* Amtliches Kreisblatt # * De Schurtem Seihmer enichchmn dale außer Jeiertags. Bezugspreis M. 1.80 oiertetjährlich, dei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Gralisbeilage:„Illustrierte: Familiensreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siedengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezelle 40 Pfg. Jeden Radatt gilt als Kassarabakt u. erlisch) bei Konbursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Michtbrachtungd genach. Jahlungsbesngung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Ee für den kreis börde Schwerter Volksblatz Verbunden mit: Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volbszeltung * Schwerker Cageblaft S Schwerter Hnzeiger Grltes und anelles Cagesorgan des Kreiles n Geperal-Gpzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Apnoncenblak uuin deute und bbiarnbgichm Durrd. nungen für den Krets Hörde erlangen grmaß Benanntmachung der Königlichen Regienung durch Verössenklichung in der„Schwerter Zeitung“, rechtsverbindliche Kraft.— Die „Sowwerter Zeitung“ gewährt ihren Abonneninn für jeden mit Tod endenden Unfall geGnguages: 300 Mk. Unsall: Druch u. Verlog v. Carl Braus. Schwerte=Rude Fernsp. 62. Telegr. Adr. Braus Nr. 146. stes Blatt. Der Kaiser über Bismarck. Der Kaiser antwortete beim Festmahl auf dem Dampfer„Viktoria Luise“ am Dienstag auf die Festrede des Bürgermeisters Dr. Schröder=Hamburg: „Wollen Eure Magnisizenz mir gestatten, unseren herzlichen Dank auszusprechen für Ihre freundlichen Worte und für den schönen Rückblick. Ich möchte zu gleicher Zeit diesem Dank noch einen anderen anschließen, nämlich den für die Aufnahme, der ich seitens der Bevölkerung der Stadt Hamburg in diesem Jahre wie immer mich erfreuen durfte. Ich habe daraus ersehen können, wie nun allmählich das Verhältnis und die Beziehungen zwischen der Hamburger Bürgerschaft und mir ansangen, historisch und traditionell zu werden. Wenn ich nun meinerseits mit Freude die Entwicklung unserer Nation durch den Sport zu ernsten Leistungen beobachtet habe, möchte ich doch noch auf eins hinweisen, von dem ich glaube, daß unsere Nation auf dem richtigen Wege sich befindet: Wenn sie sich bestrebt, die Hauptleistung auf die Gesamtheit zu übertragen, die große Masse auf ein hohes Niveau zu bringen und nicht die einzelnen erstklassigen Leistungen aus einem im allgemeinen niedrigen Niveau sich herausschälen zu lassen. Ich glaube wohl im Sinne aller hier versammelten Herren zu sprechen, wenn ich der Hamburg=Amerika=Linie, bei der wir heute wiederum auf diesem schönen altbewährten Schiff vereinigt sind, noch einen besonderen Dank ausspreche für den Tag, den sie uns neuerlich beschert hat. Auch ein Erzeugnis langer Friedenszeit, lief vor wenigen Tagen der„Bismarck“ vom Stapel, das größte Schiff, das augenblicklich auf dem Wasser schwimmt. Darüber herrscht wohl bei uns allen kein Zweisel, daß dies kein gewöhnlicher Stapellauf war. Die Hamburg=AmerikaLinie hat durch den Bau dieses Schiffes die Möglichkeit gegeben, einen großen nationalen Festtag zu erleben. Alle Herzen schlugen höher und dachten der großen Zeit und der großen Männer, die in ihr wirkten, des großen Kaisers und seines eisernen Natgebers. An uns ist es, dafür zu sorgen, daß das, was uns überkommen ist, von uns weiter verwaltet wird, daß, wie wir in unseren einzelnen Bestrebungen und wie wir bei unseren sportlichen Veranstaltungen alle unsere Kräfte zusammennehmen und uns anstrengen, um das Ziel zu erreichen, so im großen das gleiche für unser Vaterland tun. Wir müssen in der Lage sein, eins der besten Worte, das der eiserne Kanzler je geprägt hat, tatsächlich auf uns zu übertragen und auszuführen, d. h. wir müssen so leben und handeln, daß wir alle Zeit mit ihm sagen können: Wir Deutsche fürchten Gott und sonst absolut nichts und niemand auf der Welt.(Stürmishes Bravo.) In diesem Sinne erhebe ich mein Glas und fordere Sie auf, mit mir auf den Hamburger Staat, den Norddeutschen Regattaverein und die Hamburg=Amerika=Linie zu trinken. Hurra, hurra, hurra!“ Donnerstag, den 25. Juni 1914. 46. Jahrgang. Politische Uebersicht. Der Kaiser in Kiel. Der Kaiser empfing gestern nachmittag nach dem Festmachen der„Hohenzollern“ an Bord den englischen Admiral und die Kommandanten der englischen Schisse zur Meldung. Ferner moldete sich Konteradmiral v. Nebeur=Paschwitz. Der Kaiser begab sich dann auf das Linienschiff „Kaiser", wo er die Mannschaft besichtigte und sich einige Zeit im Admiralsraum aufhielt, besuchte den„König Albert“ und machte dem Admiral Scheer, dem Flottenchef und Staatssekretär v. Tirpitz auf ihren Flaggschiffen Besuche. Später besuchte der Kaiser den Herzog von Arenberg auf seiner Segeljacht„Aar“, dem früheren„Meteor“. Zur Galatafel an Bord der„Hohenzollern“ waren geladen u. a.: Prinz und Prinzessin Heinrich und Prinz Waldemar, Staatssekretär Delbrück, Ministerialdirektor v. Jonlluieres, Regierungs= und Baurat Schulz, die Großadmirale v. Köster und v. Tirpitz, sowie die Admirale Ingenohl und Pohl. Die Feierlichkeiten aus Anlaß der Fertigstellung der Arbeiten am Kaiser=Wilhelm=Kanal in Gegenwart des Kaisers in Holtenau begannen mit einer Ansprache des Staatssekretärs Delbrück an den Kaiser. Er meldete dem Kaiser, daß die Großkampfschifse der Marine den Kanal fortan passieren könnten. Als vor 19 Jahren der Kaiser=WilhelmKanal dem Verkehr übergeben worden sei, habe noch niemand geahnt, daß die Entwicklung des deutschen Schiffsbaues in verhältnismäßig kurzer Zeit eine durchgreisende Erweiterung und Vervollkommnung erfordern würde, die fast einem Neubau gleichkomme. Alle Neuanlagen seien statt in acht in sieben Jahren sertig geschafsen worden, ohne daß die Betriebssicherheit des Kanals auch nur für einen Tag in Frage gestellt worden sei. Der Kanal lege Zeugnis ab von des Kaisers nie rastender Fürsorge für die Wehrhaftigkeit des Reiches und von der Opferwilligkeit des deutschen Volkes. Der Kaiser begab sich sodann an Bord der„Hohenzollern“, die aus der neuen Schleuse in den Kieler Hafen einfuhr und dabei ein quer über die Schleuse gespanntes Band durchschnitt. Aus Anlaß der Feierlichkeit wurden eine Anzahl Auszeichnungen verliehen. Im Befinden des Herzogs Georg von SachsenMeiningen ist laut„Münchn, N. N.“ eine Verschlimmerung eingetreten. Der Herzog, der mit seinen 88 Jahren der Senior aller deutschen Bundesfürsten ist, verließ mit seiner Gemahlin, der ihm morganatisch verbundenen Freifrau von Heldburg, geborenen Helene Franz, Bad Wildungen im Sonderzug und begab sich nach Schloß Altenstein bei Meiningen. Die Kur in Wildungen mußte abgebrochen werden. Rücktritt des preußischen Justizministers? Die „Tägl. Rundsch.“ nimmt von einem Gerücht Notiz, wonach die Stellung des Justizministers Beseler erschüttert sei, weil er es unterlassen habe, die sozialdemokratischen Abgeordneten, die bei dem jüngsten Kaiserhoch im Reichstag sitzen blieben, strafrechtlich verfolgen zu lassen. Das Gerücht wird sich kaum bestätigen, da sich die Aussassung des Justizministers in dieser Angelegenheit vollkommen mit der von der„Nordd Allg. Ztg.“ wiederholt dargelegten Ansicht des Reichskanzlers deckt, die dahin geht, daß in dem vorliegenden Falle ein gerichtliches Verfahren keinen Erfolg verspreche, da die Ausbringung des Kaiserhoches noch integrierender Bestandteil der Schlusitzung sei, während deren die Abgeordneten Immunität besitzen. Justizminister Beseler steht im 73. Lebensjahre und verwaltet sein jetziges Amt seit dem Jahre 1905. Justizminister Beseler bleibt im Amt. Die Meldung, daß der preußische Justizminister Dr. Beseler von seinem Posten zurücktreten werde, weil er sich einem strafrechtlichen Vorgehen gegen die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wegen ihres Verhaltens beim Kaiserhoch widersetzte, entbehrt laut „Tag“ jeder tatsächlichen Begründung.— Exzellenz Beseler begab sich auf Einladung des Kaisers zur Kieler Woche. Mit der Teilung des Reichsamtes des Innern Leschäftigen sich die Blätter aufs neue, nachdem Staatssekretär Delbrück sich genötigt gesehen hat, einen viermonatigen Erholungsurlaub anzutreten. Die Teilung wurde schon nach dem Rücktritt des Grasen Posadowsky im Sommere 1907 angeregt; Herr Delbrück erklärte jedoch, daß er das Amt als Ganzes übernehmen und leiten wolle, und so wird das Reichsamt in seiner gegenwärtigen Gestalt auch wohl als eine Einheit verwaltet werden, bis der im 59. Lebensjahre stehende Staatssekretär Delbrück einmal zurücktritt. Von der Last der Arbeit des Staatssekretärs kann man sich einen Begriff machen, wenn man bedenkt, daß das Reichsamt des Innern aus 21 Ressorts besteht, und außer dem Reichsversicherungsamt, um nur noch die wenigsten zu nennen, die Ressorts für Auswanderungs=, Schiffahrts=, Ausstellungs=, Heimatwesen umsaßt, die Reichsschulkommission, die Ausstellung füt Arbeiterwohlfahrt, Börsen, Disziplinarbehörden, Untersuchungsbehörde für Seeunfälle, die Normalaichungskommission, das Kanal=, Gesunde heits=, Patent= und Statistische Amt. Physikalische Reichsanstalt, Biologische Anstalt usw. Das Reichsschatzamt hat sich über den Wehrbeitrag von Ausländern auf Anfrage des badischen Finanzministeriums laut„Tägl. Rundsch.“ folgendermaßen geäußert: Der Wehrbeitrag ist zur Bestreitung der Kosten der Heeresvermehrung bestimmt. Diese war geboten, um die allgemeine Wehrpflicht dem Stande der Bevölkerung entsprechend auszubauen, und ist über das Maß des hiernach Ersorderlichen nicht hinausgegangen. Sie ist also weder durch Krieg noch durch andere außergewöhnliche Umstände im Sinne der Handolsverträge verursacht, entspricht vielmehr dem normalen Gange der Dinge und liegt innerhalb des Rahmens der gewöhnlichen Staatsaufgaben. Die Bezeichnung „außerordentlicher“. Wehrbeitrag bedeutet sachlich nicht anderes als eine nachdrückliche Betonung der Einmaligkeit dieser Aufgabe. Diese Darlegungen beweisen kurz und bündig die Grundlosigkeit gewisser ausländischer Proteste. Ueber die deutsch=englischen Beziehungen sprach der frühere Kolonialstaatssekretär Dernburg beim Empfang des Vereins Berliner Kausleute in der Londoner Handelskammer. Dernburg wies besonders auf die Solidarität der deutschen und englischen Interessen auf kolonialem Gebiet hin, denn der Prestigeverlust der einen Nation bei den Negern schade auch der andern. Die Beziehungen zwischen Deutschland und England seien normal geworden, beide Staaten müßten ehrliche und unabhängige Konkurrenten und Freunde bleiben. Eine Amnestie in Mecklenburg=Strelitz. Großherzog Adolf Friedrich beschloß, seine Regierung mit einem umfassenden Straferlaß einzuleiten. Die Strafvollstreckungsbehörden des Großherzogtums wurden angewiesen, bis zum 10. Juni ihre Vorschläge zu Gnadenerweisungen einzureichen. Die Amnestie, die sich namentlich auf solche Verurteilte erstrecken soll, die zu ihren Straftaten durch Not, Unbesonnenheit oder Verführung veranlaßt wurden, wird je nach Lage des Einzelfalles in einer Milderung oder in einem völligen Erlaß der verhängten Strase bestehen. Die Elsässer dienen lieber in altdeutschen Regimentern. Ein elsässischer Geistlicher weist in der „Köln. Volksztg.“ darauf hin, daß die elsässischen Rekruten viel lieber, in altdeutschen Regimentern dienten, und daß der entrüstete Protest gegen die kürzlich ergangene Verordnung, die die Einstellung in altdeutsche Regimenter allgemein machte nur eine künstliche Mache der unter nationistischem Druck stehenden Blätter sei. Das klingt durchaus glaubhaft, denn weshalb sollte den jungen Leuten nicht die Gelegenheit willkommen sein, die Fremde kennen zu lernen! Wehrsteuer und Ausländer. Rußland will die Ablehnung' seines Einspruches gegen die Heranziehung von in Deutschland ansässigen Russen zum einmaligen Wehrbeitrag durch das Auswärtige Amt zu Berlin nicht gelten lassen, sondern bereitet an dieses eine neue Vorstellung vor. Nach den bestehenden Gesetzen und Verträgen kann auch auf diese nur ein ablehnender Bescheid erfolgen. Ein schlimmer Spionagefall. Laut„Tag“ ist in Berlin der Schreiber einer höheren Festungsbehörde wegen Landesverrats festgenommen worden. Er ist geständig, Pläne an eine auswärtige Macht verraten zu haben. Es soll sich um eine östliche Festung handeln. Die Fideikommiß=Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses nahm folgenden, den Schutz bäuerlicher Besitzungen bezweckenden Antrag an: „Landwirtschaftliche Grundstücke, die bis vor dreißig Jahren eine wirtschaftlich selbständige Besitzung kleinen oder mittleren Umsanges gebildet haben oder innerhalb dieser Zeit von einer solchen abgetrennt sind, dürsen nicht zu einem Familien=Fideikommiß gewidmet werden. Die Widmung ist zulässig, wenn die Vereinigung der Grundstücke mit dem anderen zum Familien=Fideikommiß gewidmeten Grundbesitz vom gemeinschaftlichen Standpunkt nützlich ist. Se ist auch zulässig, wenn die Verringerung des kleinen oder mittleren Besitzes ausgeglichen ist oder bei der Fideikommißerrichtung ausgeglichen wird, oder wenn die Erstreckung der Fideikommißstiftung auf die Grundstücke besonderen öffentlichen Zwecken dient. Der Kreisausschuß und das Amtsgericht sind gutachtlich zu hören.“ Oesterreich= Ungarn, Das österreichisch=italienische Einvernehmen. Das halbamtliche„Fremdenblatt“ bespricht die jüngsten Ausführungen der„Tribuna“ und sagt: Die Versicherungen von der Uebereinstimmung der Ansichten der Consulta und des Ballplatzes werden in Oesterreich=Ungarn gewiß überall angenehm berühren. Wir begreifen, daß dort, wo man ein unabhängiges Albanien nicht will, die Kundgebungen mit großer Freude ausgenommen wurden, die so lauteten, als ob Oesterreich=Ungarn und Italien uneins werden müßten. Ebenso klangen jene Stimmen natürlich allen wie Musik, die immer wieder auf einen Riß im Dreibund warten. Die Wirklichkeit zerstört, wie schon so oft, alle Hoffnungen. Oesterreich=Ungarn und Italien werden auch weiterhin in Albanien einig vorgehen. Der Fürst beweise, daß die Stürme seinen Mut nicht beugen. Oesterreich=Ungarn tritt für ihn ein und findet dabei, wie sich zeigt, das Wohlwollen auch anderer Mächte. Daß diese Grundtatsachen auch in der italienischen Presse konstatiert werden, wird dazu beitragen, Mißverständnisse zu verhindern und kühne Hoffnungen innerhalb und außerhalb Albaniens niederzudrücken. Frankreich. Schaffung eines französischen Ministeriums für Nordafrika? Auf Grund des Vorschlages des Ministerpräsidenten Viviani wird der neuernannte französische Unterstaatssekretär Abel Ferry sich u. a. mit allen internationalen Fragen zu befassen haben, welche die asrikanischen Besitzungen und die Schutzgebiete Frankreichs betressen. Abel Ferry gilt insbesondere als ein guter Kenner der marokkanischen Verhältnisse. In kolonialen Kreisen hofft man, daß der Vorschlag Vivianis der erste Schritt zur Schaffung eines eigenen Ministeriums für Nordafrika sein wird, welches die Angelegenheiten von Tunis, Algerien und Marokko umfassen würde. Norwegen. Norwegische Nervosität. Jetzt, da die Nordlandreise des Kaisers wieder in Sicht ist, melden sich in norwegischen Blättern die Stimmen, die gegen den Besuch norwegischer Häfen durch deutsche Kriegsschisse protestieren, weil diese Besuche nur den Zweck hätten, die deutschen Schiffe mit den Seeverhältnissen der nordischen Küste vertraut zu machen, um letztere im Fall eines Krieges mit England zur Operationsbasis zu machen. Man muß sich wundern, daß diese Nervosität, die im Vorjahr zuweilen recht unangenehme Formen annahm, bei den sonst so kühlen Nordmännern noch nicht verflogen ist. Griechenland. Reservisten=Einberufungen in Griechenland. Zur Durchführung größerer Flottenmanöver beabsichtigt die griechische Regierung, in den nächsten Tagen die technische Marinereserve der Jahrgänge 1909—1911 und die Freiwilligen der Jahrgänge 1912—1914 einzuberusen. Portugal. Die Ministerkrise in Portugal. Bernardino Machado hat dem Präsidenten der Republit den Rücktrittsentschluß des Kabinetts mitgeteilt. Der Präsident hat ihn ersucht, ein neues Ministerium zu bilden, das ausschließlich aus Männern bestehen soll, die keiner bestimmten Richtung angehören. China. Drohender Ausbruch einer Nevolution in China. Der bekannte Revolutionär Sun Wen, der Leiter der Umsturzbewegung, ließ im ganzen Lande in Massen Flugschristen verbreiten, in denen das Volk aufgefordert wird, jede Gemeinschaft mit Juanschikai und seiner Regierung zu lösen und zu den Führern der ersten Revolution zu halten. Sun Wen verspricht, demnächst die Fahne einer neuen Revolution zu erheben und die gegenwärtige Staatsregierung mit Stumpf und Stiel auszurotten. 1. W T Aach im Sömmer gibt es in der Politik keine stille Zeit mehr. Wenn auch die Parlamente geschlossen sind und auf dem Gebiete der inneren Politik keine bedeutsamen Fragen der Entscheidung harren, so ist es draußen auf dem großen Welttheater der auswärtigen Pblitik desto lebhafter. Vor allen Dingen ist es die Entwicklung der Dinge auf dem Balkan, die albanischen Wirren und der türkisch= griechische Konflikt, welche das größte Interesse zurzeit beanspruchen. Wer über alles das, was in der weiten Welt und in der engeren Heimat, in Stadt und Land sich ereignet, schnell und zuverlässig unterrichtet sein will, der lese die 0 „Schwer Heilung (amtl. Kreisblatt fur den Kreis Hörde) welche trotz ihres reichen gediegenen Inhalts monatlich nur 60 Pf. kostet. Ein Probe=Abonnement, zu dem wir freundlichst einladen, wird jeden von der Reichhaltigkeit der „Schwerter Zeitung“ überzeugen und zu dauerndem Bezuge führen. Bestellungen werden jederzeit von unseren Boten, in der Geschäftsstelle(Große Marktstraße) und bei Herrn Ad. Neumann(Hüsingstraße) entgegengenommen. Rußland und Frankreich. Während der Balkanwirren hatten die russisch= französischen Beziehungen einen nicht unerheblichen Riß bekommen, da die beiderseitigen Interessen zum Teil recht weit auseinandergingen. In der Folgezeit ist man aber in Paris und Petersburg lebhaft bemüht gewesen, die Freundschaftsbrücke wiederherzustellen, und das Verhältnis beider Mächte hat jetzt allem Anscheine nach eine Intimität erhalten, wie sie kaum jemals zu verzeichnen war. Natürlich hat diese Liebe keineswegs einen rein platonischen Charakter, sondern beide Staaten sind eng aufeinander angewiesen. Gewiß ist England der Dritte im Bunde, aber Großbritannien ging immer gern die eigenen Wege trotz aller Freundschaften, und eben erst ist auch von Regierungsseite im Parlament erklärt worden, daß England in einen Kontinentalkrieg kaum eingreifen würde, da es keinerlei Interesse habe, daß auf dem Festlande irgendwie eine Verschiebung der Machtverhältnisse einträte. Anders ist dagegen die Stimmung namentlich in Frankreich, wo gewisse Kreise zweifellos darauf hintreiben, den Einfluß Deutschlands eventuell auch mit Kriegsgewalt zu brechen. Dazu ist man aber allein nicht imstande, man braucht da die Hilfe Rußlands und dieses hinwiederum ist nicht nur in militärischer Hinsicht auf Frankreich angewiesen, sondern braucht auch dessen Geld, um seine großen Rüstungen durchzuführen. Die mehrsachen Besuche der beiderseitigen Leiter von Heer und Marine, der Außenminister und schließlich auch der Staatshäupter selbst zeigen deutlich, daß man das Bestreben hat, dem Bündnisse eine Festigkeit zu verleihen, die sich nicht so leicht erschüttern läßt. Heer und Marine sollen in möglichst gleicher Form ausgebildet und ausgestaltet werden, um für den Ernstfall die gemeinsamen Operationen zu erleichtern. Eben weilt der russische Marineminister zu eingehenden Studienzwecken. in Frankreich, und bei dieser Gelegenheit hat es an Trinksprüchen nicht gefehlt, die den Besuch noch besonders unterstreichen. Im nächsten Monat wird sich Herr Poincaree auf den Weg machen, um der russischen Hauptstadt einen Besuch abzustatten, und während seines Ausenthaltes werden zweifellos wichtige politische Besprechungen vor sich gehen. Auch ist es wohl nicht von ungefähr, daß der Präsident der französischen Republik auf dem Rückwege seine Karte in Stockholm abgeben will Es wird zwar erklärt, es handle sich dabei lediglich um einen Akt der Höflichkeit, gleichwohl liegt es auf der Hand, daß bestimmte politische Absichten mit diesem Besuche bezweckt werden; ob sie von Erfolg sein werden, läßt sich allerdings nicht im voraus sagen. Angesichts der russisch=französischen Verbrüderung gilt es für Deutschland die Augen ofsen zu halten und hiervon nicht abzuweichen, wenn man vielleicht wieder einmal in Petersburg ein freundschaftlicheres Gesicht aufsetzt— wenn man uns braucht. Nach Ablauf des Waffenstillstandes begaben sich am Mittwoch sämtliche Minister des Fürsten Wil helm zur Lagunenbrücke, um die für dort verabredeten Verhandlungen mit den Aufständischen aufzunehmen. In Durazzo setzte man von vornherein nur geringe Hoffnungen auf das Ergebnis dieser Verhandlungen, da den Rebellen nach ihren jüngsten Erfolgen über die Fürstlichen der Kamm gewaltig geschwollen war. Während des Waffenstillstandes warfen die Rebellen auf den Höhen von Nastatt Schanzen auf. Dem Falle Elbassans folgte die Niederlage Prent Vibdodas und dessen Gefangennahme durch die Aufständischen. Der Miriditenführer wurde jedoch gegen sein Ehrenwort bald wieder freigelassen Damit scheidet Prenk Bibdoda, der immer als unsicherer Kantonist anzusehen war, für die Verteidigung der Sache des Fürsten Wilhelm vollständig aus, da er sein Ehrenwort natürlich dafür eingesetzt hat, die Rebellen nicht mehr anzugreisen. Dies Ehrenwort, die „Bessa“, hat laut„B. T.“ in Albanien eine große Bedeutung; der Bruch wird immer ohne Ausnahme mit dem Tode bestraft. Wer diese uralte Tradition kennt, weiß, daß Bibdoda ganz ausgespielt hat. Bei der Einnahme von Elbassan durch die Ausständischen siel der holländische Hauptmann Reimers in die Hände der Rebellen. Die Aufständischen erbeuteten auch zwei allerdings vorher durch Wegnahme der Verschlußstücke unbrauchbar gemachte Kanonen sowie eine Mitrailleuse.— Auch bei Fieri kam es zu einem Gefecht. Die Aufständischen erbeuteten ein Geschütz und zwei Ma schinengewehre; ein holländischer Ossizier wurde gesangen genommen, ein österreichischer Freiwilliger ist gefallen. Die Nationalisten flohen nach Valona, wo surchtbare Panik herrscht. Die Verteidigung Durazzos. Die holländischen Offiziere und Besehlshaber der albanischen Gendarmerie sowie der übrigen Streitkräfte des Fürsten, die Majore Kroon und Stuys, letzterer ist wieder eingetroffen, organisieren K die Verteidigung Durazzos. An den Schanzgräben und den Verhauen wind lebhaft gearbeitet. Das Dorngestrüpp zwischen der Stadt und den Hügeln, das jede Annäherung der Rebellen verbarg, wurde abgebrannt und ein scharser Wachdienst eingerichtet, sodaß kein Mensch sich ungesehen nähern kann. Zu den Schanzarbeiten wurden auch die ausländischen Journalisten herangezogen Die Vertreter eines Petersburger und eines Pariser Blattes, die sich weigerten, an den Befestigungen mitzuarbeiten, wurden gefangen genommen. Da ein diplomatischer Vertreter Rußlands in Albanien nicht anwesend ist, so legten die italienische, serbische und französische Gesandtschaft energischen Protest bei der Kontrollkommission ein. Diese ließ den holländischen Major Kroon vor sich kommen und schärfte ihm ein, er dürse auf keinen Fall die Kapitulationen überschreiten. Der Offizier entschuldigte sich mit der Erklärung, er hätte die Verhafteten nicht gekannt. Zahlreiche deutsche und österreichische Offiziere sind als Freiwillige in Durazzo eingetroffen. Der österreichische Baron Biegeleben, der früher österreichischer Polizeibeamter war und seit ungefähr einem Jahr in Albanien weilt, wurde zum Kontrolleur der Polizei ernannt. Albaniens Zusammenbruch wird allgemein für besiegelt erklärt. Nach der Einnahme Elbassans, der Bedrohung Valonas durch die Rebellen, nach den Niederlagen der südlichen Streitkräfte des Fürsten Wilhelm, hing alles von der Unterstützung Prenk Bibdodas von Norden her ab. Ob er sein Ehrenwort freiwillig oder nur deshalb gegeben hat, weil seine Leute sich weigerten, ihr Leben für eine aussichtslose Sache zu opfern, ist noch nicht bekannt. Fest steht nur, sosern die vorliegenden Meldungen zutreffen, daß den in Durazzo Eingeschlossenen von außen her keine Hilse mehr kommen kann. Die albanische Regierung hat auch die letzte Hoffnung, die Verteidigung Durazzos durchzuführen, ausgegeben, und die Internationale Kontrollkommission bezeichnete jeden weiteren Widerstand als Torheit. kehrk. Bekleidet war Selle, der von kräftiger gedrungener Statur war, mit hellgestreifter Hose, dunkelgestreiftem Rock und grauer Schirmmütze. Es wird angenommen, daß sich der junge Mann ins Ausland gewandt hat. Die Eltern sind über den Verbleib ihres Sohnes in großer Sorge und für zweckdienliche Angaben sehr danlbar. **(Unfall.) Auf der Hellpothstraße kam heute vormittag ein auswärtiger Invalide so unglücklich zu Fall, daß er einen Bruch der Kniescheibe erlitt. Der Verunglückte wurde ins Krankenhaus gebracht. **(Krankheits= Statistik.) In der 24. Jahreswoche vom 7. bis 13. Juni sind im Kreise Hörde (Stadt und Land) folgende Fälle von übertragbaren Krankheiten amtlich gemeldet worden: Erkrankungen an Diphtherie 15(5 Wellinghofen, je 3 Hörde, darunter 1 mit tödlichem Verlauf. Sölderholz, 2 Lücklemberg, je 1 Hombruch, Schüren), Körnerkrankheit 1(Schüren), Unterleibstyphus 2 (je 1 Hörde, Barop), Scharlach 11(4 Hörte, darunter“1 mit tödlichem Verlauf, 4 Kleinholthausen, je 1 Lücklembuerg, Barop, Sölderholz); Todesfälle durch Tuberkulose 1(Hörde), Unterleibstyphus 2 (Barop). Aus Stadt und Umgebung. *** Schwerte, 25. Juni. **(Ein heißer Sommer?) Meteorologen verkünden, daß der heurige Sommer dieselbe Hitze wie der des Jahres 1911 bringen werde. Man traut diesen Ansagen jedoch nicht mehr recht, nachdem das bisherige Wetter dieses Jahres stets eine Kette unvorhergesehener Ueberraschungen gewesen ist. **(Die Auswandsentschädigung für Familien Militärpflichtiger.) Die vom Bundesrat erlassenen Bestimmungen über die Gewährung von Aufwandsentschädigungen an Familien für im Reichsheer eingestellte Söhne werden vom Publikum vielsach irrtümlich aufgefaßt. Die Entschädigung wird nur gezahlt, wenn die einer Familie angehörenden Söhne durch Ableistung ihrer gesetzlichen zwei= oder dreijährigen Dienstpflicht als Unterossizier oder Gemeine eine Gesamtdienstzeit von sechs Jahren zurückgelegt haben, für jedes weitere Dienstjahr eines jeden seiner gesetzlichen Dienstpflicht genügenden Sohnes. Die Dienstjahre als Kapitulant, also über die gesetzliche Dienstpflicht hinaus, kommen hierbei nicht in Betracht. Die Auswandsentschädigung wird vom 1. Oktober 1913 ab gewährt, d. h es muß einer der Söhne mit diesem Tage mindestens das 7. Jahr der Gesamtdienstzeit angetreten haben, also noch aktiv dienen. Gesuche um Gewährung der Entschädigung für mehr als sechsjährige Dienstzeit von Söhnen, die Ende September 1913 ihre gesetzliche Dienstzeit bereits abgeleistet haben, können somit keine Berücksichtigung finden und sind zwecklos. Auskunft erteilt die Gemeindebehörde(Magistrat, Gemeindevorsteher) desjenigen Ortes, in dem der Berechtigte seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, **(Westfälische Frauenhilfe.) In Gelsenkirchen tagte kürzlich die Jahresversammlung der Westfälischen Frauenhilfe. Dem Begrüßungsabend, zu dem die Vertreter der Regierung, der Provinz und des Konsistoriums erschienen waren, folgte am anderen Morgen die geschlossene Mitgliederversammlung, in der Frau Pfarrer Ehrhardt(Dortmund) über die Organisation der einzelnen Frauenhilfe mit ihrer Aufgabe des Wirkens von Person zu Person sprach. In der Nachmittags=Versammlung, zu der etwa 3000 Frauen aus ganz Westsalen erschienen waren, sprach neben Generalsuperintendent Zöllner(Münster) Pfarrer Johanneswerth. Dieser erstattete den Jahresbericht, wonach 451 Vereine mit 64000 Mitgliedern und 250 000 Mark Vermögen vorhanden sind. Das Thema, Frauenhilfe und Familie, wurde von drei Rednern auf Grund der Unterthemata Frauenhilse und Kind, Frauenhilfe und Jungfrau, und Frauenhilfe und Mutter behandelt. **(Sportliche Auszeichnungen.) Den Siegern in den am 3. Mai d. J. in Schwerte stattgefundenen leichtathletischen Erstlingskämpfen, und zwar: A. Mezger,„Hektor“, Karl Twittmann, Emil Hötter, Ernst Schlünder, Emil Thomas(sämtlich vom Schwerter Sport=Klub 1906), Wilhelm Schmalz (Schwerter Turnverein), Heinrich Meister(Turnverein„Teutonia"=Westhofen) und Fritz Brinkmann(Turnverein„Eintracht"=Wisthofen) ist nachträglich die vom„Deutschen Reichsausschuß für Olympische Spiele“, gestiftete Kaiser=WilhelmPlakette verliehen worden. Wir gratulieren den Ausgezeichneten zu dieser Anerkennung ihres Strebens! **(Zum 2. Westsälischen Provinzial=Sängerbundesfest in Hagen) wird berichtet, daß nach den monatelangen Vorarheiten der einzelnen Ausschüsse das diesjährige Fest recht glänzend zu werden verspricht und sich seinem Vorgänger(Dortmund) würdig an die Seite stellen wird. Nicht nur in der Zahl der teilnehmenden Sänger(zirka 3000), sondern auch in seiner musikalischen Bedeutung tritt es weit aus dem Rahmen der bisher üblichen musikalischen Veranstaltungen heraus. Die HauptfestKonzerte, die Sonntag den 19. und Montag den 20. Juli, nachmittags, abgehalten werden, sind durchaus bedeutsame künstlerische Veranstaltungen. Als Solist ist der Kammersänger Prosessor Albert Fischer aus Sondershausen gewonnen worden. Am Abend werden große Festkommerse folgen, für die ein gewähltes Programm, Massen= und Einzelchöre, sowie Orchestervorträge des Städtischen Orchesters vorliegen. **(Versicherungsamt Schwerte.) Als Vertreter der Arbeitgeber für das neugeschaffene Versiche rungsamt Schwerte sind folgende Herren gewählt Prokurist Döpp, Prokurist Brand, Bauunternehmer Frage, Ingenieur Füllmann, Kaufmann Ernst Homel, Chemiker Karlstein, Betriebsleiter Lange, Chemiker Dr. Lewkonja, Kaufmann Mehlhose, Fabrikant Ernst Möhling, Fabrikant Otto Möhling, Fabrikant Hugo Möhling, Zimmermeister Panndorf, Fabrikant Schwerdt, Schuhmachermeister Steinschulte, Diplom=Ingenieur Schluck, Prokurist Wolf von hier, sowie Prokurist Roeber=Holzen. Die Ar beitnehmer haben zwei Vorschlagslisten eingereicht. **(Gustav=Adolf=Verein.) In Hersord sand gestern die Westfälische Provinzialversammlung des Eustav=Adolf=Vereins statt. Die von den GustauAdolf=Vereinen im bevorstehenden Lutherjahr 1917 zu sammelnden Liebesgaben sollen für die Diakonie der Auslands=Diaspora verwandt werden. Die Einnahmen des Westsälischen Hauptvereins betrugen 1913 75 625.65 Mark, die Ausgaben 71 004.38 Mark. In der Begrüßungsversammlung waren als Ehrengäste u. a. anwesend: Konsistorialpräsident von Sydow, Oberregierungsrat von Borstell als Vertreter des Regierungspräsidenten, Bürgermelster Busse, Landrat von Borries. An Geschenken wurden dem Verein u. a. von den Psarrgemeinden der Stadt Herford 3000 Mark, von den Gemeinden der Synode Herford 1300 Mark überreicht. Den vielen Glückwunsch=Rednern dankte der Vorsitzende des Verbandes, General=Superintendent D. Zöllner (Münster). (Auszeichnungen.) Dem Oberbahnhofsvorsteher Paul Petruschke und dem Schaffner Anton Nolte ist das Erinnerungszeichen für 40jährige, serner den Zugführern Otto Hegenscheid und Heinrich Voß, sowie den Weichenstellern 1. Klasse Wilhelm Brinkmann und Josef Schmitz und den Schaffnern Friedrich Köppikus und Friedrich Schreier das Erinnerungszeichen für 25jährige Dienstzeit verliehen. **(Blutvergiftung.) Die Nichtbeachtung einer kleinen Verletzung an der rechten Hand ist dem Packer Schaffstein aus der Richardstraße sehr verhängnisvoll geworden. Aus der kleinen Wunde hatte sich eine schwere Blutvergiftung entwickelt, und seit einigen Tagen befand sich der 54 Jahre alte Mann im Krankenhause. Dort verschlimmerte sich der Zustand trotz aller angewandten Mittel derartig, daß dem Aermsten gestern die Hand abgenommen werden mußte. Wieder ein Fall, der zur größten Vorsicht mahnt! *(Verschwunden) ist seit Montag der 16jährige Albert Selle von der Hörder Straße. Der junge Mann, der in Werktagskleidern war, wollte am genannten Tage seinem Vater das Mittagsessen bringen, ist aber von diesem Gange nicht zurückge** Holzen, 24. Juni.(Blitzschlag.) Während des heute nachmittag über unsere Gegend niedergehenden Gewitters traf ein Blitzstrahl auch die Giebelwand der Wirtschaft Hosang(früher Mersmann) und zündete. Durch das schnelle und energische Einschreiten der Hausbewohner und der Nachbarn wurde der Brand zwar schnell gelöscht, doch ist immerhin einiger Schaden entstanden. ** Ergste, 24. Juni.(Gesellenprüfung.) Vor dem Prüsungsausschuß der Handwerkskammer Arnsberg für das Maler= und Anstreicherhandwerk zu Iserlohn bestand der Anstreicherlehrling Ewald Kühling von hier seine Gesellenprüfung mit bestem Erfolge. Wir gratulieren! * Holzwickede, 24. Juni.(Im Dienst verunglückt.) Der Hilfsheizer Wilhelm Müllensiefen von hier hatte gestern abend auf einer Lokomotive Dienst, die einen Zug bis zum Ostberger Tunnel zu schieben hatte. Beim Block„Margarothe“ bemerkte der Lokomotivführer plötzlich, daß M. mit einer stark blutenden Kopswunde auf dem Heizerstande lehnte. Er wurde sofort in das Krankenhaus nach Unna transportiert, wo er aber bald nach seiner Einlieserung starb. Es wird angenommen, daß M. von einer offenstehenden Tür eines vorbeifahrenden Zuges getrofsen ist. Westfalen und Rheinland. Hörde, 24 Juni.(Ein frecher Ueberall) wurde gestern mittag im Brunnenkamp verübt. Ein 17jähriger junger Mann aus Hörde, der sich auf dem Heimwege befand, wurde plötzlich ohne Ursache von zwei zirka 18 Jahre alten Burschen überfallen und zu Boden geworfen. Nachdem diese ihr Opfer zunächst gewürgt hatten, wobei der eine den am Boden Liegenden fortgesetzt durch Fußtritte mißhandelte, hoben sie den fast Besinnungslosen auf, um ihn über die Einfriedigung in die Emscher zu schleudern. Im letzten Augenblick tauchte ein Schar Knaben auf, bei deren Erscheinen die jungen Rohlinge ihr Opser hinwarfen und, um nicht erkannt zu werden, flüchteten. Inzwischen ist es aber doch gelungen, die Namen zu ermitteln * Dortmund, 24. Juni.(Ein Dortmunder bei den Kämpfen um Durazzo.) In den Kriegsdepeschen aus Durazzo hieß es am Donnerstag, daß neben anderen auch Direktor Merten bei den Batterien oberhalb Durazzo stand. Dieser Merten ist, wie mitgeteilt wird, ein Dortmunder. Sein Vater war vor längeren Jahren hier Stukkateur. Merten, der früher Techniker war und dann Architekt wurde, verließ in verhältnismäßig jungen Jahren Dortmund, zog nach Magdeburg und ging von dort nach der Türkei, wo er mehrere Jahre tätig war, bis der Balkankrieg ausbrach. Im Laufe dieses Krieges wurde er, als Nichtkombattant, am Oberschenkel verwundet und von den Serben gesangen genommen, die ihn, weil er Reichsdeutscher war, nach seiner Genesung nach der Heimat entließen. Merten kam dann nach Dort mund, um mit seinem Vater zusammenzutreffen, der inzwischen amerikanischer Bürger geworden war und in Erbschaftssachen in Dortmund weilte. Von hier fuhr Merten nach Berlin, um sich für seine Entschädigungsansprüche an die türkische Regierung zu verwenden. Als guter Kenner der Balkansprachen erregte er die Aufmerksamkeit in diplomatischen Kreisen und wurde auch mit dem Fürsten zu Wied bekannt, der ihn als Dolmetscher und Direktor einer Hosabteilung mit nach Durazzo nahm. w. Hagen, 25. Juni.(Vom Diesel=Motor.) Der von der Dinglerschen Maschinen=Fabrik=Zweibrücken auf der„Igah“ ausgestellte 100pferdige Diesel=Motor findet, nicht zum wenigsten infolge des in der Festhalle gehaltenen Lichtbilder=Vortrages des Ingenieurs Drexler, ganz außergewöhnlich große Beachtung. Die liegende Bauart, wie sie von Dingler täglich in Betrieb auf der Ausstellung vorgeführt wird, stellt die letzte Entwicklung des Diesel=Motors dar. Einwände gegen die niedrige Bauart sind durch die Praxis widerlegt worden und durch die Tatsache, daß heute bereits viele mechanische Werk stätten sowohl für elektrische Lichterzeugung, wie für allgemeine Kraftzwecke mit liegenden DieselMotoren der verschiedensten Größen ausgerüstet sind und mit dieser Maschinengattung die besten Nr. 146. Beilage. Donnerstag, 25. Juni 1914. Schwerter-Zeilling. Amtliches Kreisblatt. Der Uebergang nach Alsen. Einzig in der ganzen neueren deutschen Kriegsgeschichte ist der vor 50 Jahren in der Nacht vom 28. zum 29. Juni 1864 erfolgte Uebergang der preuFischen Truppen nach der Insel Alsen und die Eroberung dieses Eilandes, womit der deutsch=dänische Krieg von 1864 seinen Abschluß erreichte. Am 18. April 1864 waren die Düppeler Schanzen mit Sturm genommen, aber die sich daran knüpsenden langen Friedensverhandlungen blieben erfolglos. Die Dänen behaupteten noch die an der Ostküste von Schleswig=Holstein gelegene, stark besetzte und befestigte, neunzehn Kilometer lange Insel Alsen, die vom Festland durch den im Norden vier Kilometer breiten, im Süden sehr schmalen Alsensund getrennt ist. Sie glaubten, diese Insel halten zu können, da auf feindlicher Seite keine Kriegsschisse von Bedeutng vorhanden waren, und sich eine Bootsslottille von den zahlreichen eigenen Geschützen leicht hätte zusammenschießen lassen. Die Preußen, etwa 16000 Mann stark, wurden vom General Herwarth von Bittenfeld befehligt, dem ursprünglich an dieser„Wassergeschichte“ wenig gelegen war. Als der geistige Urheber des Wagestücks ist der Generalstabschef von Blumenthal, der nachmalige Feldmarschall, anzusehen, der dem Chef des Großen Generalstabes in Berlin, dem Freiherrn von Moltke, direkt seinen Plan unterbreitete. Auf Moltkes Veranlassung bekam dann Herwarth von Bittenfeld den direkten Befehl, die Insel wegzunehmen, und so mußte der Angriff unternommen werden. Auf vier Stellen sollte der Uebergang gewagt werden, für den nahe an 200 Boote und Pontons zusammengebracht waren. Moltke war selbst zugegen; seelenruhig spielte er am Abend vorher seine Partie Whist. Das bei der starken Artillerie=Besatzung der Insel gefährliche Stück wurde durch die übergroße Zuversicht des dänischen Befehlshabers Generals Steinmann, der über 11000 Mann verfügte, und durch das Wetter begünstigt. Im Gegensatz zu den sonst im Sommer sehr hellen Nächten war die zum 29. Juni dunkel, so daß ein Ueberblick über den Sund nicht möglich war. Um in die Bootze zu gelangen, mußten die Mannschaften vielfach im Wasser waten, wobei sie alle Sorgfalt darauf verwenden mußten, die Patronen trocken zu halten. Um 1 Uhr früh trat vom Satruper Holz, gegenüber dem Norden der Insel, die erste Bootslottille ihre Fahrt an; die Füsiliere des 64. Regiments waren an der Spitze und landeten zehn Minuten nach zwei Uhr auf der Insel. Auch hier mußte der Rest des Weges im Wasser durchwatet werden. Ein paar hundert Schritte von der Küste entfernt war in einem Boot ein Gewehr losgegangen und hatte die Dänen alarmiert, die aus ihrer schweren Rönhof=Batterie und aus den Küsten=Geschützen sofort das Feuer eröffneten. Das eine Füsilier=Bataillon hatte in der ersten Stunde einen sehr schweren Stand, zumal bei der herrschenden Dunkelheit die deutschen Geschütze auf der anderen Seite des Sundes nicht eingreisen konnten, weil sie befürchten mußten, die eigenen Leute zu treffen. Dann aber landeten die Kolonnen auch an den anderen Uebergangspunkten, und bei grauendem Tage nahmen die preußischen Geschütze das Feuer auf. Nach vier Uhr früh waren die ersten Kanonen nach Alsen hinübergeschafft, die nun den dänischen antworteten. Zum Glück wurden nur wenige mit Truppen besetzte Boote von feindlichen Kugeln zerstört. Naß wie die Katzen kamen die Angriffskolonnen ans Land, um sich dann sofort auf den Gegner zu stürzen, der seine Stellungen durch Verhaue und Zäune nach Kräften unwegsam gemacht hatte. In wütendem Handgemenge mußten die Angreifer sich halten, bis es ihnen nach und nach gelang, Terrain zu gewinnen und den Feind nach Süden zurückzudrängen. Auch das vielgenannte dänische Panzerschiff„Nolf Krake“ mischte sich in den Kampf ein, mußte sich aber bald, da nun die gesamten, am Westuser des Sundes gelegenen preußischen schweren Batterien ein vernichtendes Kreuzfeuer eröffneten, zurückziehen. Zu einem wütenden Gefecht kam es bei dem Orte Kjär und in seiner Umgebung, wo die Dänen zu einem energischen Gegenstoß eingesetzt und sich äußerst tapfer geschlagen hatten. Aber aller Heldenmut konnte das Verhängnis nicht aushalten, die nächtliche Ueberraschung war im ganzen doch zu gut gelungen, als daß sie hätte wettgemacht werden können. Der zu siegesgewisse dänische General Steinmann mußte sich überzeugen, daß die Insel Alsen von ihm nicht mehr behauptet werden könne, und um 6 Uhr früh depeschierte er an das Hauptquartier nach der Insol Fünen, daß Alsen verloren sei, und bat um Schisse, seine Truppen forttransportieren zu können. Bald darauf drangen die Sieger so schnell vor, daß die Dänen das große Barackenlager bei Uelkebüll in Brand setzten, um seinen Inhalt nicht in die Hände des Feindes sallen zu lassen, der auf seinem Vormarsche schon zahlreiche Gesangene gemacht hatte. Mehrere Kriegsschiffe eröffneten von der Augustenburger Föhrde noch ein Geschützfeuer, konnten aber nichts mehr ausrichten. In der elften Vormittagsstunde erlosch die Blutarbeit; die starke Festung Sonderburg, die von den Dänen geräumt und von ihren meisten Bewohnern verlassen war, brannte an verschiedenen Stellen. Ihre Besatzung zog sich mit den übrigen Resten der dänischen Regimenter nach Kekenis an der Südküste von Alsen zurück, wo sie die Transportschisse bestiegen, welche sie nach Fünen trugen. Die Einschiffung erfolgte unter dem Schutze der schweren dänischen Schiffsgeschütze und Landbatterien. Der preußische Verlust war geringer, als die Sieger selbst ansänglich angenommen hatten; er betrug etwa 33 Offiziere und 340 Mann. Die Dänen hatten mit den Gefangenen an 4000 Mann verloren, dazu weit über hundert Geschütze und viel Kriegsmaterial. Dieser Wasserkampf, der von den Landtruppen so ruhmreich ausgeführt worden war, machte dem Feldzuge ein Ende. Im späteren Frieden ward Schleswig=Holstein der gemeinsamen Verwaltung der beiden Staaten Oesterreich und Preußen, die zusammen den Krieg geführt hatten, übergeben. Dieser Zustand dauerte bis 1866, wo der Feldmarschalleutnant von Gablenz, der noch im gleichen Sommer mit der preußischen Garde bei Trautenau in Böhmen ein heftiges Gefecht bestand, mit seinen Oesterreichern das meerumschlungene Land, das uns die Kaiserin Auguste Viktoria geschenkt hat, verließ. Die Thronansprüche des Herzogs von Augustenburg, des Vaters der heutigen Kaiserin, wurden nicht aufrecht gehalten, Schleswig=Holstein ist mit Preußen vereinigt. Ende der Woche und nächsten Sonntag werden die Veteranen von Alsen zur Gedenkfeier auf der Insel vereint sein. und Rheinland. * Dortmund, 24. Juni.(Bestrafte Diebe.) Die hiesige Strafkammer verurteilte wegen Diebstahls den Elektrotechniker Albert Cummerow von hier zu zwei Jahren fünf Monaten Zuchthaus, fünf Der Kampf um das Mazorat. Roman von Ewald Ang. König. 44 „Das kann ich von mir gerade nicht behaupten, lachte Dagobert. „Ja, lieber Freund, Sie können auch noch nicht über Ihr Vermögen frei verfügen, scherzte der Graf. „Ich habe mir drüben genug erworben, um, wenn es sein müßte, auf mein Erbe verzichten zu können.“ Dagobert hatte sein Frühstück beendet und stand nun von seinem Sitz auf, um sich zu verabschieden. „Ich will Sie nicht zurückhalten,“ sagte der Graf, den Handdruck erwidernd,„wann sehen wir uns wieder „Bin ich Ihnen nicht Revauche schuldig?“ „Damit eilt es nicht. „Wenn es Ihnen genehm ist, heute abend.“ „Ich werde Sie gern erwarten. Wir sonpieren hier—“. Dagobert war verstimmt, als er die Treppe hinunterstieg, die Verpflichtung, im Kartenspiel Revanche geben zu müssen, ärgerte ihn. Er erinnerte sich dunkel, daß er am Abend vorher viel verloren hatte, und wenn er sich auch sagen mußte, daß das Benehmen des Grafen in jeder Weise nobel gewesen war, so drückte ihn doch der Gedanke, der Schuldner dieses Mannes geblieben zu sein. Er hätte ihm lieber das Geld gezahlt, nun war er durch Verpflichtungen an ihn gekettet, sein Vorsatz, dem Hasardspiel fernzubleiben, wurde dadurch über den Haufen geworfen. Im übrigen mißfiel ihm der Graf nicht, im Gegenteil, er hatte einen durchaus günstigen Eindruck auf ihn gemacht, er glaubte, auf die Freundschaft dieses Edelmannes stolz sein zu dürfen. In dem Gasthause angelangt, in dem sein Pferd stand, schwang er sich in den Sattel, langsam und in Gedanken versunken schlug er den Heimweg an. Und dann gedachte er auch Röschens, die er gestern nicht gesehen hatte und zu der sein Herz ihn unwiderstehlich hinzog. Er hatte schon manche Stunde in der Waldeinsamkeit mit ihr verplandert, ihr reiches Wissen, ihre Gemütstiefe, ihr einfaches, natürliches und dennoch aristokratisches Wesen bewundert, ihr schönes Bild war seinem Herzen tief eingeprägt, und er wußte, daß auch sie ihn gerne kommen sah. Das Rollen eines Wagens weckte ihn aus seinen Träumen, im nächsten Augenblick rief eine bekannte Stimme seinen Namen. Es war der Rittmeister von Schwind, der im offenen Wagen mit seiner Tochter nach Eichenhorst fuhr, um der Einladung der Baronin Folge zu leisteiz Der alte, joviale Herr lächelte geheimnisvoll, als er Dagobert, der jetzt neben ihm ritt, die Hand reichte. „Sie waren gestern abend im Ratskeller, sahen mich aber nicht, sagte er, und es klang wie leise Ironie aus dem Tone, den er auschlug, heraus. „Es war wohl ein sehr fideler Abend?“ „Ich kann es nicht behaupten, erwiderte Dagobert, den diese Frage peinlich berührte,„wir gingen in den Pariser Hof, und ich fühlte mich nach dem Souper so ermüdet, daß ich vorzog, dort zu übernachten. „Darf man fragen, wer der Herr ist, der Sie begleitete?“ „Graf Morray aus Ungarn.“ Der Rittmeister blickte gedankenvoll in die Ferne hinaus und ließ den Schnurrbart einige Mal durch die Finger gleiten. „Er hat auf mich keinen guten Eindruck gemacht," sagte er. Befremdet schaute Dagobert, der unterdessen mit Leontine sich unterhalten hatte, den Rittmeister an Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht, den Klempner Ludwig Lipke zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis, und wegen Hehlerei den Anstreicher Josef Hollenbach zu acht Monaten Gesängnis und den Arbeiter Josef Gerwing zu einem Monat Gesängnis und die geschäftslose Hulda Reese zu zwei Wochen Haft. Die ersteren Angeklagten hatten eine Reihe von Mansarden=Diebstählen ausgeführt. * Bochum, 24. Juni.(Tödliche Grubenunfälle.) Auf dem neuen Schacht der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser“ in Hamborn riß in der Morgenschicht das Seil eines Förderkorbes Der Korb sauste in den Schacht, durchschlug zwei Gerüste und erschlug den auf dem letzten Gerüst arbeitenden Bergmann Boruta.— In dem Grubenbetriebe der Zeche„Mansfeld“ wurde der Bergarbeiter Heinrich Ziegler von einem in den Schacht hinabsallenden Grubenholz getrossen. Dem unglücklichen Knappen wurde der Schädel gespalten, so daß der Mann sofort tot war. * Bochum, 24. Juni.(Aus Unvorsichtigkeit erschossen) hat sich hier die Frau des Gerichtssekretärs Engel. Sie wollte mehreren Freundinnen, die bei ihr zu Besuch weilten, den Mechanismus des Revolvers erklären. Hierbei entlud sich die Wasse. Die Kugel drang der Frau in die Schläse. Sie starb auf dem Wege zum Krankenhause, * Siegen, 24. Juni.(Ueberfahren und getötet.) Auf dem Bahnhose Niedersseld wurde die Witwe des Grubenverwalters Nix überfahren und getötet. Die 68jährige Frau stand bereits auf der Plattform des Wagens und versuchte die Tür zu öffnen, als sie durch den beim Anziehen des Wagens entstehenden Ruck herabgeschleudert wurde. Sie siel auf die Schienen, und die Räder gingen über sie hinweg. * Vlotho, 24. Juni.(Schwerer Verlust.) Einem Handwerksmeister aus Usseln, der mit der Bahn nach Vlotho suhr, ist während der Fahrt eine Brieftasche mit 8000 Mark Inhalt in Banknoten abhanden gekommen Der Verlust wurde erst bemerkt, als der Betressende sein Geld auf der Gewerbebank einzahlen wollte. * Duisburg, 24. Juni.(Giftige Gase.) Auf einem Werke wurde der verheiratete Arbeiter Laux und der Italiener Korti in einem Schacht tot aufgesunden. Die Leute haben den Schacht entgegen einem Verbot der Firma betreten, sind durch gistige Gase betäubt worden und erstickt. Sofort angestellte Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. * Düsseldorf, 24. Juni.(Wegen Münzverbrechens) wurde der Schlosser Franz Hillebrand verhaftet. Er hatte falsche Zweimarkstücke mit dem Bildnis des Kaisers, dem Münzzeichen A und der Jahreszahl 1911, von denen er in der letzten Zeit in verschiedenen Städten salsche Stücke verausgabt hatte und außerdem Zehnpfennigstücke nachgemacht. Die Formen und auch Zinn und Blei wurden in seiner Wohnung gesunden. * Düsseldorf, 23. Juni.(Den Tod durch Ueberfahren) erlitt ein 13jähriges Mädchen, das auf der Kölner Straße unter ein Lastfuhrwerk geriet. Die Pferde traten das Kind auf den Kopf, wodurch das bedauernswerte Geschöpf einen Schädelbruch erlitt. Im Krankenhause gab es seinen Geist auf. * Düsseldorf, 24. Juni.(Wegen Einbruches in die katholische Kirche) zu Unterrath wurden zwei junge Burschen, der Metzger Baumeister und der Kellner Denicke verhaftet. Auch der Silberschmelzer Nau ist in Untersuchungshaft genommen worden, der im Verdacht steht, die gestohlenen vier Kelche eingeschmolzen zu haben. 26 Pfund schwere Silberbarren wurden bei ihm beschlagnahmt. * Düsseldorf, 24. Juni.(Dreifaches Gnadengesuch für den Mörder Faßbender.) Für den dem Todesurteil verfallenen 18jährigen Mörder Faßbender ist ein dreisaches Gnadengesuch an den Kaiser gerichtet worden, daß von dem Verurteilten, von den Geschworenen und den Eltern des Mörders verfaßt wurde. Der Erzbischof von Köln hat das Gnadengesuch befürwortet und unterzeichnet. Die Verurteilung Faßbenders erfolgte bekanntlich infolge eines Indizienbeweises. * Wesel, 24. Juni.(Eine Mädchenhändlerin) wurde hier am Bahnhof von dem hiesigen Polizeiinspektor festgenommen. Die Frauensperson führte ein junges Mädchen aus Lehe mit sich. Sie hatte zwei Fahrkarten nach Antwerpen. Die Ermittelungen der Polizei ergaben, daß das Mädchen von seinem Dienstherrn tätlich beleidigt worden war. Er hatte die Frau beaustragt, das Mädchen ins Ausland zu verschlappen. Die Frau sitzt bereits hinter Schloß und Riegel; gegen den Dienstherrn wurde ein Haftbefehl erlassen. * Rees, 23. Juni.(Sechzehn Kühe vom Blitz erschlagen.) Auf einer Weide bei Calcar wurden sechzehn Kühe vom Blitz erschlagen. Die Tiere lagen zusammen längs der Einfriedigung, was vermuten läßt, daß der Blitz den Eisendraht getroffen hat und dann auf die Tiere übergesprungen ist. * Mörs, 24. Juni.(Durch Kaffee verbrüht.) In einem unbewachten Augenblicke trank das zweijährige Kind eines Bergmanns aus einer Kanne glühend heißen Kaffee und verbrannte sich dadurch die inneren Organe derart, daß der Tod alsbald eintrat. * Hönningen(Rhein), 23. Juni.(Verbrechen?) Aus dem Rhein wurde die Leiche eines etwa zwölf Jahre alten Knaben gezogen. Die Beine der Leiche waren mit einem Draht zusammengebunden; auch wiesen Kopf und Rücken Verletzungen auf, so daß man glaubt, der Knabe sei einem Verbrechen zum Opfer gesallen. * Köln, 24. Juni.(Ein großer Prozeß) begann gestern vormittag vor der Kölner Strafkammer. Es sind angeklagt Metzgermeister Hrch. Wiesdorf und seine Ehefrau, die Ehefrau Martha Marx, Metzgermeister Kidua, Metzgermeister Nantz, Viehhändler Keusch=Düren, Metzgermeister SalmMariaweiler. Während die beiden letzten Angeklagten beschuldigt sind, kranke, teilweise sogar tuberkulöse Kühe aufgekauft und in den Handel gebracht zu haben, werden die fünf ersten Angeklagten beschuldigt, vorsätzlich Hackfleisch und Wurstwaren hergestellt und verkauft zu haben, deren Genuß geeignet war, die Gesundheit zu schädigen. Wie die Anklageschrift des Staatsanwalts, die 226 Seiten umfaßt, besagt, sind 158 Erkrankungen erfolgt. Die Erkrankungen verliefen meist leicht, doch waren auch schwere Fälle zu verzeichnen, wovon zwei mit dem Tode ensdeten. Es sind 38 Sachrerständige und 247 Zeugen geladen. Für die Verhandlungen sind drei Wochen angesetzt. * Krefeld, 23. Juni.(Wegen Beleidigungverurteilt.) Vor dem hiesigen Schöffengericht wurde in mehrstündiger Sitzung ein Beleidigungsprozeß verhandelt, den der Essener Großindustrielle Kommerzienrat Dr. Karl Goldschmidt gegen den Chemiker Dr. Karl von der Linde wegen Beleidigung angestrengt hat. von der Linde hatte bei einem telephonischen Gespräch mit dem Chemiker Dr. Brandenburg in Kempen geäußert: Dr. Gold„Was finden Sie denn an ihm auszusetzen?“ fragte er. liegt in seinem Blick etwas, das mir nicht gefällt; ich glaube, er hat keinen aufrichtigen Charakter.“ „So rasch darf man nicht urteilen,“ sagte Dagobert, der sich sofort derselben Erklärung Theodorens erinnerte;„ich war den ganzen gestrigen Tag mit ihm zusammen und habe gefunden, daß er nicht nur ein liebenswürdiger Gesellschafter, sondern auch jeder Zoll ein Edelmann ist. „Nun, ich kann mich ja irren, erwiderte der alte Herr achselzuckend,„im allgemeinen gebe ich viel auf den ersten Eindruck, und als ein alter Mann, der stets mit offenen Augen um sich blickte, habe ich manche Erfahrung gemacht.“ „Der erste Eindruck täuscht oft,“ sagte Leontine, der die Wolken auf der Stirne Dagoberts nicht entgingen,„der Herr Baron wird nicht so unvorsichtig sein, sich innig an einen Menschen anzuschließen, bevor er ihn geprüft hat.“ „Ich danke Ihnen, gnädiges Fräulein,“ erwiderte Dagobert,„in der Tat, diese Unvorsichtigkeit werde ich nicht begehen. „Verzeihen Sie, wenn ich als alter treuer Freund Ihrer Mama Sie an die Vergangenheit erinnere. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß man auch heute wieder einen Versucher Ihnen zur Seite gibt, um Sie auf Wege zu führen, auf denen Sie Ihr Erbe verlieren können! Denken Sie an die Bestimmung des Familienstatuts, sobald ein Makel auf Ihrer Ehre ruht, bleiben Sie von der Erbfolge ausgeschlossen. Ich weiß nicht, ob meine Befürchtungen begründet sind, aber ich betrachte es als Freundespflicht, Sie zu warnen.“ Dagobert konnte dem alten Herrn wegen dieser Warnung nicht zürnen, die er jedem andern als persönliche Beleidigung angerechnet haben würde. Weshalb hatte Graf Morray ihm die Zigarre gegeben, die seine Sinne betäubte? Hatte er diese Wirkung vorausgekannt und beabsichtigte Weshalb hatte er ihn zum Spiel aufgefordert? Ihm erschien das alles jetzt in einem ganz andern Lichte. Aber sein Verdacht erhielt doch wieder einen Stoß durch die Erinnerung daran, daß Graf Morray sich geweigert hatte, den Gewinn in Empfang zu nehmen. Oder war es dabei nur auf die Revanche abgesehen, die den Spielteufel wieder in ihm wecken sollte? Er preßte die Unterlippe zwischen die Zähne, starr ruhte sein Blick auf dem Herrenhause, das in der Ferne sichtbar wurde. „Sie sind so still geworden,“ sagte der Rittmeister,„hat meine Warnung Sie verletzt?“ „Im Gegenteil, ich bin Ihnen dankbar dafür, wenn ich auch jetzt noch nicht an Ihre Begründung glauben kann, erwiderte Dagobert mit erzwungener Ruhe.„Um eins bitte ich Sie, sagen Sie Mama nichts von Ihren Befürchtungen, sie würde sich beunruhigen. Ich habe ja drüben auch meine Erfahrungen gemacht, so leichtgläubig wie in meiner Jugend bin ich nicht mehr, ich werde ernst prüfen, bevor ich dem Grafen volles Vertrauen schenke. Der Wagen hielt, Dagobert stieg aus dem Sattel und übergab sein Pferd dem Kutscher, dann führte er selbst die Gäste in den Flügel des Hauses, den seine Mutter bewohnte. Baronin Adelgunde empfing die kleine Gesellschaft in ihrem Bondoir, Dagobert entfernte sich bald darauf wieder, um für ein Frühstück Sorge zu tragen. Auf diesem Wege begegnete ihm Theodore, sie fragte ihn nach dem Namen des schönen Mädchens, das sie im Wagen flüchtig gesehen hatte. „Leontine von Schwind,“ erwiderte Dagobert, „eine sehr liebenswürdige junge Dame, Du würdest vielleicht eine Freundin gewinnen, wenn Due ihre Bekanntschaft machen wolltest." 214,16 „Sehr gern, aber da ich von Deiner Mutter nicht eingeladen bin, kann ich nicht in ihre Wohnung kommen. Seiso gut und führe das Fräulein in den Park, ich werde in einer halben Stunde dort sein. schmidt habe ein salsches Gutachten abgegeben. Tatsache ist, daß eine diesbezügliche Anzeige in allen Instanzen als unbegründet zurückgewiesen worden ist. von der Linde wurde wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 1000 Mark verurteilt. * Aachen, 24. Juni.(Straßenräuber.) Das Schwurgericht verurteilte den Fuhrknecht und Handlanger Wilhelm Braunleder aus Düren wogen Straßenraubes zu fünf Jahren Zuchthaus. Vraunleder hatte in Düren einem Viehwärter mit Gewalt Uhr und Kette abgenommen. Die Kieler Woche die heute ihren Anfang nimmt, bringt dem größten Kriegshafen Deutschlands das gewohnte glänzende Bild. Es ist ein prächtiger Anblick, die Masse der einheimischen und fremden Jachten, es sind dies mal 94, beieinander zu sehen, ein noch prächtigeret, die schlanken Fahrzeuge mit ihren blendendweißen Segeln, elegant geneigt, dahinailen zu sehen. Es ist ein schöner Sport, das Segeln, der zur Kaltblütigkeit und genauen Beobachtung erzieht, denn mit dem Setzen der Segel ist es nicht getan, die Kenntnis von den Launen des Windes und ihrer Ausnutzung ist eine Wissenschaft, aber eine sehr komplizierte. Der internationale Charakter der Kieler Woche ist in diesem Jahre stärker als sonst betont. Gemeldet sind: drei englische, drei norwegische, zwei schwedische, zwei finnische, eine russische, vier dänische und zwei belgische Jachten. Im vorigen Jahre waren nur elf fremdländische Segler erschienen. Eine besondere Note erhält die Kieler Woche diesmal dadurch, daß ein englisches KriegsschiffGeschwader zu Besuch kommt. Die Stadt Kiel will sichs etwas kosten lassen und hat eine stattliche Summe für den Empfang und die Bewirtung der englischen Gäste vorgesehen. Englische und deutsche Matrosen vertragen sich gut; als 1905 der englische Flottenbesuch in Swinemünde zu verzeichnen war. gab es manche Brüderschaft zwischen unsern Blau jacken und und den englischen Tommies, zwischen unseren schmucken Seekadetten und den„midshipmen“, die der Engländer kosend„little middies“ nennt. Auch Englands Minister des Auswärtigen Erey wird zur kaiserlichen Tasel erwartet. Der Kaiser liebt es, zur Kieler Woche sowohl politisch bedeutende Männer, als auch seine persönlichen Freunde um sich zu haben. Der Reichskanzler ist anwesend, natürlich auch unser FlottenMoltke v Tirpitz. Von London kommt Botschafter Fürst Lichnowski, um als Gast des Kaisers an der Kieler Woche teilzunehmen. Unter den amerikaischen Freunden des Kaisers sticht der Millionär und Wirtschaftspolitiker Mister Allison Armour hervor, den seine Landsleute wegen seiner freundschaftlichen Beziehungen zum deutschen Kaiser scherzhaft„Mister Allison von Armour“ nennen. — Bunte Chronik. )( Eigenartige Unfälle. Auf einem Berliner Wochenmarkt ereignete es sich, daß in der Markttasche einer Frau ein Revolver losging, durch die Kugel wurde ein junges Mädchen leicht verletzt. Die Frau gab an, sie trage immer einen geladenen Revolver in der Markttasche!— Bei Lignon in Frankreich kampierten Soldaten während einer Uebung im Freien. Die Gewehre mit aufgepflanzten Bajonetten lagen neben ihnen. Ein Soldat wälzt sich im Schlaf so unglücklich auf eines der Bajonette, daß es ihn durchbohrte. ) Sieben Häuser für 100 Mark! In Gotha hatte die Stadtverwaltung zum Zweck der Stadterweiterung sieben Häuser angekauft, und den Abbruch öffentlich ausgeboten. Für sämtliche sieben Häuser wurde ein Gebot von 100 Mark abgegeben, und dieses Gebot, das einzige, das abgegeben wurde, dürste auch den Zuschlag erhalten. Der Abbruchsunternehmer weist darauf hin, daß es sich um alte, vollkommen baufällige Häuser handelt, deren Holz nur noch Brennwert hat. Fenster und Türen sind gleichfalls vollkommen veraltet und nicht mehr zu verwenden. ) Das Abenteuer mit dem Eisberg. Bei den Neufundland=Bänken war es, so berichtet der Kapitän des englischen Dampfers„Isle of Mull“, wo er nachts in dichten Nebel geraten sei. Er habe den üblichen fünf Sekunden langen Nebelhornruf ertönen lassen, geglaubt, einen anderen Dampfer anworten zu hören und sein Schiff angehalten. Kurz darauf sei das Nebelhorn wieder in Tätigkeit gesetzt worden. Dieses Mal habe er die Antwort ganz nahe bei Steuerbord erhalten. Er habe darauf die Pseise ertönen lassen; der Pfiff sei wiederholt worden. Erst als es nochmals pfiff, sei es ihm klar geworden, daß er sich in der Nachbarschaft eines Eisberges befand. Schnell sei er südwärts gesteuert und habe sich so in Sicherheit gebracht )( Eine Mordgesellschaft. Ein in Neuyork auf dem elektrischen Stuhl hingerichteter Verbrecher gestand kurz vor seinem Ende, das Haupt einer Mörderbande gewesen zu sein, die nicht etwa aus eigennützigen Motiven, sondern lediglich aus Lust am Morden eine Anzahl von Menschen in den Vereinigten Staaten umgebracht habe. Die Bande hatte sehr viele Mitglieder. Fast erinnert dieser Fall an die Pariser Gistmordepidemie aus dem 17. Jahrhundert, in der eine Mördergesellschaft, die sogar hochgestellte Persönlichkeiten des königlichen Hofes in ihren Reihen zählte, hunderte von Menschen, besonders Kinder, durch Gist ums Leben brachte, gleichfalls aus reiner Lust am Mord. Diese Epidemie, eng verquickt mit den Satans=Messen in Pariser Kirchen, ist mit das dunkelste Kapitel aus der Geschichte der französischen Hauptstadt. Einbruchsdiebstahlsversicherung. Eine solche Versicherung hat oft eine unangenehme Enttäuschung bereitet, wenn Barwerte oder Schmucksachen aus verschlossenen Behältnissen mittels der richtigen Schlüssel gestohlen wurden, wenn die telegraphische Schadenanmeldung übersehen worden ist, die versicherten Sachen in andere Räume verbracht wurden oder Neuanschaffungen erfolgten und eine Benachrichtigung der Versicherungsgesellschaft unterblieben war. Deshalb ist es zu begrüßen, daß das Kaiserliche Aussichtsamt für Privatversicherung kürzlich der Stuttgarter Mit= und Rückversicherungs=Aktienge= sellschaft neue Versicherungsbedingungen genehmigt hat, durch welche diese Mängel behoben sind und darüber hinaus weitere Verbesserungen zu Gunsten der Versicherungsnehmer zur Einführung gelangen. Angesichts der bevorstehenden Reisezeit, welche besondere Veranlassung zum Abschluß einer Einbruchsdiebstahlsversicherung bietet, dürfte dies von allgemeinem Interesse sein. Remscheids Handel— wohlbekannt Auf dem ganzen Erdenrund; Remscheids Reiz im Berg'schen Land Tue dieses Büchlein kund: Remscheid, Müngsten, Burg, Talsperre. Kleiner Führer mit drei Karten und vier Seiten Illustrationen, auf Veranlassung des Remscheider Verkehrsund Verschönerungs=Vereins herausgegeben von Prof. Hohlstein. Ladenpreis: 20 Pf., Porto 5 Pf. Düsseldorf 1914: Lesch& Irmer=Verlag(E. Schaffnit Nachfolger). Zu beziehen vom Remscheider Verkehrs= und Verschönerungs=Verein. Bilder ans der Federzeichnungen von W. Oschmann=Bochum. An(Nachdruck verboten.) Herbede und Heven. * Wer das Ruhrtal in seiner stillen Schönheit gegießen will, ohne die Brennpunkte werktätigen Lebens und Lärmens allzuweit hinter sich zu lassen, dem mögen zrbede und Heven, die beiden freundlichen Kunde haben. In der von ihm benutzten Quelle heißt! es darüber:„Da bis in die Zeit der Karolinger Westfalen im Ganzen für die Außenwelt eine Terra incognita war, so sind sowohl die römischen als auch die fränkischen Schriftsteller sehr karg in ihren Mitteilungen über westfälische Lokalitäten. Herbede wird aber schon in einem Werke aus dem Anfange des 9. Jahrhunderts erwähnt. Damals wurden die Gebeine des heiligen Vitus von St. Denys in Frankreich nach Corvey gebracht. Unter dem Volke, welches bei dieser Veranlassung von allen Seiten aus Westfalen burg damit belehnt. Nach der Bestätigungsbulle des Papstes Innocenz III. vom Jahre 1207 besaß die Abtei Deutz die dem hl. Vitus geweihte Kirche zu Herebedde. Darpe vermerkt, daß sich in Herbede ein Freistuhl befand, welcher wohl ursprünglich zur Freigrafschaft Bochum, dann zur freien krummen Grafschaft des Grafen von Limburg gehörte und 1387 von diesem dem Grafen Adolf IV. von Cleve=Mark verpfändet wurde. Der Freistuhl stand„vur der bruggen to Herbede in dem gherychte to Herbede“. Alte Rittersitze waren außer dem Hause Herbede das Haus den Dörnen“ und das Haus„op dem Dicke". Herbeder Mark, welche Holz und Mast umfaßte, wurde namens der„Erben der Mark“ von zwölf Hofesleuten beaufsichtigt. 11 Im Wittener Museum werden interessante urkunden aufbewahrt, die über Hofesverträge und Eidesleistungen in alter Zeit Aufschluß geben. Ein Hofesvertrag aus dem Jahre 1568 verbreitet sich sehr ausführlich über Erbteilung, Wechselung, Heergeweide, Landgewinn, Herbst= und Maybedde, SchultenSchweine, Anstellung des Hofesrichters, Mist= und Holzfuhren, Schlachthofföhren, usw. Die Hofesleute zu Herbede hatten folgenden„Aydt“ zu schwören: „Ich gelobe und schwere zu Gott und seinem hochheiligen Wort, daß ich unserem Allerggädzgsen Könige und Herren, alß deß Hofes zu Herkere Erhlherrn, fort(ferner) dem Gerichtsherrn zu Herbede als Hofes schultheißen desselben Hofes, auch dem Hofesrichter und fort dem Sämptlichen Hof treue und hold sein will, des Hofes Rechten zu folgen, zu halten und vertheidigen, nach meinem Vermögen dem Hof helfen rathen und im allerbesten beständig sein, auch den schaden nach Vermögen helfen kehren, und alles Recht helfen stärken, sodan alle Dinge und pflichte helfen verrichten, damit der Hof meinerseits in keinen untergang gerathen möge, alles mit in Macht vorhochgemlt. unseres Allergnädigsten Herren alß tales vom sogenannten Einbäumchen aus. Die Hauptverkehrsader bildet die schon an anderer Stelle erwähnte Blankenstein=Crengeldanzer Kunststraße, die Herbede längswegs durchläuft und östlich über eine feste Holzbrücke zur anderen Seite der Ruhr hinüberleitet. Ein biederer Brückenwart sorgt 9e.gu dafür, daß Wagen, Roß und Reisige kein uberstaff## Kupfer vom einen Ufer zum andern zu brauchen, wie denn die Erhebung des Brückenzolles an der Ruhr auch anderwärts noch gang und gäbe ist. In früheren Jahren ist die Herbeder Brücke, über deren Bestehen schon aus dem Jahre 1387 Nachrichten vorliegen, oft durch Hochflut und Eisgang arg gefahregewesen; sie hat auch sonst mancherlei widrige Schicksale gehabt. So berichtete Pfarrer Kienecker nach einer älteren Quelle(Rautert):„die brücke, welche (1761) beinahe 1½ Jahre abgerissen gelegen, wurde wieder gemacht, und weil keine Pfelde und Karren bei der Hand, auch keine Manns Persohnen, so musten die Weibsleute die bretter im Gerichte ganz mühsam zusammentragen, oder Sie wurden vor die Wagen gespannt, um bretter zusammen zu fahren.“ „Den 4. Juli wurde die brücke, weil die alliirten sich zu Dortmund setzten, wieder abgerissen.“ Bis zum ersten Drittel des 19. Jahrhunderts war die Ruhr bis nach Wetter hinauf schiffbar. Das kam natürlich auch Herbede und dem Schwesterorte Heven wenig zugute. Schon im 17. und 18. hundert beschäftigten sich die Bewohner der Ufergemeinden mit Holzflößerei, die später der alte Fritz durch die Befreiung der Frachten vom„Ausgange Import“ zu stärken und zu erhalten suchte. Auch der Bergbau des Ruhrtales wurde durch die Schiftfahrt befruchtet. Zahlreiche Kohlenkähne. Bunker, dis bis zu 2000 Zentner faßten, fuhren talwäris. ders Rheine zu. Der erste Kohlentransport über die Rurs fällt in das Jahr 1770. Später machte die zuneh# mende Vergrandung des Flusses der ehemals blühene Haus Schellenberg in Herbede. Schwesternorte zwischen Blankenstein und Witten, als kohnendes Wanderziel empfohlen sein. Wie ein grüner Teppich, in den die Pflugschar des Landmanns und der Fleiß der Bauleute braune, rote und lichte Farbenmuister gewirkt haben, dehnt sich das fruchtbare Tal mit seinen grasreichen Wiesen und wohlbestellten Aeckern, mit seinen Baumbeständen und bäuerlichen Siedelungen zu beiden Seiten des Flusses, der in vielgewundenem Lauf bald in spiegelnder Glatte, bald im pfenden Tanz sillerglänzender Wellen seines Weges Die vortreffliche Bodenbeschaffenheit, die noch heute sie Gegend auszeichnet, hat schon in frühester nenschliche Niederlassungen im mittleren Ruhrtaie befünstigt. Stumme und doch beredte Zeugen in Form oon Stein= und Bronzegräten, die man hier und in dem Boden gegraben hat, geben herbeiströmte, um deu Heitigen anzubeten, wiro auch ein krankes Weib aus„Heribeddiu genannt, das die Gesundheit wiederzuerlangen suchte, was ihm denn auch, wenn man dem erzählenden Mönche Glauben schenken darf, vollständig glückte“.„. 16 v. Steinen nennt Herbede in alten Nachrichten auch Herlbeck(auf dem Kirchensiegel von 1463 Herlbech) geheißen, ein weitläufig Kirchdorf nebst einem eigenen Gericht und erwähnt, daß die Einwohner „schön Kornland, Weiden, Wiesen und Waldungen haben". Aufschluß über die Entstehung der Ortsnamen giebt ein Vergleich mit den Bezeichnungen in alter Zeit. Es werden genannt: 1. das frühere Kirchdorf Herbede, geteilt in die Oster= und Westerbauerschaften(jetzt Ost= und Westherbede); 2. Osterbauer vor dem Holz(jetzt Vormholz); 3. Howische(jetzt ; 4. Dürholz(jetzt Heven, Durchholz). Die zuverHaus Herbede. Luhns Mühle in Heven Keilche####de von keltischen Stämmen, die an den fern der Ruhr zwischen Witten und Hattingen ihre stätten gehabt hab Wohnstauten gehar:„aben. In seinen Beiträgen zur Topographie des Amtes Herbede hat J. H. Born darauf hingewiesen, daß Herbede zu den ältesten Orten gehört, von denen wir aus Westfalens Vergangenheit lässige Geschichte setzt erst mir vem Jahre 1020 ern. Damals hat Kaiser Heinrich II., der Heilige, das Schultheissenamt des Hofes zu Herbede(worunter wohl das heutige„Haus Herbede zu verstehen ist) an die Aebtissin des Klosters Kauffingen in Hessen gegeben und eine der Aebtissinnen hat später den Grafen IsenLehnsherr zwischen dem Hofes schultzen, Hofesrichter und sämptlichen geschwohrenen Hofes leuthen gehaltenen Verträgen, wie sich daß nach Hofesrechte Getices öar Lewiß mir Gott helft und sein hoch##iges Wort. Die Herbeder Mark wurde 1768 aufgeteilt und zwar, „nachdem zur Bestreitung der erforderlichen Vermeßund Teilungskosten kein ander Mittel auszufündigen gewesen", durch meistbietende Versteigerung. Eine Urkunde darüber erwähnt, daß dem Melchior Untersten Helmann die sogenannte Dorne für„240 Rthle. Edictmäßig Geld" zugeschlagen wurde. Der heutige Ort Herbede ist ein gemütliches Nest. Die meist in Baumgrün eingemummelten Häuser liegen an dörflich=krummen Straßen und machen in ihrer Eigenart einen altertümlich=anheimelnden Eindruck. Das in Fachwerk aufgeführte westfälische Bauern= und Kötterhaus wiegt im allgemeinen vor. Auch einige Patrizierhäuser, so das früher im Besitz des Grafen dem Fabrikanten Lohmann gehörige„Haus Schellenberg“, sind im Fachwerkstil gehalten. Besonders reizvoll ist der Blick auf den Ort und auf weite Strecken des schönen Ruhrden Schiffahrt ein Ende; die letzten Zeugen des regen Verkehrs sehen wir noch in den spärlichen Resten der alten Buhnen und in den ganz in Verfall geratenen beiden Zechenbahnen, die unterhalb der Herbeden Ruhrbrücke das Ufer des Flusses erreichen. Die letzteren dienten der Heranschaffung der in den benachbarten„Kohlpütten gehauenen Kohlen an die Lastkähne. Die östliche Bahn kam von der Zeche Urbanus in Kaltenhardt, die westliche von der Zeche Julius Philipp, bei Brenschede. Der Vollständigkeit halber muß an dieser Steue noch erwähnt werden, daß die Ruhr ihr heutiges Bets nicht von Urbeginn an dürchlaufen hat. Erst ine seite erbaut, seitdem ziemlich weit ab vom Flusse an der linken Seite seinen Standort hat. Zeugen diesen und anderer Katastrophen sind auch heute noch die alten, jetzt blind verlaufenden Ruhrarme, deren einer sich etwas südöstlich der Wiedervereinigung des Her#r# Mühlenstranges mit der Ruhr bis an die Nähr der Ruhrtalbahn erstreckt. 6 schon berauscht waren, schlug Cory vor:„Wir wollen den Kerl in seiner Bude überfallen!" „Nein, nein,“ wehrte Fellow angstvoll ab.„Das wäre ein Bubenstreich. Jetzt gerade, wo er an mir gehandelt hat wie ein Ehrenmann.“ Aber Smith hatte zu viel Sekt getrunken, um sich durch moralische Bedenken zurückhalten zu lassen.„Ich gehe,“ sagte er entschlossen.„Das wird ein Hauptspaß, seine Freude über den gekauften Freund zu sehen.“ Es ging, und alle übrigen folgten ihm. Auch der junge Fellow folgte ihnen, da er sah, daß es vergeblich war, die Kameraden zurück=uhalten. Er hoffte möglichst, etwas Schlimmes zu verhüten— etwas für seinen Wohltäter zu tun. Auf das Klopsen an Suffolks Tür kam keine Antwort. „Er ist nicht zu Hause,“ rief Cory. „I wo,— es ist ja Licht im Zimmer, aber er weiß, daß wir es sind und warum wir kommen,“ schrie Smith. Sie stiefen gewaltsam die Tür auf und dängten hinein. Suffolk saß auf einem Stuhl am Tisch. Sein Kopf ruhte auf seinen Armen, als ob er schliefe. Ein plötzliches Grausen überfiel die Eindringlinge im Rahmen der Tür.—— Blut sickerte am Boden. Cory sah es zuerst. Er wurde plötzlich ganz nüchtern, geisteihaft bleich startte er auf den Kameraden. „Tot“, wurmelte er erschüttert,„tot,— tot, er hat sich erschossen.“ Ein Stück Papier lag auf dem Tisch. Sie nahmen es auf und lasen: Dies ist mein letzter Wille. 3000 Pfund hinterlasse ich Herbert Fellow als einen Beweis meiner Achtung, 1000 Pfund dem Adjutanten mit der Weisung, arme Kameraden zu unterstützen. 1000 Pfund vermache ich dem Kasino mit der Bitte, meine Kameraden möchten des Toten freundlicher gedenken als des Lebenden.— Ich gehe freiwillig aus dem Leben, weil ich ihre Behandlung nicht länger ertragen konnte.— Das war alles. Tiefe Stille herrschte im Raum. Nur der junge Fellow schluchzte laut auf. Wunder der Technik. Der geheizte Handschuh. Die Autolenker haben bei kühler Witterung darunter zu leiden, daß ihnen die Finger, die sie ständig am Steuerrad haben müssen, steif werden. Ein elektrisch geheizter Handschuh, der jetzt patentiert worden ist, will diesen Übelstand abhelsen. Kleider aus—Holz. Es wird für manche Frau, die im Seidenladen an herrlich gemusterten Stoffen sich begeistert, eine Überraschung sein, zu erfahren, daß die moderne Technik heute bereits imstande ist, schöne und auch durchaus haltbare„Seidenkleider“ aus— Holz herzustellen. Und zwar, so berichtet eine englische Wochenschrift, aus Tannenholz. Das Holz wird in dünne Scheiben geschnitten und dann chemisch behandelt. Maschinen übernehmen dann die Aufgabe, die Holzmasse zu zerkleinern und zu„verdauen“, eine neue chemische Behandlung setzt ein, und das Produkt ist ein Holzbrei. der äußerlich fast wie Zuckersyrup aussieht. Diese Masse macht nun ihren Weg durch erhitzte Röhren, an deren Ende eine Art Sieb so viele seine Löcher hat als Fäden hergestellt werden sollen. Die Fäden werden chemisch„fixiert" und widerstandsfähig gemacht. Dann beginnt der Webeprozeß. Diese Holzseide soll an Schönheit des Aussehens und Dauerhaftigkeit der echten Seide kaum nachstehen und dabei den Vorrug haben, Farbentönungen und Musterungen mit erstaunlicher Klarheit und Schönheit aufzunehmen und zu erhalten. So tritt die moderne Technik und die Chemie selbst mit dem Seidenwurm in den Wettbewerb. Auch andere Stoffe weiß ein amerikanischer Erfinder aus Holz herzustellen. Stoffe, die an Dauerhaftigkeit dem Leder gleichen und dabei wohlfeiler herzustellen sind als die billigsten„wirklichen" Stoffe. Licht aus Fäkalien. Eines der allergrößten Wunder unserer Zeit ist unstreitig die Hervorbringung hellstrahlenden, unübertrefflich reinen und geruchlosen Lichtes aus den Abfallstoffen der städtischen Kloaken. Seit langem gibt es in London eine mit der Fäkalien=Vernichtungsanstalt verbundene elektrische Station, die der ausgedehnten Vorstadt Fulham ihr Licht spendet. Es ist, gleich den neuen Londoner elektrischen Untergrundbahnen, eine Gründung amerikanischer Unternehmer. Die ganze Installation hat 540000 Dollars gelostet und kann 30 000 Glühlampen von je acht Kerzen speisen. Spanischer Stolz. König Ferdinand VII. von Spanien. der Großvater des jetzigen Königs, war ein großer Cello=Künstler, nur daß er auch als Musiker dem Bewußtsein seiner persönlichen Würde nichts vergab. Als ihm einmal im Quartett der erste Geiger zurief, vier Takte zu warten, gab er die denkwürdige Antwort:„Für wen halten Sie mich? Ferdinand wartet auf niemanden!“ Oldruck. Von dem einst sehr bekannten Wiener Maler Canon, der namentlich im Porträtsach hervorragendes geleistet hat, wird folgendes Scherzwort erzählt. Er erhielt eines Tages in seinem Atelier den Besuch eines wegen seines Reichtums und wegen seiner Sparsamkeit bekannten Grafen Z., der von dem Künstler die Ansertigung seines Bildes in Ol wünschte. Nach längerer Unterredung, die sich auf die Größe des Bildes, die Zeit der Sitzungen und ähnliches bezog, kam Canon auf den Preis zu sprechen und nannie 400 Mark.„Die Hälste ist genug, bester Professor, mehr gebe ich nicht,“ rief Graf Z. Der Kunstler machte darauf dem noblen Kunden eine Verbeugung und erwiderte: „Ich bedauere, Herr Graf. Sie wollen den Preis drücken, aber— Oldruckbilder fertige ich nicht!“ Aus guten Büchern. Aus der Liebe schöpft die Frau ihr edles Sein. Für den, den sie liebt, ist sie mild wie eine Taube; für seine Sicherheit in Gefahr verfügt ihr sanftes Gemüt über den Scharssinn der Schlange, ihr schwaches Herz hat den Mut einer Löwin. Die Sentimentalität ist das Zehrsieber der weiblichen Anmut, ebenso widersinnig wie das Bemühen, die Rosen und Veilchen künstlich zu parfümieren oder der Nachtigall die Skala zu lehren. An der unwiderstehlichen Gewalt der Verhältnisse scheitert selbst der beste Mann, und von ihr wird ebenso oft der mittelmäßige getragen. Aber Glück hat auf die Dauer doch zumeist nur der Tüchtige. Haus und Erziehungssorgen. „Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen!“ Unzählige Eltern haben bereits diesen Stoßseufzer getan, und so lange es noch Kinder zu erziehen geben wird, so lange wird diese Klage nicht aufhören. Wenn die Kinder noch tlein und unbedachtsam sind, aber in ihrer Entwicklung nicht zurückgeblieben, braucht das liebende Elternpaar sich eigentlich keine Sorge zu machen, sondern nur alle Aufmerksamkeit auf eine gleichmäßig gute Ausbildung des Körpers und der Seele zu richten. Die schwersten Aufgaben der Erzlehung fallen in die eigentlichen Entwicklungsjahre, die etwa mit dem achten Jahre beginnen und danach noch jahrelange Beobachtung ersordern. Das An'ehen des Vaters, die liebevolle Unterweisung der Mutter, bei beiden das Beispiel und Vorbild eines tugendhaften Lebenswandels sollen in dieser ernsten Übergangszeit den inneren Menschen erstarken lassen zu jener Reinheit und Festigkeit, die den besten Schutz gegen die Widerwärtigkeiten des Lebens bilden. Wäre der Geist auch noch so sehr in allen Künsten und Wissenschaften ausgebildet, und wäre der Mensch auch dadurch gewissermaßen eine Zierde der Gesellschaft geworden, so sind das alles doch nur reine Außerlichkeiten, die belanglos bleiben, wenn nicht zugleich der Wille zum Guten und Schönen, zum Edlen und Erhabenen vorhanden ist. Er wird im Schoß der Familie geweckt und genährt, und er befähigt erst, den Kamps ums Dasein mit den richtigen Waffen durchzuführen. An den Eltern liegt es, die Kinder auf die ihnen drohenden Gefahren aufmerksam zu machen und sie durch Wort und Beispiel darauf hinzuweisen, daß es an ihrem guten Willen nie fehlen darf, trotz aller Rückfälle und verfehlten Anläufe zum Guten immer wieder den Kampf mit den eigenen bösen Neigungen und Begierden auszunehmen. Sie müssen ihnen die Sache in der einzig richtigen Beleuchtung zeigen; daß nämlich unser Dasein auf Erden nicht nur aus einer Reihe von Vergnügungen besteht, sondern daß es, neben der durchaus notwendigen Ausspannung und Abwechselung, recht ernst aufgefaßt sein will, und daß durch Selbstzucht die erste Stufe der idealen Menschenerziehung erreicht wird. Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 146. Donnestag, 25. Juni 1914. Ein Wörtlein zähmt jeden Übermut Wenn man's nur richtig brauchen tut, Macht kleinlaut und bescheidentlich, Das Wort:„Es geht auch ohne dich!“ Auf der Hochzeitsreise. Roman von Arthur Achleitner. (9. Fortsetzung.) „O. tausend Dank! Wie kann ich nur solche Güte vergelten?!“ Bei diesen warm gesprochenen Worten reichte Bosse seine Hand über den Tisch, wohl in der Absicht, ein Bündnis mit Handschlag zu bekräitigen. Ein Schauderempfinden ließ Tini leicht zusammenzucken, sie scheute zurück vor der Berührung dieser Hand. gewahrte sie den Blick voll Trauer, Wehmut, einer schmerzlichen Verwunderung. Und blitzschnell dachte Tini: „Mich fängst du nicht!“ Und den Abscheu überwindend, reichte sie Bosse die Hand und hatte dabei die widerliche Empfindung, eine feuchte Schlangenhaut berührt zu haben. Und fröstelnd, sehr rasch zog Tini ihre Rechte zurück. „Nun glaube ich, daß alles wieder gut werden kann! Durch Ihre gütige Unterstützung!“ „Ja! Aber Sie müssen mir vorher sagen, weshalb sich Frau Bentieldt so plötzlich von Ihnen getrennt hat! Es war doch die Abreise überraschend, überstürzt, fluchtähnlich?“ Bosse öffnete den vor Erregung bebenden Mund. Da schlug Zieser das Kursbuch zu und sprach:„Hilft alles nischt! In einem Tage können wir von Riva nicht bis zum Hotel auf der Stilfserjochhöhe gelangen!“ Tini drängte mit Mühe den Arger zurück. Just jetzt, da Bosse mit seinem Geheimnis herausrücken wollte, verdarb Egon alles. Eine einzige Minute hätte er doch warten können. Das war wirklich ärgerlich. Und Bosse schwenkte sofort auf Ziesers Bemerkung ein, indem er fragte, ob vielleicht mit Vorsvann die Wagenjahrt beschleunigt werden könnte? Oder ob sich ein rascheres Vorwärtskommen erzielen ließe, wenn der allererste Zug morgen früh benützt würde? „Das Drängeln hilft uns nichts! Über den Aufenthalt in Mori und Bozen kommen wir nicht hinweg! Und in Trafoi müssen wir erst recht Station machen...“ „Aber warum denn?“ rief Aifons Bosse. „Wegen der Nachfragen! Es kann ja sein, daß sich Frau Bentfeldt im Trasoi=Hotel befindet! In diesem Falle wäre es doch Unsinn, wenn wir zur Jochhöhe fahren würden!" „Ist denn dieses Hotel schon offen?" „Weiß ich nicht! Das werden wir im Dorf Trasoi erfahren! Also abgemacht: wir fahren morgen mit dem Mittagzug von hier weg! Tun Sie mit, Herr Bosse?“ „Ja! Mit Freuden!" „Na, schön! Und nun: gute Nacht!“ Um die Zeit, da der Sonnenball sich senkte, setzte ein prasselnder, starker Strichregen ein; hinter diesem Wasserfalle funkelnder Tropfen verschwand das Firmament und all die märchenschöne Wunderwelt der Trasoier Eiskolosse. Wie geblendet war das Auge von dem Glitzern und Schimmern der schräg einfallenden Strahlen, die die Millionen Wassertrovfen in gleißende Edelsteinchen verwandelten. Für eine Weile regnete es Diamanten aller Farben, Saphire wirbelten durch die Luft: dann senkten sich mattweiße Perienschleier hernieder, zart und duftig, so daß das Grün der Matten noch durchleuchten konnte. Dann verschwand das Westlicht und mit ihm die sunkelnde Pracht; es klaschte ein gewöhnlicher Strichregen hernieder, grau, öd. schwer und trostlos. Frau Tini Zieser stand am Fenster des Gasthofes zur„Neuen Post“ in Trasoi und jammerte über diese Launen des Wettergottes, die alle Pläne für die nächsten Tage vereiteln werden.„Es geht aber schon alles schief!“ meinte sie, sich zum Gatten wendend, der am Fenster des Hotelzimmers stand, und eben beschäftigt war, im Reiseführer die Tour für einen Besuch des Hotels auf dem Stilfserjoche und für eine Rundfahrt zusammenzustellen. Egon tröstete mit dem Hinweise, daß der Strichregen nicht viel beweise und der nächste Morgen klares Wetter bringen könne. Und zum Fenster tretend, fragte Zieser: „Warum geht nach deiner Meinung alles schief?" „Ach! Die großen Holels in Sulden und hier sind noch nicht geöffnet, die ich doch so gerne kennen gelernt hätte: die Bentfeldt ist nirgends zu finden...“ „Aber, Närrchen! Wir werden einfach so lange bleiben. bis das Trafoi=Hotel geöffnet wird, was ja nur noch einige Tage Geduld beansprucht! Und Frau Bentfeldt suchen wir ja gar nicht!" „Länger wird sich Bosse nicht hinhalten lassen! Reißt sein Geduldfaden, so wird er jäh verschwinden! Ich habe aber noch nichts erreicht! Der Wettersturz vereitelt die Tour auf den Orller.....„. Gakigm Laß un. i. Überrascht rief Zieser:„Was? Eine Hochtour haft ou im Son„ efet um Ad. „Ja! Mit deiner Erlaubnis naturn, in Begleitung Bosses und der Bergführer!" „Aber. Schatz, zu welchem Zweck willst du eine immerhin nicht ungefährliche Hochtour unternehmen? Auf der Ortlerspitze hast doch du nichts verloren, also auch nichts zu suchen!" Eifrig erörterte Tini den Plan, Bosse zur Beteiligung zu beschwatzen, ihm auf dieser Hochtour sein Geheimnis zu entreißen. Egon schüttelte den Kopf.„Warum soll er just in der Gletscherregion dir zu Gesallen geschwätzig werden. nachdem er sich bisher bezüglich seiner Verhältnisse so schweigsam verhalten hat? Wir wissen trotz des Zusammenseins die Tage hindurch um kein Jota mehr, als daß der Mann eine glühende, erstaunlich mächtige Sehnsucht nach Frau Bentfeldt hegt! Lediglich in der Hoffnung, die„Angeschmachtete“ mit unserer Hilfe endlich zu finden, ist er auf unsere, hm, sagen wir:„Vorschläge“ eingegangen und mit uns gefahren! Offen gesagt, ich wäre nun froh, wenn wir„endlich allein“ wären!“ „Geduld, Liebster! Auf ewigem Eis soll der letzte Trumpf ausgespielt werden! Ich glaube nämlich, daß hoch oben die jedenfalls überwältigend großartige Natur die von mir gewünschte Wirkung auf Bosse üben wird! Und so nebenbei möchte ich für meine Person die günstige Gelegenheit nützen und die Nase in die mir fremde Gletscherluft stecken! Wer weiß, wann wir wieder nach Trasoi kommen!" „Dem— Nebenzweck will ich selbstverständlich nicht hindernd im Wege stehen! Auf meiner Beteiligung an diesem Gletscherbummel wirst du hoffentlich nicht bestehen!" Der Nachdruck des gesamten Inhalts dieser Beilage ist untersagt.= A SSE S RSEE 5 S S S 29 8 8 5 S SSS SbEräs#n E S##:ß • 5OSaE FoEgi 2 55 * 8 A S 3•3•E * S KSES 10 5— E*„*" 0 1 P" * s 5 * 8 S 8 S So S= 8 5 50 5 5 5 S in— S 2 5 S 57 2 E 8 2 S 8 2 —* ** S S.. 9# 8— 8 SAEns 29 3 5 DS#S n SOMöTUSE, UTAZST S-EF .* S#E“ "• STEE "n * 9 8 □ 0 — 3— 2 e 2 2. # Das 8 5 gS5SOP SSRSERL 5.8MSEEMS SPOFBEDSE * E 8 S S 9 5.5 3 * S• S.2 E B 5•T S 8 S E018 S• L. 8 W 5 S•— . A ne S 33 E S SSVHSAMNST S G SSOSGOHEBOEE na 5OF2• * S 5 □ S — # S 6 *. 2•5 6 *□ S•09.8 — 1G G 11 S 5 7 4— 3 S 9 2. S 9. 9 5 6 S — n 2— *· C0 S 5 * 2 S. 55 " JnE60! . S·e. s un ganag. Sm# gn 28E D EEEUES S SEFD2 Es EUE 55 75. 5 8 2 # S E* „S.S6 5 8.50 S R ESCNS SE. * s 8 S S 5 G L * S S S•. S 9. 2 S e. 5— 2 S 99.3 8.8 8 5— 5 585 5 E 2 SSERE 5 — „Doch! Du mußt die Führer beschäftigen, indes ich außer bzuch sof Ra. enizückt din ich von dieser mir zugedachlen Aufgabe nicht! Für Hochtouren habe ich sehr wenig Interesse und keine Ausrüstung! Du führst doch meines Wissens keine — Gletschertoilette mit?“ „Wir benötigen nur die Benagelung der Schuhe!“ „Nee, Liebste! Frag mal die Bergführer! Die werden in solch ungenügender Weise ausgerüstete Touristen ganz gewiß nicht übernehmen! Die Verantwortung müssen die Fühler tragen, daher sind sie vorsichtig und bezüglich der Ausrüstung anspruchsvoll! Frage auch Herrn Bosse, ob er dir den Gefallen tun will, mitzulaufen! Ich glaube nicht daran!“ Wieder blickte Tini ins Freie. Die Regenschleier lichteten sich jetzt, die Konturen gewaltiger Kolosse traten hervor, die Riesenhäupter begannen zu dampfen. Und dus Gewoll türmte sich auf. gleichsam im Bestreben, himmelan eine eigene, noch größere Bergwelt zu schaffen. Waren aber aus weißen Wolken die turmähnlichen Aufsätze auf König Ortler und Zebru gebaut, ein rauher Windstoß genügte, um diese Nevelgebilde zu verjagen. Der Regen hatte aufgehört. Frisch war es geworden im Tale von Trasoi. kühl strich der Bergwind. Kühl und klar. Voll hehrer Majestät, unnahbar stolz, stand das Ortlermassin, all seine Bergesfürsten, doch„Er“ selbst, König Ortier, ist nicht sichtbar von Trafoi aus. Schwelgend im Hochgenusse dieses Anblickes wanderten Ziesers dem gigantischen Talschlusse zu. Und als sie zurück ins kleine Dorf kamen, warteten etliche Bergführer auf Bestellungen; wetterharte, hagere Gestalten, erprobte Ortlerführer, stille, bescheidene Menschen, gewissenhaft dazu. So erpicht alle waren, den Führerlohn zu dienen, keiner wollte die„Partie" übernehmen, als oie Führer gehört hatten, daß die Dame ohne genugende Ausrüstung und ohne jede vorausgegangene Übung den Ortler besteigen wollte. So sah denn Zieser seine Auffassung bestätigt. Nach seiner Auffassung besaß Tini unbestreitbar viel Klugheit, auch Kombinationsgabe, kaum aber den scharsen Blick, nicht„die Fähigkeit, aus oft harmlos erscheinenden Tatsachen voer Anzeichen die nötigen Schlüsse zu ziehen, wie dies die Kriminalisten berufsgemäß betätigen müssen, sofern sie Erfolge ersielen wolen. 46 Egon hielt es auch ganz und gar für unnorig, oaß seine Frau sich derlei Fähigkeiten aneigne. Auch hoffte er, daß sich das vom Eigensinne ausgestachelte Interesse für den Fall Bosse in Bälde verlieren werde, umsomehr, als ein Erfolg Unterdessen hatte Frau Tini von zwei jüngeren Führern die Zusage für eine Übungspartie erhalten, vorausgesetzt, daß die Ausrüstung wenigstens einigermaßen den Anforderungen entsprechen werde. Die Schwester des einen Führers sollte eine Toilette zu einem Bergkostüm zurechtschneidern, der Dorsschuster die Schuhe der Teilnehmer„bergfähig" nageln. Und Egon erhielt Auftrag, das Schuhzeug zum Schuster zu schicken, auch die Stiefel Bosses.. zu. Schust. Tini stapfte mit dem einen Fuhrer sogleich zur SchneiZieser wußte im Augenblicke nicht, ob er sich freuen oder ärgern sollte; die rasche Entschlossenheit, das resolute Wesen, der Schneid Tinis gefiel ihm, weniger aber die bevorstehende Gipfelstürmerei. Und direkt unangenehm war ihm die Zumutung, Bosse zur Beteiligung an den Hochtouren beschwatzen Violetter Duft umwob die Talung. die Eisströme des Trasoier= und Madatschferners, düster stand über dem geschlossenen Grand=Hotel der mächtige Gletscherdom der Trafoier Eiswand. Des gewaltigen Eindruckes dieser wunderbaren Alpenmajestät konnte sich Zieser nicht erwehren, sie bedrückte die Seele und weckte zugleich ein seltsam Fühlen, ein Ahnen von der unsaßlichen Macht des Schöpfers dieser Größe und WeltEs dämmerte bereits, als Egon den Schritt zum Gasthofe lenkte. Ziesers Blick gewahrte Herrn Bosse, der in Gedanken versunken von einem Spaziergange zurückkehrte, anscheinend in völliger Gleichgültigkeit für die ihn umgebende An der zum Joch ziebenden, weltberühmten Stilserstraße trafen sich die Herren. Nach kurzem Gruße meinte Zieser: „Großartig diese Alpenschönheit, was?“ Bosses Antwort war die Frage:„Glauben Sie, daß ich Frau Bentfeldt oben im Hotel,— wie heißt doch der zuWissens heißt das oberste Hotel„Ferdinandshöhe“! Es soll sehr luftig und frisch oben sein, wahrscheinlich „Also kaum ein Aufenthalt für Damen?“ „Weiberlaunen sind unberechenbar! Hat sich die von Ihnen gesuchte Dame auf eine Sommerfrische im Hotel „Ferdinandshöhe“ kapriziert, so wird der Neuschnee Frau Bentfeldt sicher nicht abhalten, oben zu residieren!“ „Einen letzten Versuch werde ich machen, zur Ferdinandshöhe hinaufsteigen! Jenseits geht es wohl hinunter nach Bolmie uuf aunenischem Soben?“ rmio auf staltenischem Boden'. meine Frau Gewiß! Der Bädeker lagt es!. Hachlguren, zulest läßt Sie fragen, ob Sie sich an einigen Hochlou#en, an einer Besteigung des Ortler, beteiligen wollen?“ Ich? Danke, nein! Habe nichts zu suchen dort oben!“ „Das Standquartier son im Hotel„Ferdinandshöhe „Hat Frau Bentfeldt verlauten lassen, daß sie sich für derlei Bergbesleigungen interessiert?“..sng Eraus „Mir gegenüber nicht! Fragen Sie meine Frau! Zieser wolle nicht lugen. Und er Fhere noch heute abend. wird es praktisch sein, wenn Sie volher, noch heute abend, ein paar derbe Schuhe in Trafoi benageln lassen, damit Sie gerüstet sind für eine Beteiligung!“ Bosse verabschiedete sich mit kurzem Gruße. Der Abend vereinigte Ziesers und Bosse an einem Ecktische in der gemütlichen, mit Zirbenholz getäfelten Gaststube, wo sich zu später Stunde noch andere Reisende eingefunden Bosse blieb wortkarg und wollte nicht auftauen. Aber Frau Tini setzte ihm scharf zu, liebenswürdig und drollig schwätzte sie von den Wunderdingen, die auf luftigen gesunden werden können, so die„blaue Wunderblume“ der Alpen, die Erfüllung von Sehnsucht und Hoffnung, das irdische Glück. Atsons Bosse horchte auf. „Gewiß! Hoh oben wird Frohsinn einzieyen in Ihr Herzelein! Und weichen jede Bedrückung!“ Schelmisch blinzelte Frau Tini, als sie Herrn Bosse aufforderte, einen Schluck zu trinken auf das Gelingen der Fahrt ums Glück in die Eisregion. Bosse fügte sich hö lich, aber der Gesichtsausdruck zeigte wenig Vertrauen... „Ich weiß natürlich so wenig wie Sie, wo wir Frau Bentfeldt finden werden; aber ich habe die Überzeugung, daß Sie oben jegliche Bedrückung los werden, ein sroher, sich des kein Verständnis!“ „Ist auch nicht nötig! Die Hauptsache ist, daß Sie mitkommen! Oben findet sich das weitere, alles!“ Sie werden doch nicht davonlausen wolln? rief Frau „Verzeihung! Ich will nur Auftrag geben, daß die Schuhe zum Schuster geschickt werden!" „Bravo! Das lob ich mir!“ Du plagst dich vergeblich, Liebstel“ meinte Zieser. „Abwarten! Hab' ich ihn nur mal oben!„Unter den Linden wird sich alles finden!" lachte spitzbübisch die herzige „Linden ist gut! Möchte wirklich wissen, wie du dir den Bummel auf ewigem Eis vorstellst?! Wo doch selbst ich davon „Das beweist allerdings furchtbar viel! Wollen wir wetten. Egon?“ Erziele ich den erhofften Erfolg, so bekomme ich von dir eine vollüändige Ausrüstung als Alpinistin! Komplett, „Das fehlte mir noch, daß du in das Lager der Gipselstürmer übersiedelst! Für diese Errungenschaft der Hochzeitsreise danke ich schönstens!“ Kichernd meinte Tini:„Na, etwas muß man doch von „Ja doch! Aber doch nicht die Bergkraxlerwut! Sie grassiert ohnehin sehr stark. Übrigens: was bekomme ich, wenn du den— Erfolg nicht erzielst?“ „Das Geständnis, daß der Herr und Gebieter der Gegarniert mit hundert„Busseln!“ Genügt scheitere war, Zieser schmunzelte.„Das garnierte Geständnis ist mir Die Kellnerin kam und meldete:„Der Herr lazt sich entschuldigen, er ischt... ischt lei schlafen'gangen!“ „Dat lun wir nun ooch!“ meinte Zieser. Und Tini stimmte bei...... Ahmese Am nächsten Tage wurden Ziesers die Avwocsenheit Bosses erst gewahr, als sein Platz am Mittagtische leex, blieo. Die Kellnerin wußte nur zu melden, daß der„gemutstranse“ Herr mit frischgenagelten Schuhen schon unterwegs nach Stilfs sei. Erschreckt blickte Tini den Gatten an. „Die— Sehnsucht wird ihn veranlaßt haben, zur Ferdinandshöhe hinaufzulaufen!“ meinte Zieser. „Ja doch! Aber diese Flucht kann ein schlimmes Ende „Ach wo! Las ihn doch rennen! Ist er genügend müde, so wird er schon rasten! Und findet er die Bentfeldt oben nicht, so wird er wieder herunterkommen!" „Mir ist doch bange! Die Gefahren der Eisregion!“ „Auf den Gletschern hat der Mann nichts zu suchen, also nicht in die Eisresion venngexortsetzung solgt,) Leutnant Fellow. Aber auch er mußte bald erfahren, daß man einem gesellschaftlich Gemiedenen nicht ohne unangenehme Folgen Freundschaft halten dürfe, denn bald hieß es, daß Fellow in Geldverlegenheiten sei und die Hilfe Suffolks in Anspruch nehmen wolle. Man sagt. Als Suffolk im fünften Monat im Regiment war, saß Leutnant Fellow eines Tages mit dem Adjutanten zusammen een alter Junge!“ rief der Adjutant plötzlich,„warum So war es in der Tat. Fellow solte Wechsel bezahlen ud wuste beinen so traurig 3. lachte der Abiutant.„Geben Sie doch zu Suffolk!" „Wie! Er soll mir leihen?“. te g# „Warum denn nicht! Meinen Sie, er wird das Geschäft auf Ihre Erbschaft hin nicht machen?“ Eine englische Garnisonsgeschichte. Im Kasino saßen fast sämtliche Offiziere des Regiments bei einem Glase Wein nach aufgehobener Tafel. Der Aojulant hatte eben eine längere Rede gehalten und schloß mit den Worten:„Also, meine Herren, der Oberst wünscht, daß wir den neuen Kameraden zunächst mit Höflichleit behandeln, bis aus London die Auskünfte gekommen sind.“.. Hauptmann Cory stand auf.„Der Wunsch des Obeisten ist mir in diesem Falle nicht Befehl. Ich werde nicht mit einem Manne kameradschaftlich verkehren, von dessen Vater man sagt, daß er schmutzige Geschäfte gemacht habe oder sogar Kaum hatte er ausgesprochen, als der Offizier, von dem die Tafelrunde sprach, den Saal betrat. Der Neuangekommene, Leutnant Suffolk, machte einen sympathischen Eindrugk.g Sein Auftreten war unauffällig aber würdig. Sein hübsches, außerordentlich regelmäßiges Gesicht zierte ein kleiner Schnurrbart. Die schönen Augen blickten offen aber ernst. Groß und schlank gewachsen, mit stramm bot er dem Auge einen Anblick echter Männlichseit, „Elegante Reitererscheinung, er reitet auch briuant.“ flüsterte der Adjutant seinem Nachbar leise zu. Smith zeigte seine großen weißen Zähne und gab ebenso zurun.„er hat ja auch Gelegenheit gehabt zum Reiten, sein Onkel ist nämlich PferdeSuffolk sprach wenig. Aber das Wenige, was er sprach, war feinsinnig und zeugte von scharfem Verstand und vornehmer Gesinnung.„Seine Manieren lassen nichts zu wünschen übrig.“ sagte der Adjutant gut gelaunt, als er das Kasino verließ. Er war froh, daß es seiner Meinung nach so leicht war, des Obersten Wunsch zu erfüllen.„Er ist informiert und scheint seine Leute zu kennen.“—„Oh, es wird schon nach und nach etwas anderes zutage kommen. Anerzogen in irgend einem Institut.“ bemerkte Cory, der mit dem Adjutanten zugleich das Kasino verlassen hatte, mit boshaftem Lächeln. „Diese Geldverleiher haben ja neuerdings die Gewoynheit, ihre teuren Sprözlinge ein wenig mit gesellschaftlicher Tünche zu versehen oder vielmehr versehen zu lassen, und das sichert ihnen, meinen sie, eine Stellung in unserer Gesellschaft.— Nur schade, die Tünche ist nicht haltbar, Art läßt nicht von Art.“ Eine Woche später hatte sich im Regiment die Meinung über Suffolk gebildet, er sei ein Mensch, der seine Herkunft niemals trotz aller guten äußerlichen Formen werde verleugnen können. Es ging ein Flüstern, Raunen und Staunen über ihn im Kreise der Kameraden um. Und der, dem dieses galt. ging scheinbar unberührt seine geraden Wege ahnungslos. Das Gerücht aber schwieg nicht, es pflanzte sich lawinenartig fort— und bald wußte es— natürlich im Vertrauen— die ganze Stadt, daß das Kavallerieregiment, das der König besonders liebte, einen Offizier hatte, dessen Vater Geld auf Wucherzinsen verliehen hatte. Nur einer war im Regiment, der nicht in den allgemeinen Ton einstimmte: der junge So sehr sich auch sein Inneres gegen diesen Schritt sträubte, schließlich ging Fellow doch zu dem Kameraden, der ihm allein helfen konnte. Voller Beschämung schilderte er ihm seine Lage. Suffolk hörte teilnahmsvoll zu. Mir tut es leid um Sie“, sagte er sreundlich, als Fellow geendet.„Sie sind leichtsinnig und haben verschwenderisch mit Geld gewirtschaftet, das Ihnen nicht gehörte. Aber das ist ja leider der Weg der meisten Kameraden. Würden Ihnen 2000 Pfund aus Ihren Schwierigkeiten helfen?" Der junge Fellow almete schwer und konnte nicht sogleich Worte finden.„1500 Pfund würden vollständig genug sein, die Schuld zu tilgen“, sagte er endlich mühsam. Suffolk setzte sich an seinen hübschen italienischen Schreibtisch und schrieb einen Scheck aus.„Ich habe 2000 Pfund voll geschrieben,“ sagte er einfach.„Sie sind ohne Mittel und werden die übrigen 500 Pfund jetzt gut gebrauchen können.“ „Ich werde Ihnen einen Schuldschein geven. begann Fellow noch immer wie unter einem Bann. Gewaltsam nahm er sich zusammen:„Und die Zinsen?, und die Rückzahlung?“— Er stockte plötzlich, als er Suffolk ansah. „Nein, nein,“ sagle dieser kurz.„Beunruhigen Sie sich nicht darüber. Sie sollen es zurückgeben, und wenn Sie können, so ist es mir eine ,„Perhg, ggpneng, einem Kameraden helfen zu können.“ Schwer ausstohnens sank er in den Sessel.„Oh. Fellow, warum beleidigen Sie mich nun auch, wie die anderen? Wenn irgend ein anderer aus dem Regiment Ihnen Geld leihen würde, ihm Zinsen anbieten? Warum das unglaubliche Vorurteil?“ Fellows jugendliches Gesicht überzog sich Rot.„Die anderen sagen— nun mögen Sies wissen z— Ihr Vater—— ich verstand—— hatte—— war wohl — solche Art—— Geschäftsmann. I. E.Falts Gesicht he. Eine tiefe Bewegung machte sich in Sufolls Gesicht bemerkbar.„Mein Vater,“ sagte er dann einfach, ist„ein Bankier, wie Hauptmann Corys Vater auch.„Es giht zwischen Ihnen keinen Unterschied— außer— buß mein Vater ein wirklicher Ehrenmann und ein ehrlicher Mensch ist.“ Damit wies er dem Kameraden einen Brief. in dem ein Londoner Freund ihm mitteilt, daß die Kameraden bei ihm Auskunft über Suffolks Vater eingeholt hätten, daß man ihnen aber gar nicht geantwortet hätte. Fellow wollte sprechen, doch der andere winkte ab.„Ich habe erst heute erfahren, wie man hier geflissentlich das Gerücht verbreitet hat, ich sei nicht würdig des Regiments.“ Verzeihen Sie mir,“ sagte Fellow, seine Hand ergreifend, rich, wir alle haben Ihnen ein großes Unrecht getan, das weiß ich jetzt genau, lieber Kamerad. Ich weiß nicht, wie ich Ihnen genug für Ihre große Güte danken soll.“ Er hielt Suffolks Hand in der seinen, und zu seinem großen Erstaunen rollten plötzlich zwei große Tränen aus Suffolks dunklen Augen.„Verzeihung,“ sagte er einfach, ich weiß, es ist unmännlich, aber ich kann mir nicht helfen. Sie, Fellow, sind der erste Mensch, der mich seit meinem Eintritt in das Regiment hier als Mensch behandelt hat.“ Spät wurde es diesen Abend in Corys Wohnung, ehe die Kameraden sich trennten. Laut und lärmend ging es zu. Viel Champagner war geflossen. Zuletzt, als die meisten ** Erfahrungen gemacht haben. Die mit Teeröl arbeitende Dieselmaschine ist die weitaus billigste gegenwärtige Betriebskraft, denn eine Pferdekraststunde kommt auf nur etwa 1 Pf. zu stehen. Neben Teeröl können in die Dieselmaschine, deren Brenn stofseinführungen durch deutsche Reichspatente geschützt sind, andere flüssige Brennstofse(Rohöl, Gasöl, Massut, Pflanzenöle, Parassinöle usw.) verbrannt werden. Auch für die landwirtschaftlichen Betriebe, die mehr entfernt von Industriezentren liegen, ist die Dieselmaschine schon infolge ihrer Unabhängigkeit die geeignete Betriebskraft. Selbst solche Betriebe, die elektrischen Strom beziehen, oder bereits eine Wasserkraft oder sonstige eigene Anlage besitzen, gehen immer mehr dazu über, eine Dieeselmaschine als Reservekrast aufzustellen, um für alle Fälle bei einer Unterbrechung des Strombezuges, bei Wassermangel usw. unter allen Umständen den Betrieb aufrecht erhalten zu können. * Haspe, 24. Juni.(Neues Rathaus.) Die Stadtrerordnetenversammlung beschloß heute grundsätzlich die Errichtung eines neuen Rathauses. Ueber die Platzfrage soll demnächst entschieden werden. * Betzdorf, 24. Juni.(Einen schrecklichen Tod) sand im nahen Orte Honigessen der Bergmann Joh. Linke. Der Mann war bei der Obduktion einer an Milzbrand verendeten Kuh behilflich. Anscheinend hatte L. eine kleine Wunde an der Hand, durch welche die Bazillen Eingang gefunden haben. Er starb an derselben Krankheit unter den gräßlichsten Schmerzen. Der traurige Fall mahnt zur Vorsicht. * Barmen, 24. Juni.(Schwere Ausschreitungen) meldet der Polizeibericht über den Ausstand in der Klaviaturfabrik W. G. Bühl. Ein Arbeitswilliger wurde von 15 Ausständischen derart mißhandelt, daß er in Krankenhausbehandlung gegeben werden mußte. 175 Millionen. Schleuniger Ausbau der Rekrutierung, der Organisation des Heeres und seiner Friedensstärke, wie auch der Flottenkraft, sind also die Ziele unseres Apenninenbundesgenossen. Österreich=Ungarn vollendet, neben der Neugliederung der Feldartillerie, noch in diesem Jahre auch die Organisation der Festungsartillerie. Statt 24 Bataillonsstäben, 92 Feldkompagnien wird es künftighin 6 Regiments=, 26 Bataillons= stäbe, 102 Feld=Fußart.=Kompagnien haben. In der gleichen Richtung bewegt sich die Reorganisation des Trains mit.06 Traineskadrons, 31 Gebirgs=, 44 Trainbegleitungseskadrons und einer Bespannungsabteilung für Telegraphentruppen. Der militärische Ausbau des Dreibundes. Die ebengeschlosseren österreichisch=ungarisch. Delegationen und die Erscheinungen in den noch schwebenden Verhandlungen über Heer= und Flottenausgaben in Italien leiten, angesichts der beschleunigten Rüstungen Rußlands und der Neubildungen in Frankreich, die Aufmerksamkeit auf die Arbeiten zur Hebung der Wehrkraft bei unseren Verbündeten südlich der Alpen und an der Donau. Was dort vorgeht, beweist, daß die unbillig handeln, die der Donaumonarchie und Italien Gleichgültigkeit oder Lässigkeit in dem Streben nach Steigerung ihrer Friedensstärke und Mobilmachungsbereitschaft vorwerfen. Italien Aist gegenüber dem, was Österreich=Ungarn, die * Wehrgesetznovelle von 1914 durchführend, im Herbst ausweisen wird, allerdings etwas zurückgeblieben. Das ist um so fühlbarer, als Tripolis und Cyrenaica noch an den Heimattruppen zehren. Während man in Österreich=Ungarn, wo am 28. Mai die Delegationen in drei Stunden 101 Millionen als erste Rate für die neuen Dreadnoughts, den Ersatz der Monarch= und Habsburg##kasse, sowie kleinere Einheiten, im ganzen drei# viertel Milliarden, bewilligten— womit Erhöhung #des Friedensstandes, Neuformationen, Verbesserungen der technischen Ausrüstungen möglich # werden— in diesem Herbst die 158 Grenzbataillone gegen Rußland auf Kompagniestärken von 120 # die übrigen auf 93 Mann bringt, ist man in Italien, eben wegen der Forderungen von Tripolis und Cyrenaica, noch zurück, doch aber in den richtigen Weg eingebogen. Für 1914/15 # rechnet das Kriegsbudget mit 25000 Mann mehr als bisher, d. i. im ganzen mit 275000 Mann sogenannter bilanzierter Stärke. Trotzdem bleibt, da der Afrikabedarf sehr hoch ist, die Stärke der Infanteriekompagnien auf nur 76, die der Alpenkompagnien(im Grenzschutz) immer erst auf 150 Mann stehen, was viel zu wenig ist, um einer raschen Mobilmachung sicher zu sein. Ministerpräsident und Kriegsminister haben darum im Parlament schon die Überzeugung ausgesprochen, das Budget 1915/16 würde mindestens 305 000 Mann bilanzierter Stärke, also 30000 Mann mehr vorsehen müssen. Das würde Kompagnien zu mindestens 93—95 Mann, Alpenkompagnien #und Gebirgsbatterien zum Grenzschutz von je 150 Mann und ausreichende Stärke für die aktiven Kerne der Mobilmiliz ergeben. Von staatsmännischer Seite hat die durchaus #nicht wolkenlose politische Lage Europas schon # seit längerer Zeit die Forderung nach Maßregeln #hervortreten lassen, um die Überführung der Astehenden Heere auf den Kriegssuß weiter und noch besser sicher zustellen. So verlangte auch der italienische Kriegsminister Grandi am Schluß der Sitzung des 30. Mai von der Kammer einen auf 5 oder 4 Jahre zu verteilenden Zusatzkredit von 194 Millionen. Ohne die Bewilligung dieses Kredits abzuwarten, hat eine heftige Preßkompagne mit dem General Porro als Spiritus rektor einsetzend und in das Parlament übergreifend, die Regierung aufgefordert, mehr als das Dreifache zu fordern, nämlich 600 Millionen, um in der Heimat in derartigem Umfange Kräfte zur Verfügung zu haben, daß man, ohne Lybien auch nur einen Mann zu entziehen, die zwölf Armeekorps, die Alpentruppen und drei KavallerieDivisionen sofort mobil machen, das Material der Artillerie, wovon bei der Feldartillerie allein drei Modelle bestehen, schleunigst ergänzen, den Abschluß der Alpengrenze durch Befestigungen bewirken könne. 1087 Millionen sind an Schiffsbauten in Italien von 1914/15 bis 1921/22 ausgeworfen, und zwar in Jahresraten von 105 bis —— Arbeiterbewegung. Auf dem 9. Gewerkschaftskongreß Deutschlands in München berichtete bei fortgesetzter Beratung die Leiterin des Arbeiterinnensekretariats über die erfolgreiche Beteiligung der Frauen an den jüngsten Krankenkassenwahlen. Die bürgerlichen Frauenstimmrechtsvereine hätten viel geleistet, um die Arbeiterinnen zur Wahl zu bringen. Gefährlich könne das bürgerliche Bestreben werden, auch die Frauen in ein mehrjähriges Lehrverhältnis zu pressen. Dadurch werde eine große Jahl von Lehrlingen geschaffen, die bei Lohnkämpfen den Arbeitern in den Rücken fallen könnten. Reichstagsabgeordneter Robert Schmidt berichtete über den Stand der deutschen Sozialpolitik. Die Reichsversicherungsordnung wäre keine hervorragende sozialpolitische Leistung und enthielte überdies zahlreiche Unklarheiten, die die Ausführung erschwerten. Die Arheitslosenversicherung, die in England bereits 2,5 Millionen Arbeiter umsaßte, fehlte uns noch immer. Den Arbeitern in Deutschland habe deren starke parlamentarische Vertretung bisher keinen Vorteil gebracht. Redner forderte die Arbeiter auf, sich durch Organisationen zu stärken, um als Dränger und Mahner zur Fortführung der Sozialpolitik erfolgreich wirken zu können. Kunst und Die Universität Franksurt a. M. hat die königliche Genehmigung erhalten. Oberbürgermeister Adickes teilte soeben einen kaiserlichen Erlaß mit, in dem es heißt: Da die Zuwendungen zugunsten einer Universität in Frankfurt a. M. die Möglichkeit geben, sie aus eigenen Mitteln zu errichten, und da die Vorbereitungen so weit gediehen sind, daß im kommenden Wintersemester mit dem Unterricht begonnen werden kann, will der Monarch die Universität in Gnaden errichten und genehmigen, daß sie in den Genuß der ihr zugewandten Rechte eintritt. In Deutschland steigt damit die Zahl der Universitäten auf 22; in ganz Europa gibt es 125 Universitäten mit etwa 220 000 Studenten. Was Wagners Werke einbringen. Richard Wagner selbst hat mit seinen Werken nur blutwenig verdient; der Meister hat bis zum Ende seines Lebens, wenn er auch in der zweiten Hälfte desselben vor Hunger geschützt war, mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpsen gehabt, und ist unter Hinterlassung von Schulden gestorben. Seine Erben haben bisher insgesamt 6 Millionen Mark an Tantiemen bezogen, von 22 Millionen, wie behauptet worden, kann keine Rede sein. Die höchste Summe der Bezüge aus Wagners Werken während eines Jahres betrug 875 946 Mark. Die 6 Millionen stellen nicht etwa das Kapital des Hauses Wahnfried dar, sie sind durch die sehr hohen Ausgaben für die Festspiele in Bayreuth um mehr als die Hälfte verkürzt worden. Jetzt, da die Werke Wagners nicht mehr tantiemepflichtig sind, bezieht auch das Haus Wahnfried nichts mehr. gift hervorgerusenen Krankheitserscheinungen besonders schwere Ausdruckssormen zeigten, so lag das daran, daß die verdächtigen Kartosseln außerdem noch von einem zur Proteusgattung gehörigen Mikroben infiziert waren. Das Kartofselgist an sich kann ersteulicherweise nicht allzu großen Schaden stiften, um so weniger, als es ja nur bei Kartoffeln austritt, die für den Eßbedarf nicht mehr in Frage kommen. Giftige Kartoffeln. Vor einigen Monaten wurde bei dem in Lisieux in Garnison liegenden 119, französischen InsanterieRegiment eine feuchenartige Erkrankung beobachtet, über die der Regimentsarzt Bellot in der französischen militärärztlichen Zeitung eingehend berichtet. Daß es sich um eine Insektionskrankheit handelte, unterlag keinem Zweisel. Die Frage war nur, was man als Krankheitserreger anzusehen hätte, da das Wasser der Kaserne wie das gelieferte Fleisch untadelig waren und auch in der Küche keine Mißstände zu erkennen waren. Schließlich aber kam man dahinter, daß die gelieserten Kartofseln teils verfault, teils bereits angekeimt waren. Damit hatte man des Rätsels Lösung gefunden, denn man weiß ja, daß das Solanin, das giftige Alkaloid der Kartoffelpflanze, am stärksten in den Keimen enthalten ist, die die Kartossel außerhalb des Bodens treibt. In gesunden Kartoffeln ist dieses Solamin stets nur in winzigen Dosen vertreten, die keinen Schaden anzurichten vermögen, aber es bedarf nur eines günstigen Zusalles, um die Entwicklung des Giftstosses in verhängnisvoller Weise zu fördern. Die Keimtätigkeit, wie der durch das Faulen bedingte Zersetzungsprozeß stellen der Erzeugung des gefährlichen Giftes besonders günstige Bedingungen. Während das in der Knollenfrucht enthaltene Solanin normalerweise nur 44 Milligramm pro Kilogramm beträgt, steigt das Verhältnis dank dem Keimprozeß im Keller auf 90 bis 112 Milligramm. Ja, bei Kartosseln, die durch Wuchern von einer Art schwarzen Champignons zum Faulen gebracht waren, wurden sogar 350 Milligramm Solanin auf das Kilogramm festgestellt. Wenn in dem Falle des französischen Regimentes, die durch das Kartoffel— Was man am Südpol ißt. Sir Ernst Shackleton sprach jüngst in einer Londoner Versammlung über seine bevorstehende Südpolar=Expedition und gab bei dieser Gelegenheit einen Ueberblick über die frugale Beköstigung, mit der ein Südpolarreisender auskommen muß. Das Polarmenu setzt sich darnach wie solgt zusammen: Frühstück 90 Gramm Speck, 60 Gramm Zucker, 30 Gramm kondensierte Milch und Pflanzeneiweiß. „Der Zucker", führte Shackleton erläuternd aus, „nimmt dem Speck den settigen Geschmack; die Vereinigung beider Nahrungsmittel liefert dem Körper all das, was er hier vor allem braucht: Wärme und Energie. Es ist erstaunlich, was zwei Stück Zucker auf deem Marsche für Wunder bewirken. Sie bringen einen müden und ersrorenen Mann sofort wieder auf die Beine und befähigen ihn, die Anstrengungen durchzuhalten. Mittagbrot: Nüsse, nichts als Nüsse. Aber nicht etwa die übliche Art, wie sie Vegetarier nehmen, sondern brasilianische Nüsse, Mandeln und Bucheckern, die drei nahrhaftesten Dinge, die man in der Welt finden kann. Dann wird kondensierte Milch getrunken. Das Abendbrot bringt das Menu des Frühstücks zur Wiederholnug.„All diese Dinge“ führte Shackleton weiter aus,„sind in Wurstbärme eingehüllt, und ich bin der Meinung, daß diese Därme den nahrhaftesten Teil der Zusammensetzung bilden. Wir versuchten sie bereits in Norwegen, ohne ihnen rechten Geschmack abgewinnen zu können. Ganz anders am Südpol, wo die Sachen prächtig schmecken, weil man hungriger ist. Unsere Tagesrationen sind auf 1000 Gramm Nahrungsmittel berechnet. In London essen die Leute durchschnittlich drei Psund. Darunter befindet sich aber eine Menge unverdauerlicher Stoffe, während bei unseren Nahrungsmitteln solche nicht vorhanden sind. Wir verdanken das der Königlichen Medizinalkommission, die die geeigneten Nahrungsmittel ausgesucht hat. In den Südpolarregionen kehrt man auch in Sachen der Ernährung im strengsten Sinne des Wortes wieder zur Natur zurück. Wir beabsichtigen, das Polarland von einer Küste zur anderen zu durchwandern. Es wird die erste Durchquerung des sernsten Kontinents dieser Welt sein. Aber das alles liegt in Gottes Hand. In einem Jahre oder in anderthalb Jahren wird man wissen, ob uns der Versuch gelungen ist.“ Als erster Polarforscher wird Shackleton Motorschlitten mit Luftpropellern benutzen, die eine Geschwindigkeit von 10 bis 20 englische Meilen in der Stunde entwickeln können. Die Tragkraft beträgt 15 Mann pro Schlitten. Die Expedition wird zur Ausfahrt zwei Schiffe benutzen. 9— Letzte Brahtmeldungen. Brunhilde Wilden verlangt Schadenersatz. Elberfeld, 25. Juni. Die Staatsanwaltschaft hat auf die Einlegung von Rechtsmitteln gegen das freisprechende Urteil des Schwurgerichts im WildenNolten=Prozeß Verzicht geleistet. Brunhilde Wilden hat unmittelbar nach ihrer Freisprechung ihren Rechtsanwalt mit der Aufnahme von Entschädigungsansprüchen an den Staat für unschuldig erlittene Untersuchungshaft beauftragt. Brunnen=Unglück. Langenberg, 25. Juni. Im Richrather Quellengebiet ereignete sich gestern ein schweres Unglück. Ein mit dem Reinigen eines Brunnens beschäftigter Arbeiter wurde von den Gasen betäubt und stürzte in die Tiese. Der städtische Brunnenmeister, der dem Verunglückten zu Hilfe kommen wollte, wurde gleichfalls betäubt, und erstickte in den Gasen, während der Arbeiter mit vieler Mühe gerettet werden konnte. Neue Landesverratsaffäre. Düsseldors, 25. Juni. Die hiesige politische Polizei ist einer großen Landesverratsaffäre auf die Spur gekommen. Es soll wertvolles Material an eine fremde Macht geliefert worden sein. Drei Personen wurden bereits verhaftet. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Nähere Einzelheiten über die Angelegenheit werden von der Polizei vorläufig nicht bekannt gegeben. Schwarze Pocken in Magdeburg. Magdeburg, 25. Juni. Das zweijährige Kind einer aus Brasilien zu Besuch hier eingetrosfenen Frau Werner erkrankte hier unter verdächtigen Anzeichen. Die Aerzte stellten als Erkrankungsursache schwarze Pocken fest und ordneten die sofortige Ueberführung des Kindes ins Krankenhaus an. Gleichzeitig wurden die Mutter und weitere fünf Personen, die ebenfalls pockenverdächtig sind, isoliert und unter Beobachtung gestellt. Man nimmt an, daß die Frau mit ihrem Kinde die Krankheit in Brasilien selbst oder auf der Reise hierher erworben hat. Eine exemplarische Strafe. Meseritz, 25. Juni. Das hiesige Schwurge. richt verurteilte den Zahntechniker Stomalski aus Woltin, der sich an einer 17jährigen Patientin während der Narkose schwer verging, zu fünf Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust. Der Herzog von Meiningen; Meiningen, 25. Juni. Herzog Georg II. von Sachsen= Meiningen, der Nestor der deutschen Bundesfürsten, ist heute nacht in Bad Wildungen gestorben. Schweres Bauunglück. Berlin, 25. Juni. Ein folgenschwerer Bauunfall hat sich gestern nachmittag auf dem Neubau der städtischen Realschule in der Ystadter Straße ereignet. Dort stürzte während der Maurerarbeiten die Decke der großen Aula ein und begrub elf Arbeiter, von denen sieben mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Vom eigenen Sohn erschossen. Gleiwitz, 25. Juni. Heute nacht wurde der Gastwirt Sykora im Schutzhause auf dem Josefsberg von seinem eigenen Sohn erschossen. Der Grund zu der schrecklichen Tat ist in Familienstreitigkeiten zu suchen. Das Begräbnis der Opfer von Fischamend Wien, 25. Juni. Gestern fand auf dem Wiener Zentralfriedhof das Begräbnis der neun Opfer der Luftschifstatastrophe von Fischamend statt. In Vertretung des Kaisers Franz Insef war Generaladjutant Graf Paar erschienen, ferner der Ministerpräsident, der Kriegs= und Landesverteidigungsminister und neben dem Offizierskorps der Fliegertruppe eine ungeheure Menschenmenge. Während die Särge in das gemeinsame Grab gesenkt wurden, erschienen über dem Friedhof 20 schwarze Flugapparaté. Die an einem Flugmeeting in Aspern teilnehmenden Flieger veranstalteten auf diese Weise in der Luft eine eindrucksvolle Trauerkundgebung. Beendigung des Pariser Postbeamtenstreiks. Paris, 25. Juni. Der Streik der Pariser Postbeamten hat ein vorläufiges Ende gesunden. Gestern abend erklärte der Verkehrsminister, daß während der zehn Minuten dauernden Unterredung mit der Abordnung der Unterbeamten eine beiderseitige befriedigende Lösung der materiellen Fragen gesunden wurde. Der Minister will sich bemühen, hierfür den Senat zu gewinnen. Weiteres Vordringen der albanischen Aufständischen. Rom, 25. Juni. Es bestätigt sich, daß Prenk Bibdodas Truppen in Stärke von 4000 Mann teils vernichtet, teils gefangen genommen worden sind. Auch sonst waren die Ausständischen allenthalben siegreich. Fast ganz Albanien, von Skutari bisher abgesehen, steht in Flammen. Nach Elbassan und Fieri ist nunmehr auch Luschini gefallen, wobei auch ein deutscher Offizier getötet wurde. Die Rebellen erbeuteten zwei Kanonen und eine Mitrailleuse. Auf der Straße nach Durazzo irren Frauen umher, die nach ihren gefallenen oder verwundeten Männern suchen. Zacatecas von General Villa genommen. Neuyork, 25. Juni. Wie aus Tampico gemeldet wird, hat General Villa Zacatecas eingenommen. Die Föderalisten befinden sich in voller Flucht. General Villa marschiert auf Queretaro. Die Nachricht wird als amtlich bezeichnet, ist jedoch noch nicht bestätigt.— Carranza lehnt es endgültig ab, der Friedenskonferenz neue Vorschläge zu machen. Verheerungen eines Tornados. Chicago, 25. Juni. In der vorigen Nacht wütete in fünf Staaten ein heitiger Sturm. In Watertown in Süddakota nahm der Sturm den Charakter eines Tornados an. Viele Häufer sind eingestürzt und 22 Personen verletzt worden. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. 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