Amtliches Kreisblatt tr den Kreis worene Do Sdmuim Zehune: nichan uanch außer Feiertags. Bezugspreis M. F. 80 vierteljährlich, dei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Iklustrierter Famillenfreund“ v. tögl. Unterdaltungsdiatt. Anzeigenpreis: Die siedengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pig., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Radatt gilt als Kassaraball u. ertlicht bei Honaussen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Rotrnchnad ermacht-Setltetsteree Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Verbunden mit: Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Gerbanden mit? schwerter Dolbszeltung Schwerter Volksblan Schwerker Cageblatt S Schwerter Anzeiger Grlles und älteltes Cagesergan des Krelles o Geperal-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt- Annoncenblatt uie dene und ibeenbgrichn Nurnd nungen für den Arets Hörbe erlangen gumag Bekanngnochung der Abalglichre Regierung durch Verössentlichung io de:„Schwerter Zeitung" rechtsverdindliche Arost.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt ihren Abensen. in für jeden mit Tod endeuben Unfen 300 Mk. Unsall: Dauch u. Verlage. Con Dom. Schounu=Nate ratk.- Sim-eün choschrucer! Nr. 162. Dienstag, den 14. Juli 1914. 46 Jahrgang. Erstes Blatt. Serben und Oesterreicher. Serbiens Erregung um Hartwigs Tod kennt keine Grenzen. In Belgrad hieß es, daß ein Attentat auf die österreichische Gesandtschaft, in deren Räumen der plötzliche Tod des russischen Staatsmannes erfolgte, geplant worden und die Ausführung des Planes nur deshalb unterblieben sei, weil der österreichsche Gesandte von Giesel sich um Schutz an die serbische Regierung mit dem Bemerken gewandt hatte, er werde Serbien für jeden Angriff auf die Gesandtschaft verantwortlich machen. Ministerpräsident Paschitsch erwiderte dem Gesandten, daß er alle Maßnahmen getrossen habe, um eventuelle feindselige Kundgebungen zu verhindern. Eine Panik in der österreichisch=ungarischen Kolonie zu Belgrad brach auf die Gerüchte aus, daß die Serben wegen der Verfolgung ihrer Brüder in Bosnien und namentlich in Serajewo an den in Serbien lebenden Oesterreichern und Ungarn Vergeltung üben wollten. Für die Nacht zum Montag erwartete man mit großer Bestimmtheit einen allgemeinen Angriff. Die Besorgnis vor einem Ueberfall war so groß, daß viele Familien sich nach Semlin flüchteten und dort in Sicherheit brachten. Andere suchten auf der österreichischen Gesandtschaft Zuflucht. Die Nacht verlief jedoch vollkommen ruhig, die Behörden erklärten, daß zu Besorgnissen keinerlei Anlaß vorliege. Der russische Gesandte von Hartwig wird in Belgrad begraben, wo die feierliche Beisetzung mit militärischen Ehren am heutigen Dienstag erfolgt. Die Leiche hätte eigentlich nach Petersburg übergeführt werden müssen. Mit der Genehmigung der Bitte, die Beisetzung auf Staatskosten in Belgrad zu vollziehen, hat Rußland dem befreundeten Serbien, das seinen einflußreichsten Freund und Vertreter am Zarenhose auch im Tode bei sich haben wollte, großes Entgegenkommen bewiesen. tritt der bekannte Bismarck=Forscher Horst Kohl in einem Aufruf an die Oeffentlichkeit mit warmen Worten ein.„Der Deutsche Kaiser“, so schreibt er u. a.,„hat seiner deutschnationalen Gesinnung Ausdruck gegeben, indem er dem größten Schiff, das bisher auf deutschen Werften gebaut wurde, den Namen Bismarck gab, damit es mik dem Namen des größten Mannes unserer Nation der Welt die Macht des unter Kaiser und Reich geeinigten Deutschland verkünde. Er hat sich damit an die Spitze des deutschen Volkes gestellt und ihm die Bahn zu einer nationalen Gedenkfeier großen Stils frei gemacht.“ Der Wehrbeitrag im Großherzogtum Sachsen. Die Veranlagung des Wehrbeitrages ist nunmehr bis auf wenige Ausnahmen in sämtlichen Bezirken des Großherzogtums durchgeführt. Die Gesamtsumme der bisher im Großherzogtum Weimar veranlagten Wehrbeiträge beziffert sich nach Mitteilung des Finanzministers auf 4 820000 Mart. Darunter haben Weimar 1130000, Jena 940 000, Eisenach 767.000 und Apolda 289000 Mark Beitrag geleistet. Der 4. Reichsdeutsche Mittelstandstag soll Mitte oder Ende September in Essen abgehalten werden. Der endgültige Zeitpunkt der Tagung wird von dm Landesausschusse für Rheinland und Westsalen demnächst festgesetzt werden. Folgende Themata sollen u. a. behandelt werden: Die Aufstellung eines umsassenden Wirtschaftsprogramms für den Mittelstand; Mittelstandsbewegung und Menschentum (Vortrag des Bürgermeisters Dr. Eberle, Rossen); Wirtschaftliche Gemeinschaftsarbeit im Handwerk; Die wirtschaftliche Lage der kleineren und mittleren Brauereien; Der Aufbau der Organisation des Reichsdeutschen Mittelstands=Verbandes. In einer besonderen Versammlung aller beteiligten gewerblichen Verbände soll die Frage der Staats= und Stadtkonkurrenz erörtert werden. Politische Uebersicht. Peinz Adalbert, der dritte noch unvermählte Sohn des Kaiserpaares, vollendet am heutigen Dienstag sein 30. Lebensjahr. Außer dem Marineprinzen hat nur der jüngste Kaisersohn, der 23jährige Prinz Joachim, sein Herz noch nicht verschenkt. Prinz Oskar ist verlobt, der Kronprinz, Eitel Friedrich und Prinz August Wilhelm sind längst vermählt. Es heißt, Prinz Adalbert wolle ledig bleiben. Eine Nevision der Dienstvorschriften für die Polizei in Preußen hat der Minister des Innern angeordnet. Es soll hierbei laut„Tag“ die Beseitigung von veralteten und ungeeigneten Dienstvorschriften für die Polizei erfolgen. Insbesondere auch sollen jene Verbote, die die Bewegungsfreiheit der Schutzleute im Privatleben einengen, nach Möglichkeit aufgehoben werden. Eine Besserung der Beziehungen Englands zu Deutschland ist tatsächlich hergestellt. Der englische Minister des Auswärtigen Grey, der gleich dem Marineminister Churchill früher mit dem Gedanken der allgemeinen Rüstungseinschränkung spielte, hat sich eines Besseren besonnen. Er gibt zu, daß Vorschläge zu solcher Einschränkung von den fremde Mächren, an die man sie richtete, nicht ohne Grund als ein Versuch betrachtet würden, ihre Selbständigkeit einzuschränken und ihre Handlungsfreiheit zu kontrollieren. Daher würde England mit derartigen Vorschlägen nicht mehr hervortreten. Wenn die Kosten für die Verstärkung der Wehrmacht bis zur Unorträglichkeit angeschwollen wären, würden alle Staaten wohl oder übel sich Beschränkung auferlegen. Diese Worte des Herrn Grey sind weit offener und ehrlicher als seine früheren Versuche, Deutschland auf den Leim zu lochen, und daher als eine Bestätigung der Besserung in den deutsch=englischen Beziehungen willkommen zu heißen. Für eine Bismarck=Gedenkseier großen Stils anläßlich des 100. Geburtstages des großen Kanzlers Frankreich. Exkaiserin Eugenie in Fontainebleau. Die im 89. Lebensjahre stehende frühere französische Kaiserin Eugenie stattete dem Schlosse von Fontainebleau, in dem Napoleon 1. im Jahre 1814 seine Abdankung unterzeichnet und in dem sie als Kaiserin selber residiert hatte, einen Besuch ab. Die Kaiserin besichtigte sämtliche Gemächer; sie war tief ergrifsen und konnte ihre begreifliche Erregung nur mit Mühe meistern. Frankreichs einzige Sorge. In der Heereskommission des Senats behauptete der Berichterstatter, daß die einmaligen Aufwendungen für Heeres= und Marinezwecke trotz ihrer beispiellosen Größe doch nicht ausreichen würden, um die Stärke Deutschlands zu erlangen. Deutschland werde auch bei seiner vorjährigen kolossalen Anstrengung noch nicht Halt machen, da ihm sein Menschenreichtum noch erheblich stärkere Rüstungen gestatte, und Frankreich werde folgen. Der Redner beantragte die Dringlichkeit der Rüstungskredite und ersuchte den Kriegsminister, sofort mit neuen Forderungen an das Parlament heranzutreten, wenn sie sich als nötig erweisen sollten. Andernfalls seien der Frieden und die Unverletzlichkeit des französischen Bodens bedroht. England. Die Bewegung im Ulstergebiet. Die UlsterNebellen legen eine große Rührigkeit an den Tag und sind bemüht, ihre militärische Ausbildung auf einen möglichst hohen Stand zu bringen. Wie aus Belsast gemeldet wird, wurde gestern von dem aus Ulstersreiwilligen gebildeten Süd=Belfaster Regiment eine neue interessante militärische Uebung ausgeführt, indem zwei Bataillone in voller Ausrüstung auf Automobilen nach dem Lager von Ballywalter befördert wurden. Ruhland. Mißernte und drohende Hungersnot in Rußland. Die russische Regierung ist stark beunruhigt durch die andauernden Hiobsposten über Mißernte; in verschiedenen Teilen des Reiches soll eine Hungersnot drohen. Eine allgemeine Mißernte ist für das vom Landbau lebende Rußland eine Katastrophe. Mißernten hatten in Rußland gewöhnlich auch innere Unruhen und das Anwachsen der revolutionären Gefahr zur Folge. Und für die Staatskassen macht sich die Mißernte sehr unangenehm fühlbar. Italien. Verstärkung der italienischen Armee. Ein gestern veröffentlichtes Dekret ruft die Jahresklasse 1891 unter die Fahnen. Die Einberufung hängt mit dem von der Regierung schon seit einiger Zeit gehegten Plane, den Friedensstand der Armee vorübergehend zu erhöhen, zusammen. Ob die Maßregel mit dem drohenden Eisenbahnerstreik oder mit den Balkan=Ereignissen in Verbindung steht, darüber sei Zuverlässiges bisher noch nicht zu erfahren gewesen. Spanien. Das spanische Parlament wurde nach dreimonatiger Tagung geschlossen. Die endlose Erörterung der Marokkofrage zeigte, daß das AfrikaAbenteuer unpopulär ist und bleibt. Die Vorlage über die Flotten=Neubauten ist infolge des zähen Widerstandes der Nepublikaner und eines Teiles der Liberalen nicht erledigt worden. Trotzdem wird die Regierung im Herbst daraus eine Kabinettsfrage machen, da der König die Erledigung der Vorlage fordert. Mexiko. Ueber die Räumung von Guaymas durch die Bundestruppen wird noch gemeldet: Der Befehlshaber der Konstitutionalisten wurde ermächtigt, einen Wafsenstillstand zu gewähren, bis die Bundestruppen die Stadt auf dem Wasserwege verlassen hätten. Der Zweck dieses Zugeständnisses war, das Eigentum der Nichtkombattanten zu retten und ein unnötiges Gemetzel zu verhüten. Carranza gab seine Ermächtigung zu der sofortigen Errichtung einer Stadtbehörde. Wie verlautet, haben die amerikanischen Flottenkommandanten den Wassenstillstand garantiert und auch versprochen, daß die Kanonenboote der Bundesregierung in Zukunft die neu eingesetzte Konstitutionalisten=Garnison nicht bombardieren werden. China. Die dritte Revolution in China. Die dritte Revolution hat begonnen. In Hankau bildeten die Revolutionäre eine regelrechte Kriegsmacht, mit der sich 50000 Mann regulärer Truppen unter der Bezeichnung„dvitte chinesische Revolution" vereinigten. Es werden täglich weitere Freiwillige angeworben. Man erwartet, daß die kriegerische Aktion demnächst ihren Anfang nehmen wird. narchentreue.„Während andere Völker für uns ein gutes Vorbild sind, üben die„sympathischen“ Franzosen eine geistige Zersetzung auf uns aus, und je populärer ihre Boten bei uns werden, um so schneller wächst unser innerer Verfall.“ An Deutlichkeit läßt die Ansicht dieses Mannes nichts zu wünschen übrig. Die Reise Poincarees nach Rußland wirst ihre Schatten voraus, aber, so wird der „Deutschen Orient=Korrespondenz“ aus Petersburg geschrieben, Licht und Schatten sind sehr ungleichmäßig verteilt, und die wenigen Lichtblicke werden von den häßlichen Schattenflecken schier erdrückt. Für die 400 000 Franken, die für die Reife benötigt werden, stimmten in der französischen Kammer 128 Stimmen; 106 Abgeordnete waren den Meinung, der Präsident möge lieber zu Hause bleiben. Der Abgeordnete Jaurés hat eine geharnischte Philippika gegen diese Reise in der Kammer losgelassen und gesagt, er sei nicht so sehr gegen den Besuch Rußlands, als gegen den Besuch des Zaren. Auch hier in Petersburg, fährt der Bericht fort, sieht man dem Besuch mit teilweise sehr gemischten Gefühlen entgegen, was eine Aeußerung des Chefredakteurs des„Semschtschina", S. Glinka, klar zutage treten läßt. Der Artikelschreiber schlägt außerordentlich scharse Töne an und dokumentiert sich auch diesmal wieder, wie bei jeder Gelegenheit, als ein erbitterter Gegner des Bündnisses. Nachdem der Autor alle möglichen Argumente gegen den Besuch ins Treffen geführt, meint er am Schlusse seines Artikels, daß Frankreich Rußland aus geistigem Gebiete schlecht boeinflusse. Nach dem Vorbilde Frankreichs hetze jetzt auch schon die russische Intelligenz gegen Gott und den Zaren. Es sei überhaupt ein Fehler, mit„sympathischen“ Völkern ein Bündnis abzuschließen. Man müsse das mit einem Staat tun, der nicht sympathisch sei, der dafür aber Achtung einflöße, und zwar durch seine Charakier= festigkeit, seinen Gottesglauden und seine MoDie Lage in Albanien. Obwohl die Lage nach außen hin unverändert erscheint, ja infolge der Fortschritte der Nord=Epiroten, die Berat einnahmen und Vakona bedrohen, sich noch verschlechtert hat, hält man in der gebung des Fürsten doch noch an der Hoffnung fest, daß dieser sich werde behaupten können. Der albanische Ministerpräsident Turkhan Pascha, der nach seinem Petersburger Besuche am Montag mit den leitenden Berliner Persönlichkeiten konserierte, sprach sich recht zuversichtlich aus. Er erklärb:, Fürst Wilhelm wäre heute noch in der Lage, seine Stellung zu befestigen, wenn ihm die Großmächte, insonderheit aber Oesterreich und Italien, ihre Unterstützung liehen. Die Meldung von lebhaften Sympathie=Kundgebungen für den Fürsten durch vierzig Vertreter Nord=, Mittel= und Süd=Albaniens, unter denen sich auch der samose Prenk Bibdoda besunden haben soll, erfuhren bisher keine Bestätigung. Von den Albanesenführern hat der Fürst, wie männiglich bekannt, auch nur so lange Unterstützung zu erwarten, als er hohe Löhnungen zahlen kann. Jenseits des Geldbeutels hört die Vaterlandsliebe der Wackeren auf. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 14. Juli. **(Die Kornernte) in unserer Feldmark hat begonnen, und zwar ist es die Gerste, deren reise Halme unter der scharsen Sense fielen. Die Reise des Roggens hat infolge der Hitze der letzten Tage derartige Fortschritte gemacht, daß die alte westsälische Bauernregel, nach der auf St. Jakobus— 25. Juli— der erste Roggen in Stiegen steht, in diesem Jahre zweifellos zutrefsen wird. *(Der Obstreichtum dieses Jahres.) Aus allen Gegenden unseres engeren Vaterlandes, wie auch aus den Hauptgebieten der Obstkultur, gelangen an uns Nachrichten über den außerordentlich günstigen Stand der Obstfrüchte in diesem Jahre. Ein günstiger Zusall verhinderte es in den meisten der in Betracht kommenden Gegenden, daß die diesjährige Obstblüte wesentlich durch Nachtfröste oder Hagelschlag geschädigt wurde. Die halb warme, halb regnerische Witterung im südlichen Europa war dem Gedeihen des Obstes außerordentlich günstig, und so deuten denn alle Anzeichen darauf hin, daß Obst in diesem Herbst in weitaus reichlicheren und besseren Mengen auf den Markt kommen wird, wie es in den vergangenen Jahren der Fall sein konnte. Das wird naturgemäß auch ein Sinken der durchschnittlichen Obstpreise zur Folge haben, was wohl im Interesse des gesundheitlich außerordentlich nützlichen Obstgenusses nur zu würichen f.. Gereimarlschei. **(Achtung! Falsche Hunvertmurtscheine!) Seit kurzem sind Nachbildungen der alten Reichsbanknoten zu 100 Mark in Umlauf gebracht worden, die insbesondere daran zu erkennen sind, daß sie auf der linken Hälfte der Schriftseite an Stelle der auf den echten Noten stark in die Augen fallenden zirka drei Finger breiten roten Faserung eine nur leichte rötliche Tönung aufweisen und entweder ganz kurze, leicht ablösbare Faserchen oder aber Stellen zeigen, auf denen solche kleinen Faserchen gesessen haben. Ferner ist die bedruckte Seite von Nahmenleiste zu Rahmenleiste auf beiden Seiten der Fälschung in der Breite von drei bis vier Millimeter kürzer, als auf den echten Noten. Das Reichsbank=Direktorium verspricht dem, der zuerst den Verfertiger oder wissentlichen Verbreiter dieser Noten nachweist, eine Belohnung von 3000 Mark, die unter Umständen noch erhöht werden sol. **(Schwindel.) Seit längerer Zeit wird in deutschen Tageszeitungen und Zeitschriften unter dem Namen Sargol ein Präparat als„bestes Nähr. mittel für Magere und Schwach:“ angepriesen, das eine an das Wunderbare grenzende Wirkung auf die Erlangung schöner runder Körperformen haben soll. Es wird aber amtlich davor gewarnt, da das teure und schlechtr Zeug reiner Schwindel ist. **(Der Provinzialausschuß) wird nach einer im Landeshause zu Münster heute vormittag stattsindendeen Sitzung eine Besichtigungsreise unternehmen, welche die Teilnehmer abends nach Hagen und am andern Tag nach Hohensyburg führen wird, dort werden die Erweiterungsarbeiten in Augenschein genommen. Nach dem Mittagessen in der Burgwirtschaft erfolgt nachmittags gegen 4 Uhr die Rückfahrt nach Hagen über Wittbräucke. Unterwegs wird, einer Einladung des Provinzial=Landtagsabgeordneten Geh. Kommerzienrats. Müser folgend, Haus Ende besucht. Am nächsten Morgen, den 16. d. M., gegen 10 Uhr. fahren die Ausschußmitglieder mit der Eisenbahn von Hagen nach Soest und von dort aus mit der Ruhr=Lippe=Kleinbahn über Niederense=Himmelpjorten zur Talsperre. Ankunft dort gegen 12½ Uhr. Nach Besichtigung der Sperre und der Provinzialstraßen=Verlegung wird gegen 2 Uhr im Hotel Seehof das Mittagessen eingenommen. Danach werden die Reiseteilnehmer eine Motorfahrt nach Wamel antreten, daselbst den Umbau des Bahnhofs Wamel der Westfälischen LandesEisenbahn besichtigen und gegen 5 Uhr nach Soest zurückreisen, von wo aus die Heimreise angetreten wird. z Jlausf **(Falsche Fünsmarkstucke) sind im Umlauf. Sie tragen das Münzzeichen J, die Jahreszahl 1875 und das Hoheitszeichen der freien Reichs= und Hansestadt Hamburg. Die Legierung ist mangelhast und gibt der Münze eine matte Bleifarbe. Prägung und Klang der Münzen sind gut; dagegen wiegt das Falschstück sechs Gramm weniger. Die Größe entspricht den echten Münzen. **(Das Abkochen im Walde strafbar.) Das Kultusministerium hat eine Versügung erlassen, in der die Schuldeputationen und Kreisschulinspektoren darauf hingewiesen werden, daß das Feueranzünden nach§ 44 des Feld= und Forstpolizeigesetzes und nach§ 368 des St.=G.=B. strafbar ist. Die Forstbeamten seien angewiesen, dem Verbot des Feueranzündens im Walde nachdrücklichst Geltung zu verschaffen. Alle Lehrpersonen sollen die Kinder auf diese Bestimmung ausmerksam machen und besonders darauf hinweisen, daß die Angehörigen für etwaige Schäden haftbar gemacht werden. **(Erlöschung der Maul= und Klauenseuche.) Nachdem die unter dem Rindviehbestande der Wwe. Stratmann an der Hörder Straße ausgebrochene Maul= und Klauenseuche erloschen ist, werden die angeordneten Sperrmaßnahmen ausgehoben. Am Mittwoch kann daher auch der Schweine markt wieder abgehalten werden. **(Freier Sonnabendnachmietag.) Dem Reichstage ist eine Eingabe der deutschen Gewerkvereine zugegangen, in der beantragt wird, auf gesetzlicher Grundlage für alle Arbeiterinnen einen freien Sonnabend nachmittag einzuführen. Diese Frage wird auch den im September in Bern tagenden internationalen Kongreß für gesetzlichen Arbeiterschutz beschäftigen. **(Evangelisches Volksbureau.) Am morgigen Mittwoch findet wieder zur gewohnten Stunde von 9½—12 Uhr Uhr im Lokale des Herrn Müller am alten Nathaus eine öffentliche Sprechstunde des Evangelischen Volksbureaus statt. Die gemeinnützige, auf Veranlassung des evangelischen Arbeiter= und Bürgervereins geschaffene Einrichlung erfreut sich fortgesetzt eines starken Zuspruches, weshalb um recht frühzeitiges Kommen gebeten wird. **(Blitzschlag.) Bei dem gestern nachmittag über unsere Gegend sich entladenden Gewitter wurde das Haus des Herrn Büscher an der Hüsingstraße von einem sogenannten kalten Schlage getrofsen; ein Kamin wurde ziemlich erheblich beschädigt.— Während hier verhältnismäßig wenig Regen fiel, ging im benachbarten Kalthof ein Wolkenbruch nieder, der in den Gärten und Feldern großen Schaden anrichtete. **(Zu dem Kindesmord in Holzen) sei noch mit** Holzen, 13. Juli.(Feuerwehr.) In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde auf Antrag der Feuerwehr die Anschaffung von 150 Metern Schlauchleitung und Ausstellung eines Standrohres im Ortsteil Nosen beschlossen. ** Holzen, 14. Juli.(Gefaßte Moro buben.) Die seit 1912 von der Staatsanwaltschaft in Dortmund wegen Mordes gesuchten Erdirbeiter Mathias Bocuwinski, Thomas Milius, Staneck Milius und Iwo Jowic wurden gestern nachmittag von den Fußgendarmerie=Wachtmeistern Lacour=Westhofen und Trottner=Schwerte hier auf einer Baustelle, wo sie beschäftigt waren, verhaftet und der Polizeirerwaltung in Westhohen zugeführt. Sie werden beschuldigt, am 12. Februar 1913 den Arbeiter Karl Fabian in Körbecke(Kreis Soest) erstochen zu haben. Bucowinski, ein 19jähriger Kroate, soll der Haupttäter sein; er, sowie seine Mitangeklagten streiten alles ab und wollen von der Mordtat nichts wissen. Ein Kroate hat sie verraten. Buccwinsli ist in Körbecke und auch in Hüsten sehr bekannt, da er immer bei Messerstechereien und Schlägereien die Hauptrolle spielte. Trotzdem eine höhere Belohnung auf die Ergreisung der Täter ausgesetzt war, konnten sie bisher nicht ermittelt werden, weil sie unter falschem Namen gingen. Am Freitag sind sie in Körbecke gewesen, woselbst sie von verschiedenen Arbeitern wiedererkannt worden sind. Einer hatte bei seiner Festnahme ein Dolchmesser noch bei sich.— Sie wurden dem Amtsgericht Schwerte zugeführt. r. Höchsten, 13. Juli.(Ein gemeingefährlicher Bursche) scheint der Bergmann Wilhelm N. vom Höchsten zu sein. Am 1. April begegnete er auf der Landstraße der 26jährigen Schwester seiner Braut und verlangte von dem Mädchen einen Kuß und sonst noch allerlei. Als dieses sich wehrte, stieß er es wiederholt zu Boden und versuchte ihm ein Tuch in den Mund zu stecken. Das Mädchen widersetzte sich aber und lief davon. Da N. wegen eines gleichen Vergehens bereits vorbestraft ist, so beantragte der Staatsanwalt vor der Hagener Strafkammer zwei Jahre Gesängnis. Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die Vorstrafe und die rohe Art und Weise des Vorgehens auf neun Monate Gesängnis unter sofortiger Verhaftung. ** Höchsten, 13. Juli.(Elektrische Ener gie.) Von verschiedenen Eingesessenen der Ortsteile Höchsten und Sommerberg in der Gemeinde Holzen wurde an das Westsälische Verbands=Elektrizitätswerk A.=G. in Dortmund eine Eingabe gerichtet wegen Bezuges von elektr. Licht und Kraft. Das Projekt dieser Anlage läßt sich sehr leicht ausführen, en bereits die elektrische Leitungsanlage bis zur Besitzung H. Eckhardt zu Höchsten führt. Anschließend an den Ortsteil Sommerberg liegt der Ortsteil Berghosermark, wo sich auch noch eine größere Anzahl der Einwohner an dem Bezug von Licht und Kraft beteiligen wollen. Die Direktion des Elektrizitätswerkes will nun einen Beamten zwecks Einholung von Anmeldungen nach dort beordern und auf Grund derselben ein Projekt ausarbeiten. ** Schüren, 13. Juli.(Beim Krebsefan genertrunken.) Einen plötzlichen Tod sand in der Nacht zum Sonntag der Bergmann Johann Balpelek aus der Kolonie. Er wollte in dem Teiche auf dem Kaiserberge Krebse fangen und ist zu diesem Zwecke, wie es heißt, in den Teich gesprungen. Wahrscheinlich hat er infolge der plötzlichen Ablühlung einen Herzschlag erlitten. Der auf so traurige Weise Verunglückte hinterläßt eine Witwe mit vier Kindern. Die Kaiserparade in Münster. Die Kaiserparade am Samstag den 5. September vor Münster wird ein großartiges militärisches Schauspiel werden; der Kaiser nimmt früh 10 Uhr eine Parade über das gesamte 7. Armeekorps ab. Die Gesamtzahl der in zwei Treffen stehenden Truppen stellt sich in Kriegsstärke auf etwa 40 000 (Zu dem Kindesmord in Holzen) sei noch mit= Mann. Die Parade wird besehligt vom General geteilt, daß die Mutter, das Dienstmädchen Martha] der Kavallerie von Einem, kommandierenden GeneStark, mit voller Ueberlegung die grausige Tat ausgeführt hat. Sie hat dem kleinen Wesen einen Streisen, den sie aus ihrem Hemd gerissen, um den Hals gelegt und das Kind dann erdrosselt. Nach den ersten Mitteilungen konnte man annehmen, daß es sich um fahrlässige Tötung gehandelt habc. **(Ausklang vom Schützenfest der Schwerterheide.) König Wilhelm hatte für gestern nachmittag seine getreuen Untertanen nochmals bei sich zu Gaste geladen, und außerordentlich zahlreich war dieser Einladung gefolgt worden. Unter den schattigen Bäumen des großen Obstgartens neben dem Königlichen Palais entwickelte sich bei Liedersang und Becherklang ein sröhliches Lagerleben. Im Laufe des Abends wurden die letzten Reste des stolzen Königsvogels, den Herr Krumme am Samstag mit sicherer Hand zur Strecke gebracht, seierlich dem Flammentode übergeben, später dann vor der Front des Regiments die Beförderung des Herrn Obersten Weiher zum Generalmajor bekannt gegeben, und erst zu ziemlich vorgerückter Stunde traten die letzten Gäste den Heimweg an, um nach den schönen Tagen des Festes heute mit neuen Kräften die Arbeit wieder aufzunehmen. r.(Verworfene Berufung.) Die Berusung des Heimarbeiters Heinrich W. von hier gegen ein Schössenurteil, das ihn wegen Beleidigung und Bedrohung zu 75 Mark Geldstrafe verurteilt hatte, wurde als unbegründet von der Hagener Strafkammer verworfen. ral des 7. Armeekorps. In Begleitung des Kaisers werden sich befinden die Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, Prinz Eitel Friedrich mit Gemahlin, Prinz August Wilhelm mit Gemahlin, Prinz Oskar und Prinz Joachim, Ernst August, Herzog von Braunschweig mit Gemahlin, Friedrich August von Waldeck, Adolf, Fürst von Schaumburg= Lippe, Leopold IV., Fürst von Lippe. Von fremden Fürstlichkeiten, die Chess einzelner Regimenter sind, werden erwartet der König von Griechenland, die Königin der Niederlande mit Prinzgemahl, der Prinz von Wales. Im Gefolge befinden sich u. a. Generalseldmarschall Graf Haeseler, der Chef des Großen Generalstabes von Moltke, der General= inspektor der 3. Armci=Inspektion Generaloberst von Bülow, der Kriegsminister von Falkenhayn, das große Hauptquartier, die diensttuenden Generaladjutanten und etwa 50 fremdherrliche Offiziere als Gäste des Kaisers. Auf Anordnung des Königl.= Ceneralkommandos wird auf dem Paradeplatz eine Zuschauertribüne errichtet, auf der auch die Spitzen der Zivilbehörden, sowie die Damen der in Parade stehenden Offiziere ihre Plätze einnehmen. Unmittelbar vor der Tribüne nehmen die Majestäten, die fürstlichen Gäste und das Gesolge Aufstellung. Der Parademarsch der Truppen erfolgt vor der Tribüne in der Richtung von West nach Ost. Das Paradefeld wird durch Drahtzaun und Postenkette abgeigerr:. Westfalen und Rheinland. Dortmund, 13. Juli.(Belohnung.) I den letzten Monaten sind von den Freileitungen des Dortmunder Elektrizitätswerks wiederholt große Mengen Kupferdraht abgeschnitten und gestohlen worden. Da die Nachforschungen nach den Dieb und dem Verbleib des gestohlenen Drahtes bisher erfolglos waren, setzte das Elektrizitätswerk neuerdings eine Belohnungsvon 500 Mark auf die Namhaftmachung der Täter aus. Arusberg, 13. Juli.(Neues Regie rungsgebäude.) Der Minister des Innern hat d:: Königliche Regierung benachrichtig, zu veranlassen, daß zwecks Neubaues des Regierungsge, bäudes der Ankauf des Grundstückes unterhalb des Lehrerinnenseminars durch die Stadt zu bewerkstelligen sei. Das Grundstück, dem Grasen von Fürsteuberg=Herdringen gehörig, hat sich die Stadt im Vorlaufsrecht zu 134 000 Mark gesichert. * Arnsberg, 13. Juli.(Unterschlagung.) Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich heute der Wirt und Bäcker Dirks aus Allagen zu verantworten, welcher als Rendant des Spar= und Darleynskassen=Vereins, e. G. m. b. H., 70000 Mark unterschlagen hat. Zehn Jahre hindurch sälscht Dirks etwa 100 Unterschriften. Bei Rückzahlungen sälschte er die Zahlen auf der Quittung oder er sälschte Rückzahlungen. Außergewöhnliche Revisionen sanden überhaupt nicht statt. Außer den Unterschlagungen hat er sein Konto um 50 000 Mark überschritten, was ihm nachträglich bewilligt wurde. Dirks wurde zu 3½ Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Strafmildernd wirkte die nachlässige Aussicht. Olsberg, 13. Juli.(Zehn PfennigKurtaxe.) Nach einem Beschluß der Gemeindevertretung werden hier jetzt zehn Psennig tägliche Kurtaxe für jede Person erhoben. Der aufgekommene Betrag soll zur Hebung des Fremdenverkehrs verwandt werden. * Finnentrop, 13. Juli.(Todessturz.) Der Klempnermeister Pseiffer aus dem nahen Bamenohl stürzte bei Ausübung seines Beruses so unglücklich aus beträchtlicher Höhe ab, daß er schwere innere Verletzungen dabei abtrug und kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus starb. Milspe, 13. Juli.(Eine unglaubliche Verdorbenheit) legte der Gelegenheitsarbeitre Bornscheuer, der von seinem Schwager zerlumpt und zerrissen aus Enade und Barmherzigkeit auf genommen war, an den Tag. Er verging sich an seiner eigenen verheirateten Schwester. Die Hagener Strafkammer verurteilte ihn zu sieben Monaten Gefängnis. Wie man hört, soll sich Bornschzeuer demnächst wegen eines an seinem Schwager verübten Geftmordrersuches zu verantworten haben. * Esborn, 13. Juli.(Zu der Verhaftung des Mörders Aug. Degenhardt) werden noch eine Reihe von Elnzelheiten gemeldet, die sich allerdings zum Teil erheblich widersprechen. Daß der Täter die ganzen Tage über, wie er behauptet, sich im Keller versteckt gehalten habe, wird immer noch bezweifelt, zumal das Haus wiederholt eingehend besichtigt worden ist. Es verlautet, daß Degenhardt nach der Tat zunächst nach Essen gefahren sei, wo sein Bruder Polizeibeamter ist. Erst als ihm dort der Boden zu heiß wurde, sei er an den Ort der Tat zurückgekehrt und habe sich im Keller versteckt. Der Augenschein zeigte, daß der Mörder allerdings halb verhungert war; er vermochte sich kaum auf den Beinen zu halten und slehte bei seiner Entdeckung zunächst um ein Stück Brot, das ihm auch gereicht wurde. * Buer, 13. Juli.(Zu Tode geschleift.) Als der 77jährige Kötter Joh. Eckhard aus BuerBeckhausen mit seinem Gespann Kohlen von der Zeche holen wollte, nurde sein Gespann von einem Fuhrwerk angefahren. Durch den Anprall stürzte der alte Mann vom Wagen, verfing sich in der Leine und wurde vom durchgehenden Pferde eine Strecke mitgeschleift und so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. * Köln, 13. Juli.(Erstickt.) Heute nachmittag wurde die 30 Jahre alte Frau des Hausmeisters Guellhardt, als sie einen Badeosen anzündete, durch ausströmende Gase getötet. Alle Wiederbelebungsversuche mit dem Sauerstossapparat der Feuerwehr waren erfolglos. * Bonn, 13. Juli.(Verbrannt.) Das sechsjährige Söhnchen des Arbeiters Hoffmann im benachbarten Oevingkoven spielte in Abwesenheit seiner Eltern mit Streichhölzern. Dabei fingen seine Kleider Feuer, und das Kind starb kurz darauf an den erlittenen Brandwunden. * Aachen, 13. Juli.(Krönungsaus; stellung.) In dem Hauptausschuß für die im nächsten Jahre hier zu veranstaltende Krönungsausstellung berichtete Oberbürgermeister Veltmann bezüglich der Nachbildung der in Wien befindlichen Reichskleinodien, daß dank des regen Interesses Kaiser Wilhelms für die Ausstellung und des großen Entgegenkommens des österreichischen Herrscherhauses Aachen in den Besitz getreuer Nachbildungen aller Reichskleinodien kommen werde. Zu den Kosten hat die Rheinprovinz einen Zuschuß von 50000 Mark gewährt. Die Nachbildungen werden vom Goldschmied Beumers=Düsseldorf und dem Nachener Stifts=Goldschmied Witte hergestellt. Der als Personen=, Orts= und Sachlatalog gedachte Katalog für das in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz sich in den fürstlichen Schatzkammern und in privaten Sammlungen befindende Material enthält 30.000 Zettel. Dieses Material soll späler allen Forschern zur freien Benutzung zugänglich gemacht werden. Folgen der Hitze. 100 Soldaten am Hitzschlag erkrankt. i Frankfurt(Oder), 14. Juli. Im Grenadier= Rogiment Nr. 12, an dessen Spitze Oberst v. Reutter steht, sind zwei„Todessälle vorgekommen. Das Grenadier=Reziment Nr. 12 war am Sonnabend früh zu einer größeren Felddienstübung unter dem Kommando des Obersten v. Reutter ausgerückt. Als das Regiment in die Stadt zurückkehrte, wurden auf einem Wagen eine Anzahl marschunfähiger Leu::, die infolge der heißen Wetters schlapp geworden waren, zurücktransportiert. An den Folgen sind zwei junge Leute des Regiments, ein Einjähriger und ein Grenadier, gestern nachmittag gestorben. Wie inzwischen festgestellt wurde, sinlz mehr als 100 Soldaten erkrankt. —.— Landwirtschaftliches. Laut Saatenstandsbericht des deutschen Landwirtschaftsrates haben die zum Teil überaus heftigen Niederschläge der vergangenen Woche zwar viel Getreide zum Lagern gebracht, waren im übrigen aber für sämtliche Kulturen außerordentlich wertvoll, zumal die auf leichten Bören drohende Gesahr der Notreise noch rechtzeitig abgewendet wurde. Der Winterweizen hat seinen guten Stand behauptet bezw. gebessert und läßt eine befriedigende Ernte erwarten. Mit dem Schnitt des Roggens kann in der neuen Woche begonnen werbeen. Von den Sommersaaten hatte die meist gut stehende Gerste durch die Trockenheit noch nicht gelitten, wohl aber der Hafer, der auf weniger guten Böden zu wünschen übrig ließ; nach Einteitt von Niederschlägen haben sich die Aussichten indes allgemein gebessert. Sehr vorteilhaft war die Witterung zuletzt auch für den Nachwuchs der Futterpflanzen, die infolgedessen einen befriedigenden zweiten Schnitt erwarten lassen. Das Grummet auf den Wiesen hat gut angesetzt. Bei den im Wachstum zurückgebliebenen Hackfrüchten ist in der letzten Woche gleichsalls eine erfreuliche Besserung zu beobachten, sodaß namentlich die Kartofseln einen besseren Eindruck machen. Die Rüben haben den Rückstand zwar noch nicht eingeholt, kommen jetzt aber gut vorwärts. *— Bunte Chronik. )( Eine herrliche Submissionsblüte. Für die Stauanlage Mainaschaff bei Aschaffenburg, umfassend 125 000 Kubikmeler Erdbewegung, 26000 Quadratmeter Pflasterung, 7.600 Kubikmeter Mauerwerr oder Beton und rund 7500 Quadratmeter Spundwände, waren 9 Offerten eingelaufen. Dire niedtigste. lautet aus 430 365 Mark, die höchste auf 685 596 Mark.— 255 331 Mark Difserenz. ) Was durch„Witze" angerichtet werden kann. Ein„Witzbold“ fügte der Gemeinde Brand in der Neumark großen„Schaden zu. Er schrieb dem Gemeindevorsteher einen Brief, in dem er die Einquartierung von 60 Mann der Kraftsahrabteilung anmeldete. Das ganze Dorf war in großer Ausregung. Alles wurde in Bewegung gesetzt, Schweine. und Hühner geschlachtet, Bier und Wein besorgt, Bäcker und Kaufleute wurden in Nahrung gesetzt. Für die Offiziere wurde im Gasthof Quartier besorgt. Als alles besorgt war und große Ausgaben entstanden waren, mußten die militärsreundlichen Leute erfahren, daß sie die Opfer eines gewissenlosen Betruges geworden waren. ) Im Schwimmbassin inmitten zahlreichen Publikums ertrunken. In einem Schwimmbassin in Stuttgart ertranken zwei junge Mädchen im Alter von 15 Jahren. Obwohl das Bad gleichzeitig von mehreren hundert Personen besucht, war, wurde der Unfall nicht gleich bemerkt. Eines der Mädchen hatte das andere auf den Rücken genommen und erlitt einen Herzschlag, so daß es untersank. Dadurch wurde das andere Mädchen mit in die Tiefe gerissen. ( Eine zweite Aussperrung. Zu der drohenden Aussperrung in der Vogtländischen Textilindustri=, von der 30 000 Arbeiter betroffen werden würden, wird möglicherweise noch eine zweite kommen. Der Arbeitgeberverband der Solinger Wassenindustrie beschloß, 13 000 organisierte Arbeiter auszusperren, falls die partiellen Streiks nicht aufgegeben würden. )( Der Rattenkrieg von Magdeburg. Der Magistrat von Magdeburg hatte von„Amts wegen“ einen großen Vernichtungskrieg gegen die Natten eröffnet. Eine Unzahl vergisteter Köder war ausgestreut, worden, Der„Schlachthericht“ über die einHelle Fabrik- und Lagerräume usw. erzielt man durch Anstrich mit der von der Firma R. Abenarius & Co., Köln, Stuttgart, Hamburg und Berlin in den Handel gebrachten Dauerfarbe Indurin=Idine. Der mattweiße, lichtwiderstrahlende und Feuerhemmende Indurin=Anstrich wird sleinhart, wischt nicht und färbt nicht ad. Indurin ist besonders für Neubauten zu empfehlen, bei welchen der Anstrich auf lufttrockenen Putzslächen sofort ausgeführt werden kann, ohne das Austrocknen der Wände zu verhindern. Indurin ist zu baben bet„ zsgiasisgn Schmgrk. Aug. Sieberg, Baumülektallen, Schweite. Edenda ist auch das von Hausschwamm=Sach= verständigen vielfach empsohlene Naco für geruchlose holzkonservierende und desinfizierende Innenanstriche. insbesondere zum unterseitigen Anstrich der Dielen und Lagerhölzer gegen Hausschwamm und Trockensäule erhältlich. 4837 Dienstag, 14. Juli 1914. Nr. 162. Beilage. Schwerter Zeitung. Das Geschenk des Kaisers an den Papst. Zur Ueberreichung des Labarums durch den preußischen Gesandten von Mühlberg an den Papst meldet der„Osservatore Romano": Das Labarum wurde von Monsignore Wilpert rekonstruiert,'d##r es dem Kaiser überreichte. Diezer zeigte sich außerordentlich befriedigt und übertrug den Benediktinern von Maria Laach die Nachbildung in Metall und kostbaren Steinen Der preufische Grsandte von Mühlberg überreichte das Geschenk mit einer Ansprache, in der er ausführt, daß der Kaiser, der die konstantinischen Zehntenarfeieclichkeiten mit dem lebhaftesten Interesse verfolgt habe, sich glücklich schätze, dem Papst dieses Andenten schenkeen zu können, damit es in der neuen Basilika ausbewahrt werde, die der Papst zu Ehren des ligen Kreuzes errichten lassen wolle zur Erinnerung an den Sieg, den das Kreuz über das Heidentum davongetragen habe. Der Papst erkannte den hoch sinnigen Gedanlen des Kaisers lebhalt an und erklärte, daß er ein neuer Beweis für die edlen Gesinnungen des Kaisers sei. Er bat den Gesandten und den Grafen von Spoe, an den er gleichfalls Worte des Dankes richtete, dem Kaiser seine große Befriedigung und seinen lebhaften Dank für das kestbare Geschenk auszudrücken. Nach der Audienz wurden der Gesandte und der Graf von Spee vom Kardinal Merry del Val empfangen, der dem Grafen von Spee die Insignien des Ordens vom Heiligen Gregor dem Großen(militärische Abteilung) überreichte. —— Westfalen und Rheinland. * Kruckel, 13. Juli.(Tödlicher Unfall.) Der auf Zeche„Wiendahlsbank“ beschäftigte mann Heinrich Hagedorn erlitt beim Abbremsen eines beladenen Bergewagens, wobei sich ein Bremsstempel löste und ihm auf den Kopf siel, einen Unfall, durch den der Schädel zertrümmert wurde. H. starb auf dem Wege zum Wittener Krankenhause. * D a t t e l n, 1 3. J u l i.( Z u L o d e g e s c h l e i f t.) Das sechs Jahre alte Töchterchen des Bergmanns Holtmannspötter hatte sich an den Wagen des Fuhrmanns Stüwe gehängt. Als dieser sich in Biwegung setzte, geriet das Kind mit dem Kopf zwischen die Speichen und wurde zu Tode geschleift. * Bochum, 13. Juli.(Fahrlässige Kindes. tötung.) Das Bochumer Schwurgericht verurteilte heute die Dienstmagd Josesa Stachera aus Weitmar wegen grobfahrlässiger Tötung ihres neugeborenen Kindes zu acht Monaten Gefängnis. * Elberfeld, 13. Juli.(Eine Explosion im Postamt.) Beim Abstempeln von Briefen ereignete sich im Postamte 3 an der Sophienstraße eine Explosion. Eine hiesige Firma hatte Briese nach Italien aufgegeben, die kleine zu Uhranhängseln bestimmte Pistölchen enthielten. Den Pistölchen waren Pulverblättchen beigegeben. Als ein Postschaffner auf einen der Brirse mit dem Stempel schlug, um die Marken zu entwerten, explodierten die Zündblättchen. Der Schaffner wurde an den Händen und im Gesicht derart verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. * Gensheim, 13. Juli.(Gefährlicher Stier.) Hier hatte sich gestern ein wilder Stier losgerissen, der großes Unheil anrichtete. In wesenheit des Stierhalters rief der 75jährige Vater mehrere Leute zusammen, von denen einer sofort zu Boden geworsen und schwer verletzt wurde. Der Bruder des Besitzers wurde von dem Stier auf die Hörner genommen, auf die Erde geschleudert und lebensgefährlich zugerichtet. Nicht besser erging es dem nach einiger Zeit heimkehrenden Stierhalter, der von dem wütenden Tier umgeworsen und fast zu Tode gequescht worden wäre, wenn nicht ein zu Hilse ei ender Knecht mit einer Mistgabel auf das Tier eingestochen hätte, Wutschnaubend rannte der Stier nun in die Scheune, deren Tore verbarrikadiert wurden. Vom Dache aus stiegen mehrere Leute auf ein Gerüst, von wo aus das Tier mittels Lasso befestigt und von einm hinzugerusenen Metzger gelötet wurke. * Duisbyrg, 13 Juli.(Die Hinrichtung des Gattenmörders Nowak) auf dem Hofe des hiesigen Gerichtsgefängnisses hatte vor dem Schöffengericht ein Nachspiel. Unter der Anklage des Hausfriedensbruchs standen die Frau des Gerichtskastellans Taubenmann, der Staatsanwaltschaftssekretär Zimmermann, der Landgerichtsassistent Tcilmann und drei Gerichtsdiener vor dem Richter. Der Kastellan Taubenmann war der Beihilse zum Hausfriedensbruch angeklagt. Er hatte am Morgen der Hinrichtung Nowaks den Mitangeklagten Einlaß in das Gerichtsgebäude gewährt, so daß diese die Hinrichtung beobachten konnten. Sämtliche Angeklagten wurden, wie wir in der„Rh. u. R.=Ztg.“ lesen, freigesprochen. Das Gericht nahm an, daß ihnen das Bewußtsein der Rechtswidrigheit ihres Handelns gefehlt habe * D u i s b u r g, 1 3. J u l i.( R ä t s e l h a f t e s V e r schwinden.) Unter recht eigentümlichen Verhältnissen ist am Mittwoch abend im Stadtteile Duisburg=Meiderich ein junges Mädchen aus angesehenen Familie spurlos verschwunden. Er war abends zwischen 10 und 11 Uhr mit seinem Bräutieam von Duisburg nach Meiderich zurückgekehrt. An der Haustür hatte sich der Bräutigam verabshiedet. Das Mädchen war auch ins Haus eingetreten, ist aber nicht in die Wohnung gekommen.„Seit dieser Zeit fehlt von dem Mädchen jede Spur. Nachbarn haben nun beobachtet, daß drei Männer abends 11 Uhr mit einem großen, hellen„Paket“. durch einen gegenüberliegenden Garten gestreift sind. Wer die Männer waren und was für ein Patet sie trugen, konnte in der Dunkelheit nicht erkannt werden. Die Angehörigen des Mädchens schweben in größter Besorgnis um das Schicksal ihres Kindes. * Düsseldorf, 13. Juli.(Einschweres Automobilunglück) hat sich auf dem Fürstenwall ereignet Dort stieß ein Automobil mit einem Cyclon=Automobil zusammen. Das kleinere Fahrzeug wurde vollständig zertrümmert und der Besitzer Reinerts schwer verletzt; das größere Fahrzeug rannte auf dem Trottoir weiter, wobei es den zufällig vorbeigehenden Peter Kempe erfaßte und ebenfalls schwer verletzte Beide Verletzte wurden ins Krankenhaus geschafft. * Köln, 13. Juli.(Einrabiater Assessor.) Bei einer Verhandlung vor dem hiesigen Gericht geriet ein als Kläger anwesender Assessor infolge einiger Bemerkungen des Landgerichtsdirettors in eine derartige Erregung, daß er auf den Richter zusprang und ihn zu würgen suchte. Das Gerichtspersonal mußte den Richter von seinem Angreifer befreien. Widerstand zu leisten oder Winkelzüge zu machen, nachgeben. Die serbische Regierung wird eine gründliche Untersuchung zur Ermittlung derjenigen Personen feststellen, die die geistigen Leiter des Kom plotts von Serajewo und des dort verübten Fürsten mordes waren. Sie wird serner durch schar:: Gesetzesbestimmungen den Handel mit Dynamit und Waffen überwachen und dafür Sorge trazen, daß die Proxaganda der Tat unter den großserbischen Janatikern nach Möglichkeit eingeschränkt wird. Eine österreichische Aktion in Belgrad, die der Zustimmung Englands und Frankreichs sicher wäre, während Ruß'ands Haltung noch unge wiß ist, wird infolgedessen wahrscheinlich unter bleiben. Die Mächte des Dreiverbandes werden dagegen in dankenswerter Weise freundschaftliche Vorstellungen bei der serbischen Regierung erheben und durch ihre Gesandten auf die Notwendigkeit geeigneter Maßnahmen gegen anarchistische Elemente verweisen. Die Mächte werden einer halbamtlichen Wiener Meldung zusolge ihren freundschaftlichen Rat auch in dem Sinne abgeben, daß Serbien zur Beruhigung Oesterreich= Ungarns bei trage.— In Berliner amtlichen Kreisen setzt man mit Bestimmtheit voraus, daß die Belgrader Re gierung alles tun wird, was sie als Kulturnation zu tun schuldig ist. Achtzehn Mitglieder des Sera jewoer Komplotts sind jetzt verhaftet worden, sie haben ohne Ausnahme Bomben und Wafsen aus Belgrad erhalten. Der Verdacht, daß der aktive serbische Major Pribitschiwitsch einer der Anstister des Komplotts und des Mordes von Serajcwo war, hat durch die unwidersprochene Meldung eines kroatischen Blattes Nahrung erhalten, daß der Major am Mordtage aus Serajewo ein unter schriftsloses Telegramm mit den Worten erhielt: „Beide Pferde gut verkauft.“ Man ist der Meinung, daß dieses Telegramm die verabredete Benachrichti gung von der vollbrachten Ermordung des Erzherzog=Thronfolgers und seiner Gemahlin gewesen ist. Keine Vorstellungen, föndern Unterhandlungen. Ein Budapester Blatt will von Wiener zustün diger-Stelle erfahren haben, daß Graf Berchtold, um die serbische Empfindlichkeit zu schonen, seindiplomatische Aktion nicht„Vorstellungen“, sondern „Unterhandlungen“, benennen wird. Das Wort „Vorstellungen“ würde auf gewisse serbische Kreise wie ein rotes Tuch wirken und die Lage der serbischen Regierung sehr erschweren. Die Lage sei aber zu ernst, als daß man mit Worten spielen könnte. Wichtiger als Worte sei die sachliche Lösung ausgezu Besprechungen in der Wohnung des Attachees gekommen sein, die schließlich dahin führten, daß Pohl die Pläne östlicher Festungsanlagen dem russischen Attachee zur Verfügung stellte. Er erhielt dafür insgesamt etwa 1000 Mark. Die Pläne wurden ihm nach kurzer Zeit wieder zurückgegeben. Vei den Besuchen bei dem russischen Militärattache: lernte Poyl einen angeblichen Dr. Blumenthal kennen, der bereits in den Diensten des russischen Spionageburcaus stand. Dr. Blumenthal, der tatächlich ein Kaufmann Kurt Kaul war, hatte von der russischen Behörde einen Paß erhalten, der auf den Namen„Dr. Blumenthal“ ausgestellt war. Beide kamen nun wiederholt zusammen, und der Verrehr mit dem Attachee wurde nunmehr von Kaul vermittelt. Das Verhalten Pohls erregte schließlich den Verdacht seiner Vorgesetzten; er wurde deobachtet, und als man seine Beziehungen zu dem rusischen Obersten entdeckte, verhaf#et. Die Ermittelungen haben ergeben, daß Rußland einen umfangreichen Spionagedienst nach Deutschland unterhält, und daß insbesondere Deutsche zu den Spionagediensten benutzt werden. So soll auch der Chef des Spionagebureaus in Petersburg deutscher Abstammung sein. Kei Oesterreich=Angarn und Serbien. Unter tem Druck des einigen Europas wird Serbien, wie man in maßgebenden Kreisen Roms erklärt, den Forderungen Oesterreich=Ungarns, ohne tauchter Fragen. Ein neuer Landesverratsbeginnt vor dem Kriegsgericht der Kommandantur Berlin. Zu verantworten hat sich der Vizeseldwebel Pohl von der 3. Kompagnie des 1. westpreußischen Pionierbataillons Nr. 17. Er war als Schreiber der Ingenieur=Inspektion dem Kriegsminist rium zugeteilt. In dieser Eigenschaft hatte er Zugang zu den Plänen und Skizzen von Festungen und befestigten Plätzen. Da er große Schulden hatte, so kam er auf den Gedanken, diese dadurch zu tilgen, daß er die Pläne zu solchen Festungen den Militärattachees fremder Mächte in Berlin auf kurze Zeit gegen Entgelt überließ. So wandte er sich an den Militärattachee der russischen Botschaft in Berlin, Oberst v. Basarow, und bot ihm sehr wichtige Pläne und Skizzen zum Kauf an. Es soll dann wiederholt zwischen dem Obersten und Pohl Westfälischer Kriegertag. Am Samstag sand in Wattenscheid der 42. Abgeordnetentag des Westsälischen Provinzial=Krieger=Verbandes statt. Der Vorsitzende Major a. D. Müller=Münster begrüßte die aus allen Teilen der Provinz Westsalen harbeigeeilten Delegierten. Nach den üblichen Begrüßungsansprachen sandte man folgendes Huldigungstelegramm an den Kaiser: „Ew. Majestät erneuern wiederholt die zum 42. Abgeordnetentage des Wistfälischen ProvinzialKrieger=Verbandes versammelten Vertreter„von über 200 000 ehemaligen Soldaten, darunter 16 000 Kriegsteilnehmer, das Gelübde unverbrüchlicher Treue, Liebe und Anhänglichkeit und erflehen den allerhöchsten Segen auf Ew. Majestät herab.“ Nach dem Jahresbericht, den der Vorsitzende erstattete, umfaßte der Westsälische Provinzial=Verband am Schluße des Berichtsjahres 1505 Vereine mit 204003 Mitgliedern, worunter sich 16 515 Kriegsteilnehmer besinden. Gegen das Vorjahr hat der Verband um 50 Vereine mit 8287 Mitgliedern zugenommen. Die Einnahmen beliefen sich aus 94696, die Ausgaben auf 89989 Mark. Am Jahresschlusse war ein Kassenbestand von 39973 Mark vorhanden. Für die Kaiser- Jubiläums=Stiftung wurden vom Westfälischen Verbande insgesamt 40 000 Mark ausgebracht. In der Jugendpflege, wurde ebenso wie in der Rekrutenfürsorge und in der Reservistengewinnung ein erheblicher Fortschritt gemacht. Im Ganzen sind 7569 Reservisten den Vereinen des Provinzial=Verbandes beigetreten. Aus der Gesamtorganisation ist mitzuteilen, daß die Stärke des Kyfshäuserbundes 32007 Vereine mit 2 842 206 Mitgliedern beträgt. Der Deutsche Kriegerbund umsaßte Ende 1913 21 883 Vereine mit 1 916 944 Mitgliedern. Das Vermögen des Kriegerbundes beträgt 4 365 816 Mark. Im nächsten Jahr soll der Abgeordnetentag in Buer abgehalten werden.44 Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Ang. König. 61 Damit nahm Martin Abschied, und wenn er nun auch wußte, daß Baron Dagobert unschuldig war, so verließ er dennoch mit schwerem Herzen das Haus.„. Inagte M Wenn der Wilddieo trotzig kengliele, und rein Beweis gegen ihn gefunden wurde, dann blieb schließlich die ganze Schuld auf dem Baron ruheu, und es ließen sich ja Gründe genug finden, aus denen er die unselige Tat begangen haben konnte. Hatte Baron Kurt dem Staatsanwalt gesagt, nur sein Neffe könne die Tat begangen haben, dann war das allein schon hinreichend, deullutersuchungsrichter von der Schuld Dagoberts zu überzeugen, den Worten eines Sterbenden schenkte man ja immer Glauben. Was wollten dagegen die Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten bedeuten! Den Geschworenen würden die Scheinbeweise vorgelegt; fanden sie dann den Angeklagten schuldig, so— aber daran wollte der alte Mann jetzt noch nicht denken, es war ein entsetzlicher Gedanke. Vor dem Hause des Friseurs Burger blieb er eine Weile stehen, um Atem zu schöpfen, dann trat er hinein. Frau Burger war allein zu Hause, sie kam aus dem Hinterstübchen in den Laden und reichte sichtbar erfreut dem Förster die Hand. „Was bringen Sie mir Gutes?“ fragte sie.„Hat der junge Herr die Erbschaft angetreten?“ „Sind Sie allein!“ erwiderte Martin. „Ganz allein,“ nickte sie.„Sie sehen so verstört aus, mein Gott, ich bemerke das erst jetzt; es ist doch nichts Schlimmes passiert?“ „Wir wollen ins Wohnstübchen gehen, Marie, hier könnten wir gestört werden,“ sagte er ausweichend. Die alte Frau hotte aus einem Schrankchen eine Likörflasche und ein kleines Glas, welches sie stllte. „Was ist passiert?“ fragte sie voll banger Erwartung.„Baronin Adelgunde—“ „Baron Kurt ist erschossen!"„ 4.6 „Gütiger Himmel, wer hat es getaue“ rief sie entsetzt.„„7 „Baron Dagovert ist soeben verhaftet worden.“ „Er soll der Mörder sein?“ „Ja, er soll es sein, Baron Kurt hat das selbst den Gerichtsherren gesagt,“ erwiderte er,„aber er ist es nicht. Es ist ja wahr, daß die beiden einander gehaßt haben, und daß der junge Herr gestern furchtbar gereizt worden ist, aber daß er aus dem Hinterhalt seinen Oukel niedergeschossen haben soll, das kann doch niemand glauben, der ihn näher kennt.“ „Nein, niemand," bestätigte sie kopfschüttelnd. „Aber schon oft ist ein Schuldloser verurteilt worden.“ „Und das wollen wir beide hier verhüten! Ich weiß ja, Marie, Sie häugen noch immer mit der alten Treue an der Familie Darboren, Sie werden mir helfen—“ „Sagen Sie mir nur, was ich tun soll— und es wird geschehen!“ „Ich traf einmal hier in Ihrem Hause einen Mann, den ich zu kennen glaubte,— erinnern Sie sich noch? Ich sprach die Vermutung aus, daß er einer von den Wilddieben sei, die unsern Wald unsicher machen; Sie nahmen ihn gegen diesen Verdacht in Schutz. Ist dieser Mann nicht vor einiger Zeit mit einer Schmarre im Gesicht heimgekommen?“ Das Gesicht der Frau war noch bleicher geworden, sie wich dem forschenden Blick des Fürsters aus, ihre Hand zitterte so sehr, daß sie das Glas nicht wieder füllen konnte, sie mußte die Flasche wieder hinstellen. „Sie erzählten mir damals die Geschichte, Martin,“ sagte sie,„Baron Kurt hat den wehrlosen, gefesselten Mann mit der Reitpeitsche geschlagen.“ „Ja, es war eine rohe und grausame Handlung, und es läßt sich begreifen, daß der Mißhandelte ihm Rache geschworen hat. Und diese Rache wird er nun genommen haben," fuhr der Fürster mit gedämpfter Stimme fort.„Wer ist der Mann? Wie heißt er?“ „Anton Ungewitter, der Bruder meines Schwiegersohnes,“ sagte sie mit gepreßter Stimme. „O, das tut mir leid, aber wenn er die Tat begangen hat, so mußer auch die Folgen tragen, der Schuldlose darf nicht für ihn büßen. Ich hoffe, daß Sie darin mit mir übereinstimmen?“ „Wenn ich es nicht täte, so wäre das eine Sünde, die ich mir nie verzeihen könnte," erwiderte sie seufzend.„Aber kann nicht ein anderer das Verbrechen verübt haben?“ „Ich finde keinen andern," sagte er,„der Unteruchungsrichter muß es ja an den Tag bringen, ob der Mann schuldig ist oder nicht. Haben sie den Baron Dagobert verhaftet, so müssen sie nun auch diesen Wilddieb verhaften, ich fordere es, und Sie werden zugeben, daß es eine gerechte Forderung ist.“ „Ich kann es nicht bestreiten.“ „Ist der Mann gestern draußen gewesen, und wann kam er nach Hause?“ „Das weiß ich nicht, Martin, er wohnt hier nicht mebr.“„ Smest Der Förster blickte uverrascht anf, Zweisel und Bestürzung spiegelten sich in seinen Zügen. „Er wohnte doch noch vor acht Tagen hier? sagte er.„ m „Ja, er wohnte noch hier, als Sie mir den Hochzeitsbraten brachten; am nächsten Tage ist er ausgezogen. Wir wollten ihn nicht mehr hier haben, ich wußte, daß er auf die Jagd ging, aus Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in meinem Hause sollte die Polizei ihn nicht herausholen.“ „Und wo wohnt er jetzt?“ „Er hat es mir nicht gesagt, wir sind im Unfrieden auseinandergegangen. „Ihr Schwiegersohn wird es wissen?“ „Vielleicht,— die Brüder haben in der letzten Zeit nicht mehr miteinander harmoniert. Mein Schwiegersohn ist ein ehrlicher Mann, er hat den Bruder oft gewarnt, dadurch entstand der Zank; Anton wollte sich nichts sagen lassen.“ Der Förster stützte das Haupt auf den Arm und blickte lange starr vor sich hin. „Ich muß ihn finden,“ sagte er nach einer geraumen Weile.„Wenn Sie die Wohnung nicht angeben können, so gehe ich zur Polizei—“ „Tun Sie das nicht,“ unterbrach sie ihn,„ich will seine Wohnung zu erfahren suchen.“ „Und dann ist er gewarnt, er flüchtet, und Baron Dagobert muß für ihn den Kopf in das Loch halten. „Nein, nei, das darf und soll nicht geschehen, Martin, ich verspreche es Ihnen. Die Glocke an der Ladentür ließ sich vernehmen, die Frau erhob sich und ging hinaus; vor dem Ladentisch stand der Bankier Schreiber. „Ich habe vor einiger Zeit eine Flasche Haarfärbemittel hier gekauft," sagte Eduard in vornehm herablassendem Ton,„ist Ihr Mann vielleicht zu Hause?“ „Habe die Ehre!“ schuarrte hinter ihm eine Stimme.„Ah, Herr Baukier Schreiber? War das Mittelchen gut? Nicht wahr, vortrefflich! Es ist mein Prinzip, nur beste Ware zu führen, etwas teuer allerdings, aber streng reell, dadurch erhalte ich mir die vornehme Kundschaft.“ „Schicken Sie mir noch sechs Flaschen!“ erwiderte Eduard kurz.„„ „Werde die Ehre haben! Wissen Sie schon, der alte Baron von Darboren ist gestern von seinem Neffen erschossen worden!" 214,10 Orig. franz. Bordeaux= Rotwein garantiert rein. pro Flasche aus d. Haus 1.10 Mh., im Aus. schank per Glas 30 Pfg. Franz. Cognac, Reines Weindestillat, pro Fl 10.— und 8 Mk. empfiehlt Carl Kalnin, Gasthof zu Heile. Teleion Für bei uns gee kaufte M DSUUSE übernehmen wir# an jahrelange Ga- u an rantie. Die Prei„ se sind sehr## ee billig gestellt.# Gebr. Steim, u Schwerte * 6 Unterzeuge Sweater Strümpfe Hanaschuhe in grosser Auswahl zu billigen Preisen. Otto Marx — Schwerte— Ostenstrasse 20. Flechten näss. u. trockene Schuppenflechte, Bartflechte, skroph. 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Die aus geliehenen Bücher sind bis zum 1. August 1 d. Is. zurückzugeben. Schwerte, den 10. Juli 1914. 48e6 Der Magistrat: Niederstadt. Bekanntmachung. Die Heberollenauszüge für das Jahr 1913 der Gärtnerci=Berufsgenossenschaft zu Cassel, Königsplatz 36½. liegen gemäß§ 1021 der R. V. O. vom 15. Juli 1914 ab, zwei Wochen lang zur Einsicht der Beteiligten im Zimmer Nr. 3 des alten Rathauses aus. Widersprüche gegen die Beitragsberechnung können binnen einer weiteren Frist von 2 Wochen bei dem Genossenschaftsvorstande in Cassel erhoben werden, unbeschadet der Verpflichtung zur vorläufigen Zahlung. i§ 1023 R. V. O.) Schwerte, den 9. Juli 1914. 4859 Der Magistrat: Niederstadt. Bekanntmachung. Die Heberollenauezüge der Gärtnerei=Berufsgenossenschaft liegen vom 15. bis 29. d. Mts. im Zimmer Nr. 4 des Amtsgebäudes zur Einsicht der Beteiligten aus. Gegen die Beitragsverechnung können die beteiligten Unternehmer binnen 2 Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist bei dem Vorstande der Gärtnerei=Berufsgenossenschaft in Cassel, Königsplatz 36 1/, Widerspruch erheben, sie bleiben aber zur vorläufigen Zahlung veipflichtet. 4862 Wellinghofen, den 11. Juli 1914. Die Polizei=Verwaltung: Hartung, Amtmann. * Inserleten, dlingl Erwinn!. * S Während der Gerichtsferien vom 15. Juli oi, 15. September sind die Bürostunden der Unter zeichneten wie folgt geregelt: Vormittags von 9—12 Uhr Nachmittags von 3—6 Uhr An Sonn= und Feiertagen sowie an SamstagNachmittagen sind die Büros geschlossen. Schwerte, den 14. Juli 1914. Juslizrat Backhausen Rechtsanwalt u. Notar Rechtsanwalt u. Notar Dr. Strathmann Rechtsanwalt. 4847 Viehseuchen. Erloschen: Maul= und Klauenseuche unter dem Rindviehbestande der Ww. Johann Stratmann hierselbst. Die erlassenen Speirmaßregeln werden hiermit aufgeboben.,„. Gahet wi, uer.6, Der Schweinemar###nver wie gewohnlich wöchentlich Mittwochs stalt. Schwerte, den 9. Juli 1914. 4851 Die Polizei=Verwallung: I. V. Emmerich. Hermann AOTITDATLT Lagen,Weslj. in Drucklenöpfe„Neutral“ Federn, Gros 31), Dutzend 3 pe. Druckknöpfe„Konkurrenzlos““ Hutzena S p#. Druckknöpfe„Loreley“ Gross 75 Pf, Dutzend Ort. Druckknöpfe„Peryms“ bestes Fabrikat Gross bUPf. Perlmutterknöpfe in WTersen Or) pfz,. 10, 8, 6 und 4 Pc. Perlmutterknöpfe 2 900 40 25. 22, 20, 18, 15, 12 Pe. Perlmutterknöpfe 9 8rose. 10ch, Dtzd. 45, 40, 30 Pl. Vermutterknöpfe 1 Posten. 1 Gross= 12 Ditzd. 39 Pe Vermutterknöpfe weisse Wars für die Hälfte. Mangelkaöpfe„Herkules“ bestes Fabrikat Grösse 26—30 3 Dutzend 18 Pf, Grösse 20-—23 3 Dutzeud 15 Pf., 10, rr. Besatzkaöpfe Datzend 10 Pf. Strumpfgummiband 60—70 cm Abschnitte 1U Pf. Spbinn 10000 mtr.Kleiderzahlreiche Auslagen fabelhalt preiswerter Schneiderel-Artikel. 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Man sieht, in diesem Kampf hat jed: Kugel ihren Mann nicht gefunden, allerzings ist anzunehmen, daß in ihren Schlupswinkeln toten Ratten haufenweise liegen. * Ermordete Furstenpaare Daß einzelne Fürsten ermordet wurden, kam Tausende Male vor im Laufe der Jahrtausende, von denen die Geschichte erzahlt, nicht aber, daß Fürstenpaare gemeinsam Attentätern zum Opfer sielen. Das geschah verhältniemäßig sehr selten. Selbst daß ein Fürst und seine Gemahlin, zeitlich und räumlich getrennt, gemordet oder hingerichtet wurden, geschah nur in einzelnen Fällen. So lag zum Beispiel zwischen der Ermordung des Königs Andreas von Neapel, der am 20. August 1345 vom feindlichen Landadel unter Zustimmung seiner leichtfertigen Gemahlin Johanna erdrosselt wurde, und dem Tage, da diese selbst von einem Verwandten des unglücklichen Andreas, Carl dem Kleinen, unter Federbetten erstickt wurde, ein Zeitraum von 36 Jahren. Eher wäre hier an das unglückliche französische Königspaar Ludwig XVI. und seine Gemahlin Maria Antoinette zu erinnern, die in ein und demselben Jahre Opfer der französischen Revolution wurden, Ludwig am 21. Januar, die Königin am 16. Oktober 1793. Andererseits geschah es doch auch oft genug, daß Mordversuche unternommen wurden, die zwar wohl nur dem Staatsoberhaupte galten, die aber, wenn sie gelungen wären, ein Fürstenpaar gemeinsam zweifellos getroffen haben würden. Das ist besonders im Zeitalter der Bombenattentate der Fall gewesen. Wären die Bomben, die Felix Orsini und seine Genossen im Jahre 1858 gegen den Wagen, in dem Napoleon III. und seine Gemahlin Eugenie saßen, rechtzeitig explodiert, wären wohl beide Opfer des Attentats geworden, das 141 Personen zu Toten und Verwundeten machte, aber das Kaiserpaar merkwürdigerweise verschonte. Leicht hätte wohl auch am 1. Februar 1908 die Königin Amalie von Portugal ein Opfer des Attentats werden können, das ihrem Gemahl und ihrem Sohne das Leben raubte; sie auch saß in dem Wagen, in dem die mörderischen Geschosse in Massen flogen, sie deckte mit ihrem Körper erfolglos den Thronfolger, und als man die Mörder suchte, fand man Bomben und Geschosse genug, die bestimmt waren, das ganze Haus Braganza zu vernichten. Wirklich gemeinsam getötet durch Mörderhand wurde ein Fürstenpaar außer dem jetzt erfolgten betrübenden Fall wohl nur einmal, und das war, als in einer Juninacht des Jahres 1903 sich in dem Konak von Belgrad die Tragödie abspielte, die dem König Alexander von Serbien und der Königin Draga das Leben kostete. Seltsamerweise war in diesem einen Fall, wo ein Fürstenpaar gemeinsam hingemordet wurde, auch die Gemahlin nicht aus fürstlichem Stamm. Letzte Drahtmeldungen. Räuberischer Uebersall. Blankenburg(Harz), 14. Juli. Auf der Landstraße von Hasselfelde nach Wendefurth sanden zwei Radfahrer den Bierfahrer Rhien bewußtlos auf. Sie ließen ihn ins Krankenhaus in Blautenburg überführen, wo er zwei Stunden daraus gestorben ist. Es scheint sich um einen Raubansall zu handeln. Huldigung des neuen Herzogs. Meiningen, 14. Juli. Gestern vormittag fand die feierliche Huldigung der Stände vor dem Herzog Vernhard in Meiningen statt. Sämtliche Abgcordnete des Landtages waren anwesend; nur die sozialdemokratischen Abgeordneten waren nicht erschienen. Ferner waren anwesens die Staats= und Hoschargen, die Mitglieder der Regierung und Vertreter der Presse. In feierlichem Zuge betraten der Herzog und die Herzogin mit Gefolge den Saal. Während des seierlichen Aktes hielt Herzog Bernhard eine Thronrede. Darauf verlas der Minister die Urkunde, die den Treueid des Herzogs mit seiner Unterschrift enthält, und überreichte sie dem Präsidenten des Landtages. Dann verwies der Staatsminister die Landtagsabgeordneten auf den bereits geleisteten Eid und forderte sie auf, dem Herzog zu huldigen, was hierauf geschah. Der Herzog dankte mit warmen Worten und sprach die Hoffnung aus, daß mit diesem feierlichen Akte das Band zwischen Herzog und Land unzertrennbar verknüpft sei und verlas ein Reskript, durch das die Schließung des außerordentlichen Landtages angeordnet wird. Nachdem der Landtagspräsident auf den Herzog und die Herzogin ein Hoch ausgebracht hatte, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten, verließen die hohen Herrschaften mit Gefolge den Saal. Zwei Kinder durch Blitzschlag getötet. Frankfurt a. M., 14. Juli. Während eines Gewitters wurden in einem Gartenhäuschen, in das sie sich geflüchtet hatten, zwei Kinder des Wachtmeisters Scheid durch einen Blitzstrahl getötet. Der Wachtmeister selbst, der im Garten arbeitete, wurde betäubt. Zwei Journalisten in den Bergen verunglückt. Regensburg, 14. Juli. Im Kaisergebirge sind bei der Elmauer Halt die Leichen zweier Touristen gefunden worden, die wahrscheinlich abgestürzt sind. Der eine ist der Redakteur Max Denk, der andere Tote ist der Journalist Rüger, der bis vor kurzem Redakteur bei der„Neuen Donauzeitung“ in Regensburg war. Folzenschweres AutomobilungLug. Freudenstadt, 14. Juli. Gestern mittag ereignete sich hier ein schweres Automobilunglück. Auf einem Abhang kam der Kraftwagen des Ingenieurs Arbogust aus Straßburg im Elsaß ins Schleudern und überschlug sich zweimal. Die Frau des Besitzers war sofort tot; er selbst erlag nach einer Viertelstunde seinen Verletzungen. Ein dritter Insasse kam mit leichteren Verletzungen davon. Lustmord. Hamburg, 14. Juli. In einem Kornselde bei Poppenbüttel wurde gestern abend die elljährige Martha Becker mit durchschnittener Kehle ausgesunden. Es liegt Lustmord vor. Das Mädchen wurde gestern morgen von Poppenbüttel nach Bergstedt geschickt, um eine Besorgung in einer Apothete zu machen. Der Täter ist unbekannt. Vom Blitz erschlagen. osen, 14. Juli. Bei Schroda wurde beim Getreidemähen die Tochter eines Kutschers vom Blitz getötet, vier andere Arbeiterinnen wurden schwer verletzt..5 Todessturz im Fieberwahn. osen, 14. Juli. Im Fieberwahn stürzte sich heute nacht die Frau des Fabrikbesitzers Herzog aus dem dritten Stockwerk auf die Straße und blieb mit zerschmettertem Schädel tot liegen. In die Lüfte entführt. Udine, 14. Juli. Als das lenkbare Luftschiff P. 5 landete, wurde es plötzlich von einem heftigen Windstoß wieder fortgerissen. Von den zehn Kavalleristen, die das Luftschiff hielten, ließen neun die Taue los, während einer in eine Höhe von 130 Metern weggeführt wurde, von wo er herabstürzte und zerschmettert wurde. Das Luftschiff landcte darau; unbeschädigt. Siebenfacher Mörder. Bergamo, 14. Juli. Ein 50jähriger Mann namens Simoni Pionetta hat aus unbekannten Gründen in Camerata Cornello einen Arzt, einen Gemeindesekretär und dessen Tochter, sowie vier andere Personen getötet. Der Mörder streift noch in dei Umgebung von Camerata umher. Zum Tode Hartwigs. Belgrad, 14. Juli. Hier erhält sich mit aller Bestimmtheit das Gerücht, der russische Gesandte von Hartwig sei auf der österreichischen Gesandtschaft vergistet worden. Die Blätter beschuldigen Oesterreich=Ungarn offen des Mordes an dem Gesandten. Automobilunglück in Bosnie u. Serajewo, 14. Juli. Ein Militär=Automobil ist von dem Serpentinenwege des Progojsattels in eine fünfzehn Meter tiese Schlucht abgestürzt. Sämtliche Insassen, zwei Chauffeure, ein Unterossizier und ein Feuerwerker, wurden lebensgefährlich verletzt und mußten ins Lazarett gebracht werden. Wahnsinnstat eines Hauptmanns. Oran, 14. Juli. In einem plötzlichen Anfall von Wahnsinn erschoß der aus Fez auf Krankheitsurlaub hierher gekommene Hauptmann Gouze seine Frau und seine drei Kinder mit einem Revolver und verübte dann Selbstmord. Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Papes Reisekarte von Deutschland und den angrenzenden Ländern. Preis 50 Pf. Herm. Beyer & Sohr:(Beyer& Mann), Langensalza. Papes Neisekarte von Deutschland erfreut sich seit vierzig Jahren einer Gunst des reisenden Publikums, wie solche wohl nur selten in gleich dauernder und sich steigernder Weise einem Artikel des Buchhan##els zuteil geworden ist, so daß der bisherige Absatz dieser Karte weit über eine Million Exemplare beträgt. 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Kälber a) Doppelender, feinste Mast.. d) seinste Mastkälber..... c) mittlere Mast= und deste Saugkälber 52—59 86—91 d) geringe Mast= und gute Saughälber 48—51 81—88 e) geringe Saugkälber. 41—45 72—79 S. Schafe Stallmast= a) Mastlämmer und jüngere Mastschafe: hammel—— b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe....„—— e) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe)—— Weide= a) Mastlämmer—— mastschafe: b) geringe Lämmer und Schafe—— 4. Schweine. a) Feltschweine, über 150 kg. 3 Jentner Lebendgewicht—— b) vollfleischige Schweine von 120—150 kg(240—300 Psd) Lebendgewicht 43—45 52—56 vollfleischige Schweine von 100—120 kg(200—240 Pfd.) Lebendgewicht.. 55 43—16 52—57 d) vollfleischige Schweine von 80—100 kg(160—200 Pfd.) Lebendgewicht...4. e) vollfleischige Schweine unter 80 kg(160 Pfd.) Ledendgewicht 41—45 Souen 38-44 48—53 c) 43—46. 52—57 Makulaturpapier (Kuhr) Die letzten 8 Tage unseres grossen Salsch-Kusverkauss Schluß Dienstag, den 21. Juli abends. 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Seiden-lacketis und Mäntel Darunter Teile, die bie 89.— Josesen jedes Stück Eine Serie Schwarze und blaue lackenkleider, Farbige und Prontélackenkleider. Garnierte Taillen-Kleider, Wasch-Volle-Kleider, Seidene Mäntel, Schwarze Tuch-Mäntel, Backfisch-Jackenkleider. Elegante Kinderkleider und Mäntel Darunter Teile, die bis 88.50 Hogriscten. 16185—8 Eine Serie Hochelegante jacken-Kleider und aparteste Taillenkleider. Mohair-Jackenkleider. Seiden-Mäntel. Vornehme schwarze Konfektion. Hochelegahle Plodellteile. Straßen- und Gesellschlalts-Kleider. Blaue und schwarze JackenWlieider Darunter Teile, die bis 125.—kosseten Weiß- u. Baumwollwaren-Reste u. Coupons Zum Aussuchen„### Zum Aussuchen####), Zum Aussuchen ZOpg. Heter COpig. Heter SOgg. Neter 00 in versch. Längen als teils: Hemdentach, Handtuchgebilt roh u. gebl. Biber, Nessel. Bettuch-Chiffon, Beizuch-Halbleinen, Schürzendruck, Schürzensiamosen, Beitkantun etc. Serie 1 Zum Aussuchen Meter pig. Serie V Zum Aussuchen Meier TO. pig. 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Serie IV. Jels 1500 Serie!. Jerie II 44.: Serie 11 setz 390 jetst 6%% a je121 876 früh. Wert teils bis früh. Wert teils bie früh. Wert teils bis früh. Wert teils bis 8.90: 11480 18380 97.80 BasseAr Kein Umtausch.— Keine Auswahlsendungen. Bekannte Fahrtvergütung bei Einkäufen von 20 Mark an. * ISerioh 4 # — ∆ 8 FS 9a CIZ* 8 8•3 2—: E 2 5 19 □ St — * 1 2 * SGSSg 35878 a. S#ggs * 4980 S" 073 = K 02 T* 7 7 X* # 7 3 7 29 S 9 3 2— ∆ 0 9 2 5 D S ∆ 8·H —* 2. 7 %. = □ C0 9 □ zu verlassen. Eine wehe Traurigkeit hatte ihn beschleichen wollen; aber er hatte sich klargemacht, daß dies wohl die beste Lösung sei. Das, was er unter Liebe verstand, fühlte er doch nicht für Fräulein Marianne. Und wenn er mit Miß Evelyn allein blieb und nicht mehr durch die störende Gegenwart einer Tritten gehindert war, würde er wohl auch endlich den Mut finden, ihr das Geständnis seiner Liebe abLllage7. (Schluß folgt.) Bismarck als Schuster. Eine eigentümliche humoristische Szene ereignete sich, als Bismarck, um sich nach seinem pommerschen Gute Barzin zu begeben, durch Pollnow kam. Bismarck, damals noch Graf, hatte sich, während die Pferde gewechselt wurden, vor der Haustür des Postgebäudes auf eine Bank niedergelassen und wartete hier geduldig die Neubespannung des Wagens ab. Gegenüber wohnte ein Schuhmacher, der es seit langer Zeit liebte, die durchfahrenden Reisenden mit neugierigen Fragen zu belästigen, obgleich er hierbei schon manchmal Zurechtweisungen erfahren hatte. Kaum erblickte er von seinem Fenster aus den Ankömmling, als er schleunigst sein Handwerkszeug beiseite warf und, das Schurzfell noch vorgebunden, vor die Post eilte, sich auf das andere Ende der Bank setzte und den Grafen betrachtete. Dieser würdigte ihn keines Blickes, noch weniger gab er Veranlassung zum Anknüpfen einer Unterhaltung. Die Neugierde des Schusters steigerte sich dadurch. Ungeduldig fragte er nach einer Weile:„Höre Sei, wat hewwe Sei doch vör’n Profession?" Bismarck wandte den Blick und fragte ebenfalls platt:„Wat hewwe Sei vör'n Profession?"„Ick bin Schauster!“ erwiderte dieser.„Na, ich bin uck Schauster!" bemerkte Bismarck, nahm sein Zigarrenetui heraus, zündete sich eine Zigarre an und hielt die Tasche dem Schuster hin, ihn einladend, zuzulangen. „Na, laten's man, dei poar waren's unnerwegs wol noch bruken!“ dankte der Schuhmacher. Indem nahten die Ortsbehörden, sämtlich in Leibröcken und mit weißer Binde, der Bürgermeister an der Spitze. Der letztere war von dem Eintreffen des Ministerpräsidenten benachrichtigt gewesen und hatte sich vom Posthause aus seine Ankunft melden lassen. Die größte Devotion zur Schau tragend, begrüßten die Stadtältesten den Grafen Bismarck. Dem Schuster wurde ängstlich zumute; er sprang auf und drückte sich zur Seite, aber so, daß er aus der Ferne einzelne Worte der Unterredung mitanhören konnte. Bismarck, vielleicht darüber unmutig, daß der Schuster so bald zur Einsicht kommen sollte, er habe einen Zunftgenossen weniger, fertigte die Herren der Stadt möglichst kurz ab und setzte sich dann wieder ruhig auf die Bank. Augenblicklich kam auch der Schuster näher, aber diesmal ließ er sich nur auf das äußerste Ende der Bank nieder, nicht wagend, die Unterhaltung von neuem zu beginnen, bis ihm der Graf einen freundlichen Blick zusandte. Das ermutigte ihn. Zweifelnd sprach er:„Hören's, Schuster sind Sei doch nich!“ Ehe noch Bismarck antworten konnte, blies der Postillion. Der Graf erhob sich, nickte dem Schuster einen wohlwollenden Blick zu und fuhr davon. Kapitalsanlage in Gemälden. Die ungeheure Wertsteigerung von Kunstwerken, die bei Auktionen und Verkäufen in letzter Zeit bekannt geworden sind, haben immer von neuem das Erstaunen des Publikums wachgerufen, obgleich die Neigung, Werke bedeutender Meister weit über die ursprünglichen Anschaffungskosten hinaus zu bezahlen, beinahe so alt ist wie die Geschichte der Kunst überhaupt. Allerdings muß man zugeben, daß mit dem zunehmenden Wohlstand auch der Luxus und damit auch das Interesse an dem Besitz wertvoller Kunstwerke zugenommen hat. So wurde das berühmte Gemälde Millets„Angelica“, das der Künstler vor fünfzig Jahren gemalt hatte, dreißig Jahre später für nahezu eine halbe Million Mark verkauft. Reynolds verlangte für sein berühmtes Gemälde„Mrs. Siddon als tragische Muse“ nur etwa 2000 Mark. Ein Händler kaufte das Bild vor kurzem für 340000 Mark und verkaufte es acht Tage später mit einem Nutzen von 100000 Mark. Ebenso wurde in einer vor drei Jahren veranstalteten Auktion ein Porträt der„Georgina“, der Gemahlin des Lord Townshend, das der Maler Romney für 800 Mark hergestellt hatte, für 60000 Mark verkauft. Unmittelbar nach dem Tode des Künstlers konnte man seine Werke für 20 bis 30 Mark kaufen. Auf diese Weise hat sogar Romney ohne seinen Willen das Glück einer ganzen Familie begründet; denn ein alter Kunstliebhaber in Whitehaven, der niemals mehr als wenige Mark für seine Bilder bezahlte, hinterließ bei seinem Tode seine Gemälde seiner Wirtschafterin und ihrer Tochter. Der Erlös der Bilder brachte nicht weniger als 200000 Mark ein. Ebenso wie bei alten Teppichen bedeutet es auch für ein altes Kunstwerk nicht unter allen Umständen einen Verlust, wenn die bemalte Leinwand Löcher aufweist. In Christies Auktionshaus in London wurde vor kurzem ein Gemälde für 180000 Mark verkauft, dessen Anschaffungskosten 4000 Mark betrugen, und das außerdem mehrere Löcher und Risse aufwies. Umgekehrt hat die Weigerung, Bilder zu verhältnismäßig billigen Preisen zu kaufen, einen recht empfindlichen Vermögensnachteil zur Folge gehabt. So wurde einem Bürger der Stadt Bristol vor kurzem ein Gemälde zum Preise von 200 Mark angeboten, das er aber ablehnen zu müssen glaubte, weil ihm der Preis zu hoch schien. Das Bild wurde dann zum Verkauf nach London geschickt, wo es 150000 Mark einbrachte. Dumor. Theorie und Praxis. Schriftstellerin sitzt am Tisch und schreibt:„Der wesentlichste Punkt bei unserm Verkehr mit den Kindern ist, daß wir selbst wahrhaftig sind. Jedes andere Interesse muß dem der Wahrheit geopfert werden.“ Ihr kleiner Sohn tritt ein:„Mama, Mrs. Caller ist unten an der Tür.“ Schriftstellerin(ärgerlich):„Wenn sie nach mir fragt, so sage ihr, ich wäre in der Stadt.“ Sie schreibt weiter:„Wenn wir ein Kind auf irgendeine Art täuschen, geben wir nicht nur ein verderbliches Beispiel, sondern verlieren auch für immer unseren Einfluß.“ 2 g S 2 5 # 835 S 9 5 + 5 S 90 p 4. 15 S.335 S a.255 95 7 9 E S S. 9 E 9 2 □ R95S □ 0 S 8 — 0 7# 2. ** 7 3 S 5 9 S.8SS SShaLSC C 7-ggÖg20 S ö 7 SaS S. Pauss S#g 9 8 9 5 — 3 a S ∆ — STE Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 162. Dienstag, 14. Juli 1914. Ganaata. Roman von A. von Crystedt. (4. Fortsetzung.) Kinder unter verdirbt mir ut, dann stecken wir den kleinen Unhold in eine Pension, dort wird man es ihm schon beibringen, daß er sich beherrscht und sich anständig beträgt.“ „Es wäre vielleicht der beste Ausweg,“ pflichtete Klara bei,„trotzdem ich im Grunde nicht dafür bin, fremde Obhut zu geben. Aber Erwin auch das Schwesterchen, und bei einer Frau ist ein heftiges, launisches Wesen noch verhängnisvoller als beim Manne.“—261 „Es erscheint mir an beiden gleich unertraglich,“ meinte Eicke,„denn solche Menschen, ob Mann oder Weib, machen ihre Umgebung unglücklich.“ „Ich würde mich trotzdem unterfangen, deinen Jungen in einem Zeitraum von zwei Jahren zu einem guten Kinde zu erziehen. Nur dürftest du mir nicht wieder mit deinem Stock dazwischenfahren.“ Eicke lachte und zog seine Frau näher zu sich heran.„Der Denkzettel schadet dem Schlingel absolut nichts, darum mach' dir keine Sorgen, Liebling. Mit der Pension, das können wir uns ja noch bis Weihnachten überlegen. Ich habe aber keine Lust, mir meinen mühsam erkämpften Frieden durch den ungezogenen Jungen wieder zerstören zu lassen. Er sah seiner jungen Frau tief in die klaren, blauen Augen und küßte sie zärtlich.„Könnte ich dir nur sagen, was ich fühle, seitdem du hier waltest, Klara. Mir ist immer noch, als sei ich von einer schweren Krankheit genesen. Anders kann ich meine Empfindungen nicht bezeichnen. Eine solche Fülle von Glück überflutet mich oft, daß ich bange darunter erschauere. Welch ein unendlicher Segen ist für uns Männer doch solch ein sanftes, harmonisches Frauengemüt.“ „Mögest du immer dein Glück in mir finden,“ sagte Klara weich,„so wie wir uns ergänzen, kommt es wohl selten in der Ehe vor, und doch sollte es von Rechts wegen überall so sein. Du hättest früher nur einmal mich und meinen Bruder Otto sehen sollen. Das war eine Geschwisterliebe! Wer es gewagt haben würde, mich anzugreifen, der hätte Ottos Faust zu fühlen bekommen. So wie Vera ihren Bruder verhätschelt, so verwöhnte und behütete mich unser Otto. Wie oft sagten die Leute:„Junge, du wirst dich einmal nicht verheiraten, denn du hängst viel zu sehr an deiner Shwcter:. nen ercber 2d. „Du hast nie vorher von beinem Bruder gesprochen, Kind!"„ 4 bia „Das mag wohl sein,“ nickte die junge Frau,„denn (Nachdruck verboten.) ich habe ihn längst als einen Toten beweint. Er ist nämlich als junger Bursche, bald nach dem Hinscheiden meines Vaters nach Amerika gegangen, schrieb in den ersten Jahren noch an Mama, daß es ihm durchaus nicht glücken wolle, wieder vorwärtszukommen, und ließ dann nichts mehr von sich hören. Es sind acht Jahre verflossen, seit wir das letzte Lebenszeichen von ihm erhielten. Wenn er am Leben wäre, hätte er längst von sich hören lassen, denn er war ein liebevoller Sohn und Bruder.“ In Eickes Mienen drückte sich eine gewaltige Erregung aus.„Habt ihr denn niemals nach dem Verschollenen geforscht?“ fragte er. „Doch, Wilhelm. Meine Mama hat bei verschiedenen Konsulaten nach Otto gefragt. Er war aber nicht aufzufinden. Mama hat ja die Hoffnung auf seine Wiederkehr mit ins Grab genommen. Ich aber wußte schon damals, daß ich ihn nicht wiedersehen würde. Wer weiß, welch ein beklagenswertes Ende er genommen hat.“ 8 „Hatte er schon einen Beruf, als er euch verließ „Darum handelte es sich ja! Otto hatte in Göttingen neue Sprachen studiert und mußte, als Papa gestorben war, sein Studium aufgeben. Er konnte sich aber hier im Geschäftsleben nicht zurechtfinden, und Verzweiflung, sowie die Sucht nach Abenteuern mögen ihn dann fortgetrieben haben. Ich war damals gerade erst zur Schule gekommen und hatte noch nicht viel Verständnis für das, was um mich herum vorging. Oft ich, wenn seine Hilfe und sein Trost mir fehlten. Aber nachgerade gewöhnte ich mich daran, ohne ihn fertig zu werden. Er war volle zehn Jahre älter als ich.“ „Und was würdest du sagen, wenn nun doch eine Nachricht von dem Totgeglaubten da wäre?" fragte der Bankier ernst. Klara blieb stehen, wie vom Blitz getroffen. Ihr liebliches Gesicht verriet die ungeheure Spannung, die in ihr arbeitete.„Sei barmherzig,“ sagte sie flehend, „spanne mich nicht auf die Folter! Was weißt du?“ „Vorläufig noch gar nichts, Frauchen. Es gelangte ein Brief aus San Franzisko in meine Hände, den ich noch nicht geöffnet habe. Aber schon jetzt bin ich eifersüchtig auf Otto und fürchte, du wirst mich vernachlässigen, wenn er auf der Bildfläche erscheint.“ Das sollte scherzhaft klingen, aber Klara hörte doch den tiefen Ernst heraus. „Du wirst immer derjenige bleiben, Wilhelm, dem mein ganzes Herz gehört. Bist du nun zufrieden? Und würdest du meinem Bruder— vorausgesetzt, daß er je unsere Schwelle überschreiten sollte— ein wenig geschwisterliche Freundlichkeit mißgönnen?“.* „Nein, gewiß nicht, Klara.“ Ich weiß ja selbst, daß solche Regungen kleinlich und unvernünftig sind. Ermiß daran meine unbeschreibliche Liebe zu dir. Und nun wollen wir zusammen den Brief lesen, der noch an deinen Mädchennamen adressiert ist.“ Er führte sie zu einem schattigen Platz und ließ sich dort Arm in Arm mit ihr nieder. Der Brief, den er aus der Tasche zog, zeigte markante Schriftzüge. „Ist das die Handschrift deines Bruders?" fragte Eicke. Klara nahm das Schreiben in ihre zitternden Hände. Auf ihrem blassen Gesicht arbeitete die verhaltene Aufregung. Ihre Blicke schienen sich festsaugen zu wollen an den steilen, energischen Buchstaben. „Ich kann nichts sagen,“ kam es dann tonlos über ihre Lippen,„ich erinnere mich nicht— es ist zu lange ber.“„ ewishest ein gende „Nun, so wollen wir der Ungewißhell ein Ende machen,“ entschied Eicke, zog sein Taschenmesser hervor und trennte mit raschem Schnitt das Kuvert auf. * Sodann entfaltete er den großen Bogen, der die Aufschrift„Meine einziggeliebte Schwester“ enthielt. Als Klara diese Worte las, stieß sie einen erschütternden Schrei aus. Sie war einer Ohnmacht nahe. m „Sei tapfer, mein geliebtes Herz, vamir bie Freude dir nicht schadet,“ bat ihr Gatte. Sie schmiegte sich nur inniger an ihn, und dann lasen sie zusammen die Schicksale des Verschollenen. Es war die Geschichte vieler Auswanderer, welche mit zäher Beharrlichkeit nach Erfolg streben. Harte, ergebnislose Kämpfe, wilde Abenteuer, Verzweiflung, und dann doch wieder der unzerstörbare Glaube an eine große Zukunft, der selten täuschte und auch in diesem Falle in Erfüllung gegangen war. Als Otto bereits zu Wohlhabenheit gelangt war, verlobte er sich mit einer Deutschen, welche ihn hinterging und ausplünderte. Er mußte buchstäblich noch einmal von vorn anfangen, und das verbitterte ihn dermaßen, daß er seiner Mutter keine Nachrichten mehr geben mochte. Nicht eher wollte er wieder von sich hören lassen, bis er es zu etwas gebracht. Als er dann aber wieder ein Kapital zusammen hatte, unterblieb das Schreiben trotzdem, seine geschäftlichen Beziehungen nahmen ihn so vollständig ein, daß er Mutter und Schwester darüber vergaß. Erst jetzt, wo das Heimweh ihn zu quälen begann, gedachte er seiner einzigen Schwester in der Heimat, daß die Mutter noch unter den Lebenden weile, wagte er nicht mehr zu hoffen. Er bat Klara, wenn sie nicht verheiratet sei, besuchsweise zu ihm zu kommen, teilte aber auch mit, daß er im Laufe der Zeit alle geschäftlichen Beziehungen dort zu lösen gedenke, um dann als reicher, unabhängiger Mann nach Europa zurückzukehren. Doch könnten immerhin ein paar Jahre vergehen, ehe er alles geordnet und das Geschäft— es handelte sich um Exportumsatz im großen Stil— verkauft habe. Klara möge umgehend Nachricht geben. Er habe die Absicht, ledig zu bleiben, und all sein Reichtum solle einstens der Schwester und ihren Kindern zugute kommen.“ Nachdenklich faltete Klara das Schreiben zusammen. „Wenn Otto doch vor sechs Jahren, als Mama noch lebte, so geschrieben hätte,“ seufzte sie,„wie glücklich hätte es die Schwergeprüfte gemacht, die sich in Sehnsucht nach ihrem einzigen Sohn verzehrte.“ Und nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: „Ich freue mich ja von ganzem Herzen über diese Nachricht, aber ich verstehe es nicht, daß mein Bruder uns jahrelang ohne jeden ersichtlichen Grund so vernachlässigen konnte. Ein solches Verhalten ist unverantwortlich.“ „Verurteile deinen Bruder nicht zu hart, Kind,“ wandte Eicke ein,„es gibt Lebenslagen, wo einem alles verleidet ist, wo man sich nur dadurch behaupten und erhalten kann, daß man sich von den Menschen absondert. Ein stolzer Charakter kann sich weder mitteilen, noch bemitleiden lassen, sei es auch von den nächsten Verwandten. Otto wurde damals um alles betrogen, um sein Vertrauen und um das sauer Erworbene, sein Selbstbewußtfein hatte einen schweren Schlag empfangen, von dem er sich erst nach Jahr und Tag erholen konnte: In der Verzweiflung verbarg er sich und empfand einen schwachen Trost in dem Bewußtfein, daß weder Bekannte noch Berwandte um sein Elend wußten. Ich kann mich in solche Stimmungen recht wohl hineinversetzen." „Das mag alles sein. Aber wenn du die Tranen meiner Mutter, ihre flackernden Blicke gesehen hättest, die sich in scheuer Hoffnung auf jeden Brief hefteten, der in unser Haus kam, so würdest du anders sprechen. Man kann nicht nur an sich selbst denken, und die Sorge einer Mutter sollte jedem Sohn heilig sein. Diese Empfindungen gelten meiner lieben Toten. Abgesehen davon freue ich mich natürlich unbeschreiblich über den mir wiedergeschenkten Bruder. Wie ich dir schon sagte, harmonierten wir, wie selten Geschwister. Und wenn er eines Tages heimkehrt, wirst du den besten Freund an ihm haben. Wer weiß, wie er dir noch einmal nutzen kann.“ „Dergleichen sollte man gar nicht aussprechen, Kind, ich wünsche nichts mehr, als daß ich niemals in die Lage komme, um jemandes Freundschaft benötigt Klara verstand sich mit ihrem Manne heute nicht so gut, wie zu jeder anderen Zeit. Sie war aber taktvoll genug, die kleine Verstimmung schweigend zu übergehen. Vielleicht bedauerte er heimlich doch, seinen Jungen, auf den er so stolz war, gezüchtigt zu haben, vielleicht trugen auch geschäftliche Widerwartigkeiten die Schuld. Jedensalls verlief der Nachmittag in ziemlich gedrückter Stimmung. Eicke hielt sich in seinem Arbeitszimmer auf, Klara schrieb an ihren Bruder, und Erwin hatte Stubenarrest. Der schöne, große Garten lag verödet da. 5. Kapitel. Das Weihnachtsfest stand vor der Tür. Unheimlich schnell glitten die Tagesstunden dahin. Schon um vier Uhr war man gezwungen, die Lampe anzuzünden. Wundersam traulich und licht waren diese Nachmittagsstunden in der Villa Eicke. Wie ein schöner Traum flossen sie dahin. Unter dem Einfluß der sanftmütigen Hausfrau, die in ihrer stillen Art alles zu schlichten, zu begütigen wußte, war der Geist der Zwietracht und des Klatsches gewichen. Alle liebten die blasse, anmutige Frau, die mit fragenden Blicken regierte, niemals tadelte und doch unbedingten Gehorsam und Respekt erzielte. Dabei entging ihrem klaren Blick kein Versehen, und sie verstand es, die Dienstboten zu musterhafter Ordnung anzuhalten, ihnen Pflichttreue und Ergebenheit einzuimpfen. Selbst die unartigen, trotzigen Stiefkinder hatten sich ihrem sanften, aber starken Willen gebeugt. Vera hing mit einer schwärmerischen Zärtlichkeit an ihrer Mama, und auch Erwin war zutraulicher und anhänglicher geworden. Es vergingen Tage, wo er sich musterhaft führte, und brach dann sein zügelloses Temperament wieder durch, so empfand er jedesmal hinterher bittere Reue darüber, das erste Anzeichen eines ernsten Strebens nach Besserung.(Fortsetzung folgt.) M„u M S. 55 0 S S 1 S 955 1 * 2 E ar 5 S 2 E E S 5.8 5 5 S S 05 8 S E 2/8 S5 S SG. *** *"“ 5„ 9 57 S 2 Denkspruch. Das sind die rechten Gesetze, welche nicht ein Ideal voraussetzen, sondein was war und ist und sein kann. Joh. v. Müller. 6 1 Die Handtasche. Humoresle von Kurt Harmstorff. (Nachdruck verboten.) Signor Ernesto Migliacci— im Fremdenbuch stand außerdem noch ein„Conte“ vor seinem Namen— öffnete behutsam die Tür seines Zimmers im Hotel„Zum Grünen Baum", um geraume Weile auf den halbdunklen Flur hinauszuspähen und angestrengt zu lauschen. Aus den unteren Regionen tlang das Klappern von Geschirr und die etwas fettige Stimme des Wirtes, der seine Befehle für die Abendtafel gab; hier oben aber war alles still. Eine Ruhe herrschte, die dem Herzen des Conte Migliacci unendlich wohltat— und er war ängstlich bemuht, sie durch keinerlei überflüssige Geräusche zu stören. Auch nicht der kleinste Laut wurde vernehmbar, als er die Tür hinter sich zuzog und geschmeidig wie eine Katze über den Gang huschte, um an die Tür von Nummer 1 zu klopfen. Es rief niemand herein, und der Italiener mochte wohl auch nichts Terartiges erwartet haben. Sacht drückte er die Klinke nieder, und er atmete in freudiger Ueberraschung auf, als die Tür sich als unverschlossen erwies. „Echt ameritanisch!“ schoß es ihm durch den Sinn. „Bewunderungswürdig, diese Sorglosigkeit!“ Das mer war von abendlicher Dunkelheit erfüllt, aber Ernesto Migliacci hatte Augen, die im Finstern sahen. Und es währte nicht eine halbe Minute, bis er die Handtasche erspäht hatte, die hinter dem Schrank in einer Ecke des Zimmers stand. Er vergeudete keine Zeit damit, sie auf ihren Inhalt zu prüfen, obwohl er sah, daß der Schlüssel aufsteckte, sondern machte sich ohne Verzug auf den Rückweg. Da aber fuhr ihm ein gewaltiger Schrecken in die Glieder. Lebhaftes Gespräch ertönte auf der Treppe, und er hörte eine helle, ungemein klangvolle Stimme einige englische Worte sprechen. Kein Zweisel— die Bewohner des Zimmers, dem er da soeben einen Besuch abgestattet hatte, kehrten zurück, und es war unmöglich, noch ungesehen an ihnen vorbei zu kommen. Die Handtasche dünkte dem Conte plötzlich schwer wie Blei, und verzweifelt spähte er nach einem Winkel aus, in den er sich hätte verkriechen können. Aber nichts Derartiges war zu erblicken— die Wände waren von unerbittlicher Gradheit, und die Stimmen ertlangen bereits aus nächster Nähe. Ein rascher Sprung brachte Ernesto Migliacci an die nächste Zimmertür; auch sie war unverschlossen— die Handtasche flog in die nächste Ecke — und einen Augenblick darauf ging Conte Ernesto Migliacci hocherhobenen Hauptes, sorglos ein Liedchen trällernd, an den beiden jungen Damen vorüber, die in Begleitung eines blondbärtigen Herrn den Flur betraten.„Ein interessanter Kopf!“ hörte er die eine der Damen in englischer Sprache sagen, und er wandte sich noch einmal, ihr einen feurigen Blick zuzuwerfen. Die Erwiderung des Blondbärtigen:„Ja— wie ein Spitzbube sieht er aus,“ hatte er zu seinem Glück nicht mehr vernehmen können. Miß Evelyn Miller aber, die ihm die schmeichelhafte Bemerkung nachgesandt hatte, lachte silbern. „Ja— Spitzbuben sind wohl die meisten von diesen Italienern,“ sagte sie.„Aber sie haben wenigstens Temperament, und es sind doch schöne Leute.— Trinken Sie noch eine Tasse Tee mit uns, Herr Doktor?“ Doktor Herbert Gruber lehnte mit einigen verbindlichen Worten ab— er habe noch ein paar dringende Briefe zu schreiben, die mit der Abendpost fortmüßten. Galant küßte er Miß Epelyn die Hand; der anderen jungen Dame aber, die wesentlich einfacher gekleidet war und sich bescheiden zurückgehalten hatte, schüttelte er nur kordial die Rechte. „Sie wollen uns also wirklich verlassen, Fräulein Burkhardt?“ sagte er scherzend.„Ich denke, Sie überlegen sich's noch einmal. Miß Miller wird Sie ja gar nicht entbehren können.“ Das junge Mädchen hatte die Hand rasch zurückgezogen und sah zu Boden, während es erwiderte: „Ich bin wohl nicht so unentbehrlich. Und es ist leider unbedingt notwendig, daß ich morgen fahre.“ „Ja, ihre Mutter braucht unsere liebe Marianne,“ tönte Miß Evelyns metallische Stimme dazwischen. „Und ich muß sie wohl fortlassen— so schwer es mir wird.— Aber wolltest du nicht deine Sachen packen, Ließe?““ Fräulein Marianne nickte und verabschiedete sich hastig. Doktor Burthardt aber hatte offenbar ganz vergessen, daß er einige dringende Briese hatte schreiben wollen. Er trat ans Fenster, um nachdenklich in die beginnende Dämmerung hinauszusehen. Das Herz war ihm übervoll— so voll, daß er sich keinen Rat mehr wußte und keine Rettung. Vor drei Wochen war er hier an der Table d'hote mit Miß Evelyn und ihrer jungen Gesellschafterin zusammengetroffen, und seitdem war er der Begleiter der beiden Damen auf all ihren Spaziergängen, ihr Cicerone durch die Sehenswürdigkeiten der Stadt und ihr Führer bei den zahlreichen Ausflügen in die Umgebung gewesen. Auf den ersten Blick hatte es ihm die Schönheit und die verführerische Eleganz der jungen Amerikanerin angetan, und ihre bestrickende Liebenswürdigteit hatte ihn nach wenigen Tagen schon vollends besiegt. Wenn er ihr seine Liebe nicht gestand, so verschloß ihm einzig das Bewußtsein des großen Unterschiedes den Mund. den ihr Reichtum und seine Mittellosigkeit zwischen ihnen schuf. Wie sollte er es auch wagen, sie um ihre Hand zu bitten— er, der arme Philologe, dem die Studienreise hierher schon wie ein Gnadengeschenk des Himmels erschienen war, die Tochter eines der amerikanischen Dollartönige, die die ganze Welt gesehen hatte, und der eine Fahrt zu den Pyramiden nicht mehr bedeutete als ein tleiner Ausflug!— Von Stunde zu Stunde brannte sein Herz in hellerer Glut, die noch geschürt wurde durch ihre Liebenswürdigkeit. Aber wenn er sich einmal Mut gemacht hatte und sprechen wollte — dann war es seltsamerweise gerade diese immer gleichbleibende Liebenswürdigkeit, die ihn im letzten Augenblick wieder mutlos machte. Und eines Tages geschah ihm etwas Wunderbares. Der Zufall hatte es gefügt, daß er einige Stunden aklein mit der Gesellschafterin verbrachte, die er bis dahin kaum beachtet hatte. Sie hatten über Kunst und Literatur gesprochen — und zu seiner ständig wachsenden Verwunderung hatte sie so umfassende Kenntnisse und ein so seines Verständnis an den Tag gelegt, wie er sie bei einem weiblichen Wesen zuvor nicht angetroffen hatte. Er machte plötzlich die Entdeckung, daß Fräulein Marianne zwei ungewöhnlich schöne, große und tiefe Augen ihr eigen nannte, und er sah vielleicht ein wenig zu tief in diese Augen hinein. Denn von jenem Tage an lebte er in einem Zwiespalt der Empfindungen, aus dem er sich nicht mehr herausfand. Bald glaubte er, daß die schöne Ameritanerin sein Herz ausschließlich besaß— und dann wieder kamen Augenblicke, in denen er sich einer innigen Zuneigung zu ihrer stillen und bescheidenen Gesellschafterin bewußt zu werden glaubte. Da hatte ihn Miß Evelyn heute durch die Mitteilung überrascht, daß ihre liebe Marianne genötigt sei, sie