* — d 8 Amtliches Kreisblatt für den kreis börde Die Sitrin Zechumnr uden uann außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. WöchenlI. Gratizbeilage:„Illustrierter Familiensreund“ u. togl. Unterdaltungsdiatt. Anzelgenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Redlamezelle 40 Pfg. Jeden Rabalt gilt als Kassarabakt u. erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Nichtbeachtung d. gemacht. Jahlungsbedingung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Volksblatt Verbunden mit: Holzwickeder Zeitung Iplerbecker Zeitung Schwerter Volbszeltng Schwerker, Tageblatt S Schwerter Hnzeiger Grstes und anelses Lagesorgan des Kreiles&a Geperal-Ayzeiger für den Kreis Börde o Haupt-Apnoncenblan Buin deter und Ahameleguchen Nern. nungen für den Kreis Hörde ertangen gemäß Bedanntmachung der Röniglichen Regierung durch Verössenklichung in den„Schwerter Zeitung“ rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt idren Adonnen. ien für jeden mil Tod endenden Unfall geBaguagen; 300 Mk. Unfall. Druch u. Verlag o. Cari Brauz. Schwerte=Ruhe Fernsp. 62. Telegr., Adr. Braus Schwerts= Rude Nr. 141. Freitag, den 19. Juni 1914. 46. Jahrgang. Erstes Blatt. Unsere Nachbarn. Die neuesten Vorgänge und öffentlichen Erörterungen in Frankreich und Rußland, schreibt der „Dtsch. Kurier" sehr richtig, haben mit vollster Deutlichkeit bestätigt, was unmittelbar nach Beendigung der diplomatischen Mission Delcassees in Petersburg verlautete: Die Politik Frankreichs und Rußlands ist in äußeren wie in inneren Angelegenheiten beispiellos eng verschlungen worden durch die wechselseitige Festlegung auf die Bereitschaft zur Ofsensive gegen Deutschland. Dieser wechselseitigen Bindung entsprechen die ungeheuren Rüstungskosten, die Rußland auf sich genommen hat — die aber einstweilen von Frankreich unter Erschöpfung der eigenen Finanzen getragen werden—, und das lebhafte Dreinreden Rußlands, wenn in Frankreich die dauernde Durchführung des Dreijahresgesetzes gefährdet erscheint. Die Aussicht, ein solches Uebermaß der Rüstung finanziell und im Hinblick auf die vorhandenen Menschenkräfte nicht dauernd tragen zu können, kann gar leicht Anlaß geben zu dem verzweifelten Versuch, im Augenblick des erreichten Höchstmaßes um jeden Preis die Probe auf das Exempel zu machen. Sollte trotz der großen vorhandenen Explosionsgefahr der Frieden doch erhalten bleiben, so würden wir das sicherlich nicht dem guten Willen jener französischen und russischen Staatsmänner zuzuschreiben haben, die so laut auf die wechselseitige Bindung im Sinne der Bereitschaft zur Offensive gegen Deutschland pochen, sondern lediglich dem für uns glücklichen Umstand, daß Frankreich sich finanziell übernommen hat, bevor Rußland mit seiner Rüstung, namentlich auf artilleristischem Gebiete, fertig werden konnte. Politische Uebersicht. Der Kaiser trifft heute Freitag in Hannover ein und lesichtigt die Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Am Sonnabend morgen nimmt der Kaiser die Parade über das KönigsUlanen=Regiment ab und begibt sich dann nach Hamburg.— Am Freitag statteten der Kaiser und die Kaiserin dem Reichskanzler, der an diesem Tage seine silberne Hochzeit hätte feiern können, wenn seine Gemahlin nicht vor wenigen Wochen gestorben wäre, einen Besuch ab, um erneut ihr Mitgefühl an dem Tode der Gemahlin des Reichskanzlers zum Ausdruck zu bringen. Staatssekretär v. Jagow hat mit seiner Gemahlin Luitgarde, geborenen Gräfin zu Solms=Laubach, unmittelbar nach der Vermählungsfeier am Donnerstag eine dreiwöchige Hochzeitsneise nach dem Süden angetreten. Internationale Verwicklungen hält man in Berlin also nicht für bevorstehend. Dem Staatssekretär und seiner Gemahlin gingen vom Kaiser, fast allen anderen Bundesfürsten, dem Reichskanzler, Ministern usw. herzliche Glückwunschtelegramme zu. König Friedrich August am Zarenhose. Der König von Sachsen trifft am Freitag am Zarenhose in Sarskose Selo ein, um dem Kailer Nikolaus den Dank für die Verleihung eines russischen Regiments abzustatten. Geleigentlich der Galatasel am Abend des Ankunftstages werden zwischen beiden Monarchen Trinksprüche gewechselt werden. Die Besuchstage werden in erster Linie durch militärische Vorführungen ausgefüllt werden. Die Gerüchte von einem beabsichtigten Bombenattentat auf den Zaren in Odessa, wohin die kaiserliche Familie sich von Konstanza begeben hatte, waren darauf zurückzuführen, daß in Odessa kurz vor der Ankunft der Zarensamilie ein gefährlicher Anarchist verhaftet und in seiner Wohnung ein bombenartiger Gegenstand gesunden wurde. Der österreichische Thronfolger und der König von Griechenland bei den deutschen Kaisermanövern. Der Erzherzog=Thronfolger Franz Ferdinand von Oesterreich= Ungarn, der bekanntlich als Gast des Kaisers an den deutschen Kaisermanövern teilnimmt, wird vom Ches des österreichischen General, stabs, Freiherrn v. Conrad, dem Stellvertreter des Chefs des Generalstabs, Generalmajor Höser, sowie dem Vorstand der Militärkanzlei des Erzherzogs, Obersten Dr. Bardold, begleitet werden. Der Erzherzog=Thronfolger wird seine Reise zu den deutschen Kaisermanövern, die vom 14. bis 18. September bei Gießen bezw. Wetzlar stattfinden, am 12. September antreten. Er wird während der Manöver auf dem Homburger Schloß Wohnung nehmen, wo auch der König von Sachsen und der König von Württemberg wohnen werden.— Auch der König von Griechenland wird an den Kaisermanövern teilnehmen und als Gast des Prinzenpaares Friedrich Karl von Hessen auf Schloß Friedrichhof logieren. Der Bundesrat wird am Freitag nächster Woche seine letzte Sitzung vor der Sommerpause abhalten. Mit diesen Tagen erreichen auch die Beratungen der Ausschüsse ihr Ende. Vor der Vertagung will der Bundesrat noch den Antrag der süddeutschen Regierungen zur Abstimmung bringen, wodurch in den süddeutschen Staaten und in Elsaß=Lothringen die Besteuerung ausländischer Weine ermöglicht werden soll. Die diplomatischen Einsprüche des Auslandes, namentlich Spaniens, gegen die beantragte Aenderung des Zollvereinigungsvertrages von 1867 sind zurückgewiesen worden, da der Antrag der süddeutschen Regierungen mit keiner Bestimmung der Handelsverträge in Widerspruch steht. Dagegen ist es bisher noch nicht gelungen, die Bedenken einiger Bundesstaaten zu zerstreuen. Die Hansastädte, Oldenburg und Mecklenburg befürchten von dem Antrage eine Erschwerung der Weineinfuhr und eine Verteuerung der Weine, einige mitteldeutsche Regierungen Vergeltungsmaßnahmen des Auslandes gegen ihre Spielwarenindustrie. Diese Regierungen brauchen im Bundesrat nur 14 Stimmen zusammenzubringen, um den Antrag zu Fall zu bringen. Mit dem Disziplinarverfahren gegen den Abgeordneten Liebknecht, gegen das das Preußiche Abgeordnetenhaus in seiner stürmisch verlaufenen Schlußsitzung keinen Einspruch erhob, ist Liebknechts Betätigung als Rechtsanwalt arg bedroht. Die Rechtsanwaltschaft in ihrer großen Mehrheit will Liebknecht, der nach dem Ausspruch eines Parlamentariers die„berufsmäßige Beschimpfung des preußischen Staates und die Schädigung seiner Interessen“ sich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben scheint, in ihren Reihen nicht mehr sehen. Nun, Herr Liebknecht ist reich, und verdient durch seine parteiamtliche Tätigkeit noch ein schönes Stück Geld, so daß er den Verlust seiner Rechtsanwaltschaft nur auf ideellem Gebiet verspüren wird, er wird nämlich sein Material nicht mehr aus Akten nehmen können, die nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt sind. Die Sommerarbeit der preußischen Landtagskommissionen. Die Abgeorduttenhauskommission zur Beratung des Grundteilungsgesetzes hat in fortgesetzter Beratung die Bestimmungen der Vorlage über die behördliche Genehmigung von Grundverkäufen erledigt. Revision des Gesetzes über religiöse Orden in Heffen. Die Hessische Zweite Kammer eröffnete die Beratung der Regierungsvorlage über die religiösen Orden. Der Minister des Innern v. Hombergk trat der Besürchtung entgegen, daß durch die Erlaubnis der Niederlassung von religiösen Orden usw., deren Mitglieder sich ausschließlich der Seelsorge widmen, die Rückkehr der Jesuiten gestattet werde. Die Rückkehr der Jesuiten sei und bleibe nach dee bestehenden Gesetzen ausgeschlossen. Der Prozeß des Reichstagsabgeordneten Wetterlé gegen General Keim wird am 24. Juni vor der Strafkammer in Kolmar seine Fortsetzung sinden in der Berufungsinstanz. General Keim hatte bekanntlich Abbé Wetterlé in einem Artikel im„Tag“ sehr scharf angefaßt, worauf der Herr Abbé den General wegen Beleidigung verklagte. Das Amtsgericht hat den Vorsitzenden des Wehrvereins wegen formaler Beleidigung zu 200 Mark Geldstrase ver. urteilt, trotzdem es in seiner Urteilsbegründung selbst festzustellen sich veranlaßt sah, daß Abbé Wetterlé ein Hetzer sei. Man wird dem Ausrang der Verhandlungen vor der Strafkammer in Kolmar wohl allgemein mit großem Interesse entgegensehen. Beratungen über den Patentgesetzentwurs. Am 15. und 16. Juni haben im Reichsamt des Innern zum Ausgleich der Gegensätze, die über grundlegende Bestimmungen des neuen Patentgesetzentwurses innerhalb der beteiligten Kreise hervorgetreten waren, eingehende Verhandlungen zwischen Vertretern der verbündeten Regierungen, der Industrie und der industriellen Angestellten, der Wissenschaft, der Rechts= und Patentanwaltschaft und Mitgliedern höchster Gerichtshöse stattgefunden. Wenngleich in einzelnen Fragen von einem Teil der Großindustrie noch grundsätzlicher Widerspruch aufrechterhalten wird, so ist doch im ganzen eine Annäherung der Anschauungen in dem Maße erzielt worden, daß ein mittlerer Weg gefunden zu sein scheint, auf dem es gelingen dürste, die gesetzgeberische Behandlung der Vorlage über die Revision des gewerblichen Rechtsschutzes nunmehr weiterzuführen und zu einem hoffentlich baldigen gedeihlichen Abschluß zu bringen. Kommunalabgabengesetz. Die Kommission des Abgeordnetenhauses nahm eine Resolution des Zentrums an, in der ein Gesetzentwurf gefordert wird, durch den eine Verbesserung des Warenhaussteuergesetzes, insbesondere hinsichtlich der Grundlagen der Steuerabmessung und ihrer Höhe, sowie des Verwendungszwecks herbeigeführt wird. Angenommen wurde auch ein Antrag, wonach bei der Gemeindeeinkommensteuer für die Gesellschaften mit beschränkter Haftung ein größerer Steuersatz wie für die physischen Steuerzahler in Kraft tritt. Auswärtiger Handel Deutschlands. Nach dem Maihest 1914 der monatlichen Nachweise über den Handel Deutschlands haben betragen im Mai 1914 Einfuhr 6 057 090 Tonnen(gegen 5933330 Tonnen im Mai 1913), die Ausfuhr 6 089 804 Tonnen(gegen 5770 559 Tonnen im Mai 1913), im Jahre 1914 die Einfuhr 27442 251 Tonnen (gegen 27983097 Tonnen im Jahre 1913), die Ausfuhr 30 389 567 Tonnen(gegen 30 303132 Tonnen im Jahre 1913). Die Werte erreichten(in Millionen Mark) im Mai in der Einfuhr 903,0 an Waren, sowie 16,2 an Gold und Silber(gegen 873,7 und 29,6 im Mai 1913), in der Ausfuhr 880,7 an Waren, sowie 10,3 an Gold und Silber(gegen 820,7 und 5,1 im Mai 1913), im Jahre 1914 in der Einfuhr 4593,1 an Waren, sowir 107,7 an Gold und Silber(gegen 4570,2 und 134,2 im Jahre 1913), in der Ausfuhr 4249,2 an Waren, sowie 41,8 an Gold und Silber (gegen 4136,4 und 46,5 im Jahre 1913). Frankreich. Die dreijährige Dienstzeit ist für absehbare Zeit gesichert. Das ist das Ergebnis der Regierungserklärungen des neuen Kabinetts Viviani, das von der Deputiertenkammer ein mit erdrückender Mehrheit beschlossenes Vertrauensvotum einstecken konnte. Und doch glich Vivianis Programm in allen Stücken dem seines Vorgängers Ribot, der nach eintägiger Ministerherrlichkeit in der Versenkung verschwand. Das Debut des Herrn Viviani bewies deutlich, daß die Radikalen und selbst die Sozialisten Frankreichs im Ernste nicht an die Rückkehr zur zweijährigen Dienstzeit denken, wobei die Rücksicht auf die Wünsche des verbündeten Rußlands eine gewichtige Rolle spielt. Der Hinweis des neuen Kabinetts, daß man in einer fernen Zukunft einmal, wenn die militärische Jugenderziehung in Frankreich erfolgreich durchgeführt sei, an eine Verminderung der Rüstungslasten herantreten könnte, war weiter nichts als die Brücke, auf der die radikalen Mitglieder des Kabinetts aus ihrem bisherigen Lager der Gegner in das der Anhänger des Dreijahresgesetzes hinübermarschierten. Die Flottenmanöver. Der neue Marineminister verfügte den Beginn der großen französischen Flottenmanöver in der Nordsee zum 15. Juli. An den Nordseemanövern werden sich beteiligen zwei Geschwader und die Reservekreuzer von Brest, sowie die gesamte Verteidigungsflotte der fünf Marinebezirke. Die Tendenz der Nordsee= Flottenmanöver bildet, den Blättern zufolge, die Abwehr einer seindlichen Invasionsflotte von dem Bereich der Nordsee. Schweiz. Die schweizerischen Schiffahrtsbestrebungen. Bei der Beratung des Geschäftsberichts des schweizerischen Bundesrats erklärte ein Mitglied namens des Bundesrats bei der Besprechung der Binnenschiffahrtsbestrebungen, daß der Bundesrat die größte Aufmerksamkeit vorerst der Rheinschiffahrt zuwenden werde. Hier seien die Verhältnisse am meisten geklärt, und infolge der Haltung Badens dringe die Frage zu einer raschen Entscheidung. Das Ziel der schweizerischen Flußschiffahrtspolitik sei die freie Zusuhr vom Bodensee=Basel nach der Nordsee und alsdann freie Zufuhr vom Genser See nach dem Mittelmeere. Norwegen. Spitzbergen=Konserenz. Gestern wurde die Spitzbergen=Konferenz in Christiania eröffnet. Vertreten sind Dänemark, Schweden, Norwegen, Großbritannien, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Frankreich, Holland, Rußland und Deutschland. Der Minister des Arußeren, Ihlen, entbot der Konferenz im Namen der Regierung Willkommen. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Arbeit des Kongresses gute Ergebnisse zeitigen möchte. Der norwegische Gesandte in Kopenhagen, Hagerup, wurde zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt. Nußland. Das„russische" Bessarabien. Anläßlich der feierlichen Einweihung eines Denkmals Alexanders I. sagte der Zar in seiner Antwort auf die Bewillkommnungsansprache des Adelsmarschalls:„Im Namen der Kaiserin und in meinem eigenen spreche ich dem Adel Bessarabiens unseren gemeinsamen Dank für den gastlichen Empfang und alle hier an den Tag gelegten Gefühle usw. aus. Wir beide freuen uns, daß wir Kischinew besuchen und an dem bedeutsamen Ereignis der Einweihung des Denkmals des Kaisers Alexander teilnehmen konnten. Hundert Jahre hat Bessarabien tatsächlich bewiesen, daß es durch Bande des Herzens an Rußland geknüpft und von russischer Gesinnung durchdrungen ist. Von ganzem Herzen erhebe ich mein Glas auf das Wohl des bessarabischen Adels und das Gedeihen des Landes Bessarabien.“ Drei Reichstags=Nachwahlen Im Monat Juli werden drei Reichstagsersatzwahlen vorgenommen werden. Die erste findet am 10. Juli im Wahlkreise Sachsen=Koburg=Gotha 1 Koburg statt für den ehemaligen nationalliberalen Abgeordneten Quarck, der sein Mandat infolge seiner Ernennung zum Chef der koburgischen Ministerialabteilung niederlegen mußte. Der Wahlkampf ist dort bereits im Gange; die Nationalliberalen haben den Amtsgerichtsrat Dr. Stoll=Koburg, die Fortschrittler den Präsidenten des koburgischen Landtages, Fabrikant Arnold und die Sozialdemokraten den Rechtsanwalt Hofmann=Hof als Kandidaten aufgestellt. Es wird sich darum handeln, ob der nationalliberale oder der fortschrittliche Kandidat mit dem Sozialdemokraten in die Stichwahl kommt. Der Sieg eines Bürgerlichen scheint für die Stichwahl sicher zu sein. Die zweite Nachwahl findet am 16. Juli im Wahlkreise Königsberg 2 LabiauWehlau statt für den Ansang Juni verstorbenen konservativen Abgeordneten Rittergutsbesitzer v. Massow. Der Wahlkampf dürfte sich hier sehr erbittert gestalten, da die Fortschrittler das Mandat mit aller Kraft wieder zurückzuerobern trachten werden. Die Konservativen haben in der Person des Amtsrats Schrewe auf Kleinhof=Tapiau bereits einen aussichtsreichen Kandidaten gesunden. Die Fortschrittler dürsten den früheren Reichstagsabgeordneten Bürgermeister Wagner, der den Kreis schon einmal im Reichstage vertreten hat, wieder aufstellen. Der Ausgang des Wahlkampfes ist durchaus ungewiß; immerhin darf man mit der Wahrscheinlichkeit eines Sieges des Konservativen rechnen. Der Termin der Ersatzwahl im Wahlkreise Württemberg 17 Ravensburg=Saulgau für den vor einigen Tagen verstorbenen Zentrumsabgeordneten Leser ist noch nicht festgesetzt; die Wahl wird aber voraussichtlich ebenfalls im Juli erfolgen. Ueber die Nominierung von Kandidaten ist noch nichts bekannt; es ist das auch schließlich ohne allgemeines Interesse, da der Wahlkreis unantastbarer Zentrumsbesitz i. I.1. 1mues TmmTE 1— Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 19. Juni. **(Ferienzüge.) Mit dem Beginn der Hauptreisezeit werden von der Eisenbahnverwaltung wieder eine Anzahl Feriensonderzüge eingelegt werden, die zu einem ermäßigten Fahrpreis benutzt werden können. Derartige Feriensonderzüge mit ermäßigtim Fahrpreis werden in diesem Sommer 353 abgelassen. Es gehen nach den Ostseebädern 78, nach München 59, der Nordsee 52, dem Riesengebirge 27, nach Berlin 27, Thüringen 13, der Sächsischen Schweiz 7, dem Rhein 6, Kassel 2, Leipzig 2, ferner nach Wien, Dresden, Flensburg, Hamburg usw. Die Fassungskraft und die Bedeutung dieser Züge wird vielfach überschätzt. Wenn auch jeder dieser Züge 500 bis 600 Personen aufnehmen kann, so kommen doch all diese Züge wenig in Betracht gegenüber dem Verkehr der fahrplanmäßigen Züge. Der Fahrplan der Ferienzüge ist zwar vielfach verbessert worden, im Vergleich mit den neuesten Zügen lausen sie aber immer noch recht lange. Die Reise ist an den Tag und die Stunde gebunden usw. Ihr Hauptvorteil ist die Möglichkeit, innerhalb zweier Monate mit beliebigen Zügen zurücklehren zu können. Ausführliche Auskunft geben die Uebersichten, die von den amtlichen Reisebureaus und Stationen umsonst verabfolgt werden. **(Rekrutenfürsorge.) Sonntag den 21. Juni, vormittags 11 Uhr, im„Reiche des Wassers": 2. Vortrag: Die ersten Begriffe des Schießens, Zielübungen(Kamerad Heinzerling). Anschließend daran sinden Exerzierübungen statt. Nachmittags: Schießen am„Schützenhof". Rekruten, auch Freiwillige, können noch an dem Kursus teilnehmen und sind herzlich eingeladen. *•(Warnung vor Flaschenmißbrauch.) In letzter Zeit ist wieder vielfach beobachtet worden, daß Wein=, Bier= und Mineralwassetflaschen zum Einkaufen von Benzin, Petroleum und sonstigen gesundheitsschädlichen Flüssigkeiten benutzt werden. Ein solches Verwenden von Flaschen ist gefahrbringend, zumal durch Verwechlungen das größte Unheil angerichtet werden kann. Es muß deshalb dringend davor gewarnt werden, die bezeichneten Flaschensorten zu anderen als den bestimmungsmäßigen Zwecken zu benutzen. *e(Ein deutsches Fernsprechkabel nach England.) Die rheinisch= westfälischen Handelskammern haben an den Staatssekretär des Reichspostamts eine Eingabe gerichtet, dahingehend, nach Möglichkeit ein 's Fernsprechkabel mit England legen zu lassen, und erst, wenn ein solches nicht erreicht werden kann, das Kabel, das zwischen England und den Niederlanden ausgelegt werden soll, für den deutsch=englischen Sprechrerkehr mit zu benutzen. Die Handelskammern sind, wie die Eingabe betont, der Meinung, daß bei dem ausgedehnten Verkehr, der zwischen Rheinland=Westialen und England besteht, eine unmittelbare deutsche Fernsprechleitung wischen beiden Gebieten an und für sich schon mit den notwendigen wirtschaftlichen Erfolgen ausgenutzt werden kann und daher gleich ein eigenes gelegt werden sollte. Auf alle Fälle erfordern es die deutschen Handeleinteressen, daß die Fernsprechverbindung Rheinland=Westjalen mit England so schnell als tunlich hergestellt wird. **(Zum Bischofsbesuch in der ratholischen Gemeinde.) Das Programm für den Besuch des Herrn von Lanzenauer von Paderborn in der hiesigen katholischen Gede am 27. und 28. Juni hat eine kleine Aendenung erjahren. Der Oberhirt trifft nicht, wie urprünglich beabsichtigt, von Lichtendorf kommend nd des 27. Juni mit dem Uhr am hiengen Bahnhof, wo kleiner bereitet ihrem der Kirche einen festlichen Empfang. Die Firmung wird bereits am Sonntag morgen hr in der Kirche gespendet, gegen 11½ Uhr erKrankenhauses, und nachmittags fährt der Bischof nach Köln, um dort am Montag an der Konsekration des neugewählten zweiten Am Montag abend trifft der Bischof mit dem Zuge 6,46 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof wieder ein und wird dann im Wagenzug nach Holzwickede geleitet. *e(Eine Unütte der Kinder) macht sich in letzter Zeit wieder bemerkbar. Mit dem Beginn des Sommers gehen viele Hausbesitzer daran, unter erheblichen Kosten der Hausfront einen neuen Anstrich zu geden. Sobald aber die Maler den letzten Pinselstrich getan haben, sind auch schon die Kinder da und malen mit Kreide, Blaustift und allen möglichen Schreibgeräten an den Häusern herum, gerade, als ob die neu gestrichenen Häuser eine besondere Anziehungskraft auf die Kinder ausübten. Hierdurch entstehen den betreffenden Hausbesitzern neben dem erklärlichen Aerger zum Teil recht erhebliche Kosten, da diese Schmierereien wieder entfernt werden müssen. Dießer Unsitte vermögen Lehrer und Eltern durch strengste Maßnahmen entgegenzuarbeiten; besonders seien letztere darauf hingewiesen, daß sie für den Schaden haftbar gemacht werden können. **(Ein harter Schicksalsschlag) traf die Familie Fabrikarbeiter W. aus der Fleitmannstraße. Ein hoffnungsvoller Sohn, der zurzeit seiner Militärpflicht beim Infanterie=Regiment Nr. 172 in Neubreisach genügt, und der erst am Freitag voriger Woche von einem längeren Urlaub nach der Garnison zurückgekehrt war, wurde dort am Dienstag morgen auf seinem Posten an einem Militärschuppen tot aufgefunden. Ob ein Unglückssall oder ein Verbrechen vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt. Die Leiche des auf so tragische Weise ums Leben gekommenen jungen Soldaten wurde in die Heimat gebracht. Der traurige Fall löst hier allgemeine herzliche Teilnahme aus. **(Die Zahl der Kraftfahrzeuge,) die am 1. Januar d. J. im Deutschen Reiche in Betrieb waren, belief sich auf 93072; darunter befanden sich 9739 Lastsahrzeuge. Seit dem 1. Januar 1913 haben sich die Kraftsahrzeuge um 20 Prozent vermehrt. In Westfalen beträgt die Zahl der Personenautos 3454; die der Lastfahrzeuge 428. Für die Rheinprovinz sind die betressenden Zahlen 8320 und 1237. ** Aplerbeck, 18. Juni.(Von der Seilscheibe zerdrückt.) Auf der Zeche„Freie Vogel und Unverhofft“ kam der Arbeiter Wilhelm Mülle von hier zwischen die Seilscheibe. Der erst 17jährige Knappe war sofort tot. Ein Altenial auf den Haten! Ein folgenschwerer Anschlag gegen den Zaren ist auf der Eisenbahnstrecke Kischinew—Petersburg verübt worden. Der Zar und seine Begleiter sind offenbar nur durch einen günstigen Zufall dem Tode entgangen. Ein dem Hoszuge folgender Jug ist jedoch von schwerem Unheil ereilt worden. Die Zarenfamilie und das Gefolge hatte Kischinew, wo der Zar auf der Rückreise von Rumänien Station gemacht hatte, in zwei Sonderzügen verlassen. Kurz nachdem beide Züge auf dem Wege nach Petersburg die Station Kasatin verlassen hatten, wurde von dort ein gewöhnlicher Postzug abgelassen. Unweit der Station Tschudnow erfolgten zwei Explosionen. Die Lokomotive wurde umgeworfen. Mehrere Wagen entgleisten, und eine Anzahl Passagiere wurden schwer verletzt. Das Ergebnis der Untersuchung wird geheim gehalten, doch unterliegt es keinem Zweisel, daß der Anschlag dem Zuge des Zaren galt. (Nach einer neueren Meldung handelt es sich jedoch um einen gewöhnlichen Eisenbahn=Unfall. Red.) Unwetterschäden. Olpe, 18. Juni. Gestern richteten neue schwere Gewitter bedeutenden Schaden an. Im nahen Schönau und Ottsingen brannten drei Wohnhäuser infolge Blitzschlages nieder; ebenso gingen bei Altenhundem zwei Häuser in Flammen auf. Die Fernsprechleitungen wurden zum Teil zerstört. Der wolkenbruchartige Regen richtete noch besonders großen Schaden an, so auch der taubeneigroße Hagel. Tiese und breite Furchen sieht man heute durch die bestellten Aecker gezogen, und die Frucht ist weggespült. An verschiedenen Stellen mußte das Vieh aus den Ställen geholt werden, um es vor dem Tode des Ertrinkens zu retten. An den verschiedensten Stellen wurde Vieh auf den Weiden erschlagen. Der angerichtete Schaden ist ganz bedeutend. 8. Siegen, 18. Juni. Während eines hestigen Gewitters trat gestern abend ein wolkenbruchartiger Regen ein, der großen Schaden anrichtete. Die Kanalisation vermochte die Wassermengen nicht zu fassen, so daß die Keller voll Wasser liefen. Auf der Eiserselder Straße ereignete sich ein Erdrutsch, welcher die Gleise der Eisen=Siegener Eisenbahn versperrte, die insolgedessen eine Betriebsstörung erlitt. Edenkoben(Pfalz), 18. Juni. Ein schweres Cewitter mit wolkenbruchartigem Regen richtete hier und in der Umgegend großen Schaden, besonders in den Weinbergen, an. In einzelnen Gemarkungen war alles überschwemmt. In dem Dorfe St. Martin stand das Wasser an manchen Stellen meterhoch und führte aus den höher gelegenen Weinbergen Steine und Geröll mit, die alle Straßen damit bedeckten. Durch Läuten der Sturmglocke wurde die Bürgerschaft herbeigerusen, um helfend einzugreifen und größeren Schaden zu verhüten. Der Rumpf um Bulugdo. Die Kunde von der Niederlage der miriditischen Regierungstruppen hat sich leider im vollen Umsange bestätigt. Durazzo ist noch immer von den Auständischen eingeschlossen, und die fürstentreuen Truppen setzen alles daran, um die Stadt in verteidigungsfähigem Zustand zu erhalten. Wie das Unglück geschehen konnte, ist noch nicht zu erfahren, aber die Eigentümlichkeit des Vorganges läßt es nicht unwahrscheinlich sein, daß Verrat geübt wurde, wie verschiedene Meldungen behaupten. Ueber den Kampf sind noch solgende Drahtnachrichten eingegangen: Ueber die Niederlage der Truppen des Fürsten wird gemeldet: Die Miriditen waren etwa 1000 Mann stark und wurden von Marc Gion besehligt. 500 Mann standen unter Issa Boljetinatz. Zwei Bataillone marschierten auf der Straße nach Schiak in gedrängten Kolonnen. Als sie die Hügelkette erreicht hatten, zerstreuten sie sich in die Ebene und suchten hinter Geschützen Deckung. Rechts und links von der Straße wurden zwei Geschütze nach vorn geschafft. Sie beschossen den Hügel bei Rastbul. Als die Miriditen dicht vor der feindlichen Stellung gekommen waren, wurden sie heftig von den Ausständischen angegrissen und auch aus einer Mitrailleuse beschossen. Die Angreifer stürmten von den Hügeln herab, drangen bis zum Weißen See vor und führten ein ersolgreiches Umgehungsmanöver aus, trotzdem die beiden Geschütze ihre Stellung geändert hatten. Die Miriditen wurden geschlagen und flohen. Einige von ihnen konnten die über die Lagune führende Brücke nicht mehr erreichen, sie warfen sich ins Wasser und ertranken. Andere wurden umzingelt und niedergemetzelt. Bei dem Kampfe ist eine Kanone in die Hände der Ausständischen gefallen, eine andere wurde beschädigt. Die Aufständischen drangen nicht in die Stadt ein, sondern machten in der Ebene Halt, wo sie in regelmäßigen Abständen ihre Angriffe bis zum Abend sortsetzten. Bei diesem Kampfe wurden zwei weitere Kanonen beschädigt; nur eine konnte wieder ausgebessert werden und von Zeit zu Zeit Schüsse in die Ebene hinaussenden. Gegen Mittag brach in der Stadt eine Panik aus. Fürst Wilhelm bleibt in Durazzo. Der das internationale Geschwader vor Durazzo besehligende englische Admiral wünschte, der Fürst solle sich auf eines der Kriegsschisse retten, falls die Ausständischen Durazzo nehmen sollten. Fürst Wilhelm aber, der während der Kämpfe oft in der Feuerlinie steht, erklärte, er würde sich nicht einschiffen, selbst wenn die von den italienischen und österreichisch=ungarischen Matrosen bei dem Palais errichteten Verschanzungen sielen. Lieber wolle er auf den Stufen des Palais bei der roten Fahne mit dem schwarzen Adler sterben. Wie Oberst Thomson starb. Ueber die Art und Weise, wie Oberst Thomson seinen Tod gefunden hat, meldet der„Daily Telegraph“ folgendes: Die Wahrscheinlichkeit, daß Oberst Thomson nicht von den Insurgenten getötet, sondern von einem Verräter ermordet worden ist, gewinnt immer mehr an Boden. Ein Augenzeuge, ein russischer Journalist, der den Obersten fallen sah, teilt mit, daß Oberst Thomson längere Zeit liegen blieb, ehe ihm irgend welche Hilfe geleistet wurde. Der Journalist eilte zu einem holländischen Arzt, doch wollte dieser seiner Angabe, daß der Oberst verletzt sei, keinen Glauben schenken; er weigerte sich vielmehr, ihm zu folgen und erklärte, daß er Thomson noch vor wenigen Minuten bei voller Gesundheit hab: Besehle erteilen sehen. Schließlich ließ er sich aber doch herbei, Thomson aufzusuchen. Die Albanier hatten jedoch den toten Körper des Obersten bereits fortgeschaft. Thomson war gestorben, ohne ärztlichen Beistand erhalten zu haben. Ein deutsches Kanonenboot vor Durazzo. Durazzo, 19. Juni. Das deutsche Kanonenboot„Panther“ und der russische Kreuzer„Terez“ sind vor Durazzo eingetroffen. Die Unterführung der Berlin-Stettiner Bahn unter den neuen rosschiffahrtskanal bei Eberswalde Brand=Katastrophe. Drei Personen verbrannt. Kiel, 18. Juni. In der vergangenen Nacht um 3 Uhr bemerkte ein Wachmann der Wach= und Schließgesellschaft, daß aus dem Dache des Hauses Gasstraße 13 Rauch emporstieg. Er gbarmierte sofort die Feuerwehr, die in wenigen Minuten zur Stelle war. Aus allen Fenstern des Gebäudes riesen Menschen um Hilfe. Da die beiden in Verbindung stehenden und neheneinander liegenden hölzernen Treppen des Hauses bis zum Dachstuhle hinauf in hellen Flammen standen, besahl der Branddirektor sofort das Heranrücken aller Reservefahrzeuge und dienstfreien Leute. An zwei Seiten des Hauses wurden Leitergänge emporgerichtet und zuerst ein junges Mädchen, das in Flammen stand, gerettet. Außerdem wurden weitere zwölf Personen mittels der ausgerichteten Leitern durch Feuerwehrleute gerettet. Als die Feuerwehrleute in dem brennenden Treppenhause vordrangen, fanden sie unten einen verbrannten Mann. Wie sich später herausstellte, war:s der Schmied Eilert, der im zweiten Stockwerk wohnte. Er hatte das Feuer zuerst bemerkt und die Bewohner der unteren Stockwerke geweckt, ist aber, als er sich retten wollte, in den Flammen umgekommen. Auf dem Dachboden wurden in einer Kammer ohne Fenster zwei vollständig verkohlte Leichen gesunden. Das Feuer wurde mit sechs Rohren bekämpft. Das ganze Rettungswerk vollzog sich in wenigen Minuten. Von den Feuerwehrleuten ist der Wachtmeister Eggers bei den Rettungsarbeiten ziemlich schwer verletzt worden. Zwei Mann sind leicht an Rauchvergistung erkrankt. Das verletzte Mädchen wurde in ein Krankenhaus übergeführ:. — Vom Blitz erschlagen. * Bensberg, 18. Juni.(Mutter und Kind vom Blitz erschlagen.) Bei dem Gewitter, das sich am Dienstag nachmittag hier entlud, wurde eine Mutter mit ihrem zehnjährigen Jungen auf einem Feldwege vom Blitz erschlagen. Ein zweites Kind wurde betäubt. 5. Schwetzingen, 18. Juni. Der Maurerpolier Georg Alter in Viernheim wurde gestern nachmittag auf seiner hiesigen Arbeitsstelle vom Blitz getrossen und sofort getötet. S. Habelschwerdt, 18. Juni. In Neubrunn ist die Frau eims Besitzers, die ein sechswöchiges Kind auf dem Arm trug, vom Blitz erschlagen worden. Das Kind blieb unverletzt. Eberbach, 18. Juni. Bei einem schweren Gewitter schlug der Blitz in das Haus des Landwirts Karl Münch im benachbarten Resienbach und tötete das zufällig im Hause weilende Mädchen des Landwirts Anton Heck. Zwei weitere Personen wurden vom Blitz betäubt. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 18. Juni.(Wegen Beleidigung verurteilt.) Der Händler Ludwig Zimmer von hier schrieb aus Aerger über einen verlorenen Prozeß an das Landgericht:„Das ist eine Nechtsprechung, die im Mittelalter üblich war, und in der heutigen Zeit als Justizmord angesprochen werden müßte.“ Wegen Beleidigung des Richterkollegiums der Kammer, die das Urteil sprach, wurde Zimmer zu einer Geldstrasse von 100 Mark verurteilt. * Welver, 18. Juni.(Unter den schrecklichsten Qualen) verschied gestern abend der Bahnarbeiter Joseph Kleekämper aus Nateln. K., der mit der Instandhaltung der Beleuchtungskörper auf dem hiesigen Bahnhof betraut war, wollte am Montag abend eine Spiritusglühlampe nachfüllen. Infolge der Hitze am Nachmittag war der Inhalt der Füllkanne stark vergast und kam beim Ooffnen zur Entzündung. Mit einem kolossalen Knall explodierte das Füllgefäß, und der brennende Spiritus ergoß sich über den ganzen Körper des Bedauernswerten. Am ganzen Leibe brennend, eilte K. in den Wartesaal und versuchte seinem verbrannten Gesicht durch Benutzung von Spülwasser Linderung zu verschafsen. Obwohl die Beamten der Station bald mit Decken und Mänteln das Feuer erstickten, war der Aermste am ganzen Körper derart mit Brandwunden bedeckt, daß an ein Wiederauskommen nicht zu denken war. Er wurde in das katholische Krankenhaus gebracht, wo er nach 24stündigem qualvollen Leiden durch den Tod erlöst wurde. * Lenhausen(Sauerland), 18. Juni.(Fleischvergiftung.) Hier erkrankte eine Familie nach dem Genusse eingekochten Fleisches an Vergiftungserscheinungen. Ein Sohn ist bereits gestorben, Mutter und Tochter liegen schwer krank darnieder. * Paderborn, 18. Juni.(Abgestürzt.) Bei der Arbeit in der Provinzial=Blindenanstalt viel heute Malermeister Vogt aus dem vierten Stock in den Hof. Die Verletzungen waren so schwer, daß er nach einer Viertelstunde starb. Er hinterläßt eine Witwe und acht unversorgte Kinder. * Langendreer, 18. Juni.(Mordanschlag auf einen Steiger.) Durch den Mordanschlag auf den Steiger T. wurde die Belegschaft der Zeche „Bruchstraße" in begreifliche Aufregung versetzt. Der kaum 20 Jahre alte Bergmann Johann Bertsch bekam mit seinem Steiger T. einen Wortwechsel, zog den Nevolver und schoß mehrsach auf den Steiger. Eine Kugel traf den T. an der linken Brustseite und hätte den sicheren Tod herbeigeführt, wenn die Kugel ihre Durchschlagskraft nicht an Nr. 141. Beilage. Schwetter Heitung Freitag, 19. Juni 1914. Amtliches Kreisblatt. Uenschen und Geld. Nicht allein in Frankreich macht sich für die militärischen Rüstungspläne der Zukungt Mangel an Minschenmaterial bemerkbar, auch auf der BalkanHalbinsel haben die beiden Kriege von 1912 und 1913 Verluste gebracht, die an sich bedauerlich, aber doch heute eine große Hilfe sind, die Sucht nach neuen Feldzügen nicht gar zu sehr anwachsen zu lassen. Die Eriechen, die verhältnismäßig am wenigsten Soldaten eingebüßt haben, sind heute darin am lautesten, dürsten sich indessen schließlich noch besinnen, obwohl die Mehrzahl von ihnen damit rechnet, den König Konstantin als griochischen Kaiser einmal in die heutige Sultans=Residenz Konstantinopel einziehen zu sehen. Dagegen sind Türken und Bulgaren, namentlich die letzteren, außerordentlich mitgenommen, und sie werden bei möglichen Konflikten diese Tatsache sehr beachten müssen. Rußland, Oestereich=Ungari. und Italien haben noch Menschen genug, hingegen läßt in England der Ersolg der Werbungen zu wünschen übrig. Das Deutsche Reich hat nach Verwirklichung der letzten Militärvorlage noch 40000 dienstfähige junge Leute uneingestellt gelassen. Diese Zahl wird sich auch kaum sehr ändern, denn der Gesamtrückgang der Geburten ist nicht so groß, wir man hat befürchten wollen. Französische Politiker haben schon ausgesprochen, wenn die Republik mit ihrem Menschenmaterial zu Ende sei, dann sei es am besten, an die letzten Konsequenzen zu denken. Es ist indessen nicht erforderlich, wenn sich auch kein Franzose prinzipiell für einen ewigen Revancheverzicht gegenüber Deutschland aussprechen wird, der sofortige Kriegsentschluß ist in der heutigen Zeit des rassiniertesten Lebensgenusses nicht so leicht. Es ist also nutzlos, sich solchen Ausblicken für die Zukunft hinzugeben, uns kann genügen, daß wir stark genug sind, wenn Ernstes kommen sollte. Beschwerlicher wie die Menschenknappheit scheint die Geldlage für die militärischen Aufwendungen zu weiden. Bei uns sind die Kosten durch den Wehrbeitrag und die sonstigen Abgaben gedeckt, aber daß tein Geldüberfluß herrscht, beweist doch die andauernde Geschäftsunlust an den Börsen. Dort, wo sich die klarsten Spuren von einem Umschwung in der sinanziellen Depression zeigen müßten, will es nicht anders werden. Für neue Anleihen werden die Zinsen gesteigert, die Kurse herabgesetzt, aber von glatten Zeichnungen ist oft keine Rede. Das sind Verhältnisse, die im heutigen Zeitenlauf liegen und die viel zu lange schon bestehen, als daß man ein Besserung in absehbarer kurzer Zeit erwarten könnte. Frankreich, das sich bisher selbst reich nannte, gab bisher nur dreiprozentige Staatspapiere aus. Es wird demnächst vier Prozent Zinsen einführen, um Geld zu schaffen. Aus dem Auslande kommen Anleihewünsche nach dem deutschen und französischen Geldmarkt. In Paris sagte man schon längst„Für nichts ist nichts", und hat heute die Bedingungen für Darlehen noch verschärft. Auch in Deutschland hat man erkannt, daß jetzt, wo der heimische Eeldbedarf kaum gedeckt werden kann, die Kulanz gegenüber fremden Geldsuchern ein begrenztes Ziel haben muß. Unbedingt erfonderlich sind beste Garanticen für die Sicherheit der Anleihen, und die deutschen Finanzinstitute haben daher erst neulich die Verhandlungen über eine bulgarische Anleihe in Deutschland vertagt, bis die Regierung in Sofia sich zur Beschaffung dieser Garantie bereit erklärt habe. Das muß für alle Geldgeschäfte in der heutigen unsicheren Zeit gelten, denn wenn ein mit Schulden reich versehener Staat sun ne in einem neuen Kriege unterliegt, dann ist er auch kaput, und die Gläubiger können nachpfeisen, wenn sie nicht vorher sich gesichert haben. Westfalen und Rheinland * Dortmund, 18. Juni.(Das Oberlandesgericht) hat der Beschwerde gegen den Bescheid der Staatsanwaltschaft und der Oberstaatsanwaltschaft, die die Erhebung der Anklage gegen den Kaplan Kerkmann aus Hombruch wegen Kindeshinterziehung abgelehnt hatten, nicht stattgegeben. * Dorstfeld, 18. Juni.(Endlich erwischt.) Vor etwa einem Jahre war der Zögling Wilhelm Heimes aus einer Fürsorgeanstalt im Münsterland entwichen und hatte sich nach Holland begeben. In der Zwischenzeit kehrte er zurück, flüchtete aber, als er wieder festgenommen werden sollte, abermals nach Holland. Von einem Bekannten hatte er falsche Papiere erhalten. Vor etwa einem Monat kehrte Heimer nach hier zurück und arbeitete bei einem Unternehmer unter dem angenommenen Namen. Als er hier nun wieder festgenommen werden sollte, gelang es ihm, wieder zu entkommen. Die Beamten hatte er mit Erschießen bedroht. Gestern nun gelang es, den Burschen in Dortmund in seinem neuen Zufluchtsort auszustöbern und festzunehmen. H. wurde außerdem zwecks Strafvollstreckung von der Staatsanwaltschaft gesucht. * Lünen, 18. Juni.(Todessturz.) Vom Turm der katholischen Altstadtkirche ist gestern nachmittag der Dachdeckergeselle Wessels abgestürzt, nachdem er die Reparaturarbeiten beendet hatte und wieder absteigen wollte. Der Aermste war durch den Sturz am Körper entsetzlich zugerichtet und sofort tot. Er hinterläßt eine kranke Frau und drei kleine Kinder. * Recklinghausen, 18. Juni.(Die Knabenleiche im Kanal.) In der Nähe der Emscherbrücke ist die Leiche eines zehnjährigen Knaben aus dem Wasser gezogen worden. Der Tote war bekleidet mit einer Zwirnjoppe, schwarzrot gerandeten Sweater, weißem Biberhemd und dunkler Hose. Fußbekleidung war nicht vorhanden. Da am Kopse des Knaben mehrere Verletzungen festgestellt worden sind, so steht noch nicht fest, ob ein Verbrechen oder Unglücksfall vorliegt. Es war noch nicht möglich, die Persönlichkeit des Toten festzustellen. Gestern nachmittag fand die Obduktion im Reckkinghauser Krankenhause statt. * Mülheim(Ruhr), 18. Juni.(Jahn=Denkmal.) Unter zahlreicher Beteiligung hiesiger und auswärtiger Turner wurde gestern hier auf dem Kahlenberg ein Jahn=Denkmal enthüllt. Das Denkmal, bestehend aus einem 2,80 Meter hohen Stein mit Bronzetafel, die das Bild Jahns trägt und das von dem Bildhauer Künne=Berlin geschaffen wurde, ist aus Mitteln der Mülheimer Turnerschaft errichtet worden. * Quisburg, 18. Juni.(Schwarze Pocken.) Ein Fall von schwarzen Pocken wurde am Sonntag bei einem Hefehändler im Ortsteil Homberg=Hoch= heide festgestellt. Der Erkrankte wurde sofort in das Isolierhaus des katholischen Krankenhauses gebracht. Polizeilicherseits sind alle Absperrungsmaßnahmen getroffen. Woher die Pocken eingeschleppt worden sind, ist noch nicht festgestellt. * Köln, 18. Juni.(Verbrüht.) In einem Hause an der Sternengasse fiel ein fünfjähriges Mädchen in einen Kübel kochenden Wassers und erlitt schwere Verbrühungen am ganzen Körper. Man brachte das Kind zum Bürgerhospital, wo es seinen Verletzungen erlegen ist. * Köln, 18. Juni.(Automobilunfall.) In Langerwehe fuhr heute nacht 1½ Uhr ein Automobil an einer Kurve gegen einen Baum; ein Insasse wurde getötet, eine Frau und der Chauffeur wurden schwer verletzt. Der Chauffeur befindet sich in Haft. * M.=Gladbach, 18. Juni.(Von dem Vermächtnis eines Postschaffners) wurde in der Gemeinderatssitzung der benachbarten Gemeinde Pesch Mitteilung gemacht. Danach hat der verstorbene Postschaffner a. D. Franz Karl Kremer der Gemeinde Pesch sein ganzes Vermögen hinterlassen mit der Verpflichtung, an einige entsernte Verwandte Legate auszuzahlen. Von dem Vermächtnis sind u. a. 600 Mark für die jährliche Veranstaltung von Weihnachtsseiern für die Schulkinder von Pesch, 5000 Mark für eim: Studienstiftung und 3000 Mark für die Anlage eines öffentlichen Brunnens in Korschenbroich bestimmt. Zum Untergang der „Empreß of Freland“ begannen unter dem Vorsitz Lord Mersey's die Verhandlungen der Untersuchungskommission über den Untergang der„Empreß of Ireland". Die Besitzer der„Storstad“ reichten folgende schriftliche Erklärung ein: Die„Storstad“ fuhr mit einer Geschwindigkeit von 6 Knoten, als die Mastlichter der„Empreß of Ireland“ 6—7 Knoten entfernt gesichtet wurden. 6 Minuten später sah man auf der„Storstad“ ihr grünes Licht und bemerkte dann, daß sie ihren Kurs änderte. Sie zeigte rot und grün zusammen. Dann verblaßte das grüne Licht und nur das rote blieb sichtbar. Nach 3 bis 4 Minuten hüllte der Nebel das Schiff ein, doch war das rote Licht noch immer zu sehen. Hierauf gab die„Empreß of Ireland“ das Signal. Wir antworteten und verlangsamten unsere Geschwindigkeit. Das Steuerrad wurde weiter scharf umgelegt, doch gehorchte das Schiff nicht mehr. Um nicht alle Manöverierfähigkeit zu verlieren, erging in den Maschinenraum der Befehl, langsam weiter zu fahren. Der Steuermann ließ jetzt den Kapitän auf die Brücke rufen, sagte ihm aber nichts von der„Empreß of Ireland“. Als der Kapitän auf Deck kam, und die Mastlichter der„Empreß of Ireland“ sah, ließ er sofort mit voller Geschwindigkeit rückwärts fahren. Die Schisfe waren jetzt 80 Fuß von einander entfernt; da erschien das grüne Licht der„Empreß of Ireland“ und drei Minuten später stießen die beiden Schiffe zusammen. Der Kapitän hörte einen Ruf von der„Empreß of Ireland“, er möge vorwärts fahren. Er gab entsprechenden Befehl, doch konnte er den Bug der„Storstad“ nicht in der Oeffnung der„Empreß of Ireland“ halten. Die„Storstad“ schwenkte herum, bis sie parallel lag, denn der Kapitän fürchtete, sein Schiff würde auf der Backbordseite von der„Empreß of Ireland“, getrofsen werden. Sie mußte einen vollständigen Kreis beschreiben und inzwischen war die„Empreß of Ireland“ gesunken. Auf die Hilferufe kam die„Storstad“ vorsichtig näher und ließ vier Boote herab, die einige 100 Menschen retteten. Kapitän Kendell gab dann seine Version von dem Zusammenstoß; nach ihm sand dieser um 1,55 Uhr, nach der„Storstad“ um 2,03 Uhr östlicher Zeit statt. Neue Griechenverfolgungen in Kleinasten. Athen, 18. Juni. Hier lausen zahlreiche dringende Telegramme von den Gouverneuren von Mytilene, Chios und Samos ein, wonach die Verfolgungen der Griechen auf dem asiatischen Kontinent erneut mit Heitigkeit eingesetzt haben. Diesmal enthalten die Telegramme eingehende Schilderungen der schrecklichen Leiden, denen die griechische Bevölkerung dauernd ausgesetzt ist. Verschiedene Metzeleien sind vorgekommen. An der Richtigkeit der Meldungen ist kaum zu zweifeln. Augenscheinlich ist die türkische Regierung nicht mehr der Situation gewachsen. Zahlreiche griechische Flüchtlinge drängten sich um den Zug Talaat Beys und baten ihn um Schutz. Es blieb ihm jedoch nichts übrig, als sie zu ersuchen, in ihre Heimat zurückzukehren, da er zur Zeit nichts für sie tun könne. Paris, 18. Juni. Wie die französischen Blätter erfahren, wird die Antwort der Türkei auf die griechische Note in versöhnlichem Tone gehalten s.in und dartun, daß man in Konstantinopel weit davon entfernt ist, in diesem Augenblick einen Krieg zu wünschen. In Athen dagegen dürfte man sich wohl kaum mit leeren Versprechungen begnügen. Wenn es auch in der griechischen Note nicht besonders ausgedrückt ist, so ist doch kaum daran zu zweiseln, daß Grirchenland Gewißheit darüber haben will, ob Chios und Mytilene in Zukunst von Angriffen geschützt sein werden. Die Athener Presse sordert, daß die Türkei ihre Rüstungen beschränke. Der Kernpunkt der Forderung scheint darin zu liegen, daß die beiden von der Türkei im vergangenen Monat angekauften ausländischen Panzerschiffe nicht angekauft werden sollen. Dieser Ankauf ist eine sehr wichtige Vorsichtsmaßregel der Türkei gegen Griechenland das in absehbarer Zeit keine weiteren Panzerschiffe in Aussicht hat. Man fragt sich, was die Mächte tun werden, um einen Konflikt abzuwenden. Sie könnten die Unverletzlichkeit von Chios und Mytilene garantieren, aber auch eine solche Garantie dürfte bei der Uneinigkeit der Mächte wenig Wert haben. 1400 Prozesse wegen eines Vergehens. Massenanklagen in einem Umfange, wir sie in der Geschichte der preußischen Justiz wohl nicht häufig zu verzeichnen sind, beschästigen zurzeit das Schöfsengericht in Zabrze. Nicht weniger als 1400 Prozesse gleicher Art sind bereits erledigt, und sämtliche Richter des Gerichts in Zabrze haben sich mit diesem Rattenprozeß zu beschäftigen gehabt. Allerdings handelt es sich laut„B. T.“ hierbei um keine großen Staatsverbrechen. Eine Budapester Firma versandte Prospekte, nach denen sich jeder für 1 Mk. 50 Pfg. ein Paar Schuhe aus Boxcalf= oder Chevreauxleder anschaffen konnte. Der Käufer mußte sich nur verpflichten, einen Bon selber zu kaufen. und drei weitere Bons an andere zu verkaufen. Und jeder dieser Käufer mußte natürlich seinerseits wiederum drei Bons weiterverkaufen. Dieser Trick der Firma hatte zur Folge, daß die erwähnten 1400 Angeklagten sich wegen Spielens in einer auswärtigen Lotterie, wegen Vergehens gegen das Reichsstempelgesetz und gegen§ 75 des Reichsstrafgesetzbuches zu verantworten hatten. Sie wurden sämtlich zu je 3 Mark Geldstrafe für den einen gekauften und drei verkausten Bons verurteilt, so daß ihnen die Schuhe mit den Nebenkosten auf etwa 20 Mark zu stehen kommen. Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Ang. König. 39 Weißt Du das von Dagobert sicher?“ Ichweißes, Georg, wir beide sind gute Freunde, aber von Liebe kann nie zwischen uns die geur sein. Vielleicht ist die Beratung nun zu Ende, und wenn Du Dagobert besuchen willst—“ Heute nicht,“ unterbrach er sie rasch,„in der freudig erregten Stimmung, in der ich bin, könnte ich ihm mein Glück nicht verschweigen, und doch darf ich mich dessen erst dann ganz freuten, wenn ich die Zusage Deines Vaters erhalten habe. Von keiner anderen Seite darf Dein Vater unsere Verlobung ersahren.„ „Du hast recht,“ mate sie,„wir beie mussen die ersten sein, die offen mit ihm darüber reden, er haßt alle Heimlichkeiten, und sein jähzorniges Temperament könnte ihn zu einer Erklarung hinreißen, die uns den Kampf erschwerte. Also gedulde Dich einige Tage, vielleicht wäre es gut, wenn vor Deiner Werbung meinem Vater einen Besuch machtest, damit er Dich näher Ein Vorwand dazu wird sich leicht finden lassen. Er band die Zügel seines Pferdes los und schritt langsam dem Walde zu.„ Theodore, die an seinem Arme ying, schmiegte sich innig an ihn, eine unsagbare Fülle von Liebe strahlte aus ihren Wie gerne sähe auch ich es, wenn Du bei mir bliebest,“ sagte sie leise,„aber Du hast recht, voll und ganz dürfen wir unseres Glückes uns nicht sreuen, und ebensowenig darf Papa von anderer Seite von unserer Verlobung erfahren. Und wenn Du auch scheidest, ich bin nun nicht mehr allein, Geliebter, unsere Seelen werden stets sammen sein im Wachen und im wohl und komme bald, folge meinem Rate, dem ich nur Gutes erwarte.“ Er schloß sie noch einmal fest in seine Arme beiLeb' von und küßte sie auf Augen und Lippen, dann schwang er sich in den Sattel und ihr noch eimal mit der Hand zuwinkend, ritt er rasch von dannen. 11. Kapitel. „Eine Dame wünscht den Herrn Notar zu sprechen, meldete der Schreiber, der kleine, hagere Herr, nickte gewährend und trat vor den Spiegel, um die Weste herunterzuziehen und die weiße Halsbinde zurecht zu rücken. Gleich darauf trat Nauny in eleganter Toilette ein. „Ach so, Sie sind es?“ fragte der Justitiarenttäuscht,„na, nehmen Sie Platz, Sie kommen gelegen, denn ich habe gerade eine halbe Stunde Zeit.“ Ich sollte glauben, daß ich Ihnen immer gelegen komme," erwiderte die Zofe in ihrer schnippischen Weise,„ich kann nicht über meine Zeit verfügen, wie es mir beliebt. Wenn das gnädige Fräulein mich nicht zur Putzmacherin und der Schneiderin geschickt hätte, wäre ich auch heute morgen nicht gekommen.“ Zur Sache!“ sagte der alte Herr, auf einen Stuhl deutend,„bringen Sie mir wichtige Nachrichten?“ „Vielleicht!“. „Die beiden Herrn haven gestern ven ersten Wortwechsel gehabt.“ „Worüber?" „Ich weiß es nicht, sie hatten im Arbeitskabinett eine lange Unterredung und sprachen dabei sehr laut, ich hörte nur, daß Baron Dagobert den Verwalter einen Spitzbuben nannte.“ Hm, das ist nichts neues, dem Verwalter ist ja gekündigt. Steht die Baronin noch immer auf gespanntem Fuße mit ihrem Schwager?“ Sie verläßr ihre Gemächer nur selten, speist dort allein und will weder von ihrem Schwager noch von der Baronesse etwas wissen. Ein ungarischer Graf hat gestern den Herren Besuch gemacht und mit Baron Dagobert lange allein gesprochen. „Sein Name?“ fragte der Notar aufblickend. „Ich fand die Karte heute morgen auf dem Schreibtisch: Graf Morray. Baron Dagobert fuhr heute morgen gleich nach dem Frühstück zur Stadt; er hat beim Abschied gesagt, daß er wahrscheinlich vor abend nicht zurückkehren werde. Uebtigens ist meine Stellung schwierig und unangenehm geworden, der Kammerdiener und der Kutscher neuneu mich bei jeder Gelegenheit eine Spionin, sie kennen meine Besuche bei Ihnen, ich kann mich nicht geuug vor ihnen hüten. „Der Herr Baron und ich schützen Sie, da kann Ihnen nichts geschehen. „Wenn das gnädige Fräulein Kenntnis davon erhielte, würde sie meine Entlassung fordern, deshalb fordere ich nun die Entlassung der andern.“ Der alte Herr lächelte spöttisch.„Die alten, zu verlässigen Diener kann und wird der Herr Baron nicht ohne Grund entlassen,“ sagte er. „Gründe sind geuug vorhanden,“ erwiderte Nanny rasch.„die alten Diener halten mit Baron Dagobert, sie verraten ihren Herrn an ihn.“ „Sie wissen noch nicht, was gestern vorgefallen ist?“ fragte sie;„hat der Herr Hauptmann es Ihnen nicht gesagt Der atte Herr war stehen geblieben, während sein Blick forschend und voll ungeduldiger Erwartung auf dem Antlitz der Zofe ruhte. „Nein,“ erwiderte er,„was ist vorgefallen?“ „Na, ich glaube, daß meine Nachricht Ihnen viel wert ist; der Herr Hauptmann hat sich gestern mit Baronesse Theodore verlobt.“ „Unsinn,“ sagte er unwirsch.„Dann würde ich es wissen. „Das hatte ich auch erwartet, aber Baron Kurt weiß ebenfalls noch nichts davon. Das gnädige Fräulein ist überglücklich und wie umgewandelt. „Hat sie selbst es Ihnen gesagt?“ „Keine Silbe!“ „Also nur Vermutung—“ „Bitte, wenn ich mit meinen eigenen Augengesehen habe, daß die beiden Arm in Arm durch den Park spazierten und sich küßten, so kann von Vermutung wohl keine Rede mehr sein.“ In den Augen des Notars leuchtete es auf, er rückte seinen Sessel der Zofe näher und nahm wieder Platz. „Erzählen Sie mir alles,“ sagte er,„waun geschah es und was haben Sie gesehen?“ „Es war gestern vormittag, der Herr Hauptmann kam zu Pferde durch den Wald in den Park und begeguete dort der Baronesse. Ich glaubte, er wolle den jungen Herrn besuchen, der gerade eine Unterredung mit seinem Onkel hatte. Das Pferd wurde an einen Baum gebunden und die beiden setzten sich auf eine Bank. Was sie mit einander sprachen, konnte ich nicht hören, aber sie fielen sich gleich darauf in die Arme und küßten sich und dann hat es Küsse geregnet, bis der Herr Hauptmann fortritt. „Im Herrenhause ist mein Sohn nicht gewesen?“ fragte der Notar in sichtbarer Erregung, während er seine Briefe aus der Tasche holte. „Nein, er nahm von dem gnädigen Fräulein Abschied und ritt durch den Wald zurück.“ „Also soll diese Verlobung einstweilen noch ein Geheimnis bleiben,“ sagte er,„Sie werden sich das natürlich merken, Nanny! Oder haben Sie schon davon gesprochen?“ „Keine Silbe habe ich verraten.“ „Er drückte ihr ein Geldstück in die Hand, das sie in ihre Tasche gleiten ließ. „Verschwiegenheit,“ sagte er in befehlenden. Tone.„Solange das gnädige Fräulein nicht selbst Sie in das Geheimnis einweiht, dürfen Sie keinem Menschen etwas davon verraten, verstanden?“ „Ich werde mich hüten. Habe ich nun recht?“ „Iu welcher Sache?“ „Daß es Ihnen nicht gleichgültig sein kann.“ „Ja, ja, die Dinge liegen ja nun anders! Aber den rechtmäßigen Erben können wir doch auch nicht beseitigen.“ 214,16 1— Die tollen Wahlweider. Es ist kein Zweifel, daß die tollen Wahlweiber wieder einen ganz außerordentlichen Streich planen, doch dürften sie die Nachricht von der beabsichtigten Zerstörung des Wasserwerks nur in die Welt gesetzt haben, um die Polizei irre zu führen. Zu diesen irreführenden Mitteln gehört auch die Protestversammlung gegen den König. Der Hauptredner Mr. Revinson erging sich in heftigen Ausfällen gegen den König, die von den Suffragetten mit begeisterten Beifall ausgenommen wurden. Er nahm zuerst bezug auf den„schrecklichen und tragischen Irrtum“, den die Regierung beging, als sie dem König den Rat gab, Frau Pankhurst nicht zu empfangen.„Für den König“, so führte der Redner aus,„werden Geldopfer gebracht, damit er das Volk repräsentiere, damit wir uns in kritischen Augenblicken an ihn wenden können; wenn wir aber das nicht dürsen, wozu ist er da, weshalb bezahlen wir, warum halten wir ihn überhaupt? Bisher glaubten wir, er sei ein zwar schwerfälliger Mensch, den Gott unglücklicherweise auf den Posten gestellt hat, der aber seine Pflicht tue. Jetzt haben wir die Achtung vor ihm verloren. Ich sehe in ihm nur ein schwaches, unentschlossenes Geschöpf, das nicht berechtigt ist, sich mit dem Purpur zu bekleiden. Ich sehe nicht ein, warum man einen Mann, wie diesen, besonders ehrt und warum er einen Hut, Krone genannt, oder einen besonderen Sxazierstock, Szepter genannt, tragen soll. Er verdient das alles nicht. Er ist nicht besser als seine Minister, nicht einmal besser als Asquith, er ähnelt seinem Verwandten, dem Zaren von Rußland. Nevinson sprach dann über den Zwischenfall, bei dem sich Miß Blumefield dem König zu Füßen warf und ihn bat, der Tortur der Frauen in den Gefängnissen Einhalt zu gebieten. Wenn das nicht erlaubt ist, was sollen wir dann tun? Und die Zeitungen meldeten, daß der König dem Zwischenfall keine Aufmerksamkeit geschenkt und seine Ruhe und Würde bewahrt habe. Das ist eine salsche Würde und eine unwürdige Ruhe.“ Einige sarkastische Bemerkungen über den Prinzen von Wales, die der Redner mit einflocht, riefen laute Hochrufe der Anwesenden hervor. 0 Die Völkerbewegung nach den Balkankriegen. Mancher hat sich gewundert, duß die Mohammedaner aus Ländern, in denen sie aufgehört haben zu herrschen, so rasch verschwinden, während die christliche Bevölkerung in mohammedanisch gewordenen Gebieten halbe Jahrtausende überdauert hat. Wo ist der Jelam Siziliens, Spaniens, Ungarns, Südrußlands geblieben? Aber das Türkenreich finden wir selbst bis tief nach Asien hinein überall mit christlichen Bevölkerungsbestandteilen durchsetzt, allein Arabien ausgenommen. Sind die Christen so viel treuer ihrer Religion, die Moslemin so viel lauer? Mit nichten. Auch nicht im Fatalismus liegt die Hauptursache ihrer geringeren Widerstandsfähigkeit. Es steht vielmehr einfach so, daß sowohl die maurischen Eroberer Spaniens wie die osmanischen des alten oströmischen Kaisertums durch weitherzige Dultsamkeit gegen die Andersgläubigen in den unterworfenen Gebieten wieder verdorben haben, was das Schwert erworben hatte; während umgekehrt die christlichen Herrschaften mit dem unbarmherzigsten Fanatismus den Islam ausgerottet haben. Allein die Hohenstaufen=Herrschaft auf Sizilien ist duldsam gewesen gegen das dort den Waffen der christlichen Ritterschaft nach 250jährigem Besitze der Insel unterlegene Arabertum— weil eben die Hohenstaufen keine anderen Freunde besoßen. Daß man in Spanien sich bald nicht mehr mit der Zwangsbekehrung der„Moriscos" begnügte, sondern sie der größeren Sicherheit halber ein Jahrhundert nach dem Falle Granadas einfach nach Afrika hinüberjagte, ist bekannt. Oesterreich und Rußland aber haben es in Ofen, Asow und Baktschissarai nicht besser gemacht. Und Briechenland wie Serbien sind im 19. Jahrhundert diesen Beispielen gefolgt. Auf diese Methode der Nationalitäten= und Konsessionenpolitik war auch der Balkankrieg von 1912 von vornherein zugeschnitten. Es muß nämlich immer wieder darauf hingewiesen werden, daß in der Regel der sogenannte„Glaubenshaß“ nur ein durchsichtiges Mäntelchen für Feindschaften der Rassen ist. Der beste Beweis dafür ist, daß Serben und Bulgaren nicht blos überall, wohin sie ihren Fuß setzten, mohammedanische Albanesen und Osmanen totschlugen, sondern auch sich untereinander. Man darf doch wahrhaftig nicht von religiösem Fanatismus sprechen, wenn bloß durch eine verschiedene kirchliche Organisation gesonderte Religionspatteien von wörtlich übereinstimmendem Dogma aufeinander loshauen. Am schlimmsten haben es neuerdings dieselben Griechen getrieben, die während des Balkankrieges nicht genug sich ihrer„Gesittung" im Verhältnisse zu dem Treiben der bulgarischen Komitatschi zu berühmen wußten. Die mohammedanische Bevölkerung, die besonders in dem 1881 türkisch gebliebenen Teile Nordthessaliens noch in starken Massen wohnte, fühlt sich unter dem griechischen Joche so bedrückt, daß sie in Scharen nach der europäischen und der asiatischen Türkei hinüber gewandert ist. Aber durch diesen plötzlichen Zuzug fühlen sich nicht einmal die Glaubensgenossen in den von jenen aufgesuchten neuen Wohnsitzen besonders beglückt. Der Konkurrenzneid gegen die Zuzügler überwiegt alle politischreligiösen Gesichtspunkte. Ungeneigt, vom eigenen Opfer zu bringen, zugleich freilich auch wohl in gerechter Empörung über die Verfolgungen in Neugriechenland, welche die Ursache dieses Massenzuzugs geworden sind, verlangen sie, daß die Ankömmlinge ausschließlich auf dem bisherigen Besitze der Griechen türkischer Staatsangehörigkeit angesiedelt werden, diese aber zur Sühne der mazedonischen Austreibungen das Land verlassen sollen. Und gegen solche Vergeltungspolitik nimmt nun die griechische Regierung Stellung, die so stumpfe Augen und Ohren für die Dinge hatte, die in Nordthessalien und Mazedonien geschahen. Die Gefahr ist wohl nicht zu unterschätzen, daß sich aus diesen tief ins soziale Leben eingreifenden Austreibungen und Einwanderungen mit ihrer Summe von materiellen Schädigungen für die Betroffenen und auch für die Staaten und Gemeinden ein neuer großer Brand im Osten entwickeln wird; zumal sich der abermalige türkisch=griechische Konflikt über diesen Streitfall bald mit der noch ungelösten und ihrer entgültigen Entscheidung durch die Waffen harrenden Inselfrage verschlingen wird. Halbwegs möchte man ja wünschen, daß es Griechen wie Türken gelänge, ihre durch die letzten Friedensschlüsse abgegrenzten Gebiete gegenseitig national zu reinigen. An sich lag in dem Durcheinanderwohnen der Völker auf der Balkanhalbinsel eine ewige Gefahr für innere Unruhen und auswärtige kriegerische Verwickelungen. Aber Völkerwanderungen sind niemals kultursördernde Ereignisse gewesen, und gewaltige Umwälzungen des privatwirtschaftlichen Besitzstandes haben aller Orten in der Geschichte zu Revolutionen und Gewaltsamkeiten geführt. Auch haben wir den Argwohn, daß der Allerweltsschmarotzer, der Grieche, in irgend welcher Verkleidung sich doch bald durch Hintertüren wieder einschleichen wird, wo man ihn aus der Vordertür hinausgeworfen hat; besonders auch nach Klein=Asien, wo das Türkentum am gleichgültigsten und deswegen griechischer Ausbeutung am meisten preisgegeben ist. Bezeichnend ist, daß gleichzeitig auch in Bulgarien wieder Zusammenstöße mit den Griechen vorgekommen sind, weil die Hellenen ihre Landesfarben auf ihren kirchlichen Gebäuden anbringen wollten und der bulgarische Pöbel sie von dort wieder heruntergeholt hat. Diese Gewalttat war ja nicht schön; aber die Herausforderung doch auch nicht. Denn auf Kirchen gehören nach unseren Anschauungen keine politischen Anzeichen. Der Vorgang ist ein neuer Beweis für den überhaupt nationalpolitischen Charakter der sogenannten Religionsstreitigkeiten des Orients. Zugleich aber auch für die unverminderte Fortdauer der bulgarisch griechischen Feindseligkeit, die sich in naher Zukunft wieder in einem fürchterlichen Gewitter entladen dürfte. Kirchliches Leben. Aus der Kreissynode Ierlohn. Der reiche Arbeitsplan der in diesem Jahre zu Hohenlimburg tagenden Kreissynode Iserlohn konnte ein Beweis dafür sein, daß in unserm Kreise das kirchliche Leben in kräftiger Bewegung ist. Zwei Tage waren anberaumt, der 27. Mai und der 16. Juni, um ein gründliches Eingehen auf die brennenden kirchlichen Fragen der Zeit zu ermöglichen. Nach einem eindrucksvollen Gottesdienst mit der Predigt des Herrn Pfarrer Natorp=Iserlohn in der reformierten Kirche zu Hohenlimburg, an dem auch die fürstliche Jamilie teilnahm, begannen die Beratungen im Bentheimer Hof. An ihrem Ansange stand eine Aussprache über die Austrittsbewegung. Sir hat bisher in unsern Gemeinden keinen Boden gefunden. Man weiß in den beiden westlichen Provinzen noch, was man an seiner Kirche hat. Aber es ist kein Grund vorhanden, sich dessen tatenlos zu sreuen, vielmehr wird es als eine der brennendsten Fragen angesehen, wie die Kirche selber noch lebendiger und dem einzelnen noch lieber zu machen sei. Das ging deutlich hervor aus der nochmaligen einarhenden Beratung über die vorjährige Vorlage des Konsistoriums:„Wie ist eine regere Beteiligung der evangelisch=kirchlich gesinnten Männer an den Aufgaben des Gemeindelebens zu erreichen und praktisch nutzbar zu machen?" Die Männer vor die Front! lautet also die hoffnungsreiche Losung, bei der man sich darüber wundern kann, daß sie nicht schon längst ausgegeben wurde. In denselben Bahnen ging ein weitgehender großzügiger Antrag des Piesbyteriums Menden auf Abänderung mehrerer Paragraphen der Kirchenordnung. Er will der von dem Presbykerium ausgehenden Bewegung dei „Männerarbeit“ eine von der Gemeinde ausgehende Gegenbewegung schaffen, die sich beide jedoch nicht himmen, sondern fördern und vereinigen sollen. Es soll den Vertretern der Familien mehr als bisher ein bestimmender Einfluß auf kirchliche Gemeindefragen gewährt und so das Gemeindebewußtsein gehoben und gestärkt werden. Der Antrag wurde den einzelnen Presbyterien zur besonderen Beratung und Aeußerung überwiesen. Mit der Erledigung verschiedener Anträge zur Disziplinargesetzgebung, zur Agendenreform usw. wurde die erste Sitzung beschlossen. Der zweite Tag wurde begonnen mit einer eingehenden Besprechung über die Frage, ob die Zeit nicht die Gründung eines Sydonalsonntagsblattes fordere. Man ist der Meinung, daß kein Weg übersehen werden dürfte, der zur Hebung des kirchlichen Lebens führen kann. Pflege des religiösen Lebens in heimatlicher Gestalt ist unumgängliches Erfordernis in heutiger Zeit. Ein bodenständiges Christentum zu wecken und zu fördern, gibt es kein besseres Mittel als ein Sydonal= oder Gemeindeblatt. Die wichtige Frage wird an die einzelnen Presbyterien zur Beratung überwiesen. Unter den übrigen Beratungsgegenständen nahm die Besprechung des Geburtenrückgangs eine Hauptstelle ein. Mehr als sonst wurden auch die Berichte der Vereine mit ihren mancherlei Anregungen für die Verhandlungen fruchtbar gemacht, weil sie gewissermaßen ein Gradmesser des kirchlichen Lebens sind. Zum Synonalort des nächsten Jahres wurde wieder Hohenlimburg g.wählt. und Die Reichseinheitsstenopraphie dürste nach der„Voss. Ztg.“ nicht zustande kommen. Seit Monaten arbeitet bekanntlich ein Sachverständigenausschuß, dem Vertruter aller deutschen Kurzschriftschulen angehören, an einer Reichseinheitskurzschri,t. Aber die einzelnen großen Schulen sind anscheinend nicht geneigt, die erforderlichen Opser zu bringen und Entgegenkommen zu bezeigen. Der Ausschuß tritt nun am 20. Juni wieder zu einer entscheidenden Sitzung zusammen. Ihm wird ein Entwurf zu einer Einheitsstenographie vorgelegt werden, den ein Unterausschuß ausgearbeitet hat. Dieser Kompromißentwurf weist aber so viele Mängel auf, daß er aller Voraussicht nach keine entscheidende Mehrheit finden wird. Die Folge würde also sein, daß die Reichseinheitskurzschrift als gescheitert gelten muß. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Preise Deine Ware nicht nur mundtich, sondern auch burch Inserate an; denn was Du schwarz auf weiß gibsi, das kann man nicht vergessen! Merklinghäuser wie Kornbranntwein empfiehlt Tart Käfftl Gasthof Zur„Helle“. ELETETETEEETETEGE DETECCHTETECE Schuhmachermeister Mech. Schuhmacherei Besohl=Anstall Senningsweg 26 elegante Anfertigung nach Matz. 8= Billigste und beste= Bedienung am Platze. Verarbeite nur bestes Kernsohlleder und nehme# volle Garantie f. Haltbarkeit. Auf eilige Arbeit kann gewartet werden. 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Fritz Meier hatte mehrere Jahre nach Heinrichs Tode geheiratet und besaß ein kleines liebes Töchterlein, an dem sein ganzes Herz bing.... Winen Hinge Die Jahre waren vergangen und aus dem keinen Dinge war eine liebliche Jungfrau geworden. Ihr sechzehnter Geburtstag sollte nun mit der ganzen Pracht des alten Bankhauses gefeiert werden. Durch einen unglückseligen Zufall wohl durch ein achtlos fortgeworfenes, brennendes Streichholz— geriet plötzlich das duftige Tüllkleid des Geburtstagskindes in Brand— und bald stand das junge Mädchen in hellen Flammen. Ihr Vater eilte ihr sofort zu Hilfe und es gelang ihm, seinen Liebling von dem sichern Tode zu retten; aber er selbst erlitt schreckliche Brandwunden. Der alte Bankier Meier wurde schleunigst an das Sterbebett des Sohnes gerufen. Auf einen Wink des Verunglückten verließ die barmherzige Schwester mit dem Arzt das Zimmer. „Vater— der— Heinrich Müller— ist unschuldig gewesen.— Ich— habe— damals— die fünstausend Mark genommen.— Spielschulden— ich konnte nicht anders.“— Der alte Bankier war zusammengebrochen, so meldete die Zeitung— und der wieder eintretende Arzt fand den alten Herrn ohnmächtig an der Leiche seines Sohnes. Nach dem Leichenbegängnis ging der alte Herr zu Stadtrats, und die drei alten Leute weinten zusammen um die Verstorbenen. „Heinrich Müllers Name steht nun wieder fleckenlos da, las Beate mit überströmenden Augen.— 8 Mit jenem Tage, an dem Fräulein Beate vor auer augen das Grab des Geliebten mit Blumen schmückte, kennt man ihr Geheimnis und niemand hat sich seitdem mehr gewundert, warum Fräulein Beate nicht geheiratet hat. Sitten und Gebrauche. Eheschließung im nördlichen Borneo. Bei den Bassuns in Nordborneo erfolgen die Eheschließungen im Urwalde nur in Gegenwart der zwei beteiligten Familien, doch ohne jede begleitende Festlichkeit. Die dabei beobachtete Feier besteht nur darin, daß dem Brautpaare mit einem hölzernen Messer ein leichter Ritz in die Wade beigebracht wird. Nachdem das vor den Zeugen geschehen, siedelt das junge Ehepaar mit ins Vaterhaus der Braut über, wo der Mann nun als Familienmitglied gilt. Eine afrikanische Sparkasse. Ein Afrikareisender erzählt von einer merkwürdigen Sitte der Bayanzi, eines am oberen Lauf des Kongo wohnhaften Volksstammes, die geeignet erscheint, den verheirateten Frauen das Leben schwer zu machen. Um den Hals der Weiber werden Messingstäbe, das beliebteste Umlaufsmittel des Landes, zu großen Ringen fest zusammengeschmiedet. Viele solche, von den Frauen wohlhabender Männer getragene Ringe haben ein Gewicht bis 15 Kilogramm und werden bis zum Tode von den armen Frauen geschleppt. Die Frauen sind stolz auf ihre Bürde und glauben, durch dieselbe werde ihre Schönheit bedeutend erhöht. Messing ist die dortige Landeswährung, und auf diese Weise glauben die Männer, ihre Schätze am besten in Sicherheit zu bringen. Was die Arzte sagen. Der Nährwert des Zuckers. Der französische Arzt Dr. Toulouse hat beachtenswerte Forschungen über den Ernährungswert des Zuckers bei verschiedenen krankhaften Zuständen angestellt. Bei solchen Fällen, in denen die Körperabzehrung einen bedenklichen Grad erreichte, gab Dr. Toulouse große Mengen von Zucker als Zuschuß zu anderen Nahrungsmitteln, die entweder aus der gewöhnlichen Diät oder aus Milch bestehen mochte. Die Zuckermenge schwankte zwischen 50 und 300 Gramm täglich. Bei sehr schwächlichen Frauen beispielsweise verschrieb der Arzt 8 Gramm Zucker auf jedes Kilogramm des Körpergewichts. Von der ersten Zeit dieser Behandlung an nahmen die Kranken durchschnittlich 100 Gramm täglich an Gewicht zu, zuweilen sogar bis 500 Gramm, also noch mehr, als das Gewicht des aufgenommenen Zuckers selbst betragen hatte. Einige Patienten erreichten in wenigen Monaten eine Gewichtszunahme von 35 auf 48 Kilogramm. Die Wirkung des Zuckers war am größten bei einer Ernährung mit Milch, wenn drei Liter täglich genommen wurden. Die Erfahrungen Dr. Toulouses beweisen, daß reiner Zucker ein höchst wirksames Mittel in allen Zuständen bedrohlicher Abzehrung darstellt und daß er sogar von solchen Kranken ohne jeden Schaden genommen werden kann, bei denen die Tätigkeit der Verdauunasorgane nicht ganz in Ordnung ist. Kranke Fingernägel. Das Spalten der Fingernägel ist ein Anzeichen von Krankheit. Man findet es sowohl bei Allgemeinerkrankungen als auch bei nur örtlichen Erkrankungen der Nägel. Ob es sich um das eine oder das andere handelt, muß die ärztliche Untersuchung entscheiden. Natürlich wird man die örtliche Behandlung der kranken Nägel nicht vernachlässigen. Vor allen Dingen empfiehlt es sich, die Nägel vor jeder Verletzung nach Möglichkeit zu schützen. Das einfachste Mittel zu diesem Zwecke ist das Bedecken der Nägel mit Wachs, die Wachsschicht braucht nur ganz dünn zu sein. Nötigenfalls kann man über Nacht Gummifinger überziehen. Außerdem ist es zweckmäßig, morgens, mittags und abends eine Viertelstunde die Hand mit den kranken Nägeln in einem warmen Wasserbade zu baden, in dem ein Teelöffel Schwefelleber aufgelöst ist. Allerlei Interessantes. Ein rasch Lebender war Ludwig II., König von Ungarn. Er wurde bereits in seinem zweiten Lebensjahre gekrönt; im vierten soll ihm bereits— ein Bart gewachsen sein. Im fünjzehnten Jahre heiratete er. Im Alter von 18 Jahren hatte er graue Haare. Mit zwanzig Jahren wurde er zu Mohacs getötet.— Über dem Festlande ist der Kohlensäuregehalt der Luft in der Nacht höher als am Tage.— Die Fidschünseln sind die einzige englische Kolonie, wo die Eingeborenen ihre Steuern nicht in Geld, sondern meist mit Kokosnüssen entrichten.— Der Madagasse kennt nicht die Bezeichnungen„rechts" und„links“, sondern gebraucht dafür die Himmelsrichtungen, z. B.„dein westlicher Arm“. Kleine Eltern=Zeitung. Wie soll man Kinder strafen? Der Grundton aller Strafe muß Gerechtigkeit sein, wenn sie ihre sittliche Wirkung nicht verfehlen soll. Zuweilen folgt auf eine harmlose Handlung, die gar kein wirkliches Vergehen ist, eine Züchtigung, nur weil Vater und Mutter gerade mißgestimmt sind. Bei wolkenlosem Stimmungshimmel würde die Tat vielleicht belächelt worden sein. Oder der Erzieher läßt sich in Leichtgläubigkeit und plötzlicher Aufwallung des Zornes hinreißen zur Bestrafung, noch bevor das Vergehen als Tatsache festgestellt ist, sodaß dem Zöglinge leicht ein Unrecht zugefügt werden kann. Dadurch wird der Rechtssinn des Kindes verletzt und sein Vertrauen zu dem Erzieher erschüttert. Die Gerechtigkeit der Strafe ist aber nicht zu verwechseln mit starrer Gesetzlichkeit. Machen sich z. B. zwei Geschwister desselben Vergehens schuldig, so brauchen doch nicht beide in gleichem Maße strafvar zu sein. Eine Tat unterliegt z. B. einem ganz verschiedenen Strafmaße, je nach den Motiven, aus denen sie hervorgegangen ist; denn was z. B. das eine Kind aus kluger Berechnung tut, ist bei dem andern nur ein Ausfluß des Übermutes, des Leichtsinnes oder der Unwissenheit. Ferner muß die Strafe im angemessenen Verhältnisse zur Empfindungsweise des Kindes stehen, denn auf das eine macht ein leiser Verweis einen stärkeren Eindruck als auf das andere harte Züchtigung. Vorzüglich sind auch Alter und Geschlecht zu berücksichtigen. Bei jüngeren Kindern ist eine Züchtigung wirksamer als lange Ermahnungen und Belehrungen, die nicht genügend ersaßt und behalten werden; bei älteren Knaben und Mädchen kann das Wort das Hauptzuchtmittel bilden.— Die Wirksamkeit jeder Strafe beruht auf der Erschütterung des Gemütes, welche sie hervorbringt; soll diese aber eintreten, so darf auch das Herz des Strafenden nicht unbeteiligt dabei bleiben. Wenn eine Bestrafung mit anscheinender Gleichgültigkeit vollzogen wird, so hört ihre Wirkung auf das Gemüt des Kindes auf. Das Kind nimmt sie hin als eine äußere Notwendigkeit, aber nicht als Werk und Zeichen des vergeltenden Gewissens. Ebensowenig darf sich aber der Erzieher von blinder Leidenschaft beherrschen lassen, dte ihn nicht nur ungerecht zu machen vermag, sondern durch welche er sich auch leicht zu Mienen, Bewegungen und Außerungen hinreißen läßt, die ihn in den Augen der Kinder heruntersetzen. Die Stimmung des Erziehers muß gemischt sein aus ernstem Unwillen über das Vergehen und aus Liebe zum Zöglinge. Der Nachdruck des gesamten Inhalts dieser Beilage ist untersagt.* S 0 8 S S 83 # S S. S S • W 5* # ue SISSEE S 8*5" S S— " 1* S S. 3.8. 60 f. S a g G Poca: B# 5# Amtliches Kreisblaft Kft für den kreis börde 46. Jahrgang O Griles und Alteltes Cagesorgan des Kreiles. O haupt-Annoncenblatz Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 141. Freitag, 19. Juni 1914. Ein Leben ohne Liebe Ist wie Reben ohne Criebe; Ein Leben ohne Glauben Ist wie Reben ohne Trauben; Drum, ob dir sonst nichts bliebe, Laß beides dir nicht rauben. Auf der Hochzeitsreise. Roman von Arthur Achleitner. „(4. Fortsetzung.) Der Wagen verließ das Gebiet der Feigen und Pfirsichbäume und näherte sich den Beständen rotrindiger Föhren. Über dem„Signeter“ zeigt König Schlern seine Kuppe und Spitzen, es türmt sich das Zinnengewirr von Latemar und Rosengarten, und zwischen diesen, ferne an der Grenze Itatiens, blickt die Steilpyramide der einsamen Palla in den duftig bläulichen Ater. Über der gähnenden Tiefe des schaurigen Rivelauntales schwebt der Wagen aufwärts, er verschwindet plötzlich in der Finsternis eines Tunnels, klettert dann eine hohe Mauer hinan, nähert sich einer einsamen Hügelkuppe, auf der ein uraltes Kirchlein thront. Und nun verwandelt sich alles Wilde und Schroffe des Rittenberges in sanstes welliges Hügelgelände, die Berghöhe wird eben, der breite Rücken trägt willig Saaten und helle Wiesen, behäbige Gehöfte alteingesessener Bauern, lindenumschattete Edelsitze der Bozener Adeligen und Handelsherren, die Sommeririschen mit ihrem seenhaften Fernblick auf die firnumgürteten Zentralalpen und kahlen Zinnen und Zacken der Dolomiten. Das Hochbelvedere Südtirols ist erreicht. Obervozen! Auf Seehöhe von 1220 Meter ladet das neuerbaute schmucke Hotel„Oberbozen“ zum Besuche ein. Eine wundersame Raststätte, umflattert vom Alpenzauber, der sich durch jedes offene Fenster schmeichelt und jeden Gast zärtlich liebkoset zu wonnigem Willkomm'... Eilig verließen Ziesers hier den Wagen, die überraschten „Kletten“ aus ein Wiedersehen am Ende der Rittenbahn vertröstend. Der Wagen rollte weiter nach Klobenstein. War das ein köstlich Wandern zu Zweien durch die wonnigen Gesilde von Oberbozen, umweht vom„Mailüsterl“. Und die Augen schwelgten im Anblick der großartigen Natur im Rahmen dieser erhabenen Bergeswelt. Zieser tam nicht zum rechten Genuß des Schauens, ihn freute mehr, den„Kletten" so rasch entronnen zu sein. Die glücklich bewerkstelligte Flucht machte ihn übermütig und ließ vergessen, was son t unten in Bozen den Kopf beschäftigt Tini hatte zaghaft und schüchtern davon gesprochen, daß die Herrschaften die plötzliche Flucht sicher verübeln werden; Zieser redete der holden Galtin diese Befürchtung aus und empfahl ihr, Aug' und Herzelein zu erquicken in diesem Bergparadiese. „Ja! Es ist himmlisch hier oben! Man kann sich nicht sattsehen an dieser Alpenpracht!“ „Sattsehen? Sollst du auch nicht! Zur Sättigung haben die Aktionäte der Rittenbahn klug und weise das schmucke Hotel erbaut, in dem wir uns nun häuslich niederlassen wollen!“ Tini bettelte allerliebst, noch ein Weilchen wandern und schauen zu dürfen, und Egon fügte sich galant und ritterlich. und hörte befriedigt den Jubelrufen zu, die in heller Begeisterung der Brust Tinis entstiegen. Dann aber sprach Zieser, der hungrig geworden war, ein Machtwort. Behaglich saß es sich im lichten Speisesaale des schmucken Berghotels. Neugierig guckten die Berggeister durch die Fenster den Gästen zu, und die würzige Maienluft wehte balsamisch herein. „Wahrlich ein Labsal sondergleichen für abgehetzte Berliner!“ meinte Zieser, der nun das Diner zusammenstellte und die Weinkarte studierte. Tini stand an einem offenen Fenster und schwelgte schauend in die Alpenpracht. Und zeigte nicht das geringste Interesse dafür, ob das Mittagsmahl tirolisch=österreichischer Art sein oder nach internationalem Rezept zusammengestellt werden solle. So hatte Zieser denn freie Wahl. Schon der Tischschmuck erzeugte wohliges Behagen: alpine Maienpracht blühte und duftete in geschliffenen Vasen. Die Eleganz des modernen Hotels gepaart mit tirolischer Gemütlichkeit, das gab die richtige Stimmung. Flinke Bedienung, tadellose Zubereitung der Speisen, die„Donauperle“ ein vortrefflicher Wein. Zieser nahm einen Schluck und rief:„Ein Pröstchen. Schatz! Und schwimm mir nicht davon in Wolken und Ater!“ Tini eilte wieder an das Fenster, um schauend zu schwelgen. „Es ist himmlisch schön!“ Zur Gattin tretend, stimmte Egon bei und rauchte andächtig dazu. „Entzückend! Darf ich eine große Bitte aussprechen?“ „Warum denn nicht?! Nur los! Nur vom— Heimfahren rede nichts!“ „Huhn! Im Gegenteil! Bitten möcht ich, inständig bitten, daß wir in dieses Berghotel übersiedeln! Hier heroben möchte ich etliche Wochen wohnen und überglücklich sein! Willft du, Männe? Bitte, bitte, willige ein!“ „Ja! Hm! Das heißt...“ Schatten umdüsterten Egons Gesicht. Die an sich so begreifliche Bitte kam ihm ungelegen. Und mit Blitzeseile sprangen Ziesers Gedanken hinab den Rittenberg nach Bozen, in das Postamt und von da in das Spital „Besteht denn ein Hindernis?“ fragte schüchtern Frau „Darüber reden wir draußen!“ Zieser beglich die Zeche und dann geleitete er die Gattin auf den Plattenweg, um zu Fuß hinab nach Bozen zu wandern. Tini wiederholte die Bitte, im Ton freilich etwas unsicher, zaghaft, die Ablehnung befürchtend. „An sich würde ich von Herzen gern einwilligen! Aber es läßt sich zurzeit nicht machen! Unmöglich! Später mit größtem Vergnügen!“ Tinis Lippen zitterten leicht. Schmollend zog sie ihren Arm zurück und wanderte ohne zärtliches Geleit zur Seite des Gatten. „Nicht böse sein, Schatz! Aber jetzt geht es nicht! Zum mindesten muß ich einen Brief von Berlin abwarten, der Inhalt bestimmt dann, was weiter zu geschehen hat!“ „Aber du bist doch auf Urlaub, also nicht im Dienst! Dazu im Ausland und auf— Hochzeitsreise!“ S 9—5 :S 15.— S 4.* SOS3u TSMTPETTN BHSDSESSHOOSEGRS S m g. P#SSE: ESugs ###„E * S 6 * 5 SEFEE“ #. E 55 E 80.SSE E SGrG#"„ „„„*•* 2½ 85 55 * SSEESSSA3 S 9 4% S S e5Sg99S-SSSESBEES OSyPSESSPPEEEEES•ES. S 2 15—07nES SI, LUAULOBEREEEEU BAÄZRUEENZaATNES AAS 8 * ZSES S 2— 5 S# S E 8 „Alles ganz richtig! Aber der erwartete Brief kann alle Pläne umstürzen!" „Ein Dienstschreiben?“ „Ja und nein! Ich kann darüber nicht sprechen!" Ach, gar wohl ein Amtsgeheimnis? Im Urlaub und auf Hochzeitsreise? Merkwürdig!“ P. g 8, Zieser fühlte den Spott und Unmut. Er schluckte die Erwiderung unausgesprochen hinab. „Na, die Hochzeitsreise hab ich mir ganz anders gedacht!“ „Ich auch!“ „Wie?“ Es klang gereizt von Tinis bebenden Lippen. Und in die Wange stieg die Röte des Zornes. Einlenkend versicherte Egon, daß die Bestimmung der weiteren Reiseziele wahrhaftig nicht von seinem Willen abhänge, daß er aber beim besten Willen nicht über die in Schwebe befindliche Angelegenheit sprechen könne. „Ich bin aber doch deine Frau! Willst du vor der jung angetrauten Gattin Geheimnisse haben?“ „Wenn es sich um dienstliche Angelegenheiten handelt, bin ich zur Wahrung des Amtsgeheimnisses unter allen Umständen, auch der Gattin gegenüber, verpflichtet!“ Tinis Lippen kräuselten sich. „Sei nicht böse Schatz! Der Beamte schleppt die Dienstkette zuweilen auch im Urlaub mit sich!“ „Wenn ich daran glauben soll, mußt du schon die Güte und Gnade haben, mir zu erklären, wie es möglich ist, daß ein preußischer Beamter seine Amtsketten auf österreichischem Boden schleppen kann! Von dienstlichen Angelegenheiten verstehe ich allerdings nahezu nichts, aber so viel weiß ich, daß du in Tirol als Beamter nichts, absolut nichts„to seggen“ hast!“ „Das wollen wir abwarten!“ „Das kann ja recht hübsch werden! Du willit mich also nicht ins Vertrauen ziehen, in das„fürchterliche Staatsgeheimnis“ einweihen?" „Spotte nach Belieben! Ich muß schweigen! Und zunächst den Dienübrief abwarten! Enthält dieser nichts von Belang oder das nicht, was ich vermute, so bin ich frei und ungebunden und stehe meiner gnädigen Gebieterin in allem zur Verfügung! Dann werden wir noch heute nach Oberbozen in das Berghotel übersiedeln!" „Danke! Ich habe nun die Lust hierzu verloren!“ Verstimmt erreichte das Paar die Stadt. Und alsbald begab sich Zieser, von brennender Ungeduld getrieben, in das Hauptpostamt, um nach postlagernden Briefen zu fragen. Und als er den Brief in Händen hielt, zögerle er mit dem Offnen, trotz des drängenden Diensteifers... Mit unwiderstehlichem Zwang mußte Egon an Tini denken, an sein junges Glück, das vernichtet werden wird, wenn er die Hochzeitsreise in eine dienstliche Hetzjagd verwandelt... Noch stand es in seiner Machtbefugnis, sich der Dienstesfahrt zu entschlagen; niemand kann den Kriminalkommissar auf Urlaub zwingen, einen Verbrecher im Auslande zu verfolgen. Jeder Zwang entfällt. Und der Brief kann nichts anderes als die von dem Berliner Polizeipräsidium erbetene Auskunft enthalten. Zieser sann in Unentschlossenheit und überlegte, was er in dieser, vom Diensteifer heraufbeschworenen Zwickmühle, tun, wozu er sich entscheiden solle. Schon neigte er der Auffassung zu, daß ihm sein Lebensglück höher stehen und wichtiger sein müsse, als der im Auslande noch dazu übel angebrachte Diensteifer, die Sucht, sich amtlich hervorzutun. Aber wie es ein Jägerblut gibt, das zuweilen rebellisch wird, wie es eine Krankheit der Autofahrer gibt, das„Kilometerfressen“, so fühlt sich der Kriminalist immer versucht,„die Suppe mit den Blinden zu essen“ und sich amtlich um die Taten und Angelegenheiten anderer zu kümmern, was der Italiener charakteristisch nennt:„das Haar im Ei suchen". Mit Leib und Seele war Zieser Kriminalist, der schwere Beruf beglückte und befriedigte. Und nun soll der Kriminalist dem Ehemanne den Vortritt lassen... Und die Vernunft mahnte zur Vorsicht. Egon riß den Umschlag auf und las. Gierig wurde der Inhalt durchflogen, gierig mit dem dienstlichen Interesse des eifrigen, strebsamen Beamten. In diesen Minuten siegte der Kriminalist über den Ehemann.. 4. Wohl kannte Frau Thekla Bentfeldt den Satz, daß der Mensch seinem Schicksale nicht entgehen könne. Dennoch wollte sie den Versuch wagen, ihren Gedanken und der gefährlich gewordenen Cympathie für den hübschen„Pflegling“ Bosse zu entfliehen, und hatte deshalb Bozen verlassen, in Meran Quartier genommen. Inmitten des schönen Burggrafenamtes, umringt von gewaltigen, himmelanstrebenden Bergen, im wonnigen Gelände voll südlicher Pracht, wollte die anmutige Frau die Herrschaft über sich wieder erringen. Die fluchtähnliche rasche Abreise, wie die Einmietung in einer Privatpension zu Meran war glücklich durchgeführt worden. In einer stillen Weinlaube vom köstlichen Meraner Riesling nippend, schrieb sie dem„Pflegling“ Bosse einen herzlichen Abschiedsgruß und innige Wünsche für sein weiteres Wohlergehen. Kein Wort von jenen Empfindungen, die Anlaß zur Flucht gegeben hatten; aber die Meraner Adresse kritzelte Thekla auf den Rand der Karte. Nur zum Zwecke, das sich der Pflegling und Freund gleichfalls brieflich verabschieden konnte. Hierzu mußte Bosse ja die Adresse haben. Natürlich war Bosse anderen Tages in Meran.„Als gesund entlassen", wie er der überraschten Frau Bentfeldt mit so kläglicher Miene meldete, daß Thekla hell auflachte. Dann aber schoß flammende Röte in die zarten Wangen. Was nun beginnen mit dem hübschen, betrübten Manne, der so lieb in dankbarer Anhänglichkeit bitten konnte, ihn nicht zu verstoßen? Und was soll werden? Wie toll jagten die Gedanken durch den Kopf Theklas, während Bosse demütig dasaß und scheu den Blick auf die Dame richtete, die das entscheidende Wort sprechen sollte. Die Reue über die Bekanntgabe der Adresse kam jetzt zu spät, die begangene Unvorsichtigkeit mußte sich rächen. Doch darüber war sich Thekla klar, daß keine neue Unklugheit der gestrigen Unvorsichtigkeit angereiht werden dürfe. Und ein Ende muß die aus dem Mitleid erwachsene Beziehung finden; die Tätigkeit der Pflegerin ist beendet, die alleinstehende Dame kann und darf nicht mit dem jungen Manne durch die Welt ziehen. Des guten Rufes wegen nicht... Dreinzuieden hätte ihr allerdings niemand. Die Witwe ohne Anhang hat das freie Verfügungsrecht über sich. Und mehr als hinreichend die Mittel, zu tun, was ihr beliebt. Und eine große Sehnsucht im Herzen, einen starken Lebenshunger... Dennoch wagte Frau Thekla den großen Sprung nicht, stärker als Sehnsucht und Lebenshunger erwies sich die Scheu vor Abenteuern. Die Dame von Welt und Moral durfte nicht— springen... Zag und leise, dem bettelnden Blicke Bosses ausweichend, meinte Frau Thekla „Wir wollen, ehe wir scheiden, uns aussprechen! Ehrlich und: rückhaltlos! Wollen Sie?“ „Müssen wir uns denn trennen? Scheiden für immer, unmöglich! Ich kann es nicht!“ „Es liegen Widersprüche Ihrerseits vor, die der Aufklärung bedürfen! Zunächst in der Richtung, daß Sie sagten, mit größtmöglicher Eile über die italienische Grenze gehen zu müssen! Nun sitzen Sie aber in Meran und haben keine Eile, weiter zu reisen!“ „Weil ich bei meiner gnädigen Pflegerin und huldvollen Gönnerin sitze! Und mich von ihr nicht trennen kann!" „Weshalb wollten Sie so schnell als möglich Italien erreichen?“ Bosse blickte zu Boden und flüsterte:„Ich kann nicht alles sagen, was mich seelisch bedrückt!" „Ich wünsche aber eine offene Aussprache! Und will wissen, wem ich mein Vertrauen schenken soll! Sie werden doch selbst zugeben, daß wir voneinander soviel wie nichts wissen, uns eigentlich fremd gegenüberstehen!" Zögernd und unsicher erwiderte Bosse:„Es ist alles sehr mißlich für mich! Würde ich die volle Wahrheit sagen, so wird mich die Offenheit das Vertrauen kosten...“ „Ohne Ehrlichkeit kann es kein Vertrauen geben! Was bedrückt Sie?“ „Es ist eine Art— Verfolgungswahn, der mich ruhelos macht und möglichst weit, über die italienische Grenze treibt!" „Jeglicher Wahn muß doch seine Ursache haben?!“ „Die Entstehung dieses Verfolgungswahnes ist mir unbekannt geblieben! Menschen mit scharfem, forschendem Blick erscheinen mir als Häscher! Ich leide schwer darunter, finde nicht Rast, nicht Ruh!“ „Haben Sie nicht Hilfe in einem Sanatorium gesucht?“ „Nur das nicht! Der Gedanke an Polsterwände ist mir gräßlich! Lieber gehetzt durch die Welt jagen...!“ „Steht dieser Wahn in einem Zusammenhang mit Ihrem Beruf?" ucuue sbigymusch Wo u S 42 8 — —— 00 • GESU * 33800 866 3 S. ### S ESTSSG Fräulein Beatens „Nicht daß ich wüßte! Als Student wurde ich Doppelwaise, das von den Eltern hinterlassene Vermögen gibt eine Rente, die ein Leben bescheidener Ansprüche, ohne Ausübung eines Berufes, ermöglicht! Ein Kopfhänger war ich immer! Scheu, unstet, mißtrauisch, immer allein, ohne Freunde! Und immer befürchtend, die Rente zu verlieren! Woher diese Furcht kam, weiß ich nicht! Möglicherweise hat sich aus dieser quälenden, unerklärlichen Angst der Wahn, verfolgt zu werden, entwickelt!“ „Sie Armer!“ rief im Tone inniger Anteilnahme Frau Thella. g. fe. 45 um Wärmer werdend veteuerte Bosse:„Uno zum ersten Male in meinem sreudlosen Leben empfand ich in diesen Tagen die Wonne, die Ihre Anteilnahme spendete! Dem Sturz im Eisenbahnwagen verdanke ich das Glück, eine gnädig huldvolle Gönnerin gefunden zu haben! Dieses Glück in Worte zu fassen, vermag ich nicht! Erstmals im freudlosen Leben Teilnahme und Mitleid! Unsägliche Wonne, wahrhaftiges Glück ist das! Aber auch gräßlich würde der— Abschied für immer sein!" „Können Sie sich mit dem Gedanken vertraut machen, irgendwo dauernden Aufenthalt zunehmen, einen entsprechenden Beruf zu ergreisen? Ich denke, die regelmäßige Tätigkeit dürfte das beste Mittel sein, den lästigen, nervenzerstörenden Wahn los zu werden!“ 8 Bosse blickte Thekla tieftraurig an und schuttelte den Kopf. „Sie müssen ja nicht im Norden bleiben, falls Ihnen beispielsweise Tirol sympathischer sein sollte!“ „Es ist ein Jammer! Ich muß fort, nach Italien, Griechenland, Agypten, und kann nicht abreisen...!“ Weshalb nicht?“..6.— gzumme in „Die Trennung von meiner gnädigen Gönnerin ist unmöglich! Bleibe ich aber noch länger hier, so wird mich der schwarzbärtige Polizeispitzel sangen und ins Unglück bringen! Erbarmen, gnädige Frau!" Bittend hob Bosse die Hände. Erschreckt blickte Thekla auf den flehenden Mann und wußte sich keines Rates. In das Empfinden des Mitleides mengte sich Sorge, die Scheu vor einer möglichen GeistesPormal im Kanfe konnte der junge Mann nicht sein krankheit. Normarim Kopfe tonnle der funge Mann nicht sein. Bei aller Angst empfand Frau Thekla doch ein tiefes Mitleid für Bosse, der vor ihr kniete und zu ihr aufblickte wie ein tieuer Hund. Just dieser Blick fiel auf. Das konnte unmöglich der Blick eines Irrsinnigen sein! Ist aber Bosse nicht geisteskrank, dann besteht auch kein„Verfolgungswahn". Warum sucht Bosse seine Ruhelosigkeit mit„Verfolgungswahn" zu deuten? Vorsichtig ging Frau Bentseldt vor, indem sie fragte:„Es wäre demnach Ihr Wunsch, daß wir uns in Italien irgendwo treffen?" Freude strahlte aus Bosses Augen, da er lebhaft und dankbar rief:„O, das wäre herrlich! In Mailand, Venedig, wo Sie wollen!“ „Nun gut! Ein Aufenthalt am Gardasee liegt in meinem Programm! Wir werden uns in Sald wiedersehen! Reisen Sie also voraus als— Quartiermacher! Addio!" „Tausend Dank! Und wann werden Gnädigste in Sald eintrefsen?“„„ Inkunst nicht „Nächster Tage! Genau kann ich meine Anrunft nicht bestimmen, da ich mir Trient und Arco ansehen will! Auf Wiedersehen also!"(Fortsetzung folgt.) Novelle von Hans Gerhard. Fräulein Beate war die Handarbeitslehrerin, sie mochte in ihrer Jugendzeit recht hübsch gewesen sein. Fräulein Beate hatte— obwohl den Vierzigern nahe, noch immer ein hübsches, zierliches Figürchen; weiches, welliges Haar umrahmte ihr schmales, seines Gesicht. Ihre Schülerinnen schwärmten für sie. In den wenigen Familien, in denen Fräulein Beate verkehrte, hatte man schon oft die Frage erörtert, warum sie nicht geheiratet hatte. Und die, die es anging, saß in ihrem gemütlichen Zimmer bei der leise singenden Teemaschine, und während ihre Finger mechanisch die Nadeln klappern ließen, verloren sich die Gedanken in die serne Vergangenheit. * Wie ein Lausseuer verbreitete sich vor langen Jahren in der kleinen Stadt die Nachricht, daß Heinrich Müller, des Herrn Stadtrates Einziger. plötzlich aus dem Bankhause, in dem er als Volontär arbeitete, entlassen war.„Veruntreuungen,“ tuschelte man sich zu,„es wäre nichts andres.“ meinten wieder andere.— Der alte Stadtrat war in schrecklicher Wut: seine stille, sanfte Frau jammerte und klagte und ein sonst so lustiger, roter Mädchenmund war in bangem Schmerz verstummt. Heinrich und des Bankiers ältester Sohn arbeiteten zusammen im Kontor; sie waren vom Gymnasium her eng befreundet. Fritz Meier, der Sohn des Bankiers, war ein flotter, junger Mann; er war in der Gesellschaft gern gesehen, war immer heiter und lustig gewesen, aber seit einiger Zeit zeigte er ein zerstreutes, nervöses Wesen, und die besorgte Mutter umgab ihren Altesten mit verdoppelter Sorge und Liebe. Fritz fuhr jetzt oft über den Sonntag zu seiner verheirateten Schwester in die nahe liegende Residenz. Gewöhnlich kehrte er Sonntags in der Nacht heim. Leichenblaß wurde er, als er am nächsten Morgen beim Frühstück die Geschichte von den verschwundenen fünftausend Mark und der plötzlichen Entlassung Heinrich Müllers hörte.„Es ist mir nur um die alten, ehrlichen Müllers, sonst hätte ich den Schlingel dem Gericht übergeben.“ sagte der Bankier. Heinrich Müller hatte vergebens seine Unschuld beteuert. Kein anderer Angestellter hatte aber den Geldbrief zu sehen bekommen als der junge Volontär und der Sohn des Bankiers. Der Stadtrat tobte; der Sohn durfte nicht vor seine Augen kommen, und die Mutter hatte vergebens für ihren Einzigen gebeten. Da war Heinrich Müller traurig von der Schwelle des Vaterhauses geschlichen.„Und ich bin doch unschuldig.“ murmelte er, als er den kleinen Garten durchschritt. Da raschelte es im welken Laube und eine schlanke, zierliche Gestalt flog auf den jungen Mann zu. „Heinrich,“ schluchzte sie,„es ist doch nicht wahr, was die Leute reden? Es kann doch nicht sein?" Nein, Beate, ich bin kein Dieb! Ich arbeite doch a'lein mit Fritz Meier. Ganz bestimmt weiß ich, daß der Geldbrief dalag, als ich einmal ins Nebenzimmer ging, um beim alten Buchhalter Mertens eine Auskunft zu holen. Fritz verabschiedete sich dann, um zu seiner Schwester zu fahren, und als der Bankier dann zum Kassenschluß kam, fehlten die fünftausend Mark.“ „Aber Heinz, das ist ja schrecklich. Und da sagte der alte Meier, du...“ „Ja, Beate, er sagte es, und ich wurde sofort entlassen.“ „Heinz, ich glaube an dich und meine Mutter meint auch, es muß sich noch alles auftlären.“ „Ach— auftlären. Der Vater hat mich verstoßen, die Mutter darf nicht mit ihm von mir sprechen. Beate, ich hätte die Mutter so gern noch einmal gesehen. Sage ihr alles und bringe ihr meinen Abschiedsgruß." Beate hing schluchzend an seinem Halse.„Was willst du tun, Liebster?" „Gehen muß ich: vielleicht finde ich wo anders Arbeit., Und Beate Leonhard nahm unter heißen Tränen von dem Geliebten Abschied. „Wirst du mich nicht vergessen, Liebling? Sieh, es werden andre Freier kommen, und an meinem Namen hastet nun einmal der Masel, denn aufilären wird sich die Sache wohl nie.“ „Ich bleibe dir treu, mein Herzensheinz, für mich bist du der Beste. Ich will geduldig warten, bis du mich holen kommst.“ Dann schieden sie. Wochen waren vergangen: Beate bekam ab und zu eine Nachricht von Heinrich. Er schrieb bei einem Rechtsanwakt, nur um sein Leben zu sristen und— eines Tages wurde ihm die Stelle gekündigt. Eine Zeitungsnotiz hatte den Rechtsanwalt auf seinen Schreiber ausmerksam gemacht und die Folge davon war seine Entlassung. Da war es mit seinem stolzen Trotz zu Ende. Am Abend dieses Tages schrieb er an seine Mutter und an Beate— das letzte, was man seinen Lieben schreiben kann, wenn man am Leben verzweifelt. Beatens Schmerz war unbeschreiblich. Sie stand stumm und stair an dem Grabe, in das man ihr Liebstes gebettet hatte. Und die Zeit entrann. Jahr um Jahr. Die Teemaschine in Beatens Stübchen sang noch immer. Da klopfte es und der Briefträger brachte die Zeitung. Mechanisch saltele Beate die Blätter auseinander. Plötzlich schoß ihr alles Blut zum Herzen. Sie rückte die Lampe näher— ja, hatte sie denn recht gelesen? Ihr Heinz, ihr 7 einem in der Tasche der linken Brustseite befindlichen Knäuel Bindsaden verloren hätte. Ein weiterer Schuß streifte den linken Arm, während zwei Schüsse sehlgingen. * Vorbeck, 18. Juni.(Aus Nache erschossen.) Hier erschoß gestern vormittag ein 62jähriger Invalide den Bergmann Theodor L. Der Täter hatte mit L vor einiger Zeit Streit gehabt. Gestern schlich er sich an dessen Wohnung und schoß ihn aus dem Hinterhalt nieder. Die Kugel war in den Kopf gedrungen und hatte den sosortigen Tod herbeige führt. Der Täter ist verhastet. * Duisburg, 18. Juni.(Wohnungsnot kinderreicher Familien.) In Laar, einem Stadttteil im Norden Duisburgs, haust seit dem 1. Mai eine Familie mit sieben Kindern in einer— Selterswasserbude an der Arndtstraße, eine andere Familie mit vier Kindern in einer Toreinfahrt, weil es ihnen nicht möglich ist, eine Wohnung zu finden. Die meisten Möbel der Leute lagern bei der Polizei in einem Stall. Zu diesen beiden Familien wird sich am 1. Juli wohl eine dritte mit sieben Kindern gesellen, der gekündigt worden ist und die trotz eifrigem Suchen bisher keine Wohnung hat bekommen können. Die Wohnungsnot kinderreicher Familien ist in Duisburg aufs höchste gestiegen. * Solingen, 18. Juni.(Eine wildgewordene Kuh) des Metzgermeisters Tilmanns von Höhscheid setzte gestern stundenlang die Bewohner der Weststadt in Aufregung. Das Tier raste durch die Straßen und Gehöfte, sprang über Zäune und Mauern und richtete erheblichen Sachschaden an. Schließlich rannte es auf den Schulhof des städtischen Lyzeums und verhinderte, daß die Schülerinnen das Schulgebäude verlassen konnten. Alle Versuche, die Kuh einzufangen, mißglückten, da selbst die mutigsten Metzger sich nicht heranwagten. Zuguterletzt entschloß man sich, die Kuh totzuschießen. Die beiden ersten Schüsse trasen wohl, waren aber nicht tödlich, und machten das Tier nur noch rasender. Erst nach dem dritten Schuß, den ein Täger ganz aus der Nähe abfeuerte, brach das Tier tot zusammen. * Bingerbrück, 18 Juni.(Eingefährliches Nachtlager) hatte sich ein Heizer des hier vor Anker liegenden Bootes„Schiller“ ausgesucht. Der Mann überstieg in trunkenem Zustande das Geländer des am Rhein herlaufenden Eisenbahndammes, siel über eine Schiene und blieb neben dem Gleis liegen. Die ganze Nacht hindurch rollten Personenund Güterzüge dicht an dem ahnungslos schlafenden Manne vorüber, der nur die geringste Bewegung zu machen brauchte, um verloren zu sein. Aus dem einen Aermel seines Rockes und vom Rock selbst war dem Manne ein Stück abgefahren worden. * Trier, 18. Juni.(Unterschlagung.) Der Gemeindeeinnehmer Witzmann aus Conz hat Jahre hindurch sich Unterschlagungen schuldig gemacht, die schließlich 75 000 Mark betrugen. Durch Schiebungen bei der Buchung konnte er die Betrügereien lange verdicken. Das Schwurgericht verurteilte ihn zu vier Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. * Trier, 18. Juni.(Der Roman eines Zuchthäuslers.) Das Schwurgericht verurteilte den 29jährigen Kaufmann Hugo Müller aus Wiesbaden zu zehn Jahren Zuchthaus, weil er neben verschiedenen Einbrüchen nachts das hiesige Hotel Anker in Brand zu stecken versucht hatte. In der Verhandlung verlas der Vorsitzende des Gerichts Teile aus einem Roman, den der Angeklagte im Gefängnis zu Kochem geschrieben hat. Der Roman gibt die Anschauungen des verurteilten Müller wieder. Opfer der Fluten. Fünf Personen ertrunken. am; Posen, 18. Juni. Beim Baden sind gestern abend innerhallb drei Stunden fünf junge Leute ertrunken, und zwar in Rogasen die beiden Schüler der Präparandenanstalt Mansseld und Wozniak aus Pleschen, der 19jährige KKausmannslehrling Limiecki aus Wongrowitz, der 20jährige Kausmann Wende aus Kletzko und der 18jährige Schmiedelehrling Tomdzak. Ein ochuß auf den Grafen Bernstorff. Als der deutsche Botschafter in Washington, Graf Bernstorff vom Bahnhof Champaign (Illinois) nach der Universität Illinois fuhr, forderte ein Polizeibeamter das Automobil auf, anzuhalten; da er jedoch nicht in Unisorm war, wurde sein Befehl unbeachtet gelassen. Darauf feuerte der Polizist einen Schuß ab. Der Polizeibeamte erklärt, er habe nur auf die Gummireisen der Automobile geschossen. Ein Insasse des Automobils dagegen erklärte, der Polizeibeamte habe auf die Insassen des Automobils gezielt. Der Bürgermeister Dobbius bat den deutschen Botschafter um Entschuldigung, und erklärte, er werde den Polizeibeamten entlassen. Graf Bernstoff bat jedoch, nichts gegen den Polizeibeamten zu unternehmen. Der Botschafter selbst maß dem Vorfall keine größere Bedeutung zu, da es sich seiner Ansicht nach zweifellos nur um einen Zufall handele. Der Polizeibeamte habe offenbar das Automobil nur anhalten wollen, weil seiner Meinung nach zu rasch gefahren worden sei. Der Bürgermeister entließ indes doch den Polizeibeamten, stellte aber keinen Strasantrag gegen ihn. Eraf Bernstorff wohnte der Semesterschlußfeier der Universität Illinois bei, die ihm die Würde eines Ehrendoktors der Rechte verlieh. Letzte Drahtmeldungen. Nichts Neues aus Durazzo. Neuwied, 19. Juni. Im fürstlichen Schloß sind im Laufe des gestrigen Tages keinerlei Nachrichten aus Durazzo eingetrossen, so daß man in der fürstlichen Familie wieder Hoffnung schöpft. Man ist der Ansicht, daß, wenn irgend etwas von einschneidender Bedeutung sich ereignet hätte, die fürstlich Wiedsche Familie von einem der vor Durazzo vor Anker liegenden Kriegsschiffe des internationalen Geschwaders Nachricht erhalten haben würde. Drei Bergleute ertrunken. Myslowitz, 19. Juni. In dem Sandspulversatzschacht der Myslowitzgrube drang infolge der Regengüsse und Wolkenbrüche der letzten Tage plötzlich ein ungeheurer Schwall Wasser ein. Drei Bergleute wurden fortgespült und ertranken. „ Einfanatischer Pole. Meseritz, 19. Juni. Das Schwurgericht in Meseritz verurteilte den Knecht Stawczynski wegen Körperverletzung mit Todeserfolg zu drei Jahren Gefängnis. Er hat im Frühjahr d. J. einen Knecht, weil dieser nicht an einer polnischen Reichstagsversammlung teilnehmen wollte, mit einer Hacke niedergeschlagen. Aufreizung zum Klassenhaß. Neustrelitz, 19. Juni. Wie die„Landeszeitung für beide Mecklenburg“ zuverlässig erfährt, ist gegen die Sozialdemokratin Rosa Luxemburg, die Urheberin der Aufforderung zum Massenstreik in der letzten Verbandssitzung der sozialdemokratischen Wahlvereine Groß=Berlins, seitens der Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen Aufreizung zum Klassenhaß eingeleitet worden. Rückgang der bayerischen Staatseinnahmen. München, 19. Juni. Der Rückgang der bayerischen Staatseinnahmen hat auch im Monat Mai angehalten. Die Verkehrseinnahmen des bayerischen Staates pro Monat Mai betragen wieder 369 000 Mark weniger als im gleichen Monat des Vorjahres. Aeroplanflug um die Erde 1915. Wien, 19. Juni. Aus Neuyork wird hierher gemeldet, im Zusammenhang der Weltausstellung in San Franzisko im Jahre 1915 soll im Mai desselben Jahres ein Aeroplan=Wettrennen um die Erde veranstaltet werden. Die Ausstellungsleitung hat für Preise bereits 150 900 Dollars gestiftet und den Betrag bei einer Neuyorker Bank hinterlegt. Die Ausstellungsleitung hofft, daß noch weitere Beträge seitens kommerzieller Interessenten und von privater Seite diesem Zweck gewidmet werden. Unwetter=Verheerungen. Budapest, 19. Juni. Bei Herkulesbad ist infolge eines Wolkenbruches der Belarcka=Bach ausgetreten und überflutet die Umgebung. Die neue Betonbrücke wurde von der Flut fortgerissen. Vier Personen, die sich auf der Brücke besanden, stürzten ins Wasser und ertranten. Mehrere Häuser sind eingestürzt. Schweres Automobilunglück. Paris, 19. Juni. Auf der Straße von Abbeville nach Paris stießen gestern zwei Automobile mit surchtbarer Gewalt zusammen. Die Wagen wurden vollständig zertrümmert. Fünf Personen wurden lebensgefährlich verletzt. Mit zehn Passagieren 2000 Meter h 0 Petersburg, 19. Juni. Der Flieger Sikorski hat mit zehn Passagieren in einer Stunde 26 Minuten 11 Sekunden eine Höhe von 2000 Metern erreicht und mit dieser Leistung einen Weltrekord aufgestellt. Sikorski hielt sich fast die ganze Zeit in der gleichen Höhe auf. Die türkische Antwortnote. Konstantinopel, 19. Juni. Die türkische Antwortnote ist gestern in Athen überreicht worden. Ihr Inhalt ist zur Stunde noch unbekannt. Wie es heißt, gibt aber die Porte zu, daß in Kleinasien bedauerliche Ausschreitungen vorgekommen seien. Die Türkei habe jedoch durch die Entsendung Talaat Beys und die Absetzung vieler schuldiger Beamter den ernsten Willen gezeigt, Wandel zu schaffen. Dagegen berechtige einstweilen nichts zu der Hoffnung, daß Griechenland bereit sei, gleiche Maßregeln zum Schutze der mohammedanischen Mazedonier zu treffen. In türkischen politischen Kreisen herrscht die Auffassung vor, daß Griechenland die Auswanderungsfrage nur als Vorwand benutze, um durch Erzeugung eines Konsliktes internationale Garantieen für den Besitz von Chios und Mytylene zu erzwingen. Ein Ultimatum Villas an Carranza. Neuyork, 19. Juni. Ueber Eagle=Paaß wird gemeldet: General Villa übersandte Carranza ein Ultimatum, in dem er die vollständige Trennung der Zivil= und Militärgewalt der Regierung der Konstitutionalisten fordert. Nach Depeschen aus dem Hauptquartier der Konstitutionalisten in der Pietras Negras war es ein Komitee von drei Ossizieren, das Carranza in Saltillo Villas Forderungen überreichte. GUE verleiht ein zartes reines Gesicht, rosiges. jugendfrisches Aussehen und ein blendend schöner Teint.- Alles dies erzeugt die echte Sreckenpferauehle (die beste Lilienmilchselfe), von Bergmann& Co., Radebeul, à Stück 50 Pig. 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Mls., nachmittags 6 Uhr: Appell der Il. Komp. beim Wirt Aug. Vierkante. Nach dem Appell gemütliches Zusammensein. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen wegen der wichtigen Kompagniefrage wird erwartet. 4212 Der Oberleutnant. NB. Damen find willkommen. Schutzenbund Schwerte Sonntag, den 21. Juni,“ nachmittags 5 Uhr: Appell der II. Komp. beim Wirt Wilhelm Stamm, „Jur Glocke“ Damen sind willkommen! Die passiven Mitglieder der Kompagnie sind freundlichst eingeladen. 4219 Der Hauplmann. Ergster Kirmes. Sonntag, den 21. cr. Konzert u. Bau 118 Hierzu ladet freundlichst ein Wwe. Kage=Bechmann. Wohnungen vermieten Sie schnell durch ein Inserat in der Schwerk, Zeitung. In I. Elage ist ein gut möbliertes großes Zimmer sofort zu vermieten. Zu erfragen in der Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. Ein möbliertes Zimmer mit Pension zu mieten gesucht. 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Die in Aussicht genommenen Pachtbedingungen liegen zwei Wochen lang und zwar vom 20. Juni 1914 bis 5. Juli 1914 in dem Dienstzimmer des unterzeichneten Jagdvorstehers öffentlich aus. Jeder Jagdgenosse kann gegen die Art der Verpachtung und gegen die Pachtbedingungen während der Auslegungsirist Einspruch bei dem Bezirks=— Kreis=— Ausschuß in Hörde erheben. Ort und Zeit der Verpachtung werden mindestens 2 Wochen vorher bekannt gemacht. 4209 Gemeinde Hacheney, den 18 Juni 1914. Der Jagdvorsteher: Gehres. Gemeindevorsteher. Dienstag nacht entschlief plötzlich und unerwartet infolge Unglücksfalles beim Militärdienst unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Fritz Weber im Alter von fast 23 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen Schwerte, Holzen, Frohlinde, Kirchhörde, Hagen und Westhofen, den 19. Juni 1914. Die Beerdigung findet am Samstag, den 20. Juni, nachmittags ½4 Uhr vom Trauerhause, Fleitmannstrasse 5, aus statt.— Hausandacht um ¼ nach 3 Uhr daselbst. 4204 Ein ordentlicher, kräftiger 4211 Laufjunge für unser Büro gesucht. Belanntmachung. Zur Ausbesserung des Weges von Wandhofen nach Schwerte soll die Lieferung von 200 chm Kies am Sonnabend, den 20. d. Mts., nachmittags 6 Uhr in der Wirtschaft Schulte in Wandhofen öffentlich an Mindestfordernde vergeben werden. 4105 Wandhofen, den 13. Juni 1914. Der Gemeinde=Vorsteher: A. Middelmann. P JuVr WNAATT1 von Sonnabend, 20. Juni bis Dienstag, 30. Juni. Waschstoffe, weiss und farbig Meter 24 36 48 pr. Seidenstoffe, einfarbig und gemustert Meter 95 Pf. Weisse Battistblusen 65 75 95 125 140 Pf. und höher. Kostümröcke 290 390 P4. Battistkleider 650 P. Kinderkleider, Russenkittel u. Spielanzüge von 95 Pf. an Weisse Kinderstickereikleider von 240 Pf. an. Unterröcke von 95 Damenhemden, Beinkleider 95 125 140 190 P. Untertaillen 48 68 95 Pf. und höher. Kinderwäsche enorm billig. 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