4# IIER 7 Main De Scmutn Zeiung aüchan ttalch. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Gralisbeilage:„Illustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petikzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabakt u. erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Pechbsachtndd genahl.- Setiengeteiugtne Iulttriches Kreisblalt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung R Nr. 179. Schwerter Volksblatt Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grstes und ältestes Cagesorgan des Kreises o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Montag, den 3. August 1914. Aüe date: und dchalgnltgüchen Nonod. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Verossentlichung in dei„Schwerter Zeitung" rechtsverbindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Abonnen. ten für jeden mit Tod endenden Unsall gesagiun: 300 Mk. Unfall. Druck u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Ruhr tontde t.- Sien-ibt-asshenue ficht 46 Jahrgang. Bekanntmachung. Seine Majestät der Kaiser haben die der Armee und Marine besohlen. 1. Der erste Mobilmachungslag ist der 2. August 1914 der zweite„„„ 3.„ der dritte„„„ 4.„ der vierte„„„ 5.„ der sünfte„„„ 6.„ und so weiter. 2. Sämtliche Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes, einschließlich der Ersatzreservisten haben sich zu der aus den Kriegsbeorderungen angegebenen Zeit an dem bezeichneten Orte pünktlich einzufinden; dagegen verbleiben die nur mit einer Paßnotiz Versehenen zunächst in der Heimat. 3. Alle augenblicklich außer Kontrolle befindlichen Mannschaften sowie diejenigen, welche sich nicht in dem Besitz einer Kriegsbeorderung oder einer Paßnotiz befinden, haben sich behufs Herbeiführung einer Entscheidung sofort an das zuständige Bezirkskommando zu wenden. Ausgenommen hiervon ist nur, der ausdrücklich von der Gestellung im Mobilmachungssalle befreit ist, sowie Mannschaften der Landwehr 2, welche keine Kriegsbeorderungen erhalten haben. Jedoch haben auch diese jeden etwa bisher nicht gemeldeten Wohnsitzwechsel sofort dem Bezirkskommando anzuzeigen 4. Wer dem obigen Befehl nicht Folge leiste, verfällt in strenge Bestrafung nach den Kriegsgesetzen. 5. Das Marschgeld wird beim Truppenteil, nicht bei der Ortsbehörde empfangen. 6. Sämtliche Einberufenen haben, um ihren Gestellungsort zu erreichen, freie Eisenbahnfahrt ohne Lösung einer Fahrkarte u. ohne vorherige Anfrage am Schalter, lediglich gegen Vorzeigung der Kriegsbeorderung oder anderer Militärpapiere an die Beamten der Fahrkartenkontrolle. Dies gilt auch für solche Kleinbahnen, auf deren Bahnhösen eine entsprechende Bekanntmachung angeschlagen ist. Eine Person des Beurlaubtenstandes oder der Ersatz=Reserve, welche nach angeordneter Mobilmachung einer öffentlichen Aufforderung zur Stellung nicht der ihm vorgeschriebenen Zeit Folge leistet, wird mit Gefängnis von 6 Manaten bis zu sängnis von 5 bis 10 Jahren und Versetzung in die sicht geschieht, sich der Teilnahme an einem Kriege zu entziehen, wegen Fahnenslucht im Felde mit Gefängnis von 5 bis 10 Jahrn und Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes beststraft.(M. St. G. B.§§ 9, 10, 68, 69, 71, 153 und Reichs=Str. G. B. 8§ 38, 56, 69). Der kommandierende General des 7. Armeekorps. Die Neider deutscher Größe und Macht haben ihr Ziel erreicht. Der Krieg zwischen den beiden Mächtegruppen der europäischen Staatensamilie ist so gut wie unvermeidlich geworden, ein Krieg, wie ihn die Erde und die Menschheit noch nicht gesehen haben. Deutschland ist unschuldig an dem Gut und Blut, das dieser Krieg kosten wird. Bis zum letzten Augenblick hat die deutsche Regierung alles aufgeboten, um den Ausbruch eines Weltbrandes zu verhüten. Bis zur äußersten Grenze wohlmeinenden und vertrauensvollen Entgegenkommens war der deutsche Kaiser gegangen, um in unmittelbaren Meinungsaustausch mit dem Zaren das drohende Unheil zu wenden. In seinem letzten Telegramm an den Zaren konnte der Kaiser angesichts der Bereitwilligkeit, mit der er sich die Durchführung seiner auf Bitten des Zaren übernommenen Vermittlerrolle hatte angelegen sein lassen, mit Fug und Recht sagen:„Er sei mit seinen Bemühungen um die Erhaltung des friedens bis an die äußerste Grenze des Möglichen gegangen, nicht er trage die Verantwortung für das Unheil, das jetzt der Welt drohe. Er habe die Freundschaft für den Zaren und das Russische Reich stets treu gehalten. Der Friede Europas könne noch jetzt erhalten werden, wenn Rußland aushöre, Deutschland und Oestereich=Ungarn zu bedrohen.“ Aber die unerhörte, geradezu unglaubliche und unfaßliche Tatsache steht fest, daß, während die deutsche Regierung auf Ersuchen Rußlands vermittelte, Rußland seine gesamten Streitkräfte mobil machte und damit die Sicherheit des Landes bedrohte, das ihm durch ein Jahrhundert hindurch in einem freundnachbarlichen Treuverhältnis verbunden war. Vergessen ist jenseits der Weichsel die preußisch=russische Wafsenbrüderschaft der Freiheitskriege, vergessen die wohlwollende Neutralität, die Deutschland im russisch= japanischen Kriege beobachtet hat, vergessen das Kaiserwort„Rußlands Trauer— Deutschlands Trauer", vergessen die hundertjährige Freundschaft, die dem Fürsten Bismarck als wertvollstes Unterpfand des Weltsriedens unablässig am Herzen lag, deren Pflege Kaiser Wilhelm 1. noch wenige Stunden vor seinem Tode seinem Enkel anempfahl, dem selben, der jetzt zum Schwerte greisen muß, um russische Ueberhebung und Händelsucht in die Schranken zu weisen. Das Vertrauen des Deutschen K sers ist schmählich getäuscht worden. Während, obwohl bereits seit fünf Tagen, seit dem 26. Juli, zuverlässige Meldungen über russische Rüstungen vorlagen, Deutschland abwartend Gewehr bei Fuß stand, wurde in Rußland, entgegen den bestimmten Versicherungen des russischen Kriegsministers und des russischen Generalstabschefs an unseren Militärattachee in Petersburg, die Mobilmachung mit größter Beschleunigung sortgesetzt. Schnöde mißbraucht hat der Zar das Vertrauen des Deutschen Kaissers, um nur Zeit zu gewinnen und desto besser über Deutschland hersallen zu können. Ebenso insgeheim hat Frankreich seine Kriegsvorbereitungen betrieben. In Frankreich glaubt man die Stunde gekommen, auf die man 43 Jahre gewartet hat, die Stunde der Revanche und der Zurückgewinnung Elsaß=Lothringens. Widerum heißt es für uns: Furchtbar dräuet der Erbseind. Einer gewaltigen Uebermacht, wenn auch gestützt und im Vertrauen auf seine treuen Verbündeten, hat Deutschland sich zu erwehren, nach zwei oder gar drei Fronten muß es den Kampf aufnehmen. Aber unvergessen ist das in drohendernster Stunde geprägte Wort des eisernen Kanzlers:„Wir Deutsche fürchten Gott und nichts auf der Welt!“ Dieses Wort, demütig und tapser, klingt und schwingt heute in allen Herzen, ihm entströmt die gehaltene Kraft, die feste Siegeszuversicht, der unser tapferes Heer zur Ersüllung seiner schweren Aufgabe bedarf. Das Vertrauen des Kaisers, daß wir das uns in die Hand gezwungene Schwert mit Gottes Hille so führen werden, daß wir es mit Ehren wieder in die Scheide stecken können, wird gewiß nicht zu Schanden werden. Hinter dem Heere steht das ganze Volk, über alle Unterschiede von Rang und Stand, über alles Partei= und Berufswesen hinweg geeint, zusammen geschmiedet und verbettet durch die Liebe zum Vaterlande, die in dem Bewußtsein wurzelt, daß Deutschland auf Erden nicht seinesg’eichen hat und frei und stark bleiben muß, die Aufgaben menschlicher Arbeit und Größe zu erfüllen, für die die Vorsehung es ausersehen hat. Das erhebt die Herzen unseres Volkes, das begeistert zu den größten und schwersten Opfern, das läßt alles andere zwecklos und wertlos erscheinen neben dem einen: Verteidigung des Vaterlandes und Wahrung unserer Ehre! Die Welt soll erfahren, was es heißt, Deutschland anzugreifen, der furor teutonicus, vor dem noch stets die Macht unserer Gegner zu schanden geworden ist, wird auch diesmal seine Schuldigkeit tun. eines benischen Eienzeis! * Berlin, 2. Aug. Die Militärbehörden sind angewiesen, die zum Kriegsdienste verpflichteten Mitglieder des Reichstages, die sich als solche ausweisen, für die Dauer der Einberufung des Reichstages vom Kriegsdienste unverzüglich zu befreien. Die Mitglieder des Reichstages sind berechtigt, zur Fahrt nach Berlin die für Militär bestimmten Eisenbahnzüge zu benutzen. Als Ausweis für diese Berechtigung gelten die Eisenbahnfreikarten der Abgeordneten. Eine Rede des Kaisers. Berlin, 2. August. Samstag abend war der Lustgarten mit Tausenden von Menschen angefüllt, die bis dicht an das Schloß heranstanden. Die Menge sang patriotische Lieder und rief immer wieder: Wir wollen unseren Kaiser sehen. Alsdann erschienen an den großen Fenstern der ersten Etage über dem Portal 4 der Kaiser in der Uniform der Königsjäger zu Pferde, die Kaiserin und Herren und Damen des Gefolges. Der Kaiser hielt eine Ansprache und sagte ungefähr folgendes: Er danke für die Liebe und Treue, die ihm erwiesen werde. Wenn es zum Kampf komme, höre jede Partei auf: Wir seien dann nur noch deutsche Brüder. In Friedenszeiten habe ihn ja wohl die eine oder andere Partei angegriffen, das verzeihe er von ganzem Herzen. Wenn unsere Nachbarn uns den Frieden nicht gönnen, dann hoffe und wünsche er, daß unser gutes deutsches Schwert siegreich aus dem Kampse hervorgehe. Eine Ansprache des Reichskanzlers. Vor dem Reichskanzlerpalais machte gegen nenn Uhr ein imposanter Zug Halt, der in ernster patriotischer Stimmung„Heil Dir im Siegerkranz“ und„Lobe den Herrn“ sang. Der Reichskanzler erschien an einem Fenster des ersten Stockes und richtete an die Menge folgende Worte: In Ihrem Liede haben Sie unserem Kaiser zugejubelt. Ja, für unseren Kaiser stehen wir alle ein, wer und welcher Gesinnung und welchem Glauben wir auch sein mögen. Für ihn lassen wir Gut und Blut. Der Kaiser ist genötigt gewesen, die Söhne des Volkes zu den Waffen zu rufen. Wenn uns jetzt der Krieg beschieden sein sollte, so weiß ich, daß alle jungen deutschen Männer bereit sind, ihr Blut zu verspritzen für den Ruhm und die Größe Deutschlands. Aber wir können nur siegen in dem festen Bertrauen auf den Gott, der die Heerscharen lenkt und der uns bisher noch immer den Sieg gegeben hat. Und sollte Gott in letzter Stunde uns diesen Sieg erweisen, so wollen wir ihm dafür danken, wenn es aber anders wird, dann mit Gott für König und Vaterland! Der deutsche Landsturm ausgeboten. Berlin, 2. August. Eine kaiserliche Verordnung über den Aufruf des Landsturms vom 1. Aug. 1914 besagt: Wir, Wilhelm von Gottes Gnaden, Deutscher Kaiser, König von Preußen usw., verordnen auf Grund des Artikels 2, Paragraph 25 des Gesetzes betreffend Aenderungen der Wehrpflicht vom 11. Februar 1888 im Namen des Reiches was folgt: In den Bezirken des 1., 2., 4., 6., 8., 9., 10., 14., 17., 18., 20., 21. Aemeekorps ist nach näherer Anordnung der zuständigen kommandierenden Generale der Landsturm aufzurufen. Die gegenwärtige Verordnung teitt am Tage ihrer Verkündigung in Kraft. Einberufung des Reichstages. * Berlin, 2. Aug., 1,50 Uhr nachts. Durch kaiserliche Verordnung ist der Reichstag auf den 4. August einberufen. Zweideutige Antwort Frankreichs auf die deutsche Anfrage. Köln, 3. Aug. Die Köln. Ztg. meldet aus Verlin: Die Antwort Frankreichs auf die Anfrage der deutschen Regierung liegt nunmehr vor. Sie ist ausweichend und zweideutig gehalten. Mobilmachung Frankreichs. * Berlin, 3. Aug. Wie wir erfahren, ist gestern nachmittag um 5 Uhr die volle Mobilisierung der französischen Streitkräfte angeordnet worden. Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Berlin, 3. August. Dem russischen Botschafter Swerbejew sind die Pässe zugestellt worden. Luxemburg von Deutschland besetzt. Berlin, 3. August. Luxemburg ist zum Schutze der dort befindlichen deutschen Eisenbahnen von Truppenteilen des 8. Armeekorps besetzt worden. Ein Bruch des Völkerrechts durch die Franzosen. Berlin, 3. August. Soeben läuft die militärische Meldung ein, daß gestern Vormittag französische Flieger in der Umgebung Nürnbergs Bomben abwarfen. Da eine Kriegserklärung zwischen Frankreich und Deutschland bisher nicht erfolgte, liegt ein Bruch des Völkerrechts vor. Alexandrowo von Deutschen besetzt. Hohensalza, 3. August. Hier ist aus zuver. lässiger Quelle die Meldung eingetroffen, daß deutsche Truppenabteilungen Alexandrowo besetzt haben. Alexandrowo liegt im Gouvernement Warschau und ist Grenzstation auf russischer Seite der Bahnlinie Warschau=Skierniwice. Hohenstein, 3. August. Russische Patrouil= len sind von Deutschen überumpelt; 50 Russen sind gefangen, mehrere getötet, auf deutscher Seite ist alles wohl. Allenstein, 3. August. An der Grenze sinden kleinere Kavallerie=Gesechte statt. Johannisburg ist von einer Eskadron Dragoner Nr. 11 besetzt und wird von Kosaken angegriffen. Die Bahn Johannisburg=Lyk ist unterbrochen, desgleichen die Stichbahn Dlottowen(Reg. Gumbinnen.) Bombardement des russ. Kriesn. hafens Liebau. Berlin, 3. August. Kreuzer„Augsburg" meldet von Sonntag 9 Uhr Abends: Ichbombardiere Liebau, besinde mich im Gefecht mit mehreren Kreuzern, habe Minen gelegt, Liebau brennt! mm bis der Fuanzösische Spione. Koblenz, 3. August. Der Regierungspräsident meldet von Düsseldorf: Französische Offiziere in preußischer Aniform versuchten unweit von Geldern in 12 Kraftwagen die Grenze zu überschreiten; der Versuch ist mißglückt. Französischer Flieger am Rhein.— Ein deutscher Verräter. Berlin, 3. August. In der Nacht vom 1. 2. August wurde ein feindliches Lustschiff in Fahrt von Kerpich nach Andernach beobachtet. In der gleichen Nacht versuchten ein Cochemer Gastwirt und sein Sohn den Cochemer Tunnel zu sprengen. Dies mißlang. Beide wurden erschossen. Feindliche Flugzeuge wurden von Düren auf Köln beobachtet. Ein französisches Flugzeug wurde bei Wesel heruntergeschossen. Was beabsichtigt Japan? Hamburg, 3. August. Ein Telegramm aus Yokohama meldet: Der japanische Ministerrat ist zusammengetreten. Die Beratung gilt der europäischen Lage. In Marinekreisen herrscht lebhafte Tätigkeil. Mobilisierung der Schweiz. Wie der Chef des Militärdepartements bekannt gab, beschloß der Bundesrat die allgemeine Mobilisierung. Die Truppen müssen von Montag ab einrücken. Montag findet eine außerordentliche Sitzung der Bundesversammlung statt, in welcher der Generalissimus der Armee ernannt wird. Norwegen bleibt neutral. Die norwegische Regierung hat gestern aus Anlaß des österreichisch serbischen Krieges eine Neutralitätserklärung erlassen. Die Recierung hat die nolwendigen Veranstaltungen zur Sicherung der Neutralität getrossen. Die Küstenbefestigungen sind in Stand gesetzt und der wesentliche Teil der Fahrzeuge, die nicht unter Kommando stehen, zur Verteidigung der Neutralität ausgerüstet worden. Ueber Englands Verhalten im Kriege besteht keine Gewißheit. Die Meldung, Lord Kitchener, der nach Lord Roberts stets als Englands bester General genannt wurde, habe sich im strengsten Incognito nach Paris begeben und dort mit den maßgebenden Persönlichkeiten konferiert, hat keine Bestätigung gesunden. Die Worte des Premierministers Asquith in der jüngsten Unterhaussitzung aber riefen wohl die tiefste Bestürzung hervor, enthielten aber nichts über Englands Stellungnahme. Der Premierminister beantragte die Vertagung des Hauses, indem er erklärte: Nicht von Petersburg, sondern von Berlin hören wir, daß Rußland soeben die allgemeine Mobilisation anordnete und darauf in Deutschland der Kriegszustand verhängt wurde. Da diesem die Mobilisierung in Deutschland folgen sollte, falls Rußland seine Mobilmachung durchführte, so schloß der Minister, sei es angezeigt, weitere Antworten bis Dienstag zu vertagen. Vaterlandsliebe seierten ihren Triumph trotz der natürlichen Sorge um Haus und Herd, um Frau und Kind, die jeden Deutschen bewogt. And als dann von den Türmen der Stadt die Glocken läu teten, da überwältigte wohl jedes Herz die gewal tig ergreisende Stimmung dieses großen Tages. Da hallte wohl in jeder Brust jenes Dichterwort wieder, das nach dem letzten Kriege gegen den wälschen Erbseind gesungen worden ist. Hallte wider als eine srohe freudige Zuversicht auch in diesem Kriege, der uns ausgezwungen worden ist für unsern in seinen heiligsten Gefühlen beleidigten Bundesgenossen. Die deutsche Tapserkeit und das Cintreten für eine große heilige Sache, für die Errettung des Germanentums aus den Uebergrüfsen slavischer Feindschaft wird uns helsen und uns jenen großen stolzen Sieg bringen, der immer noch in der Weltgeschichte der Lohn der Gerechtigkeit und des Rechtes gewesen ist: Nun lasset die Glocken von Turm zu Turm Durch's Land srohlocken im Jubelsturm, Ehre sii Gott in der Höhe! Und nun senden wir unsere waffenfähigen Männer hinaus, dem Feinde entgegen. Für seine Ehre, das höchste Gut der Nation, ergreist das deutsch Volk das Schwert. Mit dem großen Vaterland verteidigen wir unserer engere Heimat, unsere liebe Vaterstadt, die heimischen Berge des Sauerlandes. Und wenn das gezückte Schwert zum Schlage au holen sollte, dann laßt es niedersausen scharf und wuchtig, eingedenk der Ruhmestaten unserer Vorfahren und des Schlachtrufs jenes heldenmütigen westhälischen Regiments:„Hacke tau!“ (Oeffentliche Liebestätigkeit) regt ihre Schwingen und hat, wie überall im deutschen Vaterland auch hier bereits eingesetzt, um die durch den Kriegszustand zu befürchtende Notlage nach Möglichkeit lindern zu helfen. Gestern nachmittag tagte im übersüllten Saale des Hotel Ostermann eine von den Herren Pfarrer Wischnath und Parrer Schnurbus einberufene Versammlung aller Kreise der Bürgerschaft, die mit einhelliger Begeisterung beschloß, sich voll und ganz in den Dienst der guten Sache zu stellen. Es wurde ein aus 21 Damen und Herren bestehender Ausschuß gewählt, der bereits heute nachmittag eine Sitzung im„Kaiserhof“ abhält, um über zu ergreifende Maßnahmen zu beraten. Dem Ausschuß, an den Anmeldungen zur Beteiligung an den zu erwartenden großen Ausgaben zu richten sind, besteht aus folgenden Personen: Pfarrer Wischnath, Psarrer Schnurbus, Kaplan Röseler, Bürgermelsten Rohrmann, Diretor Terbrüggen, San.=Rat Dr. Haver, Rektor Lecking, Rektor Lehmkuhl, Prof. Feldhügel, Lehrer Hömberg,## Uffelmann, Hch. Burgemeister, Dr. Mester, Jos. Cloidt, Lehrer Althoff, Frau C. Deerth, Frl. Ufslacker, Frau Dir. Emmerich, Frl. Ludwig, Frl. Tütel, Frau Reisenberg, Frau Dir. Terbrüggen, Frau Psarrer Terberger, Frau H. Bergmann, Frau Aus Stadt und Umgebung. Nach der Entscheidung! Tage von unendlicher Wichtigkeit durchlebten wir. Als Samstag in der sechsten Abendstunde die Kunde von der erfolgten Mobilmachung sich verbreitete, wurde sie mit Würde und entschlossener Begeisterung ausgenommen. Wohl feuchtete sich manches Mutterauge, das auf heerespflichtige Sö ne blickt, aber kein Gedrücktsein kam auf, kraftvoll schlug vielmehr die Flamme vaterländischer Begeisterung in den Herzen empor, Opferwille und Lehrer Köhnen, Frau Morgenroth. Wir dürfen wohl der bestimmten Erwartung Ausdruck geben, daß jeder Einwohner unserer Stadt sich nach besten Krästen in den Dienst der guten Sache stellt. Es gilt für Deutschland sExistenz u. da darf keiner zurückbleiben.— Im evangl. Krankenhaus werden junge Mädchen gesucht, die bei der Pflege der eventl. hier eintrefsenden Verwundeten helfen wollen. Es wird von der Anstaltsleitung darauf hingewiesen, daß es sich um eine schwere, verantwortungsvolle Arbeit handelt, doch werden auch hier zweiselsohne die Anmeldungen in überreicher Zahl elnlaufen.— Der Leiter des Samariter=Kursus Herr Doktor Ufselmann beabsichtigt, wie wie hören, san verschiedenen Abenden dieser Woche(Mittwoch abend 8¼ Uhr beginnend) einen Wiederholungskursus für die Teilnehmer des Samariter=Kursus vom letzten Winter abzuhalten. Näheres darüber wird in der morgigen Nummer bekannt gemacht. *(Maßnahmen der Stadt.) Zu einer außerordentlichen Sitzung waren gestern abend die Stadtverordneten zusammen getreten, um über Maßnahmen zu beraten, die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln sicher zu stellen. Die ursprünglich gehegte Absicht, seitens der Stadt Kartoffeln und Getreide in größeren Mengen anzukausen, hat man mit Rücksicht auf die bevorstehende günstige Ernte wieder aufgegeben, es ist jedoch eine fünfgliedrige Kommission gewählt und dieser ein größerer Kredit zur erentl. Beschafsung von Lebensmitteln und zur Unterstützung der notleidenden Familien eingeräumt worden. Außerdem hat sich die Stadt einen größeren Posten Rindvieh gesichert, sodaß auch die Fleischversorgung zu angemessenen Preisen nicht in Frage gestellt ist. Diese Maßnahmen unserer Stadtverwaltung, welche auch für die Preisbildung der Leebensmittel nicht ohne Einfluß sind. werden sicherlich von der Bürgerschaft mit Genugtuung begrüßt. — Obige Zeilen besanden sich bereits in Druck, als uns mitgeteilt wurde, daß die Stadt doch schon größere Quantitäten Lebensmittel angekauft, um die Ernährung der Bürgerschaft zu angemessenen Preisen in jeder Weise sicher zu stellen. Bravo! **(Zu den Fahnen!) Auch aus unserem Betriebe müssen einige Angestellte dem Ruse des Kaisers Folge leisten, um mit für Deutschlands Ehre zu kämpfen. Wir sind daher außenstande, verschiedene Versügungen der Behörden, vor allem die veränderten Fahrpläne der Eisenbahn, in der heutigen Nummer zu verössentlichen und haben dieselben deshalb an unserm Geschäftslokal angeschlagen. **(Gesetzliche Zahlkraft der Reichsbanknoten.) Die letzten Tage haben wieder den Beweis geliesert, daß in weiten Kreisen des Publikums eine völlige Unkenntnis über den Zahlungswert der Reichsbanknoten herrscht. Es wird deshalb darauf ausmerksam gemacht, daß durch Gesetz vom 1. Juni 1909(Reichs=Gesetzbl. S. 515) den Reichsbanknoten volle gesetzliche Zahlkraft beigelegt ist. Die Reichs. banknoten sind deshalb ebenso wie Goldmünzen von jedermann in jedem Betrage zu ihrem vollen Nennwerte in Zahlung zu nehmen. Wer die Annahme einer ihm geschuldeten Summe in Reichs. banknoten ablehnt, setzt sich den Folgen des Annahmeverzuges aus. Eine Umwechslung der Reichsbanknoten in Goldmünzen erscheint deshalb völlig zwecklos. **(Der Katholikentag vertagt.) Nach einem Telegramm haben das Zentral= und Lokalkomitee des Katholikentages in Münster beschlossen, den diesjährigen Katholikentag wegen drohender Kriegsgefahr zu vertagen. **(Das erste Opfer.) Die Kriegefurie hat bereits in unserer Stadt ein Opser gefordert. Ein 19jähriger Arbeiter aus der Sedanstraße wurde in der Nacht zum Sonntag tobsüchtig und konnte nur mit großer Mühe von einigen Mitgliedern der Sanitätskolonne und anderen Personen überwältigt werden. Der Unglückliche wurde ins Krankenhaus gebracht. **(Eheschließungen vor dem Kriege.) Nicht selten wird bei Verlobten der Wunsch bestehen, vor dem unerwarteten Ausbruch des Krieges noch die bürgerliche Ehe zu schließen. Zur Erleichterung dessen können Militärpflichtige von dem vorherigen dreiwöchigen Aufgebot befreit werden. Solche Aufgebotsbefreiuungen für Militärpflichtige zu erteilen, sind durch soeben bekannt gegebenen Erlaß des preußischen Ministers des Innern vom Beginn der Mobilmachung an alle Standesbeamten ermächtigt, sofern beide Verlobte Deutsche sind. Einer Rückfrage bei den oberen Behörden bedarf es nicht. Ferner sind österreichisch= ungarische Staatsangehörige, die durch die Mobilmachung ihres Heimatstaates betroffen sind, für die Eheschließung in Preußen allgemein durch Erlaß des Ministers des Innern vom 31. Juli d. J. vom Ausgebot befreit. Für die Angehörigen anderer Staaten bleibt es bei den bestehenden Bestimmungen. **(Schutzmaßregeln gegen die Maul= und Klauenseuche.) Mit Nücksicht auf die in diesem Jahre durch eingeführtes Weidevieh eingetretene Verbreitung der Maul= und Klauenseuche in Westsalen hat der Vorstand der Lindwirtschaftskammer beschlossen, dem Landwirtschaftsminister hierüber eingehend zu berichten und ihm Vorschläge zu unterbreiten, durch welche eine solche Gefahr für die Zukunft vermieden werden kann. Auch wird die Kammer nunmehr an die Provinzialverwaltung mit dem Antrage herantreten, daß die Provinz die Verwertung der zur Bekämpsung der Maul= und Klauenseuche zu schlachtenden Tiere übernimmt. Auf diese Weise hofst man, diejenigen Besitzer, deren Viehbestände aus Veranlassung der Seuche auf polizeiliche Anordnung getötet werden, vor sinanziellen Verlusten nach Möglichbelt schützen zu können. **(Verwendung von Strafgesangenen zu landwirtschaftlichen Arbeiten.) Da viele Iterreichisch= ungarische Arbeiter, die in Deutschland in der Landwirtschaft beschäftigt waren, infolge des österreichisch=serbischen Krieges in ihre Heimat zurückgekehrt sind, hat der Herr Justizminister, dumit die rechtzeitige Einbringung der Ernte gesichert werden kann, zugelassen, daß in geeigneten Fällen den Landwirten auf ihren Antrag Gefangene zur Verrichtung von Erntearbeiten überlassen werden können. Auch soll etwaigen Anträgen auf Beurlaubung von Strafgesangenen, die aus landwirtschaftlichen sen stammen, soweit irgend angängig, entsprochen werden. *(Pferdemustcrung.) Alle Pserde die morgen oder übermorgen zur Musterung in Hörde vorgeführt werden, müssen mit einem Kummet oder Hamen versehen sein. S(Einbrecher.) Vor der Straskammer des Landgerichts Hagen hatten sich der Arbeiter Wilhelm N. und der Arbeiter Hermann Kn. wegen Einbruchsdiebstahls zu verantworten. Beide Aegeklagte sind einschlägig vorbestrstaft und wird Kn. demnächst der Landespolizeibehörde überwiesen werden. Am 20. Mai kamen sie auf der Wanderschaft durch Villigst, wo sie die Schraube der Holzklappe einer Bahnbude lösten, einstiegen und 2 Tabakpfeifen, ein Paket Tabak und 1 Psund Schmierseise entwendeten. Kn. hatte nichts eiligeres zu tun, als seinen Namen auf den Pfeisenkopf zu gravieren und war man gerade in der schönsten Unterhaltung, als die Beamten erschienen und der Rauchlust ein Ende machten. Die Burschen wurden nach dem Antrage des Staatanwalts wegen schweren Rückfalldiebstahls zu je 1 Jahr Gefängnis verurteilt und geschlossen abgeführt. * Essen, 1. Aug.(Todessturz.) Gestern nachmittag erkletterte der elf Jahre alte Schüler Erich Roth in Borbeck mit zwei weiteren Knaben einen morschen Pappelbaum, um sich auf einem Ast zu schaukeln. Der Baum brach unten durch, und der Knabe stürzte so unglücklich zur Erde, daß er sich eine Eehirnerschütterung und Darmzerreißung zuzog. Infolge dieser Verletzungen starb er nach kurzer Zeit, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. * Essen, 1. Aug.(Eine wirkliche Sehenswürdigkeit.) Ein hiesiger Obertertianer schrieb in einem Aussatze über die Sehenswürdigleiten der Stadt Essen, wie ein Essener Blatt meldet, folgenden Satz:„Eine der größten Sehenswürdigkeiten der Stadt Essen ist die altehrwürdige Münsterkirche, die schon mehrere hundert Jahre vor Christi Erburt erbaut wurde.“ K Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Aug. König. 80 konnte er auch nicht bestraft werden, er wurde der Behörde, die ihn verfolgte, überliefert. Anton setzte seiner Wut gegen den Verwalter Tellenbach, man sagte sich, daß der langjährige Jnstitiar der Familie den Intrignen gegen Baron Dagobert nicht ferngestanden haben könne, man Der Untersuchungsrichter war noch in seinem Bureau, als sie das Gerichtsgebäude erreichten, er nahm sofort den Gefangenen ins Verhör. Anton leugnete trotzig, er wollte an jenem Tage nicht im Walde gewesen sein, die Büchse beyauptet er nie zuvor gesehen zu haben, er gestand zu, daß er Grund gehabt hatte, den Baron zu hassen, daß er aber keine Gelegenheit gefunden habe, seinen Haß zu befriedigen.„ g.6.74## Dieses erste Verhör ergab tein Resuntc, Dagobert konnte noch nicht entlassen werden, da die Verdachtsgründe gegen ihn nicht erschüttert waRastlos war der Inspektor tätig, es gelang ihm, einen Zeugen zu finden, der gesehen hatte, daß Anton in der Nacht an jenem Nachmittag spät heimAluch diese Aussage konnte den Wilderer nicht zu einem Geständnis bewegen, ebensowenig wollte Graf Morray seine Aussagen widerrufen. Inzwischen war der Verwalter unter Mitnahme einer nicht unbedeutenden Geldsumme geflüchtet, sein Sohn hatte ebenfalls eine Reise angetreten, man fand die Kasse des Bankiers leer, es war eine Reise auf Nimmerwiedersehen!. Als der Untersuchungsrichter dies den beiden berichtete, loderte ihre Wut hell auf, und in diesem Aufflammen der entfesselten Leidenschaften legten sie ein volles Geständnis ab, um Rache an den Flüchtigen zu nehmen, von denen sie sich betrogen Graf Morray erklärte, der Baukier Schreiber habe ihm für die falsche Aussage eine bedeutende Summe versprochen, er warf unn die Maske ab und zeigte sich in seiner wahren Gestatt aes abenH 4l bach mit der Baronesse von Darboren Schlüsse, die Da er seine Aussagen nicht beschworen hatte, ihn förmlich gedungen hatte, den Baron Dagoverr zu erschießen, daß er ihm zu diesem Zwecke die Büchse und die Munition geliefert hatte. Er war fest überzeugt gewesen, daß der Verwalter ihm auch die Mittel zur Flucht liefern würde, damit seine eigene Mitschuld verschwiegen blieb, in dieser Hoffnung hatte er noch einmal die Mordstelle besucht; fand er in dem hohlen Baum das ihm versprochene Geld, so wollte er ohne Verzug sich aus dem Staube machen. Er bekannte sich nun zu der Tat, aber er beharrte dabei, daß er den Mord nicht beabsichtigt Er war in den Wald gegangen, um die Büchse zu holen, dem Förster zum Aerger wollte er das Wild in Massen niederschießen. Er hatte eben die Waffe aus dem Versteck herausgenommen, als er den Baron kommen sah, der Haß gegen ihn flammte in seiner Seele wieder auf, zu ihm gesellte sich die Angst, daß der rohe und grausame Mann ihn entdecken und abermals mißhandeln könne. So hatten Angst und Haß zugleich die unselige Tat bewirkt, für die das Gesetz nur die Todesstrafe Anton Ungewitterwurde in der Tat zum Tode verurteilt, vom Landesherrn aber zu lebenslänglicher Gefängnisstrafe begnadigt. Dagobert mußte natürlich sofort nach dem Geständnis des Schuldigen aus der Untersuchungshaft entlassen werden und wer früher am lautesten seine Schuld betont hatte, der nahm jetzt am eifrigsten ihn in Schutz. Daß Baron Dagobert sofor. nach seiner Befreiung erklärt hatte, er wolle die Flüchtigen nicht verfolgen lassen, wurde ihm als Edelmut angerechnet, die Schurken hatten ja solche Nachsicht nicht verMan beschäftigte sich nun auchmit dem Rotar bach mir drr Lalene Von Darboren Schlüsse, die der Wahrheit sehr nahe kamen. So leise und heimlich auch darüber gesprochen wurde, der Notar wußte sehr genau, wie man über ihn urteilte, er las es in den Gesichtszügen, seiner Kollegen, wenn er im Gerichtsgebäude erschien, er empfand es mit peinlicher Schärfe, wenn bei seinem Eintritt in die Weinstube das allgemeine Gespräch verstummte.„„„ Am Tage nach der Entlassung Dagoverts fuhr er nach Eichenhorst hinaus, er mußte wissen, worau er war, und was er von dem nunmehrigen Majoratsherrn zu erwarten habe. Er fand dort einen Kreis von Menschen, die alle ihm nur feindlich gesinnt waren und deren Gesinnungen gegen ihn nicht einmal durch das eigne Glück gemildert wurden. Baronin Adelgunde hatte kurz vorher Röschen in die Arme Dagoberts geführt und ihren mütterlichen Segen zu dieser Verbindung gegeben. Für sie war das ein großes gewesen, und gewissermaßen als Entschädigung dafür forderte sie die strengste Verfolgung des Mannes, der mit seinen schlimmen Ratschlägen stets ihr Feind gewesen Dagobert, der Rittmeister von Schwind, Doktor Steinfelder und dessen Braut, ja sogar die Baronesse Theodore, die doch seine Schwiegertochter werden sollte, verurteilten ihn scharf, sie nannten ihn den bösen Dämon des Barons Kurt von DarEr suchte sich gegen die Vorwürfe zu rechtfertigen, die ihm gemacht wurden; es war nutzlose Mühe, Baronin Adelgunde erinnerte ihn an ihre Ueberführung in die Irrenanstalt und erklärte, es gebe nichts, was diese niederträchtige Handlung rechtfertigen könne. Es gelang ihm nur mit großer Mühe, Dagogobert zur Bewilligung einer geheimen Unterredung zu bewegen. Er wollte nun nachweisen, oaß der Haß der Baronin unbegründet sei, und daß er auch noch nach dem Wortlaut des Familienstatuts die Berechtigung habe, gegen die Uebernahme des Masorats zu protestieren, daß es somit im Interesse der Familie liege, auf jeden Angriff gegen ihn zu verzichten, aber Dagobert schnitt ihm das Wort mit der Erklärung ab, er habe schon beim Gericht mit der Erklärung ab, er habe schon beim Gericht den Antrag gestellt, den Doktor Hermann Steinfelder zum Justitiar der Familie Darboren zu erVerzichte er auch auf die Verfolgung des flüchtigen Verwalters, so sei damit doch nicht gesagt, daß er alles vergeben und vergessen wolle, im Gegenteil, er sei entschlossen, alle Verwaltungsbücher und amtlichen Handlungen des Justitiars einer strengen Prüfung zu unterwerfen. Er wisse, daß der Hauptmann Tellenbach diesen Entschluß billige, und aus Rücksicht auf den Verlobten seiner Consine werde er auf eine kriminelle Untersuchung verzichten, das sei aber auch die einzige Rücksicht, die er nehmen könne und dürfe. Der Notar versicherte noch einmal, daß er sich von jeder Schuld frei wisse und daß auch eine Kriminaluntersuchung nichts Strafbares an den Tag bringen könne. Dann warf er die Frage auf, ob und was der Majoratsherr für seine Consine zu tun gedenke. 46 B 5725 Dagobert antwollete barauf, duß der Nachlaß seines Onkels eine standesgemäße und reiche Aussteuer der Braut sicher stelle; außerdem werde Baronesse Theodore von ihm eine bedeutende Jahresreute aus den Einkünften des Majorats empDamit war das Gespräch beendet, der Notar nahm mit schwerem Herzen Abschied, er hatte nun die Gewißheit, daß er keine Nachsicht erwarten durfte. 214,16 Die Berichterstattung in Kriegszeiten. Stellt die Lage schon unter jedem allgemeineren Betracht die größten Anforderungen an die Selbstzucht und die Nerven der Nation und jedes einzelnen Individuums, so tut sie es noch ganz besonders unter einem Gesichtspunkte, der für die weitesten Kreise schmerzlich fühlbar ist. Vom Kriegsministerium ist nämlich ein Merkblatt für die Presse ausgegeben, welches im Anschluß an das gestern vom Reichskanzler erlassene Verbot von Verössentlichungen über Truppenbewegungen und Verteidigungsmitel des näheren darlegt, worüber die Presse bis auf weiteres im Interesse der militärischen Zweckmäßigkeit— das ja sortan im höchsten und umfassendsten Sinne identisch mit dem Gesamtinteresse des Vaterlandes ist— nichts, aber auch nichts veröffentlichen darf. Von all den tausend und aber tausend Dingen, die zu erfahren die Oessentlichkeit brennt, und wahrlich nicht nur aus dem Instinkt der Neugier brennt, wird sie zunächst sehr wenig, sast nichts erfahren, aber jeder ruhig Ueberlegende, mag er durch wirtschaftliches Interesse, Sorge um Angehörige oder sonst welche menschlich noch so berechtigte Empfindungen und Wünsche bewegt sein, wird sich sagen müssen, daß ein höheres, daß das höchste aller Interessen, das Gemeinwohl, von ihm das Opser verlangen darf, welches ihm auserlegt wird. Die Presse mag vieles erfahren u. wissen, aber sie wird alles als Geheimnis zu hüten haben, u. wird auf absehbare Zeit der Oeffentlichkeit gerade von dem, was uns alle bewegt, nur mitteilen dürsen, was die ühr zugehenden amtlichen Berichte ihr zu sagen erlauben. Das Kriegsministerium verspricht, daß die amtliche Berichterstattung ihrerseits nach Kräften bemüht sein wird, das beerechtigte Verlangen des Volkes nach Nachrichten zu befriedigen, und wir dürsen wohl das Vertrauen haben, daß sie dieses Versprechen auch halten wird. Wir sind daher gezwungen, die Berichterstattung ziemlich einzuschränken und hoffen, daß unsere Leser diese Lage verstehen und zu würdigen wissen. Die Versorgung mit Lebensmilteln in Deutschland gesichert. Glücklicherweise kann sich Deutschland gegenwärtig, wo es noch vor der unberührten neuen Ernte steht, mit seiner Versorgung ziemlich auf die eigenen Hilfsmittel verlassen. Wir haben im allgemeinen in unserm Lande eine der Menge nach gute Ernte. Nechnet man damit, daß im Kriegssalle selbstverständlich die Aussuhr Deutschlands aufhört, daß wir etwa in den drei letzten Jahren durchschnittlich 600000 bis 700 000 Tonnen Noggen mehr geerntet haben, als wir selbst gebrauchten, während wir etwa 1¾ Millionen Tonnen an Weizen und Weizenmehl einführten, so ergibt sich für das ganze Jahr ein Zufuhrbedarf vom Auslande an Brotgetreide von rund einer Million Tonnen. Da wir zunächst eine glänzende Kartofselernte in Sicht haben, die im Vorjahre nicht weniger als 54 Millionen Tonnen ergab, so kann im Notfalle eine erhebliche Menge Brotgetreide durch Mehrverbrauch von Kartoffeln ersetzt werden. Von Haser hatten wir im letzten Jahre in Deutschland etwa 400 000 Tonnen Ueberschuß für die Ausfuhr; diese Menge würde auch im Lande bleiben. Des weiteren stehen wir vor einer guten Heuernte, die auf etwa 40 Millionen zu schätzen ist. Mag es bei einem längeren Kriege Deutschlands mit Rußland auch an Futtergerste und Kleie vielleicht knapp werden, so tun es zur Rot auch Futterkartosseln und Heu, und es unterliegt wohl beinem Zweisel, daß selbst beim Kampf aller gegen alle unsere Händler immer noch Möglichkeiten sinden werden, das noch Notwendige an fremdem Getreide ins Land zu bringen. Auf jeden Fall steht Deutschland heute bei Beginn des Erntejahres bezüglich seiner Versorgung auf eigenen Füßen, es handelt sich nur darum, daß die Inlandernte erst mobil wird. dagegen entsernteren Verwandten und geschiedenen Ehefrauen ebensalls unehelichen Kindern, sofern sie nicht den ehelichen gesetzlich gleichstehen. Die Unterstützungen gehen zunächst zu Lasten der Reichskasse. Verpflichtet zur Zahlung sind die sogenannten Lieferungsverbände, als welche in Preußen die Land= und Stadtkreise in Frage kommen. In dem Lieserungsverband wird ein Ausschuß gebildet, der über die Verhältnisse der unterstützungsbedürstigen Familien sich unterrichtet und die zu zahlenden Beträge festsetzt. Handelt es sich bei der Einberufung der Dienstpflichtigen nur um eine geringe Anzahl, oder wie bei der ostasiatischen Expedition, nur um den Eintritt einer beschränkten Zahl von Freiwilligen des Beurlaubtenstandes, so wird der Ausschuß bezw. der Vorsitzende des Lieserungsverbandes das Erforderliche selbst bewirken, im Falle einer allgemeinen Mobilmachung jedoch wird er auf die Mitwirkung der Ortsbehörden nicht verzichten können. Das Nähere wird dann öffentlich bekannt gemacht, namentlich wird die Stelle bezeichnet, welche die Unterstützungsanträge entgegennimmt und die Auszahlung besorgt.— Den Lieserungsverbänden wird für die aufgewendeten Summen in Höhe der gesetzlich festgelegten Mindestunterstützungen(siehe unten) Entschädigung aus den Reichssonds gewährt, und zwar auf Grund eines zu erlassenden besonderen Reichsgesetzes. Den Lieserungsverbänden ist die Höhe der Unterstützungsbeträge nicht vorgeschrieben, wohl aber ist die Grenze nach unten bestimmt. Die Unterstützungen sollen mindestens betragen: für die Ehesrau im Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober monatlich 6 Mk., in den übrigen Monaten 9 Mark; für jedes Kind unter 15 Jahren, sowie für jede der anderen oben bezeichneten berechtigten Personen monatlich vier Mark. Die Geldunterstützung kann teilweise durch Lieserung von Brot Kartosseln, Brennmaterial usw. ersetzt werdemn. Unterstützungen von Privatvereinen und Privatpersonen, die, wie oben gesagt, neben der Reichshilfe ohne Zweisel reichlich fließen würden, dürsen auf die vorbezeichneten Mindestbeträge nicht angerechnet werden. Daß der Begriff Bedürftigkeit überhaupt eine recht wohlvollende Auslegung erfährt, ist selbstverständlich. Die bewilligten Unterstützungsbeträge sind monatlich im voraus zu zahlen. Zu Rückzahlungen sind die Empfangsberechtigten unter keinen Umständen verpflichtet, z. B. auch dann nicht, wenn der Einberusene vor Ablauf der Halbmonatszeit zurückkehrt oder wenn er aus irgend einem Grunde nicht in Dienst gestellt wird. Vor Beginn und Dauer der Unterstützung kommt auch der für Hin= und Rückmarsch zum beziehungsweise vom Truppenteil erforderliche Zeitraum in Berechnung. Durch zeitweilige Beurlaubung kranker oder verwundeter Dienstpflichtiger in die Heimat erleldet die Unterstützungsberechtigung keine Unterbrechung. Stirbt der in den Dienst Eingetretene vor seiner Rückkehr, oder wird er vermißt, so ist die Unterstützung den Angehörigen so lange zu gewähren, bis die Formation, der er angehörte, aus den Friedensfuß zurückgeführt oder ausgelöst wird. Soweit jedoch den Hinterbliebenen auf Grund der die Bewilligung für die Hinterbliebenen der Militärpersonen betressenden gesetzlichen Bestimmungen Bewilligungen gewährt werden, fallen di durch das Gesetz vom 28. Februar 1888 geregelten Unterstützungen fort. Falls Personen, deren Familien nach den Vorschriften dieses Gesetzes Unterstützung erhalten, nach ihrem Eintritt in den Dienst fahnenflüchtig oder wenn sie zu Gesängnisstrafe von länger als sechsmonatiger Dauer oder zu einer härteren Strafe verurteilt werden, so wird die bewilligte Unterstützung bis zum Wiedereintritt in den Militärdienst eingestellt. Schließlich sei bemerkt, daß das Gesetz zwar nicht die„Beantragung“ der Reichshilfe fordert, daß aber mit Nücksicht auf die Voraussetzung der Bedürftigkeit in der Regel wohl ein Antrag der Unterstützungsberochtigten abgewartet wird. Unterslühung von hilfsbedürtigen Familie im Falle einer Mobilmochung. Nach dem Reichsgesetz vom 28. Fedruar 1888 erhalten die Familien der Mannschaften(Gemeine und Unteroffiziere) der Reserve, Landwehr, Ersatzreserve, Scewehr und des Lundsturms, sobald diese Mannschaften bei Mobilmachungen odeer notwenkigen Verstärkungen des Heeres oder der Flotte in den Dienst eintreten, im Falle der Bedürftigkeit Unterstützung. Das gleiche gilt bezüglich der Familien derjenigen Mannschaften, welche zur Disposition der Truppen=(Marine) Teile beurlaubt sind, sowie der Mannschaften, die das wehrpflichtige Alter überschritten haben und freiwillig in den Dienst eintreten. Anspruch aus diese Unterstützungen haben die Ehefrauen des Eingetrenen u. Lessen Kinder unter 15 Jahren; für Kinder über 15 Jahre und Verwandte des Einberusenen in auf steigender Linie(Eltern, Großeltern) sowie Gaschwister wird sie nur dann gewährt, wenn diese Angehörigen von ihm unterhalten wurden oder nach dem Diensteintritt das Unterhaltungsbedürfnis sich einstellt. Auch an die Verwandten der Chefrau in austeigender Linie und ihren Kindern aus früherer Ehe kann unter derselben Voraussetzung die Unterstützung gewährt werden, nicht dagegen entfernteren Verwandten und geschiedenen Jaures ermordet! Die Ermordung des französischen Sozialistenführers Jaures durch einen chauvinistischen Franzosen hätte in ruhigen Zeitläusen Aufsehen erregt. Heute ist sie sast unbeachtet vorübergegangen. Jaures, der ebensolcher Patriot wie Friedensfreund war und dem s. Z. Fürst Bülow als Reichskanzler Worte der Anerkennung zollte, wurde in dem Pariser Presse=Cafce von einem sanatischen Chauvinisten durch zwei Revolverschüsse niedergestreckt. Der Mörder des Abgeordneten Jaures heißt Raoul Villain, ist 29 Jahre alt und Sohn eines Schreibers am Zivilgericht in Reims. Der ermordete Jaures hat ein Alter von noch nicht 55 Jahren erreicht. Er war der hervorragendste Redner seiner Partei und ein wissenschaftlich hochgebildeter Mann. Als solcher hat er sich namentlich durch seine Aufsätze über Luther, Kant, Fichte, Hegel und andere deutsche Geistesgrößen erwiesen. Kopp's Welt=Taschen=Atlas, im Format von 9 zu 11 Zentimeter in solider Mappe. Preis 40 Pf. Verlag von Paul Klostermann, München. Von der großen Beliebtheit dieses Werkchens zeugt der Umstand, duß in ganz kurzer Zeit drei Auflagen 1—45 Tausend erschienen sind. Bekanntmachung. betressend Befreiung vom Aufgebot bei Eheschließungen. Auf Grund der Allerhöchsten Verordnung vom 16. Dezember 1912(Gesetzsamml. S. 229) bestimme ich für den Umsang der Monarchie folgendes: 1. Im Falle einer Mobilmachung oder einer Erklärung des Kriegszustandes(Artikel 11 und 68 der Reichsversassung) ist zur Befreiung vom Ausgebote zum Zwecke der Eheschließung, sosern der Verlobte der bewaffneten Macht angehört u. beide Verlobte Reichsinländer sind, der Standesbeamte zuständig, vor dem die Ehe geschlossen werden soll. 2. Zur bewaffneten Macht im Sinne der Ziffer 1 gehören a) alle Militärpersonen des Friedensstandes der Armee oder der Kaiserlichen Marine, einschließlich der Militär= oder Marineärzte und der Militär= oder Marinebsamten. b) alle Personen, welche als Offiziere, Aerzte, Militärbeamte oder Mannschaften des Beurlaubtenstandes(Reserve, Marinereserve, Land= und Seewehr, Ersatzreserve, Marine= Ersatzreserve) oder sonst als Wehrpflichtige zum Heere oder Marine einberufen oder zum Landsturm aufgeboten sind, oder sich freiwillig zum Eintritt in das Heer, die Marine oder den Landsturm gestellten haben. c) alle Peisonen, die sich bei dem Heere oder der Kaiserlichen Marine in irgendeinem Dienstoder Vertragsverhältnisse befinden oder sich sonst bei dem Heer oder der Kaiserlichen Marine aushalten oder ihnen sfolgen. 3. Der Standesbeamte hat sich in geeigneter Weise von der Zugehörigkeit des Verlobten zu den unter Ziffer 2 bezeichneten Personen zu überzeugen. Soweit der dazu erforderliche Ausweis nicht auf andere Weise erbracht wird, genügt für die zu Jisfer 2b bezeichneten Personen der Militärpaß, die Gestellungsorder oder eine behördliche Bescheinigung über die freiwillige Gestellung, für die zu Zisser 2c bezeichneten Personen die Bescheinigung des Militärbefehlshabers oder der Militärbehörde, mit denen das Dienst= oder Vertragsverhältnis abgeschlossen ist oder die die Genehmigung, sich beim Heere oder der Marine aufzuhalten oder ihm zu folgen, erteilt haben, oder des Kommandanten des Schiffes oder Fahrzeuges, auf dem der Verlobte sich aushält. 4. Die Besreiung vom Aufgebot ist zu den Eheschließungsakten zu vermerken. Sie darf nur erteilt werden, wenn im übrigen die gesetzlichen Erfordernisse zur Eheschließung nachgewiesen sind; insbesondere wird an der Verpflichtung der Militärpersonen des Friedensstandes(§ 40 Reichsmilitär= gesetze vom 2. Mai 1874) die Genehmigung ihrer Vorgesetzten zur Eheschließung beizubringen, durch diese Bekanntmachung nichts geändert. 5. Die Zuständigkeit der Standesbeamten zur Befreiung vom Ausgebote nach Maßgabe dieser Bekanntmachung bleibt bis zur Aufhebung der letzteren in Kraft. Berlin, den 11. März 1913. Der Minister des Innern. v. Dallwitz. Bekanntmachung. Nachdem die Mobilmachung der Armee Allerhöchst befohlen worden ist, bringe ich die nachstehende Bestimmung der Pferde=Aushebungs=Vorschrift vom 1. Mai 1902 hiermit zur Kenntnis der Kreiseingesessenen: § 11. Von Bekantgabe des Mobilmachungsbefehls bis nach Beendigung der Pferdeaushebung ist jede Ausführung von Pferden in andere Kreise oder Ortschaften verboten. Zuwiderhandlungen werden für jeden einzelnen Fall mit der in§ 27 des Kriegsleistungs=Gesetzes vom 13. Juni 1873 vorgesehene Strafe geahndet. Eine Ausnahme von dem Verbote findet nur statt, wenn nachweislich der Verkauf an Militärbehörden des Aushebungsbezirkes oder an solche Offiziere, Sanitätsosiziere oder Militärbeamte, welche sich die Pferde für ihre Mobilmachung selbst beschaffen, geschehen ist. Hörde, den 1. August 1914. Der Landrat. daß jedermann, der in den Besitz einer Brieftaube gelangt, bereitwillig den vorstehenden Anordnungen entsprechen wird. Schwerte, den 2. August 1914. Der Bürgermeister. Nohrmann. Aus Anordnung des Staatssekretärs des Reichs=Postamts. Beschränkung des Postverkehrs im Inlande. Infolge Erklärung des Kriegszustandes werden von jetzt ab bis auf weiteres verschlossene Privatsendungen(verschlossene Briefe und Pakete) zur Postbeförderung nicht mehr angenommen 1. nach Elsaß=Lothringn, 2. nach den zum Regierungsbezirk Trier gehörigen Kreisen St. Wendel, Ottweiler, Saurbrücken (Stadt), Saarbrücken(Land), Saarlouis, Merzig und Saarburg(Bezirk Trier), 3. nach Orten im Fürstentum Birkenfeld, 4. nach den zum Befehlsbereiche der Festungen Straßburg(Elsaß) und Neubreisach gehörigen badischen Postorten, das sind: a) im Bereich der Festung Straßburg die Orte: Altenheim, Appenweier, Auenheim(Amt Kehl), Vodersweier, Diersheim, Dundenheim, Ichenheim, Kehl, Kork, Legelshurst, Leutesheim, Lichtenau(Bad#en), Linx, Marlen, Meißenheim(Baden), Memprechtshofen(Amt Kehl), Neufreistett(Amt Kehl), Rheinbischofsheim, Scherzheim(Amt Kehl), Schutterwald, Sundheim(Baden), Urlossen, Wagshurst, Willstätt (Amt Kehl), Windschläg; h) im Bereich der Festung Neubreisach die Orte: Achkarren, Breisach, Burkheim, Gottenheim, Jechtingen, Ihringen, Königschaffhausen(Kaiserstuhl), Krozingen, Mengen(Baden), Merdingen(Baden), Munzingen, Oberbergen Kaiserstuhl), Oberrimsingen, Oberrotweil, Opfingen, Sasbach(Kaiserstuhl), Schallstadt. 5. nach der Rheinpfalz. Die durch die Brieskasten aufgelieserten sowie die bei Verössentlichung dieser Bekanntmachung bereits in der Beförderung begrifsenen verschlossenen privaten Briessendungen und Privatpakete nach den vorbezeichneten Gebietsteilen und Orten werden den Absendern zurückgegegeben, oder, wenn diese nicht bkannt sind, nach den Vorschriften für unbestellbare Sendungen behandelt werden. Kaiserliche Ober=Postdirektion Dortmund. Wird hiermit veröfsentlicht. Schwerte, den 1. August 1914 Der Magistrat. Rohrmann. Verantwortlich für die Redaktion Friede. KraaDruck u. Verlag von Cart Braus, beide in Schwert, Bekanntmachung. Die zum militärischen Nachrichtendienst benutzten Brieftauben tragen die ihnen anvertrauten Depeschen in Alumiumhülsen, die an den Schwanzsedern oder an den Ständern befestigt sind. Trifft eine Taube mit Depesche in einem fremden Taubenschlag ein oder wird sie eingefangen, so ist sie ohne Berührung der an ihr befindlichen Depesche unverzüglich, salls eine Fotisikation am Orte, an diese, andernfalls an die obersts Militär= oder Marinebehörde auszuhändigen. Ist auch eine Militär= oder Marinebehörde nicht am Orte, so ist die Taube an den Gemeindevorstand zu übergeben, der für die Weiterbeförderung der Depesche an die Militärbehörde oder an den Befehlshader der nächsten Truppenabteilung sorgen wird. Die Durchführung dieses Versahrens erheischt die tätige Mitwirkung der gesamten Bevölkerung. Von ihrer patriotischen Gesinnung wird erwartet, Zenannimachung Ak.“. Auf Anordnung des Staatssekretärs des Reichs=Postamts. Beschränkungen für den Post=, Telegraphen= und Fernsprechverkehr. 1. Postverkehr mit dem Auslande. Von jetzt ab werden nach dem Auslande und den deutschen Schutzgebieten mit nachstehend aufgeführten Ausnahmen nur noch offene Postsendungen In deutscher Sprache angenommen und befördert. Pakete sind nicht mehr zulässig. Private Mitteilungen in geheimer(chißfrierter oder verabredeter) Sprach: oder in anderer als deutscher Sprache, serner solche über Rüstungen, Truppen= od. Schiffsbewegungen oder andere militärische Maßnahmen sind vrboten, es sei denn, daß sie von militärischer Seite als zugelassen bescheinigt sind. Wertbriefe und Kästchen mit Wertangabe sowie Postausträge nach dem Auslande und den deutschen Schutzgebieten können jedoch unter folgenden besonveren Bedingungen zur Förderung übernommen werden: Die Auslichrung ist nur unmittelbar bei Postämtern zulässig, sowrit sie nicht militärischerseits für bestimmte Bezirke verboten wird; die Auflieferung bei Postagenturen, Posthilfsstellen u. durch die Landbriefträger ist demnach verboten. Briefliche Mitteilungen, soweit sie überhaupt zulässig sind, müssen in deutscher Sprache abgesaßt sein und kür, en keinen verdächtigen Inhalt haben. Die Sendungen sind bei den Postämtern offen vorzulegen und demnächst unter Uebeerwachung der Beamten zu verschließen und zu versiegeln. 2. Telegraphen= und Fernsprechverkehr mit dem Ausland und im Inlande. Privattelegramme nach dem Ausland und im Inhan#e müssen in offener und deutscher Sprache abgesaßt sein. Tebegramme in sremder oder in geheimer(chilfrierter oder verabredeter) Sprache sowic solche über Rüstungen, Truppen= oder Schifssbewegungen oder andere militävische Maßnahmen sind rerboten. Die Telegramme müssen bei der Auflieferung mit Namen und Wohnung des Absenders versehen sein. Auf Verlangen müssen sich Absender und Empfänger über ihre Persönlichkeit ausweisen. Der private Fernsprechverkehr nach dem Ausland und nach einigen am Schalter zu erfragenden Grenzgebieten des Inlandes wird eingestellt. Außerhalb dieser Grenzgebiete dünsen Gespräche im innem deutschen Verkehr nur in deutscher Sprache geführt werden und keine Mitteilungen über Rüstungen, Truppen, oder Schiffsbewegungen oder andere militärische Maßnahmen enthalten Der Funkentelegraphenverkehr wird eingestellt. Weitere Beschränkungen oder Erleichterungzen des Post=, Telegraphen= und Fernsprechverkehrs bleiben vorbehalten. Kaiserl. Deutsche Ober=Postdirektion Hortmund, Freiw. Cumaisnbionne vom Roten Kreuz Montag, den 3. August, abends 8½ Uhr, im Vereinslokal: 5118 und Ausgabe von Bekleidungs= und Ausrüstungsstücken. Der Statt jeder besonderen Anzeige. Hermine Dittrich Die Verlobung meiner jüngsten Tochter Hermine mit dem Herrn August Voss beehre ich mich hierdurch anzuzeigen Frau Wilwe Liselle Dillrich. August Voss Verlobte Schwerte Dortmund August 1914. Bekanntmachung. Nachdem die Mobilmachung der Armee Allerhöchst befohlen worden ist, weise ich hiermit auf die Bestimmungen des Gesetzes, betreffend die Unterstützung von Familien in den Dienst eingetretener Mannschaften vom 28. Februar 1888 hin: Die Familien der Mannschaften der Reserve, Landwehr, Ersatzreseroe, Seewehr, des Landsturms sowie derjenigen Mannschaften, welche zur Disposition der Truppen=(Marine) Teile beurlaubt sind und ferner derjenigen, welche das wehrpflichtige Alter überschritten haben und freiwillig in den Dienst treten, erhalten, sobald diese Mannschaften in den Dienst eintreten, im Falle der Bedürftigkeit Unterstützungen. 2) die Ehefrau des Eingektelenen und dessen eheliche und den ehelichen gesetzlich gleichstehende Kinder unter b) dessen Kinder über 15 Jahren, Verwandte in austeigender Linie und Geschwister, insofern sie von ihm unterhalten wurden oder das Unterhaltungsbedürfnis erst nach erfolgtem Diensteintritt desselben hervorgetreten ist. Unter den sub b bezeichneten Voraussetzungen kann den Verwandten der Ehefrau in aufsteigender Linie und ihren Kindern aus früherer Ehe eine Unterstützung gewährt werden. Die Unterstützungen betragen mindestens: a) für die Ehefrau im Mai, Juni, Juli, August, September, Oklober monatlich 6 Mark, in den übrigen Monalen b) für jedes Kind unler 15 Jahren, sowie für jede der oben unter d bezeichneten Personen monatlich 4 Mark. Die Geldunkerstützung kann teilweise durch Lieferung von Brolkorn. Kartoffeln, Brennmaterial usw. ersetzt werden Die bewilligten Unterstützungsbeträge werden in halbmonatlichen Raten vorausgezahlt und sind bei dem zuständigen Iah mache indessen noch besonders darauf aufmerksam. daß bei Beantragung der Unterstützungen bei den Ortsbehörden der Jettel mit vorzulegen ist, der den eingezogenen Mannschaften bei der Kriegsbeorderung besonders mit ausgehändig! worden ist. Er enthält den Ausweis über den Anspruch über die Familienunterstützung. Hörde, den 2. August 1914. 5314 Der STATT KARTEN! Brühl-Cöln Verlobte 1. August 1914 5312 Schwerte Gerunnenhaus. Wir suchen sofort junge Mädchen, die bereit sind, uns bei der Pflege der voraussichtlich demnächst eintreffenden Verwundeten zu helfen. Die theoretische und praktische Unterweisung in der Krankenpflege soll gleich beginnen. Es mögen sich jedoch nur solche Mädchen melden, die wirklich dienen, gewissenhaft arbeiten und zu jeder Zeit bedingungslos zur Verfügung stehen wollen. 5321 Aus den bei den Unterzeichneten bis heute Abend 8 Uhr eingehenden Meldungen die notwendige Anzahl auszuwählen behalten wir uns vor. Wischnath. Dr. Emmerich. Kurssdcher und Pahrsiane sind stets vorrätig in der Buchaandlung CARE BRAUS, SCHWERTE(RUHR), Gr. Marktstr. 3—5 Favorit Modenalbum 60 J, Favorit Jogendalbum 60 Jf Favorit Handarbtsalb. 60, 1! 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August, also während der ersten Mobilmachungstage, tunlichst noch mit den gewöhnlichen Zügen aufrecht erhalten werden. Falls einzelne Personenzüge aus militärischen Rücksichten schon während dieser Zeit in Fortfall kommen müssen, so wird dies durch Aushung auf den Stationen bekannt gemacht. Vom 4. d. Mts., also dem 3. Mobilmachungstage ab, wird bis auf Weiteres der Personen= und Gepäck=Verkehr nur noch mit den Militär=Lokalzügen stattfinden, welche letztere durch besondere Fahrpläne bekannt gemacht werden. Sofern indeß auch diese Züge durch Militär=Transporte völlig in Anspruch genommen werden sollten, steht dem Publikum ein Anspruch auf Besörderung mit denselben nicht zu. 3. Alle Beschwerden gegen vorstehende Bestimmungen und alle Gesuche um Beförderung von Privatpersonen, Vieh oder Gütern sind zwecklos und bleiben seitens der Eisenbahn=Behörden unbeantwortet. 4. Ueber die teilweise oder völlige Wiedereröffnung des Friedens=VerkehrsZwied seiner Zeit weitere Bekanntmachung erfolgen. Elberfeld, den 1. August 1914. Königliche Eisenbahndirektion. —: Moderne Colllers, Medalllons, Anhänger in jeder Art, ##X: a Damenringe und Herrenringe in den modernsten Formen, Broschen und Ohrgehänge, Armbänder, Vorstecknadeln, Damen- und Herren- Uhrketten in 10 G L. verschiedenen Qualitäten, Brillant-Ringe, Brillant-Broschen, Brillant-Ohrgehänge etc. endsannaaunennaasans Sehr grosse Auswahl! Billigste Preise Seu sioer ausvant. Bulg A. Eick& Comp. Balkenstrasse 36—38 DORTMUND Balkenstrasse 36—38 beim Bezirks-Kommando. 4992 Km 8 Verkäufe! Diejenigen militärfreien Mitbürger, die sich in den Dienst des Roten Kreuzes stellen wollen, werden gebeien, sich heute abend 3½ Uhr im =Reiche des Wassers= zu melden. der Freiwilligen Sanilätskolonne. Hömberg. 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Für eine„Kammerjungfer“ erschien sie ihm merk*: I n d e s p l a u d e r t e n s i e b a l d w i e z w e i a l t e, g u t e B e Sie hatten das zur Strecke gebrachte Wild, den feisten Hirsch, betrachtet, und Hans von Dahlen führte „Viola“— so hatte sie sich ihm genannt— durch den io Die Leizende, goldlockige„Kammerjungser“ verstand es vorzüglich, Hans von Dahlens Vertrauen zu gewinnen, daß er ihr rückhaltlos alles erzählte, wonach sie ihn fragte—— und sie fragte viel. Mit ersichtlicher Teilnahme hörte sie von seiner Familie: von der teuren Mutter, die er so zärtlich liebte— von dem pflichtgetreuen Vater, dem geliebten, verehrten, dem die Ehre und sein Wald über alles Er erzählte ihr von Herta, der lieblichen, ausblühenden Schwester, von Kurt und Lotte, und von dem Nesthälchen, dem kleinen Friedel, seinen lieben Und endlich erinnerte sich Hans von Dahlen doch auch, daß es die höchste Zeit sei, sich zum Graien, Vorrisson zu begeben— obwohl ihm der Gang nau, Rodau jetzt noch viel abscheulicher vorkam. Wie gern hätte er noch so stundenlang mit der schönen Viola geplaudert— indes mußte er fürchten, bei dem längeren Verweilen den Besitzer des Schlosses Rodaun nicht anzutrei zum, Grasen Ernest von Moris„Ah— sie gehen zum Grüsen Ernest von Molisson?“— fragte, stehenbleibend, seine hübsche Be„Ist denn der Graf auf Schloß Rodaun anwesend? Und wird die neue Bahn wirklich gebaut——?“ „Sie wissen——?“ fragte Hans von Dahlen „Hm!— von meiner Herrin. Ich glaubte den Grafen in Italien? Seine Güter sind ungemein verschuldet— es wundert mich, daß er hier ist.“ Hans von Dahlen begriff nun, warum der Bau der Zweigbahn in kürzester Zeit beginnen und mit allen Hebeln in Bewegung gesetzt werden sollte. Am Ufer der blauen Dirnitz trennten sich ihre Hans getraute sich nicht einmal, die reizende„Kammerjungser“ um ein Wiedersehen zu bitten— so vornehm und unnahbar erschien sie ihm. Unter einer jungen Linde, deren Blätter noch nicht vollständig entwickelt waren, blieb Viola stehen. Sie nahm einen zierlichen Ring mit blinkenden Opalen von ihrem kleinen Finger, reichte ihn ihrem Begleiter und lächelte freundlich. „Tragen Sie ihn zum Andenken an mich! Und führt uns der Zufall wieder zusammen, dann wollen wir wie alte Freunde plaudern— nicht wahr? Nochmals wärmsten Dank!— Noch eines: Wenn Sie den Grafen Morrisson heute sprechen, dann grüßen Sie ihn bestens von der„Nachteule“, die nicht weit von ihm haust!“ Er glaubte nicht recht zu verstehen. „Wie—? Von der„Nachteule“?“ fragte Hans eredn Ganz recht— von der Euler“ Und ehe er noch fragen konnte, war sie, ihm freundlich zunickend, lächelnd im Tannendickicht verschwunden. (Fortsetzung folgt.] 92 wir Wilden sind doch bessere de v. Mienschen.“ Mit diesen Worten wandte sich ein Herr an seine Nachbarin, nachdem jemand zwischen Fisch und Braten eine endlose Rede gehalten hatte. „Wie meinen Sie das?“ fragte die Dame. „Das will ich Ihnen sagen, in Afrika gibt es einen Negerstamm, bei dem es Gesetz ist, daß jeder Redner auf einem Bein stehen muß, uund dieser darf nur so lange reden, wie er dies aushalten kann. Finden Sie nicht, daß trotz unserer vielgerühmten Zivilisation immer noch Punkte gibt, in denen die Wilden uns über sind?“ Weiße Lederschuhe, die noch ganz, aber nicht mehr sehr ansehnlich sind, kann man noch sehr gut als Ballschuhe verwenden, wenn man sie mit Goldbronze überstreicht, da vergoldete Schuhe modern sind und zu jeder Kleiderfarbe passen. Man mischt etwas Goldbronze mit der bekannten Bronzetinktur und bestreicht damit die Schuhe recht gleichmäßig. Wenn man die Arbeit recht vorsichtig macht, sehen die Schuhe wie neu aus. Bier= und Weinflaschen u. dgl. sollten immer gleich, nachdem sie geleert sind, gut gereinigt werden. Es ist dann viel leichter, als wenn die Reste des Inhalts erst an den Wänden der Flaschen angetrocknet sind. Das Reinigen von Flaschen, die lange ungesäubert gestanden, ist oft sehr schwierig, und es muß zu besonderen Hilfsmitteln gegriffen werden. Vielfach nimmt man zu diesem Zweck Schrot oder verdünnte Salzsäure. Beides beseitigt auch sehr schnell die Unreinlichkeiten, aber dennoch ist die Anwendung dieser Mittel nicht ratsam, da sie beide giftig sind, und bei nicht genügender Vorsicht leicht kleine Teilchen dieser Gifte in der Flasche zurückbleiben und verderblich wirken können. Es ist daher zu empfehlen, unschädliche Reinigungsmittel zu wählen, als da sind: zerbrochene Eierschalen, rohe Kartoffelschalen, klein zerpflücktes Zeitungspapier, Asche, Sand mit Essig angefeuchtet u. dgl. m. Sind die Flaschen sehr schmutzig, so stelle man sich eine Lösung von zwei Gramm Chlorkalk auf 1/ Liter Wasser her, schüttle diese solange in der Flasche, bis sie rein ist, und spüle dann mit etwas Essig und zuletzt mit reinem, kaltem Wasser nach. Humur. Der kluge Hund.„Ja,“ sagte Schulze,„ich habe einen ganz außergewöhnlich klugen Hund. So kam ich zum Beispiel heute morgen zum Frühstück herunter; ich hatte schlecht geschlafen, war infolgedessen nicht besonders guter Laune und vergaß, ihm, wie gewöhnlich, seinen kleinen Anteil zu geben. Was tut der Hund? Er läuft in den Garten, reißt eine Pflanze aus und legt sie mir zu Füßen.“ „Und was war das für eine Pflanze?“ „Vergißmeinnicht!“ Amtliches Kreisblatt Gundula. Roman von A. von Crrstedt. (21. Fortsetzung) (Nachdruck verboten.) era dagegen erschien als Modedame in einer weißen Chiffontoilette, die mit schwarzer Gaze drapiert war. Ihre stolze Schönheit kam in dem engen und doch lose wallenden Gewande zur besten Geltung. Eine Perlenkette legte sich um den blendend weißen Hals, eine lange, goldene Kette war für das Lorgnon bestimmt, am Ausschnitt des Kleides, der den Hals freiließ, war eine vollerblühte Zentifolie befestigt. Schon in der Kleidung verrieten sich die grundverschiedenen Charaktere der beiden jungen Mädchen. Es haftete Gundula etwas lieblich Hausfrauliches an, während Vera die stolze Weltdame repräsentierte. „Wie gefällt Ihnen dieser stille Erdenwinkel, gnädiges Fräulein," wandte Stefany sich an Vera, „möchten Sie nicht längere Zeit, sagen wir bis zum Herbst, hierbleiben? So einsam, wie es vielleicht den Anschein hat, ist es nicht bei uns. Es werden Waldpartien arrangiert, lange Autofahrten unternommen, und auch die Vergnügungen auf dem Wasser sino 9 Vera hatte schon, während der Baron sprach, ein entsetztes Gesicht gemacht.„Nicht um die Welt möchte ich länger als einen Tag in dieser Einöde verbringen,“ entgegnete sie in komischem Entsetzen,„nein, eine solche Zumutung weise ich mit aller Entschiedenheit zurück. Schon jetzt ist es mir, als müßte ich ersticken in der Einsamkeit. Ich brauche die Menschen, geräuschvolle Abwechslung. In Ostende, von wo wir soeben kommen, ist mein Platz. Es war entzückend, himmlisch dort, und vermutlich kann ich es Papa abschmeicheln, daß er Mama und mir erlaubt, noch einmal dorthin zurückzukehren. Ich habe ihm doch auch den Gefallen getan,“ fügte sie halb schmollend hinzu,„und bin mit hierher gekommen. Mama zog es vor, zu ihrer Freundin, der Baronin Elsen, inzwischen zu gehen— verdenken kann ich es ihr nicht.“ Sie gähnte. „Wenn Sie nur gesehen hätten, mit welcher Freude Sie hier erwartet worden sind, würden Sie anders sprechen,“ bemerkte Stefany mit einem Seitenblick auf Gundula, die heute ein wenig leidend aussah und in ihrer stillen Lieblichkeit einer weißen Rose glich. „Ja, ja, ich weiß, daß Gundel, das kleine Schaf, immer noch anhänglich ist, trotzdem wir es um sie eigentlich nicht verdient haben,“ sagte Vera rücksichtslos, „aber gerade diese unverwüstliche Sanftmut— nimm es mir nicht übel, kleine Schwester— ist uns nicht sonderlich sympathisch. Mama kann diese ruhigen, temperamentlosen Menschen, zu denen ihr, du und dein Onkel gehört, überhaupt nicht leiden, sie wird nervös, wenn sie dich nur in ihrer Nähe weiß. Wir sind lebhaft, sagen jedem frei unsere Meinung heraus und fühlen uns nur zu offenherzigen Menschen hingezogen, selbst wenn wir nicht einer Meinung mit ihnen sind.“ „Ihr Papa gehört aber dem Anschein nach auch zu denen, welche, um mit Ihnen zu sprechen, nicht temperamentvoll sind,“ äußerte der Baron. Gundula hatte den Blick tief gesenkt. Man konnte glauben, sie höre gar nichts von der Unter„Papa—“ sagte Bera mit einer Bewegung, als verschlucke sie eine Pille—„ist immer gut und rücksichtsvoll gegen uns, und mehr verlangen wir von ihm „Sehr diplomatisch!“ meinte der Baron mit halbem Lächeln,„Papas rechnen demnach überhaupt nicht mit. Sie sind dazu da, um den Töchtern alle Wünsche zu erfüllen; kommen sie dieser heiligen Pflicht nach, so läßt man sie gelten. Andernfalls—“ „Nun ja, gewiß! Und Sie glauben nicht, wie angenehm es ist, einen bequemen und noblen Papa zu Gundula tat das Herz weh bei diesen Aeußerungen, die ihr recht herzlos vorkamen. Unauffällig blieb sie ein paar Schritte zurück. Der Anblick ihres Vaters hatte ihr Tränen erpreßt. Er sah leidend und stark gealtert aus. Sie kannte ja sein weiches, liebebedürftiges Herz und wußte, daß er darbte an der Seite der beiden oberflächlichen Geschöpfe, die nur das Leben genießen, nur prunken und überall eine hervorragende Rolle spielen wollten. Was fragten sie danach, ob der Vater in seinem Herzen befriedigt war oder nicht!? Bei der nächsten Wegbiegung kam Eicke ihr ent„Ich bin hocherfreut, dich allein zu treffen, mein Liebling,“ sagte er zärtlich,„nun führe mich Wege, wo wir vor einer Begegnung mit den anderen sicher sind. Eine kurze Plauderstunde wird uns ja Gundula legte den Arm um ihres Vaters Nacken und schmiegte ihr blondes Köpfchen an seine Schulter. „O mein lieber Papa, wie wollte ich dich hegen und pflegen, dürfte ich bei dir sein,“ sagte sie weich; daß wir so getrennt dahinleben müssen, ist doch gar zu „Es ist unser Verhängnis, Gundel. Was sollte ich damals beginnen, als ihr Kinder klein wart und der Haus 6 □ 45 □ C# halt jeder Aufsicht entbehrte? Sollte ich mich zum dritten Male verheiraten? Dagegen lehnte sich alles in mir auf. Und als meine erste Frau dann zu mir kam, mich himmelhoch bat, ihr zu verzeihen und zu erlauben, daß sie wieder als Gattin und Mutter ihren Einzug in mein Heim halte, da konnte ich ihren Bitten nicht widerstehen, ich war sogar froh, daß sie gekommen und die Versöhnung angebahnt hatte; hoffte ich doch, daß sie schon aus Dankbarkeit gütig gegen dich sein werde. Aber da befand ich mich in einem großen Irrtum. Wie könnte auch ein harter, egoistischer Sinn liebevoll empfinden! In der allerersten Zeit suchte Eugenie sich mir wohl anzupassen, war sie freundlich und zutraulich gegen dich. Doch nur zu bald kamen ihre Herrschsucht und ihr Egoismus zum Durchbruch. Sie begann, dich zu vernachlässigen, wurde immer herzloser gegen dich.“ Gundula seufzte in der Erinnerung an all die erlittene Unbill.„Damals glaubte ich immer, du sähest nichts, Papachen,“ sagte sie mit leisem Vorwurf in der Stimme,„weil du absolut nichts zu meinem Schutze unternahmst..... 924h mchr GIxhail a. f Sein „Dadurch hatte ich nur noch mehr Unheil auf bein armes, junges Heupt herabbeschworen, Gundel, hätte Eugenies Haß geweckt. Da war es noch besser, zu schweigen und durch gelegentlich erwiesene Aufmerksamkeiten deiner Stiefmutter Konzessionen zu machen. Trotzdem war es damals hohe Zeit, daß Onkel Otto dich befreite. Ich habe dich ja schmerzlich genug vermißt, aber das Bewußtsein, dich glücklich und geborgen zu wissen, hat mich stets getröstet.“ „Ja, ich habe dem Onkel unendlich viel zu danken. Aber nun sag' mal, Papa, ist Vera ebenso— böse und oberslächlich wie ihre Mutter?“ 64i6— „Nein. Bera ist allerdings heillos oberflachlich und borniert, das Ergebnis von Eugenies Erziehung. Aber das Mädel ist zu beeinflussen. Wenn sie zum Beispiel längere Zeit in deiner Nähe lebte und du ihr Vertrauen zu gewinnen wüßtest, so wäre es nicht ausgeschlossen, daß sie dir nachstrebte. Es steckt ein guter Kern in ihr. Sie ist weder verschlagen noch verlogen, sondern aufrichtig bis zur Rücksichtslosigkeit. Aber ihr fehlt ein gutes Vorbild. Die Mutter hat gar kein Innenleben, sie berechnet nur den äußeren Effekt." „So wie du Vera schilderst, beurteile ich sie gleichfails.“ Gundula machte eine Pause, als brauche sie Zeit, einen Aufruhr in der eigenen Brust zu beschwichtigen. „So laß Vera doch ein paar Monate bei uns,“ sagte sie dann mit ruhiger, klarer Stimme,„gern will ich auf sie einzuwirken suchen, ohne daß sie es bemerkt, vielleicht gelingt es mir, die Goldkörner, die auf dem 1 Grunde ihrer Seele ruhen, zu finden und von allen Schlacken zu befreien.“.,, g. 4i, 8=4 „Du bist ein gutes, edies Herz, die echte Tochter meiner unvergeßlichen Klara,“ murmelte Eicke, mehr für sich sprechend,„o wäre sie, mein guter Engel, mein alles, an meiner Seite geblieben, um wieviel schöner hätte mein Leben sich gestaltet“„ucden nahzm cheniutl. In einem luftigen Borkenhäuschen nahm Gundula mit ihrem Vater Platz. Einen großen Teil des altertümlichen Gartens konnte man von hieraus übersehen. Weite Rasenflächen boten sich dem Auge und Rosenbeete in großer Fülle; denn Düren liebte die Rosen und kultivierte sie. P Kein Ton drang hierher, es sei denn der Ruf eines 1 Vogels oder das Summen der von süßem Blumensaft berauschten Bienen. 64 2am 1.# „Ach, wer auch in diesem tostlichen Frieden dahinleben dürfte,“ sagte Eicke, die Stille unterbrechend,„du bist zu beneiden, Gundel, diese Abgeschiedenheit ist köstI lich, sie wirkt wie ein Märchenreich. Hier müssen Herz und Seele gesunden. Wie gern bliebe ich ein paar Wochen! Aber was würde ich dann zu hören bekommen! Nein, nein, ich will lieber keinen Unfrieden heraufbeschwören. Daß ich auf die Reise hierher bestand, ist mir schon teuer genug zu stehen gekommen. Ich bekam es bis zum Ueberdruß zu hören, daß ich dich bevorzuge und du mir lieber bist als alle anderen.“ „Und ich möchte auch nicht zureden zum Bleiben, liebster Papa, es ist richtiger, wir tragen dem Vorurteil und der bösen Laune der Stiefmutter Rechnung. aber sagst du zu meinem Vorschlag? Erlaubst du, daß Vera hierbleibt?“ „Von Herzen gern. Nur fürchte ich, daß Vera an deiner Idylle wenig Gefallen findet; sie ist an das laute, geräuschvolle Treiben der Großstadt gewöhnt und liebt „Ich will sie herzlich bitten, mir längere Zeit Gesellschaft zu leisten, vielleicht tut sie mir den Gefallen!" meinte Gundula zuversichtlich..0 „Mir soll es recht sein, mein Liebling. Aber hüte dich vor Vera. Sie duldet keine anderen Götter neben sich.“ Eicke zögerte, dann aber fuhr er entschlossen fort: „Vera ist eine Intrigantin. Ich kann dich nicht genug vor ihr warnen. Wenn du denjenigen gefunden hast, Gundel, welchem du fürs Leben angehören möchtest, dann halte deine Stiefschwester fern von dir; denn sie würde ohne Bedenken die Hand nach deinem Glück ausstrecken und es dir zerstören.“ Gundula hatte das liebliche Gesicht tief geneigt. Es erschien noch leidender im Ausdruck als vorher, die zarten Lippen hatte sie fest zusammengepreßt, als fürchte sie, es könne ihnen ein Laut entschlüpfen, der verriet, was in ihr vorging...., sie erdsch 4.5 el „Ich glaube nicht, sagle sie enblich,„baß wühre Liebe durch die bösen Einflüsterungen anderer einen Wandel erfahren kann. Jedenfalls würde ich es darauf ankommen lassen; denn eine Liebe, um die man beständig zittern muß, kann nicht tief und treu empfunden sein. Doch um mich handelt es sich hier gar nicht. Allem Anschein nach ist Baron Stefany unzerer Vera sehr zugetan. Ob sich aus diesem warmen Interesse eine ernste Neigung entwickelt, muß der Zeit überlassen bleiben.“„ Eicke lächelte ungläubig.„Was ihr jungen Maochen“ euch manchmal einbildet, es ist nicht zu sagen! Der Baron und unsere Vera! Nein, Gundel, da hast ou falsch gesehen! An diese Liebe glaube ich nicht. Es wäre ja auch geradezu tragisch; denn Vera würde dem Baron in keiner Weise genügen und ihn kreuzunglücklich machen...... hildungsfäbis hat „Du selbst gibst zu, vaß sie oidungsjahig, bei weitem nicht so oberflächlich ist, wie ihre Mutter—“ „Bildungsfähig bis zu einem gewissen Grade, liebes Kind. Der Baron aber braucht eine sanfte, zärtliche und feinsinnige Frau, und die kann ihm Vera nie„Darauf kommt es nicht an, Papa. Ich glaube, wer liebt, sieht die Fehler des anderen gar nicht.“ „Dann handelt es sich um einen Rausch, der alsbald verfliegt. Der Baron wäre im voraus zu beeklagen, wenn ein solches Schicksal ihm beschieden wäre.“ Gundula wußte, was ihr Vater mit diesen Worten andeutete: sein eigenes, unseliges Geschick. Er hatte den Wert Eugenies weit überschätzt, als er sie zur Gattin nahm. Die Folge war ein beklagenswertes, verfehltes Leben. In ernster Stimmung begaben Vater und Tochter sich wieder ins Haus. Nur eine knappe Stunde blieb ihnen noch, dann sollte die Weiterreise des Bankiers und seiner ältesten Tochter erfolgen. Vera und der Baron hatten gesehen, wie Gundula sich zärtlich an ihren Vater schmiegte. (Fortsetzung folgt.) ucuu sbigymusch U„u M Denkspruchz. Es muß ja immer desser werden; und d.ingt nicht alles im Augenblick Füchte, lo ist ja schon das Bewußtsein, sich erhalten zu daben, das Beseligenäste. Schumann Forstmeister Dahlen. Novelle von Mara Markov. (Nachdruck verboten.) Eigentlich begann diese wahrhaftige Geschichte schon zur Maienzeit, als Mandelstrauch und Kirschbaum in voller Blütenpracht standen. Ganz recht— damals hub es an, als der frische, grüne Wiesenteppich mit zahllosen, rotgeränderten Gänseblümchen übersät war, und die kleine Lerche ihr jauchzendes„Tirri—tirreliri“ hoch über der Ackerfurche in den blauen Himmel schmetterte. Ein warmer, klarer, blauer Morgen stieg über dem Zillbacker Tale auf, als ein noch junger Mann in kleidsamer Jägertracht durch den Wald schritt, der sich von Eisenach zu den Basaltkuppen der Hohen Rhön hinzieht. Die Waldvögel lärmten schon lange, die Sonne aber goß Ströme flutenden Lichtes über die Wipfel der Eichen und Buchen, welche in schimmerndem ersten Grün destanden.. g2 I5 fate Ein Kiner Gögel An einem schönen Waroplutze— ein kleiner Huger, von dem man weithin aussehen konnte— hielt Hans von Dahlen, des Forstmeisters Theo von Dahlen ältester Sohn, eine kurze Rast. Der üppige Duft taufrischer Farrenträuter und Zytlamen wehte erfrischend um seine heiße Stirn, die, hoch und weiß, von der gebräunten Farbe seines hübschen, offenen Gesichts tüchtig abP8.„ gin tct ur meenee Hans von Dahlen hatte einen recht unangeneymen Gang für seinen Vater zu machen. Er sollte dem Grasen von Morrisson auf Schloß Rodaun, zu welchem das Forstamt gehörte, das Theo von Tahlen der Aeltere verwaltete, Rechnungen und Pläne vorlegen. M„ Ja leider— Vorschläge und Plane, wie ein Teil der schönsten Forsten zu lichten und auszuroden sei, um eine Zweigbahn quer durch den prächtigen Wald zu bauen. Eine Eisenbahn— ein schnaubendes, pustendes, rasselndes und donnerndes Ungetüm, das Funken spie und die Kronen der prachtvollen Bäume meilenweit, mehr noch das Gras der saftigen Wiesen verdorren machte. Eine Eisenbahn bauen zu wollen— eine Eisenbahn in seinen stillen, gehüteten, geheiligten Forst! Schon der Gedanke an das Fällen und Ausroden der tausenden von Buchen, Eichen und Föhren ging ihm wie ein spitzes Messer durchs Herz. Und sein Wildstand— sein prächtiger Wildstand! Meilenweit werden die Singvögel und das Getier des Waldes verscheucht werden— meilenweit— nicht ein Eichkätzchen wird sich mehr zeigen. Und was die Hauptsache war: Jeder Maulasse von Städter, mit der Büchse in der Hand, wird daherkommen und ihm den feistesten Rehbock wegschießen— seine Rehböcke, die er gepflegt, wie ein Vater seine Püder.. fen Gen Cmh Pläne— haha:— wie man ihm, dem Forstmeister von Tahlen, seinen Wald, den er nun fünfunddreißig Jahre betreute, ruinieren und völlig zugrunde richten vollte—.... Aläne mach Nein! Diese Vorschläge uno Plau machte er nicht! Es war gerade genug, daß ihn seit dem letzten Herbste das greulichste Reißen im linken Beine quälte. Mochte der Herr Graf sich doch Sachverständige, mochte er sich doch Feldmesser kommen lassen.—— Mit seinem, Theo von Dahlens Willen, würde keine Eisenbahn durch seinen Wald gebaut werden, das gelobte er sich..... I., S a Kakedemie besucht Hans, sein Sohn, der die Forstarabentie besucht hatte und Reserveleutnant war, hatte einstweilen den Vater im Amte vertreten, bis eine geeignetere Stellung sich für ihn selbst finden würde. Auch er kannte ihn, und wie liebte er ihn, den Reiz des grünen Waldes— schon von den Tagen der Kindheit her. Deshalb fühlte er nur zu gut mit dem Vater und verstand ihn, wie keiner auf der Welt. Indes es galt die Stellung des Vaters— es galt die Existenz der ganzen Familie—— was sollte er nun dem Grasen sagen?. MigPänhenden Grche uck. Ueber die Zweige einer weißvuntenden Buche neben seinem Ruheplätzchen sprang ein Eichkätzchen— und Hans von Dahlen sah seinen Kletterkünsten mit demselben Vergnügen zu, wie in seinen Knabenjahren. Plötzlich hörte er den Gesang einer weiblichen Stimme.—.. J., Mani, hügelig waDen Waldweg herauf, der ein wenig hugelig war, kam eine hohe und schlanke Frauengestalt in einem hellblauen Sommerkleide.„8u6ut gssn Den breitrandigen, weißen Gartenyur schienterre sie an breiten und langen Bändern neben sich einher. Das zierliche Frauentöpfchen war von einer Aureole goldglänzender Flechten gekrönt und von einem blutroten Schirme magisch beleuchtet. Hans von Dahlen war' diese Frauenerscheinung völlig unbekannt. Die Dame ging schnell und sang mit wunderbar klarer, weithin tönender Stimme das alte, liebliche Kinderlied vom„Männlein, das im Walde ganz allein — wer mag wohl das Männlein——“ Noch ehe sich Hans von Dahlen aus seiner liegenden Stellung ganz erhoben hatte, brach das Liedchen plötzlich ab—— die schöne Frau schrie hell auf.— Hans sah einen großen, starken Hirsch, den der Gesang und der rote Schirm wild gemacht haben mochten, sich aus jener Gegend der Fahrstraße in gewaltigen Sätzen nähern, woher er, Hans, soeben gekom98. S enenber dne Gues Die Büchse angelegt und dem Zehnenver eine Ruger ins Blatt geschossen, das war das Werk eines Augenblickes.„„„9c linfa Hoch ausspringend, fiel der Gewaitige nach unks, verendend im Gebüsch......7 Euntm er Als Hans von Tahlen sich der Unvetannten wieder zuwandte, stand sie fast dicht vor ihm. Sie reichte ihm mit bezauberndem Lächeln die schmale, weiße, kleine Hand und sagte mit ihrer wohltönenden Stimme: „Sie haben mir das Leben gerettet, Herr Förster! Ich wäre ohne Ihre Hilfe, ohne Ihr sicheres Auge verloren gewesen. Nehmen Sie meinen wärmsten Dank! — Wie konnte ich auch ahnen, daß ein Spaziergang in frühester Morgenstunde in den grünen Hallen des Hans von Dahlen sah ganz verblüfft, aber auch ganz entzückt in die großen, meergrünen Augen und in die seinen Züge dieses Gesichtes. Das war eine Dame— das war sicher etwas Feineres als die Kleinstädterinnen, wenn er sich je auf die Manieren und die Ausdrucksweise der vornehmen Welt verstand. Wer konnte denn diese Schönheit sein? „Sie sehen, mein verehrtes Fräulein, daß es selbst im Walde Gejahren für einsam wandelnde Damen gibt. Wollen Sie mir erlauben, Sie in die Nähe Ihres Aufenthaltsortes zu bringen—? Sie— Sie sind doch in dieser Gegend zu Hause——?“ Sie lächelte schelmisch und setzte behende den großen,