil er in der ganzen Gesellschaft allein nichts von dem gehört, was man so nahe bei ihm und zu ihm gesprochen habe. Datteln und ähnlichen Früchten gefüllt ist. Nachdem die Frauen diese Brühe etwa viermal genossen haben, verzehren sie noch ein ganzes Huhn, worauf sie das Bad verlassen und nun mit wohlriechendem Ol eingerieben werden. Vor dem Zubettgehen genießt die holde Weiblichkeit noch einige Myrobolanen, eine pflaumenähnliche getrocknete Frucht, andere Frauen nehmen auch wohl einen aus Gummitragant und Zuckerkand bereiteten Trank zu sich. Ob es nun das Bad ist, das die ägypiischen Frauen fett macht, oder die Hühnerbrühe oder der Zuckerkand, ist schwer zu entscheiden, Tatsache ist aber, daß sie durch diese ganze Methode die gewünschte Rundlichkeit erlangen. Wie eine Frau sein soll und wie sie nicht sein soll. Eine Musterfrau soll dreierlei Dingen ähnlich und soll ihnen auch nicht ähnlich sein. Erstens: sie soll sein wie die Schnecke und fest an ihrem Haus und Heim hangen— und doch auch nicht wie die Schnecke und sich all ihr Hab und Gut auf den Rücken hängen. Zweitens: sie soll sein wie das Echo und stets antworten, wenn zu ihr gesprochen wird,— und auch nicht wie Zeit anzeigen so laut reden, daß die ganze Stadt sie hören kann. Die Welt der Frau. Das Bad der ägyptischen Frau. Die ägyptischen Frauen baden sich, um einen gewissen Grad von Wohlbeleibtheit, auf die im Lande der Pharaonen viel gegeven wird, zu erlangen, täglich mehreremale in lauwarmem Wasser. In diesem Bade essen und trinken sie. Während dieser Zeit genießen sie alle halbe Stunden etwas von der Brühe eines Huhns, das mit süßen Mandeln, Haselnüssen, Unsere Hausmittel. Hautflecke. Gegen rote Flecken auf dem Gesicht und den Händen wendet man alkoholische Lösungen von Salz=, Salpeter= oder Salizylsäure an. Mit einem Haarpinsel trägt man eine Mischung von 2 bis 5 Teilen Salzsäure, 25 Weingeist, 25 Rosenwasser und 5 Gummiarabikum=Lösung auf die roten Stellen auf. Nach kurzer Zeit wischt man die Flüssigkeit leicht ab, so daß nur noch eine dünne Schicht auf den bestrichenen Stellen bleibt. Die Haut rötet sich anfangs noch mehr, blaßt dann aber rasch ab. Furunkeln. Gegen Furunkel wird neuerdings mit gutem Erfolge Bierhese angewandt, von der man 3—4 Teelöffel voll den Tag nimmt. Hexenschuß. Warme Bäder oder warme Abwaschungen mit Seife und nach flüchtigem Abtrocknen(damit die Haut noch weich, warm und feucht) sofortiges Einreiben mit Ichthyol oder alkohol=ätherischer Ichthyollösung und Bedecken mit Watte, Flanell oder Wolle. Waschungen mit warmem Wasser und Ichthyolseife. Wenn sie entzündet, Umschläge mit Bleiwasser. Küche fremder Völker. Schwedischer Kaffeepudding. 160 Gramm abgerindete, fein geschnittene Semmeln werden mit ¼ Liter schwarzem, sehr starkem Kaffee erweicht und hierauf durch ein Sieb passiert. 160 Gramm abgetriebene Butter wird mit 160 Gramm fein gestoßenem Zucker und 6 Eidottern nach und nach verrührt. 140 Gramm mit den Schalen sein gestoßene und hierauf passierte Mandeln werden mit den oben erwähnten Semmeln dazu gegeben, gut vermengt und zuletzt der Schnee von 6 Eiweiß leicht eingemischt. Dieses füllt man in eine mit Butter bestrichene, mit Mehl ausgestreute Form und läßt es zugedeckt ¼ Stunden im Dunst kochen, worauf man es in eine Schüssel stürzt und mit Sahne oder Creme zu Tisch gibt. Dänischer Hummersalat. Schöne, gelbe Salatblätter tut man in eine Salatschüssel, darüber streut man in Würfel geschnittenen Hummer, in Scheiben geschnittene hartgekochte Eier, sein gehackte Zwiebel und Petersilie und übergießt den Salat mit einer auf folgende Art zubereiteten Sauce: drei Teelöffel voll gutes Olivenöl rührt man in einem Teelöffel Weinessig, einem halben Teelöffel voll Salz, ebensoviel Zucker und einer Prise weißen Peffer zusammen und fügt zuletzt noch etwas Estragonessig und einen Teelöffel voll WorcesterSauce dazu. Spanischer Reis. Man schält etwa 16 Stück kleine sastige Apfel, sticht das Kernhaus heraus und dämpst sie mit etwas Weißwein und Zucker; nach dem Erkalten setzt man sie nebeneinander in eine Porzellanschüssel oder Backform, füllt sie mit Eingemachtem und legt eine Schicht von etwa 150 Gramm Reis darüber, den man in Weißwein, Zucker und Zimmet dick aufgequellt hat. Dann schlägt man steifen Schnee von 4 Eiweißen, vermengt denselben mit 100 Gramm Zucker und 125 Gramm gehacten Mandeln nebst 2 Eßlössel voll Rum, streicht den Schnee über den Reis und bäckt ihn eine halbe Stunde lang bei mäßiger Hitze, indem man die Schüssel auf ein mit Sand bestreutes Blech stellt. Fa-e M Wrgr für den Kreis bä#ge 0#sazs Ss#se## R: e Unterhaltungs=Beilüge zu Nr. 220 Samstag 19. September#214 Der Nachdruck des aesamten Inhalts dieser Beilage ist untersagt.— Wehe dem, der zu sterben geht Und keinem Liebe geschenkt hat, Dem Becher, der zu Scherben geht, Und keinen Durst gen getränkt hat.7 Graf Kwelerath und seine Söhne. Roman von Horst Bodemer. (19. Fortsetzung.) Da lachte der Graf bitter auf.„Der und Herzensnot! Über Leichen geht der, wenn's ihm Spaß macht, und wenn er der verrückten Komtesse den Kopf verdreht hat, wird er jedenfalls diesen Herrn von Kralenihin damit haben ärgern wollen, weiter wird an der Geschichte nichts dran sein!" „Cgon, so etwas darfst du nicht einmal im Traume ven en„„ ∆ Emaem Luns ich nachaer „Aber im Wachen: Den Jungen tenne ich nüchgerabe zur Genüge!— Also du willst mitkommen?“ „Auf jeden Fall, Egon,“ erwiderte die Gräfin bestimmt. Er nimmt ein Telegrammformular zur Hand und schreibt, nachdem er im Kursbuche nachgesehen: Stephanie und ich, morgen acht Uhr abends Neustädter Bahnhof. Bestelle Taß zu Dir. Egon. 31. Gerda Mollnitz hatte am nächsten Morgen mit Bruder und Schwägerin eine heftige Aussprache. „Ich bin mündig, kann tun und lassen, was ich will!“ Der Graf brauste auf.„Du wohnst unter meinem Dache und hast Rücksichten zu nehmen!“ „Auch wenn es mein Lebensglück gilt?“.... Da lacht der Graf höhnisch auf.„Suchst du das wirklich an der Seite dieses jungen Fanten?" „Erich, sprich vom Grafen Kwelerath mit mehr Achtung, er ist klüger wie Ihr alle zusammen!".... „Ansichtssache, liebe Gerda, jedenfalls halt eine Komtesse Mollnitz ihr gegebenes Wort!“ „Oder wird todunglücklich an der Seite dieses jungen Menschen.“ rief die Gräsin dazwischen. „Behauptungen. die Ihr nicht beweisen könnt!“ „Vielleicht doch!“ „Dann bitte,— ich warte darauf!“ „Sein kurzes Leben ist durchaus nicht einwandfrei gewesen, spare mir lieber nähere Erklärungen. Hätte ich seine Vergangenheit früher gekannt, mein Haus wäre ihm verschlossen geblieben!" „Tatsachen will ich hören,— Tatsachen!“ „Kwelerath war Saxo=Borusse, er zog es vor, das Korps zu verlassen, ehe man ihn dazu zwang!" „Das weiß ich längst, Erich, und Taß tat recht daran, ein Mann von Geist ist nicht dazu auf der Welt, sich zu betrinken und zu duellieren!" „Manche sagen, das sei seig!“ „Was— manche— sagen, ist mir herzlich einerlei!“ „Damit hat er sich eigentlich in unsern Kreisen unmöglich gemacht, auch mit seinen Eltern soll er auf sehr gespanntem Fuße leben!“ „Sehr betrübend, eine Versöhnung anzubahnen, wird mein nächstes Ziel sein... sampft, unmig... Die Gräfin erhob sich uno slump###e unwinig mit dem Fuße auf. Das haben wir für unsere Güte, Erich!“ wurde die blonde, schöne Gerda wütend. Hochaufgerichtet stand sie ihrer Schwägerin gegenüber, ihre schmalen, langen Hände ballen sich zu Fäusten.„..„ „Eure Güte nehme ich keinen Augenvl##l langer in Anspruch, ich verlasse noch heute das Haus!“„... 98r „Das dulde ich keinesfalls,“ fiel iyr der Bruder ins Wol## „Dann wird euch nur übrig bleiben, mir keine Hindernisse in den Weg zu legen!“ „Gerda, Kralenthin ist doch ein ganz anderer Mann wie dieser Graf Kwelerath!“„„„„„„„ Die Komtesse lachte ihre Schwagerin aus.„Gewiße Wenn du den Stammbaum eines Rennpserdes bis in di, fünfte Ahnenreihe verfolgen willst, so wirst du zweifellos di genaueste Auskunft von ihm erhalten!" Der Graf schrie sie an:„Man höhnt einen Mann nicht, den man einst geliebt!“ „Ich höhne nicht, Erich, ich zeige nur seinen Geist.“ „Daß er ein ganz vorzüglicher. pflichttreuer Offizier ist, tut nichts zur Sache,— nicht wahr?" Jett höhnst du!...u 95 g.N. im 8 „Fällt mir nicht im Traume ein: Ic steue nur Wert gegen Wert!" „Taß ist noch jung, bei seiner Begabung wird er an meiner Seite ein tüchtiger Mann werden!" „Gerda, ich wünsche nicht, daß in meinem Hause der Graf Kwelerath beim Vornamen genannt wird! In drei Wochen rücken wir zum Manöver aus, bis zu meiner Rückkehr fordere ich, daß jeder Verkehr mit dem jungen Grafen von deiner Seite eingestellt wird, das Weitere wird sich dann „Ich bin nicht in deiner Schuld, folglich darfst du nicht „Nein, Gerda, in meiner Schuld bist du nicht, denn daß ich die alleinstehende Schwester aufnahm, war meine Pflicht!“ Die Antwort war der Komtesse sehr peinlich, aber sie wollte auf keinen Fall Versprechungen machen, die sie doch nicht halten würde und deshalb sagte sie energisch:„Also. Erich, ich bitte dich, laß mich meine Wege gehen, hoffentlich süllt die Zukunft die Kluft aus, die jetzt zwischen uns gähnt, mein Wunsch ist es sicherlich! Aber“— ihre Stimme wurde lauter und fester,—„den Verkehr mit dem Grafen Kwelerath breche ich auf keinen Fall ab, ebenso wenig hat Kralenthin Aussichten, meinen Sinn zu ändern; ich bitte dich, es ihn wissen zu lassen. Sollte ich in Zukunft nach meinem Bräutigam gefragt werden, so weißt du, daß er Graf Taß Kwelerath heißt!“ Und ohne eine Antwort abzuwarten, verließ sie das „Stecke Gerda in eine Nervenheilanstalt, Erich, mit der Zeit wird sie wieder Raison annehmen!“ „Vergebene Liebesmüh', Therese, sie ist mündig und wird ihre eigenen Wege gehen, ich kenne sie zu gut!“ Die Gräfin rang verzweiselt die Hände.„O. diese Wanose“ „Mancher Schulten uppt um, meine letzte Hoffnung in Kveleraths Vater. Ob der allerdings viel auszurichten vermag, scheint mir zweifelhaft, weil Gerda ein beträchtliches Kapital zur Verfügung steht!“— Er sah nach der Uhr.— * 5 2 S0 S 92—s19s Ss S SSSiE S S 50 SEE HESETSESS ESSOTSESEES — F gFESOSSS S 58•89S•STSSSSSESE 11 E7— 9 u S 8 SSOETRES a TBESG 8880 S##s. ! ## ### SESESS S SHTREASAASOEESS E S5SSSBSESSSS E5 S• 9— Seg # S R 92 9 S 55S 22 5 8 „Ich muß schleunigst zum Dienst, mir ist's peinlich mit dem guten Kurt Kralenthin und vor allem mit diesem Kwelerath zusammen zu treffen, denn natürlich weiß heute schon der jüngste Gardist, was sich zugetragen!" Die Gräfin seufzte, er küßte sie auf die Stirn und verließ das Zimmer.—„„„5 2144 1 Kralenthin kommandierte:„Stillgesessen“, und ritt in abgekürztem Galopp seinem Eskadronschef entgegen, um ihm zu melden. Sein Gesicht war bleich, der dunkle, starke Schnurrbart und das schwarze Haar ließen es geisterhaft erscheinen. Nachdem er seine Meldung gemacht, schüttelte ihm Mollnitz die Hand. „Mosen, Schwadron!“„..„7 6uns „Guten Morgen, Herr Graf:“, niefen ihm uber hunvert Leblen enigezen...6 Jiu heisu. Erg h. Lehn Uhr morgens war es, ein heißer Tag. die Schwadron hatte den Austrag, einen Übungsritt von siebzig Kilometer in geschlossenem Verbande auszufügren, mit feldmarschmäßiger Bepackuna, eine Vorübung für das Manöver. An der Spitze, hundert Meter vor den anderen, ritt Mollnitz mit Kralenihin,„„„„.n I." auts Gerda will keine Vernunft annehmen, lieber Kurt!“ Der nagte nervös an der Unterlippe,„Zwingen können wir sie nicht; weil ich sie liebe, tut sie mir unsagbar leid, denn auf die Dauer wird sie mit diesem blutjungen Kwelenuth auf keinen Fall glücklich!“...— S., keumst „Das haben wir ihr auch vorgesteut, aver du kennst doch ihren harten Kopf!“ Kralenthin seuizte. Ret r. Eixs enia ansrichte „Ich fürchte, auch sein Vater wird wenig ausrichten können. Exzellenz Prechtens Sympathien waren zweifellos auf unserer Seite!“... 16 menr 8. „Erich, reden wir offen miteinander, selost wenn der Riß geleimt würde, ein Riß blieb's immerhin!“„„„ „Zweisellos,— doch auch in der glücklichsten Ehe kommen Stunden, die uns nicht gefallen!“„.„g ig iume „Mag sein,— wir waren aber noch nicht einmal verheiratet!“ Der Graf zuckte die Achseln, sie ließen die Pferde in Schritt fallen, bis die Eskadron heran war. Vierzig Kilometer wurden abwechselnd im Schritt und Trab zurückgelegt, dann wurde auf einer Wiese in Zügen eingeschwenkt, abgeseisen, die Gurte gelockert und nachgesehen, ob Pferde gedrückt worden waren. Eine halbstündige Rast schloß sich an. Taß trat auf seinen Eskadronschef zu.„Ich bitte Herrn Grafen um Urlaub bis heute nacht zwei Uhr!“ „Warum?“ Sehr barsch fragte Mollnitz. „Exzellenz von Prechten hat mir mitgeteilt, daß meine Ellern heute abend kommen!“" m Limank Der Graf ging mit Taß abseits.„Den Nachiuriauo bewillige ich Ihnen, empfehlen Sie mich Ihren Eltern und sagen Sie, ich ließe bitten, morgen mittag meine Aufwartung machen zu dürfen!" *„Zu Befehl, Herr Graf!“ „Morgen früh um sieben, vor dem Dienst, werden Sie mir Meldung machen, ob ich die Ihren antreffen werde!" „Wachtmeister, der Einjährige Graf Kwelerath erhält heute Nachtzeichen bis zwei Uhr!“ Prechten empfing Kweleraths auf dem Bahnhofe. „Tag auch, Wussow, da hat der Junge uns allen wieder mal'ne schöne Suppe eingebrockt!“ Stephanie sah sehr elend und abgespannt aus, Prechten versuchte sie zu trösten.„Gnädigste Gräfin, es wird nichts so heiß gegessen als es gekocht wird, wir werden die Geschichte schon einrenken!" „Ich möchte wohl, die nächsten vierundzwanzig Stunden wären erst vorüber!“ Prechten lachte und machte einen schlechten Witz.„Vierundzwanzig Stunden sind nicht mehr wie ein Tag!“ Kwelerath wollte seiner Frau nicht zeigen, wie mißgestimmt er war, er gab seinem Freunde einen gelinden Rippenstoß. „Einfaltspinsel!" „Und der Taß?“, fragte die Gräfin,„ist der nicht hier?“ „Ich habe ihn auf halbzehn Uhr zu mir bestellt, wir können erst in Ruhe zusammen reden, natürlich wohnen Sie in der Gesandtschaft!" „Schön und gut, Wussow, diesen Grafen Mollnitz möchte ich aber auch sprechen!“ habt um „Dazu ist morgen Zeit, Egon, Dresden dreht man nicht so schnell den Rücken!" Der Graf brummte etwas von der Ernte. In Prechtens Equipage suhr man zur Gesandtschaft.„Nun leg' aber gleich los, Wussow, wir haben doch keine Ruhe, und in einer Stunde kommt der Taß!" „Mehr als ich geschrieben, weiß ich selbst nicht!“ „Die Komtesse Mollnitz ist wirklich eine Schönheit, Herr von Prechten?“ Der Graf runzelte die Stirn. Womöglich verdarb ihm Stephanie seinen ganzen Kriegsplan. „Sichetlich!“ Egon, ich meine—“.„„ 4448 16. „Ach was,“ unterbrach er seine Frau heitig.„ihr immer gleich Entschuldigungen zur Hand, wenn sich's eine hübsche Larve handelt!" Prechten hielt einen Augenblick den Atem an, so heftig war doch sonst Egon nicht gewesen! Die Gräfin erriet seine Gedanken, sie sagte:„Mein Mann ist in der letzten Zeit schrecklich nervös geworden!" „Ist das vielleicht ein Wundnr, Wussow? Mit dem Jungen kann man sich ja die Schwindsucht an den Hals ärgern!“ Prechten dachte im stillen:„Viel eher rührte dich der Schlag, denn dein Gesicht ist hochrot!“„Unannehmlichkeiten tritt man mit Ruhe und Fassung entgegen, sonst verschlimmert man die Sache!“ 4nde mi, „Hast gut reden! Ich plage und schinde mich von früh bis abends rum, was nützt das alles, zufrieden werde ich doch nicht!“ „Egon, sei nicht undankbar!“ „Höre bloß auf, ich kenne nachgerade deiner Weisheit letzten Schluß: Sträube dich nicht gegen Taß' Verbindung, eine Frau kann ihn auf den rechten Weg führen. Erstens ist der Junge noch nicht einmal trocken hinter den Ohren, und zweitens muß das ein ganz verrücktes Frauenzimmer sein, die einen grünen, ungeratenen Bengel zum Manne haben will!“ Stephanie warf Prechten einen ganz verzweiselten Blick zu.„Rede dich nicht in Wut, Egon! Ich rate dir, sprich zum Herzen deines Sohnes!" Da lacht der Eraf gequält auf. „Taß und— Herz!“ „Na, die meisten Menschen haben doch ihre Sturmund Drangperiode! über die führt man sie mit Ruhe, Entschiedenheit und— einer Portion Nachsicht!" „Wussow, das glaubst du selbst nicht!“ „Hab' ich dich jemass belogen? Ich denke, du hast doch sonst meiner Welterfahrung vertraut, also wozu die bösen Reden?“ Die Gräsin wurde rot, sie wußte wohl, was Prechten meinte. Kwelerath beruhigte sich.„Was soll ich also deiner Ansicht nach tun? „Vor allen Dingen Taß anhören, nicht aufbrausen, Egon, Druck erzeugt Gegendruck, wir werden sehen, was zu erreichen in!“ „Was für eine Rolle spiele ich da meinem Jungen gegenüber?“ „Eine vernünftige, Egon!“ Da meldete auch schon der Diener den Grasen Tassilo Kwelerath! 32. Der Valer fuhr von seinem Sitze auf. Stephanie legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter, Prechten stand mit verschränkten Armen am Kamin, als Taß in der kleidsamen, kornblumenblauen Uniform der Gardereiter, den Helm in der Hand. eintrat. „Küß' deiner Mutter die Hand und sieh ihr graues Haar an, dein Verdienst, Taß!“ In dessen Gesicht zuckte keine Muskel, er beugle sich über die Hand seiner Mutter, die ihn dann in ihre Arme schloß. Schwer ließ sich der Vater in einen Stuhl fallen, Prechten begrüßte Taß nur mit einer stummen, förmlichen Verbeugung. „Wir wollen keine langen Redereien machen, mein Junge. also wie stehst du mit der Komtesse Mollnitz?“ „Wir sind verlobt, Papa, und werden uns heiraten!“ Seyr bestimmt sagte er es. „8o—0?— Und deine Eltern haben dir grünem Bengel gar nichts mehr zu sagen,“ brauste der Vater auf. ucuur sobigpuusch W u M s 0 — 9•5 *** EM SE50 Sg8 3 Der Mutter Blick hinz fortgesetzt an ihrem hübschen, schlanken Sohne, auf dessen Gesicht trotzige Energie zu lesen war. Ruhig erwiderte Taß:„Gerda wie ich hatten allerdings die Absicht, nachdem die schlimmsten Hindernisse aus dem Weg geräumt sein würden, euch um euren Segen zu bitten! Virläufig sind wir noch nicht so weit!“ „Ist doch wenigstens etwas,“ brummte der Graf grimmig, „daß du dich deiner Eltern erinnern willst, wenn sie dir die Quittung für deine Handlungsweise ausstellen sollen!“ „Papa, solche Kämpfe sicht man, bis die Entscheidung gefallen, allein aus, beim Friedensschluß wird uns eure Vermittlung allerdings von grobem Werte sein!" „Mir scheint, du nimmst unser Einverständnis zu deiner— Verlobung als gegebene Tatsache hin!" „Ich wüßte saktisch nicht, was Dhr gegen meine Wahl einzuwenden hättet!“ „Vorläufig weiter nichts, als daß du erst zwanzig Jahre alt und ein Taugenichts bist!“ „Alter werde ich mit jedem Tage und, Papa, offen gestanden, ich sehne mich nach einem Beruf. gern würde ich dir in der Verwaltung der Güter helfen!" Da lacht der Graf höhnisch auf.„Mit dieser Arbeit werde ich, Gott sei Dank. noch allein fertig!— Natürlich, du willst dich hinsetzen, einen guten Tag leben, kommandieren und hast noch nicht einmal gehorchen gelernt!“ „So kommen wir nicht weiter, Papa! Ihr wißt nun um meinen Kampf ohne mein Zutun, sagt mir lieber, ob Ihr für oder wider mich streitet!" „Die Auseinandersetzung nach meinem Belieben zu führen, wirst du deinem Vater überlassen müssen!" „Dir schaden die Erregungen, mir nützen sie nichts,“ erwiderte Taß kühl. Die Gräfin sah ihren Sohn mißbilligend an und schüttelte den Kopf. Kweleraths Hände krampften sich zusammen, am liebsten wäre er seinem Kinde an die Kehle gesprungen.„Ich habe dir nichts weiter zu sagen, morgen um zwölf werde ich den Grafen Mollnitz aufsuchen und nun kannst du gehen!" „Egon,— noch ein Wort!“ Taß hatte sich umgewendet, er blieb stehen und sah seine Mutter an. „Du wünschst, liebe Stephanie?“ Ich möchte mein Kind noch unter vier Augen sprechen!“ Der Graf runzelte die Stirn und sah Prechten an; der schritt auf eine Tür zu und öffnete sie. „Aber nicht zu lange, Stephanie, meine Ansichten kennst du!" „Komm, Taß!“ Im Nebenzimmer nahm die Gräfin den Kopf ihres Sohnes in ihre beiden schmalen Hände und sah ihm tief in die Augen. „Du hast uns viel Kummer gemacht, Taß, eine Mutter verzeiht gern, wenn sie an Besserung glauben kann, sag mir ehrlich, liebst du die Komtesse Mollnitz wirklich von ganzem Herzen?“ „Ja, Mama, ich lüge nicht!“ „Du bist klug, Taß, kannst trotz deiner Jugend die Folgen übersehen, hast du die Überzeugung, daß Ihr glücklich zusammen werdet?" „Die habe ich!“ Er zog Gerdas Bild aus der Brusttasche und gab es seiner Mutter. „So schön ist sie?! „Noch viel schöner, denn sie ist klug und energisch, Mama!“ Ein Lächeln spielte um den Mund der Gräsin.„Taß, lieber Taß, wenn sie dich auf rechte Bahnen führen könnte!" Der sah seinen Vorteil und nutzte ihn aus. „Lerne sie kennen, Mama, und bestimme Papa, daß er uns in Krusemark wohnen läßt, er soll an mir einen tüchtigen, pflichttreuen Gehilfen haben, denn ich will gut machen, mein fester Vorsatz in's. Auch Gerda hat das Großstadtleben satt!" Da saßt die Gräfin mit beiden Händen nach ihrem Kopfe. „Taß, wenn ich dir glauben könnte!“ Er wagt den letzten Sturm und fällt seiner Mutter um den Hals.„Mami, glaube mir nur dies einzige Mal,— um meiner Liebe willen!" Er war Sieger geblieben!— Während dieser Zeit sagte Kwelerath zu Prechten: „Was meinst du zu der ganzen Geschichte?“ „Taß hat mir noch nie so wenig gefallen, wie heute Abend!“ „Als Vater würdest du deine Einwilligung keinesfalls geben?“ „Egon, dir armen Kerl wird nichts anderes übrig bleiben, als Ja und Amen zu sagen. Ihr werdet unglücklich werden und die Komtesse erst recht!" „Zum Kuckuck, so wird eben nichts aus der Partie!“ Prechten zuckte die Achseln.„Es gibt Momente im Leben, in denen die Stärksten machtlos sind!“ „Du meinst, sie heirateten sich auch ohne unsern Segen?“ „Allerdings! Morgen wirst du ja die Komtesse Mollnitz kennen lernen, dann erinnere dich meiner Worte!" Als Stephanie zurückkehrte, Taß hatte durch eine Tür des Nebenzimmers den Ausgang erreicht, wetterte Kwelerath gerade. Da wurde sein Weib energisch.„Egon, ich werde dich morgen begleiten!"(Fortsetzung folgt.) Die Verstreufen. Plauderei von Guido Warren. In unserer hastenden Zeit, die fast die Hälfte aller zivilisierten Menschen nervös macht, nimmt die Zerstreutheit mehr und mehr zu und dennoch ist gerade die Zerstreutheit keine Krankheit unserer Tage. Alle Zeitalter wissen von großen Zerstreuten zu berichten. Namentlich die Komponisten liefern für ein Album der Zerstreuten die köstlichsten Beiträge. Mit einer Komposition oder der Aufführung eines seiner Musikwerke beschäftigt, konnte z. B. Beethoven alles um sich her vergessen. In einem Falle ging seine Zerstreutheit so weit, daß er bei einem Hofkonzert den Takt— auf dem Rücken des Kaisers Joseph schiug! Der Kaiser ließ es sich geduldig gefallen und sagte später lächelnd:„Das ist das einzige Mal gewesen, daß ich von einem meiner Unterlanen Schläge bekommen habe.“ Einer der zerstreutesten Menschen war der Opernkomponist Benda(1722—1795). Man erzählt von ihm eine Menge Anekdoten. In einer Gesellschaft setzte er sich einst allein an ein Fenster und ergriff mechanisch einen bedruckten Bogen Papier. Er liest eine Weile. „Brav! Das ist recht," beginnt er plötzlich. „Was haben Sie denn da?“ fragt jemand. „Ein Zeitungsblatt.“ „Und was gefällt Ihnen denn so sehr?“ „Die schwarzen Husaren! Die braven Burschen jagen wieder alles im Reiche vor sich her.“ Alles ist erstaunt und untersucht schließlich das Blatt und findet ein altes Blatt. in dem eine Schilderung aus den Zeiten des Siebenjährigen Krieges war. Auf einem Maskenball fühlte sich Benda durch die Masse beengt und nahm sie ab. Bald stößt er auf einen seiner Bekannten, der ihn grüßt, indem er seinen Namen nennt. Benda aber, der bereits vergessen, daß er sich demasliert hat, antwortet mit sorgfältig verstellter Stimme: Oh, weit gesehlt, mein Herr, Sie müssen besser raten.“ Als Benda seine Gattin, ohne deren Rat und Genehmigung er nicht zu tun pflegte, durch den Tod verloren hatte, rief er am Tage der Bestattung in das Familienzimmer hinetn:„Liebe Frau, ob nun alles zur Begräbnisfeier richtig besorgt ist?“ Sein bestes Stückchen lieferte der zerstreute Kapellmeister, als die Herzogin von Sachsen=Gotha ein neues Fortepiano bekommen hatte und ihn rufen ließ, um es zu probieren. Er spielte einige Minuten lang, sprang dann plötzlich auf und stellte sich in eine Ecke des Zimmers.„Was machen Sie denn?" fragte nach einer Weite die erstaunte Herzogin den Lauschenden.„Gnädigste Herzogin, ich wollte gern hören, wie sich das Instrument von ferne ausnimm, antwortete Benda. Etwas Ahnliches wird von Friedemann Bach erzählt, aus der Zeit, als er Organist in Halle war. Häufig schritt er. von seinen Wirtsleuten erinnert, daß es Zeit sei, zum Konzert zu gehen, zur einen Tür hinein und zur anderen hinaus, um zu Hause eine begonnene Komposition fortzusetzen. An einem Feiertage, als er ein großes Orgelkonzeit hatte, war er zeitiger als erforderlich gegangen und hatte sich, den Schlüssel zur Orgel in der Tasche, in den Zuhörerraum gesetzt, um doit zu warten, bis die Zuhörer versammelt sein würden. Er bleibt aber, alles um sich vergessend, auch noch sitzen, als das Publikum versammelt ist. Man wundert sich und gibt durch Zeichen zu verstehen, daß es zum Beginn des Konzertes Zeit sei. Bach winkt ebenfalls mit und ruft schließlich:„Na, soll mich's doch wundern, wer heute die Orgel spielen wird.“ 2 8 Nachforschungen der Polizei gelang es nun, mehrere Spitzbuben abzusassen, als sie nachts bedeutende Mengen Kappus und Kartosseln in Säcken fortschleppten. *e Höchsten, 18. Sept.(Hühnerdieb.) Wegen eines Geflügeldiebstahls verurteilte die Dortmunder Straskammer den Bergmann Heinr. Butterweck von hier zu 1 Jahr 3 Monaten Gesängnis. —— Ueber die Verpflegung und Ausküstung eines Mitlionenheeres verössentlicht Ernst Hammer in der Zeitschrift Ueber Land und Meer“(in Nr. 48) einen Aufsatz, dem wir folgendes entnehmen. Die Kriegsverwaltung verjügt in ihren Intendanturen über ein geschultes Personal; jedes Armeekorps hat seinen Feldintendanten mit einem Stabe an Räten und Unterbeamten. Jsde Division versügt über eine Feldintendantur mit Unterpersonal. Eine Neihe von Lokalbeamten, vom Proviantmeister bis zum Depotausseher, ist gut eingearbeitet für Empfang, Ankauf, Lagerung und Ausgabe der Vorräte an die Truppen. In der Heimat leitet im großen die Zentralstelle beim stellvertretenden Kriegsministerium den Nachschub auf die Kriegsschauplätze, und den Truppen selbst stehen in erfahrenen Zahlmeistern und neuerdings auch in den Verpflegungsossizieren sorgende Beiräte zur Hand. An mechanischen Mitteln, die Verpflegung dem Heere zuzuführen, sehlt es nicht. Die Feldküchen, unmittelbar zur Gesechtsbagage der Truppen gehörig, bereiten ihnen warme Kost und Kafsee. Viel bequemer und zweckdienlicher ist diese fahrbare Truppenküche als der alte Kochkesselbetrieb aus den letzten siegreichen Feldzügen Deutschlands. Jetzt werden die Nahrungsmittel gründlich ausgenutzt und erquicken den müden Mann auf dem Marsche und nach dem Einrücken in Unterkunft oder Biwak. Damals empsing er dann erst seine Hand voll Reis und sein Stück zähes, frisches Fleisch, um, erschöpst von den Strapazen des Tages, es sich selbst zu bereiten. Oft genug slog de Lieserung über den Zaun. Lieber hungrig schhafen, als erst kochen! Den Feldküchen führen die„Lebensmittelwagen“ die Materialien zu. Sie vermitteln den Verkehr zwischen den Verpslegungskolonnen der Divisionen und den Feldmagazinen und fahren nach Entleerung sofort zurück zu neuem Empsang. Die Verpflegungskolonnen wieder, aus Proviant= und Fuhrparkkolonnen bestehend, füllen sich normalmäßig aus Etappenmagazinen und diese aus Verpflegungs= und Haserzügen, die aus rückwärtigen Verpflegungszeutren abgelassen werden. Um ein Bild von dem Massenverbrauch an Nahrungsmitteln zu geben, sollen einige Zahlen gegeben werden. Der Tagesbedarf für eine Armee von 200 000 Mann und 60000 Pferden der Verpflegungsstärke wiegt an Portionen 200 000 Kilogramm, an Hartsutter für Pserde 414 000 Kilogramm, zusammen 614000 Kilogramm, und enthält zum Beispiel das Fleisch von 400 Ochsen od. 3800 Hammeln und 15 000 Kilogramm Brot. Wir rechnen aber im jetzigen Kriege nicht mit Hunderttausenden von hungrigen Mägen, sondern mit Millionen. Die 200000 Mann stellen nur eine mittelstarke Armee dar, davon wir eine große Anzahl marschieren lassen. Zur Fortschaftung bedürsen jene 614 Tonnen nicht weniger als 10 Fuhrparkkolonnen, das sind 480 Parkwagen oder 100 leichte Armeelastzüge, bestehend aus Motorwagen mit Anhängern. Jedes Armeekorxs, auch in den nicht deutschen Heeren, hat zwei Feldbäckereikolonnen. Die unseren führen 12 fahrbare Backösen und können in 12 Stunden 23000 Brotportionen zu 1,5 Kilogramm herstellen. Mit diesen mechanischen Mitteln läßt sich der Nachschub meist rechtzeitig herstellen und an Ort und Stelle bringen. Wie man ein System von Einzelleistungen und Hilfsmitteln in den Dienst der Heeresverpflegung stellt, um den Soldaten körperlich leistungsfähig zu erhalten, so bedarf die Kriegführung weiter eines umsangreichen Apparates, demit der Kämpfer durch Ersatz seiner Munition kampffähig bleibt. In den Schlachten des mandschurischen Krieges wurden bis zu 400 Patronen für das Gewehr und 480 Schuß für das einzelne Geschütz versseuert. Das bedeutet eine enorme Stelgerung des Feuers gegen 1870/71. Damals haten wir einen Durschnittsverbrauch von 56 Patronen pro Cewehr. Der Höchstverbrauch belief sich auf 200 Patronen an einem Schlachttage. Ebenso stieg seitdem der Gebrauch an Geschossen der Artillerie. Bei Wörth wurden im Durchschnitt 40, bei Sedan 37 und bei St. Privat 3 Schuß aus dem eingelnen Geschütz der Feldartillerie verfeuert. Von der Nachfuhr an Munition hängt der operative Wert der Truppen ebensosehr ab wie von der regelmäßigen Feldverpflegung Wir besitzen für den Nachschub der Munition die Infanterie= und Artilleriemunitionskolonnen jedes Armeekorps und die Munitionswagen der Truppen selbst, die aus den Kolonnenwagen empfangen. Gerichtssaal. Schössengericht Schwerte. In der gestrigen Sitzung kamen folgende Strassachen zur Verhandlung: Wegen Uebertretung des Paragraphen 221 (Vexkohr mit Kraftjahrzeugen) wurde der Fabvikant Kn. aus Altena zu 3 Mark Geldstraßse verurteilt.— Ohne jeden Grund wurde in der Nacht zum 18. März der Bureaubeamte Karl S. von dem Bureaubeamten Max R. mißhandelt. Mit Rücksicht auf die Unbescholtenheit des Angeklagten ließ das Gericht Milde walten und verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu 75 Mark Geldstrase.— Am 18. Juni cr. benahm sich der Arbeiter Karl Sp. seinen Verwandten gegenüber in sehr unschöner Weise. Ohne jeden Grund beleisdiigte, bedrohte und mißhandelte er Schwester, Bruder und Schwägerin. Obwohl die Beleidigten die Anzeige erstattet, verweigerten sie heute sämtlich ihre Aussage. Da der Angeklagte ein etwa 25 mal vorbestrafter Mann war, verurteslte ihn das Gericht auf Grund seiner eigenen Angabimn wegen Hausriedensbruch und Sachbeschärigung zu 2 Monaten Gejängnis.— Weil der Arbeiter Phillipp G. aus Amnsberg nicht genügend für den Unterhalt seiner Kinder gesorgt hatte, rerurteilte ihn das Geischt zu 2 Wochen Haft.— Aus der Strasanstalt Werl vorgeführt wurde der Handlanger Frickusich B. aus Bochum, B. benahm sich am 5. Juni im hiesigen Gerlchtsgesägnis, als er Strashaft verbüßte, wie elm wildes Tier; er schlug das ganze Mobiliar der Zelle im Werte vom 40 bis 50 Mark entzwei, und beleidigte und bedrohte den Ausseher Lange. Der Bursche wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Gottesdienste. Evang. ref. Gemeinde. Sonntag 9½ Uhr: Pastor Terberger. Evang. luch. Gemeinde. Sonntag 8 Uhr: Pastor Nell. 9½ Uhr: Pastor Wischnath. 11 Uhr: Kindergottesdienst. Gemeinde Westhofen. Sonntag 9½ Uhr: Pastor Klinker. 10¾ Uhr: Kindergottestienst. Mittwoch: Kriegsandacht in Westhosen. Donnerstag: Kriegsandacht in Garenseld. Katholischer Gottesdienst. Sonntag, 20. Sept. 16. Sonntag nach Pingsten. 6.15 Uhr: Stille hl. Messe 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt. Gemeinsch. hl. Kommunion der Jünglings=Sodalität und der schulpflichtigen Kommunikanten(Knaben). 8¾ Uhr: Schulmesse mit Predigt. P. Sczimarovski. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Kaplan Nöseler. Nachm. 2,30 Uhr: Andacht. 11 8 Filiole Lichtendorf. 7,30 Uhr: Frühmesse mit Predigt. Gemeinsch. hl. Kommunion der Jünglinge und der schulpfflichtigen Kommunikanten(Knaben). 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 2 Uhr: Andacht zu den sieben Schwerzen. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 20. September: Heiter, Tags warm, Nachts kühl. 21. September: warm; kalte Nacht Nebel. 22.,23. September: Schön, heiter, angenehm; Nachts kalt. Nebel. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraso. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Während der bekannten Grosser Extra-Verkauf in Damen- u. Mädchen-Kofektion Grosse Posten Grosse Posten Grosse Posten Grosse Posten n bekannte Fahrivergülung bei Einkäufen von 20 Mark an. Suchenmeider marine-blau schwarz u. farb. Regulär früher teils bis 98.— Herabgesetzt auf: 35%50 19 501500 0 g senmän Regulär früher teils bis 44.50 Herabgesetzt auf: st stone. Tüll u. Seide marinebl., weiß schwarz u. farl, Regulär früber teils bis 22.50 Regulär früher teils bis 22.50 Hesu Herabgesetzt auf: 24519 3916501279 500 9 6 7550 2 S 1° 9gPE Herabgeseizt auf: 9•5 695 505 3%e 195 495 6029 Kinderkleider, Kinder- Palelots Germaniahillel zu bedeulend ermässigien Preisen. An der Ost- und Westgrenze ist der deutsche Boden von den Feinden gründlich gesäubert worden und der Friede ist im eigenen Lande gesichert. 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