tal den Kreis wörcn holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Verbunden mit: Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Tagesorgan des Kreises o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Aüe dater und dobalpaltgerüchen Beund. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Abonnenten für jeden mil Tod endenden Unfall gebagungen“: 300 Mk. Unfall. Drucku. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Ruhr Fernsp. 62. Telegr.= Adr. Braus Schwerte=Ruh## Nr. 216. Dienstag, den 15. September 1914. 46. Jahrgang Neue Erst ,, Ver Die Kriegsanleihe Der Aufruf zur Zeichnung auf die Kriegsanleihe, durch die ein Teil des vom Reichstag bewilligten. Kredites flüssig gemacht werden soll, ist nunmehr erschienen. Es gilt, dem Reiche die Mittel zur nachhaltigen Fortführung des nationalen Existenzkampfes zu verschassen und die dauernden Erfolge der beispiellosen Wa fentaten unserer Truppen sicher zu stellen. Unsere Feinde, namentlich England, rechnen damit, uns durch Abschneidung unseres Außenhandels wirtschaftlich und finanziell lahmlegen und so kampfunfählig machen zu können. Diese Erwartung muß gründlich enttäuscht werden. Bisher hat Deutschlands finanzielle Rüstung die Probe auss beste bestanden, und es ist ihm in höherem Maße als dem seindlichen Ausland gelungen, den Gang des Wirtschaftslebens und den Zahlungsverkehr aufrecht zu erhalten. Die Emission der Anleihe wird zeigen, daß Deutschlands Finanzkraft noch nicht erschlaft ist. Wir sind nach dem Stande unseres Volkswohlstandes in der Lage, aus den Ersparnissen, die von den Einzelnen zurückgehalten worden, oder in Bankguthaben und Sparkasseneinlagen aufgesammelt sind, Milliardenanleihen auszubringen. Pflicht jedes Deutschen und aller Vermögensverwaltungen, Stiftungen, Anstalten u. Korporationen ist es aber, in dieser opfervollen Zeit sich dem Staate nicht zu versagen, sondern nach Kräften ihre flüssigen oder flüssig zu machenden Mittel für die Kriegsanleihen zur Verfügung zu stellen. Hierbei wird erwartet werden können, daß Banken sich großzügig genug erweisen werden, die Entnahme der ihnen anvertrauten Gelder nach Möglichkeit durch Verzicht auf Kündigungsfristen zu erleichtern, da ihnen in der Beschaffung der zur Auszahlung nötigen Mittel die Kriegsdarlehnskassen helsend zur Seite stehen werden. Die Zeichnung auf die Kriegsanleihe stellt aber nicht nur die Ersüllung einer patriotischen Pflicht, sondern zugleich eine denkbar günstige Vermögansanlage dar. Zwei Anleihetypen stellt die Reichsregierung dem Kapitalisten zur Wahl Jeder von beiden hat seine besonderen Vorteille. Die 57igen Neichsschatzanweisungen werden zum Kurse von Großes Hauptquartier, 14. Sept. WTB. Im Westen fanden auf dem rechten Heeresflügel bisher unentschiedene Kämpfe statt. Ein von den Franzosen versuchter Durchbruch wurde siegreich zurückgeschlagen. Bei keiner Stelle ist eine Entscheidung gefallen. Im Osten schreitet die Vernichtung der ersten russischen Armee fort. Die eigenen Verluste sind verhältnismäßig gering. Die Armee von Hindenburg ist mit starken Kräften bereits jenseits der Grenze. Das Gouvernement Suwalki ist unter deutsche Verwaltung gestellt. General=Quaxtiermeister von Stein. Die Kämpfe an der Marne sind nach einer Meldung des„Berl. Lokalanz.“ noch nicht beendet. Aber es ist offenbar eine Wendung zu unseren Gunsten eingetreten. Der rechte Flügel hat einem erneuerten Druck nicht nachgegeben, sondern einen französischen Durchbruchsversuch siegreich zurückgeschlagen, woranz wir schließen können, daß ein derartiger Versuch nicht mehr erneuert werden wird. Untes diesen Umständen können wir hossen, daß auch in den anderen Stellungen des Schlachtfeldes der Ausgang zu unseren Vollständiger Sieg im Osten. Gunsten sich abspielen wird. Großes Hauptquartier, 14. Sept. WTB. General von Hindenburg telegraphierte an Se. Majestät: Die Narew=Armee(2, 3., 4. und 20. Armeekorps, 3. und 4. Reserve=Division und 5 Kavallerie=Divisionen) ist durch die Schlacht an den Masurischen Seen und durch die sich daranschließende Verfolgung vollständig geschlagen. Die Grodnoer Reserve=Armee, 22. Armeekorps, verstärkt durch das C. Armeekorps, Teile des 3. Sibirischen Armeekorps, haben in besonderen Gesechten bei Lyck schwer gelitten. Der Feind hat starke Verluste an Toten und Verwundeten. Die Zahl der Gefangenen steigert sich. Die Kriegsbeute ist außerordentlich. Bei der Frontbreite der Armce von über 100 Kilometern und ungeheuren Marsch= leistungen von zum Teil 150 Kilometern in 4 Tagen und bei den sich auf der ganzen Front und Tiefe abspielenden Kämpfen kann ich den vollen Umfang noch nicht melden. Einige unserer Verbände sind scharf ins Gefecht gekommen. Die Verluste sind aber doch nur gering. Die Armee war siegreich auf der ganzen Linie, gegen einen hartnäckig kämpfenden, aber schließlich fliehenden Feind. Sie ist stolz, daß ein kaiserlicher Prinz in ihr gekämpit und geblutet hat. Härte des Krieges, daß bei Bestrafung von feindlichen Handlungen außer den Schuldigen auch Unschuldige getroffen werden, umso mehr ist es Pflicht aller verständigen Bürger, einen Druck auf die übelwollenden Elemente der Bevölkerung auszuüben, um diese von jeder Handlung gegen die öffentliche Ordnung zurückzuhalten. Die belgischen Bürger, die friedlich ihren Geschäften nachgehen, werden von den deutschen Truppen und der Regierung nichts zu befürchten haben. Soviel als möglich muß der Handel wiederhergestellt, müssen die Fabriken wieder arbeiten und muß die Ernte hereingeholt werden. Bürger Belgiens! Ich verlange von niemand, seinen vaterländischen Gefühlen abzuschwören, aber ich erwarte von allen eine verständige Unterwerfung und einen vollkommenen Gehorsam unter die Befehle des Generalgouverneurs. Ich ruse euch auf, Vertrauen zur Regierung zu haben. Dieser Aufruf richtet sich besonders an die Staats= und Gemeindebehörden, die auf ihrem Posten geblieben sind. Je mehr der Ausruf befolgt wird, desto mehr dient ihr eurem Vaterlande. Gegeben Brüssel, 2. September 1914. Der Generalgouverneur: v. d. Goltz, Generalseldmarschall. Ein belgischer Professor über die Schuld Löwens. gez. von Hindenburg Zur Schlacht bei Lemberg! 60000 Russen gefangen! 300 Geschütze erobert! 97,50% aufgelegt und frühestens nach 4, spätestens nach 6 Jahren, durchschnittlich nach 5 Jahren zu Paisi(zu 100) zurückgezahlt. Sie bringen alsso nicht nur eine Verzinsung von 5½⅞(dafür je 97,50 M. 5 M. Zinsen gewährt werden), sondern auch noch einen sicheren Kursgewinn von 2½ nach durchschnittlich 5 Jahren; rechnet man diesen der Verzinsung hinzu, so erhöht sie sich um ½% fürs Jahr, also auf etwas über 5½%, Die zweite Anleiheform ist die der 5'igen Reichsanleihe, unkündbar für die nächsten 10 Jahre, gleichsalls zum Kurse von 97,50% angeboten. Sie ist zur dauernden Kapitalanlage besonders geeignet, da die Reichsanleihen einer bestimmten Tilzung durch Auslosung nicht unterliegen. Sie gewährt eine Verzinsung von 5½% auf mindeestens 0 Jahre... g 7. 45. Ji. Tcem v. Die Zeichnung auf die Anleihe ist Jedem leicht gemacht, sie kann erfolgen bei allen Reichsbankanstalten, der Königlichen Scehandlung(Preußische Staatsbank), der Preußenkasse und allen anderen Banken und Bankiers sowie bei allen öffentlichen Sparkassen und Lebensversicherungsgesellschaften. Auch die staatlichen Kassen, Regierungs=Hauptkassen, Kreiskassen und viele Zollkassen neihmen als Beaustragte der Seehandlung Zeichnungen entgegen. Die erhebende Begeisterung dieser ernsten Tage hat die lebendigen Kräfte in unserem Volke geweckt und in dem einen Brennpunkte, dem Willen zum Siege in dim gerechten Kampse zusammen. gefaßt. Dieser Geist bürgt dafür, daß die große Bedeutung der vorliegenden Anleiheoperation richtig Wien, 14. Sept. Der Kriegsberichterstatter des „Morgen“ meldet: Die Schlacht bei Lemberg wurde abgebrochen. Unsere Truppen zogen sich zurück und wurden in einem Abschnitt versammelt, der für die Verteidigung die günstigsten Bedingungen bietet. Unser Plan, durch eine rasche und kühne Offensive die russischen Armeen zu zerschlagen, scheiterte nicht wegen mangelnder Führung odur der Inferiorität der Truppen, im Gegenteil, die Führung und die Truppen leisteten Uebermenschliches; aber der Heroismus der Truppen scheiterte an der großen kolossalen Uebermacht der Feindes. Es ist sestgestellt worden, daß die Uebermacht der Russen viele Divisionen beträgt, wobei zu bedenken ist, daß die russische Division stärber ist, abs die unsrige. Ferner sind die Russen in der Mobillisierung weit voraus, da sie damit lange vor dem ofsiziellen Beginn des Krieges eingesetzt haben. Endlich hatten wir fast die gesamte HauptK macht der Russen gegen uns, und wenn man das bedenkt, kann man erst die Leistung unserer Truppen richtig abschätzen. In sast ununterbrochenen dreiwöchigem Kampfe hielten sie in fortwährender Oßsensive dem Feind nicht nur überall stand, sondern nahmen ihm sast 60000 Gesangene und 300 Geschütze ab. Aber diese Teilerfolge, so groß sie auch waren, konnten nicht zu dem gewünschten Resultat vereinigt werden, weil die Russen buchstäblich für jede geschlagene Division eine neue heranwersen konnten. Höhere strategische Rücksichten verlangen jetzt die Versammlung unserer Truppen in einer Stellung, an der sich die Uebermacht der Russen brechen müßte Wir können hier ruhig den Angriss abwarten. Ich wiederhole nochmals: Unsere Truppen sind nicht geschlagen und fühlen sich auch nicht geschlagen, Die österreichisch= ungarische Armee bezieht eine Stellung, die so stark ist, daß sie jedem Feinde Trotz bieten kann. ersaßt wird, jeder an seinem Teil zu ihrem Gelingen beiträgt und so ein dem Wohlstande und der Opserwilligkeit Deutschlands entsprechender voller Erfolg erzielt wird.— Die Kgl. Kreiskasse Dortmund 2 Hausmanstr. 12, I mimmt Zeichnungen entgegen bis zu 19. d. Mts. Generalgouverneur von der Goltz an die Belgier. Der Generalgouverneur von der Goltz hat solgenden Anschlag in Belgien verbreitet: S. Majestät dem Deutschen Kaiser hat es gefallen, mich nach der Einnahme des größten Teiles des belgischen Bodens zum Generalgouverneur zu ernennen. Ich habe den Sitz der allgemeinen Regierung nach Brüssel gelegt und zwar in das Ministerium für Kunst und Wissenschaft. Im Austrage S. Majestät des Kaisers ist eine bürgerliche Behörde hinzugefügt worden, die ihren Sitz im Kriegsministerium hat und deren Vorsteher Exzellenz von Sandt ist. Die deutschen Truppen setzen ihren Siegeszug in Frankreich fort. Meine Aufgabe ist es, Ruhe und Ordnung in Belgien zu handhaben. Jede seindliche Handlung der Einwohner, jeder Plan, um Verbindungen mit Deutschland zu stören, Bahnen, Telegraphen oder Telephone zu beschädigen, werden auf das strengste bestraft. Jeder Versuch eines Aufstandes wird auf das rücksichtsloseste unterdrückt werden. Es ist die Ein objektives Urteil, das gagen die Lügenmeldungen der englischen und belgischen Presse vorteilhaft absticht, und das klar und offen die Schuld der Löwener Bevölkerung an dem der Stadt zuteil gewordenen Strafgericht dartut, gab dieser Tage einem Berichterstatter Dr. Coenrads, der Vizedirektor der Universität Löwen, der sich jetzt in Holland aushält. Er erzählte u. a.: Es unterliegt für mich keinem Zweifel, daß auf die deutschen Soldaten surchtbar geschossen worden ist. Was ich hörte, wenigstens 5 Minuten lang, waren keine deutschen Schüsse. Ich zählte zu den Geiseln der Stadt. Wir wechsolten schichtweise ab und mußten jedesmal 24 Stunden lang im Rathaus unseren Platz einnehmen. Am ersten Tage war der Bürgereister und der Rektor daran, am zweiten traf mich das Los. Als ich mein Amt antrat, ging das Schießen los. Reguläre Truppen waren das nicht, da doch belgissche Soldaten sich gar nicht mehr in der Stadt befanden. Während wir ratlos im Zimmer sahen, trat ein höherer deutscher Ossizier herein und erklärte, hier liegt eine Verschwörung vor, er sei gezwungen, die schärssten Maßregeln zu ergreisen und der Stadt eine hohe Kontribution aufzuerlegen. Am folgenden Morgen führte man uns zum Bahnhofe, wo wir in einem Eisenbahnwagen einquartiert wurden. Im Wartesaal entwarsen deutsche Offiziere eine Proklamation, die in der Stadt verlesen werden sollte. Sie hatte solgenden Inhalt: Wir haben Geiseln von euch. Wenn noch ein Schuß fällt, erschießen wir sie. Die Stadt wird bestraft und eine Kontribution von 20 Millionen Franken ihr auferlegt. Mit dieser Proklamtion sind wir durch die Stadt gezogen, und an den verschiedensten Stellen ist sie verlesen worden. Neben uns standen Offtziere, die die Revolver schußbereit gegen uns hielten. Zwanzig deutsche Insanteristen folgten. Ihnen schlossen sich barmherzige Schwestern an, dann folgten Frauen, Kinder und Männer, die uns immer wieder zuriesen, sie würden alles tun, um von uns den Tod abzuwenden. Als wir an der Ecke der Rue Frederic Lints ankamen, wurde doch wieder geschossen. So sind wir fünf Stunden durch die Straßen gezogen und haben die Proklamation verlesen. 3 Uhr nachmittags kehrten wir zurück. Dann ging ich in meine Wohnung, da meine Amtszeit abgelausen war. Ein deutscher Stabsarzt, Dr. Berghausen=Köln, bat mich, seine Begleitung anzunehmen. Ihm verdanke ich mein Leben. Wir waren schon in der Nue Leopold angekommen, als wieder ein Schuß krachte. Sogleich legten die deutschen Soldaten auf mich an, doch mein Begleiter sprang vor und deckte mich mit seinem Leihe. So wurde ich gerettet, * Der Kreuzer„Hela“ gesunken. Berlin, 14. Sept. W. T. B(Amtlich.) Am 13. September vormittags ist der kleine Kreuzer „Hela“ durch den Torpedoschuß eines seindlichen Unterseebootes zum Sinken gebracht. Fast die gesamte Besatzung wurde gerettet. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes: Behnko. Berlin, 15. Sept. Zum Untergang des kleinen Kreuzers„Hela" wird von einem Marinefachmann geschrieben: Die„Hela" war einer unserer alten Kreuzer, ein früherer Aviso, der als Tender der Hochseeflotte diente und hauptsächllich als eine Art Jacht des Flottenchefs und als Bureauschiff Verwendung sand. Seine militärische Brauchbarkeit war unbedeutend. Darum ist der Materialschaden auch nicht groß.„Hela“ isst vor neunzehn Jahren vom Stapel gelaufen und hatte somit bereits ein höheres, als das flottengesetzmäßige Alter erreicht. Das Schiff hatte eine Wasserverdrängung von 2040 Tonnen. Seinerzeit galt es als das schnellste deutsche Schiff, das heißt zu Ende des vorigen Jahrhunderts. Damals lief das Schiff nämlich 19,5 Knoten bei der Probefahrt, Es ist armiert mit ganz wenigen Kanonen und Geschützen, vier Stück von je 8,8 Zentimeter. Seine Torpedobewaffnung besteht aus drei Lanzierrohren. Die Bemannung ist 191 Köpfe stark. Eine Panzerung besitzt das Schiff mit Ausnahme eines geringen Deckpanzers nicht. Ueber den Ort und die genauen Umstände des Unterganges liegen noch keine näheren Angaben vor. unum Zeichner die Kriegs=Unteihen! Der Krieg gegen Zum Tode des Reichstagsabgeordneten Dr. Frank. Der Präsident des Reichstags Dr. Kaempf hat an die sozialdemokratische Reichstagsfraktion solgendes Schreiben gerichtet: „Unser Kollege, der Reichstagsabgeordnete Dr. Frank=Mannheim, hat im Kampse für die Ehre des Vaterlandes den Heldentod gesunden. Zu dem schweren Verluste, den dadurch die sozialdemokratische Fraktion und der Reichstag erlitten hat, gestatte ich mir Ihnen die aufrichtigste und herzlichste Teilnahme auszusprechen. Dr. Kaempf, Präsident des Reichstags.“ Ferner ist vom Stellvertreter des Reichskanzlers Dr. Delbrück beim Präsidium des Reichstags ein Schreiben folgenden Inhalts eingegangen: „Im Kampfe um Deutschlands Verteidigung ist als erstes Mitglied des Reichstags der Abgeordnete Dr. Frank aus dem Felde der Ehre gefallen. Er hat damit die Gesinnung, die er durch seinen Eintritt als Kriegsfreiwilliger bekundet hatte, mit dem Tode besiegelt. Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich zu ersuchen, dem Reichs tag den Ausdruck meiner wärmsten Anteilnahme an dem Verlust, den er durch den Tod Dr. Franks erlitten hat, zu übermitteln.“ Die Lage in Paris. Mailand, 14. Sept,„Secolo“ läßt sich aus Paris über Bordeaux melden: Die Führer des Arbeitersyndikats haben bei der Militärbehörde um einen Empfang nachgesucht, der ihnen auch am letzten Donnerstag bewilligt worden ist. Sie unterbreiteten dem General Gallieni die Bitte des Arbeitersyndikats, um Abwendung eines großen Unglücks für die zwei Millionenbevölkerung Paris' im Falle eines weiteren Vordringens der Deutschen. Ihr Ersuchen gipselte in der Schlußsolgerung einer Nichtverteidigung Paris und Erklärung Paris zur offenen Stadt. Der General erwiderte der Deputation, daß für ihre Bitte nicht er, sondern die Regierung in Bordeaux zuständig sei, deren Befehle er lediglich durchführe. Der General warnte jedoch vor Kundgebungen der Syndikalisten in der Pariser Arbeiterschaft, für den Fall, daß die Regierung auf ihren Besehl der Verteidigung Paris bestehen bleibe. Der Deputation wurden auf ihrem Wege von und zu der Präfektur stürmische Kundgebungen des niederen Volkes bereitet. Die Franzosen werden mißtrauisch. Rotterdam, 14. Sept. Aus dem französischen Hauptquartier traf seit gestern abend keine einzige Meldung ein. In Paris erklärte man heute, das Hauptquartier könne natürlich unter den gegenwärtigen Umständen nicht fortwährend Einzelheiten über den Fortgang der Operationen mitteilen. Man wisse nur, daß die verbündeten Armeen noch immer mit den Deutschen in Fühlung blieben. Oberst von Reuter gefallen. Köln, 15. Sept. Die„Köln. Volksztg.“ moldet: Nach den Mitteilungen mehrerer in Brüssel eingelieserter verwundeter Ofsiziere ist in Frankreich auch Oberst von Reuter, vormals Kommandeur des 99. Insanterieregiments in Zabern, an der Spitze des Grenadierregiments Nr. 12 gefallen. Der Verstorbene fand den Tod als Kommandeur desselben Regiments, an dessen Spitze auch sein Vater im Jahre 1870 siel. Oberst von Reuter wurde im vorigen Jahre bekannt als Kommandeur des 99. Insanterieregiments in Zabern, dem auch Leutnant von Forstner angehörte. Die Zaberner Vorgänge aus dem November vorigen Jahres sind noch in allgemeiner Erinnerung. In dem Prozeß, der dann vor dem Kriegsgericht in Straßburg stattfand, wurde Oberst von Reuter bekanntlich freigesprochen. Dank verwundeter Franzosen. Die Berliner Morgenblätter melden: Aus Pforzheim wird berichtet, daß die im Feldlazarett untergebrachten verwundeten Franzosen das Bedürfnis gefühlt haben, der Lazarettverwaltung ihren Dank auszusprechen für die Art und Weise der Behandlung. Es heißt in dem Dankschreiben: Ein Kamerad, der trotz der uns allen zuteil gewordenen sorgfältigen Pflege im Sterben liegt, bittet, daß sein letzes Wort ein Wort des Dankes sei und eine Huldigung für die Hochherzigkeit des deutschen Volkes und für die Art und Weise, wie auch die sremden Verwundeten gepflegt werden. Ueble Zustände in der Champagne. Basel, 15. Sept. Der„Matin“ vom 11. September enthält einen Marschbrief eines Soldaten, welcher die trostlosen Verhältnisse in Beauvais und in der Champage schildert. Die Leute seien durch Brände verängstigst und kopflos geflohen, und es sei unmöglich, die vorgeschriebenen Requisitionen vorzunehmen, da die Häuser verlassen und verschlossen seien. Schmuck= und Geldstücke lägen herum, aber es sei kein Huhn, kein Salz und keine Milch zu haben, und selbst das Seil, woran der Brunneneimer hängen sellte, sei abgeschnitten. In den benachbarten Arondissements herrschen nicht deratige Zustände, der Grund sei, daß der dortige Unterpräfekt nicht den angsterregenden Anmarsch der Preugen angekünder hätte. Deutsche Flieger voran! Kopenhagen, 14. Sept. Der„Politicen“ wird aus Paris eine bemerkenswerte französische Anerkennung deutscher Flugleistungen mitgeteilt. Eine von Nordost kommende deutsche„Taube“ überflog Versailles. Der Führer entdeckte aber augenscheinlich die dortigen Verteidigungsmaßnahmen gegen ein Luftbombardement. Der Flieger wendete um und entkam trotz heftiger Verfolgung mehrerer französischer Flieger. Die deutschen Flugzeuge leisteten überhaupt treffliche Arbeit. Sobald französische Truppen irgendwo Ausstellung genommen haben, erhalten sie durch deutsche Flieger Besuch, die sich die Stellung der seindlichen Truppen merken. Sobald die Flieger zu den deutschen Linien zurückgekehrt sind, pflegt sich die Flugrichtung der deutschen Granaten zu verändern. Diese Beobachtung kann man nach jeder neuen Rekognoszierung deutscher Flugmaschinen machen. Hunger tut weh! * München, 15. Sept. Den„M. N. N.“ wird ein Feldpostbries zur Verfügung gestellt, der solgende bezeichnende Sätze enthält: Heute gingen 2 französische Kompagnien samt den Ofsizieren zu uns über; dieselben erklärten, schon seit vier Tagen nichts zu essen bekommen zu haben. Unsere Verpflegung dagegen ist sehr gut. Wirkung französischer Falschmeldungen. * Rom, 14. Sept. Die aufreizenden Meldungen aus Paris über große Siege der Franzosen auf der Marnelinie und den Rückzug der deutschen Armeen aus der ganzen Linie haben der Agitation der deutschseindlichen Kreise neue Nahrung gegeben, doch beschränkt sich die Bewegung, wie zuverlässige Berichts erkennen lassen, auf Rom und Genua.(„Frankf. Ztg.“.) Der Krieg gegen England. Ein Gewaltakt Englands. IVTB Berlin, 14. Sept. Die Wiener Sonnund Montags=Zeitung meldet aus Konstantinopel: Hier verlautet, daß die englische Regierung die Absicht habe, den Khediven, der sich gegenwärtig in Konstantinopel befindet, während der Dauer des Krieges an der Rückkehr nach Aegypten zu verhindern. Eine schwere Anklage gegen Grey. Das Kopenhagener Blatt„Sozialdemokrat“ teilt ein Manifest der englischen unabhängigen Arbeiterpartei mit, worin es nach einem Drahtbericht der„Vossischen Zeitung“ heißt, es sei zuzugeben, daß Grey in den Tagen, die dem Kriegsausbruch unmitelbar vorausgingen, für den Frieden arbeitete. Es war aber zu spät.— Er hatte selbst viele Jahre lang mit den anderen Diplomaten den Abgrund gegraben und ein weises Staatsmannsgenie hätte das sichere Resultat vorausgesehen und vermieden. Hiner dem Rücken von Parlament und Volk gab Grey Frankreich heimlicht Versprechungen, deren Existenz er leugnete, wenn er gefragt wurde.— Darum steht dieses Land jetzt im Angesicht des vollständien Ruins und der stahlharten Notwendikeit des Krieges. Verträge und Abmachungen haben Frankreich gezwungen, sich ins Schlepptau nehmen zu lassen vom bespotischen Rußland, und England von Frankreich. Aber jetzt kommt das alles zu Tage und die Verantwortung tragen alle, die zur Rechenschaft gezogen werden. Aufstand in Indien. Aus London meldet„Götheborgs Morgenpost“. laut Berliner„Motgenpost“, die erste englische Bestätigung der Nachricht, daß ein Aufstand in Indien ausgebrochen sei. Wenn gleich man der Presse nur für das Publikum bestimmte Berichte gab, verhehlen die maßgebenden englischen Stellen nicht, daß sie bis vor wenigen Tagen die Situation in Indien völlig verkannt hätten und daß die dort ausgebrochene Meuterei zu ernsten Besorgnissen Anlaß gäbe. —— Der Krieg gegen Belgien. Ein Kriegsstillstand zwischen Deutschland und Belgien? Berlin, 14. Sept. Der Korrespondent vom „Göteborg Astenbladet" telegraphiert aus dem Haag am 11. September: Der Gesandte der Vereinigten Staaten von Amerika hat im Auftrage der deutschen Regierung Belgien das Anerbieten gemacht, einen Kriegsstillstand für den Rest des Krieges anzubieten unter der Bedingung, daß eine Demarkationslinie im Süden von Antwerpen gezogen wird, die nicht von deutschen oder belgischen Truppen überschritten werden darf, sowie daß der nördliche Teil Belgiens unter belgischer und der südliche Teil unter deutscher Verwaltung bleibt. Der Gesandte hat der belgischen Regierung eindringlich geraten, das Angebot anzunehmen. Erbitterter Kampf vor Antwerpen, Berlin, 15. Sept. Ueber den zurückgewiesenen Ausfall aus Antwerpen sagt, wie die Morgenblätter melden, eine amtliche Mitteilung, daß die belgische Anwerpener Armee sich nach viertägigem Kampfe vor dem übermächtigen Gegner auf Antwerpen zurückgezogen habe. Die Verluste seien beträchtlich gewesen und zeigten, daß der Kampf erbittert gewesen sei. —— Der Krieg gegen Rußland. Für russische Soldaten— der Gummiknüppel. Von einem im Felde stehenden Krieger wird dem„Lokalanzeiger“, geschrieben:„Vorgestern brachte ein Insanterist von einer Radfahrerkompagnie als Siegestrophäe u. a. von der Front ein russisches Offiziersseitengewehr mit, mit Troddel und Schärpe. So unglaublich es klingt: Die Scheide ist rund und am Griff steckt statt des Degens, ein richtiggehender Gummiknüppel. Hätte ich das Ding nicht selbst gesehen, ich hätte es nicht für möglich gehalten. Was mag das für Gesindel sein, das erst mit Polizeiknüppeln vorgetrieben werden muß!“ Barrikadenkämpfe in Petersburg. Eine Drahtmeldung des Wiener Vertreters der „Tägl. Rundschau“ meldet: Ingenieure der Petersburger Skodawerke berichten, daß nach dim Kritgsausbruch die Petersburger Streikunruhen sich verschärften. Man uasate Der Schatzgrävel. Roman von Erich Ebenstein. 36 Der Hüttenbesitzer sank schwer in einen Stuhl. „Das war meine letzte Hoffnung.“ murmelte er aufstöhnend,„nun steh mir Gottbei— ich weiß nicht, was werden soll.“... a Konstanze fing an zu weinen. In diesem Moment tat sich die Tür auf, und Rene sprang herein. Verwundert blickte er bald auf den Großvater, bald auf die Mama, die ihn gar nicht zu bemerken Dann drängte er sich schmeichelnd an sie und legte ihr die ersten Maiglöckchen in den Schoß, die er eben am Franzosenstein bei der alten Burgruine aufgefunden hatte.„m.. 4.4, „Weine doch nicht, Mama,“ sagte er zartlich. „Sieh nur, wie schön die Sonne draußen scheint, macht sie Dich nicht auch froh? Komm hinaus, ich führe Dich auf einen wunderschönen Platz, wo alles voll Maiglöckchen steht!“ Konstanze blickte auf.„Mein Kind— mein Rene,“ murmelte sie heiß,„nein— ich weine nicht mehr!“ „Ich will hinüber und noch einmal mit Melanie reden,“ murmelte sie unsicher.„Sie allein kann helfen.“ Damit verließ sie das Zimmer. Tief ausseufzend sah ihr der alte Herzog nach. Zum ersten Mal seit langer Zeit verstand er Konstanze nicht. 18. Kapitel. Es war am Nachmittag des folgenden Tages, als Sabine Herzog von einem Spaziergang nach dem Bärenland heimwärts ging. Sie war allein, denn Melanie hatte sich nach Tisch mit heftiger Migräne zu Bett gelegt. Am Vormittag hatte es nochmals eine Auseinandersetzung zwischen ihr, Konstanze und dem alten Herzog gegeben, welche zum offenen Bruch zwischen Vater und Tochter führte Der Alte erklärte, gegenwärtig absolut kein Bargeld flüssig machen zu können, Melanie erwiderte, daß sie somit ihre Angelegenheit einem Advokaten übergeben werde. Konstanzes Vermittlungsversuche waren erfolglos geblieben, eine schwüle, unheilschwere Atmosphäre lag über allen Schloßbewohnern und wirkte beunruhigend auf Sabine ein. Sie hatte nur soviel von der Sache verstanden, daß es sich um Geld handelte, und das brachte sie immer in eine gewisse Erregung. Kurz nach Tisch nahm sie einen Korb und ging auf das Bärenland, wo um diese Zeit die ersten Erdbeeren reiften. Einige Bauernkinder, welche dort Beeren suchten, verjagte sie mit drohenden Worten und verbot ihnen ein= für allemal, sich wieder dort blicken zu lassen. Dann suchte sie im Schweiße ihres Angesichts soviel Erdbeeren zusammen, als nur zu finden waren, sammelte hochbefriedigt die ersten Bratschwämme und band einige Dutzend Tannenzapfen in ihr Taschentuch, um damit beim Feuermachen Holz zu sparen, und trat dann, zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Wanderung, den Heimweg an. Als sie in die Nähe des Schulhauses kam, mußte sie an einem Acker vorüber, auf welchem die Frau Oberlehrerin ihren Gemüsebedarf für das Jahr zog. In einer Ecke sproßte der junge Spinat in voller Ueppigkeit empor. Sabine blieb stehen und betrachtete ihn mit lüsternen Augen. Dann blickte sie sich um. Niemand war in der Nähe— auch an den offenstehenden Feustern des Schulhauses war kein Mensch zu erblicken. Blitzschnell bückte sich daher Sabine, raffte ein paar Hände voll Spinat zusammen und barg ihn eilig in ihrem Korbe. „Wieder etwas erspart,“ dachte sie vergnügt und machte sich nicht die geringsten Skrupeln über die Art und Weise, wie sie zu dem Spinat gekomauls sie die ersten Häuser von Winkel erreichte, war gerade Schichtwechsel in den Hütten. Arbeiter kamen und gingen, die Straße war ziemlich belebt, und mancher spöttische Blick fiel auf das Schloßfräulein, welches mit dem großen Korbe und dem Tannenzapfenbündel daherkam. Gerade vor dem Paurschen Wohnhause wurde Sabine von einem magern, elend gekleideten Weibe angesprochen. „Ich bitt' zu tausendmalen, gud' Fräul'n, heute haben sie uns die letzte Kuhfortgetrieben, und kein Stein gehört mehr uns vom Hof, die Trine hat müssen in Dienst gehen und die Ahndelmutter ist vor acht Tagen gestorben, und ich weiß mir keinen Rat mehr, wohin ich gehen soll. Wenn Sie mir doch ein Platzel verschaffen täten im Schloß oder sonstwo, ich täte schon keine Arbeit scheuen!“ Sabine blickte ärgerlich erstannt auf das Weib. „Was fällt Euch denn ein?“ sagte sie entrüstet. „Ich bin ja selbst arm wie eine Kirchenmaus," und wollte weitergehen. Aber die Frau vertrat ihr den Weg und faltete bittend die Hände. „Schicken Sie mich um Gotteswillen nit fort, quä' Fräul'n, es ist ja nicht wahr, daß Sie arm sind, Sie sind doch die reiche Schloßfräul'n, und eigentlich, wenn man es recht nimmt, sind Sie mir es schuldig, daß Sie mir helfen, denn von da an, wo Sie damals bei uns oben waren, ist unser Elend angegangen. Danach hat der Mann sich um nichts mehr bekümmert und ist ganz ausgewechselt gewesen.“ Sie hatte unwillkürlich lauter gesprochen, und mehrere Arbeiter blieben neugierig stehen. Sabine starrte das Weib zornig an. „Zum Kuckuck— was geht mich das an? Ich kenne Euch ja gar nicht!“ „Wirklich? Ja freilich— das Unglück hat mich halt ganz heruntergebracht— die Ameisöderin bin ich.“ Bei der Neunung des Namens„Ameisöder“ fuhr Sabine, zurück, als habe sie einen Schlag erhalten. Ein Zittern lief durch ihren Leib, und abwehrend streckte sie die Hände aus gegen die Frau. Dann flüsterte sie schen:„Scht— sprich nicht von ihm— er liegt da unten irgendwo— in Mondenschein— aber ich habe es nicht getan.“ Auch die Ameisöderin fuhr zurück bei diesen Worten, dann stieß sie einen gellenden Schrei aus und rang die Hände. „Jesus Maria— Sie haben ihn umgebracht!“ schrie sie, daß es laut über den Platz schallte. Im Nu hatte sich ein dichter Kreis um die beiden Frauen gebildet, aus dem„Hl. Florian“ stürzten die Gäste herbei, und von allen Seiten drängten die Leute hinzu. Sabine war bei diesen Worten der Ameisöderin zusammengezuckt. Dann sagte sie hastig:„Nein — nein— nein— er ist von selbst gefallen— nicht angerührt habe ich ihn— laßt mich fort!“ Sie wollte, von plötzlicher Angst erfaßt, davonlaufen, aber die Leute ringsum bildeten einen dichten Kreis und rührten sich nicht, sodaß es unmöglich für Sabine war, hindurchzukommen. „Haltet sie fest, die Mörderin!" heulte die Ameisöderin.„Holt die Gendarmen—. sie hat mir den Mannumgebracht!“ Sabines Lage wurde immer kritischer. In diesem Moment stürzte oben in der Paurschen Villa Barbara leichenblaß in Haus' Zimmer und rief diesem zu:„Um Gotteswillen, Hans, laufe hinunter und stehe Sabine bei— ich weiß nicht, was los ist, aber der ganze Platz ist voll Menschen, und sie schreien und drohen, und mitten drin steht Sabine Herzog.“ 216,16 „Zurück, Leute!“ schrie er mit lauter Stimme und versuchte sich Platz zu machen in dem Sabine immer enger umschließenden Kreis. Die Leute, durch die Ameisöderin aufgestachelt, bedrohten Sabine nun tatsächlich und drangen unter Verwünschungen mit erhobenen Fäusten auf sie ein. Sabines Hilferufe gellten laut über den Platz. wagte nicht, Militär bbgegen aufzubieten. Die Polizei war machtlos, bis aus dem Wanschauer und Kiewer Korpsbereiche Truppen einrückten. Die Barrikadenkämpse dauerten aber auch dann noch unter heimlicher Beihilfe der Petersburger Garnison an, so daß man beispielsweise sogar das Leibregiment des Zaron dezimieren mußte. Die bis 20. August ssortgrsetzten Straßenkämpse verursachten einen Schaden von vielen Millionen. Russische„Siegesberichte“ WTB Wien, 15. September. Der russische Generalstab hat einen ausführlichen Bericht über Die Kämpse in Galizien verbreitet, die von ununterbrochonen Siegen der russischen Truppen gegenüber den österreichisch=ungarischen Truppen und deutschen Armeen sprechen. Es genügt, die kurzen, aber inhaltsresichen Meldungen des österreichischen Generalstabes diesen umsangreichen Gerüchten entgegenzusetzen, in denen übrigens die Ersolge der Armeen Dankl und Auffenberg zugegeben werden, wenn auch die heldenmütigen Kämpfe dieser Armoen alls bloße Scharmützel bezeichnet werden. Die Tatsache, daß än diesen Scharmützeln 20 000 Gesangene gemacht und etwa 200 Geschütze erbeutet wurden, beweist hinreichend, welchen Anspruch aus Wahrheit die Berichte des russischen Generalstabes erheben dürfen. Vom serbischen Kriegsschauplatz, WTB Esseg, 15. Sept. Die Slawonische Presse bringt folgende Mitteilung aus Ruma vom 9. September: Die serbischen Truppen überschritten gestern mittag in Stärke von eilner Division die Save und drangen in unser. Gebiet ein. Unsere Truppen waren sofort zur Stelle und nahmen den Kampf eus. Im Kampf um die Feslung Lotzen. Unsere ostpreußische Festung Lötzen war bekanntlich vor der großen Schlacht bei Tannenberg von deem Russen umzingelt. Der Chef der russischen Kolonne schreibt am 14. August, 5 Uhr 40 Min. vormittags an den Kommandanten der Festung Lötzen: „Lötzen ist schon von den Truppen der ruse sischen kaiserlichen Armee ganz eingeschlossem, Unnützlich ist eine weitere Verteidigung der Festung. Mir ist befohlen, Sie zu beauftragen, die Festung freiwillig uns zu übergeben, damit kann man vermeiden unnützliche Verluste. Sie haben zu Ihrer Verfügung vier Stunden, um diese unsere Bedingung zu überlegen. Wenn Sie nicht wollen, mit dieser Bedingung zufrieden zu sein, so wird man mit offener Kraft die Festung nehmen, und in diesem Falle doch keinen Stein auf Stein nicht gelassen wird.“ Vier Stunden später ging folgende Antwort des Kommandanten der Feste Boyen zurück: „Ew. Exzellenz bringe ich mein lebhaftes Bidauern zum Ausdruck, daß die vom Ew. Exzellenz vorgeschickten Parlamentäre, ein Major, ein Adjutant, ein Trompeter, von meinen Truppen eingeschlossen worden sind. Ein vorgeschobener Posten hat sie von der Seite, bezw. vom Rücken aus gesehen und will die Parlamentärflagge nicht bemerkt haben. Ich werde den Vorfall peinlich untersuchen und stelle strenge Bestrasung im Aussicht. Ew. Erzellenz können versichert sein, daß von meinen Truppen streng nach den Gesetzen und dem Völkerrecht gehandelt wird. Verwundete sind in das Lazarett ausgenommen. Sie erhalten dort beste Pflege und werden nicht als Gefangene behandelt. Sobald es deren Zustand erlaubt, werden diese ausgeliesert werden. Was Ihre Aufforderung anbetrifft, die Feste zu übergeben, so weise ich dieselbe für mich und meine tapfere Besatzung als im höchsten Grade beleidigend zurück.“ Die Antwort des russischen Besehlshabers lautete: Ihre Parlamentäre sind angekommen. Der schmerzliche Vorfall hat in unseren Herzen starlen Widerhall gefunden. Ich bin davon überzougt, daß die deutsche Nation das internationale Abkommen nicht verletzen und mit unseren Parlamentariers gemäß zwischen den Mächten geschlossenen Vereinbarungen verssihren wird.“ Wenige Tage nach diesem Schriftwechsel war die Feste bereits durch unsere Truppen entsetzt— und die Russen waren in die Flucht geschlagen. Wie die Franzosen die Englander einschatzen Aus Bordeaux wird der„Vossischen Zeitung“ über Nom gemeldet: Die Parlamentarier, die der Regierung in die Verbannung folgten, sind unzu. frieden. Der Ministerpräsident und der Kriegs nrinister haben sich aus Furcht vor Indiskretionen bis an den Hals zugeknöpft und scheuen ihren Um gang. Die Pariser Blätter haben ihre fündigsten Berichterstatter nach der Gironde geschickt, umsonst! Millerand, fast stumm wie ein Fisch, hat die Frage, ob die Expedition von Archangelsk in Antwerpen eingetrosssen oder in Nouen seit, mit einem Lächeln beantwortet, das von jedem Frager anders ausgelegt wird. Politiker und Parlamentarier versammeln sich abends im Apollo oder in der Alhambra, gähnen und langweilen sich sürchterlich. In der Alhambra erzählte man, Kitchener hätte ein neues Hilfskorps von 10000 Mann aufgeboten, auf Josfres energisches Abwinken hätte aber Millerand das Anerbieten unter einer endlosen Reihe verlegen höflicher Wendungen dankend abgelehnt. Die Engländer sollen nämlich den Franzosen mit ihrer altbackenen Tattik und militärischen Unbeholfenheit bei Charleroi und Maubeuge der artige Verlegenheiten bereitet haben, daß man sie am liebsten zu allen Teufeln gewünscht hätte. Französische Artillerie macht die Engländer für die Niederlage von Charleroi dinekt verantwortlich. Ein von der Front gekommener Offizüer sagte, die Engländer seien keine moderne Soldaten, sie ließen sich wie Kälber abschlachten, und taugen zu nichts anderem, als unsere Lazarette zu füllen. Wären sie doch ruhig hinter ihren Wollsäcken geblieben. Die Liedeskiste. Für die Verpflegung unserer Angehörigen im Felde sorgt die Heeresverwaltung. Die Liebesguben sollen diese Verpilegung ergänzen und Erleichterungen und Erfrischungen hinzufügen. Munitionskolonnen, Feldsanitätswagen und Verpflegungstransporte gaben 1870 und geben heute noch die Möglichkeit, zweckmäßig ausgesuchte und verpackte Liebesgaben— wenn auch im einzelnen im kleinen Umfange— vorgeschobenen Kommandos und damit den am Feinde stehenden Soldaten zuzuführen. Das will die Liebeskstiste, zu deren Stiftung hiermit aufgefordert wird Nehmt dazu eine ausgelüftete Zigarrenkiste und füllt hinein: 1. ¼ Pfd. gemahlenen Kasssee, 2. 1 Psd. Tee, 3. für 10 Pfg. Würfelzucker in möglichst kleinen Stükkem, 4 10 Gramm kristallisierte Zitronensäure in Papierbeutel zu Wasser als Getränk und zum Ausspülen des Mundes, 5. ein Schächtelchen Pseffermünzplätzchen, 6. drei Paar Brausepulver, 7. 2 Taseln fettarme, harte Schokolade, 8. einige kleine Stücke Seise, 9. eine Stange Salizyl=Vaseline gegen Wundlausen, 10. Streichhölzer in Metalldosen. Den Rest des Raumes ffüllt mit gutem Tabak, Zigarren und Zigaretten bestmöglichst aus. Hüllt um die Kiste neuere Zeitungen und bindet diese mit starkem Bindsaden fest; darüber wickelt soviel wie möglich Strümpse und Leibbinden. Das Ganze wird dann in eine möglichst wasserdichte Hülle fest und glatt eingeschnürt. Der beizufügende Frachtbrief muß den Inhalt der Sendung(Liebesgaben) und die empfangende Stelle(Abnahhmestelle 1 und 2 am Sitz des stellvertretenden Generalkommandos) des Absenddeortes enthalten. Das Frachtstück muß mindestens auf 2 Seiten auf ausgeklebten Zetteln die gleichen Angaben und Adressen und außerdem die Bezeichnung„freiwillige Gaben“ führen und wird dann frachtfrei befördert. Wer seinen Angehörigen im Fielde Liebe betätigen will, stifte allein oder mit anderen eine solche Liebeskiste und sende sie ohne weitere persönliche Adresse an die oben gemannten Abnahmestellen für freiwillige Liebesgaben oder an den Delegierten des Depots der freiwilligen Liebesgaben am Etappenhauptort der 8 Etappeninspektion. Jeder Empfänger wird dankbar sseiner Lieben in der Heimat gedenken. —— Aus Stadt und Umgebung. Schlachtverbot nicht schlachtfreien Viehes Nach dem Kriegsausbruch sind überall Schlachtungen von noch nicht schlachtreissen Rindern trotz der reichlichen Versorgung Deutschlands mit Schlachvieh, besonders mit Schweinen, vorgenommen worden. Zur Sicherstellung der künftigen Fleischversorgung und Erhaltung des Nachwuchses hat daher der Bundesrat laut„Nordeutscher Allgemeiner Zeitung“ angeordnet, daß Schlachtungen von Kälbern mit weniger als 75 Kilogramm Lebendgewicht und von weiblichen, noch nicht sieben Jahre alten Rindern für die Dauer von drei Monaten vom 11. September ab gerechnet, verboten sind. Das Verbot findet keine Anwendung auf Weidevieh, aus vom Ausland eingeführtes Schlachtvieh und auf Notschlachtungen. Ausnahmen können in einigen Fällen zugelassen werden. Der Zweck der Maßnahme ist die Sicherung der Fleischversorgung für das kommende Jahr zu erträglichen Preisen. Ferner sind die Verwaltungen der größeren preußischen Städte angeregt worden, für baldige und umsangreiche Auskäuse von Schweinen zur Verarbeitung von Dauerware, besonders Speck, Pökelfleisch, Schinden und Wurst zu sorgen. Auch dile preußische Heeresverwaltung wird in ihren Konservensabriken Schweinefleisch in größerem Umsange als bisher verarbeiten lassen. *e(Vom stellvertretenden Generalkommando 7. Armeekorps) geht uns folgendes zu: Bei der Kühle der herbstlichen Nächte, die jetzt an Stärke zunimmt, werden unseren im Felde stehenden Kriegern warme Wollsachen eine willkommene Gabe sein. Die Liebestätigkeit der Bevölkerung wird deshalb darauf hingewiesen, daß ihnen vor allem Strümpse(Socken), Leibbinden, Pulswärmer(sog. Stauchen) und Halstücher aus Wolle vonnöten sind. Diie Beschafsung verursacht beine sonderlichen, Kosten. Sosern das Gewicht von 250 Gramm nicht überschritten wird, können Familien ihren Angehörigen im Felde Ele Stücke bequemerweise in geschlossenen starben Briefumchlägen zusenden; das Porto beträgt für Felopostbriesse(bis 50 Gramm frei) von 50 Gramm bis zum Höchstgewicht 250 Gramm 20 Pg. *(Als vermißt) bezeichnet die neueste Verlustliste u. a. folgende Vaterlandsverteidiger aus unserem Verbreitungsbezirk: Unterofsizier Hermann Quambusch, Reservist Ludwig Sprave, Sawitätssoldat Heinrich Goßmann aus Schwerte, Reservist Hoffmann=Overberge und Reservist Ernst Bohl=Aplerbeck.— Die ausführliche Liste ist in unserer Geschäftsstelle zur Einsichtnahme ausgelegt. *(Grüße Schwerter Jungen!) Folgender Feldpostkartengruß lief gestern bei uns ein: Allen Schwertern rufen zwei stolze Gardisten ein herzliches Lebewohl zu. E. Thomas und H. Op den Winkel. Schicken Sie bitte ein paar Freiwillige rüber, aber nur Westfalen. **(Fahrpreisermäßigung für Angehörige von verwundeten Kriegern.) Eissenbahnminister von Breitenbach hat angeordnet, daß Angehörigen von Verletzten oder im Felde erkrankten Kriegern, die sich innerhalb des deutschen Reichsgebietes besinden, bei Fahrten zum Besuch ihrer Angehörigen eine Fahrpreisermäßigung gewährt werden soll. Diese soll in der 2., 3. und 4. Wagenklasse die Hälfte der gewöhnlichen Sätze betragen. Bei Benutzung von Schnellzügen ist außerdem der tarismäßige Zuschlag zu entrichten. Vermutlich wird in den nächsten Tagen für das ganze Gebiet der deutschen Staatseisenbahnen, jedoch nur im Verkehr mit Stationen, die mehr als 50 Killometer vom Ausgangspunkte der Reise entsernt sind, dieser Tarif in Kraft treten. Als Angehörüge gelten die Eltern, Kinder und Geschwisster, sowie dise Verlobten der Verletzten. Wer diese Fahrpreisermäßigung in Anspruch nehmen will, muß sich von der zuständligen Ortsbbehörde einen Ausweis ausstellen lassen, bei dessen Vorlage auch die Fahrkarte ausgehändigt wird. ** Wandhofen, 14. Sepr.(Sachbeschädigung) Vor einiger Zeit wurde das vom Königlichen Meliorationsbauamt in Hagen an der Ruhr gebaute Pegelhäuschen erbrochen, fast vollständig zertrümmerc und der wertvolle Apparat beschädigt. Den Nachforschungen der Polizei gelang es nun, die Täter in den jugendlichen Arbeitern Hermann Gustav H., Wilhelm E. und Fritz St. sämtliche aus Schwerte zu ermitteln. ** Westhosen, 14. Sept.(Missionssest.) Vor einer zahlreichen Gemeinde hielt am Sonntag Herr Missionar Helmüch aus Neu=Guinea im Hauptgottesdienst eine eindrucksvolle Missionspredigt. Am Nachmittage fand in der Kirche eine gut besuchte Nachversammlung statt, in der Herr Pastor Schulze=Noelle aus Ergste und der Festredner in ihren Ansprachen das große Friedenswerk der Mission behandelten. Unsere Kolonie Deutsch=Neu=Euinea ist gegenwärtig völlig von dem Verkehr mit der Heimat abgeschnitten. Die zuletzt hinausgeschickte Post ist zurückgekommen. Es muß immerhin mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß, wie Samoa, so auch Deutsch=Neu=Guimea von den Engländern oder Japanern besetzt worden ist, was der Verproviantierung der Kolonie schwere Hindernisse in den Weg legen würde, da das Hauptnahrungsmittel dort der Reis ist und dite Bewohner unserer Kolonie auf die Einsuhr von Reis angewiesen sind. Indessen werden unsere Kriegsschisfe, die in der Südsee kreuzen, gewiß auf dem Posten sein. In der Friedenszeit gehen diese Kreuzer von Zeit zu Zeit in Friedrich=Wilhelmshasen vor Anker. Sie setzen dann wohl auch ihre Soldaten an Land und veranstalten Schleßübungen, vielleicht auch, damit die Eingeborenen einen Eindruck von deutscher Macht bekommen. Als wieder einmal von deutschen Soldaten auf Scheiben geschossen wurde, haben die Eingeboren in ihrer köstliichen Naivität gemeint:„Das ist nichts besonderes, solch' eine dünne Leinwand können wir mit unseren Pfeilen auch durchbohren.— Von den 67 Zöglingen der Rheinischen Mission sind 38 zum Dienst mit der Waffe ausgerückt, andere zum Sanitätskorps einberufen. Schon hat der Krieg seine Opfer gefordert. Mehrere Missionszöglinge sind verwundet, einer ist als vermißt gemeldet und ein anderer auf S. M. S. Arjadne gefallen. *“ Holzen, 14. Sept.(Gemeindevertretung.) In der letzten Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung wurde u. a. folgendes verhandelt und beschlossen. Das im Entwurf vorgelegte Ortsstatut nebst der zugehörigen Polizeiverordnung betrefsend die polizeimäßige Reinigung der öfsentlichen Wege im Ortsteil Rosen wurde genehmigt. Für die Prüsung der einlausenden Anträge hülssbedürftiger Familien auf Bezahlung den Wohnungsmiete durch die Gemeinde wurde eine Kommission, bestehend aus den Herren Hohenschwert, Dickhut und Steinweg, gewählt. Für jede hülfsbedürftige Familie,### beine Unterstützung von ihrem Arbeitgeber erhält, wurde außerdem ein Zuschuß von 10 Mark pro Monat zur Wohnungsmiete bewilligt. *e Höchsten, 14. Sept.(Ein frecher Einbruchsdiebstahl) wurde bei dem Schreinermeister Fritz Wallbaum ausgeführt. In dessen Hühnerstall stiegen nachts Diebe ein und entwen. deten einen Hahn und mehrere Hühner. Durch ein Geräusch ausgeweckt, nahm W. sofort die Verfolgung der Täter auf und stellte auch bald den Bergmann Louis M von hier. M. trug zwei erwürgte Hühner unter seinem Rock versteckt; ein enwürgter Hahn wurde in einer nahen Wiese gesunden. ** Kalthoff, 14. März.(Der SchulteNaumannsche Brand vom 31. März) kann in seinen Nachwirkungen immer noch nicht zur Ruhe kommen. Um Mitternacht des Brandtages wurde nämlich an einer Spritze der Lechingser Wehr, die dicht an der Hofmauer der Brandstätte stand, der Schlauch sast ganz abgeschnitten. Auf Grund der bestimmten Bekundung eines jungen Mannes hier kam ein hiesiger Kettenschmied Ernst St. unter Anklage dieser Ttat. Er wurde auch am 11. Juni vom Iserlohner Schössengericht trotz lebhafter Beteuerung seiner Unschuld zu der exemplarischen Strase von 150 Mk. verurteilt. Da meldute sich plötzlich ein anderer Kettenschmied v. hier, Ernst Sch=H., unter der Selbstbezichtigung, er sei der Täter und wolle nicht, daß ein anderer, Unschuldiger, für ihn Strafe erleide. Als Beweggrund seines Handelns gab er an, daß er, als er etwas angetrunken aus den Brandplatz gekommen, von einem Leckingser Feuerwehrmann unnötig unsanft zurückgestoßen worden sei. Das habe in ihm eine stille Wut erregt und ihm schließlich den Gedanken eingegeben, der ganzen Wehr eins auszuwischen. Er sollte sich deshalb in der letzten Sitzung des Schössengerichts verantworten. Da jedoch der erst Verurteilte St. Berufung eingelegt hat und die Entscheidung der Stra kammer noch nicht geffallen ist, so konnte Sch.=H., trotz seines glaubwürdigen Geständnisses, doch noch nicht verurteilt werden. Es hätte dann nämlich der eigentünlliche Fall vorgelegen, daß wegen derselben Straftat, die nur ein einzelner Täter begangen haben muß, zwei Perfonen als Täter bestraft worden wären. Das ging natürlich nicht an, und so wurde das Verfahren gegen Sch.=H. ausgesetzt, bis das gegen St schwebende so oder so zur endeiltigen Entscheidung gekommen ist. —— Zur Geschichte der Solidaritäsverpfuichlung der Dreiverbandsmachte. Berlin, 14. Sept. Von insormierter Seite erfährt der Korrespondent des„Berliner Lokalanzeie gers“ in Geuf, daß das vom 6. September dieses Jahres datierte Uebereinkommen Großbritanniens, Frankreichs und Rußlands, das die gesamten drei Mächte zur Solidarität beim Friedensschlusse verpflichtet, schon vor der Reise Poincares nach Petersburg in einem Notenaustausch vollkommen fest.: gelegt war. Die seierliche Sitzung im Londoner Foreign Ossice und die amtliche Verlautbarung erfolgte auf Betrelben Delcasses, dem seit der Uehersiedelung der Regierung nach Bordeaux von einslußreichen Parlamentariern und selbst vom Ministerkolleg hart zugesetzt wurde, die Beklemmung der französischen Bevölkerung, die Furcht zu bannen, daß Frankreich schließlich für alle die Zeche zu berappen hat. Sir Edward Grey und Ssalonow ließen sich einige Tage bitten, unter dem Vorwande, daß Japan, Serbien und Montenegro doch eigentlch zur Solidaritätserklärung beizu: ziehen wären. Dem Einflusse Kitcheners gelang es, Sir Edward Grey den Wünsche Delcasses günstig zu stimmen, und der russische Botschafter erhielt die Instruktion, seine Bedenken gegen die Verössentlichung des Paktes fallen zu lassen. Das Kaiserwort. In unsrer großen, heiligen Zeit, Einst ruhm= und geschichtsreichen Tagen, Von schicksalsschwerem Ernste geweiht, Durchtobt von den brennendsten Fragen, Da prägte ein nie wieder schwindendes Wort Der Kaiser, des Reiches Beschützer und Hort: Ich kenne nur Deutsche! * Was alle Neider, Feinde ersehnt, Die Trennung, der Zwiespalt im Lande. Woraus der Vernichtungskrieg entlehnt, Das Kaiserwort macht es zuschande. Den trennenden Hader, den Haß den Partei'n, Die wuchtigen Worte, die sargten sie ein: Ich kenne nur Deutsche! Im Schlachenwetter ist es erprobt, Das Wort, das der Kriegsherr geschmiedet, Ob Höll und Teufel gleich uns umtobt, Ob tausendsach Feuer auch siedet, Alldeutschland stand auf; was der Kaisermund sprach, Das schüttelte ab jede seindliche Schmach: Ich kenne nur Deutsche! 4 Wenn einst das rauhe Kriegshandwerk ruht, Wenn golden der Frieden uns winket, Wenn ausgelöschet der Schlachten Glut, Den Streitern der Lorbeerkranz blinket. Dann wird nach Jahrhunderten leben noch sort Des Kaisers gewaltiges, herrliches Wort: Ich kenne nur Deutsche! 892 Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Eine Kriegsstiftung. J. F. Lehmanns Verlag in München hat als Reinerlös der zweiten Aulage von Prof. Schönwerts„Vademekum des Feldarztes“ wiederum 1000 Mark geschenkt. Die Hälste der Summe erhält das Rote Kreuz, die Hälfte die Familien der Feldzugssoldaten. Die Kriegs=Sanitätsordnung für das Deutsche Reich, die einige Zeit vergrissen war, ist aus Veranlassung des bayr Kriegsministeriums neu gedruckt worden. Die Auslieferung(Preis 2 Mk.) hat J. F. Lehmanns Verlag übernommen. Verantwortlich für die Redaktion Friede. Kraau, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Heute morgen 5 Uhr entschlief plötzlich und unerwartet infolge Schlagantalles unsere liche, gute Tante Prad Naspar Richaru Friederike geb. Wernecke im fast vollendeten 86. Leberjahre. Namens der Hinterbliebenen: Familie Gustav Holsiepe. Schwerte, den 14. September 1914. Die Beerdigung fludet Donnertag, den 17. tember, nachmitlags 3 Uhr vom Sterbebause, helmstrasse 12, aus statt. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche. Nach langem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden ist der Gärtnergehilfe Herr Tauf aus Seichau in Schlesien im 22. Lebensjahre im evangel. Krankenhause zu Schwerte heute morgen sanft entschlummert. Dietrich Brandis, Obergärtner. Haus-Ruhr, den 14. Sept. 1914. Der leider so früh Verstorbene war ein guter, braver, fleissiger, stets bescheidener junger Mann, und bewahre ich ihm ein bleibendes Andenken. 5957 Bekanntmachung. Im Stadtbezirk Schwerke werden auf Grund des§ des Gesetzes vom 4. August 1914 für die hierunter angegebenen Lebensmittel vom 14. d. Mts. ab solgende Höchstpreise für den Kleinoerkauf festgesetzt: Für ein Pfund: 1. Weizenmehl 23 Pig 2. Roggenmehl 21 3. Salz 10„ 4. Rcis 25„ 5. Zucker 28 6. Fleisch a) Schweinefleisch(mager) 90 b) dto.(Schinken- u. Schullerstücke) 80„ c) dto.(durchwachsen) 70 d) Speck 80„ e) Schmalz 80 k) Frische Mettwurst 90„ 8) Rindfleisch 80„ h) Gehacktes Rindsleisch 100 1) dio. Schweinefleisch 90„ 1) Kalbfleisch 85„ 7. Kartosseln 3½= 8. Graubrot 17½ 9. Weizenstuten 20 10. Für 6 Pfund Schwarzbrot 80 11. Für 4 Brötchen im Gewichl von 145 Gr. 10„ Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daf unter„Höchstpreis“ der Preis für beste Qualität zu verstehen ist. Die Käufer wollen im eigenen Interesse darauf achten. daß vorstehende Preise nicht überschritten werden und bei etwaigen Zuwiderhandlungen der unterzeichneten Behörde Anzeige erstalten. Schwerte, den 12. September 1914. 5817 Der Magistral: Nohrmann. Inntmachung. Sämtliche zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit zu ihren Angehörigen entlassenen Verwundeten und Kranken aus den Kreisen Dorlmund Land, Hörde Stadt und Land haber sich mündlich oder gegebenenfalls schriftlich beim unterzeichneten Bezirkskommando zu melden, insofern sie nicht vom Reservelazarett in die Heimat entlassen wurden und die Heilung von diesem überwacht wird. s9os Bezirkskommando II, Dortmund Mutterveratungssteue Millwoch, d. 16. Sepl. nachm. 8 Uhr Lokal: Sedanschule. Parocbial- 595 Lebrer=Konferenz Schwerte—Westhofen. Mittwoch, 16. Sepf., nachm. 4 Uhr. im Holel Quadbeck. Tagesordnung: Vortrag:„Vom kullurgeographischen Unterricht" Fleißiges, sauberes Morgengesucht. Zu erfragen in der Expedition dieser Zeitung. 5950 Ein ordentliches Kaachen wird für einige halbe Tage in der Woche gesucht. 5954 Kl. Markistr. 4. Zum 1. oder 15. Oktober ein ordentliches kräftiges Kurteliott. gelbfleischige 100 pand 300 Pfennig 10 Pfund 8555 Pfennig. Die Kartoffeln werden nur lose, d. h. ohne Düte verkauft. 5962 IL. Weinberg. Wollen Sie Seité Bettel kaufen? So gehen Sie nur in ein reelles Geschäft zu dem Sie Vertrauen haben. Sie erhalten in dem Bettengeschäft von Otto Wilkes nur garantiert doppelt gereinigte, staubfreie Bettfedern und Daunen zu den bekannt billigsten Preisen. Barchend— und farbecht.— Otto Wilkes Bahnhofstr. 19. Schwerte, Bahnhofstr. 19. Kaschen M 837 Dem bescheidenen, uns immer freundlich entgegen getretenen Gärtnergehilfen Herrn Paul Plüschke Nachral. 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Färsen Gering genährtes Jungvieh(Fresser) 2. Kälber a) Doppelender, feinste Mast.. b) feinste Mastkälber c) mittlere Mast= und beste Saugkälber d) geringe Mast= und gute Saughälber 45—47 81—81 33—41 72-80 81—35 61—70 32—34 61—65 27—29 57—61 44-46 78—82 33—37 66—74 27—29 62—66 23—26 55—62 46-48 73—75 42—45 69—73 37—40 30—3 61—67 55—60 e) geringe Saugkälder. 3 Schafe Stallmast= a) Mastlämmer und jüngere Mastschafe: hammel....... b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte sunge Schafe—— c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe)—— Weide= a) Mastlämmer—— mastschafe: b) geringe Lämmer und Schafe—— 4. Schweine. a) Fettschweine, über 150 kg. 3 Jentner Lebendgewicht—— b) vollfleischige Schweine von 120—150 kg(240—300 Psd.) Ledendgewicht 44—46 54—57 c) vollfleischige Schweine von 100—120 kg(200—240 Psd.) Lebendgewicht 44—46 53—57 d) vollfleischige Schweine von 80—100 kg(160—200 Pfd.) Lebendgewicht 43—46 52.-57 e) vollfleischige Schweine unter 80 kg(160 Psd.) Lebendgewicht 42-45 51—53 Sauen 39-44 48—53 9* Die Frösche quakten kreuzvergnügt weiter, während bei sonstigem täglichen Besuch dieses unerwünschten Gastes stets Todesschweigen herrschte.— Was denken Sie, meine Herren: wie ich näher komme, bemerke ich auf dem Gefieder und dem Schnabel des Bruders Langbein eine Schar übermütiger Quaker und ihn selbst so kreuz'idel diese Last duldend, daß ich sogleich an den Urfrieden aller Wesen erinnert wurde. Und nicht einen sah ich ihn fressen, wohl jedoch mit eigentümlich behaglichem Glucksen den Schnabel auf= und zuklappen. Und wie das kam? Durch das Dünnbier. Das Bier hatte Meister Langbeins Raubinstinkte völlig erstickt“—„ Der Stammtisch lachte und man tat, als ob man die— Ente gle bie. ***4 —— könnte man den Einwand machen, daß dunkle Körper im Wektraum das Licht einer gewissen Zahl selbstleuchtender Himmelskörper verhinderten, in unser Auge zu gelangen. Professor Newcomb aber ist der Überzeugung, daß dunkle Körper im Weltraum nicht so zahlreich vorhanden sind, damit das geschehen könnte, anderenfalls wäre es nicht möglich, daß wir die Milchstraße als einen ununterbrochenen Lichtstrom am Himmel wahrnehmen. Aus alter Zeit. Der zurückgegebene Orden. Ein Offizier Ludwigs XVIII., Königs von Frankreich, dem ein naher Verwandter des Königs in der Hitze das Ehrenkreuz von der Brust herabgerissen, kam zum Könige, um wegen dieser Kränkung seinen Abschied zu begehren.„Nehmen Sie das Verfahren meines Verwandten nicht so übel!“ sagte der ebenso gutmütige als gerechte König;„er wollte nur den geringeren Orden wegnehmen, um einem vornehmeren Platz zu machen.“ Und mit diesen Worten nahm er seinen eigenen Orden von der Brust, um ihn dem Offizier anzuhesten und so statt seines Verwandten die zugefügte Kränkung wieder gut zu machen. Eine gewährte Bitte. Ein Fähnrich, der aus dem Militärstande wegen Übernahme des väterlichen Gutes entlassen zu werden wünschte, schrieb an Friedrich den Großen ein Gesuch, das mit den Worten begann: „Geehrter Herr König! Hierdurch möchte ich Sie um meinen Abschied gebeten haben, weil ich u. s. w.“ Der König schrieb dar unter:„Allerdurchlauchtigster Herr, großmächtigster Fähnrich! Er ist ein grober Esel, den ich nicht brauchen kann. Gehe er meinetwegen, wohin er will! Friedrich, R.“ Ein zerstreuter Gatte. Der Prosessor Thomasius in Königsberg war zerstreut wie alle Prosessoren. Eines Tages fiel es ihm auf, daß seine Frau ihm einen großen Strauß auf seinen Schreibtisch stellte.„Was soll denn das bedeuten?" frug er erstaunt.„Einfach, daß heute dein Hochzeitstag ist!“ erwiderte die Frau Professorin.„Was nicht gar?— Gut, teile mir mit, wenn deiner an die Reihe kommt, und ich werde mich revanchieren!“ war die verblüffende Antwort des Professors. Der Naturfreund. Die Krast des Wassers. Eine merkwürdige und überzeugende Illustration der Kraft des Wassers wurde kürzlich in einer der öntlichen Städte der Vereinigten Staaten geliefert. In einem Gasthause kam es nämlich zu einer Wette, dahingehend, daß auch der stärkste Mann es nicht aushalten könne, sich ein Quart(etwa 11/8 Liter) Wasser tropfenweise aus der Höhe von etwa einem Meter auf die Hand fallen zu lassen. Ein kräftiger, untersetzter Gast ging auf die vorgeschlagene Wette ein in der Meinung, eine solche Kleinigkeit könne ihn gar nicht belästigen; doch bevor noch 500 Tropfen auf möglichst dieselbe Stelle seiner Hand niedergefallen waren, zog er diese mit der Erklärung zurück, daß er von dem Versuche genug habe. Jeder Tropfen schien ihm fast die Hand zu zerschlagen, in der sich eine umjängliche Bla,e gebildet hatte. Die Zahl der Sterne. Die Zahl der Sterne hat der berühmte Aslronom Professor Newcomb auf mutmaßlich 125 Millionen angegeben. Nach den Forschungen dieses Gelehrten liegen sämtliche Gestirne innerhalb einer ungeheuren Kugel, deren Halbmesser 200 Millionen mal größer ist als der Abstand der Sonne von der Erde. Von einem der äußersten Punkte dieser Kugel würde das Licht, das mehr als 300 000 Kilometer in der Sekunde zurücklegt, etwa 3300 Jahre brauchen, ehe es bis zur Erde gelangte. Wäre das Weltall unendlich und die Sterne gleichmäßig durch den Weltraum zerstreut, so müßte der Himmel von dem Licht unzähliger Millionen von Sternen erstrahlen, meint Newcomb, denn Licht kann nicht verloren gehen, wie lange es auch im Raum umherreist. Nun Für die Sammet aufzufrischen. Echten und unechten Sammet stellt man wieder wie neu her, wenn man ihn mit einer vier Finger breiten Speckschwarte, von welcher man das Fett ziemlich entfernt hat, nach dem Strich genau überstreicht, ähnlich wie man Kleidungsstücke mit der Bürste reinigt. Der Sammet wird so lange mit der Speckschwarte leicht überstrichen, bis die Flecke und gedrückten Stellen darauf verschwunden sind. Dann legt man ein stark angefeuchtetes Tuch auf die ziemlich heiße Osenplatte und hält, sobald der Dunst heftig emporsteigt, den Sammet so lange darüber, bis sich derselbe vollständig aufgerichtet hat. Wachs= und Harzflecke entfernt man aus Sammet, indem man die Flecke mit Benzin befeuchtet, Löschpapier darauf legt und die betreffende Stelle mit der Unterseite auf einen Kessel mit heißem Wasser hält. Das Wachs oder Harz schmilzt und zieht in das Löschpapier ein. Dann überfährt man den Sammet ganz sanft mit Weingeist und bürstet ihn nach dem Striche aus. Falsch angebrachte Sparsamkeit der Frau. Unter diesem Titel veröffentlicht eine englische Zeitschrift einen amüsanten Artikel, der recht viel Wahres enthält.„Wir sind Künstlerinnen im nutzlosen Fleißigsein,“ schreibt die Verfasserin des Artikels.„Denkt an die unzähligen Handarbeiten, die wir gemacht haben, an die zahllosen Deckchen und die sinnvollen Ruhelissen, die doch nur dazu da sind, um Staub zu fangen. Denkt an die öden Stunden, die wir am Klavier verbringen, ohne daß wir ordentlich spielen lernen; denkt an die jammervollen Bilder, die wir gemalt haben und die niemand sehen will; denkt an all die Dinge, die wir ebenso gut hätten nicht tun können. Wohl gibt es männliche Müßiggänger, aber mir scheint, ihre Zahl ist nichts im Vergleich zu den ehrbaren Damen, die so außerordentlich gebildet und so unendlich faul sind.“ Die fasserin spricht von der notorischen Unfähigkeit einer Frau, ein gutes Essen einzunehmen, wenn sie sich selbst überlassen ist:„Ist es nicht ein Zeichen unserer verrückten Sparsamkeit, daß wir uns von den absonderlichsten Dingen nähren? Wird irgend ein wohlhabender Mann zum Frühstück einen Cakes oder etwas Schokolade verzehren, wie wir es tun? Wohl gibt es Frauen, die kochen können, aber keine, die essen kann. Di Frau hält gutes und nahrhaftes Essen für eine furchtbare Arbeit und schreckliche Verschwendung. Ein Mann ist fest davon überzeugt, sein Geld gut angelegt zu haben, wenn er sich etwas besonders Gutes zu essen und zu trinken geben läßt. Die Frau dagegen hält für das Notwendigste gute Kleidung und Schmuck. Ich glaube wirklich, wenn die Frauen nicht um der Männer willen essen würden, so würden sie sich in Samt und Seide kleiden und Hungers sterben.“ Humor des Praktischer Rat. Nachbar(wütend):„Können Sie es nicht einrichten, daß Ihre Töchter etwas weniger häufig Duette spielten?"— Praktischer Vater:„Ich will Ihnen was sagen! Heiraten Sie eine von ihnen, das wird der Sache bald ein Ende machen!" Absurd. „Ist Florries Verlobung wirklich aufgehoben?“— O ja. Jack verlangte, daß sie das Spielen und Rauchen und wer weiß, was sonst noch alles ausgeben sollte.“— Chory:„Wie absurd!“ Amerikanische Logik. Richter:„Sie sind angeklagt, eine Uhr aus einem Schausenster gestohlen zu haben.“— Angeklagter:„Herr Richter, der Inhaber des Ladens trägt selbst die Schuld. Er hatte an der Uhr einen Zettel mit der Aufschrift:„Günstige Gelegenheit“ angebracht.“ Englische Literaturkunst. Prof.:„Wenn man also den deutschen Dichter Goethe ins Auge saßt, so zerfällt er in drei Teile!“ „Der Nachdruck des gesamten Inhalts dieser Beilage ist untersagt.für den Kreis börch Amtüches Kreisblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 216. Dienstag. 15 September 1914 Der große Mann geht seiner Zeit voraus, Der Kluge geht mit ihr auf allen Wegen, Der Schlaukopf beutet sie gehörig aus, Der Dummkopf stellt sich ihr entgegen. Graf Kwelerath und seine Söhne. Roman von Horst Bodemer (15. Fortsetzung.) Traurig schüttelt Fräulein von Herbarth den Kopf. „Dieser Zustand hält nun schon seit Monaten an, wenn Rotter zu uns kam, schlug mir das Herz schneller und wurde Wendefurth gemeldet, dann meinte ich oft, den hast du doch noch lieber. Ich habe viel darüber nachgedacht und bin doch nicht klüger geworden, beide sind Gegensätze, mein Vetter der elegante Weltmann, der Offizier. der stille, gediegene Charakter, bei dem ein Weib ihr Lebtag gut aufgehoben sein wird!“ „Deiner Rede nach schätzt du Wendefurth höher ein!" „Ja und nein, Stephanie! Du darist nicht vergessen, ich bin ein Kind der großen Welt, Rotter kann mir mehr bieten und— ich fühle, er liebt mich aufrichtig! Dazu kommt, er ist ein schöner Mann, das kann man von Wendefurth durchaus nicht behaupten!" „Närrchen, wenn man wählt, muß man die Augen schließen und das Herz sprechen lassen!“ Da stampft Hertha unmutig mit dem Fuße auf und verzieht den Mund. Stephanie muß lachen.„Ja, ja, ich weiß, wir Evastöchter warten nicht gern, uns reizt dies Leben, das in dichten Schleiern vor uns liegt!“ „Es ist schön, dieses Leben, Stephanie, nicht wahr?“ „Wenn man den Mann der Wahl aufrichtig liebt, unsagbar schön!“ Hertha springt auf, das Blut hämmert ihr in den Schläfen. Schwere Tritte werden hörbar, Sporen klirren, Egon Kwelerath betritt das Zimmer. du,„Schwippschäwgerin, morgen bekommst du Besuch, auch Stephanie!“ Sie fragen, wer denn komme. „Eine Überraschung, Herrschaften, Ringenau ist verkauft!“ „An wen denn?“, fragt Stephanie. „Ratet mal, Ihr kennt ihn beide!“ Schnell antwortet Hertha:„An Rotter!“ „Stimmt! Ich traf ihn eben, er bittet um gute Nachbarschaft!" Dem jungen Mädchen wird das Zimmer zu eng, sie entfernt sich bald unter einem nichtigen Vorwand. Kwelerath ist mit seinem Weibe allein. „Egon, wird dir's auch nicht unbehaglich sein, Herrn von Rotter als Nachbar zu haben?“ „Warum denn?" Sie schlägt die Augen nieder, das Blut steigt ihr zu Kopf. Er sieht sein Weib an, wie schön ist es!„Hast du San Remo vergessen?“, fragt sie leise. „Vergessen?— Nein!— Man vergißt doch die Stunde nicht, die man segnen muß!“ Da wirft sich Stephanie an ihres Mannes Brust. Er hält sie fest in seinen starken Armen. „Zehn Jahre hat das Glück am Wege gestanden, Egon. und ich habe es nicht gesehen!" Er küßt sie auf die Stirn.„Besser erst der Krieg und dann der Frieden als umgekehrt!" „Aber der Krieg wäre doch nicht nötig gewesen!" „Kind, das können wir nicht beurteilen, ein gläubiger Christ sagt: Herr, dein Wille geschehe!“ Da sieht sie ihrem Mann voll ins Gesicht und ist namenlos glücklich, obgleich sie weiß: Egon gehört nicht zu den Klügsten, aber zu den Pflichttreuesten, Glaubensstarken in deutschen Landen. Und er errät, was sie denkt. Mit einem Lächeln um den Mund sagt er:„Ich habe mein Lebtag nach einem Ziel gestrebt, nach der inneren Zufriedenheit! Ohne Sorgen lebt kein Mensch, aber ich bin diesem Ziel durch dich, liebe Stephanie, in der letzten Zeit recht nahe gekommen. Laß die Philosophen reden, was sie wollen, vor dieser Mauer, und auf der thront Gott, brechen sie zusammen, alle miteinander!“ 26. Und Rotter kam! Er wurde von Kwelerath herzlich empfangen. Hertha ließ sich noch nicht sehen, sie hatte. das Gefühl, er werde noch während ihres Aufenthaltes in diesen Mauern die entscheidende Frage an sie stellen. Der Baron fragte ehrlich:„Sie werden mir gute Nachbarschaft angedeihen lassen, gnädigste Gräfin, nicht wahr?“ „Von Herzen gern!“ Er wandte sich an Kwelerath.„Die gnädigste Gräfin hat mir damals in San Remo zugeredet, mich wieder anzukaufen, und sie tat recht, ich habe das nunmehr eingesehen, man muß arbeiten, ein festes Heim haben, sonst verliert man die guten Eigenschaften, die einem jeden Menschen angeboren sind!— Und wenn ich Rates bedarf, so darf ich wohl bei Ihnen anklopfen, Herr Graf!:„ „Es wird mir immer eine Freube sein,“ versicherte der herzlich.„„„ Da erschien auch endlich Hertha.„Guten Tag, HansHeinrich, du scheinst die Überraschungen zu lieben!“ „Bis heute ja,— nun nicht mehr, liebe Hertha!“ Sie mußte den Blick senken, denn Rotter sah ihr fest ins Auge „Natürlich bleiben Sie zu Tisch!“ „Wenn ich darf, gnädigste Gräfin, recht gern!“ „Nun will ich Ihnen meine Jungens vorführen!“ Stephanie verließ den Salon und kehrte bald mit Taß und Friedrich Karl zurück... P.in, Maria eiaen fltt „Dann werde ich Ihnen meine kleine Maria zeigen, jetzt schläft sie!“ Rotter sah die Gräfin mit einem kurzen, scharfen Blicke an, sie verstand ihn wohl und wurde verlegen. Kwelerath forderte ihn auf, mit ihm einen Gang durch die Ställe zu machen, Hertha begleitete die Herren. Rotter erkundigte sich nach den Viehpreisen, den Absatzverhältnissen. Ins Schloß zurückgefehrt, präsentierte ihm die Gräfin ihr Töchterchen. Er sah Siephanie an, nun wußte er, in Kwelerath war ein großes Glück eingezogen, das machte ihn froh. Nach Tisch machte Hertha mit ihrem Vetter einen Gang durch den Park.„So schön ist Ringenau nicht. Aber ich hoffe, Ihr fahrt in den nächsten Tagen einmal rüber, eingerichtet bin ich allerdings noch nicht, ich möchte da gern deinen Rat hören, Hertha!“ 9 Sie verstand ihn wohl, sie wurde rot und um es nicht jetzt zu einer entscheidenden Aussprache kommen zu lassen, sagte sie rasch:„Hans=Heinrich, dränge mich nicht!“ „Energie führt zum Ziele, Hertha, ich habe mich angekauft, um dir ein Heim bieten zu können!“ „Ich sagte dir schon, ich kann dir auch heute noch immer keize Antwort geben!“., 1. E, versuchie un lächelin 88 „Das betrübt mich seyr: Er versuchte zu lächeln, es gelang ihm aber nicht, ein schmerzlicher Zug lag um seinen Mund: das tat Hertha weh.„Hab doch Geduld, Hans„Es ist bitter für einen Mann zu warten— unter solchen Umständen!“„.,„4 „Deinem Rivalen geht es nicht besser!“ Noch immer sieht er sie mit seinem schmerzlichen Lächeln an.„Wenigstens meine Ehrlichkeit sollte dir was sein.— Wenn ich dich bettelte, mir einen festen Halt im Leben zu geben, wenn ich dir sagte, dies unstäte Leben zermürbe mich, du allein könntest mich relten, nicht einen Augenblick würdest du zögern, mir deine Hand zu geben. Wenn Ihr Frauen bemitleiden könnt, seid Ihr zufrieden, Kraft imponiert euch nicht annähernd so. Je zerknirschter, je hilfebedürftiger wir vor euch treten, um so leichter gewinnen wir!— Sieh, ich habe dich so lieb, daß ich mit osienem Bisser fechte!.... iht was T. Haranf ant. Und Hertha Herbarty weiß nicht, was nie barauf antworten soll. Rotter fährt fort:„Wendefurth ist ein Gegner, den ich gelten lasse!“. 6 „Aber du kaufst dich schneu hier an, weil ich bei Kweleraths bin!“. 64 15 „Du irrst, das hat andere Gründe!“ Und welche, wenn ich fragen darf““ iuun autim Sraurs „Ich stehe allein auf der Welt, ich will einen guren Freuno haben und der wird mir der Graf werden!" Und Stephanie!“ 9 Absichtlich überhört er den bösen Unterton.„Die Beiden sind eins, ich hoffe wahrhaftig auf treue Freundschaft hier!“ Abends liegt Fräulein von Herbarth noch lange wach in ihrem Bett, sie wird aus ihrem Vetter Hans=Heinrich nicht klug, bald ist sie böse auf ihn, bald tut er ihr leid. Vor ihr geistiges Auge tritt Wendesurth, der stille Mann, mit dem bleichen Gesicht und den ernsten Augen, da meint sie, eigentlich könne man vor ihm Furcht haben, aber Aribert und Elisabeth singen doch sein Loolied in allen Tönen!— „Stephanie, ich möchte morgen reisen!“ „Aber Hertha, so schnell?— Gefällt es dir denn nicht mehr bei uns?“ „O doch,— herrlich, aber ich muß!“ Rotter?“ Sie nickte stumm mit dem Kopfe.„Kind, ich verstehe dich nichtt.....s Jiht Stenhanigl. „Ich mich ja selbst nicht, Stephanie!“ „Also du reißt vor einer eingebildeten Gefahr aus?“ „Es ist schrecklich, in solchem Zwiespalte zu leben, ich komme zu keiner Entscheidung!“: 125 vermänsi, „Aber wer drängt dich denn?— Sei doch vernunftig, gut Ding will Weile haben!" „Aribert und Elisabeth bombardieren mich mit Briefen, Wendesurth sei wie umgewandelt, er spräche überhaupt nicht mehr bei ihnen vor und hier setzt mir Rotter die Pistole auf die Brust!“ Davon habe ich noch nichts gespürt!— Übrigens kommst du vom Regen in die Trause, wenn du nach Hause fährst, denn Wendefurth wird oft bei deinen Eltern vorsprechen, immer kannst du dich nicht verleugnen lassen.— Bleibe!" „Ich habe Furcht vor Rotter,“ sagte sie hastig. Da nickt die Gräfin langsam mit dem Kopfe.„Du kannst dir das vorstellen, Stephanie?“ Sie erzählt Hertha rückhaltlos, was sich in San Remo wgetragen. „Und das weiß dein Mann?“ „Er weiß es!“ 6 „Ihr habt einen heftigen Zusammenstoß gehabt?“ „Im Gegenteil,— endlich fanden wir uns!“ Eine lange Pause entsteht.„So hältst du viel von Rotter?“ „Nicht nur ich, auch Egon!“ „Was würdest du tun in meiner Lage?“ „Darauf muß ich die Antwort verweigern,— ich bin Partei!“ „Bleibe ich hier, dann— Kwelerath als Rotters Braut!“ ich weiß es,— verlasse ich „Wenn du bleibst, wird es uns herzlich freuen, wenn du aber gehen willst, dürfen wir dich unter diesen Umständen nicht halten!“..., margen, üherlagen i. „Ich werde es mir bis morgen überlegen!“ „Tue das, Hertha!“ Sie verläzt das Zimmer, die Gräfin sieht ihr lächelnd nach.— Fräulein von Herbarth redet nicht wieder von ihrer Abreise.—„, 416 Roter zum Für den nächsten Sonntag hat Kweleraty Roller zum Mittagessen eingeladen, er sagt zu. Unter vier Augen findet er Gelegenheit, mit Hertha zu sprechen. „Ich möchte wohl, du träfest deine Entscheidung, sag ja oder nein, mich reibt die Ungewißheit auf!“ „Denkst du mich nicht, Hans=Heinrich?“ „So mach der Qual ein Ende!" „Leidest du wirklich um mich?“ „Das wollt ihr Frauen ja hören,— ich leide!“ „Bis heute, nicht länger, Hans=Heinrich, du sollst der Sieger sein!“. Aribert ging mit großen Schritten in seinem Arbeitszimmer auf und ab. Auf seinem Schreibtische lag ein Brief von Hertha. Seine Frau saß auf der Chaiselongue und sah ängstlich auf ihren Mann. um an Lem „'Ne schöne Nuß, die uns da deine Schwester zum nnacken gegeben! Ich, der Wendefurth so viel zu verdanken hat, soll ihm ihre Verlobung mit diesem Rotter mitteilen!“ „Aribert, es ist doch besser, er erfährt es durch dich,— seinen Freund!.. J.. Ja6r Jurchans nicht „Dein Vetler paßt mir als Schwager burchaus nicht! Da sieht man wieder mal, was ein großer Geldsack zustande bringt!" „Verkenne Hertha nicht!“ „Meinst du, die Entscheidung wäre wirklich schon gefallen, wenn sich dieser Hans=Heinrich nicht Ringenau, ausgerechnet in Egons Nachbarschaft, gekauft hätte?“ „Gewiß nicht##t schon, aber...“ „Papperlapapp, mein süßes Frauchen! Ich hätte Hertha schon zur Vernunft gebracht, Wendefurth ist trotz seiner Armut zehnmal mehr wert als Rotter!" Bevor Elisabeth antworten kann, klingelt es. Schnell steht sie auf.„Rede nur erst mit Wendefurth allein, dann „Nun, Strahlendorff, ich ahne die Wahrheit, deine Schwägerin hat sich verlobt!“ „Leider,— noch dazu mit diesem Rotter,— ich bin Wendefurth blieb ganz ruhig, nur sein Gesicht war noch bleicher geworden.„So tobe doch nicht, Tatsachen muß man hinnehmen, nur um eines bitte ich dich und deine Frau: Freunde drückten sich die Hand.„Du bleibst natür„Wenn ich euch nicht lästig falle, das Alleinsein würde Aribert ging zu seiner Frau und teile ihr kurz Wendefurths Bitte mit. Sie haben zusammengesessen, geschwatzt und gelacht und dabei war es den Dreien gar ernst ums Herz. 27. Rotter führte im Herbste, nach der Ernte, die Braut heim.— Im Winter wurde Aribert Vater eines Knaben. Wendesurth war nach dem Manöver zum Hauptmann befördert worden in einer kleinen Garnison des Elsaß. Seine Kameraden schüttelten den Kopf.„Wer hätte das gedacht!“ Der junge Hauptmann versicherte immer wieder, daß er sehr gern in die Reichslande gehe. Außer Aribert wollte ihm das keiner recht glauben. Dem hatte er selbst gesagt, daß er seinen Kommandeur gebeten habe, in irgend ein kleines Nest an die französische Grenze versetzt zu werden. „Mich bedrückt Berlin, du kennst die Ursache, lieber Strahlendorff, ganz andere Verhältnisse werden mir gut „Elisabeth und ich verlieren unsern besten Freund!“ „Ich danke dir für diese Worte und denke, wir werden auch räumlich getrennt für alle Zeit gute Freunde bleihen!* * Die alten Strahlendorffs hätten allen Grund gehabt, recht zufrieden zu sein. Ihre Kinder waren glückliche Menschen geworden, die gelernt hatten, ihren Platz im Leben auszufüllen. Leider verdarb die Generalin immer wieder Mucuu sbigymusch u M # „ 8EES S 55.2 E sehr schnell die Harmonie. Die wenigen Familien, mit denen sie in Blankenburg zu verkehren Gelegenheit hatten, rückten von ihnen ab, man fand Frau von Strahlendorff auf die Dauer unausstehlich. Als ein weiteres Jahr ins Land gegangen war, wurde Rotters ein Mädchen beschert. Friedrich Karl sagte mit dem Brustton der Überzeugung, als man ihm Mitteilung davon machte:„Die heirat' ich mal,— aber erst muß ich sie mir ansehen, ob sie mir auch gefällt!.„„ 8668 v. biem fach. Die Eltern, die in der glücklichsten Ehe lebten, lachten. „Überleg' dir das noch zwanzig Jahre, mein Junge!" Der ließ sich aber nicht aus dem Konzept bringen.„Es ist immer gut, Papa, man kann seine Entschlüsse in Ruhe fassen Taß verzog die Mundwinkel, er spielte in der Ecke mit der kleinen Maria, die ihren ältesten Bruder lieber hatte als Friedrich Karl, denn der war ihr zu stürmisch in seinen Lieblolunger..,.„. m(er in Sam Grifemalh Mit Taß fuyr der Vater wieder zu dem Greisswaider Professor.„Mir scheint, der Junge sieht wohler aus, Herr Graf?!“ „Sie haben recht, Herr Professor!“ Wieder wurde Taß nach einer gründlichen Untersuchung ins Nebenzimmer geschickt.„Haben Sie sonst Veränderungen an Ihrem Sohne wahrgenommen?" „Er lernt mit staunenswerter Leichtigkeit, und Gemeinheiten hat er sich nicht wieder zuschulden kommen lassen, von einer geradezu rührenden Zärtlichkeit ist er zu seiner kleinen Schwester!" „Sie haben ihn streng, aber gerecht und ohne Schläge behandelt?.„.„„V. Jhr: Vnarhnungen- K uf „Jawohl, Herr Professor, aule ihre Anoronungen sino auf das Peinlichste erfüllt worden!“ „Wenn nur alle Eltern so vernünftig wären, den guten Erfolg sehen Sie ja!“ „Nun kommt aber die wichtigste Frage! Ich muß den Jungen aufs Gymnasium schicken, haben Sie Bedenken?" „Offen gestanden ja und nein!“„.2 86 „Bitte, reden Sie ganz ehrlich, Herr Professor, ich habe volles Vertrauen zu Ihnen!“6 8188: „Geben Sie den Jungen in eine nicht zu große Staot und in strenge Zucht!" „Ich dachte schon an Greifswald!" „Ganz einverstanden!— Reden Sie mit dem Direktor, einige Oberlehrer halten sich Pensionäre, der Herr wird Ihnen am besten mit Empfehlungen dienen können!" „Sehr verbunden, Herr Professor, ich werde es sofort tun!“ Noch an diesem Tage kam der Graf zum Ziel. Taß wurde für Ostern angemeldet und in Pension zum Oberlehrer Seifert gegeben. Dann fuhr Kwelerath mit seinem Sohne heim. Der machte ein sehr betrübtes Gesicht, viel anders schien es bei Seiferts auch nicht herzugehen wie in Dumbkow. Ein Trost blieb ihm, Friedrich Karl war nicht besser dran, er war angemeldet worden ins Kadettenkorps nach Kulm. Die Gräfin gab ihre Söhne nur ungern weg, aber sie sah ein, es ging nicht zu ändern. Ihr Mann versuchte sie zu trösten.„Die Jungens müssen hinaus ins feindliche Leben und die Zähne heben lernen, da hilft alles nichts. Taß lernt leicht, der soll später studieren. Friedrich Karl muß zufrieden sein, wenn er glatt durchs Korps kommt. Aber er ist ein kleiner, praktischer Kerl, der sich schon zurecht finden wird. Ein paar Jahre geben wir ihn zu den Ulanen nach Demmin, dann soll er mir beistehen, und wenn ich anfange, tapprig zu werden, übergebe ich ihm sein Erbe Raulick und Büsendorf zu eigener Bewirtschaftung, er hat ja viel Interesse an der Landwirtschaft!"(Fortsetzung folgt.) Das ausgelaufene Bier. Eine lustige Stammtischgeschichte. Man saß am liebgewordenen Freitags=Stammtisch und erzählte die üblichen Geschichten, die den Aufenthalt beim Bier so angenehm würzen. Fettbombe hatte soeben eine köstliche, selbsterlebte Münchhausiade geendigt, die seine über die Maßen häßliche Bulldogge als Held hatte; wir staunten über die „Intelligenz“ dieses Unviehs, dem keiner von uns seine Waden zu nahe zu bringen wagte, obgleich es noch keinen von uns mit einer herzlichen Berührung seines fürchterlichen Fangs bedacht hatte. Trotz dieser einzigen Befürchtung aber litten wir„Packan“ ganz gern bei uns, denn erstens schienen selbst die Flöhe sich vor ihm zu ängstigen und zweitens schlief er zumeist neben der zierlichen Mieze, die ihn völlig unter der Fuchtel mit ihren Krallen hatte. Ein rührendes Bild, wenn diese beiden natürlichen Feinde in so inniger Freundschaft aneinandergelegt Morpheus Umarmung erduldeten. Da staunten wir alle auf, denn von ganz unvermuteter Seite her war um Aufmerksamkeit ersucht worden. Fackel— unser schweigsamstes, aber um so trinkfesteres Mitglied, so genannt, weil sein Lieblingsschlag= und Aufmunterungswort zum Loslegen einer angemeldeten Erzählung„Na los. nich lange gefackelt!“ war— wollte etwas erzählen! Natürlich waten wir alle ganz Ohr. g. Phacht,#. Tehhambe bi. „Nich lange gefackelt! aiso Ovacht! Da Fettomve die Tierwelt angeschnitten hat, wollen wir bei ihr bleiben.— fällt mir da gerade eine Geschichte ein, die ich selbst erlebt habe... jawohl: selbst erlebt! Na, nich lange jefackelt! Also: Als junger Mensch lernte ich— was, ist Nebensache!— in Beuthen an der Oder und machte mir ein Vergnügen daraus, an jedem freien Nachmittage nach Dalkau zu wanden. Hin und wieder nahm mich auch unser Brauer auf seiner Karre mit und ließ mich kutschieren, was so einem 16jährigen Schnösel ja immer ein Heidenvergnügen ist.— Es ist nämlich ein ganz eigenartiges Vergnügen, auf dem unheimlich langen Wege durch diese Sandwüste so recht die langstelzigen Mähren dahinzujagen. Auf so einer Jondelfahrt hatten wir einmal Malheur. Knax— war das Hinterrad raus und plauz— kullerten ein paar Fässel Bier nach Beuthen zurück. Na, das war eine schöne Arbeit bei 25 Grad, wie Sie sich denken können. Aber geschafft haben wir's doch. Doch erst, als das Rad wieder fest und gesichert war und die Fässer von der Chaussee aufgesammelt worden, bemerkten wir die Bescherung, die uns bis dahin entgangen.— Ein Faß— ein ganzes Viertel— war nicht weit von dem Froschgraben— vom Wege gewichen, durch irgend einen Anprall war der Keil herausgesprungen und das ganze schöne Bier ausgelaufen. Aber beruhigen Sie sich: es war bloß das berühmte Dünnbier. Da lag nun das viele unnötig gebraute Bier just in einer ausgetrockneten Pfütze und warf die schönsten Reflexe der Sonne uns Verzweiselten in die brennenden Augen. Es wieder in die Tonne zu füllen, ging nicht gut an, denn immerhin war genug Sandzusatz zu entdecken. Na schließlich tröstete sich der Brauer mit meinem lnappen Taschengeld, dem er ein paar Schmugroschen zufügte,— und schweren Herzens gings weiter. Unsere Stimmung taute wieder auf. als wir bei der nächsten Rast ein paar Bauern beim Kartenspiel die Geldsäcke auskloppten. Wir teilten gewissenhaft den Raub und verabschiedeten uns dann in Dalkau, wo ich auf die Berge lletterte. Wie ich wieder um fünfe rum heimwanke, funktioniert mein Kompaß ganz eigentümlich. Dieser Kompaß war nämlich der Froschgra en— ja ja, staunen Sie. Denken Sie sich einen Teich von dem Umsang dieses Lokals, voll Morast was meinen Sie wohl, wieviel Frösche der fabriziert! Und dann machen Sie sich ein Bild von den allsommerabendlichen Froschkonzerten In mäsigem Tempo haben Sie drei Stunden mit 16 jährigen Beinen und 16 jährig bekneiptem Kopfe von Dalkau bis zu diesem Froschteich, von wo aus Beuthen. wenn man den Weg nicht allzulange in der Wegschänke unterbricht,'ne lnappe Stunde wegliegt. Also schon gleich vor Dalkau vernimmt man ein ganz eigentümliches Sausen. Man glaubt, ein Walzdampfwerk arbeitet in gelinder Ferne. Und mit jedem Schritte wird das deutlicher. Die Walzmaschinen scheinen stärter zu arbeiten, näher zu kommen. Und doch ist alles ringsum— so weit man sehen kann frei von Bauten und Wäldern, die einem den Blick versperren könnten. Und da geht man denn nun stundenlang diesem Geräusche nach, bis man auf einmal ganz deutlich unk unk! kooks kooks! kirrecks lirrecs!“ unterscheidet. So riesigen Anteil nimmt die Luft an diesem gleichmäßig eintönigen Quakkonzert, daß sie seine Weise stundenweit ins Land trägt, Das war immer mein Kompaß. Also denken Sie: An jenem Abend war das ganz etwas anderes, nicht mehr das gleichmäßige, nervenbeunruhigende Walzdampfartige. Das klang plötzlich ganz anders, viel wirrer, so ähnlich, wie eine flotte Marsch= weiodte g.„ Schon von weitem reiße ich die Augen auf. Vor dem Graben schwankte da etwas Weißes auf langen Stelzen— so ganz komisch, meine Herren!“— Ganz recht, es war ein Storch aus Beuthen. Das Wunder wurde nur noch größer.