c: 9.— — — Amtliches Kreisblatt für den kreis börde De„Schwarten Zetung“ arscheint tsgie. auber Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentk. Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund“ u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Reklamezeile 40 Pfg. Nadat git als Kasarobal u. erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Nichldeachtung d. gemacht. Jahlungsdedingung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung 1 bae Verbunden mit: Schwertel Tagebian S Schwerter Anzeiger Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt 8 * S c h m o r t e r T a g e b l a t t C S c h m o r t e r U n z o i g e r Grstes und älteltes Cagesorgan des Kreises o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt Aüe duter und ichelentgüchen Beund. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Behanntmachung der Königlichen Regierung durch Verössentlichung in dei„Schwerter Jeitung" rechtsverdindliche Krast.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt idren Adonnen. len für jeden mit Tod endenden Unsall gediagungen: 300 Mk. Unsall. Druck u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Ruhe Fernsp. 62. Telegr.= Adr. Braus Schwerte=Ruhr Nr. 150. Dienstag, den 30. Juni 1914. 46. Jahrgang. Das surchtbar. Srama sdrn Grrmtur! Es ist ein furchtbares Geschick, das den Kaiser Franz Josef, der nach soeben überstandener schwerer Krankheit am Samstag zur Erholung und Kräftigung das ihm liebgewordene Bad Ischl aufsuchte, bis in sein hohes Alter verfolgt. Abgesehen von den politischen Umwälzungen in der Donaumonarchie während seiner langen Regierungszeit, die dank der weisen Mäßigung und staatsmännischen Voraussicht Bismarcks nach dem Kriege von 1866 zu einem festen Schutz= und Trutzbündnis zwischen Preußen=Deutschland und Oesterreich führten, das sich später unter Einbeziehung Italiens zu dem Friedensbollwerk des Dreibundes gestaltete, wurde das bis dahin glückliche Familienleben im österreichischen Kaiserhause durch zwei furchtbare Katastrophen aufs schweiste erschüttert. Das Drama von Meyerling beraubte den Kaiser Franz Josef des einzigen Sohnes, des Kronprinzen Rudolf, dem unser Kaiser innig befreundet war. Am 10. September 1898 fiel Kaiserin Elisabeth, seine treue Lebensgefährtin, in Genf dem Mordstahl des Anarchisten Luccheni zum Opfer. Und nun, wo er im höchsten Greisenalter die Gewißheit haben konnte, daß unter seinem dereinstigen Nachsolger die treue Bündnispolitik mit Deutschland in seinem Sinne fortgesetzt werden würde, trifft ihn die entsetzliche Nachricht, daß wiederum ein Mordbube die Stütze seines Alters dahingerafft hat. Ja, nicht genug damit, zugleich mit dem Thronfolger Franz Ferdinand wurde dessen Gemahlin, die Herzogin von Hohenberg, geb. Gräfin Chotek, mit der er in vorbildlicher Ehe lebte, hingemordet, Ueber Oesterreich hinaus wird die Nachricht von dem tragischen Ende des Thronsolgerpaares Franz Ferdinand, naturgemäß vor allem in Deutschland und namentlich bei unserem Kaiser, tiesste Teilnahme erwecken. Legte doch erst kürzlich der Besuch auf Schloß Konopischt von neuem Zeugnis ab von dem innigen Verhältnis, das zwischen Kaiser Wilhelm und dem Erzherzog=Thronsolger bestand. Und nicht bloß von dem persönlich=freundschaftlichen Verhältnis, sondern von den fortgesetzt engen und festen Beziehungen zwischen den beiden großen Nachbarreichen. Es ist offenes Geheimnis, daß die Zusammenkunft in Konopischt hauptsächlich mit der Aussprache über die immer aggressiver und drohender werdende Politik Frankreichs und Rußlands und über den weiteren Ausbau der Marine Oesterreichs galt. Auf Erzherzog Franz Ferdinand als treuen Bundesgenossen Deutschlands war fester Verlaß. Was wird nun werden? Der neue Thronfolger Karl Franz Josef, ein Nefse des Erzherzogs Franz Ferdinand, ist ein völlig unbeschriebenes Blatt. Deutschland hat daher an dem so plötzlich herbeigeführten Thronfolgerwechsel das höchste Interesse. Neue Einzelheiten über den Mordanschlag. Die Bombe war eine Flaschenbombe mit Nägeln und gehacktem Blei gefüllt. Die Explosion war so heftig, daß in einem Geschäftsladen die eisernen Rolladen durchschlagen wurden. Etwa zwanzig Personen wurden verletzt, darunter ein Forstrat und seine Gattin, ein Advokat und mehrere Damen und Kinder. Im Lause des Nachmittags meldete sich noch eine Reihe Leichtverletzter. Ein Beamter der Landesregierung wurde an den Beinen schwer durch Sprengstücke verletzt. Ueber den Sicherheitsdienst in Serajewo wird von privater Seite gemeldet: Aus Anlaß des Aufenthaltes des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin wurden seit acht Tagen die Polizeimaßnahmen sehr strenge gehandhabt. Jeder nur halbwegs Verdächtige und jeder, der vom Ausland kam, mußte sich durch besondere Legitimationspapiere ausweise. Vorgestern wurden 37 verdächtige Personen in Haft gesetzt. Die Vorkehrungen der Behörden gingen so weit, daß hinter dem Militärspieler keine Ansammlungen des Publikums geduldet wurden. Ebenso war es streng verboten, daß die Fenster besetzt wurden; sogar der Blumenschmuck an den Fenstern und auf den Balkonen 05 40 LMbK 9674 mußte entfernt werden. Ueber 1000 Gendarmen waren aus dem Innern des Landes in der Stadt zusammengezogen worden, um den Sicherheitsdienst zu verstärken. Wie ferner verlautet, sollen dem Erzherzog schon vor Beginn der großen Manöver zahlreiche Warnungen zugegangen sein. Der Erzherzog soll, als ihm die Gefahr einer Teilnahme an den Manövern vor Augen geführt wurde, erklärt haben, er sei entschlossen, unter allen Umständen an den Manövern teilzunehmen und vor Drohungen nicht zurückzuweichen. Der Erzherzog soll dagegen seine Gemahlin zu bewegen versucht haben, Konopischt zu bleiben, doch sei es die Herzogin gewesen, die ihren Gemahl dringend gebeten habe, die Reise mitmachen zu dürsen. Erst auf die wiederholten Bitten der Herzogin willigte der Erzherzog in eine Teilnahme an der Reise ein. Die unglücklichen Kinder des erzherzoglichen Paares sind auf Befehl des Kaisers bereits nach Wien gebracht. Die amtliche Trauer. Ein schwarz umrändertes Extrablatt der Wiener Zeitung veröffentlicht im amtlichen Teil die Meldung von dem Tode des Erzherzogs Franz Ferdinand. In seinem nicht amtlichen Teil widmet die Wiener Zeitung dem Erzherzog und seiner Gemahlin einen Nachruf. Der Artikel hebt hervor, daß die I ernste Lebensführung und das strenge Pflichtgefühl des Erzherzogs, die hohe Auffassung seiner Stellung und der geschichtlichen Wendung der Monarchie sowie sein ideales Familienleben ihm allgemeine Verehrung erworben haben. Der kaiserliche Prinz habe mit ungewöhnlichem Eifer und außerordentlicher Hingebung seine Stellung erfaßt und insbesondere sei die Ausgestaltung des Heeres sowie die mächtige Entwicklung der Kriegsflotte seiner Sorge und seinem unermüdlichen verständnisvollen Wirken zu verdanken. Aber auch allen künstlerischen Bestrebungen sei der rege Sinn des Erzherzogs zugewandt gewesen. Alles, was die Größe des Reiches und das Wohl des Volkes berührte, konnte der Teilnahme des Erzherzogs sicher sein. So groß die Verehrung und Liebe waren, die dem Erzherzog entgegengebracht wurden, so groß ist der Schmerz ob seines jähen Hinscheidens. Der Schuldige? In Wiener Hofkreisen wird die Schuld an dem Unglück dem Landeskommandanten Potiorek zugeschrieben. Nach dem ersten Attentat war die Herzogin surchtbar aufgeregt, und wollte nicht dulden, daß der Erzherzog noch einmal das Auto besteige, um durch die schlecht bewachten Strafeen zu fahren Aber Potiorek beruhigte sie, indem er sagte:„Wir haben nicht mehr als einen Mörder in Serajewo!" Von jetzt ab würden den kaiserlichen Gästen nur wärmste Sympathiekundgebungen bereitet werden. Beileidskundgebung des Kaisers Wilhelm. Die erste Nachricht von dem Unglück traf von dem deutschen Konsul in Serajewo auf der„Hohenzollern“ ein. Der Chef des Marinekabinetts, Admiral von Müller, begab sich sofort auf dem Verkehrsboot„Hulda“ in See und rief dem Kaiser. welcher sich auf dem„Meteor" besand, die Nachricht auf die Jacht hinüber. Der Kaiser brach die Regatta sofort ab, trotzdem der„Meteor“ einen Vorsprung von über fünstehn Minuten hatte. Die anderen Jachten sind diesem Beispiel gefolgt. Der Kaiser hat angeordnet, daß sofort die Kriegsschiffe die Flaggen Halbmast hissen, da der Erzherzog Franz Ferdinand Admiral der deutschen Flotte war. Die englischen Kriegsschisse sind diesem Beispiel gefolgt, ebenso die Jachten. Der Kaiser hat dem Kaiser Franz Josef schon von See aus seinen Schmerz telegraphisch ausgedrückt. Die Kaiserin ist aus Grünholz hier eingetrofsen und hat sich an Bord der„Hohenzollern“ begeben. Der Kaiser und die Kaiserin reisten gestern früh um 8,50 Uhr nach Wildpark ab, wo die Ankunft um 3 Uhr erfolgte. Die Regatta erleidet keine Unterbrechung, doch dürften die Festlichkeiten erhebliche Einschränkungen erleiden. 6p; Ofenpest, 29. Juni. Hier verlautet mit Bestimmtheit, daß der deutsche Kaiser sich heute, aber spätestens in zwei Tagen, zu der Beisetzung des Erzherzogs nach Wien begeben wird. Kundgebungen in Rom. Die Nachricht von dem Verbrechen in Serajewo wurde durch Extrablatt bekannt gemacht, und hat ungeheure Erregung hervorgerufen. Die Zeitungen beklagen lebhaft das Attentat. Die„Giornale d'Italia“ schreibt: Wir glauben uns zum Dolmetscher des italienischen Volkes zu machen, wenn wir unser tiefes Mitgefühl mit dem schweren Verlust zum Ausdruck bringen, den das verbündete Reich mit dem vorzeitigen und gewaltsamen Tode des Thronfolgers zu beklagen hat. In dieser tragischen Stunde neigen wir uns voller Ehrfurcht und Sympathie vor dem Unglück, das wieder einmal auf das weiße Haupt des weisen Kaisers fällt. Die Stimmung in Paris. Anläßlich des Mordanschlages von Serajewo gelangt in der Pariser Presse insbesondere tiefer Mitgefühl für Kaiser Franz Josef zum Ausoruck, der vom Schicksal so grausam getrossen worden sel. Der„Figaro“ schreibt: Bei dem furchtbaren Unglück, welches das Haus Habsburg trifft, wend##t sich die allgemeine Teilnahme und Sympathie zunächst dem verehrungswürdigen Oberhaupt dieser Dynastie zu. Der Schmerz, welchen Kaiser Franz Josef empfindet, ist der Schmerz seines Volkes, und es gibt keinen Franzosen, der sich der ungeheuren Trauer nicht anschließen würde. Der„Exzelsior“ spricht die Hoffnung aus, daß Kaiser Franz Josef, der kürzlich auf so wunderbare Weise von einer so schweren Krankheit genesen sei, noch lange genug leben werde, um dem neuen Thronfolger für die innere und äußere Politik Oesterreichs die Richtschnur zu geben. Der„Gaulois“ will wissen, daß der Mörder Prinzip in serbischen und russischen Blättern eine leidenschaftliche Kampagne zugunsten des Oberhauptes seiner Familie, eines angeblichen Herzogs von Zelycz, unternommen habe, der sich als Thronprätendent von Bosnien gebärde. Zelycz, der in der russischen Marine gedient habe, lebe jetzt in Paris, und bemühe sich insbesondere in der Presse, seine Ansprüche zu verteidigen. Die Aufnahme der Mordnachricht in Belgrad. Die Nachricht von dem Anschlag wurde in der Stadt in den Nachmittagsstunden durch Extraausgaben der Blätter verbreitet, und rief überall die größte Bestürzung hervor. Die gehobene Stimmung, in der das Publikum infolg: der Feier des Gedenktages der Schlacht auf dem Amselfelde war, wich überall dem Entsetzen über das gräßliche Schicksal des Thronfolgers und seiner Gemahlin. Allgemein wendet man dem Kaiser die innigste Teilnahme zu. Der Nachruf der deutschen Regierung. In dem von der„Nordd. Allg. Ztg.“ veröfsentlichten Nachruf der deutschen Reichsregierung wird die Persönlichkeit des Toten gewürdigt, die sich mit jedem Jahre klarer vor den Augen der Welt entfaltete. Ein starker Sinn für die historischen Aufgaben des habsburgischen Reiches, ein fester Wille, alle Kräfte in ihren Dienst zu stellen, eine unermiedliche Arbeit für die militärische Tüchtigkeit des Reiches in dem weiten Wirkungsfeld, das ihm als dem Nächsten am Throne zugefallen war, haben seinem Leben Krast und Inhalt gegeben. Seiner ernsten und geschlossenen Art entsprach eine strenge Aufsassung aller Berufspflichten. Hohe Anforderungen stellte er, wie an andere, so vor allem an sich selbst. Seine Mannhaftigkeit und Furchtlosigleit hat er auch in der Stunde bewährt, da der Tod an ihn und die Gefährtin seines Lebens herantrat. Erzherzog Franz Ferdinand ist mit unserem Kaiser in herzlicher gegenseitiger Neigung verbunden gewesen, die fest gegründet war in der Gesinnung rückhaltlosester Bundestreue. Die Herzogin erfreute sich am Berliner Hofe lebhafter Sympathien, und der Kaiser ist ihr stets mit der achtungsvollsten Ritterlichkeit begegnet. Co wird unser Kaiserhaus von dem Heimgang des Erzherzogs und seiner Gemahlin aufs schmerzlichste getrofsen. Wärmstes Mitleid wendet sich den drei Fürstenkindern zu, die so früh und so jammervoll verwaist sind. Unaussprechlich aber ist die Teilnahme mit dem leidgeprüften Herrscher auf Oesterreich=Ungarns Thron, dem auf dieser Erde wahrlich kein erdenklicher Schlag erspart geblieben ist. Was aber auch die Mörder in Serajewo zu ihrer finsteren Tat getrieben haben mag, der gewaltige und ehrwürdige Bau des habsburgischen Reiches wird durch solchen Frevel nicht erschüttert. Die Völker, die unter dem Doppeladler zur Größe und zum Gedeihen gelangt sind, werden sich nur fester um ihren Kaiser und König zusammenschließen!— Der„Deutsche Reichsanzeiger“ schreibt: Unabschätzbare Werte sind zerstört durch das fluchwürdige Verbrechen, das den Thronerben und an seiner Seite die edle, bis zum letzten Atemzuge tapfere Frau jäh aus dem Leben riß. Tiefes Weh ist in dem Unglück des verbündeten Kaiserstaates auch dem Deutschen Reich widerfahren. Die letzten Worte des Erzherzogs. Gerajewo, 29. Juni. Die Leiche des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin liegen jetzt im Konak von Serajewo aufgebahrt. Die werden von einem Wiener Prosessor, der hei eintrifft, einbalsamiert, und so kann die Ueber rung nach Wien nicht vor morgen erfolgen Ann Schüsse, die der Erzherzog und seine Gemahlin erhalten haben, waren absolut tödlich. Der Herzogin, die das erste Opfer war, wurde die Bauchhöhlenvene zerrissen. Bei dem Erzherzog sind die rechte Schlagader und die Luftröhre vollkommen zerstört. Bei beiden ist der Tod durch Verbluten eingetreten. Die letzten Worte des Thronfolgers waren an seine sterbende Gattin gerichtet und lauteten:„Sophie, bleibe für unsere Kinder am Leben.“ Der Thronfolger hatte gestern, bevor er die Fahrt durch die Stadt antrat, an seine Kinder ein Telegramm geschickt, in dem er ihnen die Ereignisse des Sonnabend schilderte. Das Telegramm schloß mit den Worten:„Grüße und Küsse von Vati.“ Die Ueberführung der Leichen des Thronsolgerpaares. Serajewo, 30. Juni. Um 6 Uhr abends fand die Ueberführung der Leichen des Erzherzogs Franz Ferdinand nud der Herzogin Sophie auf den Bistrie=Bahnhof statt, wo der Hofzug die Leichen aufnahm. Das gesamte 15. Korps unter dem Kommando des Korpskommandeurs v. Appel bildete Spalier vom Konak bis zum Bahnhof. Die Soldaten waren alle in feldmarschmäßiger Ausrüstung. Dem Leichenzug ritt voran eine Ulanen=Eskadron. Dieser folgte ein Infanterie=Bataillon mit Musik, sodann der Kranzwagen mit den Blumenkränzen, dann der erste Leichenwagen mit dem goldenen Sarge für die Leiche des Erzherzogs, umgeben von Gardisten und Hofbediensteten, sodann die Leiche der Herzogin in einem silbernen Sarge. Nach den Särgen schritten der Flügeladjutant Dr. Bardoph, der Oberhofmarschall, die Damen der Herzogin, sodann die Begleitung und der Hofstaat des Herzogspaares, der Landespolizeichef, Feldzeugmeister Potiorek, die Generalität, die Beamten, serner Landtagsabgeordnete und sämtliche Funktionäre. Den Zug schloß Infanterie und Kavallerie. Um 7 Uhr verließ der Hofzug mit den Leichen den Bistrie=Bahnhof. Der Sonderzug führt die Leichen bis nach Metkowich. Dort werden die Leichen auf das Kriegsschiff„Viribus Unitis“ gebracht und über Triest nach Wien geführt. Die Leichen treffen am Donnerstag abend 10 Uhr in Wien ein. Freitag nachmittag erfolgt in der Hofburgkapelle die Einsegnung, hierauf der Transport nach Schloß Artstetten bei Poechlarn an der Donau, wo die Beisetzung in der Schloßkirche erfolgt. Wieder ein Verschwörer verhaftet. Serajewo, 30. Juni. In Newesinje wurde der Führer der ferbischen Narodgruppe, Athanasius Sola, Abgeordneter des bosnischen Landtages, unter dem Verdacht der Teilnahme an der Verschwörung gegen den Thronsolger verhaftet. Die Rückkehr des Kaiserpaares nach Berlin. Berlin, 30. Juni. Der Kaiser ist in Begleitung der Kaiserin gestern nachmittag kurz nach 3 Uhr auf der Station Wildpark im Sonderzuge eingetroffen. Auf dem Bahnsteig erwartete Prinz August Wilhelm mit Gemahlin den Kaiser. Der Prinz trug die Uniform des 1. Garde=Regiments zu Fuß, die Prinzessin war in Schwarz gekleidet. Ferner waren auf dem Bahnhof anwesend Oberhosmarschall v. Reischach und der Chef des Zivilkabinetts v. Valentini. Der Reichskanzler erwartete den Kaiser am Ausgang des Bahnsteiges. Der Kaiser trug große Admiralsuniform, die Kaiserin war in tieses Schwarz gekleidet. Der Kaiser unterhielt sich nach der Begrüßung des Prinzenpaares längere Zeit mit dem Reichskanzler und weilte gegen seine Gewohnheit fast eine halbe Stunde auf dem Bahnhof. Dann fuhr er mit der Kaiserin im Automobil nach dem Neuen Palais. Der Reichskanzler begab sich unmittelbar von der Station nach Berlin zurück.— Der Oberzeremonienmeister Freiherr v. Reischach hat folgende Traueransage erlassen: Der königliche Hof legt heute für Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit den Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich=Este und für die Herzogin von Hohenberg Hostrauer für die Dauer von drei Wochen bis zum 19. Juli an. Die Damen trdgen schwarzseidene Kleider, die Herren einen schwarzen Flor um den linken Arm. Geständnis des Mörders. Serajewo, 29. Juni. Die beiden verhafteten Attentäter leugnen, Mitschuldige zu haben. Doch ist dieser Aussage kaum zu glauben. Es wurde nämlich in der Nähe des Tatortes eine dritte Bombe gesunden, die nicht explodiert ist. Der verhaftete Mörder, der übrigens lange Zeit in Belgrad studierte, sagte beim Verhör, daß diese dritte Bombe dazu bestimmt war, im Falle, daß das Attentat mißglückte, das Werk zu vollenden. Der Mörder gab weiter an, er habe zuerst auf den Erzherzog gezielt und dann, als er sah, daß er getroffen hatte, auch einen Schuß auf die Herzogin von Hohenberg abgefeuert. Er gab seine Aussagen in einer zynischen Weise ab. Er sagte, er sei ein Gegner des Imperialismus, der im Thronfolger verkörpert sei. Deshalb habe er die Tat begangen. Der Mörder war bis vor kurzem noch Schüler. am Serajewo, 29. Juni. Der Bürgermeister hat an die Bevölkerung folgenden Aufruf erlassen: Mitbürger und Brüder! Heute nach der größten Freude und dem großen Stolze, da uns der Thronfolger und Gemahlin mit ihrem Besuche beehrten, wurde eins der niedrigsten und schmachvollsten Verbrochen begangen, dessen schlimme Folgen für unser Serajewo, die ganze Stadt und das ganze Vaterland nicht ermessen werden können. Wenn auch dieses scheußliche Verbrechen seine Wurgeln außerhalb des Vaterlandes hat— denn auf Grund des Geständnisses der Attentäter selbst ist es außer Zweifel, daß die geworsenen Bomben aus Belgrad selber stammen— ist dennoch der traurige Verdacht begründet, daß es auch in unserem Vaterlande und in Serajewo umstürzlerische Elemente gibt. Mit dem größten Abscheu verurteilen wir die scheußliche Tat. Es wird die heilige Pflicht der Bevölkerung sein, die heute unserem Serajewo angetane Schmach abzuwaschen und sich von derselben zu reinigen Die antiserbischen Kundgebungen nahmen stellenweise einen äußerst bedrohlichen Charakter an. Die Serben bewaffneten und verbarrikadierten sich in Lokalen. Man befürchtet für heute eine Wiederholung der Vorgänge. Die Lokale der serbischen Vereine werden daher streng bewacht. In den Wohnungen der Verhafteten wurden vielfach Pamphlete aufreizenden irredentistischen Inhaltes vorgefunden und beschlagnahmt. Selbstmord des Polizeikommandanten. am Serajewo, 29. Juni. Der Polizeikommandant Gerda, dem die Durchführung der Sicherheitsmaßnahmen anvertraut war, hat noch im Lause des gestrigen Nachmittags, kaum eine Stunde nach der Tat, Selbstmord verübt. Er schoß sich mit dem Dienstrevolver in den Mund und starb kurz darauf. Antiserbische Demonstrationen. Wien, 30. Juni. Nach Meldungen aus Agram befindet sich die Stadt seit dem Attentat in sehr erregtem Zustande. Seit gestern werden ununterbrochen Demonstrationen veranstaltet, die sich ständig wiederholen. Vor dem Stacevic=Heim sprach der Abg. Zatluka zur Menge und forderte sie auf, morgen vor dem Landtagsgebäude zu erscheinen. Er machte darauf aufmerksam, daß der Präsident des troatischen Landtages ein Serbe sei und forderte die Menge auf, dagegen zu demonstrieren, da die Serben den Thronfolger erschossen hätten. Die Menge zog darauf durch die Straßen und rief ununterbrochen: „Hoch der Kaiser! Slawa dem Thronfolger! Nieder mit den Serben!" Die Demonstrationen dauern fort. — In Mostar haben die Moslems und die Kroaten unter den Serben ein Blutbad angerichtet. Man spricht von 200 Toten. Die Stadt steht in Flammen. Sämtliche serbischen Geschäftsläden und Institute sind total vernichtet. Auch sonst bricht im ganzen Lande der Aufruhr aus. Die Zahl der demolierten Hotels, Geschäste und Wohnungen in Serajewo dürfte 200 übersteigen. Die Menge gebärdete sich wie wahnsinnig. Viele Frauen stürzten sich wülend auf die auf die Straßen geworfenen Gegenstände und zertrümmerten sie. Die Polizei und das Militär waren den Demonstranten gegenüber machtlos. In den meisten Fällen wurden die Ausschreitungen unter Hochrusen auf den Kaiser und die Monarchie und unter Abzugsrusen auf die Serben verübt. Wie die Kinder benachrichtigt wurden. i Wien, 29. Juni. Von unbeschreiblicher, ergreisender Tragik war der Augenblick, in dem die Tante der ärmsten, so plötzlich zu Waisen gewordenen Kinder der Ermordeten, die Gräsin Chotcck, sie von dem so furchtbaren Geschick benachrichtigen mußte, das über sie so plötzlich hereingebrochen ist. Schon am gestrigen Nachmittag wurde den ahnungslosen Kindern mitgeteilt, es sei eine Nachricht nach Wien gelangt, wonach diee Eltern von einem Unfall, wahrscheinlich einem Automobilunsall, auf ihrer Reise betrofsen worden seien. Schon der Schreck, mit dem diese Nachricht von den Kindern, die in unendlicher Liebe an ihren Eltern hingen, ausgenommen wurde, ließ es der Gräfin Choteck nicht ratsam erscheinen, vorläufig mehr zu berichten. Abends beteten noch die Kinder, der liebe Gott möge alles zum Guten wenden und die Eltern gesunden lassen. Indessen konnte Gräfin Chotek die Wahrheit um so weniger länger verschweigen, als die Kinder, insbesondere die 13jährige Fürstin Sophir, von ungemein hoher Intelligenz sind. Auch ließ sich das furchtbare Trauerspiel im Hinblick auf die zahlreiche Dienerschaft im Schloß zu Konopischt und in Belvedere nicht weiter verheimlichen. So mußte denn Gräsin Choteck in den heutigen Morgenstunden den armen Kindern die ganze Wahrheit sagen. Das Entsetzen der Kinder war beispiellos. Nur mit Mühe gelang es, die älteren soweit zu beruhigen, daß wenigstens das Schlimmste und Tragischste vermieden wurde. Sie sind sich der ganzen Größe des auf sie hereingestürzten Unheils völlig bewußt. Jetzt sollen sie ruhig geworden sein und im Kreise der näheren Angehörigen ihrer Mutter still vor sich hin weinen. Aus Stadt und Umgebung. Gerichtsferien. Am 15. Juli beginnen die Gerichtsserien, die bis zum 16. September dauern. Während dieser Zeit werden weiter bearbeitet Strafsachen, Arrestsachen und einstweilige Verfügungen, Streitigkeiten zwischen Vermieter und Mieter wegen Ueberlassung und Räumung von Wohnräumen und Zurückhaltung der vom Mieter eingebrachten Sachen, Streitigkeiten zwischen Dienstherrschaft und Gesinde hinsichtlich des Dienst= oder Arbeitsverhältnisses, Alimentensachen. Wechselsachen, Bausachen, wenn über die Fortsetzung eines angefangenen Baues gestritten wird. Auf das Kostenfestsetzungsverfahren, das Mahnverfahren, Zwangsvollstreckungsverfahren und Konkursverfahren sind die Ferien ohne Einfluß. In der freiwilligen Gerichtsbarkeit, Grundbuch=, Vormundschafts=, Nachlaß= und Handelregistersachen tritt kein Stillstand ein, doch kann die Bearbeitung der Vormundschafts= und Nachlaßsachen unterbleiben, soweit das Bedürfnis einer Beschleunigung nicht vorhanden ist. In Zivll= prozeßsachen vor den Amtsgerichten hat das Gericht auf Antrag auch andere Sachen als Feriensachen zu bezeichnen, doch können diese, wenn sie streitig werden, wieder abgesetzt werden. Da bei den Amtsgerichten somit sehr wenig Ruhe sin den Geschäften eintritt, und die zurückbleibenden Richter die Beurlaubten vertreten müssen, ist die Arbeitslast bei den Amtsgerichten in den Ferien meist ziemlich erheblich. Es erscheint daher wünflenswert, daß die Gerichtseingesessenen namentlich in der freiwilligen Greichtsbarkeit mit größeren Anträgen nicht während der Ferienzeit kommen. ee(Kaiserparade in Münster.) Denjenigen militärischen Vereinen, welche dem Kreis=Krieger=Verbande resp, dem Preußischen Landes=Krieger=Verbande angehören, ist seitens des Präsidiums des Westsälischen Provinzial=Krieger=Verbandes durch Rundschreiben mitgeteilt, daß gelegentlich der Kaiserparade am 5. September d. J. des beschränkten Raumes wegen zum Paradeselde nur der Fahnenträger und ein Begleitmann zugelassen werden können.(Dieses macht bereits 1500 Fahnen und zirka 3000 Kameraden aus.) Auch können an der Spalierbildung auf der Chaussee von der Wersebrücke bis zum Paradefelde nur 5—6 Prozent der Vereinsmitglieder teilnehmen, da über 204 000 Kameraden zu berücksichtigen sind. Die Vereeinsvorstände haben die Anmeldungen an den Kreisverbandsvorstand bis spätestens 15. Juli einzureichen und sich auf vorstehenden Prozentsatz einzuschränken.— Mehr Karten, welche äußerlich sichtbar zu tragen sind, werden jedensalls nicht verabfolgt. Bei den Anmeldungen sind die Abreise: stationen anzugeben, um die Stärke der Sonderzüge zu bemessen. *“(Unreifes Obst ist gesundheitsschädlich.) Alljährlich, wenn das Obst und besonders das Beerenobst vor der Reise steht, beginnt für die Kinder eine gefährliche Zeit. Sie können es nicht abwarten, daß die Früchte reisen, und ungesehen nehmen sie eine Probe, der dann, trotzdem das saure Gesicht einen unangenehmen Geschmack verrät, bald mehrere folgen. Zur jetzigen Zeit sind es namentlich die Stachelberren, die für die Kinder allzu verlockend sind. Dabei kommt ihnen besonders zustatten, daß sie die grünen Beeren bequem erreichen können In vielen Familien klagen jetzt die Kinder über Leibschmerzen, die sich jeden Tag wiederholen und immer heftiger werden; dazu tritt Erbrechen usw. ein. Es wird Tee gekocht oder der Arzt konsultiert, aber die Schmerzen treten von neuem auf, weil eben— weiter gegessen wird. Die Eltern mögen daher ein wachsames Auge haben, damit das grüne Zeug nicht in die Hand der Kleinen gelangt, denn der allzu reichliche Genuß unreifer Früchte kann unter Umständen den Tod zur Folge haben. **(Keine Festlegung des Osterfestes.) Eine Festlegung des Osterfestes ist, wie die„Neue politische Korrespondenz“ gegenüber anderen Meldungen mitteilt, für absehbare Zeit nicht zu erwarten, da die einer anderen Regelung entgegenstehenden Schwierigkeiten auch jetzt noch nicht behoben sind. Die Königliche Staatsregierung wendet aber der Frage fortgesetzt ihre Aufmerksamkeit zu. **(Das gestrige Marine=Konzert) bei Jungesblut hatte sich eines guten Besuches zu erfreuen, und hat einen in jeder Hinsicht ausgezeichneten Verlauf genommen. Musikmeister Eichler hat erneut den Nachweis erbracht, daß sein Tonkörper weit über dem Niveau vieler auf Konzertreisen besindlicher Militärkapellen steht und auch einer ernsthaften Kritik standhält. Das gestrige Programm ragte weit über den Durchschnitt des sonst hier Gebotenen hinaus; die weihevollen Klänge des„Parsiival“=Vorspiels hat uns bisher noch kein Orchester in Schwerte übermittelt, und auch die machtvolle „Tannhäuser“=Ouvertüre haben wir selten so fein abgetönt gehört, wie es gestern trotz der numerisch kleinen Besetzung des Orchesters der Fall war. Plastisch im Ausdruck wurde auch die farbenprächtige Fantasie aus d'Alberts glutvollem„Tiesland“. zum Vortrag gebracht. Schade war es nur, daß in dem Garten, dessen Musiktempel außerordentlich ungünstig liegt, so viele Feinheiten dieser wunderbaren Tonschöpfungen verloren gingen. Hofsentlich wird die nächstjährige Konzertreise Musikmeister Eichler und seine wackeren Blaujacken wieder nach Schiwerte führen. **(Studierende Kaufleute aus Westsalen) weist das soeben erschienene amtliche Verzeichnis der Handelshochschule Berlin auf, und zwar der Zahl Herren-Anzüge 8 Jünglings-Anzuge 8 Knaben-Anzüge Leichte Sommerkleidung für Herren in jeder Ausführung. Knaben-Waschkleidung= Berufskleidung Sport-Anzüge, Sport-Joppen, Pfadfinder-Anzüge. Gummi-Mäntel, Loden-Mäntel, Hosen. 48 Riesen-Auswahl. Tpeildinnge Preide, I Nr. 150. Beilage. Schwerter Zeitung. tabe Amtliches Kreisblatt. Dienstag, 30. Juni 191 Ueber die Kieler und Hamburger Kaisertage verbreitet sich die„Nordd. Allg. Ztg.“ in bemerkenswerten Rückblichen. Der Aufenthalt des Kaisers an der Wasserkante, so schreibt das Kanzlerorgan, ist auch in diesem Jahre reich an Eindrücken. Zu den Gästen der Kleler Woche hat sich diesmal ein englisches Geschwader gesellt, das auf der Kieler Föhrde freundlich willkommen geheißen wird. Daß sich deutsche und englische Seeleute überall in der Welt gut verstehen, ist bekannt und bewährt sich auch wieder in Kiel. Für uns:re Marine ist die Kieler Woche besonders bedeutungsvoll durch die Eröffnung der neuen Kanalbauten. Der Moment, mit dem unsere Großkampsschifse den Kaiser=Wilhelm=Kanal passieren können, zeigt eine wichtig. Etappe in der Entwicklung unserer Marine und unserer Seeverteidigung an. Die vorausgehenden Hamburger Kaisertage mit dem Stapellauf des nruen Riesendampsers der Hamburg=Amerika=Linie standen unter dem Zeichen Bismarcks. Bei der Regatta auf der Unterelbe, von wo schon so manches zum Herzen der Nation dringende Wort ausging, hat der Kaiser selber diese Bedeutung stark betont, indem er den volkstümlichsten Ausspruch des Fürsten aufnahm und als Richtschnur deutschen Lebens und Handelns hinstellte. Furchtloses Kraftbewußtsein, gegründet auf der fortgesetzten Vervollkommnung der Gesamibeistung der Nation für die vaterländischen Aufgaben, so will der Kaiser das Bismarcksche Wort Verstanden wissen, und die Nation wird ihm aus vollem Herzen zustimmen. Zu feindsseligen Kommentaren bietet der klare Sinn der Kaiserrede kein. Handhabe. Dies muß besonders hervorgehoben werden, weil gerade in den letzten Tagen, im Anschluß an Aeußerungen, die einem ungenannten fremden Diplomaten zugeschrieben wurden, wieder viol von deutschem Chauvinismus die Rede ging. In Sachen des Chauvinismus, so fährt das amtliche Organ fort, brauchen wir gewiß kein schlechteres Gewiffen zu haben, als die übrigen Europäer. Ueber den Gleichgewichtsmangel in der öffentlichen Meinung wird von Staatsmännern und Politikern. aller Nationen geklagt. Niemand kann behaupten, daß die Oefsentlichkeit in London, Petersburg oder Paris gegen chauvinistische Attacken stärker gefeit wären, als bei uns. Wenn wir die Behauptung hören, daß gerade in Deutschland die gebildeten Kreise schon durch Erziehung chauvinistischer wären als anderswo, so erinnern wir uns an das Urteil Bismarcks über die Erziehung zum Chauvinismus in den französischen Schulen. Eines allerdings, so schließt der Artikel, müssen wir uns stets gegenwärtig halten. Wir haben mehr als andere Nationen Anlaß, darüber zu wachen, daß uns durch Aeußerungen, die unter den Begriff des Chauvinismus fallen, kein Nachteil erwächst. Auch jetzt hat sich wieder die längst belannte, aber nicht immer beachtete Tatsache bestätigt, daß das uns abgeneigte Ausland auf alle Erscheinungen, die als Beweise von deutschem Chauvinismus dienen könnten, ein scharfes Auge hat. Lehrreich ist hierfür die Ausnutzung einer Rede, die ein inaktirer deutscher General in Bascl gehalten hat. Der Redner scheint strategische Theoi##en für einen deutsch=englischen Zukunftskrieg entwickelt zu haben. In Deutschland hat man von diesen in jeder Beziehung unpolitischen Betrachtungen überhaupt keine Notiz genommen, wohl aber haben sie die Beachtung guter Freunde im Ausland gefunden, die sie alsbald in das Arsenal ihrer deutschseindlichen Propaganda übernommen haben. Wo im Auslande Stimmungsmache gegen uns betrieben wird, nährt sie sich mit Vorliebe von solchen Entgleisungen. Sie werden benutzt, um dem Auslande einen zu allen Ausschreitungen fähigen Chauvinismus vorzutäuschen, der im deutschen Volke tatsächlich nicht besteht Dem Chauvinismus ist unsere Nation nach wie vor abhold. Wie sie wirklich denkt und was sie will, das hat der Kaiser in trefflicher Formulierung in seiner Regattenrede ausgesprochen. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 29. Juni.(Revision im Ohmprozeß.) Mit dem heutigen Tage ist für di Angeklagten im Ohmprozeß die Revisionsbegründungsfrist abgelausen. Sämtliche Angeklagte, soweit sie von vornherein gegen das Urteil angehen wollten, haben die Revision angemeldet. Der Hauptangeklagte Ohm hat mit der Ausarbeitung seiner Revisionel:gründung drei Rechtsanwälte beauftragt. * Iserlohn, 29. Juni.(Münzenfund.) Bei Ausschachtungsarbeiten in der Inselstraße gegenüber dem Hause von Hammel und Sohn wurden von den Schachtmeistern Th. Köster, Mendenstr. 13, und Flügel zwei alte Münzen gefunden. Die eine ist ein halber Stüber aus dem Jahre 1785, die andere eine Gedenkmünze aus dem siebenjährigen Kriege. Sie hat folgende Inschrift:„Die Russen aus dem Felde geschlagen bei Küstrin 1763.“ Auf ihrer Voiberseite sieht man zwei kämpfende Krieger, auf der Rückseite ein Reiterstandbild. * Münster, 29. Juni.(Reiche Beute.) Aus dem Schlosse des Herzogs von Croy in Dülmen sind zwei wertvolle, antike silberne Statuetten gestohlen worden, die einen Gesamtwert von 30 000 Mark haben. Die eine stellt Christus mit einer Dornkrone und an einer Geißelsäule gebundenen Händen dar, die andere die Mutter Gottes mit einem goldenen Strahlenkranz. Beide Statuetten ruhten auf Postamenten, die mit golddurchwirktem Tuche bekleidet waren. Der Erste Staatsanwalt am Landgericht fordert jeden, der über den Diebstahl oder den Verbleib der Kunstgegenstände Bescheid weiß, um Angabben auf. * Paderborn, 27. Juni.(Zu Tode gekommen) ist ein Soldat, der im Stabswagen einen Ofizier in der Nähe von Lippstadt abholen wollte. Insolge Scheuens der Pserde stürzte das Gefährt um, und der Soldat wurde unter ihm begraben. Er bliob in diesem unglücklichen Zustande hilflos bis zum anderen Morgen liegen. Kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus starb er an den erlittenen Verletzungen. * Bochum, 29. Juni.(Der verkannte Feuermelder.) Der zwanzigjährige Italiener Zeim wollte eines Tages seinen Angehörigen im sernen Süden einen Postkartengruß senden. Obwohl es hellichter Tag war, sah der Sohn der Abruzzen den an der Ecke Hunscheidt= und Drusenbergstraße angebrachten Feuermelder für einen Briefkasten an. Er drehte, ohne sich lange zu besinnen, den Handgriff herum, warf die Postkarte in den Feuermelder und wollte nun ruhig seines Weges ziehen. Zeim hatte aber nicht mit dem Rasselwecker des Melders gerechnet, der nur allzu gut fuktionierte und binnen wenigen Augenblicken die Berufswehr herbeirief. Freund Italiano, der nicht wußte, wie ihm geschah, wurde eingeholt und der Polizei übergeben. Er hatte sich jetzt wegen seiner„Freveldat“ vor dem Schöfsengericht zu verantworten. Das Gericht würdigte die Sachlage, sprach den Angeschuldigten frei und legte der Staatskasse die entstandenen Kosten auf. * Duisburg, 29. Juni.(Eingefährlicher Heiratsschwindler), der sich Gust. Geißel nannte, aber auch unter anderem Namen auftrat, wurde heute mit der Verkäuferin Ida Witte verhastet. Geißel tvat auf Zeitungsinserate hin mit heiratslustigen Mädchen in Verbindung und betrog sie, z. B. schwindelte er einem jungen Mädchen aus Essen 1000 Mark ab. Die Witte war ihm bei seinen Schwindel###en behilflich. * Düsseldorf, 29 Juni.(Todessturz.) Von dem Dache eines Neubaues in der Verlängerung der Kruppstraße stürzte am Donnerstag mittag ein Zimmerer, Vater von vier Kindern, so unglücklich ab, daß er nach Verlaus einiger Minuten, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verschied. * M.=Gladbach, 29. Juni.(Römerfunde.) In der benachbarten Ortschaft Mülsort, wo schon früher häusig Römersunde gemacht wurden, sand man jetzt lei einem Bau in einer Tiefe von etwa 2 Metern eine Anzahl sehr gut erhaltener Krüge, mehrer: Dutzend größere und kleinere Gesäße aus gelbem und blauem Ton, sowie Waffenteile. * Koblenz, 29 Juni.(Die Kaiserparade bei Koblenz.) Wie nunmehr feststeht, wird die Kaiserparade von dem Kommandierenden General des 8. Armeekorps, von Tülff, besehligt werden. An der Parade nehmen Teil der Kaiser, die Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz Eitel Friedrich mit Gemahlin, Prinz August Withelm mit Gemahlin, Prinz Oskar und Prinz Joachim, der Herzog von Braunschweig, Prinz Ernst August mit Gemahlin. Von fremden Fürstlichkeiten wird u. a. der König von Griechenland anwesnnd sein, sowie die Fürstlichkeiten, die Chess einzelner Regimenter sind. Im Gefolge befinden sich Generalseldmarschall Graf von Häseler, der Chef des großen Generalsstabes, General von Moltke, der Kriegsminister General von Falkenhayn und etwa 40 ausländische Ossiziere. Die Gesamt,ahl der Truppen wird#twa 40 000 betragen. — Nach 50 Jahren. Der letzte Appell am Alsensund. Drei hohe Frsttage hat die Stadt am Alsensund verlebt. Greise mit verwitterten Gesichtern, deren Brust das Ehrenzeichen des tapseren Soldaten schmückte, zogen durch die Straßen. Alte Bekanntschaften wurden erneuert; dieser fand alte Kameraden, die noch mit im Boot waren, das in der Nacht zum 29. Juni 1864 lautlos über den Sund glitt, jener sah sich nach langer Zeit wieder seinem Leutnant gegenüber, damals waren sie beide blutjung, heute hatten sie weißes Haar. Die bei dem verwegenen Uebersall kommandierten, eirst Papa Wrangel, dann Prinz Friedrich Karl,— sie sehlten, aber ihrer gedachten die alten Krieger in Treue, wie sie auch die gefallenen Kameraden ehrten. Es war wohl der letzte Appell, zu dem die Akten zusammentraten.— Die Düppelstürmer, die vor dem Kaiser in Kiel paradiert hatten, wurden auf vier Kriegsschissen von Kiel nach Sonderburg gebracht. Der offiziellen Feier in Sonderburg schlossen sich zahlreiche Festlichkeiten der patriotischen Vereine an. 80 Mittelland=Kanal. Für den undlichen Bau des Mittellandkanals, der bekanntlich Elbe und Rhein verbinden soll, tritt die „Vossisch: Zeitung, ein, indem sie besonders auf die strategische Bedeutung des Kanals verweist: „Daß es wirtschaftlich eine Ungeheuerk##n ist, den Wasserverkehr zwischen Ost und Wes verhindern, lehrt ein Blick auf die Karte. Von r b## cher Bedeutung aber die Verbindung zwischen##en und Rhein militärisch ist, hat Herr Budde im##### geordnetenhaus ebenso überzeugend wie verget### nachgewiesen. Er konnte Gutachten Moltkes stei bringen, die die Wichtigkelt der Kanäle für iene Kriegsfall berett schilderten; er konnte sich auf ia0e Generalstab berusen; er konnte eindringlich:s!“ nen, Frankreich habe nach 1870 seine Wasserstr n parallel mit den Eisenbahnen ausgebaut und d 737 Millionen Fr. ausgegeben:„Der Mittell kanal stellt eine Verstärkung der Verteidigungs met des deutschen Vaterlandes dar, nach der Meii 1s0h“ nicht nur des Kriegsministers, sondern der ga Heeresverwaltung". Alles umsonst. Er prei ein vor tauben Ohren, bei der ersten wie bei der z le## ten Vorlage. Und bei der dritten Vorlage mer keinen Versuch mehr, die Konservativen, die#w für jede Forderung zu militärischen Zwecken, ihr userlos sie auch sei, begeistert eintreten; zu bes B# ren. Aber er schrieb, wie wir aus seinem eigt be Munde wissen, zur Beherzigung für seine Nagf“ 8# ger in die Minsterialakten, er habe in keinem salie dium der Verhandlungen die Erklärung abgege dert daß der Mittellandkanal nicht später gebaut we En solle. Soll er jetzt gebaut werden? Wieder h Militiärs in unterschiedlichen Aufsätzen die wendigkeit hervor, für den Krieg die Leistu v#rt fähigkeit der Eisenbahnen durch die Benutzung 1ostc Wasserwegen zu Munitions=, Proviant= Krar Transporten zu steigern, insbesondere auch? die Verbindung des Rheins mit der Elbe die sorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln die Aussuhr deutscher Erzeugnisse über Rotter" und Antwerpen zu erleichtern. Ob die Konsen wi ven darum ihren Widerspruch aufgeben werd den Ob sie auf die absurde Behauptung verzichten Se# den, die Kanäle seien„Einfalltore für frei### Cotreide“ also eine Gefahr für die ostelbische d aiset wirtschaft? Im„Opferjahr“ ist eine beispie rn Wehrvorlage mitsamt drückenden Steuern bewi#n worden; man wird nicht müde, von den französts## Rüstungen, von der russischen Probemobilmad zu sprechen— es wäre in hohem Maße lehr— und kennzeichnend, wenn auch in einem solchen kraa# punkt die Konservativen eine Kanalvorlage wer#### werfen wollten, deren Durchführung schon für— Kriegsbereitschaft ein unabweisliches BedürfniDer Mittellandkanal, selbst wenn ihm keine! tärische Bedeutung zukäme, wäre, wie Kaiser helm gesagt hat, ein„großes, segenverheiß: Kulturwerk“. Und darum hofsen wir, daß sick Ankündigung der neuen Kanalvorlage bewahr und der bisher„ausgeschaltete“ Teil des Ges planes ehestens nachgeholt werde zum Besten Sicherheit und Wohljahrt des Vaterlandes.“ Briefkasten. 3. A. 301. Infanterie II kommt nur inse zur Einstellung, als der Bedarf durch den Be der Liste nicht gedeckt wird. I. B. Der Karfreitag ist auf Grund###### ßischen Gesetzes vom 2. September 1899(G. S. 161) ein landesgesetzlicher Feiertag. In Gesetz wird gesagt, daß in Gemeinden mit wiegend katholischer Bevöllerung die bestei herkömmliche Werktagstätigkeit am Karfr nicht verboten werden soll, es sei denn, daße um öffentlich L#merkbare oder geräuschvolle A ten in der Nähe von dem Gottesdienst gewidn Gebäuden handelt. Der Kampf um das Mazorat. Roman von Ewald=Aug. König. 49 „Ich werde das nicht vergessen,“ erwiderte er, „übrigens werde ich Euch einen Lügner neunen, wenn Ihr behaupten wolltet, die Büchse von mir erhalten zu haben.“ „Seid ohne Sorge, was ich mir einbrocke, das löffle ich auch selbst aus, ich bin kein Feigling, der in der Gefahr alle Schuld auf andere zu wälzen sucht. Habt Ihr mir noch etwas zu sagen?“ „Nein— ich rechne darauf, daß Ihr ein guter Schütze seid.“ „Das werde ich beweisen. Also morgen an der Eiche. Haltet Wort.“ „Was ich verspreche, das halte ich auch.“ Anton nickte befriedigt und schlug jetzt den Weg zur Stadt ein, der Verwalter wanderte weiter dem Herrenhause zu. Er bereute nicht, mit dem Wilddieb das Bündnis geschlossen zu haben; gelang die schwarze Tat, so war der Mann, den er so glühend haßte, für immer beseitigt, er selbst blieb dabei auf seinem einträglichen Posten und nicht der leiseste Verdacht konnte auf ihn fallen. Der Wilddieb mußte dann mit einer Summe Geldes unterstützt werden, damit en auswandern konnte; im Laufe der Zeit wuchs Gras über die Geschichte und Baron Kurt blieb Majoratsherr auf Haus Eichenhorst. Als er in seinem Gedaukengang so weit gekommen war, fiel sein Blick auf Dagubert, der auf einem Baumstmunf saß und, das Haupt auf den Armn gestützt, seinen Träumen nachhing. Dagovert blickte auf, ein Schatten des Unmuts glitt über sein Gesicht, auch in seinem Innern regte sich der Zorn. „Ist es wahr, daß die alten Bäume hier geschlagen werden sollen?“ fragte er scharf. „Der Wald hat bisher keinen Gewinn abgeworfen, und das Holz steht zu dicht,“ erwiderte der Verwalter. „Wer hat das angeordnet?“ „Der gnädige Herr." „Und Sie haben die Hand auch dabei im Spiel!" fuhr Dagobert auf.„Sie begünstigen diese Raubwirtschaft, um selbst dabei im trüben zu fischen!" „Herr Baron!" brauste nun der Verwalter auf. Dagobert wandte ihm den Rücken und ging mit raschen Schritten in den Park hinein. Am Eingang des Herrenhauses begegnete ihm Jakob. „Baron Kurt ist soeben fortgeritten,“ sagte er leise,„er war suchswild, und ich glaube, daß sein Besuch dem Förster gelten wird.“ Dagobert erschrak; er ahnte augenblicklich die Ursache dieses Zornes. „War die Kammerzofe der Baronesse vorher bei ihm?“ fragte er. „Sie hatte eine lange Unterredung mit ihm.“ „Dann weiß ich, was seine Wut geweckt hat. Lassen Sie augenblicklich mein Pferd satteln.“ „Um Gottes willen, Herr Baron, folgen Sie ihm nicht!“ bat der Kammerdiener voll ernster Besorqnis.„Sie sind aufgeregt. Sie hassen ihn ohnedies, es gibt ein Unglück, wenn Sie in dieser Stimmung mit ihm zusammentreffen. Der Förster ist nicht der Mann, der sich alles bieten läßt, er wird sich schon zu verteidigen wissen. Sie machen die Sache nur noch schlimmer.“ Dagobert mußte zugeben, daß der alte Mann recht hatte; im Grunde genommen konnte ja auch sein Oheim dem Förster kaum einen Vorwurf machen; es war besser, wenn er sich nicht dazwischen mischte. „Lassen Sie mir das Pferd satteln, ich werde zur Stadt reiten,“ sagte er nach kurzem Nachdenken, dann stieg er die Treppe hinauf, um sich anzukleiden. Als er bald darauf in das Wohngemach seiner Mutter trat, empfing ihn dort heller Jubel, denn Hermann Steinfelder und Leontine kamen Hand! in Hand ihmentgegen; frohbewegtstattete ex ihnen seinen Glückwunsch ab. Leontine hatte freudig ihr Jawort gegeben, ohne lange Bedenkzeit sich auszubitten, sie erwiderte die Liebe Hermanns, der Rittmeister war glücklich, und die Baronin nahm an dem Glück des Brautpaares innigen Anteil. Dagobert mit seiner inneren Unruhe paßte nicht in diesen Kreis, er fühlte das bald, überdies mußte er auch das Versprechen einlösen, das er dem Grafen Morray gegeben hatte. Als ihm gemeldet wurde, daß sein Pferd bereit sei, brach er sofort auf. 14. Kapitel. Graf Morray wartete bereits auf Dagobert, als dieser eintrat. In Eis gekühlter Champagner stand auf dem Tische, das Souper war bestellt, die Karten lagen auf der Konsole unter dem Spiegel. „Wie bleich Sie sind!“ sagte der Graf teilnehmend, während er dem Freunde die Hand drückte. „Sind das noch die Nachwehen der vergangenen Nacht, oder haben Sie einen Strauß mit Ihrem Vurmund ausgefochten?“ Dagobert fuhr mit der Hand über die Stirn und ließ sich in einen Sessel nieder, er nahm das Glas, das der Graf ihm überreichte und trank es auf einen Zug aus. „Der Ausbruch des Sturmes steht nahe bevor," erwiderte er,„ich fürchte ihn nicht für mich, aber für eine junge Dame, die meinem Herzeu nahe steht.“ „Ah. Sie sind verliebt?“ „Es ist meine erste Liebe, Herr Graf; haben Sie auf diesem Felde Erfahrungen gemacht, so werden Sie meinen Aerger und meine Besorgnisse zu würdigen wissen.“ Graf Morray spielte nachlässig mit seinem Lorgnon, sein Blick ruhte lauernd auf dem blassen Gesicht Dagoberts. ** „Aus dieser Erklärung darf ich wohl den Schlu ziehen, daß die junge Dame Ihnen nicht ebenbür tig ist,“ sagte er. „Was nennen Sie ebenbürtig? Sind es un diejenigen, denen bei der Geburt ein adeliges Wap* pen in die Wiege gelegt wurde?" „Hm, im allgemeinen wird in unseren Kreise; an diesem Vorsatz festgehalten; ich für meine Pei son bin von solchen Vorurteilen frei.“ „Würden Sie ein junges Mädchen zur Gatti nehmen, das in jeder Beziehung, nur nicht in die sem einen Punkt Ihnen ebenbürtig ist?“ „Wenn ich es liebte, ohne Bedenken!" „So denke ich auch. „So denken auch andere,“ fuhr der Graf fort während er von einer Zigarre die Spitze abschnit „Ihr Vormund wird Ihnen doch in dieser Auge legenheit nichts mehr zu sagen haben.“ „Nein,“ erwiderte Dagobert,„aber er betrack tet sich noch als Haupt der Familie, und als so ches wird er sich berechtigt halten, mir diese rat zu verbieten. Ich würde nichts darnach frager wenn ich nur meine Mama mit auf meiner Seit hätte.“ „Ja, ja, in diesem Punkte sind die Mütter seh eigensinnig, scherzte der Graf;„meine Mama wa es auch. Nun wohl, Sie müssen Ihren Weg konse quent verfolgen; was ein tatkräftiger Mann wil das kann er auch, mit dem Unabänderlichen wir Ihre Frau Mama sich schließlich auch wohl befreun den.“ „Hoffentlich,“ nickte Dagobert, der sein Gla abermals geleert hatte und nun mit einem leich ten Kopfschütteln die ihm angebotene Zigarre ab lehnte. „Sie ist nicht so stark wie die, welche Sie# stern geraucht haben.“ „Mag sein, aber ich muß dennoch danken, ie nicht mehr rauchen!“ 214/1 5 e welcher am Mittwecb, den 1. Juli, früh 8 Uhr beginnt, dient Ihnen als Führer das der heutigen Zeitung beigefügte 4 seitige Saison-Ausverkaufs-Verzeichnis. Ca. 200 Verkaufskräfte sind von uns zur Bewältigung des gewaltigen Verkehrs bereit gestellt. Trotz der Ausverkaufspreise bekannte Pahnuerstlung Hot Mokiuden non 20 Mark an. GRSUE& CEITmRAN, Iserlohn. 4412 Maelinar! Am 27. d. Mts. starb nach kurzer Krankheit im 70. Lebensjahre der zu Geisecke. Als ein treuer, biederer Charakter war er überall geachtet und beliebt. Während seiner fast 25jjährigen Zugehörigkeit zu unserer Gemeindevertretung ist er stets für das Wohl der Gemeinde eingetreten. Wir werden sein Andenken in Ehren halten! Geisecke, den 30. Juni 1914. Die Gemeindevertretung. Vieneuik. (steinrtei) 4426 zum Einstreuen ins Heu empflehlt h. Weinberg. Unterzeuge Sweater Sttümpfe Handschuhe In grosser Auswahl zu billigen Preisen. Otto Marx — Schwerte— Ostenstrasse 20. Hachrur! Am Sonnabend, den 27. d. Mts. verstarb nach kurzem Leiden Herr Landwirt Frag Raitellserll zu Geisecke. Während seiner langjährigen Zugehörigkeit zur hiesigen Amtsvertretung und zur Gemeindevertretung Geisecke war der Verstorbene steis für das Allgemeinwohl bestrebt. Auch über die Grenzen seiner engeren Heimat hinaus bekannt, erfreute er sich durch sein grades und ehrliches Wesen allgemeiner Hochachtung. Ehre seinem Andenken. Westhofen, den 29. Juni 1914. Aueschonste 270 Nassta Stiefe sind allgemein anerkannt als das Eleganteste, Solldeste u. Preiswürdigste. 4434 Allein-Verkauf Schuhhaus Steinschulle Schwerte Hagenerstr. 11 Ferner empfehle ich Halbschuhe in allen Farben und Ausführungen zu billigen Preisen. Grösstes Mass- u. Reparaturgeschäft am Platze in allen Fächern, Beaussichtigung der Schularbeiten, französische und englische Anfangskurse für Kaufleute in den Abendstunden. 4429 Näheres in der Expedition dieser Zeitung. Der heutigen Auflage ist eine Beilage des Kaufhauses Francken, Schwerke betr. 95 Pfg=Tage beigelegt, die wir geneigter Beachtung empfehlen. 4439 Die Geschäftsstelle. Zwangsverkauf. Am Mitwoch, d. 1. Juli er., vormittags 9½ Uhr werde ich im Pfandlokale beim Wirt Müller hierselbst 4448 1Küchenbüseft, 1 Theke, 1Glaskasten m. Buislenwaren, 30 Zöpfe, 1 Sosa, 1 Tisch und 1 Spiegel gegen bar versteigern. Morgenroth, Gerichtsoolzieher, Gaure kauft nach Gewicht Emil Schäfer Friseur. Ostenstraße 9. Schwarzer * Wallach, 4442 Der Amtmann: v. Daniels. Schrache Augen schmerzende stärkt u. erfr. wunderbar Dr. Bufleb's Augenwasser Destillat aus vortrefflichen Kräutern à Flasche 50 Pf. Nur bei Max Mehlhose, Medizinal Drogerie. Ostenstrasse. Rassepferd, sehr flott, ohne Fehler billig zu verkaufen. L. Herbers. 450 Hoten b. Schwrte mit 200 tierärztlich untersuchten Kücken komme am Mittwoch auf den Schwerter Markt. Fritz 1426— Harmnen. Striekmaschinen aller Systeme, m. Mk. 30—50 Anzahlung. Katal. frei P. Kirsch Braunschweig. 2034 gihe gur empfenle 5647 in grosser Auswahl Damenblusen Kostümröcke Paletots Unterröcke Schürzen Handschuhe Kaubausgreongn Schwerte, Ostenstr. 20. che Mause-Kartotteln M 1O Pid. S0 Pig. L. Weinberg. Königl. Klassen-Lotterie. 1.099 zu 5 Mk. u. 10 Mk. LOSe auchp. Postnachnah. Hrun K. L. Binnehmer, HIann, Iserlohn. 3936] Wermingserst. 41. Wieder also 20 Prozent Rabatl. Bitte die Schaufenster zu besichtigen. A. Peiffer, 6. m. b. H. ca 60 Verkaufsstellen. 4437 — Romane, Erzählungen geheftet von 10 Pfg. an gebunden von 50 Pefg. an Eine sich nie wieder bietende Gelegenheit zum Erwerb billiger und doch guter Reiselektüre. Bücher. Reiselektüre. Buchhandlung Carl Braus, Schwerke.(Ruhr) = Grosse Marktstrasse 3—5. Ra d a — E Auf vielseitigen Wunsch meiner Kundschaft, besonders der Beamten, verlängere meine In allen Abteilungen Neuauslagen, so dass auch jetzt jedem Käufer dieselben— teils noch weitgehendere Vorteile— wie beim Anfange der Veranstaltung geboten werden. Es ist ratsam, auch für späteren Bedarf jetzt einzukaufen. Gewaltige Mengen weisser Waren zu den denkbar billigsten Preisen auf Extra-Tischen ausgelegt. 4435 Ca Ce) Nie Oucgelter in Sprunh ins Ungewisse ist es wahrlich nicht, wenn Sie 5 statt Butter " Dr. Schlinck’s Palmona, die berühmte Oflanzen-Gutter-MNargarine kaufen, denn Sie werden gar keinen Unterschied merken— außer in Ihrer Haushaltungskasse. Der Anlergung 2 Stthdinnonenevol„Als am 23. Juli 1896. * Geschildert v. Deckoffizier a. D. J. Langenberg, einem der 11 Geretteten. 87 Seiten Text mit zahlreichen Abbildungen und 9 farbigen Separatbildern auf Karton. Verzeichnis der Separatbilder: 1. Das am 23. Juli 1896 untergegangene Kanonenboot„Iltis“. 2. Der Leuchtturm, auf dem die Geretteten des„Iltis“ Aufnahme fanden und die Strandungsstelle. 3. Kapilän Braun bringt auf dem untergehenden „Iltis“ im Angesicht des Todes das letzte Hurra auf S. M. den Kaiser aus. 4. Das Iltisdenkmal in Shanghai. 5.... Kreuzstänge und Naa kommen von oben...“ # 6. Das Wrack des„Illis“ mit dem Vorschiff, auf dem der größte Teil der Geretteten sich 36 Stunden gehalten hat. 7. Der Iltiskirchhof bei Weiheiwei. 8. Gottesdienst der Besatzung eines Kreuzergeschwaders auf dem Hofe des Leuchtturms. auf dem die Geretteten des„Illis“ Aufnahme fanden. Preis nur 50 Pfennig. Zu haben in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerle Gr. Marktstraße 3—5. FEETEEE Neue Helinge Stück 8 Pfg. Mäuse=Karlosseln empfiehlt billigst 4481 Garl Hüb. Ordentliches per sofort gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Zeitung 4433 Gewerbeordnung 1,20 0ft Reichsgesetz über den Versicherungsverfrag 1.20„ Automobilgesetz......... 1.20„ Reichsvereinsgesetz... 1,50 Weingesetz—.70„ Zuwachssteuergesetz.....—.80 Bürgerliches Gesetzbuch Handelsgesetzbuch.. Reichsversicherungsordnung Versicherungsgesetz für Angestellte Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung Wehrbeitrag=Gesetz. Vortätig in der Buchhandlung Carl Braus, Schwerke(Ruhr), Gr. Marktstr. 3—5. KrerF Per kaufen sie am billigsten in der Buchhandlung Carl Braus Schwerte(Ruhr), Gr. Marktstr. 8—5. Wohnuns abgeschl 2. Etage, 6 Zimmer mit 1 oder 2 Mansardenzimmern, per 1. Okt. an ruhige Familie zu vermieten. Näheres 4400 Mollkestraße 37. Ich habe im Hause Hohenzollernstraße Nr. 7 zum 1. Oktober d. J. 4438 mit allen Bequemlichkeiten und in der früheren Kötterschen Besitzung in Holzen zum 1. August eine 3 Zimmer=Wohnung zu vermieten. Schmidt, Hohenzollernstr. 5. Städtischer Viehhof, Dortmund. Dortmund, den 29. Juni 1914. Zu dem heutigen Schlachtviehmärkt waren aufgetrieben: 925 Stück Großvieh, 518 Kälter, 33 Schase, 3196 Schweine. Bez f. 100 Pfd. 1. Rinder. 44 56 88 Ochsen: a)vollfleischige, ausgemastete hoc=#g EE sten Schlachtwertes, die noch= c0 nicht gezogen haben(ungesocht) 47—50 84—90 b) vollfleischige, ausgemästete, im Alter von 4—7 Jahren... 40—44 76—83 c) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ält ere ausgemästete... 85—38 70—76 d) mäßig genährte junge, gut genahrte ältere......: 30—33 63—69 Bullen: a)t ollfleischige, ausgewachf. hocsten Schlachtwertes.... 44—46 76- 79 b) vollfleischige, jüngere... 38—41 72—77 c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere. 32—35 66—72 Färsen u. a) vollfleischige, ausgemästete FärKühe: sen höchsten Schlachtwertes. 44—48 78—86 b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren.. 39—43 75—83 c) ältere, ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen.... 34—37 68—74 d) mäßig genährte Kühe u. Färsen 28—30 63—68 e) gering genährte Kühe u. Färsen 23—26 55—62 Gering genährtes Jungvieh(Fresser)—— 2. Kälber a) Doppelender, feinste Mast..—— b) feinste Mastkälber.... 60—62 96—98 c) mittlere Mast= und deste Saugkälber 53—58 88—95 d) geringe Mast= und gute Saugkälber 48—52 81—88 e) geringe Saugkälber. 41—45 72—79 3. Schafe Stallmast= a) Mastlämmer und jüngere Mastschafe: hammel.....—— b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genahrte junge Schalg. u........—— c) mäßig genahrte Hammel und Schafe(Merzschafe)—— Weide= a) Mastlämmer—— mastschafe: b) geringe Lämmer und Schafe—— 4. Schweine. a) Fettschweine, über 150 kg. 8 Zentner Lebendgewicht—— b) vollfleischige Schweine von 120—150 kg(240—300 Pfd.) Lebendgewicht 48—45 52—55 c) vollfleischige Schweine von 100—120 kg(200—240 Pfd.) Lebendgewicht 43—45 52—56 d) vollfleischige Schweine von 80—100 kg(160—200 Pfd.) Lebendgewicht 43—45 52—56 e) vollfleischige Schweine unter 80 kg(160 Pfd.) Lebendgewicht 43—44 52—54 Sauen 38—43 47—52 5•4 HimmerWohnung zum 1. Oklober zu vermieten. 40 Mährstraße 3. Ein bei An= und Verkäufen Vermietungen Wohnungsgesuchen Stellengesuchen Stellenangeboten ist die kleine Anzeige in der „Schwerier Hellung“ weil dieses Blatt in Stadt und Land fast in jedem Hause gelesen wird und Inserate in der„Schwerter Zeitung" stets von nachweislich bestem Erfolge begleitet sind. Kartoffelflocken 410 Weizenkeime Weizenbollmehl Zuckerschnitzel beste Futtermittel zur Aufzucht und Mast von Schweinen empfiehlt billigst L. Weinberg. 11 Mübitertes Zimmmerin der 1. Etage mit Morgenkaffee zu vermieten. Zu erfragen in der Expedition der Zeitung. 4250 mit oder ohne Wohnung sofort oder 1 August zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsstelle. 4346 Fruumndiches, müdlierter Ormmer mit elektr. Licht, auf Wunsch auch Klavierbenutzung, zu verm. Zu erfragen in der Geschäftsselle dieser Jeitung. 4309 von 4 Zimmern, Speisekammer, Badezimmer, Mansarde und Gartenland per 1. Oktober zu vermieten. 4443 Wilh. Luck. Baugeschäft, Schwerte, Königstr. Wegzugshalber zum 1. Oktober eine 4425 von 4 Zimmern nebst Bodenzimmer zu vermieten. Hörderstr. 57. Eine ParterrePebmuung von 5 Räumen und Mansarde. abgeschlossen, ist zum 1. Oktober zu vermieten. 4439 S.=R. Dr. Goecke Sedanstr. 1 a. Sucht zum 1. Augolt dn modi. Zimmer mit voller Pension. Offerten mit Preisangabe unter G. 4428 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. Jum 1. Oktoder ist in dese., rem Hause an der Hörderstr. die abgeschlossene 4444 1 Etage 5 Räume, Vorratskammer, Gas und elektr. Licht zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsrelle dieser Zeitung. Kleines Wohahaus billig zu verkaufen oder per 1. Oktober zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsstelle dieser Jeitung. 4432 In meinem Neudau, Märkischestraße, ist die 4441 I. Etage bestehend aus 4 Zimmern nebst schöner Mansarde zum 1. Okt. zu vermieten. Fritz Hanebaum, Hörderstraße 41. ari losio agel üchtr liedt Podel-Konfektig, teils billicger we Cacp Hälfte des resofären Verhaufsoreises e. ädchen(! Rleider % in Wasch-u. Wollstoffen weiß und farbig 1.50 300 550 U/, Waschstoffe, LOster Trikof, X/# Moiré und Seider“, M, 7541.75 375, Redu ugrhegngng aus Guten. u.feinsten Tochen. Wserien Uin Popeline erien 500.1000 1500 2500¼ 15.00 2500 3500 4500 aus bladen,endlischen. u. Froiié-Söffen ¼, Endl Stoffe, schwarz u blau,weiR u. ecru-Wachstoffe in Waschstoffen, Wolle, Volle, Etämine, Seide etc. % Ganz besondere Gelegenhett##s tHSerien, W C Bischof war über sehr ersreut und zuteil werdenden nach 13 aus den Orten Bielefeld, Borghorst, Derne, Dortmund, Eickel, Mengede, Nieder=Eslohe, UnnaKönigsborn, Wickede. Die Gesamtzahl der an der Handelshochschule immatrikulierten Studierenden beträgt 557(einschließlich der Hospitanten und Hörer 1013). *(Zum Bischossbesuch.) Der Wethbischof Haeling von Lanzenauer aus Paderborn, der bekanntlich am Samstag und Sonntag in der hiesigen katholischen Gemeinde weilte, traf gestern abend, von Köln kommend, mit dem Juge 6,46 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof wiedeer ein. Von der Gemeinde Holzwickede, wo der Bischof heute zur Firmung weilt, wurde ihm hier ein festlicher Empsang bereitet. Ein stattlicher Radsahrertrupp und ein größerer Wagenzug erwartete den Oberhirten und geleitete ihn im festlichen Zuge, der durch zwei Reiter eröffnet wurde, durch die Stadt über Ceisecke nach Holzwickede. Der den festlichen Empfang sichtlich dankte fortgesetzt für die ihm Erüße. **(Rekrutenfürsorge.) Die Vorträge am letzten Sonntag waren von 25 jungen Leuten besucht. Zunächst sprach der Kursusleiter über die brandenb.= preuß. Geschichte von 1415—1740 unter Hervorhebung der Bedeutung des Großen Kurfürsten, Erhebung Preußens zum Königreich, Friedrich Wilhelm I. Alsdann hielt Herr Lehrer Vieler einen sehr anregenden Vortrag über Friedrich den Großen. An dem Turnen nahmen gestern abend nicht weniger als 18 junge Leute teil. Nächsten Sonntag 11 Uhr spricht Herr Heinzerling über Kartenlesen, Orientieren im Gelände und Entsernungsschätzen. **(Einen Selbstmordversuch) unternahm vorgestern abend eine zirka 43 Jahre alte Frau E. aus Aplerbeck. Die Frau wollte in dem sogenannten „Blauen See“ im Stadtwalde den Tod suchen. Eine Touristengesellschaft wurde auf die Absicht der Frau aufmerksam gemacht, und ein Herr Feuerbaum aus Dortmund sprang kurz entschlossen in das Wasser und brachte unter eigener Lebensgesahr die schon Lewußtlose Frau wieder aufs Trockene. Unter der Gesellschaft befand sich zufälligerweise auch eine geprüste Krankenpflegerin, und deren Bemühungen gelang es, die Selbstmordkandidatin wieder ins Leben zurückzurusen. Die Frau wurde sodann in das katholische Krankenhaus gebracht. Was dieselbe zu der unseligen Tät veranlaßt hat, bedarf noch der Aufklärung. **(Krankheits= Statistik.) In der 25. Jahreswoche vom 14. bis 20. Juni sind im Kreise Hörde (Stadt und Land) folgende Fälle von übertragbaren Krankheiten amtlich gemelbeet worden: Erkrankungen an Diphtherie 17(4 Holzwickede, 3 Schüren, je 2 Sölderholz, Annen, je 1 Hörde, Kleinholthausen, Sölde, Wellinghofen, Hombruch, Kirchhörde), Scharloch 7(4 Hörde, 2 Sölderholz, 1 Schüren); Todessälle durch Tuberkulose 3(je 1 Hörde, Annen, Holzen). ** Holzen, 29. Juni.(Feuerwehr.) In der letzten Sitzung der Freiwilligen Feuerwehr wurde von Seiten des Vorstandes angeregt, bei der Grmeindevertretung dahin vorstellig zu werden, daß für den Ortsteil Rosen ein Schlauchwagen mit erforderlichen Schläuchen und Standrohr bewilligt wird und genannt: Geräte auch in dem Ortsteil Rosen untergebracht werden. Sämtliche Feuerwehrgeräte waren seither in dem Feuerwehrgerätehaus in dem Ortsteil Mittelholzen untergebracht: Da auch serner in dem Ortsveil Rosen fast durchweg nur drei= oder vierstöckige Häuser mit zahlreichen Bewohnern vorhanden sind, so könnte bei etwa vorkommenden Feuerausbrüchen eine große Kalamität entstehen. Man hofft deshalb, daß von Seiten der Gemeinteverwaltung dieser eingereichte Antrag Genehmigung sinden wird. ** Kalthof, 29. Juni.(Eine Ortsbesichtigung) sand am Samstag nachmittag auf dem Schulte=Haumannschen Gehöfte statt. Nach der am 10. Juni erfolgten Verurteilung des Kettenschmiedes E. St. wegen Sachbeschädigung(Zerschnelden des Spritzenschlauches beim Haumannschen Brande) traten die Gerüchte, daß St. nicht der Täter sei, immer bestimmter auf. Schließlich hat sich dann ein gewisser H. als Täter gemeldet. Darauf wurde am Freitag nachmittag der Keltenschmied T., auf dessen Zeugnis hin hauptsächlich das Urteil gegen St. fiel, verhastet und als Untersuchungsgesangener nach Iserlohn geführt, da der Verdacht eines Falscheides immerhin nicht von der Hand zu weisen war. Der Lokaltermin muß aber wohl die Richtigkeit seiner Angaben erwiesen haben, denn er wurde noch vor Beendigung der Verhandlung auf freien Fuß gesetzt. Einer neuen Verhandlung dürfte es obliegen, klarzustellen, wer nun als wirklicher Täter in Frage kommt und ob nicht etwa gemeinschaftliche Handlung Mehrerer vorliegt. Da St. ferner Privatklage wegen Beleidigung gegen mehrere Mitglieder der Leckingser Feuerwehr angestrengt hat, die dem auf ihm gefallenen Verdachte Ausdruck gegeben haben, so hat es ganz den Anschein, als sollten die Vorgänge bei dem Branke noch des öfteren das Gericht und die Oefsentlichkeit beschäftigen.— Es wäre jedenfalls für den Frieden in beiden Dorfgemeinden besser und klüger gewesen, wenn der Streit, der nunmehr schlimme Weiterungen nach sich zieht, vor deer Gerichtsverhandlung in Güte beigelegt worden wäre. * Köln, 29. Juni.(Selbstmord.) Hier erschoß sich hrute mit seinem Dienstgewehr der Unteroffizier im Infanterie=Regiment Nr. 16 Finkernagel aus Neuenrade. Der Grund zum Selbstmord ist unbekannt. Deutschlands Fischversorgung. Einen sehr interessanten Einblick in die Fischversorgung Deutschlands gewähren die Staristiken des Kaiserlichen Statistischen Amts. Daraus geht zunächst hervor, daß Deutschland noch immer in sehk startem Maße vom Auslande abhängig ist. An Süßwassersischen allein werden jährlich für 22,5 Millionen Mark eingeführt, während wir dem Auslande solche Fische nur im Betrage von nicht ganz drei Millionen Mark liesern. Di: amtliche Statistik unterscheidet drei Gruppen von Süßwassersischen, nämlich Karpfen, Lachse und Aale nebst Schleien und anderen Süßwassersischen. Der Menge und dem Werte nach weitaus am größten ist di. Einsuhr von Fischen der dritten Gruppe, und zwar überwiegt die Einfuhr in nichtlebendem oder gefrorenem Zustand. Sie bleibt nicht viel hinter acht Millionen Mark zurück und umsaßt rund 54 000 Doppelheentner. Die größte Menge erhalten wir von Rußland und von Holland. Die Einfuhr lebender Fische, die sich auf etwa 3½ Millionen Mark bewertet, kommt zum größten Teil aus Dänemark. Karpfen wurden im letzten Jahre für fast drei Millionen Mark aus dem Ausland bezogen, überwiegend aus Oesterreich= Ungarn und Frankreich. Eine besondere und sehr wichtige Stellung nimmt der Lachs ein, der in gesalzenem Zustand vorzugsweise aus Amerika herübergebracht wird. Von 55 800 Doppelzentnern im Werte von 9,2 Millionen Mark stammen 53.000 aus den Vereinigten Staaten; dort werden die Lachse hauptsächlich im äußersten Westen gesangen, sie haben also einen sehr weiten Transport zurückzulegen. Die Einfuhr der Seesische ist natürlich erheblich höher; so wurden im Jahre 1913 allein für mehr als 57,5 Millionen Mark Heringe in frischem und verarbeiltem Zustande aus England bezogen. aus dem Negimentskommandeur, einem Stabt offizier, Rittmeister bezw. Hauptmann, eine Oberleutnant und einem Leutnant, zu entsender Ich beauftrage Sie, Vorstehendes der Arme## gleich bekannt zu machen. An den Kriegsminister. Der Beleidigungsprozeß gegen Rosa Luxemburg. Berlin, 30.-Juni. Vor der Strafkammer## gann der Beleidigungsprozeß gegen Rosa Luxen burg wegen einer Rede, die sie kürzlich in Freibu# gegen die Gesamtheit der Offiziere und Unterof ziere gehalten hat. Beim Aufruf der Zeugen stei sich heraus, daß der Kriegsminister nicht erschiene ist, angeblich, weil er nicht ordnungsgemäß gelade war. Hierüber entspinnt sich eine längere Disku sion, und der Gerichtshof zieht sich zur Entscheidung über diese Frage zur Beratung zurück. Eine Erklärung Wackers. Freiburg i. Br., 30. Juni. In Emmei dingen hat gestern ein Verbandstag der badische Windthorstbunde stattgefunden. Geistl. Rat Wacke hielt dabei eine Festrede, an deren Schluß er ein auf die Entscheidung der Indexkongregation bezüe liche Erklärung abgab: Bisher sei ihm noch kein Gelegenheit gegeben, sich zu dieser Frage irgendwi# zu äußern. Die Zentrumspartei als solche und ihr Arbeit werde von der Entscheidung keineswegs ge# trossen. Es sei eine selbstverständliche Pflicht de# Gehorsams, daß er sich der vom Heiligen Vater ge nehmigten Entscheidung der Indexkongregatio unterwerse. Unbeschadet dieser Pflicht aber werk seine politische Arbeit und Stellung von der En# scheidung nicht beeinflußt. Furchtbare Explosion. Paris, 30. Juni. In Castelrey im Depart# ment Lot=et=Garonne wurden durch die Explosio einer Ralete, durch die man ein drohendes Hage! wetter abzuwenden versuchte, der Gutspächte Duthu getötet und fünf seiner Familienmitglied### schwer verwundet. Besuch des Kronprinzen in England London, 30. Juni.„Daily Chroniele" wi erfahren haben, daß der Besuch eines großen deu schen Geschwaders in Portsmouth für Anfang Sei tember geplant sei, bei welcher Gelegenheit an der deutsche Kronprinz als Vertreter des Kaiser dort eintressen werde. Weiter werde der Kronprit sein englisches Husaren=Regiment besichtigen, au wird der Besuch des Kronprinzen in Cowes 1## Regattawoche angekündigt. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraa### Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwer# Die heutige Ausgabe umfaßt 16 Seiten. —— Letzte Drahtmeldungen. Kaiserliche Kabinettsorder. Berlin, 30. Juni. Im Armeeverordnungs= blatt wiro folgende kaiserliche Kabinettsorder belann: gemacht: Um das Andenken des zu meinem tiesen Schmerz so plötzlich und unerwartet aus dem Leben geschiedenen Erzherzogs Franz Ferdinand von Oesterreich=Este, Kaiserliche und Königliche Hoheit, zu ehren, bestimme ich, daß die Offiziere des Ulanen=Regiments Prinz August von Württemberg(Posensches Nr. 10), bessen Chef der Verewigte gewesen ist, und die Offiziere des Kaiser=Franz=Garde=Grenadier=Regiments Nr. 2, à la suite dessen Allerhöchst derselbe gestanden hat, auf acht Tage Trauer anlegen. Zur Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten haben diese Regimenter je eine Abordnung, bestehend beginnen wir morgens 8 Uhr mit dem Saison-Ausverkauf und ein Ausverkauf solls werden, davon Schwerte sprechen wird, und mit Preisen, die alles was Sie bisher erlebt haben weit hinter sich zurücklassen werden. Eine wirklich rare Gelegenheit, aber eine die keinen Aufschub duldet. Unsere Sachen werden bei den Preisen im Umsehen ausverkauft sein. Kommen Sie Zeitig. Knaben- u. Mädchenvon Pfg. an. Strohhüte Knaben-Waschblusen von 15 Pig. an. Kaffune von 18 Pg. an. Sportpaletots 75 Popeline und andere Stoffarten, von#ran. Jackenkleider Blusen in Wolle von Kostümröcke1 Schwarze AlpaccaMäntel ron 845 5 von 3 an 95 von# an 50 von#### an. von nebenstehenden Waren ist dekoriert, da der Verkauf unserer Weissen Waren bis Samstag, den 4. Juli dauert. Alle angeführten Artikel haben mindestens das Doppelte gekostet. Kir haben die zum Ausverkauf gelangenden Waren in der I. Etage auf Extra-Tischen ausgelegt. Hemden, Beinkleider, Untertaillen, Nachtjacken in hundertfacher Auswahl 95, 125 Pig., 148, 195 Pfg. Hemdentuche 80 cm breit 28, 38, 18 lig Nessel 80 cm breit 24, 28, 38 Pfg. Nessel 154/156 cm breit meter 48 Pfg. Weisse Damaste 160 cmn breit 95 Pig. Reste u. Abschnitte von Weissen Waren enorm billig. ∆ W em“ Amtliches Kreisblatt R ** für den kreis börde Die„Schwerter Zelung“ erscheiat tägich. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsdlatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von aus. wärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabalt u. erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Aichtbeacztung d. genacht. Jahlungsbedingung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Verbunden mit:„#### Schwerter Tageblatt d Schwerter Anzeiger### Grites und ältestes Tagesorgan des Kreises o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblatt aus hreis, und icholpelizelichen Drert. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Behanntmachung der Königlichen Regierung durch Veröffentlichung in dei„Schwerter Zeltung" rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adoanenten für jeden mit Tod endenden Unsall gediugungen“: 300 Mk. Unsall. Druck u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte-Ruhe Fernsp. 02. Telegr.=Adr. Braus Schwerte=Ruhr Nr. 150. Diens ag, den 30. Juni 1914. 46. Die französ. Marinereform. Gelegentlich der Beratung des Marinebudgets im Senate gab der jetzige Marineminister Gauthier programmatische Erklärungen über seine Absichten. Insbesondere betonte er dabei, daß es unerläßlich sei, den Bau von Panzerschissen fortzusetzen. Wie, man weiß, ist die englische Regierung jetzt nicht mehr so von den Riesendampfern eingenommen, wie früher, sie wendet sich vielmehr wieder kleineren Typen zu und legt das Hauptgewicht auf die Waffe des Torpedos und noch mehr der Unterseeboote. Es zeigt sich also auch hierin ein gewisser Gegensatz innerhalb der Triple=Entente. Frankreich, ist zu seiner Flottenverstärkung wohl auch dadurch gezwungen, daß England seine Seestreitkräte im Mittelmeer, wo man diese fast gänzlich zurückgezogen hatte, wieder vermehrt und sich nicht mehr lediglich auf die Nordsee beschränkt. Frankreich ist daher gezwungen, seine Nordflotte für alle Eventualitäten wieder zu verstärken, da auf Englands Unterstützung bei einem Ernstalle mit Deutschland keineswegs mit Sicherheit zu rechnen ist. Daraus resultiert wohl auch das Festhalten am Bau großer Kriegsschiffe. Im übrigen will Gauthier auch den Bau von Unterseebooten nicht vernachlässigen, und nach seinen Erklärungen soll Frankreich im Jahre 1920 über 94 Unterseeboote versügen. Allerdings kündigte er an, daß er zu gegebener Zeit dem Parlamente vorschlagen werde, diesem bis jetzt festgelegten Programm noch weitere Ergänzungen zu geben. Ebenso läßt er durchblicken, daß die Hafenbefestigungen verstärkt und die Landungsstellen verbessert werden sollen. Sehr viel erhofst man anscheinend auch in französischen Marinekreisen vom Flugwesen und in dieser Hinsicht sollen die erforderlichen Anstrengungen gemacht werden, um die verlorene Zeit wieder einzuholen. Man geht vielleicht in der Annahme nicht sehl, daß die angekündigten Erweiterungen die Folge des Aufenthaltes des russischen Marineministers in Paris sind, da eingehende Bespiechungen stattgefunden haben, bei denen zweifellos einheitliche Programmlinien festgesetzt worden sind. Objektiv betrachtet muß man sagen, daß Frankreich allen Grund hat, seine Kriegsmarine zu ergänzen, denn die vielfachen Zwischenfälle haben ihre Unzusänglchseit der ganzen Welt dargetan. Aber mit seiner äußeren Vervollständigung allein wird es nicht getan sein, was einer Aufbesserung vor allem bedarf, ist der Geist der Besatzung, und dieser läßt genau so viel zu wünschen übrig, wie in der Landarmee. Politische Uebersicht. Fürst Bülow und Gemahlin sind zu dem gewohnten Sommeraufenthalt in Deutschland eingetroffen und haben zunächst Wohnung in Hamburg genommen. Obwohl der Kaiser nicht sern ist, ging dem Fürsten, der bekanntlich als erster Kandidat für den Statthalterposten in Elsaß=Lothringen genannt worden war und dessen in wischen erschienener Beitrag zu dem Werk„Deutschland unter Kaiser Wilhelm II.“ so große Beachtung gesunden hatte, keine Einladung zu den Kieler Festlicheiten zu, in deren Mittelpunkt der Monarch gegenwärtig steht. Die Gestaltung der deutsch=englischen Beziehungen tereitet dem Moskowitertum steigen##n Verdruß. Die Annäherung Leider Nationen, die soeben wieder durch den Kieler Besuch eins englischen Geschwaders und dessen sympathische Besprechzung durch die Londoner Presse bekundet wurde, droht nicht nur die Petersburger Hoffnungen auf ein englisch=russisches Flottenabkommen zu vereiteln, sondern gewährt den beiden Nationen auch noch wirtschaftliche Vorteile, die später sogar politische Bereutung erlangen können. Das gilt namentlich von der Konzession, die die türktiche Regierung soeben einer aus deutschen und englischen Grupxen best henden Finanzgesellschaft zur Ausbeute der Petroleumfelder Mesopotamiens gewährte. Rußland ist über die neue Vereinbarung umsomehr unpehalten, als sein Aerger über die Erwerbung der Jähperlischen Petroleumfelder auf Kosten des englischen Staates, die ohne sein Vorwissen erfolgte, noch nicht verraucht ist. Eine neue Medaille soll in Bayern zur Ausgabe gelangen. Die Medaille wird der in den letzten Jahren der Regentschaft des Prinzregenten Luitpold häusig verliehenen Prinzregenten=Luitpold=Medaille ähnlich sein und erstmals am 70. Geburstag des Königs(7. Januar 1915) verliehen werden. Der 2. Juli, der Geburtstag der Königin, wird in Bayern als staatlicher Festtag begangen. Wenn das preußische Abgeordnetenhaus im Herbst die Arbeit wieder ausnimmt, wird es sich, wie die„Tägliche Rundschau“ meldet, zunächst mit der Abänderung der Geschäftsordnung zu befassen haben, als Folge der tumultuarischen Auftritte, die am Schluß der kürzlich beendeten Session sich abspielten. Der bereits fertiggestellte Vorentwurs der neuen Geschäftsordnung hat große Aussicht, angenommen zu werden, da hinter ihm die gan Rechte mit dem Zentrum steht. Die neuen Bestimmungen bezwecken hauptsächlich eine Erweiterung der Macht des Präsidenten. Der Präsident soll künftig die Reihenfolge der Redner festsetzen, so daß sich niemand auf die Stärke seiner Fraktion oder seine frühere Meldung zum Wort berusen kann. Vereinheitlichung der Eisenbahntarissätze. Die deutschen Eisenbahnverwaltungen beraten, wie verlautet, über eine Vereinheitlichung der Tarifsätze für Exportgut. Nach den Mitteilungen des preußischen Verkehrsministers wird sich diese Vereinheitlichung nur auf mittlerer Linie bewegen können, das heißt die preußischen Sätze erfahren eine gewisse Ermäßigung, die süddeutschen eine bestimmte Erhöhung. Gegen den politischen Massenstreik hat der in München abgehaltene Deutsche Erwerkschaftskongreß klipp und klar Stellung genommen. So wenig Bedeutung die Beratungen und Beschlüsse dieses Kongresses auch sonst für die Allgemeinheit gehabt haben, die bündige Ablehnung des politischen Generalstreiks war wertvoll. An eine Anwendung dieser verderblichsten aller Wassen im Lohn= und politischen Kampse ist in Deutschland daher glücklicherweise nicht zu denken, so gern einige superrabikale Parteiführer und besonders Führerinnen mit dem Gedanken des politischen Generalstreiks auch spielen und ihn als unsehlbares Allheilmittel auslufen. Der Wehrbeitrag der Ausländer vor dem Haager Schiedsgericht? Die Antwort der russischen Regierung auf die Note Deutschlands in Sachen der Heranziehung russischer Staatsangehöriger zur Wehrsteuer wird in diesen Tagen dem Auswärtigen Amt überreicht werden. Rußland erklärt darin, es sei nicht nur bereit, sondern würde es auch gern sehen, den Streit all dem Haager Schiedsgericht übergeben zu wissen, zumal es sich nach Ansicht der leitenden Petersburger Kreise um keine politische Frage, sondern lediglich um die Auslegung des deutsch=russischen Handelsvertrages handelt. Die deutsche Regierung kann sich dieser Auffassung natürlich nicht anschließen, da es sich um eine klare und durchaus innere Angelegenheit des Reiches dabei handelt. Auf der Tagung des Ostmarkenvereins in Allenstein wurde betont, daß die Besorgnis, mit der der Ostmarkenverein die Ostmarkenpolitik der Regierung verfolge, im letzten Jahre nicht gemindert worden sei. Sehr bedauert wurde die abermalige Ablehnung der Ostmarkenzulage für die Postbeamten, die den Massenaustritt von Postbeamten aus dem Ostmarkenverein zur Folge hatte. Der scharfe Boykott der Leutschen Gewerbetreibenden, durch die Polen sei fortgesetzt worden, doch habe er Erfolge im Sinne der Polen nicht zu erzielen vermocht. Maßnahmen gegen die Sozialdemokratie. Zu der Wahlrechts=Massenaurstandslewegung der Sozialkemokratie Groß=Berlins wird der„Braunschweigischen Landeszeitung“ gemeldet, daß auf Grund der letzten Preßmitteilungen die preußischen Behörden zu einer schar'en Ueberwachung der zum Massenausstand auf ordernden Versammlungen reranlaßt worden sind, und daß die Frage, ob eine gerichtliche Verfolgung der letzten Aufforderungen zum Massenstreik nach Paragraph 130 des Reichsstrafgesetzbuches zulässig ist, zurzeit einer Prüfung der behördlichen Instanzen unterliegt. Das Kameruner Bahnprojekt, das durch den wirtschaftlichen Ausschwung der Kolonie gerechtsertigt ist, konzentriert sich auf den Hasen von Duala, einen der besten Küstenplätze Afrikas überhaupt. Von Duala geht bereits die Kameruner Mittellandbahn aus, sie ist etwa 150 Kilometer lang, die Nordbahn, gleichfalls in Duala beginnend, führt 160 Kilometer weit bis Bara. Die projektierte erweiterte Mittellandbahn für Kamerun wird sich bei der nicht unbedeutenden Negerstadt Mbalmajo gabeln, die eine Strecke wird etwa 1200 bis 1500 Kilometer lang bis Wesso führen, die andere etwa 2000 Kilometer weit bis Singa. Man sieht, es handelt sich dabei um gewaltige Entfernungen und innerhalb der nächsten 10 Tekre dürften die Bahnbauten noch nicht fertig sein. Belgien. Ein Denkmal für König Leopold II. Einer Meldung der„Kreuzcitung“ aus Brüssel zufolge wird dort auf der Place du Troöe vor dem Königspalast dem verstorbenen König Leopold II. ein großes Reiterdenkmal errichtet werden. Die Kosten werden durch öfsentliche Zeichnungen aufgebracht, diee bisher bereits eine Million erbracht haben. König Albert selbst zeichnete 100 000 Franks. Frankreich. Für die Rußlandfahrt Poincarees, die der Präsident der Republik Frankreich in Begleitung des neuen Ministerpräsidenten Viviani zurücklegt, ist das Programm jetzt festgestellt. Beide Herren treten die Reise nach Kronstadt am 15. Juli von Cherbourg an Bord des Panzers„France“ an, den der Panzer„Jean Bart“ begleitet. In Kronstadt wird Präsident Poincaree unter Führung des Admirals Russin, der das im Touloner Hafen zu Besuch weilende Geschwader befehligt, die beiden neuen russischeen Dreadnoughts besichtigen. Am 20. Juli gibt der Zar seinen französischen Gästen in Peterhof ein Galadiner. Der Text der bei dieser Gelegenheit auszutauschenden Trinksprüche wird noch im Lause dieser Woche festgestellt werden.— Dem englischen Besuchsgeschwader im Hasen von Kronstadt stattete der Zar in Begleitung des Marineministers Grigorowitsch einen Besuch ab. Der Führer des englischen Geschwaders, Admiral Beatty, besuchte mit seinem Stabe Moskau. Gestern verließ das englische Geschwader die russischen Gowässer. Dortmund und Hörde. Das Verhältnis zwischen Hörde und Dortmund lam in einer Versammlung des Hörder Verschönerungs= und Verkehrsvereins, die gestern stattfand, ziemlich eingehend zur Sprache. Der Vorstand und Ausschuß erstattete in dieser Versammlung zunächst Bericht über die Schritte, die bisher wegen einer Grenzregulierung zwischen Dortmund und Hörde erfolgt sind. Es wurk beklagt, daß der Magistrat in diesem Punkt mit den Stadtverordneten nicht Hand in Hand gegangen sei. Von den bisher aufgestellten wesentlichen Punkten werde man nicht abgehen können. Die Stadt Hörde sei für eine Eingemeindung nach Dortmund nicht mehr zu haben, wenn man auch in Dortmund noch an: rer Ansicht sei, wie es nach dem Ausspruch eines Dortmunder Stadtrats scheinen könnte. Ferner befaßte sich die Versammlung mit dem Plan eines Strahensahnbaues Hörde=Schüren. Die Hörder Kreisbahren sind bereit, die Bahn zu bauen und zu betreiben, wenn die Stadt Hörde und die Zeche Freie Vogel für eine gewisse Zeit die Zinsgarankle übernehmen. Dortmund hab: sich insofern gegen den Plin gewandt, als es eine Straßenbahn vom Westfalendamm nach Schüren bauen wolle. Dies Projekt könne nur zur Ausjührung gelangen, wenn Hörder Gebiet berührt würde, und dagegen würde man Einspruch erheben. Die Zeche Freier Vogel und Unterhoft habe, um altingusessene Bergarbeiter aus den nördlich von Hörde geiegenen Ortschaften zu ert##lten, ein größeres Interesse an dem Bau der Linie nach Hörde, besonders da eine direkte Straßenbahnverbindung Schüren= Aillingioen geschaf en werden soll. Der Versammlung wurde noch mitgeteilt, daß die Hörder Kreisbahnen dabei seien, ihren Betrieb und ihr Material zu verbessern, serner daß die Stadt Hörde mit der Gemeinde Wambel wegen Eingemeindung eines Gebietzipsels unter gleichzeitiger Grenzregullerung in Unterhandlung getreten sei. —— Bunte Chronik. 1( Der Kirschensegen ist in disem Jahre im allgemeinen recht reichlich ausgefallen, Berlin erfreut sich beispielsweise so niedriger Preise wie seit Jahren nicht mehr. Ein Psund bester Qualität kostet 25 bis 30 Pfennig, im vorigen Jahre mußten für das Psund geringer Qualität noch 50 Pfennig gezahlt werden. 1 Die gezühlten Haare vom Gemsbart. Im Bräustübl zu Berchtesgaden, so wird den„Münch. N. N.“ erzählt, wollte einer von der Gilde der Scharfschützen einen Eemsbart kaufen, der auf 60 Mark gewertet war, und erbot sich, für jedes Haar 3 Pfennig zu zahlen, das sei Geld genug. In später Abendstunde endete die mühselige Gemsbarthaarzählerei und ergab 3400 Stück, macht über 100 Mark. Darob sollen dem Gemsbartkäuser die eigenen Haare zu Berge gestanden haben. ) Eine neue Sintflut=Urkunde wurde von dem englischen Archäologen Langdon bei Babylon ausgegraben. Die alte Keilschrifttafel berichtet über die Sintflut in ziemlich derselben Weise wie die Bibel, wieder in Beweis, daß die altehrwürdigen biblischen Erzählungen über die Ansänge des irdischen Lebens eine gemeinsame Quelbe haben müssen. 1 Nach 21 Jahren gefaßt. In Cuxharen wurde ein Arbeiter festgenommen, der vor 21 Jahren sich aus seinem Truppenteil widerrechtlich entsernte. Der Mann hat sich inzwischen verheiratet und or#entlich geführt, seine Verhastung und Bestrafung hat er kaum mehr befürchtet. Er hat die ganze Zeit über unter falschem Namen gelebt. Durch einen Iu all wurde die Sache bei einem InvalliditätsVersicherungs=Verfahren aufgedeckt. )( Die Hochzeitsreise in den Tod. In einem eleganen Pariser Hotel stieg ein Ehepaar Stewart aus Valtimore ab, das sich auf der Hochzeitsreise besand Stewart, der mehrsacher Millionär ist, hatte sich vor kurzem in zweiter Ehe vermählt. Eines Morgens fand er seine Gattin tot im Bett. Sie hatten noch den vergangenen Abend vergnügt zusammen unter Bekannten verbracht Ein Arzt, der herbeigerufen wurde, stellte fest, daß Frau Stewart an Vergiftung gestorben war. Sie litt an Herzkrämpsen und Gelenkschmerzen und verwendete oft betäubende Schlafmittel. Es scheint, daß sie durch deen Cenuß einer allzu großen Dosis des Narkotikums den Tod gefunden hat. )( Beim Brande der amerikanischen Fabrikstadt Salem sind sieben Perjonen in den Flammen ums Leben gekommen. 10000 Personen wurden obdachlos. Die Regierung mußte ganze Züge voll Lebensmittel nach Salem abgehen lassen, Militär errichtete eine Barackenstadt. Salem wird wieder aufgehaut, dabei soll das Edisonsche System des gegossenen Hauses ausgiebige Verwendung finden. ) Die Feuergefährlichkeit der Ausstellungen. Kaum eine größere Ausstellung ohne Brand! Auf der Lyoner Ausstellung brannte der sogenannte Minen=Povillon nieder, der Schaden beträgt etwa 100 000 Franks. Die Brandstelle bietet ein trostloses Bild und dürfte nicht gerade zur Hebung des Fremdenverkehrs beitragen. ) Riesenbrand in Oberschlesien. In der Bleikammer der Lazihütte des Grasen Henckel zu Donnersmarck bei Radzionkau brach ein großes Feuer aus un griff von dem vierhundert Geviertmeter bedeckenden sünfzehn Meter hohen Holzbau auf die mit Holz rerklei###ten Schweseltürme über. Die zweihundert Meter emporlodernde Flamme schüttete einen Funkenregen über die Häuser von Buchatz. Die 18 Feuerwehren der Umgegend mußten sich auf den Schutz der umliegerden Gstäute bechränken; die Mannschaften hatten schwer unter den SchwefelLämpfen zu leiden. Die Schweselsäurevorräte sind vernichtet, der Schaten wird auf eine halbe Million Mark geschätzt. BORTMURD Voranzol Dienstag, d. 30. uni Mittwoch, d. 1. Juli: Donnerstag, 2. Juli: Freitag, den 3. Juli: oriel-Verkaufibunien-Konlektien ca. 2000 jackenkleider, Blusen, Kostüme, Waschblusen, Backfisch- und Kinder-Kleider bis zu ½ des früheren Wertes. Verkauf von: Resten und Abschnitten Kleiderstoffen Dieser Verkauf findet alljährlich nur zweimal statt und bietet besondere Gelegenheit zum Einkauf von Seidenstoffen— Waschstollen Weiss- und Baumwollwaren. Herrenstoffen Naschmaschlnen erstklassige Fabrikate, empfehlen Gebr. Rahlenbeck Fernsprecher 204 Fernsprecher 204 Reparieren und Umarbeiten von Waschmaschinen 4299 4413 empflehlt C. Lethaus. Die beste und billigste Berugsggelle für Schneiderinnen ist das:::: Kaufhaus Otto Marx = Hamburger Engros-Lager Schwerte, Ostenstr. 20. Fernsprecher 233.— 5373 Favorit Modenaldum 60 J, Favorit Jugendaldum 60 J 5 Favorit Handarblsalb.60 1! Favorit Schnittmuster 11# Alleinverkauf für Schwerte Kaufbaust Otte Mark 1888 Ollenstraße 20.: I. Spratts W—9-Aer Hundekuchen E lenpfehlt # urogers Carl Prog. KESIS Kurze Antwort. Unser Saison= Rusverkauf bringt alle Arten Damen= u. Mädchen=Konsektion mit 25% bis 66 3/8% „ „ Preisermäßigung. Nerfens& Olbrich Norm. Balle& Budelmann Hagen i. W. Elberfeldersir.8 Raldalispellage Erftes und größtes Spézialgeschäff für Damenund Mädchen-Konfektion wommmmmmanmmmmmen! bei Soest in Westfalen. Das ganze Jahr geöfinet. Sel- und natürliche KohlensäureSoibäder, gleiche Heilwirkung wie in Nauheim. Vorzügliche Heilerfolge bei Skrofulose, Frauenleiden usw. Von Jahr zu Jahr steigende Frequenz. Neu: Bedeutend vergrösserte Kuranlagen. Badearzt, Apotheke. Billige Verpflegung. Prospekt u.alles Nühere d. die Salinendireition Bad Saszendoril. Wesil. Küchenherd, Küchenschrank, Küchentisch, sast neu, 2½ Jahr im Gebrauch preiswert zu verkaufen. Emil Lohmann, Westhosen(Wests) 4431 Bahnhoftr. 12. Die von dem Unterzeichneten in einem Prozeß wegen Schweinediebslahls vor dem Landgericht in Hagen ausgesprochene Behauptung, den Berginvaliden Friedrich Hembe Schwerterheide, der als Zeuge vernommen wurde, sei die Berechtigung zum Gewerbebetriebe wegen Diebstabls entzogen worden, nehme ich hiermit zurück. 4414 H. Raust. in den neuesten Fassons in grosser Auswahl vorrätig. Vorzüglicher Sitz. Gute Stoffqualitäten selbst in den billigeren Preislagen. Otto Ma x, Schwerte, Ostenstr. 20 Schön. Tüsner Föse Retto 9 Psd. 3 Mark Nachn.: Otto Sievers. Cranz(Dünr) Die Zinsen der Dr. Theodor Fleitmann=Stiftung sollen für das Rechnungsjahr 1914 als Stipendien für Schüler des städtischen Realprogymnasiums hierselbst zur Verteilung kommen. Bewerbungen um solche Stipendien sind bis zum 10. Juli 1914 an den Magistrat zu richten. Wir bemerken, daß nach den Bestimmungen des Stifters bei der Zuwendung nur bedürftige, besonders begabte und sich gut führende Schüler, deren Eltern in Schwette wohnen oder daselbst verstorben sind, berücksichtigt werden könnes. Schwerte, den 27. Juni 1914. 4433 Der Magistrak: Emmerich. Makulaturpapier enpfiehlt billigst Carl Braus, Schwerte(Nuhr) der Firma Schwerte, hauingstr. I. Beginn: Dienstag, 30. Juni, abends 6 Uhr. Es gelangen grosse Warenposten zum Verkauf, die z. T. den doppelten und dreifachen Wert haben: Kleiderstoffe, Waschstoffe, Seidenstoffe, Blusen, Kinderkleidchen, Russenkittel, Spielanzüge, Damen- u. Kinderhüte, Südwester, Häubchen, Damen- und Kinderwäsche, Damen- und Kinderschürzen, Handschuhe, Korsetts, Handarbeiten, Gürtel, Taschen, Blusenkragen,, Garnituren, Damen- und Kinderstfümpfe, Socken, Taschentücher, Gardinenstoffe, Brise-Bises, Normal- und Macco-Unterzeuge, Herrenwäsche, Krawatten usw. KHSIL 1 2 3 4 Pftr. werden zum Einheitspreise von 95 Plg. abgegeben. Besichtigen Sie die in den Schaufenstern und Lokal Parteire und I: Etage ausgelegten Warenmengen. Die Restbestände Weisse Kleider, Jackenkleider, Kostümröcke, Damen-Hüte, Kinderhüte usw. z. T. 50° Während der 95 Pifg.-Tage auf Rettwaren 25%, Rabatt. billiger. a8 Orig. franz Ue Rotwein garantiert rein, pro Flasche aus d. Haus 1.10 Mk., im Ausschank per Glas 20 Pfg. Franz. Cognac, Keines Weindestillat, pro F1 10.— und 8 Mk. empfiehl auf sämtliche garnierten Gasthof zu Helle. Teleson 251. Grösstes Lager 7 in Ginkoch=Apparaten System Weck. Sämtliche Fabrikate sind stets vorrätig. R. Landmann. fr die Schgelden Besätze u. Seidenwaren zu ausserordentlich billigen Preisen. Unsere bekannte Qual. TafletSeide, in allen Farben Meter Mk. 1.85. Gebr. Stein Schwerte. Schwerte, Ostenstr. 5. Altestes und grösstes Putzgeschäft. Lilien- und Engelkränze für Prozessionen. Engros: Grünstrasse 1. Detall: Ostenstrasse 5. GummiSchläuche, Schelben, Platten und Ringe, sowie Verpackungen und Putzwolle für Maschinen etc. Wringmaschinenwalzen sowie alle technischen Artikel liefert billigst ab Lager Herm. Duhme ir. Hagenerstrasse 18. werden oft durch Ermödung des Körpers hervorgeruten. Absatze Continental machen Ihren Gang leicht und elastisch und verhindern vorzeitiges Ermöden. Verlangen Sie aber ausdrücklich von Ihrem Schuhmacher die enorm haltbaren Continental-Absätze b. den Schute Koten. Schulstraße grote Vorwabi. billige Preise und schnellste Anfertigung Emil Schäter, Friseur, Ostenstr. 9. 3230 Hühneraugen beseitigt radikal„Iscret“ à 10 Ptg. Nur bei Max Mehlhose, MedizinalDrogerie, Ostenstrasse Freie Fahrt nach Iserlohn und zurück. „„„* Telephon 897, 898, 899 Dortmund, Westenhellweg 102-106. Am 1. Juli beginnt unser grosser OGoohNaoVorkarerr Derselbe bietet unvergleichliche Vorteile. In allen Abteilungen sind gewaltige Posten Waren von gediegener Qualität zu wesentlich herabgesetzten Preisen ausgelegt. Weisswaren Hemdentuch mittel- u. starkfädige Ware 38 99 28of. ca. 80/82 cm breit.. Meter B0 55 26 PI. Renforcé feinfädiges Elsässer Fabrikatpe 6n ca. 82/84 om breit.. Meter 98 50 Bettuch-Nessel ca. 154 om breit, krättige westfäl. Ware Meter Haustuch für Bettücher, vollweiss ca. 160 cm br. Meter 1.00 82 rr. 9. 150 elge 95 Bett-Damast schöne glanzreiche Ware 4 4F 0E oa. 130 om breit. Meter 1.15 85 ca. 160 cm breit. Meter 1.55 1.10 besonders gute Qualitäten 1 EN 1 DE oa. 140 cm breit. Meter 1.90 1.29 Handtuchgebild ca. 48 cm br. Gerstkorngewebe, 40 33 weiss mit rotem Rand: Meter ca. 55 cm breites, gestreilbes P0 Ab Drollgebild....... Meter 02 45 ch 60 cm breites, kräftiges PE 50 Gerstkorngebild.... Meter 05 50 41 Pr. 48 r. 78 el. 75 P. 82 P1. 95 P1. 25 P. 38 Pi. 40 P. In unserer Abteilung Damenkonfektion haben wir eine Preis-Ermässigung bis ZU eintreten lassen! Noch niemals zuvor haben wir so grosse Quantitäten zu so gewaltig herabgesetzten Preisen verkauft. 3 8 8 Kleiderstoffe 8 * * * * * * 35 Kattung in heil und dunkelfarbig.„ regulärer Preis 30 Pl. jetat 22 PI. Woll-Musseline allerbeste Qualitäten, in aparten Dessine B5 pe Meter 1.23 05 Kostümstoffe on 130 cm breis" elegante Sachen in engl. Geure, Meter 4.25 2.50 Blusen-Crépe. 1.25 reine Wolle, in allen Farben Meter 1.75 1.20 Moderne Karos„ 96 für Röcke, ca. 110 cm breis Meber 2.05 2.20 Erspons 5 unifarbig, gesbreifb und gemustert, Meter 1.10 B0 PI. Sport-Flanelle Streifendessins für Blusen und Hemden Bbp, Meber as 65 P1. Tennisstreifen Meter 1.45 1.00 65 Pt. Kinderschotten.„ 400 in wundervoller Ausmusterung. Meter 1.43 1.00 Schwarz-weisse Stoffe 20 für Kleider, Blusen und Röcke, Meter 1.68 1.90 Spitzen und Festons Gute Madapolam-Festons 1hr 0— 70 50 Coupons von 4.10 Meter. 1.20 99 TU 50 P. Schweiz. Naturell-Stickerei 1yx 1•.*Mn or Coupons von 4.10 Meter P.1S 1.55 1.50 00 PI. 1.95 1.25 95r. 3.45 2.75 1.95 Rock-Volants gute Madapolam-Ware, reich bestickt, Meter Tüll- u. Spachtelstoffe für Blusen in weiss und oreme Meter Damen-Strümpfe englisch lang, ohne Naht in schwarz und farbig, teils mit Laufmaschen oder durchbrochen, sowie mit verstärkter Ferse und Spitze Paar 95 Pf. 75 Pf. 58 Pf. 48 Pl. 22 ei. Herren-Socken ohne Naht in grau, schwarz und farbig, meist mit verstärkter Ferse und Spitze, auch für empfindliche Füsse geeignet 65 e. 50 r. 35 r. 28 r. Paar 85 Pf. Korsetts Moderne Form, naturkarbig Satindrell mit Strumpfhalber Directoire-Korsett aus weissblau gestreittem Dreil...... Directoire-Form aus beigefarbigem Drell mit Feston-Garn Directoire-Korsett aus gutem Köperdrell mit breiter Spitzenund Bandgarnierung und Strumpfhalter Direktoire-Korsett aus porösem Gewebe auf guter rosbfreier Binlage Korsetts für starke Damen aus prims Köperdrell auf 10 5N 7 HN starker Binlage 10.50 7.50 2.50 3.25 4.00 5.00 5.00 4.50 Habatt gewähren wir auf alle regulären Waren, welche nicht schon im — Preise herabgesetzt sind.= Schürzen Siamosen-Blusenschürzen arten e. Prtreter Pect. 1.75 1.45 95 r. Kleiderschürzen 3.45 2.95 2.45 1.85 Weisse Zierschürzen mis Trüger... 2.45 1.95 1.45 95 PI. Weisse Servierschürzen 2.95 2.65 1.95 1.45 Grosse Posten Knabenschürzen Weisse u. bunte Mädchenschürzen 7 Besonders günstige Kaufgelegenheit für Damen- und Kinderwäsche a Bettwäsche a Tischwäsche Gardinen a Teppiche a Dekorationen a Betten a Steppdecken W wohlsten in Gesellschaft eines Kotelettes, eines Rumsteaks u. dergl. Ich will nicht zu den Hohlmahen gerechnet werden, ich bin ein anständiges Ernährungs=Organ! Verstehen Sie?“ (Mein Magen siezt mich infolge der schlechten Behandlung der letzten Jahre und der durch dieselbe zwischen uns bedingten Entfremdung.)„Überhaupt kann das nicht so sortgehen mit dem Junggesellenleben und dem Restaurant=Essen. Sie müssen endlich heiraten, Herr, Sie müssen!". „Ruhig!“ schrie ich hinunter,„sonst trink' ich orei Gläser Wasser aus der Leitung! Verstanden?"„ Das half für den Augenblick, doch nach kaum zwei Minuten begann das Ungetüm von neuem: „Und ich erkläre nochmals: Ich bleibe nicht länger mit ledig! Wo sind sie hin, die seligen Tage der kräftigen Hausmannskost, der unvergeßlichen Brühen und gesunden Gemüse der Kinderzeit? Wann werdet ihr wiederkehren, ihr herrlich geschmierten Kaffeebrötchen, ihr famosen Frühstücks=Schinkenstullen, ihr ideal duftenden Sonntagsbraten des Elternhauses? Wann grüß' ich euch wieder, ihr freundlich grünen Blattsalathügel der Heimat, wann euch, ihr prächtigen Berge feingeschnittener, phänomenal belegter Abendbrotschnitten, romantisch überrauscht von den imposanten Kaskaden aromatisch dustender Teewellen? Wann, ach wann—?“ Das war mir denn doch zu bunt.„Wird's bald ruhig?“ schrie ich wütend, wobei ich natürlich jedes Wort verschlucken mußte, um mich meinem Magen verständlich zu machen.„Es ist ein Uhr! Ich muß doch sehr bitten!“ „Mir egal!“ erwiderte er widerspenstig.„Ich verlange pünktlich meine Mahlzeiten! Wenn ich arbeiten muß, wie ein Braukutscher, um solche Biermassen zu verladen wie heute wieder, will ich auch essen. Ich frage nochmals:„Wollen wir bald beiraten k......, 8 a verhit, mir Bi.s, „Wir?“ schrie ich erbost zurüd. IIch verbille mir biese plumpe Vertraulichkeit! Überhaupt hat das Heiraten bei mir mit der Magenfrage nichts zu tun, verstanden!" „Oho!“ rief er zurück.„Wenn Sie den ganzen Tag nur rauchen wollen— auf Zigarren langt es Ihnen ja immer— dann lassen Sie sich doch lieber bald den Magen herausnehmen und ein Rauchservice dafür einsetzen! Mich können Sie dann als Tabaksbeutel benutzen!“ Ich suchte das Gespräch abzubrechen. „Ich bitte jetzt zum letzten Male um Ruhe! Zum Heiraten bringen Sie mich doch nicht! Einen Magenbitter aber werde ich jeden Morgen trinken!“. S ciumgien i5 „Sparen Sie Ihre Drohungen und Schimpfereten, ich verbitte mir das!" „Sie haben sich gar nichts zu verbitten!“ „Oho! Als Speisewirt des ganzen Organismus werde ich wohl noch eine Lippe riskieren dürfen. Sie sind ja bloß mein Verwalter, und noch dazu ein recht miserabler. Sie— Sie leichtsinniger Patron Sie!“ „Wollen Sie das Wort„Patron“ gefalligst sofort zurunknehmen?“ „Fällt mir nicht ein! Nehmen Sie erst den zähen Gänsebraten von heut mittag und die vertrockneten Pflaumen „Gut! Ich sehe jetzt erst, wie verdorben Sie sind. Ich wecke jetzt einfach Frau Schwarz und lasse Kaffee kochen! Wollen Sie das Wort„Patron“ zurücknehmen?“ ### Vor dem Kaffee meiner Wirtin hat mein Magen einen heiligen Respekt. Er wagte nichts mehr zu sagen. „Na wark'!“ knurrte er noch, dann ward es still und ich schlief ein..., bi, 14. Keit, N. Sau.e Bacht Mein Schlaf war sehr unruhig, ich hatte die ganze Nücht beängstigende Träume und am nächsten Morgen war mir entzetzlich übel zumute. „Mensch, wie siehst du aus?“ schien mir mein Bild aus dem Steegel zurusen zu wollen.„ „Mensch, wie siehst du aus?“ schrie ich mem SpiegelNach längerer Betrachtung meines bleichen, schmerzverzogenen Gesichtes konstatierte ich notgedrungen, daß ich das überhaupt nicht sein könnte, und legte mich wieder zu Bett. Erst nach dreistündigem Nachschlafen konnte ich vor dem Spiegel meine Identität feststellen. Ich trank den versprochenen Bittern, ich liebkoste den Erzürnten mit echten Kaviarbrötchen, Portwein und zartem Hühnerfleisch.— Alles verlorene Liebesmüh! Er erklärte, überhaupt nichts mehr von mir annehmen zu wollen, nachdem ich ihn so schnöde behandelt und setzte mit einer Streikbewegung ein, der sich andere Organe bald anschlossen. Was tun? Ich ging zu einem Arzt, der mir den Magen gründlich auspumpte, mir aber riet, mich in meinem Lebenswandel mehr den Bedürfnissen meines Magens anzupassen. Die in meinem Ministerium des Innern ausgebrochene Krisis ging nun rasch vorüber.. 66 Ich stehe heut mit meinem Magen wieder auf recht gutem Fuße, wenigstens schließe ich aus seinem Stillschweigen, daß. er mit mir zufrieden ist. Er bekommt pünktlich sein Abendbrot und wir duzen uns wieder. Ich bin sogar im Begriff zu heiraten. Hoffentlich wird er nicht enttäuscht. Anekdotenschatz. Kaltblütig. Gelegentlich der Belagerung von Konstantine stand General Carnot(der Großvater des ehemaligen Präsidenten von Frankreich), von seinen Adjutanten umgeben auf einer kleinen Anhöhe. Während des Bombardements auf beiden Seiten wandte sich der Befehlshaber an einen zu seiner Linken stehenden Leutnant und verlangte eine Prise Tabak. Eben war der Angeredete im Begriff, dem General die Dose zu reichen, als er, von einer Kanonenkugel getrossen, tot zu Boden stürzte. Vollkommen ruhig drehte sich Carnot auf die andere Seite und sagte zu dem rechts stehenden Offizier:„So geben Sie mir die Prise, nachdem Ihr Kamerad seine Dose eben mit sich genommen hat!“ Allerlei Interessantes verbraucht der Mensch? Thomas Hudam hat nach einer amerikanischen Zeitschrift auf Grund sorgfältiger Studien feststellen können, daß der 50 jährige „Durchschnittsmensch“ auf 18250 Tage in wachem und 6212 Tage in schlasendem Zustande zurückblickt. Der Arbeit sind 6348 Tage gewidmet, während das Vergnügen mit 4192 wegkommt. Die Krankheit hat gegen 600 Tage beansprucht, ebensoviel das leichte Unwohlsein. An fester Nahrung nimmt der Mensch etwa 9500 Kilogramm Brot, gegen 6000 Kilogramm Fleisch, 1600 Kilogramm Eier und Früchte zu sich, während er in dem 50 jährigen Erdenwallen Flüssigkeiten von rund 35,000 Liter Wasser, Wein, Bier u.w. gebraucht. Die Waisenpflege in Berlin. Die Berliner Waisenpflege mußte im letzten Berichtsjahre 4182 Kinder in städtische Pflege übernehmen, da sich die Eltern dieser Kinder um den Nachwuchs entweder nicht kümmern konnten oder aber keine Lust hatten, sich darum zu kümmern. Aus dem Reiche der Natur. Ein afrikanisches Tier in Nord=Europa. Der bedeutende norwegische Zoologe Professor Sars hat auf den Austernbänken des westlichen Norwegen einen kleinen Kruster entdeckt, der eigentlich keine Berechtigung vorweisen kann, in dieser Gegend zu leben. Sein einziger naher Verwandter bewohnt nämlich die Gestade des Meerbusens von Guinea im tropischen Afrika. Der Forscher nimmt an, daß das Tier einmal während einer besonders warmen Zeit von Afrika bis nach Norwegen gewandert sei und daß es sich in den Buchten der Westküste Norwegens am Leben habe erhalten können, weil das Meerwasser dort infolge der Überlagerung mit einer Schicht von Süßwasser ungewöhnlich warm ist. Dem gleichen Grund schreibt Sars auch das üppige Wachstum der Austernbänke an dieser Küste zu. Wozu hat der Kaktus seine Stacheln? Das eigentliche Wesen und der Zweck der Stacheln, die so zahlreich und in oft wunderbarer Gestalt und Anordnung die Oberfläche vieler Kakteen und ähnlicher Pflanzen verzieren, hat schon manchen Naturforscher zum Nachdenken und zu Untersuchungen veranlaßt, ohne daß bisher eine ganz befriedigende Erklärung gegeben wäre. Jetzt hat ein englischer Forscher die Frage aufs neue untersucht und ist zu Schlüssen gelangt, die mit den früheren Auffassungen nicht in Einklang stehen. er versucht, die Ansicht zu begründen, daß die Knollen, an denen die Stacheln zu sitzen pflegen, die Ansatzstelle eines Blattes bedeuten und möglicherweise auch einen Teil des Stiels, während die Stacheln selbst änderte Teile der Blattfläche seien. Den Zweck der Stacheln erblickt er darin, daß sie gewissermaßen einen Sonnenschirm bitven, indem sie dazu beitragen, den überschuß von Sonnenlicht von den fleischigen Teilen der Pflanze abzuhalten, für die aues vurauf ankommt, ihren Vorrat an Saft zu beyalten, damtt sie nicht in dem Wüstenklima ihrer Heimat verdorren. 8 46. Jahrgang O Grites und Alteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Annoncenblatt Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 150. Dienstag, 30. Juni 1914. Es kann das Glück zur höchsten Macht uns führen, Doch ihr entsagen kann die Tugend nur. Ihre Tochter. Novelle von C. Lichtenfels. Das ist doch endlich einmal etwas für mich, Mama!“ „Was denn, Gertrud?“. „Hier, diese Annonce im heutigen Morgenblatt, höre nur: „Für eine ältere, alleinstehende Dame der höheren Kreise wird eine Gesellschafterin gesucht. Diese muß in allen Fächern gebildet und aus guter Familie sein. Bewerberinnen anfangs der Zwanzig werden bevorzugt. Meldungen, sowie nähere Angaben werden erbeten unter X. 22 in der Expedition dieser Zeitung.“ „Mama— da melde ich mich.“ Das junge Mädchen, welches dies gesprochen, schlug mit einer lebhaften Handbewegung gegen das Blatt.—„Es klingt, wie eigens für mich ausgesucht; nähere Angaven fehlen zwar— aber ich riskiere es— ich schreibe. Worauf sonst sollte ich denn noch warten? Vielleicht habe ich doch einmal Die mit einer Handarbeit am Tische sitzende ältere Dame seufzte.„Wenn's denn sein muß, Gertrud, so ist es wohl am besten, du zögerst nicht lange. Wir haben die Sache nach allen Seiten hin erwogen und sind zu dem Resultat gekommen, diesen Ausweg für den richtigsten zu halten.— Leicht wird mir's nicht, Dich wegzugeben, das weiß Gott!“— „Natürlich nicht, Muttchen! Du zögest es vor, die Hauptlast aller Sorgen auch fernerhin noch allein zu tragen. Aber ich kann's absolut nicht mehr mit ansehen, wie du dich plagst.— In Wind und Wetter, in Hitze und Kälte, von früh bis spät, nichts als Musikstunden! Wie lange, wie oft schon habe ich dich gebeten, mich eine Stelle annehmen zu lassen; denn das, was ich durch Unterrichten oder gar mit der Nadel verdiene, war, Gott sei's geklagt, bisher wenig genug.— Aber du wolltest nicht, du meintest, wir würden's so erschwingen.—— Ja— wenn ich deine musikalische Fertigkeit hätte! mußt einen ausgezeichneten Lehrer gehabt haben, Mama.“ Das blasse Antlitz der Frau Reimar wurde noch um einen „Das habe ich. Liebling— aber laß uns zur Sache kommen— Du willst also schreiben?“ 65 „Ja, und das sogleich.“— Damit hatte das junge Maochen ihre Schreibmappe geöffnet, und schon nach einigen Minuten hörte man die Feder über das Papier fliegen. „Wenn ich nun die Stelle bekomme,“ plauderte Gertrud dabei weiter,„und eine innere Stimme sagt mir, ich werde sie erhalten— so bin ich ja noch nicht aus der Welt, Mamachen. Vielleicht ist's nicht weit von hier, und wir können uns häufig sehen.“ Hofentlch, Trude....Kaihon:„Kaug Gertmss „So ungefähr möchte ich schreiben, ertlang Gerikuos Stimme nach einem Weilchen wieder: „Ew. Hochwoblgeboren......en, schaltete die Mufier ein=Hochgebette, schzaltett die „Du meinst wegen der Bemerkung„höhere Kreise!" also denn„Hochgeboren“—„wenn ich nur die Stelle bekomme. * Einen Augenblick— ich werde überhaupt anders anfangen— so wird's besser sein: „Bezugnehmend auf Ihre, in der heutigen Nummer der.... Zeitung enthaltene Annonce, erlaube ich mir, Ew. Hochgeboxen meine Dienste ergebenst anzubieten. Ich bin 20 Juhie unt, Tochter eines Gymnasiai=Overlehrers und durch den vor Jahren erfolgten Tod meines Vaters in die Notwendigkei versetzt, selbst für meinen Lebensunterhalt zu sorgen. Mutter und ich leben augenblicklich in der kleinen Provinzialstadt G...... Mein Vater bildete mich in den hauptsächlichsten Lehrfächern selbst aus, den Musikunterricht erhielt ich von meiner Mutter, die auf diesem Gebiete anerkannt Vortreffliches leistet— und, wenn ich noch hinzufüge, daß der beste Wille vorhanden ist, die übertragenen Pflichten zu erfüllen, so hoffe ich, Ihren Ansprüchen nach der von Ihnen angedeuteten Richtung genügen zu können und die Steue in Ihrem werten Hause zu erhalten. In der Hoffnung, daß Ew. Hochgeboren dieses Gesuch gütigst berücksichtigen mögen, zeichnet mit vorzüglichster Hochectung ergebenf Gertrud Reimar. G.... Parkstr. 9.“ So— das wäre fertig: soll ich's abschicken?“ „Es wird umsonst sein. Trude— es melden sich so viele.“ „Laß mich nur machen, Mama!“ Fünf Tage später befand sich Gertrud allein zu Hause. Frau Reimar war, wie jeden Tag. so auch heute, ausgegangen. um die erwähnten Musikstunden zu geben. Ein Weilchen sah Gertrud hinaus in das nasse unfreundliche Wetter, dann trat sie schnell zum Tische zurück und bereitete auf der dort stehenden Teemaschine den Tee. Nachdem sie Tasse und Zuckerdose, sowie einen kleinen Imbiß für die Heimkehrende zurückgestellt, schob sie fürsorglich noch das gestickte Fußbänkchen und die Pantoffeln neben den Stuhl der Mutter, dann nahm sie eine Arbeit, die auf dem Tische gelegen hatte, zur Hand und setzte sich nieder. Aber die sonst so fleißigen Hände ließen die Arbeit bald wieder sinken. „Wer wird das für sie tun, wenn ich nicht mehr hier bin?“ dachte das junge Mädchen.„Sie selbst sicherlich nicht! Sie wird sich nur das Notwendigste leisten und auf alle Bequemlichkeit verzichten. Und doch— gerade ihretwegen muß ich gehen. Jedoch auf eines werde ich dann entschieden dringen: Mama darf nicht mehr so viel Stunden geben.—— Wenn der Vater sähe, wie sie sich quält, er, der sie so auf Händen trug!“ Wie anders war es überhaupt gewesen, als der Vater noch lebte! Die Sorge ums tägliche Brot hatten sie damals nicht gekannt, die Mutter hatte nicht nötig gehabt, für den eigenen Erwerb zu arbeiten. Es war ein friedvolles, harmonisches Leben gewesen, das ihrer Eltern. Sie hatten mit Liebe, mit größer Hochachtung zueinander aufgesehen. Und doch hatte diesem Leben etwas gefehlt: der volle, fröhliche Sonnenschein der Heiterkeit war dem Elternhause Gertruds fremd geblieben. Solange diese zurückdenken konnte, hatte sie die Mutter als still uno ernst gekannt: lag dies in der letzteren frühe Schicksalsschläge es zuwege gebracht? Gertrud entsann sich einiger Fälle, wo sie die Mutter in Tränen getroffen: * dann war’s ihr jedes Mal vorgekommen, als umgäbe des Vaters Liebe sein Weib mit ganz besonderer Zartheit und Güte. Was hatte dies alles zu bedeuten? Warum war die Mutter so karg in bezug auf Mitteilungen aus ihrem früheren Leben— so karg, daß ihre Tochter, die sich des Fragens gänzlich entwöhnt hatte, nichts weiter von demselben wußte, als nur den Mädchennamen ihrer Mutter? Dunkel entsann sie sich der Anspielungen ihrer alten Kinderfrau auf hartherzige Mütter, die schlimmer seien, als die böse Stiefmutter im Märchen. Worauf bezog sich das?!!—-„Wenn ich Anlagen zur Romantik besäße," dachte Gertrud „so könnte ich mir einbilden, Mama hätte sich von Papa aus irgend einer alten Ritterburg entführen lassen. Vornehm genug sieht sie aus und eine große Schönheit muß sie auch gewesen sein. Aber Papa als Entführer!“— ein humoristisches Lächeln umspielte bei dieser Vorstellung den Mund des jungen Mädchens— der Gedanke, ihren Vater, den braven, guten, pedantischen Oberlehrer Reimar mit dergleichen auch nur einen Augenblick in Verbindung zu bringen, wirkte unwiderstehlich komisch auf sie. „Nein, nein“— sie war schon wieder ganz ernsthaft geworden—„es war sicher alles ganz korrekt zugegangen. Das Leben ihrer Mutter war wohl schon früh ein arbeitsvolles, entbehrungsreiches gewesen. Vielleicht eine freudenarme Jugend—— ohne Elternliebe...“ Ein scharfer Ruck an der Klingel riß das junge Mädchen aus ihrem Grübeln. Sie stand auf und öffnete. „Ein Brief für Fräulein Gertrud Reimar,“ sagte der eintretende Postbote. Eine völlig unbekannte Handschrift— ein Wappen mit einer Krone darüber— das mußte die Antwort auf Gertruds Gesuch sein. Schon wollte sie hastig den Umschlag lösen, da klingelte es abermals, und diesmal war's die heimkehrende Mutter. Gertrud hielt das empfangene Schreiben hoch in die Höhe.„Was habe ich da, Mama?“ „Zeig her, Kind!“ „Noch nicht, Herzensmama! Erst mußt du dich setzen und ruhen und dich erwärmen—— so!—“ Sie nahm der Mutter die nassen Sachen ab, und erst als Frau Reimar Gertruds sanftem Drängen nachgegeben und den eingeschenkten Tee getrunken, nahm sie den bereits geöffneten Brief zur Hand. „Nun bist du gemütlich warm, Muttchen, nun darfst du hören.“ Wehmütig ruhten Frau Reimars Augen auf dem lebensprühenden, sonnigen Antlitz ihrer Tochter. Die sah der Mutter * außerordentlich ähnlich, aber in das seine Antlitz der letzteren : hatten Kummer und trübe Lebenserfahrungen unverwischbare ! Linien gegraben. Von dem Briefe, den das junge Mädchen in der Hand hielt, hing vielleicht ein Teil ihres Schicksals : ab— Frau Reimar aber hatte gelernt, allen Entscheidungen des Schicksals mit schwerem Herzen entgegenzusehen, und so zagte sie auch jetzt. Gertrud hatte inzwischen die Blätter auseinandergeschlagen und zu lesen begonnen: *"„ Wertes Fräulein! § In Erwiderung Ihrer Zuschrift vom... ten an mich, teile ich Ihnen mit, daß ich Sie gern für mein Haus engagieren möchte. Gehaltsansprüche haben Sie in Ihrem Schreiben nicht erwähnt, ich zweifele jedoch nicht, daß wir uns über diesen Punkt vollständig einigen werden. Sollte ein persönliches Zusammentreffen uns die Überzeugung bringen, nicht füreinander zu passen— so kann die Übereinkunft ohne weiteres gelöst werden. Die daraus entstandenen Kosten würde ich natürlich tragen.“ z.„Das gefällt mir, Mama.“ „Nicht zu vorschnell, Gertrud— Die Sache wird einen ; H a k e n h a b e n.“—- :„Ich bin im Sommer viel auf Reisen oder auf meiner Besitzung. Im Winter wohne ich in der Stadt, in meinem : wundervoll gelegenen, großen, schönen Hause, mit zahlreicher Dienerschaft. Ihre Tätigkeit würde darin bestehen, mit mir spazieren zu gehen, mir vorzulesen— kurz: mir Gesellschaft z zu leisten. Besuche mache ich wenig— ich habe fast gar : keinen Verkehr.“ ##.„Aha— da sitzt der Haken, Mama!“ Aber Frau Reimar antwortete nicht. Wie in Träumereien versunken, blickte sie vor sich nieder, während ihre Hand mechanisch mit dem Teelöffel spielte. Ihre Gedanken schienen weit weg zu sein.n#ch. „Es wäre mir lieb,“ las Gertrud weiter,„wenn Sie am Ersten des nächsten Monats hier eintreffen könnten. Der Schnellzug führt Sie in einigen Stunden nach D....“ Vom Teetisch ertönte ein leiser Schrei. Klirrend fiel der Löffel gegen die Tasse. „Den Namen Gertrud— um Gotteswillen— schnell— den Namen!" Voll Todesangst sprang das junge Mädchen auf— ihre Mutter sah aschfahl aus. „Mama, Mama, was ist dir? Ist dir unwohl geworden?“ Doch Frau Reimar wehrte sie ab:„Den Namen, Gertrud!" „Weshalb Mama— du bist so erregt— o Gott— sollte.... Frau Reimar aber wies noch immer mit der zitternden Hand auf den Brief und wiederholte die vorigen Worte. Und Gertrud las— langsam— stockend, während ein furchtbares Angstgefühl ihr das Herz beklemmte: „Constanze, Freifrau von Ellern.“ Totenstille im Zimmer. Als Gertrud zur Mutter hinüberblickte, sah sie dieselbe steif und starr im Stuhle sitzen— sie war ohnmächtig geworden. Schnell öffnete Gertrud das Kleid der Bewußtlosen und rieb ihr Hände und Schläfen. Unablässig rannen dabei die Tränen aus des jungen Mädchens Augen.— Als Frau Reimar endlich zu sich gekommen, half Gertrud ihr zum Sofa hinüber. Aber sie enthielt sich jeder Frage.— Es war, als habe der Vorgang eben ein Streiflicht geworfen über das, was ihr bisher dunkel erschienen—— sie hatte alles erraten, alles begriffen; die surchtbare Aufregung ihrer Mutter ließ keine andere Deutung zu: die Schreiberin des Briefes mußte ihr nahestehen— sehr nahe—— Eine bange halbe Stunde mochte vergangen sein, da hob Frau Reimar den Kopf:„Komm' her. Gertrud!“ Das junge Mädchen stand sofort neben ihr. „Hast du mich lieb, Kind?" Gertrud nickte siumm. „Dann gönne mir Zeit— frage mich nichts— du sollst alles erfahren, aber nicht jetzt.— Geh' Herz— laß mich allein!“— Als ihre Tochter das Zimmer verlassen, erhob sich Frau Reimar mit einer Erergie, die man der noch eben so Schwachen kaum zugetraut hätte, und griff nach dem Briese, der eine so erschütternde Wirkung auf sie ausgeübt hatte. Ja— das waren die Schriftzüge, die sie zu sehen erwartet!——— Wie lange hatten ihre Augen nicht darauf geruht— was alles lag zwischen jener Zeit und heute!!— — Wie ein Gruß aus ferner, ferner Vergangenheit erschienen ihr die Blätter, die sie in der Hand hielt. Und doch— ein Gruß war dieses nimmer— die Schreiberin des Briefes ahnte ja nicht, in wessen Hände er gelangen würde. Lange starrte Frau Reimar darauf nieder:„O, Schicksal — wie seltsame Wege führst du mich!“ Sinnend zog sie einen kleinen Schlüssel hervor und schloß damit ein Seitenfach ihres Schreibtisches auf. Ein Päckchen vergilbter Briefe lag vor ihr, deren Inhalt sie hastig durchflog, bis sie gefunden, was sie suchte. Ihre Mienen verfinsterten sich, während sie den Brief entfaltete, den sie wohl viele, viele Jahre nicht in Händen gehalten hatte. Sie atmete tief und heftig— dann ging sie, kurz entschlossen, zur Tür und rief mit fester Stimme nach ihrer Tochter. „Gertrud,“ begann sie, die Hand der Eintretenden erfassend,„du bist kein Kind mehr, und was ich dir jetzt zu sagen habe— du hast es in der Hauptsache schon erraten— ich sehe es dir an.“ „Ja, Mama.“ „Sieh dir die Handschrift deines Briefes an und dann vergleiche sie mit dieser hier— es ist, wie du siehst, dieselbe. Und nun lies diesen anderen Brief. den eine Mutter—— meine Mutter— an ihr einziges Kind gerichtet. „Liebe Mama— muß es denn sein? „Ich will es— du hast ein Recht darauf.“ Mit zitternder Hand nahm Gertrud den Brief, welchen die Mutter ihr übergab. *„Lies laut,“ bat diese, und tonlos begann Gertrud: *„Noch einmal, Manon— zum letzten Male— schreibe ich an dich, um dich zu warnen. Bedenke den Schritt, den du vorhast!!! Du kennst mich, Manon, weißt, daß ich mein Wort zu halten pflege.— Wenn ich Dir also sage: wir sind geschieden, falls du auf deinem Willen beharrst— so weißt du auch, was das zu bedeuten hat.— Darum besinne dich! noch ist es Zeit! noch ist die Brücke nicht abgebrochen, die Brücke, die hinüberführt zur Stätte deiner Kindheit, in das Haus deiner Ahnen— in die Arme deiner Mutter. Bestehst du jedoch starrköpfig auf dem, was du dir vorgenommen— so soll kein Stein von dieser Brücke bleiben. Mit eigener Hand reiße ich sie nieder bis zum letzten, und sollte ich innerlich daran verbluten.— Ich habe dann kein Kind mehr.— Du wähle zwischen dem fremden Manne und deiner Mutter.“ Nur mühsam hatte Gertrud bis zu Ende lesen können, ihre Stimme klang wie von Tränen erstickt. Jetzt legte sie die Arme fest um ihre Mutter:„O, Mama, was alles hast du durchgemacht— und auch Papa!“ Frau Reimars Antlitz rötete sich!„Es ist nicht so, wie du denkst!— Dein Vater, Gertrud— hatte mit dieser Sache nichts zu tun— Setze dich und höre mir aufmerksam zu: Du weiß es jetzt, daß meine Eltern vornehme und reiche Leute waren.— Mein Vater starb, als ich sechzehn Jahre zählte. Ich trauerte sehr um ihn; mein weiches Herz hatte mit abgöttischer Liebe an ihm gehangen. Meine Mutter hatte es niemals so wie er verstanden, sich mir zu nähern, gegen sie war ich niemals so zutraulich gewesen; dennoch liebte auch sie mich— in ihrer herberen Weise. Nun waren wir beide. aufeinander angewiesen. Das Trauerjahr machte größeren Verkehr unmöglich, meine Mutter liebte diesen auch nicht allzusehr, und so kam mir manchmal das Leben in unserem großen, schönen Hause recht einsam vor. Die Pracht, die mich umgab, konnte mich nicht entschädigen für das, was mein Herz entbehrte.— Ich sehnte mich nach dem Vater. Mit unserer getreuen Babette, einer langjährigen Dienerin unseres Hauses konnte ich stundenlang von dem Verstorbenen ; r e d e n. D e r M u t t e r g e g e n ü b e r f a n d i c h n u r s e l t e n d e n M u t dazu, sie war nicht für„Gefühlsergüsse“. Meine Ausbildung lag ihr außerordentlich am Herzen: ich erhielt noch immer Unterricht in allen möglichen Fächern, doch zeigte ich nicht besonderen Eifer für die Wissenschaften. Nur eines gab es, was mich zu trösten vermochte über den Verlust, den ich erlitten, was mir hinweghalf über viele einsame Stunden meines noch so jungen Lebens— das war die Musik. Stundenlang konnte ich an unserem Flügel sitzen, ohne zu merken, daß die Dämmerung gekommen— ich spielte und träumte. Als das Trauerjahr vorüber, sing die Mutter an, öster mit mir in Gesellschaft zu gehen: wir sahen auch wieder häufiger Gäste bei uns— mitunter führte die Mutter mich auch ins Theater. Um diese Zeit“— Frau Reimar machte eine Pause und sah vor sich nieder, dann fuhr sie fort:„Um diese Zeit machte ein junger Pianist, der erst vor lurzem in unserer Stadt aufgetaucht war, viel von sich reden. Er sollte ein ungewöhnliches Talent sein,„ein Genie,“ sagten die Leute.— Die Konzerte, die er gab, waren außerordentlich stark besucht. Von einer uns befreundeten Dame aufgefordert, entschloß sich auch meine Mutter, eines dieser Konzerte mit mir zu besuchen. Ich war außer mir vor Freude über den meiner wartenden Kunstgenuß— ich ahnte nicht, daß ich an einem Wendepunkt meines Lebens stand. * Es war eine zahlreiche, glänzende Versammlung im Saale anwesend. Der junge Künstler spielte entzückend, so hatte ich noch niemals spielen hören— ich glaubte erst jetzt zu wissen, was Musik sei. Wie beneidete ich ihn um die göttliche Gabe, die ihm verliehen worden war!— Brausender Applaus wurde ihm zuteil.— Ich war den ganzen Abend wie berauscht, wie getragen von den wunderbar schmelzenden Tönen, die unter diesen Künstlerhänden zu mir gesprochen— und in den Traumbildern dieser Nacht erwoben sich diese Töne mit der Person des jungen Mannes selbst.— Von dieser Zeit an war er Mode geworden, erhielt er Zutritt zu den höchsten Kreisen. Man riß sich um den Unterricht bei ihm; er kam auch zu uns— ich wurde seine Schülerin.— Du weißt nun, wem ich meine musikalische Ausbildung verdanke. Wie lange es gedauert haben mag, bis ich den Zustand meines Herzens erkannte— ich weiß es nicht mehr. Nicht lange, glaub' ich!— Der feinige hingegen blieb mir verborgen über Jahr und Tag.— Später habe ich erfahren, wie heiß, wie lange er gekämpft, um meines Friedens willen - glaubte er doch, mich niemals erringen zu können. Aber alle Vorsätze schmolzen dahin, als ein unbewachter Moment ihm das Geheimnis meiner Gegenliebe verriet.— An diesem Tage schwuren wir uns gegenseitige Treue. Ich habe diese Treue gehalten— aber ich habe dadurch meine Mutter verloren— so ganz verloren— daß nicht einmal du, mein einziges Kind, gewußt, sie sei noch am Leben. daß nicht der Tod— daß uns das Schicksal getrennt.— Doch ich will fortfahren: Laß mich nicht lange verweilen bei der Zeit, die damals für mich begann! Offen und ehrlich trat er vor meine Mutter hin und forderte meine Hand. Er sagte, er wisse wohl, daß meine Geburt mich zu höheren Ansprüchen berechtige, aber das Herz hätte bei uns beiden gesprochen, und er fühle in sich die Kraft, sich einen Namen zu machen, und etwas Großes, Hervorragendes in seiner Kunst zu leisten. Meine Mutter glaubte einen Wahnsinnigen vor sich zu sehen.— Das Haus wurde ihm verboten— aber es nützte nichts, wir blieben fest.— Als die Mutter die Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen einsah, ging sie mit mir auf Reisen. Es war vergebens— ich erklärte ihr, ich würde nicht von meiner Liebe lassen.— So verging ein Jahr, und mir sank der Mut. Reinhold, mein Geliebter,— riet zur Flucht, ich wehrte mich—— lange.— Jedoch, es blieb kein anderer Ausweg offen— die Mutter war nicht zu erweichen. In N... lebte die an einen Lehrer verheiratete Schwester Reinholds— dorthin wollte ich gehen. Aber nicht heimlich wollte ich aus dem Hause schleichen, ich machte noch einen letzten Versuch, sprach noch einmal mit meiner Mutter. Sie sah mich starr an, sie lachte höhnisch, dann sagte sie nichts als das eine Wort:„Geh!“— Sie mochte dies für unmöglich halten.— Und ich ging.— Ich wagte nicht, von meiner Mutter Abschied zu nehmen, ich schickte durch Babette einige Zeilen an sie, bat und flehte nochmals um ihre Einwilligung; die Antwort, welche meine treue Babette mir überbrachte, hast du vorhin gelesen— das war alles.— In N...., wo man mich mit offenen Armen empfing, blieb ich nicht lange. Unsere Trauung fand im Beisein meiner Schwägerin und eines Freundes ihrer Familie in England statt. Dann unternahm Reinhold eine KonzertTournee durch halb Europa, und ich begleitete ihn. In Italien blieben wir am längsten. Er faßte die hochfliegendsten Pläne, um sein Ideal— es zu vollendeter Künstlerschaft zu bringen— zu erreichen; er hoffte dadurch auch die Versöhnung mit meiner Mutter herbeizuführen. Aber das Schicksal ließ ihm nicht Zeit dazu— er sollte die Heimat nicht wiedersehen. Es war ein kurzes, kurzes Glück!“— Ein Jahr lang blieben wir vereint— ein Jahr voll Liebe und Seligkeit— dann wurde er mir entrissen— dahin war meines Lebens Sonnen= schein!.„„ Nun stand ich ganz allein in der Welt. Wohin sollte ich mich wenden?— Ich schrieb an meine Mutter, mein ganzes zerrissenes Herz legte ich in diesen Zeilen nieder— der Brief kam uneröffnet zurück.— Nun blieb mir keine Stätte, wo ich mir teilnahmsvoll gesinnte Menschen wußte, als N.... wo ich vor meiner Verheiratung gewesen—— Sie nahmen mich freundlich dort auf, hegten und pflegten mich in meinem großen, entsetzlichen Schmerze, und hielten mich wie ein Glied der Familie.— Ich machte mich nützlich, wo ich konnte, und verdiente meinen Unterhalt selbst mit Stundengeben. (Fortsetzung folgt.) Der Kampf ums Rechi. Ein Verstimmungsbild von Gottwald. Seit einiger Zeit war zwischen meinem Magen und mir ein unheilvoller Streit entbrannt. Ich hatte nämlich verschiedentlich den Abend in fröhlicher Gesellschaft zugebracht und manchen Humpen getrunken, gegen den mein Magen sich energisch wehrte. Er befand sich sozusagen im Kampfe ums Recht. Und als ich eines Abends im Begriff war einzuschlafen, begann mein Magen, dessen Geduld erschöpft schien, laut zu knurren. Ich hörte aus dem Geknurr meines Freundes deutlich folgendes heraus: „Da soll ich nun wieder mit einschlasen, ohne seit Mittag# etwas bekommen zu haben, als eine Tasse schwarzen Kaffee und einen Pfannkuchen, dessen Füllung ganz unglaubliche Bestandteile enthielt— das halte ein anderer aus! Man kommt ja förmlich um vor Langeweile, wenn einem gar nichts geboten wird. Was habe ich denn von der geistigen Nahrung, die das Gehirn gierig verschlingt, bis auf die unverdaulichen Sachen, die mir zugeschoben werden? Dafür dank ich!— Was habe ich von Theaterstücken und Gesellschaften? Ich verlange ein abendfüllendes Stück Fleisch und fühle mich am