Sdmunten Zatung: auchcmn daich. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 jährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter Familiensreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabalt gilt als Kassarabatt u. erlischt bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Nichtbeachtung d. gemacht. Zahlungsbedingung. Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grstes und ältestes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncent Aüg derter und icholgntgüchen Nenod. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung dei Königlichen Regierung durch Veröfsentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft.— Die „Schwerker Zeitung“ gewährt ihren Abonnen. ten für jeden mit Tod endenden Unfall gemahzihren Br. 300 Mk. Unfall. dingungen 300 Mk. Unfe Druck u. Verlog o. Carl Braus. Schwerte=Ruhr tots 8t.- cten ebte Shashantericht — Nr. 212. Donnerstag, den 10. September 1914. 46. Jahrgang * Ueber unsere Kriegführung sagt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung": Ein Staat, der von zwei Seiten durch im ganzen überlegene Gegner bedroht wird, wird sich zunächst des einen, womöglich des stärksten, zu entledigen suchen, um sich dann auf den anderen, inzwischen hinzuhaltenden zu werfen. Das war die Lage, in der sich Deutschland zu Beginn des Krieges Frankreich und Rußland gegenüber besand. Unsere Kräfte würder ausgereicht haben, uns in der Verteidigung auf beiden Seiten mit Ehren zu behaupten, aber ein so geführter Krieg hätte günstigsten Falles nur dahin geführt, daß unsere Gegner die Hoffnung, uns niederzuwerssen, vielleicht ausgegeben hätten und deshalb die Hand zu einem Frieden bieten würden, der uns keine Entschädigung für unsere schweren Opfer gewähren könnte. Gelingt es uns dagegen, Frankreich so mürbe zu machen, daß wir von dort für längere Zeit gesichert sind, so können wir dann an die Abrechnung mit Rußland gehen. England rechnet ja mit längerer Dauer des Krieges, weil es hofft, seine Seeherrschaft zu behaupten und uns noch mehr Schaden zuzufügen. Auch das ist ein sehr starker Grund für uns zu der von uns begonnenen allerenergischsten Kriegführung, die den Krieg möglichst schnell beendet. Engresche Zu ich für die danernde Unterstü Berlin, 10. Sept. Der„Berl. Lok.=Anz.“ meldet aus Kopenhagen: Londoner Zeitungen veröffentlichen lange Berichte über die große Schlacht östlich von Paris. Es wird über eine Front von 250 Kilometern Länge gekämpft. Im Laufe des Dienstags war der Kanonendonner in Paris ganz besonders deutlich zu hören. Bisher wußten die Berichte nur von Erfolgen der Verbündeten zu melden. Man sprach sogar schon von einem großen Siege über die Deutschen, wobei die Garde, als sie sich auf Aufforderung nicht ergeben wollte, von den Franzosen angeblich vollständig vernichtet wurde. Dieser Sieg scheint aber auf ebenso zuverlässiger Grundlage zu beruhen, wie die übrigen französischen Siegesmeldungen. Dienstag abend lauteten die letzten Nachrichten dahin, daß die Verbündeten nicht imstande zu sein scheinen, die bisherigen Erfolge ihrer Offensivbewegung aufrecht zu erhalten. Man wird nicht fehlgehen, wenn man hiernach annimmt, daß in Kürze Nachrichten von einer französischen Niederlage erwartet werden können. Die zwei Freunde untereinander. London, 10. Sept. General Joffre hat an Lord Kitchener ein Teleglamm Fesandt, in dem er ihm herzlich für die bahhernde Unterstützung dankt, welche die britischen Truppen der sranzösischen Armee während des ganzen Verlauses der Operationen gewährt hätten. Diese Unterstützung sei in diesem Augenblick von höchstem Wert und sie komme am kräftigsten in dem Kampse zum Ausdruck, der jetzt gegen den deutschen rechten Flügel im Gange sei. Lord Kitchener sagt in seiner Antwort, die britische Armee sreue sich, mit der französischen zusammenwirken zu können. England sei stolz in der hohen Aufgabe, diese Unterstützung gewähren zu dürfen, auf die General Joffre stets vertrauensvoll zählen könne. Tagesbefehl Joffres. Paris, 10. Sept. Amtlich wird gemeldet: Der Generalissimus Joffre hat einen Tagesbefehl an die Truppen erlassen, in dem es heißt: Es ist jetzt nicht mehr der Augenblick, rückwärts zu schauen, sondern anzugreifen, den Feind zurückzudrängen und das gewonnene Terrain, koste es, was es wolle, zu behaupten. —. Die Presse und das Kaisertelegramm. Die„Post“ sogt zu dem Telegramm des Kaisers an den Präsidenten Wilson: Wenn jemals ein Heraustreten des Monarchen aus seiner im allgemeinen gebotenen Zurückhaltung berechtigt war, so in diesem Falle. Unsere Feinde sind bekanntlich im Besitz aller Weltkabel; die wenigen deutschen Verbindungen mit den übersceischen Ländern haben sie unterbrochon. Mit einer geradezu grandiosen Unverschämtheit haben sie seit Beginn des Krieges die Welt belogen und Deutschland beschimpft und verleumdet. Alle Bemühungen gegen diese Lügenslut die Wahrheit zum Siege zu fführen, sind bisher vergeblich gewesen. Die einzelnen Gesandten und Konfuln mochten noch so oft die richtigen Meldungen verbreiten, die deutschen Zeitungen konnten Aussatz über Aufsatz gegen die gegnerischen Lügen schreiben, die Wirkung blieb vollständig aus. An dieser Erklärung des deutschen Kaisers aber kann kein Monarch, kein Staatsmann und kein noch so kleines Blatt unserer Gegner in alben fünf Erdteilen vorübergehen. Wir dürsen damit rechnen, daß die Erklärung in den nächsten Tagen die Runde um die Erde macht. Nur wenige werden es wagen, die Worte des Kaisers anzuzweiseln, nur wenige werden die Unverschämtheit so weit treiben, ihm zu unterschieben, er verbreite die Unwahrheit. Für jeden allzugerechten Deutschen aber wird nun auch der letzte Schein schwinden, ob tatsächlich die brausamkeiten an verwundeten Soldaten, Aerzten und Pflegerinnen begangen worden sind, über die wir seit längerer Zeit berichten mußten. Jedermann weiß, daß eine solche Erklärung des deutschen Kaisers Wort für Wort aufs Genaueste auf Wahrheit und Stichhaltigkeit geprüft wird. An einem deutschen Kaiserwort kann die Welt nicht deuteln und rütteln... Uns Deutschen zeigt diese Erklärung wieder, wie sehr unserem Kaiser der gute Ru) unseres Heeres und unseres Volkes am Herzen liegt. Die„Germania“ sagt: Wag der Kaiser hier ausspricht, kommt nicht nur ihm, sondern dem ganzen deutschen Volke aus tiefstem, ehrlichem, empörtem Herzen. Die„Kreuzzeitung" erklärt, nur wünschen zu können, daß man den Ernst des kaiserlichen Protestes auch in England und Frankreich durchfühlen und berücksichtigen möge. er ein Telegramm gesandt, in dem er Die Schlacht bei Lemberg! Oesterreichisches Kriegs=P Oesterreichisches Kriegs=PresseQuartier, 9. Sept.(3 Uhr nachmittags.) Das lange absichtlich beobachtete Schweigen über die Entwicklung der strategischen Lage im Raume von Lemberg darf nun gebrochen werden. Die um Lemberg verstärkten österreichischen Kräfte haben die Offensive ergriffen. K. v. Nädäer. Heser Kriegs=PresseQuartier, 9. Sept. Nachdem die österreichisch= ungarische Armee in den letzten 5 Tagen ungestört von den Russen hinter den vorübergehend geräumten Landesteilen taktisch günstigere Positionen eingenommen hat, geht sie jetzt von der Desenf Offensive gegen die russische Hauptmacht uver, um in der zweiten Phase die Entscheidung des nach 9tägigem Kampfe beiderseits abgebrochenen Ringens zu erzwingen. Adell. Die„Morgenpost“ hebt hervor: Bei diesem würdigen Protest des deutschen Kaisers wegen, der von unseren Feinden verübten Anmenschlichtetten soll es aber nicht bleiben, sondern unsere Heeresleitung ist entschlossen, wenn es sein muß, mit rücksichtsloser Energie vorzugehen. Die Franzosen berauben Verwundete. Aus dem Hilfslazarett im Hotel Sommer in Badenweiler werden der„Frankf. Ztg.“ zwei 1 kolle zur Verfügung gestellt, die dort durch den als Lazarettinspektor amtierenden Pros. Dr. von der Universität Straßburg im Beisein des Direktors Gustav Krautinger(Genua und Buenos Aires) mit deutschen Verwundeten ausgenommen worden sind. Wir bringen beide Protokolle, deren Inhalt für sich selbst spricht, nachstehend zum AbReserve=Infanterist Gottfried Bosch aus Gutach wurde am 28. August aus dem französischen FeldLazarett in Altkirch durch die dahin vorgedrungene hiesige Sanitätskolonne, nach Abzug der Franzosen, per Auto in das hiesige Lazarett übergeführt. Verwundung: Artilleriegeschoß, rechtes Bein. Ort und Zeit der Verwundung: Im Wald bei Tagsdorf, in der Nähe von Altkirch, am 19. August zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags. Der Verwundete sagt aus: Meine Kameraden mußten mich liegen lassen und ich blieb 24 Stunden an derselben Stelle liegen, an der ich verwundet wurde. Gegen 5 Uhr abends fanden mich etwa acht bis zehn sranzösische Soldaten des 153. Insanterie=Regiments, bedrohten mich mit blanker Wasund beraubten mich meiner Barschaft von zirka zehn Mark und meiner silbernen Uhr. 24 Stunden nach meiner Verwundung fanden mich sodann französische Sanitäter, die mich nach Altkirch brachten, wo ich am 21. August durch einen französischen Arzt amputiert worden bin. Die Behandlung burch die französischen Sanitäter und Aerzte war den Umständen entsprechend gut und human. Dise Ver gung war indessen ungenügend, weil nichts vorhanden war, denn auch die französischen Verwundeten konnten nicht besser verpflegt werden als die deute. Gem 4 Für die wahrheitsgetreue aufahme obiger Aussage leisten Gewähr: Prosessor Dr. Jessen und Gustav Krautinger. Landwehrmann Adam Fath aus Oberfslockenbach bei Weinheim wurde am 28. August durch die hiesige Sanitätskolonne per Auto aus Altkirch hierhergebracht. Verwundet: 1. Durch Artilleriegeschoß am rechten Arm. 2. Gewehrgeschoß am Mund. Ort und Zeit der Verwundung: Tagsdorf bei Altkirch zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags des 19. Augst 1911.„mnge Der Verwundete sagt: Meine zurückgehenden Kameraden mußten mich zurücklassen, versuchten zwar später, mich zurückzuholen, abber erfolglos. Kurz darauf kam eine Anzahl französischer Insanteristen, die mich in eine nahe Scheune schleppten, woselbst sie mir die Uniform herunterrissen und die Unterkleider mit Messern ausschnitten. Sodann beraubten sie mich meines Brustgeldbeutels(Inhalt 20 Mark) und meines Taschengeldbeutels(Inhalt 3 Mark). Eine Uhr hatte ich nicht bei mir. In dieselbe Scheune schleppten dieselben und andere dazu gekommene französische Infanteristen eine große Anzahl deutscher Verwundeter während der ganzen Nacht, und alle diese Verwundeten wurden ebenfalls wie ich ausgeplündert und bedroht. Vorgegangene deutsche Rote Kreuz=Träger wurden von den Franzosen gefangen genommen und verhindert, uns zu verbinden. Erst am nächsten Morgen 10 Uhr fanden uns französische Krankenträger, die uns mit Wasser erfrischten und nach Altkirch brachten, wo ich erst abends 7 Uhr verbunden, resp. amputiert worden bin.— Die Behandlung durch die französischen Sanitäter und Aerzte war human und gut. Die Verpflegung aber schlecht, resp. ungenügend. Sie bestand aus Wasser und etwas Brot. Die Franzosen hatten auch für ihre eigenen Leute nichts anderes. Für die wahrheitsgetreue Aufnahme der Angaben haften: Professor Dr. Jessen, Direktor Gustav Krautinger. Dem Protokoll beigesügt ist die Abschrift einer Erklärung des kaiserlichen Kreiskommissars Fondau in Altkirch, der nach Badenweiler beordert worden war, als die Franzosen im 1 drangen, und seine Frau hatte zurücklassen müssen. Die Erklärung besagt: Am Montag, 24. August 1914, ist meine schon seit Jahren kränkliche Ehefrau Marie Fondau, geb. Hüber, auf Anordnung des französischen Kommandanten von Altirch, Oberst Vierriet, vor, kraggö. sischen Soldaten einige Stunden vor ihrem aus Altkirch ohne jeden Grund und mit zwei gleichzeitig verhafteten Altdeutschen aus Altkirch, ßischen Beamten im Alter von über 75 und 65 Jahren, mit dem Eisenbahnzug von Altkirch Richtung Belfort in Gesangenschaft gebracht worden. Seit dem Einzug der Franzosen in Altkirch waren schon vor obigem Ereignis die meisten daselbst wohnenden und zurückgebliebenen deutschen Beamten, wie Notare, Rentmeister, Lehrer usw., ohne Grund verhaftet und in Gefangenschaft geführt worder. züglich meiner Frau wird das jedem Rechr hohn sprechende Verfahren noch dadurch barbarischer, daß man ihr nicht gestattete, sich anzukleiden, sondern sie im Hausanzug mit Schürze und Hausschuhen sortschleppte. Der Unterzeichnete ist alsbaro veim Auswärtigen Amt mit der Bitte vorstellig geworden mit allen Mitteln die sofortige Freilassung seiner unschuldigen Frau zu veranlassen. Weitere Feststellungen haben ergeben, daß die Franzosen auch Mitglieder freiwilliger SanitätsKolonnen, die unter dem Schutz des Roten Kreuzes arbeiten, in elsässischen Orten gefangen genommen und wie Spione behandelt haben. Die abgeführten Sanitäter sind bisher nicht zurückgekommen und jede Nachricht über sie fehlt(z. B. über zehn Sanitäter aus Dornach). Es erübrigt sich, diesen Dokumenten irgend etwas hinzuzusügen. Die planmäßige Ausplünderung deutscher Verwundeter durch aktive französische Soldaten ist gleich ehrenvoll für eine Kulturnation wie die Behinderung deutscher Sanitäter, deren Liebestätigkeit keinen Unterschied zu machen pflegt zwischen Freund und Feind. Undeutsche Deutsche: Trotz der verschiedenen Mahnungen an die Bevölkerung, sich kriegsgesangenen Feinden gegenüber nicht würdelos und selbstvergessen zu benehmen, scheinen nicht nur Frauenspersonen, sondern auch Männer weiterhin solch schmachvolles Verhalten zu zeigen. Gegen dies unwürdige Verhalten gegenüber Kriegsgesangenen erläßt das Stellvertretende Generalkommando des 1. bayerischen Armeekorps folgende Bekanntmachung: !„In den letzten Tagen haben sich mehrere hundert Personen an die Kriegsgesangenen in Oberschleißheim in der zudringlichsten Weise herangedrängt und sie mit„Liebesgaben“, ingbesondere Tabak, Geld, Blumen usw. überhäuft. Außerdem erschienen Berufs= und Amateurphotographen in solcher Anzahl, daß es fast den Anschein erweckt, als ob es zu den wichtigsten Aufgaben der deutA schen Photographen gehörte, französische Kriegsgesangene im Bilde festzuhalten. Es ist ebenso bedauerlich wie unbegreiflich, daß alle bsher ergangenen ennsten Mahnungen nicht vermochten, solchem an Hysterie grenzenden, unwürdigen Verhalten ein Ende zu bereiten. Das Stellvertretende Generalkommando deg 1. bayerischen Armeekorps sieht sich unter diesen Umständen genötigt, das Photographieren von Kriegsgesangenen in Oberschleißheim zu verbieten. Außerdem ist Vorsorge getroffen, daß die Namen jener Personen, die bar jeden vaterländischen Empfindens und bar jeden Taktgefühls die Gefangenen mit Liebesgaben versorgen, sofort festgestellt und an hervorragender Stelle in den Tagesblättern veröffentlicht werden. Der Krieg gegen Frankreich. Ein Hilseruf Poincarees an den Zaren. München, 10. Sept. Nach der Meldung eines bayerischen Offiziers teilt heute die„München=Augsburger Abendztg.“ mit, daß bei Nancy einige französische Flieger heruntergeschossen worden seien. Unter diesen befand sich auch ein Pilot, der einen Bericht an den Zaren von dem Präsidenten Poincaree bringen wollte, worin der Präsident den Zaren ersucht, die kräftigste Offensive zu ergreisen, damit Frankreich für acht Tage ruhen könnte, da es sich sonst nicht mehr halten könne. Die französischen Kolonien und Marokko im Kriegszustand. Berlin, 10. Sept. Der Madrider Zeitung„El Liberal“ zufolge hat der Präsident von Frankreich sämtliche französischen Kolonien in Kriegszustand erklärt. Unter den von der französischen Regierung bekannt gegebenen Kolonien erscheint Marokko zum ersten Male als französische Kolonie angeführt. Eine zweite französische Verfügung ordnet die Schutzbesetzung von Belgisch=Congo durch die französische Kolonialarmee an. Franktireurbanden in Frankreich. Der Korrespondent des„Daily Chroniele“ in Vordeaux bestätigt, daß Franktireure Angriffe unternommen haben. Ein Flüchtling aus einem Ardennendorf bei Vougiere habe ihm erzählt, daß junge Leute und Frauen bewaffnet worden seien, die eine Ulanenpatrouille aus dem Hinterhalt niedergeschossen hätten. Das Dorf sei darauf zerstört worden. Französische Großmäuligkeit. Nach dem„Berliner Lokalanzeiger“ rechnen die Pariser Blätter noch immer mit einer Vernichtung des deutschen Heeres unter den Mauern von Paris. Im„Petit Parisien“ wird gesagt: Wann werden die Russen Berlin erreichen? Wenn es wirklich zur Pariser Belagerung kommen sollte, werde diese Leidenszeit nur von kurzer Dauer sein. Die Russen seien wie die Teusel hinter die Deutschen her, und die deutschen Armeen müßten rasch kehrt machen, um die ins Reich eingebrochenen Kosaken zurückzuschlagen. Im„Petit Journal“ ist folgendse Stelle enthalten: Das Deutsche Reich muß verschwinden, wir werden den Frieden in Berlin erzwingen. Wir werden Europa von den Preußen befreien. Ein wertvolles Bekenntnis. Wertvoll erscheint ein Bekenntnis des sozialdemokratischen Abg. Dr. Frank(Mannheim) in der gestrigen Nummer der sozialdemokratischen„Brandenburger Zeitung“, in der ein Brief des am 4. September in Lothringen Gefallenen abgedruckt ist, dessen Schlußabsatz lautet: Daß ich mich um die Besörderung gemeldet habe, ist Phantasie oder Schlimmeres. Mein Motiv wan, durch die Tat zu zeigen, daß unser Beschluß vom 4. August nicht durch technische Gründe, sondern einer inneren Notwendigkeit entsprungen ist, daß es uns also mit der Pflicht der Verteldigung der Heimat ernst ist. Verlegung der französischen Münze. Zürich, 9. Sept. Die französische Münze soll zuverlässigen Nachrichten zufolge nach Castell Sarassen verlegt werden. 1e 701M Amerikanischer Protest. Neuyork, 10. Sept. Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Paris, Herrick, dem der Schutz der noch in Frankreich befindlichen deutschen und österreichisch=ungarischen Staatsangehörigen übertragen ist, hat bei dem französischen Minister des Aeußern Delcassee einen energischen Protest gegen die grausame und menschenunwürdige Behandlung der in französischer Gefangenschaft befindlichen Deutschen, Oesterreicher und Ungarn erhoben. Delcassee hat der amerikanischen Botschaft Abhilfe dieser allem Völkerrecht widersprechenden Behandlung zugesichert. Wie die Franzosen„kauften“. wb. Mülhausen, i. E., 9. Sept. Die französische Militärbehörde hat unserer Stadt ein unangenehmes Andenken hinterlassen. Zwar haben sich die Truppen hier keine Greueltaten und Grausamkeiten zuschulden kommen lassen, wie einige auswärtige Zeitungen zu melden für gut besanden. Im Gegenteil befleißigten sie sich eines guten Tones, um bei der Bevölkerung einen angenehmen Eindruck zu machen. Aber die Militärbehörde machte bei verschiedenen Geschäftsleuten sowie in den Warenhäusern große Einkäufe, die sie zu begleichen vergaß. So wurden Wagen voll Hemden, Unterhosen Socken, Heftzwecken, vor allem aber Schuhen enthoben, die den Soldaten zur Versügung gestellt wurden. Allgemein freute man sich, daß unsere Kauf= und Geschäftsleute in dieser schweren Zeit, in der Handel und Wandel fast ganz darniederliegen, durch die Einkäufe ein gutes Geschäft machten, da nicht gehandelt wurde. Als es aber ans Bezahlen ging, erhielten die Verkäufer einfach Gutscheine ausgestellt, mit denen sie an die Stadtverwaltung verwiesen wurden. Unsere ohnehin schon arg mitgenommene Stadt wird somit wenigstens vorläufig für alle diese Ankäufe die zwischen 50bis 60000 Mark betragen, auskommen müssen. Die Schwierigkeiten der Einnahme des Donon. Straßburg, 9. Sept. Das Zentrum der französischen Stellung in den Vogesen, das von ihnen meisterhaft besestigt wurde, bildete der über tausend Meter hohe Donon, bisher der beliebteste Treffpunkt der deutschen und französischen Touristen. Drei Wochen lang dauerte beinahe der Kampf um diese Stellung, die nahezu uneinnehmbar schien, und nur dem Heldenmut der deutschen Truppen und besonders der bayrischen und preußischen Landwehr=Regimenter ist es zu verdanken, daß er endgültig deutsch ist. In der Hauptsache waren es erbitterte Waldkämpse, Mann gegen Mann, und alle Lichtungen, über die unsere Truppen vorzugehen hatten, standen direkt unter dem Feuer der seindlichen Artillerie. Die deutschen Truppen kämpften gegen eine gewaltige Uebermacht, denn allem Anschein nach war es die französische„Belagerungsarmee von Straßburg“ die auf diesem Wege gegen Straßburg vorzurücken gedachte. Strenge Neutralität Spaniens. Berlin, 10. Sept. Angesichts der in hiesigen Zeitungen, besonders aber in Provinzblättern beharrlich austauchenden Gerüchte und Nachrichten bezüglich der Haltung Spaniens in dem gegenwärrtigen europäischen Konflikt ermächtigte uns der spanische Botschafter, zu erklären, daß seine Regierung vom ersten Augenblick an bekundet habe, daß Spanien die strengste und vollkommenste Neutralität bewahren werde, wie es ihm seine eigenen Interessen und das Empfinden der öffentlichen Meinung rate. Der Krieg gegen Rußland. Russische Verwüstungen in Ostpreußen. Wie die Russen in Ostpreußen gehaust haben, beweist nach der„Deutsch. Tagesztg.“ der dem Grafen von Mirbach=Sorquitten seitens eines hohen Militärs zugegangene Bericht, daß sein schönes Schloß durch die russische Kavallerie, ohne daß bei Sorquitten ein Kampf stattfand, in Brand geschossen wurde. Nur ein Teil der Ringmauer sei stehen geblieben. Rußland zahlt den Seinen mit faulen Wechseln. Berlin, 9. Sept. Wie der Vossischen Zeitung von zuverlässiger Seite mitgeteilt wind, hat die russische Militärbehörde in den Ostprovinzen Requisitionsscheine ausgegeben, die den Vermerk tragen: Zahlbar aus der von Deutschland zu entrichtenden Kriegsentschädigung. Das heißt also, sie sind unzahlbar und Rußland begeht damit an seinen eigenen haltischen Untertanen nackten Raub. Revolte in der Schwarzenmeerflotte. Frankfurt a. M., 10. Sept. Die„Frankfurter Zeitung“ meldet aus Wien: Nach einer Konstantinopeler Meldung bestätigt es sich, daß ein Teil der russischen Schwarzenmeerflotte sich im Zustande der Revolte befindet. Drei an dem Aufruhr teilnehmende Kriegsschisse sollen kürzlich in Trapezunt eingetroffen sein, um große Mengen Lebensmittel einzukaufen, und dann wieder abgedampft sein. Russengegnerschaft in Bulgarien. Sofia, 9. Sept. Die Führer der russophilen Oppositionsparteien hatten in ihren Parteiorganen eine Auslassung veröfffentlicht, in welchem sie die Regierung beschuldigten, daß sie mit der Erlaubnis der Durchreise deutscher Matrosemn und der Durchsuhr deutscher Kriegsmaterialien die Neutralität verletze und die Triplentente herausfordere. Die offiziöse„Narodni Prawa“ wendet sich in ungewöhnlicher scharser Weise gegen die Beschuldigungen, die sie als Verleumdung bezeichnet. Es sei unglaublich, daß Führer großer Parteien, Deputierte der Sobranje, die vorgeben, die Freiheit des Volkes zu verteidigen, sich in ihrem Parteihasse soweit erniedrigen könnten, am eigenen Vaterlande Verrat und Spionage zu üben und fremde Einflüsse zur Kontrolle der Regierung Bulgariens herauszufordern. Solch: Verräter und Spione wollten von Rettung des Vaterlandes sprechen, während sie den fremden Gesandten Zuträgerdienste leisteten. Das bulgarische Bürgertum werde aus der Auslassung der Opposition erkennen, welche Ziele diese verfolge. Die Regierung müsse alles Nötige veranlassen, um in Zukunft solchen Verrat und solche Spionage zu verhindern. Sofia, 10. Sept. Der bekannte Militärschriftsteller Wassil Angelow schreibt in dem Blatt„Cambana“: Die Interessen Bulgariens serfordern, daß Rußland vernichtet werde. Von einem starken Rußland können wir nur Böses erwarten. Der Sieg Rußlands wäre für uns nur ein nationales Unglück. Die Politik Hartwigs ist heute die Politik aller Russen. Ein großes Bulgarien würde von Rußland unabhängig sein und für Rußlands Aspirationen auf den Meerengen ein Hindernis bilden. Auf die Aufsorderung russischer Panslawisten, daß Bulgarien Rußland beistehen solle, können wir nur antworten:„Apelliert an keine brüderlichen und slawischen Gesühle mehr, weil wir die selbst begraben haben, als Bulgarien iin den Abgrund gestoßen war. Glaubt mir, daß kein Jahr genügt, um zu vergessen, daß das slawische Rußland das niedrigste Werk begangen hat, in dem es Mazedonien unter unsere Feinde verteilt hat. Heute glaubt Bulgare mehr an Eure salschen Versprechungen und die Unterschrift Eures Zaren! Serbische Niederlagen. Budapest, 9. Sept. 1500 Mann der bei Mitrowitza versprengten serbischen Armee wurden bei India nach einem kurzen Gefecht teils getötet, teils gefangen genommen. Der Krieg gegen England. Englands Furcht vor unseren Luftschiften. Rotteidam, 9. Sept. Die Times melden, daß die englische Marine auch damit beauftragt worden sei, Angrisse gegen London abzuwehren. Wasserflugzeuge kontrollieren regelmäßig die Ostküste Englands, um auf deutsche Schifsie und Flugzeuge zu lauern. Nachts arbeiten Scheinwerser. Auf den Regierungsgebäuden usw. sind Kanonen ausgestellt worden und Flugzeuge werden bereitgehalten. Folgen des Krieges für England. Franksurt a. M., 10. Sept. Aus Amsterdam gibt die„Frankfurter Zeitung“ folgende Meldung aus England wieder: Die„Pottery Gazette“ schreibt: Der Krieg hat schon die gesamte Heringssischerei an der schottischen Küste lahmgelegt, da der Hauptabnehmer, Deutschland, weggefallen ist. Von sachmännischer Seite wird mitgeteilt, daß die Textilindustrie in Bradford und Manchesten still liegt. Ein Angriff auf das englische Hauptquartier. Die„Köln. Ztg.“ meldet nach dem„Amsterdamer Telegraaf“: Sachverständige sehen das Ziel der deutschen Operationen in einer Vernichtung des französischen Feldheeres, während der Einnahme von Paris nur untergeordnete strategische Bedeutung beigemessen werde. Die Abschwenkung der deutschen Armee nach Süden wird als sehr wesentlich und für das französische Heer bedrohlich angesehen. Die französischen Truppen zwischen Toul und Epinal würden dadurch gezwungen, sich zurückzuziehen, sodaß die deutschen Truppen in Lothringen vorrücken könnten. In Pariss will man wissen, die deutschen Truppen hätten einen lebhaften Angriff auf das englische Hauptquartier unternommen; vor allem hätten sie es auf die Gefangennahme des englischen Oberkommanditrenden, General French, abgesehen, War englische Soldaten sagen. London, 9. Sept. Viele verwundete Soldaten füllen schon das Londdner Hospital auf Whitechapel Road und andere Gebäude. Es sind Leute dabei, die auch den Burenkrieg in Südasrika(1899= 1901) mitgemacht haben. Ein schottischer Hochländer erklärte mir, der Burenkrieg sei nur Kinderspiel gewesen im Vergleich mit dem, was er in Nord=Belgien mitgemacht habe. Die Wirkung der deutschen Artillerie und Insanterie sei schrecklich gewesen. —— Der Krieg gegen Belgien. Vorgehen gegen Antwerpen. Paris, 19. Sept. Aus Ostende wird unter dem 9. September gemeldet: Die Deutschen gingen gestern nördlich von Brüssel gegen Gent und Aniwerpen vor. Alle Verbindungen zwischen diesen beiden Städten sind unterbrochen. Bei Cordegen Der Schatzgraver. Roman von Erich Ebenstein. 33 Dort brach sie von neuem in Tränen aus und flüsterte schmerzlich bewegt:„Ach, die armen Menschen! Es ist entsehlich,„## grtmeisich „Was ist denn geschehen? Kein Worr weiß ich „Drin im Mitterbacher Bergwerk— ein furchtbares Unglück, ein Wassereinbruch in den neuen Stollen. Vierzig Familienväter sollen verunglückt sein und darunter Richard Herzog.„ Hans fuhr entsetzt zurück und starrte Barbara an. „Nicht wahr, es ist schrecklich? Die meisten Herzogschen Arbeiter sind schon hinein nach Mitterbach um zu retten und zu helfen,“ fuhr die Alte weinend fort.„Das ganze Bergwerk soll in Gefahr sein. Und die arme Konstanze, sie war nicht einmal daheim, als die Hiobsbotschaft kam. Der alte Herzog hat sie erwartet und es ihr dann mitgeteilt. Sie soll jetzt noch ohnmächtig darniederliegen. Sie haben nach dem Arzt geschickt. Ach, es ist schrecklich! Und hier im Hause—,“ sie blickte ihn ängstlich an,„darf man nicht einmal weinen— ich habe doch Mitleid mit den armen Kinderchen, denen heute der Vater tot heimgetragen wird. Dein Vater hat es mir direkt verboten. Er schreit es laut herum, den Herzogs geschähe schon recht— es ist jämmerlich, ich schame mich vor den Leuten für ihn, aber so ist er.“ Hans hatte nichts von den letzten Worten gehört. Schwerfällig wandte er sich der Tür zu. „Ich will zu ihr,“ murmelte er halblaut und wollte hinaus. „Um Gotteswillen— wohin willst Du?“ rief Barbara erstannt. „Zu ihr. Zu Konstanze. Zu dem armen Kinde.“ Barbara hielt ihn am Aermel zurück. „Aber, Haus, was fällt Dir ein! Sie würden Dich nicht hineinlassen!“ Er öffnete die Tür, als habe er ihre Worte gar nicht gehört. Da stand der alte Paur im Flur und hielt ihn „Hallo! Da bist Du ja endlich! Na, was sagst Du zu der Neuigkeit? Das ganze Kohlenlager soll hin sein. Alles unter Wasser! Und der gescheidte Herr Richard, der alles so gut verstand, dazu! Jetzt sind wir obenauf, Junge!“ Er klopfte seinem Sohn vergnügt auf die Achsel. Hans wich empört zurück. Ekel, Abscheu und tiefste Verachtung spiegelten sich in seinem Blick. Der Alte steckte die Hände in die Hosentaschen. „Na— na— mir scheint, Du möchtest am liebsten weinen, wie die Barbara da? Dummheit! Aber wenn Du willst, reden wir von was anderem. Wollte schon lange darüber mit Dir sprechen. Jetzt istder Moment gerade recht.“ 144, Gang Er öffnete eine Zimmertür, und brangte Haus, der wie betäubt dastand, hinein. Drinnen warf er sich breit auf einen Stuhl. „Also höre! Du mußt endlich heiraten. Was heißt denn das— dreiviertel Jahre bist Du nun verlobt, und immer höre ich noch nichts von der Hochzeit. Das Hinziehen habe ich satt. Du bist es auch dem Mädel schuldig. So eine ewige Braut.“ „Vater!" stieß Hans empört heraus,„jetzt— heute gerade denkst Du an solche Dinge! wo soviel Jammer und Elend über andern liegt! „Na, ich soll wohl Trübsal blasen, weil es das Schicksal so gut mit mir meint? Könnte mir einfallen! Was gehen mich denn die Herzogs an?“ „Und wenn er zehnmal Dein Feind ist— Vater— in dieser Stunde, wo er sein Kind verlor, wo er leidet, verdient er Achtung!“ „Pah— werde nur nicht tragisch. Solche Gefühle kann ich nicht leiden. Dem Alten geschieht ganz recht, daß sein Hochmut zu Fall kam. Und für Dich ist eben jetzt der Moment gekommen, um Deine Frau nach Winkel zu bringen. Jetzt, wo die Herzogs Trauer haben und Konstanze kein Haus machen kann, hat Ina leichtes Spiel. Außerdem wird es die Herzogs furchtbar ärgern, wenn just jetzt bei uns fröhliche Feste gefeiert werden. Ich will es doppelt glänzend machen! Ganz Winkel soll Deine Hochzeit mitfeiern und darüber diese hochmütige Sippe vergessen. Konstanze aber—“ Jäh wurde er unterbrochen. Hans hatte das Zimmer verlassen und die Tür schmetternd hinter sich zugeworfen. Taumelnd erstieg er die Treppe. Immer wieder bohrte sich der eine Gedanke schmerzhaft durch sein Hirn: das ist Dein Vater, vergiß es nicht, das gleiche Blut rollt in Deinen Adern! Wie war das nur möglich? Das gleiche Blut und doch getrennt durch unermeßliche Strecken wie Himmel und Erde. Sein Blick fiel auf einen auf dem Tisch liegenden Brief Ina Landis. Der Brief lautete: Mein lieber Kamerad! Seit acht Tagen sind wir hier in der Herderschen Villa am Semmering, mitten im Wald. Und ich weiß nicht, warum mir vorkommt, daß die Welt nirgends so schön ist, als hier? Oder sind es nur die herrlichen, klaren Tage und frohen Gesichter ringsum, die einen so goldenen Schein auf die Dinge werfen? Du mußt wissen, daß wir das Haus voller Gäste haben. Es wird viel musiziert und noch mehr in den Wäldern herumgestreift. Die größte Neuigkeit ist, daß ich gegenwärtig unter Kapellmeister Herders Leitung — erist ein Verwandter des Sektionschefs—Opernpartien studiere. Er meint, meine Stimme sei für die Bühne viel geeigneter als für den Konzertsaal, und da ich, wie Du weißt, dort bisher gar kein Glück hatte und mir das neue Studium viel Freude bereitet, kann man ja sehen, was herauskommt dabei. Jedenfalls, mein lieber Kamerad, habe ich dadurch einen großen Teil meines Pessimismus verloren und fange an, die Welt etwas rosiger zu sehen. Und ich bin zu einer großen Weisheit dabei gekommen: das Leben ist weder strahlend noch schrecklich. Wir allein machen das eine oder das andere daraus, indem wir uns selbst darin sehen. Und nun lebe wohl! Ich habe Dir genug vorgeschwatzt— mehr als Dir vielleicht lieb ist. Aber ich bin wirklich ein wenig närrisch jetzt, das muß machen, weil alles so schön ist um mich. Grüße mir unsere Berge, wie Dich grüßt Deine Ina.“ Hans legte den Brief seufzend weg. Die glücklichs, frohe Stimmung darin war ihm fremd an Ina und sie fand keinen Widerhall in seinem trostlosen Herzen. In diesem Moment erklang draußen am Winkler Kirchturm das Totenglöcklein, in welches gleich darauf der helle Ton der Glocke aus der Herzogschen Schloßkapelle einfiel. Auf der Straßehörte man die Schritte vieler Menschen. Erbebend trat Hans aus Feuster. Da trugen Arbeiter eine schwarzverhängte Bahre durch die stille Nacht und lautlos folgten einige Männer. Der Mond warf sein mildes Licht über den düsteren Zug, der seinen Weg gegen das Herzogsche Familienhaus nahm. An dem Tage als man Richard zu Grabe trug, erhielt der alte Herzog einen Brief folgenden Inhalts:„DasSchicksal selbst hat begonnen,alte Schulden zu zahlen. Gesegnet sei jede Stunde Deiner Qual, Peter Herzog!“ Die Unterschrift fehlte, aber Herzog wußte nur zu gut, wem er diese Worte verdankte. Ohne mit einer Wimper zu zucken, ballte er das Papier zusammen und warf es ins Feuer. Zur selben Stunde saß Konstanze in ihrem Gemach, Rene im Arm und starrte vor sich hin. In einer halben Stunde würde man den Vater ihres Kindes zur ewigen Ruhe betten. Wie traurig war es in ihrem Herzen. 216,16 Man brachte ihr einen Brief. Als Konstanze ihn öffnete, las sie die Worte:„Wenn Hochmut je gerecht bestraft wurde, dann war es an Ihnen, meine Gnädige, und es wünscht, daß Sie die richtige Lehre daraus ziehen. Ein alter Bekannter.“ zil wir die selbst begran den Abgrund gestoßen i Jahr genügt, um zu ußland das niedrigdem es Mazedonien unhat. Heute glaubt bein salschen Versprechungen Zaren! erlagen. 1500 Mann der bei rbischen Armee wurden en Gefecht teils getötet, gen England. unseren Luftschiffen. die Times melden, daß damit beauftragt worindon abzuwehren. Wasregelmäßig die Ostküste Schifsie und Flugzeuge Scheinwerser. Auf den sind Kanonen ausgestellt den bereitgehalten. es für England. Sept. Aus Amsterdam tung“ folgende Meldung Die„Pottery Gazette“ on die gesamte Heringsn Küste lahmgelegt, da schland, weggefallen ist. wird mitgeteilt, daß die rd und Manchester still iglische Hauptquartier. ldet nach dem„Amsterrständige sehen das Ziel n in einen Vernichtung res, während der Einntergeordnete strategische erde. Die Abschwenkung Süden wird als sehr wenzösische Heer beDie französischen Trupzinal würden dadurch gesen, sodaß die deutschen rrücken könnten. In Padeutschen Truppen hätten auf das englische Hauptor allem hätten sie es des englischen Oberkom rench, abgesehen, Soldaten sagen. ehe verwundete Soldaten Hospital auf WhiteGebäude. Es sind Leute krieg in Südasrika(1899= Ein schottischer Hochlänrenkrieg sei nur Kinderich mit dem, was er in habe. Die Wirkung der Insanterie sei schrecklich egen Belgien. en Antwerpen. Aus Ostende wird unter et: Die Deutschen gingen sel gegen Gent und Aniindungen zwischen diesen erbrochen. Bei Cordegen K us selbst darin sehen. be Dir genug vorgeelleicht lieb ist. Aber ärrisch jetzt, das muß st um mich. Grüßemir zt Deine Ina.“ tszend weg. Die glückuwar ihm fremd an derhall in seinem trostig draußen am Winkler in, in welches gleich Glocke aus der HerAl. Auf der Straße hörte ischen. Fenster. Da trugen igte Bahre durch die lgten einige Männer. s Licht über den düstegen das Herzogsche FaRichard zu Grabe trug, n Brief folgenden Inat begonnen, alte Schuljede Stunde Deiner ber Herzog wußte nur verdankte. Ohne mit illte er das Papier zufeuter. Konstanze in ihrem Getarrte vor sich hin. In eman den Vater ihres etten. Wie traurig war 216,16 Brief. Als Konstanze rte:„Wenn Hochmut je i war es an Ihnen, iuscht, daß Sie die richEin alter Bekannter.“ in der Nähe von Wetteren sand gestern ein Gesecht statt. Die Belgier mußten sich vor der lichen Uebermacht zurückziehen. Der Kommandant Comminck ist gefallen. Ueberschwemmung nördlich Antwerpen. Antwerpen, 10. Sept. Nach amtlichen Meldungen soll das nördlich von Antwerpen liegende Land in der Ausdehnung von 70 Quadratmeilen überschwemmt werden, um die Deutschen an ihrem Einmarsch zu verhindern. Die Wassertiese soll zwischen einigen Zoll und mehreren Fuß schwanken. Eine neue belgische Schandtat. Frankfurt a. M., 10. Sept. Die„Frankfurter Zeitung“ meldet aus Amsterdam: General Bowith rat von der Stadt Gent die Lieserung von 10000 Litern Benzin, 1000 Litern Mineralwasser und 150 000 Kg. Haser, von Fahrrädern, Autoreserveteilen und 100000 Zigarren gefordert, die Stadt „ aber mit weiteren Kriegsabgaben und dem Durchvon Truppen verschont. Nachdem der Bürgermeister von seiner Unterredung mit dem deutschen General zurückgekehrt war, feuerte ein auf # einem Auto besestigtes Maschinengewehr in Gent auf zwei deutsche Offiziere, von denen einer getöet und der andere verwundet wurde. Der Bürgermeister fuhr sofort wieder zu dem deutschen General, um etwaige üble Folgen dieses Mißverständnisses abzuwenden. —— Der Riieg gegen Jupin. Die Gelben kommen. Genf, 9. Sept. Das Pariser Finanzblatt formation“ will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, daß die kriegerischen Operationen Japans auf die See beschränkt bleiben sollen. Eine militärische Expedition der Japaner zu Lande sei höchst unwahrscheinlich. Japanischer Flieger über Tsingtau. Tokio, 9. Sept. Ein japanischer Flieger erschien gestern über Tsingtau und warf mehrere Bomben ab. Der Zweck der japanischen Fliegerbomben über Tingtau. Berlin, 10. Sept. Zu dem gemeldeten Bombenwurs der japanischen Flieger über Tsingtau hört der„Berk. Lok.=Anz.“ von einem Kenner der dor#tigen Verhältnisse, daß auf diese Weise wahrscheinlich die hochliegende schwere Haubitzbatterie außer Gefecht gesetzt werden solle, die nach dem Lande und der See zu seuert. Andere Zerstörungen durch Flieger würden kaum in der Absicht der Japaner liegen, wenn sie Kiautschou durch Aushungerung oder einen Seeangriss in ihre Hände bringen wollten. Es ist das wahrscheinlich, da die Japaner es aus eine ostentiv humane Kriegführung abgesehen haben und außerdem die Stadt und ihre Anlagen möglichst unverfehrt in ihre Hände bekommen wollen. Die Einbringung erbeubeber Geschutze in Berlin. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 10. September. **(Neuer Eisenbahn=Fahrplan.) Mit dem # heutigen Tage tritt im Bereich der Esenbahn=Di##rektion Elberfeld ein neuer Fahrplan in Kraft, der gegen die früheren bedeutende Verbesserungen aus# weist. Wir haben den Fahrplan an unserem Geschäftslokal zum Aushang gebracht. **(Bekämpfung der Arbeitslosigkeit!) Die Provinzialstraßen=Verwaltung der Provinz Westsalen ist bemüht, auch ihrerseits zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit während des Kriegszustandes nach Möglichkeit beizutragen. Zu diesem Zwecke soll auch der Straßenunterhaltungsbetrieb in vol##lem Umfange aufrecht erhalten werden. Die durch Einberusung zu den Fahnen entstandenen Lücken in dem Personal der Straßenwärter und Arbeiter #sollen durch Einstellung einer entsprechenden Anzahl Hülfsarbeiter ergänzt werden. In der Voraussetzung, daß der Eisenbahngüterverkehr die Ausführung gestattet, soll die Lieserung der zu neuen Deckschüttungen, zu Ausbesserungen ufw. ersorderlichen Steinkrotzen wie bisher im Spätherbst ausgeschreiben, um die Steinschläger in den Win## termonaten beschäftigen zu können. Um den Steinbruchbesitzern und Lieferanten möglichst entgegen zu kommen, soll von der bisher üblichen Lieserung, frei Verwendungsstelle abgesehen und die Lieserung der Materialien frei Bahnwagen=Empsangs= Bahnhof gestattet werden. Die Vergebung der Abfuhr zur Verwendungsstelle wird dann durch die Straßenverwaltung erfolgen. Die Landesbauämter der Provinz Westfalen sind von dem Landeshauptmann bereits mit entsprechenden Anweisungen versehen worden. **(Gewerbliche Fortbildungsschule.) Heute (Donnerstag) abend 8 Uhr wird auch in der gewerblichen Fortbldungsschule der Unterricht in vollem Umsange wieder ausgenommen. **(Retrutenfürsorge.) Heute abend 8½ Uhr sindet im„Reiche des Wassers". Turnen und Exerzieren statt. Samstag den 12., abends 8 Uhr: Vorrag: Zurechtfinden im Gelände, Marschsicherung, Vorpostendienst. Sonntag, den 13., mittags 1¼ Uhr: Antreten beim„Reiche des Wassers" zur Uebung im Gelände(Felddienst). Allen mehr als 16 Jahre alten Leuten wird dringend empfohlen, einem der hiesigen Turnvereine sofort beizutreten, da körperliche Tüchtigkeit für den Felddienst von ausschlaggebender Bedeutung ist. *e(Feldpostpakete,) auch Dienstpakete, mit Bekieidungs= und Ausrüstungsgegenständen für Truppenteile und deren Angehörige können zurzeit durch die Feldpost nicht weiterbefördert werden. Derartige Palete sind, wie uns das stellvertretende General=Kommando mitteilt, mit der genauen Adresse des Empfängers versehen, den Ersatztruppenteilen zu übersenden; diese bewirken alsdann den Weitertransport als Militärfrachtgut.— Der Stückgüterverkehr und Privat=Postpaketverkehr einschließ lich des Durchgangsverkehrs nach verbündeten oder neutralen Staaten ist vom 5. September ab wieder zugelassen.— Todesanzeigen über gesallene Heeresangehörige kann von jetzt ab die Bezeichnung des Truppenteils, dem der Gesallene angehört hat, eingefügt werden. Dagegen ist auch in Zukunft der Ort, wo er den Tod gefunden, nicht zu bezeichnen. *(Fleischversorgung.) Augenblicklich ist der Preis für Schweinefleisch sehr niedrig, da die Züchmißte Von 7 Uhr an begann eine eifrige Suche nach der Kleinen, die ganze Stadt und Umgegend wurde abgesucht, sogar die Polizei beteiligte sich an der Streise. Erst gegen 11 Uhr abnds wurde die Kleine im Klusenweg aufgesunden und konnte den besorgten Eltern wieder übergeben werden. Die Freude derselben kann man sich lebhaft denken. **(Ein frecher Diebstahl) wurde gestern in der Wohnung des Arbeiters R. an der Beckestraße ausgeführt Als die Frau auf kurze Zeit abwesend war, benutzte ein Halbbruder des Mannes die Gelegenheit, aus einer Schublade den Geldbetrag von ca. 80 Mark zu stehlen. Der Täter verschwand mit seinem Raube nach Dortmund. Der Diebstahl ist für die Frau um so bedauerlicher, da es sich meist um fremde Gelder handelt, und der Mann im Felde steht. Deutsche Treue. Wir besen in der„Schles. Ztg.:“ Wir wissen es, daß auch deutsche Frauen dem bitteren Ernste des Krieges ins Gesicht sehen können. Hier ein neuer Zug: Eine junge Berlinerin, deren Bräutigam erst vor vierzehn Tagen von ihr Abschied genommen hatte, um ins Feld zu ziehen, empfing am Freitag eine Postkarte ihres Bräutigams, die schon wieder aus Berlin datiert war. Er sei leicht verwundet und schon wieder zurückgebracht worden. Sie könne ihn im Lazarett besuchen... Es war ein inniges und doch schmerzliches Wiedersehen. Die„leichte Verwundung“ war ein verlorener Arm. Am andern Tagse sempfängt die wieder nach Hause zurückgekehrte Braut noch einen Briof des Geliebten: Sie wisse noch nicht die ganze Wahrheit er hahe auch ein Bein verloren. Und nach dem er sie nun selber wieder in ihrer ganzen, frischen Gesundheit gesithen habe, bringe er es nicht übers Herz, ihr Dasein noch weiter an sein zerschossenes Laben zu ketten. Er gäbe ihr das Wort zurück, das sie einst dem Gesunden gegehen habse. Und die Antwort des Mädels, das das Herz auf dem rechten deutschen Flecke hatte? Zwei Stunden später erschien sie wirder im Lazarett in Begleitung eines Standesbeamten ihres Bezirkes. Sie setzte es durch, daß sie auf der Stelle mit dem Manne getraut wurde, dem der Helldenkampf fürs Vaterland nur noch die karge Hälste seines Daseins gelassen hatte. — Deutsche Frausn, deutsche Treue! ter das Bestreben haben, aus Furcht vor Futtermangel möglichst viel Schweine zu verkausen. Es ist aber mit Sicherheit anzunehmen, daß später die Preise für Schweinesleisch wieder steigen werden. Es empfiehlt sich daher, jetzt den Genuß des Schweinefleisches zu bevorzugen und die günstige Gelegenheit wahrzunehmen, Schweinefleisch einzupökeln u. sich mit Wurst= und Räucherwaren nach Möglichkeit zu versehen. **(Verwundeten=Transporte) kommen jetzt täglich in langen Zügen durch unseren Bahnhof, mehrere nehmen hier auch zuwelllen kürzeren od. längeien Aufenthalt, wo dann die für Deutschlands Ehre verletzten Krieger von Damen des roten Kreuzes u. Mitgliedern der hiesigen Sanitätskolonne erquickt und gestärkt werden. Gestern vormittag traf u a. auch der Reservist Kirchhoff=Ergste vom 57. Insanterierggiment hier ein, der durch seinen Schuß ins Bein schwer verletzt worden war. K. wurde hier ausgeladen und von der Sanitätskolonne in das evang. Krankenhaus gebracht.— Von der Verwaltung unserer beiden großen modern eingerichteten Krankenhäuser ist erneut bei der Militärbehörde der Antrag gestellt worden, die Anstalten als Lazarette zu benutzen. *(Vermißtes Kind.) In großer Sorge war gestern abend die am Markt wohnende Familie Schneider, welche ihr dreijähriges Töchterchen verWesthosen, 9. Sept.(Das erste eiserne Kreuz für Westhofen!) Herrn Leutnant v. Daniels vom 16. Insanterie=Regiment, Sohn unseres Herrn Amtmanns, ist für bewiesene Tapserkeit vor dem Feinde das eiserne Kreuz 2 Klasse verliehen worden. Herr n Daniels hat vier Söhne im Felde stehen.— Wir können überhaupt mit Recht stolz auf die vor dem Feinde stehenden Söhne unserer Stadt sein. An die Eltern des Herrn Leutnant d. R. Er. K. hat ein Verwundeter aus dem Lazarett zu Münster folgendes Schreiben gerichtet, welches für den Geist unserer Truppen spricht: Sehr geehrter Herr Sanitätsrat! Habe soeben mit einem Verwundeten im Schützenhof gesprochen, der von den Heldentaten Ihres Sohnes Erwin erzählte. Erwin hat bei.... mit wenigen Leuten auf offenem Felde ein Maschinengewehr erobert. Zusammen mit seinem Hauptmann hat Erwin an der Spitze der Kompagnie die ersten Styaßenkämpfe in Lüttich und Monziere in ihrer Fürchterlichkeit mitgemacht. Auch in Charleroi ist Exwin mit gewesen und hat überall unerschrocken und heldenhaft gekämpft.— Lieb Vaterland, magst ruhig seim! * Westhofen, 9. Sopt.(Zu wüsten Ausschreitungen) kam es heute vormittag zwischen den Familien Str. und Schm. an der Unnaerstraße hierselbst. Beide Familien leben schon seit längerer Zeit in Unfrieden u. gerieten wiederum in einen Wortwechsel, der schließlich in Tätlichheiten ausartete. Die Ehefrau Str. stieß hierbei den Ehemann Schm. blindlings mit einer Düngergabel in die Stirn. Die Verletzungen sind sehr gefährlich und wird der Vorsall noch ein gerichtliches Nachspiel haben. ** Holzen, 10. Sept.(Unfälle.) Der Landwirt Louis Plässer wurde von einem bösartigen Ochsen angefallen und mit den Hörnern vor die Brust gerannt. Pl. wurde schwer verletzt.— Beilm Hineinschieben eines beladenen Heuwagens in die Scheune des Landwirts August Potthoff geriet das Dienstmädchen Mimmi Thiemann derart unglücklich mit dem linken Arm zwischen ein Hinterrad und eine Achse des Fuhrwerks, daß der Arm schwer gequescht wurde. * Holzwickede, 9. Sext.(Liebesgabe.) Die Ortsgruppe des Lokomotivführer=Vereins überwies dem Roten Kreuz=Verein für den Kreis Hörde den Betrag von 200 Mark. Steuerverhältnisse der Einberufenen. Die zum Heere Einberusenen sind einkommensteuerfrei, solange der Krieg dauert. Die Steuerfreiheit begann mit dem 1. August. Es war also im zweiten Vierteljahr nur die Steuer für den einen Monat Juli zu bezahlen. Bei der Beitreibung rückständiger Steuern soll möglichste Milde walten. Ein Ministerialerlaß bestimmt darüber folgendes: Bei der Beitreibung rückständiger Steuern von den zum aktiven Dienst einberufenen Steuerpflichtigen und bei Beurteilung der Anträge auf Stundung von fälligen Steuern ist mit den Verhältnissen entsprechendem Entgegenkommen zu verfahren. In den Fällen„in welchen die Steuern bereits für das ganze Vierteljahr bezahlt waren, sindet eine Rückzahlung nicht statt. In einem Erlaß erklärt sich der Finanzminister damit einverstanden, daß Rückerstattung an Staatssteuerbeträgen(Einkommensteuer und Ergänzungssteuer), welche den zum Heere oder der Marine gehörigen Steuerpflichtigen zustehen, für die Dauer der Mobilmachung an die Ehefrauen dieser Steuerpflichtigen gegen deren Quittung erfolgen darf, insoweit diese Zahlungen im Einzelfalle den Betrag von 30 Mark nicht übersteigen. Bei größeren Beträgen kann aber von der Bellbringung einer Qulttung des Ehemannes nicht Abstand genommen werden. Es steht dem Steuerpsichtigen in solchen Fällen aber frei, die Auszahlung an sie unter der Adresse des Ehemannes durch Vermittlung der Post in Antrag zu bringen, welche Postanweisungen bis zu 400 Mark bestimmungsgemäß im Falle der Abwesenheit des Empfängers an ein anwesendes, erwachsenes Familienglied aushändigen darf. Die Zahlungsstelle wird sich für den Fall, daß die Zahlung an die Ehefrau erfolgen soll, zuvor darüber in geeigneter Weise zu vergewissern haben, daß die Ehe tatsächlich besteht, und daß woder ein Ehescheidungsprozeß im Gange ist, noch die Eheleute bislang dauernd getrennt gelebt haben. Billige, gut. Nahrungsmittel werden jetzt in allen Familien gesucht. Da sei auf die Mehlspeisen, Puddings und Suppen hingewiesen, die einsach und billig aus Dr. Oetkers Puddingpulvern und Dr. Oetkers„Gustin“ herg. stellt werden können. Der Gehalt an knochenbildenden Salzen macht diese Oetker=Speisen zu einem hechwertigen Nahrungsmittel für Jung und Alt, für Gesunde und Kranke. Der Umstand, daß Gustin ein deutsches Fabrsat ist, sollte die Hausfrauen schon aus patriotischen Eründen bestimnen, stets Gustin statt des englischen Fabr. kates Mondamin zu verwenden. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 11. Septemker: Bewölkt, feucht, Gewitter, windig, kühl. 12. September: Bewölkt mit Regen, teils heiter, kühl. Ehr ohlter Tonk, Pickel, Mitesser, Blüten verschwinden sehr schnell, wenn man abends den Schaum v. Zuckers Patent Medlzinal-Seife, a St. 50 Pf.(15% ig) und 1,50 M. (35% ig. stärkste Form) eintrocknen läßt. Schaum erst morgens abwaschen und mit Zuckooh-Creme(à 50 u. 75 2c.) nachstreichen. Großartige Wirkung von Tausenden bestätigt. Bei C. Trog und Mar Mehlhose, Drogerten. Würmol! d. vielgeforderte Wurmmittel. Schmeckt fein! Wirkt ausgezeichnet! à Beutel 30 Pfg. Nur bei: Max Nehlhose, Medizinal-Drog. Ostenstr. 3. Wenn mein Mädchen zu lhnen kommt und Schuhcrème verlangt, wünsche ich immer nur Pilo; ein anderes Schuhputzmittel nehme ich nicht! Wenn Sie das Ihrem Kaufmann sagen, dann ist es sicher, daß Sie auch stets nur die allerbeite und dazu noch die ausgiebigste aller Schubcrèmes, nämlich Pllo, erhalten 33 von den verschiedenen Kriegsschauplätzen, Lebensbilder der Führer, Berichte über die Marine, Geschützwesen, Luftschiffahrt und anderes, dazu = gute Karten= und viele Bilder finden Sie in Der Arig Illustrierte Chronik des Krieges 1910 Monatlich zwei reichhaltige Hefte à 30 Pig. Probehefte und Abonnements durch: Buchhändlung CARE BRAUS Voraussichtlich heute abend eintreffend: E per 100 Pfund 3.25 Mk. 10" 35 Pig. 5884 L. Weinberg. Makulaturpapier ennfiehlt büles Carl Braus, Schwerte(Nuhr) ZU —* empfehle ich Schufsdcher, Seltrels a. Zetcnenlaterial Aufgabenhefte Bleistifte Büchermappen Bücherträger Bücherumschläge Butterbrotpapiere Diarien Einmaleinstabellen Federbüchsen Federhalter Federkästen Federn Federwischer Griffel Griffeletuis Griffelfeilen Griffelhalter Griffelkästen Griffelspitzer Heftschoner Heftumschläge Löschblätter Lineale Notenbücher Pastellkreide Pastellstifte Radiergummi Reißschienen Reißzeuge Schiefertafeln Schreibhefte Schultaschen Schultornister Schwammdosen Schwämme Skizzenblöcke Skizzenbücher Skizzierhefte Stahliedern Stundenpläne Winkel Tafelecken Tafelmappen Tafe’n Tafelschoner Tafelschwämme Tagebücher Transporteure Tonzeichenpapier Tornister Tuschen Tuschfarben Tuchkästen Tuschnäpfchen Tuschpinsel Umschlagpapiere Verwaschpinsel Zeichenblöcke Zeichenfedern Zeichenfederhalter Zeichenhefte Zeichenkästen Zeichenkohle Zeichenkreiden Zeichenmappen Zeichenpapiere Zeichenständer Zensurmappen Zeugnishefte Zirkel Zirkelkästen Zeichenklammern Zunder 5879 L. Weinberg. Sbchhafdtung Carr Braus, Grosse Marktstrasse 3—5 Schwerte-Ruhr Grosse Marktstasse 3—5. Bekanntmachung. Das für den 12. und 13. September d. Is. geplante Landwirtschaftliche Kreis=Vereinsfest ist infolge der Kriegszeit bis auf Weiteres verlegt worden. Auch findet die für den 13. September d. Is. festgesetzte Verlosung von landwirtschaftlichen Gegenständen nicht statt. Zu der Verlegung der Verlosung ist die Genehmigung des Herrn Ober=Präsidenten einorgen. 34r Zeitpunkt des Festes mird snäte Der demnächstige Jenpunnt des Festes wiro sputer bekannt gegeben werden. Hörde, den 7. September 1914. 5874 Der Vereins=Direklor des landwirtschaftlichen Kreis=Vereins Hörde. Nr. 562. Burchard, Königlicher Landrat i. V. deriege Echt Heft 1 bis 4 erschienen. = Preis 10 Pfg.vorrätig in der an die Bewohner von Westholen u. Umgegend Komme von morgen früh ab jeden Freitag nach dem Westhofener Wochenmarkt und verkaufe Rindfleisch von jungen Weidekühen ohne Unterschied der Stücke das Pfund zu nur 70 Pig. 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Die Verlustlisten werden als Anlagen des Deutschen Reichsanzeigers und Königlich Preußischen Staatsanzeigers veröffentlicht. Außerdem wird jeder Stelle, welche das „Armee=Verordnungsblatt“, erhält, ein Exemplar der Verlustliste überwiesen. 2. Den Landräten wird eine Anzahl von Exemplaren der Verlustlisten übersandt werden, um dieselben in ihren Bureaus und in den Städten ihres Bezirks öffentlich auszulegen. In den Stadtkreisen erhalten sowohl die Magistrate als auch die etwa vorhandenen Königlichen Polizeiverwaltungen Verlustlisten zur öffentlichen Auslegung, namentlich in den Polizei=Revier=Bureaus. 3. In allen Kreisen(Land= und Stadtkreisen) werden die Namen derjenigen Toten und Verwundeten, welche den betreffenden Kreisen angehören, ausgezogen werden. Diese auszüge sind neben den allgemeinen Verlustlisten öffentlich auszulegen und den Redaktionen der Kreisblätter sowie der übrigen im Kreise erscheinenden Tageszeitungen behufs Veröffentlichung mitzuteilen. 4. Im übrigen ist die Einrichtung eines Post(Einzel=) Abonnements auf die Verlustlisten beabsichticht. Das Nähere hierüber wird öffentlich bekannt gemacht werden. Berlin, den 25 August 1914. Der Minister des Innern. A. v. Jarotzky. Vorstchende Bekannntmachung bringe ich mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß die Verlustlisten auf dem Kreishause, dem Bürgermeisteramte in Schwerte und den Amtern ausliegen. Auch die Auszüge aus den Listen, enthalten die Namen der Toten und Verwundeten aus dem Landkreise Hörde, soweit sich dies nach der Gesamtliste feststellen läßt, liegen bei den vorbezeichneten Stellen aus. 5875 Hörde, den 6. September 1914. Der Königliche Landrat. I. V. Burchard. In Silber und Gold ersteigert auf den Pfandverkäufen werden zu den billigsten Preisen 4907 verkauft. „pokruuno Pfandleih-Anstalt, Nicolalstr. 5 8 Balkenstr. 38 beim Bezirks- Kommando R. Lien& Comp. Wogrus u. Miinssereuft. in Flaschen und ausgewogen — Gs empfehlt n A VII. Armeekorps. Stellvertretendes Generalkommando. Abt. IIe Nr. 3695. Original Vordeaux=Rowein (Südfrankreich) Bezug in Original=Oxhoff=Fässern. Eigene Abfüllung, daher billigste Preisberechnung, per Flasche 1.10, 1.30, 1.50 und 200 Mk. inkl. Flasche. Carl Raffin, Gasthof„Zur Helle" Telephon 251. zu vermieten. 5829 H. Duhme jr. Hagenerstraße 18. Im Hause Sedanstraße 26 ist eine zum Verschicken von allerlei Gegenständen an die im Felde stehenden Soldaten sind in mehreren Größen vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus Schwerlef Ruhr! Große Marktstraße 3—5. Flasche 35 Peg. (ohne Glas) e seiatene Zaneeft zu 5 u. 10 Psd. verkäuflich. s Lehnemann Gut Schwarzelühr Holzen bei Schwerte Adgesclossene 4 Zimmer= Wohnung mit oder ohne Mansardenzim. mer ist zum 1. Oktober oder 1. Januar 1915 zu vermieten. Zu erfr. i. d. Gesch. d. Ztg. Prauygar sucht abgeshl. von 3—4 Räumen in besserem Hause für sofort od 1. Okt. Offerten unter H 5860 an die Geschästsst, dieser Zeitung. Das stellvertrelende Generalkommando VII. Armeekorps gibt bekannt: 1. Deutsche. die Verwandte, Bekannte oder Geschäftsfreunde im neutralen Auslande, besonders im benachbarten Holland haben, erwerben sich ein großes Verdienst, wenn sie denselben nicht bloß Zeilungen, sondern vornehmlich auch illustrierte Zeitschriften und Zeitungsbeilagen zusenden wollten. Gerade solche Bilder, in denen die Ordnung unseres Heerwesens. die Strammheit, Manneszucht und Begeisterung unserer Truppen, der Patriotismus der Bevölkerung veranschaulicht werden, sind die beste Wiederlegung der lügenhaften Berichte über deutsche Zustände, wie sie von feindlicher Seite planmäßig in der Presse neutraler Länder. besonders Hollands. sich verbreitet finden. Sie führen dem Auslande die moralische Kraft unseres Volkes und seiner unter der Fahne stehenden Söhne überzeugend vor Augen und leisten darum die eindringlichste Aufklärungsarbeit. Nichts ist gering, was fürs Vaterland geschieht in dieser großen Zeit! 2. Es ist die Beobachtung zu machen, daß die Fahnen, welche zur Feier eines größeren WVaffenerfolges unserer Truppen ausgehängt werden, der häufigen Siegesnachrichten wegen oft tage= und nächtelang hängen bleiben. Das trübt den Eindruck des Außerordentlichen. Auch dürfte darauf hinzuweisen sein. daß die Fahnen durch die feuchte herbstliche Nachtluft schlaff werden und leicht ihre Frische verlieren, sodaß der festliche Anblick darunter leidet. Wirkungsvoller wäre es, wenn sie jedesmal— worum das Generalkommando bittet— auf die Nachricht von einem neuen Siege sofort ausgesteckt und dann abends wieder eingezogen würden. Unsere wackeren Truppen werden sich auch weilerhin bemühen, daß die Veranlassung dazu recht häufig wiederkehrt. Auszug aus den Verlustlisten 1—14. Landkreis Hörde. Totsicher! wirkt Dr. Bufleb’s extra starkes uur Mottenpulver Angenehm im Geruch! Unübertre ffene Wirkung! Grosses Paket 20 Pfennig. Nur bei: Max Mehlhose, MedizinalDrogerie, Oete strasse. Zemnste Pfund 125 Pig. L. Weinberg. 5880 5# ∆ S 5 ∆ 5 8855 S S 2. S 2a. 55 S5gs 3 2 89.55 S S Sg. S SS S 9 5 desto reichhaltiger wird der Wörterschatz der Augenscrache sein, desto spitziger ihre Waffen, desto vernichtender ihre Im gewöhnlichen Leben, da, wo keine Leidenschaft, keine Mißgunst mitredet, begegnen wir dieser Sprache am wenigsten, da tritt eine andere, nicht minder ausdrucksvolle, nicht minder nachhaltige an ihre Stelle. Ich meine die des Vorwurfs und des Tadels. Was oft die längste Rede nicht vermochte, das vermag ein einziger Blick zu bewirken, er spricht zum Gewissen, rüttelt es auf aus seinem Winterschlafe und läßt es erwachen, sich auf sich selbst besinnen, und gewiß ist es nicht nur eine Romanphrase, daß der vorwurfsvolle Blick eines geliebten Auges einen Menschen fort und fort verfolgt, ihn bei jedem Unrecht, das er begehen wollte, mahnte und es so zuwege brachte, daß er sich besserte und ein guter Mensch zu werden versuchte. Die schönste Sprache redet aber das Auge, wenn der Strahl der echten, wahren. reinen Liebe aus ihm bricht, wenn es die Verbindung bildet von Seele zu Seele, von Herz zu Herz und je inniger diese Liebe desto verständlicher die Sprache, die keiner ergänzenden Worte bedarf, sie spricht für sich allein und sagt doch damit mehr, als Worte überhaupt jemals auszudrücken vermöchten. Die Sprache, der Ausdruck des Auges läßt sich nicht regeln, sie wird stets der Dolmetsch bleiben für das, was im Herzen des Menschen vorgeht. Ein guter Mensch braucht diese Sprache nicht zu schauen, er hat nicht nötig, seine Augen zu verhüllen, damit man nicht in ihnen lesen, nicht auf den Grund schauen könne. Frei und offen wird er dem deinigen begegnen, Rede und Antwort geben. Dem Menschen, dessen Auge dir ausweicht, der fortwährend die Lider niederschlägt oder beim Erheben derselben mit sichtbarer Beflissenheit an dir vorüber oder über dich hinweg schaut, traue nicht, vor ihm nimm dicht in acht, er meint es nicht ehrlich, ist überhaupt keine rechtschaffene Natur. Der Mutter aber, der ja die Haupterziehung der Kinder obliegt, ist nur zu raten. darauf zu achten, im Notfalle mit Strenge zu erzwingen, daß sich ein jedes Kind daran gewöhne, ihr klar und offen ins Auge zu schauen, auch wenn es etwas getan hat, das Strafe verdient und nach sich zieht. Der gute Erfolg wird nicht ausbleiben und sie wird in späteren Zeiten reichlich dafür belohnt werden, wenn sie in das reine Auge ihrer Kinder blickt, aus denen eine Welt voll Liebe und Verehrung ihr entgegenstrahlt, das aber auch, wenn nötig, unverhohlen kundgibt, was das Herz erfüllt, was das Hirn denkt und was die Seele bewegt. Übertreibung, ein wenig Holz sägen leichte Gartenarbeit sind zu empfehlen; aber große Vorsicht bei Bergsteigen wie überhaupt bei allen übungen, die verstärktes Atmen, vermehrte Herztätigkeit und vieles Bücken erforderlich machen. Diät ist in allen Fällen besser als ein gefüllter Arzneikasten. Auf eine tüchtige, rernunftgemäße Ernährung ist das größte Gewicht zu legen. Die allzu reichlich und die mangelhaft Genährten fallen der Krankheit am leichtesten zum Opfer. Und noch eins: alle älteren Leute haben sich vor tieferen, schweren Gemütsbewegungen zu hüten; Arger, Kummer, Schreck, Furcht, überhaupt jedes Seelenleid untergraben die ohnehin durch Alter geschwächte Lebenskraft sehr rasch und machen die Ergebnisse der besten Diät zunichte. —0 Was die Arzte sagen. Alles mit Maß. Es werden in bezug auf Leibesübungen und Ernährung von vielen, besonders jüngeren Leuten, fortwährend schwere Fehler begangen. Viele sind der Meinung, an körperlichen Anstrengungen wie Rudern, Turnen, Radfahren und dergleichen nie genug tun zu können; wenn sie dann abends ihre Kräfte völlig erschöpft haben, sind sie natürlich ausgehungert, setzen sich hin und füllen sich den Magen mit einer erstaunlichen Menge von Speisen und Getränken. Eins ist so falsch wie das andere, und durch das andere, die Überfüllung mit Nahrungsstoffen, wird die gute Wirkung der körperlichen übung wieder aufgehoben; es ist eine dauernde Störung des natürlichen Gleichgewichts, die sich im zunehmenden Alter rächt.— Nun gibt es aber auch Leute, denen die Mittel fehlen, sich nach erschöpften körperlichen Kräften reichlich zu nähren, bei solchen mögen gewisse Vorzugsmuskeln über Gebühr ausgebildet werden, aber eigentlich lräftige Personen werden sie deshalb doch nicht, und wenn sie älter werden, fallen sie plötzlich ab, werden mager, haben erschlaffte Muskeln und leiden an Herzschwäche. Es ist etwas ganz anderes, wenn z. B. ein Mensch, der im Freien fortwährend schwere Arbeiten verrichten muß, etwa ein Schiffer oder Lastträger, schwere Nahrungsmittel reichlich zu sich nimmt, er verarbeitet sie, so daß sie in Fleisch und Blut gehörig übergehen und er ganz allgemein gesund und kräftig wird und bleibt. Bei einem mehr künstlichen System, wie es z. B. der Mensch mit sitzender Lebensweise anwendet, ist Maßhalten die erste Bedingung, frei von aller Übertreibung in der einen oder anderen Richtung.— Im höheren Alter verbieten sich schwere körperliche Bewegungen, die nicht seit vielen Jahren im Lebensberufe liegen, von selbst, weil dabei Magen, Lunge und Herz viel zu stark angegriffen werden. Dann ist das Maßhalten in noch weit höherem Grade geboten. Fußpartien, Kegeln ohne Wunder der Technik. Wie berechnet man ein mitlionstel Millimeter. Die Verfahren zur genauen Messung selbst winzig kleiner Längen sind in der Neuzeit bedeutend vervollkommnet worden. Immerhin galt bisher die genaue Bestimmung von ein millionstel Zoll oder etwa den 40 000 sten Teil eines Millimeters ungefähr als die Grenze des Möglichen. Jetzt hat ein englischer Gelehrter ein elektrisches Mikrometer beschrieben, das noch eine Bewegung um den 20 millionsten Teil eines Zentimeters oder den 2millionsten Teil eines Millimeters nachzuweisen gestattet. Der Apparat besteht im wesentlichen aus einer Reihe zusammengesetzter Hebel, die eine Vergrößerung auf das 2000 fache ergeben und gleichzeitig mit einer Mitrometerschraube in Betätigung gesetzt werden. Außerdem wird ein elektrischer Stromkreis mit einem Telephon benutzt. Ein elektrischer Leimtopf. Natürlich ist er in Amerika ersunden worden. Der Topf zwei Behältern. Der äußere enthält Wasser, der innere Leim; in das Wasser des äußeren Behälters ist eine Glühlampe hineingebracht, die das Wasser mit großer Schnelligkeit esc echgesehe Lein reitr bich, geger.. schneller wird der Apparat arbeiten, weil keine Wärme entweichen kann. Alltagsnotizen. Verzeihen ist die beste Rache, nur sind nicht alle Menschen Die glücklichsten Menschen sind biesenigen, denen es leicht Wer selbst nichts zu im hat, macht anderen de meise Arbet. Seine Ehre zu verpfänden, ist der am leichtesten bereit, der Die Dummnheit verrät sch am leichtesten burch ihre— EinBiele Menschen Können nur den brauchen, den sie mißbrauchen können Künsilerleben. 36 öin die Geselschof...., wonr teigen Leibe Der große deutsche Komr gins. trat er in London in ein und dabei ein karter Essg.„Eigrggen Appeit verspürte, ein Gasthaus und bestelle, oo v. Man ließ ihn lange warten. die Gesellschaft da ist!“—„So bringt das Essen sofort,“ entgegnete Händel,„denn ich bin die Gesellschaft.“ Verkthunte keigrichte. au Schiale Lesings Leibgericht waren Linsen. Schiller gggegen und ge, Der Dichter Wieland liebte, wie die Kinder, Kuchen, und backenes; wie herlich ihm eine Forele zu rähmen. Mehr sn schmeckt hatte, wußte er noch nach Jahren Zchmunzelte wenn er den Feinschmeckern gehort gachgpstog; eine Lachsorelle vor sich eide Pristsetpotzete, ein=Pheinpein damu. Genigsamer, war der ah, und trant gaten Rheininen, oazu. Vrzugsamergipar, Philosoph Kant; seine Hauptgerichte bestanden in Rüben mit Speck, einem pommerschen Speckpudding, Erbse Schweinefüßen und Backobst. = Der Nachdruck des gesamten Inhalts dieser Beilage ist untersagt.— o VII. Armeekorps Amtliches für den Kreis börde 46. Jabrganz O Gries und Akelles Caorsorgan des Kreilen. O Uaast-nuuerssare Unterhallungs=Beilage zu Nr. 212. Dol nerstag 10. September 1914 Das nur ist die wahre Ehre Auf des Lebens wirrer Bahn, Die der Mensch sich selber geben Und auch selber nehmen kann. Graf Kwelerath und seine Söhne. Roman von Horst Bodemer. (11. Fortsetzung.) „Sie können gehen, ich werde klingeln!" Mit zitternder Hand erbrach sie den starken Umschlag. Gnädigste Gräfin! Ihretwillen bin ich abgereist, heimlich, wie ein Dieb in der Nacht. Fahren Sie schnell nach Hause, drücken Sie Ihren Gatten, Ihre Kinder an Ihr Herz und lernen Sie Gott banken für den schönen Pflichtenkreis, den er Ihnen gegeben. Und noch eines! Vergessen Sie auch nicht für die zu sorgen, die ihr Brot aus den Händen Ihres Mannes empfangen. Sturm und Wetter stählt, der linde Süden macht müde. kehren Sie schnel beim!“Hanse=Heigrich Rotter. Der Brief sank auf die Bettdecke, mit großen Augen starrte Stephanie Kwelerath in den sonnigen Morgen. Er mußte sie wohl sehr lieb haben! Da durchzuckte sie ein Gedanke! Lieber noch als mein Mann? Da brach die Erkenntnis wie ein Sonnenstrahl in ihr Herz. Egon Kwelerath hat sich im Trübsal bewährt, ob das Hans=Heinrich Rotter tat, wußte sie noch lange nicht! Und dann ihre Kinder! Er hatte recht! Sie klingelte der Bose.„„ Ham mir fakren nack b. „Helsen Sie mir, mich anzutleiben, wir fahren noch heute nach Hause zurück.“ Der alte Postbote kam im Schneesturm nach Kwelerath. Der Graf trat gerade aus einer Stalltüre heraus. „Heda, hier bin ich!. 1. g ume hants tänt Hastig riß er das Telegramm auf.„Scomme heute fünf Uhr an. Erwarte mich mit den Kindern Bahnhof Stephanie. Erst aus Berlin hatte sie telegraphiert, sie wollte die Ihrigen überraschen. und das war ihr gelungen! „Lassen Sie sich Kaffee und Brot in der Küche geben. Sie können in einer halben Stunde mit mir zur Stadt fahren!— Gustav. den Schlitten, Viersitzer, die Füchse davor!“ Mit großen Schritten ging der Graf dem Schlosse zu. Was mochte Stephanie zu so schneller Rückkehr veranlaßt haben? Und er dachte sich ungefähr das Richtige: Sie wird einer Gefahr entronnen sein! Das ließ ihm doch das Herz schneller schlagen! Hatte sie Gott geprüft, um ihr zu zeigen, was ihr die Heimat, Mann und Kinder wert sein sollten? Jedenfalls würde sie seine Arme offen finden, wenn sie mit guten Vorsätzen für ein neues Leben kam! Er betrat das Arbeitszimmer seiner Kinder.„Denkt mal, Jungens, Mama kommt schon zurück, in reichlich einer Stunde, mit dem Fünfuhrzug! Zieht euch schnell an, wir wollen sie zusammen abholen!, gan ihn am Trichrich Garla Vier erstaunte Kinderaugen sahen iyn an. Frieorich Karls glänzten in heller Freude.„Aber Papa, Mami hat unsern Brief doch noch gar nicht, in dem wir so betteln, er ist doch „So feut euch doppeltl— Na. Taß, bist du denn auch Eine seine Röte zog in das bleiche Gescht seines Sstelenr Sohnes.„Ich habe mir schon immer gedacht, Papa, Mami wird nicht ewig wegbleiben,“ erwiderte er altklug. Hastig drehte sich der Graf um, der Junge sollte nicht sehen, wie er sich über ihn ärgerte, jede reine Freude verdarb hm der Tab.—.„e hen dam G.sanIn Pelze gehüllt, den Postvoten neven dem Kutscher auf dem Bock, fuhren sie in die Dämmerung, in den Wintersturm hinein. Sie hatten den eisigen Nordwind gegen sich, der Vater hatte seinen Söhnen, die ihm gegenüber saßen, streng verboten zu reden. 6 Aber Friedrich Karl floß vor lauter Freude der Muno über.„'s ist nur gut, Papa, daß wir auf dem Rücksitze jetzt den Wind im Rücken haben, wenn wir mit Mami zurückfahren, wird sie sich nicht erkälten!“ „Halt den Schnabel, Junge!“ Aber innerlich freute sich der Graf. weil Friedrich Karl so besorgt um seine Mutter Zehn Minuten mußten sie sich im Wartezimmer des Bahnhofes auf die Ankunft des Zuges gedulden. Während sich Taß fröstelnd in die Nähe des Ofens setzte, lief Friedrich Karl aufgeregt herum.„Papa, auf dem Rückwege setze ich mich neben den Kuischer!“„. g 466 g2662 6. „Keine Spur, mein Junge, ou bleibst hubsch im Schlitten!“ Da meldete der Bahndiener auch schon das Herannahen des Zuges. Seine beiden Söhne an der Hand, betrat der Graf den Bahnsteig, der Zug brauste heran. Aus einem Abteil erster Klasse sah Stephanie heraus, sie winkte. trat ihr Mann heran und öffnet die Tür, da lag auch schon sein Weib an seinem Herzen, nun wußte er, daß sie Gott geprüft. Und er hielt sie fest umschlungen, während sein Blick auf seinen Söhnen ruhte. Endlich riß sie sich los, in ihren Augen standen Tränen, sie beugte sich herab zu ihren Kindern, herzte und küßte sie und ihrem Manne schien es, als küsse sie Friedrich Karl länger und inniger als den Taß. „Dein Gepäck wird nachher abgeholt, das Telegramm kam in der letzten Minute, wahrscheinlich des schlechten Weiters wegen!“ „Nur schnell heim, Egon.“ sagte sie mit einem Blicke, den er bis heute nicht gekannt an seinem Weibe. Der Kutscher grüßte, er bekam ein paar freundliche Worte zu hören, das war er sonst nicht gewohnt. Emma machte sich mit den Decken zu schaffen. „Sie können nachher mit dem Gepäckwagen fahren, lassen Sie sich auf dem Bahnhofe Kaffee geben!“ Erstaunt sah die ihre Herrin an. Der Graf aber siel aus allen Wolken. Wenn seine Frau sonst verreist gewesen war, drehte sich alles um ihr Gepäck und die Zofe. Die Füchse flogen nur so dahin, es ging ja nach dem heimatlichen Stall! Man redete nicht viel. Die Gräfin sah abwechselnd ihre Söhne an und rückte ihrem Mann näher. Und sie mußte sich eingestehen: Friedrich Karl macht ein viel froheres Gesicht über meine Rückkehr, als der Taß. Sie suchte nach einer Entschuldigung und fand sie: Ihr Liebling war eben stiller, zurückhaltender, als der lebhafte Blondkopf. M S#Szggl nc OSgPSSEPE E S gesSy. 8 88 558. S8 38 Der Wagen hielt vor dem Schlosse: Kwelerath half seiner Frau aus den Decken. Pohlmann stand mit dem Diener am Portal. 6 „Nun, Herr Kanoidat, sino Sie mit meinem Jungen zufrieden gewesen?“ „Jawohl, gnadigste Gräfin!“. g. wig 548. Sie drückte ihm warm die Hand.„Wie mich das freut!“ Daß die Gräfin so herzlich sprechen konnte, wußte das Kwelerather Schloß bis heute nicht.„„ Herr Pohlmann nahm seine Zöglinge bei der Hand, um sie in ihr Zimmer zu führen.„Kleidet euch rasch um, Kinder, in zehn Minuten wollen wir zusammen Tee trinken!" Der Graf brachte sein Weib in ihr Zimmer.„Also in zehn Minuten im Speisezimmer, auf Wiedersehen, liebe Stenhanke!“ „Nein, bitte, bleibe, Egon!“ Er fühlte, die Entscheidung nahte, das war ihm recht. „Ich habe dir zu danken, daß du mir die Reise nach San Remo gestattet hast!“ „Aber ich bitte dich. Stephanie!“ „Und deine Güte hat ihren Lohn getragen!" Fest sieht er sein Weib an.„Eine leise Hoffnung habe ich, daß ich dich recht verstanden!" Da wirft sie sich an seine Brust. Er nimmt ihr schönes Haupt in seine beiden, großen Hände und sieht ihr tief in die Augen. Ein Lächeln liegt um ihren Mund.„Ich kann deinen Blick ertragen, ohne erröten zu müssen!“„., sich dig heimnliche Anast Fest zieht er sein Weib an sich, die neimliche Angst, es könnte irgend wer oder irgend etwas zwischen ihnen stehen, schwindet. Ganz leise hört er sie sagen: „Egon, ich weiß ja erst jetzt, wie lieb ich dich habe!“ Sie schlingt die Arme um seinen starken Nacken und sieht ihn strahlenden Auges an. Und als die Kinder hereingestürmt kommen, um die Mutter abzuholen zum Tee. bleiben sie an der Tür erstaunt stehen. Die Mami sitzt auf Papas Schoß, auf ihren Gesichtern liegt heller Sonnenschein, so haben sie ihre Eltern noch nie beieinander gesehen. Draußen heult der eisige Nordsturm um das feste Kwelerather Schloß. 19. Eitel Freude herrschte nicht lange in Kwelerath. Friedrich Karl bekam die tückische Influenza, verbunden mit einer schweren Nierenentzündung und hohem Fieber. Das Leben des braven Jungen stand auf des Messers Schneide. Nun konnte die Gräfin sagen:„Ich weiß, was Mutterliebe ist!" Tag und Nacht sand man sie am Bette ihres jüngsten Kindes. Und wenn ihr Mann ihr einmal zusprach: „Überanstrenge dich nicht, liebe Siephanie, leg dich ein wenig schlafen!“, so hatte er keinen Erfolg. Ein schmerzliches Lächeln um den Mund, wehrte sie ab: „Hab keine Angst um mich, Egon, ich halt's schon aus: wenn wir nur das Kind durchbringen, dann würde es mir sein, als bekäme ich es zum zweiten Male von Gott geschenkt Da hat Egon Kwelerath sein Weib still auf die Stirne Und wie lohnie Friedrich Karl der Mutter ihre aufopfernde Pflege! Wie dankbar war der schwache, kleine Kerl für jede Liebkosung, wie fest hielt er Mami's Hand, wenn ihn das böse Fieber in den Kissen hin= und herwarf und die Rieren schmerzten. g.534 Hurch 9as 6. Taß schlich leise und georuar durch das Haus. Bis jetzt war er im Herzen seiner Mutter immer die Hauptperson gewesen, um ihn hatte sich alles gedreht, nun fühlte er sich verdrängt. Friedrich Karl, der ihn aufgezogen, daß er so leicht Husten und Schnupsen bekam, lag krank, jetzt würde der schwächer werden als er, o. wenn sein Bruder erst wieder auf war, dann wollte er ihm die sie oft empfangene Haue mit Zinsen zurückzahlen! Friedrich Karl würde doch nicht etwa sterben? Einen Augenblick stockte sein Herzschlag, das wäre sehr traurig, aber dann hatte Mami doch nur noch ihn und später erbte er alle fünf Güter, da meinte er im stillen, lange würde er dem Bruder nicht nachtrauern und Papa fuhr ihn dann sicher nicht so oft an, wie in der letzten Zeit. Alexander von Engen hatte in Dumkow einmal zu ihm gesagt:„So'n Bruder, der ist einem nur im Wege, da ist der Taler, wenn man erbt, nur eine Mark fünfzig wert!“ Aber Taß fühlte doch, daß es Unrecht war, so zu denken, sein Innerstes begehrte gegen diesen Wunsch auf, aber dann malte ihm sein kleiner Kopf wieder verführerische Bilder vor. Papa konnte heute sagen: 26 700 Morgen sind mein eigen: wenn Friedrich Karl die Vorwerke Raulick und Büsendorf bekam, erhielt er nur 20000. Das war gewiß sehr viel, aber das schöne Raulick an der See, mit den guten Wildbeständen, hätte er zu gern einst gehabt. Alle diese Gedanken verwirrten dem kleinen Kerl den Kopf und wie nun Kinder sind, wollte er genaue Auskunft haben, er wandte sich an seinen Erzieher. „Herr Pohlmann, wenn Friedrich Karl stirbt, dann erbe ich doch alles?“ Der sah ihn ganz entsetzt an.„Aber Taß, dein Bruder wird nicht sterben, schon einen solchen Gedanken zu haben, ist eine große Sünde!“ Der kluge Junge lenkte schleunigst ein.„Herr Kandidat, ich will ja auch nicht, daß mein Bruder stirbt, ich meine nur, wenn es doch der Fall wäre, nicht wahr, dann bekäme ich auch Büsendorf und das schöne Raulick?“ Dem Manne stand der Verstand stille, er durchschaute Taß' Begehrlichkeit.„Schämen solltest du dich, solche bodenlos gemeinen Gedanken sind jedes anständigen Menschen unwürdig!“ „Ich bete doch täglich abends mit Mami zu Gott, daß er Friedrich Karl recht bald wieder gesund macht!" „Ein Gebet muß ernstlich sein, wenn es bei Gott wirken soll, sonst ist es schon besser, du betest überhaupt nicht für Friedrich Karl!" „Komme ich sonst in die Hölle, Herr Kandidat?“ „Zweifellos!“— Am Abend behauptete der Taß krank zu sein und nicht beten zu können... 46.— gm 6 Die Gräfin eilte aufgeregt zu ihrem Manne, der mit Pohlmann zusammensaß.„Egon, auch der Taß ist krank, er behauptet vor Kopfschmerzen nicht beten zu können, komm schnel zu ihm!“....„, ven sehDer Graf fand sein Kind volltommen sieverfrei. Unterdessen ging der Kandidat im Arbeitszimmer Kweleraths mit großen Schritten auf und ab, er wußte wohl, warum der Taß nicht beten„konnte“. Er hatte den Eltern gegenüber geschwiegen, um ihnen nicht noch mehr Sorgen zu machen... 9. 50ss M5 Gat6 Unmutig kehrte der Graf vald zuruck.„Hat der Taß eine Dummheit begangen. Herr Kandidat? Mir scheint, seine ganze Krankheit beruht auf einem schlechten Gewissen!" Heir Pohlmann sah zur Seite.„Dummes Zeug hat er geschwäßt, weiter nichts!" Was denn?“., sich ein Kache manch. „Herr Graf, in dem Alter reimt sich ein Knave manchen Unsinn zusammen, der sich schlimm anhört, aber ohne alle Bedeutung ist!" „So reden Sie doch, Mann!“ Da muß der Kandidat notgedrungen die Wahrheit sagen. Kwelerath hört ihm still zu, den Kopf in beide Hände gestützt.„Und Sie glauben wirklich, solche gemeinen Gedanken bei einem kaum neunjährigen Jungen seien ohne alle Bedeutung?“ „In unserer Kindheit haben wir alle unglaubliche Torheiten zusammengeredet,“ antwortete er verlegen. „Gewiß. Torheiten in Hülle und Fülle, das tun wir ja heute noch, weil wir Menschen sind mit Schwächen und Fehlern; aber keine abgründigen Gemeinheiten!“ Der Graf stöhnte auf, erhob sich, trat ans Fenster und sah mit gefurchter Stirne hinaus in die schwarze Nacht. Was würde Stephanie dazu sagen, wenn sie ersuhr, warum der Taß nicht beten wollte? Gewiß, sie war seit vierzehn Tagen eine andere geworden, tausendmal bessere, aber felsenfestes Vertrauen zu ihr hatte er noch lange nicht. So schön gute Vorsätze sind, ein Sturmwind kann sie über den Haufen segen, und wenn er wagte, ihr mitzuteilen, was ihr Liebling dachte, er wußte wahrhaftig nicht, wie sie es aufnehmen würde. Seit zehn Jahren kannte er ihre Launen zur Genüge. Friedrich Karls Krankheit hatte auch die Reibungsflächen zwischen ihnen stark vermindert, die Gedanken der Eltern beschäftigten sich fast ausschließlich mit ihrem armen, sich unter Schmerzen windenden Kinde. Aber er war nicht der Mann danach, seiner Frau Unannehmlichkeiten zu ersparen, wenn es sich um das Wohl und Wehe seiner Söhne handelte! Vorläufig wollte er schweigen, setzte aber der Taß sein Verhalten morgen fort, dann bekam er seine Tracht Prugel und Slephanie mußte erfahren, warum. Alle diese Gedanken konnte er Pohlmann aber nicht auseinandersetzen, der würde sich schon ungefähr allein den richtigen Reim machen. Rasch drehte sich Kwelerath um. 2 2 2 2 * G# S S 9** G##gE S.:GSG K S0E # S9 8 S 5. * SE * SBS SERSE * 8 5 S a * 802R 8 5 # S 5 SaE. S 2S. „Herr Kandidat, ich begreife zwar, daß Sie in den jetzigen, traurigen Tagen mich gern mit Taß' Gemeinheiten verschonen wollten, Ihre Verteidigung verfängt natürlich bei mir nicht! Ich bitte mir morgen Mittag Bericht zu erstatten, wie der Junge die ernstlichen Vorhaltungen, die Sie ihm machen werden, ausgenommen hat. Sehr aber muß ich in Zukunft verlangen, daß Sie mir nichts verheimlichen oder milder darstellen!“ Herr Pohlmann versicherte verlegen, daß er sich ganz nach den Befehlen des Herrn Grafen richten werde. Am nächsten Miltag konnte er mitteilen, daß Taß sein großes Unrecht einsehe.„Wird wohl bloß Tuerei sein, weil er sich vor meiner Hand fürchtet,“ meinte Kwelerath erregt. Bei Tisch saß der Junge sehr geknickt vor seinem Teller. „Taß,“ sagte die Gräfin, die schnell einen Teller Suppe aß,„Dir geht wohl Friedrich Karls Krankheit sehr nahe?" „Ja, Mami,“ erwiderte er schüchtern. Der Graf preßte die Lippen zusammen, er kannte seinen Altesten besser, der schauspielerte der Mutter etwas vor, um von ihr geliebkost zu werden und Schokolade oder Bonbons zu ergattern. Aber er sagte, um des lieben Friedens willen, nichts zu seiner Frau. Friedrich Karl lag die kommende Nacht in der heftigsten Krisis. Das Fieber fiel von 39,8 unter Normal auf 36,1. Schweiß brach am ganzen Körper in unheimlichen Massen aus und der Junge schlief und war nicht wach zu bekommen. Der Arzt war anwesend, er hatte die Entscheidung kommen sehen, ein kleines Pulver hatte sie herbeigeführt. Er rüttelte den Knaben hin und her:„Friedrich Karl,— halloh!“ „Erschrecken Sie den Knaben doch nicht, Herr Doktor,“ sagte die Gräfin in heller Angst. „Keine Sorgen,— er muß mobil werden, das Herz ist sehr angegriffen, wir dürfen ihn nicht schlafen lassen, sonst wacht er uns womöglich nicht wieder auf!“ Mit verhaltenem Atem saßen Kweleraths am Bette ihres Kindes, bald blickten sie auf den kleinen Patienten, bald auf den Arzt, dessen Gesicht ernster und ernster wurde. Erst als die fahle Dämmerung zum Fenster hereinschien, konnte er zu den besorgten Eltern sagen:„Nach menschlicher Berechnung ist Friedrich Karl über den Berg!" Da bekam die Gräfin einen Nervenanfall, sie schluchzte, der ganze Leib geriet in Zuckungen. Sie hatte sich zu viel zugemutet, schon San Remo und die Heimkehr hatten sie arg mitgenommen, das alles ging über ihre Kräfte, die an aufregende Tätigkeit nicht gewöhnt waren. Der Arzt beruhigte den Grafen.„Schlafen, ordentlich schlafen, ein Medikament kann in einer Stunde in der Apotheke abgeholt werden, nur ein harmloses Mittel, in zwei Tagen ist die gnädigste Frau Gräfin wieder wohlauf!“ Stephanie verfiel auch bald, einen Eisbeutel auf der Stirn, in tiefen Schlaf. Leise verließ der Graf das Zimmer, er ging zu Taß. Friedrich Karl wird mit Gottes Hilfe bald genesen, aber nun ist Mami krank geworden!" Da fing der Junge an laut zu heulen. Dem Vater ekelte vor seinem Kinde. Nicht eine Träne hatte er vergossen über die Leiden, die sein jüngerer Bruder hatte ausstehen müssen! Wahrscheinlich dachte der Lümmel:„Nun kann mich meine Mutter in der nächsten Zeit nicht mit Süßigkeiten füttern!" Unwillkürlich ballte der Graf die Faust, das Geschrei des Jungen machte ihn verrückt, aber noch hatte er Gewalt über sich. „Heul nicht, als ob du am Spieße stäkest, bitte Gott, daß er dich zu einem anständigen Menschen macht und nun verlange ich volle Ruhe im ganzen Hause!“ Schnell verließ er das Zimmer, er fürchtete, mit seiner Selbstbeherrschung könnte es plötzlich vorbei sein. Er setzte sich an Friedrich Karls Bett und sah in das bleiche, eingefallene Gesicht seines Lieblings. Gott sei dank, nun schlief er der Genesung entgegen!— Der Arzt hatte recht, nach zwei Tagen hatte sich Stephanie schon wieder so weit erholt, daß sie den Tag über all die kleinen Handreichungen machen konnte, die dem kleinen Rekonvaleszenten nötig waren. Nicht um die Welt hätte sie einer anderen Person diesen Platz abgetreten. Friedrich Karl war noch sehr schwach und klapperdürr geworden, aber sein Mundwerk ging schon wieder ganz ordentlich.„Du, Mami, war's auch sehr schön in San Remo?“ „Lange nicht so schön wie in Kwelerath, mein lieber „Aber dort ist's doch Frühling, wenn's bei uns schneit und du hast doch auch geschrieben, du säßest die ganze Zeit im Freien oder führest auf dem Meere spazieren!" „Trotzdem, mein liebes Kind, am schönsten ist es immer in der Heimat, bei euch und Papa!“ Mit großen Augen sah sie der blasse Knabe an.„Aber du hast dich doch so oft mit Papa gezankt!“ Da zog eine seine Röte über der Mutter bleiches Gesicht. „Das kommt nicht wieder vor, Friedrich Karl!" „Ich hab mich ja auch so gefreut, wie du Papa auf dem Bahnhofe um den Hals gefallen bist und nachher in deinem Zimmer auf seinen Knieen saßest, wie der Taß und ich zu dir kamen!" Die Gräfin hat sich abgewandt. Also die Kinder hatten schon Verständnis für ihre eheliche Zwistigkeiten. Sie lenkte schnell das Gespräch ab.— Friedrich Karl kam nur sehr langsam wieder zu Kristen, mit Milch, Eiern und zartem Fleisch wurde er allmählich aufgepäppelt. Der Junge war kaum noch im Bett zu halten. „Mami, darf ich nun nicht bald wieder mit dem Taß und meinen Bleisoldaten spielen? Der Arzt wurde gefragt, er erteilte die Erlaubnis nach wenigen Tagen. Taß hatte die Franzosen, Friedrich Karl die Deutschen. Sie schossen mit Erbsen aus einer kleinen Kanone. Doch Friedrich Karl war noch sehr schwach, er traf schiechter wie sein Bruder, konnte die Kanone auch nicht so schnell laden, der Taß blieb Sieger.(Fortsetzung solgt.) Die Sprache der Augen. Viele Dichter haben die Farbe des Auges, des edelsten Menschenorganes, besungen. Aber weit mannigfaltiger als die Farbe, deren jede einzelne Gegenstand der Bewunderung geworden, je nach Geschmack und Liebhaberei der Menschen, ist die Sprache der Augen, die sich rühmen darf, die älteste der Welt zu sein, denn sicher haben die ersten Menschen sich zuerst durch ihre Blicke verständigt, wie es sich bis auf den heutigen Tag weiter fortgepflanzt hat, daß Männlein und Weiblein sich zuerst mit den Augen finden, mit Blicken sich verständigen, ehe ein entscheidendes Wort gesprochen wird. Lehrbücher über diese Sprache gibt es bis jetzt noch nicht, nach allen Regeln der Grammatik und Zusätzen ist sie wohl leicht zu erlernen, und wem sie nicht als Zugabe in die Wiege gelegt worden, wer solche nicht als Naturanlage besitzt. der wird sie auch niemals sich aneignen können. Viele Augen gibt es, die absolut gar keine Sprache reden, die nichtssagend in die Welt starren, weder deren Wunder sehen und in sich aufnehmen, noch imstande sind, widerzuspiegeln, was im Innern des dazu gehörigen Menschenkindes vorgeht. Ich versichere Sie, daß mir schon manches derartige Auge zu schauen vergönnt gewesen, aber ich will auch nur gestehen, daß diese ausdruckslosen, fast blöden Augen einen unheimlichen, weil unnatürlichen Eindruck auf mich hervorbrachten. Immerhin sind diese Augen eine Seltenheit. Wer wüßte nicht aus Erfahrung, wie oft das Auge zum Verräter der geheimsten, tiefinnersten Gedanken geworden? Wer hätte nicht schon das Unbequeme solcher sprechenden Augen empfunden, wenn dieselben verraten, was der Mund um jeden Preis oder oftmals auch aus Höflichkeit verschweigen Dies ist übrigens ein unbewußtes Sprechen, ein absichtsloses und deshalb selten verletzendes. Doch kann die Sprache auch bewußt, absichtlich werden. und dazu gehört etwas Ubung. Das weibliche Geschlecht soll ja Meisterin sein in der koketten Augensprache. So lange dies in Grenzen bleibt, die gute Sitte und Erziehung gezogen, bleibt, grß, n harmlos und reizend, sobald aber das Gegenteil ,en#ankt, wit es selbt auf Männer, denen ja die Koketterie stets gilt. Das Auge dient aber noch einer anderen Sprache. Es ist nicht dazu ersehen, nur freundliche oder zärtliche pfindungen wiederzustrahlen, sondern es kann auch in Haß und Zorn, in Leidenschaft aussprühen, es kann tieser, weit nachhaltiger verwunden als,die schüg ge#has, und diese Wunden, geschlagen mit dem Augger##, mehr zu heilen; winden aber auch 5gsi kann man keine Waffe aus der Hand, denn für einen Zua muan man keine Rechenschaft sordern. Im Gesellschaftsleben wird von der Sprache der Augen wohl der ausgiebigste Gebrauch gemacht, gnädig, herablassend, spöttisch, voller Hohn vermag dasselbe zu zerschmettern, während ein einziger, sanster Blick, vielleicht begleitet von einem gütigen Lächeln, uns alle erfahrene Unbill vergessen läßt. Je bunter eine Gesellschaft zusammengewürselt.