1 Amtliches Kreisblatt tal den Kreis wörck De„Shmnten Zeiugr guchcat taich. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabakt u. erlischt bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Riobschnad genatt.-Settinsetelsstne Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Verbunden mit: Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grstes und ältestes Cagesorgan des Kreises o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Aüe duter und dohalgntgrüchen Brnod. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Verösfentlichung in dei„Schwerter Zeitung", rechtsverbindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Abonnen= ten für jeden mit Tod endenden Unfall ge300 Mk. Unfall. Druck u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte. Ruhe Sorto c.- Sten eite RiasShant=-Richt Nr. 180. Dienstag, den 4. August 1914. 46 Jahrgang. An die Deutschen! Von Ernst Bergmann. Ein Strahl vom Himmel, und Berg und Land Loht auf wie von Blitz und Wettern. Im Ost und West mit frevelnder Hand Entzünden die Völker den Weltenbrand, Und Krigestrompeten schmettern. Vom Nordkap bis zur Adria Die Herzen beben und lauschen. O Deutsche, die heilige Stunde ist da, Und die Toten rufen von Saint=Privat, Und Geister im Winde rauschen. O Kaiser Karl, es zittert dein Thron, Die Völker von Osten fluten. Und es zückt von Westen der Erbfeind schon Dea tückischen Stahl, und die Flammen lohn, Und tausend Herzen bluten. Nun gilt es, mein deutsches Vaterland, Gilt mehr als Ruhm und Ehre, Gilt deutsche Berge und Heimatstrand Und heiliges deutsches Geisterland, O greist zur schimmernden Wehre! O deutscher Adler, noch einmal schwing Dich über Europas Reichen! Dein brausender Fittich erkling, erkling Und fahre zur Sonne und sing und sing Ein Sturmlied ohne gleichen. mit Nachdruck zur Kenntnis gebracht worden. Unhaben geraten, jedes Die Vorgeschichte. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: Nachdem Seine Majestät der Kaiser die Mobilmachung für das Reich angeordnet hat, ist der Zeitpunkt gekommen, die Vorgänge, die zu diesem Entschluß geführt haben, in Kürze darzulegen. Eine genauere aktenmäßige Darstellung bleibt vorbehalten. Seit Jahren hat Oesterreich=Ungarn gegen Bestrebungen zu kämpfen, die mit verbrecherischen Mitteln unter Duldung und Förderung der serbischen Regierung auf die Revolutionierung und Losreißung der südöstlichen Landesteile Oestereich=Ungarns hinarbeiten. Die Gewinnung dieser Gebiele ist ein unverhülltes Ziel der serbischen Politik. Diese glaubt dabei auf den Rückhalt Rußlands rechnen zu können, in dem Gedanken, daß es Nußlands Aufgabe sei, den südslawischen Völkern seinen Schutz zu leihen. Diesem Gedanken ist durch Rußlands Bemühungen, einen Bund der Balkanstaaten zustande zu bringen, Nahrung gegeben worden. Die großserbische Propaganda ist schließlich in der Ermordung des österreichisch= ungarischen Thronfolgers und seiner Gemahlin grell hervorgetreten. Die österreichisch=ungarische Monarchie entschloß sich, diesem, gegen ihren Bestand als Großmacht gerichteten verbrecherischen Treiben ein Ende zu machen. Es mußte sich dabei ergeben, ob Rußland tatsächlich die Rolle des Beschützers der Südslawen bei ihren aus Zertrümmerung des Bestandes der österreichisch=ungarischen Monarchie gerichteten Bestrebungen durchzuführen willens war. In diesem Falle kam ein Lebensinteresse Deutschlands in Frage: der ungeschwächte Bestand der uns verbündeten Monarchie, dessen wir zur Erhaltung unserer eigenen Großmachtstellung inmitten der Gegner von Ost und West bedürfen. Deutschland hat sich von vornherein auf den Standpunkt gestellt, daß die Auseinandersetzung mit Serbien eine Angelegenheit sei, die nur Oester" reich=Ungarn mit Serbien angehe. Unter Wahrung dieses Standpunktes haben wir mit der größten Hingabe an allen Bemühungen teilgenommen, die auf Erhaltung des europäischen Friedens gerichtet waren. Oesterreich=Ungarn gab hierzu die Handhabe, indem es den Mächten wiederholt erklärte, daß es auf keine Eroberungen ausgehe und den territorialen Bestand Serbiens nicht antasten wolle. Diese Erklärungen sind namentlich in Petersburg serem Bundesgenossen haven wir geruten, jedes mit der Würde der Monarchie vereinbarte Entgegenkommen zu zeigen. Insbesondere haben wir allen englischen, aus Vermittlung zwischen Wien und Petersburg hinzielenden Schritten hilfreiche Hand geliehen. Bereits am 26. Juli lagen zuverlässige Meldungen über russische Rüstungen vor. Sie veranlaßten die deutsche Regierung, am gleichen Tage unter erneuter Betonung, daß Oesterreich=Ungarn den Bestand Serbiens nicht antasten wolle, zu erklären: Vorbereitende milltärische Maßnahmen Rußlands müßten uns zu Gegenmaßregeln zwingen. Diese müßten in der Mobilisierung der Armee bestehen. Die Mobilisierung aber bedeute den Krieg. Wir könnten nicht annehmen, daß Rußland einen europäischen Krieg entsesseln wolle. Am nächsten Tage erklärte der russissiche Kriegsminister unserem Militärattaché, es sei noch keine Mobilmachungsorder ergangen kein Pferd ausgehoben, kein Reservist eingezogen. Es würden lediglich vorbereitende Maßregeln getrossen. Wenn Oesterreich=Ungarn die serbische Grenze überschreite, würden die auf Oesterreich= Ungarn gerichteten Militärbezirke mobilksiert, unter keinen Umständen die an der deutschen Front liegenden. Jedoch ließen zuverlässige Nachrichten schon in den nächsten Tagen keinen Zweifel, daß auch an der deutschen Grenze die militärischen Vorbereitungen Rußlands im vollen Gange waren. Die Meldungen hierüber häusten sich. Trotzdem wurden noch am 29. von dem russischen Generalstabschef unserem Militärattaché erneut beruhigende Erklärungen gegeben, die die Mitteilungen des Kriegsministers als noch voll zu recht bezeichneten. Am 29. Juli ging ein Telegramm des Zaren an den Kaiser ein, in welchem er die inständige Bitte aussprach, der Kaiser möge ihm in diesem Augenblick helsen. Er bitte ihn, um dem Unglück eines europäischen Krieges vorzubeugen, alles ihm mögliche zu tun, um den Bundesgenossen davon zurückzuhalten, zuweit zu gehen. Am selben Tage erwiderte der Kaiser in einem längeren Telegramm, daß er die Aufgabe des Vermittlers und den Appell an seine Freundschaft und Hilfe bereitwillig übernommen habe. Dementsprechend wurde sosort eine diplomatische Aktion in Wien eingeleitet. Während diese im Gange war, lief die offizielle Nachricht ein, daß Nußland gegen Oesterreich=Ungarn mobil machte. Sofort hierauf wies der Kaiser den Zaren in einem weiteren Telegramm darauf hin, daß durch die russische Mobilisierung gegen Oesterreich=Ungarn seine auf Bitten des Zaren übernommene Vermittlerrolle gefährdet, wenn nicht unmöglich gemacht würde. Trotzdem wurde die in Wien eingeleitete Aktion fortgesetzt, wobei von England gemachte, in ähnlicher Nichtung sich bewegende Vorschläge von der deutschen Regierung warm unterstützt wurden. Ueber diese Vermittlungsvorschläge sollte heute in Wien die Entscheidung sallen. Noch bevor sie fiel, erhielt die deutsche Regierung die offizielle Nachricht, daß der Mobilmachungsbesehl für die gesamte russische Armee und Flotte ergangen sei. Darauf richtete der Kaiser ein letztes Telegramm an den Jaren, in dem er hervorhob, daß die Verantwortung für die Sicherheit des Reiches ihn zu desensiven Maßregeln zwinge. Er sei mit seinen Bemühungen um die Erhaltung des Weltfriedens bis an die äußerste Grenze des Möglichen gegangen. Nicht er trage die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der Welt drohe. Er habe die Freundschaft für den Zaren und das russische Reich stets treu gehalten. Der Friede Europas könne noch jetzt erhalten werden, wenn Rußland aushöre, Deutschland und Oesterreich zu bedrohen. Während also die deutsche Regierung aus Ersuchen Rußlands vermittelte, machte Rußland seine gesamten Streitkräfte mobil und bedrohte damit die Sicherheit des Deutschen Reiches, von dem bis zu dieser Stunde noch keinerlei außergewöhnliche militärische Maßregeln ergriffen waren. So ist, nicht von Deutschland herbeigerufen, vielmehr wider den durch die Tat bewährten Willen Deutschlands, der Augenblick gekommen, der die Wehrmacht Deutschlands auf den Plan ruft. Der Telegrammwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und dem Jaren. Gestern nachmittag ist das deutsche Weißbuch ausgegeben worden, das sich in gedrängter Kürze über 37 Quartseiten über die Vorgänge ausläßt, die dem Kriegsausbruch vorangegangen sind. Neben vielem Bekannten enthält das Weißbuch auch den Text der beiden Telegramme, die am 31. Juli zwischen dem Kaiser von Rußland und dem deutschen Kaiser gewechselt worden sind. Am 31. Juli richtete der Zar an den deutschen Kaiser folgendes Telegramm: Ich danke Dir von Herzen für Deine freundliche Vermittlung, die eine Hoffnung aufleuchten läßt, daß doch noch alles friedlich enden könnte. Es ist technisch unmöglich, unsere militärischen Vorbereitungen einzustellen, die durch Oestereichs Mobilisierung notwendig geworden sind. Wir sind weit davon entsernt, den Krieg zu wünschen. Solange die Verhandlungen mit Oesterreich über Serbien andauern, werden meine Truppen keine heraussordernden Aktionen unternehmen. Ich gebe Dir mein treues Wort darauf. Ich vertraue mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe auf den Erfolg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlfahrt unserer Länder und den Frieden Europas. Dein Dir herzlich ergebener Nikolaus. Hierauf erwiderte der Kaiser: Auf Deinen Appell an meine Freundschaft und Deine Bitte um meine Hilse habe ich eine Vermittlungsaktion zwischen Deiner und der österreichisch ungarischen Regierung ausgenommen. Während diese Aktion im Gange war, sind Deine Truppen gegen das mir verbündete Oesterreich=Ungarn mobilisiert worden, modurch, wie ich Dir schon mitgeteilt habe, meine Vermittlung beinahe illusorisch gemacht worden ist. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nunmehr erhielt ich zuverlässige Nachrichten über ernste Kriegsvorbereitungen auch an meiner Ostgrenze. Die Veranwortung für die Sicherung meines Reiches rief mich zu Desensivmaßregeln. Ich bin mit meinen Bemühungen um die Erhaltung des Weltfriedens bis an die äußerste Grenze des Möglichen gegangen. Nicht ich trage die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der ganzen zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblick liegt es in Deiner Hand, es abzuwenden. Niemand bedroht die Ehre und die Macht Rußlands, das wohl auf den Erfolg meiner Vermittelung hätte warten können. Die mir von meinem Großvater auf dem Totenbette überkommene Freundschaft für Dich und Dein Reich ist mir immer heilig gewesen und ich habe treu zu Rußland gestanden, wenn es in schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt bewahrt werden, wenn Rußland sich entschließt, die militärischen Maßnahmen einzustellen, die Deutschland und Oesterreich=Ungarn bedrohen. Abbruch der diplomalischen Beziebungen zu Frankreich. Bisher hatten deutsche Truppen dem Besehl gemäß die französische Grenze nicht überschritten. Dagegen greisen seit gestern französische Truppen ohne Kriegserklärung unsere Grenzposten an. Sie haben, obwohl uns die französische Regierung noch vor einigen Tagen die Innehaltung einer unbesetzten Zone von 19 Klm, zugesagt hatte, an verschiedenen Punkten die deutsche Grenze überschritten. Französische Kompagnien halten seit gestern nacht deutsche Ortschaften besetzt. Bomben werfende Flieger kommen seit gestern nach Baden u. Bayern, unter Verletzung der belgischen Neutralität über belgisches Gebiet in die Rheinprovinz und versuchen unsere Bahnen zu zerstören. Frankreich hat damit den Angriff gegen uns eröffnet und den Kriegszustand hergestellt. Des Reiches Sicherheit zwingt uns zur Gegenwehr. Der Kaiser hat die erforderlichen Befehle erteilt. Der deutsche Botschafter in Paris ist angewiesen, seine Pässe zu fordern. Glatt erfunden. Berlin, 4. August. Die im Umlauf befindlichen Gerüchte über eine Schlacht zwischen dem deutschen Schiffsverbands und der russischen Ostseeflotte u. über deren Vernichtung und den Untergang eines deutschen Schiffes sind glatt ersunden. Es ergeht an alle Stellen das dringende Ersuchen, derartige Gerüchte nicht weiter zu tragen, ohne sie zuvor durch Rückfrage an einer amtlichen Stelle auf ihre Richtigkeit geprüft zu haben. Nicht bewahrheitet. Die Meldung, nach der gestern in Metz durch einen französischen Arzt der angebliche Versuch zur Infizierung eines Brunnens mit Cholerabazillen unternommen worden sein soll, hat sich als unrichtig herausgestellt, wie sich auch ähnliche Gerüchte aus anderen Städten bisher nicht bestätigt haben. Es liegt also keine Veranlassung zur Beunruhigung vor. Aufmerksamkeit scheint aber weiter geboten. Deuische Truppen in Rußland. Berlin, 4. August. Das 1. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 155 mit einer Maschinengewehrkompagnie und dem Ulanenregiment Nr 1 sind heute Morgen in Kalisch eingerückt(Kalisch ist die Hauptstadt des Gouvernements und des Kreises Kalisch; es liegt an der Linie Krotoschin=Ostro= wo an der Prosna; es ist eine ziemlich starke Garnisonstadt.) Berlin, 4. August. Die deutschen Grenzschutztruppen bei Lublinitz nahmen heute Vormittag nach kurzem Gefecht Tschenstol,au Auch Bendzin und Kalisch wurden von deutschen Truppen besetzt. Hinuntergeschossene Flieger. Wien, 4. August. Die„Neue Freie Presse“. meldet: An der österreich=ungarischen Grenze, nördlich von Lemberg, wurde ein Aeroplan, System Sikorsky, mit einem russischen Piloten, einem Begleitoffizier und einer Nutzlast von österreischen Truppen heruntergeschossen. Die beiden russischen Offiziere, die verletzt wurden, sind gefangen genommen worden. Das Bombardemenk von Libau durch den Kreuzer„Augsburg“. ist nicht gering zu veranschlagen; die Verwundbarkeit Rußlands in der Ostsee wird erkennbar. Ehe die englische Seemacht nicht in der Ostsee dominiert, liegen die Aussichten auch für größere deutsche Unternehmungen sehr günstig. Die Sperrung der Einfahrt in die Gewässer der Ostsee könnte solchen englischen Eingriff verhindern. Libau(in Kurland) ist Kriegshafenstadt. Im Jahre 1893 wurde mit dem Bau des großen Hasens„Kaiser Alexander 3.“ begonnen. Der Bau hat schon einen erheb lichen Kostenauswand verursacht. Auch die neueste Vorlage zur Vergrößerung der Scemacht Rußlands hob den Ausbau Liebaus als notwendig hervor. — Der kleine Kreeuzer„Augsburg“ hat eine Wasserverdrängung von 4350 Tonnen, eine Geschwindigkeit von 27,2 Scemeilen in der Stunde und eine Bewaffnung von 12 10,5 Zentimeter=Geschützen und zwei Torpedorohren. Das Schiff wurde von der 80 Kaiserlichen Werst in Kiel im Jahre 1910 als der Ostseestation in Dienst gestellt. Der Kommandant der„Augsburg“ ist der Fregattenkapitän Andreas Fischer(Patent vom 27. Januar 1912) Die Volksstimmung im Vom kaiserlichen Statthalter in Straßburg ist dem Reichskanzler folgendes Telegramm zugegangen: Eurer Exzellenz beehre ich mich mitzuteilen: Die Stimmung in der Bevölkerung des ganzen Elsaß ist vorzüglich. Die Truppen werden bei Durchzügen mit Begeisterung begrüßt. Die Presse der verschiedensten Parteirichtungen erkennt an, daß wir einen gerechten Krieg zu führen haben, und fordert die elsässischen Soldaten auf, keinen Flecken auf den Ehrenschild elsässischen Soldatenruhms kommen zu lassen. Zahlreiche Elsässer melden sich als Kriegsfreiwillige. Die Mobilmachung ist nach eingegangenen Meldungen bisher im Lande glatt verlaufen. Wacht über die Eisenbahnen! Berlin, 3. August. Bestimmte Nachrichten deuten darauf hin, daß Zerstörungsversuche gegen Eisenbahnen und deren Kunstbauten von einzelner Seite auch im Inlande versucht werden. Bei der großen Bedeutung der Eisenbahn für die Durchführung der Mobilmachung und Versammlung des Heeres ist es Pflicht jedes Deutschen, die Heeresverwaltung bei dem Schutz der Eisenbahnen zu unterstützen. Dies kann geschehen durch Ueberwachung der Mitreisenden, Mitteilung jeder verdächtigen Handlung an die nächste Eisenbahn= oder Militärbehörde, ebanso durch Festnahme verdächtiger Individuen Die Arbeit des Reichstags. Berlin, 4. August. Die Gesetzentwürfe, welche dem Reichstage vorgelegt werden, betreffen in der Hauptsache wirtschaftliche Maßnahmen. An der Spitze steht ein Antrag der Regierung, sofort Milliarden flüssig zu machen. Fürsorge in Braunschweig. Braunschweig, 4. August. Auf Veranlassung der Herzogin ist im hiesigen Schlosse ein Lazarett mit 150 Betten eingerichtet worden. Gleichzeitig wird auf Veranlassung der Herzogin an alle bedürftigen Familien der zum Heeresdienst Einberusenen warmes Mittagessen verabreicht. Die Haltung Enalands! London, 4. August. Sir Edward Grey erklärte gestern im Unterhause: Wenn England neutral bleibe, sei Deutschland bereit, die Nordküste Frankreichs nicht anzugreifen. Dies sei jedoch eine zu eng begrenzte Verpflichtung. Bezüglich der Neukralität Belgiens habe Deutschland keinerlei verpflichlende Erklärungen abgeben können, da es hierdurch seinen Feldzugsplan preisgeben würde. Sollte die Neutralität Belgiens verletzt werden, so sei für England die Richtlinie gegeben. England und Frankreich seien zwar über die Sicherung der Gewässer einig, aber England sei keinerlei Verpflichtung eingegangen, ein Expeditionskorps zu entsenden. Kampf um das A Millionen französischer Goldmünzen Berlin, 4. Aug. Aus Stuttgart kommt die Nachricht, daß dort 80 Millionen Franken französischer Goldmünzen beschlagnahmt worden sind, die bestimmt waren, nach Petersburg abzugehen. Die Meldung ist auch in Berliner Hofkreisen verbreitet und wird in Berliner Finanzkreisen bestätigt. Teilweise Mobilisierung in der Türkei. Die Regierung kündigt amtlich an, daß sie neutral zu bleiben wünsche. Sie hat die teilweise Mobilisierung angeordnet. Die Haltung Bulgariens In der Sobranje erklärten bei der Beratung des Budgets der Minister des Aeußern Geschow und der Führer der Demokraten Malinow, daß ihre Parteien die Regierung in der gegenwärtigen Krisis unterstützen würden. Ministerpräsident Radoslawow sagte, er habe, gleich nach dem er von der österreichischen Note Kenntnis erhalten habe, erklärt, daß Bulgarien bis zur Beendigung des Konfliktes volle Neutralität beobachten würde. Was die rumänisch=bulgarischen Zwischenfälle betreife, so sei er glücklich, mitteilen zu können, daß beide Regierungen der Welt sagen könnten, daß alle ihre durch die Zwischenfälle hervorgerufenen Mißverständnisse vollkommen beseitigt seien. Die Beziehungen zur Türkei seien mehr als freundschaftlich. Die Beziehungen zu Griechenland stien endgültig wieder ausgenommen worden. Die aus der jüngsten Vergangenheit herrührenden Streitfälle seien noch nicht geordnet, doch würden sie einer nach dem andern geregelt werden. Was in Rußland selbst vorgeht darüber kann man naturgemäß vorläusig so gut wie gar nichts mehr erfahren. Wichtige Regierungsbeschlüsse und Maßnahmen werden vielleicht auf dem Umwege über Stockholm oder Kopenhagen zuch noch nach Deutschland gelangen. Was dagegen im Innern des Landes vorgeht, wird uns wohl für die Dauer des Krieges unbekannt kann aber eines schon jetzt mit ziemlicher Gewißheit voraussagen, und das ist der Ausbruch der Revolution. Noch scheint es ruhig zu sein. Sowie aber die russischen Truppen aus ihren Garnisonen ins Feld gerückt sein werden, dann wird wohl sicherlich der Aufruhr in den Städten losgehen. So war es im Kriege gegen Japan, und so wird es wahrscheinlich jetzt auch wieder sein. Das glauben wir zu wissen, nachdem wir gesehen haben, wie Jahr für Jahr die Streiks, diese Manöver der Revolutionäre, sich wiederholt haben. Aus diesem Grunde ist auch dem Kriegszustande, der jetzt über Petersburg und Umgebung verhängt worden ist, eine ganz andere Bedeutung beizumessen, als der gleichnamigen Maßregel, die man bei uns getrossen hat. die dem deutschen Volke durch seindliche Heraussorderung ausgedrungene Verteidigung des Vaterlandes fordern. Aber Ich weiß, daß Mein Volk auch in diesem Kampfe mit der gleichen. Treue Einmütigkeit, Opserwilligkeit und Entschlossenheit zu Mir steht, wie es in früheren schweren Tagen zu Meinem in Gott ruhenden Großrater gestanden hat. Wie Ich von Jugend auf gelernt habe, auf Gott den Herrn Meine Zuversicht zu setzen, so empfinde Ich in diesen ernsten Tagen das Bedürsnis, vor Ihm Mich zu beugen und Seine Barmherzigkeit anzurufen. Ich fordere Mein Volk auf, mit Mir in gemeinsamer Andacht sich zu vereinigen und mit Mir am 5. Aug. einen außerordentlichen allgemeinen Bettag zu begehen. An allen gottesdienstlichen Stätten im Lande versammle sich an diesem Tage Mein Volk in ernster Feier zur Anrufung Gottes, daß Er mit uns sei und unsere Waffen segne. Nach dem Gottesdienst möge dann, wie die dringende Not der Zeit es sordert, ein jeder zu seiner Arbeit zurückkehren. Ich erwarte, daß alle zuständigen Stellen das zur Ausführung dieses Erlasses Erforderliche unverzüglich anordnen werden. Berlin im Schloß, den 2. August 1914. gez. Wilhelm R. gez. von Trott zu Solz. Kniet nieder! Zwecks Abhaltung eines allgemeinen Buß= u. Bettages hat der Kaiser an den Kultusminister folgende Ordre gerichtet: Ich bin gezwungen, zur Abwehr eines durch nichts gerechtfertigten Angriffs das Schwert zu ziehen und mit aller Deutschland zu gebote stehenden Macht den Kampf um den Bestand des Reiches und unserer nationale Ehre zu führen. Ich habe Mich während Meiner Regierung ernstlich bemüht, das deutsche Volk vor Krieg zu bewahren und ihm den Frieden zu erhalten. Auch jetzt ist es Mir Gewissenssache gewesen, wenn möglich den Ausbruch des Krieges zu verhüten; aber Meine Bemühungen sind vergeblich gewesen. Reinen Gewissens über den ursprung des Krieges, bin Ich der Gerechtigkeit unserer Sache vor Gott gewiß. Schwere Opser an Gut uid Blut wird Die Hallung der Sozialdemokratie. Das Organ der bayerischen Sozialdemokratie, die„Münchener Post“ nimmt zu der politischen Lage und zu der Haltung der Sozialsdemokratie u. a. wie folgt Stellung: „Eine Niederlage wäre gleichbedeutend mit Zusammenbruch, Vernichtung und namenlosem Elend für uns alle. Unser aller Gedanken bäumen sich gegen diese Möglichkeit auf. Unsere Vertreter im Reichstag haben unzählige Male übereinstimmend erklärt, daß die Sozialdemokratie ihr Land im Augenblick der Gefahr nicht im Stiche lassen könnte. Wenn die verhängnisvolle Stunde schlägt, werden die Arbeiter das Wort einlösen, das von ihren Vertretern hierfür abgegeben worden ist. Die „vaterlandslosen Gesellen“ werden ihre Pflicht erfüllen und sich darin von den Patrioten in keiner Weise übertreffen lassen.“ Die sozialdemokratische„Volksstimme“ in Chemnitz schreibt unter der Ueberschrift„Der Krieg im Land“: „Wir werden an jedem neuen Kriegstage an unser hehres Friedensziel denken. Aber die Arbeit für den Völkerfrieden ruht jetzt. Andere Sorgen drängen. Urs alle beherrscht jetzt nur die eine Frage: Wollen wir siegen? Und unsere Antwort lautet: Ja! Was man immer uns angetan hat, in diesem Augenblick empfinden wir alle die Pflicht, vor allem andern gegen die russische Knutenhoerschaft kämpfen. Deutschlands Frauen und Kinder sollen nicht das Opfer russischer Bestialitäten werden, das deutsche Land nicht dinr Beute der Kosaken. Denn wenn der Dreiverband siegt, wird nicht ein englischer Gouverneur oder ein französischer Republikaner, sondern der Russenzar über Deutschland herrschen. Deshalb verteidigen wir in diesem Augenblick alles, was es an deutscher Kultur und deutscher Freiheit gibt, gegen einen schonungslosen und barbarischen Feind. Nicht mit Hurra und nicht mit Haß gegen den russischen Arbeiter, nicht mit Gott für den König, aber für die deutsche Freiheit und die Unabhängigkeit des deutschen, Volkes werden unsere Genossen in den Kampf ziehen, entschlossen, sich in ihrer Pflichterfüllung gegen das Vaterland von keinem der bisherigen Wortpatrioten übertressen zu lassen. Gestundete Zölle und Reichssteuern Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht folgende Bekanntmachung betressend sosortige Einzahlung gestundeter Zölle und ReichsAus Grund der mir für den Fall der Kriegsgefahr beigelegten Besugnisse bestimme ich: 1. Die zurzeit gestundeten und nach den gesetzlichen Vorschriften noch zu stundenden Beträge an Zöllen und Reichssteuern, mit Ausnahme der Erbschaftssteuer, sind bei der zuständigen Zoll= oder Steuerstelle gegen Gewährung eines Abzuges von 6¼ vom Hundert für ein Jahr sogleich bar einzuzahlen, sosern der Stundungsnehmer es nicht vorzieht, in Höhe der gestundeten Beträge Wechssel zu zeichnen und zu übergeben. Diese Bestimmung sindet keine Anwendung, wenn die zum Zeitpunkt fällig werdenden gestundeten Beträge zusammen die Summe von 300 Mark nicht überreichen, doch steht es den Stundungsnehmern in diesem Falle stei, die Beträge gegen Gewährung des in Absatz 1 festgesetzten Abzuges sosort bar einzuzahlen. 2. Die Anrechnung noch nicht fälliger Branntweinsteuervergütungsscheine, Branntweinsteuergutscheine und Zuckervergütungen auf gestundete Abgaben ist bis auf weiteres ausgeschlossen. Der Reichskanzler. In Vertr.: Kühn. Unsere Ernte in Gefahr. Deutschland steht unter Wassen. Jeder Tag ruft Tausende von Landwirten und landwittschaftlichen Arbeitern vom Felde. Unsere Ernte ist in Gejahr, auf den Feldeern zu verderben. Hilse, rascheste, tatkräftigste Hilse tut not. Hunderte von Schülern stehen bald untätig auf den Straßen. Ein großer Teil Volkskraft liegt dort brach. Er muß für die Ernte sofort nutzbar gemacht werden, bei der sich alle Schüler und Schülerinnen werden, bei der sich alllle Schüler und Schüberinnen, Lehrer und Lehrerinnen, alle Kräfte, die frei sind, zur Landarbeit melden, von der aus sie an die Landwirte verteilt werden können. Keiner schätze seine Kraft, sein Können zu gering. Ein starker Wille kann alles, alles kann gelernt werden. Die Landwirte wissen dann, wo sie Hilse finden können. Auf, helsen wir alle dem deutschen Bauern, helfen wir dem Vaterlande. Der gleicheen Sorge um die Ernte entspringt folgende Zuschrift: Nach der eingetretenen Mobilmachung, welche gerade der Landwirtschaft viele Arbeitskräfte entzieht, erscheint es, zumal mit Rücksicht aus die bevorstehende Ernte, von der allergrößten Bedeutung, für tunlichsten Ersatz der sehlenden Arbeitskräfte zu sorgen. An der anderen Seite wird damit zu rechnen sein, daß eine große Anzahl von Arbeitern in den großen Industrieorten arbeitslos wird, so daß sich auch für diese die Notwendigkeit ergibt, sich nach anderer Arbeitsgelegenheit umzusehen. Auf solche Weise wird es der Landwirtschaft möglich sein, wenigstens bis zu einem gewissen Grade Ersatz an Landarbeitern zu sinden. Die Vermittelung dieses Arbeitsaustausches ist den dem Verbande westfälischer Arbeitsnachweise angeschlossenen kommunalen Arbeitsnachweisstellen übertragen. Es ergeht somit an die Landwirte das Ersuchen, etwaigen Arbeiterbedars bei dem nächstgelegenen Arbeitsnachweis, der eventuell bei der Landwirtschaftskammer in Münster zu erfragen ist, baldigst anzumelden; die industriellen Unternehmungen andeverseits, welche zur Betriebeinschränkung oder =Einstellung genötigt sind, müßten im Interesse ihrer Arbeiter, der Landesverteidigung und der Sssssn 81 Roman von Ewald Ang. König. Aber er trug Sie hier nun wohl auch nicht oft mehr sehen, Herr Notar?“ erlaubte der diener sich zu fragen. „Wahrscheinlich nicht, aber ob es dadurch bes. ser wird, das steht auf einem andern Blatt# schrieben," erwiderte der Notar ironisch,„Ihr werdet keine Freude daran haben, wenn die zukünstige Gnädige das Regment füähgr, In„uern Augen bleibt sie die Tochter des Fe####-, deren Hochmut Euch oft geuug geärgert hat.“ „Verzeihen Sie, wir haben sie bereits von einer besseren Seite kennen gelernt,“ sagte Jakob chelnd,„sie wird uns eine gütige Herrin seil „Und ihr Herr Papa sitzt mitten unter Euch Aluch das ist eine falsche Voraussetzung. Der Herr Förster tritt in den wohlverdienten verraten. „Verloren!“ murmelte er, als der Wagen vor dannen rollte,„alles verloren! Ich spiele va und meine Rechnung war falsch. Nun sind wir am Ende angekommen und es bleibt mir nur noch übrig, das letzte Opfer zu bringen.“ Er kam in scheinbar heiterer Stimmung am Abend dieses Tages nach Hause. Georg war nicht anwesend, der alte Mann fragte einige Male nach ihm, bevor er zu Bette 919.„ zumer bie... Er hatte in seinem Arbeitszium### bis in die Nacht hinein gearbeitet und einige Flaschen schweren Weines getrunken. Das letzte Glas nahm er mit ins Schlafgemach, man fand es am nächsten Morgen in Scherben auf dem Fußboden,— der Notar Tellenbach war tot, es schien ein saufter, plötzlicher Tod gewesen zu sein, ein friedlicher Zug lag inn die erstarrten Lippen. Der Hausarzt war soDer Dotor gaiger gag Haug sent, die Zin gabinet des Baters fand Georg Genügsam. Hans:„Mutter, der Großvater kratzt sich so viel am Kopp!“— Großvater:„O, laß mich doch, Haus,— des is ja's einzige Vergnüge, was ich noch auf der Welt hab'.“ Fischerei. Vater(zu seinem Sohn):„Ich sag' der— dort der Backfisch is e' Goldfisch— sei kei Stockfisch!“ Begründeter Stolz.„Selbst ist der Mann, das ist mein Wahlspruch. Die 30000 Mark Vermögen, die ich besitze, habe ich mir nicht etwa schenken lassen oder sie geerbt— nein, die habe ich selbst— in der Lotterie gewonnen. Aus dem Himmel gefallen. Dame: „Was kostet der Meter von diesem Stoff?“— Prinzipalssohn:„Einen Kuß!“— Dame:„Dann bitte ich um drei Meter— meine Großmama wird es bezahlen!“ EinZopf. Diener(der zum ersten Male die Briefe für seinen Herrn, bei dem er soeben eingetreten ist, auf der Post abholen soll):„Ist etwas für den Herrn Rat da?“— Beamter:„Haben Sie einen Schein, der Sie ermächtigt, Briefe für den Herrn Rat in Empfang zu nehmen?"— Diener „Nein.“— Beamter:„Daun gehen Sie nach Hause und holen Sie ihn!“— Diener(nach einer halben Stunde zurückkehrend):„Hier ist der Schein.“— Beamter(nachsehend):„Nein— es ist kein Brief Ein Schwerenöter. Köchin:„Wie können Sie sich unterstehen, mich zu küssen, Herr Studiosus?“—„Auf Besehl meiner Taute! Sie hat gesagt: ich soll mir das Beste holen, was die Küche aufzuweisen vermag!“ Auchein Grund. A.:„. Was? Sie sind Mitglied geworden vom Bürger=Säugerkranz? Sind Sie denn so musikalisch?“— B.:„Das n — aber wissen S', nach dem Singen triegt ma' immer so an' schöna Durscht!“ Bettlerlogik. Bettler:„.... Bloß zehn Pfennig?— Ich bettle in dem Haus schon zehn Jahr'— da könnt'n S' mich schon amal aufbese sern!“ Ehrlich und geschickt. Ein alter Lebemann erteilt seinem Neffen Lehren.„Siehst Du,“ meint er,„in unserer Welt ist Ehrenhaftigkeit absolute Regel, aber ebenso unerläßlich ist Geschicklichkeit.“—„Gut, Onkel, aber worin besteht die Ehrenhaftigkeit?“—„In der Erfüllung aller eingegangenen Verpflichtungen.—„Und die Geschicklichkeit?—„Daß man keine Verpflichtungen einZarter Wink. Leutnant:„Was täten Sie, Fräulein Lori, wenn ich Sie jetzt fest in meine Arme nähme und Ihnen die rosigen Lippen mit einem Kusse verschließen würde?“— Lori:„Mein Gott, dann wäre ich ja wehrlos!“ Sein Teil. Richter:„Warum haben Sie dem Direktor eine Ohrfeige gegeben?"— Angeklagter Schanspieler:„Mir hat nach der Vorstellung ein Zuschauer eine gegeben, und wir spielen ja auf Teilung!“ Größter Schrecken. Kapitän:„Meine Herrschaften, wenn der Sturm noch eine Stunde so fortwütet, geht das Schiff mit Mann und Maus unter.“— Dame(laut aufschreiend):„Um Himmelswillen, sind denn Mäuse auch an Bord?“ Keine Gefahr. In einer Schule hat man den Kindern verboten, zum Unterricht zu kommen, im Falle zu Hause eine ansteckende Krankheit herrsche. Die kleine Else stürzt eines Morgens in die Klasse zu der schon etwas ältlichen Lehrerin und ruft:„Ich hab' einen Bruder gekriegt, und Mutti ist krank, Papa sagt aber, daß es nicht austeckend ist!“ Der Pantoffelheld. Richter:„Warunsetzten Sie sich nicht zur Wehr, als Ihnen der Angeklagte entgegenstürzte, und Sie mit den Fäusten bearbeitete?“— Zeuge:(kleinlaut):„Entschuldigen Sie, ich dachte, es sei— meine Frau gewesen!“ 214.18 nd Reichsie Zeitung" verung betressend soZölle und ReichsFall der Kriegsstimme ich: id nach den gesetzdendeen Beträge an lusnahme der Erbndigen Zoll= oder eines Abzuges von sogleich bar einzuhmer es nicht vorBeträge Wechsel zu se Bestimmung sindie zum Zeitpunkt Beträge zusammen ht überreichen, doch in in diesem Falle ung des in Absatz 1 einzuzahlen. fälliger BranntSranntweinsteuergutauf gestundete Abgeschlossen. n Vertr.: Kühn. n Gefahr. sssen. Jeder Tag ruft d landwittschaftlichen Ernte ist in Gejahr, . Hilse, rascheste, tathen bald untätig auf Volkskraft liegt dort sofort nutzbar gemacht ler und Schülerinnen iler und Schüberinnen, Kräfte, die frei sind, der aus sie an die können. Keiner schätze gering. Ein starker gelernt werden. Die ie Hilfe finden können. utschen Bauern, helfen e Ernte entspringt folMobilmachung, welche diele Arbeitskräfte entRücksicht aus die bevorgrößten Bedeutung, für enden Arbeitskräfte zu ite wird damit zu rechnzahl von Arbeitern in arbeitslos wird, so daß stwendigkeit ergibt, sich enheit umzusehen. Auf Landwirtschaft möglich tem gewissen Grade Ernden. Die Vermittelung ist den dem Verbande ise angeschlossenen komellen übertragen. Landwirte das Ersuchen, bei dem nächstgelegenen tuell bei der. Landwirtzu erfragen ist, baldigst len Unternehmungen anetriebeinschränkung oder , müßten im Interesse esverteidigung und der schon amal aufbese ickt. Ein alter LebeLehren.„Siehst Du,“ st Ehrenhaftigkeit abverläßlich ist Geschickber worin besteht die er Erfüllung aller ein—„Und die GeschickVerpflichtungen einant:„Was täten Sie, je jetzt fest in meine rosigen Lippen mit rde?“— Lori:„Mein rlos!“ „Warum haben Sie gegeben?"— Angehat nach der Vorsteljeben, und wir spielen u. Kapitän:„Meine rin noch eine Stunde f mit Mann und Maus schreiend):„Um Himise auch an Bord?“ keiner Schule hat man m Unterricht zu komsie ansteckende Krankheit türzt eines Morgens in vas ältlichen Lehrerin Bruder gekriegt, und aber, daß es nicht au#ld. Richter:„Warunehr, als Ihnen der Anind Sie mit den Fäusten leinlaut):„Eutschuldi— meine Frau gewe214.18 Volksernährung, die verdienstlos werdenden Arbeiter auf diese Arbeitsgelegenheit ausmerksam machen und sie an die Vermittlungsstellen verweisen. Es muß jedensalls alls versucht werden, die anstehende Ernte zu bergen. Ein annehmbarer Vorschlag. Die„Leipziger Neuesten Nachrichten“ machen angesichts des drohenden Krieges folgenden beachtenswerten Vorschlag: Unter den Maßnahmen, die schleunigst zu trefsen sind, besteht hoffentlich auch die Einbehaltung der russichen Erntearbeiter, die noch auf deutschem Boden weilen. Mit der Zahl von weit über 50000 Mann nicht der schlechtesten Soldaten stellen sie ein volles russisches Armeekorps dar. Gerade so, wie man in Oesterreich alle serbischen Reservisten kurzerhand verhaftet, stelle man diese russischen Reservisten bei uns sosort unter militärischer Bewachung, wozu Landsturmleute genügen, und lasse die Erntearbeiten vollenden und interniere sie dann an geeigneten Orten. Deutschlands Geldbedarf im Kriegsfall. Die unheimliche, kriegsdrohende Weltlage, die die österreichische Kriegserklärung an Serbien geschaffen hat, lenkt den Blick ganz naturgemäß auf unsere finanzielle Kriegsbereitschaft, die, wie gleich vorweg bemerkt sein mag, nichts zu wünschen übrig läßt. Sehen wir zunächst einmal, welche Kosten für einen zukünftigen Krieg auf Grund der in früheren Kriegen gemachten Erfahrungen in Ansatz zu bringen sind. Wenn man bedenkt, daß im russischjapanischen Kriege Rußland pro Mann und Tag 10 Mark ausbringen mußte, und daß im deutschfranzösischen Kriege die Ausgaben pro Mann und Tag auf 6 Mark zu berechnen sind, so wird man angesichts der verteuerten Lebenslage heute damit rechnen müssen, daß pro Kopf und Tag heute ein Aufwand von 10 Mark nötig ist. Dabei darf freilich nicht außer Betracht bleiben, daß bei den Massenhoeren der Gegenwart eine lange Dauer eines intensiv geführten Krieges der Großmächte als ausgeschlossen gelten muß. Immerhin wird man gut tun, zur Vermeidung eines Trugschlusses die Dauer eines Zukunstskrieges auf ein Jahr zu berechnen. Nimmt man das an und legt der Berechnung eine am Kriege beteiligte Truppenmacht von drei Millionen Köpsen zugrunde, so ergibt sich für einen Zukunftskrieg von einjähriger Dauer ein Kostenauswand von elf Milliarden Mark. Von dieser Summe würde ein Hauptteil, der mit einem Achtel des Gesamtbetrages nicht zu hoch berechnet ist, schon in den ersten Wochen der Mobilmachung fällig werden, da der Aufmarsch und die Armierung der Festungen bedeutende Summen in Anspruch nehmen. Diese rein militärischen Mobilmachungskosten erhöhen sich weiterhin noch durch den gesteigerten Bedarf von Handel, Industrie und Landwirtschaft, die das Zurückziehen von Guthaben, Spargeldern und Depositen nötig macht. Nimmt man die Geldbedürfnisse von Handel, Industrie und Landwirtschaft mit 1000 Millionen Mark an und die Rückforderungen der ängstlich gewordenen Sparer mit 250 Millionen Mark an, so ergibt sich ein Gesamtbedarf von 2600 Millionen Mark, der für die ersten Mobilmachungswochen eines europäischen Krieges vorhanden ist. Wir haben die Beruhigung, daß die finanzielle Leistungsfähigkeit und Bereitschaft Deutschlands, die in Frankreich zumal in jüngster Zeit häufig angezweifelt wurde, so hochentwickelt ist, daß die Dedung der entsprechenden Bedarssquote dem deutschen Geldwesen keine Schwierigkeiten bereitet. Ist doch unser Volksvermögen im Laufe der langen Friedensjahre in ungewöhnlichem Grade erstarkt. Nach einer Schätzung Schmollers aus dem Jahre 1902 war das deutsche Nationalvermögen damals mit 200 Milliarden anzunehmen, und seither kann man gut und gern mit einer durch die Ersparnisse bedingten Anreicherung von zwei bis drei Milliarden im Jahre rechnen. Berücksichtigt man daneben die Wertsteigerung, so dürfte eine Schätzung des deutschen Volksvermögens auf 240 Milliarden Mark kaum zu hoch gegriffen sein. Fügt man weiter hinzu, daß das Gesamteinkommen des deutschen Volkes auf rund 30 Milliarden zu berechnen ist, so würden fünj Prozent des Volksvermögens oder drei Prozent des Volkseinkommens genügen, um die Gesamtkosten eines einjährigen Krieges zu decken. Das sind Ausfälle, die durch die Ersparnisse in vier bis fünf normalen Friedensjahren bequem wieder eingebracht werden können. Dazu kommt, daß Deutschland auch in Sachen der Staatsschuldenlast ungleich besser gestellt ist, als andere Länder. Während von der Staatsschuld auf den Kopf der Bevölkerung in Frankreich 513.32 Mark, in England 330.73 Mark entsallen, beläuft sich der Betrag für Deutschland auf nur 309.49 Mark, wobei nicht außer Acht bleiben darf, daß über die Hälste der deutschen Staatsschulden in produktiven Unternehmungen wie Eisenbahnen und Bergwerken werbend angelegt worden ist. Und daß unsere Großbanken allen Eventualitäten gegenüber stark genug gerüstet sind, um ihrerseits die Flottheit der Mittel in kritischer Zeit zu verbürgen, ist eine Tatsache, mit der so sicher gerechnet werden kann, wie mit der starken Goldrüstung der Reichsbank, in der die sinanzielle Kriegsbereitschaft des Deutschen Reiches ihren ämposanten Ausdruck findet. Kurz, wir haben die beruhigende Sicherheit, daß Deutschland sinanziell auf alle Fälle gerüstet und daß das deutsche Volk nach Maßgabe seines Einkommens und Vermögens durchaus befähigt ist, die Lasten eines Krieges zu tragen. Aus Stadt und Umgebung. An unsere Leser! Die Geschichte der letzten Kriege ist reich an Beispielen, wie leicht durch unvorsichtige Nachrichten dem Gegner der Aufmarsch der eigenen Kräfte verraten worden ist. Durch solche Mitteilungen kann das Vaterland selbstverständlich leicht in Gefahr geraten. Unseren Feinden wird jede unvorsichtige Veröffentlichung auf tausend Wegen mit Blitzesschnelle zugetragen. Die militärischen Maßnahmen sollen daher dem Gegner und auch dem eigenen Lande geheim gehalten werden. Deshalb werden in den nächsten Tagen nur wenige und nur kurze und vor allen Dingen von uns keinerlei unbestätigte Sensations=Nachrichten verbreitet werden. Alles Anrufen der Zeitungen hat beshalb auch keinen Zweck. Daß Kriegsministerium verkennt nicht, daß Ungewißheit und Zweifel in diesem Augenblick doppelt schwer empfunden werden, aber das Wohl des Vaterlandes fordert das Opser strenger Verschwiegenheit in allen Fragen, die zum deutschen Heere und zur deutschen Flotte oder zu der Streitmacht der Verbündeten in irgend welcher Beziehung stehen. *(Warnung an das Publikum.) Wir machen die Bevölkerung nochmals darauf aufmerksam, daß der vom kommandierenden General des 7. Armeekodps erklärte Kriegszustand nach ausgesprochener Mobilmachung sortbesteht. Alle in der Bekanntmachung angesührten Anordnungen behalten ihre Gültigkeit; insbesondere weisen wir darauf hin, daß alle Wirtschaften um 10 Uhr abends zu schließen haben. Am Tage darf keine Versammlung von mehr als 10 Personen auf Straßen und auf össsentlichen Plätzen sstattfinden. Versammlungen bei Nacht sind gänzlich verboten. Versammlungen in geschlossenen Räumen zu anderen als geselligen oder kirchlichen Zwecken bedürfen der Genehmigung. Wir warnen die Einwohner, sich zu Aufläufen oder gar zu Aufruhr hinreißen zu lassen, weil hierauf schwere Strafen stehen. *(Das Wetter im August.) Nach den Mondvierteln soll folgendes Wetter zu erwarten sein; Vollmond den 6. deutet auf Regen mit Sonnenschein gemischt.— Letztes Viertel den 14. ist schwül und trübe.— Neumond den 21. ist trocken und windig. — Erstes Viertel den 28. stellt sich mit Regen ein. **(Vom Monat August.) Bei den Römern war der August der sechste Monat im Jahre. Sie nannten ihn daher ursprünglich Sextilis. Später erhielt er seinen Namen nach dem Kaiser Augustus, der in diesem Monat verschiedene Glücksfälle erlebte. Der Sextilis hatte nur 30 Tage, da aber der Juli als Ehrenmonat des großen Julius Cäsar deren 31 zählte, gab man dem August auch 31 auf Kosten des Februars. Die germanischen Völker nannten den August Aehren= oder Erntemonat. Und da man im Mittelalter die Ernte Augst oder Eust nannte, kann man den Namen auch aus diesem Worte herleiten. Tatsächlich nannte man im Mittelalter den Juli den ersten Augst und den August den zweiten Augst. Die Sonne tritt jetzt in das Zeichen der Jungfrau. Die mittlere Temperatur des Augusts ist niedriger als die des Juli. Der Bauer wünscht sich einen recht trockenen und heißen August, denn er sagt:„Was der August nicht kocht, wird der September nicht mehr braten.“ Die Sonne lacht in diesen Tagen noch auf die Fluren herab, und das behagt dem Landmann, denn:„Im August viel Sonnenschein, läßt geraten Korn und Wein.“ Der Augustmond hat vom Volle mancherlei Namen erhalten, man nannte ihn sowohl Hitzmonat oder Hochmonat wegen der Hitze, die gewissermaßen das Obst reif kocht. Verschiedentlich heißt er auch Schnittmond, da in ihm ja meist der Rest der Ernte geschnitten wird. In seinen letzten Tagen, wenn die Hundstage vorbei sind, sinkt die Temperatur etwas, und es wird wieder behaglicher. **(Hausfrauen, ruhig Blut!) Wie vielerorten, so hört man jetzt auch hier vielfach Frauen mit banger Soyge äußern, daß insolge des Krieges eine Verteuerung der Lebentsmitthl eintreten könnte und deshalb die Versorgung mit möglichst großen Vorräten ratsam sei. Nichts sallscher als dieses! Die meisten Haushaltswaren, wor allem Mehl und die jungen, eben erst ausgemachten Kartoffeln, eignen sich gar nicht zu längerer Ausbewahrung, sondern fallen, zumal in dieser Sommerhitze, bald dem Verderben anheim, indem sie Würmer bekommen oder faulen. Auf der anderen Seite ist ein hinreichender Vorrat an Nahrungsmitteln im Lande, um uns auf Monate hinaus vor Hungersnot zu schützen, auch werden Eisenbahnwagen mit Lebensmitteln jederzeit befördert, und es ist also auch keine Unterbindung der Zufuhr zu besürchten. Wenn auch begreiflicherweise in nächster Zeit ein geringes Anziehen der Preise zu gewärtigen ist, so bleibt es doch bestimmt in niedrigsten Grenzen. Fälle von Brotwucher, die hie und da aus großen Städten gemeldet werden, und bei denen die„Nepper“. auch unter den kopflosen Frauen reichlich Opfer gefunden haben, kommen zum Glück bei uns hier nicht vor. Darum, Hausfrauen, bleibt ruhig und macht keine unnötigen Einkäufe! Sie sind reine Geldverschwendung! *(Sanitätskolonne.) Der gestrige Aufruf der hiesigen Sanitätskolonne ist auf fruchtbaren Boden gefallen. In der gestrigen Versommlung im „Reiche des Wassers“ stellten sich der Kolonne eine größere Anzahl Bürger unserer Stadt für Krankentransporte etc. zur Versügung. Dieselben sollen zunächst in einem Kursus ausgebildet werden. Der erste Unterricht wird bereits heute abend von 8 bis 10 Uhr im„Reiche des Wassers“ erteilt. Von heute ab ist eine ständige Sanitätswachs seitens der hiesigen Kolonne auf dem Bahnhof eingerichtet. Die edlen Bestrebungen der im Dienst des roten Kreuzes stehenden Männer seien der allgemeinen Unterstützung der gesamten Bürgerschaft warm empfohlen. **(Zur Aufklärung.) Vielfache Anfragen veranlassen uns darauf hinzuweisen, daß die Mannschaften des Landsturmes des 7. Armeekorps nicht aufgerufen sind. Alle diese Mannschaften ohne Ausnahme der Jahresklassen haben sich somit zur Zeit nicht zu melden, sie warten vielmehr ihre Ordre ab, die durch Bekannimachungen in den Tageszeitungen erfolgt. *(Steuerliches.) Am Donnerstag, 6. d. M., hält der Vorsitzende der Einkommensteuer=Veranlagungskommission in der Zeit von 3 bis 4½ Uhr Sprechstunden in Steuersachen hier im Stadthause an der Kampstraße ab. * Westhofen, 4. August(Steuerhebetermine.) Die nächsten Steuerhebetermine für den hiesigen Amtsbezirk werden wie solgt abgehalten: Villigst am 5. August, nachm. 3½ Uhr bis 4 Uhr im Grave'schen Lokal, für Westhosen am 6. August, vorm. von 9 bis 12 Uhr im Kassenlokal, für Syburg, Wandhofen und Garenfeld am 7. August, vorm. von 9 bis 12 im Kassenlokal zu Westhosen, für Holzen am 10. August, vorm. von 9½ bis 10½ Uhr bei Prein, von 11 bis 12 Uhr bei Eisenberg, am 11. August vorm. von 9½ bis 11 Uhr bei Michel, für Lichtendorf am 12. August, vorm. 9½ bis 11 Uhr bei Hauske, für Gei“ secke am 13. August, vorm. 9½ bis 10¾ Uhr bei Schulte=Höppe. AAltena, 3. August.(Ein Wachtposten überfahren.) Auf der Strecke Altena=Siegen wurde von einem Schnellzuge bei der Ueberfahrt über eine Brücke ein militärischer Wachtposten überfahren und sofort getötet. * Hattingen, 3. August.(Einiges Aufs sehen) erregte hier die Verhaftung des Zigarvenhändlers Jo)es Rustiger aus Elberseld, der hier seit vier Wochen ein Erschäft unterhielt und auf großem Fuße lebte, obgleich das Geschäft nicht gut ging. In Elberseld hatte er dem begüterten Junggesellen Sattler Schmidt=Elberfeld ein wertloses Geschäft mit nichtbezahlter Ladeneinrichtung für 3000 Mark verkauft und 2600 Mark darauf erhalten. Das Geld hat er durchgebracht. Früher verwichste der Jüngling 8000 in 1 Monat und danach kam er 2 Jahre ins Gefängnis. Feldpostsendungen an die Angehörigen des Heeres u. der kaiserl. Marine. Für die Feldpostsendungen in Privatangelegenheiten an die Angehörigen des Heeres und der kaiserlichen Marine gelten während des mobilen Verhältnisses nachbezeichnete Portovergünstigungen: 1. Portofrei werden befördert: a) gewöhnliche Briese bis zum Gewicht von 50 Gramm, d) Postkarten und c) Geldbriese bis zum Gewichte von 50 Esamm und mit Wertangabe bis zu 150 Mark. 2. Portoermäßigungen: Das Porto beträgt für a) gewöhnliche Briese über 50 Gramm bis zu 250 Gramm schwer 20 Pg., b) Geldbriefe über 50 Gramm bis 250 Gramm schwer mit Wertangabe bis zu 150 Mark 20 Pfg., c) Geldbriese bis zu 250 Gramm schwer mit einer Wertangabe von über 150 bis 300 Mark 20 Pfg., über 300 bis 1500 Mark 40 Pfg., d) Postanweisungen über Beträge bis zu 100 Mark an die Angehörigen des Feldheeres und die Besatzungen der zu den Seestreitkräften gehörigen Kriegsschiffe usw. 10 Pfg. Zu dn Angehörigen des Heeres zählt auch das auf dem Kriegsschauplatz in der freiwilligen Krankenpflege zur Verwendung kommende Personal a) der deutschen Landesvereine vom Roten Kreuz und der mit ihnen verbundenen Vereine sowie der Ritterorden— Johanniter=, Malteser=, St. Georgsritter—, b) derjenigen Vereine, Gesellschaften usw., die auf Grund des Gesetzes zum Schutze des Genser Neutralitätszeichens vom 22. März 1902 von dem zuständigen Kriegsministerium zur Unterstützung des Kriegssanitätsdienstes durch besondere Bescheinigung zugelassen sind. Sendungen, die rein gewerbliche Interessen der Absender oder der Empfänger betressen, haben auf Portovergünstigung keinen Anspruch und unterliegen daher dem gewöhnlichen, tarifmäßigen Porto. Das Porto muß stets vorausbezahlt werden. Unfrankierte oder unzureichend frankierte portopflichtige Sendungen werden nicht abgesandt. Die Ausschrift der Feldpostsendungen muß den Vermerk„Feldpostbrief" enthalten und genau ergeben, zu welchem Armeekorps, welcher Division, welchem Regiment, welchem Bataillon, welcher Komnagnie oder walchem sonstigen Ti Rontpuagnie Eder welichem fitzigen Truppenteil oder Kriegssthiffe der Empfänger gehört, sowie welchen Dienstgrad und welche Dienststellung er bekleidet. Formulare zu Feldpostkarten werden bei den Postanstalten sowie den amtlichen Verkaussstellen für Postwertzeichen an das Publikum verkauft werden. Einstweilen können die gewöhnlichen ungestempelten Postkartenformulare Verwendung finden. Bei denselben Stellen werden auch Formulare zu Feldpostanweisungen an die Angehörigen des Feldheeres, mit Freimarken zu 10 Pfg. beklebt, zum Verkauf für den Betrag der Freimarke bereitgehalten werden. Zu Pestanweisungen an die Besatzungen der Kriegsschifse sind die gewöhnlichen Formulare zu benutzen. Einschreibsendungen in anderen als Militärdienstangelegenheitem, Postaufträge, Briefe mit Zustellungsurkunde und Postnachnahmesendungen sind von der Beförderung durch die Feldpost ausgeschlossen. Privatpäckereien nach dem Heere werden bis auf weiteres gegen die sonst üblichen Portosätze noch angenommen. Zur Fördedung des Abgabsgeschäfts ist es jedoch notwendig, daß diese Sendungen frankiert zur Post gegeben V65. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte Damen, welche beabsichtigen sich bei der demnächst wahrscheinlich nolwendigen Pflege von Verwundelen in unserer Stadt zu beteiligen, können scch zwecks sofortiger Ausbildung im katholischen Kranhenhause melden. Schnurbus, Pfarrer. Dr. Goeche. Da für Mittwoch, den 5. August, ein allgemeiner Landes-Buss- und Bettag angeordnet ist, findet für beide evgl. Gemeinden Gottesdienst statt, in der grossen evgl. Kirche um 9½ Uhr. Das Presbyterium Das Presbyterium der luth. Gemeinde, der ref. Gemeinde. Kath. Pfarrkirche, Schwerte. 6 Uhr: Aussetzung des Allerheiligsten. 7 Uhr: Frühmesse...(Meialbelsen Latalogsrei 9 Uhr: Hochamt. Kollekte für die Angehorigen Holzrahmenmatr, Kinderbeilen der Kriegsteilnehmer. 5843] Eisenmöbelfabrik, Suhl i. Th. Agechlostene Etagen von 4 Zimmern, Speisekammer, Badezimmer, Mansarde und Gartenland per 1. Oktober zu vermieten. 4443 Wilh. Luck, Baugeschäft. Schwerte, Königstr. Ich habe sofort folgende gebrauchte landwirtschaftliche Geräte: 1 Karre, 1 Pflug, 3Eggen, 1 Kartofselhäufer und 1 Holzegge gegen dau oder Kredit zu verkaufen. O. Schmidt 5341 Hohenzollernstr. 5. Flechten näss. u. trockene Schuppenflechte, Bartllechte, skroph. Ekzema, Hautausschläge Offene Füße Aderbeine, alte Wunden werden wirksam bekämpft durch die bewährte u. ärztl. ernpichlene Rino-Salbe Prei von schädl. Bestandteil. Dose M. 1.15 u. 2.25 Orig,Kackungnes geachütet Pich. 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Die Beerdigung findet vom Trauerhause, Kronenstraße 24, aus statt. Der Tag wird noch näher bekannt gegeben. 5336 Schwerte(Ruhr) Unna Statt Karten Die Verlobung meiner Tochter INA mit dem Herrn JOSEPH KORTE beehre lich mich hierdurch anzuzeigen Frau Witwe Johann Feit. Schwerte, August 1914. ina Feit jOSCpI Korte Verlobte. Schwerte Recklinghausen August 1914. 5338 Ein bewährtes Rezept gegen schnelles Ermüden ist das Tragen von Continental-Absätzen. Sie ermöglichen einen leichten, elastischen Gang, der den Körper nicht ermüdet und nicht erschüttert. Verlangen Sie aber ausdrücklich von Ihrem Schuhmacher Absätze Continental Hüten Sie sich vor Nachahmungen! Ich Verkäufe! EMII, LOHMANN und FRAU TONI geb. Ashauer zeigen ihre Vermählung an. 5333 C Westhofen i. W. 4. August 1914. Hagen i W. Boclerstr. 19. 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Der Postverkehr zwischen Deutschland, Rußland und Frankreich ist gänzlich eingestellt und findet auch gzigderz, ege über andere Länder nicht mehr statt Es werden lei Postsendungen nach den angegebenen fremden Ländern mehr angenommen, bereits vorliegende oder durch die Brieskasten zur Einlieferung gelangende Sendungen werden den Absendern 0 Der prioate Telegraphen= und Fernsprechverkehr zu und von diesen Ländern ist ebenfalls eingestellt. Bekanntmachung. Vorkommnisse der letzten Tage veranlassen mich. vor vorzeitiger Abhebung der bei den Sparkassen angelegten Gelder eindringlich zu warnen. Es liegt kein Grund vor, die bei den Sparkassen untergebrachten Gelder ohne dringendes Bedürfnis abzuheben. Die Garantieverbände, d. h Kreis oder Gemeinde. haften für die Sparkassenguthaben. Die Sparkassen stehen zwar unter staatlicher Aufsicht, eine Inanspruchnahme der in ihnen beruhenden privaten Gelder durch Staat oder Reich ist jedoch ausgeschlossen. Ebenso sind diese Gelder als Privateigenlum völkerrechtlich unantastbar, d. h. auch dem Zugriff des entzogen. Auch die bei anderen Geldinstituten wie Banken usw. in Verwahrung gegebenen Gelder genießen den gleichen völkerrechtlichen Schutz und sind der Inanspruchnahme den eigenen Staat wie durch den Feind ebenfalls entzogen. Ferner weise ich darauf hin, daß die Reichsbanknoten(d. h. die auf 20 Mark und darüber lautenden Noten) gesetzliches Zahlungsmittel sind, also von jedermann in gleicher Weise Gold in Zahlung genommen werden müssen(Artikel bei allen Reichs= und Staatskassen in Zahlung genommen, z. B. bei Steuerzahlungen, und von der Reichshauptkasse in Berlin jeder Zeit auf Erfordern gegen bares Gets, eingelöst (§ 5 des Reichsgesetzes vom 30. April 1874, R G.L.. S. Auch die Annahme von Reichskassenscheinen ist demnach völlig (Es ist Pflicht jedes Einzelnen, durch Ruhe und Besonnenheit dazu beizutragen, Schwierigkeiten im ordnungsmäßigen Geldverkehr nach Möglichkeit zu vermeiden. Jeder. der dieser Pflicht nicht nachkommt, verschärft in unnötiger Weise die wirtschaftliche Lage. Ich empfehle daher dringend die genaue Beachtung vorstehender Ausführungen. Münster, den 1. August 1914. 5334 Der Oberpräsident. K. Prinz von Ralidor und Corven. Bekanntmachung. Auf Weisung Seiner Majestät des Kaisers sind gegen alle Personen, die bei einem Anschlag gegen Die uu, Iegelen auf frischer Tat ertappt werden, auf der Stelle die scharsseen Alle irgenowie Verdächtigen sind sofort festzunehmen 5387 Chef des Feldeisenbahnwesens. 178 Wollen Sie Guité Bettell kaufen? So geben Sie nur in ein reelles Geschäft zu dem Sie Vertrauen haben. Sie erhalten in dem Bettengeschäft von Otto Wilkes nur garantiert doppelt gereinigte, staubfreie Bettfedern und Daunen zu den bekannt billigsten Preisen. Deschand garantiert federdicht Barelend— und farbecht.— Otto Wilken Bahnhofstr. 19. Schwerte, Bahnhofstr. 19. 1888 Offenstrake zu H. Wiecken Schwerte, können sie 110x100 em. Preis Mk. 1.50. 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Die Baronin Viola von Finkenbach, geborene von Serpenthin, ein armes, adeliges Fräulein, war kaum ein Jahr verheiratet gewesen. Elternlos, sehr liebevollen Herzens und äußerst bescheiden, hatte sie dem sie über alles liebenden um viele Jahrzehnte älteren Baron Leopold von Finkenbach die Hand zum ehelichen Bunde gereicht. Nun waren es bald zwei Jahre, daß sie Witwe geworden. Die reiche Hinterlassenschaft ihres Gatten sicherte ihr ein vollkommen sorgenfreies Leben. Indes—. Werke der Liebe und Wohltätigkeit füllen das Daeines jungen und schönen Weibes nicht aus, das enen 65.. eghach n Und auch die junge Baronin von Finrendach war glücklich, einen so treuen, ihr ergebenen Freund geunden zu haben.„„ gen Iu. Jang. .“ Aber bald fiel ein bitterer Tropfen in Haus von Dahlens Glückseligkeit.= : Eines Nachmittags empsing Hans einen Expreßbrief von der Hand seiner jungen Schwester Herta: Nur wenige Zeilen enthielt derselbe: „Hans, guter Hans!— Komme sofort heim! Es ist etwas Furchtbares geschehen. Man hat den Vater abaeholt und verhaftet— die Mutter ist halb von Sinnen— ich bin unfähig, sie zu trösten— komme sofort, mein teurer Bruder, zu Deiner bekümmerten Schwester Herta.“ Er schrieb in fliegender Hast nur wenige Zeilen an die Baronin Viola, die ihn zur Oper erwartete, dann war er gegangen; er erreichte in aller Hast noch rechtzeitig den Zug, der ihn der Heimat zuführte. Fortsetzung folgt.) 2 Merkwürdige Brautschau. Eine eigentümliche Sitte der Brautschau besteht in dem russischen Städtchen Arsamas, Provinz Nischegorod. Sobald dort eine Jungfrau das 16. Lebensjahr erreicht hat, muß sie sich von allen Belustigungen und Spielen fernhalten und sich zur Brautschau vorbereiten; sie darf ferner weder die Straße noch die Kirche betreten, sondern muß in ihrem mit dichten Vorhängen bedeckten Zimmer sitzen und arbeiten, bis die erste Woche der Fastenzeit herangenaht ist. Am Tage vor dem ersten Fastensonntage wird die Jungfrau zur Beicht zum Abendmahl geleitet und bei dieser Gelegenheit mit den schönsten Kleidern geschmückt, die von den Eltern zu bekommen sind. An dem festlichen Tage versammeln sich so alle heiratsfähigen- Mädchen vor der Kirche und stelle sich in eine Reihe; hinter einer jeden ist eine sogenannte Freiwerberin postiert. Nunmehr nahen sich die heiratslustigen Jünglinge und beginnen die schwere Wahl— schwer, denn sie dürfen weder mit der Jungfrau sprechen, noch sie berühren. Hat nun der Jüngling seine Wahl getroffen, so wendet er sich an die Freiwerberin, erkundigt sich nach den Verhältnissen seiner Auserwählten, ihrem Charakter und der Aussteuer. Ist alles seinen Wünschen entsprechend, dann begibt er sich zu den Eltern des Mädchens, wirbt um dasselbe, und wenn man einig geporhen ist, findet die Hochzeit sogleich nach der Heiligen Woche stalt. Hat eine Jungfrau das Unglück, sitzen oder vielmehr stehen zu bleiben, so muß sie ein ganzes Jahr lang ihre eingezogene Lebensweise fortsetzen, bis sie bei der nächsten Brautschau vielleicht glücklicher ist. Wird sie aber dieses Lebens überdrüssig, so kann sie auf das Heiraten verzichten und erklären,— Nonne werden zu wollen. In diesem Falle macht man ihr keine Vorschriften mehr; sie darf sich ganz wie eine verheiratete Frau überall hinbegeben, kann aber auch gewiß sein, dug sich nunmehr kein Freier mehr um sie bewirbt— es müßt denn ein Fremdling sein, dem die originelle Stadtsitte unbekannt ist. 15 vergangenen Tagen. Der reichste Schulmeister der Welt. Der reichste Schulmeister, der vermutlich auf dieser Erde gewohnt hat, scheint im alten römischen Reiche der Freigelassene Rhemmius lämon aus Vicenza gewesen zu sein. Er hatte eine weit und breit berühmte Schulanstalt, die nur von den Kindern der allerreichsten Leute besucht wurde; das Schulgeld brachte ihm nach unserem Gelde jährlich ungefähr 120000 Mark ein. Daneben aber war Rhemmius Palämon ein vortrefflicher Landwirt und zog große Erträge aus seinen Gütern, auch besaß er eine Papierfabrik und eine Fabrik„käuflicher Kleider“; in beiden Fabriken beschäftigte er eine große Anzahl Leute und verdiente mit seinen Erzeugnissen außerordentliche Summen. Humor. Eine Markerspart.„Papa,“ sagte Hans,„würdest du dich nicht sehr freuen, wenn ich dir eine Mark ersperte? „Aber gewiß, mein Sohn,“ erwiderte der Papa, der über diesen früh erwachten Geschäftseifer so froh war, daß er seinem Sprößling 50 Pfennig schenkte.„Aber wie willst du mir die Mark ersparen?" „Ich habe sie schon erspart,“ sagte Hans und retirierte nach der Tür.„Du hast gestern gesagt, wenn ich dir ein gutes Zeugnis brächte, würdest du mir eine Mark schenken. Ich habe aber keins gebracht.“ Und draußen war er. 1 S SS S2 S 9 60 8 6 89 8 5. 5 5 5 0 S 2 S 212 S S•931. S•7Ss P 29 FrSS: E—2 5 983—88 S SS0 8. Ggg. a E 5811. □5 550 Ss485 S 8 8 8 SC—.E S S 28MS S S 89. S 9 5 80 SSnS S# gSgSTg 38 35SSS S 5 S. S STToESES SSSsOg#s 8 8 5 SSg SSSSäSEST—SSESSS GouP,a E. 3 SüSSER S SSo! à 8 SSE-An P gaee •öTNDI * SpESS.• * SSWTTSBAS * Soss8.22g SOSOES A Teg * BSuine.. Amtliches Kreisblatt 1— für den Kreis börde 46. Jabrgang O Grites und ikelles Cagesorgan des Krelles. 0 0 Gundula. Roman von A. von Crystedt. (22. Fortsetzung.) era schaute den beiden spöttisch lächelnd nach.„Jetzt bekomme ich mein Teil,“ sagte sie,„Gundel läßt kein gutes Haar an mir, und der Herr Papa hebt seine Jüngste in den Himmel. Für meine Vorzüge hat er kein VerS ständnis.“ „Ich kann mir nicht vorstellen,“ entgegnete Stefany ernst,„daß in dieser kurzen Wiedersehensstunde Fräulein Eicke oder ihr Vater auch nur ein ungerechtes oder gar verleumderisches Wort über irgend jemand sprechen olten..,.4 Ihuen Li. Marsicherune daß „Und doch gebe ich Iynen die Versicherung, daß Papa darauf brennt, seinem Herzen Luft zu machen. Er verurteilt Mamas temperamentvollen Sinn, ihren Stolz und ihr Talent, sich in der Gesellschaft Geltung zu verschaffen. Er sieht auch auf mich mit Augen. Wir verstehen uns nie. Wenn ich Mama nicht auf meiner Seite hätte, wäre es ein bejammernswertes Dasein für mich.“ „Ein gespaltenes Lager also,“ versuchte Stefany zu scherzen,„hie Vera— hie Gundula!" „So ist es wirklich!“ rief Vera grollend,„und ein Glück, daß der gute Onkel sie uns entführt hat. war damals noch unduldsamer als jetzt, und wenn ich das Musterkind nur ansah, lief mir die Galle über. „Daß Sie aber auch Ihrer Schwester schweres Leid schusen durch Ihre Gereiztheit, ist Ihnen wohl nie zum Bewußtsein gekommen.“ M, „Ach, nun fangen Sie auch noch an, Moral zu predigen! Wenn Sie es nicht ganz mit mir verderben wollen, so verschonen Sie mich, bitte!“ „Ich hoffe, gnädiges Fräulein, Sie werden selbst noch zu der Einsicht kommen, daß Sie in Ihrer Stiefschwester die beste, treueste Freundin besitzen!" „Nie!“ rief Vera mit leidenschaftlichem Protest, niemals! Das Mädel ist mir unsagbar unsympathisch! Und könnte es denn anders sein? Sobald sie nur in meine Nähe kommt, spielt sie die Vollkommene, Edelmütige, nur, um den Unterschied zwischen uns recht fühlbar zu machen!“ „Sie sind im Irrtum, gnädiges Fräulein, es kann keinen wahrhaftigeren und harmloseren Menschen geben als Ihre Schwester. Ihr ist es Notwendigkeit, gut zu sein und zu handeln. Und wenn sie Ihnen ungewöhnlich hochherzig erscheint, so ist sie es auch. Ihr weicher, zärtlicher Sinn kann sich in Bosheit und Häßlichkeit überhaupt nicht hineindenken.“ „Sie singen ihr Loblied, wie alle anderen. Meinet(Nachdruck verboten.) wegen! Wer mich liebt, muß mich mit all meinen Fehlern hinnehmen, so wie ich bin. Ein Kompromiß gibt es nicht. Gundula und ich bilden zwei grundverschiedene Welten, die ewig getrennt bleiben werden!“ „Vielleicht doch nicht. Die Sanftmut hat schon stärkeren Widerstand besiegt. Vielleicht findet Fräulein Gundula einmal Gelegenheit, Ihnen bedingungslos den Beweis zu liefern, daß sie ein Enger un Gute ist, und so starr werden Sie ja nicht bei Ihrem Ve urteil bleiben, um nicht der besseren Einsicht gern Raum zu geben.“ „Ich kann Ihnen nur noch einmal sagen, Herr Baron, daß Gundula und ich harmonieren wie Feuer In diesem Augenblick kam ihnen Gundula entgegengelaufen mit allen Anzeichen einer freudigen Er„Ich schließe mich der Bitte des Herrn Barons an, liebste Vera,“ rief sie schon von weitem,„bleibe doch bis zum Herbst bei uns, ja? Papa hat seine Erlaubnis gegeben und versprochen, auch Mamas Zustimmung zu erwirken. Ach, es wäre reizend! Sage ja, Verachen, ich freue mich so herzlich auf unser Zusammensein!" Vera hatte mißtrauisch und ungeduldig zugehört. „Was du für Ideen hast, Mädel, es ist nicht zu sagen! Ich sollte mich in dieser Einsamkeit vergraben, nur damit du eine Gesellschafterin bekommst? Danke bestens! Papa weiß doch, daß Paris das Ziel unserer Sehnsucht ist. Aber ich glaube zu verstehen: Er will die kostspielige Reise vereiteln, und als Entschädigung dafür bietet er mir deine Gesellschaft? Plan, den ihr da ausgeheckt habt, nur schade, daß er mir so wenig verlockend erscheint. Ich bestehe auf meiner Reise nach Paris.“ „Davon hat Papa mir gar nichts gesagt,“ entgegnete Gundula, gewaltsam ihre Empörung über Veras Verhalten bekämpfend,„und sicher werdet ihr doch erst im Herbst reisen. Bis dahin sind noch mindestens acht zund du glaubst, daß ich mit dieser langen Zeit nichts Besseres zu beginnen weiß, als mich hier, fern von aller Welt, zu Tode zu langweilen? Nein, Schäfchen, daraus wird nichts.“ „Ganz so öde, wie du es dir vorstellst, ist es wirklich nicht," widersprach Gundula, trotzdem sie ihre Sache bereits verloren gab,„es gibt auch, wie ich dir schon sagte, in einer kleinen Stadt so manche hübsche Abwechllung, und wir würden es uns angelegen sein„1 lassen, dich zu erheitern und zu zerstrenen, nicht wahr, Her Baron?“, wohi Aber Stefany war weitergegangen und hatte nur den kleinsten Teil von dem geyört, was zwischen den jungen Mädchen gesprochen worden war. „Gib dir keine Mühe weiter, Gundula,“ sagte da die Stiefschwester mit ganz veränderter, feindseliger, harter Stimme,„ich komme zu dir nicht längere Zeit auf Besuch, auch dann nicht, wenn du mitten in dem geräuschvollen, göttlichen Paris Wohnung nehmen würdest.“ „Dann freilich,“ meinte Gundula in ersticktem Ton, gewaltsam die Tränen zurückdrängend, die ihren Blick umdunkelten,„dann freilich— ich hatte es mir so schön gedacht.“.... g 9. Gl. 1. Vera erkannte recht wohl, oaß sie ihre Stiefschwester soeben beleidigt, sie unerhört behandelt hatte, aber sie hielt es nicht der Mühe wert, um Entschuldigung zu bitten oder wenigstens den Eindruck ihrer Worte zu mildern. Eix m „Laß gut sein, Gundula,“ sagte sie,„wir werden uns doch niemals verstehen, da wäre es doch töricht, wollten wir monatelang beieinanderbleiben und uns gegenseitig zur Last fallen. Wir kommen am besten aus, wenn viele Meilen zwischen uns liegen. Und nun wollen wir uns rüsten. Unser Zug fährt punkt acht Uhr.“ Sie entfernte sich rasch. Gundula sah den Baron achselzuckend an.„Ich habe getan, was ich konnte. Sie haben nun selbst gehört, daß alle Ueberredung bei Vera nicht hilft. Sie geht ihre eigenen Wege.“ Er hatte der schlanken, stolzen Gestalt sinnend nachgeschaut.„Es ist schade um sie,“ sagte er,„aufrichtig aber bedauere ich, Ihnen diese unfreundliche Abfertigung durch meine Schuld bereitet zu haben.“ „O nicht doch, Sie meinten es so herzlich gut mit Vera, und es tut mir furchtbar leid, Ihnen nicht nützen zu können. Aber geben wir noch nicht alles verloren, vielleicht ändert sich der trotzige Sinn meiner schönen Schwester eines Tages noch; sie ist nicht so oberflächlich, wie es den Anschein hat, Papa sagt es auch.“ Schweigend gingen sie zu den anderen zurück. Etwas Undefinierbares stand plötzlich zwischen ihnen, sie konnten nicht mehr so freimütig sprechen wie bisher. Unterdessen hatten auch die beiden älteren Herren eine ernste Unterredung.. „Gundula sieht auffallend leidend aus,“ sagte Eicke besorgt,„selbstredend habe ich es sie nicht merken lassen, bester Schwager, aber bei ihrem Anblick packt mich die surchtbare Angst, daß auch sie dem tückischen Leiden erliegen könne, das meine teure, heißgeliebte Frau dahingerafst.“ „Du hast recht, Wilhelm, es muß Gundula irgend etwas fehlen, sie ist verändert seit einigen Tagen, aber zu ernster Sorge ist absolut kein Anlaß, darauf kannst du dich verlassen. Auf meinen ausdrücklichen Wunsch Gundel sich vor einigen Monaten, als wir in Wien waren, von einer Kapazität ersten Ranges gründlichst untersuchen. Und der Herr Professor gab mir die ehrenwörtliche Versicherung, daß das Mädchen kerngesund ist und nur noch ihr zartes Aussehen an die Mutter erinnert. Die Lunge ist durchaus normal und kräftig entwickelt, und ebenso der Brustkasten. Sie hat es durchaus nicht nötig, sich irgendwelche Schonung aufzuerlegen, sondern kann eventuell unbeschadet sich etwaigen Strapazen aussetzen.“ „Das nimmt mir einen Stein vom Herzen, lieber Otto, und ich kann dir nicht genug danken für deine treue Fürsorge um meinen Liebling. Denn, daß ich es nur offen gestehe, sie ist, wie einst Klara es war, noch immer mein Abgott, trotzdem ich ihr entfremdet bin und von ihrem Innenleben nur wenig noch weiß.“ „Vielleicht wirst du über kurz oder lang in die Lage kommen, Gundel wieder unter deinen persönlichen Schutz nehmen zu müssen—“ „Wie das? Regt sich die Lust zu einem abenteuerlichen Leben wieder in dir?“ „Das weniger. Aber man kann ja niemals wissen, wie es kommt. Ich habe mein Haus bestellt. Gundula ist meine Universalerbin— nach meinem Heimgange ein reiches Mädchen. Willst du mir versprechen, Gundula nach meinem Tode wieder zu dir zu nehmen? Ihre Vereinsamung macht mir so große Sorge; sie neigt sehr dazu, sich von den Menschen abzuschließen, und das taugt nicht für ein junges Mädchen. Du brauchst nicht zu fürchten, daß dir Ungelegenheiten aus Gundulas Anwesenheit erwachsen; sie ist ja kein Kind mehr und sicher taktvoll genug, um allen Konflikten in deinem Hause sorgsam aus dem Wege zu gehen.“ „Aber mein lieber, bester Otto, was sind das für Reden! Selbstverständlich kann Gundula jederzeit in das Haus ihres Vaters zurückkehren, und gegebenenfalls werde ich meine jüngste Tochter zu schützen wissen.“ Ich bin doch kein Pantoffelheld, wenn ich auch den Frieden über alles liebe und aus diesem Grunde meine Frau nach Gefallen schalten lasse. Gundula ist mein Herzenskind, und ich wäre glücklich, sie wieder in meiner Nähe zu haben. Nur um diesen Preis möchte ich es nicht. Der Himmel erhalte dich uns noch lange, das ist mein aufrichtiger Wunsch.“ „Ich danke dir, Schwager. So wäre auch diese Angelegenheit geordnet, die mir schwer auf der Seele lag. Mündlich läßt sich so etwas immer besser erledigen als schriftlich.“ „Gewiß. Ich an deiner Stelle würde freilich nicht den Teufel an die Wand gemalt haben. Aber nun, mein Freund, müssen wir aufbrechen, es ist die höchste Zeit, wenn wir unseren Zug noch erreichen wollen.“ Eine Viertelstunde später fuhr der Bankier in dem neuen Automobil seines Schwagers zur Bahn. Vera winkte lachend mit dem Tuche:„In zehn Jahren sehen wir uns wieder!“ rief sie lachend zurück, offenbar froh darüber, daß der Besuch überstanden war. 13. Kapitel. Schloß Chatelaine liegt auf einer waldigen Anhöhe im nördlichen Frankreich. Ein ziemlich steiler, beschwerlicher Weg führt hinauf. Und wehte im Tal die Oktoberluft milde und erquickend, so strich hier oben ein eisiger Ost über kahle Felsvorsprünge, die mit niedrigem Heidekraut spärlich bedeckt waren. In der Mittagsstunde war der Weg, welcher stellenweise an steilen Abgründen vorbeiführte, ziemlich belebt. Einige Boten, welche Lebensmittel im Schlosse abzuliefern hatten, waren unterwegs, ebenso der Postbote und ein kleiner Trupp Reisender, denen man die herrliche Aussicht ins Tal gerühmt hatte. Unter ihnen befand sich auch der Bankier Eicke aus Berlin. Ihn führte aber noch ein anderer Zweck dort hinauf, als Naturschönheiten zu bewundern. Eicke hatte seiner Gattin die längst versprochene Reise nach Paris bewilligt, seinen Damen selbst dorthin das Geleit gegeben und zwei volle Wochen mit ihnen zusammen Theater, Galerien und Salons besucht. Nun rief die Pflicht ihn heim. Seine Damen aber hatte er unter dem Schutze eines Kavaliers, des Herrn von Chatelaine zurückgelassen, welcher sich ihnen schon auf der Reise nach Paris angeschlossen hatte und seitdem ihr ständiger Berater und Begleiter gebesen war. (Fortsetzung folot.) S P S STCFESGEEEE „g GSEE .“ S sB„G’ ESSE SESStaE 2 Denkspruch. Wlas die Zukunft dir bedeute. Laß dich ohn' Entwürf' und Sorgen: Nute rasch die Gunst des Heute Und erwarte nichts vom Morgen. Julius Hammer. Forstmeister Dahlen Novelle von Mara Markov. Fortsetzung.)(Nachdruck verdeten.) Für die schönen, uralten Buchenwaldungen, die dem Forstmeister Theodor von Dahlen so sehr ans Herz gewachsen waren, hatte es keinen Pardon gegeben. Der Herr Graf Morrisson brauchte absolut Geld, sehr viel Geld; denn er hatte sein großes, ererbtes Vermögen verschwendet, verschleudert und in den größten Spielhöhlen auf die bunten Blätter gesetzt. Vielleicht hätte eine reiche Heirat ihn wieder flott gemacht und auch sicher flott machen können— da waren andere, die Millionen an Schulden hatten— aber der nun fünfundvierzigjährige Graf Ernest war ein recht schlimmer Weiberfeind geworden, der sich vor allem, was Weib hieß, wie ein Stacheligel benahm. Hunderte von Mädchen und Frauen hatte er betrogen— das verstand sich von selbst. Denn wozu waren sie denn da, die Weiber? Einem Manne, und einem Kavalier obendrein, ist alles erlaubt. So dachte der gewissenlose und egoistische Graf Morrison.„. 41u2 Gragsin 9 Aber da kam eine— eine Krcolin—, die es ihm vergalt.„.er.„“ Veranschte 6. Mit ihrer Teufelsschönyeir verauschte sie den Grafen, diesen stolzen Grafen Morrisson, der sie abgöttisch, ja wahnsinnig liebte und zu seinem Weibe, zur Edeldame, machen wollte. Indes rächte die wunderbar schöne, herzlose Konsuéla Yallina alle ihre Mitschwestern— sie ging ihm mit einem vornehmen Japaner durch, der sie in seiner Heimat tatsächlich heiratete. Zu allem Ueberfluß hatte sein Oheim, der reiche Baron Finkenbach, als dessen Erbe Graf Ernest von Morrisson sich seit Jahrzehnten dünkte, gründlich sein Vertrauen getäuscht.... Es war unerhört! Dieser alte Oheim hatte in seinem sechzigsten Lebensjahre noch geheiratet— noch dazu ein armes, häßliches Landgänschen— nein, eine wahre„Nachteule", wie ihm gute Freunde berichteten, denen sein Champagner auf Schloß Rodaun trefflich mundete. Grollend hatte der Graf Morrisson alle verjagt und sich in sein Schloß im grünen Walde zurückgezogen. Er verkaufte Land und Waldungen und schloß endlich den Vertrag mit der Regierung, welche durch seinen großen Besitz eine Eisenbahn legen wollte. Bald wühlten Schaufel und Hacke in den grünen Forsten.„ atm m Als die Axt und die Säge treischten und dröhnten, floh das Getier des Waldes entsetzt und verstört bis in die weitesten Fernen. Wie beim Turmbau zu Babel hörte man allerlei Sprachengewirr; denn Italiener, Polen, Bulgaren, Ruthenen, Ostpreußen und Schlesier hatten nun hier ihre Lagerzelte aufgeschlagen. Sie erfüllten den grünen Gottesdom mit ihren Flüchen und ihren oft gar unheiligen Liedern. Da ihrer gar viele Hunderte waren, ging die Arbeit sehr rasch vorwärts. Schon im Spätherbste waren die Schienen gelegt, und ein halbes Stündchen vom Schlosse Rodaun machte sich der neue Bahnhof mit seinen Schuppen und Remisen im Rohbau breit. Zwischen Theo von Dahlen, dem Forstmeister, und dem Grafen Morrisson war es fast zu einer Fehde gekommen. Dahlen ging herum wie ein brüllender Löwe. Der Wald und sein Amt waren ihm gründlich vergällt. Nur widerwillig tat er seine Pflicht, und Dorothea, seine brave und liebevolle Gattin, sah mit täglich wachsender Angst und Besorgnis ihrer aller Zukunft entgegen. Hans von Tahlen, der Sohn, hatte den Eltern von seiner Begegnung mit der reizenden„Kammerjungfer“ nichts gesagt. Der Vater— das wußte er— hatte zu strenge Grundsätze. Dennoch erinnerte Hans sich mit Entzücken der lieblichen Viola, deren ganzes Wesen einen gar großen Eindruck auf ihn gemacht hatte. Verschiedene Male schon hatte Hans von Dahlen die Grenzmartungen von Finkenbach überschritten, war fast in die Nähe des altertümlichen, efeuumsponnenen Schlosses gekommen, um nach der schönen Viola zu Umsonst— sie erschien ihm nicht wieder! Von einem jungen Waldhüter vernahm er, daß die junge Baronin von Finkenbach schon im Hochsommer ihre Besitzungen verlassen habe und auch niemand bei„Kastellans“— dem Verwalter des Schlosses — wisse, wann sie wohl zurückkehren werde. Da der Vater sich in diesem Sommer wohler fühlte, beschloß man, daß Hans im Herbste nach der Residenz zurückkehren solle— und recht besorgten Herzens Hans von seinen Lieben diesmal Abschied. Er fühlte es instinktiv— es lag etwas in der Luft— ein Unheil— und so wäre er eigentlich lieber daheim geblieben... ggschen ix dr W ricen. 1—4 Schon war er einige Wochen in der Residenz und arbeitete emsig in einem Bureau des Ministeriums, als ihn Thilo von Presser, sein Freund und liebster Studiengenosse, eines Abends in eines der eleganten Theater schleppte. e Man gab ein neues, sensationentes Schauspiel, von dem alle Welt behauptete,„daß man es gesehen haben müsse“— und das reizende Theater war überfüllt von Menschen. Noch war der Vorhang nicht emporgerauscht, und das Orchester spielte eben eine Opernmelodie, als Hans in einer Loge des ersten Ranges eine Dame erblickte, bei deren Anblick ihm fast der Atem veragte— Violo., Weig. Elgnt tn u. In helle, rauschende Seide geriewei, den echten Gold= und Spitzensächer graziös in der kleinen Hand schwingend, plauderte sie mit den anderen Insassen der Loge— eine vornehme Dame unter ihresgleichen. Oh, nun begriff er alles. Es war die Baronin selbst, die sich damals mit ihm einen Scherz erlaubt. Und er, Tor, der sein Herz an eine vornehme Frau verloren, die vielleicht seiner spotten, ihn und sein grenzenloses Vertrauen verlachen Doch nein, auch sie hatte ihn bemerkt, sie lächelte zu ihm herunter und grüßte ihn durch ein Neigen des schönen Hauptes..(.— 1. Hm! Hast du ein steises Genia, vaß du immer hinauf nach links, statt auf die Bühne sehen mußt, mein Junge?“ fragte sein Kamerad, der schwarzlockige, stets gut gelaunte Thilo von Presser. Aber Hans von Dahlen sah und hörte nichts von von dem übermodernen, neuen Schauspiel— alle seine Sinne flogen Viola zu— ihr, die er anbetete. Im letzten Zwischenakte erhielt er durch einen der Kontrolleure Violas Karte— richtig la Baronesse de Finkenbach. Dieses Kärtchen enthielt die Weisung, sich anderen Tages zum Tee um sieben Uhr abends bei ihr in ihrer reizenden Stadtwohnung einzufinden.