Amtliches Kreisblatt## 80 K für den kreis börde Da Scdmunmn Zetung: euchcat thalch. außer Feierlags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierte: Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsdlatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Radatt gilt als Kassaraball u. erlischt dei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. 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Es war mein sehnlichster Wunsch, die Jahre, die mir durch Gottes Gnade noch beschieden sind, Werken des Friedens zu weihen und meine Völker vor den schweren Opsern und Lasten des Krieges zu bewahren. Im Rate der Vorsehung ward es anders beschlossen. Die Umtriebe eines haßerfüllten Gegners zwingen mich, zur Wahrung der Ehre meiner Monarchie und zum Schutze ihres Ansehens und ihrer Machtstellung und zur Sicherung ihres Besitzstandes nach langen Jahren des Friedens zum Schwert zu greifen. Mit rasch vergessendem Undanke hat das Königreich Serbien, das von seinen ersten Anfängen seiner staatlichen Selbständigkeit bis in die neueste Zeit von meinen Vorfahren und mir gestützt und gesördert worden war, schon vor Jahren den Weg offener Feindseligkeit gegen Oesterreich=Ungarn betreten. Als ich nach drei Jahrzehnten segensvoller Friedensarbeit in Bosnien und der Herzegowina meine Herrscherrechte auf diese meine Länder erstreckte, hat diese meine Verfügung im Königreiche Serbien, dessen Rechte in keiner Weise verletzt wurden, Ausbrüche großer Leidenschaft und bittersten Hasses hervorgerufen. Meine Regierung hat damals von dem schönen Rechte des Stärkeren Gebrauch gemacht und mit äußerster Nachsicht und Milde nur die Herabsetzung seines Heeres auf den Friedensstand und das Versprechen verlangt, in Hinkunft die Bahn des Friedens und der Freundschaft zu gehen. Von demselben Geiste der Mäßigung geleitet, hat sich meine Regierung, als Serbien vor zwei Jahren im Kampfe mit dem türkischen Reiche begrissen war, auf die Wahrung der wichtigsten Lebensbedingungen der Monarchie beschränkt. Dieser Haltung hatte Serbien in erster Linie die Erreichung seines Kriegszweckes zu verdanken. Die Hoffnung, daß das serbische Königreich die Langmut und Friedensliebe meiner Regierung würdigen und sein Wort einlösen werde, hat sich nicht erfüllt. Immer höher lodert der Haß gegen mich und mein Haus empor, immer unverhüllter tritt das Streben zutage, untrennbare Gebiete Oesterreich= Ungarns gewaltsam loszureißen. Das verbrecherische Treiben greift über die Grenze, um im Südosten der Monarchie die Grundlagen staatlicher Ordnung zu untergraben, das Volk, dem ich in landesväterlicher Liebe meine volle Fürsorge zuwandte, in seiner Treue zum Herrscherhause und zum Vaterlande wankend zu machen, die heranwachsende Jugend irre zu leiten und zu frevelhaften Taten des Wahnwitzes und des Hochverrates aufzureizen. Eine Reihe von Mordanschlägen, eine planmäßig vorbereitete und durchgeführte Verschwörung, deren furchtbares Gelingen mich und meine treuen Völker ing Herz getrossen hat, bilden die weithin sichtbare blutige Spur jener geheimen Machenschaften, die von Serbien aus ins Werk gesetzt und geleitet wurden. Diesem unerträglichen Treiben muß Einhal beboten, den unaufhörlichen Herausforderungen ein Ende bereitet werden, soll die Ehre und Würde meiner Monarchie unverletzt erhalten und ihre staatliche, wirtschaftliche und militärische Entwicklung vor beständigen Erschütterungen bewahrt bleiben. Vergebens hat meine Regierung noch einen letzten Versuch unternommen, dieses Ziel mit friedlichen Mitteln zu erreichen, Serbien durch eine ernste Mahnung zur Umkehr zu bewegen. Serbien hat die moßvollen und gerechten Forderungen meiner Regierung zurückgewiesen und es abgelehnt, senen Pflichten nachzukommen, deren Erfüllung im Leben der Völker unserer Staaten die natürliche und notwendige Grundlage des Friedens bilden. So muß ich denn daran schreiten, mit Waffengewalt die unerläßlichen Bürgschaften zu schaffen, die meinen Staaten die Ruhe im Innern und den dauernden Frieden nach außen sichern sollen. In 100 dieser ernsten Stunde bin ich mir der großen Tragweite meines Entschlusses und meiner Verantwortung vor dem Allmächtigen voll bewußt. Ich habe alles geprüft und erwogen. Mit ruhigem Gewissen betrete ich den Weg, den die Pflicht mir weist. Ich vertraue auf meine Völker, die sich in allen Stürmen stets in Einigkeit und Treue um meinen Thron geschart haben und für Ehre, Größe und Macht des Vaterlandes zu schwersten Opfern immer bereit waren. Ich vertraue auf Oesterreich= Ungarns tapfere und von hingebungsvoller Begeisterung ersüllte Wehrmacht, und ich vertraue auf den Allmächtigen, daß er meinen Wassen den Sieg verleihen werde. (gez.) Franz Josef M. (gez.) Stürghk M. P. schlagen stattgegeben werden könnte. Vor drei bis vier Wochen kann Rußland trotz seiner umfangreichen militärischen Vorkehrungen in den Distrikten an der deutschen und österreichischen Grenze nicht bereit sein. Bis dahin kann aber, nach der Schnelligkeit und Exaktheit der österreichisch=ungarischen Mobilmachung zu schließen, die Entscheidung in Serbien bereits gefallen sein. der militärische Einmarsch in Serbien von zwei Seiten aus, im Norden über Donau und Save, im Westen über die Drina von Bosnien aus erfolgen kann, so wird durch die strategische Lage Oesterreichs Streben nach einer schnellen Entscheidung unterstützt. Oesterreichs Kriegserklärung an Serbien, die auf den Tag einen Monat nach der Serajewoer Bluttat erfolgte, hat die erste der beiden wichtigen Fragen: Wird es zum österreichisch=serbischen Kriege kommen und wird daraus ein Weltbrand entstehen? in bejahendem Sinne entschieden. Die zweite Frage ist noch ungewiß. Die unfreundliche Aufnahme der österreichischen Kriegserklärung in Petersburg und die eisrigen militärischen Maßnahmen Nußlands lassen jedoch das Schlimmste befürchten, wenn es den nur mittelbar interessierten Großmächten Deutschland, Italien, England und Frankreich nicht noch gelingt, das Aeußerste abzuwenden. In den maßgebenden Kreisen Deutschlands, Englands und Italiens hält man bisher noch an der Hofsnung fest, daß es gelingen werde, den Krieg zu lokalisieren. In diesem Zusammenhange wird namentlich auf die amtliche Meldung hingewiesen, daß der deutsche Kaiser schon in den nächsten Tagen sich zu dem gewohnten Sommeraufenthalt nach Wilhelmshöhe bei Kassel begeben wird. Der Kaiser drückt mit der Bekanntgabe seiner bevorstehenden Reise nach Wilhelmshöhe aus, daß er die Entzündung eines Weltbrandes an den vorliegenden Schwierigkeiten für eine moralische und politische Unmöglichkeit hält, und stärkt damit auss neue die Zuversicht auf die Begrenzung des Krieges und baldigen Frieden. Irrtümlich ist die Auffassung, Oesterreich habe sich mit seiner offiziellen Kriegserklärung, die nach Lage der Verhältnisse nur eine Formsache war und ohne die die Aufnahme der Feindseligkeiten ebenso gut möglich gewesen wäre, besonders beeilt, um die von England angeregte Vermittlungsaktion gegenstandslos zu machen. Englands Standpunkt in der Frage der österreichisch=serbischen Angelegenheit ist genau derjenige Deutschlands und Oesterreich= Ungarns: Solange der Streit auf die habsburgische Monarchie und Serbien beschränkt bleibt, hat niemand Veranlassung, sich einzumischen. Der weitergehende Vorschlag Greys, Oesterreich sollte seine aktiven Operationen einstellen, bis eine Konserenz der erwähnten vier Mächte die Gefahr eines Weltkrieges beschworen hätte, konnte von Oesterreich=Ungarn nicht angenommen und von keiner Macht akzeptiert werden, die die Berechtigung der an Serbien gestellten Forderungen anerkennt. Oesterreich mußte in seinem eigenen Interesse und dem der Verhütung eines Weltkrieges alle Anstrengungen machen, um so schnell wie möglich mit Serbien sertig zu werden und seine Kräfte wieder ungeteilt für die Erhaltung des Weltfriedens einsetzen zu können. Dem letzteren Zwecke dienen auch die von Deutschland angeregten Verhandlungen von Kabiwett zu Kabinett, die bisher schon Erfolge erzielten und die Aussicht eröffnen, daß das Furchtbarste von Europa abgewendet wird. Die bisherigen militärischen Leistungen Oesterreich=Ungarns verdienen hohe Anerkennung und befestigen die Hoffnung, daß Serbien zum Gehorsam gezwungen sein wird, bevor Rußland seinen militärischen Aufmarsch so weit durchgeführt hat, daß dem Verlangen der Panslawisten auf ein LosUeber die allgemeine Weltlage, insbesondere über die Haltung Rußlands und Frankreichs, liegen bis zur Stunde folgende Nachrichten vor: Rußland macht mobil! London, 29. Juli. Das Reuter=Bureau erfährt, daß eine teilweise russische Mobilmachung im Süden und Südwesten gestern abend angeordnet worden ist, wie wir bereits aus Kiew und Odessa gestern berichteten. Will die russische Duma mitsprechen? Bad Nauheim, 29. Juli. Der Präsident der Reichsduma ist von hier nach Petersburg zurückgereift. Der russische Aufmarsch. Unter der Ueberschrift„Deutschland und Rußland“ bringt der Pariser„Figaro“ einen ihm angeblich aus verläßlicher Quelle zugegangenen Bericht über eine Unterredung des russischen Kriegsministers mit dem deutschen Botschafter in Petersburg. Demnach fand am vergangenen Freitag kurz nach Ueberreichung des österreichischen Ultimatums in Belgrad zwischen dem russischen Kriegsminister und dem deutschen Botschafter eine Unterredung statt, in deren Verlauf der Kriegsminister dem Botschafter die sofortige Mobilisierung von zwölf Armeekorps ankündigte. Der Kriegsminister sagte: „Diese Mobilisierung ist nicht gegen Deutschland gerichtet. Die Armeekorps, die wir mobilisieren, werden an die österreichisch=ungarische Grenze kommandiert werden, wo wir vor Ueberraschungen geschützt sein wollen.“ Der Kriegsminister fuhr dann fort:„Ich will frei und aufrichtig sprechen und Ihnen weiter erklären, daß wir unverzüglich Maßnahmen treffen werden, um die Mobilisierung von weiteren fünfzehn Armeekorps vorzubereiten, die an die deutsche Grenze kommandiert werden sollen. Wir werden sofort die Reservisten dieser fünfzehn Korps einberusen. Alle Vorbereitungen sind getroffen, die fünfzehn Armeekorps sofort zu mobilisieren, sobald dies notwendig wird.“ Der Kriegsminister schloß mit den Worten, daß seine Erklärung nicht als eine Drohung zu betrachten sei, sondern als ein offenes Geständnis der Absichten und Entschlüsse Rußlands. Die Mitteilungen stammen, wie man vermutet, aus der Umgebung des russischen Botschafters in Paris, Iswolski, der von Petersburg nach Paris zurückgekehrt ist. Die deutsche Auffassung. Im Mittelpunkt des gesamten Interesses steht zurzeit die Frage: In welchem Umfange macht Nußland mobil? Die letzten Meldungen wußten von vierzehn russischen Korps zu berichten, die auf Besehl des Zaren auf Kriegsfuz gesetzt werden sollen. Dieser Nachricht steht allerdings eine halbamtliche Kundgebung gegenüber, die das ableugnet. Man weiß aber, wie solche Versicherungen schon in normalen Zeiten aufzufassen sind, und man hat alle Veranlassung, im Brennpunkte einer großen Krisie den Wert derartiger behördlicher Versicherungen geeing einzuschätzen. In Peteroburg vertritt man einsach die Auffassung, daß die„Bereitstellung“ von Truppen nicht als ausgesprochene Mobilmachung aufzufassen sei. Vom deutschen Standpunkte aus ist folgender Gesichtspunkt in erster Linie maßgebend: Wo zieht Rußland seine Truppen zusammen? Geschieht es an der österreichischen Grenze, dann braucht noch nicht ohne weiteres daraus geschlossen zu werden, daß die Gefahr eines Weltkrieges akut geworden ist. Oesterreich würde sich veranlaßt sehen, die geeigneten Gegenmaßregeln zu treffen, und es wäre möglich, daß sich die beiden Gegner mit Gewehr bei Fuß solange einander gegenüberstehen, bis ein Ausgleich herbeigeführt ist. Ein ganz anderes Gesicht aber bekommt die Angelegenheit, wenn festgestellt wird, daß Rußland Sondermaßnahmen an der deutschen Grenze trifft. In diesem Augenblick würden wir gezwungen werden, eine teilweise Mobilisierung unserer eigenen Armee vorzunehmen, da wir es unter keinen Umständen dulden können, daß Nußland auch nur den geringsten Vorsprung vor uns gewinnt. Jeder Augenblick und jede Stunde können später kostbar sein. Aus diesem Grunde sind die Augen unserer verantwortlichen Männer in erster Linie dahin gerichtet, festzustellen, gegen wen sich die russische„Bereitstellung“ von Truppen in erster Linie richtet. Solange es an der deutschen Grenze still bleibt, kann noch nicht gesagt werden, daß die Lage verzweifelt sei. Angesichts der gewaltigen Spannung aber, die über den Völkern lagert, muß mit einer Entschleierung der russischen Absichten bereits in den allernächsten Tagen gerechnet werden. Zwei widersprechende Meldungen. Petersburg, 30. Juli. In Sitzung des Ministerrats wurde beschlossen, die Mobilisation bis auf weiteres zu verschieben, da die Hoffnung auf einen Erfolg der Vermittlungsaktion noch nicht geschwunden ist. Petersburg, 30. Juli. Die Kanonade vor Belgrad hat hier große Aufregung verursacht. Man ist nunmehr auf das Erscheinen des MobilmachungsManifestes gefaßt. Wie verlautet, betrachtet die russische Regierung das erste organisierte Vorgehen der Oesterreicher gegen Serbien als den Kriegsfall. In Peterhof tagt jetzt der Ministerrat unter dem Vorsitz des Zaren. Aufsehenerregende Ansprache des Zaren. Petersburg, 30. Juli. Großes Aufsehen erregt hier die amtlich bekannt gegebene Ansprache des Zaren an die Aspiranten der Marineakademie, die vor Ablauf ihres Kursus zu Offizieren befördert wurden. Der Kaiser, der gestern die neuen Offiziere empfing, richtete eine Ansprache an sie, die so klingt, als ob sich Rußland bereits im Kriege befinde. Er sprach von ernsten Zeiten, die Rußland durchzumachen habe und erinnerte die jungen Offiziere an die größten Taten der Armee. Ueber Rußlands Haltung wird die Entscheidung in Wien am heutigen Donnerstag erwartet. Als russische Kriegsmaßnahmen wird folgendes bezeichnet: Die offiziellen russischen Telegramme an das Ausland gehen nicht mehr über Deutschland, sondern über Stockholm. Handels= und Privatschiffe dürsen die finnischen Schären zwischen Helsingfors und Hangs nicht mehr passieren. Die Leuchtseuer wurden gelöscht. Bendzin wurden bei einer Pferdemusterung sehr viele Pferde angekauft und den Grenzbesatzungstruppen überwiesen. Das Truppenlager bei Konsk wurde nächtlicherweile geräumt, die dort vereinigten Truppen wurden unaussällig in die Greuzgarnisonen beförder Von der amtlichen Kundgebung Rußlands war man in Berlin sehr befriedigt. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schrieb offiziell: Der friedliche Ton der amtlichen russischen Mitteilung vom 28. Juli hat in Berlin lebhaften Widerhall gesunden. Die deutsche Reichsregierung teilt den Wunsch auf Erhaltung friedlicher Beziehungen. Sie hofft, daß das deutsche Volk sie durch serneres Bewahren einer mazvollen und ruhigen Haltung in ihren Bestrebungen unterstützen wird. Die amtliche Petersburger Mitteilung, die die„Nordd. Allg. Ztg.“ im Auge hat, äußerte die Hoffnung, daß der sympathische Widerhall der russischen Volksgefühle angesichts der ruhigen und festen Petersburger Politik nicht eine Färbung von Mißgunst gegen Mächte annehmen werde, mit denen Rußland sich im Frieden zu befinden wünscht. Damit war Deutschland gemeint. Die Stimmung in Rußland. Zwischen dem deutschen Kaiser und dem Zaren wurden, wie amtlich gemeldet wird, Telegramme ausgetauscht, die sich kreuzten. Es ist politisch bedeutungsvoll und hervorzuheben, daß die Initiative zu diesem Telegrammwechsel von beiden Seiten gleichzeitig ergrifsen wurde; hüben wie drüben also der Wunsch bestand, durch direkten Meinungsaustausch die Gefahr eines Weltkrieges zu beschwören. Serbien hofft auf Rußland! Petersburg, 30. Juli. Der serbische Ministerpräsident Pasitsch sandte an den hiesigen serbischen Gesandten Spalaikowitsch ein Telegramm. In ihm erklärt er: In Armee und Volk herrscht gehobene Stimmung; beide erwarten, daß Ruhland Serbien nicht im Stiche lasse. Die Mobilmachung gehe erfolgreich vor sich. Deutschland verlangt Aufklärung! Berlin, 30. Juli. Zuverlässig wird gemeldet: Infolge der Fortdauer der russischen Heeres=Einberufungen im deutschen Grenzbezirk erfolgt eine Demarche des deutschen Botschafters in Petersburg. Bis zu ihrer Erledigung ist keine deutsche Mobilmachung zu erwarten. Eine Konferenz beim Kaiser im Neuen Palais. Berlin, 30. Juli. Gestern fand im Neuen Palais bei Potsdam eine Konserenz beim Kaiser statt, zu der der Reichskanzler v. Bethmann=Hollweg, Staatssekretär v Jagow, Kriegsminister v. Falkenhayn, der Staatssekretär des Reichsmarincamts v. Tirpitz, die Chefs des Großen Generalstabes v. Moltte und des Admiralstabes v. Pohl, sowie die Kabinettschefs General der Infanterie Freiherr v. Lyncker und Admiral v. Müller, ferner der Chef des kaiserlichen Hauptquartiers, Generaloberst v. Plessen, und mehrere Herren aus dem Reichsmarineamt erschienen waren. Die Konserenz währte bis spät nachts. Gestern nachmittag war Prinz Heinrich im Neuen Palais beim Kaiser eingetrofsen. Vorsichtsmaßregeln. Münster, 30. Juli. Das 13. Infanterie=Regiment kehrte in der Nacht von der Senne aus nach Münster zurück. In der Senne wurden die dort lagernden Truppen gestern abend plötzlich alarmiert zum Zwecke der Nückbeförderung in ihre Garnisonen. Außer dem 13. Infanterie=Regiment begannen sofort die vorzeitige Rückkehr das 23. Artillerie=Regiment aus Koblenz und das 44. Artillerie=Regiment aus Trier. Oldenburg, 30. Juli. Das 1. Bataillon des hiesigen Infanterie=Regiments, das den beiden anderen ins Lockstedter Lager nachfolgen sollte, erhielt telegraphischen Befehl, hier zu bleiben. Die Hochseeflotte in den Heimatgewässern. Wilhelmshaven, 30. Juli. Die letzten Torpedobootsslottillen sind aus Norwegen hier angekommen. Somit befindet sich die ganze Hochseeflotte in den Heimatgewässern. London, 30. Juli. Aus Edinburgh wird gemeldet, daß das deutsche Schulschiff„Hertha“, das bis zum 2. August in Firth of Forth zu Besuch bleiben sollte, gestern morgen 8 Uhr eiligst abdampfte. Die Stimmung in England. London, 29. Juli. Angesichts der heutigen Nachrichten schreibt die„Westminster Gazette“:„Wir befürchten, daß es unmöglich ist, den Krieg zwischen Oesterreich= Ungarn und Serbien zu verhindern. Doch sollte es keineswegs unmöglich sein, Rußland zu überzeugen, daß seine Interessen durch das Bemühen Oesterreich= Ungarns, sich Genugtuung von Serbien zu verschafsen, weder in Frage gestellt noch gefährdet werden. Falls beispielsweise Oesterreich= Ungarn die Zusicherung erteilte, daß es weder serbisches Gebiet sich einverleiben, noch die Souveränität Serbiens auslöschen wolle, und falls diese Zusicherung von den übrigen Mächten bestätigt würde, so sollte das genügen, um Rußlands Beunruhigung zu beschwichtigen und den Eindruck zu beseitigen, daß es auf Rußlands Einfluß abgesehen sei oder doch durch Oesterreich=Ungarns Vorgehen Rußlands Ansehen vielleicht bedroht werden könnte. Der Beginn der Feindseligkeiten zwischen Oesterreich= Ungarn und einem Balkanstaate ist natürlich eine sehr ernste Sache, denn niemand vermag zu sagen, welche Rückwirkungen unter den Nachbarstaaten sich ergeben mögen. Doch auf den angedeuteten Grundlinien sollte eine vernünftige Aussicht geboten sein, die Ausdehnung des Kampses auf die Großmächte zu verhindern.“ „Standard“ fragt, ob Rußland und Europa sich nicht mit der österreichischen Erklärung zufrieden geben könnten, daß die Doppelmonarchie keine territotiale Ausdehnung beabsichtige. Wir mögen mit Serbien sympathisieren oder gkauben, daß es nur eine wohlverdiente Züchtigung erhält, aber es ist niemandes Aufgabe, es zu schützen, und keine Macht ist verpflichtet, einzugreifen, wenn sich Oesterreich=Angarn auf die politische Linie beschränkt, die es zog. Unter ähnlichen Umständen würde jede Großmacht, die sich von einer kleinen Macht belästigt fühlt, dasselbe tun. Wir haben genau dieselbe Ansicht vertreten, als wir in den Krieg gegen die Burenrepubliken zogen. Wichtige Konferenzen in London. London, 30. Juli. Der deutsche Botschafter Fürst Lichnowsky hatte gestern eine längere Konserenz mit Sir Edward Grey im Auswärtigen Amt. Kurz darauf sand ein Kabinettsrat in der Amtswohnung des Ministerpräsidenten statt, dem sämtliche Minister beiwohnten. Die Sitzung dauerte über zwei Stunden. Marimeminister Churchill, Staatssekretär Grey und Lord Haldane blieben noch einige Zeit mit dem Ministerpräsidenten Asquith zusammen, nachdem sich die übrigen Minister entfernt hatten. Während der Kabinettssitzung stattete der französische Botschafter dem Ministerium des Aeußern einen Besuch ab. Am Nachmittag wurde Marineminister Churchill vom König empfangen. Keine Mobilisierung der englischen Flotte. London, 30. Juli. Hier kursierten gestern Gerüchte von einer Mobilisation der englischen Flotte, die sich so verdichteten, daß sich sogar die Regierung gezwungen sah, eine offizielle Bekanntmachung auszugeben, wonach eine Mobilisation nicht angeordnet worden sei, sondern daß die Admiralität nur marinetechnische und militärische Maßnahmen angeordnet habe, die einen reinen defensiven Choralter tragen. Die Lage wird ernster! Zwei Ministerräte. Paris, 30. Juli. Gestern nachmittag hat ein drei Stunden andauernder Ministerrat stattgesunden. Ueber dessen Beschlüsse verlautet, daß Franlreich getreu den abgeschlossenen Bündnisverirägen handeln werde. Heute nacht um 12 Uhr wurde ein zweiter Ministerrat abgehalten, dessen Beschlüsse jedoch noch nicht bekannt sind. Frankreich rüstet! Paris, 30. Juli. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, eine Mobilisation der französischen Armee ist bisher nicht angeordnet worden. Dagegen werden heute abend sämtliche Deckungstruppen an der Ostgrenze konzentriert sein, insgesamt 280 000 Mann. Alle Regimenter, die sich auf den Truppenübungsplätzen befanden, sind in ihre Garnisonen zurückgekehrt. Telegraphische Befehle sind an alle Behörden ergangen, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, salls die Ereignisse eine Mobilisierung nötig machen sollten. In den Ostdepartements wurden von den Militärbehörden Pferde in großer Zahl requiriert. Alle Festungskommandanten der Landforts hoben Besehl erhalten, ihre Plätze in volle Kriegsbereitschaft zu setzen. Diese Maßnahmen sind als Präventivverfügungen anzusehen, da Frankreich für alle Fälle gerüstet sein müsse. Petersburg, 30. Juli. Die deutschen Handelsschiffe verlassen in größter Eile die russischen Gewässer. Frankfurt, 30. Juli. Nach hierher gelangten Meldungen aus Berlin wird jetzt auch in dortigen amtlichen Kreisen die durch die fortgesetzten russischen Rüstungen geschaffene Lage als sehr ernst bezeichnet. Russische Truppen an der deusschen Grenze. Berlin, 30. Juli. Der Telegraphen=Union wird von der russischen Grenze gemeldet: Die Eisenbahnbrücke bei Wirballen ist von russischen Truppen mit Minen belegt. In der Umgegend von Wirballen sind jetzt 360 000 Mann russischer Truppen versammelt. Wie verlautet, ist jetzt auch die Mobilisation des Libauer Bezirks angeordnet. Militärische Vorbereitungen in hiesiger Gegend! Oberhausen, 30. Juli. Wie uns soeben gemeldet wird, ist der Oberhausener Bahnhof durch eine Abteilung des 57. Insanterie=Regiments besetzt. Sämtliche Ruhrbrücken zwischen Oberhausen und Alstaden sind durch die 159er besetzt worden. Zusammenziehung der italienischen Kriegsflotte. Mailand, 30. Juli. Der„Secolo“ meldet aus Spezia: Die Kreuzerdivision, bestehend aus den Kriegsschiffen„Pisa“,„Amalfi“,„San Giorgio“, „Marsala“ und ein Torpedojäger=Geschwader, sind nach Gaeta abgedampft, wo die Zusammenziehung des ersten und zweiten Schlachtschiff=Geschwaders stattfindet. Die Schulschisse mit Zöglingen von den Marineakademien in Livorno an Bord, erhielten Befehl, von Glasgow so schnell wie möglich nach Italien zurückzukehren. Kanonen reden! Eine Niederlage der Gerben. Wien, 29. Juli. Die Serben haben heute um 1,30 Uhr früh die Brücke zwischen Zemun(Semlin) und Belgrod gesprengt. Unsere Artillerie und Insanterie haben im Verein mit den Donaumonitoren die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die Serben haben sich nach kurzem Kampfe zurückgezogen. Unsere Verluste sind ganz unbedeutend. Gestern gelang es einer kleinen Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwache zwei serbische Dampfer, die mit Munition und Minen beladen waren, wegzunehmen. Die Pioniere und Finanzwachen überwältigten nach kurzem Kampfe die an Zahl überlegenen serbischen Schiffsbesatzungen, setzten sich in den Besitz der Schiffe samt deren gefährlichen Ladung und ließen sie von zwei unserer Donaudampfer wegschleppen. 1000 Mann gefallen! Wien, 30. Juli. Hier sind soeben unbestätigte Nachrichten von einer schweren Niederlage der Serben eingetroffen. Bei Fecan an der bosnisch=serbischen Grenze sollen zwei serbische Divisionen die dort stehenden österreichisch=ungarischen Streitkräfte angegriffen haben. Nach einem heftigen Gefecht gelang es den Oesterreichern, die Serben zu wersen. Ein Teil der Serben wurde umzingelt und zur Wassenstreckung gezwungen. Die Serben hatten 800, die Oesterreicher 200 Tote. Belgrad von den Oesterreichern eingenommen? Budapest, 30. Juli. Hier lag gestern abend die Meldung vor, daß die österreichischen Truppen nach voraufgegangenem Bombardement Belgrad eingenommen hätten. Eine Bestätigung ist heute morgen eingetroffen. Kriegsstimmung in Ungarn. Die Ankündigung vom Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Serbien hat die ungarische Hauptstadt in eine ungewöhnlich begeisterte kriegslustige Stimmung versetzt. Unmittelbar nachdem die Nachricht aus den ersten Sonderausgaben bekannt wurde, sammelten sich größere Gruppen an, die den Krieg bejubelten. Die MilitärmusikKapellen erhielten den Auftrag, den ganzen Abend mit der Menge durch die Straßen zu ziehen. Man sah seine Herren der guten Gesellschaft Arm in Arm mit Männern aus dem Arbeiterstande hinter den Musikkapellen einhermarschieren. Trotz des strömenden Regens betiligten sich an dem Umzug auch Damen in heller Sommerkleidung. Vor den Wohnungen der volkstümlichen Politiker und vor den politischen Klubs wurde Halt gemacht. Vor dem Ministerpräsidenten spielte die Musikkapelle des bosnischen Insanterie=Negiments, die Menge brachte Hochrufe aus Tisza, den„großen Ministerpräsidenten“ und den„ungarischen Bismarck“, aus. Vor dem Palast des Oppositionsführers Grafen Andrassy spielte eine andere Musikkapelle den Nakoczy=Marsch. Ueberall hörte man die Ruse:„Hoch der Krieg! Hoch Franz Joses! Hoch das Militär! Einmarschieren! Nieder mit den Königsmördern!“ An den Kundgebungen beteiligten sich auch zahlreiche Arbeiter, obgleich das sozialdemokratische Blatt seit Tagen gegen den Krieg spricht. Der Umstand, daß auch die Arbeiterschaft in fester Entschlossenheit für die höchsten Güter des Landes eintrete, wurde in einer vom Grafen Zichy auf der Straße gehaltenen Rede unter stürmischem Jubel der zum großen Teil dem Arbeiterstand angehörigen Menge ausdrücklich festgestellt. In mehreren Kasseehäusern sanden Verbrüderungen zwischn Militär und Zivil statt. Offiziere und Zivilpersonen, die sich nie vorher kannten, fielen einander um den Hals und hielten abwechselnd Reden zur Verherrlichung der Armee. Der in der jüngsten Zeit viel erörterte Gegensatz zwischen Militär und Bürgerschaft war bis auf die letzten und kleinsten Spuren verschwunden. Besonders bemerkenswert sind die stürmischen Kundgebungen für Deutsch= land, die sich hier abspielten. Wiederholt erschien die Menge vor dem deutschen Generalkonsulat in der Waiznergasse.„Hoch Deutschland! Hoch unser Bundesgenosse! Es lebe Kaiser Wilhelm! Hoch die Waffenbrüder: schaft!“ Generalkonsul Graf Fürstenberg= Stammheim erschien wiederholt am Fenster, um für die Kundgebungen zu danken. In einer Gruppe, die vor dem Nationalkasino ausmarschiert war, befand sich ein Fabrikant aus Bremen mit Namen Ostermann, der, von der allgemeinen Begeisterung hingerissen, eine deutsche Rede hielt, worin er die Bundesgenossenschaft zwischen Deutschland und der Monarchie feierte und das unverbrüchliche Festhalten Deutschlands an dem Bündnis mit Oesterreich=Ungarn betonte. Von ungarischer Seite antwortete der frühere Minister Graf Aladar Zichy. Er erwähnte, daß sich in der Menge auch deutsche Staatsangehörige befänden, und nahm dies zum Anlaß, den Ruf auszubringen:„Der treue Bundesgenosse unseres Königs, Kaiser Wilhelm, lebe hoch!“ Als sich der Beifallssturm gelegt hatte, fügte er hinzu: Die edle Seele, das warme Herz des deutschen Kaisers hat ihn erkennen lassen, daß er die Sache Oesterreich=Uugarns und uns jetzt heisen muß. Erschüttert von der unerhört ruchlosen Mordtat in Serajewo, hat unser treuer Bundesgenosse Oesterreich=Ungarn seine Hille zuteil werden lassen. Dank, tausendmal Dank dafür! Seine Majestät Kaiser Wilhelm hurra, hurra, hurra! Die Menge stimmte in den Ruf begeistert ein. Bezeichnend ist, daß das alte Kossuth=Lied, das bei so vielen nationalen Kundgebungen als Kampflied gogen Oesterreich galt, mit einam geänderten Text gesungen wurde, indem der Name Ludwig Kossuth durch den Franz Josess ersetzt wurde. Eine kleine Gruppe versuchte vor das serbische Konsulat zu ziehen, wurde jedoch von der Polizei daran gehindert. Politische Uebersicht. Das Militärluftschiff„3 5“ von Johannisthal nach Posen gebracht. Das in Johannisthal stationierte Militärluftschiff„3 5“ erhielt Befehl, sich nach Posen zu begebeen. Das Zeppelin=Lustschiff trat die Reise sofort an und wurde in der Posener Lustschissshalle untergebracht. Ueber den Zweck der Uebersiedelung verlautet nichts. Auf dem 16. Deutschen Handwerks= und Gewerbekammertag in Mannheim gab der General= serketär Dr. Meusch im Geschäftsbericht bekannt, daß hinsichtlich der Vorbereitung der kommenden Handelsverträge der Staatssekretär des Innern Sachverständige des Handwerks hören wolle. Zur Hebung der Hypothekennot wurde eine Neform der Grundstücks=Abschätzung gesordert. Bei Festsetzung der Beleihungsgrenze müsse der Bodenwert, weil er beständiger ist, entsprechend höher als der Bauwert — etwa mit 75 Prozent— eingestellt werden, ebenso müsse die erststellige Beleihung zugunsten der zweitstelligen amortisiert werden. Daß die Mieten für die Hypothekenzinsen haftbar gemacht werden sollen, ist eine alte Forderung, die auf der Mannheimer Tagung nur neu erhoben wurde. Zu Bassermanns 60. Geburtstag fand vorgestern im Friedrichspark zu Mannheim ein großes Festbankett statt, dem eine Reihe hervorragender Reichs= und Landtagsabgeordneter beiwohnte. Zahlreiche Blumen, telegraphische Glückwünsche aus nah und fern trafen in des Jubilars Hause ein. Bei dem Festbankett hielt Rechtsanwalt König=Mann= heim die Festrede, die mit einem Hoch auf Bassermann ausklang. Türkei. Die Türkei rust Reservisten ein. Gestern sand ein außerordentlicher Ministerrat statt. Die Reservisten der Jahrgänge 1897 und 1898 werden einberusen. Der serbische Militärattachee erhielt aus Belgrad den Besehl, sofort von hier abzureisen. England. Die Schwierigkeiten der englischen Regierung. Die vorgestern abend spät stattgefundene. Debatte über die irische Frage im Unterhause rief denselben Eindruck hervor, wie die erste Debatte zu Beginn der Kon#ernzen, nämlich den, daß die Regierung in eine außerordentlich schwierige Lage gebracht worden ist. Die konservativen Blätter behaupteten gestern früh einstimmig, daß die Nationalisten von dem Ministerpräsidenten kategorisch verlangt hätten, daß er die Novelle zur Homerulebill zurückziehe, und aus diesem Grunde habe Asquith die Mitteilung gemacht, daß die für gestern angekündigte zweite Lesung der Novelle nicht vorgenommen werden solle. Das Schicksal der Vorlage ist jetzt vollständig unsicher, und es ist gar nicht unmöglich, daß die Nationalisten von dem Ministerium verlangt haben, daß keinerlei Zugeständnisse gemacht werden und daß die alte Homerulebill in ihrer ursprünglichen Form jetzt sofort zum Gesetz erhoben werden soll. Das Kabinett befindet sich jetzt in einer noch schwierigeren und delikateren Lage, als zur Zeit der Vorgänge von Eurragh, und es ist absolut nicht abzusehen, wie sich die Lage entwickeln wird. In Dublin und anderen Teilen von Irland ist gestern alles ruhig gewesen. Aegypten. Der Mordanschlag auf den Khediven hat zur Folge gehalbt, daß in Aegypten eine neue nationalistische Bewegung sich bemerkbar macht. Eine Abordnung der gesetzgebenden Versammlung und Notabeln verschiedener Provinzen reisen nach Konstantinopel, um dem Khediven ihre Entrüstung über das Attentat auszusprechen. Die Notabeln veranstalten nationale Sammlungen zwecks Gründung von Wohltätigkeits=Einrichtungen und für den seierlichen Empfang des Khediven. Der Aegypter Mazhar, der die Tat ausgeführt hat, hat eine türkische Mutter und war Mitglied des Klubs ägyptischer Studenten in Konstantinopel; er hatte früher beabsichtigt, den ägyptischen Ministerpräsidenten zu ermorden. Der Anschlag war mißlungen. Aus Stadt und Umgebung. *e Schwerte, 30. Juli. **(Vom Wetter.) Nachdem schon in den letzten Tagen die Morgentemperaturen in West= und Nordwestdeutschland vielsach nur 13 bis 14 Grad betragen haben, dürfte sich die Abkühlung auch in den östlicheren Landesteilen noch verschärfen. Und da das tiefe Minimum aus dem Nordmeere seinen Bereich noch sehr weit nach Westen erstreckt, so ist einstweilen mit der Fortdauer des kühlen und veränderlichen Wetters zu rechnen. Gegen Ende der Woche dürfte dann von Südwestdutschland her die Wiederausheiterung und neue Erwärmung in nordöstlicher Nr. 176 Zeilung= Donnerstag, 30. Juli 1914. Amtliches Kreisblatt. Die Verbrechen Serbiens. Das in der österreichisch=ungarischen Zirkularnote an die auswärtigen Botschafter in Angelegenheit des serbischen Konfliktes erwähnte Dossier wird jetzt verössentlicht. In diesem Memoire wird dar: auf hingewiesen, daß aus einem revolutionären Komitee hervorgegangen, sich die vom Belgrader auswärtigen Amt völlig abhängige Narodna Obra' na unter Leitung von Staatsmänern und Offizieren, darunter General Jankovic und der ehemalige Minister Iwanoaic, konstuierte. Auch Oja Tankovic und Milan Pribicewic gehören zu diesen beichers. In iner dem Memoire angesugten Ayrage wird ein Auszug aus den vom Zentialausschusse der Narodna Obrana herausgegelbenen Vereinsorganen gleichen Namens veröffentlicht, worin Oesterreich als erster und größter Feind bezeichnet und gesagt wieh: Wenn die Narodna Obrana die Notwendigleit des Kampfes mit Oesterreich predigt, predigt sie eine heilige Wahrheit unserer nationalen Lage. Das Schlußkax#tel enthält einen Apell an die Regierung und das Volk Serbiens, sich mit allen Mitteln für den Kampf vorzuh#ereiten, den die Annektion vorangezeigt habe. Das Memoire schildert nach einer Aussage eines von der Narodna Obrana angeworbenen Komitatschis d#e damalige Tätigkeit der Narcdna Obrana, die eine von zwei Hauptleuten, darunter Tankovic, geleitete Schule zur Ausbildung von Banden unterhielt, Schulen, welche von General Jankovic und von Hauptmann Milan Pribiczewic regelmäßig inspiriert wurden. Weiter wurden die Komitatschis im Schießen und Bombenwersen, im Minenlegen. Sprengen von Eisenbahnbrücken usw. unterrichtet. Auch nach 1909 sei die Propaganda durch die serbische Presse fortgesetzt worden. Das Memoire gibt als Beispiel die Art und Weise an, wie das Attentat gegen den bosnischen Landeschef Varesanin publizistissch verwertet wurde, indem der Attentäter als serbischer Nationalheld geseiert und seine Tat verherrlicht wurde. Diese Blätter wurden nicht nur in Serbien verbreitet, sondern auch auf wohlorganisierten Schleichwegen in die Monarchie eingeschmuggelt. Unter der gleichen Leitung wie bbei ihrer Gründung wurde die Narodna Obrana neuerlich der Zentralpunkt der Agitation, welcher der Schützenbund mit 762 Vereinen, ein Sokolbund mit 3500 Mitgliedern und verschiedene ander: Vereine angehörten. Das Memoire schildert ferner den Zusammenhang zwischen deser Tätigkeit der Narodna Obrana und der wohlorganisierten Organisation mit den Attentaten gegen den Königlichen Kommissär in Agvam, Cuvaj, im Juli 1912, dem Attentat von Dojeic in Agram 1913 gegen Skerleck und dem mißglückten Attentat Schäsers, 20. Mai, im Agramer Theater. Das Memoire verbreitet sich hierauf über den Zusammenhang des Attentats aus den Thronfolger und dessen Gemahlin, über die Art, wie sich die Jungen schon in der Schule an dem Gedanken der Narodna Obrana vergisteten und wie sich die Attentäter mit Hilse Pribicewics und Dacic die Werkzeuge zu dem Attentat verschafften, wobei insbesondere die Rolle des Majors Tankovics, eines gewissen Cijanovic, eines gewesenen Komitatschis uns jetzigen Beamten der serbischen Eisenbahndirektion in Belgrad, der schon 1909 als Zögling der Bandenschule der damaligen Narodna Obrana austauchte. Ferner wird die Art dargelegt, wie Bomben und Wasssen unbemerkt nach Bosnien eingeschmuggelt wurden, die keinen Zweifel darüber läßt, die ein wohlvorbereiteter und für die geheimnisvollen Zwecke der Narodna Obrana oft begangener Schleichweg war. Cine Beilage enthält einen Auszug aus den Akten des Kreisgerichts in Serajewo über die Untersuchung des Attentats gegen den Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gemahlin. Danach haben Princip, Cabrinovic, Grabez, Crupilovic und Papovid gestanden, in Gemeinschaft mit dem flüchtigen Mehmed Pasic ein Komplott zur Ermordung des Erzherzogs gebildet und ihm zu diesem Zwecke aufgelauert zu haben. Cabrinovic ist geständig, die Bombe geworsen, und Princip, das Attentat mit der Browningpistole ausgeführt zu haben. Beide Täter geben zu, bei der Verübung der Tat die Absicht des Mordees gehabt zu haben. Aus weiteren Zeugenprotokollen ergibt sich, daß 1 Angehöriger der Monarchie einige Tage vor dem Attentat dem östereichisch=ungarischen Konsulat in Belgrad Meldung von der Vermutung erstatten wollte, daß ein Plan zur Verübung des Attentats gegen den Erzherzog während seiner Anwesenheit in Bosnien bestehe. Dieser Mann soll durch Belgrader Polizeiorgane, welche ihn unmittelbar vor Betreten des Konsulates aus nichtigen Gründen verhafteten, an der Erstattung dieser Meldung verhindert worden sein. Weiter gehe aus dem Zugenprotokoll hervor, daß die betressenden Poliztiorgane von dem geplan“ ten Attentat Kenntnis gehabt hätten. Da diese Angaben noch nicht nachgeprüft sind, kann über deren Stichhaltigkeit vorläufig noch lein Urteil abgegeben werden. In der Beilage zum Memoire heißt, es weiter: Vor dem Empfangssaal des serbischen Kriegsministeriums besinden sich an der Wand vier Allegorien= bilder, von denen drei Darstellungen serbischer Kriegserfolge sind, während das vierte die Verwirklichung der österreichseindlichen Tendenzen Serbiens versinnbildlicht. Ueber einer Landschaft, die teils Gebirge(Bosnien), teils Ebene(Südungarn) darstellt, geht die Sonne in der Morgenröte der serbischon Hoffnung auf. Im Vordergrunde steht eine bewassnete Frauengestalt, aus deren Schild die Namen aller„noch zu befreienden Provinzen“, Bosnien, Herzegowina, Wojwoydina, Syrmien, Dalma' tien usw. stehen. Westfalen und Rheinland. Menden, 29. Juli.(Mordverssuch und Selbstmord.) Erstern abend gegen 8 Uhr verlangte auf der Ziegelei der Firma Gebr. Sander der Ziegeleiarbeiter Lesemann von dem Ziegelmeister Siesenop seine Papiere. Hierüber gerieten die beiden in Streit, in dessen Verlauf der Ziegelmeister zum Gewehr griff und dem Arbeiter einen Schrotschuß in den Oberschenkel versetzte. Dieser schrie um Hilfe. Mehrere Arbeiter eilten hinzu u. riesen auch dier Polizei. Als der Ziegelmeister die Beamten kommen sah, wollte er seinem Leben durch Erhängen ein Ende machen. Der Polizeibeamte kam jedoch noch rechtheitig, daß er ihn wieder abschneiden konnte. Der Ziegelmeister kam wieder zu sich. Der Polizeibeamte nahm ihm alle Sachen ab. Er wurde dann von dem Ziegelmeister gebeten, einmal austreten zu dürfen. Der Beamte ging mit und nun machte der Ziegelmeister den zweiten Sellstmordversuch. Beim Hinausgehen muß es ihm gelungen sein, unbemerkt ein Teschin zu sich zu stecken. Mit diesem schoß er sich in den Mund. Schwer verletzt wurden der Ziegelmeister wie der Ziegelarbeiter in das neue Krankenhaus gebracht. Auf dem Transport zum Krankenhause glückte es dem Ziegelmeister aber doch, unbemerkt in dem Tragkorb sich mit seinem Hosenträger zu erhängen, so daß man ihn als Leiche sand. * Beckum, 29. Juli.(Eine„Büffeljagd“) auf sünf wild gewordene Rinder steht, der„Glock:“ zufolge in hiesiger Gegend demnächst bevor. Seit etwa acht Tagen treiben sich fünf einjährige Rinder, die dem Landwirt Schrull in Bauerschaft Unterberg 2 von der Weide entlausen sind, im Bröggelwalde umher. Der etwa 400 Morgen große Wald, der sich bis nach Herzfeld hinaus erstreckt, bietet den Tieren einen guten Zufluchtsort weshalb sie bisher noch nicht eingesangen werden konnten. Sobald sich ihnen jemand nähert, suchen sie schleunigst das Weite. Nun soll auf die Ausreißer eine Treibjagd veranstaltet werden. * Ahaus, 29. Juli.(„Lieb Vaterland, magst ruhig sein!" Das„Ahauer Kreisblatt“ bringt unter dem 27. Juli folgende erheiternde Mitteilung:„Mit Rücksicht auf die politische Lage mußten die„Lokalberichte“ zurückgestellt werden. Auch ist ein Teil unseres Personals nicht zur Arbeit erschienen. Die Beteiligung an den patriotischen Kundgebungen am Samstag und Sonntag, besonuers das„Fest stehn“ auf der Wacht am Rhein war so anstrengend, daß ein Teil unseres Personals heute nicht mehr stehen konnte und im Bett bleiben mußte.„Lieb Vaterland, magst ruhig sein!“— Inzwischen wird wohl auch in Ahaus das„europäische Gleichgewicht“ wieder hergestellt sein. * Habinghorst, 29. Juli.(Hundetreue.) Als gestern abend gegen 11 Uhr der Gartenausseher Brunström aus Habinghorst einen Gang durch den dortigen Volkspark unternahm, wurde er plötzlich hinterrrücks, in der Nähe des Teiches, von sechs Holländern, die anscheinend bei dem Ausseher in Arbeit gestanden hatten, aber von diesem entlassen waren, überfallen. Br. erhielt einen Schlag über den Kopf und stürzte bewußtlos zu Boden. Dann wurde der Uebersallene seiner Barschaft mit 170 Mark und einiger Kleidungsstücke beraubt. Hierauf banden die Banditen dem Mann die Hände zusammen und warfen ihn in den Teich. Der treue Begleiter, des Br., ein Dobermann, sprang seinem Herrn aber nach und brachte ihn nach langer Anstrengung an das User. Durch das Bellen des Hundes aufmersam gemacht, eilten Leute herbei und brachten den Gartenausseher in seine Wohnung. Von den Tätern sehlt jede Spur. * Homburg, 29. Juli.(Wegen Mordversuchs sestgenommen.) Wegen Mordversuchs kam ein Bergmann der Zeche Diergardt in Haft. Er hatte am Lohntage mit mehreren Kumpels in der Wirtschaft G. in Essenberg gekegelt, als sich wegen des Spiels Disserenzen einstellten. Kurz entschlossen warf man einen der Spieler in den Rleein. Der Mann wurde von mehreren andern herausgezogen, während der Täter sich auf der Baerler Straßenbahn flüchtete. Er wurde jedoch verfolgt und in Homberg festgenommen. Nach seiner Vernehmung wurde er in Haft behalten. * Köln, 29. Juli.(Die Stadt Köln Millionenerbe.) Wie verlautet, hat der vor einiger Zeit verstorbene Rentner K. Edelmann, Martinstraße 33 die Stadt Köln als Erbin seines gesamten, etwa 3½ Millionen betragenden Vermögens, das zu Gunster der Krankenanstalten Verwendung finden soll, eingesetzt. * Köln, 29. Juli.(Ein schwerer Einbruchsdiebstahl.) Ein schwerer Einbruchsdiebstahl ist in einem Hause an der Friedensstraße verübt worden. Dort haben Einbrecher für etwa 1200 Mark Schmucksachen und Kleidungsstücke erK16 Radauszenen in Paris. Nachttem der Verband der Arbeitersyndikate seine Mitgliter gestern abend zu einer Kundgebung für den Frieden auf den Boulevards zusammenrief, herrschte gegen 9 Uhr ein sehr lebhaftes Treiben. Als in der Nähe des Faubourg Poissioniere einige Ru'::„Nieder mit dem Kriege!“ laut wurden erfolgten Gegenkundgebungen. Man rief: Es lebe die Armee! Die Polizei stellte die Ruhe wieder her und nahm mehrere Verhaftungen vor. Etwas später versammelten sich von neuem Leute in der Nähe des Faubourg Poissoniere, die„Nieder mit dem Kriag!“ riesen und die Internationale sangen. Die Polizei zerstreute sie ebenfalls. Nach einer anderen Meldung sind die Demonstrationen doch größer gewesen, als man ursprünglich annahm. Sie dauerten bis in die tiese Nacht hinein und verxslanzten sich von den großen Boulerards in die Vorstädte. Die aus dem Zentrum urückgeschlagenen Genossen zogen sich nach den südlichen Stadtteilen zurück, wo sie in unerhörter Weise zu plündern begannen. Sie zerschlugen die großen Fensterschelben der Ladengeschäfte, raubten die Auslagen aus, demolierten die Ladeneinrichtungn, stürzten die Gaslaternen um, schnitten die Gasleitungen durch und hausten in fürchterlicher Weise. Die ankommende Feuerwehr wurde von ihnen mit Revolverschüssen empfangen. Die Polizei rückte in Automobilumnibussen an und gina gegen die Plünderer erbarmungslos vor. Wie der„Parisien“ meldet, beträgt die Zahl der Verhasteten etwa 800, die der Verwunddeten ungefähr 100. Bunte Chronik. )( Felssturz während einer Prozession. Von Saint Etienne in Frankreich aus waren 200 Personen nach dem Walljahrtsort Val Fleuri gepilgert. Der Weg führte durch einen Hohlweg, der von einem Felsvorsprung, dem sogenannten Kalvarienberg, überragt wird. Auf der Spitze des Berges hatte soeben der Priester Lourcharny in Anwesenheit eines katholischen Turnvereins eine feierliche Messe zelebriert. Kaum war der Gottesdienst beendet, als sich plötzlich der gewaltige Felsblock löste und in die Tiese stürzte, mitten in die Schar der Teilnehmer. Etwa sünfzig von ihnen wurden von den Steinmassen getrossen, zwei blieben auf der Stelle tot, drei liegen im Sterben und ein Dutzend erlitt schwere Verletzungen. )( Ein scheußlicher Lustmord an zwei Kindern wurde in einem Felde des Rittergutes Kleinopitz bei Dresden entseckt. Es handelt sich um einen Knaben und ein Mädchen. Dem einen Kinde war der Schädel gespalten, während der Tod des anderen Kindes anscheinend durch Erdrosselung herbeigeführt ist. Die Leichen haben an der Fundstelle schon seit 6 bis 8 Wochen gelegen. Einige Gliederteile sind verschwunden. ) Es ist ihnen nicht zu helfen. Wieder einmal ist ein Opfer einer unsinnigen Wette zu verzeichnen. Ein Eigontümer bei Fürstenwalde war eine Wette eingegangen, daß er sochs Pfund Sauerkirschen auf einmal essen und dann noch einige Glas Bier trinken werde. Er führte die Wette auch aus, doch stellten sich schon nach kurzer Zeit heftige Magenkrämpfe ein. Unter qualvollen Schmerzen starb er schließlich mach einigen Stunden. 1— Der Kampf um das Mazorat. Roman von Ewald Aug. König. 77 „Wälze nicht auf mich alle Schuld,“ spottete sein Sohn.„Wer hat mich in meiner Jugend auf die leichsinnige Bahn geführt? Wer zwang mich, die Rolle eines Versuchers und Verführegs, za pie, len? Wer lehrte mich, an solchem Leben.— zu gewinnen? Wer gab mir den Gedanken ein, Baukier zu werden, und wer predigte mir täglich, daß nur der Reichtum Macht und Glück verleihe? Da hast Du nun die Resultate Deiner Erziehung; die Vorwürfe, die Du mir machen willst, treffen zund das ist der Dank, den ich von Dir zu erwarten habe?“ brauste der alte Mann auf.„Dir habe ich alles gegeben—“.„ „Rege Dich nicht auf, Vater;was Du mir gaost, hattest Du ohne Mühe erworben. Wäre ich in meineu Spekulationen glücklich gewesen, so Du mich heute einen gescheiten Kerl neunen; um es anders gekommen ist, wird alle Schuld, nir in die Schuhe geschoben. Ich fragenoghung#ag unn? Kennst Du noch ein Mittel, durc, das uns Geld verschaffen können?“ „Hast Du denn gar nichts mehr?“ „Ein paar Tausend Taler sind noch in wir reichen damit nicht weit.".„„ „Aber wir kommen damit hinndel. „Und was dann?“ „Wir müssen von vorne aufangen! „Womit?“ spottete Eduard.„Kapital müssen wir haben, wenn wir etwas erreichen wollen; mit nichts können wir auch nichts beginnen!“ „Versuche es bei dem Notar, die Kohle liegt uus gehzt auf dem Ful, der Beugricge gioenteuret entlassen werden, wenn der unguri„ Kbentekrei alles sagt, was er weiß. Und wenn man uns auch nichts beweisen kann; so ist es doch möglich, wir verhaftet werden, und dann bleibt uns der Bettelsack nicht erspart. Wir müssen heute abend noch abreisen, ich raffe alles zusammen, was ich noch habe, im„Wiener Hof“ in Brüssel sehen wir uns wieder.“ Mumar. Mit einem schweren Seufzer griff der Verwalter nach seinem Hut, sein stechender Blick ruhte lange auf dem eisernen Geldschrank. „Ich will den Notar besuchen,“ sagte er,„aber ich glaube, daß es vergebliche Muhe ist. Wie es auch kommen mag, dieser Fuchs hat immer ein Hinterpförtchen, durch das er entschlüpfen kann, er ist zu geizig, um einen Pfennig ohne Not aus„Mach ihm die Hölle heiß und nimm mit, was nicht nagelfest ist, es kommt jetzt alles auf eins heraus, rief sein Sohn.„Ich kann mich damit nicht länger beschütigen— essenge grgute 5 „Denkst wohl aus Mittagessen““ hohler der alte Mann.„Mir ist der Appetit vergangen!“ „Mir auch, ich muß nun noch arbeiten, um alles vorzubereiten. Wir sehen uns wohl heute nicht wieder? Also in Brüssel,„Wiener Hof“, ich. dort auf Dich warten, bringe eine hübsche Summe Der Verwalter wollte noch etwas sagen. aber sein Sohn stand schon vor dem Schreibpult und blätierte in den Papieren; mit einem tiefen Seufzer verließ er das Haus. Der Notar Tellenbach ließ sich durch den Besuch des Verwalters in seinem Mittagessen nicht Erst nachdem er abgespeist hatte, bequemte er sich, ins Kabinett zu gehen, in dem Schreiber voll ungeduldiger Aufregung ihn erwartete. Mit scheinbarer Ruhe hörte er den Bericht des alten Mannes an, er beschäftigte sich dabei mit einem Zahnstocher, und kein Zug in seinem pfissigen Gesicht verriet die Erregung, die in seinem Innern tobte. Wurden doch auch seine Wünsche und Hoffnungen durch diese Mitteilung vernichtet. Vor einer Stunde noch hatte er sich den kühnsten Träumen hingegeben, er sah den Weg zum ersehnten Ziel glatt und eben vor sich liegen. Die Interdiktion der Baronin konnte sobald nicht aufgehoben werden, sie wurde es nie, wenn er bewies, daß ihr Geist noch immer gestört war, und diesen Beweis wollte er mit leichter Mühe finden. Baron Dagobert würde voraussichtlich verurteilt, dann blieb die Baronesse Majoratserbin, und ihr Gatte dachte sicherlich nicht daran, auf dieses reiche Erbe zu verzichten. Georg war gleich nach dem Besuch der Baronin hinausgeritten, um seiner Braut in der schweren Stunde beizustehen, er knüpfte dadurch die Bande nur noch fester, die ihn mit ihr verbanden. So war der Blick in die Zukunft reich an den schönsten Hoffnungen, und nun kam dieser Unglücksrabe und warf mit seinem Gekrächz das stolze Luftschloß um wie ein Kartenhaus. „Na, wenn das alles wahr ist, was Sie mir gesagt haben, was habe ich damit zu schaffen?“ fragte er, als der alte Mann schwieg.„Jcy hube diesen falschen Zeugen nicht gedungen und mich an Euern Intriguen in keiner Weise beteiligt. Wenn Baron Dagobert schuldlos ist, dann muß er aus der Haft entlassen werden—“ „Und dann übernimmt er sofort die Verwal„Das ist sehr wahrscheinlich. Wenn Sie die Revision zu fürchten haben, so machen Sie sich aus dem Staube, das ist der beste Rat, den ich Ihnen Ich weiß es, aber mir sehlen die Mittel.“ „Ihr Sohn hat sie.“ „Er besitzt nichts mehr, er hat fast alles verlorer. f, ihn menn 9. f. Teicht. „Schlimm geuug für ihn, weinn er so keichisinnig gewesen ist,“ sagte der Justitiar achselzuk„Herr Notar, wir müssen deutsch muiteinander reden,“ erwiderte der Verwalter, der dem wachsenden Groll nicht mehr gebieten konnte.„Wenn Ihnen auch von anderer Seite vielleicht nicht bewiesen werden kann, daß Sie mit uns im Bunde waren, wir, mein Sohn und ich, können es, wir haben nur in Ihrem Interesse gearbeitet. Wir dürfen nnn auch den Lohn verlangen— und wir fordern ihn, damit wir uns einer Untersuchung entziehen können, die auch für Sie gefahrvoll ware. Einige tausend Taler würden hinreichen, wir geloben dafür strengste Verschwiegenheit—“.... „Und andernfalls?" fragte der Notar mit scheinbarem Gleichmut. „Andernfalls würden wir alles sagen, was wir „Sagen Sie, was Ihnen beliebt, erwiderte er dem Verwalter,„ich fürchte das Geschwätz nicht,“ fuhr er fort,„es sind ja doch nur Lügen, wie Sie nun selbst sehr richtig erklären, können Sie nichts beweisen. Von Ihren Jntrignen weiß ich nichts, ich habe in allen Stücken immer gehandelt, wie meine Pflicht und mein Gewissen mir geboten. Wenn Sie das bestreiten wollen, müssen Sie es auch beweisen können, leere Drohungen sind kindisch. Ihre Forderung finde ich unverschämt, und ich rate Ihnen, vergreifen Sie sich an der Ihnen anvertranten Kasse nicht, ich werde morgen früh eine Revision anordnen und dabei sehr streug verChren.„ mis in ase. a „Und das ist aules, was Sie mir zu fügel haben?“ brauste Schreiber auf. „Jawohl, alles.“ „Sie werden mich nicht unterstützen?“ „Dort ist die Tür, leben Sie wohl.“ „Sie werden es bereuen!" knirschte der Verwalter.„Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben und vor dem Rande des Abgrundes stehen, darf man nicht zur Verzweiflung bringen, das sollten Sie bedenken“ den Sie bebenten. Er wartete eine geraume Weile auf Antwort, der Notar deutete schweigend auf die Tür. Der alte Mann ging hinaus. 214,16 Das serbische Heer und die strategische Lage. Durch den Gewinn großer Gebiete in Albanien und Mazedonien hat Serbien seit dem vorigen Jahre eine bedeutende Erweiterung erfahren, und man war dort im Begriff, die neuen Landesteile militärisch zu organisieren und nutzbar zu machen. Vor dem Krieg mit der Türkei zerfiel das Königreich in die sünf Divisionsbezirke: 1. Morawa, mit dem Sitz in Nisch, 2. Drina(Waljewo), 3. Donau (Belgrad), 4. Schumadja(Kragujowatz), 5. Timok (Saitschar). Zu diesen sind jetzt hingetreten: 6. Ibar (Nowibasar), 7. Kossow(Prischtina), 8. Wardar (Skoplje=Uesküb), 9. Bitolj(Monastir), 10, Bregalnitza(Istip). Jeder Divisionsbezirk umsaßte vier Infanterie=Regimenter, die im Frieden je drei, im Krieg je vier Feld=Bataillone hatten und außerdem vier Maschinengewehre, serner war jeder Division ein Feldartillerie=Regiment zu drei Abteilungen, zu drei Bataillonen zu je vier Geschützen beigegeben, die mit Schneider=Creusotgeschützen ausgerüstet sind. Divisions=Kavallerie gab es im Frieden nicht, die vorhandenen vier Reiter=Regimenter bildeten eine Division mit zwei Brigaden zu je zwei Regimentern und zwei MaschinengewehrAbteilungen. Bei der Mobilmachung erhielt jede Division aus dem ersten Aufgebot je ein ReiterRegiment zu vier Schwadronen. Zur Verfügung standen noch an Artillerie eine reitende Abteilung zu zwei Batterien, ein Regiment Gebirgsartillerie zu drei Abteilungen mit je drei Batterien, und ein Haubitz=Regiment mit zwei Abteilungen und fünf Haubitz= und einer Mörser=Batterie. Die technischen Truppen setzen sich aus zwei Bataillonen mit sünf Pionier=, einer Mineur=, einer Eisenbahn=, einer Telegraphen= und zwei Pontonier=Kompag= nien, sowie einer Kavallerie=Telegraphenabteilung zusammen. Jede Division hat eine Train=Esladron und eine Sanitätskompagnie. Seit dem Frieden mit der Türkei und Bulgarien hat man begonnen, in den neuen Provinzen die Stämme für weitere Divisionen aufzustellen, und zwar je vier Stämme für Infanterie=Regimen= ver, und ein Artillerieregiment. Die reiche Beute an Geschützen und Gewehren, welche die Serben während der beiden Feldzüge gegen die Türkei und Bulgarien machten, ermöglichten es, die neuen Truppenteile mit Kanonen, Gewehren und Munition auszustatten. Immerhin kann man nur mit einzelnen dieser Truppenteile rechnen, die in Gegenden mit rein serbischem Ersatz stehen, das bulgarische Element und die geringen Reste zurückgebliebener Moslim und Albanier sind unzuverlässig und kommen nicht in Frage. Bei der Mobilmachung entwickelt sich in jedem Divisionsbezirk des alten Königreichs eine Felddivision zu vier Regimentern zu vier Bataillonen und einer Maschinengewehrkompagnie, einem neuen Divisionskavallerieregiment zu vier Schwadronen, einem Artillerie=Regiment zu neun Batterien, einem Pionierhalbbataillon zu zwei Kompagnien und den Verpflegungs=, Verwaltungs= und Sanitätsformationen. Es läßt sich ein Gesechtsstand von 17000 Gewehren, 530 Säbeln, 36 Geschützen und 16 Maschinengewehren annehmen. Sechs Reserve=Regimenter lassen sich bei der Infanterie noch aus überzühligen Mannschaften ausstellen, die in drei Brigaben eingeteilt werden und je eine Batterie und eine Schwadron erhalten. Das 2. Ausgebot liefert sünf Insanterie=Divisionen zu drei Regimentern zu vier Bataillonen und einer Maschinengewehr=Kompagnie, zwei Schwadronen, einem Artillerie=Regiment zu neun Batterien und einem Pionier=HalbBataillon. Den Gefechtsstand kann man zu 12 000 Gewehren, 200 Säbeln, 36 Geschützen und 12 Maschinengewehren annehmen. Als Besatzungs= und Etappentruppen werden 60 Bataillone, fünf Schwadronen, sowie eine nicht bekannte Anzahl von Batterien und Maschinengewehr=Kompagnien verfügbar sein. Gegen die Bulgaren hatte man sogar aus dem 3. Aufgebot zwei D.visionen vor dem Feind verwandt. Die Gesechtsstärke des ganzen serbischen Heeres 1. und 2. Aufgebots wird man auf mehr als 200 000 Mann veranschlagen dürfen. Nach französischen Meldungen hat Serbien schon seit einigen Wochen die Versammlung der in den neuen Provinzen stehenden Truppen in der Höhe von Mitrowitza angeordnet, also an dem Uebergang von der Kossowo=Ebene nach dem alten Sandschak Novibazar. Der Zweck würde das Festhalten der im südlichen Bosnien stehenden Truppen Oesterreich= Ungarns sein, die bei einem Vormarsch nach Serbien von Westen her ihre rechte Flanke gegen einen Stoß aus südlicher Richtung zu sichern hätten. Bei dem schwierigen Waldgelände, durch das der Vormarsch gehen muß, wird der Schutz der Etappenlinie bedeutende Streitkräfte in Anspruch nehmen. Es handelt sich dabei vor allem auch um die Sicherung gegen Banden, denen das Gelände Vorschub leistet. Man darf auf einen Volkskrieg rechnen, in weit größerm Maßstab, als wir ihn 1870/71 an der Loire zu führen hatten. Die Vorbereitungen dazu sind in Serbien durch die Tätigkeit der Geheimgesellschaft lange getroffen, die sich der wohlwollendsten Unterstützung aller Grenzbehörden zu erfreuen hatte. Das ganze Volk ist mit den Erinnerungen an das großserbische Königreich Zar Duschans erfüllt und träumt von einer Wiederkehr der Tage, wo bis vor die Tore von Byzanz von der Adria aus die Serben Herr waren. Die Siege in den zwei Feldzügen gegen die Türkei und Bulgarien haben im Heer wie in der Masse das Gefühl der Siegesgewißheit hervorgerusen, und das Offizierkorps ist der stärkste Träger dieser Empfindungen. Der Serbe besitzt ausgezeichnete Eigenschaften für den Kriegsdienst, er ist ausdauernd, zähe, bedürfnislos und läßt sich von nationalen Gedanken leicht begeistern. Explosions=Unglück. a Stolberg, 29. Juli. Ueber das Explosionsunglück in Stolberg Mühle sind noch folgende Einzelheiten zu melden: Nachts kurz vor 2 Uhr vernahmen an dem Hause des Uhrmachers Knein in der Neustraße Vorübergehende aus dem Erdgeschoß ein heftiges Getöse, im nächsten Augenblick schlugen Flammen aus den Fenstern. Im ersten Stockwerk wohnt die Familie Faustenbach, deren Angehörige in sestem Schlaf lagen. Von dem Knall geweckt, sprang Frau Faustenbach aus dem Fenster und wurde, ohne Schaden genommen zu haben, unten aufgesangen. Der Mann öffnete die Tür der Küche, um durch diese in das Schlafzimmer seiner Kinder zu gelangen, das sich in einem Anbau befand. Kaum hatte er die Tür geöffnet, als sich der Fußboden unter ihm austat. Er stürzte in den Torweg hinunter und drang nunmehr über den Hof in das Schlafzimmer. Die Kinder, drei Mädchen im Alter von 10, 8 und 5 Jahren, waren aber inzwischen durch die Gewalt der Explosion mit den Betten auf den Hof geschleudert worden, wo man sie als Leichen aussand. Sie waren entweder erstickt oder durch die Mauertrümmer erschlagen worden. Die Frau Fink im zweiten Stockwerk nahm ihr kleines Kind in den Arm, sprang hinab und wurde von den Untenstehenden aufgesangen. Sie kam mit nicht sehr erheblichen Beinverstauchungen und sonstigen kleinen Verletzungen davon, während das Kind gänzlich unverletzt blieb. Der Ehemann Fink schlief mit seinem sechsjährigen Sohne in demselben Bett. Die Explosion schleuderte beide mit der Matratze in den Hof. Der Mann zog sich hierbei innere Verletzungen und solche am Kopf zu; der Knabe erlitt eine so schwere Gehirnerschütterung, daß an seinem Aufkommen gezweiselt wird. Knein wurde verhaftet, da ein fahrlässiges Umgehen mit Benzin vermutet wird. Durch den infolge der Explosion ausgebrochenen Brand wurde das Innere des Hauses völlig zerstört; in der Nachbarschaft waren weit und breit die Fensterscheiben zertrümmert worden. Einer vor dem Hause stehenden Linde riß die Gewalt des Luftdrucks die Krone ab. das Reisogeld für die Heimat in Empfang nehmen wollten. Plötzlich gab es ein großes Geschrei. Ein Herr mit einem großen Geldsack im Arm wurde von den Serben umringt. Wild fuchtelten die Arme in der Lust.„Was ist denn los?“ fragte ein hinzutretender Deutscher. Der angeredete Serbe erwiderte, so gut es im Deutschen ging:„Will sich Konsul unsriges mit Geld ausricken! Aormes Votterland Srbija! Konsul unsriges großes Schweinehund!“ Aber die serbischen Vaterlandsverteidiger, die anscheinend ihrem Konsul nicht zu sehr trauten, hatten sich getäuscht, nicht ihr Konsul, sondern der Sekretär der Trabrenngesellschaft hatte das Haus mit einem Beutel Wechselgeld verlassen.— Daß der serbische Kronprinz Alexander mit der Reitpeitsche verprügelt und die Treppe hinabgeworsen wurde, und zwar von einem Hauptmann der eigenen Armee, weil er, der Kronprinz, gegen die Braut des Hauptmanns, eine Tochter des verstorbenen russischen Gesandten Hartwig, unverschämt geworden war, kann nur in Westeuropa aufsallen. In Serbien ist das so des Landes Brauch. Der Kronprinz wird die Schläge weiter nicht übel nehmen.... Kriegszeiten. In einem Hamburger Hause befindet sich unter den Räumen des serbischen Konsulates das Bureau der Hamburger Trabrenngesellschaft. Vor dem Hause hatten sich etwa 100 Serben versammelt, die Die politische ation ist sehr ernst und wenn heute auch nicht mehr direkte Gefahr besteht, daß sich aus dem österreichisch=serbischen Konflikt ein allgemeiner Weltkrieg entwickelt, so ist doch noch gar nicht abzusehen, welchen Verlauf die Dinge nehmen werden.— In dieser ernsten Zeit ist es die vornehmste Pflicht einer gut geleiteten Zeitung, ihre Leser stets auf dem Laufenden zu halten und über die Vorgänge aus dem Welttheater schnell und zuverlässig zu unterrichten. Die Schwerter Zeitung ist sich dieser Aufgabe voll bewußt und hat einen besonderen Nachrichtendienst eingerichtet, und auch sonst Vorsorge getroffen, um alle eintreffenden Meldungen durch Extrablätter 2c zur Kenntnis ihrer Leser zu bringen. Wer dayer über alle Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz schnell und zuverlässig unterrichtet sein will, der bestelle die Heitung die mona lich nur 60 Pfennig kostet.— Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Bekanntmachung. Die Anstreicherarbeiten an den Schulen in Holzen sollen vergeben werden.— Angebotsunterlagen sind auf dem hiesigen Bauamte gegen Erstattung der Schreibgebühr zu haben. Offerten sind mir verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 4. August cr. einzureichen.— Westhofen, den 29. Juli 1914. 5207 Der Amtmann: v. Daniels. Kusherrl. Der Fabrikarbeiter Heinrich Sievert in Westhofen(Westf), vertreten durch den Rechtsanwalt Justizrat Backhausen in Schwerte hat das Aufgebot des ver loren gegangenen Hypothekenbrieses vom 3. März 1900 über die im Grundbuch von Westhofen Band IV Blatt 206 in Abteilung IIl unter Nr. 2 cingetragene auf den Grundstücken Flur 4 Nr. 824/336, 823/336, 826/337, 825/337 für den Kaufmann Andreas Kohlmann in Schwerte eingetragene, zu 4% vom 27. Februar 1900 verzinsliche Darlehensforderung von 2500 Mark beantragt. Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, spätestens in dem auf den 20. Oktober 1914, vormittags 11 Uhr vor dem unterzeichneten Gericht— Zimmer Nr. 6— anberaumten Aufgebotstermine seine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloeerklärung der Urkunde erfolgen wird. 5213 Schwerke, den 16. Juli 1914. ericht Für herrschaftlichen Haushalt in Laasphe eine perfekte Köchin und zwei zum 1. oder 15. August gesucht. Meldungen bei 5219 Frau Rath, Hagenerstr. 31. Jüngere Frau sucht Rasstereimsiene am Kino oder ähnl Stellung für die Nachmittagsstunden. Offerten unter H. 5202 zu richten an die Geschäftsst d.31g Schwache Augen schmerzende stärkt u. erfr. wunderbar Dr. Bufleb’s Augenwasser Destillat aus vortrefflichen Kräutern à Flasche 50 Pf. Nur bei Max Mehlhose, Medizinal Drogerie, Ostenstrasse. K ordentliches zum 1. September oder später gesucht. 5154 Frau Jul. Duhme Hagenerstraße 56. Statt jeder besonderen Anzeige. Die Verlobung ihrer Tochter MeineVerlobung mit Fräulein Margarete mit dem Kandi- Margarete Meyer beehre ich mich anzuzeigen Ferdinand Falkenberg Kand. d. höh. Lehramts. daten des höheren Lehramts Herrn Ferdinand Falkenberg beehrensichanzuzeigen Baurat Meper und Frau Mabel geb. Wittkowski. Hagen i, W. 5209 im Juli 1914. 2 Schwerler Turnverein Mitglied d. d. Turnerschaft. Das Turnen der Damen= abteilung finket von heute an wieder im Progymnasium statt. 5216 Der Vorstand. Sonntag, den 2. Aug st: Wanderung Kalthoff=Langschede. 5202 Abfahrt: 129 nach Kalthoff. Mittwoch: Abend=Wanderung 8¼ Uhr vom Kasserhof. —10 Mk u mehr i. Hause 10 An. täglich zu verdienen. Postkarte genügt. Rich Hinrichs. Hamburg 13. 4727 vermieten Sie schnell en surch ein Inserat in der Schwerl, Zeitung. gesucht. 5201 Ollo Wilkes. Krieger- und Landwehr-Verein Ergste. Giarie don emten 75X100 cm Preis nür Ain. I3 vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerke(Ruhr), Gr. Marktstr. 3—5. am Sonntag, den 2. August. Anfang 2½ Uhr nachmittags. Restauration in der Schiesshalle am Silbersiepen'schen Gute. Auf die Absperrungstafeln wird ausdrücklich hingewiesen. Zu zahlreicher Beteiligung ladet ein 5208 Der Vorstand. KEEEE Mehrere 5215 A, Crure nicht unter 16 Jahre alt, für leichte Arbeit gesucht. Eisenindustrie. Konkurrenzlos die Auswahl und billigen Preise in nur modernsten und soliden mapp, Oport BRENNABOR Aeltestes u. grösstes Spezialhaus am Platze! A. Helmert HAGEN i. W. Gelbe Marken! Elberfelderstr. 49. Gelbe Marken! 3060 Für Die-Hoisczeit-Umpionte für Damen und Herren Bozener Mäntel, Capes, wasserdichte Regenröcke, Loden-Costüme nach Mass, Loden-Anzüge nach Mass. Anfertigung in drei Tagen. 5212 Hochachtungsvoll Ernst Müller, Ostenstr. 18. 1 Gürft gesucht. 5174 Verwaltung des Gas= und 5# 8 9 „Wollt ihr ein Liedchen hören, das mir heute ganz unversehens in die Feder geflossen ist?“ fragte er wie scherzend.„Nachher könnt ihr mir vielleicht helfen, einen Titel dafür zu finden." Ohne eine Antwort abzuwarten, griff er in die Tasten, und seine Stimme, die sich noch immer ihren herrlichen metallischen Wohllaut bewahrt hatte, wenn er sie auch schon seit Jahren nicht mehr öffentlich hören ließ, erfüllte warm und innig den Raum: „Wenn dein Mittag glüht, Sinkt auf mich die Nacht; Wenn dein Sommer blüht, Ist mein Jahr vollbracht. All mein heißes Glück War ein Spätherbsttraum= Letzter Sonnenblick An der Wolke Saum. Aus dem Blütental Geht's ins dunkle Land—— Drum zum letztenmal Gib mir deine Hand! Noch am Ufersteg Magst du bei mir stehn— Meinen letzten Weg Laß mich einsam gehn!“ Kurz, ohne Nachspiel, hatte er mit dem letzten Wort des Liedes abgebrochen, und ehe die beiden in tiefster Seele Ergriffenen zu fassen vermochten, was ihnen geschah, stand er bei ihnen und fügte ihre Hände ineinender. glücklich! Mein mits „Nehmt euch und seid glucklich:— Mein muder Herbst soll deinen Frühling nicht vor der Zeit zum Welken bringen, Lisa! Gib mir noch einmal deine Hand — und deine Lippen! Auch ein flüchtiger Sonnenblick ist am Ende Glücks genug in den grauen Tagen, da die Blätter fallen.“ Als sie imstande gewesen wären, ihm etwas zu erwidern, war er schon aus dem Zimmer. Und keines “ v o n i h n e n h ä t t e d e n M u t g e h a b t, i h n j e t z t i n s e i n e r Einsamkeit zu stören. Reimar Gerhoffs„Spätherbst“ aber war seine letzte Dichtung und das letzte Lied, das er gesungen. 82 Aus vergangenen Tagen. Eine Erinnerung an Mozart. Am 30. August 1763 traten die„Wunderkinder" W. A. Mozart und Nannerl Mozart zum ersten Male in Frankfurt a. M. auf. Die Konzertanzeige lautete:„Die allgemeine Bewunderung, welche die noch niemals in solchem Grade weder gesehene noch gehörte Geschicklichkeit der zwei Kinder des hochfürstl. Salzburgischen Kapellmeisters Herrn Leopold Mozart in den Gemütern aller Zuhörer erweckt, hat die bereits dreimalige Wiederholung des nur für einmal angesetzten Konzerts nach sich gezogen. Ja, diese allgemeine Bewunderung und das Anverlangen verschiedener großer Kenner und Liebhaber ist die Ursache, daß heute, Dienstag, den 30. August, in dem Scharfischen Saal auf dem Liebfrauenberge abends um 6 Uhr aber ganz gewiß das letzte Konzert sein wird; wobei das Mädchen, welches im zwölften, und der Knabe, der im siebenten Jahr ist, nicht nur Konzerten auf dem Klavessin oder Flügel, und zwar ersteres die schwersten Stücke der größten Meister spielen wird, sondern der Knabe wird auch ein Konzert auf der Violine spielen, bei Synfonien auf dem Clavier accompagniren, das Manual oder die Tastatur des Klaviers mit einem Tuch gänzlich verdecken, und auf dem Tuche so gut spielen, als ob er die Klaviatur vor Augen hätte; er wird ferner in der Entfernung alle Töne, die man einzeln oder in Akkorden auf dem Klavier oder auf allen nur denkbaren Instrumenten, Glocken, Gläsern und Uhren usw. anzugeben imstande ist, genauest benennen. Letzlich wird er nicht nur auf dem Flügel, sondern auch auf einer Orgel(solange man zuhören will, und aus allen, auch den schwersten Tönen, die man ihm benennen kann) vom Kopf phantasieren, um zu zeigen, daß er auch die Art, die Orgel zu spielen, versteht, die von der Art, den Flügel zu spielen, ganz verschieden ist. Die Person zahlt einen kleinen Thaler. an kann Billetts im goldenen Löwen haben.“ Hier hörte ihn auch Goethe.„Ich habe ihn als siebenjährigen Knaben gesehen," erzählt er Eckermann,„wo er auf einer Durchreise ein Konzert gab. Ich selber war vierzehn Jahre alt und erinnere mich des kleinen Mannes in seiner Frisur und Degen noch ganz deutlich.“ 82 V Ie wulene Sauen. Die Intellektualität der Frau im Vergleich mit der des Mannes. Es ist im Lauf der letzten Jahre zu wiederholten Malen zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gemacht worden, ob die Intellektualität der Frau derjenigen des Mannes gleichkommt oder ihr etwa gar überlegen ist, und da diese Untersuchungen nicht immer mit der nötigen Objektivität geführt wurden, ist die Frage bis zum heutigen Tage noch nicht ganz geklärt. Fast alle bedeutenden Psychologen weisen nun darauf hin, daß es fast unmöglich ist, an die Beantwortung derartiger Fragen mit theoretischen Untersuchungen heranzutreten, um so mehr, als diese Untersuchungen in allen Fällen unter starken individuellen Beeinflussungen zu leiden hätten. Der einzige Weg, Beobachtungen anzustellen, aus denen dann halbwegs ernst zu nehmende Schlüsse gezogen werden können, ist die Praxis, und eben in der Praxis, ist es doch nun schon zu Hunderten von Malen erörtert worden, in welchem Grade die Intellektualität der beiden Geschlechter voneinander verschieden ist. Es ist durchaus falsch, Begabungen und Leistungen der Geschlechter mit dem gleichen Maßstabe zu messen und dadurch zu einem kleineren oder größeren Wertunterschied zu kommen, sondern man muß berücksichtigen, daß es sich eben um zwei Individuen von großen und zahlreichen Verschiedenheiten handelt, deren Begabung gar nicht anders als ungleich sein kann. Ein Wettstreit der beiden Geschlechter auf denselben Gebieten kann auf die Dauer nicht zu guten Resultaten führen, und es bleibt schließlich immer noch am besten, an dem Grundsatz unserer Väter festzuhalten, in dem es hieß:„Nicht Mann oder Weib, sondern Mann und Weib“; denn erst durch das gemeinsame Zusammenwirken wird Gutes geschaffen. Humor. Schade. Ede:„Da liegt en Sechser uff de Erde, Lude, siehst'n nich?“ Lude:„Ick seh ihm schon, schade nur, det wir beede die Hände in de Tasche haben.“ — Bestellungen * a. E. S.5 8 # SS 11g S 205 SE Sg. SGS O EgEg B8S— SPBSSG S E• 9.—.* ..—— 2 B#SS9S ES902 BD S msap. BSn So.eßs BSE1 Se B##ÄSES BaESSRE * s SsgE SEDSN.“ Sg##san SR SSEgADS S0RE S. 6MTE # g „*„„*** TOSSGESRE S SB 8 0 S SSSS-TARTESSSSSESNS * Amtliches Kreisblatt für den kreis börde 46. Jabrgang O Grites und ällelles Cagesorgan des Kreiles. O haupt-Aunoncenbine Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 176. Donnerstag 30. Juli 1914 88 K Saladkia. Roman von A. von Crystedt. (18. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) er Italiener hatte Gundula einen köstlichen Blumenstrauß überreicht und ihr zugeflüstert: „Süße Gundula, darf ich Sie nur wenige Minuten allein sprechen?“ „Ehe das junge Mädchen antworten konnte, sagte Frau von Ransow: „Hast du vergessen, Gundel, daß deine Klavierlehrerin wartet?“..24. 4; Sremnein Das junge Mädchen blickte die mutterliche Freunvin dankbar an, dann verneigte sie sich vor den Herren: „Da hören Sie es, Comte, nicht der kleinste Spaziergang ist mir vergönnt.“.... 63644 Leichtfüßig eilte sie hinaus, die Hausdame sbigle ihr, Bethoni biß die Zähne zusammen und murmelte etwas, das einem Fluch nicht unähnlich klang. Die Herren waren allein. Düren rieb, um seiner Verlegenheit Herr zu werden, so angelegentlich seine Hände, als sei es eisiger Winter und nicht blühender Sommertag. Er verwünschte die Situation. Es war ihm unsagbar peinlich, Bethoni periönlich die Mitteilung machen zu müssen, daß seine Werbung zurückgewiesen werde. Anderseits mußte Bethoni aus Gundulas Verhalten doch wohl bereits seine Schlüsse gezogen haben. So schien es auch. Er kam auf die Werbung gar nicht zurück, sondern sagte, den ihm angewiesenen Platz einnehmend: „Sie hatten ja wohl die Absicht, ein Auto zu kaufen, Herr Düren?“. 4. Gtesine Und als dieser bejahte, fuhr der Italiener fort: „Ich habe vor wenigen Wochen mir einen Kraftwagen zugelegt, und zwar einen Welsenhagen, ein wahres Prachtexemplar, an dem ich meine helle Freude habe. Trotzdem möchte ich das Auto wieder verkaufen, da ich es in dieser Zeit absolut nicht benutzen kann. Ich würde mir an Stelle des Ungetüms gern ein paar Reitpferde zulegen. Wollen Sie mir die Gefälligkeit erweisen, Herr Düren, und mir das Auto abkaufen? Ich würde Ihnen wirklich Dank wissen, wenn Sie mir das Fahrzeug abnehmen, selbst wenn ich einen Verlust dabei erleiden sollte.“ „Aber ich bitte Sie, davon kann keine Rede sein!“ rief Düren, erfreut über die Gelegenheit, sich dem Italiener gefällig erweisen zu dürfen.„Natürlich bin ich Käufer des Autos, welches mir ja nicht unbekannt ist, da wir verschiedentlich in demselben spazierengedas freut mich!" bemerkte Bethoni sichtlich befriedigt durch Dürens Bereitwilligkeit,„es freut mich von ganzem Herzen, daß das Auto in Ihren Besitz gelangt; denn es ist mir lieb wie ein vierbeiniger Renner, und es von einer Hand in die andere übergehen sehen zu müssen, würde mir fatal sein.“ In diesem Moment vernahm man das Nahen des Kraftwagens. Er fuhr seitlich am Hause vorbei in den Hofraum hinein. s 859.. „Die Besichtigung kann sogleich erwoigen, sagte Bethoni,„und der Kaufvertrag noch heute abgeschlossen werden, wenn Sie nichts dagegen haben, Herr Düren. Ich möchte zunächst ein paar Tage verreisen und vorher diese Sache erledigt wissen.“ „Aber gewiß, mein bester Comte, selbstverständlich! Die Kaufsumme steht zu Ihrer Verfügung. Ich werde Ihnen sogleich einen Scheck ausstellen."... „Die Quittung habe ich bereits geschrieven,“ sagte lächelnd der Italiener.„Sie bezahlen zwölftausend, verehrter Herr. Mich hat das Ding fünfzehntausend Mark gekostet. Der Chauffeur steht nicht in festem Dienst bei mir. Ich pflege ihn nach Bedarf zu engagieren. Aber kommen Sie, vor allen Dingen ist es doch notwendig, daß Sie Ihren Einkauf besichtigen.“ Es war tatsächlich ein prachtvolles Fahrzeug mit allen Vorzügen dieser Firma, und Düren beglünwunschte sich im stillen zu dem vorteilhaften Kauf. ggan Ebenso war es ihm sehr angenehm, daß Berhoni es mit seiner Abreise eilig zu haben schien. Bis zur Rückkehr desselben konnte man gleichfalls verreist sein. Und kam der Comte später auf seine Werbung zurück, so war die Sache bei weitem nicht mehr so peinlich, wie eben jetzt. Das Auto fand seinen Platz in einer geräumigen Remise, dann begaben die Herren. sich ins Haus, um den Kauf zum Abschlup uu vpgratighiedete sich Bethani. Eine Viertelstunde später verabschiedelt sich Berhoni, ließ sich dem gnädigen Fräulein angelegentlich empfehlen und sprach die Hoffnung aus, daß es ihm vergönnt sein möge, bald und zu glücklicherer Stunde Diese letzten Worte waren die einzigen, mit denen Bethoni auf seinen Antrag hindeutete. Düren hütete sich, etwas darauf zu entgegnen. Er hatte seine Bank bereits telephonisch benachrichtigt, daß der Italiener ein Guthaben von zwölftausend Mark abheben werde, und war froh, als er ihn endlich auf liebenswürdige Manier hinauskomplimentiert hatte. Drüben im Musikzimmer, wo von einer Klavierlehrerin nichts zu sehen noch zu hören war, umarmte DESELSS 8 5SESSBLS * 3 515 * 511SS. n SHRSESRE SBUTESEES — EGSIS: SU"SESS! S#rE: S.. S S 98MBS S# Gundula stürmisch Frau von Ransow.„O wie danke ich dir, Tantchen, daß du mich von dem widerwärtigen Menschen befreit hast. Denke nur, er hat um meine Hand beim Onkel angehalten, trotzdem ich mich ihm gegenüber außerordentlich kühl und reserviert verhalten habe, wie aufdringlich er sich auch benahm.“ „Ich bin überzeugt, daß dein Feingefühl dich richtig geleitet hat, Gundel,“ sagte die ältere Dame nachdenklich;„denn gründlicher hat mir nie ein Mensch mißfallen als dieser Italiener, der sich Comte Bethoni nennt.“ Das junge Mädchen sah überrascht auf.„Wie sonderbar du das sagst, Tante! Du hältst diesen Ausländer doch nicht etwa für einen Abenteurer?“ „Das nicht, Kind, aber doch für einen moralisch heruntergekommenen Menschen, und schon oft schwebte mir eine Warnung auf der Zunge. Aber dein Onkel schien so eingenommen von dem Italiener zu sein, daß ich nichts zu sagen wagte, aus Furcht, Herrn Düren durch eine abfällige Bemerkung über Bethoni zu verletzen „Da scheint der eine vor dem anderen Versteck gespielt zu haben," lachte Gundula;„denn Onkel glaubte, ich interessiere mich für den Comte und war in tausend Aengsten, daß ich ihn schon jetzt verlassen könne, um die Gattin des Italieners zu werden. Und zum Schluß kommt es nun heraus, daß er uns allen dreien gleich unsympathisch war." Sie lauschte.„Da fährt doch sein Auto auf unseren Hof. Was soll das nun wieder heißen? Hat Onkel etwa versprochen, eine Tour mit ihm zu machen? Dann muß er mich aber dispensieren, ich komme in keinem Falle mit.“ „Dein Onkel wird dich ja auch nicht zwingen, Kind.“ Gundula wäre gern in den schattigen Garten hinausgelaufen, aber die Furcht, daß der Comte ihr folgen könne, hielt sie im Zimmer zurück. Um sich zu zerstreuen, begann sie Etüden von Rubinstein zu spielen, und es dauerte nicht lange, so kam ihr Onkel herein. „Den sind wir los, Kind, er verreist auf unbestimmte Zeit. Mit keinem Worte ist er auf seine Werbung zurückgekommen. Der hat gewittert, daß ein Korb seiner wartet, und ist auf und davon. Wer weiß, ob er je sich wieder blicken läßt. Eine Erbschaft hat er uns hinterlassen, sein wunderschönes Auto. Ich habe es ihm für zwölstausend Mark abgekauft.“ „O du bester, goldigster aller Onkel!" jubelte Gundula, ihren Verwandten stürmisch abküssend,„das herrliche Auto! Ich hatte es mir sehnlichst gewünscht. Wußtest du das, Onkelchen?" „Nun, das wäre ja noch besser, wenn ich von solch einem jungen, offenen Gesicht nicht ablesen sollte, was ich wissen möchte!" „O du schlimmer Onkel,“ schmollte Gundula,„da ist es nur zu wünichen, daß ich niemals Geheimnisse vor dir habe. Was sollte sonst werden! Morgen machen wir eine richtige Autotour, was? Es soll herrlich werden!" Sie lief wie ein fröhliches Kind in den Garten hinaus. Ihre Wangen glühten. Alles in ihr war in Aufruhr. So leicht und glücklich hatte sie sich nie zuvor gefühlt; so, als sei sie nahe daran gewesen, in einen Abgrund zu stürzen, und nun das Leben mit all seiner Lust und seinen tausend Reizen ihr von neuem geschenkt. Mit ihrer glockenhellen Stimme sang sie laut in den strahlend schönen Tag hinaus, es war, als habe ihre Brust sich geweitet und ihre Stimme an Umfang gewonnen. Zwischen zwei alten Kastanien war eine ziemlich primitive Schaukel angebracht; ein Tau, auf dem sich ein Sitzbrett mit einer Lehne befand. Wenige Minuten später saß Gundula in der Schaukel und brachte sich in Schwung. Höher, immer höher hinauf ging die lustige Fahrt, bis in die grünen Baumzweige hinein. Im Nachbargarten hatte sie eine Zuschauerin, ein kleines Mädchen von fünf Jahren, welches auf einen Stuhl gestiegen war und aus leuchtenden Augen zusah. Das Gesichtchen glühte, und die langen. blonden Löckchen drängten sich bis an die heißen Wangen. Aber erst, als sie in die Hände klatschte und im Eifer laute Freudentöne ausstieß, wurde sie von Gundula bemerkt. Diese nickte dem Kinde freundlich zu und stellte die tolle Fahrt ein. Nach wenigen Minuten hatte sie die Schaukel zum Halten gebracht. „Du, laß mich auch mal,“ sagte drüben die Kleine, vor Eifer auf dem Gartenstuhl herumhüpfend,„darf ich kommen? Weiter unten bei der großen Tanne ist ein Loch, da kann ich bequem durch!“ „Das hast du schon heraus?" lachte Gundel,„na, komm nur, hoffentlich wirst du nicht schwindlig.“ „No,“ nicht im geringsten, unsere Friedrike sagt immer:„Der Irrwisch hatte Gummiglieder, die kann sie wenigstens nicht brechen“!“ Dabei flatterten die blonden Locken schon in einiger Entfernung, und schelmisches Gelächter tönte zu dem jungen Mädchen herüber. Mit einer Gewandtheit, die darauf schließen ließ, daß das kleine Mädchen diesen Weg nicht zum ersten Male machte, kroch sie durch die Hecke und flog dann mit ausgebreiteten Armen auf Gundel zu. „Ich hab' dich lieb,“ sagte sie, das schöne Mädchen umfassend,„furchtbar lieb, und möchte dich küssen.“ Es war ein reizendes Geschöpf, und Gundula so entzückt, daß sie sich niederbeugte und jede Liebkosung der Kleinen zärtlich erwiderte. „Wie heißt du?“ fragte sie dann. „Hilde von Gronwald," antwortete die Kleine, „und alle Tage habe ich schon auf dich gelauert, aber niemals kamst du bis zur Schaukel. Heute bist du wohl sehr vergnügt?“ „Ja, sehr, meine süße, kleine Hilde, ich könnte die ganze Welt umarmen!" rief Gundula,„komm, gib mir noch einen Kuß und dann setz dich in die Schaukel! Halte dich aber ja recht fest, damit du nicht hinunterfällst „Ich falle nicht,“ sagte Hilde ungeduldig,„los!“ Gundula war sehr vorsichtig und dachte nicht daran, die Kleine hoch zu schaukeln. Hilde aber war sehr wild und wurde unartig. Sie riß gewaltsam an den Stricken und brachte sich plötzlich so in Schwung, daß Gundel nicht ausweichen konnte und die scharfe Kante der Rücklehne hart gegen ihre Schulter stieß. Es tat weh, und sie konnte einen Schmerzenslaut nicht unterdrücken. In demselben Moment tauchte auf der anderen Seite der Hecke im Nachbargarten das dunkelbärtige Gesicht des Barons Stesany auf. Er mochte dort schon längere Zeit gestanden haben und ungesehener Zuschauer des lustigen Treibens gewesen sein. Nun drohte er, die Stirn finster gefaltet, herüber. „Bitte die Dame sofort um Entschuldigung, und dann komm!“ rief er barsch. Das Kind gehorchte ohne weiteres, scheu huschte es davon, nachdem es eine Entschuldigung gestammelt. „Es war ja nicht so schlimm, beschwichtigte Gundula, „und die Kleine konnte nichts dafür.“ „Verteidigen Sie die Ungezogenheit nicht noch!“ widersprach Stefany streng,„Fehler muß man bei der Wurzel ausrotten, sonst wachsen sie mit dem Menschen, Ungezogenheiten arten in Untugenden aus. Dann ist es zu spät zur Umkehr.“ (Fortsetzung folgt.) M ucuue sbigymusch U„u M“ Denkspruch. Das Schicksal führt den Wiltigen und schleppt den, der lich sträubt. Kleanides Spätherbst. Skizze von Helmut ten Mor. (Nachdruck verboten.) Lange hatte der grauhaarige Arzt gesprochen, nun war der Klang seiner milden, gütigen Stimme verstummt, und in dem von goldenem Herbstsonnenschein durchsluteten Arbeitszimmer des einst so hoch gefeierten Konzertsängers war tiefe Stille. Weit in den vor den Flügel gerückten Sessel zurückgelehnt, saß Reimar Gerhoff schweigend da und blickte unverwandt in die Farbenpracht hinaus, mit der sich die sterbende Natur geschmückt hatte. Er war noch immer schön und stattlich trotz seines stark gelichteten Scheitels und trotz der Silberjäden in seinem langen, dunklen Barte. Ein feierlich ruhiger Ernst lag auf seinem durchgeistigten Gesicht, und nur die kleine Falte zwischen seinen Brauen gab Kunde davon, daß es wehmütig schmerzliche Gedanken waren, in die er sich verloren. Aus einem unfern gelegenen Raume des Landhauses klangen gedämpft die Töne eines Klaviers zu ihnen herein, und der Gesang zweier reiner, jugendfrischer Menschenstimmen, die sich bestrickend harmonisch in einem altbekannten Duett zusammenfügten. „Ach, wie so bald verhallet der Reigen! Ach, wie so bald!“ schlug es an Reimar Gerhoffs lauschendes Ohr, und mit einer energischen Kopfbewegung wandte er sich plötzlich gegen den alten, ärztlichen Freund. „Ich danke dir für deine Aufrichtigkeit, Rudolf! — Noch ein bis zwei Jahre also— das heißt, im günstigen Fall. Daß meine arme, kleine Lisa so bald zur Witwe werden würde, ich hätte es doch nicht gedacht— trotz mancher trüben Ahnung. Aber ich habe nun wohl um so mehr Veranlassung, den Termin der Hochzeit zu beschleunigen. Denn für eine kurze Zeitspanne— schilt mich darum immerhin einen Egoisten, Rudolf!—, für eine kurze Zeitspanne noch möchte ich in vollen Zügen aus dem Becher des späten Glückes trinken, den ein gnädiges Schicksal für mich bereitet hat.“ „Niemand wird dir einen Vorwurf daraus machen, Reimar!— Denn noch bist du ja imstande, ein anderes Wesen zu beglücken— ein Wesen, das dich liebt, wie du es von deiner jungen Braut doch wohl als gewiß voraussetzen darfst.“ „Ja, ich glaube, daß sie mich liebt,— trotz des Unterschieds der Jahre. Seit zwanzig Monaten ist sie meine Schülerin— ich habe ihre schlummernde Begabung geweckt und ihre Stimme gebildet. Sie geht einer großen, künstlerischen Zukunft entgegen, und weil sie, wie sie meint, das alles mir allein zu danken hat, liebt sie mich mit der ganzen Kraft ihres jungen Herzens „Uno niemals— vergib, wenn ich auch darin ganz offen gegen dich bin—, niemals ist dir die Befürchtung gekemmen, daß sie selbst sich über die Natur ihrer Empfindungen täuschen, daß sie für Liebe nehmen könnte, was doch in Wahrheit nur Dankbarkeit und kindliche Verehrung des großen Meisters ist?“ „Nein,“ erwiderte er nach kurzem Zaudern.„Nein, ich fürchte es nicht. Brauche ich ihr doch nur in die Augen zu sehen, um darin zu lesen, was sie für mich empfindet.“ „So solltest du in der Tat nicht zögern, sie zu deinem Weibe zu machen, und solltest dich ohne Skrupel deines Glückes freuen.“ „Meines leider recht kurzen Glückes,“ ergänzte der Künstler mit einem trüben Lächeln.„Meine kleine Lisa ahnt wohl nicht, welche prophetische Bedeutung es für mich hat, wenn sie da drinnen mit Boris Rasumin singt:„Ach, wie so bald verhallet der Reigen!“ „Sie musiziert sehr viel mit diesem jungen Manne — nicht wahr? Noch fast bei jedem meiner Besuche habe ich sie in seiner Gesellschaft gefunden.“ „Wie sollte es anders sein?— Er ist mein Lieblingsschüler— ein musikalisches Genie und ein trefflicher Mensch. Daß sie sich in Freundschaft zueinander fanden, ist nur natürlich, und es gereicht mir zur herzlichsten Freude.“ Es war, als ob der alte Arzt eine Erwiderung auf den Lippen hätte, aber er mußte sich doch wohl rasch eines anderen besonnen haben; denn er sprach sie nicht aus, sondern stand auf, um sich zu verabschieden. Kräftig schüttelte Reimar Gerhoff ihm die Hand. „Fürchte nicht, mich mit deiner Prophezeiung melancholisch gemacht zu haben, mein Alter!“ sagte er fast heiter.„Am Ende hätte ich mir's ja auch selber sagen können, daß ich meines Lebens Frühling und Sommer hinter mir habe, und daß ich mich beeilen muß, die letzten Früchte des Herbstes zu genießen.“ Als der andere gegangen war, blieb der Musiker eine kleine Weile lauschend am Flügel stehen. Aber der Gesang war verstummt und tiese Stille war um ihn her. Da erfaßte ihn plötzlich ein heißes Verlangen nach der, die seines Herbstes Wärme und Sonnenschein sein sollte, und raschen Schrittes ging er über den weichen Teppich des Nebengemaches bis zu der Tür des Zimmers, in dem er die beiden wußte. Sie war nicht völlig geschlossen, und geräuschlos öffnete sich der angelehnte Flügel unter dem Druck seiner Hand. Sein Fuß aber haftete wie angewurzelt am Boden; denn was er da mit raschem Blick erfaßt hatte, machte für einen Moment den Schlag seines kranken Herzens stocken. Lisa, seine geliebte kleine Lisa, lehnte das blasse, tränenüberströmte Gesicht an die Schulter seines schönen sarmatischen Lieblingsschülers, dessen Arm ihre schlanke Gestalt so fest umschlungen hielt, als ob er sie nimmermehr freigeben wollte, und deutlich klang ihr schluchzendes Geflüster an des Lauschenden Ohr: „Es kann ja doch nicht sein, Boris— es kann nicht! Ich verdanke ihm alles— alles! Und er ist so gut! Nie— nie, auch wenn ich darüber todunglücklich werden muß, werde ich es über mich gewinnen, ihn durch einen Treubruch zu betrüben.“ Leise, unhörbar, wie er geöffnet worden war, hatte sich der Türflügel wieder geschlossen. Gesenkten Hauptes und mit merkwürdig müdem, altem Gesicht kehrte Reimar Gerhoff in sein Arbeitszimmer zurück— vorsichtig auf den Fußspitzen, damit die beiden da drinnen nicht durch die jähe Furcht vor einer Entdeckung aus ihrer schmerzlichen Weltvergessenheit aufgeschreckt würden. Lange saß er gedankenverloren in dem Sessel vor seinem Schreibtisch, bis seine Finger halb mechanisch ein Blatt Papier herangezogen und seine Feder in raschen, kaum leserlichen Schriftzügen über die weiße Fläche hinglitt. Dann stand er auf und trat an den Flügel, das beschriebene Blatt in der Hand und hier und da wie in träumerischem Sinnen ein paar Akkorde greisend. Ein schwerer, tiefer Atemzug noch, und mit einer raschen Bewegung schloß er das Instrument.——— So laut war der Klang seines Schrittes und so vernehmlich Reimar Gerhoffs Räuspern gewesen, daß die beiden jungen Menschentinder im Musikzimmer Zeit genug gehabt hatten, einen weiten Abstand zwischen sich zu bringen, ehe der Meister eintrat. Er grüßte sie freundlich wie immer, aber ohne sich aufzuhalten, schritt er auf den kleinen Flügel zu. * 11 **(Die Himbeeren) sind im Sauerlande reif, und die Ernte dieser edlen und von alben geschätzten Frucht hat begonnen. Die Himbeere, die die durch Abholzen entstandenen Waldblößen unserer heimatlichen Berge innerhalb dreier Jahre so vollständig überzieht, daß sie ein fast undurchdringliches Dielicht bilden, tragen in diesem Jahre äußerst reich, und die Qualität der Beeren ist infolge des reichlichen Regens und der darauf folgenden Hitze ganz vorzüglich. Die vom Sturm gepeitschten Regenschauer der letzten Tage erschweren das Pflücken und segen die reissten und süßesten Früchte von den Sträuchern, so daß der Waldbeden mit den roten Beeren dicht bedeckt ist.„ G6 er(Schwere Unfaule) ereigneten sich im Lause des gestrigen Tages. Im Neubau des Herrn Kreisschulinspektors Stader wurde der Maurerpolier Schneider, ein Mann von zirka 40 Jahren, von einem abstürzenden Balken getrossen und am Kopfe schwer verletzt.— Der im Klusenweg wohnende Walzer Wegener wurde von einem glühenden Draht ersaßt, der ihm in den richten Fuß drang. W. hat schwere Brandwunden erlitten. Beide Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht. **(Jugendheim der katholischen Gemeinde.) Schon seit langer Zeit war es Wunsch der katholischen Gemeinde, für die Jugendvereine ein eigenes Heim zu bauen. Dieser Wunsch soll jetzt verwirklicht werden. Es soll hinter der Kleinkinder=Bewahrschule an der Haselackstraße ein diesbezügliches * G e b ä u d e e r r i c h t e t w e r d e n, u n d d i e M a u e r, w e l c h e jetzt das ganze Gelände umschließt, soll teilweise als Grundmauer mit benutzt werden. Das Gebäude ist vorläufig in einer Länge von 29 Metern und einer Breite von zirka 12 Metern vorgesehen; es kann nötigensalls später noch weiter ausgebaut werden. Mit dem Bau des Jugendheims wird in Kürze begonnen werden. *:(Folgen der Kriegswirren.) Die Postverwal## t u n g s c h r e i b t u n s: W e g e n s e h r s t a r k e r A n h ä u f u n g der Telegramme nach Oesterreich, Ungarn, den Balkanstaaten und Rußland erleiden die Telegramme dahin große Verzögerung. Sämtliche telegraphischen Verbindungen zwischen Ungarn und Serbien sind aufgehoben. Telegramme nach Serbien können auf Gefahr des Absenders zur Worttaxe von 35 Pf. via Schweig Italien Eastern griechische Landlinien befördert werden. *(Eine für Jäger wichtige Gerichtsentscheidung) teilt die Jagdzeitung„Hubertus“ mit: Ein Jäger war angezeigt worden, weil er beim Betreten eines Gasthauses sein Gewehr nicht entladen hatte. Das Gericht entzog dem Jäger den Jagdschein auf die Dauer von drei Jahren. Sämtliche Berufungsinstanzen wiesen die Berufung des Verurteilten zurück. **(Ein Merkblatt über die Zahnnfkege) hat die Landesversicherungsanstalt Berlin kürzlich herausgegeden. In fünf kurzen Absätzen enthält es das wesentlichste über die Bedeutung einer regelmäßigen Mund= und Zahnpflege für die menschliche Gesundheit. Diese Pflege muß schon im frühen Kindesalter beginnen. Womöglich schon vom dritten oder vierten Lebensjahr an müssen die Zähne in regelmäßiger Wiederkehr vom Zahnarzt untersucht werden. Die Erfüllung dieser hygienischen Pflicht wird mittellosen Eltern vielerorts durch die Schulzahnkliniken erleichtert. Nach Eintritt in das Erwerbsleben setzt die Fürsorge der Krankenkassen und der Versicherungsanstalten ein *(Der Eisenbahnminister) hat nachfolgenden Erlaß an die Eisenbahndirektionen gerichtet:„Ich weise darauf hin, daß die bei den Eisenbahnbetriebsämtern eingehenden Beschwerden gegen Strafversügungen wegen Bahnpolizei=Uebertretungen, sosern sie der Amtsvorstand nicht als begründet ansieht, der Königlichen Eisenbahndirektion zur Entscheidung vorzulegen sind. Diese Vorlage hat unverzüglich zu erfolgen. Der Beschwerdeführer ist hiervon alsbald zu benachrichtigen. **(Unfall.) Der im Martinswerk beschäftigte Arbeiter Eichenauer von der Mühlenstraße erlitt auf der heutigen Nachtschicht dadurch einen Unfall, daß ihm ein glühender Block auf den linken Fuß fiel und diesen schwer verbrannte. Der Verletzte mußte in das evangelische Krankenhaus überführt werden. **(Einen Selbstmordversuch) unternahm heute morgen eine an der Beckestraße wohnende Frau B., indem sie Lysol trank. Mitglieder der Sanitätskolonne und Herr Dr Emmerich leisteten der Unseligen die erste Hilse. Nachdem ihr der Magen ausgepumpt war, wurde sie ins evangelische Krankenhaus gebracht. Ueber die Beweggründe der Tat verlautet noch nichts. * Ergste, 29. Juli.(Volksbibliothek.) Zwecks Prüsung des Bücherbestandes bleibt die hiesige Bibliothek in der Zeit vom 1. August bis 15. September d. J geschlossen. Die noch in Händen der Leser besindlichen Bücher sind bis Mitte August abzugeben. ** Ergste, 30. Juli.(Der Krieger= und Landwehrverein) konnte am 3. Juli, dem Jahrestag der Schlacht von Königgrätz, auf ein 45jähriges Bestehen zurückblicken. Gleichzeitig sind 20 Jahre verflossen, seitdem der Verein die alljährliche Veranstaltung des Uebungs= und Preisschießens. anfangs mit Scheibenbüchsen, später mit Modell 71 aus dem Militärdepot und zur Zeit mit kleinkalibrigen aptierten Präzisionsgewehren, in sein Programm aufnahm. Aus diesem Anlaß hat der Verein zum diesjährigen Jubiläums=Preisschießen eine erheblich größere Anzahl von Vereinspreisen beschafft. Außerdem wurden der Vergnügungskommission von Mitgliedern und Gönnern des Vereins zahlreiche wertvolle Haupt= und Ehrenpreise zur Verfügung gestellt. Restauration, sowie warme und kalte Küche am Platze. * Aplerbeck, 27. Juli.(Umbau des Bahnhofs.) Für den Um= und Neubau des Bahnhofs Aplerbeeck wird bei der Eisenbahnverwaltung gegenwärtig der Entwurf zur ministeriellen Genehmigung hergestellt. Die Grundstücks=Erwerbungen sind bereits erledigt. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 29. Juli.(Die Strafkammer) verurteilte den Kausmann Richard Klaas von hier wegen Betruges im Rücksalle zu zwei Jahren Zuchthaus, 200 Mark Geldstrafe und vier Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte hat u. a. unter der Vorspiegelung, Rechtsanwalt zu sein von einem hiesigen Kaufmann sich die Vertretung in einem Prozeß und Vorschußleistung von 260 Mark geben lassen. Von einem andern Kausmann ließ er sich für die angebliche Beitreibung einer Forderung von 360 Mark zahlen, und einen dritten Kausmann beschwindelte er um 600 Mark. * Münster, 29. Juli.(Bismarckturm.) Hier hat sich zur Vorbereitung einer Bismarck=Jahrhundertseier ein Arbeitsausschuß gebildet, der mit einem Ausruf an die Oeffentlichkeit getreten ist, in dem zur Zeichnung von Gaben für einen BismarckTurm aufgefordert wird. Der Hauptausschuß, an dessen Spitze der Regierungsrat Dr. Klein und Justizrat Hellraeth und als Schatzmeister Konsul ter Horst stehen, setzt sich aus Vertretern von staatlichen und kommunalen Behörden, Handel und Gewerbe, Presse, Studentenschaft und großen Vereinen zusammen und umsaßt Männer der verschiedensten Parteistellung.. Die Anregung, eine Jahrhundertseier des Schöpsers des Deutschen Reiches zu veranstalten, hat sofort freudige Zustimmung gefunden. Die Spitzen der Behörden und Körperschaften, Standesxersonen, Abgeordnete und Ehrenbürger der Stadt Münster sind im Ehrenausschuß vertreten. Als Ehrenvorsitzende haben gezeichnet der Fürst v. Bentheim=Steinfurt, der kommandierende General v. Einem, der Oberpräsident Prinz v. Ratibor und Corvey und der Fürst v. SalmHorstmar. Eine große Zahl von angesehenen Männern, die als Vorsitzende von großen Vereinen und als Bismarckverehrer bekannt sind, werden sich als Förderer des Werks im Förderungsausschuß beteiligen. * Köln, 29. Juli.(Selbstmordversuch eines Deserteurs.) Gestern nachmittag bemerkte in der Luxemburger Straße ein Unterosfizier einen Seesoldaten(Gefreiten), der sich scheu nach ihm umsah. Dann versuchte derselbe auszuweichen. Der Unteroffizier vief den Scesoldaten zu sich und frug ihn, nichts Gutes ahnend, nach seinem Urlaubspaß. Es stellte sich heraus, daß der Seesoldat, der sich bei seinen Eltern in einem benachbarten Orte ausgehalten hat.“, schon seit etwa vierzehn Tagen sahnenflüchtig war. Der Unteroffizier erklärte den Gefreiten für festgenommen und brachte ihn zur nächsten Militärwache. Hier zog der Gefreite unbemerkt einen geladenen Revolver aus der Tasche und brachte sich eine Verletzung in die Herzgegend bei. Der Schwerverletzte wurde ins Garnisonlazarett gebracht. Ob die Verletzungen lebensgefährlich sind, weiß man noch nicht. Letzte Brahtmeldungen. Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Stuttgart, 30. Juli. Bei den gestrigen sozialdemokratischen Demonstrationszügen in AltStuttgart kam es mehrfach zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten, so daß besonders in später Nachtstunde die Lage kritisch war, und zur Absperrung des Gesandtenviertels das Feuerpikett des Grenadier=Regiments„Königin Olga“ in Anspruch genommen werden mußte. Auf dem Schloßplatz wurden die Schutzleute mit Steinen beworsen. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Schnelle Justiz. Paris, 30. Juli. Die Strafkammer verurteilte 25 Personen, die sich gestern nacht an syndikalistischen Kundgebungen beteiligt hatten, zu Gefängnisstrafen von einem Tage bis zu einem Monat. Demission der holländischen Offiziere in Durazzzo? Rom, 30. Juli. Wie der„Agenzia Stefani“ aus Durazzo gemeldet wird, begaben sich gestern die Ossiziere der holländischen Mission zum Fürsten, um ihm die Unmöglichkeit auseinanderzusetzen, ihr Mandat zu erfüllen. Der Fürst behielt sich die Entscheidung vor. Es geht das Gerücht, daß die holländischen Offiziere ihre Entlassungsgesuche der Kontrolltommission überreichen. Musid Bey ist zum Gesandten in Rom ernannt worden. 100 Menschen umgekommen. Madrid, 30. Juli. In Tudela(Provinz Navarra) explodierte auf dem Hauptplatz des Ortes ein Feuerwerkskörper. Etwa 100 Personen wurden getötet oder verletzt. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 31. Juli: Bewölkt, teils heiter, schwül, warm, Gewitter. 1. August: Drückend warm, bewölkt, Gewitter. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte, Zantennkachenl. Cristallzucker Pcd. 28 Pig., Cristallzucker v. 10 Pfl. 24 Eristall-Plattenzucker im Ganzen Prd. 24 Pergamentpapier Neter 12 Weinessig Liter 25 Ferner: Arrac, Rum, Piment, Nelken, Weissen Pfeffer, Spanischen Pfeffer, Ingwer, Lorbeerlaub, Schwefelfäden, Salicyl, Weinstein, Stangenzimmet usw. in besten Qualitäten zu billigsten Preisen. 5221 L. 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