K Antrisches Kresblalt tar den Kreis wörele De Sdmuin Zeiug gichatat talch. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabalt u. erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Robsachtnod ernaht.-Setiensetelogne Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeltung Verbunden mit: Schwerter Tageblatt d Schwerter Anzeiger Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Aug duster und iohalmntgüichen Deund. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäh Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Verössentlichung in dei„Schwerter Zeitung" rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adonnen. ten für jeden mit Tod endenden Unsall gesagurge: 300 Mk. Unfall. Druck u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=RuhFernsp. 62. Telegr.=Adr. Braus Schwerte=Ruhr, Nr. 169. Mittwoch, den 22. Juli 1914. 46 Jahrgang. Erstes Die russisch=französ. Entente. Sieg der Einsicht? Poincare in Petersburg. Für die Chauvinisten an der Seine wie an der Newa Grund genug, Jubelhymnen anzustimmen und die enge Allianz mit ihrer antideutschen Spitze in allen Tonarten zu seiern. Da ist es denn nicht uninteressant, daß zwischendurch auch einsichtsvolle Stimmen erklingen, deren Tendenz doch nach einer wesentlich anderen Richtung geht. Verschiedene Petersburger liberale Blätter gießen etwas Wermut in den Wein der Freude, indem sie den Nutzen des Bündnisses mit Frankreich sehr kühl abwägen und in ihrer Beweisführung zu dem Schlusse kommen, daß den wesentlichsten Vorteil bei diesem Pakt Frankreich habe, während Rußland der Gebende sei, ohne dafür eine sonderliche Gegenleistung zu erhalten. So weist beispielsweise das Kadettenblatt„Rjetsch“ darauf hin, daß Frankreich jetzt die Dienstzeit von 36 auf 30 Monate verkürzen wolle, während es von Rußland die Erfüllung des Rüstungsversprechens in vollem Umfange verlange. Ein anderes Blatt bemerkt, die bestehende Gruppierung der Mächte gebe keine Hoffnung, die großen Militärlasten zu verringern; es müsse eine neue Kombination ersunden werden, auf die Jaures bereits hingewiesen habe, eine Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland, der sich auch Rußland vollinhaltlich anschließen könne. Allerdings wird auf solche Stimmen, wenigstens augenblicklich, kaum gehört, sie verhallen im Winde, und die Hetzer haben Oberwasser. Die Petersburger „Nowoje Wremja“ hebt in einem Leitartikel über die Tragweite der Reise Poincares hervor, daß der Dreiverband aus Versöhnlichkeit heraus bäufig seinen Gegnern nachgegeben habe, dies dürste jedoch in der Zukunft nicht mehr der Fall sein, die TripleEntente werde verstehen, die Suprematie für sich zu erhalten und im Notsalle noch zu erhöhen Aehnliche Stimmen klingen von der Seine herüber, wo u. a. der„Matin“ eine Aufmachung gibt über die Streitkräfte Rußlands und Frankreichs gegenüber denen Deutschlands und dabei hinweist, daß die slavische Strömung in Oesterreich=Ungarn so stark geworden sei, daß unter Umständen mit einem Bruch der Disziplin innerhalb der Armee zu rechnen wäre, falls die aus so gemischten Nationen bestehenden Truppen gegen Rußland verwendet werden sollten. Dies Geschreibsel und ähnliche andere Ergüsse bekannter französischer Journalisten sind wohl mehr oder minder bestellte Arbeit, mit dem Zweck, den üblen Eindruck zu verwischen, den die Enthüllung des Senators Humbert in der ganzen Welt hervorgerusen hat, und die die Schlagfertigkeit der französischen Armee in einem sehr bedenklichen Lichte erschelnen läßt. Gerade in Petersburg muß die Rede Humberts wie eine Bombe eingeschlagen haben und sie dürfte auf lange hinaus das Gefühl der Unsicherheit dort hervorgerufen haben, indem dadurch gezeigt worden ist, daß die Bündnisfähigkeit Frankreichs doch recht vieles zu wünschen übrig läßt. Diese Erkenntnis dürfte für die Erhaltung des Weltfriedens weit wertvoller sein, als die Vorschläge für eine russisch=französisch=deutsche Entente, zu der es in den nächsten Jahrzehnten schwerlich kommen dürste. Poincaree in Petersburg. Präsident Poincaree begab sich am Dienstag mittag von der Sommerresidenz Perhof nach dem nahen Petersburg zur Besichtigung der Stadt. Er wurde bei seiner Ankunft von dem Oberbürgermeister und mehreren Stadträten begrüßt, die Salz und Brot auf einer Silberschüssel überreichten. Darauf begab sich Herr Poincaree zur Festungs=Kathedrale, um am Sarge des Zaren Abexander III., des Mitbegründers der Allianz, einen Kranz niederzulegen. Später empfing er die Spitzen der franzö( sischen Kolonie sowis eine Deputation französischer Bürger aus anderen Städten Rußlands. In den Prachträumen des Winterpalais wurde dem Präsidenten das diplomatische Korps vorgestellt. Später wohnte der Präsident der Grundsteinlegung einer Halle im französischen Hospital bei. Abends nahm Herr Poincaree an einem Festmahl auf der französischen Botschaft teil, während sich die übrigen französischen Gäste und Offiziere zu einer festlichen Veranstaltung im prächtig geschmückten Nathaus vereinigten. Dabei wurde jedem Gaste ein emaillierter silberner Trinkbecher russischer Arbeit als Geschenk überreicht. Der heutige Mittwoch ist einer Parade in Sarskoje Selo gewidmet, abends sindet Galavorstellung des Balletts im Theater von Sarskoje Selo statt. Die Abreise erfolgt über Kopenhagen, wo dem dänischen Hose ein zweitätiger Besuch abgestattet wird. Der Ministerpräsident Viviani hatte eine einstündige Unterredung mit dem Minister des Auswärtigen Sasonow. Der Zar verlieh Herrn Viviani, der aus demokratischer Reputation einen Orden sich verbeten hatte, sein Bildnis. Die übrigen französischen Herren und der Botschafter Palaologue erhielten hohe Ordensauszeichnungen. Es überrascht, daß auch der Pariser Botschafter Rußlands, Herr v. Iswolsky, der große Deutschenhasser, in Petersburg ucilt. Sasanow hatte eine längere Besprechung mit Iswolsky, der in Begleitung des Marineattachees Grafen Ignatiew in Petersburg weilt. Man spricht von bevorstehenden wichtigen Beratungen, an denen auch der Botschafter in Berlin Swerbejew teilnehmen wird. die erste Initiative ergrifsen haben, seitdem beständig den Beweis seiner wohltätigen Wirksamkeit und seiner unerschütterlichen Festigkeit gegeben. Eure Majestät kann versichert sein, daß Frankreich nach wie vor in innigem täglichem Zusammenwirken mit seinem Verbündeten das Werk des Friedens und der Zivilisation verfolgen wird, an dem die beiden Regierungen und die beiden Nationen nicht ausgehört haben zu arbeiten. Ich erhebe mein Glas zu Ehren Eurer Majestät, Ihrer Majestät der Kaiserin, Ihrer Majestät der Kaiserin=Mutter, Seiner Kaiserlichen Hoheit des Großfürsten=Thronfolgers und der ganzen Kaiserlichen Familie. Ich trinke auf die Größe und Wohlfahrt Rußlands. Der Eindruck der Peterhofer Trinksprüche. Von halbamtlicher Berliner Stelle wird bemerkt: Auf konkrete Fragen der internationalen Politik gehen die Trinksprüche nicht ein. Absichtlich scheint man bestrebt gewesen zu ssein, keine neuen politischen Momente in die öffentliche Diskussion der gegenwärtigen europäischen Lage zu tragen, was angesichts der jetzigen allgemeinen Spannung nur angenehm berühren kann. Die Zurückhaltung, die insbesondere die Worte des Zaren auszeichnet, kann nur geeignet sein, die allzu pessimistischen Aufsassungen über bevorstehende internationale Verwicklungen als ungerechtfertigt erscheinen zu lassen. Die Trinksprüche in Peterhof. Bei der Galatasel, die anläßlich des Beluches des Präsidenten Poincaree im Großen Pglais stattfand, richtete der Zar folgenden Trinkspruch an den Präsidenten Poincaree: Herr Poincaree! Lassen Sie mich Ihnen zum Ausdruck bringen, wie glücklich ich bin, Sie hier willkommen zu heißen. Das Oberhaupt des besreundeten und verbündeten Staates ist immer sicher, in Rußland der wärmsten Aufnahme zu begegnen. Aber heute ist unsere Befriedigung, den Präsidenten der französischen Republik begrüßen zu können, noch verdoppelt durch das Vergnügen in ihm einen alten Bekannten zu finden, mit dem ich vor zwei Jahren persönliche Beziehungen anzuknüpfen die Freude hatte. Vereint von langher durch gegenseitige Sympathien der Völker und durch gemeinsame Interessen sind Frankreich und Rußland seit bald einem Vierteljahrhundert eng verbunden, um besser dasselbe Ziel zu verfolgen, das darin beesteht, ihre Interessen zu wahren, indem sie mitarbeiten an der Erhaltung des Gleichgewichts und des Friedens in Europa, und ich zweisle nicht, daß unsere beiden Länder getreu ihren friedlichen Idealen und sich stützend auf ihr erprobtes Bündnis ebenso wie auf gemeinsame Freundschaften, auch fernerhin die Wohljahrten des durch die Fülle ihrer Kräfte gesicherten Friedens genießen werden, indem sie die Bande, die sie einen, immer fester knüpsen. In diesem sehr aufrichtigen Wunsche erhebe ich mein Glas auf Ihre Gesundheit, Herr Präsident, ebenso wir auf die Wohljahrt und den Nuhm Frankreichs. Präsident Poincaree antwortete wie folgt: Sire! Ich danke Eurer Majestät für Ihre herzliche Ausnahme, und ich bitte Sie, zu glauben, daß es mir sehr angenehm gewesen ist, heute dem erhabenen Hertscher des besreundeten und verbündeten Volkes einen neuen Besuch abzustatten. Getreu der Ueberlieferung, der meine ehrenwerten Vorgänger gefolgt sind, habe ich Eurer Majestät und Rußland das feierliche Zeugnis von Gefühlen bringen wollen, die unveränderlich sind und in allen französischen Herzen wohnen. Beinahe 25 Jahre sind vergangen, seit unsere Länder in einer klaren Vision ihrer Geschicke die Anstrengungen ihrer Diplomatien vereinigt haben. Die glückkichen Wirkungen dieser dauernden Verbindung machen sich alle Tage fühlbar in dem Gleichgewicht der Welt. Gegründet auf die Gemeinsamkeit der Interessen, geweiht durch den friedlichen Willen der beiden Regierungen, gestützt auf Armeen zu Wasser und zu Lande, die sich kennen, sich schätzen und sich gewöhnt haben, sich zu verbrüdern, gesestigt durch eine lange Erfahrung und ergänzt durch wertvolle Freundschaften hat das Bündnis, zu dem der erhabene Kaiser Alexander III. und der betrauerte Präsident Carnot Politische Uebersicht. Der Kaiser auf der Nordlandreise. Bei andauernd herrlichem Wetter unternahm auch gestern srüh der Kaiser bei Balestrand einen mehrstündigen Landausflug. Mittags fand ein kriegsgeschichtlicher Vortrag des Generals Freiherrn v. Freyberg statt. Nachmittags brachte der Kurier von Berlin Depeschen. Der Kaiser verblieb daher an Bord seiner Jacht. Prinz Eitel Friedrich und Gemahlin trafen gestern morgen an Bord der kaiserlichen Jacht „Iduna“ vor Borgholm auf Oeland ein, um der Königin von Schweden auf Schloß Sollidon einen Besuch abzustatten. Bethmann Hollweg. Die„Bayrische Staatszeitung“ schreibt in ihrer letzten Rundschau: Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg hat anläßlich des Tages, an dem er auf das vollendete fünfte Jahr seiner Amtsführung zurückblicken darf, seitens der öfentlichen Meinung zahlreiche Kundgebungen der Sympathie und des Vertrauens erfahren. Die Entschiedenheit, mit der der fünjte Kanzler des Reiches den Ausbau der deutschen Wehrmacht betrieben und die Aufbringung der hierzu benötigten Mittel durchgeführt hat, ist mit Recht nicht weniger anerkennend gerühmt worden, wie die Ruhe und Stetigkeit, mit der er die auswärtigen Geschicke Deutschlands lenkte. Das Vertrauen, das diese Politik des Kanzlers dem deutschen Volke einflößt, kommt in der kühlen und zurückhaltenden Art, mit der die Presse Deutschlands die Dinge am Balkan behandelt, unzweideutig zum Ausdruck. Die deutschen Seemannsheime in Südamerika. Die Bewegung zugunsten der Seemannsheime hat seit dem Besuche des Prinzen Heinrich in Südamerika einen sichtbaren Aufschwung genommen. Der Prinz hat sowohl in Buenos Aires, wie in Valparaiso die Seemannsheime besucht, dem ersten 1000 Mark, dem zweiten 500 Mark als Geschenk überwiesen und außerdem über das Seemannsheim von Buenos Aires das Protektorat übernommen. In Valparaiso sind dem Deutschen Seemannsheim auf Anregung des Prinzen von privater Seite einige nicht unerhebliche Stiftungen gemacht worden. Das neue deutsche Linienschift„Großer Kurfürst“. hat seine erste Probefahrt beendet, die zur vollen Zufriedenheit ausgefallen ist. Mit diesem„Großen Kurfürst“ gelangt das erste Schiff der„König“= Klasse zur Ablieserung, die einen verbesserten Typ der neuen„Kaiser"=Klasse darstellt. Während die Schisfe der„Kaiser"=Klasse bei einer Länge von 172 Meter, einer Breite von 29 Meter und einem Tiefgang von 8,3 Meter ein Deplacement von 24700 Tons haben, sind die Linienschiffe der„König“=Klasse auf eine Wasserverdrängung von 25 800 Tons konstruiert bei einer Länge von 175 Meter, einer Breite von 29,5 Meter und einem Tiefgang von 8,3 Meter. Die Besatzung der„König"=Schifse wird 1100 Mann umfassen. Der nichtbestätigte Bürgermeister Knöpfler von Zabern ist nahe verwandt mit dem französischen Hauptmann Lux, der vor etwa 4 Jahren wegen Spionage verurteilt wurde, jedoch von der Festung Glatz entfloh. Knöpflers Nichtbestätigung ergab sich aus seiner Haltung in der Zaberner Affäre, die noch in aller Erinnerung steht, und dann in Verfolgung der vor einigen Wochen beschlossenen Maßnahme, zu Verwaltungsbeamten keine Elsässer zu ernennen, die einen ausgedehnten nahen Verwandtenkreis in Frankreich haben. Knöpfler hat sich in seiner Amtsführung manche Blößen gegeben. Gelegentlich der Landtagswahlen 1911 kam in seinen Wahlreden als Landtagskandidat seine wahre Denkart über die Deutschen wiederholt zum Ausdruck. Schon damals wurde, wie die„Köln. Ztg.“ erklärt, an eine Maßregelung gedacht, sie unterblieb jedoch, weil Knöpfler flehentlich bei dem Statthalter Grasen von Wedel um Verzeihung bat. Kinderzulagen für Volksschullehrer, KinderUnterhaltungszulagen als Besoldungsteil für Volksschullehrer haben in Hamborn(Regbez. Düsseldorf) die Genehmigung der Regierung gesunden, nachdem die Stadtverordneten ihre Einführung im Dezember v. J. beschlossen hatten. Hamborn ist die erste preußische Gemeinde, die solche Zulagen zahlt. Die Lehrer, welche eigene oder Stiefkinder zu unterhalten haben, erhalten für jedes dritte und folgende Kind bis zum vollendeten 17. Lebensjahr eine besondere widerrufliche und nicht pensionsberechtigte Kinder=Unterhaltungszulage von 50 Mark für das Jahr. Wird wegen Beschießung des„Z. 4“ etwas getan werden? Viele Blätter fordern mit Rücksicht auf die Tatsache, daß der von russischen Kosaben beschossene„Z. 4“ sich etwa 2 Kilometer von der Grenze entsernt befand, energische Vorstellungen in Petersburg. Der Erfolg würde eine Erklärung der russischen Behörden sein, daß die Kosaken die Entfernung irrtümlich abgeschätzt hätten, daß der Vorfall sehr bedauert werde usw. Zwei Kilometer sind allerdings eine Entfernung, die nicht leicht zu unterschätzen ist, aber Rußland wird selbstverständlich nicht zugeben können, daß seine Kosaken mutwillig geschossen haben. An dem berüchtigten Schießerlaß wird sich also vorläusig nichts ändern. Auch der russische Militärattachee wird gewechselt. Der bisherige Militärattachee an der russischen Botschaft zu Berlin, Fregattenkapitän v. Berens, wurde durch den Kapitän zur See Rynsski=Korsakoff ersetzt. Bekanntlich wird auch der in die Landesverratsasfäre Pohl verwickelte Miitärattachee Oberst Basarow nicht wieder auf seinen Posten zurückkehren. Oesterreich= Ungaen, Tschechische Ausschreitungen. Eine Lokalkorrespondenz meldet aus Polnisch=Ostvau: Gestern fand hier eine tschechische Protestversammlung gegen die letzten Vorfälle in Troppau und Katharein statt. In überaus scharsen Neden wurde zum wirtschaftlichen Boykott gegen die Deutschen aufgefordert. Nach der Versammlung zogen die Teilnehmer, etwa 1000 Personen nach Mährisch=Ostrau, wo sie gegen die Deutschen eine Kundgebung veranstalte. ten. Die Tschechen durchbrachen den Gendarmeriekordon. Sie wollten gegen die Deutschen kosstürmen, es gelang jedoch der Gendarmerie, die Tschechen abzudrängen und die Ruhe wiederherzustellen. Auch in Wittkowitz demonstrierten derselben Korrespondenz zufolge tschechische Sokols aus der Nachbargemeinde Hrabowo, wobei sie einige Fensterscheiben durch Steinwürfe einschlugen. England. König Georg schlichtet den Ulsterstreit. König Georg von England hat nach einer Ministerratssitzung die Führer der parlamentarischen Parteien zu sich nach dem Buckinghampalast eingeladen, um mit ihnen in mündlicher Besprechung eine Einigung über das Selbständigkeitsgesetz für Irland herbeizuführen. Man hofft, daß diese Maßnahme zur Lösung der Krise führen wird. Tüctet. Flottenvorlage. Die Regierung unterbreitete der Kammer die am 28. April 1914 provisorisch in Kraft gesetzte und vom Tinanzminister Dschavid Bey im Finanzexposee angekündigte Gesetzesvorlage, durch die dem Marineministerium für Zwecke der Floti# außerordentliche Kredite im Betrage von 8 Millionen Pfund bewilligt werden. Diese sollen ihre Deckung in außerordentlichen Einkünften und in Sammlungen des Flottenvereins sinden und werden auf 6 Jahre verteilt. Mexiko. Bezeichnender Beschluß des Diplomatenkorps. Wie gemeldet wird, werden alle Mitglieder des diplomatischen Korps, die bei Heurta beglaubigt waren, nach Errichtung der vorläufigen Regierung abberusen werden. Der deutsche und der russische Gesandte erklärten, daß sie Urlaub nachsuchen werden.— Die Absicht des diplomatischen Korps, zurückzutreten, sein Entschluß, nichts mit der Reglerung zu tun haben zu wollen, bezieht sich natürlich nicht auf Carbajal, den das diphomatische Korps ja bereits begrüßt hat, sondern ofsenbar auf den Zeitpunkt, in dem das von Washington verlangte Regiment der Banditen errichtet wird. Eine neue Revolution. General Pascal Orozco hat nördlich von Aguas Calientas mit 4000 Mann eine neue Revolution gegen die Bundesregierung begonnen. Er wird von General Francisco Cardenas unterstützt, der sich bereit macht, in den Staat Michoacan einzudringen. Ein österreich. Ultimatum an Serbien? Wien, 21. Juli. Wie hier verlautet, soll das Wiener Kabinett angeblich eine Antwort binnen einer bestimmten Frist verlangen, vermutlich innerhalb 48 Stunden. Wie man hört, wird die Note des Wiener Kabinetts in höflicher, aber entschiedener Form abgefaßt sein und zunächst die sofortige Einleitung der Untersuchung gegen die durch die Serajewoer Attentate bloßgestellten serbischen Staatsbürger und Organe unter der Bürgerschaft fordern, daß diese Untersuchung zu einer gründlichen und wirklichen Ergänzung des Untersuchungs=Ergebnisses, das in Serajewo festgestellt wurde, führe. Die österreichisch=ungarische Regierung dürfte ferner verlangen, daß die serbische Regierung jene Organisationen und Jugendvereine, die die Agitation gegen die Grenze Oesterreich=Ungarns führen und jene Stimmung erzeugten, aus welcher das Serajewoer Attentat hervorging, ferner nicht mehr dulde und ebenso die Agitation der öffentlichen Meinung, wie sie bisher stattgefunden hat und eine Gefahr für den Frieden bildete, einschränke. Die österreichisch= ungarische Regierung dürfte serner den Wunsch aussprechen, daß die Ueberwachung der Grenze jetzt besser eingerichtet werde. habe ich mir selbst Recht verschafft.“ Bis zu dem Augenblick, da Frau Caillaux das Zimmer betrat, war der Schriftsteller Paul Bourget bei Calmette gewesen; er hatte Calmette abgeraten, die Frau des Ministers zu empfangen, doch wollte Calmette nicht gegen die Gebote der Höflichkeit und Ritterlichkeit verstoßen. Der Hergang der Mordtat liegt also klar zu Tage, es läßt sich an sihm nichts verschieben. Auch die Angeklagte ist, wie man gesehen hat, geständig. Nun können die Zwischenspiele vor sich geben. Und sie wurden auch sogleich eröffnet: Caillaux, der Gatte der Angeklagten, bat den Gerichtshof, ihn sofort zu vernehmen, obwohl er erst als 42. Zeuge in der Liste steht. Und dieser Bitte wurde stattgegeben. In der Dienstag=Sitzung, die am Nachmittag die Aussagen des früheren Finanzministers bringen sollte, war auch das weibliche Publikum stärker vertreten; die Geschworenen hatten für ihre Gattinnen Einlaßkarten erhalten. *(Krankheits=Statistit.) In der 28. Jahreswoche vom 5.—11. Juli sind im Kreife Hörde(Stadt und Land) folgende Fälle von übertragbaren Krankheiten amtlich gemeldet worden: Erkrankungen an Diphtherie 6(2 Hörde, je 1 Syburg, Annen, Lücksemberg, Barcp), Kindbettsieber 1(Großholt= hausen), Scharlach 6(2 Hörde, darunter 1 mit tödlichem Verlauf, je 1 Berghofen, Sommerberg, Kirchhörde, Schüren), Unterleibstyphus 1(Annen); Todesfälle durch Kindbettsieber 1(Großholthausen), Tuberkulose 4(je 1 Schwerte, Hörde, Wellinghofen, Schüren), Unterleibstyphus 1(Annen). ** Wanhofen, 22. Juli.(Seuchenfrei!) Wie die kreistierärztliche Untersuchung ergeben hat, sind die auf einer Ruhrweide bei Westhosen untergebrachten Tiere des Landwirts Schulte=Nähring von der Maul= und Klauenseuche nicht befallen, auch die benachbarten Weiden sind seuchenfrei.4 4 Rheinwiesen, wo der St. Sebastian=Schützenverein ein Fest seierte, wurde gestern plötzlich ein Bär wild. Er schlug mit seinen Tatzen auf einen Zuschauer ein und verletzte ihn durch Schläge schwer am Kopfe. Einem Angestellten gelang es schließlich, den Bär zu bändigen, ehe er weiteres Unheil angerichtet hatte. * Düsseldorf, 21. Juli.(Drei Opfer des Rheins.) Beim Baden im Rhein an verbotenen Stellen sind gestern hier wieder drei Personen, darunter ein Knabe und ein Mädchen im Alter von elf Jahren, ertrunken. * Der Caillaux=Prozeß. Es war die erste Ueberraschung im CaillauxProzeß, als die Angeklagte unter krampfhaftem Schluchzen ausrief:„Ich bereue es auss tiefste, Calmette getötet zu haben! Ich bereue es mein Leben lang! Ich hätte alles andere dem Unglück vorgezogen, das ich angerichtet habe!" Dieser Verzweiflungsschrei rückt uns die Angeklagte menschlich näher, gleichzeitig aber verschwindet die Pose der rächenden Frau, die in der Sorge um den geliebten Gatten seinen politischen Gegner mit der Nevolverkugel aus dem Wege schafft. Frau Caillaux will nichts mehr von dem stolzen Gebäude retten, das ihre allzu eifrigen Anhänger auf sandigem Grund errichteten, sie bangt jetzt nur für sich selbst, und hastig kommen die Worte, die sie entlasten und entschuldigen sollen. Der logische Zusammenhang sehlt, wenn sie soeben ihrer Neue Ausdruck gibt und gleich darauf sagt:„Ich habe Calmette ja gar nicht erschießen wollen, ich schoß nur auf den Fußboden,— ach, es ist schrecklich, diese Revolver gehen von selbst los.“ Die Polizeibeamten, die am Dienstag als erste Zeugen vernommen wurden, erklärten, ihnen sei von der Absicht des Verbrechens nichts bekannt gewesen. Es war behauptet worden, Frau Caillauz hätte sich beim Chef der Pariser Polizei über die möglichen Folgen ihres Schrittes erkundigt, Die nächsten Zeugen waren Redakteure und Angestellte des„Figaro", die Zeugen von Calmettes Todeskampf waren. Die Vorgänge im Zimmer Calmettes sind bekannt. Die Angeklagte trat auf den Journalisten zu und seuerte sofort fünf Schüsse auf ihn ab. Den hereinstürzenden Redakteuren rief sie zu:„Da es keine Gerechtigkeit gibt in Frankreich, Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 22. Juli. **(Eine Sitzung des Kreis=Ausschusses) isst für Freitag vormittag 10 Uhr im Kreishause zu Hörde anberaumt. Zur Verhandlung in öisentlicher Sitzung stehen sechs Gegenstände, u. a. auch Klagen des Kaufmanns Ewald Jacobs=Holzen und des Berginvaliden L. Bovensmann=Hohensyburg gegen die Polizeiverwaltung Westhofen wegen Versagung der Wirtschaftskonzession. **(Für Markensammler.) Die kanadischen Postbehörden, die seit jeher eine Vorliebe dafür haben, Jubiläen und Gedeenktage durch die Ausgabe von besonderen Markenserien zu feiern, bescheren den Sammlern eine Reihe interessanter Novitäten. Es sind die Marken der Cartier=Serie, die jetzt zum 100. Geburtstag von Sir Georges Etienne Cartier, des Vaters der kanadischen Consöderation, zur Ausgabe kommen werden— Ende November des vergangenen Jahres erschien eine Verfügung, nach der die englischen Schutzgebiete Nord=Nigeria und SüdNigeria verwaltungstechnisch zusammengelegt werden sollten, und zwar unter dem gemeinsamen Namen Nigeria. Bisher hatten die beiden Schutzgebiete besondere Marken. Die Verwaltungsreform hat zur Vorbereitung zwölf neuer gemeinsamer Marken geführt, die soeben zur Ausgabe gekommen sind. Auf ihnen erscheint nur noch der Name „Nigeria“ und neben der Wertbezeichnung die Worte„Postage and Nevenue“. **(Zum Bürger=Schützenfest.) Wenlge Tage trennen uns nur noch von einer allbsliebten vaterstädtischen Feier, dem Fest des Bürger=Schützenvereins. Höher schlagen die Herzen, und eine allgemeine festliche Stimmung wird Platz greisen, wenn am Freitag abend die Batterien vom„Schützenhof“ aus der Stadt ihren donnernden Gruß entbieten und das Fest ankündigen. Mit großer Umsicht sind seitens des Vorstandes und des Offizierkorps die Vorbereitungen für das Fest getrossen, gestern abend haben unter sehr reger Beteiligung der einzelnen Kompagnien die letzten Appells stattgefunden, und überall konnte an das Generalkommando die Meldung erstattet werden:„Alles in bester Verfassung und zum Fest bereit!“ Auch die Wetterkommission blickt mit großer Zuversicht den kommenden Festtagen entgegen, glaubt doch auch sie, für ein gutes Celingen der Festtage alle Garantien übernehmen zu können. Das ausführliche Programm des Festes finden unsere Leser im Inseratenteil der heutigen Nummer. **(Die großen Ferien) an den Schulen unserer Stadt beginnen am 5. August(erster Ferientag) und endigen am 9. September, sodaß am 10. September der Schulunterricht wieder beginnt. **(Die Krebs= und Lupusstiftung) für Westsalen in Münster hat in den letzten Wochen besonders erfreuliche Fortschritte gemacht; ihr sind in etwa vierzehn Tagen nicht weniger als annähernd 10 000 Mark gestistet worden. Der Ausschuß hatte 5000 Mark Schenkungssteuer bezahlen müssen, und da hat ein bewährter Freund der Krebsbekämpfung diese Summe sofort wieder ersetzt. Die Landesversicherungsanstalt hat 5000 Mark gegeben, aus Provinzmitteln werden 4000 Mark gezahlt, Altenbochum und Lüdinghausen haben namhafte Beträge eingezahlt und verschiedene Privatpersonen haben zum Teit zweitmalige Beiträge gegeben. Der Nettobestand der Sammlung wird sich jetzt auf 235 000 Mark belaufen, sodaß an der Erreichung einer Viertelmillion nicht gezweifelt werden kann. Es muß aber eine halbe Million werden. Es stehen aber auch noch verschiedene Beiträge aus. **(Stellen für Militär=Anwärter im Bezirk des 7. Armeekorps.) Hückeswagen, Bürgermeisteramt, Sparkassen=Gegenbuchführer, 1600 Mark Gehalt. Bochum, Herne, Riemke, Veegen, Hordel und Weitmar, Königl. Polizeidirektion Bochum, mehrere Schutzmänner, 1400 bis 2100 Mark Gehalt. Münster, Artilleriedepot, Hilfsschreiber, 1200 bis 2000 Mark Gehalt. Herten, Amtsverwaltung, Amtsassistent 1. Klasse, 1600 bis 3100 Mark Gehalt. Amt Eiserfeld zu Niederschelden bei Siegen, Sparkassen=Gegenbuchführer, 1600 bis 3000 Mark Gehalt. Niederschelden, Amt Eiserseld in Niederschelden(Sieg), Polizeisergeant, 1200 bis 1700 Mark Gehalt. **(Einen bedauerlichen Unfall) erlitt gestern nachmittag der jugendliche Arbeiter Heinrich Sch. von der Schwerterheide, der mit der rechten Hand so unglücklich zwischen die Zahnräder einer Fräsmaschine geriet, daß zwei Finger und der Daumen sehr stark gequetscht wurden. Erlaß gegen die Soldatenmißhandlungen Wie ernst es den obersten Militärbehörden mit der Bekämpsung der Soldatenmißhandlungen in der Armee ist, geht aus einem Erlaß des Krlegsministers an die Generalkommandos vom 28. Mai hervor. In diesem Erlaß wird hervorgehoben, daß die von den militärischen Gerichten bei derartigen Vergehen verhängten gelinden Strasen vielfach nicht im Einklang ständen mit den Kobinettsorders des obersten Kriegsherrn vom 6. Februar 1890 und vom 17. September 1892, die eine energische Bekämpfung der Mißhandlungen fordern. In dem Erlaß des Kriegsministers heißt es dann weiter im Wortlaut: „Demgegenüber muß es aufsallen, daß von Jahr zu Jahr in einem höheren Prozentsatz minder schwere Fälle angenommen worden sind und dies vielsach damit begründet wird, der Mißhandelte habe keinen oder keinen dauernden Nachteil für seine Gesundheit davongetragen, daß serner die wegen Mißhandlung Untergebener Verurteilten vielfach unter Annahme minder schwerer Fälle mit der Mindeststrafe oder bei Gesamtstrafen nur mit einer die Mindeststrafe wenig übersteigenden Strafe belegt worden sind.“ Die in der Presse vieljach ausgesprochene Ansicht, daß dieser Erlaß auf die Enthüllungen im Rosa Luxemburg=Prozeß zurückzuführen sei, entspricht nicht den Tatsachen, da dieser Prozeß ja sehr viel später verhandelt worden ist. Die Anordnungen zum Erlaß der Verfügungen sind vielmehr bereits am 12. April d. J. getrossen worden. Die Schulden des Reiches und der Bundesstaaten. Nach einer im letzten Vierteljahrshefte der „Statistik des Deutschen Reiches" veröffentlichten Uebersicht haben die Schulden des Reiches und der Bundesstaaten zu Beginn des Rechnungsjahres 1913 die zwanzigste Million überschritten, findem sie, abgesehen von den schwebenden Schulden, rund 20 179 000000 Mark betrugen. Sie sind gegen 1912 um 592 Millionen Mark gestiegen. Die Reichsschulden, die nur im Rechnungsjahr 1911 um 32 Millionen Mark wirklich herabgemindert werden konnten, haben 1913 den Höchststand von 4 677 000 000 Mark erreicht. Die Schulden der Bundesstaaten betragen insgesamt rund 15,5 Milliarden Mark, von denen aber nach Abzug der Anleihen für die Staatseisenbahnen nur 3,6 Milliarden Mark als reine Staatsschuld verbleiben, wovon noch mindestens eine halbe Milliarde auf Verkehrsanlagen der Hansastaaten entfallen. Ganz schuldenrei ist nach wie vor Neuß ä. L. Auch Anhalt hat nur rund sünf Millionen schwebende Schulden. Preußen hat 9 266 769100 Mark Schulden, nach Abzug der Eisenbahnschulden 1672.069 100 Mark. Die Zunahme der Staatsschulden ist, da ihr eine Vermehrung des Vermögens entspricht, nicht weiter bedenklich. Westfalen und Rheinland. * Mengede, 21. Juli.(Von Gesteinsmassen totgequetscht.) Beim Wegräumen eines Schusses im Liegenden kam der Hauer Roman Moczek unter hereinbrechendes Gestein und erlitt eine schwere Brustquetschung, an deren Folgen er im Krankenhause gestorben ist. * Arnsberg, 21. Juni.(Von einem Hochzeitswagen überfahren) wurde auf der Soester Straße das siebenjährige Töchterchen des Stukkateurs Adams. Es wurde sosort zum Krankenhause gebracht. Ein Bein ist dem kürzlich von einer Lungenentzündung genesenen Kinde im Hüstgelenk abgedreht. Wahrscheinlich hat die Kleine auch noch schwerere Verletzungen erlitten. Den Kutscher soll keine Schuld treffen. * Hamborn, 21. Juli.(Vom Starkstrom getötet) wurde in dem Betriebe der Gewerkschaft Deutscher Kaiser der Kabelleger Albano. Beim Abnehmen des mit 1000 Volt beschickten Leitungsdrahtes kam dieser mit einem eisernen Mast in Berührung, an dem ein Werkzeugkasten angebracht war. Aus ihm wollte Albano einen Meißel nehmen, es entstand Kurzschluß, und der Verunglückte sank tot zu Boden. * Duisburg, 21. Juli.(Schweres Eisenbahnunglück.) Auf dem Bahnhof DuisburgBeek ereignete sich ein schwerer Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge. Vierzehn Wagen wurden aus den Schienen geworfen und umgestürzt. Vier Eisenbahnbeamte erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Der Materialschaden ist sehr groß. Die Ursache des Unfalles steht noch nicht fest. * Barmen, 21. Juli.(Bei der Prove fahrt) mit einem Kraftwagen, den er zu erwerben beabsichtigte, verunglückte der Bäckermeister Nobert Salberg tödlich. Der Kraftwagen schlug auf der Landstraße an einer Wegebiegung um und begrub den Salberg unter sich. * Remscheid, 21. Juli.(Familiendrama.) Im benachbarten Ronsdorf kam es zwischen dem Bandwirker Neuroth und dessen 20jährigem Sohne über die Höhe des Taschengeldes, das der Vater dem Sohne gegeben hatte, zu einem Streit. Plötzlich zog der Sohn ein Messer und bedrohte damit seinen Vater. Bevor der junge Mann aber Unheil anrichten konnte, wurde er von anderen Familiengliedern entwaffnet. Darauf lief er aus dem Hause und tötete sich durch einen Revolverschuß. * Düsseldorf, 21. Juli.(120 Aerzte aus den Vereinigten Staaten) trafen auf ihrer Reise hier ein. Sie wohnten nach einem Vortrage des Direktors Geheimrat Witzel im städtischen Krankenhause mehreren Operationen bei. Nachmittags besuchten sie die Farbwerke von Leverkusen. * Düsseldorf, 21. Juli.(Ein wild gewordener Tanzbär.) In einer Schaubude auf den Deutscher Flottenverein. Der westfälische Provinzialverband des Deutschen Flottenvereins hielt in Dortmund unter dem Vorsitz des Landtagsabgeordneten Kommerzienrat Schweckendieck seine Hauptversammlung ab, die zunächst dem durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Ehrenvorsitzenden Fürsten zu Solm ein Begrüßungstelegramm nach Münster am Stein sandte. Der Vorsitzende berichtete über die glänzend verlausene Hauptversanzmlung in Breslau und widmete dann einen tiefempfundenen Nachruf dem verstorbenen Handelskammersyndikus Dr. Martens, der zehn Jahre lang seines Amtes als Schriftführer des Verbandes in großer Treue gewaltet hat. Die Mitgliederzahl des West älischen Verbandes ist im vergangenen Jahre von 20 803 auf 22 857 gestingen. In der Zeit vom 3.—7. August findet auch in diesem Jahre wieder eine Fahrt von 250 Volksschülern nach der Wasserkante statt. Die Führung hat Rektor Born in Hörde, Die Jahreseinnahme hat einschließlich des Bestandes 55 567 Mark betragen, die Ausgabe 33 058 Mark, so daß ein Bestand von 22 508 Mark verblieb. Für das Alters= und Invalidenheim des Deutschen Flottenvereins für Seeleute der Kriegsund Handelsflotte in Eckernförde hat Westfalen schon den Betrag von 23750 Mark gestiftet. Die Summe wurde auf 25000 Mark erhöht, wodurch der Provinzialverband das Recht erwirbt, einen Pavillon des Heims Westsalen zu benennen. Die ausscheidenden Hauptausschußmitglieder wurden wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Dr. Martens wurde sein Nachsolger im Amte bei der Handelskammer Dr. Martin gewählt. Der Westsalenspende, bestimmt für Zuwendungen an die Mannschaften S. M. S. Westsalen, wurden 1000 Mark zugeführt. Die Summe steigt damit aus über 5000 Mark. Für die Gewährung von Sportprämien an die Mannschaft jenes Schisses wurden 300 Mark bewilligt. —.— Kunst und Wissenschaft. Das 200jährige Jubiläum der Logarithmentaseln feiert die Welt der Mathematiker nicht nur, sondern auch die der Techniker und Ingenleure, der Chemiker und Physiker. Ja, die Logarithmentasel bleibt Tausenden, die sich ihrer auf der Schule mit mehr oder minder großer Liebe zur Mathematik bedient haben, im späteren Leben ein für den Bedarfsfall willkommenes Hilfsmittel. Gestattet doch die ebenso einfache wie sinnreiche Methode die Multiplikation zweier Zahlen durch deren Addition, die Division durch die Subtraktion zu ersetzen, an Stelle der Potenzierung die Multiplikation und statt der Radizierung die Division vorzunehmen. Bei der Multiplikation schlägt man eben einfach die Logarithmen beider Zahlen auf, addiert sie, sucht den entsprechenden Numerus und erhält damit das gewünschte Produkt. Bei den übrigen Species ist dasselbe Verfahren sinnentsprechend anzuwenden Das Versohren beruht auf der Tatsache, daß alle ganzen Zahlen von 1 bis 10.000 sich als Potenzen von 10 darstellen lassen. Die Exponenten dieser Potenzen, die unendliche Dezimalbrüche sind, für den praktischen Bedars jedoch auf sieben, in den Schulen meist auf fünf Stellen abgekürzt werden, heißen Logarithmen. Der irländische Mathematiker John Napier trat am 24. Juli 1614 als erster mit seinem großen Logarithmenwerk an die Oessentlich keit. Der wissenschaftlich hochbedeutsame Gedenktag) wird von mehreren Gelehrten=Instituten, infonder 1 Nr. 169. Beilage. Fürdie Reisezeit haben wir, wie früher, auch jetzt wieder zur Bequemlichkeit sowohl unserer geehrten Bezieher als derjenigen Zeitungsleser überhaupt, welche bei dem wechselnden Aufenthalt während der Reise auf das regelmäßige Lesen der Schwerter Zeitung nicht verzichten wollen, einen Wochen-Bezug eingerichtet. Die Zeitung wird täglich mittags unter Kreuzband verschickt; dabei wird jede gewünschte Aenderung der Adresse und des Bestimmungsortes berücksichtigt. Der Bezugspreis einschließlich des Kreuzband=Portos beträgt für Deutschland und Oesterreich=Ungarn 40 Pfg.pro Woche, GchwerterHeiluig. Mittwoch, 22. Juli 1914. Amtliches Kreisdlatt. Der Panamakanal. Die Bedeutung des Kanals für Deutschland. Wenn man auch nicht leugnen kann, daß die Eröffnung des Panamakanals für Deutschland von einiger wirtschaftlicher Bedeutung ist, so wird diese doch namentlich im Auslande ganz gewaltig überschätzt. So wichtig der neue Schiffahrtsweg in strategischer und wirtschaftlicher Beziehung für die nordamerikanische Union ist, so problematisch ist seine Bedeutung für die europäischen Handelsnationen. Licht und Schatten sind sehr stark verteilt, und erst die Zeit kann lehren, was überwiegen wird. An der Frage, ob mehn Gutes oder mehr Nachteiliges für die eigene wirtschaftliche Entwicklung aus dem Vorhandensein des Kanals zu erwarten ist, ist auch das Deutsche Reich in starkem Maße interessiert. Auch wir können heute weder das eine noch das andere bejahen oder verneinen. Für die mitteleuropäischen Hafenplätze, wie z. B. Hamburg, wird der Schifsahrtsweg nach Vorder= und HinterInd#en durch den Panamakanal gegenüber dem Suezkanal überhaupt nicht, der nach Ostasien nur in ganz unbedeutendem Maße abgekürzt. Dagegen wird die Schifsahrtsverbindung unserer Häsen mit der Westküste Amerikas durch die Fahrt durch den Panamakanal erheblich gefördert und die Reisedauer wesentlich verringert; wenigstens so weit die nördlich gelegenen Anlegeplätze Südamerikas in Frage kommen. Von Valparaiso an südlich dürfte sich die Fahrt um das Kap Horn immer noch alls lohnend erweisen. Für den chilenischen SalpeterExport, der drei Viertel der gesamten Aussuhr dieses Landes ausmacht und der zum größten Teil in deutschen Händen liegt, wird der Panamakanal sicherlich der Haupthandelsweg der Zukunft werden. Freilich muß auch hier die Einschränkung gemacht werden, daß der auf Seglern verladene Salpeter sraglos nach wie vor die Reise um das Kap Horn machen wird. Aber unter allen Umständen wird der Panamakanal für den deutschen Chilehanden— und hoffentlich wird er uns nicht entrissen— von großer Bedeutung werden. Ferner darf man angesichts des unternehmenden Geistes des modernen deutschen Kaufmanns und der Rührigkeiten unserer großen Reedereien die Hoffnung hegen, daß auch wir an der wirtschaftlichen Erschließungsarbeit in Südamerika einen beträchtlichen Anteil##rhalten, und daß wir mit der Südwestküste Nordamerikas in lebhaftere Verbindung treten werden. Die durch die Fahrt durch den Panamakanal gewonnene Zeitersparnis ist dafür ein sehr wesentlicher Faktor. Immerhin muß man sich hüten, auch hieran allzu große Hoffnungen zu knüpsen. Denn im Grunde genommen steht diesen relativ unbedeutenden Vorteilen eine recht kompakte Masse unerfreulicher und bedrohlicher Erscheinungen gegenüber, deren Realität nicht geleugnet werden kann. Das wirtschaftliche Uebergewicht der Vereinigten Staaten von Nordamerika über die latein=amerikanischen Republiken droht sehr zu wachsen und die geschäftlichen Verbindungen der europäischen Reiche zu vernichten oder doch wenigstens stark zu beeinträchtigen. Es gilt also, namentlich für den deutschen Handel, mit aller Kraft wichtige wirtschaftliche Interessen in Südamerika zu verteidigen, die in Zukunft nach Eröffnung des Panamakanals stärker umstritten sein werden als bisher. Aber auch die militärische und politische Bedeutung des Panamakanals ist für uns von wesentlicher Bedeutung. Denn win müssen wegen unserer Besitzungen in Ostasien und in der Südsee im Verkehr mit Ostasien wie mit Australien freie Hand und offene Tür behalten, und durch den Kanal tritt zweisellos eine gewaltige Veränderung des bishreigen Status ein. Man soll nicht schwarz sehen, aber man darf sich auch nicht die Bedenken verhehlen, deren Vorhandensein nicht zu übersehen ist, deren Schwer: aber erst die nächste Zukunft er* Kamen, 21. Juli.(Die ausgeschlagene Königswürde.) Hier wurde in diesen Tagen Westfalen und Rheinland. Dortmund, 21. Juli.(Die Konkurse der Niederdeutschen Bank) und ihrer Tochtergesellschaften dürften in diesem Jahre noch nicht alle zu Ende geführt werden, da zwischen einzelnen Konkursverwaltungen und Zwischenverwaltungen und Aussichtsratsmitgliedern noch Prozesse beim Oberlandesgericht in Hamm schweben. Einige Konkurse im Gefolge des Niederdeutschen BankKonkurses können erst nach Brendigung dieses Konkurses zu Ende geführt werden. So könnte nach Genehmigung des Vergleiches zwischen den Konkursverwaltungen von Ohm und den Niederdeutschen Bank durch den großen Gläubigerausschuß der Ohmkonkurs beendigt werden, wenn der Konkurs der Niederdeutschen Bank zu Ende wäre. Die Auszahlung der zweiten Nate der Konkursverwaltung der Niederdeutschen Bank in Höhe von 4 Prozent an die Gläubiger ist jetzt durchgeführt. Die Konkursverwaltung der Aktiengesellschaft für luftlos elastische Bereifung dürfte nach den Gerichtsserien die Schlußrechnung legen, so daß dieser Konkurs voraussichtlich bis gegen Jahresschluß noch beendigt wird. Dortmund, 21. Juli.(Lebens müde). Aus dem Lippe=Seitenkanal in der Nähe von Brambauer wurde gestern nachmittag die Leiche der 20jährigen Dienstmagd Margarethe Baumann aus Brambauer geboygen. Das Mädchen hatte vor einigen Tagen seine Dienststelle bei einem Wirt in Eving wider den Willen seiner Eltern verlassen, und als die Eltern es veranlaßten, den Dienst wieder aufzunehmen, suchte es den Tod im Wasser. Hombruch, 21. Juli.(Schlaganfall beim Baden.) Gestern nachmittag waren mehrere junge Burschen in einem Teiche der Westermannschen Ziegelei(Harkortshof) am Baden. Hierbei erlitt der 16 Jahre alte Schlosserlehrling Heise einen Schlaganfall und versank in die Tiefe. Seinen Kameraden gelang es nach kurzer Zeit, die Leiche zu bergen und ans Land zu bringen. das Bürger=Schützensest veranstaltet. Bei dem Königsschießen holte der Schreinermeister Ruckebier den letzten Rest des Vogels herunter; da er die Annahme der Königswürde verweigerte, so wurde der Nest wieder an der Stange befestigt und das Schleßen fortgesetzt, bis endlich der Schneidermeister Fritz Brock die Königswürde eroberte und auch annahm. Dieser wählte sich Frau Kramer zur Königin * Datteln, 21. Juli.(Lohn für eine tapfere Tat.) Unter eigener Lebensgefahr hatte im vergangenen Winter der Vollziehungsbeamte Becher die Ehefrau Merkel von hier vom sicheren Tode des Ertrinkens gerettet. Für diese mutige Tat ist ihm die Rettungsmedaille verliehen worden. * Westerholt, 21. Juli.(Tödlicher Sturz.) Gestern nachmittag stürzte an einem Neubau ein Dachdeckergehilfe insolge eines Fehltritts aus dem vierten Stockwerk ab. Er erlitt sehr schwere Verletzungen und starb bereits auf dem Wege nach dem Krankenhause. * Herne, 21. Juli.(Durch einen Schreckschuß) aus einem mit Schrot geladenen Revolver tötete heute in den Morgenstunden der Bergmann Emil Schwarz aus Eikel II den ihm besreundeten Heizer Franz Menrath. Kurz vorher hatte auf dem Regenkamp ein Streit mehrerer Männer stattgefunden, weswegen sich Schwarz entsernte. Als hinter ihm eilend ein Mann zu laufen kam, glaubte Schwartz, es sei jemand, der einen der Streitenden schwer am Kopf verletzt hatte, und schoß. Zu feiner Bestürzung bemerkte er dann, daß er den Freund getroffen hatte, der auf der Stelle infolge innerer Verblutung starb. * Steele, 21. Juli(Bootsunglück.) Auf der Ruhr kippte ein mit 3 Personen besetzter Kahn um und die Insassen stürzten ins Wasser. Während es zwei Personen gelang, sich zu retten, trieb die 3. ab und ertrank. Der Ertrunkene ist der Markenkontrolleur Wilhelm Nöckel. * Köln, 21. Juli(Für 30000 Mark Statuen gestohlen.) Zwei antike Statuen im Werte von angeblich 30000 Mark waren jüngst aus einem Schlosse in Dülmen entwendet worden. Wie jetzt die hiesige Kriminalpolizei feststellte, befanden sich die gestohlenen Statuen in der Wohnung einer in einem hiesigen Vorort wohnenden Familie. Die Schloßverwaltung in Dülmen ist nun wieder in den Besitz gelangt. * Köln, 21. Juli.(Blutvergiftung durch Insektenstiche.) Im Bürgerhospital sanden zwei junge Leute Aufnahme, die sich durch Insektenstiche Blutvergiftung zugezogen hatten. " Trier, 21. Juli.(Wurstvergistung.) Im Vororte Euren erkrankte eine ganze Familie an Wurstvergiftung. Die Frau ist gestorben, während die übrigen Familienmitglieder sich auf dem Wege der Besserung besinden. Rest der Armee kann es. Also 32 Armeekorpo werden an der russisch=deutschen und der russisch=ösverreichischen Grenze verteilt werden können. Deutschland könne dieser Truppenmacht auch nicht annähernd die gleiche Anzahl Menschen entgegenstellen. Deutschland besitzt 25 Armeekorps gegen 21 sranzösische. Im Falle des Ausbruches eines Krieges würde Deutschland maximal 6 Armeekorps an der russischen Grenze auszustellen haben, da 19 Armeekorps an die französische Grenze geworsen werden müßten. Dank des Baues strategischer Eisenbahnlinien wird die Mobilisation in 16 Tagen beendet sein, gegen 10 Tagen, die die deutsche Mobilmachung beansprucht. Seit einem Jahre hat die offensive Theorie große Fortschritte in Rußland gemacht und man verlangt von Frankreich nicht einen einzigen Soldaten mehr einzustellen. Rußland weiß, daß, was die Zahl anbelangt, Frankreich zu keiner größeren Anstrengung mehr fähia ist. weil die dreijährig. Dienstzeit ein Maximum darstellt. Infolgedessen hat Rußland es ganz allein auf sich genommen, seine Essektivbestände zu erhöhen. Wenn Deutschland heute seine Essektivbestände um 50000 Mann erhöhen würde, würde Rußland die seinigen um das Doppelte bezw. Dreisache erhöhen. Rußland verlangt von Frankreich nur ein vollendetes Kriegsmaterial bereit zu halten Die Enthüllungen über den Zustand dieses Kriegsmaterials haben einen peinlichen Eindruck in Petersburg gemacht, jedoch nimmt man sie durchaus nicht tragisch; im Gegenteil man findet es mutig, sie offen anzuerkennen und zu kritisieren, statt sie in seiger Schwäche zu übergehen wie Deutschland. Weiterhin spricht die Depesche auch von der französischen Armee. Selbst die österreichische Armoe sei nicht mehr gefährlich. Es wird darauf hingewiesen, daß nach dem letzten Balkankrieg mit einem Bruch der Disziplin in der österreichischen Armoe zu rechnen sei. wenn diese aus so gemischten Nationalitäten bestehenden Trup' pen gegen Rußland venwendet werden sollten. Rußlands Rolle in einem deutsch=franzosischen Kriege. In einer Depesche betitelt„Wenn der Krieg ausbräche“ schilbert der Sonderkorresvondent des Pariser Blattes„Matin“ in Petersburg die Rolle, die die russische Armee in diesem Falle zu spielen hätte. Nach Erklärungen hervorragenden Persönlichkeie ten hat die rusfische Armee augenblicklich im ganzen 44 Armeekorps, und ein 45. wird im nächsten Jahre gebildet werden. 12 dieser Armeekorps können im Kriegsfalle ihre Garnison nicht verlassen, jedoch der — Das Reich und Preußen. Die Ernennung der Staatssekretäre des Auswär“ tigen und des Reichsschatzamts v. Jagow und Kühn zu preußischen Staatsministern hat in konservativen Kreisen augenscheinlich eine unbehagliche Stimmung hervorgerusen, wesentlich wohl deshalb, weil eine für offiziös gehaltene Auslegung diese Ernennungen damit in Zusamenhang brachte, daß die Stellung des Reichskanzlers in den Reichssragen im preußischen Staatsministerium eine wesentliche Stärkung erfahren hätte. Das kann natürlich nicht der Zweck der Sache sein; denn der Reichskanzler mird als preußischer Ministerpräsident jederzeit auch bei der Kollegialverfassung im preußischen Staatsministerium über hinreichenden Einsluß verfügen, um seine Ansichten in wichtigen Fragen durchzusetzen. Die Ernennungen können also nur die Bedeutung haben, daß der innere Zusammenhang zwischen beiden Faktonen, dem Reiche und dem führenden Bundesstaate, zum Vorteile u. Ausgleich beider unterstützt werden soll. Daß eine Nivellierung Preußens zugunsten des Reiches nicht in Frage kommt, ergibt sich schon daraus, daß die beiden Staatssekretäre als Staatsminister auch Preußen verantwortlich geworden sind. Man hat vielleicht Ursache, anzunehmen, daß es dem Reichskanzler darauf ankam, Preußens Bedeutung und Antcil an der Reichspolitik stärker hervortreten zu lassen. Im preußischen Staatsministerium sind nicht zwei einander widerstrebende Fronten vorhanden, sondern es besteht in allen grohen politischen Der Kampf um das Mazorat. Roman von Ewald Aug. König. 69 Der Förster wanderte mit großen Schritten rastlos auf und nieder, die Ranchwolken aus seiner Pfeise umhüllten immer dichter sein Haupt. müß wieder zur Stadt," brach er nach einer Weile das Schweigen, während er einen prüfenden Blick auf die Kuckucksuhr warf, die mit ihrem einförmigen Pendelschlag allein die Stille unterbrochenhatte. „Ich muß den Kerl so lange suchen, bis ich ihn finde!" Und wenn er dann leugnet, wer will ihm die Tat beweisen?“ fragte Röschen mit einem schwe„Haben wie ihn erst hinter Schloß und Riegel, dann werden wir ihn schon zahm machen.“ „Und Dagobert bleibt im Gesängnis. „Hoffemtlich nicht lauge mehr. Eins irritiert mich noch: die Kugel, die in der Wunde gesunden worden ist, soll genau in die Büchse unseres Freundes passen. Also muß der Wilderer eine Büchse desselben Kalibers haben und diese Jagdflinten sind sehr teuer. Wie ist der Kerl nnn in den Besitz einer solchen Büchse gekommen? Wenn er sie gekauft hat, so muß doch der Verkäufer sich ermitteln lassen; das Zeugnis dieser Person wäre von großer WichRöschen blickte auf, ein Hoffnungsstrahtbitzte aus ihren Augen, die erwartungsvoll auf dem Vaeerruhten. u9 M „Man müßte bei den Waffenhandtern aufra svv: Das soll geschehen,“ nickte et es wird eine mmüthfahre Arbeit sein— er kann die Büchse i9 uc bet einem Trödler gekauft haben und dere#### es in der Stadr eine Menge. zine hoße, breitDie Hundedraußen schlugen an, schulterige Gestalt schritt an dem Fenster gleich darauf trat Abraham nach kurzem Anpochen ins Zimmer. Martin war stehen geblieben, sein Blick ruhte forschend auf dem Hünen. „Sie sind der Schwiegersohn der Frau Burger?" fragte er. „Der bin ich, niate Abraham. „Und der Bruder des Mannes—“ „Der hier so grausam mißhandelt worden ist.“ „Und dafür blutige Rache genommen hat.“ „Niemand außer Ihnen behauptet das,“ erwiderte Abraham, mit seiner breiten Hand durch den struppigen Bart fahrend.„Sie haben diesen Verdacht ausgesprochen und ich sowohl wie meine Schwiegermutter, wir haben uns gesagt, daß der Schuldlose nicht für die Tat eines andern büßen dürfte, wenn dieser andere auch mein Bruder wäre. Und wenn mein Bruder die Tat begangen hätte, Herr Förster," fuhr Abraham tief aufatmend fort, „dam würde ich selbst ihn dem Gericht überliefert „Das ist brav gedacht, sagte Röschen. Komödie.“ spottete der Förster achseizuckend. „Ich binniemals in meinem Leben ein Komödiant gewesen, autwortete Abraham, ihn fest anblickend, und seine Stimme klang ruhig und leidenschaftslos,„ich habe stets nur die Wahrheit gesprochen, ich sage sie auch jetzt. Ich war bei meinein Bruder und fand ihn im Bett, er ist vorgestern gar nicht ausgegangen.“ O— da haben wir es ja!" brauste Martin auf.„Ein Kerl, wie der, soll einen ganzen Tag im Bett liegen? Da möchte ich doch wissen, was ihm sehlt!“ „Gliederreißenk, st. sche „Ja, das kann man reicht sagen. als Militär war, sagten es die Rekruten auch, um sich vom Dienst zu drücken, die Doktoren konnten von dieser Krankheit nichts sehen.“ Mein Bruder hat mir geschworen, daß er nicht im Walde gewesen sei, ich habe auch in seiner Kammer keine Büchse entdeckt.“ „Kann ich begreifen,“ erwiderte Martin, der wieder auf und nieder wanderte,„die Büchse müßte ja zum Ankläger gegen ihn werden. So schlau ist der Herr Bruder sicherlich, daß er an diese Gefahr gleich gedacht und die Büchse versteckt hat. „Wo sollte er sie versteckt haben?“ „Haben Sie sein Bett untersucht?“ Nein.“ „Das Versteckkann dort, es kaun auch im Walde ein, es wird hoffentlich gefunden werden. Daß Sie den Bruder zu rechtfertigen suchen, begreife ich, aber gelingen wird es Ihnen nicht.“ „Es muß gelingen, denn er ist schuldlos. Der Förster war dicht vor dem Hünen stehen geblieben, seine blitzenden Augen hefteten sich durchdringend auf ihn. „Sagen Sie offen und ehrlich, glauben Sie das alles selbst?“ fragte er. „Wenn ich es nicht täte, würde ich nicht zu Ihnen gekommen sein, um Sie zu bitten, diesen Verdacht fallen zu lassen,“ erwiderte Abraham in seiner treitherzigen Weise. „Und während Sie das tun, ist Ihr Bruder auf der Flucht und gewinnt mit jeder Stunde einen größern Vorsprung.“ „Auf der Flucht? Anton denkt nicht daran Weshalb auch sollte er fliehen?“ „Wenn er nicht der Täter ist, wer soll dann die Tat begangen haben?“ fragte Röschen, die nur diese eine Möglichkeit zur Rettung ihres Geliebten kannte. „Ich weiß es nicht, Fräulein,“ sagte Abraham mit einem bedauernden Achselzucken,„wennn ich es wüßte, würde ich augenblicklich zum Gericht gehen, um ihn anzuzeigen. Meine Schwiegermutter behauptet, der Herr Baron könne es nicht gewesen sein, und ich glaube ihr, aber wo soll ich, der doch so wenig von solchen Dingen versteht, den Täter suchen?“ Der Forster stand in Nachdenken versunken, sein Blick ruhte noch immer auf dem Hünen, an dessen Aufrichtigkeit er nicht mehr zweifeln konnte. „Wollen Sie mich in die Wohnung Ihres Bruders führen?“ sagte er.„Ichkann Ihnen nur dann glauben, wenn Sie mir Gelegenheit geben, mich von der Wahrheit Ihrer Behauptungen zu überzeugen. Wenn Sie sich weigern, mir diese Wohnung zu bezeichnen, dann dürfen Sie mir nicht zumuten, daß ich Ihren Worten Glauben schenken soll,“ fuhr er fort, als Abraham zögerte,„ein Schuldloser darf auch seinem Ankläger furchtlos ins Auge sehen—“ „Wollen Sie mich jetzt begleiten?“ unterbrach Abraham ihn. „So kommen Sie!“ Abraham nahm von dem Mädchen Abschied und ging hinaus, der Förster folgte ihm ohne langes Bedenken, nachdem er seine Tochter geküßt und ihr noch einige Worte der Ermutigung gesagt hatte. Röschen sank auf die Knie nieder, eine bange Ahnung fagte ihr, daß unn alles vorbei sei, daß sie keine Hoffnung mehr hegen dürfe! Wenn jener Wilddieb die Tat nicht begangen hatte, dann blieb die Schuld auf ihrem Verlobten ruhen, sie flehte zu Gott, daß er ihr Kraft und Mut geben möge, das Furchtbare zu ertragen. Das Rollen der Wagenräder auf dem weichen Waldboden hörte sie nicht, in heißem Gebei versunken, bemerkte sie nicht einmal, daß die Tür geöffnet wurde und eine hohe, schwarz gekleidete Dame eintrat, die den Blick lange auf dem schönen Haupte des jungen Mädchens ruhen ließ. „Ist der Förster zu Hause?“ fragte die Baronin endlichtin K. in g. K 890 2232 Ie u Röschen erhob sich rasch, sie hatte die tolle Baronin nie gesehen, aber sie wußte sogleich, daß Dagoberts Mutter vor ihr stand. 214,16 Fragen Uebereinstimmung. Ein Minister, der für seine Aufsassung im Staatsministerium in wichtigeren Fragen nicht den nötigen Rückhalt fände, würde zurücktreten. Es ist doch offenbar, daß die neuen Staatsminister nicht berusen worden sind, um gegen, sondern mit Preußen zu arbeiten, dafür bieten im übrigen auch die beiden Männer die vollste Gewähr. Im Reichstage ist aus parteipolitischen Eywägungen heraus wiederholt versucht worden, mit der Fiktion eines Gegensatzes zwischen dem Reiche und Preußen Kapital zu schlagen; das wird in Zukunst unmöglich sein. Es wäre aber vielleicht nicht ganz unzweckmäßig, wenn bei wichtigen Debatten, in denen der preußische Ministerpräsident allgemeine Erklärungen über die preußische Politik abgibt, auch die dem Staatsministerium angehörenden Staatssekretäre einmal im Landtage erscheinen würden, damit so auch äußerlich der innere Zusammenhang zwischen dem Reiche und Preußen dokumentiert wird. — Veimischtes. = Die Reise in den Kleiderschrank. Aus Merseburg wird erzählt: In einem Dörschen der Umgebung war ein Mann in Schulden geraten, und ein Gläubiger hatte einen Vollstreckungsbesehl gegen ihn in der Tasche. Der Schuldner, der noch niemals etwas mit dem Gerichtsvollzieher zu tun gehabt hatte, glaubte, er würde der Pfändung entgehen, wenn ihn der gefürchtete Mann nicht zu Hause träfe. Als sich nun der Gerichtsvollzieher eines Tages seinem Hause näherte, versteckte er sich rasch in einem Kleiderschrank und gab seinem Söhnchen den Auftrag, wenn der Gerichtsvollzieher nach ihm frage, zu sagen, er sei nicht zu Hause. Der Gerichtsvollzieher kommt, sieht sich in der Wohnung nach allen Seiten um, streicht dem Kinde über den Kopf und fragte schließlich: Na, mein Sohn, wo ist denn der Vater?“ —„Der Vater ist nicht zu Hause.“—„Der Vater ist nicht zu Hause? Soso? Wann wird er denn wiederkommen?“ Auf diese Frage ist der Junge nicht gesaßt. Er sieht sich erst ratlos um, eilt dann an den Schrank, klopft an die Tür und ruft hinein: „Du, Vater, wann kommste denn wieder heeme?“ Der Aerger des Vaters soll sich, als er wieder aus dem Kleiderschrank herauskam, weniger gegen den lachenden Gerichtsvollzieher als gegen seinen klugen Sohn gerichtet haben. = Ein tüchtiger Unterrichtsminister. Ein hübsches Geschichtchen, dessen Held ein türkischer Unterrichtsminister aus der Abdul Hamidschen Zeit ist, erzählt die Bukarester Tageszeitung„Le Journal des Balbans“: Ein junger türkischer Lehrer, der im Ausland studiert hatte, übersetzte zum Schulgebrauch ein Handbuch der Kosmographie und begab sich zum Unterrichtsminister, um dessen Genehmigung zur Drucklegung seiner Arbeit zu erbitten.„Das ist ein Handbuch der Kosmographie, das kein Wort von Politik enthält,“ betonte der Lehrer.„Kosmographie?“ fragte erstaunt der Minister.„Was bedeutet das?" Der junge Lehrer erklärte, dies sei eine Wissenschaft, die sich mit der Bewegung der Gestirne, mit deren Größe und Bedeutung usw. besasse.„Und Sie sind dort oben gewesen,“ erwiderte zornerfüllt der Minister,„dort im Himmel, um all das zu erfahren, was kein Mensch je wissen kann? Besreien Sie mich von Ihrer Gegenwart, Sie Elender, der sich in die Angelegenheiten Gottes einmengt, und merken Sie sich: von diesem Augenblick an sind Sie Ihres Amtes enthoben.“ Behördliche Förderung der Bienenzuchl. Nach Berechnung beläuft sich der Nutzen, den die Bienen dem deutschen Imker bringen, auf 20 bis 30 Millionen Mark im Jahr, der Nutzen, den der deutsche Gartenbau erzielt, dagegen auf 100 bis 150 Millionen Mark, denn der Rutzen der Bienen für Obst= und Gartenbau ist bei weitem größer, als der Ertrag an Honig und Wachs, den sie liefern. Um so bedauerlicher ist es, daß die Bienenzucht in Deutschland immer mehr zurückgeht. Der Wert der gesamten in Deutschland vorhandenen Bienenstöcke wird auf etwa 50 Millionen Mark geschätzt, aber die Zahl der früher aus 2¼ Millionen geschätzten Bienenstöcke ist im Laufe der Jahre immer mehr rückgegangen. Dieser Rückgang ist nicht nur auf Mißernten im Lause der letzten Jahre, sondern vornehmlich auch auf den Mangel an Nahrung für die Bienen zurückzuführen. Es ist deshalb sehr erfreulich, daß die Eisenbahnverwaltungen besonderes Gewicht auf die Förderung der Bienenzucht durch Anpflanzungen legen— es beschäftigen sich mehr als 2500 Eisenbahnbeamte mit Bienenzucht. Das allein genügt aber nicht. Und darum hat der preußische Landwirtschaftsminister vor kurzem der Erwartung Ausdruck gegeben, daß auch die Kreise, Gemeinden und städtischen Verwaltungen dem Beispiel der Eisenbahnverwaltung folgen, um durch Anpflanzung solcher Bäume, deren Blüten den Bienen willkommen sind, vor allem der Linden, dem Mangel an Nahrung für die Bienen abzuhelsen. Verwaltungen von Häusern u. Grundstücken, Beschaffung von Hypotheken, An- u. Verkauf von Grundstücken, Regelung aller vermögensrechtlichen Angelegenheiten, insbesondere Erbschaftsregelungen, Abschluss von Versicherungen aller Art u. sonstige Vermittlungsaufträge, sowie Inkassomandate evtl. gegen Kautionsstellung, übernimmt bei gewissenhaft. Ausführung Otto Schmidt, Hohenzollernstr 5. Pronkengeie Tischweine Repreiwern empfiehlt 4890 Drogerte Max Mehlhose. A bee deutschen Neiles Altester Lieterans 1976 Neueste Original, Schnellgang-Nähm. Krone 18. 1914 durch Kurvenfadenhebelanzus, keine Fedej., Fsch, und — vorwärtsuähend, verriegelt zugleich Jede Endo, Sticht und stopft. Nähmaschinen. u. FahrradGroßfirma M. Jacobsohn, Einfenstraße 126. Seit 30 Jahren Lieferant der Mitglieder von Post-, E. Eisenbahn-, Lehrer-, Militär-, Krieger-Vereinen, ver# sendet die hocharmige Nähmaschine Krone XII mit hygienischer Fußrahe für Jjede Art Schneiderei, 40. 45, 18, 50 Nk. 4 nöchige Probezeit. 5 Jahre Versenkbare. Nuschinen i. all. Austilhrung. Unerh. Mehrpr. 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Zugleich mache ich darauf aufmerksam, daß außer anderen Warenzeichen-Eintragungen auch die Warenzeichen Jaderben une„Inderbang-Socuekamm für mich in die Zeichenrolle des Kaiserlichen Patentamtes eingetragen sind, so daß also unter diesen Warenbezeichnungen nur mein Fabrikat verabreicht bzw. in den Verkehr gebracht werden darf. H. Underberg-Albrecht Hofl. Sr. Maj. d. Kaisers und Königs Wilhelm II. (Rheinland) Der Kampf um das Mazorat. Roman von Ewald Aug. König. 70 „Mein Vater ist soeben zur Stadt gegangen,“ erwiderte sie. „Hat er eine Entdeckung gemacht, die Baron Dagobert aus der Haft befreien wird?“ „Er glaubte, sie gemacht zu haben, gnädige Frau, aber sie ist wieder zweifelhaft geworden; nun will er sich überzeugen, ob sein Verdacht in der Tat begründet war.“ Die Baronin ließ sich in den Lehnstuhl des Försters nieder. Röschen mußte ihr alles berichten, mehr und mehr bewunderte Baronin Adelgunde den edlen Anstand und die aristokratische Erscheinung des schönen Mädchens. Aus jedem Worte Röschens sprach heiße, innige Liebe zu Dagobert, sie betonte ihren unerschütterlichen Glauben an seine Schuldlosigkeit und sprach wiederholt die zuversichtliche Hoffnung aus, daß es ihrem Vater gelingen werde, den Schuldigen zu entdecken. Baronin Adelgunde nickte zustimmend, sie mochte wollen oder nicht, sie fühlte sich zu dem schönen Mädchen hingezogen, sie begriff, daß Dagobert es lieben mußte. „Wir wollen nicht verzagen,“ sagte sie in gütigem Tone, und ihre Hand fuhr dabei leise über das wellige Haar Röschens, die zu ihren Füßen auf einem Schemel saß und mit einem flehenden, hoffnungsfrohen Blick zu ihr emporschaute;„wir wollen auf die Gerechtigkeit Gottes vertrauen, die uns nicht im Stich lassen wird. Ein schweres Unglück hat uns beide zusammengeführt, mein Kind, hoffen wir, daß gemeinsames Glück uns daraus erblühen möge. Baron Kurt ist vor einer Stunde heimgegangen zu seinen Vätern," fuhr sie nach einer kurzen Pause fort;„manche Schuld hat er mit hinübergenommen, möge Gott ihm gnädig sein, wie ich ihmn verziehen habe! Ich muß nun zur Stadt. um meine Rechte zu wahren, sagen Sie Ihrem Vater, daß ich vorläufig die Herrin hier sei, daß kein Holz mehr ohne meinen ausdrücklichen Befehl geschlagen werden dürfe, und daß alle Befehle fortan nur von mir einzuholen seien. Und nun Adien, mein Kind; behüte Sie Gott.“ Röschen begleitete sie an den Wagen, aus dem Wagen heraus reichte die Baronin ihr noch einmal die Hand, dann zogen die Pferde an. Ihre Gedanken beschäftigten sich jetzt nur mit dem schönen Mädchen, sie mußte sich der Worte Dagoberts erinnern, daß sie es lieb gewinnen würde, sobald sie es näher kennen gelernt hätte. Sie konnte nicht leugnen, daß Röschen eine aristokratische Erscheinung und auch im Punkte der Erziehung und Bildung ihrem Sohne ebenbürtig war; das wenige, was an dieser Beziehung fehlte, konnte ohne Mühe nachgeholt werden. Wenn sie nur von besserer Herkunft gewesen wäre! Der Förster war gewiß ein braver, ehrlicher Mann, zudem auch stets ein treuer Diener des Hauses gewesen, aber er war auch nichts weiter als ein Diener des Hauses; über solche Mesalliance mußte jeder die Nase rümpfen. Dann aber erinnerte sich die Baronin auch ihrer eigenen Ehe, in der sie kein Glück gefunden hatte, sie erinnerte sich der eigenen Seeleuqualen,— und immer geringer wurden die Bedenken gegen die Mesalliance. Hätte sie nachgegeben, wäre sie den Wünschen und Bitten ihres Sohnes nicht so schroff entgegengetreten, so würde er vielleicht nicht so zornig in den Wald hinausgestürmt und infolgedessen wohl auch kein Verdacht auf ihn gefallen sein. Die Reue kam zu spät, eine Entscheidung wollte sie auch jetzt noch nicht treffen, vielmehr zuvor mit dem Rittmeister darüber beraten. Sie grübelte noch immer darüber nach, als der Wagen vor dem Hause des Notars hielt. Der Justitiar war augenblicklich beschäftigt, er und um ließ die Baronin in seinen Salon führen kurze Geduld bitten. Sie hatte ihre volle Ruhe wieder gefunden, als er eintrat, mit hoch erhobenem Haupte empfing sie 90. H. 6 42f- fante sie mmein Soh„Baron Kurt ist tot,“ sagte sie,„mein Sohn ist nun Majoratsherr, in seinem Namen werde ich fortan alle ihm zustehenden Rechte wahren.“ Der Notar bot ihr einen Sessel an und rückte die Brille dichter vor die Augen. „Der Tod des Herrn Barons ließ sich ja voraussehen," erwiderte er in bedauerndem Tone,„der Arzt sagte mir sofort, daß die Verwundung tödlich sei. Der Erbfolge gemäß wäre nun in der Tat Baron Dagobert Majoratsherr, aber die entehrende Tat schließt ihn von der Erbfolge aus.“ „Ich war auf diesen Einwurf gefaßt, freundschaftliche Gesinnungen haben wir ja von Ihnen nicht zu erwarten,“ antwortete sie kalt,„aber dieser Einwurf darf erst dann auf Berechtigung Anspruch machen, wenn die Schuld meines Sohnes bewiesen ist.“ „Die Beweise sind leider gefunden!" „Das ist— unmöglich!“ fuhr sie in scharfem Tone auf. „Sie wollen sagen, es ist eine Lüge!“ erwiderte er sarkastisch,„ich würde Ihnen das Wort nicht übelgenommen haben, denn ich sagte Ihnen nur das, was der Untersuchungsrichter gestern mir berichtete. Die Beweiskette ist geschlossen, gnädige Frau, die Beweggründe liegen klar vor Augen, und die Aussagen der Zeugen lauten übereinstimmend dahin, daß nur Baron Dagobert die Tat begangen haben kann.“ „Und mit diesen Scheinbeweisen begnügt der Untersuchungsrichter sich?“ fragte die Baronin entrüstet.„Will er die Möglichkeit nicht gelten lassen, daß ein anderer die Tat begangen haben kann? Ich erinnere Sie an jenen Wilddieb, den Baron Kurt so roh mißhandelt hat; könnte er nicht die Tai aus Rache begangen haben?“ „Gewiß würde diese Frage aufgeworfen worden sein, wenn nicht alle Verdachtsgründe auf den Herrn Baron hingewiesen hätten,“ entgegnete er achselzuckend.„Man rächt doch auch nicht eine Mißhandlung durch einen Mord, der Wilddieb mußte ja voraussehen, daß der Verdacht sofort auf ihn fallen würde.“ „Und daß dies nicht geschehen, daß dieser Verdacht nicht augenblicklich verfolgt worden ist, das begreife ich nicht,“ sagte sie mit wachsender Entrüstung.„Ich werde heute noch den Untersuchungsrichter auf diese Notwendigkeit aufmerksam machen.“ „Es wäre vergebliche Mühe, gnädige Frau! Baron Dagobert hat natürlich die Tat geleugnet und sich auf die Aussagen eines Grafen Morray berufen, dieser aber behauptet gerade das Gegenteil von dem, was der Angeklagte erklärt hat. Wenn schon die Entlastungszeugen ihn im Stiche lassen, was haben wir dann von den anderen Zeugen zu erwarten? Nichts!“ Baronin Adelgunde fuhr mit dem spitzenbesetzten Batisttuche über ihre Stirn, ein Zornesblick traf aus ihren dunklen Augen den alten Herrn, dessen Lippen das gewohnte ironische Lächeln umzuckte. „Aus allem, was Sie sagen, spricht der Haß gegen mich und meinen Sohn," versetzte sie,— „aber glauben Sie nicht—“ „Gnädige Frau, ich muß dieser Voraussetzung mit aller Entschiedenheit entgegentreten,“ stel er ihr in die Rede.„Von einem Haß, den ich gegen Sie oder Baron Dagobert hegen soll, weiß ich selbst nichts, ich halte mich nur an die Tatsachen, die leider nicht fortzuleugnen sind.“ „Brechen wir von diesem Thema ab,“ fuhe sie mit einer energisch ablehnenden Handbewegung fort,„unsere Anschauungen gehen weit auseinander.“ 214,16 1— zu verheimlichen, was sein mußte. Ludwig mußte es ja doch erfahren. Als er es ihm aber sagte, da hing sich der Bub an ihn:„Wart nur noch einen Tag, Vater. Geh nit ins Pfarrhaus,“ flehte er. „Ich muß,“ war die feste Antwort. Der Bauer ging. Ludwig setzte sich hinter den Ofen und weinte. *„Tu doch nit so,“ sagte die Mutter.„Man meint ja, er wäre dein leiblicher Bruder, und geht uns doch eigentlich nichts an.“ „Muß er von uns fort?“ fragte Ludwig. „Ja,— das ist doch sicher.“ „Wenn ich Herr bin, hol ich ihn wieder, wo er auch ist,“ erklärte Ludwig. Schluß folgt.) von Laura vincent. Ersatz für Eis in Krankheitsfällen. In plötzlichen Krankheitsfällen ist es manchmal, namentlich auf dem Lande, nicht gleich möglich, Eis zu bekommen. Man nehme eine frische Gurke, schäle der Länge nach einen Streifen recht dick ab und lege ihn dem Patienten auf die Stirn. Die Wirkung ist eine angenehm kühlende. Kisteneier kann man so kochen, daß sie im Geschmack frischen Landeiern fast gleichkommen. Man steche mit einer Nadel ein Loch in jedes Ende eines Eis und lege die Eier dann drei Minuten in kochendes Wasser. Hierauf nehme man sie heraus und öffne sie ein wenig am oberen Ende, daß die darin enthaltene Luft sich ausdehnen kann. Nun legt man sie noch eine Minute in das kochende Wasser, und sie werden dann an Wohlgeschmack frischen Eiern kaum nachstehen. Verlorene Eier. Beim Kochen derselben ereignet es sich häufig, daß das Weiße sich vom Dotter trennt und sich im Wasser verteilt. Um dies zu verhindern, nehme man einen Löffel und rühre ein paar Sekunden rasch im Wasser herum, dann lasse man das Ei in den Trichter gleiten, der sich durch das rasche Umrühren des Wassers gebildet hat, und lasse es drei bis vier Minuten rasch sieden. Motten im Teppich. Sind Motten in den Teppich gekommen, so lege man ein nasses Handtuch über die betroffene Stelle und fahre mit einem heißen Bügeleisen so lange darüber, bis es trocken ist. Die Hitze und der Dampf töten die Eier und die Maden. Seide zu prüfen. Man schneidet ein Stückchen von dem zu prüfenden Stoff ab und verbrennt es. Wenn es mit heller Flamme rasch verbrennt und eine hellgraue, krause Asche hinterläßt, dann ist die Seide rein; wenn es aber schwelt und eine rotbraune Asche hinterläßt, dann ist die Seide mit Chemikalien verfälscht und wird sich schlecht tragen. Eine gesprungene Waschschüssel hält noch jahrelang, wenn man sie auf folgende Weise behandelt: Man überstreiche von außen den Riß mit weißer Oelfarbe ungefähr zwei Zentimeter breit, lege dann ein ebenso breites Baumwollband fest darauf und drücke es an. Dann streiche man nochmals dick mit weißer Oelfarbe darüber. Wenn dies trocken geworden ist, ist es so fest wie Zement und dauerhaft. Das abessinisch= Lourdes. In der Nähe der abessinischen Residenz Addis=Abeba befindet sich das Nationalheiligtum Debra Libanos. Dieses Nationalheiligtum ist ein der Madonna von Libanon geweihtes Kloster, das auf einem Berggipfel im Norden Addis=Abebas liegt und gegen die Außenwelt vollständig abgeschlossen ist. An die Entstehung des Klosters knüpfen sich zahlreiche Legenden, von denen die bekannteste erzählt, daß ein Eremit namens Tecla Haimanot, der Sohn eines europäischen Vaters und einer Eingeborenen aus Gondar, das Heiligtum im 14. Jahrhundert gegründet habe. In der Nähe des Klosters befindet sich, von Wald umgeben, eine Quelle, der wundertätige Kräfte zugeschrieben werden, und zu der Tausende von Gläubigen, im besonderen Krüppel und Aussätzige, aus allen Teilen Aethiopiens pilgern. Die Heilkraft der Quelle wird darauf zurückgeführt, daß der Erzengel Michael, der allgemein in Abessinien große Verehrung genießt, auf verborgenen Wegen das Jordanwasser zu dieser Quelle geleitet haben soll. Aber nicht nur die Quelle, sondern auch der ganze sie umgebende Hain gilt dem Volke als heilig, so daß selbst die unzähligen Affen, die hier im Walde hausen und von den Pilgern gefüttert werden, unverletzlich sind. Zahlreiche Elende warten in diesem Hain ihren nahen Tod ab, da sie in dem frommen Glauben leben, daß nirgend sicherer als hier die Fürsprache des Heiligen ihre Auferstehung begünstigen werde. Infolgedessen liegen viele unbeerdigte Leichen, Skelette und Knochen umher, die dem Hain ein unheimliches Gepräge verleihen. 2 Denkspruch. In allen Zeiten hat man den geordneten Staat als das Schwierigste und Größte betrachtet, was menschliche Weisheit hervorbringen kann, weil in ihm eine Menge eigenwilliger Persönlichkeiten in einem höheren Gesamtwillen aufgehen. Ernii Lurtius. Humur. Liebenswürdig. Ein verspätetes Mädchen hat sich verheiratet. Kurz darauf trifft sie auf der Straße eine gleichaltrige unverheiratete Bekannte, mit der sie sich eine Zeitlang unterhält. „Ich muß jetzt gehen,“ sagt sie schließlich,„meine Mutter erwartet mich!“ Die andere sieht sie mit gut gespieltem Erstaunen an und meint:„Was, Sie haben noch eine Mutter?“ „Allerdings,“ ist die unerwartete Antwort,„und sie sieht nicht ein bißchen älter aus als Sie!“ * Ein aufmerksamer Ehemann.„Minna,“ ruft der unzufriedene Dienstherr, als die Köchin auf sein Klingeln erschienen ist,„was in aller Welt haben Sie denn mit den Koteletts gemacht? Sie sind so hart wie Stein! Das, was ich hier habe, kann man kaum dem Hund vorsetzen, und das, was ich der gnädigen Frau gegeben habe, ist noch schlimmer!“ Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 169. Mittwoch, 22. Juli 1914. * 3 *EgE Sene S 22 8 SENEESE Sntosu „GGEPSSS SETSER SoGnn was # S uagan S S SnSgL RUGSSET SaEBEE Jetzt freilich hatte sie das stolze Haupt gebeugt, die Haltung einer Bittenden angenommen. „Du hast deine zweite Frau verloren, Eicke,“ sagte sie leise, das laute Pochen ihres Herzens gewaltsam beschwichtigend,„laß mich ihre Stelle wieder einnehmen, den Platz, der mir von Rechts wegen zukommt.... Sei versöhnlich, laß uns Frieden schließen!“ Eicke sah erschreckt in das weiße Gesicht mit den dunklen Flammenaugen, deren Sprühen und Funkeln er fürchtete, weil es ihn nervös gemacht, ihm damals so unsagbar unsympathisch gewesen war. „Das ist unmöglich,“ kam es in spontaner Abwehr von seinen Lippen,„das kann nicht sein.“ „Warum nicht?“ widersprach Eugenie weich und eindringlich,„willst du vielleicht eine Fremde heiraten?“ Er machte eine heftig abwehrende Bewegung.„Verschone mich, Eugenie, beende diese Szene. Klara ist noch kein volles Vierteljahr—“, er brach ab, weil die Stimme ihm versagte. Die Wunde war noch zu frisch, sie blutete, sobald man daran rührte. „Ich weiß wohl,“ nickte die Frau,„willst du vielleicht so lange warten, bis man dich bestohlen, deine Schränke geplündert hat? für so geschmacklos halten, samkeiten von dir erwarte. zu geben und zu nehmen, selbstverständlich. Ich kann Du wirst mich doch nicht daß ich zärtliche AufmerkIn der Verfassung, Liebe bist du nicht, das ist doch aber nicht einsehen, daß soll, deine Kinder sind doch du ihnen etwa eine zweite hier eine Fremde walten auch die meinigen, willst Stiefmutter geben?" „Höre auf mit diesen Reden, du quälst mich unbeschreiblich.., f. Karen uac vicht rsu#t 9. „Nun gut, du hast daran noch nicht geoacht. Zu leugnen ist aber nicht, daß die Frau hier fehlt, und über kurz oder lang mußt du dich notgedrungen entschließen, deinen Kindern wieder eine Mutter zu geben, sie verwahrlosen sonst.“ Als Eicke widersprechen wollte, hob sie abwehrend die Hand. „Sage nichts dagegen, das kommt so nachgerade, ohne daß du es merkst. Aber es kommt. Dann haben die Kinder bereits Schaden an Körper und Seele genommen, und oft vermag der beste Wille nicht wieder gutzumachen, was durch Nachlässigkeit verfehlt wurde." Eicke horchte unwillkürlich auf. Das klang so vernünftig, so, wie Eugenie früher nie gesprochen hatte; es erinnerte ihn unwillkürlich an Klara. Aber zur rechten Zeit erinnerte er sich der aufreibenden Szenen, die er früher mit Eugenie gehabt. Schaudernd dachte er daran. Zum ersten Male sah er Eugenie voll und kalt ins Gesicht.„Du weißt, daß wir uns nicht verstehen,“ sagte er kurz,„zwischen uns muß es für immer bleiben, wie es jetzt ist. Deine Kinder sind gut aufgehoben und werden es immer sein, um sie mach' dir keine Sorge. Und ich— habe tüchtige, geschulte Kräfte in meinem Hause.“ Sie wollte heftig auffahren, ihm ins Gesicht schleudern, daß er Vera unverzeihlich zurücksetze, daß man ihr die Vernachlässigung auf den ersten Blick ansehe und er unverantwortlich an dem Kinde handle, während er sein Schoßkindchen verhätschelte, und nur noch fehle, daß er es in ein Glasspind setze... Ja, sie war nahe daran, sich zu verraten, ihre leidenschaftliche, jähzornige Natur wäre ihr beinahe mit dem Verstande durchgegangen. Aber sie hatte sich zu diesem Wege nicht umsonst trainiert. Sie wußte ja, was für sie auf dem Spiele stand und vom Ausgang dieser Unterredung abhing. Sie hatte sich in der Gewalt. Ihr Gesicht war in dieser bedeutsamen Stunde eine undurchdringliche Maske. „Du erlaubst wohl, daß ich mich setze,“ sagte sie, sich in einem Sessel niederlassend und den Mantel von schwerem Seidenplüsch öffnend, um Zeit zu gewinnen; denn in ihrem Innern war schon wieder Sturn. 2 Freilich hatte sie draußen in der Welt viel gelernt, und dem gab sie nun auch Ausdruck. „Ich komme doch nicht als dieselbe wieder, als die ich damals gegangen bin,“ sagte sie halblaut, in bebendem Ton,„das Leben ist eine harte Schule, besonders für eine verwöhnte Frau, und es hat mich gelehrt, daß man das Glück, ein Heim, einen Mann und liebe Kinder zu besitzen, nicht hoch genug schätzen kann. Ich habe unsagbar gelitten, Eicke, und in heißen Reuestunden meine Torheit bereut.... Für dich waren die letzten fünf Jahre vielleicht so schön, daß du sie mit einem langen, herrlichen Sommertage vergleichen könntest. Ich aber, um im Bilde zu bleiben, durchlebte eine sturmdurchwühlte, endlos schreckliche finstere Nacht, in die kein einziger Lichtstrahl drang, und deren Gewalt mir Herz und Seele in allen Tiefen aufrüttelte, aber auch Groll und Bitterkeit hinwegwehte und nur herzzerreißendes Weh zurückließ. Die Gewißheit, daß ich nie wieder zu dir zurückkehren könne, brachte mich oft dem Wahnsinn nahe. Bis dann endlich an Stelle des brennenden, zerstörenden Schmerzes dumpfe Betäubung trat, ein Gefühl der Leere und absoluten Hoffnungslosigkeit.... O mein Gott, ich habe schwer gefehlt, aber auch hart gebüßt.“ Eicke hörte ihr jetzt aufmerksam zu, und ihre Worte ergriffen ihn; denn sie trugen den Stempel der Wahrhaftigkeit..... 4.2 Shmasen Gand Uhar bi. Langsam strich er mit der schmalen Hano über die schmerzgefurchte Stirn. Ja, er hatte in einem Sonnenlande geweilt, lange, schöne Jahre hindurch, wie wohl das seiner Seele getan batte, immer verstanden zu werden, jede Differenz in Ruhe und Güte beigelegt zu wissen.„. F Jenig mähnte mar u Aber so lange, wie Eugenie wähnte, war er doch nicht harmlos glücklich gewesen; denn seit Jahr und Tag sah er ja den Tod neben der Geliebten dahinschreiten, sah, wie die süße Gestalt an Fülle verlor, die Wangen schmal wurden und die holden, sanften Augen sich mit dunklen Ringen umkleideten. Dann hatte auch er des Nachts stundenlang wach gelegen, mit verhaltenem Atem, in Schweiß gebadet auf jeden Atemzug der teuren Frau gelauscht, war entsetzt, das Schlimmste fürchtend, aufgefahren, wenn sie im tiefen, erquickenden Schlummer leiser, kaum hörbar atmete, bis ihm bleierne Müdigkeit die brennenden Augen zudrückte. Freilich, wenn dann der Morgen kam und Klara heiter und lachend am Kaffeetisch saß, so schlank und graziös wie ein junges Mädchen, dann waren die Gespenster der Nacht in nichts zerronnen und oft wochen= ja monatelang fortgeblieben, bis sie wiederkehrten und der grause Tanz von neuem begann. Ja, Eicke hatte Verständnis für Seelenleid und solche Stunden, wo man an allem verzweifelt. Was er nach dem Tode seiner Frau gelitten, das wog allein schon den Schmerz eines langen Menschendaseins auf.. tslen 2 fuhr G. „Kannst du dir nun vorstellen,“ fuhr Eugenie fort, da ihr keine Antwort wurde,„was ich empfand, als ich die Todesnachricht deiner zweiten Frau las? Das tiefste Mitgefühl bewegte mich; denn ich wußte ja, daß du in der Verstorbenen dein ganzes Glück gefunden hattest. Zugleich aber sagte ich mir, daß nun die Zeit gekommen sei, wo ich all mein Unrecht gutmachen könne und müsse. Seit ich wußte, daß du Witwer bist, war ich entschlossen, dich um Versöhnung und Frieden zu bitten, dich zu trösten und aufzurichten. (Fortsetzung folgt.) M ucuu sbigyutusch „u e * 23 85 Das schlaue Hänschen. Hänschen und seine Geschwister konnten gar nicht lernen, manierlich am Tisch zu essen, ohne Flecken auf das Tischtuch zu machen. Als alle Ermahnungen nichts fruchteten, setzte die Mutter endlich eine Strafe von 5 Pfennig für jeden Fleck fest. Eines Tages nun bemerkte die Mutter, daß Hänschen anhaltend neben seinem Teller auf dem Tischtuch hin und her wischte. „Was machst du denn, Junge?“ fragte sie schließlich. „Ach, nichts, Mutti," versetzte der Kleine unschuldig, „ich wische nur zwei Flecke in einen.“ 8 Die Uhr. Erzählung von Ad. Elisabeth Rohn. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.. „Ich kann— nit— reden,“ stöhnte Kilian. Und dabei blieb's, auch als der Bauer andere Saiten aufzog. „Du hast heut nacht die Uhr verborgen.“ „Wo sollt ich sie denn hintun und was wollt ich mit tun?“ „Horch, das ist Verstocktheit,“ sagte die Bäuerin, „damit kommst nit weit, sondern machst deine Sache nur schlimmer. Man muß nun mit dem Pfarrer reden, und wer weiß, ob er dich konfirmiert.“ Das war ein neuer„Sorgenstein“. Aber er lag nicht bloß auf Kilian. Der Bauer und die Bäuerin hatten trübe, sorgenvolle Gesichter.„Wir haben ihm zuviel Freiheit gelassen. Art läßt nit von Art,“ sagte die letztere.„Der Krämerphilipp, Kilians Vater, war ein Leichtfuß, und der Fritz ist ein ganz Gewichster. Wir haben uns da was Schönes aufgeladen.“ Und ihr Mann strich dem weinenden Ludwig übers Haar und sagte rauh:„Laß gut sein! Wird nit das erstemal und nit das letztemal sein, daß du in solchem Jammer steckst. Die Welt ist böser, als du weißt.“ Lisel schüttelte den Kopf:„Man hat ihn gleich gern haben müssen,“ meinte sie,„und nit den Lügner und den Dieb hinter ihm gesucht.“ Ludwig schlich sich in die Kammer, wohin der Bauer für heute den Kilian verbannt hatte.„Du bist kein Dieb und kein Lügner,“ sagte er.„Ich weiß es, und wenn du fort mußt, so darfst du später doch wieder kommen, wenn ich Bauer bin.“ Da richtete sich Kilian auf:„Ich hab doch gelogen,“ sagte er dumpf. „Aber die Uhr hast nit!“ „Nein,“ gab Kilian verächtlich zurück. Was schien ihm jetzt der Besitz einer Uhr? Wie töricht waren die doch alle miteinander, daß sie glaubten, er würde sich in solch einen Jammer stürzen und so viel ertragen um einer„lumpigen“ Uhr willen, und wenn's gleich eine goldene war mit einem funkelnden Kränzchen darum! Vorläufig redete niemand im Hause mit ihm. Das war eine harte Strafe für sein liebebedürftiges Herz sowohl wie für seine Lebhaftigkeit. Lisel raffte ihr Kleid zusammen, wenn er es streifte. Die Bäuerin schloß zum erstenmal Kommoden und Schreine ab. Der Bauer tat, als sei er Luft. Wenn er den Ludwig nicht gehabt hätte, über dessen Einfalt er oft gespottet, und und der ihm nun so viel Treue bewies, er wäre dem Hause entflohen, dessen Pforten sich nun vor einem Jahr geöffnet hatten, um der Waise Schutz und Heim zu sein. Aber es war nicht bloß das, es war noch etwas anderes, das ihn vor Verzweiflung bewahrte. Das, was in seiner Seele bis jetzt geschlummert hatte, das Große, Himmlische, das sich in jenem Gottesdienst zum erstenmal rührte, entfaltete die Schwingen. Es trug ihn aufwärts aus dem dumpfen, drückenden Dasein. Sein inneres Leben brachte es zur Entfaltung, das Leben, von dessen Vorhandensein er bis dahin noch nichts geahnt hatte. Nun wußte er: der Mensch ist nicht bloß da, um zu essen, zu trinken, zu arbeiten, sondern um zu kämpfen und zu siegen. Gefangen sein in Traurigkeit, das ist der Tod. Sich darüber erheben, weil dieses irdische Leben doch weiter nichts ist als eine Vorschule für ein besseres, gereinigtes, ewiges, — das ist Leben, volles Leben. Halt aus, du hast deine Lüge zu büßen! Du mußt Strafe leiden. Aber den Diebstahl hast du nicht begangen, und deine Unschuld wird ans Licht kommen. So waren die Gedanken wie Lichtstrahlen, die zwischen den dunilen Wolken hervordrängten und den dunkeln Weg beleuchteten. IV. Unschuldig. „Du mußt zum Herrn Pfarrer. Du mußt mit ihm reden. Der Bub ist ja ganz verstockt,“ sagte Frau Apollonia. Der Bauer seufzte tief auf.„Ist eigen,“ sagte er, „wenn er mich so wehleidig anguckt und mir überall nachschleicht und um ein gutes Wort zu betteln scheint, dann frag' ich mich doch, ob er wirklich so schlecht sein kann. Und— ihn beim Pfarrer anschwärzen, das ist ein saurer Gang.“ „Ich weiß es, Frieder. Mir ist's gerade so schwer ums Herz wie dir. Wie haben wir uns auf den Weißen Sonntag gefreut, auf die Konfirmation von unserem Einzigen. Und nun ist alles versalzen. Meinst, mir macht's nun Vergnügen, alles zu richten für die Gäste, und zu backen und zu kochen, wenn möglicherweise der Kilian nit mit dabei ist. Aber stillschweigen und gehen lassen kann man die Sache doch auch nit. Daß er die Uhr irgendwo versteckt oder vergraben hat, ist gewiß. Was hat er sonst getan damals in der Nacht?“ „Es ist mir alles so rätselhaft,“ murmelte Flippert.„Kilian ist doch ein heller Bub. Er mußte doch wissen, daß es nit verborgen bleibt, und daß er auch nichts mit der Uhr anfangen kann.“ „Vielleicht sagte er sich das nun hinterher selbst, was du sagst.“ „Ich will noch einmal gut mit ihm reden, aber allein,“ entschloß sich der Bauer. Frau Apollonia nickte: „Jawohl, probier's nur! Am meisten hängt er doch an dir. Geh nur gleich! Er ist in der Kammer.“ Der Bauer blieb lange fort. „Es geht ihm nach,“ klagte Frau Apollonia dem jungen Bäschen, das dageblieben war, um ihr bei den Vorbereitungen zum Weißen Sonntag zu helfen.„Er hat gar ein weiches Gemüt, wenn er's für gewöhnlich auch nit merken läßt.“ „Nun?“ fragte sie, als ihr Mann endlich kam. „Es ist nichts zu machen.“ Niedergeschlagen stand er am Fenstex und sah hinaus:„Ich hab ihm gesagt, daß er fort muß von uns. Aber,“ er war nun ganz der gebietende, stolze Bauer,„ich wollt lieber, daß mich irgendein Unglück getroffen hätte als das.“ „Und gehst nun zum Pfarrer?“ „Es muß wohl sein. Konfirmieren wird er ihn kaum. Ich denk, wir lassen dann auch alle Festsche?“ „Aber Frieder, was dentst dennr Das ist doch der gar nit wert. Und sind doch schon alle Verwandten eingeladen. Soll der Ludwig büßen?“ „Dem Ludwig ist die Freud auch dahin.“ Eben betrat Ludwig das Gemach. „Bringst den Schnellfurter Anzeiger?“ fragte Lisel. „Laß einmal sehen, was drin steht.“ „Vater, wo gehst hin?“ fragte Ludwig. „Das brauchst du nit zu wissen.“ Die Mutter plinkerte dem Vater zu. Aber dem widerstrebte es, C heit durch die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften in Edinburg festlich begangen werden, obwohl es erwiesen ist, daß vier Jahre vor Napier schon der Schweizer Justus Bürgi Logarithmentafeln abgesaßt, es jedoch unterlassen hatte, sie zu veröffentlichen. —— Bunte Chronik. )( Die roten Hosen der französischen Insanterie, die den graublauen weichen sollen, jedoch das Feld noch jahrelang behaupten werden, können Pariser Blättern zufolge auf ein 85jähriges Alter zurückblicken. Im Juli 1820 führte der damalige Kriegsminister die krapprote Hose ein, da sie einen schöne: Anblick gewähre, sich sehr glücklich von dem blauen Nock abhebe und den Soldaten in Reih und Glied größer erscheinen lasse. Außer Gründen der lieben Eitelkeit spielten Sparsamkeitsrücksichten eine Rolle. Das Krapprot, das aus Landes=Erzeugnissen hergestellt wurde, stellte sich billiger, als das bis dahin getragene Blau. ( Ein Priester als Spion verhaftet. In Fontaine=la=Louvet in Normandie wurde der Priester Heurlebout unter dem Verdacht der Spionage zugunsten Deutschlands verhaftet. Der Priester hatte die Bahnhofsanlagen photographiert. Der russische Wundermönch Raspulin ist von der schweren Verletzung, die ihm der Dolchstich einer enttäuschten Frau beibrachte, wieder hergestellt. Seine äußerst kräftige Natur überwand die Krisis, die sonst tödlich ist. Seine Genesung wird von seinen Anhängern als ein komplettes Wunder hingestellt, die Verehrung Naspulins steigt höher und höher. 1 Die Böcke als Gärtner. Aufsehen erregt in Brandenburg a. d. H. die Verhastung eines PolizeiOberassistenten und eines städtischen Botenmeisters. Der Polizelassistent hatte laut„B. T.“ als Vorsteher des Fundbureaus viele Fundsachen im Gesamtwerte von etwa 7000 Mark unterschlagen, der Botenmeister, der seit drei Jahren in städtischen Diensten steht, hat zirka 1800 Mark aus der Portokasse entwendet, —— Letzte Drahtmeldungen. Das Messer! Hamm, 22. Juli. In der Kolonie„Radbod“ kam es gestern abend nach einem Zechgelage zu einer wüsten Schlägerei. Einer der Beteiligten wurde durch einen Dolchstich sofort getötet, ein anderer so schwer verletzt, daß er heute früh gestorben ist. Dio Täter sind bereits verhaftet. weiss und ohne Kruste #weiss und ohne Krusten Pfund 20 Pig. Die Petersburger Trinksprüche. Köln, 22. Juli. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Berlin: Es ist das erprobte Schema der Selbstverständlichkeit, nach dem die Petersburger Trinksprüche zugeschnitten sind. Wenn wir das seststellen, so soll es das Gegenteil von einem Vorwurf bilden. Von der zweistimmigen Betonung der Friedensliebe im Zweibunde wird die Welt gern Notiz nehmen, und sie wird den naheliegenden Gedanken daran knüpfen, daß zur Betätigung der Friedensmission, die beide Regierungen so beredt in Anspruch nehmen, in ihrer Stellungnahme zu dem aktuellen Problem der europäischen Politik in der österreichisch=serbischen Frage die beste Gelegenheit ist. Zugunfälle. Erfurt, 22. Juli. Auf der Strecke Neudientendorf=Ritschenhausen stießen gestern zwei Lokomotiven zusammen. Zwei Lokomotivbeamte wurden schwer und drei leicht verletzt. Der Materialschaden ist erheblich.— Nachmittags um 3 Uhr 3 Minuten stieß der Personenzug 287 auf den vor dem Einfahrtssignal in Gräsenroda haltenden Güterzug D 6847. Hierbei sind zehn Achsen des Güterzuges zur Entgleisung gebracht worden. Eine Frau wurde leicht verletzt. Der Betrieb wurde bis auf weiteres auf beiden Gleisen der Strecke Gräsenroda=Gehlberg gesperrt. Fleischvergiftung. Berlin, 22. Juli. Gestern abend erkrankten neun Italiener, die an einer Hochzeitsfeier im Restaurant einer Brauerei teilnahmen, an Fisch= oder Fleischvergiftung. Zwei sofort herbeigerufene Aerzte des Krankenhauses Friedrichshain übernahmen die Ueberführung ins Krankenhaus. Lebensgefahr besteht nicht. Die Speisenreste wurden beschlagnahmt. Vergiftung durch Kohlenoxydgas. Salzburg, 22. Juli. Die behördliche Obdultion der bei dem Grubenunglück in Böckstein Verunglückten ergab Vergiftung durch Kohlenoxydgas. Das Gas war dem Auspuff eines Benzinmotors entströmt, der infolge eines Versehens des Führers nicht abgestellt und eine halbe Stunde lang leer gelausen war. Wieder ein scheußlicher Lustmord. Ronneburg(Sachsen=Altenburg), 22. Juli. Etwa zehn Minuten von Ronneburg entfernt wurde gestern abend ein scheußliches Verbrechen an der sieben Jahre alten Tochter des Gutsbesitzers Landmann in Grobsdorf verübt. Das Mädchen hatte ihre im Krankenhause liegende Mutter besucht. Auf dem Rückwege wurde das Kind von einem Radfahrer in ein Haserfeld geschleppt, vergewaltigt und ermordet. Von dem Täter fehlt jede Spur. Tödlicher Absturz mit dem Fallschirm. Brüssel, 22. Juli. Aus Anlaß des belgischen Nationalfestes fanden gestern auf dem Flugfelde von Stoeckel Schauflüge statt. Man machte auch Versuche mit einem Fallschirm. Mme. Cayard de Castella wollte den von ihr erfundenen Rettungsapparat den Zuschauern vorführen. Der französische Pilot Chomet nahm Mme Cayard als Passagier auf einem Fluge mit und liez dann seine Begleiterin aus einer Höhe von 690 Metern in die Tiefe stürzen. Aber der unglückselige Apparat öffnete sich nicht. Frau Cayard stürzte wie ein Pfeil zu Boden und blieb vollkommen zerschmettert am Boden liegen. Der Apparat hatte sich bei Vorführungen am vorigen Sonntag gut bewährt. Schweres Eisenbahnunglück. Toulouse, 22. Juli. Zwei Personenzüge sind gestern abend bei Toulouse zusammengestoßen. Vier Wagen wurden zertrümmert. Sechs Reisende wurden getöte:, etwa dreißig verletzt. Die erste Sitzung der Ulsteckonferen z. London, 22. Juli. Die erste S tzung der Ulsterkonferenz, die gestern nachmittag im königlichen Palais stattfand, dauerte 1½ Stunden. Nach einer kurzen Rede begrüßte der König die Konserenz. Alle Enthüllungen aber, die die Konserenz in günstigem oder ungünstigem Sinne erscheinen lassen, beruhen auf Erfindung, da positive Mitteilungen nicht vorliegen. Ein Dämpfer auf die Petersburger Festesfreude. Petersburg, 22. Juli. Die Zeitung„Rjetsch“. gab gestern die Auslassungen des„Temps“ und des „Matin“ über die russische Kriegsmacht wieder und bemerkte dazu, daß diese Auslassungen den deutschen Chaurinisten willkommenen Anlaß für Alarmartikel und Flugschriften gaben. Bei solcher Stimmung, so schreibt das Blatt, kann ein Krieg ebenso leicht ausbrechen, wie ein Waldbrand bei großer Hitze. Leicht entzündbare Stoffe gibt es jetzt zu viel in Europa. Die Hurrapatrioten ziehen es vor, sich in dumm=sentimentalen Lobeserhebungen auf das russisch=französische Bündnis zu ergehen, an die sie selber nicht glauben. Wir aber halten es für angezeigt, zu sagen, daß dem russischen Volke schwer zu Mute ist und daß es an großen Festlichkeiten und Fanfarenklängen keinen Gefallen findet. Auf den gleichen Ton sind die anderen liberalen Blätter gestimmt. Sie besprechen die militaristische Politik Frankreichs im Tone herber Kritik, zumal gerüchtweise verlautet, daß Poincaree Besprechungen mit den euse sishen Staatsmännern über militärische Zukunftspläne gehabt habe. Auch wird mit den militärischen Mänen eine neue Anleihe in Verbindung gebracht. Vom Wochenmarkt. In immer größerer Auswahl erscheinen jetzt die vielhachen Gaben des Sommers an Obst und Gemüse auf dem Markt; auch der heutige Markt war wilder sehr reich beschickt. Die Preise stellten sich in der Hauptsache wie folgt: Blumenkohl 20—35 Pf., Kehlrali 3 Stück 20 Pf., Bohnen Pid. 15—30 Pf., Eibsen Pid. 15—25 Pf., Möhren Bund 15 Pf., Gurken Stück 10—20 Pf., Eurken, weiße, 15—20 Pf., gsoße Bohnen(holl.) 3 Pfd. 20 Pf., hiesige 10 Pf., neue Pälzer Zwiebeln Pfd 20 Pf., Rotkohl Stück 30 Pf., Weißkohl Stück 25 Pf., Wirsing 20—30 Pf., Larto,feln(holl.) 10 Pjd. 60 Pf., Tomaten(holl.) 45 Pf., Birnen Pid. 15—30 Pf., Pfirsiche Psd. 60 lis 70 Pf., Weintrauben 40—60 Pf., Stachelbeeren 20 Pf., Aprikosen 35—40 Pf., Johannisbeeren 20 Piennig, Kirschen 20—40 Pf., blaue Pflaumen 45 Psennig, Bananen 35 Pf., Butter 1.20—1.30 Mk., Eier 11 Stück 1 Mk., Rindfleisch 85 Pf., Schweineleisch 75—90 Pf., ger. Speck 70—80 Pf., Schinkenpeck 1 Mk. Schweinemarkt. Der heutige Schweinemarkt war mit zirka 100 Tieren beschickt. Sechs bis acht Wochen alte Ferkel kosteten 15 Mark, acht bis zehn Wochen alte 20 Mark, ältere Tiere wurden je nach Qualität bezahlt. Der Handel war recht st.ll. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 23. Juli: Wärmer, bedeckt, Regen, schwül, Gewitter. 24. Juli: Warm, wolkig mit Sonnenschein, meist trocken, Gewitter. 25. Juli: Warm, bewölkt, teils heiter, meist trocken. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Eine reizende Neuheit, welche die Kinder spielend Geschicklichkeit erlangen läßt und gleichzeitig Anregung verschafft, erhält auf Wunsch jeder Leser dieser Zeilen kostenfrei von Nestle's Kindermehl=Gesellschaft, Berlin W 57. Es ist dies eine Ausschneidepuppe mit drei verschiedenen. allerliebsten Gewändern, womtt die Kinder sehr gerne und lange spielen. Auf Wunsch wird auch eine Probedose des berühmten Kindermehls umsonst beigefügt. Sanr L. Weinberg. 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Schwerte, Berlin. Wickede, Hagen, Schalke, Dieringhausen, den 20. Juli 1914. Die Beerdigung findet Donnerstag nachnittag 4 Uhr vom Sterbehause, Senningsweg 23, aus statt. Schwerte, Kleppingstr. 7. 4552 Rat und Auskunft über billigste Erledigung von Rechtsangelegenheiten, Entwürfe von Verträgen, insbesondere Mobiliarsicherungs-, Kauf- und Mietverträge; ferner von Testamenten, Schuldscheinen, Bürgschaften, Verpfändungen etc., Anfertigung von Erbauseinandersetzungen, Vermögensverzeichnissen, Gesuchen, Beschwerden Uebernahme von Verwaltungen, Testamentsvollstreckungen, Regelung von Erbschaftssachen, Einziehung von Forderungen. Vermittlung von Haus- und Grundstücksverkäufen, von Darlehen gegen hypothekarische und sonstige Sicherheit, sowie Besorgung von kleineren Darlehen gegen Sicherstellung von Möbeln etc., Abhaltung von Mobiliar-, Holz- und WarenVersteigerungen, Vertretung erstklassiger Hypothekenbanken. Prompte gewissenhafte Erledigung.— Mässiges Honorar. 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Eammag, den 2s. und Senniag, den 20. Jul 1o11 deer Urunung! Freitag, den 24. Juli 1914: Ankündigung des Fistes durch Kanonendonner. Abends 830 Uhr: Großer Zapfenstreich des ganzen Bataillons. Samstag, den 25. Juli 1914: Morgens 6 Uhr: Weckruf und Kanonendonner. Morgens 7 Uhr: Anireien der Kompagnien bei ihren Hauplleuten. 7½ Uhr: Große Parade auf dem Postplatze. Abholen des Königs. Paradeaufstellung. Festzug durch die Stadt zum Schützenhofe. Beginn des Königs= und Preisschießens. Während desselben: Mittags 12½ Uhr: Gemeinschaftliches Mittagessen u. Konzerl. 2 Uhr: Fortsetzung des Schießens. 3 Uhr: Beginn des großen Festkonzertes. Nach erfolgtem Königsschuß: Krönung des neuen Königs Auszeichnung der besten Schützen. Große Königs=Parade. Abends 8½ Uhr: Beginn des Fest=Balles. Sonntag, den 26. Juli 1914: Festzug Vormitlags 11 Uhr:! Große Wacht=Parade bei Central=Hotel Sternberg. Nachmittags 3 Uhr: Antreien der Kompagnien bei ihren Hauptleuten. 3½ Uhr: Abholen des neuen Königspaares. durch die Stadt zum Schützenhofe. Nach Eintreffen des Festzuges: Großes Konzert. Abends 8½ Uhr: = Fest=Ball.= Die Musik wird ausgeführt von der Kapelle des Rheinischen Jäger=Bataillons Nr. 6 aus Schleitstadt unter persönlicher Leitung des Musikmeisters Pfrieme. Ein'rittegeld für Fremde für jeden Tag: Konzert 50 Pfg., Ball 1.50 Mk., Konzert und Ball 1.75 Mk., Festkarte(gultig für das ganze Fest) 3.— Mk., Damen können zum Ball frei eingeführt werden— Vorübergehend in Schwerte wohnende Personen zahlen die Eintrittspreise wie Fremde.— Einheimische über 18 Jahre alte männliche Personen können zu dem Feste(Konzert und Ball) nur zugelassen werden, sosern sie Mitglieder des Vereins sind. Familien=Angehörige der Mitglieder haben, wenn eingeführt, mit Ausnahme der über 18 Jahre allen männlichen Personen freien Zutritt. Kinder unter 16 Jahren dürsen an dem Ball nicht teilnehmen.— Der Zutritt zum Festplatze ist für jedermann völlig frei.— Die Eintrittskarten sind sichtbar zu tragen.— Das Belegen der Tische und Stühle ist nicht gestattet. Schwerke, im Juli 1914. Der Vorstank! Heule Millwoch AbendWinderung Ebberg Rettelmühle. Abmarsch 8¼ Uhr vom Kaiserhof. Abendwanderungen jeden Mittwoch. Abmarsch immer 8¼ Uhr vom Kaiserhof 6045 Gesund! Nahrhast empfiehlt stets frisch #! Wilhelm Brauckhoff, #so3s Westenstraße 6. Schmackhaft! Eisenstark" doppelte Knie, Spitzen und Fersen, das Beste im Tragen.#“ -Samenfrah. " Herren=Socen enorm billig. Gebr. Stein, Tapeten! Naturell-Tapeten von 10 Pf. an Gold-Tapeten von 20 Pf. an inden schönsten u. neuesten Nustern. Man verlange kostenfrei Musterbuch Nr. 276. Gebrüder Ziegler, Lüneburg. Freiwillige Feuerwebr Schwerse. Donnerslag, den 23. cr., abends 8 Uhr Urdung. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen wird dringend gebeten. 5040 Der Oberbrandmeister. 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