(Dde Sdonm Zetiugr aichhn dch. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petltzeild oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabakt gill als Kassarabakt u. erlischt bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Rebsachbnobernaht.-Soetlinsesteltune Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Verbunden mit: Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Schwerter Tageblatt O Schwerter Anzeiger Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreises o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Aug dante: und dohalgnltgüichen Nenod. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Veröffentlichung in dei„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adonnen= ten für jeden mit Tod endenden Unfall ge300 Mk. Unfall. Druchk u. Verlago. Cor Braus. Schwere= Rude Sortdo tt- Scm eibte basshentench Nr. 181. Mittwoch, den 5. August 1914. 46 Jahrgang. Thronrede. Der Kaiser eröffnete gestern mittag 1 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Schlosses die außerordentliche Session des Reichstages mit folgender Thronrede: Geehrte Herren! In schicksalsschwerer Stunde habe ich die gewählten Vertreter des deutschen Volles um mich versammelt. Fast ein halbes Jahrhundert lang konnten wir auf dem Wege des Friedens verharren, Versuche, Deutschland kriegerische Neigungen anzudichten und seine Stellung in der Welt einzuengen, haben unseres Volkes Geduld oft auf harte Proben gestellt. In unbeirrbarer Redlichkeit hat meine Regierung auch unter heraussordernden Umständen die Entwicklung aller sittlichen, geistigen und wirtschaftlichen Kräfte als höchstes Ziel verfolgt. Die Welt ist Zeu- ewe sen, wie unermüdlich wir in dem Drang und den Wirren der letzten Jahre in erster Reihe standen, um den Völkern Europas einen Krieg zwischen Großmächten zu ersparen. Die schwersten Gefahren, die durch die Ereignisse am Balkan heraufbe'cworen waren, schienen überwunden. Da tat sich mit der Ermordung meines Freundes, des Erzherzogs Franz Ferdinand ein Abgrund auf. Mein hoher Verbündeter, der Kaiser Franz Josef, war gezwungen, zu den Waffen zu greifen, um die Sicherheit seines Reiches gegen gejährliche Umtriebe aus einem Nachbarstaat zu verteidigen. Bei der Verfolgung ihrer berechtigten Interessen ist der verbündeten Monarchie das russische Reich in den Weg getreten. An die Seite Oesterreich=Ungarns ruft uns nicht nur unsere Bündnispflicht. Uns fällt zugleich die gewaltige Aufgabe zu, mit der alten Kulturgemeinschaft der beiden Reiche unsere eigene Stellung gegen den Ansturm feindlicher Kräfte zu schirmen. Mit schwerem Herzen habe ich meine Arnee gegen einen Nachbar mobilisieren müssen, mit dem sie auf so vielen Schlachtfeldern gemeinsam gesochten hat. Mit aufrichtigem Leid sah ich eine von Deutschland treu bewahrte Freundschaft zerbrechen. Die Kaiserlich Russische Regierung hat sich dem Drängen eines unersättlichen Nationalismusses nachgebend, für einen Staat eingesetzt, der durch günstigung verbrecherischer Anschläge das Unheil dieses Krieges veranlaßte. Daß auch Frankreich sich auf die Seite unserer Gegner gestellt hat, konnte ans nicht überraschen. Zu oft sind unsere Bemühungen, mit der französischen Republik zu freundlicheren Beziehungen zu gelangen, auf alte Hoffnungen und alten Groll gestoßen. Geehrte Heren! Was menschliche Einsicht und Kraft vermag, um ein Volk für die letzten Entscheidungen zu wappnen, das ist mit Ihrer patriotischen Hilfe geschehen. Die Feindseligkeit, die im Osten und im Westen seit langer Zeit um sich gegrissen hat, ist nun zu hellen Flammen aufgelodert. Die gegenwärtige Lage ging nicht aus vorübergehenden Interessenkonflikten hervor, sie ist Ergebnis eines seit langen Jahren tätigen Uebelwollens gegen Macht und Gedeihung des Deutschen Reiches. Uns treibt nicht Eroberungslust, uns beseelt der unbeugsame Wille, den Platz zu bewahren, auf den Gott uns gestellt hat, für uns und alle komnenden Geschlechter. Aus den Schriftstücken, die Ihnen zugegangen sind, werden Sie ersehen, wie keine Regierung und vor allem mein Kanzler bis um letzten Augenblick bemüht waren, das Aeußerse abzuwenden. In aufgedrungener Notwehr mit keinem Gewissen und reiner Hand ergreisen wir las Schwert. An die Völker und Stämme des Deutschen Reiches ergeht mein Ruf, mit gesamter Kraft in brüderlichem Zusammenstehen mit unseren Bundesgenossen, zu verteidigen, was wir in friedlicher Arbeit geschaffen haben. Nach dem Beispiel unserer Väter fest und treu, ernst u. ritterlich, demütig vor Gott und kampfesfroh vor dem Feind so vertrauen wir der ewigen Allmacht, die unsere Abwehr stärken und zu gutem Ende lenken wolle! Auf Sie, geehrte Herren, blickt heute, um seine Fürsten und Führer geschart, das ganze deutsche Volk. Fassen Sie Ihre Entschlüsse einmütig und schnell. Das ist mein inniger Wunsch. Der Kaiser setzte der Thronrede noch hinzu: Sie haben gelesen, meine Herren, was ich zu meinem Volke vom Balkon des Schlosses aus gesagt habe. Ich wiederhole: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!(Stürmisches Bravo!) und zum Zeugen dessen, daß Sie fest entschlossen sind, ohne Parteiunterschied, ohne Standes= und konfessionellen Unterschied zusammenzuhalten, mit mir durch dick und dünn, durch Not und Tod, fordere ich die Vorstände der Parteien auf, vorzutreten und mir dies in die Hand zu geloben. Reichstags=Sitzung vom 4. August. Der Präsident der vorigen Session, Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung 3 Uhr 15 Min. Zu führern werden bestimmt die Abgg. Fischer=Berlin (Soz), Engler(Zentr.), Dr. Bärwinkel(natlib) und Rogalla von Bieberstein(kons.). Mit tiefem Ernst und gewaltiger innerer Erregung und zugleich mit der ganzen Kraft des unabänderlichen Entschlusses und in der zuversichtlichen Ueberzeugung, daß das deutsche Volk den Entschluß würdig tragen und zum siegreichen Ende führen werde, legte der Reichskanzler die dramatische Geschichte derletzten Tage dar. Als er davon sprach, wie seit langer Zeit gegen Deutschland ein Wind geweht habe, der jetzt als Sturm aufgehe, als der Kanzler fragte, ob Deutschland noch langer hätte warten sollen, bis das hinterliftige Spiel Rußlands und Frankreichs noch weiter vorgeschritten wäre, als er die Notwendigkeit der Neutralitätsverletzung in Luxemburg und Belgien mit den Worten begründete: Wer so bedroht ist, wie wir, der darf an nichts anderes denken, als wie er sich durchhaus, als er schließlich die Worte des Kaisers von den reinen Händen und dem reinen Gewissen wiederholte, mit denen wir in den Kampf ziehen, und von der Zuversicht, mit der wir es tun, da überbrauste ihn die Zustimmung eines gewaltig erregten Hauses mit einer Kraft, wie si kaum jemals erlebt worden ist. Auch die Schranken zwischen dem Hause und den Tribünen waren gefallen. Es war ein Volk, das sich in dem Bewußtsein des ganzen Ernstes der Stunde, aber auch in dem Gefühl seiner ganzen Stärke zu der Politik seiner Regierung und des folgenschweren Entschlusses bekannte. Der deutsche Reichstag hat nie eine größere Stunde erlebt. Nach den Ausführungen des Kanzlers nahm Präsident Dr. Kaempf das Wort: Der Ernst der Lage, über die niemand unter uns im Zweisel sein kann, ist in seinem vollen Umfang in seiner vollen Schwere in den Worten unseres Reichskanlers zum Ausdruck gekommen. Wie finden uns mächtigen Gegnern gegenüber, die uns rechts und links bedrohen, ohne Kriegserklärung über unsere Grenzen hereingebrochen sind und die uns zum Verteidigungskampfe und 2“: Kampfe für unser Vaterland gezwungen haben. Wir sind uns bewußt, daß der Krieg, in den wir zu ziehen gezwungen sind, ein Krieg der Abwehr ist, gleichzeitig aber auch für Deutschland ein Kampf um die höchst. Güter d. Nation, ein Kampf auf Leben u. Tod, ein Kampf um unsere Existenz.(Stürmische Zustimmung.) Der Augenblick, in dem der Reichstag sich anschickt, angesichts des Ausbruches des Krieges die Gesetze zu votieren, die für das Wirtschaftsleben des Landes die sichere Grundlage bieten ist ein feierlicher und tiefernster zugleich, aber auch ein großer und erhebender.(Beifall.) Schwer sind die Opfer, die unserem Volke auferlegt werden, schwere Opser werden von jedem einzelnen gefordert. Aber es gibt niemanden im Deutschen Reich, der nicht volles Verständnis hätte für das, was auf dem Spiele steht und freudig zum Opser bereit ist.(Erneuter Beifallssturm.) Das ganze Volk ist gewillt, Gut und Blut zu opfern für die Ehre des Deutschen Reiches. Niemals hat ein Volk einmütiger zusammengestanden als heute. Auch diejenigen, die sich sonst grundsätzlich als Gegner des Krieges bekennen, eilen zu den Fahnen und ihre Vertreter im Reichstage bewilligen die Mittel, die für die Verteidigung des Reiches notwendig sind. (Stürmischer Beisall und andauernde Hochrufe von allen Seiten des Hauses.) Gegen 5 Uhr versammelten sich die Abgeordneten wieder. Sämtliche Vorlagen wurden in erster und zweiter Lesung einstimmig angenommen, nachdem Abg. Haase(Soz.) namens seiner Partei eine Erklärung abgegeben hatte, daß die Partei zwar die Verantwortung für die infernalistische Politik ablehne, dem gesorderten Kredit aber zustimme. Dann werden sämtliche Gesetzentwürfe sofort in dritter Letung einstimmig angenommen. Hierauf ergriff der Reichskanzler das Wort und sagte: Die Bedeutung der heutigen Beschlüsse liege in dem Geiste, aus dem sie hervorgegangen sind. Der 4. August 1914 werde in alle Ewigkeit einer der größten Tage der deutschen Geschichte sein. Er habe den Auftrag, dem Reichstag im Namen des Kaisers und der verbündeten Regierungen für seine Beschlüsse zu danken.(Allseitig lebhater Beifall.) Danach wird ein Antrag auf Vertagung bis zum 24. November angenommen. Präsident Dr. Kaempf dankt den Mitgliedern des Reichstages und erinnert daran, daß viele Abgeordnete entweder selbst in den Feldzug gezogen seien oder ihre Kinder geschickt hätten, aus den Schlachtfeldern solle eine neue Zeit der Größe und der Wohlfahrt des Deutschen Reiches anbrechen. (Stürmischer Beifall.) Der Präsident schloß mit einem vom ganzen Hause stürmisch aufgenommenen Hoch auf Kaiser, Volk und Reich. Den Schlußakt hatten sämtliche Abgeordnete, einschließlich der Sozialdemokratie, stehend angehört. Kriegserklärung Englands. Berlin, 5. August. Wie der L.=A. durch Extrablatt meldet, erschien der englische Botschafter Goschen im auswärtigen Amt und forderte seine Pässe. Das bedeutet den Krieg auch mit England. Der Grund der englischen Einmischang. Berlin, 5. August. Gestern nachmittag kurz nach der Rede des Reichskanzlers, in der bereits der durch das Betreten belgischen Bodens begangene Verstoß gegen das Völkerrecht freimütig anerkannt und der Wille des Deutschen Reiches, die Folgen wieder gut zu machen, erklärt war, erschien der großbritannische Botschafter Sir Edward Goschen im Reichstage, um dem Staatssekretär von Jagow eine Mitteilung seiner Regierung zu machen. In dieser wurde die deutsche Regierung alsbald um eine Antwort auf die Frage ersucht, ob sie die Versicherung abgeben könne, daß keine Verletzung der belgischen Neutralität stattfinden würde. Der Staatssekretär von Jagow erwiderte sofort, daß dies nicht möglich sei, Routratiat und setzte nunmehr die Gründe auseinander, die Deutschland zwingen, sich gegen einen Einfall der französischen Armee durch Betreten belgischen Bodens zu sichern. Kurz nach 7 Uhr erschien der großbritannische Botschafter im Auswärtigen Amt, um den Krieg zu erklären und seine Pässe zu fordern. Wie wir hören, hat die deutsche Regierung die militärischen Erfordernisse allen anderen Bedenken vorangestellt, obgleich damit gerechnet werden mußte, daß dadurch für die englische Regierung Grund oder Vorwand zur Einmischung gegeben sein werde. Und Italien? Rom, 5. August. Die„Agenzia Stefani“ gibt folgende Erklärung des Ministerrats wieder: Da einige Mächte Europas sich im Kriege befinden, Italien aber im Zustand des Friedens mit allen Mächten sei, so seien die Regierung wie alle Untertanen des Königs verpflichtet, die strengste Neutralität zu beobachten.— Die„Agenzia Stefani“ kündigt die Einberufung der ersten Kategorien der Jahrgänge 1889 und 1890 der Armee für den 6. August und die Jahrgänge 1889 und 1890 der Mannschaften der Marine an. Außerdem werden unter die Fahnen berufen Maschinisten, Heizer, Steuerleute und Elektriker der Marine, sowie das ganze kriegspflichtige Signalpersonal. Und wenn die Welt voll Teufel wär Und wollt uns gar verschlingen, So fürchten wir uns nicht so sehr, Es soll uns doch gelingen! Der Verlauf der Mobilmachung. Nach den bei den militärischen Zentralbehörden eingegangenen amtlichen Nachrichten ist die Mobilmachung unseres Heeres und unserer Flotte bisher ganz vorrüglich verlaufen. Es ging alles wie am Schnürchen. Die Zusammenziehung der Einberufenen, ihre Beförderung an die angewiesenen Plätze, kurz alles hat tadellos geklappt. Das Vertrauen der Bevölkerung in unsere militärische Organisation ist glänzend gerechtsertigt. Besondere Hervorhebung verdient die Stimmung unter den Einberufenen. Voller Hingabe und Begeisterung, aber auch von dem Ernst der Stunde durchdrungen, sind alle der Gestellungsorder gefolgt. Das deutsche Volk darf die Zuversicht hegen, daß auch die weiteren militärischen Maßnahmen in gleicher Weise und tadellos durchgeführt werden. Gewaltig groß ist auch die Zahl der Kriegsfreiwilligen und zwar so groß, daß auf einen großen Teil vorläufig verzichtet wird. Wir dürfen ja Zahlen nicht nennen, können aber doch Genugtuung konstatieren, daß nicht nur junge, noch nicht gestellungspflichtige, sondern auch reife im besten Alter stehende Männer sich zum Dienst unter der Fahne melden. Der Würsel rot! Was sich seit Jahren verdichdichtet hat, wie eine Folter das Kulturleben in letzten Jahren und Wochen gequält hat, es ringt nach Luft, nach Erlösung! Lieber ein Ende mit Schrechen, denn ein Schrechen ohne Ende!— so lautet heute der tiefernste Entschluß des friedlichen und fleißigen Bürgers. Der Montag des 3. August — 1914 begann als großer nationaler Werktag von unermeßlicher Tragweite. Männer machen die Geschichte! Und deutsche Männer werden jetzt neue deutsche Geschichte machen. Die Zeit von Blut und Eisen ist wieder zurückgekehrt. Die Mahnen Bismarcks und Moltkes ziehen durch die deutschen Lande. Sie führten vor 45 Jahren in den deutschen Volkskrieg, ihr Geist führt auch heute noch in den bevorstehenden Völker“ krieg. Und wird dann nach schwerem— und hofsentlich kurzem— Ringen die Schlußrechnung gestellt, dann muß es sich zeigen, warum unser Blut geflossen ist. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht! Aufruf 1914! Wohlan, mein Deutschland, laß das Schwert dir geben! Wohlan, so rüste dich, zieh hin ins Feld! „Es kann der Beste nicht im Frieden leben, Wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Du hast um deinen Frieden ernst gerungen. Hast still die Pflugschar vor dir hergeführt. Nun wirh das Schwert dir in die Hand gezwungen, Drum schwing es tapser, wie es dir gebührt! Laß es den Nussen dort im Osten fühlen, Der frech der Frechheit noch ein Helfer ward! Und auch den Mut des Franzmanns laß es kühlen, Daß er beschämt sich beug vor deutscher Art! Frisch auf, du kämpfst für eine heil'ge Sache, Und wo das Recht, ist sicher auch der Sieg. Frisch auf, Gott ist mit dir und sein ist auch die Rache, Mit ihm für deinen Kaiser in den Krieg! Hermine Vohl. Eln Gnadenerlaß. Das„Armeeverordnungsblatt" veröffentlicht einen Gnadenerlaß des Kaisers, wonach allen Personen des aktiven Heeres, der aktiven Marine und der Schutztruppen vom Feldwebel abwärts und allen unteren Militärbeamten des Heeres, der Marine und der Schutztruppe die gegen sie verhängten Geld= und Freiheitsstrasen bezw. der noch nicht vollstreckte Teil derselben, erlassen wurden, sosern a) die lediglich wegen militärischer Verbrechen oder Vergehan ihnen auserlegten Stragen insgesamt in Johre. Wu— Werhrechen und b) die lediglich wegen gemeiner Verbrechen und Vergehen oder Uebertretung ihnen an erster Stelle und anstelle von Geldstrafen auferlegten Freiheitsstrasen insgesamt ein Jahr, c) bei einem Zusammentressen militärischer und gemeiner Versehlungen die gegen letztere verhängten oder in Ansatz gebrachten Freiheitsstrasen ein Jahr, die Freiheitsstrafen insgesamt fünf Jahre nicht übersteigen. Ausgeschlossen von der Begnadigung sollen diejenigen Personen sein 1. Welche unter Wirkung von Ehrenstrafen stehen. 2. Welche wegen Verbrechen bestraft sind, bei denen der Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte eintrat, auch wenn auf Ehrenstrafe nicht erkannt Mlrde 3. welche während der Strafverbüßung, sosern diese bereits begonnen, oder während der voraufgegangenen Untersuchungshaft sich schlecht geführt haben. Auf Personen des Beurlaubtenstandes findet der Gnadenerlaß entsprechende Anwendung, sofern sie aus Anlaß der gegenwärtigen Mobilisierung angenommen werden und zur Einstellung Warnung vor salschen Meldungen. Der kommandierenden General des 8. Armeekorps erläßt eine eindringliche Warnung vor der Verbreitung unwahrer und der Unterlage entbehrender Gerüchte. Solche Gerüchte waren unter anderm, daß an der Grenze gestern ein heftiger Kampf stattgesunden habe, in dem das 68. Insanterieregiment schwere Verluste gehabt hätte, daß mehrere Spione auf dem Ehrenbreitstein erschossen worden seien, daß mehrere hundert Gefangene gemacht, am Koblenzer Bahnhof angekommen und auf den Ehrenbreitstein gebracht worden seien, daß die Jäger=Brigade in Trier gegen ein französische Kavalleriebrigade ausgerieben worden sei, und Aehnliches mehr. An alle dem sei kein wahres Wort. Die Gerüchte seien aber geeignet, die Bevölkerung zu beunruhigen. Der Kommandierende General warnt vor der Verbreitung irgendwelcher falscher Nachrichten. Ihre Urheber würden zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie bekannt werden. Kein Anschlag auf den Cochemer Tunnel. Der Landrat des Kreises Cochem schickt der„Köln. Volksztg.“ telegraphisch folgende Berichtigung: Die Meldung, daß von einem Gastwirt und dessen Sohn die Sprengung des Tunnels in Cochim versucht worden sei und daß die Personen erschossen worden seien, beruht auf Ersindung. Dem vorstehend mit allem amtlichen Nachdruck widersprochenen Gerücht mußte man, wenn auch noch so ungern, Glauben schenken, da es eine kontrollierte Meldung des Wolfschen Bureaus war, die übrigens durch private Erzählungen von Mund zu Mund vielsach variiert wurde. Der Quelle des salschen Gerüchts wird— das darf man wohl erwarten— gründlich nachgegangen werden. Schwedens Neutralität. Die schwedische Regierung hat während des gegenwärtigen Krieges strengste Neutralität erklärt. Zur Sicherung der Neutralität erläßt das Kriegsministerium folgende Anordnungen: Mobilisierung der Flotte, der Küstenpositionen und des Küstensignalwesens, außerdem des Materials, das der Handelsslotte angehört, weiter Einberusung der bei der Küstenartillerie zur Disposition stehenden Ofsiziere und Reserveofsiziere in genügender Anzahl und endlich Einberufung so vieler Wehrpflichtiger, wie die genannte Mobilisierung ersordert. Neutralität Dänemarks. Da Krieg ausgebrochen ist zwischen Deutschland und Rußland und zwischen Deutschland und Frankreich, so hat die dänische Regierung sich entschlossen, absolute Neutralität während des Krieges zu beobachten. Sperrung der holländischen Zugangsstraßen. Nach amtlichen Mitteilungen der Königlich Niederländischen Regierung Ueß diese die nördlichen Zugangsstraßen zum Meere und die Straße von Göree durch Unterseeminen sperren u. traf auch die nötigen Vorbereitungen für die Sperrung der übsche Gouverneur von Südwestafrika, von Schuckmann trat als Kriegsfreiwilliger bei dem 2. Gardeulanenregiment ein. Prinz Joachim Friedrich von Preußen wird den Feldzug als Major mitmachen. Beschlagnahmerussischer Gelder. Berlin, 5. August. Bei den hiesigen Großbanken sind die dem russischen Staat zustehenden Guthaben als Eigentum einer feindlichen Macht mit Beschlag belegt worden. Geld für. Rußland. Der Schatzgräber. Roman von Erich Ebenstein. rigen Zugangs. Der„Reichsanzeiger“ verössentlicht ferner über die Regelung der Schiffahrt in befestigten Häfen und Flußmündungen Deutschlands und über die Aenderung der Seezeichen. Die Teilnahme deutscher Fürsten. Berlin, 5. August. Ueber weitere Teilnahme deutscher Fürsten am Krieg können wir noch berichten, daß Herzog Ernst Günther von Schleswig=Holstein die holsteinischen Truppen begleiten wird, daß Fürst Karl Anton von Hohenzollern sich zum Generalkommando de Gardekorps begibt und daß sich insbesondere auch Mitglieder fürstlicher und reichsunmittelbarer Familien in großer Zahl der Heeresverwaltung zur Verfügung stellen. Das Wolfbureau erhielt eine Nachricht, die für viele alte Afrikaner von Interesse sein wird. Der deutund ließ Naumburg, 5. August. Mehrere Automobile mit Damen und Geld für Rußland bestimmt sind in der Richtung nach Rußland unterwegs. Die Automobile sind anzuhalten und sofort der nächsten Behörde zuzuführen. Schnellste Verbreitung dieser Notiz wird den Zeitungen zur Pflicht gemacht. Grenzgefechte. Königsberg, 5. Aug. Deutsche Truppen haben gestern das Städtchen Eibad an der russischen Grenze gestürmt. Die Russen verloren viele Gefangene, die Verluste der Deutschen sind nur gering. Königsberg, 5. Aug. In Lemberg sind acht Mann einer russischen Patrouille gesangen genommen. —— Der Kriegund der Eisenmarkt. Die„Rhein.=Westf. Ztg" schreibt: „Es ist vielfach zu hören, daß der Krieg jetzt, wo die Konjuktur auf ihrem Tiefstand angelangt ist, zu gar keiner geeigneteren Periode hätte ausbrechen können. Man ist deshalb auch der Meinung, daß seine Wirkungen in der Industrie katastrophaler Art kaum sein können. Natürlich wirkt ein Krieg beim Ausbruch zunächst lähmend auf den Geschäftsgang und die laufenden Geschäfte fangen an, auf der ganzen Linie zu stocken. Teil der Aufträge, die noch aus dem Auslande vorliegen, ist wegen Transport= und Annahmeschwierigkeiten sistiert oder annuliert worden. Und schließlich macht das erlassene Ausfuhrverbot für Eisenbahn= und alle Kriegsmaterialien, worunter je in weitestem Sinne ein erheblicher Teil der Eifenerzeugnisse fällt, jeglicher Ausfuhr schon von selbst ein Ende. Die zunächst im Gefolge des Krieges auftretende Stockung dürfte aber nach allgemeiner ansicht nicht von langer Dauer sein. Bei den Werken herrscht die Auffassung vor, daß die Situation sich durch den Krieg völlig ändern muß und man gibt deshalb zurzeit Abschlußangebote auf längere Fristen gar nicht heraus. Sollte der Krieg auf der ganzen Linie entbrennen und längere Zeit dauern, so werden der deutschen Eisenindustrie zweifellos größere Aufträge zufallen, deren ungehinderte Erledigung durch Schwierigkeiten in den Transportverhältnissen nicht in Frage gestellt werden kann. Denn nicht nur werden inländische Kriegsbedürfnisse an uns herantreten, sondern auch unsere Verbündeten, Oesterreich Ungarn und Italien werden unsere stark entwickelte leistungsfähige Eisen= und Rüstungsindustrie voraussichtlich in Anspruch nehmen. Der Dreibund hat den Vorteil, daß er mit den drei Reichen eine zusammenhängende Landmasse bildet und auf dem Landwege eine ungehinderte Verbindung unter den drei Ländern möglich ist, während zwischen Frankreich und Rußland eine solche Wasser und zu Lande unmöglich ist. vielmehr absolut isoliert und jedes auf sich allein Die gegenseitige Versorgung und Unterstützung ist also in weit höherem Maße möglich, als bei unseren Gegnern. Im übrigen muß zur Beleuchtung der Marktlage im gegenwätigen Augenblick hervorgehoben werden, daß bei einer Anzahl Werke zurzeit noch soviel Aufträge vorliegen, daß sie für 2 bis 3 Monate ausreichend beschäftigt sind. Der Abruf vollzieht sich zwar langsam, aber es muß berücksichtigt werden, daß die geltenden Preise so außergewöhnlich niedrige sind, daß sie kaum noch weiter sinken können und mit einem Anziehen in nächster Zukunft zu rechnen sein wird. Die Werke haben also zunächst kein besonderes Interesse an langsichtigen Verkäufen. Der Krieg kann ihre Situation nur vorübergehend verschlechtern; er dürfte sie später verbessern. U. E. liegt deshalb kein Grund vor, sich allzu großen Besorgnissen wegen Störung oder Virnichtung unseres wirtschaftlichen, besonders industriellen Lebens hinzugeben. Unsere Eisenindustrie wenigstens kann den kommenden Ereignissen mit Ruhe entgegensehen, wie dieses auch tatsächlich der Fall zu sein scheint. Was eingeht, sind spezifizierte Tagesgeschäfte, auf die die Werke je nach Quantum und Abmessung hohe Spezifikationsprämien gewähren, die bis zu 5 Mk. betragen sollen. Die Beschäftigung wird durch die lausenden Eingänge aufrecht erhalten; sie ist aber bei den einzelnen Werken ziemlich ungleichmäßig. Manche wollen reichlich beschäftigt sein und Liefersristen von mehreren Wochen beanspruchen. — Das österreichische Bei dem österreichischen Heer ist zu unterscheiden das k. und k. gemeinsame Heer, die k. k.(österreichische) Landwehr und die k. ungarische Landwehr (Honved). Die Landwehr bildet aber nicht etwa eine Truppe zweiter oder dritter Linie, sondern sie gehört zur ersten Linie und ist eine ebensolche aktive Truppe, wie das gemeinsame Heer. Eine zweite Linie, wie wir sie in den Neserve=Truppenteilen besitzen, gibt es in Oesterreich nicht. Die dritte Linie wird aus dem Landsturm gebildet.„ie Friedensstärke beträgt bei dem Heere 25 800 Ofsiziere und 306000 Mann, bei der österreichischen Landwehr 4400 Offizire, 42000 Mann, bei der ungarischen Landwehr 3500 Offiziere, 25 500 Mann, bei den Truppen in Bosnien und der Herzegowina 480 Ossiziere, 6700 Mann, zusammen 34000 Ossiziere, 380000 Mann mit 80000 Pferden. Die Gesamtsumme der Militärpersonen beträgt 414000 Köpfe gleich 0,8 v. H. der Bevölkerung. Die Kriegsstärke beträgt ohne Landsturm und Ersatzreserve rund zwei Millionen. Gegliedert ist das Heer im Frieden in 16 Armeekorps mit 49 Insanterie=Divisionen, davon 33 des Hoeres, 8 der österreichischen und 8 der ungarischen Landwehr und in 10 Kavallerie=Divisionen. Die Gesamtstärke zählt 683 Bataillone Infanterie und Jäger, 353 Eskadrons, an Vatterien 316 fahrende, 24 reitende, 26 Gebirgs= und 28 schwere Haubitz=Batterien, 92 FestungsartillerieKompagnien, 32 Pionier=, 43 Sappeur=Kompagnien, 115 Train=Eskadrons, ferner Verkehrs= und Sanitätstruppen. Das Armeekorps ist aus drei Divisionen zusammengesetzt, von denen zwei dem Heere, eine der Landwehr angehören. Die Insanterie= Division besteht in normaler Formation aus zwei Insanterie=Brigaden mit zusammen 12 bis 16 Bataillonen, 2 bis 3 Eskadrons, der Divisions=Artillerie und den Kolonnen an Train mit einem Gesechtsbestande von 15000 Mann, 8 bis 10 Maschineugewehr=Abteilungen, 450 Reitern und 42 Geschützen. Die Divisions=Artillerie besteht aus fünf Kanonen=Batterien(gleich 30 Geschützen) und zwei Haubitzen=Vatterien(12 Geschütze). Die KanonenVatterien führen die Feldkanone M/5(Kalüber 7,65 Zentimter Schmied bronzerohr), die Haubitz=Batterien die Feldhaubitze M/9 des 10,4 ZentimeterKalibers. Außerdem befinden sich bei jedem Armeckorps zwei Batterien schwerer Feldhaubitzen (15 Zentimeter=Kaliber von je 4 Geschützen(Sa 8 Geschützen). Die gesamte Geschützahl des Armeekorps=(zu drei Divisicnen) beträgt demnach 126 Feldgeschütze und 8 schwere Geschütze. Der junge Wanderer hatte alles mit einem Blick umfaßt. Und da er noch ein Stück von Winkel ent(Nachdruck nicht gestattet.) 1. Kapitel. Näher und näher rückten die Berge zusammen, bis das Tal zur Schlucht zusammengedrückt nur mehr Raum bot für die Landstraße und den nebenhersprndelnden breiten Bach. Ueber den steil abfallenden Lehnen lag Nadelwald wie ein stolzer Königsmantel, und über den Rücken der Vorberge schimmerten die schneebedeckten Felsenkronen des Hochgebirges im Frühlingssonnenschein. Auf der Landstraße schritt langsam ein einsamer Wanderer. Er war mittelgroß, derb und knochig gewachsen wie die Legföhren oben im Gebirge, mit blonder, zansiger Mähne, die kurzgeschnitten um die Stirn ftel und als mächtiger Bart wellig bis auf die Brustwallte. Ein grauer Lodenanzug mit dem dazugeyortgen Steirerhut, am Rücken der Rucksack und in der Hand der Bergstock, ließen ihn als Touristen erscheinen. Aber eilig schien er es nicht zu haben, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, denn sein Schritt wurde immer langsamer und seine blauen Augen schweiften mit liebevollen Grüßen von Baum zu Baum und Fels zu Fels, als seien das gute Freunde, die wiederzusehen er eigens hergekommen wäre. Jetzt kam der große Felsbrocken inmitten des Baches mit dem zausigen Fichtenbäumchen darauf, das so tapfer jahraus jahrein den Stürmen trotzte und sich aufrecht hielt. Zornig schäumten die Wasser um den Fels, der sie zwang, ihr gemächliches Murmeln für eine Weile aufzugeben und sogar ihren Lauf zu ändern. Und da war auch schon die Biegung der Straße. Aufatmend blieb der Wanderer stehen und betrachtete glänzenden Auges das neue Bild, Dann nahm er schier ehrfürchtig den Hut vom Kouf Ja, das war Winkel und nichts hatte sich ver= ferut war, versank das Stampfen, Hämmern, Dröh- ändert. In das sich wieder etwas verbreiternde See= nen und Wasserrauschen in dem sanften, geheimtal, das nordwärts vielfach gewunden weiterlief nisvollen Rauscher bis zu dem sechs Stunden entfernt gelegenen Lich= dessen Saum ore Straße hinlief. Tiefgritn, schim; tensee, mündete von Westen das schmale Gilgental. merte es da drinnen im Sonnenschein und stär. In den Seebach, der breit und ruhig über brannes der Rauchgeruch der Werkshütten dufteten Pur Gestein und dunklen Moosgrund mit seinen bern= kätzchen, Seidelbast und Veilchen. steinfunkelnden Wellen rieselte, ergoß sich der lichte, Ein Stück Wiese zwischen Straße und Bach stürmisch schäumende Gilgenbach mit bläulichen leuichtete smaragdgrün herüber und mitten darauf Wassern, die von geschmolzenem Schnee und fer= stand ein großes einstöckiges Gebäude, von oben nen Eisklüften schwatzten. Von Winkel abwärts bis unten mit Glyzinien bewachsen, die schon in flossen sie vereint als„die Winkel“ weiter. Wo die voller Blüte standen. ineinandersprudelnden Gewässer und die von allen Seiten jäh niederfallenden Bergketten ein Stückchen Flachland übrig ließen, standen hartgedrängt Wohnhäuser, Eisenhämmer und Gewerkschaftshütten. In dus diunschen und Grunsen der üder WehLangsam weiterschreitend ruhten die Blicke des Wanderers darauf. Das Haus— der einstige Familienbesitz der Herzogs— schien ihm anders als sonst. Blanker, neuer— gleichsam verjüngt. Feine Spitzenvorhängeflatterten an den offenen Feustern In das Rauschen und Brausen der über Weh=— uind da— der junge Mann blieb unwillkürlich ren stürzenden Wasser mengte sich das Stampfen g.#:###tunge mächtiger Hammerwerke, das Zischen, Sausen und Hämmern von tausend fleißigen Arbeiterhänden. Und mitten aus dem summenden Lärm erhob sich in stolzer Erhabenheit der senkrecht aufsteigende „Franzosenstein“ mit der eisernen Gemse an der Spitze, die in spöttischer Ueberlegenheit aus ihrer Höhe herabsah auf das närrische Getriebe der MenHinter der Geinse, dem Wahrzeichen Winkels, lugten aus dunklen Tannen die verwitternden Ueberreste des Schlosses, in dem einst die Grafen von Winkel ihr Raubritterunwesen getrieben hatten. Seit Jahrhunderten schon war das Geschlecht ausgestorben und ihr Besitz samt den Ruinen ihrer Burg und dem später am Fuß des Franzosensteins neuerbauten„Schloß“ war Eigentum der Familie Herzog geworden, die, zu den ältesten und reichsten Gewerken Steiermarks gehörend, seit Generationen in Winkel eine Art Herrschaft ausübte, trotz ihrer bürgerlichen Stellung. betroffen stehen. Wer war denn das nur? Diese blonde, rosige, lächelnde Frau, die sich aus dem Feuster beugte und mit strahlenden Augen die Welt zu umarmen schien? Eine süße schmeichelnde Weise klang plötzlich im Ohr des Wanderers auf.„Frau Holda kam aus dem Berg hervor.“ Sie hatte ihn bemerkt, und ihr Blick hastete neugierig erstaunt auf ihm. Es war noch so früh im Jahre und zudem ein Werktag, da gabs sonst selten Touristen in Winkel. Eilig, beinahe verlegen schritt er weiter. Wer war sie denn nur? Der alte Peter Herzog, der übrigens seit vielen Jahren in dem eine Stunde entfernten Brixengut wohnte, besaß nur zwei Töchter. Die rothaarige, hochmütige Sabine, die dort im „Schloß“ hauste, und Melanie, welche vor zwanzig Jahren einen Freiherrn von Theißen geheiratet hatte und seitdem mit ihren Töchtern alljährlich im Sommer nach Winkel zu Sabine kam. Das Familienhaus hatte eigentlich immer leer gestanden, seit die alte Frau Herzog gestorben war. Sollte es eine der Töchter Melanie's sein, die es nun bewohnte? Aber nein— die konnten ja kaum achtzehn oder neunzehn Jahre zählen und die schöne Frau dort drüben war wie eine reife Frucht. Plötzlich lachte er leise auf. Aber natürlich Richard Herzog mußte doch längst geheiratet haben. Seine Frau wird es sein. Was für einen guten Geschmack der Junge gehabt hat, früher war er nicht so wählerisch. Der junge Mann schritt weiter. Das erste Haus von Winkel warlinks das Schloß“, ein altes steinerues, im Eck an den Felsen angebautes Bauwerk mit vergitterten Fenstern, einer breiten, runden Toreinfahrt und rückwärts auf einem Felsenvorsprung aufgebauten Schloßkapelle. Die Ecke zwischen den beiden Fronten war schräg mit einer Hecke abgegrenzt und als Gartenanlage behandelt. In der Mitte stand ein alter, steinerner Brunnen mit vier Röhren, aus welchen das berühmte eiskalte Wasser floß, auf welches sich die Winkler im allgemeinen und Sabine Herzog besonderen so viel zugute taten. Der Wanderer konnte der Versuchung nicht widerstehen, näherzutreten und mittels des an langer Eisenkette befestigten Bechers einen Trunk zu tun. Aber da rief schon aus dem ersten Stockwerk eine schrille Stimme herab:„Junger Mann— das ist der Schloßbrunnen, und fremden Leuten ist nicht gestattet—“ „Weißschon, Fräulein Sabine, nichts für ungut. bin kein Fremder in Winkel!“ rief der Wanderer lachend zurück und eilte die Straße weiter, links die senkrechte Felswand des Franzosensteins mit kleinen angebauten Arbeitshäuschen und rechts die breite, mäßig tiese Winkel. 216.16 ltenden Preise so aß sie kaum noch nem Anziehen in wird. Die Werke eres Interesse an Krieg kann ihre verschlechtern; er E. liegt deshalb oßen Besorgnissen ng unseres wirten Lebens hinzuenigstens kann den ihe entgegensehen, fall zu sein scheint. rte Tagesgeschäfte, ntum und Abmesgewähren, die bis Die Beschäftigung änge aufrecht ereinzelnen Werken se wollen reichlich ten von mehreren che Heer. ist zu unterscheiden , d i e k. k.( ö s t e r r e i ungarische Landwehr et aber nicht etwa er Linie, sondern sie ine ebensolche aktive Heer. Eine zweite eserve=Truppenteilen ch nicht. Die dritte cebildet.„Die Frieeere 25 800 Offiziere ereichischen Landwehr bei der ungarischen 500 Mann, bei den r Herzegowina 480 men 34000 Ossiziere, erden. Die Gesamteträgt 414000 Köpfe ng. Die Kriegsstärke rsatzreserve rund zwei Heer im Frieden in terie=Divisionen, daereichischen und 8 der 10 Kavallerie=Divit 683 Bataillone Intdrons, an Vatterien 26 Gebirgs= und 28 2 FestungsartillerieSappeur=Kompagnien, Verkehrs= und Saniis ist aus drei Divienen zwei dem Heere, en. Die Insanterie= : F o r m a t i o n a u s z w e i usammen 12 bis 16 ins, der Divisions=ArTrain mit einem Geann, 8 bis 10 MaschiReitern und 42 Gellerie besteht aus fünf Geschützen) und zwei hütze). Die Kanonenone M/5(Kaliber 7,65 hr), die Haubitz=Bat9 des 10,4 Zentimeteren sich bei jedem Arschwerer Feldhaubitzen n je 4 Geschützen(Sa beschützahl des Armeebeträgt demnach 126 beschütze. Löchtern alljährlich tbine kam. zentlich immer leer zog gestorben war. mie's sein, die es kaum achtzehn oder schöne Frau dort ht. g mußte doch läugst ird es sein. Was für ige gehabt hat, früer. Das erste Haus loß“ ein altes steiangebautes Baueiner breiten, runauf einem Felsenkapelle. Fronten war schräg als Gartenanlage ein alter, steinerner s welchen das beuf welches sich die Sabine Herzog im 1. esuchung nicht widertels des an langer einen Trunk zu tun. m ersten Stockwerk hunger Mann— das inden Leuten ist nicht dine, nichts für ungut. rief der Wanderer Straße weiter, links Franzosensteins mit luschen und rechts die 216,16 Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, 5. August 9114. *(Die Zeit ist ernst!) Alle Kräfte müssen angespannt und für das Vaterland mobil gemacht werden. Nicht nur das wehrpflichtige Deutschland, nicht nur Frauen und Mädchen, nicht nur das Rote Kreuz“, auch die Jugend, die Hunderte und aber Hunderte Schüler und Schülerinnen müssen sich der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Die in der heutigen Nummer unseres Blattes veröffentlichten Aufrufe seien auch an dieser Stelle der allgemeinen Beachtung empfohlen. *:(Beschränkungen im Postdienst.) Die Verhältnisse machen die sosortige Einstellung des Postanweisungs=, Postkreditbrief=, des Postnachnahme= und des Postauftragsversahrens in den Ober=Postdirektionsbezirken Straßburg(Els.), Metz, Trier, Gumbinnen, Königsberg(Pr.), Danzig, Bromberg, Posen, Breslau und Oppeln erforderlich. Postanweisungen, Postnachnahmesendungen und Postauftragsbriefe sind daher bis auf weiteres im Verkehre nach und von den Postanstalten der genannten Bezirke nicht zulässig; auch die Ausstellung von Postkreditbriesen, sowie die Auszahlung von Beträgen auf Grund solcher Postkreditbriese wird für die bezeichneten Bezirke aufgehoben; serner können dort weder Einzahlungen auf Zahlkarten für ein Postscheckkonto, noch Auszahlungen aus Zahlungsanweisungen der Postscheckämter erfolgen. Die Postscheckämter haben die an die Empfänger in den in Frage kommenden Orten bar zu zahlenden Scheckbeträge mittels Wertbrieses abzusenden. **(Soldatenbriese.) Das Kriegsministerium u. das Reichspostamt erlassen folgende Bekanntmachungen: Während der Beförderung der Truppen aus ihren Standorten in das Aufmarschgebiet findet eine Ausgabe der Postsendungen an diese nicht statt. Es empsiehlt sich daher nicht, alsbald nachdem die Truppe ihren Standort verlassen hat, Sendungen an Mannschaften der Truppen aufzugeben. *(Zur Nachahmung empfohlen!) Allg. Lokal= und Straßenbahngesellschaft, der bekanntlich die hiesigen Straßenbahnlinien unterstehen, hat ihren zur Fahne einberufenen Angestellten und Arbeitern das Gehalt und den Lohn für einen weiteren Monat ausgezahlt und auch die Versicherung abgegeben, für die zurückbleibenden Angehörigen zu sorgen. Bravo! *e(Mieten und Hypothekenzinsen sind zu zahlen.) Unter Hausbesitzern besteht vielsach die irrige Ansicht, daß sie glauben, in Kriegszeiten von der Verpflichtung, Hypothekenzinsen usw. zu zahlen, entbunden seien; ebenso wie viele Mieter glauben, von der Mietszahlung befreit zu sein. Es ist dieses ein großer Irrtum. Weder der Vermieter noch der Mieter sind von diesen Verpflichtungen entbunden und ist beiden Teilen nur dringend anzuraten, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Mietverträge behalten auch in Kriegszeiten ihre volle Gültigkeit. Gewisse rechtliche Beschränkungen beziehen sich nur auf die zur Fahne berufenen Militärpersonen. *e(Königl. Preuß. Süddeutsche Klassen=Lotterie.) Bei der Klassen=Lotterie gewährt jeder Los Anspruch auf Gewinn nur für die Klasse, auf die es lautet. Die Spieler müssen daher rechtzeitig vor Beginn der nächsten Ziehung ein neues Los bei den betreffenden Kgl. Lotterie=Einnehmern entnehmen, um nicht den bereits gezahlten Einsatz sowie das Anrecht an dem Lose zu verlieren. Diesmal ist der letzte Termin bereits am Montag, den 10. d. Mts. bis 6 Uhr abends. Zur zweiten Klasse sind auch noch Kauflose zu haben, bei denen natürlich die bereits gezogene Klasse nachgezahlt werden muß, da ja durch die Herausnahme von 10000 Losen auch die Gewinnchancen entsprechend gestiegen sind, so daß sich der Preis eines Achtelloses aus 10 Mark, spätere Klassen aber nur 5 Mark stellen würde. In der am 14. August beginnenden zweiten Klasse werden Gewinne zu 60 000 Mark, 40 000 Mark, 20000 Mark, 10 000 Mark, 5000 Mark usw. gezogen, im Ganzen 10 000 Gewinne mit einer Million 663 000 Mark. *(Lieb Vaterland, magst ruhig Ein schweres Opfer verlangt das Vaterland von der Familie Bäckermeister Schulte aus der Haselackstraße; mußten doch sechs hoffnungsvolle Söhne in den Krieg ziehen. Zwei derselben genügten ihrer aktiven Militärpflicht, während die vier anderen als Unteroffiziere der Reserve einberufen wurden. Hoffentlich werden alle sechs Brüder gesund und sieggekrönt aus dem blutigen Ringen um Deutschlands Ehre hervorgehen. *(Zufuhr von Kartoffeln.) Da die deutsche Ernte in Kartbfseln in diesem Jahre gut ist und wir infolgebessen der Einfuhr aus anderen Ländern nicht bedürsen, so hat der Deutsche Kartoffelgroßhändler=Verband(Sitz Düsseldorf) den zuständigen Stellen vorgeschlagen, für die Beförderung von Kartoffeln aus dem Norden unseres Vaterlandes (Hannover, Sachsen usw.) nach den westlichen Industriegebieten in zweckentsprechender Weise Sorge zu tragen. Die inbetracht kommenden Handelskammern sind ersucht worden, auch ihrerseits entsprechende Schritte einzuleiten. Der Deutsche Kartoffelgroßhändler=Verband versichert, es sei ganz ausgeschlossen, daß bei einer, wenn nur einigermaßen günstigen Beförderung von Kartoffeln, die übrigens einsach zu bewerkstelligen sei, dieses wichtige Volksnahrungsmittel den Verbrauchern verteuert würde. *(Krankheits Statistik.) In der d0. Jahreswoche vom 19. bis 25. Juli sind im Kreise Hölde (Stadt und Land) folgende Fälle von übertragbaren Krankheiten amtlich gemeldet worden: Erkrankungen an Diphtherie 2, Kindbettfieber 1, Scharlach 1, Unterleidstyphus 1, Todesfälle durch Kindbettfieber 1, Tuberkulose 2. Die Fortschritte der modernen Kriegschirurgie. Der österreichisch=serbische Krieg und das im Hintergrunde lauernde Schreckgespenst eines allgemeinen Völkermordens lenkt die Aufmerksamkeit auf die gewaltigen Fortschritte der modernen Kriegschururgie die berufen ist, die fürchterlichen Wirkungen unserer Kriege wenigstens in etwas zu lindern und abzuschwächen. Die moderne Kriegschirurgie ist zu ganz anderen Grundsätzen gelangt, wie die noch vor vierzig Jahren herrschende kriegschirurgische Theorie. Diese Umgestaltung ihrer grundlegenden Prinzipien war eine notwendige Folgeerscheinung der Einführung des modernen Geschosses und der aseptischen Wundbehandlung. Unser modernes Geschoß ist bekanntlich ein sogenanntes Vollmantelgeschoß, d. h. ein Stahl= und Nickelmantel umschließt einen Hartbleikern, während noch 1870 sowohl auf deutscher wie auf französischer Seite Bleikugeln mit erheblich größerem Kaliber zur Verwendung kamen. Diese alten Geschosse verursachten natürlich einen weit größeren Ein= und Ausschuß, womit naturgemäß eine größere Zerstörung der Haut und der darunter liegenden Weichteile verbunden war. Unser modernes kleinkalibriges Geschoß dagegen verursacht in den meisten Fällen einen glatten Lochschuß, so daß die Gewebe und selbst die Knochen ohne Schwierigkeit durchschlagen werden. Als großer Vorzug des modernen Vollmant#lgeschosses muß es gelten, daß nach den Erfahrungen und Beobachtungen der Militärärzte aus den letzten Kriegen, die Haut nicht selten beim Ein= oder Ausschuß so glatt durchtrennt wird, daß infolge der großen Elastizität der Haut ost nur ein seiner Schlitz hervorgerusen wird. Die Ränder des Einschusses legen sich gleich wieder aneinander, d. h. die gesetzte Wunde schließt sich fast sofort selbständig und verklebt so rasch, daß Insektionsstosse von Außen nicht in die, noch dazu mit einem trockenen Blutschorf gedeckte Oeffnung nicht eintreten können. Allerdings muß auch hervorgehoben werden, daß nicht jede Schußverletzung so einsach verläuft. Besonders die fürchterlichen Wirkungen der sogenannten„Nahschüsse" berechtigen uns noch immer nicht dazu, von einer humanen Wirkung des modernen Geschosses zu sprechen. Selbstverständlich haben die Fortschritte der allgemeinen Chirurgie auch die der Kriegschirurgie im besonderen auss stärtste beeinflußt. Die geniale Entdeckung Lord Listers, die aseptische Wundbehandlung, bildet heute das unerschütterliche Fundament der Therapie der Kriegsverletzungen. Hier hat das Beispiel Ernst von Bergmans bahnbrechend gewirkt, der zuerst im russisch=türkischen Kriege 1878 die Gedanken Listers im Felde in die Tat umsetzte. Heute fehlen in der Kriegschirurgie nicht die modernsten Hilssmittel. Röntgenverfahren und dergleichen werden in den Lazaretten hinreichend angewandt. Amputationen werden nur noch in beschränkter Zahl vorgenommen, im wesentlichen werden Verbände angelegt und die Auswahl der Verwundeten nach Art und Schwere der Verletzung zur Verteilung auf die Lazarette vorgenommen. Ein enormer Fortschritt der neuesten Kriegschirurgie beruht darin, daß man sich mehr und mehr vom Gebrauch des Wassers freigemacht hat. Die Aerzte desinsizieren sich selbst mit 60 prozentigem Alkohol, das Operationsfeld, die Umgebung der Wunde wird mit Jodtinktur oder Mastisol desinsiziert, überhaupt werden die Wunden nur noch trocken behandelt und nicht mehr gespült, da Trockenheit immer antiseptisch wirkt und für krankheitserregende Mikroorganismen keinen Boden abgibt, so ist immerhin die Gewähr goboten, daß die Wissenschaft alle Mittel aufgeboten hat, um die Schrecknisse und das Grauen der modernen Kriege einigermaßen zu lindern. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 4. August.(Ein Bankier wegen Wuchers verhaftet.) Der Bankier Lindner wurde wegen Wuchers verhaftet, weil er Reservisten Papiergeld nur gegen eine Provision von 10 Prozent einwechselte. * Dortmund, 4. August.(Die Versorgung der Zivilbevölkerung.) Die Stadtverordneten bewilligten 3 Millionen Mark zur Hebung von Notständen, ferner 100000 Mark für die Einrichtung von Lazaretten und 300 Mark für das Rote Kreuz. * Hohenlimburg, 4. August.(Tödlich verunglückt.) Auf dem hiesigen Bahnhofe geriet der Rangierer Kirschbaum aus Aachen so unglücklich zwischen zwei Pufser, daß er schwere Verletzungen am Unterleibe erlitt. Der Mann ist kurze Zeit darauf im Krankenhause gestorben. * Hamm, 4. August.(Ein tödlicher Unglückssall) ereignete sich in der Münsterstraße. Ein hiesiger Elektrotechniker wollte mit seinem Motorrade einem Lostautomobil einer hiesigen Brauerei ausweichen und kam dabei zu Falle. Von dem Automobil stürzte in demselben Augenblick ein schweres Bierfaß zur Erde und fiel direkt auf den am Boden liegenden Radfahrer, der so schwere Verletzungen erlitt, daß er kurz darauf starb. Von der Sanitätskolonne wurde der Verunglückte in seine Wohnung gebracht. * Stiepel, 3. August.(Dynamitverbrechen im Pfarrhause.) In der vergangenen Nacht wurde die Familie des evgl. Psarrers Schimmel durch eine furchtbare Erschütterung aus dem Schlase geweckt. Es war versucht worden, den Geldschrank, in dem die Gelder der vermögenden Kirchengemeinden ausgehoben sind, mit Dynamit zu sprengen, doch war der Versuch mißglückt. Dagegen bot das betrefsende Zimmer einen wüsten Anblick; fast kein Möbelstück war unbeschädigt geblieben. Zum Glück waren die über dem Zimmer schlasenden Kinder mit dem Schrecken davongekomen. * Düsseldorf, 4 August.(Revolverheld verurteilt.) Der Schlosser Franz Muschick von hier hatte am 29. April seinem Stiefvater eine Revolverkugel in die Brust geschossen, weil ihm von dem alten Manne Vorhaltungen über seinen wüsten Lebenswandel gemacht worden waren. Der Verletzte leidet heute noch unter den Folgen der rohen Tat. Das Urteil der hiesigen Strafkammer gegen den Uebeltäter lautete auf drei Jahre Gefängnis. — Die Personalslainen der größeren Kriegsmarinen. Ebenso wie der Schiffsbestand ist auch die Personalstärte bei allen Marinen dauernd im Wachsen begriffen, obglelch die Zahlen hier gegenüber den in die Hunderttausende gehenden der Armeen verhältnismäßig noch klein aussehen. Die einzige Marine, deren Personalbestand eine sechsstellige Zahl aufzuweisen hat, ist die englische; sie zählt nach dem Etat für das laufende Jahr 151 363 Köpfe, darunter 10 600 Seesoldaten und Küstenwach:, die nur für den Landdienst bestimmt sind. Die deutsche Marine zählt zurzeit 79 386 Köpfe; hierunt. sind 7800 Köpfe Marineeinsanterie und Matrosenartillerie, so daß für den Schifssdienst 71 600 Köpse bleiben, also ungefähr halb so viel wie in der englischen Marine. An dritter Stelle folgen die Vereinigten Staaten mit einem Etat von 69 300 Köpfen, der aber wohl nicht ganz aufgefüllt ist. Die französische Marine zählt 66000, die russische 60 500, die japanische 54 700, die sitalienische 42 130 und die österreichisch=ungarische 20 500 Köpfe. Den stärlsten Zuwachs hatte seit dem letzten Jahre die russische Marine mit 7000 Köpsen zu verzeichnen; dann folgt die deutsche mit 6000 und die englische mit 5000. Zieht man einen längeren Zeitraum zum Vergleich heran, etwa dle letzten zehn Jahre, so ergibt sich, daß seit 1904 die deutsche Marinn am stärksten gewachsen ist, nämlich um 41000 Köpse; damals stand sie an fünfter Stelle, jetzt hat sie den zweiten Platz erreicht. Aber auch die englische Marine ist seit 1904 um 20000 Köpfe gewachsen, die der Vereinigten Staaten sogar um 28000, die japanische um 19.000, die französische um 16.000, die italienische um 15000 und die österreich=ungarische um 10000. Die einzige Marine, die seltdem eine Einuße an Mannschaftsstärke erlitten hat, ist die russische; 1904 zählte sie 69 200, 1905 sogar 71 500 Köpfe; 1910 hatte sie den größten Tesstand mit 45000 Köpsen erreicht und wächst seitturm wieder sehr schnell. Die in den Kopfstärken enthaltenen Seeoffiziere lassen sich nicht überall feststellen, da in einigen Marinen, z. B. der englischen und der amerikanischen, Secoffiziere und Marineingenieure nicht voneinander zu trennen sind. Das verhältnismäßig stärkste Seeossizierkorps hat die japanische Marine, die 2274 Seeoffiziere zählt, während die an Kopfzahl viel stärkere deutsche Marine nur über 2330 Sreoffiziere verfügt. Was das Verhältnis zwischen Personalstärls: Schisssbestand anbetrifft, so ergibt sich die Tatsache, da je größer die Marine, desto kleiner im allgemeinen die Anzahl der auf einen Mann entsallenden Deplacementstonnen üst. In England kommen 15,6 Tonnen Schiffsstand auf einen Mann Besatzung, in Deutschland 14,2, in den Vereinigten Staaten 13,1, in Frankreich 11,1, in Italien 10,7, in Japan 10,2 und in Oesterreich=Ungarn 12,2 Tonnen. Nur Rußland sällt einigermaßen aus der Reihe heraus; hier kommen nämlich nur 5,4 Tonnen auf einen Mann Besatzung; das hängt natürlich damit zusammen, daß die russische Marine im Wiederentstehen begri,sen ist und eine ungewöhnlich große Anzahl von Schiffen im Bau hat. Sobald diese fertig sind, wird sich das Bild auch für Rußland etwas verschieben, obgleich es möglich ist, daaß die Zahlen der anderen großen Marinen nicht ganz erreicht werden, da die russische Marine von jeher sehr starbe Schiffsbesatzungen gehabt hat. Selbstverständlich reicht bei keiner Marine das aktive Personal aus, um alle vorhandenen Schiffe voll zu besetzen; hierzu müssen die Reserven herangezogen werden. Für die deutsche Flotte ist aber auch nicht soviel aktives Personal vorhanden, um die im Flottengesetz vorgesehenen Indiensthaltungen durchzuführen, und daher muß, wenn den Bestimmungen des Gesetzes genügt werden soll, noch eine weitere Personalvermehrung eintreten. tage über den von der Regierung vorgelegten Entwurs gedauert. In den 25 Jahren seit dem Erlaß des Invalidenversicherungsgesetzes sind bereits zweimal durchgreisende Aenderungen dieses Gesetzes erfolgt. Das erstemal war es 1899, wo nach langen Verhandlungen im Reichstag eine Novelle zum Invalidenversicherungsgesetz zur Annahme gelangte. Auch dieses Gesetz hat nur wenig mehr als ein Jahrzehnt lang Geltung gehabt. Denn seit dem 1. Januar 1912 wird die Invaliden= und Altersversicherung durch das vierte Buch der Reichsversicherungsordnung vom 19. Juli 1911, die als neues auch ein Hinterbliebenenversicherung brachte, geregelt. Die Ausdehnung, welche die Invalidenreisicherung erfahren hat, hat eine nicht voraussehbare Größe angenommen. In der Zeit v. 1. Januar 1891, dem Tage des Inkrafttretens des Gesetzes von 1889, bis zum 31. Dezember 1912 wurden 2779 153 Invalienrenten anerkannt, wovon 1913 noch 1089 483 liesen. Ferner wurden 2810 708 einmalige Leistungen in dieser Zeit gewährt und der Gesamtbetrag aller innerhalb der Invalidenversicherung gegebenen Leistungen stellte sich bereits nach zwanzigjährigem Inkraftsein des Gesetzes auf über zwei Milliarden Mark, wovon 960 Millionen Mark durch Reichszuschuß ausgebracht waren. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 6. August: Wärmer, schwül, wolbig mit Sonnenschein, etwas Regen. 7. August: Bewölkt mit Sonnenschein, wärmer, frischer Wind, Regensälle. 8. August: Meist heiter bei Wolkenzug, windig, mäßig, warm, vielsach Gewitter. Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt war nur mäßig beschickt, es wurden bezahlt für: Birnen Pstd. 25 Bananen Pfd. 35—40 Pf., Stielmus Bd. 15 Pf., Bohnen Pid. 20 Pf., dicke Bohnen Pfd. 6 Pf., Erbsen Psd. 15 Pf., Wurzeln Bd. 15 Pf., Rot= und Weißkohl 30—45 Pf., Wirsing 25 Pf., Zwiebeln 15 Pf., Salat, Kops 5 Pf., Kartofseln alte 10 Pfd. 65 Pf., Kartosseln neue 10 Pfd. 95 Pf. Aufruf 25 Jahre Invalidenversicherungsgesetz Am 24. Mai 1889 wurde als Schlußzstein der sozialpolitischen Gesetzgobung des Deutschen Reiches vom Reichstag das Invaliden, und Altersgesetz angenommen. Ueber ein halbes Jahr hattest unter lebhaften Kämpfen die Verhandlungen im Reichsan die Vereine der Westsälischen Frauenhülse. Unsere tapfern Männer, Söhne und Brüder ziehen hinaus ins Juld. Sie wollen mit ihrem Blut und Leden Vaterland und Freiheit, Heim und Herd schützen gegen Feinde ringsum. Opser an Gut und Blut werden gefordert von allen, ohne Ausnahme Eigene Sorgen und Aengste verstummen. Die deutsche Frauenwelt darf und will daheim nicht mutlos zagen und klagen. Hohe Aufgaben hat sie zu lösen. Sie will in dem uns aufgedrungenen Krieg nicht zurückstehen hinter den ausopserungsstarken Frauen der Freiheitskriege. Auch unsere 456 Vereine der Westfälischen Frauenhülfe mit ihren 66000 Mitgliedern wollen ihre Opfer aus den Altar des Vaterlandes legen. Ein Axell an Eure tätige Mithülfe. Eure Opferwilligkeit ist eigentlich nicht nötig, gleichwohl richten wir an Euch den Aufruf: An die Arbeit! Niemand bleibe untätig zurück! Wir stellen uns dem Roten Kreuz zur Verfügung. Was darselbe von den Deutschen Frauen erwartet und verlangt, wird es in diesen Tagen bekannt geben. Seine Sammelstellen werden eingerichtet. Unsere Vereine werden nähen, stricken, sammeln. Genaue Angaben über die Art der Arbeit für die Verwundeten, über das Zusammenarbeiten mit anderen Vereinen können wir noch nicht geben. In Gemeinden, wo nur unsere Frauenhülfe tätig ist, wird sie den Frauendienst in besonderer Weise fördern und regeln. Unserer Frauenhülse schönste Ausgabe ist es, sich vor allem bedrängter Familien anzunehmen. Wir bitten deher: Steht in persönlichem Liebesdienst den vielen Familien mit Rat und Tat zur Seite, deren Ernährer unter der Fahne kämpft; sammelt für sie, versorgt, unterstützt sie, wo es nötig ist! Hier habt Ihr eine Ausgabe, die Ihr in erster Linie unmittelbar nach eigenem Ermissen zu erfüllen berusen seid. Wir haben zudem in Soest eine Sammelstelle eröffnet. Geldbeiträge zur Unterstützung von Familien, zur Durchführung besonderer Aufgaben, so auch zur Erhaltung eines in unserem Heim in Soest einzurichtenden Lazaretts können an unseren Geschäftsführer Pastor Friedrich Johanneswerth in Soest, eventuell an diese Adresse au; dessen Konto 20 755, Postscheckamt Köln geschickt werden. Ihr Frauen und Jungfrauen der Frauenhülfe, viel gibts zu besorgen. Wir wissen, daß Ihr Eure heilige Christenpflicht barmherziger Liebe tut. Eines vergeßt nicht bei aller Geschäftigleit: Hebt betenhe Hände empor zu dem Lenker der Schlachten, daß er Sieg gebe unsern Waffen, daß er stärke die Herzen, daß er schirme, die in ihrer Not zu ihm aufschauen. Der Vorstand der Westfälischen Frauenhülfe. Gräfin von Plettenberg=Heeren, Vorsitzende. Dr. Zvellner, Vorsitzender. Pastor Johanneswerth, Schriftführer. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraao. Druck u. Verlag von Carl Brauo, beide in Schworte Sänglinge und magenkranke Kinder schützt man am besten gegen die im Somger so leicht auftretenden Brechdurchfalle und Darmkatarrhe, wenn man die als eine stets gleichbleibende, vollendete Nahrung nur mit Wasser gekocht werden braucht, niemals Verdauungsstörungen verursacht, bestehende aber beseitigt. Prode gratis und kranko durch Resite's Kmdermehl S. m. d. H., Berlia M. 37.——. 5944 * * Auf Anordnung des Landrats sollen die Pumpstationen in Schwerte und Villigst mit je 10 bewaffneten Mitgliedern der Kriegervereine und der Feuerwehr besetzt werden. Freiwillige wollen sich sofort auf meinem Büro melden. Thoholte Oberleutnant der Landwehr. * enbchg Die gesteigerten Ansprüche an die# Reinigung der Bettfüllungen haben mich veranlasst 5659 Bettfedern und Däunen nach einem neuen vollkommeneren Verfahren reinigen zu lassen. Alle Qualitäten, auch die billigsten sind jetzt ohne jeden Geruch und durchweg staubfrei. Ich empfehle: Bettfedern zu 1,25, 1,75, 2,25 b. 3,00 Mk. Habdaunen zu 3,00 bis 4.50 Mk. Daunen zu 4,00 bis 6,50 Mk. OTTO MARNK · Saanstans m. 9. S. Verwaltungen von Häusern u. Grundstücken, Beschaffung von Hypotheken, An- u. Verkauf von Grundstücken, Regelung aller vermögensrechtlichen Angelegenheiten, insbesondere Erb. schaftsregelungen, Abschluss von Versiche. rungen aller Art u. sonstige Vermittlungs. aufträge, sowie Inkassomandate evtl. gegen Kau tionsstellung, übernimmt bei gewissenhaft. Ausführung Otto Schmidt. Hohenzollernstr 5. *" Mitbarger! Deutschlands Schicksalsstunde hat geschlagen! Alle Friedensliebe unseres erhabenen Kaisers hat uns vor dem so lange drohenden, entsetzlichen Weltkrieg nicht zu bewahren vermocht! In hinterlistiger und heimtückischer Weise hat Rußland den ritterlichen Sinn unseres Kaisers ausgenutzt, um uns im Bunde mit Frankreich wie der Dieb in der Nacht unversehens zu überfallen. Furchtbar dräuet der Erbfeind!„Keinen anderen Ausweg gibt es als einen ehrenvollen Frieden oder einen ruhmvollen Untergang.“ Mit Begeisterung sind wie vor 100 Jahren Alldeutschlands Söhne zu den Fahnen geeilt, Väter un Mütter, Weib und Kind haben sie verlassen, um den heimischen Herd zu schützen vor dem wilden Ansturm erbitterter Feinde, um Gut und Blut einzusetzen für Dentschlands Ehre und Größe, für Deutschlands Freiheit und Unabhängigkeit. Unsere, der Zurückbleibenden heiligste Pflicht ist es, mit vollen Händen zu spenden für die Verwundeten und Kranken, für die oft in bitterst Not zurückgelassenen Familien für die Witwen und Waisen! In den nächsten Tagen werden von Haus zu Haus Damen, welche durch stadtseitig gestempelte Schleifen und gestempelte Listen legitimiert sind, Gaben sammeln; tut eure milde Hand auf und spendet reichlich! Zeigt Euch Eurer Väter von 1813 würdig! Jede, auch die kleinste Gabe, ist herzlich willkommen! Ein jeder denke bei sich:„Mein Nachbar bietet sein Leben für mich und die Meinen, was iu ich für ihn und die Seinen?“ Der Herr der Heerscharen sei mit uns und unserer gerechten Sache! Schwerte, den 4. August, am Tage von Weißenburg. Statt Karten! Die Verlobung ihrer Tochter MIMl mit Herrn Postassistent HEINRICH TWITTMANN beehren sich anzuzeigen Andr. Kohlmann u. Frau Selma geb. Bertram. Schwerte, im August 1914. Mimi Kohlmann Heinrich Twittmann 5350 Verlobte. Schwerte, den 1. August 1914. 2 X 5352 Der Ritss=Ausschug. Der Vorsitzende: Prof. Feldhügel. 1 u. I in Flaschen und ausgewogen empfiehlt urogers Carl WI Schüler und Schülerinnen! Pfadsinder! Jugendvereinler! Für die unserm geliebten Vaterland bevorstehende Kriegszeit sind wir auf die rastlose Einerntung der Erzeugnisse unserer heimischen Scholle angewiesen. Die Landwirte haben ihre Söhne und Knechte zur Verteidigung von Haus und Herd hergegeben. Da heißt es für die Jugend: Alle Mann an Deck. Es ist Euch vergönnt, durch fleißige Mithilfe an der Einbringung der bisher guten Ernte unserm geliebten Kaiser und Vaterlande unschätzbare Dienste zu leisten und Eure Kräfte einzusetzen für das Allgemeinwohl, Meldet Euch morgen früh(Donnerstag) zwischen 9 u. 10 Uhr am Progymnasium, an der Töchterschule, Bismarkschule, Sedanschule, Marktschule, Weißenburgschule und die Pfadfinder bei Herrn Rechtsanwalt Thoholte, die Jugendvereinler bei Herrn Pfarrer Wischnath. Auch Arbeiter, welche durch Stillegung der Arbeitsstätten ohne Arbeit sind, sind sehr begehrt und herzlich willkommen. Landwirle! Jungdeutschland will auch seine Opfer bringen, nehmet unsere Jugend in Anspruch und erbittet sie bei Herrn Apotheker Dannhäuser(Adler=Apotheke), Schwerte, Hüsingstraße. Teleson Nr. 109. Schwerte, den 4. August 1914. Die Damen des Samariterkurses vom letzten Winter werden gebeten, sich zu einer kurzen Wiederholung der praktischen Arbeiten für einige Abende der Woche(beginnend Donnerstagabend 8¼ Uhr) in der Aula der Töchterschule einzufinden. 83468 Dr. Uffelmann. Bei meiner Frau, bei mir und an anderen Stellen haben sich viele Frauen und Mädchen gemeldet, die Verwundete pflegen möchten. Eine in einem oder mehreren, in der Stadt Iserlohn zu veranstaltenden Lehrgängen ausgebildet werden, und mi dieser Ausbildung soll dann, dem Bedarfe entsprechend, fortgefahren werden. Es empfiehlt sich, solche Lehrgänge auch in denjenigen Orten des Landkreises, in denen sich ein Krankenhaus befindet, zu veranstalten. Diejenigen, die einstweilen keine Ladung erhalten, bitte ich, sich zu gedulden. Eine Bescheidung der Einzelnen Etwaige weitere Gesuche bitte ich unter näherer Angabe der Verhältnisse schriftlich an mich zu richten. Iserlohn, den 4. August 1914. Der Vorsitzende der Kreisstelle vom Roten Kreuze 5353 Nauck Geheimer Regierungs= und Landrat. Freiw. Fenernehr Abgeschloslere Etagen von 4 Zimmern, Speisekammer, Badezimmer, Mansarde und Gartenland per 1. Oktober zu vermielen. 4443 Wilh. Luck, Baugeschäft. Schwerte, Königstr. Maurer und Putzer finden Beschäftigung Wohnhausneubauten d. Nickelwerke. Da infolge der Mobilmachung ein großer Teil unserer Kameraden zu den Fahnen einderusen sind, so richte ich hierdurch die dringende Bitte an die Bü. gerschaft, sich der Feuerwehzur Verfügung zu stellen. Meldungen sind zu richten an das Kommandt der Freiwilligen Feuerwehr Schwerle. Tillmann, Oberbrandmeister, 5359 Wilhelmstraße 26. Steckenpferd " C•• Jeire WT A LESLL W * □ un Belte Lillenmilch-Seife für zarte, welbe Haut und Siendend schönen Teini Stod. 50 Pig. Ferner mach!„Dada-Cream“ role und lpröde Haut weib und serweich. Tulie 30 Pig. bei Neue Apotheke und Adler-Apotheke, sowie bei Nax Mehlhose. In Apler neck: Käthe Schulte. 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Der Rote=Kreuz Verein des Land= und Stadtkreises Hörde errichtet im Verein mit den örtlichen charitativen Vereinen in den einzelnen Gemeinden oder Aemtern sowie in der Stadt Hörde Sammelstellen, deren Erträgnisse den einzelnen Orten zugute kommen sollen, für die die Sammelstelle errichtet ist. Das Nahere uoer den Ort und die Art der Sammelstellen wird durch die einzelnen Ortsausschüsse bekanntgegeben. Hörde, den 4. August 1914. Der Vorsitzende des Roten=Kreuz=Vereins: 5355 gez. Luckhaus, Königl. Landrat. Bekanntmachung. Automobile, die auf polizeilichen oder gemeindebehördlichen Anruf nicht halten oder Straßensperrungen überfahren, werden mit ihren Insassen beschossen. Iserlohn, den 4. August 1914. Der Königliche Landrat. 5354 Nauck, Geheimer Regierungsrat. ∆ Das beste Schuhputzmittel □— Rabatter Greift das Leder nicht an, färbt nicht ab und mit allen Bequemlichkeiten zu vermielen. Schmidt 5293 Hohenzollernstr. 5. ist die beste Grösste Reinheit und Ergiebigkeit. 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SS0. -S S 1 Sgn e S S5g S S2.8—2 □ 5#E S US|ES S unegs 2 8 27 * 1— sein!— Ich gehe!— Doch— Hochmut kommt vor dem Fall— und so wünsche ich denn——“ Er trat dicht an den Wagen heran und deutete mit der zitternden Rechten nach dem Bahnhofe: —— ich wünschte, daß das Werk, welches Sie auf Kosten unserer Prachtwälder schaffen geholfen und mit dem Sie morgen vor aller Welt prunken wollen, Ihnen zum Verderben gereichen möge:— Auge um Auge!— Zahn um Zahn!. So steht es schon in der Bibel zu lesen!“ Und ohne die Dienstmütze vom Haupte zu nehmen oder sonst irgendwie zu grüßen, wandte der Fe meister, bebend vor Zorn, sich dem Hause zu. „Das sollen Sie bereuen!“ rief der Graf ingrimmig und voll Bosheit.„Fort— nach dem Schlosse!“ Dahin sausten die Rappen, so daß das Eroreich in großen Stücken hinter der Equipage dreinflog. In der gedrücktesten Stimmung für die Familie Dahlen verging der Tag. Schon begann es zu dunkeln— da kam richtig ein Leiterwagen mit einer großen, geräumigen Kiste, dessen Kutscher vom Grafen Morrisson den Auftrag hatte,„die größeren und schönsten Geweihe abzuholen“. Theo von Dahlen war ein Stückchen in den Wald gegangen, um seiner Erregung in der frischen, ozonhaltigen Luft Herr zu werden. Fortsetzung folgt.] # HE Schach. #. S Bearbeitet von E. Schallopp. Aufgabe Nr. 374. Endspielstudie von Dr. M. Lewitt in Berlin. („Deutsches Wochenschach“.) Schwarz: 6 Steine. „ d a 5* Weiß: 6 Steine. Weiß zieht an und erzwingt den Gewinn. an+20—1001•6 —A+5—90G1•9 70-N 490—8p•2 C77—31 089—1P·9 27—9" 2P—99 ·9 g Hon zuu ###6 gun 490—8p01•; U —.(99—1p 9 22—93 Partie Nr. 377. Gespielt in Moskau am 24. Januar(6. Februar) 1914. Damenbauernspiel. Weiß: Dr. O. S. Bernstein. Schwarz: I. N. Capablanca. 29—99•9 82—13 c suxtS 9PX99 7 sno i uc gun 93— e S Spde 78—63 199—59 · 90—9¼ 9-521 3 n 73—92•7 Weiß: Schwarz: 1. d2—44- 47—05 2. Sgl—13 S28—16 3. c2—64 e7—eß 4. Sbl—c3 L18—e7 5. Lcl—g5 0—0 6. e2—e3 Sb8—47 7. Tal—c1 57.—b6 8. c4X05 e6X05 9. Ddl—a4 Weiß verläßt damit die gewohnten Bahnen: gewöhnlich geschieht hier 9. Lf1 —03. 9. Lc8-b7 10. L11—a6 Lb7—a6 11. Dä4Xaß c7—05 12. Lg5Xf6 SdTXf6 13. d4Xc5 b6Xc5 14. 0—0„" D48—b6 15. Da6—e2 65—04 Schwarz hat zwei das Zentrum beherrschende, jedoch dem Angriff ausgesetzte Bauern auf der c- und dLinie, von denen indes der eine gelegentlich Freibauer werden kann. Um einem starken Angriff auf diese zwei Bauern zu entgehen, entschließt sich Capablanca, einen derselben rückständig werden zu lassen und läßt sogar die Besetzung des Feldes 44 durch eine weiße Figur zu, bloß damit Weiß auch einen schwachen Bauern b2 erhält..—. 16. Tfl—41 Der Wendepunkt. Weiß entschließt sich, auf Angriff zu spielen, obwohl kein genügender Anlaß dazu vorhanden ist. Natürlicher war 16. e3—e4 mit voraussichtlichem Remis.(Z. B. 16. e3—e4 d5—74 17. Sc3—05 St6Xd5 18. e4Xd5 Le7-s6 19. TcIXc4.) 16. T18-48 17. S13—44 Le7-b4 18. b2—53 Ein riskanter Zug, welcher dem Gegner einen Freibauern verschafft. 18. Ta8-c8 19. h3Xc4 d5Xc4 20. Tcl—c2 Weiß ist gezwungen, ein Tempo aufzugeben, da z. B. auf h2—h3 Schwarz mit Db6—a5 den Springer angreifen würde, wonach die Verdoppelung der Türme auf der c-Linie ausgeschlossen erscheint. 20..... Lb4Xc3 21. Tc2Xc3 S16—d5 Weiß darf den Bauern nicht schlagen, da dieses Qualitätsverlust zur Folge hätte: 22. Te3Xc4 Sd5—c3. 22. Tc3-c2 c4—03 23. Td1—c1 Tc8—c5 Schwarz könnte den Turm gleich nach cs ziehen, führt vorher einen Scheinangriff aus, um die Aufmerksamkeit des Gegners von der aufgestellten Falle abzulenken. 24. Sd4—b3 Tc5—c6 Jetzt nicht nach cs wegen 25. De2—e3, womit der Be3, wie es scheint, gewonnen wird.„„ 25. Sb3—04 100—01 26. S44—b52 Der ausschlaggebende Fehler. Weiß übersah den letzten Zug von Schwarz. Zwar befindet sich Schwarz im Vorteil; aber Weiß konnte mit 26. De2—13 oder d1 noch mit Aussicht auf Erfolg Widerstand leisten. 26... Tc7-c5 27. Sb5Xc3 SdöXc3 28. Tc2Xc3 Tcöxc3 29. TclXc3 Db6—b2! Weiß gibt die Partie auf. 30. De2—el genügt nicht wegen Db2Xc3; auf 30. De 2 —03 oder 30. Tc3—c8 würde Db2—a1+ entscheiden; auf 30. Tc3—c2 folgt Db2 —b1+ mit Turmverlust. Schwarz hat die Partie vorzüglich geführt, während die Spielführung der Weißen etwas schlaff erscheint. (Nach der Kowgse Aremie“. *. Denkspruch. Hoftnungen sind farben, Sind gebroch'ne Strahlen Und der Cränen Kinder; Wahrheit ist die Sonne. J. 6. Herger S 3 Fog. 2cg. S. Sggr Pg 8 Sx SekE S 3 S3 BSSSSESS S S SS 822S . *##f S 9. S. eer R 9 für den hreis börde Saricena Roman von A. von Crrstedt. (23. Fortsetzung) (Nachdruuck verboten. natole de Chatelaine hatte von der ersten Stunde ihrer Bekanntschaft an ein feuriges Interesse für Vera ganz unverhohlen zur Schau getragen. Ihre Schönheit, ihr Geist schienen ihn lich gefesselt zu haben; denn sie behandelte V ihn oft sehr schlecht, war launisch und unberechenbarer ihm gegenüber, denn je. Ihn aber schien das nicht anzufechten, er warb mit einer bewundernswerten Langmut und Zärtlichkeit um die reizende Tyrannin. So viel Ergebenheit schien ihr Herz endlich zu rühren; denn als Chatelaine ihr einen Antrag machte, wies sie ihn nicht zurück. Er schien überglücklich, daß sie ihn erhörte und gab seiner Freude in der seinem Wesen eigenen Leidenschaftlichkeit Ausdruck. Er ließ auch durchblicken, daß er zu den reichsten und angesehensten Kavalieren des Landes gehöre und später mit seiner Gattin auf dem Schlosse seiner Väter, dem alten, wetterfesten Chatelaine, Jagd= und andere Feste zu halten gedenke, von denen, wie in früheren Jahren, die ganze Umgegen sprechen solle. Diese Aussichten, eine glänzende, hervorragende Rolle in der ersten Pariser Gesellschaft zu spielen, befriedigten Vera ungemein, und sie malte sich bereits in leuchtenden Farben das Leben aus, welches sie als Schloßherrin führen würde. Sie war ihrem heimlich Verlobten gegenüber— Anatole hatte bei Eicke in aller Form um Veras Hand angehalten— jetzt nicht mehr so spröde und kapriziös wie früher, wenn sie ihn auch immer noch fühlen ließ, daß er es sich zur Ehre schätzen konnte, von ihr bevorzugt zu werden. Eicke aber hatte bei dieser ganzen Sache seine eigenen Gedanken. Ein Etwas in dem Wesen des jungen Mannes flößte dem welterfahrenen Bankier Mißtrauen ein. äußerte sich darüber weder seiner Gattin, noch Vera gegenüber, aber er beschloß, auf seiner Rückreise nach Berlin heimlich und in aller Stille zu erforschen, ob ein Schloß Chatelaine existiere. Zu seiner Genugtuung erfuhr er alsbald, daß Schloß Chatelaine zu den ältesten und imposantesten Burgen gehöre, die Frankreich aufzuweisen habe, und daß der letzte Sproß der Adelsherren ein sehr reicher, gutherziger und von seinen Untergebenen vergötterter, bei den Standesgenossen hochangesehener junger Aristokrat sei.„ 44 Diese Auskunft genügte dem Bankier eigentuch Schwiegersohn das ihm entgegengebrachte! finden sollte, wollte er es nun auch aus nächster Nähe in Augenschein nehmen,..„8erem Reisenden angeDarum hatte er sich den anderen#####, Bag zur schlossen, und er scheute den beschwerlichen—.31., felsigen Höhe hinauf nicht, trotzdem er ihm sauer genu# Mtrde. An steilen Felskanten ging es vorüber, und stellenweise gewann man einen Blick ins Tal, wo ein kleiner Fluß in vielen Windungen dahinrauschte. Von hier oben aus gesehen wirkte er wie ein blitzenves Band, das die reizende Landschaft umschloß..6 Nugsicht Doch jetzt war es mit der romantischen Aussicht vorbei, ein Tannenwald nahm die Reisenden auf, würziger Atem weitete die Lungen, und ein geheimnisvolles Raunen ging von Baum zu Baum. Doch schon nach zehn weiteren Minuten lichtete sich der Forst, und nun lag Schloß Chatelaine in seiner ganzen imposanten Größe und Ausdehnung vor den Ausrufe der Ueberraschung und ungekünstelten Bewunderung wurden laut. Unwillkürlich machte die kleine Gruppe eine kurze Rast, um sich in lebhaften Erörterungen über den herrlichen, altertümlichen Bau zu Seitlich von zwei hohen, altersgrauen, fast ganz unter Efeu verschwindenden Türmen flankiert, präsentierte sich das drei Stockwerke hohe Schloß mit seiner langen Fensterfront wie ein drobender Koloß. Mit heimlichem Stolz vernahm der Bankier die Ausrufe des Entzückens, mit denen man das burgun#ge Gebäude pries, und als er durch den breiten, von Moos und Heidekraut überwucherten Torbogen schritt, überkam es ihn wie Ehrfurcht und Dankbarkeit. Er hatte wohl noch nie so zärtlich an Vera gedacht, wie in dieser Stunde. Daß er durch seine schöne, stolze Tochter hier gewissermaßen Heimatrecht erlangen sollte, imponierte ihm doch gewaltig. Und auch Anatoles gedachte er sehr freundlich. Sein bisheriges Mißtrauen erschien ihm jetzt unbegreiflich. Wie war er nur dazu gekommen? Wenn er sich die Gesichtszüge, die ganze Haltung seines künftigen Schwiegerfohnes vergegenwärtigte, war er überzeugt, daß derselbe in jeder Linie einen Aristokraten von edelstem Geblüt repräsentiere. Da konnte man nun sehen, daß übertriebenes Mißtrauen ebensowenig am Platze war, wie allzu großes Vertrauen. Ueber dem Schloßhofe lag tiefe Stille. Zwei Knechte saßen vor einer spitzbogenartig geschweiften Tür des einen Seitenflügels und waren damit beschäftigt, Riemenzeug zu putzen..6, 69f.g hetraten. Als die Fremden das Pflaster des Hofes betraten, wurden sie von einigen Kläffern laut begrüßt, die allerdings den Anblick solcher Besucher gewohnt zu sein schienen; denn schweifwedelnd kamen sie näher. Leider erfuhr man, daß die Besichtigung der Innenräume des Schlosses heute nicht stattfinden könne, da der Kastellan nicht anwesend war. Er hatte mit dem Förster eine Fahrt durch den sich stundenweit erstreckenden Forst unternommen. Sehr enttäuscht vernahmen die Leute diese Nachricht. Ihr Pech besprechend, ließen sie sich nach einem Plateau geleiten, von wo aus man einen weiten Blick ins Land hatte, und wo ein herrliches Panorama sich dem entzückten Auge darbot...., Seuster Eicke sah am Schlosse empor. Sämlliche Fenster waren geschlossen und durch Vorhänge verhüllt. Er drückte dem Knecht, welcher die Herrschaften führte, ein Geldstück in die Hand und fragte nach Herrn de Chatelaine. „Der gnädige Herr ist seit Jahr und Tag auf Reisen," bekam er zur Antwort,„wo er sich zurzeit befinde, wisse man hier gar nicht. Man hoffe, daß er auf die Brautschau gehe und demnächst mit einer jungen Frau heimkehre. Das Schloß sei nun schon jahrzehntelang ohne Herrin, und der junge Herr sei doch längst in dem Alter, wo Edelleute zu heiraten pflegen. Auch diese Antwort vernahm Eicke mit Vergnügen. Er wußte nun, daß man Vera hier mit offenen Armen empfangen würde. Und dem Einflusse ihrer engherzigen, hochmütigen Mutter entzogen, konnten all ihre prächtigen Anlagen sich noch entfalten. In vorzüglichster Stimmung trat Eicke den Rückweg an. Er wartete nicht, bis die anderen sich zur Umkehr entschlossen. Es war ihm lieb, mit seinen Gedanken allein sein zu können. Er spann sonnige Zukunftsträume, was er nie zuvor getan, sah sich in der Karosse seines Schwiegersohnes zum Schlosse hinauffahren, wo er von seiner schönen, anmutigen Tochter, der Herrin auf Chatelaine, empfangen wurde. Erst als er unten das Städtchen erreicht hatte, schüttelte er die aufdringlichen, schöngefärbten Gedanken von sich ab, beschloß aber, seiner Familie von hieraus ein Telegramm zu senden, das seiner Freude Ausdruck gab. In einer Stunde wollte er die Weiterreise antreten.— In einem Pariser Hotel finden wir Frau Eugenie und ihre blendend schöne Tochter damit beschäftigt, für die große Oper Toilette zu machen. Vera war schon frisiert. Ein kunstvoller Lockenbau hob noch die blühenden, verführerischen Farben ihres taufrischen Gesichts. Ein mit Brillanten besetzes Band legte sich um den Chignon, ein weißseidenes in Prinzeßform gearbeitetes Unterkleid umschloß die herrliche Gestalt. Frau Eugenie hatte violette Seide, mit reicher, wertooller Spitze garniert, angelegt. Sie sah außerordentlich vornehm aus, und man hätte sie noch hübsch nennen können, wäre nicht der mokante, hochmütige Zug um die eingekniffenen Lippen gewesen. Sie mahnte zur Eile:„Anatole wartet bereits seit einer halben Stunde, Vera, er könnte ungeduldig werden. Möchtest du nicht endlich dein Kleid anlegen?“ In dem Ton der Mutter lag so viel rücksichtsvolle Vorsicht, wie man sie einer großen Dame gegenüber anzuwenden pflegt.„„„ 46 Und in der Tat war Vera für sie gewissermußen eine Respektsperson geworden, seitdem sie heimlich mit Chatelaine verlobt war. Auch Eugenie, und sie war ohne alles Mißtrauen, sah in ihrer Tochter bereits die Schloßherrin, und ost kam es ihr vor, als sei Vera ihr bereits entwachsen und als müsse sie, die Mutter, froh sein, wenn die künftige Madame de Chatelaine nicht schon jetzt die große Dame Vera tat sehr gleichgültig.„Anatole wird gut daran tun, sich beizeiten in Geduld zu üben, liebste Mama. Ich denke nicht daran, seinetwegen mir auch nur den kleinsten Zwang aufzuerlegen. Du selbst hast mir oft genug gesagt, daß man vom ersten Verlobungstage an sich den späteren Gatten erziehen „Zind; auf einen Wink Engenies brecheggns flinke, französische Zofe das leichte, lichtblaue ein wahres Kunstwerk, und streifte es der jungen über, ordnete die Falten und schloß es geschickt hinten zu. Nun erst wirkte Veras Schönheit wahrhaft berückend im Rahmen der schimmernden Seide, die mit Perlen übersät zu sein schien. Frau Eugenie vergaß beinahe, ihren Satz zu Ende zu sprechen, so entzückt war sie über den Anblick ihres „Vera,“ sagte sie, die blühenden Wangen des Mädchens zärtlich küssend,„du bist ja wie geschaffen zur Edelfrau, aber du solltest doch nicht vergessen, daß dein Vater ein simpler Bankier ist und dein Verlobter einen hohen Rang in der Gesellschaft einnimmt. Er ist verwöhnt, viel begehrt, und darf seine Hand nach der Tochter eines Herzogs ausstrecken. Spanne den Faden nicht zu straff, damit er nicht reißt. Anatole heiratet dich nur aus Liebe, erhalte dir seine Zuneigung, auch dann noch, wenn du seine Gattin bist. Dein Vater fand wenig Geschmack an den Frauen, er war immer ein beschränkter Arbeiter, nichts weiter. Dein Bräutigam aber weiß hübsche Damen sehr wohl zu schätzen, so viel habe ich längst bemerkt. Und wenn du ihn beständig quälst, kleinlicherweise deine Macht an ihm erprobst, so wirst du ihm bald langweilig werden. „Wenn ich das wüßte, Mama, würde ich dich bitten, die Verlobung zu lösen,“ entgegnete Vera hochmütig, „Anatoie mag es sich zur Ehre schätzen, daß ich ihn erhört habe. Ich denke nicht daran, seinetwegen mich zu ändern. Und glaubst du, daß er um eine Herzogin werben kann, so soll auch mir ein Herzog nur gerade Die Damen sprachen deutsch. Die Zofe verstand kein Wort von dem, was gesagt wurde. Hochaufgerichtet stand Vera vor der erschreckten Mutter, und hochmütiger Trotz sprühte aus ihren dunklen Augen. „Wenn Chatelaine sie so sehen könnte!“ dachte die Mutter,„sie ist hinreißend in ihrem Stolz!“ Laut aber mahnte sie beschwichtigend: „Es würde auch wohl dir nicht recht sein, wenn deine Verlobung von seiten des Bräutigams gelöst „Das wird nicht geschehen,“ lachte Vera,„da sei unbesorgt, liebste Mama. Ich weiß ganz genau, wie weit ich Anatole gegenüber gehen darf— er läßt sich viel von mir bieten.“ „Um so unverständiger von dir, wenn du diese Großmut mißbrauchst. Ich habe dich gewarnt. Bist du trotzdem unverständig, so trage auch die Folgen.“ Veras ganze Antwort bestand in einem hochmütigen, sieghaften Lächeln. Ein Lied auf den Lippen, rauschte sie binaus.„„..t In meschem W. Als sie den kleinen Salon betrat, in weichem Anatole de Chatelaine auf sie wartete, bemerkte sie noch den ärgerlichen, verstimmten Ausdruck in seinem Gesicht. (Fortsetzung folgt.) 90 S 8 88 & S am k. 85S ####S: # S S#R#S.SES ###EE. — 9•41 * S6c Aus Schulaufsätzen. „Der Mut der Türken erklärt sich daraus, daß ein Mann, der mehrere Frauen hat, leichter dem Tod ins Auge sieht als der, der nur eine hat.“ „Als der letzte französische Vorstoß bei Belle=Alliance mißglückte, wurde Napoleon sehr blaß und ritt in voller Karriere nach St. Helena.“ „Ein Dreieck ist ein Quadrat, dem die vierte Ecke fehlt.“ „Die gemäßigte Zone ist die Gegend, wo die Männer nicht soviel trinken.“ „Wenn man die Milch vor dem Sauerwerden bewahren will, so läßt man sie am besten in der Kuh.“ „Das hauptsächlichste vegetarische Produkt Amerikas ist Büchsenfleisch.“ 2 Forstmeister Dahlen. Novelle von Mara Markov. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten. Der ganze Tag war schon recht trübselig gewesen. Oktober war es nun, und der Herbststurm trieb das braungesprenkelte Laub der Bäume vor sich her. Forstmeister Theo von Dahlen saß in seiner„Waffenkammer“, wie man das Gemach benannte, in welchem sich seit Jahrzehnten allerlei Schießgewehre, Pulverhörner, Fuchsteller, Fangeisen usw. gesammelt hatten. Mächtige Dampfwolken aus seiner großen, langröhrigen Pseise hervorstoßend, starrte er brennenden Blickes vor sich hin, den Kopf in die Hand gestützt. Er erübelte noch. alsg sollte die Nahnstrecke Morgen—— morgen also solll die Bühnstreue, die fix und fertig war, übergeben und zum ersten Male befahren werden.„ 466324 G.ss Niemand hatte auf seinen Protest geyort. Graf Ernest Morrisson tat, als existiere überhaupt kein Forstmeister Dahlen mehr. Ach, wenn die Kinder nicht wären! Er und sein braves, so liebevolles Weib brächten sich schon durch, und sollte er einen Posten in der Residenz als Türhüter annehmen.— Morgen also— ach, es war zum——! Nur daran zu denken, machte ihm Galle. Prudnitzky, der neue Knecht, den er neulich aufnehmen mußte, weil er just keinen anderen bekommen konnte, und dessen ganzes Wesen ihm eigentlich gründlich mißfiel, hatte Nachrichten gebracht. daß der neue Bahnhof geschmückt sei—, daß Fahnen und Tannengirlanden die neuen, frisch lackierten Waggons und die blinkende Maschine zierten—, und daß ein großer Trupp Honoratioren aus der Umgegend dem Feste beiwohnen wolle.“ Theo von Dahlen lachte ingrimmig. Nun ja— da waren sie ja schon, die Maulaffen und Sonntagsschützen, die er all die Jahre— im Notfalle durch urwüchsigste Grobheit— ferngehalten. Der Forstmeister ballte die Hände zusammen, daß ihm die Gelenke krachten.— Ach— er hatte dieses Leben satt—— so satt! Leichte Füßchen kletterten die steile Treppe zur Waffenkammer herauf. Gleich darauf steckte ein blondes Köpfchen sich um die Türkaute.„(10, Bsturchan u 6. „Du möchtest heravrommen, lieb Barerchen,“ sagte Lotte, des Forstmeisters zwölfjähriges Töchterchen, indem sie ihr frisches, rotbäckiges Gesichtchen, das von einer Flut ährenfarbener Haare umgeben war, ganz zur Tür hereinbog. „Du möchtest doch herabkommen— der Herr Graf sitzt vor dem Hause in seinem Wagen und verlangt nach dir! Die Mutter weiß nicht recht——“ Theo von Dahlen fuhr aus seinem Sinnen auf. Was konnte der Graf Morrisson von ihm wollen—? Schwexfällig ging der Forstmeister die Treppen hinab. Dk keine, blonde Lotte Hote, perr gbirechtet, Vor dem großen Haustore stand wagen, dessen schäumende Pferde der rothaarige Knecht Prudnitzky an der Kandare hielt. Neben dem Gefährt aber wurde er seine liebliche Tochter gewahr, die auf einem Prunkteller ein Glas Wasser hielt, welches der Graf begehrt hatte. Die Art, wie Ernest von Morrisson dem bescheidenen, jungfräulichen Mädchen durch sein Monokel in das errötende Gesichtchen blickte, mißfiel dem Forstmeister von Dahlen sründlich.“ an du E I.# Noch meyr aver mißfiel ihm der Ton, in dem ihm der Graf Befehle erteilte, als habe er einen Hundejungen von seiner Mente vor sich. „— also— hören Sie!— Lassen Sie sofort einige der schönsten, etwa zwanzig bis dreißig Tannen schlagen und zur Abfahrtshalle hinüberschaffen— und alle Geweihe und Jagdgerätschaften hier aus dem Hause, um die neue Bahnhofsrestauration würdig damit auszuschmücken— und den Perron damit auszuputzen— ich wünsche, daß alles so reich als möglich—“ Theo von Dahlen glaubte nicht recht zu hören. „Meine Geweihe und Hirschlöpfe?——“ „Natürlich! Ihre—— Ihre?“ erwiderte ungeduldig der Graf.„Hä, hä, hä! Sie vergessen, mein Bester, daß das, was in meinem Forsthause sich befindet, mein Eigentum ist, über das ich verfüge nach eigenem Gutdünken, und da lasse ich mir—“ „Herr Graf—“ brauste der Forstmeister auf. Ernest von Morrisson aber, der eigentlich nur deshalb gekommen war, um den Forstmeister seinen tiefen Groll fühlen zu lassen, wehrte, nachlässig mit dem seidenen Taschentuche gegen den Ergrimmten schüttelnd, verachtungsvoll ab: „Schon gut!— Schon gut! Genug!— Sie werden meinen Befehlen unverzüglich nachkommen! Ich habe dem Bahnhofsinspektor bereits zugesagt, daß die Tanneu und Geweihe in höchstens zwei Stunden bei ihm—“ Theo von Dahlen war totenbleich geworden. Jetzt aber raffte er sich energisch auf und erwiderte: „Das werde ich nicht, Herr Graf von Morrisson! — Was ich und meine Gattin im Laufe der Jahre angeschafft— denn wir fanden die leeren vier Wände vor, als wir einzogen!— was ich als weidgerechter Forstmann geschossen und mir zu meinem Vergnügen und zu meiner Freude präpariert habe, ist mein Eigentum—“ Und da der Graf protestierend den Arm erhob, rief er zornig:„Ja, mein Eigentum, Herr welches ich mir von niemand, auch von Ihnen nicht, nehmen lasse, und über das ich allein Das welke, unschöne gelbe Gesicht des Schloßherrn von Rodaun färbte sich um noch einen Schatten gelber — die kohlenschwarzen, kleinen Augen blitzten auf und funkelten unheimlich..... 455m „Also dirette Opposition in allem und jeoem! Weil Ihnen die neue Ideenrichtung nicht behagt und Sie an dem Vergangenen kleben wollen, wie eine alte Klette, soll ich Ihre verrückten Schrullen hinnehmen?“ Graf von Morrisson richtete sich im Wagen auf und zeigte mit der Reitpeitsche nach dem Forsthause. „Sie werden tun, wie ich Sie geheißen— oder — Sie sind zu Neujahr Ihres Dienstes entlassen!“ In des Forstmeisters Gesicht schwollen die dicken Adern der Stirn hoch auf, und ein herzhafter Soldatenfluch kam über seine bleichen Lippen. „J. Schockmillionen Donnerwetter!— Wollen Sie einen alten Beamten, der ein halbes Menschenalter Ihrem Vater und auch Ihnen treu und ehrlich gedient hat, wie einen Tagelöhner davonjagen— mag's drum