W ∆ Antrliches Kreisbialt * für den kreis börde De Shmntn Zatugt züchamt whalch. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Gralisbeilage:„Illustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabalt u. erlischt bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Aichtbeachtungd genacht. Jadiungsbedingung. 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Schon der bisherige Gang der Untersuchung hat bestätigt, was wir alsbald aussprachen, daß der Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin der großserbischen Propaganda zum Opfer gefallen sind und daß die Fäden der Verschwörung, wenn auch den Drahtziehern diese blutige Katastrophe möglicherweise über das Programm hinausging, nach Belgrad laufen. An dieser moralischen Mitverantwortlichkeit der leitenden Kreise in Serbien können auch die feierlichsten Versicherungen der offizösen„Samouprawa“ nichts ändern, und wenn das Belgrader Regierungsblatt meint, man werde wie gewöhnlich sogar Serbien selbst anschuldigen, so dürste das schon zutreffen. Beide Attentäter, Prinzip wie Cabrinowitsch, sind zwar österreichische Staatsangehörige, aber serbisch=orthodoxen Glaubens. Und beide haben sich erst vor kurzer Zeit in Belgrad aufgehalten. Cabrinowitsch hat eingestanden, daß seine Bomben serbisches Fabrikat waren, und Prinzip erklärte bei dem Verhör mit brutaler Offenheit, daß er seit seiner Rückkehr aus Belgrad den Vorsatz gehabt habe, eine hochstehende Person zu erschießen, um dadurch die serbische Nation für die Unterdrückung zu rächen. Die Feststellungen und Aeußerungen bilden mit den bereits bekannten Tatsachen eine geschlossene Beweiskette. Die von Belgrad ausgehende nationalistische Propaganda hat in den letzten Jahren unter den österreichischen Südslaven und besonders in Bosnien und der Herzegowina plangemäß, skrupellos und mit reichlichen Geldmitteln gearbeitet. Ihre Organisation sand diese Bewegung in der Narodna Ochrana, die in allen größeren Orten Oesterreich= Ungarns, Nordalbaniens und Montenegros ihre Vertrauensmänner hat, und deren Zusammenhang mit den serbischen Offizierskreisen wiederholt einwandsfrei sestgestellt worden ist. Es ist bezeichnend, daß der jetzt ermordete Erzherzog Franz Ferdinand sich konstant geweigert hat, den serbischen Gesandten Johanowitsch in Antrittsaudienz zu empfangen, weil dieser als einer der Hauptorganisatoren der Narodna Ochrana bekannt, war. Es ist dem Erzherzog sicherlich auch nicht unbekannt gewesen, daß diese Hetze sich in erster Reihe gegen ihn selbst, der sich den besonderen Haß der Großserben zugezogen hatte, richtete. Auf das Konto dieser Hetze kommen die mannigsachen, teils gelungenen, teils mißlungenen Attentats, die in den letzten Jahren in Bosnien auf hochstehende Persönlichkeiten ausgeübt wurden, und die ihre Krönung jetzt in der verabscheuungswürdigen Bluttat von Serajewo gefunden haben. Es kann zunächst als unbegreiflich erscheinen, daß der Haß der Großserben sich gerade gegen den Erzherzog Franz Ferdinand wendete, der doch von jeher als Freund der Slaven galt, und auf den diese so große Hoffnungen gesetzt hatten. Aber gerade dieser Umstand erklärt den Mord, deckt die Fäden der großserbischen Verschwörung auf. Man weiß, daß die südslavischen Elemente der Donaumonarchie, Kroaten, Serbokroaten und Slovenen, seit langer Zeit eine Sonderstellung erstreben, wie sie die Magyaren ja bereits für sich errungen haben, und ihr Endziel ging dahin, die jetzige dualistische durch eine trialistische Staatssorm ze ersetzen. Dem Erzherzog Franz Ferdinand hatte man nachgesagt, daß er diesen Plänen mit Sympathie gegenübersland, daß er sich ernsthaft mit dem Gedanken einer Losung der südslavischen Frage trug. Das aber war es gerade, was die Großserbenpartei fürchte!:, was sie unter allen Umständen verhindern wollte. Eine Versöhnung der südslavischen Elemente mit der Monarchie mußte notwendigerweise das Ende der phantastischen Träume von einem Großserbenreich bedeuten, und als das schlimmste Hindernis dieser Zukunftsphantasie galt den Großserben logischerweise der Erzherzog Franz Ferdinand, und zwar aus doppelten Gründen. Einmal weil er eben die Versöhnung der Südslaven anstrebte, und zweikens weil seine auf den Ausbau des Heeres und Die Beisetzung'des: Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin sind zur letzten Ruhe eingegangen. Die Familien= gruft zu Artstetten, die er sich selbst geschaffen, umfängt nun ihn und die Gefährtin seines Lebens, die ihm bis in den Tod getreu war. Auch das ist bezeichnend für den Mann, den Oesterreich beweint. Er trat nicht in die Spuren einer alten Tradition, sondern seine kraftvolle Persönlichkeit mußte sich selbst den Boden schassen, auf dem er stand, wie auch den Boden, der nun seine sterblichen Reste aufgenommmen hat. Kein altes Erbbegräbnis ist seine letzte Ruhestatt, sondern eine Familiengruft, die er sich selbst errichtet hat. Er wollte mehr sein als nur ein Glied in der langen Kette eines alten Kaiserhauses, er wollte der Erste seines Geschlechtes sein, der Begründer vielleicht auch einer neuen Dynastie, zu der selbst über die Hindernisse der Legitimität sein kraftvoller Geist den Weg wohl noch gesunden hätte. Seine Hoffnungen ruhen nun zusammen mit den Hoffnungen seines Oesterreich unter der Erde. Des Erzherzogs Heimfahrt. Am Freitag abend wurden die Leichen des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin von Wien, wo die große Trauerfeier stattgefunden hatte, nach Artstetten überführt. Die Kinder des Erzherzogs waren am Freitag aus Chlumetz in Wien eingetrofsen, und haben in der HofburgPfarrkirche an den Särgen ihrer ihnen so jäh entrissenen Eltern Gebete verrichtet. An den Sarkophagen spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Für die letzte Fahrt des erzherzoglichen Paares zum Westbahnhof bildeten auf Besehl des Kaisers die Truppen der Wiener Garnison auf dem ganzen Wege Spalier. Auch viele Vereine mit umflortem Banner hatten in den Straßen, die der Trauerzug passierte, Ausstellung genommen. Um 10 Uhr abends wurden Leide Särge vom Hofburgpfarrer Seidl in der Hofburg=Pfarrkirche eingesegnet und sodann in den Burghof gebracht, worauf der Trauerzug, welchen eine halbe Eskadron der Franz=Ferdinand= Ulanen geleitete, sich in Bewegung setzte. Ueberall stand hinter dem Militär eine überaus zahlreiche Menschenmenge vom Burgtor bis zum Westbahnhof. Beim Passieren der Särge leisteten die Soldaten die Ehrenbezeugung. Die Fahnen senkten sich, und das Publikum grüßte ehrerbietigst in tieser Trauer; man hörte Schluchzen und Weinen. Gegen ¼11 Uhr erreichte der Zug den Bahnhof. Um 10 Uhr 50 Minuten fuhr der Hofzug aus der Halle. Erzherzog=Thronfolger Karl Franz Josef wurde bei der Hin= und Rückfahrt vom Publikum lebhaft begrüßt. Die Beisetzung in Artstetten. Am Sonnabend vormittag um 10¾ Uhr sand in der Schloßpfarrkirche zu Artstetten in Gegenwart des Erzherzogs Karl Franz Josef und der nächsten Verwandten der Verblichenen, zahlreicher Mitglieder des kaiserlichen Hauses und sonstiger Trauergäste die feierliche Einsegnung der Leichen des Erzherzogs und seiner Gemahlin statt. Dechant Dobner nahm unter großer geistlicher Assistenz die seierliche Handlung vor. An den Särgen hielten Offiziere die Ehrenwache. Um 11½ Uhr wurden die Särge durch ein Spalier von Feuerwehrleuten und Veteranen durch das Parktor zur Gruft getragen, wo in Gegenwrat der nächsten Anverwandten die endgültige Beisetzung erfolgte. Trauerfeiern in ganz Oesterreich. Am Sonnabend vormittag sand in der HofburgPsarrkirche zu Wien ein feierliches Seelenamt statt, welchem Kaiser Franz Josef, die Mitglieder des kaiserlichen Hauses und die Würdenträger beiwohnten. In ganz Oesterreich wurden am Sonnabend für das verstorbene Thronsolgerpaar seierliche Requieme veranstaltet. Fürs: Marimilian Hohenberg. In Wiener Hofkreisen verlautet, daß der älteste Sohn des verstorbenen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand, Fürst Maximilian Hohenberg, demnächst das lothringische Hauswappen und den Titel eines Herzogs von Lothringen erhalten werde. Handschreiben Kaiser Franz Josefs. Der Kaiser hat an den Ministerpräsidenten Grasen Stürghk, den Ministerpräsidenten Grafen Tisza und den gemeinsamen Finanzminister v. Bilinsli ein gleichlautendes, vom 4. Juli datiertes Handschreiben folgenden Inhaltes gerichtet: Tieferschüttert stehe ich unter dem Eindruck der unseligen Tat, die meinen inniggeliebten Neffen an der Seite seiner hochherzigen, in der Stunde der Gefahr bei ihm treu ausharrenden Gemahlin dahingerafft und mich und mein Haus in schmerzlichste Trauer versetzt hat. Wenn mir in diesem herben Leid ein Trost werden kann, so sind es die ungezählten Beweise warmer Zuneigung und aufrichtigen Mitfühlens, die mir in den eben verflossenen Tagen aus allen Kreisen der Bevölkerung zugekommen sind. Eine verbrecherische Hand hat mich des lieben Anverwandten und treuen Mitarbeiters, hat schutzbedürftige, dem zartesten Alter kaum entwachsene Kinder alles dessen, was ihnen auf Erden teuer war, beraubt und namenloses Weh auf ihr unschuldiges Haupt gehäust. Der Wahnwitz einer kleinen Schar Irregeleiteter vermag aber nicht, an den geheiligten Banden zu rütteln, die mich und meine Völker umschlingen. Er reicht nicht heran an die Gefühle inniger Liebe, die mir und dem angestammten Herrscherhause aus allen Teilen der Monarchie auss neue in so rührender Weise kundgegeben wurden. 6½ Jahrzehnte habe ich mit meinen Völkern Leid und Freud geteilt, auch in den schwersten Stunden stets eingedenk meiner erhabenen Pflicht der Verantwortung für die Geschicke von Millionen, über die ich dem Allmächtigen Rechenschaft schulde. Die neue schmerzliche Prüfung, die Gottes unerforschlicher Ratschluß über mich und die meinen verhängt hat, wird in mir den Vorsatz stärken, auf dem als recht erkannten Wege bis zum letzten Atemzuge auszuharren zum Wohle meiner Völker, und wenn ich dereinst das Unterpfand ihrer Liebe als kostbarstes Vermächtnis meinem Nachfolger hinterlassen kann, so wird dies der schönste Lohn meiner väterlichen Fürsorge sein. Ich beauftrage Sie, allen, die sich in diesen kummervollen Tagen in bewährter Treue und Ergebenheit um meinen Thron geschart haben, meinen tief empfundenen Dank kund zu tun. gez. Franz Josef. Armee= und Flottenbefehl. Der Kaiser erließ folgenden Armee= und Flottenbesehl: Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit, der General der Kavallerie und Admiral Erzherzog Franz Ferdinand, Generalinspekteur der gesamden bewaffneten Macht, ist einem verabscheuungswürdigen Attentat auf sein Leben erlegen, und in tiesgefühlter Trauer beklage ich im Verein me meiner gesamten bewaffneten Macht den Verewigten, dessen letzte Tätigkeit noch der Ersüllung der ihm teuren militärischen Pflicht gegolten hat. Seine letzte Besehlskundgebung richtete sich an die braven Truppen, die in Bosnien und in der Her,egowina treu und freudig nach vollster Tüchtigkeit streben. So hoch die Stelle war, die ich dem Dahingeschiedenen in meiner Wehrmacht zu Lande und zur See eingeräumt habe, so hoch war auch seine Aufsassung der übernommenen Aufgaben. Mitten aus schaftensfrohem Wirken wurde er uns entrissen. Wir beugen uns in Wehmut dem unersorschlichen Willen des Allmächtigen, der ein unermeßliches Opser von mir, meiner Macht und dem Vaterlande sordert. Dennoch entsage ich nicht der Hoffnung auf eine gedeihliche Zukunft, überzeugt, daß in aller Bedrängnis, von der wir heimgesucht werden mögen, die Monarchie in der todesmutigen Hingebung der in ihrer Berufstreue unerschütterlichen Wehrmacht Oesterreich=Ungarns ihren Hort sinden wird. der Flotte, auf die Stärkung des österreichischen Staatsgedankens gerichtete Tätigkeit alle ferbischen Hoffnungen endgültig zu nichte machte Eben deshalb war der Thronfolger auch den Serben selbst, wie die maßlosen Angriffe auch der regierungssrommen Blätter auf ihn zeigten, der bestgehaßte Mann. Als die Donaumonarchie zu Ende des Jahres 1908 Bosnien und die Herzegowina offiziell annektierte und damit einen Strich durch alte serbische Hoffnungen machte, stieg die Spannung in Belgradb edrohlich, und als dann durch die freilich noch lange nicht gesicherte Begründung des Kunststaates Albanien den Serben der Weg zum Adriatischen Meer abgeschnitten wurde, schien man unmittelbar vor einem österreich=serbischen Krieg zu stehen, zu dem auch die panslavischen Hetzer schürten. All dieser Groll und Haß hat sich jetzt in der furchtbaren Bluttat von Serajewo entladen, die zugleich die ganze Gefahr der großserbischen Propaganda für den Bestand der Donaumonarchie offenbart hat. Die Ermordung des Königs Alexander und seiner Gattin Draga sind ja nicht das einzige Beispiel für die Verwendung des Mordes als politisches Propagandamittel in Serbien. Zar Nikolaus aber hätte alle Ursache, ernstlich darüber nachzudenken, ob die Folgen, welche die ja gerade auch von Rußland aus schürte Hetze gegen Oesterreich gezeitigt hat, nicht allzu bedenklich sind, ob die Spuren des in erster Reihe von den Panslavisten geschürten Nationalitätenhasses nicht doch am Ende schrecken! Politische Uebersicht. Reisepläne des Kaisers. Von einer TelegraphenAgentur wird eine Meldung weitergegeben, Kaiser Wilhelm habe an Kaiser Franz Josef die Anfrage gerichtet, ob sein Besuch in Ischl genehm wäre. Nachdem eine zustimmende Antwort nach Berlin abgegangen sei, werde nunmehr Kaiser Wilhelm im Lause der nächsten Woche in Ischl eintrefsen, um persönlich zu kondolieren. Diese Nachricht ist, wie wir von zuständiger Seite erfahren, unrichtig und widerlegt sich von selbst. Die beabsichtigte Teilnahme des deutschen Kaisers an den Trauerfeierlichkeiten in Wien galt lediglich seinem toten Freund. Weiter ist auch bekannt, daß Kaiser Franz Josef in Ischl keine Besuche empsängt, so daß sich auch aus diesem Grunde die Meldung als salsch erweist, ganz abgesehen davon, daß, wie mitgeteilt, der Kaiser am Montag von Kiel aus seine Nordlandreise beginnt.— In diesem Zusammenhang sei nochmals darauf hingewiesen, daß die Teilnahme des Kaisers an den Wiener Feierlichkeiten lediglich auf Grund seines Gesundheitszustandes unterblieb und nicht wie in Wien vielfach verbreitet wurde, dadurch, daß man den deutschen Keiser rerständigt habe, die Reise zu unterlassen mit Rücksicht auf seine persönliche Sicherheit in Wien. Das Besinden Kaiser Wilhelms hat sich nach der letzten Schonung so bedeutend gebessert, daß der Kaiser sich bereits wieder frei bewegen kann. Reise des Kaisers nach Thüringen. Der Kaiser trifft, wie das„B. T.“ meldet, am 19. Juli auf dem Thüringer Truppenübungsplatz Ohrdruf ein und wird von dort aus die Neubauten der Feste Koburg besuchen. Kaiser Wilhelm und der österreichische MarineMinister. Dem Marine=Minister Haus telegraphierte Kaiser Wilhelm: Nehmen Sie als Vertreter der kaiserlichen und königlichen Marine den Ausdruck meines ganz besonderen Beileids entgegen anläßlich des jähen Hinscheidens Ihres Erzherzogs Admirals. Ich weiß, wie sein Herz für die Flotte schlug und wie er für sie gewirkt hat. Mit mir trauert meine Flotte. Der Minister sagte in seinem Dank: Niedergeschmettert von der Tragik des Schiasals, sind uns die gnädigen warmen Worte der Teilnahme, deren Euene Maestät an mich zu richten die Gnade hatten, ein wahren Trost und ein Ansporn zu weiterer Arbeit. Staatssekretär Delbrück erhielt den Verdienstorden der preußischen Krone und damit ein besonderes Zeichen kaiserlichen Vertrauens. Der Ueberschuß der Reichspost= und Telegraphen. Verwaltung ist im Rechnungsjahr 1914 laut„Reichs. anzeiger“, um über 19,1 Millionen Mark hinter dem Voranschlag zurückgeblieben. Die Einnahme an Zöllen, Steuern und Gebühren war 10.5 Millionen geringer als im Etatsansatz. Größere Ersparnisse konnten im Reichskolonialamt gemacht werden. Im ganzen hat der Reichsetat 20.9 Millionen Mark Ueberschuß ergeben. Württembergs Wehrbeitrag. Der Wehrbeitrag in Württemberg wird rund 30 Millionen Mark ergeben, wovon 13 Millionen Mark allein auf Stuttgart entfallen. Der deutsch= türkische Handelsvertrag. Nachdem das Abkommen über die Verlängerung des deutschtürkischen Handelsvertrages auch vom Parlament in Konstantinopel angenommen worden ist, wird, wie wir aus Berlin erfahren, seine Natifizierung schon in den nächsten Tagen erfolgen, da der bisherige Vertrag am 25. vorigen Monats schon sein Ende erreicht hat. Der geltende Vertrag stammt aus dem Jahre 1890 und ist bereits einmal durch Notenwechsel verlängert worden. Ein neuer Spionageprozeß. Vor dem Reichsgericht wurde der erste Spionageprozeß unter Anwendung des neuen, verschärften Spionagegesetzes verhandelt. Gegen die Anklage des versuchten Verrats militärischer Geheimnisse hatte sich der Franzose Housse aus Irvie zu verteidigen. Er hatte sich Zeichnungen der Metzer Festungswerke zu beschaffen gesucht. Housse wurde zu drei Jahren Gesängnis verurteilt. Die Verhandlung, bei der u. a. zur Sprache kam, daß Housse in das Zimmer eines Offiziers gedrungen und den Offizier durch ein Schlafmittel zu betäuben gesucht hatte, wurde unter Ausschluß der Oefsentlichkeit geführt. Zehn Jahre Kaufmannsgericht. Am Montag befindet sich das Reichsgesetz über die Kaufmannsgerichte zehn Jahre lang in Krast. Bei Prinzipalen wie Angestellten haben diese Berufsgerichte, die allen überflüssigen Formzwang über Bord werfen durch die Schnelligkeit und Billigkeit des Verfahrens sich beliebt gemacht, so daß ihre obligatorische Einführung vielsach auch in den Städten unter 20 000 Einwohnern gewünscht wird. Das nahezu die Hälfte aller Nechtsstreitigkeiten auf dem Wege des Vergleichs gelöst wird, kann man als einen Uebelstand der Einrichtung nicht bezeichnen; ein solcher ist eher darin zu erblicken, daß die Einfachheit und Billigkeit einen gewissen Anreiz zu Klagen bietet. Ob in absehbarer Zeit dem Wunsche entsprochen werden wird, der Rechtsunsicherheit, die infolge widerspruchsvoller Urteile in einigen Punkten besteht, durch ein Neichskaufmannsgericht abzuhelsen, erscheint zweiselhaft. Frankreich. Der Goldvorrat der Bank von Frankreich. Während die Goldvorräte der deutschen Reichsbank infolge starker Inanspruchnahme während des ersten Halbjahres 1914 bedeutend zusammengeschmolzen sind und einen gegen das Vorjahr erheblich niedrigeren Stand aufweisen, hat der Goldvorrat der Bank von Frankreich einen bisher unerwünschten Hochstand zu verzeichnen. Er ist infolge starker Goldheranziehung aus London und Neuyork auf mehr als vier Milliarden Franks angeschwollen und um mehr als sieben Millionen gegen das Vorjahr gestiegen, während die Goldreserven der deutschen Reichsbank in der gleichen Zeit nur eine Steigerung um 225 Millionen zu verzeichnen hatten. In Frankreich mit seinen zahlreichen Nentnern liegt naturgemäß viel Geld in bar fest. Das hat sich schon 1871 gezeigt, als die fünf Milliarden Kriegskosten an Deutschland im Handumdrehen gezahlt wurden. In Deutschland dient das Geld weit mehr werbenden Zwecken und kann daher nicht in dem gleichen Maße wie in Frankreich von der Neichsbank aufgehäuft werden. England. Londoner Mahnungen an Oesterreich. Man sieht mit wachsendem Bedauern das Bestreben der offiziösen österreichischen Presse, die Serajewoer Bluttat zum Ausgangspunkt neuer Reibereien mit Serbien zu machen, die sogar dem Weltfrieden gefährlich werden könnten. Die„Times“ veröffentlicht einen Protest von offizieller serbischer Seite gegen dieses Treiben. Er betont, daß alle offiziellen und politischen Kreise Serbiens das Verbrechen der jungen Fanatiker tief verabscheuen. Die Annahme sei absurd, daß die serbische Regierung auch nur die Idee einer solch sinnlosen Tat hätte dulden können, wo sie alles getan habe, um die Beziehungen zu Oesterreich zu verbessern. Sie habe das schärfste Auge auf alle verdächtigen Elemente gehabt(?), sei aber in vorliegenden Fall ohnmächtig gewesen, da beide Verbrecher in Oesterreich lebende österreichische Untertanen seien. Mexiko. Frieden in Mexiko? Mexiko soll nun von der Friedenskonserenz in Niagara Falls paradiesische Zustände erhalten. Die Konserenz hat ein Friedensprotokoll zustandegebracht, das auch Huertas Bevollmächtigte unterzeichneten. Danach soll eine neue provisorische Regierung auf Grund eines Uebereinkommens zwischen den Vertretern der politischen Parteien Mexikos gebildet und von der Union sowie den drei großen südamerikanischen Freistaaten anerkannt werden. Nordamerika verzichtet auf Kriegsentschädigung und Genugtuung. Die Entschädigungsforderungen der Ausländer sollen von einer internationalen Kommission gegeregelt werden. Huerta tritt zurück, und Veracruz bleibt von den Amerikanern noch einige Zeit besetzt. Carranza tritt in Friedensverhandlungen mit Huerta ein. Ein Altentat auf den König von England. London, 4. Juli. Im Buckinghampakast ereignete sich am Freitag abend ein Aufsehen erregender Zwischensall. Eine vornehm gekleidete Dame, die geladene Nevolver bei sich trug, versuchte nachmittags gegen 5 Uhr in den Palast einzudringen, um den König zu interviewen. Der König war zur landwirtschaftlichen Ausstellung nach Shrewsbury gesahren. Das eigenartige Benehmen der Dame erregte den Verdacht der Schloßwache. Sie führte die Frau in einen Warteraum, wo sie von Polizisten einer Leibesvisitation unterzogen wurde. Hierbei sand man zwei Revolver. Die Frau wurde in Hafst genommen. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Zu der Zeit, als sich der Zwischenfall ereignete, war die Königin im Schlosse anwesend. —— Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 6. Juli. **(Das Wetter im Juli) nach den Mondvierteln dürste sich einigermaßen veränderlich gestalten. Vollmond, den 7., soll von Regen begleitet sein.— Letztes Mondviertel, den 15., dürfte gemischte Witterung halten.— Neumond, den 23., verspricht gutes Erntewetter.— Erstes Viertel, den 30., läßt Donner erwarten. **(Die Blumen im Getreidefeld.) Kornblumen, Korntaden und Mohn, die jetzt zwischen dem Getreide das Auge des Natursreundes mit ihren satten Farben ersteuen, gelten dem Landmann als Unkraut. Aber die Kornblume ist uns Deutschen geheiligt, sie war, seitdem Königin Luise einst ihren Söhnen Kränze aus Kornblumen auf die Häupter gesetzt hatte, des alten Kaisers Wilhelm Lieblingsblume. Auch die Kornrade gilt nicht überall als Unkraut. In den öden Gebieten Sibiriens wird sie beispielsweise während des kurzen Sommers in großen Feldern angebaut; man gewinnt aus dem Kornradensamen, nachdem man das in ihm enthaltene Saponin=Eist entfernt hat, Spiritus, der sich zur Bereitung eines in Rußland sehr geschätzten Schnapses eignet. In den asiatischen Ländern wird der Mohn massenhaft angebaut, um aus seinen Köpfen Opium zu gewinnen. **(Prozession.) Am gestrigen Sonntag fand die alljährliche Prozession der katholischen Gemeinde statt. Trotz des nicht besonders günstigen Wetters war die Beteiligung eine ungemein große. Gegen 10 Uhr setzte sich der lange Zug, der mit seinen vielen slatternden Fahnen und der großen Schar weißgekleideter Kinder einen prächtigen Anblick bot, von der Kirche aus in Bewegung und durchzog das hübsch mit Grün und Fahnen geschmückte nordwestliche Stadtgebiet. Vier Musikchöre, darunter sogar eine vom Gesangverein„Cäcilia“ gestellte Insanterie=Kapelle, spielten in dem Zuge. An den einzelnen Altären brachte der Kirchenchor unter Herrn Lehrer Köhnens Leitung passende Lieder zum Vortrag, und trug nicht wenig zur Hebung der Feier bei. Kurz nach 12 Uhr wurde die Prozession mit einer kurzen Feier in der Kirche beschlossen. **(Ergebnis der letzten Schweinezählung.) Nach dem vorläufigen Ergebnis der am 2. Juni vorgenommenen Schweinezählung im Deutschen Reich gab es in ganz Deutschland insgesamt 25274 326 Schweine gegen 21 821 453 am gleichen Termin des Vorjahres. Die Zunahme beträgt 15,8 Prozent. **(Eine vermehrte Abfertigung des Reisegepäcks) bezweckt eine neue Verfügung der Eisenbahnverwaltung. Sie wendet sich gegen die Mitnahme schwerer und zahlreicher Gepäckstücke als Handgepäck in die Wagenabteile und weist das Personal an, streng darüber zu wachen, daß der Uebersüllung der Abteile durch Handgepäck mit größtem Nachdruck vorzubeugen ist. Dem Reisenden steht in der ersten bis dritten Wagenklasse nur der Raum über und unter seinem Sitzplatz für das Handgepäck zur Verfügung, und Sitzplätze selbst dürsen nicht mit Handgepäck belegt werden. Die Gepäckträger sind dementsprechend streng anzuweisen, daß sie es ablehnen, schwere und zahlreiche Gepäckstücke als Handgepäck in die Wagenabteile zu tragen; sie haben vielmehr die Reisenden zu veranlassen, solches Gepäck absertigen zu lassen. Auch die Bahnsteigschaffner haben darauf zu achten, daß derartige Gepäckstücke an der Sperre angehalten werden. Unter allen Umständen soll verhindert werden, daß einzelne Reisende Handgepäck in Nachbarabteilen verstauen und auf diese Weise die Rechte ihrer Mitreisenden verkümmern und die Bequemlichkeit beeinträchtigen. **(Der M.=G.=V.„Cäcilia“,) der älteste und stärkste Gesangverein unserer Stadt, kann in diesen Wochen auf ein 45jähriges Bestehen zurückblicken, und hatte aus diesem Anlaß gestern nachmittag ein Konzert im„Freischütz“ veranstaltet, welches einen in jeder Beziehung ausgezeichneten Verlauf nahm und eine der Bedeutung des wichtigen Tages würdige Feier bildete. Durch die Mitwirkung des „Sängerbund“= Menden, über den Musikdirektor Hanemann, der langjährige Leiter der„Cäcilia“, gleichsalls den Taktstock schwingt, war ein etwa 100 Sänger starker Chor zusammengestellt, der im Laufe des Nachmittags unter dem jubelnden Beifall des Publikums eine größere Anzahl prächtiger Chorwerke— Volkslieder und Kunstchöre— stimmungsvoll zu Gehör brachte. Neben„Der Elfin Fluch“, Ballade von Hanemann, und der Hegarschen Komposition„Rudolf von Werdenberg“, welche von dem Chor meisterhaft wiedergegeben wurden, wirkten vor allem die wuchtigen Weisen von Zöllners * „Einkehr" begeisternd auf die Zuhörer. Den instrumentalen Teil des reichhaltigen Programms bestritt die Kapelle des Insanterie=Regiments Nr. 137 aus Hagenau, welche unter der Leitung des Musikmeisters Knauth mit einer reichen Auswahl der besten Werke unserer Tonmeister auswartete: Wagner, Adam, Bizet, Offenbach, Strauß u. a. kamen zu Wort. Als seinsinniger Interpret Wagnerscher Tonkunst bewies sich der Leiter der Kapelle besonders in dem„Auszug der Meistersinger“, der selten sauber und klangschön zum Vortrag gebracht wurde. Bei der„Orpheus“=Ouvertüre von Offenbach hätte das Schlagzeug allerdings bedeutend dezenter behandelt werden dürfen. Ein fröhlicher Festball, der bis in die ersten Morgenstunden andauerte, beschloß die Feier des 45. Stiftungsfestes. Dem Jubelverein, der weit über 300 Mitglieder zählt, wünschen wir ein serneres Blühen und Gedeihen. **(Schwerter Turnverein.) In der General= versammlung vom Samstag wurde vom 1. Vorsitzenden dem Sechskampfsieger des Vereins vom Kreissest in Münster Wilh. Schmalz sowie der siegreichen Vereinsriege und ihrem Turnwart Rudolf Baust der Dank des Vereins für ihr mustergültiges Arbeiten und ihren unermüdlichen Fleiß ausgesprochen und ihnen ein dreifaches„Gut Heil!" gebracht. Sodann wurden die letzten Arbeiten für das Sommerfest, das am 26. Juli geseiert wird, vollendet. Das Fest wird wie sonst durch Konzert mit Schauturnen und Ball geseiert; eingeleitet wird es durch einen Festzug durch die Straßen der Stadt. Die Musik stellt die Militärmusiker=Vorschule des Herrn Musikdirektors Plato aus Unna. Die diesjährige Rekruten=Abschiedsfeier soll am Samstag den 26. September als Kommers mit Damen abgehalten werden. Unter Verschiedenes verlas der 1. Vorsitzende die Benachrichtigungen über die am Sonntag den 5. Juli abzuhaltende Jugendwanderung des 1. Bezirks, sowie die Einladung zu dem am 2. August stattfindenden Hackortbergfeste. Fröhlicher Gesang hielt die Turner noch längere Zeit nach Schluß der Versammlung zusammen. **(Eine Mädchenhändlerin,) polnischer Nationalität, welche gestern in Westhosen ihr Unwesen trieb, wurde in Hagen festgenommen. Bei ihrer Vernehmung gestand sie ein, daß sie auch in unserer Stadt„gearbeitet“ hat. Alle diejenigen, welche irgendwelche Angaben in dieser Hinsicht machen können, werden gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. **(Ruchlose Buben) machen sich zurzeit ein Vergnügen daraus, den vor den Fenstern angebrachten Blumenschmuck zu zerstören und teilweise auch zu stehlen. So haben die Vandalen heute nacht wieder an der Bahnhofstraß böse gehaust. Es wäre sehr zu wünschen, wenn die Burschen ermittelt und ihnen eine ganz exemplarische Strase zuteil würde. Die Bestrebungen des Verschönerungs=Vereins werden durch derratige Bubenstreiche doch vollständig zunichte gemacht. r.(Konkursvergehen.) Wegen Vergehens gegen die Konkursordnung wurde der Möbelhändler Ernst K. von hier von der Hagener Strafkammer zu 20 Mark Geldstrase verurteilt. * Hörde, 4. Juli.(Belohnung einer 17jährigen Lebensretterin.) Als am 21. April d. J. mehrere Kinder auf einem Grundstück Ecke Wiesen= und Friedrichstraße spielten, rutschte plötzlich an der sehr steilen Emscherböschung der vierjährige Johannes Atorf aus und fiel ins Wasser. Kurz entschlossen sprang die 17jährige Anna Uhlenbrock in die Emscher und rettete den Knaben vom sicheren Tode des Ertrinkens. Für diese mutige Tat ist der Lebensretterin von dem Regierungspräsidenten zu Arnsberg eine Belohnung von 30 Mark zuteil geworden. —— Was kostet ein Tag im modernen Kriege? Die materiellen Kosten eines Krieges setzen sich aus sehr ungleichartigen und sehr unbeständigen Posten zusammen, und zwar aus den Posten der eigentlichen Mobilisierung, aus dem Aufwande für Munition und Waffen, aus den sonstigen materiellen Bedürfnissen der Armee, wie Verpflegung, Montur, Sanitätsmaterial usw., aus den Löhnungen, den Kosten für Transporte, aus dem Verbrauch von allerlei Kriegsmaterial, schließlich aus den Kosten, welche durch die Armierung und Desarmierung von Festungen und nach beendetem Kriege durch die Abrüstung des Heeres entstehen. Diese Reihe kann natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen, denn andere Posten kommen dazu, wie die Unterhaltung von Kriegsgefangenen, das Kundschafterwesen, die Versorgung der Invaliden und Familien der Gefallenen, wobei die Schäden an privatem Besitz überhaupt nicht in Betracht gezogen werden sollen. Selbstverständlich läßt sich die Gesamthöhe der einzelnen Positionen weder für den ganzen Feldzug im voraus festsetzen, noch ist eine Berechnung der tatsächlichen Kriegskosten auf dieser Basis möglich. Verhältnismäßig am einfachsten ist noch die Frage nach den Kosten der eigentlichen Mobilisierung zu beantworten, da der Mobilisierungsbedarf in allen Militärstaaten tatsächlich im ganz genau berechnet und durch sofort verfügbare Barmittel gedeckt sein muß. Auch die Löhnungen lassen sich mit einer Durchschnittssumme auf den Tag berechnen. Dagegen läßt der Posten „Verpflegungskosten“ auch nicht annähernd eine Bestimmung zu, da hier alle Zufälle des Krieges eine ausschlaggebende Rolle spielen. So mußten zum Beispiel die Deutschen 1870/71 wegen des 92 Ausbrechens der Rinderpest riesige Rinderherden niederschlagen lassen und wegen Verstopsung der allzusehr belasteten Eisenbahnlinien Waggonladungen an Verpflegungsmaterial in die Straßengräven werfen. Ebensowenig lassen sich Daten über den Verbrauch an Pferde= und sonstigem Material, überhaupt Abnutzung der Montur und über Transportkosten aufstellen, weil hier die verschiedensten Faktoren mitbestimmend sind. Ein Beispiel mag zeigen, wie vorsichtig in dieser Beziehung die Kriegsverwaltungen sein müssen. Rechnete doch beim Burenkrieg die englische Regierung auf Grund mit größter Genauigkeit durchgeführter Berechnungen mit einem Gesamtaufwand von 10 Millionen Pfund, während der Krieg, der sich drei Jahre lang hinzog, England tatsächlich mehr als 211 Millionen Pfund kostete. Will man also ein klares Bild über die Kosten eines künftigen Krieges gewinnen, so wird man sich am besten auf die Erfahrungen beziehen, die in früheren Feldzügen in dieser Hinsicht gesammelt wurden. Die Kriegskosten Deutschlands betrugen zum Bespiel 1870/71 1024 Millionen Mark, und es ergibt sich aus dieser Ziffer nach der Anzahl der Kriegstage und der Anzahl der im Felde gestandenen Truppen die Summe von etwa 5 Mark pro Mann und Tag an Kriegskosten. Eine ähnliche Berechnung ergibt für den RussischTürkischen Krieg von 1877/78 den Betrag von 8 Mark pro Mann und Tag. Kolonialfeldzüge kommen natütlich noch teurer zu stehen. Burenkriege kostete jeder Mann pro Tag etwa 16 Mark. Seit jener Zeit sind nicht nur die Preise, sondern auch die Löhnungen bedeutend gestiegen. Schnellfeuerkanonen und Maschinengewehre verbrauchen mehr Munition als früher, Aeroplane, Fahrküchen, Automobile, Luftschiffe und Flieger tragen zur weiteren Verteuerung einer Expedition bei. Unter diesen Umständen wird man sagen dürfen, daß für das deutsche Heer ein Feldzug mindestens 10 Mark an Kosten für Mann und Tag verursachen würde. Lustiges aus Kamernn. In der„Deutschen Kolonialzeitung" teilt ein Einsender lustige kleine Erlebnisse mit Kamerunnegern mit: Eines Tages kommt mein Hausjunge Dimite zu mir und sagt:„Nyango(Mutter oder Herrin), der Waschmann, Dikwamba und ich möchten dich fragen:„Wenn ein weißer Mann mit seiner Frau, seiner Mutter und seiner Schwester in einem Kanoe fährt und das Kanoe fällt um und die Frauen können nicht schwimmen, wen wird der weiße Mann dann retten?“ Ich:„Der Weiße wird seine Frau retten, denn sie steht ihm am nächsten.“ Weiter versuchte ich ihm klar zu machen, daß die Frau, die sich aus dem Schutz der Eltern in den des Mannes begibt, ein Recht darauf hat, zuerst gerettet zu werden. Er steht noch und sinnt. Ich frage:„Nun, wen würde der Waschmann und Dikwamba denn retten?" Er: Der Waschmann sagt: „Seine Mutter, denn eine Mutter kann man nur einmal haben, und wenn man eine Mutter hat, kann man wieder eine Schwester bekommen, und an Stelle der ertrunkenen Frau kann man eine junge und neue kausen. Dikwamba will seine Schwester retten, denn wenn er sie verheiratet(verkaust), bekommt er viel Geld dafür.“„Und du, Dimite?"„Ich rette keine, dann kann ich schneller an Land schwimmen, und kein Krokodil kann mich fressen!“ Die neuerbaute Eismaschine in Duala(die erste im Schutzgebiet) wird probiert. In der großen Pause laufen einige Schüler auch hin, um die Sache anzustaunen, und bringen ein paar Stücke Eis mit, das sie dort geschenkt bekommen haben. Nach Schulschluß ist im Hofe eine heftige Schlägerei und großes Schelten und Zetern zwischen zwei halbwüchsigen Schülern. Die Missetäter werden vor den Lehrer geführt, und der eine erzählt mit vor Entrüstung bebender Stimme:„Herr Lehrer, bitte! Ich habe ein großes Stück Eis bekommen, das ich meiner Familie zu Hause zeigen wollte, und der Ekwa hat es mir gestohlen.“„Wo hast du denn das Eis verwahrt?“„Es war etwas naß, als ich es brachte, da legte ich es in die Sonne zum Trocknen; ich habe es an die große Kokospalme gestützt, dort, wo noch etwas Wasser auf dem Boden ist.“ Die Erklärung, daß die Sonne das Eis„gestohlen“ habe, wollte ihm gar nicht einleuchten, und er gab sich erst überzeugt, als noch ein Stückchen aus dem Eisschrank„zum Trocknen“ hingelegt wurde. 4 Bunte Chronik. ( Ein neuer Straßeneinsturz in Paris. In einer Straße des Pariser Börsenviertels stürzten abermals Fahrdamm und Trottoir ein, glücklicherweise wurden keine Personen mit in die Tiese gerissen. ) Der Schillerkragen nicht anständig? In Breslau kam es vor, daß ein junger Mann, der als Zuhörer einer Verhandlung im Schillerkragen beiwohnen wollte, von dem Gerichtsdiener hinausgewiesen wurde. Hierbei handelte es sich wohl nur um die Anschauung einer untergeordneten Stelle, Phembuirt=Gaustriutkaren. Für viele Kurbedürftige, die sich aus irgend einem Grunde eine Badereise versagen müssen, wird jetzt der Zeltpunkt gekommen sein. sich zu einer Haus=Trinkkur zu entschließen, und möchten wir deshald nicht verfehlen, auf den der heutigen Nummer beiliegenden Prospekt aufmerksam zu machen. Seit Jahrtausend hat die ärztliche Wissenschaft die großen Heilerfolge bestätigt, welche durch den Gebrauch der Pyrmonter Haustrinkkuren erzielt wurden. Bei Bestellung bediene man sich der anhängenden Karte des beiliegenden Prospektes. Fürstl. Pyrmonler Mineralquellen=Versand. Bad Pyrmont. 4632 Nr. 155. Beilage. Gewonnenes Spiel. Rußland im Balkan obenauf. Was der tote Mann von Serajewo als letztes Ziel seiner politischen Pläne betrachtet hat, das weiß niemand, aber als eine Station, als ein unbedingtes Erfordernis auf diesem Wege hat er die Erhöhung der Schlagsertigkeit der österreichisch=ungarischen Wehrkraft zu Wasser und zu Lande angesehen. Seit 1909 hat wohl für den Thronfolger die Möglichkeit, oder, noch bestimmter gesagt, die Wahrscheinlichkeit einer Auseinandersetzung in Gedanken bestanden, und diese Aussicht ist heute leider nicht abgeschwächt workeen. Denn, das läßt sich nicht mehr verhüllen, Rußland hat im Balkan sein Spiel gewonnen; selbst im Falle eines siegreichen Krieges hätte es auf dieses Bündel von Staatswesen keinen größeren Einfluß gewinnen können, wie es heute ihn besitzt. Die Frage ist, ob es sich genügen läßt. Wenn Rußland gewonnen hat, braucht Oesterreich=Ungarn, und mit ihm der Dreibund, noch keine Niederlage erlitten zu haben, wie weit sich Rumänien von der russischen Politik, die, wenn sie will, sehr liebenswürdig sein kann, hat sesseln lassen, wir nehmen an, daß die charakteristische Ehrlichkeit des Königs Karol seinem Staat eine weitgehende Ellbogenfreiheit bewahrt hat; aber wenn davon nur eine Kleinigkeit abgehen sollte, dann wäre der russische Triumph vollständig, und die Auseinandersetzung zwischen den beiden Kaisermächten der Romanows und der Habsburger wäre nicht länger zu vermeiden. Das Bekanntwerden der blindwütigen gegen Oesterreich gerichteten großserbischen Agitation, die das Verbrechen von Serajewo verschuldet hat, hat das Tischtuch zwischen diesen beiden Staaten zerschnitten. Da ist auf unabsehbare Zeit keine Versöhnung möglich. Die Regierung in Petersburg ist wenig sentimental; sie hat nicht den König Peter abgewiesen, der die Mörder seines Vorgängers auszeichnete, sie macht auch den heutigen serbischen Verschwörerkreisen keinen Prozeß. Das Königreich Serbien ist dem Russentum mit Haut und Haaren verfallen, wir man dies von seinem Nachbar Montenegro schon lange sagen konnte. Beide Staaten brauchen sich garnicht mehr enger aneinander zu schließen, um kräftiger für ihre und Rußlands Interessen einzutreten, sie springen heute schon, wenn aus Petersburg gepfiffen wird. Wie sehr die Türkei auf die Weisungen von der Newa hört, hat sich gezeigt, als der deutsche General Liman von Sanders acht Tage nach seinen Ankunft in Konstantinopel aus dem Kommando des ersten türkischen Armeekorps hinausgedrängt wurde. Daß die griechische Regierung auf Rußland und Frankreich sieht, ist nicht zu verkennen, und das hart mitgenommene Bulgarien, das von allen Seiten von„Vasallen des Zaren" umgeben ist, kann auch nicht mehr, wie es will, selbst wenn es sich zum Dreibund schlagen wollte, was aber schwerlich anzunehmen ist. So ist Rußland wirklich obenauf, weil die Politik des Dreibundes im Sommer 1912, als es Zeit war, einzugreisen, erhebliche Unterlassungssünden beging. Und das Lieblichste bei allen diesen Verhältnissen war, daß sich Oesterreich=Ungarn und Italien Albaniens wegen noch mit mißtrauischen Augen ansahen. Das scheint sich in der allerletzten Zeit ja geändert zu haben, aber man merkt doch so etwas aus den italienischen Zeitungen, daß es ihnen gar nicht so unlieb ist, daß der Erzherzog Franz Ferdinand nicht mehr der erste Mann am Throne ist. Aber auch Italien, der ganze Dreibund, hat mit dieser Katastrophe verloren, während Rußland geSchwertet=Zeilung. Amtliches Kreisblatt. wonnen hat. Es ist obenauf im Balkan, wenn nicht gar am Ziel. Daran läßt sich nichts beschönigen. Westfalen und Rheinland. * Hagen, 4. Juli.(Eine große Seltenheit.) Eine bemerkenswerte Feststellung wurde hier anläßlich des Todes des 71jährigen Prokuristen Schulte getrofsen. Es wurde nämlich ermittelt, daß Angehörige der Familie Schulte im Lause von fünf Generationen rund 210 Jahre bei der hiesigen Firma Soeding& Halbach beschäftigt gewesen sind. Der Sohn des Verstorbenen hat auch schon wieder 16 Dienstjahre bei genannter Firma hinter sich. * Warburg, 4. Juli.(Vater und Sohn ertrunken.) Ein betrübendes Unglück enzignete sich hier gestern nachmittag. In der sog. Hohnewinkel in der Nähe der Twistermühle war der elfjährige Sohn des Lokomotivführers Bierhoff zum Baden gegangen. Plötzlich geriet er in eine abschüssige Stelle und drohte zu versinken. Sein Vater sprang ihm sofort zu Hilse. Doch gelang es ihm nicht, den Sohn zu retten, vielmehr ging auch er unter. Der 9jährige zweite Sohn stand am Ufer und sah, wie Vater und Sohn ertranken. Hilfe war wohl alsbald zur Stelle, allein sie kam zu spät. Bierhoff stand im 40. Lebensjahre. * Lemföhrde, 4. Juli.(Ein erschütterndes Unglück) ereignete sich am zweiten Schützenfesttage auf dem hiesigen Schützenplatze. Einem Schützen ging plötzlich sein Gewehr, das nicht sunktionieren wollte, und er deshalb mit dem Kolben auf dem Boden stieß, los und traf den Schneidermeister Wiecke, der sofort tot zusammenbrach. Der Schuß war dem Verstorbenen durch die Lunge gegangen und hatte auch noch den Hut eines dahinterstehenden Schützen durchbohrt. * Gelsenkirchen, 4. Juli.(Vom Hitzschlag getötet.) Der bei der Firma Böker u. Co. beschäftigte Arbeiter Michael Jendrysiak ist gestern nachmittag an einem Hitzschlag gestorben. Er wurde ins Marienhospital eingeliefert, wo er nach kurzer Zeit starb. * Oberhausen, 3. Juli.(Sich selbst gestellt.) Wie kürzlich berichtet wurde, hatte der Buchhalter Hülsken einem hiesigen Tiefbauunternehmer 30000 Mark unterschlagen. Mit dieser Summe flüchtete er ins Ausland. Mittellos kehrte er vor einigen Tagen zurück und stellte sich der Staatsanwaltschaft in Essen, die ihn sofort verhaften ließ. * Essen, 4. Juli.(Belohnung.) In der Mordsache Jankowski werden die Ermittelungen eisrig fortgesetzt. Der vor einiger Zeit verhaftete Arbeiter Vertuleit leugnet entschieden, mit der Tat in Verbindung zu stehen, doch liegen schwere Verdachtsmomente gegen ihn vor. Die Staatsanwaltschaft hat gestern eine Belohnung von Mark 1000 auf die Ermittelung der Täter ausgesetzt. * Essen, 4. Juli.(Wegen versuchten Mordes) hatte sich vor dem Schwurgericht der Bergmann Samuel Weiß aus Linden zu verantworten. Weiß war zur Last gelegt, am 4. April dieses Jahres vormittags in der Bahnhofstraße zu Dahlhausen seine von ihm geschiedene Ehefrau Lina geb. Rohde durch einen Messerstich vorsätzlich zu töten versucht zu haben. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage, schlossen aber das erschwerende Moment, die Ueberlegung, von ihrem Spruch aus. Der Angeklagte wurde hierauf wegen versuchten Totschlages zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Köln, 3. Juli.(Vom Pferd erschlagen.) Als infolge eines Brandes in der Severinstraße die Feuerwehr alarmiert wurde, wurde beim Anschirren der Pferde der Feuerwehrmann Georg Frank von einem Pferde gegen den Kopf getreten und so schwer verletzt, daß er auf der Stelle starb. * Köln, 4. Juli.(Eintödlicher Sturz.) Gestern morgen stürzte in einem Hause der Kasernenstraße in Köln=Mülheim ein siebenjähriger Junge von der Treppe des zweiten Stockwerkes in den Hausflur. Er trug so schwere Kopfverletzungen davon, daß er eine halbe Stunde später starb. * Köln, 4. Juli.(Ein frecher Raub.) Beim Verlassen des Reichsbankgebäudes drängelten sich mehrere Gauner an eine Dame heran, die in einem Täschchen 1700 Mark und einen Lombardschein im Werte von 100000 Mark bei sich führte. Die Männer raubten den Inhalt der Tasche und verschwanden. Die Dame bemerkte den Verlust erst nach einiger Zeit, glücklicherweise jedoch noch so zeitig, um durch eine Anzeige bei der Bank zu verhindern, daß der Lombardschein von den Dieben eingelöst werden konnte. * Erkelenz, 4. Juli.(Durch giftige Gase erstickt.) In der Nähe des Vogelweihers der Rheindahlener Landstraße sollten städtische Arbeiter einen etwa 10 bis 12 Meter tiefen Entschlammungsschacht reinigen. Als nun der Arbeiter Eides in den Schacht, der lange verschlossen gewesen, hinabstieg, geriet er in Stickgase und stürzte besinnungslos in das etwa 2 Meter tiefe Wasser des Schachtes. An eine Rettung war zunächst wegen der Stickgase nicht zu denken. Erst nach kurzer Zeit konnte der Verunglückte unter Benutzung eines Sauerstofsapparates geborgen werden. Leider waren die Wiederlebungsversuche vergeblich. * Daun(Eisel), 4. Juli.(Reste einer römischen Villa.) Bei dem Wasserleitungsbau in Birgel stieß man auf umfangreiche Reste einer römischen Villa am Fuß des Hörschberges. Das Gebäude hatte eine Länge von etwa 120 Meter und bestand aus einem Längsbau mit Seitenflügeln, die den Hof umschlossen. Eine Badeeinrichtung am Westende des Gebäudes ist noch gut erhalten. Sie besteht aus einer gemauerten Wanne, zu der eine Steintreppe hinunterführt. Der darunter befindliche Heizraum enthält eine Menge runder Säulchen, die der Badewanne als Stütze dienten. In dem Raum fand sich noch schwarze Asche vor. Auch die Heizkanäle, die aus dem Heizraum an den Wänden vorbeiführten, sind noch deutlich sichtbar. Leider können weitere Aufdeckungsarbeiten nicht stattfinden, weil die Provinzialstraße darüber geht. * Gemünd, 3. Juli.(Ein kleiner Uebeltäter.) Hier spielte ein sechsjähriger Knabe mit einem noch jüngeren in einem Holzschuppen. Als Spielzeug diente ihnen ein Beil. Auf Geheiß de älteren Knaben legte der andere seine Hand auf einen Holzblock, worauf ersterer ihm mit dem Beil zwei Fingerchen abhieb. Der kleine Uebeltäter meinte, nichts sehr Schlimmes getan zu haben, denn auf Befragen sagte er seinem Lehrer:„Ich schlug nur mit dem Beil auf die Hand, da waren die Finger auch schon ab.“ Der Petroleumkoller. Bilder aus einer kanadischen Die Zeiten ändern sich... Einst, als die Goldfelder von Klondyke entdeckt wurden, war es das Goldfieber, das aller Welt in die Glieder fuhr. Und heute wütet in Kanada der Petroleumkoller. Die Entdeckung von Erdölquellen in den verschiedensten kanadischen Distrikten hat in der Montag, 6. Juli 1914. Bevölkerung eine ungeheure Erregung verursacht. Das Petroleum regiert den Tag. An ihm, nach ihm drängt sich alles. Petroleumstädte wachsen auf und an, als stampfte man sie aus dem Erdboden. Von dem Leben und Treiben in ihnen zeichnet der englische Schriftsteller Basil Clarke, der mittellos nach Kanada ausgewandert ist, um den Beweis zu erbringen, daß heutzutage noch immer ein weitschauender, tatkräftiger Mann mit zwei tüchtigen Armen sein Glück machen kann, in der„Daily Mail“ packende Bilder. Er weilte in Calgary, im Distrikt Alberta,„Petroleum, Leute! Petroleum! Sie haben eine Oelquelle beim Dingmann Bohrloch erschlossen!“ Männer stürzten die Hauptstraße entlang. Rusen die Nachricht ihren Freunden, jedem, der sie hören will, zu. Dann und wann die zweifelnde Frage:„Ist es auch wahr? Schallendes Freudengelächter und die Antwort:„Sicher, totsicher! Petroleum! Petroleum!“ Und sie stürzten weiter, immer weiter.— Ich saß gerade im Zimmer meiner bescheidenen Herberge, als die Botschaft kam. Wie ein einziger Schrei drang aus vielen Kehlen das magische Wort„Petroleum“ an mein Ohr. Calgary war wahnsinnig über die Nachricht. Alle Welt hatte den Petroleumkoller. Auf der Straße tolle Ausgelassenheit, ein riesiger Freudenrausch. Männer schüttelten sich minutenlang die Hände, schreien vor Lust. Andere hüpfen im Kreise, tanzen wie besessen. Mahnt ein Schutzmann bescheiden zur Ruhe, bilden sie einen Ring, tanzen um ihn herum, lachen und singen, hüpfen und springen„Petroleum! Petroleum!“ Um diese ausgelassene Freude zu verstehen, muß man wissen, daß seit Monaten jeder Mann in Calgary auf die Erschließung einer Oelquelle im Diftrikte in heißer Inbrunst gelauert hatte. Vom Millionär bis zum Schreiber, vom Chef bis zum Laufburschen, Kellnerinnen und Gelegenheitsarbeiter— sie alle haben ihr Geld in Petroleumgesellschaften gesteckt, deren Aktien von 40 Pfennigen aufwärts zu haben waren. So schlug die Freudenbotschaft in alle Herzen, bei hoch und niedrig, gleich stark ein. Selbst der Schutzmann vertraute mir an, daß er dreihundert uktien zu vier Mark das Stück erstanden habe. Einige Tage später schlug er die Aktie zu zwanzig Mark los. Vier Kellnerinnen aus dem„Ratskeller= Café“ hatten eiren Oel=Claim, für den ihnen bereits ein paar Tage später 120000(in Worten einhundertzwanzigtausend Mark) geboten wurde. Sie hatten ihn für einige Dutzend Dollars erstanden.—— Die Petroleumaktie ist das Panier. In jedem dritten Hause ist ein Maklerbureau. In jedem Laden werden Petroleumaktien gehandelt. Schlächter und Bäcker, Schneider und Grünkramhändler—sie alle machen den Maklern Konkurrenz. Und sie alle und noch mehr haben vollauf zu tun. Scharenweise warten die Leute in langen Reihen vor ihrer Tür. Es gelang Clarke mit leichter Mühe bei einem Makler als Schreiber unterzukommen. Da saß er nun geschlagene neun Stunden und schrieb bloß Quittungen aus für erhaltene Aktien nach dem Diktat des Maklers. Und außer ihm wetzten noch eine ganze Reihe von Schreibern im Lokale emsig die Federn. Am Abend hatte er vierzehn Mark verdient. Dann versuchte er sich selbst als Straßenmakler, vermittelte Käufe und Verkäufe und erzielte beträchtlichen Gewinn. Es war eine unglaubliche Hausse in Petroleumaktien. Täglich, stündlich stiegen sie. Alle Welt war toll nach ihnen und wie Clarke meint, kaum einer wird es bereuen. Deutscher Sieg in der Oesterreichischen Alpenfahrt. Koch auf Opel legt die 3000 Kilometer lange Strecke über die schwierigsten Alpenpässe ohne Strafpunkt zurück, und gewinnt den Ehrenpreis Nitter von Schoeller. Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Ang. König. 54 Alser durch den Wald schritt, hörte er die dumpfen Axthiebe der Holzfäller, der Haß gegen den Vormund erwachte wieder. Ohne es zu wollen, sah er sich plötzlich auf der Stelle, auf der die Arbeiter beschäftigt waren. Baron Kurt stand mit dem Verwalter bei denselben, erlachtespöttisch, als erseinen Neffen erblickte. „Nun protestiere!" sagte er,„Ich zeige Dir, daß ich meinen Willen durchsetze.“ „Und ich wiederhole, daß Du es bereuen wirst,“ erwiderte Dagobert in drohendem Tone, während er im jäh auflodernden Zorn die Büchse von der Schulter riß. Der Verwalter trat zwischen die beiden, die Arbeiter umringten den Bedrohten, aber schon hatte Dagobert ihnen den Rücken gewandt, ohne auch nur ein Wort weiter zu verlieren, setzte er seinen Weg fort. Eine Viertelstunde spater traf er mir dem Grasen zusammen, dessen freundlichen Gruß er mit kühler Zurückhaltung erwiderte. „Sie müssen entschuldigen,“ sagte er,„ich kann Sie heute nicht in meinem Hause empfangen, haben Auseinandersetzungen zwischen mir und meinem Outel stattgefunden, die mir selbst das Haus verleiden. Da war es mir nicht möglich, die nötigen Vorbereitungen zum Souper zu treffen. „Das genügt,“ unterbrach der Graf ihn ruhig. „Ich sagte Ihnen ja gesternschon, daß ich auf eine Einladung gerne warten wade, bis die Verhältnisse in Ihrem Hause angenehmer geworden „Angenehmer?“ wiederholte Dagobert bitter. fürchte, ich werde darauf noch lange warten müssen. Sie nehmen es mir nicht übel, wenn ich Sie nicht hegleite!“„„ 651942 Ein Schuß fiel m oiesem Augenelllli der Ferne, die beiden horchten eine Weile. „Sie wollen ins Schloß zurückkehren?“ fragte der Graf. 7 5at „Jawohl, es ist schon spat, mein Onter hal trotz meines Protestes mit dem Roden des Waldes begonnen, ich will heute abend noch einen schriftlichen Protest abfassen, der morgen dem Gericht eingereicht werden soll.“ „Darf ich Ihnen einen guten Rat geben? „Wenn er gut ist, nehme ich ihn gerne an.“ „Ist die Büchse geladen?“ „Jawohl.“ „So fenern Sie den Schuß ab.“ Dagobert blickte erstannt den Grafen an, ein spöttisches Lächeln glitt über sein Antlitz. „Sie fürchten doch nicht, daß ein Unglück geschehen könne?“ fragte er. Wenn ich Ihr leidenschaftliches Temperament berücksichtige, so muß ich mir sagen, daß es in der Möglichkeit liegt. Sie könnten auf dem Heimweg mit Ihrem Vormund zusammentreffen; Sie sind aufgeregt, und eine unüberlegte Handlung ist rasch geschehen. Folgen Sie meinem Rat, Sie werden die unbedeutende Munitionsverschwendung nicht bereiten. Dagobert erinnerte sich des Auftritts, den er kurz vorher mit seinem Onkel gehabt hatte; er nahm die Büchse von der Schulter und feuerte dann den Schuß ab. „So, nun kann ich unbesorgt von Ihnen scheiden,“ sagte der Graf, einen heiteren Ton anschlagend,„bleiben Sie ruhig, gebieten Sie Ihrer Aufregung, die ich ja natürlich finden muß, beschreiten Sie den gesetzlichen Weg und machen Sie den Vormund für alle Handlungen verantwortlich. Auf dem Wege der Selbsthilfe erreicht man selten oder nie, was man bezweckt, ich weiß das aus eigener Erfahrung. „Lassen Sie mich nach Hause gehen,“ erwiderte er,„Ihre Warnung mag gut gemeint sein, aber ich gebe mein Wort darauf, sie entbehrt jeder Begründung. Ich komme morgen zu Ihnen, um meinen Wechsel einzulösen.“ „Er ist erst nach vier Wochen verfallen!" „Das tut nichts zur Sache, ich wünsche mich dieser Verpflichtung so rasch als möglich zu entledigen. Leben Sie wohl.“ Graf Morray blieb stehen und blickte ihm lange nach, ein boshafter Zug lag um seine Mundwinkel. „Er hat Lunte gerochen,“ spottete er,„das Mißtrauen ist erwacht, er will die Bande lösen, die ihn an mich fesseln. Wir werden sehen, ob es ihm gelingt, ich kenne noch manches Mittel, durch das diese Bande noch fester geknüpft werden können, verloren habe ich das Spiel noch lange nicht. Er setzte seinen Hut wieder auf, schlug mit seinem dünnen Spazierstöckchen einen Zweig vom nächsten Baum und trat, eine Opernarie trällernd, den Rückweg zur Stadt an. 15. Kapitel. Der Förster hatte die beiden Schüsse vernommen, eine bange Ahnung durchzuckte ihn, als er den scharfen Kuall des ersten hörte. Er nahm ohne Verzug Büchse und Hut von der Wand, und als er sich umwandte, begegnete er dem angstvollen Blick seiner Tochter. „Wahrscheinlich wieder ein Wilddieb,“ sagte er mit scheinbarem Gleichmut,„so lange ich noch im Amt bin, muß ich meine Pflicht erfüllen. Er nickte ihr mit einem freundlichen Lächeln zu und verließ das Haus, aber als er draußen war, schwand das Lächeln von seinen Lippen, tiefernst wurde der Ausdruck seines Gesichts. Er nahm den Hut ab und blickte hinauf zu den Wipfeln, die über ihm rauschten. „Herrgott im Himmel, gib, daß meine Ahnung mich täuscht,“ sagte er leise,„all unser Glück, all unsere Freude ware für immer dahin.“ Er blieb stehen und horchte einige Sekunden, dann schlug er die Richtung ein, in der der erste Schuß gefallen war. Ohne auf die Wege zu achten, brach Martin durch das Gestrüpp sich eine Bahn, endlich vernahm er Stimmen, bald darauf sah er den Verwalter, der vor einem leblosen Körper kniete. Holzhauer umringten die Gruppemit schreckensbleichen Mienen, sie traten zurück, als der Förster sich näherte, der nun in dem Besinnungslosen den Vormund Dagoberts erkannte. Das Blut sickerte aus der Schulter, die der Verwalter entblößt hatte, um die Wunde notdürftig zu verbinden. „Was ist geschehen?“ fragte Martin mit bebender Stimme.„Wer hat die Tat verübt?“ Der Verwalter blickte auf, Zorn und Haß blitzten aus seinen Zügen. „Der Mörder wird nicht weit zu suchen sein,“ sagte er heiser,„ich habe dieses Ende stets befürchtet, aber der gnädige Herr wollte auf meine Warnung nicht hören, er war zu sorglos.“ Der Förster war nun auch niedergekniet, er legte die Hand auf das Herz des Verwundeten und lauschte auf den Atem. „Er lebt noch,“ erwiderte er leise,„schicken Sie einige Arbeiter fort— oder nein, es könnte zu lange währen, wir flechten aus Zweigen eine Tragbahre, hier ist keine Zeit zu verlieren. Jemand muß augenblicklich in die Stadt, um den Arzt zu holen.“ „Das werde ich besorgen,“ unterbrach der Verwalter ihn,„der Justitiar muß benachrichtigt werden, lassen Sie nnterdessen den guädigen Herrn ins Schloß tragen. Der Förster hatte bereits den Arbeitern Befehl gegeben, von den umstehenden Bäumen die nötigen Aeste und Zweige abzuhanen, er begleitete den Verwalter eine kleine Strecke. „Haben Sie auf eine bestimmte Person Verdacht geworfen?“ fragte er. „Fragen Sie jetzt nicht,“ erwiderte der alte Mann,„bleiben Sie bei dem Verwundeten und sorgen Sie, daß er so rasch wie möglich fortgebracht wird.“ 21416 Die Anfertigung aller Garderobenstücke 610 00 sec galeren Eienberb-Conitimustern Ipielend Teicht Lnss 19: Demrn die alct schnelbern geiernt Jebrn.##S Schnittmuster zu allen Abbildungen In den Normalgrößen 42, 64 und 46 Ulefert unlere Expediilon an Abonnenten zum bidigen Preise ven nur 30 DI. Dro Stüc. Moreorie * Trotz aller bequemen Beförderungsmittel, V die uns heute zu Oebote stehen, wringt und doch * der Automobilomnibus oder die Eisenbahn auch auf hohe Berge, hat die Freude an Fußtouren ; w i e d e r z u g e n o m m e n. M ä n n e r u n d F r a u e n wetteifern heute miteinander im Besteigen hoher Berge; nur in Punkto Zweckmäßigkeit der Kleidung tritt die Frau mitunter hinter dem Manne zurück. Sobald wir in dieser Weise in die Natur eintreten, muß alles Modische zurücktreten. Solche Klettertouren sind außerdem recht oft mit großen Schwierigkeiten verbunden, die wir uns nicht noch durch unrichtige Kleidung vermehren dürfen. Deshalb haben wir nicht nötig, als wandelnde Ungeheuer umherzugehen, wir können auch den Tourisienanzug schick und adrett gestalten. Wir haben davon abgesehen, hier die letzten Modeschöpfungen zur Darstellung zu bringen, weil man für diesen Zweck am besten jene klassischen Formen wählt, die der Mode nicht direkt unterworfen sind. Ist doch diesen Kostümen eine längere Lebensdauer beschieden. Zu den Modeneuheiten auf diesen Gebieten gehören weite Jacke, deren Falten durch einen Gürtel zusammengehalten werden, und denen der obenauf geteilte Kimonoärmel mit weitem Armloch angeschnitten ist. Ebenfalls nur für schlanke Erscheinungen bestimmt ist die Russenjacke mit eingesetztem Hemdärmel; der Schoßteil erhält große, aufgesteppte Taschen. Die erstere Jacke wird hoch geschlossen und wird durch den Umlegekragen ergänzt. Als Rock kommt für die Hochtouristen nur der zweiteilige Cape=Rock in Betracht, der außerdem bequem zusammengerollt werden kann. Das Material besteht neben dem unverwüstlichen steirischen Loden aus englischem Harris=Tweed und Homespun. Plaidstoffe, die nur als Röcke verarbeitet werden, sind den jungen Mädchen vorbehalten. Aus gleichem Material, zum mindesten in harmonierender Farbe gehalten, bestehen die Beinkleider, die die bekannte Breeches= oder Knickerbockerform zeigen. Man kann ihnen vorn kleine Taschen schräg einsetzen. Die bisher allein übliche Flanellbluse hat für schwierige Touren an Beliebtheit etwas eingebüßt, da sie leicht hochrutscht. Man ersetzt sie häufig durch ein Hemd aus grobem Leinen oder Flanell und ergänzt dies durch die heute beliebten Lederwesten, die mit und ohne Aermel getragen werden. Die weitere Ausrüstung besteht in wollenen Strümpfen und festen, genagelten Stiefeln, denen man für die Eisregionen noch die Wickelgamasche hinzugesellt. Die Kopfbedeckung ist leicht und weich, aus Filz oder Seide bestehend. Um Erkältungen zu vermeiden, muß die Unterkleidung aus Flanell oder Seide gewählt S Nr. 2651. Touristinnenkostüm für stärkere Figuren. Nr. 2651. Rückansicht. Nr. 2652. Rückansicht. werden; Schirting und ähnliche Stoffe sind zu vermeiden Bei Touren, die mehrere Tage beanspruchen, muß der Rucksack neben der Nachtwäsche Reserve=Unterkleidung enthalten. Wie man im gewöhnlichen Leben ein neues Garderobenstück zuerst im Hause trägt, um nicht auf der Straße das Gefühl des Ungewohnten, Neuen zu haben, so gilt dies besonders von der Touristenkleidung. Man sollte sie, einschließlich der Stiefel zuerst im Hause gleichsam auf Probe tragen, um sich mit ihr vertraut zu machen. Denn nichts wirkt lächerlicher als eine Touristin, der man die„Neuheit“ ihres Anzuges von weitem ansieht. P. Gr. Nr. 2651. Touristinnenkostüm für stärkere Figuren. Imprägnierter Diagonalstoff ergab das praktische Kostüm, dessen Formen sich besonders für stärkere Figuren eignen. Die Jacke ist mit englischen Nähten eingerichtet. Während der linke Vorderteil eine eingesetzte Brusttasche erhielt, sind beiden Teilen in Schoßhöhe geschweifte Taschen aufgesteppt. Knopfbesatz und doppelreihiger Knopfschluß. Der Schalkragen ist mit Oberstoff bekleidet. An den engen Aermeln imitieren Stepplinien eine Manschette. Hellfarbiges oder gleichfarbiges Seiden= oder Satinfutter. Der fußfreie Rock zeigt die übliche und praktische Vierbahnenform. Die Vorderbahn ist aufgesteppt und öffnet sich nach unten mittels eingesetzter Falte. Mehrere Stepplinien sichern den unteren Rand, der innen mit Oberstoff besetzt wird. Unterhalb Kniehöhe sind Patten befestigt, um den Rock schürzen zu können. Man kann nach Belieben auch zwei Knöpfe befestigen. Bei voller Rocklänge müssen die Patten nach unten geknöpft werden. Erforderliches Material: etwa 4 m Stoff, 1,30 m breit. Nr. 2652. Touristinnenkostüm mit Passenjacke. Für jugendlich schlanke Erscheinungen sind jene Formen die kleidsamsten, die an die Norfolkjacke anlehnen. Unsere Vorlage aus grünem Lodenstoff ist mit glatter Passe gearbeitet, während die Vorderteile, sowie der Rückenteil in je eine Quetschfalte geordnet sind, d. h. man arbeitet die Falten gewöhnlich für sich, steppt sie ab und näht sie dann auf. Die vorderen Falten erhalten oben kurze, abgesteppte und mit Knopf versehene Patten, während unten kleine Taschen aufgesteppt sind. Die Jacke schließt in Passenlänge mit zwei Knöpfen, im übrigen erhält sie verdeckten Knopfschluß. Den Umlegekragen, der auch als Stehkragen geschlossen werden kann, bekleidet Oberstoff mit Leineneinlage. Abgesteppter Gürtel mit Knopfbesatz. Lange, enge Aermel mit Manschettenaufschlägen. Für den Rock wurde die bekannte Capeform gewählt. Er besteht aus zwei Bahnen und schließt vorn durchgehend mit Knöpfen. Erforderliches Material: etwa 4 m Stoff, 1,30 m breit. Neue " Die Touristin, die sich in die höchsten Höhen wagt und die Eisregionen unserer alpinen Gebirge betritt, muß natürlich den Luft= und Wetterverhältnissen ihre Kleidung anpassen. Zu vermeiden sind alle Stoffe, die den erhitzten Körper zu schnell abkühlen. Die allgegenwärtige Batist= und Mullbluse muß deshalb der Flanellbluse weichen, die den Körper weich und warm umschließt, ohne ihm lästig zu werden. Unsere Vorlage, Nr. 2653, zeigt eine Bluse aus beigefarbenem Flanell mit zarten, grünen Streifen. Sie ist mit Knopfschluß und Umlegekragen gearbeitet und kann offen und geschlossen getragen werden. Die Vorderteile treten leicht eingereiht an die glatten Achselteile; links aufgesteppte Uhrentasche. Hemdärmel mit Bündchen, das nicht zu eng sein darf. Die Beinkleider, Nr. 2654, die bei Kletterpartien ohne Rock getragen werden, sind in der bekannten Breechesform gehalten. Sie laden an den Hüften aus und verengen sich nach unten zu einem anliegenden Bündchen, das seitlich durch zwei Knöpfe geschlossen wird. Den oben genannten Forderungen muß naturgemäß auch die Nachtwäsche entsprechen, die für Hochtouren niemals in einer Nachtjacke bestehen darf. Nr. 2653. Bluse mit Achselteilen. Nr. 2654. Beinkleid(Breeches) zum Bergsport. Sachen für die Nr. 2655. Der Pyjama(Schlafanzug), der bisher nur im Schlafwagen herrschte, wird aus verschiedenen Gründen auch im Hotel benützt, besonders wenn man den Aufenthalt oft wechselt. Neben der aus Beinkleid und Jacke bestehenden Form, hat sich auch jene eingehürgert, die der Kombination entnommen ist. An unserer Vorlage wurde dem Schlafanzug eine Kapuze angefügt, die auch den Kopf schützt. Die Aermelund Beinkleidränder werden durch Gummizug eingekraust. Erforderliches Material: für die Bluse: etwa 1,75 m Flanell, 75 cm breit; für das Beinkleid etwa 1 m Stoff, 1,30 m breit; für den Schlafanzug etwa 5 m Stoff, 75 cm chreit. Nr. 2656. Badeanzug mit Schoßjacke. Seide, besonders Taffet, ergibt das Material des modernen Badeanzuges. Er besteht aus Beinkleid und Schoßjacke, die fast die ganze Länge deckt. Die Kimonotaillenteile kreuzen sich vorn und werden an ihren Rändern durch eine einfarbige Blende begrenzt. Gürtel nebst Rosette aus gleichem Material. Auch die Bademütze pflegt man übereinstimmend zu halten. Erforderliches Material: etwa 4,25 m Stoff, 70 cm breit. Nr. 2655. Schlafanzug mit Kapuze. Nr. 2656. Badeanzug mit Schoßtaille. 217 sie verwundert, ihn groß und tief anblickend.— Erich Hansen zuckte zusammen: ratlos stand er da.— Noch nie hatte er seinem liebsten Wesen etwas verheimlicht, und er wollte es auch jetzt nicht.— Aber wie sollte er die Kranke von dem Vorgefallenen in Kenntnis setzen?— „Noch nicht,“ sprach er,—„du bist noch zu schwach, der Arzt hat es untersagt.“ Sie fiel ermattet in die Kissen zurück. Von banger Ahnung erfaßt, wiederholte Frau Lonny am nächsten Morgen ihre Frage. Sie hatte die ganze Nacht bindurch geweint.... Mgbnenß Ke m Erick Hausens „Lonny!“ preßte es sich da stohnend über Erich Hansens Lippen, indem er sich auf den Bettrand niederließ und ihr Haupt an das seine zog.—„Sei stark!“ Frau Lonny fühlte, daß sich ihre Ahnung bestätigte... sie weinte bitterlich. „Tot?“— fragte sie dann. „Tot und begraben...“ bejahte Erich Hansen tieftraurig. Schluchzend fiel Lonny in die durchwühlten Kissen zurück. Das Glück war tot... begraben... Eine tiefe Traurigkeit zog über Lonnys einst so sonnige Seele. Sie fühlte sich einsam und verlassen— wie ausgestorben war alles in ihrem Herzen. Es fehlte etwas, in das sie sich schon so innig hineingelebt hatte, mit dem sie schon im Traume gejubelt und gesauchzt hatte.„„ M Wie sollte sie jetzt noch leben können. Aber Erich saß geduldig Tag um Tag an ihrem Bette. Sollte ihm sein Ausharren nicht die Liebe seines Weibes zurückgewinnen? Stille Schwermut folgte dem tiefen bitteren Schmerze. Wie zwei einsame, verlassene Menschenkinder saßen Hansen und Lonny nebeneinander, Wange an Wange, eng umschlungen. Und wie sie früher eins in den Freuden ihrer jungen Ehe gewesen, so waren sie es auch jetzt im Leide. Ihrer beider Seelen verketteten sich jetzt noch stärker als zuvor — eine stärkte sich an der andern, bis sie das Unerträgliche ertragen konnten. Nach monatelangen Leiden war Frau Lonny endlich wieder so weit gewesen, daß Erich, der sie mit seiner ganzen großen Liebe umgab und pflegte, sie im Garten umherführen konnte. Es war wieder im Rosenmond, wie vor einem Jahre.— Wie ein Traum voll süßseligen Hoffens, voll schweren Leidens und bitterer Enttäuschung lag das Gewesene hinter Frau Lonny. Erst ganz allmählich gelangte sie wieder zur vollen Gesundheit und ursprünglichen Fröhlichkeit. Ihr war ja das Schönste und Teuerste geblieben, das sie stärkte und überwinden ließ: Erich Hansens Liebe. Buntes Allerlei. Was ist das Geld? Ein Artikel, der als allgemeiner Freibrief für alles außer für den Himmel, und als allgemeiner Lieferant von allem außer dem Glücke zu gebrauchen ist. Der Zucker, der das Leben versüßt. Die einzige Ware, welche von Geschlecht zu Geschlecht Mode bleibt. Des Vaters Unabhängigkeit, der Mutter Befriedigung, des Sohnes gefährliche Falle, der Tochter Segen. Der Dampf in der großen Maschine des Lebens. Die Munition für den Kampf ums Dasein. Geld ist für den Mann dasselbe, was das Wasser für die Pflanze, nur nützlich, so lange es das Wachstum befördert und erleichtert, gleich dem Wasser im Springbrunnen und dem im Sumpfe: halte es in Fluß, und es bringt Segen; laß' es still stehen, und es wird verderblich. Die goldene Frucht einer Pflanze, genannt„Arbeit“. Eine Zeichensprache, die in der ganzen Welt verstanden wird. Ein großes übel, das doch viel Gutes hervorbringt. Eine Macht, die der Weise gebraucht, der Tor mißbraucht, die aber keiner von sich weist. Das, wofür viele Glück und Gesundheit opfern, um es zu gewinnen, und viele Glück und Gesundheit hingeben, um es los zu werden. Geld ist, was jeder gern borgt und zurückzugeben vergißt. Grausige Trophäe. In der Kunstkammer zu München befindet sich ein Schwert, das sich in einer Scheide von Menschenhaut befindet. Dasselbe soll dem Ritter Hans von Freudenberg gedient haben, als er in dem Zweikampf mit einem prahlerischen Franzosen den Sieg davontrug. Die Bedingung war gestellt worden, die Haut des Erschlagenen solle dem Sieger zur Schwertscheide werden. Hans von Freudenberg siegte und vollfuhr nach der von dem andern selbst gestellten Bedingung. und Familie. Barmherzigkeit und Bettelei. Geben ist seliger als Nehmen. Der Satz enthält eine unangreisbare Wahrheit, wenn man sich aber die Sache etwas näher ansieht, so ist es doch beschämend zu beobachten, wie wenig wir es verstehen, zu geben. Wir sind, wo es sich darum handelt, zu empfangen, unersättlich, und unsere Selbstsucht macht sich zum eifrigen Wächter unseres Vorteils. In dieser Hinsicht beschämt der Arme den Reichen: weit besser als dieser weiß jener was dem Nächsten zukommt und nimmt keinen Anstand, sich zu dessen Gunsten des Notwendigen zu berauben, während das Verdienst dessen, der von seinem Überfluß gibt, nur ein geringes ist. Wir haben in der Regel ein sehr treues Gedächtnis für die von uns gespendeten Wohltaten, vergessen aber recht leicht die für unser eigenes Wohlbehagen ausgewendeten Summen. Nicht leicht schrecken wir vor einer Ausgabe zurück, durch welche wir eine Liebhaberei, eine Laune oder eine Phantasie befriedigen wollen; kommt jedoch eine Anforderung zur Unterstützung eines guten Werkes, so hält die klug wägende Selbstsucht schnell die Hand auf den Beutel und verhindert uns, den großmütigen Eingebungen des ersten Augenblickes Folge zu leisten. Ist es schon schwer zu geben, so ist es noch schwerer, gut und schön zu geben. Richtig geben können ist eine Kunst, die man erlernen muß aus Achtung für sich selbst und um die Pflichten, die der edleren Seele obliegen zu erfüllen. Wer Gaben verteilt ohne Unterscheidung, nur um in seiner Bequemlichkeit nicht beeinträchtigt zu werden und sich mit seinem Gewissen abgefunden zu haben, richtet mehr Unheil an als er Gutes stiftet. Es genügt auch nicht, daß man, einer augenblicklichen Regung des Mitleids oder einer Laune folgend, schnell gibt; man muß sich vielmehr vergewissern, ob der Bittende der Unterstützung würdig ist, und sich nach der Ursache und dem Umfange seiner Bedürftigkeit erkundigen. Tut man das nicht, so läuft man Gefahr, lediglich die gewerbsmäßige Bettelei und den Müßiggang zu fördern, der ohnehin große Summen verschlingt, die besseren Zwecken dienen könnten. Humor des Auslandes. Je nach Geschmack. „Ach, lieber Arthur, laß uns doch einmal an die Spitze dieser Landzunge gehen, der Blick aufs Meer ist von dort aus doch zu entzückend.“—„Laß uns lieber ins Restaurant gehen, Emilie, mir ist Seezunge lieber.“ Mit eigener Münze bezahlt. Ein etwas protziger Hausherr liebte es, seinen Gästen den Preis der ihnen vorgesetzten Speisen mitzuteilen.„Dieser Wein,“ sagte er zu einem Freunde, der bei ihm aß,„kostet mich sechs Mark die Flasche.“—„So?“ sagte der Gast und füllte sein Glas aufs neue.„Dann nehme ich noch für fünfzig Pfennig.“ Wie er sich herausredet. Ein Kaufmann befand sich immer in Fehde mit einem auf seinem Kontor arbeitenden„Volontär“, der nach seiner Meinung ein viel zu unordentliches Leben führte, als daß er je gedeihen werde.„Sie werden sich noch an den Galgen bringen!“ sagte er oft im Zorne zu ihm. Nach etwa zwölf Jahren erhielt er eines Tages den Besuch dieses ehemaligen Volontärs, der schon„Kommerzienrat“ geworden war.„Sehen Sie,“ bemerkte der Kaufmann lächelnd,„ich hatte es Ihnen immer gesagt, daß Sie einstmals hoch steigen würden!“ Handarbeiten für Kinder. Eine kleine Wage aus wilden Kastanien. Man teilt eine ziemlich runde Frucht in zwei gleiche Hälsten. Den weichen Kern kratzt man sorgfältig aus, so daß nur die lederartige Hülle zurückbleibt. Nun schneidet man ein etwa 10 Zentimeter langes, 1 Zentimeter dickes Stäbchen, das man ½ Zentimeter von jedem Ende und genau in der Mitte ein wenig einkerbt. Alsdann schneidet man sich 6 Baumwollfäden, ungefähr 10 Zentimeter jeder lang und durchsticht jede der Schalen am oberen Rande dreimal. Die Entfernung der Löcher voneinander muß gleichmäßig sein. Nunmehr zieht man jeden Faden, nachdem vorher ein Knoten an das eine Ende gemacht ist, durch die Löcher, bindet oben drei Fäden zusammen und befestigt sie in dem äußeren Einschnitt des Stäbchens. Eine kleine Schlinge wird in der Mitte des Wagebalkens angebracht und die Wage ist fertig. Kleitenkörbchen. Auch das sogenannte„Unkraut“ kann noch zu den lieblichsten Spielen helfen, wenn ein sinniges Kind damit umzugehen versteht. So hast du z. B. nur ein Schürzchen voll Blütenköpfe der Kletten zu sammeln, die ja sogar auf Schutthaufen ihr Fortkommen finden. Zu Hause legst du diese Köpfe in einen tiefen Teller, und zwar derart, daß sie einen kleinen Ring am inneren Rande bilden. Wenn du die Kletten zusammendrückst, haken sie sich fest aneinander. Auf den so gebildeten Klettenring setzt du noch einen zweiten, dann einen dritten, vierten usw., jeden etwas größer, so daß die Form eines Körbchens entsteht. Nun gießt du frisches Wasser in den Teller und füllst das Körbchen locker mit Blumen, die von den angeseuchteten Kletten frisch erhalten werden. - Der Nachdruck des gesamten Inhalts dieser Beilage ist untersagt.= Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 155. Montag, 6. Juli 1914. Das Alter ist ein höflicher Mann, Einmal übers and're klopft er an, Aber nur sagt niemand:„Herein!“ Und vor der Tür will er nicht sein, Da klinkt er auf, tritt ein so schnell, Und nun heißt's, er sei ein grober Gesell. Ihre Tochter. Novelle von C. Lichtenfels. (5. Fortsetzung.) Er hatte indessen einen kurzen Kampf mit sich selbst gekämpft. Die Ursache von Gertruds Erkrankung war ihm klar geworden: Das zarte Mädchen hatte der lang andauernden Gemütsbewegung nicht widerstehen können, ein zufälliger Anlaß, vielleicht eine Erkältung war dazugekommen und hatte die Krankheit zum Ausbruch gebracht. Sollte er nun an Gertruds Stelle mit der Freisrau reden, ihr alles sagen? Aber hatte er ein Recht zu diesem Schritte, dessen Erfolg nicht abzusehen war? Würde Gertrud denn dadurch wieder gesund werden? Nein, er mußte warten, bis es ihrer guten Natur und seinen Bemühungen gelungen sein würde, die Krankheit zu besiegen; bis dahin mußte er schweigen, so sehr dies seinem innersten Wesen auch widerstrebte.— Aber das andere sollte Frau von Ellern erfahren— sofort. „Gnädige Frau, gestatten Sie mir ein Wort mit Ihnen allein!“ Sie öffnete die Tür zum Nebenzimmer, und sie traten binein.„.. uuf Liase, Ergumie „Gnädige Frau— ich war auf viese traurige Überraschung nicht vorbereitet. Im Gegenteil— ich zählte die Stunden, bis es mir vergönnt sein würde, die Räume zu betreten, in denen ich das höchste Glück meines Lebens erfuhr. Gertrud und ich haben uns gestern miteinander verlobt.“— „Ich weiß es, Gertrud hat es mir selbst mitgeteilt.“ „Ermessen Sie nun meinen Schmerz, gnädige Frau, ich kann nicht immer hier sein. Meine Hoffnung und mein Trost ist, daß ich meine Braut in Ihren Händen weiß, Frau von Ellern.— Sie haben stets in mütterlicher Weise für Gertrud Die Lippen Constanze von Ellerns zuckten unmerklich. „Beruhigen Sie sich, Herr Doktor, es soll Ihrer Braut auch fernerhin an nichts fehlen. Ich werde für die Kranke sorgen, als sei sie mein— eigenes Kind.“—„* * Gertrud wurde sehr krank. Es folgten Tage, an denen Dr. Hansen sich den heftigsten Befürchtungen überließ, an denen die Freifrau nicht von dem Lager des jungen Mädchens wich. Aber während Babette in Tränen zerfloß, gab kein Laut und keine Miene ihrer Herrin davon Kunde, was sie an diesem Krankenbette empfand und welche Bedeutung sie Gertruds Fieberphantasien beimaß. Endlich schien die Gewalt der Krankheit gebrochen. Es trat eine Art Krisis und mit dieser eine günstige Wendung ein. Die Freifrau schien sich, wie man im Hause annahm, bei der Pflege des jungen Mädchens selbst etwas überanstrengt zu haben, denn sie zog sich jetzt mehr und mehr aus dem Krankenzimmer zurück. Nur noch für Minuten suchte sie dasselbe auf und sonderbarerweise immer dann, wenn Gertrud schlief. Schließlich blieb sie gänzlich fern; doch mußte Dr. Hansen ihr täglich Bericht erstatten. Trotz der zärtlichen Überwachung Hansens, trotz Babettens aufopfernder Pflege schritt Gertruds Erholung nur sehr langsam vorwärts. „Sie sehnt sich nach der Mutter,“ sagte Hansen eines Tages zu Frau von Ellern.„Wäre es nicht Winter— so könnte man daran denken, sie reisen zu lassen— so aber— unmöglich!“— Es war ihm Ernst damit. Ihm wäre es wirklich als das Beste erschienen, Gertrud so schnell als möglich dieser Umgebung zu entziehen, diesen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu machen. Entweder— oder! Er hatte seine Braut längst gebeten, ihm Vollmacht zum Handeln zu geben: aber in einer Erregung, die jedenfalls auf die Krankheit zurückzuführen war, hatte Gertrud ihn beschworen, nichts ohne sie zu unternehmen, zu warten, bis sie völlig gesund sei. In seine Gedanken vertieft, hatte er nicht bemerkt, daß Frau von Ellern bei seinen Worten, wie von einer plötzlichen Idee erfaßt, zusammenfuhr— dann aber schnell ihre Haltung zurückgewann... 16. mikem. g. „Das dürste in der Tat unmoglich sein, erwiderte sie mit eigentümlich vibrierender Stimme,„der Gedanke ist unausführbar..„...: Jurf bam abbänai, Wenn die Genesung von diesem Wiedersehen anhangig ist— dann muß dieses eben in anderer Weise bewerkstelligt werden— es muß hier erfolgen. Und darum, Dr. Hansen, halte ich es für geboten.“— die Sprechende richtete sich zu ihrer vollen Höhe auf und ihre Augen blitzten —„Sie schreiben in diesem Sinne— an die Mutter ihrer Braut!! ** * Mehrere Tage waren vergangen. Die Freifrau hatte ihr Zimmer nicht verlassen; sie sei unwohl, hieß es im Hause. Dr. Hansen befand sich bei der Patientin. Er hatte ihr die Nachricht gebracht, daß Gertruds Mutter in einer Stunde zu erwarten sei, und sie hatte ihn gebeten, an Ihrer Statt der Dienerschaft die nötigen Befehle zu erteilen, sie selbst sühle sich zu angegriffen. Aus demselben Grunde müsse sie auch fürs erste darauf verzichten, die Erwartete bei sich zu empfangen. Dr. Hansen kam dieser Aufschub nicht ungelegen: vorläufig mochte es für alle Teile so am besten sein. Nicht einen* Augenblick kam ihm der Gedanke, die Freifrau könne nach## einem vorbedachten Plane handeln. Tatsächlich fand er sie nicht so frisch, wie er sie sonst gekannt. Er verordnete Ruhe und stärkende Tropfen für sie, und empfahl sich dann, um Frau Reimar von der Bahn zu holen. Es war nicht eigentlich Verstellung zu nennen, wenn die Freiirau gesagt, sie fühle sich eiend. Die gewaltsam niedergehaltene Erregung war an ihrem sonst noch so kräftigen Körper nicht spurlos vorübergegangen. Das Gemach, in welchem sie sich befand, war neben ihrem Schlafzimmer gelegen; es war ein nicht allzugroßes, einfaches Wohnzimmer, in welchem sie sich nur aufzuhalten pflegte, wenn ernstliches Unwohlsein ihr das Betreten der unteren Räume unmöglich machte. Heute war diese Verbannung allerdings nicht absolut erforderlich— sie hatte dieselbe aufgesucht— um Zeit zur Ueberlegung zu gewinnen. BuEs S unnS. S b 9 S S S8 b#gPSnIg" # 6 66 8 8 S 8 * S STSES F SSSSSEEN* SEx“ Bggn. SIEESGET S BSSUSA'SN Wie mächtig mußte der Groll doch einst in der Seele der rastlos auf und ab Schreitenden gelebt haben, daß noch jetzt, bei der Erinnerung an jene Zeit, all das Bittere, halb Verwischte wieder vor ihr aufstieg. Nun die Angst um Gertruds Leben von ihr gewichen, gewann das Gefühl der Unversöhnlichkeit wieder die Oberhand. Was sie am meisten empörte, war der Betrug, den man ihr gespielt. Seltsam— der Enkelin hätte sie trotz allen Grolles vielleicht verzeihen, vergeben können, aber der anderen, nimmermehr, der anderen, die diesen Betrug geduldet, wahrscheinlich sogar angestiftet hatte. Unter falschem Namen, so glaubte die maßlos Erbitterte, die nichts von der zweiten Heirat ihrer Tochter wußte— hatte sie ihr Kind in dieses Haus zu bringen gewußt. O, Frau von Ellern hatte den Namen jenes Entführers nicht vergessen— mit glühenden Lettern war er ihr ins Gedächtnis geschrieben.— Sie hatten gemeint, mit List und Berechnung die Liebe zu erzwingen, die Frau von Ellern nicht gesonnen war, freiwillig zu geben. Nein, sie wolite nicht vergeben, weder damals noch jetzt; sie sollten es erfahren— alle beide— daß Constanze von Ellern sich nichts abtrotzen ließ, weder mit List noch Gewalt.— Und diese Gertrud, dieses Mädchen, der ihr Herz sich zugewandt mit einer Gewalt, wie sie die Liebearme kaum je empfunden— sie sollte sie jetzt also in Wirklichkeit hergeben! Das Rollen eines Wagens riß die ruhelos Umherwandernde aus ihren Betrachtungen. Mitten im Zimmer blieb sie stehen— jede Fiber gespannt, jeder Neru atemlose Erwartung.— Der Wagen hielt, Schritte kamen die Treppe herauf, den Korridor entlang, Türen wurden geöffnet—— dann lautlose Stille.——— Und lautlos still blieb es auch hier im Gemache; nichts regte sich darin, als nur das wild klopfende Herz der Frau, die mit unheimlich starrenden Augen, mit erdfahlem Antlitz noch immer den draußen längst verklungenen Schritten lauschte — den Schritten ihrer Tochter.— Ja, es war kein Zweifel, Manon, einst Baronesse Ellern, war unter das Dach des Vaterhauses zurückgekehrt, aus welchem sie vor mehr als zwanzig Jahren geflohen.— In einem Aufruhr unbeschreiblicher Gefühle hatte Frau Reimar die Reise nach D... unternommen; alle Erinnerungen an vergangenes Leid, alle bisher gehegten Hoffnungen und Befürchtungen in betreff der Zukunft versanken vor dem schrecklichen Bewußtsein: Gertrud. ihr Liebstes, Einziges, war krank, man hatte sie, die Mutter zu ihr gerufen. Konnte das Schicksal so hart sein, ihr diesen letzten Trost ihres Lebens zu rauben? Als der Zug langsam in die große Bahnhofshalle einfuhr, siel der Blick der am Fenster Stehenden auf einen Diener in der Ellernschen Livree.— Lange Jahre waren vergangen, seitdem die Augen dieser Frau zuletzt auf den Abzeichen ihres Hauses geruht, lange Jahre, seitdem ihr Fuß über den Asphalt des Bahnsteiges geeilt, von dem aus sie geflohen, dem erhofften Glück entgegen— ein halbes Menschenalter lag zwischen damals und jetzt. Damals war ihr Haar blond gewesen, der Gang elastisch, und jugendfrisch die Gestalt. Mit von Sorgen und Kummer gebeugter Haltung, mit grauem Haar kehrte sie an den Ausgangspunkt ihrer Lebensreise zurück. Doch welcher Art auch die Empfindungen sein mochten, die sie bestürmten— ihr erster Gedanke galt jetzt der Tochter, und durch das Gedränge sich Bahn brechend, stürzte sie der Stelle zu, wo sie vorhin neben dem Diener eine hohe Männergestalt erblickt hatte. Das mußte er sein, der an sie geschrieben, der sich der Bräutigam ihrer Tochter nannte. Wenige Minuten später hatte sie von Han ens Lippen die tröstliche Kunde vernommen, daß für Gertruds Gesundheit Ernstliches nicht mehr zu befürchten sei, war sie, wie erlöst von der namenlosen, quälenden Augst, an seinem Arm die Stusen hinuntergeschritten. Wie im Traume bestieg sie den wohlbekannten, ihrer harrenden Wagen, wie im Traume fuhr sie durch die alten, nur wenig veränderten Straßen, und neben ihr der fremde, nie gesehene Mann, der mit wenigen, aus dem Herzen kommenden Worten um das Recht gebeten, sich ihren Sohn nennen zu dürfen, der alles, was im Innern der Erregten vorging, zu wissen und zu verstehen schien. Der Wagen war an seinem Ziele angelangt. Er hielt vor der großen Freitreppe im Vestibül, und Leo sprang heraus, um der Mutter seiner Braut beim Aussteigen behilflich zu sein. Sie blickte auf— die ehrwürdigen Mauern ihres Vaterhauses umschlossen sie. Ein Schauer überlief die Gestalt der Frau. Und aus dem Chaos der durcheinanderwirbelnden Empfindungen rang ein Gedanke sich jetzt mit niederschmetternder, vernichtender Gewalt: scharf, wie die Schneide eines Messers drang es ihr zum Bewußtsein: als Fremde, gleichsam unter falscher Flagge betrat sie den geheiligten Boden des Hauses, in dem sie als Kind gespielt, zur Jungfrau erblüht war. Nicht der Tochter hatten sich diese Pforten geöffnet— der Rus. der an sie ergangen, hatte Gertruds Mutter, der Mutter der erkrankten Gesellschafterin, gegolten. So schwer, so überwältigend traf diese Erkenntnis die Frau, daß sie glaubte, sie müsse zu Boden stürzen. Ein Schwindel überkam sie, sie wäre gefallen, wenn ihr Begleiter sie nicht gestützt hätte. Schweigend legte er den Arm der Zitternden fester in den seinen und stieg mit ihr die Treppen hinan; langsam, zögernd, die Röte bitterer, brennender Scham im Antlitz, über das sie den Schleier gezogen, schritt sie neben ihm her. In ihrem fiebernden Hirn jagten sich die Gedanken. Dort— jene Tür, sie führte in das Zimmer ihrer Mutter, der Mutter, die nichts wußte von dem Hiersein der Tochter. War's möglich— trug ihr Fuß sie wirklich an dieser Schwelle vorüber, ohne daß ihr das Herz in der Brust zerbrach? Nein— nein— nein— das durfte nicht so bleiben— das ging schier über Menschenkräfte. Sie mußte— sie wollte reden— unverzüglich. Erst ihr Kind sehen, es an das arme, bangende Herz drücken— dann hinüber— zur Mutter!—— In den Korridoren war es still: die Gesichter der Diener= schaft waren der Heimkehrenden völlig fremd. Nur unten, am Ende des Ganges stand eine kleine Gestalt, bei deren Anblick sie einen leisen Ruf ausstieß. Das war Babette— ihre alte Babette. Einen schnellen Schritt wollte Frau Reimar vorwärts tun, der Getreuen entgegen, doch Dr. Hansen hielt mit warnendem Drucke den Arm fest, der in dem seinen lag.—— Gertruds Zimmertür hatte sich noch nicht lange hinter den Eintretenden geschlossen, als Hansen dieselbe von neuem öffnete, um die treue Alte hereinzurufen. Eine Stunde später hatte die Freifrau ihre alte Dienerin zu sich beschieden. Babeite ließ die Vorhänge im Zimmer herab und zündete die Lampe an, aber ihre sonst so geschickten Finger verrieten heute eine merkwürdige Unsicherheit und ihre Augenlider waren gerötet, als habe sie geweint. Und es mußte elwas Ansteckendes in diesem Gebaren liegen, das sich dem Wesen der scharfbeobachtenden Herrin mitteilte, denn auch ihre Hände begannen bei diesem Anblick leise und unmertlich zu zittern. Aber nur für einige Minuten— dann hatte sie ihre Ruhe zurückerlangt:„Nun Babette— ist Fräulein Reimars Mutter angekommen?" Eine Pause— viel zu lang für eine, wenn auch langjährige Dienerin dieser Gebieterin gegenüber, dann sagte Babette dem Blicke derselben ausweichend:„Ja“. „Was ist dir— Babette?“ Jetzt endlich sah diese auf. „O. gnädige Frau— es war ergreifend, dieses Wiedersehen.“ Babettes Tränen flossen von neuem— aber Frau von Ellern störte diesen Erguß ihrer Getreuen in keiner Weise—„die beiden müssen sehr aneinander hängen, das liebe Kind— und— die Mutter. O ja, o ja, wenn Sie dabei gewesen wären, wenn Sie gesehen hätten.“— „Genug, Babette,“ unterbrach Frau von Ellern kühlen Tones die Aufgeregte,„deine Erzählung ermüdet mich— ich bedarf, wie du weißt, der Ruhe. Geh' jetzt!— doch vorher noch eins: du hast dafür zu sorgen, daß es der Dame an nichts fehlt— solange sie als Gast in diesem Hause weilt.“ In den oberen Räumen des freiherrlichen Hauses herrschte eine sast unheimliche Stille. Noch leiser, noch geräuschloser als sonst walteten die Diener ihres Amtes; unwillkürlich dämpften sich die Stimmen, sobald man sich der oberen Etage näherte. Dafür aber ging es unten im Erdgeschoß, wo die Küche und die Wirtschaftsräume lagen, ziemlich ungeniert zu. Bis zu der Gnädigen hinauf war’s weit, da konnte man sich das seltene Vergnügen schon einmal gönnen, der Zunge freien Lauf zu lassen. Es ging etwas vor im Hause— sie hatten es alle gemerkt.— Daß die Tür der Gnädigen so systematisch verschlossen blieb, war ja noch gar nicht vorgekommen. War sie wirklich krank? Mucuu sbigyuusch W„u e Nanny, Frau von Ellerns Jungfer, zuckte spöttisch die Achseln, sobald diese Frage ausgeworfen wurde. Sie war die einzige von der Dienerschaft, welche freien Zutritt zu ihrer Gebieterin hatte. Babette war von dem persönlichen Dienst derselben entbunden worden, angeblich, um für Fräulein Reimar und deren Mutter stets zur Hand sein zu vonnen.."„ iman katte 29 anischichen ein k Mit dieser Frau Reimar hatte es entschieden eine besondere Bewandtnis. Niemand hatte sie bis jetzt genau zu sehen bekommen— auch sie hatte ihr Zimmer kaum verlassen. Ein paarmal war sie der Jungfer im Korridor begegnet.„Sie können's glauben,“ sagte Ranny zu Johann, den sie mit ihrer besonderen Gunst beehrte—„scheu, wie eine Verbrecherin, ist sie an mir vorbeigeschlichen. Und dazu nun die rotgeweinten Augen der alten Babette und ihr ganzes verrücktes Getue mit der Gesellschafterin, an der sie ja schon längst einen Narren gefressen.“ Und die Freifrau erst!— Das war das Sonderbarste von allem.„Nanny, wie ist das Wetter heute?" pflegte sie mitunter zu fragen, wenn Nanny sie frisierte, und dann gleich:„Geht Fräulein Reimars Mutter fleißig spazieren?“ — Oho— Nanny war nicht so dumm— es lag ja auf der Hand, daß zwischen all diesem ein Zusammenhang war. Welcher?— das wußte sie freilich nicht. Einer wußte es— das war der Doktor. Aber soviel Nanny auch spähte und lauerte, sie erfuhr nicht, was seine fortwährenden Besuche im Hause zu bedeuten hatten. Die ärztliche Pflicht allein führte ihn nicht so oft her, soviel stand für Nanny seh.„ammgrfätchen halte zichlig gesehen Das schwatzhafte Kammerlaßchen hatte lichtig gesehen. Tagtäglich ging Hansen, sobald er sich nach dem Befinden der Freifrau erkundigt hatte, hinüber in das Zimmer seiner Braut. Das war die einzige Unterbrechung in dem Stillleben der drei Frauen. Nur wenige Schritte trennten die Freisrau von den beiden anderen— aber es war, als lägen Länder und Meere zwischen ihnen. Wie dumpfe, schwere Gewitterschwüle lastete es auf den Gemütern, eine Schwüle, die jeden Tag sich entladen konnte. Täglich, stündlich konnte— hüben wie drüben— etwas geschehen, was das drohende Unwetter zum Ausbruch brachte. Was würde es bringen— Sonnenschein und klaren Himmel oder Sturm und Regen s..... ,.(, Hindämmern! Se Besser Sturm, als dieses tatenlose Hindummern! So wenigstens sagte sich Frau Reimar. Den heroischen Entschluß, welchen sie beim Eintritt in das Haus gefaßt, hatte sie, mit Rücksicht auf den leidenden Zustand ihrer Mutter, aufgeben müssen; aber sie hatte durch Hansen erfahren, daß es der Mutter jetzt besser ginge— die Entscheidung konnte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Und sie nahte— nahte viel schneller, als die Betreffenden selber ahnten. Ein an sich geringfügiger Umstand führte dieselbe herbei. Es war am 19. Januar. Frau von Ellern, die an diesem Morgen einen mit dem Poststempel Berlin versehenen Brief erhalten hatte, schritt, ihrer Gewohnheit gemäß, durchs Zimmer und überlegte: all die Tage her hatte sie sich schon das Hirn zermariert mit der Frage:„Wie fang' ich's an.“ Sie hatte Babette sern zu halten gewußt— fast schien's, als scheue sie sich; dem Blicke der alten Dienerin zu begegnen, die schon zu ihres Mannes Lebzeiten im Hause gewesen war. Es hatte Stunden gegeben— Constanze von Ellern gestand es sich in der Stille ihres Zimmers— wo die Sehnsucht nach dem einzigen Kinde sie fast überwältigt hatte— oft und oft. Wäre Manon in solchen Stunden vor sie hingetreten, reumütig und offen— wer weiß— die Zeit heilt so manche Wunde— die Mutter hätte vielleicht verzeihen können.(Fortsetzung folgt.) Erich Hansens Liebe. Erzählung von Johann Warnken. Der junge Kunstmaler Erich Hansen hätte sich kein wonnigeres Wesen wie Lonny, seine junge Gattin, zur Lebensgefährtin erwählen können, denn die junge Frau war von seltener Schönheit, schlank, gewandt und lebensfreudig, für alles Edle, Große und Schöne begeistert und dazu sehr aufnehmungsfähle.„, I, mannten ein ui siches Gandbäusch. Die jungen Eheleute nannten ein niedliches Lanohauschen ihr eigen. Sie hatten es ganz nach eigenen Entwürfen erbauen lassen. Klein und zierlich, mit feuerroten Ziegeln, leuchtete es aus seinem dunkein Hintergrunde, der aus dichtem Nadelgehölz bestand, hervor. In diesem Erdenwinkel weilte das Glück zweier Seelen, die sich liebten mit ihren ganzen Herzen, die einander ganz verstanden, eins in ihrem Fühlen und Denken waren. Und wenn man dem jungen Künstler beim. Malen zuschaute, sah man deutlich, wie dieses Glück. diese Glückseligkeit seinen Pinsel führte und leuchtende, lebensfreudige Farben auftrug, wenn Frau Lonny Modell stand. Und Lonny tat es oft und gerne. Wenn auch eine große Geduld dazu gehörte, stundenlang Modell zu stehen, so überwand ihre große Liebe zu ihrem Erich und seiner Kunst doch alles. So war es ein fröhliches, sonniges Zusammenwirken, das Erich Hansen bald zu dem langersehnten Erfolg verhalf, von dem er Jahre lang geträumt. „„ * Es war an einem der ersten Junitage nach der Vermählung, als Erich Hansen sich mit seinem jungen Weibe im Atelier befand und an seinem neuesten Gemälde„Frühlingsmärchen“ arbeitete; es bedurfte bezüglich Lonnys Gestalt nur noch einiger Pinselstriche.„Frühlingsmärchen"... für Erich Hansen, den Maler, bedeutet es Anerkennung und Ruhm für höchste künstlerische Leistung, für Frau Lonny ist es ein Hymnus auf ihre Schönheit, für beide aber ein sütes, wonniges Märchen ihres Ehefrühlings, das sich nach Monden zur entzückenden. beglückenden Wirtlichkeit gestaltet haben wird, um alle Glückseligkeit ihrer jungen Ehe noch zu steigern, das Plut noch freudiger pulsieren, die Herzen höher schlagen zu lassen.— „Fertig!“ rief endlich der Künstler, nachdem er einige Schritte rückwärts gegangen, um noch ein paar pru ende Blicke aus gewisser Entfernung auf das Bild zu werken.— „Fertig!" jubelte er noch einmal. Lonny. mein liedes, schönes Weib, komm und schaue mein— Meisterwerk!" Lonny kam in lustigen Sprüngen angebüpft, stellte sich neben ihren Erich und betrachtete in stummer Bewunderung das Gemölde.— „Wie findest du das, Lonnn?“ Lonny schaute verzückt lächeind zu ihm empor.—„Schön,“ sagte sie dann mit sanfter Stimme, wie im Zauber des„Frühlingsmärchens,“„schön finde ich es, Erich! Und ich mu: dir: aus tiefstem Herzen danken,“— es ist wirklich dein Meisierwerk!“— Der junge Künstler hatte Pinsel und Paleite beiseite gelegt.— „Und ich danke dir auch,“ entgegnete er, sein junges Weib umarmend und küssend:„denn, Lonny, deine Schönheit war es, die dieses Meisterweik werden ließ, die meine Hand führte und leitete, die mich begeisterte; ohne dich, ohne deine Schönheit wäre es nicht gelungen.“ Noch einmal bewunderten beide das Gemälde. Dann verließen sie das Atelier und wandelten Arm in Arm in den Garten hinaus, der vom Duft der Rosen, welcher die in der Sonnenglut slimmernde Luft berauschte, erfüllt war. In der Poesie dieses Glückes und fröhlichen Zusammenwirkens entfloh beiden fast das ganze erste Jahr ihrer jungen schönen Ehe wie ein sonniger Traum in lebensfrohen Pulsschlägen dahin. Da mit einem Male wurden sie aus aller Seligkeit gerissen— Frau Lonny erkrankte schwer, als ihr neugeborenes Töchterchen starb. Erich stand mit einem alten, erfahrenen Arzt neben ihr und schaute bald sein leidendes junges Weib mit schmerzerfüllten Blicken, bald den alten. ergrauten Arzt bangfragend an. Dieser schwieg; erst als er ging und Erich ihn hinaus begleitete, legte er diesem väterlich die Hand auf die Schulter:„Abwarten, mein lieber Heir Hansen. abwarten... sie ist schwach, schwerkrank: doch hoffen wir, mein lieber Hansen...“—— Nun war Erich wieder allein mit ihr, allein mit seinen Sorgen um die über alles geliebte Seele. Er fühlte mit ihr, litt mit ihr und umgab sie mit seiner ganzen großen Liebe, selbst krank und elend. weil seine Lonny so leiden mußte. Erich Hansen nahm sich einen Stuhl und setzte sich neben ihr Bett, ganz dicht— das Haupt in beide Hände bergend. Im dumpfen Hinbrüten dachte er an sein junges Weib, das so schwer zu leiden hatte. Da legte sich ihr weißer Arm langsam und müde um seinen Hals. Wie aus einem düsteren, sonnenlosen Traum erwachend, erhob Erich Hansen das Haupt. blickte sie bekümmert an und fragte im zärtlichen Tone nach ihren Wünschen, indem er ihr Hände und Wangen streichelte. Ihr Bewußtsein war zurückgekehrt.— Sie suchte jetzt etwas, fand es aber nicht. Dann machte sie Anstrengungen, sich zu erheben, was ihr mit Erichs Hilfe gelang.— Wieder blickte sie suchend um sich... Nichts war zu finden... War es denn ein Traum gewesen?—„Erich, unser Kind?"... hauchte der der ebenso praktische wie kleidsame Schillerkragen als eine strafwürdige Neuheit erschien. Sollte eine Anweisung von oben vorliegen, so reichte der Fall an jenen heran, in dem ein Gerichtsherr es als ungebührlich ansah, als ein Verteidiger sich durch ein Glas Wasser stärkte. 1( Neue Lebensmittelkrawalle in Madrid. In Madrid, wo über Erhöhung des Brotpreises aufgebrachte Frauen 600 Bäckerläden demolierten, kam es zu neuen Krawallen wegen der hohen Kartofselpreise. Auf dem Marktplatz wurden den Händlern die Kartoffelsäcke aufgeschnitten und der Inhalt umhergestreut. Für unsere Hausfrauen. Das Sauerwerden der Milch. Während der heißen Jahreszeir hört man jetzt sast tägilch Klagen de Hausfrauen über das Sauerwerden der Milch. Man ist geneigt, ohne weiteres dem Milchhändler die Schuld an diesem Uebelstande beizumessen, ohne sich darüber klar zu werden, daß dies nur in den allerwenigsten Fällen zutrifft. Das Sauerwerden der Milch wird in den weitaus meisten Fällen durch unrichtige Behandlung seitens der Hausfrauen verursacht. Viele Hausfrauen berücksichtigen nicht, daß die Milch während der heißen Jahreszeit ganz anders behandelt werden muß, als während der kühlen Jahreszeit. Es sei deshalb auf folgendes aufmerksam gemacht: Die Milch soll so frisch wie nur irgend möglich gekauft werden. Sofort nach dem Kauf erhitze man die Milch etwa fünf bis zehn Minuten lang bis zum Kochen und kühle sie alsdann schnell ab. Die Ausbewahrung der Milch muß an einem kühlen Orte erfolgen und zwar am besten in dem Gefäß, welches auch zum Auskochen gedient hat, um ein Umgießen der Milch nach Möglichkeit zu vermeiden. Als Gefäß wähle man am zweckmäßigsten ein solches mit überfassendem Deckel. Wenn jiede Hausfrau diese Regeln beobachten wollte, würden die Klagen über sauer gewordene Milch bald verstummen. Letzte Drahtmeldungen. Fünf Personen durch Starkstrom getötet. Berlin, 8. Juli. Ein folgenschweres Unglück, dem fünf Menschenleben zum Opfer fielen, trug sich gestern mittag an der Ueberlandzentrale des Brandenburger Kreis=Elektrizitätswerkes zu. In der Nähe des Krongutes Bornim bei Potsdam riß ein Starkstromdraht der Ueberlandzentrale auseinauder, und die beiden Drahtenden fielen auf den Boden herab. Beim Ausheben der Drähte wurden vier russische Erntearbeiter und ein Stallknecht des Gutes Vornim vom Strom auf der Stelle getötet. Unter den Toten befindet sich ein Vorarbeiter. Verhängnisvoller Zusammenstoß. Stettin, 6. Juli. Der Dampfer„Saxonia“ der Reederei Kunstmann in Stettin überrannte in der Nacht zum Sonntag auf der Fahrt von Swinemünde nach Weißensteube ein mit vier Männern besetztes unbeleuchtetes Voot. Die vier Insassen fielen ins Wasser. Drei von ihnen ertranken, während der vierte mit Hilfe des beleuchteten Nachtrettungsapparates, der ihm vom Dampfer aus zugeworsen wurde, gerettet werden konnte. Die Leichen der drei Ertrunkenen, die aus dem Dorse Schwabach stammen, sind noch nicht gesunden. Der Unfall ereignete sich in der Dunkelheit bei regnerischem Wetter. Den Kapitän trifft keine Schuld. Die Stiefmutter erdrosselt. Dresden, 8. Juli. Hier hat der 30 Jahre alte Gelegenheitsarbeiter Oskar Lehmann seine Stiefmutter ermordet. Die alte Frau wurde gestern, mit einem Strick erdrosselt, aufgefunden. Kisten und Behälter waren erbrochen. Ein Sparkassenbuch wird vermißt. Der Täter hat die Flucht ergrissen. Die politische Lage nach dem Tode Franz Ferdinands. Wien, 6. Juli. Gestern vormittag sand in der Volkehalle des Rathauses eine vom Katholischen Volksverein anberaumte Versammlung statt, um die durch den Tod des Erzherzogs Franz Ferdinand geschaffene politische Lage zu erörtern. Es sprachen mehrere Redner, darunter der Erzgraf Trautmannsdorf, die sämtlich den Zusammenschluß aller dynastischen und reichstreuen Elemente sorderten mit Rücksicht auf die Gefahr, in der sich die Monarchie durch das an der Grenze immer bedrohlicher auftretende Slawentum befindet. In diesem Sinne wurde auch eine Resolution angenommen. Nach Schluß der Versammlung bildete sich ein Demonstrationszug, der sich zum Deutschmeisterdenkmal begab und dort patriotische Kundgebungen veranstaltete. Die von der Polizei getroffenen Vorkehrungen vor der serbischen Gesandtschaft erwiesen sich als überflüssig, da sich in der Paulanergasse, in der sich die serbische Gesandtschaft befindet, keine Zwischenfälle ereigneten. Die unverschämten Serben. Wien, 6. Juli. Dem Wiener Korr.=Bureau wird aus Belgrad gemeldet: Dem Mali=Journal zufolge hat die serbische Polizei Nachforschungen nach dem Komitadschi Ziganovic angestellt, gegen den der Verdacht laut wurde, daß er an dem Attentat gegen den Erzherzog beteiligt sei. Die serbische Polizei hat bisher keine Spur(selbstverständlich) von ihm entdeckt und setzt die Nachforschungen fort. Das Blatt„Odjek“ verzeichnet Gerüchte, daß die serbische Regierung zugestimmt habe, die Untersuchung über das Attentat von einem österreichischen Polizeikommissar auf serbischem Gebiet führen zu lassen. Es erklärt, es könne nicht glauben, daß Belgrad den Skandal und die Schande erleben werde, einem österreichischen Kommissariat untergeordnet zu werden. Das Blatt„Balkan“ bemerkt, daß das erwähnte Gerücht umso unsinniger sei, als gerade Oesterreich=Ungarn wegen der Verfolgung Unschuldiger der internationalen Kontrolle unterstellt werden müsse. Für österreichische Beamte und Soldaten gäbe es in Serbien nur einen Empfang: Die Spitzen der Bajonette! Folgenschwere Bombenexplosion. Genua, 6. Juli. In der Wohnung des Schneiders Nicolini sand am Sonntag früh eine furchtbare Explosion statt, durch welche die Wände des Hauses eingerissen und die Trümmer auf die Straße geschleudert wurden. Einer zwölsjährigen Tochter des Schneiders wurde der Kopf zertrümmert, vier Personen erlitten schwere Verletzungen. Es scheint, daß die Ursache des Unheils eine Bombe gewesen ist, die der Sohn des Schneiders auf der Straße gefunden haben soll. Eingesandt. Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung. Recht unruhig geht es in den letzten Nächten am Südwall 11 zu. Es wird dort in ganz grober Weise skandaliert und durch Schießen und dergleichen mehr die Anwohner der Mühlenstraße in ihrer nächtlichen Ruhe gestört. Es wäre zu wünschen, daß sich die Polizei hier besser ins Mittel legte und manchem dieser rohen Burschen einen kräftigen Denkzettel zusammen ließe. Hoffentlich genügt dieser Hinweis, künstige Nuhestörungen einzudämmen. Mehrere Nachbarn. —— Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Ernst Berghäufer: Pachantenmäcen. Ein Wandervogelbuch, broschiert 75 Pf., gebunden 1 Mark. Erich Matthes, Verlag, Leipzig. Dieses Büchbein schildert uns in urwüchsiger Wandervogelsprache die Entwicklung einer westsälischen Ortsgruppe. Ein besonderer Vorzug ist der niedersächsische, derbe Humor, der bisweilen an Wilhelm Busch und Fritz Reuter erinnert. Das Werkchen ist auf jeden Fall das Eigenartigste und Ursprünglichste, was die gesamte WandervogelLiteratur bisher hervorgebracht hat. Aus dem Inhalt der letzten Nummer der illustrierten Jagd=Wochenschrift„St. Hubertus“: Erinnerungen bei der Birsch auf den Bock vor der Brunft.— Hosjagd in der Letzlinger Heide.— Ungenügender Jagdschutz— Wildtauben=Abschuß. — Mutterliebe einer Fähe.— Noch einmal das Wasserhuhn und Stockente.— Die Aussichten für die Rebhühnerjagd in Nordbayern.— Geschlechtsverhältnisse bei Krähen.— Zucht seltener exotischer Wasservögel.— Ganz seltener und eigenartiger Fang im Wattenmeer.— Einen schwarzen, sehr braven Sechserbock.— Wasserhuhn und Haushuhn. — Aus der Pfalz.— Rechtliches.— Jagd= und Forstschutz.— Briefkasten.— Probenummern von der prächtig ausgestatteten Zeitschrift werden von der Geschäftsstelle des„St. Hubertus“ in Cöthen(Anhalt) gern abgegeben. Durch die Post bezogen kostet die Zeitschrift vierteljährlich 2.40 Mark. Wie bereitet man sich ein ebenso vorzügliches wie billiges Haarwasser selbst? Die Ursache des frühzeitigen Ergrauens und Ausfallens der Haare ist außer in konstitutionellen Krankheiten zweiselsohne in einer mangelhaften Pflege der Kopfhaut zu suchen. Ein Haarwasser, welches diesen Zweck in der vollkommendsten Weise ersüllt, bereitet man sich selbst, indem man sich in der nächsten Apotheke oder Drogerie eine Flasche Goldgeist für 50 Pf. und für 10 Pf. Eau de Cologne kauft. Auf dem jeder Flasche des echten Goldgeist beigesügten Prospekt findet man eine genaue Anweisung, wie man sich für 60 Pf. ¼ Liter Haarwasser bereitet, das sich nicht allein als Parastienvertilgungsmittel einen Weltruf erworben hat, sondern sich auch zur Verhütung von Erkrankungen der Kopshaut, gegen Haarausfall, zur Haarpflege, sowie zur Erzeuguung eines üppigen Haarwuchses bewährt hat. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte Bekanntmachung. Bei der Wahl der Versicherungsvertreter als Beisitzer des Versicherungsamtes der Stadt Schwerte a. d. Ruhr sind gewählt worden: (Wahlperiode 1. 7. 1914 bis dahin 1918(§ 16 NVO.) I. als Versicherungsvertreter. a. der Arbeitgeber. 1. Lewkonja, Kurt, Dr., Chemiter, Schwerte. 2. Schluck, Emil, Diplom=Ingenieur, Schwerte. 3. Döpp, Otto, Prokurist, Schwerte. 4. Homel, Ernst, Kaufmann, Schwerte. 5. Frage, Carl, Bauunternehmer. 6. Möhling, Ernst, Fabrikant, Schwerte. d. der Versicherten. 1. Schramm, Wilhelm, Schlossermeister, Schwerte. 2. Möhle, Wilhelm, Packer, Schwerte. 3. Heymann, Adolf, Meister, Schwerte. 4. Laibold, Naimund, Maurerpolier, Schwerte. 5. Bühning, Wilhelm, Drahtzieher, Schwerte. 6. Nump, Gustav, Klempner, Schwerte. II. als 1. Stellvertreter. a. der Arbeitgeber. 1. Karlstein, Alfred, Chemiker, Schwerte. 2. Lange, Franz, Betriebsleiter, Schwerte. 3. Füllmann, Jakob, Ingenieur, Schwerte. 4. Mehlhose, Max, Kaufmann, Schwerte. 5. Steinschulte, Friedlich, Schuhmachermeister, Schwerte. 6. Möhling, Otto, Jabrikant, Schwerte. b. der Versicherten. 1. Bangert, Heinrich, Meister, Schwerte. 2. Tillmann, Wilhelm, Drahtzieher, Schwerte. 3. Hülsmann, Hugo, Packmeister, Schwerte. 4. Kapune, Josef, Drahtzieher, Schwerte. 5. Keßler, Karl, Schreinermeister, Schwerte. 6. Heierhoff, Ludwig, Dreher, Schwerte. III. als 2. Stellvertreter. a. der Arbeitgeber. 1. Wolf, Carl, Prokurist, Schwerte. 2. Roeber, Carl, Prokurist, Holzen. 3. Brand, Heinrich, Prokurist, Schwerte. 4. Panndorf, Arno, Zimmermeister, Schwerte. 5. Schwerdt, Richard, Fabrikant, Schwerte. 6. Möhling, Hugo, Fabrikant, Schwerte. b. der Versicherten. 1. Burgemeister, Heinrich, Maschinist, Schwerte. 2. Paul, Fritz, Arbeiter, Schwerte. 3. Gerharts, Carl, Portier, Schwerte. 4. Reddi, Christian, Fabrikarbeiter, Schwerte. 5. Schmidt, Heinrich, Sparkassen=Gehilfe, Schwerte. 6. Schmiemann, Bernhard, Packmeister, Schwerte. Dieses Wahlergebnis wird hierdurch gemäß Nr. 27 der Wahlordnung bekannt gemacht. Die Gültigkeit der Wahl kann binnen einem Monat nach der Bekanntmachung des Wahlergebnisses bei dem Wahlleiter angefochten werden. (Nr. 28 der Wahlordnung.) Schwerte, den 6. Juli 1914. Der Wahlleiter: Emmerich. Frau sucht Stelle zum Waschen und Gartenarbeit. 4647 Ziethenstr. 3. Ein properes, fleißiges In grösserem Kolonialwaren-Geschäft findet teinige Verkaufern. welche energisch genug ist grösseres Personal zu beaufsichtigen, per sofort oder später Stellung. Offerten mit Gehaltsansprüchen unter H. 4649 an die Expedition dieser Zeitung. für bald gesucht. 4648 Wilhelmstr. 10. Dae dlan dier die hoschiahe einer unterird. Telegraphenlinie in der Hörderstr. zu Schwerle (Ruhr) liegt bei dem Postamt in Schwerte(Ruhr) von heute ab vier Wochen aus. 4637 Oberposl=Direhlion Dorkmund. Mauter 4eis sofort gesucht. Wilhelm Lua, Baugeschäft, Echwerte. Technikum Bingen maschinenbau, Elektrotechnik. 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Um stille Teilnahme bitten namens trauernden Hinterbliebenen: Statt besonderer Anzeige. der Familie Martin Kawohl. Schwerte, den 4. Juli 1914. Wegen Erkrankung des jetzigen, suche sofort oder zum 1. August ein treues, kräftiges, in Küche und Haushalt erfahr. Frau von Scheven, Hohenzollern=Apotheke 4611 Voele b. Hagen. Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag 3½ Uhr vom Sterbehause, Kampstrasse 4, aus statt. 4635 Braves 90 gesucht. 4636 Frau Balster, Beckestraße. Wer unreines Blut hat? Stuhlverstopfung, Hämorhoiden, schlechte Verdauung, Blutandrang nach dem Kopfe, Kopfschm., trinke Dr. Bufleb’s echten Frangulatee, à 50 Pfg. Nur bei Max Mehlhose, Medizinal-Drogerie, Ostenstrasse. Gestern morgen um 3 Uhr entschlief sanft nach schwerem Leiden, mehrmals gestärkt durch den Empfang der beiligen Sterbesakramente der römisch-katholischen Kirche unser guter Bruder, Onkel, Schwager und Vetter 4644 im Alter von 30 Jahren. Dieses zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an: Dis trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Höingen, Trier und Schweig, den 6. Juli 1914. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen unsere liebe Tochter Ellee Beeker im Alter von 6¼ Jahren nach kurzem, schwerem Leiden zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Tellnahme bitten: Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Hagen, den 4. Juli 1914. Die Beerdigung findet am 7. d. Mts., morgens ½10 Uhr vom Trauerhause, Mühlenstrasse 14, aus statt. 4642 Die Beerdigung flndet Mittwoch nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause, Moltkestrasse 14, aus statt. Neue Kartofteln 70 4610„„„ 10 Pfund 2O L. Wenwerg. Pig. 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Juni 1909 (Reichsgesetzblatt Seite 518) mit Ermächtigung des Herin Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Nachdem nach amistierärztlicher Feststellung die Maul= und Klauenseuche unter dem Rindviebbestande auf dem Gehöst der Witwe Johann Stratmann zu Schwerte. Hörderstraße 80, abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen, die Desinfektion des Stalles vorschriftsmäßig ausgeführt und durch den Kreistierarzt abgenommen ist, gilt die Seuche auf dem genannten Gehöfte als erloschen. 1 Die angeordnete Stallsperre über das Gehöft wird hiermit ausgehoben..„„ 1474em 4638 Die übrigen in der viehseuchenpoltzeilichen Anoidnung vom 6. Juni d. Is.— III 805— verfügten Schutzmaßregeln bleiben bis zum 11. d. Mis noch in Kraft. Vom 12. Juli ab werden sie hiermit aufgehoben. Hörde, den 4. Juli 1914. Der Königliche Landral: Dr. Luckhaus.