55 Die„Scdwpertn Jeitung“ aschatmt Golch. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oierteljährlich, dei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Gralisbeilage:„Illustrierter Familiensreund" u. tägl. Unterdattungsblatt. Anzeigenpreis: Die stebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pig., Anzeigen von aus. wäcts 15 Pfg., Reklamezelle 40 Pfg. Jeder Radatt gilt als Kassarabakt u. erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Restbschtund eernaht.-Setlinschelssne Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung tarden Kleis Worcie Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszellung allshlsn Verbunden mit: Schwerter Voiksvian„44 Schwerker, Tageblatt S Schwerter Hnzeiger Grstes ung Zselles Cagesorgan des Kresses a General-Hnzeiger für den Kreis Hörde o Baupk-Hononcenblatt uud dnter und Achamnbgüichen Nurrd. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königlichen Regierung durch Verössentlichung in der„Schwerter Zettung" rechtsverbindliche Kroft.— Die „Schwerter Jettung“ gewährt idren Adonnen= len für jeden mil Tod endenden Unsall gediaguggen:; 300 Mk. Unsall: Druch u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Ruhe Gernsp. 62. Telegr. Adr. Braus Schwerte=Rude, Nr. 138. Erstes Blatt. Frankreichs Zukunft. Die Prätendenten, die Parteien, die Armee. Der in Brüssel lebende Prinz Viktor Napoleon, das Haupt der Familie Bonaparte, hat vor wenigen Wochen aus Anlaß der Taufe seines ersten Sohnes einen Aufruf an die französische Nation gerichtet, worin er die feste Hoffnung aussprach, daß für ihn die Stunde kommen würde, Frankreich zu dienen. Das Manifest ist damals kaum beachtet worden; heute, nachdem das mühsam gebildete Ministerium Nibot in Paris unter einem sofortigen Mißtrauensvotum der Deputiertenkammer wieder verschwunden ist, kommen eine ganze Reihe von französischen Zeitungen darauf zurück. Sie sagen, die politischen Parteien arbeiten in ihrer sanatischen Verbitterung nur für die Prätendenten. So groß der Wirrwarr an der Seine ist, so wird man doch diese Besürchtungen nicht ernst nehmen können. Vielleicht bekommt der Präsident Poincaree seine Würde bald satt; aber daß aus der französischen Republik schnell wieder eine Monarchie, ein Kaiserreich werden sollte, ist ausgeschlossen. Die heutige Republik Frankreich hat seit 1871 eine ganze Reihe von Krisen überstanden. Wenige Jahre nach dem Kriege hätte Graf Chambord, der letzte Bourbon, König von Frankreich werden können, wenn er nur einigermaßen Nachgiebigkeit bewiesen hätte. Dann kam 1886 General Boulanger auf den Plan, den Orleans zum französischen Thron zu verhelsen. Der Gedanke scheiterte, weil der General nicht die nötige Energie entwickelte. Zur Zeit der Dreyfus=Affäre standen sich Zivil= und Militärgewalt in solcher Erbitterung gegenüber, daß ein Konflikt fast unvermeidlich erschien. Außerdem sind innere Zwischenfälle(der Ordenshandel Wilsons, des Schwiegersohnes des Präsidenten Grevy, die Panamakanal=Affäre usw.) sehr schädigend für das republikanische Ansehen gewesen, ohne doch die heutige Staatsform beseitigen zu können. Frankreich hat nicht immer bedeutende Männer an seiner Spitze gehabt, wohl aber viel Glück. Es hat Rußland zu seinem Verbündeten erhalten, mit England verbindet es ein„herzliches Einvernehmen“, und sein Einfluß ist allenthalben gewachsen. Das wissen alle Franzosen, sie würden sich also besinnen das, was sie haben, mit einer ungewissen Zukunft zu vertauschen. Aber ausgeschlossen ist freilich auch, daß die Partei=Verbissenheit die Kreise der auswärtigen Beziehungen stört. Die gegenwärtige Mehrheit der Kammer will von der bereits beschlossenen Wieder=Einführung der dreijährigen Dienstzeit nichts wissen, die doch ein Gegenstück zu den militäri,chen Vorbereitungen des Zarenreiches bildet. Da muß also schon eine Verständigung ersolgen. Bedroht sind die Beziehungen zu der Armee, die schon wiederholt Schattenseiten aufzuweisen hatten. Alle militärischen Autoritäten haben die Rückkehr zur dreijährigen Dienstzeit für unabweisbar erklärt, die ganze Armee hat sich nach der neuen Organisation bereits eingerichtet. Kosten die neuen Einrichtungen ein schweres Stück Geld, so bedeutet doch ihre Aufgabe sortgeworfene große Summen und eine Zerrüttung der militärischen Ordnung. Die Franzosen müssen selbst untersuchen, ob sie am Ende ihrer finanziellen wie persönlichen Leistungsfähigkeiten sind. Es ist kaum anzunehmen, daß sich die heute maßgebenden Nadikalen und Sozialisten zu diesem Eingeständnis bequemen. Haben sie einen ihnen genehmen Mann, so werden sie am Ende doch alles bewilligen. Frankreich ist und bleibt das Land der Ueberraschungen, und die parteipolitische Entwicklung in Paris ist dem heute ohnehin nicht selsenfesten europäischen Frieden keinessalls freundlich. Dazu kommt die merkwürdige Straße, welche Rußlands auswärtige Politik heute wandelt, deren Kurs schwer abzusehen ist. Deutschland wird sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, wir sind auf alle Möglichkeiten vorbereitet. Wir müssen es allerdings auch sein. Dienstag, den 16. Juni 1914. 46. Jahrgang. Politische Uebersicht. Am gestrigen Sterbetage Kaiser Friedrichs war das Mausoleum in der Friedenskirche zu Potsdam mit Palmen und Blumen prächtig geschmückt. Morgens begab sich das Kaiserpaar nach dem Mausoleum und verweilte dort längere Zeit. Der Kaiser legte einen mit Veilchen und Orchideen geschmückten Lorbeerkranz mit Atlasschleise nieder. Auch der Kronprinz sowie das Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen, ferner das badische Großherzogspaar und Prinzessin Marie von Sachsen= Meiningen ließen Kränze an der Gruft niederlegen. Die Arbeiten des preußischen Landtages. Zu den bedeutendsten Arbeiten des preußischen Landtages, der sich auf den 10. November vertagt, gehört an erster Stelle das Beamtenbesoldungsgesetz, durch das 150000 Beamte bedacht worden sind. Ferner sind hervorzuheben das Wohnungsgesetz mit der Regelung der Wohnungsaufsicht, die Einführung des Religions=Unterrichts in die ländlichen Fortbildungsschulen, ohne Zwang, das Kommunalabgabengesetz, das die Heranziehung des Fiskus zu Kommunalsteuern gebracht hat und das Gesetz gegen die Güterschlächterei. Das Fischereigesetz und das Fideikommißgesetz bleiben der Wintertagung vorbehalten. 57000 Mehreinberufungen. Im preußischen Heer sind zu den diesjährigen Reserve= und Landwehrübungen insgesamt 416 960 Einberusungsbefehle ausgegeben worden. Die Zahl der diesjährigen Mehreinberufungen der Mannschaften des Beurlaubtenstandes gegenüber dem Vorjahre beträgt 57•300 Mann. Fernhaltung von Deutschen in England. Die englische Einwanderungsbehörde wies drei junge deutsche Kaufleute zurück, weil sie sich nicht vor ihrer Ankunft in England Stellungen gesichert hatten. Der Vorsitzende der Einwanderungsbehörde sagte, es seien zwar intelligente junge Leute und gegen sie selbst läge nichts vor. Aber der Andrang zu Buchhalterposten und geringeren Stellungen in kaufmännischen Betrieben in England sei so groß, daß man nicht auch noch ausländische Konkurrenten ermutigen dürfe. Amtlicherseits wurde dazu bemerkt, daß gegen die jungen deutschen Kaufleute nichts einzuwenden wäre, wenn sie nicht durch Zuschüsse aus der Heimat instand gesetzt würden, die Engländer zu unterbieten. Dies ist aber häufig bei den jungen Leuten der Fall, deren Eltern sie nach England schicken, um Englisch zu lernen und englische Geschäftsmethoden zu studieren. Das Petroleummonopol=Gesetz wird, wie sich die „Rhein.=Westf. Ztg.“ aus Berlin melden läßt, dem Reichstage im nächsten Winter nicht wieder vorgelegt werden. Das steht in Widerspruch zu Auslassungen der„Nordd. Allg. Ztg.“ vom 23. Mai, wonach die Angelegenheit für die Regierung nicht erledigt sei. Sollte man es sich inzwischen schon wieder anders überlegt haben? Die umsangreichen Maßnahmen der Regierung, die sich ihrer verantwortungsvollen Ausgabe bewußt und entschlossen sei, sie mit Menschlichkeit, aber auch energisch zu erfüllen, würden die Unruhen in wenigen Tagen unterdrücken. Der Minister bestätigte im Laufe seiner Darlegungen, daß von den Revolutionären zahlreiche und schwere Ausschreitungen gegen Gut und Blut des Bürgertums verübt worden seien. Nach einigen Meldungen soll die ganze Umgebung von Ravenna noch in den Händen der ausständischen Landleute sein. Vereinigte Staaten. Die parlamentarische Erledigung der Panamakanalbill. Der Senat der Vereinigten Staaten hatte sich am Donnerstag für die Panamakanalbill, und damit für die Aushebung der Gebührenfreiheit amerikanischer Küstenschiffe erklärt. Am Freitag wurde die Bill auch vom Repräsentantenhaus mit 216 gegen 71 Stimmen angenommen. Die Bill wurde sofort dem Präsidenten Wilson zugesandt. Südafrika. Die Schwierigkeiten des Ministeriums Botha. Das Ministerium Botha der Vereinigten Staaten von Südafrika hat beschlossen, im Amte zu verbleiben, obwohl es im Abgeordnetenhause zweimal in die Minderheit geraten war. Sie begründet dies damit, daß, wenn sie auch die schwere Niederlage nicht verkenne, im Falle des Rücktritts zum Nachteil für das Land viel wichtige Gesetzesarbeit unerledigt bleiben müßte. Der englische Flottenbesuch in Kiel. Der„Daily Telegraph“ behandelt in einem Leitartikel die verschiedenen internationalen Flotten=Besuche der letzten Zeit und der kommenden =oche und erwähnt dabei auch den kommenden Besuch englischer Kriegsschiffe in Kiel. Das Blatt schreibt: Diese Kriegsschifse, die Elite der ersten Flotte, werden den König und sein Volk während der Regattazeit würdig vertreten, die der deutsche Kaiser durch seine Organisationsfähigkeit und seine Begeisterung für das ganze Flottenwesen zu einem der wichtigsten und angenehmsten Ereignisse des europäischen Wassersports gemacht hat. Die britische Nation hat allen Grund, sich dieses Beweises guten Einvernehmens der Großmöcht= zu freuen, das aus diesem Flottenbesuche erhellt. Es wäce vielleicht ein Irrtum, solchen Ereignissen eine zu große Bedeutung beizumessen, aber sie zeigen, daß die kritischen Verhältnisse, die so viele Monate hindurch im nahen Osten bestanden, die internation#ie Verseimmung nicht nur verstärkt, sondern dazu geführt haben, die beiden großen Mächtegruppen einander näher zu lringen. Oesterreich= Ungarn. Zwischenfall im Bukowinaer Landesausschuß. Im Bukowinaer Landesausschuß warf der demokratische Reichsratsabgeordnete Oneiul der konservativen rumänischen Partei Irredentismus vor. Der konf#rvativ=rumänische Landesausschuß=Beisitzer Zursan wehrte sich dagegen und beleidigte Oneiul, der nunmehr ein Wasserglas gegen Zursan schleuderte. Zursan warf hierauf gegen Oneiul einen Stuhl, der seinerseits Zursan mit einem Tintenlöscher schlug. Schließlich entstand ein wütendes Handgemenge zwischen den beiden rumänischen Parteien, die nur mit Mühe auseinander gebracht werden konnten. Italien. Ueber die Teilrevolution in Italien machte Ministerpräsident Salandra vor der Kammer die Mitteilung, daß es sich in Mittel=Italien um den verfrühten Ausbruch einer wohlvorbereiteten Verschwörung gehandelt habe. In der Nomagna, wo es die Verschworenen auf eine Isolierung einzelner Städte, namentlich Ravennas, abgesehen hätten, seien zahlreiche Truppen zusammengezogen worden. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 16. Juni. **(Die hellen Nächte.) Wir befinden uns gegenwärtig mitten in der Zeit der sogenannten hellen Nächte. Selbst in der Nachtzeit sinkt nämlich jetzt die Sonne höchstens 18 Grad unter den Horizont herab. Die hellen Nächte machen sich bis zu einer Breite von etwa 50 Grad bemerkbar. Für diejenigen Orte, die etwa auf der Höhe von Berlin liegen, beginnen sie im letzten Drittel des Monats Mai und dauern dann bis gegen Ende Juli. Je weiter man nach Norden kommt, desto stärker macht sich die Dämmerungserscheinung bemerkbar, bis wir endlich in die Gegenden der Mitternachtssonne kommen, die alljährlich von immer mehr Reisenden ausgesucht werden. Wir müssen uns in unseren Breiten, wie gesagt, in dieser Zeit mit einer bloßen Dämmerer= scheinung begnügen. Noch lange nachdem der Sonnenball hinter dem westlichen Abendhimmel verschwunden ist, sehen wir am Horizont einen hellen Streisen, der wohl allmählich blasser wird, aber doch anhält, bis in den ersten Morgenstunden die ersten Zeichen der anbrechenden Morgendämmerung erscheinen. Für die Beobachtung des Sternenhimmels ist naturgemäß die Zeit der hellen Nächte nicht gerade besonders geeignet. **(Herr Bürgermeister Nohrmann) hat gestern einen bis zum 25. Juli währenden Urlaub angetreten. Seine Vertretung haben die Beigeordneten Herren Direktor Emmerich und Rentmeister Niederstadt übernommen. **(Aus dem Noten Kreuz.) In seiner am 7. Juni in Paderborn abgehaltenen Delegiertenversammlung hat der Provinzialverband der Westischen Sanitätskolonnen beschlossen, für seine 4500 Mitglieder eine Verbandssterbekasse im Anschluß an die Lebensversicherungsanstalt und Sterbekasse des Deutschen Kriegerbundes einzurichten. Vor kurzem hat auch der Verband der Sanitätskolonnen der Provinz Brandenburg ein ähnliches Abkommen mit der Versicherungsanstalt des Kriegerbundes getrofsen, und bei weiteren Provinzialverbänden schweben bereits Erwägungen im ähnlichen Sinne. **(Wagenüberfluß im Kolenrevier.) Im RuhrKohlenrevier besteht zurzeit Ueberfluß an Kohlenwagen. In den angrenzenden Eisenbahndirektionsbezirken ist daher die Aufstellung dieser Wagen auf den Bahnhofsgleisen angeordnet worden. Für die hochbordigen Kokswagen wird jedoch die Absendung nach dem Ruhrgebiet unverändert beibehalten. **(Deutscher Gastwirtetag.) Unter überaus zahlreicher Beteiligung aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes wurde gestern abend im Kristallpalast zu Magdeburg durch einen Kommers der 41. Gastwirtetag eingeleitet. Aus Westfalen und Rheinland waren eine überaus große Zahl von Delegierten eingetroffen. Besonderen Beifall ernteten die künstlerischen Darbietungen des„Magdeburger SängerChores". Die Stadt prangte im herrlichsten Blumen= und Flaggenschmuck. Der hiesige Wirteverein ist durch seinen Vorsitzenden Herrn Seligmann auf der Tagung vertreten. *(Faule Zahler.) Der preußische Justizminister hat gestattet, daß Abschriften von Manifestantenlisten an die Auskunsteien oder sonstige Interessenvertretungen ausgehändigt werden können. Die Fälle, daß über Personen, die den Offenbarungseid geleistet haben, glänzende Auskünste erteilt werden, werden in Zukunft also stark eingeschränkt sein. *e(Sängerpreise.) Der Ruhrtaler Sängerverein, der sich am Sonntag an einem Gesangwettstreit in Münster beteiligte, ersang sich in der 2. Klasse den 2. Preis, 1. Ehren= und 2. HauptEhrenpreis. Den Sängern und ihrem Leiter, Musiklehrer Neuhaus, unsern besten Glückwunsch! **(Die Jauche als gefährliches Werkzeug.) In einem Ort nicht weit von Köln war ein Schüler nach Jungenart oder=unart auf die Umsassungsmauer eines Hofes geklettert. Darüber erboste sich die Frau des Hofbesitzers und schüttete ihm einen Eimer Jauche über den Kopf. Wegen Mißhandlung mittels eines gefährlichen Werkzeuges und tätlicher Beleidigung wurde die Frau vom Schöffengericht und der Strafkammer zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt. Ihr Verteidiger rügte in der Revisionsinstanz vor dem Strafsenat des Oberlandesgerichts als Rechtsirrtum die Annahme des Landgerichts, daß Jauche ein gefährliches Werkzeug sei. Auch der Staatsanwalt hielt eine solche Annahme für rechtskrrtümlich, da flüssige Substanzen, selbst Vitriol, nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts nicht als gefährliches Werkzeug im Sinne des§ 223a N.=St.=G.=B. anzusehen seien. Der Strafsenat hob das Urteil auf und verwies die Klage zur anderweitigen Entscheidung unter Aufrechterhaltung der tatsächlichen Feststellungen an die Vorinstanz zurück. **(Rekrutenfürsorge.) Der zweite Kursus wurde Sonntag vom Kursusleiter Prof. Feldhügel mit 13 Teilnehmern eröffnet. Nach einleitenden Bemerkungen, Feststellung der Teilnahme, Bekanntgabe des Programms usw., hielt der Kursusleiter einen eingehenden Vortrag über das Thema:„Wozu haben und brauchen wir ein Heer?, Allgemeine Wehrpflicht, Armeeeinteilung, Wa fengattungen und deren Verwendung.“ Weitere Anmeldungen, bei sonders auch von Freiwilligen, werden gera entgegengenommen. Nächsten Sonntag 11 Uhr vormittags: Anleitung zum Zielen und Schießen, nachmittags im„Schützenhof“ Schießen, zu dem aber außer Vereinsmitgliedern nur Kursusteilnehmer zu gelassen werden. 1— **(Evangelisches Volksbureau.) Die letzte diesmonatliche Sprechstunde des Evangelischen Volksbureaus der Synode Iserlohn hier in Schwerte wird am morgigen Mittwoch den 17. Juni, vormittags zur gewohnten Stunde von 9½—12 Uhr, im Lokale des Herrn Carl Müller am alten Rathaus abgehalten werden. Jede mündliche Rechtsauskunft und Rechtsberatung erfolgt kostenfrei. Für anzufertigende Schriftsätze ist eine geringe Schreibgebühr zur Deckung der Selbstkosten zu entrichten. **(Verworsene Berufung.) Der erheblich vorbestraft: Bergmann Ludwig Sch. von hier war wegen Beleidigung, Widerstandes und Uebertretung vom Schöffengericht zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt worden, hatte aber Berufung eingelegt, sodaß sich die Hagener Strajkammer nochmals mit der Sache zu beschäftigen hatte. Am Morgen des 27. Februar d. J. gegen 10 Uhr kam der Angeklagte mit anderen Personen in angetrunlenem Zustande von einer Hochzeit lärmend und singend die Straße entlang. Der Polizeibeamte Ising trat auf die Gruppe zu und erbat Ruhe, worauf alle außer Sch. sich ruhig verhielten. Dieser tippte aber auf seine Stirn und meinte zu dem Beamten:„Du bist wohl angeschossen?" Natürlich weigerte er sich, seine Personalien anzugeben und leistete dann den üblichen Widerstand, sodaß der Beamte ihn nur mit Mühe und Not zur Wache transportieren konnte. Das Gericht bedauert, daß nicht auch der Amtsanwalt Berufung eingelegt hat, da sonst auf eine ganz andere Strafe erkannt worden wäre, so konnte nur die Berusung verworfen werden. ** Holzen, 15. Juni.(Der Krieger= und Landwehr=Verein) hat auch in diesem Jahre wieder Rekrutenfürsorge eingerichtet. An die zum Militärdienst ausgehobenen jungen Leute aus der Gemeinde Holzen sind entsprechende Einladungen verschickt, diese zu den Vorträgen uswi., welche kostenlos sind, einzuladen. Die erste Versammlung findet am Sonntag den 28. Juni d. J. nachmittags 5 Uhr im Lokale des Wirts W. Hosang (früher Mertmann) statt. Es werden ein= oder zweimal im Monat Unterrichtsstunden sowie Exerzierübungen usw. abgehalten, um den jungen Rekruten den militärischen Dienst zu erleichtern. Auch diejenigen jungen Leute aus der Gemeinde, welche freiwillig eintreten, werden hiermit herzlich eingeladen, an den Vorträgen teilzunehmen. Nach Schluß der Unterrichtsstunden wird eine kleine Entlassungsfeier veranstaltet und denjenigen Rekruten, welche sich an den Veranstaltungen beteiligt haben, eine Bescheinigung zu ihrem Truppenteil mitgegeben. ** Holzen, 15. Juni.(Schulsache.) In der letzten Sitzung der Schul= und Gemeindevertretung wurde u. a. beschlossen, an der katholischen Schule in u den Rosen eine zweite Lehrerstelle zu errichten. Ferner wurde von der Verfügung des Herrn Landrats in Hörde betreffs Ernennung des Herrn Lehrers Hillefeld zum Hauptlehrer Kenntnis ge* nommen und dieser zugestimmt. * Leckingsen, 15. Juni.(Turnfest.) Der * Turnverein„Turnerbund"=Leckingsen beging gestern, vom herrlichsten Wetter begünstigt, sein Stiftungsfest. Sieben Nachbarvereine waren erschienen und u beteiligten sich an dem Festzuge, der sich gegen 2½ Uhr vom Bahnhof Kalthof zum Festplatze am Neuen Hause bewegte. Nach Ankunft hielt Herr MenzeKalthof die Festrede, worauf das Wetturnen seinen Ansang nahm. Vorgesehen waren Uebungen am Reck und Barren, weiterhin Stemmen, Steinstoßen, Wettlaufen, Springen und Ringen. Am Reck erhielten Kränze die Turner Stellpflug= Bürenbruch. Wockelmann=Leckingsen, Brieke II=Schwerterheide, Maier=Leckingsen, Vieler=Bürenbruch und SchäferLeckingsen. Am Barren siegten Garde und Möller vom Turn= und Sportklub Schwerte, Brieke I= Schwerterheide, Köster=Westhosen, Marck=Villigst und Lüdemann=Villigst. Die besten Leistungen im Stemmen erzielten Brenke vom Turn= und Sportklub Schwerte, Broer=Bürenbruch. Oberst=Westhofen und Tillmann=Bürenbruch. Die Kränze im Steinstoßen verteilten sich auf Gertel I=Turnerbund Schwerte, Schmidt=Westhofen, Schmidt=Turnerbund Schwerte und Keppmann=Bürenbruch. Die besten Läuser waren Brinkmann=Westhosen, HabigLeckingsen, Pirschke=Turn= und Sportklub Schwerte und Honert=Leckingsen. Im Springen erwarben Kränze Fromme und Schulte=Westhofen, Schulte=Schwerterheide und Gule=Wandhofen. Ringerkränze bekamen Dorka=Turn= und Sportklub Schwerte, Becker=Schwerterheide, Broer=Bürenbruch und Kirchhoff=Schwerterheide. Die meisten Turner stellten Bürenbruch und Villigst, den besten Aufmarsch vollführten Turn= und Sportklub Schwerte, Westfalia=Villigst und Jahn=Schwerterheide. Verschärfung der Lage in Albanien. Durazzo bestürmt. Die Herren Diplomaten hatten wieder einmal gründlich vorbeigeraten, als sie die Lage in Albanien als befriedigt und das Schicksal der Hauptstadt Durazzo sowie des Fürsten Wilhelm und seiner Familie für gesichert erklärten. In demselben Augenblicke, als Meldungen eintrafen, wonach Fürst Wilhelm sich anschickte, die Aufständischen einzukreisen, eröffneten diese von drei Seiten aus den Sturm auf Durazzo. Am Montag früh um vier Uhr, während die von dem holländi,chen Oberst Thomson besehligten Gendarmerie= und albanesischen Truppenabteilungen sich keiner Feindseligleiten versahen, begannen die Ausständischen plötzlich von drei Seiten den Angriff auf die Hauptstadt. Der Ansturm war so gewaltig und erfolgte so plötzlich, daß es im ersten Augenblick schien, als sei Durazzo verloren. Nach mehrstündigem heißen Gesecht, in dem der wackere Oberst Thomson in der ersten Reihe der Kämpfenden stand und seine Leute durch das eigene Beispiel zu heldenmütigem Drausgehen anspornee, besserte sich die Lage, und man schöpfte wieder Hoffnung, die Stadt halten zu können. Oberst Thomson selber sah den Erfolg des blutigen Ringens nicht mehr, er fiel gegen sechs Uhr morgens, nach zweistündigem —— Die Kalastrophe des„Ersatz 3 1“. Ueber die Vernichtung des Kölner Zeppelinluftschisses 3 1 wird noch gemeldet: Das Militärluftschiff Ersatz 3 1 sollte am Samstag eine Uebungsfahrt von Köln über Metz nach Karlsruhe machen. Die Fahrt ging ansangs bei gutem Wetter vonstatten, und gegen 12 Uhr näherte (der Ballon sich Diedenhofen. Etwa fünf Kilometer vor dieser Stadt bemerkte der Führer, Hauptmann Kleinschmidt, daß er einem riesigen Gewitter entgegenfahre, und versuchte deshalb, einen Umweg zu machen, indem er von seinem Kurs abwich. Das Gewitter kam jedoch mit rasender Schnelligkeit näher, und so war für das Zeppelinschiff ein Entweichen nicht mehr möglich. Um den Blitzen zu entgehen, wurde der Kreuzer in kürzester Zeit aus 1800 Meter Höhe gebracht, da man so hoffte, den ziemlich Kampf. Ein Gewehrschuß durch die Brust bereitete ihm den ehrenvollen Soldatentod. Der Mangel einer einheitlichen und energischen Führung machte sich in den fortgesetzten Kämpfen, die den ganzen Tag über andauerten, alsbald bemerkbar. Die errungenen Vorteile gingen verloren, und die Stadt geriet aufs neue in ernste Gefahr. Die Kämpfe verliefen ungemein blutig und forderten auf beiden Seiten große Verluste. Nach Wiener Meldungen eilte Fürst Wilhelm auf die Nachricht von dem Sturm der Aufständischen auf Durazzo sofort an die Front seiner Truppen. Eine Bestätigung dieser Meldung bleibt noch abzuwarten. Tatsache ist, daß den getrofsenen Vereinbarungen gemäß die vor Durazzo liegenden österreichischen und italienischen Kriegsschiffe ihre Aktion auf die Verteidigung des fürstlichen Palais und der fremden Gesandtschaften zunächst beschränkten. Wiener Meldungen beziffern die dem Fürsten Wilhelm zur Verfügung stehenden Truppen auf 10 000, die Nebellen auf nur 6000 Mann. Die Möglichkeit von Verschiebungen dieses stärkeverhältnisses zu Ungunsten der Fürstlichen liegt nahe. Andere Meldungen geben die Zahl der Streitkräfte des Fürsten Wilhelm auf 3000 bis 4000, die der Rebellen auf 10000 an. Bei dem Sturm auf Durazzo und den Erfolgen der Aufständischen handelt es sich um eine wohl vorbereitete Ueberrumpelung, zu der vielleicht mit Bedacht gerade der Montag=Morgen ausersehen worden war. Da Durazzo nach den Seiten möglicher Angriffe durch Schützengräben und Artillerie gedeckt ist, so hätte der Angriff doch vielleicht beim ersten Vorstoß abgeschlagen werden können. Seit den bekannten Kämpfen vor Durazzo am 23. v. M. hat man doch sicherlich für die Ausbildung hinreichenden Personals zur Bedienung der Geschütze gesorgt. Befürchtung der Plünderung Durazzos. § Durazzo, 15. Juni. Heute nachmittag nach 4 Uhr trat ein Augenblick der Ruhe ein; indessen sieht man in kurzer Entsernung zwei seindliche Massen, die von einem Augenblick zum andern in die Stadt einfallen können, um sie zu plündern. Man besürchtet einen Angriff während der Nacht. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist sehr groß. Der Fürst hat aus Alessio Verstärkungen von den Miriditen herbeigerufen. Die Verhandlung mit Thomson vor dem Sturm. amz Rom, 15. Juni. Oberst Thomson verweigerte am 13. Juni kategorisch nach dem Zwischenfall Muricchio=Chinigo die von dem italienischen Gesandten in Durazzo, Baron Aliotti, gesorderten Entschuldigungen. Daraufhin begab sich Aliotti am 14. Juni mit dem italienischen Admiral in den albanischen Ministerrat und sorderte, daß entweder Thomson sich gemäß dem schriftlichen Versprechen Turkhan Paschas entschuldige oder daß Thomson vor dem 3. Juli und Hauptmann Fabius sofort abberufen werde. Aliotti forderte eine entscheidende Antwort vor dem 15. Juni mittags, indem er hervorhob, daß seine Forderung nicht den Charakter eines Ultimatums habe. Aliotti zeigte sich besonders bemüht, die militärischen Operationen in Albanien nicht zu stören, indem er für alle Fälle darin einwilligte, daß Thomson bis zum 3. Juli bleibe, da der Kriegsminister Nogga ihm erklärte, daß dies notwendig sei, um ihn ohne Gesahr für die Stadt zu ersetzen. Turkhan Pascha begab sich am 14. Juni um 11 Uhr abends zu Aliotti, um ihm mitzuteilen, daß er keinen Ausweg wisse, da, wenn Thomson Albanien verließe, die Expedition gegen die Ausständischen scheitere. Er bat den italienischen Gesandten, sich noch einige Stunden zu gedulden, da er dann versuchen werde, Thomson zu überreden, das Entschuldigungsschreiben zu unterzeichnen. Auf diese Nachrichten hin telegraphierte Marquis di San Giuliano an Aliotti kategorische Anweisungen, um vollkommene unverzügliche Genugtuung zu fordern, bis dann Nachrichten von Durazzo kamen, die die Lage änderten. Eine Kriegslist der Aufständischen? § Wien, 16. Juni. Die Aufständischen gehen nach den letzten Meldungen aus Durazzo zurück. Es ist aber fraglich, ob das nicht eine Kriegslist ist. Die albanische Regierung hat ein Schiff des österreichischen Lloyd gemietet, das am Mittwoch nach San Giovanni di Medua fährt, um von dort 1000 Miririten nach Durazzo zu holen. Auf dringendes Bitten des Fürsten gehen zwei österreichische Torpedoboote nach Valona und San Giovanni di Medua ab, um Befehle des Fürsten an die dort versammelten albanesischen Streitkräfte zu bringen. Der österreichische Gesandte hat auf Bitten des Fürsten nach Skutari telegraphiert, um von dort Pflegeschwestern aus dem Kloster zur Pflege der Verwundeten nach Durazzo zu bringen. Oesterreichische Marinesoldaten tragen die Verwundeten auf Tragbahren herbei. * Arnsberg, 15. Juni.(Verwegene Flucht.) Aus dem sahrenden Zuge sprang auf dem Transpoct nach Arnsberg kurz vor der Station Wennemen der Untersuchungsgesangene Stiewe, der sich in den nächsten Tagen hierselbst vor den Geschworcnen wegen vorsätzlichen Totschlags zu verantworten haben wird. Begleiter des Stiewe war ein Gendarm aus Plettenberg. Bei dem Fluchtversuch stürzte Stiewe; er zog sich dabei eine Stirnverletzung und eine Armverrenkung zu. Dem Beamten gelang es, den Flüchtling sofort wieder festzunehmen. * Gelsenkirchen, 15. Juni.(Drei Bergleute getötet.) Auf der Zeche„Alma“ ereignete sich in der vergangenen Nacht ein schwerer Unglückssall. Auf der siebenten Sohle lösten sich gewaltige Gesteinsmassen aus dem Hangenden und begruben vier Arbeiter: Drei von ihnen waren sofort tot, der vierte wurde lebensgefährlich verletzt. * Mörs, 15. Juni.(Schwalbensterben an Niederrhei n.) In ganz geringer Anzahl sind in diesem Frühling die Schwalben an den Niederrhein zurückgekehrt. So wenig wie jetzt sind in keinem Jahre beobachtet. An den Rauchschwalben kann man in diesem Jahre an einigen Orten eine ganz eigenartige Beobachtung machen. Einige dieser Tiere sind nämlich derartig mit Vogelläusen behaftet, daß sie daran eingehen. Auf dem Neumarkt in Mörs sind in letzterer Zeit verschiedentlich Schwalben aufgehoben worden, die infolge der Schmarotzerplage flugunfähig geworden waren. Bald nach dem Aufsinden gingen die Tierchen ein. Leider haben auch die wenigen Bruten bei der anhaltend kühlen und nassen Witterung der letzten Wochen sehr unter Juttermangel zu leiden gehabt. Die Schwalben waren darauf angewiesen, sich auf dem Wasser ihre Nahrung zu suchen. Manche Jungschwalbe ist im Nest verhungert. Türkisch=griechischer Konflikt § Konstantinopel, 15. Juni. Der„Tanin“ meldet aus Smyrna: Die griechischen Einwohner des Dorfes Kara=Burun haben die Zollwächter und Gendarmen angegrissen, welche gemäß dem Ausfuhrverbot den Transport einer Hammelherde nach der Inel Chios verhindern wollten. Ein Zollbeamter und zwei Gendarmen wurden getötet, zwei andere verwundet. Sieben Beamte werden noch vermißt. Ein in der Nähe kreuzendes griechisches Torpedoboot setzte Boott aus, welche das Vieh und die Angreiser nach Chios brachten. Ein türkisches Kanonenboot wird nach Kara=Burun gehen. 8 Athen, 15. Juni. Die griechische Regierung hat als Entschädigung für die Verluste der hellenischen Staatsangehörigen Trikupis 10000 Pfund und für Parissis 1000 Pfund verlangt. Gegenüber der türkischen Behauptung, daß nur 1000 Griechen aus eigenem Antrieb gegen den Willen der turkischen Regierung ausgewandert seien, stellt die Athener Agentur fest, daß 20 000 Griechen aus Kleinasien sich bereits in Mytilene und Chios befänden und 50000 andere an der kleinasiatischen Küste auf eine Gelegenheit warteten, um den Verfolgungen der türkischen Behörden zu entgehen. hängenden Gewitterwolken zu entgehen. Diese Hoffnung erwies sich jedoch als trügerisch. Der Ballon geriet kurz vor Diedenhofen in einen rasenden Sturm, gegen den das Luftschiff nur mit voller Motorenkraft arbeiten konnte. Wie die Besatzung später mitteilte, stand das Schiff, von den rasenden Böen, die von allen Seiten auf den mächtigen Ballonkörper einwirkten, minutenlang still in der Luft. Die Blitze zuckten nach allen Richtungen hin, ohne jedoch glücklicherweise in das Schiff selbst einzuschlagen. Diesem Toben der Elemente hätte 3 1 jedoch noch Stand halten können, wenn nicht plötzlich ein furchtbarer Wolkenbruch eingesetzt hätte. Gewaltige Wassermengen strömten auf die Hülle nieder und beschwerten das Schiff um viele Zentner. Da man bei der Hochfahrt aber hatte Gas ablassen müssen, zog das Uebergewicht das Luftschiff langsam in die Tiefe. Der Führer, der sich den Monteuren und Steuerleuten bei dem Toben des Orkans kaum verständlich machen konnte, gab deshalb den Befehl, tiefer zu gehen und auf jeden Fall eine Notlandung zu versuchen. Kurz vor 12 Uhr sahen die Bewohner Diedenhofens zu ihrem Entsetzen aus den dunklen, bleigrauen Gewitterwolken den schlanken, hellgrauen Rumpf des Zeppelinluftschiffes hervorstoßen. Immer von Blitzen umgeben, kam der Ballon, dessen Propeller auf weite Entfernungen zu hören waren, immer tieser. Dicht über dem Boden wurde das Schiff von den erfahrungsgemäß stets sehr starken Vertikalböen gepackt und schwebte in wechselnden Höhen von 100 bis 20 Metern über der Erde. An der hinteren Gondel erschien eine rote Flagge zum Zeichen, daß das Luftschiff landen wolle. Auf dieses Signal rückte eine Schwadron Husaren aus, um auf dem freien, an der Mosel gelegenen Felde bei der Landung Hilfe leisten zu können. Leider kamen die Soldaten jedoch zu spät. Plötzlich wurde nämlich Schwere Bootskatastrophe. Sechs Personen ertrunken. Elbing, 15. Juni. Gestern abend ereignete sich auf der Elbing ein schweres Bootsunglück, dem der 49jährige Schuhmacher Snietka, dessen 14jähriger Sohn Otto und 12jährige Tochter Frieda, sowie die 19jährige Wickelmacherin Gertrud Hafske und deren Brüder Kurt und Hellmuth zum Opfer sielen. Das Unglück entstand beim Wechsel der Rudersitze. Im Boot befanden sich sieben Personen. Eine Person ist von vier Mitgliedern der Marinejugendwehr gerettet, worden. Feuu dane uicheschgaete düie gaelt und e Boden gerissen. Offenbar war das Schiff in einen der berüchtigten, bei Gewittern oft beobachteten Luststrudel geraten, die sich von der Wolkendecke bis zum Erdboden hinziehen. Der Ballon drehte sich einmal um seine Achse und schlug dann mit dem Heck auf den Boden. Die Besatzung war aus der Gondel herausgesprungen, während die Offiziere bis zuletzt auf ihren Posten blieben. Trotz der harten Landung kam niemand, von kleinen Schrammen abgesehen, zu Schaden. Die Husaren sperrten zusammen mit den sofort alarmierten Gendarmen die Unsallstelle in weitem Umkreise ab, um den auf dem Boden liegenden Luftriesen, aus dem das Wasserstofsgas entwich, vor Explosion durch Unvorsichtigkeit allzu neugieriger Zuschauer zu schützen. Auf die Kunde von dem Unfall strömte ein großer Teil der Bevölkerung Diedenhofens an die Landungsstelle, um dort das gescheiterte Schiff zu betrachten. Die Unsallstelle liegt nur zwanzig Meter von dem Ufer der Mosel entfernt, und ein glücklicher Zufall hat es verhindert, daß 3 1 ins Wasser stürzte. In diesem Fall dürfte die Katastrophe doch wohl Menschenopfer gesordert haben. — Westfalen und Rheinland. * Hagen, 15. Juni.(Eine 40000pferdige Dampfmaschine.) Eine Dampfturbing mit 40 000 Pferdestärken ist von der Firma Browu, Boverie u. Co. in Mannheim erbaut worden. Bald wird sie ihre beschwerliche Reise nach Hagen antreten, um fortan dem großen Elektrizitätswerk „Mark“ eine Quelle der Krast zu sein. Die Turbine macht 1000 Umdrehungen in der Minute und erzeugt einen Drehstrom von 10—11000 Volt und 50 Perioden in der Sekunde... — Der reichste Fürst. Die Frare nach dem„reichsten Fürsten“ ist schon lange kein Vorrecht des Poeten mehr, sie hat längst eine praktische Grundlage gesunden, die sich besonders bei der Berechnung des Wehrbeitrages gezeigt hat. Da der Wehrbeitrag der deutschen Fürsten ein freiwilliger gewesen ist, so wird seine Höhe nicht bekannt gegeben werden, wie es sonst der Fall gewesen ist. Daß der Reichtum der deutschen Fürsten aber auch nicht entfernt mit dem der amerikanischen Milliardäre verglichen werden kann, ist längst festgestellt worden. Das gilt auch von mehr als einem fremden Monarchen. Daß König Edward von England ebensowenig reich war wie sein Schwager Kaiser Friedrich, weiß jeder. Wenn heute von einem hohen Herrn besonders die Rede ist, so heißt es fast stets, daß er mit zu den reichsten deutschen Fürsten gehöre. So ist es soeben wieder vom entschlafenen Großherzog Adolf Friedrich von Mecklenburg=Strelitz gesagt, es ist vom jungen Herzog von Braunschweig behauptet worden, früher vom Fürsten von Schaumburg=Lippe und vom Herzog von Anhalt. Als der deutsche Kronprinz sich vermählte, wurde die liebenswürdige Kronprinzessin Cäcilie eine der reichsten Prinzessinnen genannt, aber die genannte Summe ging so erheblich über die Tatsache hinaus, daß amtlich schleunigst abgewinkt wurde. Man kann von einem regierenden Fürsten selbstverständlich keine Darlegung über seinen Vermögensstand verlangen, denn dann müßten auch die sehr zahlreichen wohltätigen Aufwendungen zur Sprache kommen, die nicht zu nennen, gerade eine Ehrensache der Fürsten ist. Alle diese freiwilligen Spenden sind viel höher, als angenommen wied,######. Nr. 138. Beilage. Hellung. Dienstag, 16. Juni 1914. Amtliches Kreisblatt. Die Zarenfamilie in Konstanza. Konstanza, die am Schwargen Meere gelegene Sommerresidenz des rumänischen Königshauses, ist das alt: Tomi, in dem der reizvolle Dichter der Metamorphosen, Publius Ovidus Naso, in der Verbannung lebte und starb und seine Tristien dichtete. Trauerlieder waren es jetzt nicht, die jetzt am Pontus Euxinus,= dem den Fremden freundlichen Meeresgestade, angestimmt wurden; kam doch der Kaiser von Rußland in Begleitung der kaiserlichen Familie, um dem aus Hohenzollernblut entsprossenen König Karl von Rumänien Versöhnung nach langjähriger Gespanntheit der russisch= rumänischen Beziehungen und Freundschaft anzubieten. Gleichzeitig sollte das Projekt der Verlobung der ältesten Zarentochter mit dem um zwei Jahre älteren rumänischen Thronsolger seiner Verwirklichung entgegengeführt werden. In Petersburg machte man kein Hehl daraus, daß diese Verlobung gelegentlich des vor einigen Wochen abgestatteten Besuches des rumäischen Kronprinzenpaares und des Prinzen Karl nicht zustande kam, weil die junge Großfürstin energisch auf ihrer Absage an den rumänischen Prinzen bestand. Schon die nächsten Tage werden zeigen, ob die Stimmung inzwischen einer freundlicheren Aufsassung gewichen ist. Die verbindlichen Trinksprüche, die zwischen dem König Karol und dem Zaren bei dem Gabelfrühstück im Königlichen Schlosse gewechselt wurden, beweisen jedenfalls, daß zwischen Rußland und Rumänien eine bemerkenswerte Annäherung stattgefunden hat. Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 15. Juni.(Ein rückfälliger Dieb) ist der Hausdiener Mathias Hausmann von hier, der sich gestern vor der Dortmunder Strafkammer zu verantworten hatte, weil er am 13. Februar d. Is. dem Schlosser August Schmidt eine Uhr mit Kette im Werte von 15 Mark stahl, um dann beides an den Arbeiter Wilh. Peters zu verkaufen. Letzterer wurde zu 9 Monaten, Hausmann zu 1 Jahr und 3 Monaten Gesängnis verurteilt. * Hagen, 15. Juni.(Zur Wahl des 2. Bürgermeisters.) Die verstärkte Finanz= kommission hat jetzt eingehend die Liste der 55 Bewerber um die hiesige zweite Bürgermeisterstelle geprüft. Auf der engeren Liste verblieben noch 15 Herren, über deren Bewerbungen in der nächsten Sitzung noch weiter beraten wird. Von allgemeinem Interesse dürfte die Tatsache sein, daß sich unter den 55 Bewerbern u. a. auch der erste Bürgermeister von Köslin befindet, der das Unglück hatte, des entlarvten Alexander Thormann's Lokalkollege zu sein. * Mülheim(Ruhr), 15. Juni.(Ein schrecklicher Unglücksfall) ereignete sich auf dem Blechwalzwerk der Firma Thyssen u. Co. Der 35 Jahre alte Maschinist Dreikopf geriet in das Getriebs einer Blechrichtmaschine. Er wurde zu einer unförmlichen Masse zerquescht. * Recklinghausen, 15. Juni.(Ein surchtbarer Sturz.) Auf dem Schacht der Zeche „General Blumenthal“ stürzte der mit Reparaturarbeiten beschäftigte Schachthauer Theodor Rüpping aus Oer etwa 400 Meter tief in den Schacht hinab. Der Knappe, der fast 20 Jahre auf der Zeche beschäftigt gewesen ist, wurde als gräßlich verstümmelte Leiche zu Tage gebracht. * Elberfeld, 15. Juni.(Wiederaufnahmeverfahren im Flandersbacher Mordprozeß.) Die sensationelle Wiederaufnahmeverfahren der Flandersbacher Mordasfäre wird, wie wir erfahren, nicht mehr, wie angenommen vor der 3. Schwurgerichtsperivde zur Verhandlung kommen, da die Untersuchung gegen die des Mordes verdächtigen beiden Sträflinge noch kein genügendes Beweismateriall ergeben hat. Die Angelegenheit dürfte frühestens Oktober das Schwurgericht beschäftigen. * Duisburg, 15. Juni.(Die Entführung eines Kindes) beschäftigte die hiesige Strafkammer. Die vielsach vorbestrafte Frau Arno Kempfer hatte im Jahre 1908 die sieben Monate alte Herta Lange in Pflege genommen. Sie zog mit dem Kinde fortwährend herum und wohnte auch längere Zeit in Zürich, Holland und zuletzt zweieinhalb Jahre in Turin. Da sie keine Pflegekosten erhielt, wandte sie sich an den Vormund des Kindes, einen Pastor Pfeisser. Dieser ließ an die Frau die Aufforderung ergehen, das Kind zurückzugeben. Die Angeklagte wollte das Kind aber nur gegen Erstattung der Pflegekosten herausgeben, und erklärte sich auch zur Adoption des Kindes bereit, womit der Vormund nicht einverstanden war. Frau Kempfer wollte nämlich das Kind gegen eine Abfindungssumme an einen serbischen Offizier abgeben, der es an Kindesstatt annehmen wollte. Das Gericht hielt für erwiesen, daß die Angeklagte das Kind mit List dem Vormund entziehen wollte und erkannte auf eine Gesängnisstrafe von zwei Monaten. * Düsseldorf, 15. Juni.(Ein 12 Millionenprojekt) der Stadtverwaltung wird in Kürze die Stadtverordnetenversammlung beschäftigen. Mit einem Kostenauswande von etwa 12 Millionen Mark beabsichtigt die Stadt ein brachliegendes Gelände von 4 Kilometer Länge u. einem Kilometer Breite, durch den Bau von zwei neuen Hafenkanälen, die mit dem Rhein in direkter Verbindung stehen, zu erschließen. * Kassel, 15. Juni.(Wegen fortgesetzter Falschspielerei,) wobei sie ihren Opfern große Beträge„abgewannen“, hatten sich die Brüder Konrad und Karl N. von hier vor dem Schöffengericht zu verantworten Die beiden Brüder wurden eines Abends mit drei bis vier anderen gewerbsmäßigen Spielern in der sog.„Spielerecke" verhaftet, wobei die Spielkasse mit 1000 Mark beschlagnahmt wurde. Nach längirer Beratung verurteilte das Gericht die beiden Falschspieler zu je fünf Monaten Gefängnis und den Konrad N. außerdem noch zu 1000 Mark Geldstrase. Vom verstorbenen Großberzog von Mechlenburg=Sirelitz erfährt die Welt außerhalb der blau=gelb=roten Erenzpfähle erst nach dem Tode des hohen Herrn charakterische Züge und Einzelheiten, da es der Verstorbene nicht liebte, nach außenhin irgendwie hervorzutreten. Bezeichnend für diese Scheu vor der großen Oefsentlichkeit war schon der Umstand, daß der Großherzog ganz selten einem Maler saß, so daß es nur äußerst wenige Bildnisse von ihm gibt. Er war seinen Mecklenburgern ein wahrer Landesvater, jeder hatte Zutritt und fand Gehör bei ihm. Wie klar der Verstorbene seine Zeit erkannte, geht daraus hervor, daß er alsbald nach seinem Regierungsantritt mit der Hinwegräumung von Vorurteilen begann, an denen sein von ihm innig geliebter Vater mit äußerster Zähigkeit festgehalten hatte. Der Vater hatte grundsätzlich nie einen bürgerlichen Obersörster zum Forstmeister ernannt. Gleich nach seinem Regierungsantritt ernannte der jetzt verstorbene Großherzog zwei bürgerliche Oberförster zu Forstmeistern und setzte damit den alten Grundsatz außer Kraft, daß zu den höheren Staatsämtern nur Adlige zugelassen seien. Und es dauerte denn auch nicht mehr lange, da wurd# ein bürgerlicher Landgerichtsdirektor zum Präsidenten des Staatsministeriums gemacht. Vor allem aber wurden jetzt die Beamten angemessener besoldet. Es gab gleich nach dem Regie' rungsantritt des Großherzogs Gehaltserhöhungen bis zu 50 v. H. Dann kam das Pensionsgesetz, das mit dem bisherigen Zustand brach, nach dem in Mecklenburg= Strelitz kein Beamter gesetzmäßigen Anspruch auf Ruhegehalt besaß. Das Fürstentum Natzeburg bekam eine Aenderung seiner Verfassung, und dann wurde der dortige Landtag, der zwar seit Jahrzehnten bestand, aber nie arbeitsfähig war, weil ein großer Teil der Abgeordneten nicht erschien, wieder flott gemacht. Schließlich bekam die Residenz Neustrelitz, die bis dahin nichts anders als eine Domäne des Großherzogs war, und deren Bewohner kein anderes Recht als das des Steuerzahlens hatten, eine Stadtversassung. Die Folgen sieht man, wie der„Tägl. Rundschau“ geschrieben wird, schon heute: Die Stadt, die noch vor zehn Jahren einen stillen Dornröschenschlaf schlief und von der ängstlich jeder Fabrikschornstein serngehalten wurde, ist heute ein aufblühendes Gemeinwesen, das sein ganzes Leben dem heimgegangenen Großherzog verdankt. Bunte Chronik. ) Unglück während einer Fronleichnams=Prozession. Bei der Fronleichnams=Prozession in Tarnow(Galizien) stieß ein Fahnenträger mit der Fahne gegen den Leitungsdraht der elektrischen Straßenbahn. Dieser zerriß und siel in die Volksmenge. Durch die elektrischen Schläge, die verschiedene Personen erhielten, entstand eine Panik, bei der 35 Personen schwer verletzt wurden. )( Eine blutige Meuterei brach in dem spanischen Zuchthaus in Figueras aus, während die Truppen und ein Teil des Personals an der Fronleichnams=Prozession teilnahmen. Die Meuterer grissen, mit Messern und Revolvern bewaffnet, die Angestellten an. Der Direktor wurde durch einen Schuß in den Kopf getötet. Ferner wurden fünf Wachtposten durch Revolverkugeln niedergestreckt. Zwei Aufseher und neun Gefangene haben schwere Verletzungen erlitten. Die Verbrecher hatten sich auf bisher unbekannte Weise die Waffen verschafft. Die Meuterei wäre um ein Haar geglückt, in letzter Minute konnte Militär eingreisen und die Verbrecher zur Raison bringen. ( Alles mit Unterschied! Auf den Speisekarten eines Gasthauses in Saßnitz auf Rügen steht zu lesen:„Diner 1.75 Mark, Mittagstisch 1.25 Mark“. —„Das tun sie, weil sie ihre Nahrung davon haben“, sagte Onkel Bräsig mit Bezug auf die „Wasser=Doktors“ )( Neue Gewitterschäden. Bei Hammelburg (Saaletal) wurden zwei Personen durch den Blitz erschlagen. In derselben Gegend wurden durch einen Wolkenbruch verschiedentlich die Eisenbahndämme unterspült. Bei Unterschlüpf in Baden erschlug der Blitz einen Landmann und einen Knaben. Bei Weimar und am Niederrhein wurden durch Wolkenbrüche schwere Wassermassen fortgeschwemmt. Die Straßen in den Ortschaften standen unter Wasser. )( Wie raffiniert der Kösliner SchwindelBürgermeister Thormann vorgegangen ist, beweist die in der Untersuchung festgestellte Tatsache, daß er sich einmal in Rostock unter dem Namen eines erdichteten Onkels, auf dessen Auskunft er bei seinen Personalabgaben Bezug genommen hatle, vernehmen ließ und eidesstattliche Versicherungen über sich selbst abgab.— Fürwahr, ein praktischer Weg, über sich selbst günstige Aussagen zu erhalten. )( Eine lustige Geschichte von einem schlauen Ferien=Reisenden, dem die eigene Schlarheit verhängisvoll wurde, erzählt der„Tag". Der kluge Reisende kam kurz vor Abgang des Zuges auf den Bahnsteig und fand sämtliche Abteile überzüllt vor. Kurz entschlossen, rief er vor dem letzten Wagen mit lauter Stimme:„Alles aussteigen! Der Wagen bleibt hier!“ Die Wirkung war verblüssend, alles suchte tatsächlich seine Sachen zusammen, um sich neue Plätze zu suchen. Der kluge Reisende läßt sich behaglich am Fensterplatz im leeren Abteil nieder. Doch die Abfahrtszeit verstreicht, und das erlösende Anlaufen der Räder erschallt noch nicht. Plötzlich erscheint ein Stationsbeamter am Fenster.„Sie sind wohl der Herr, der den Leuten einredete, der Wogen führe nicht?“„Jawohl!“ bekennt der kluge Reisende sreimütig.„Nun, Sie hab a recht behalten. Der Zugführer, der Sie für einen höheren Beamten hielt, hat den Wagen abgekuppelt. Da draußen fährt der Zug!“ Unsere Klassen=Lotterie. Ueber die Gewinnchancen der Kgl. Preußischen Süddeutschen Klassen=Lotterie, diesem größten Lotterie=Unternehmen der Welt, die oft unzutreffend beurteilt werden, sind die folgenden Mitteilungen von Interesse. Das Grundprinzip ist heute genau dasselbe wie ehedem. Das gesamte vom Staate vereinnahmte Spielkapital— 72½ Millionen Mark— wird an die Spieler zurückgezahlt, nachdem der Staat davon für Vermittlung und Auslagen 15½ Prozent zurückbehalten hat. Die viel angeseindete Errichtung der sogenannten Freilose hat seit kurzer aufgehört und der Staat somit auf eine seitherige Einnahme von einer halben Million Mark verzichtet. Aus technischen Gründen notwendig geworden ist die Errichtung der Doppelzahlen und der zweimaligen Gewinnauszahlung. Jede gezogene Num. mer wird zweimal ausgezahlt, ganz gleich, ob darauf 500 000 Mark oder 240 Mark gefallen sind. Hat jemand ein Viertel oder ein Achtel einer Nummer, so kann ihn dieses System nicht weiter interessieren, hat er aber zwei ganz: Lose von derselben Nummer und fällt auf diese ein Gewinn von 50000 Mark, so bekommt er auf jedes Los 50000 Mark, also zusammen 100 000 Mark ausgezahlt. Der neue Spielplan ist aber rechnerisch zweisellos wehentlich günstiger als der alte. Kämpften früher 468000 Konkurrenten um die Haupt=Gewinne von 500 000, 300 000, 200000 Mark usw., so stehen jetzt nur 234 000 Bewerber im Felde. Die Gewinnlisten sind demnach inhaltsreicher geworden und so umfaßt z. B. die offizielle Gewinnliste der fünften Klasse der vorigen Lotterie 39 Seiten, von denen Seite 1 bis 14 allein auf die höheren Gewinne entfallen. Auch ein Vergleich der preußischen mit anderen Staatslotterien ergibt die Tatsache, daß bei ihr ein größerer Prozentsatz der Einsatzgelder in die Taschen der Spieler zurückfließt als bei jenen. Der letzte Termin zur Lose=Erneuerung ist bereits am Freitag, den 19. d. Mts. Bei der außergewöhnlichen lebhaften Nachfrage nach Losen war es nicht möglich, diesen Termin, wie vielsach gewünscht, später zu setzen, da den Königl. Lotterie=Einnehmern sonst keine Lose zum Verkauf zur Verfügung stehen würden. Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Aug. König. 34 „Haben Sie ein sicheres Mittel, rote Haare schwarz zu färben?“ „Ein ausgezeichnetes und ganz unfehlbares Mittel," nickte der Friseur in seiner lebhaften Weise, während er eine Flasche aus dem Glasschrank holte, „etwas teuer, aber der Erfolg ist sicher und überraschend.“ „Auch dauernd?“ „Dauernd? Ja, wenn die Haare nachwachsen sind sie wieder rot; es wird zweckmäßig sein, den Kopf alle drei oder vier Tage damit zu waschen, dann aber garantiere ich dafür, daß niemand die ursprüngliche rote Farbe entdecken wird.“ Das war es, was Eduard suchte, er bezahlte den Preis, warf einen flüchtigen Blick auf die Gebrauchsanweisung und nickte befriedigt, als er in derselben die Behauptungen des Friseurs bestätigt ano.„„ 4. Buraer M. „Habe die Ehre! schnarrte Bulger, als er die Haustür hinter dem Bankier schloß, dann stieg er hastig wieder die Treppe hinauf. In der Stube war die Hochzeitsgesellschaft versammelt, die fröhliche Stimmung war einer fast unheimlichen Stille gewichen. „Na, was ist denn nun wieder los?“ fragte der Friseur mit einem forschenden Blick auf das Antlitz seiner Frau. „Nichts Besonderes, Schwiegervater," erwiderte Abraham, der neben seiner jungen Frau saß und sich zu einem Lächeln zwang.„Die Mutter ist wieder einmal über den Anton hergefallen, ich kann ihn doch nicht besser machen, als er ist.“ „Weshalb auch heute davon reden, Marie?“ wandte Burger sich vorwurfsvoll zu seiner Frau. „Es geht uns ja weiter nichts an.“ „Er ist der Bruder Abrahams, also gehört er etzt zur Verwandtschaft, unterbrach sie ihn ernst. „und ich will keinen Schandfleck in unserer Familie." „Bestraft ist er aber noch nicht,“ warf Abraham ein. „Und die Schmarre in seinem Gesicht?“ fragte sie scharf. „Ein Fuhrmann hat aus Versehen—“ „Kenne schon die Entschuldigung,“ fiel sie ihm mit einer energisch ablehnenden Handbewegung ins Wort.„Der Baron Darboren war der Fuhrmann, und die Reitpeitsche traf ihn nicht zufällig, sondern mit Absicht.“ Betroffen blickte Abraham auf, sein Gesicht war blaß geworden. „Wer hat Dir das gesagt?“ fragte er. „Der Förster aus Eichenhorst war heute in der Frühe hier, um mir den Hochzeitsbraten zu bringen, wenn er mir auch nicht alles ausführlich erzählt hat, so habe ich doch geuug gehört, um mir einen Vers daraus machen zu können.“ „Der Baron hat ihn geschlagen?“ murmelte Abtaham.„Das wird noch zu unserem Unglück führen.“ „Was geht es denn uns an, was die beiden mit einander auszufechten haben,“ rief der Friseur unwillig, indem er sein Glas erhob.„Es versteht sich von selbst, daß der Anton jetzt ausziehen muß, damit hat die Geschichte für uns ein Ende. Wir aber wollen heute fröhlich sein; ich habe die Ehre, ein Hoch auf meine Frau auszubringen.“ Die Gäste stimmten bereitwillig in das Hoch ein, das der Friseur ausbrachte; nur Abraham und seine Schwiegermutter blickten ernst und nachdenklich. „Ein Unglück!“ wiederholte die alte Frau leise. „Ich will es gerne glauben, Dein Bruder ist ein rachsüchtiger Mensch, er vergißt kein böses Wort; und für den Schlag wird er sicher Rache nehmen wollen. Er muß fort aus unserem Hause, er soll nicht von der Polizei hier abgeholt werden." „Ich kann es nicht ändern,“ sagte Abraham. „Zu mir kann ich ihn nicht nehmen.“ „Nein,“ unterbrach die junge Frau ihn rasch, „was Du verdienst, haben wir nun selbst nötig, die Unterstützungen, die Du ihm gegeben hast, müssen ein Ende nehmen. Weshalb hat er unsere Einladung abgelehnt? Warum sitzt er hier nicht unter den Gästen?" „Weil er sein Gesicht nicht zeigen darf,“ antwortete ihre Mutter.„Was soll er sagen, wenn er gefragt wird, wo er sich die Schmarre hergeholt hat?“ Das ehrliche Gesicht Abrahams hatte mehr und mehr sich umwölkt, er trank sein Glas aus und schüttelte ärgerlich das Haupt. „Wir bleiben wohl noch ein Stündchen beisammen.“ sagte er,„ich will ihm noch einmal ins Gewissen reden.“ Abraham nahm mit einem Kuß Abschied von seiner Frau und ging hinaus; die Gäste, die in eifriger Unterhaltung begriffen waren, bemerkten es nicht. Mit schwerem Herzen trat er in die Stube, die er bisher mit seinem Bruder gemeinsam bewohnt hatte, die Erklärung seiner Schwiegermutter über die rote Schmarre erschien ihm sehr claubwürdig, sie bennruhigte ihn im höchsten Grade. Anton saß am Tisch, auf dem eine Flasche Wein und die Ueberteste einer opulenten Mahlzeit standen, er kühlte mit einem nassen Tuch sein heißes Gesicht. „Was willst Du hier?“ fragte er, erstannt aufblickend,„Abschied nehmen? Du machst ja keine Reise—“ „Nein, ich mache keine Reise,“ unterbrach Abraham ihn, während er ihm gegenüber Platz nahm, „die Reichen und Vornehmen dürfen sich den Luxus einer Hochzeitsreise erlauben, unsereins muß darauf verzichten. Aber wir gehen trotzdem heitte auseinander, Anton; und ich weiß nicht, ob ich Dich so bald wiedersehen werde, denn zu mir wirst Du nicht kommen, und das bißchen Zeit, das mir übrig bleibt, gehört nun meiner Frau. Doch möchte ich noch einmal ein gutes Wort mit Dir reden, damit Du nicht untergehst—“ „Schickt Deine Schwiegermutter Dich?“ unterbrach Auton ihn spöttisch.„Ich kann mir schon denken, was sie mir durch Dich sagen läßt, sie ist ja aller Weisheit voll und muß sie an den Mann bringen.“ „Sie ist eine kluge Frau und wer auf ihren Rar hört, ist nicht schlecht beraten,“ entgegnete sein Bruder ruhig.„Du hast wahrhaftig keine Ursache, über sie zu spotten, sie meint es auch mit Dir gut. Der Förster von Eichenhorst ist gestern morgen hier gewesen, wir wissen nun, wer Dein Gesicht so bös gezeichnet.“ „Hat der Schuft sich seiner Heldentat gerühmt?“ fuhr Anton auf. „Er hat es ja nicht getan, sondern Baron von Darboren." „Jawohl, nachdem der Förster mir die Hände zusammengeschnürt hatte, damit ich mich nicht wehren konnte. O, wenn ich meine Büchse noch hätte! Die hat das Gesindel mir auch noch gestohlen, hol der Teufel sie allesamt.“ Auton hatte das nasse Handtuch vom Gesicht genommen und in die Wasserschüssel geworfen, die vor ihm stand, er sprang von seinem Sitz auf, die Dielen kuarrten unter seinen schweren Tritten. „Laß es bei dem Fluch bewenden,“ antwortete Abraham warnend.„Ich kann mir wohl denken, wie sehr Dich die Schmach ärgern muß, aber Du machst sie nicht ungeschehen, wenn Du Rache dafür nimmst.“ „Wenn Du so zahm bist, ich bin es nicht!“ rief sein Bruder mit steigender Erregung.„Ich lasse mich nicht mit der Peitsche schlagen, wie man einen Hund schlägt, hätte ich die Hände frei gehabt— ah, wie das brennt.“ 214,16 45 K— Die Goldblume. Eine eigenartigerweise noch wenig bekannte reizende Sommerblume ist die Goldblume mit dem botanischen Namen Dimorphotheca aurantiaca, das beißt Zweiformsame.,.., a Hishumg tein in Sie erinnert, wie die Abbilbung zeig., in der Form der Blumen etwas an die Marguerite, mit der sie auch weitläufig verwandt ist. Durch ihre feine sattgoldgelbe Färbung macht sie der Bezeichnung Goldblume alle Ehre. In den Blumengarten an sonniger Stelle in kräftige Erde gepflanzt, blüht sie ohne besondere Pflege von Juli an unermüdlich und in reicher Fülle bis zum ersten Frost. Ganz besonders interessant ist, was sie von ihrer Schwester Dimorphotheca pluvialis, dem regenanzeigenden Zweiformsamen, gelernt hat. Die Goldblume prophezeit nämlich auch den Regen; 1—2 Stunden vor Beginn eines solchen schließt sie schon ihre Blumen und deutet damit an, daß er zu erwarten ist. Ferner kann sie auch als eine Art Blumenuhr gelten, denn pünktlich des Morgens um 7 Uhr öffnet sie ihre Blüten, um sie fast ebenso pünktlich nachmittags um 4 Uhr wieder zu schließen. Bei feuchtem, trübem und Regenwetter hingegen sind die Blumen beständig geschlossen. Die Goldblume kann zwar ohne besondere Umstände ins Freie gesät werden, doch wird man mehr Freude an Pflanzen haben, die man sich vom Gärtner besorgte. Dieser zieht sie im Frühbeetkasten heran und weiß sie, was bei fast allen Pflanzen das wichtigste ist, in der Jugend richtig zu behandeln. Abnorme Hühnerrassen. Menschliche Laune hat den Hühnern alle möglichen und unmöglichen Eigenschaften angezüchtet, hat ihr Wachstum künstlich gehemmt, auch es um das mehrfache vergrößert, aber auch die Natur selbst hat einige absonderliche Typen von Hühnern ohne menschliches Hinzutun hervorgebracht. Da ist z. B. der Siebenbürger Nackthals. Ein widerliches Tier mit kahlem, fleischrotem Halse(auf unserem Bilde nicht dargestellt), ferner das Strupphuhn(I) mit einer Befiederung, die aussieht, als wäre jede Feder mit dem Brenneisen nach vorn gelockt, weiter die ungeschwänzten Hühner(II), die tatsächlich so absolut ohne Schwanz sind, daß selbst im Knochengerüst die Schwanzwirbel teilweise oder ganz fehlen. Weiter kann man zu den abnormen Hühnern das Breda=Huhn(III) rechnen, dessen eigentümliche Kopfbildung den Eindruck erweckt, als sei der Kamm glatt abgeschnitten, während die Kinnlappen lang herabhängen. Man nennt diese Hühnersorte auch Krähenkopf oder Krähenschnabel, weil der eigentümlich geformte Kopf mit dem kräftigen Schnabel an einen Krähenkopf erinnert. Endlich sei hier noch der Phönix=Hühner(IV) gedacht, bei denen allerdings Züchterleidenschaft noch ein übriges tut, um die ohnehin übermäßig langen Schwanzfedern mit allerhand Tierquälerei bis zu 6 Fuß Länge zu ziehen. Das Tier kann sich mit diesen Federn kaum genügend bewegen, um Nahrung zu suchen. Man muß es in Käfigen halten und füttern. Der Goldafter ist einer der größten Schädlinge unseres Obstbaues. Seine kleinen gefräßigen Raupen beginnen ihr Zerstörungswerk schon im März oder April an warmen Sonnentagen, wo sie die sich entfaltenden Blüten= und andere Knospen abfressen. Wenn der Obstzüchter sich freilich richtig um seine Bäume kümmern würde, wenn er sie im Laufe des Winters nachgesehen hätte, dann mußte er die Winterquartiere der Raupen finden und vernichten. Da sich die Raupen aber gewöhnlich des Nachts wieder zusammenfinden, ist auch jetzt noch Gelegenheit, sie zu vernichten. Bei schönem Wetter pflegen sie sich zu sonnen und zwar in größeren Gesellschaften; auch bei dieser Gelegenheit kann man sie vernichten. Ende Mai und Juni sind die Raupen ausgewachsen und haben dann das Aussehen wie Figur 1 Die Goldblume. Nichtaustreibende Bäume. Es ist sehr oft der Fall, daß Bäume und Gehölze, die im Herbst oder Frühjahr gepflanzt oder umgepflanzt worden sind, nicht austreiben wollen. Kümmert man sich um solche nicht, so gehen sie meistens zu Grunde, wohl aber sind sie meist zu retten, wenn man sich mit ihnen ein wenig Mühe gibt. Bei größeren Bäumen wird man sich nicht anders helfen können, als daß man sie öfters eindringend gießt; allerdings darf man auch hinwiederum nicht etwa des Guten zuviel tun, denn zuviel Wasser schadet auch nur. Bei kleineren Bäumen und Sträuchern ist das folgende ein fast stets sicheres Mittel, sie zum Austreiben zu bringen. Voraussetzung dabei ist freilich, daß die Pflanzen ansonsten gesund sind. Man nimmt sie sorgfältig wieder aus dem Boden heraus, so daß die Wurzeln nicht verletzt werden. Sodann schneidet man die Wurzeln mit sehr scharfem Messer und glattem Schnitt noch ein Stückchen zurück, doch so, daß die Schnittwunde nach unten sieht. Alsdann steckt man die Gehölze in ein entsprechend großes Gesäß mit frischem Wasser und läßt sie 1—2 Tage darin, bis sie sich vollgesogen haben. Doch achte man darauf, daß die Pflanzen nur bis an den Wurzelhals im Wasser stehen, also nicht weiter als sie im Erdboden zu stehen haben, denn Stamm und Zweige der Pflanzen benötigen der frischen, freicn Luft. Ist die Rinde der Pflanzen durch das eingesogene Wasser wieder straff geworden, sopflanzt man diese wieder sorgfältig an den für siebestimmten Ort. So behandelt, werden sie meist dann noch anwachsen und sich auch während des Sommers noch mit frischem Eidseerdiart, weißfleckig. Grün bekleiden. Abnorme Hühnerrassen. 1 Strupphuhn. 11 Ungeschwänztes Huhn. I1I Breda=Huhn. IV auf unserm Bilde. Dann spinnen sie sich einzeln in ein dichtes Gewebe ein, das sie unter Verwendung ihres eigenen Haares weben, und verwandeln sich darin zur Puppe; das Gewebe stellt Figur 2 unseres Bildes dar. Von Ende Juni bis Anfang August entsteigt der Puppe dann der Falter; Figur 3 stellt das fliegende Männchen, Figur 4 das sitzende, eierlegende Weibchen dar. Das letztere fertigt, ähnlich wie der Schwammspinner, eine Art Eierpaket an, Figur 5, das mit der dunkelgoldbraunen Wolle seines Hinterleibes bedeckt wird. Auch das Männchen hat den goldbraunen, aber meist etwas helleren Schmuck des Leibendes. Figur 6 zeigt uns ein großes Raupennest, das oftmals die Größe einer Faust erreicht. Wenn man dem Schädling also nicht früher beikommen kann, dann soll man dies doch im Winter tun und die großen Raupennester mit der Schere abschneiden, darf sie aber keinesfalls liegen lassen, sondern muß sie sammeln der Coldaster. m, S 1 Raupe. 8 Puppenhülle. 8 Männchen. 4 Weidchen,# Eterhäuschen.* Raupenlest. und verbrennen. Auch Hecken und Zwergbäume suche man ab. Da der Schmetterling ein sehr guter Flieger ist, empfiehlt es sich, daß sich ganze Gemeinden zu seiner Bekämpfung zusammentun. Man verwechselt den Goldafter leicht mit dem Schwan; beide sind weiß, aber der Hinterleib des Schwans ist mehr gelb gegenüber dem goldorangefarbenen Hinterleib des Goldafters. Der Junikäfer ähnelt einem kleinen Maikäfer; die Engerlinge beider Käfer sehen sich auch ähnlich, die des Junikäfers werden aber niemals so groß. Besonders in Heidegegenden wird dieses Insekt schädlich durch Befressen der Erbsen, Bohnen, Erdbeeren, Kohlpflanzen usw. Er kommt im Juni, manchmal auch erst im Juli, in ungeheuren Massen plötzlich zum Vorschein. Da die Larve nicht ein ganzes Jahr im Boden bleibt und nicht das lange Entwicklungsstadium der Maikäferlarve durchzumachen hat, kann die Schädigung, die sie verursacht, natürlich niemals so groß werden wie die des Maikäfers. Häufig wird der Gartenlaubkäfer als Junikäfer bezeichnet. Dieser ist noch kleiner als der wirkliche Junikäfer, heller in der Farbe und hat einen grünen Kopf. Man muß die Käfer, ebenso wie die Maikäfer, durch wiederholtes Abschütteln und gewissenhaftes Töten beseitigen. * Abu5s6 Der Junikäfer. 1 u. 2 Käfer. 8 Eier. 4 Larve. 5. Puppe. der Weißfleckigkeit, die auch Aepfel und Pflaumen befällt. Die Blattbräune zeigt sich dadurch, daß die Blätter der Birnen=Wildlinge zuerst rötliche, dann braune Flecke bekommen; diese vergrößern sich und schließen zusammen, bilden schließlich krustenförmige Erhebungen, Bräunung des ganzen Blattes und Abfallen desselben schon im Sommer, so daß die Wildlinge nur noch kleine, grüne Blättchen an den Endspitzen besitzen. Die Krankheit wird oft durch Wildlingsbezug in Baumschulen eingeschleppt; sie ist sehr schwer zu bekämpfen. Die Pilze überwintern an krankem Holz und an abgefallenen Blättern, gehen auch auf Quitten und Misteln über. Man muß die Wildlinge ausheben, die befallenen Teile entfernen und verbrennen; das Laub muß gesammelt und verbrannt werden. Außerdem bespritze man die befallenen Bäume mit Kupfervitriolmischungen. Die Weißfleckigkeit zeigt sich durch weißliche, rotbraun bis braun umsäumte Flecke, die sich verstreut auf der Oberfläche befinden. Die Blätter vertrocknen vorzeitig und fallen ab; das ganze Wachstum des Baumes leidet darunter. Man bespritze die befallenen Bäume vor der Blüte mit einprozentiger Kupferlösung, nach der Blüte und Anfang Juli je mit ½ prozentiger Lösung. Die Weißfleckigkeit der Erdbeere verhindert man dadurch, daß man die Pflanzen in nicht zu harten, Spalterobst. Formgerechte und doch freie Birnenspaltere. Ausmelken der Ziegen. Das Euter der Ziegen soll man regelmäßig und vollständig ausmelken, sonst geht nicht nur der fettreichste Teil der Milch verloren, sondern durch das andauernde Nichtausmelken wird die Tätigkeit des Euters derart beeinträchtigt, daß die Milchgabe dadurch unter Umständen gänzlich aussetzen kann. Spalierobst. Unser heutiges Bild zeigt, daß man jede Hauswand, mag sie durch Türen oder Fenster unterbrochen sein wie sie will, sehr gut mit Spalieren beziehen kann. Hier ist jeder Teil der Wandfläche auf das sorgfältigste ausgenutzt. Die Blattfleckenkrankheit. Die Birnen leiden an zwei Blattfleckenkrankheiten: an der Blattbräune, wie sie auf unserm Bild rechts, am oberen Blatt dargestellt ist, und an warmen Boden tzt, wo sie nicht den ganzen Tag den sengenden Sonnenstrahlen ausgesetzt sind. Ferner bespritze man die Blätter mit einprozentiger Kupferlösung vor der Blüte, mit ½. prozentiger nach der Blüte und ½ prozentiger nach der Fruchternte. Blettbriung „Und du fällst wirklich darauf rein— diese Falle habe ich dir absichtlich gestellt! Du bist albern mit deiner Eisersucht. Jawohl albern.“ Dann bleibt er vor ihr stehen. „Damit du's weißt, die Kündigung ist bereits unterwegs. Ich habe sie nach eignem Gutdünken abgeschickt. Aber aus anderen Gründen wie du— habe ich mich dazu entschlossen. Es tut mir jetzt allerdings leid, denn so eine kleine#ur hätte deiner unerträglichen Eifersucht nicht geschadet!“ „* * — In der neuen Wohnung benutzte Bruno am ersten 1 Sonntag natürlich den freien Vormittag, um den Balkon instand zu setzen. Frau Erna hilft ihm dabei und preist alle Vorzüge der Gegend. „Sieh mal den freien Platz, diese schöne Aussicht und die eleganten Häuser rings umher.“ „Aber etwas eng scheint mir die Straße.“ „Wieso?“ „Man kann sich bequemer in die Fenster sehen,— als in unsrer ersten Wohnung.“ „Ach— du mußt mich nicht uzen! Das ist vorbei!“ „Wirklich? Brave Frau! Dann sieh mal mutig geradeaus.“ Erna folgte der Richtung seines Blickes.— Ein Prachtbalkon in der ersten Etage gegenüber. Durch die verschwenderische Blumenfülle sällt er auf.— Im Schatten der blau=weiß gestreiften Markise— ein blitzendes Stahlbauer mit einem Papagei. Und im leise wiegenden Schaukelstuhl— eine— in der Tat— auffallend schöne Gestalt. Von Kopf bis Fuß in lila Chisson und Spitzen gehüllt. Tief schwarzes Haar zu einer dicken Flechte im Nacken geknotet. Die weißen, halbfreien Aime hinter dem Kopf verschränkt. Große dunkle Augen blicken träumerisch in die Welt.— Erna ist verstummt!— „Und— wie findest du dieses Stimmungsbild da drüben?“ „Weist du, mich interessieren sremde Leute nicht mehr!“ „Um so besser, mein Schatz, mich natürlich auch nicht. Und doch bin ich ganz zufrieden mit dem Tausch. Vom Kanarienvogel zum Papagei ist ein Ausschwung. Außerdem war brünette Schönheit von jeher meine bevorzugte Augenweide.— Wie ich es an dir bewiesen, mein braunäugiges Lieb!“ Aber Frau Erna hat ihrem Mann schon den Rücken gekehrt und ist ins Zimmer getreten.— Und als er ihr folgt und den Arm um ihre Schulter legt, gewahrt er Tränen in ihren Augen. „Mein lieber, guter Schatz!“ Da birgt sie den Kopf an seiner Brust.„Ich habe dich eben zu lieb, darum bin ich so furchtbar eisfersüchtig!“ „Ich denke, das ist vorbei?!“ „Nein— ich glaube, das wird nie vorbei sein! Ich bin sehr unglücklich.“ Da zog er sie mit hellem Lachen an sich: Ja, Schatz, dann gibt's nur noch einen Ausweg— wir ziehen wieder!“ Aus alter Zeit. Mönche als Feuerwehr. Vier Orden, Franziskaner, Jakobiner, Augustiner und Karmeliter haben einst in der Hauptstadt Frankreichs das Rettungswerk geübt, das heute durchweg den amtlich eingerichteten Feuerwehrtruppen obliegt, und zwar unentgeltlich und aus freien Stücken: die Hausregel ihrer Klöster machte ihnen diesen Dienst zur Pflicht. Beim ersten Feuerruf konnten die Pariser des 17. und 18. Jahrhunderts diese„Helden der Kutte", wie Richelieu sie nannte, von den hochgelegenen Vorstädten im Sturmschritt herbeieilen sehen. In mehreren Kolonnen von oft 30, oft 50 Mann, jeder die Axt im Gürtel und auf dem Rücken den aus Binsen geflochtenen, ledergesütterten Löscheimer, bewegten sie sich in geschlossenen Reihen der Unglücksstätte zu, während jeder Kolonne eine Art Nachhut mit Leitern, Hacken, Stricken und den übrigen Not= und Rettungsapparaten folgte. Hexen im Kriegsdienst. Während zur Zeit des Hexenglaubens allen der Zauberei Verdächtigen Folter und Scheiterhausen drohte, und von amtlicher Anerkennung der magischen Künste nicht die Rede ist, macht das Engagement von vier Hexen anläßlich des Krieges zwischen Schweden und Dänemark(1564), als Erich XIV. gegen Friedrich II. zog, von der allgemeinen Regel eine seltsame Ausnahme. Es wurde damals von dänischer Seite berichtet:„Der König von Schweden habe nicht vergessen, wider den König von Dänemark vier alte zauberische Weiber mit umzuführen, die den Feind bezaubern sollten, daß sie gegen die Schwedischen nicht siegen und ihnen keinen Schaden zufügen möchten: Dergleichen die in der Stadt sich nicht wehren, sondern dieselbe aufgeben müßten. Und soll ein Reuter des Grafen Günthers von Schwarzenburg eine von solchen Zauberinnen gefangen haben, welche solches bekannt und daß man rings auf dem Wege um die Straße in Sümpfen und Brunnen lang ausgezogene Fäden, gar weiß, daran viel hölzerne Creutzer und andere Dinge gehangen, gefunden.“— So berichtet eine alte Chronik. Küche freinder Völker. Hühner auf österreichische Art. Man läßt ein Stück Butter zergehen, tut etwas Zwiebel, Gewürz und Wurzelwerk dazu, und dämpft es zusammen einige Minuten, ohne es gelb werden zu lassen. Hierauf legt man die gereinigten, in sechs Teile zerschnittenen Hühner hinein, gießt soviel weiße Bouillon darauf, daß sie die Hühner bedeckt und dämpft sie zugedeckt halb weich. Dann nimmt man die Hühner heraus, rührt mit der Brühe eine Butter=Sauce ab, tut kleine Champignons und die Hühnerstücke ein und dämpft sie lanasam vollends weich. Dann legt man sie auf eine Schüssel und gießt die Sauce darüber. Englische Mehlspeise. Man bestreicht eine Steingutschüssel mit Butter, füllt sie bis zur Hälfte schichtweise mit guten, in Scheibchen geschnittenen Semmeln, die man mit Rosinen, Korinten, Zitronatstückchen und Butterflöckchen bestreut, quirlt in dreiviertel Liter guter Milch drei ganze Eier, acht Eßlöfsel gestoßenen Zucker und ein halbes Weinglas Rum, gießt dieses über die Semmelscheibchen und bäckt sie eine Stunde in der heißen Röhre. Die Welt der Frau. Frauen in Männerberufen. Immer weiter dringen die Frauen in die Männerberuse ein. Indessen darf für Europa die Regel gelten, daß die sogenannten schweren Berufe(Schmied, Schlosser, Schornsteinseger, Steinsetzer und dergl.) nur selten von Frauen gewählt werden. Dagegen sind in der südamerikanischen Republik Paraguay gerade in diesem Berufe Frauen sehr häufig tätig, und die letzte Berufszählung ergab, daß das Land genau so viele männliche wie weibliche Schmiede und Steinsetzer beschäftigt. Kleidung und Teint. Ein Kleid soll durch seine Farbe vor allem bewirken, daß das Gesicht zur Geltung gebracht wird. Daß die Brünette sich derberer Farben bedienen kann als die Blondine, weiß jedermann, und je heller eine Blondine ist, eine desto seinere Stimmung verlangt die Harmonie zwischen Gewand und Person. Je dunkler und neutraler der Teint, desto einfacher kann die Farbe der Kleidung sein, und je mehr Farbe das Fleisch hat, desto vollere Töne muß das Gewand zeigen. Was aber die verschiedenen Schattierungen betrifft, so muß man stets darauf achten, daß die Farbe einerseits durch Ahnlichkeit, andererseits durch Verschiedenheit wirkt. Die Rothaarige darf nur mit Vorsicht über Grau und Schwarz sich hinauswagen. Die blaue oder hellgrüne Farbe z. B. würde die Röte noch aufsallender machen, wählt aber jemand, der rot von Haut und Haar ist, eine rote Kleidung, so wirkt das als eine Ausbreitung seines Teints, und er sieht nun vollends unschön aus. Daher muß eine Farbe gewählt werden, dunkel genug, um die Röte hell erscheinen zu lassen, und abgetönt genug, um sie auszugleichen. Ebenso darf ein bleiches Gesicht keine glutfarbigen Stoffe wählen, da es sonst noch bleicher erscheinen würde, aber auch durchaus keine schneeweißen, die der Figur ein gespensterhaftes Aussehen verleihen würden; die Farbe der Kleidung muß eine derartige sein, daß sie mit der Weiße des Teints nicht zusammenfällt, und auch feintönig genug, um die Blässe nicht durch den Gegensatz zu steigern. Himmelblau wird eine Blondine stets besser kleiden, als eine Brünette, weil Himmelblau die Ergänzungsfarbe von und dieses die Grundfarbe des Teints und der Haare einer Blondine ist. Ebenso ist Hellgrün vorteilhaft für Blondinen, weil es der Gesichtsfarbe einen rosigen Schein gibt. Der Nachbruck des gesamten Inhalts dieser Beilage ist untersagt.= S 5 8 5 8 S 25 S S 8 13s * G SBTEEETSRE S poSUMLPESE -St’g S T Seu: Sg PBUASSSGNENEES B#Es 2- SO•hEGEGESgS S TTETESST egrs, Sägrkos • SyESSPTSgES B FHSSES S. B CMMRFE GM G G1 EUGIESL 98 S 3—5 * 3 S G 5 6 8** ** 1 wasser. Und so weit ab als möglich vom Hochzeitspaare entfernt, nahm er an einem Tischchen Platz, Ziesers den Rücken kehrend. Tini flüsterte:„Ist der Mann nicht aus unserm Abteil?“ Egon nickte und schwieg. Der Fremde mit den zwei Namen beschäftigte ihn lebhaft. Und einem Gedanlen folgend, fragte Zieser, ob Tini als Berlinerin den Namen „Wilde“ kenne. Fast schien die junge Frau dessen sroh zu sein, ein harmloses Gesprächsthema gefunden zu haben, von der Heimat sprechen zu können: Tini versicherte, daß ihr ein Träger des genannten Namens bekannt sei, allerdings nicht näher, nur aus dem Verkehre im Geschäfte des Juweliers in der Friedrichstraße....„..: feing Eran am 953 m Einen Augenvria starrte Zieser seine Frau an, als wäre ein Geheimnis jäh enthüllt worden. Doch schnell überwand er die Überraschung. Im Gehirn aber jagten sich die Gedanken. Das junge Paar kehrte in das Abteil zurück, von der reizenden Frau Bentfeldt mit der Frage empfangen, ob der „Patient“ bezüglich des Getränkes, der Enthaltung vom Alkohol, sich gehorsam gezeigt habe. Zieser bejahte diese Frage und gab sich dann seinen Gedanken hin, die mit Blitzesschnelle nach Berlin liefen und dort blieben, bis der Zug sich dem Bozener Gelände näherte. Jetzt erst kehrte Bosse=Wilde aus dem Speisewagen zurück und drückte sich in seine Ecke. Frau Ventfeldt lobte den Gehorsam ihres Pfleglings und mahnte liebenswürdig, es solle Herr Bosse in Bozen ärztliche Hilfe in Anspruch und Quartier im Krankenhause nehmen. „Folgen Sie meinem gutgemeinten Rate, Herr Bosse! Mit Kopfverletzungen ist nicht zu spaßen!" „Danie vielmals für das gütige Interesse! Die erste Nacht möchte ich aber doch in einem Hotel verbringen, mit gütiger Erlaubnis!“ „Gut! Ich werde aber morgen im Bozener Krankenhause nachfragen, mich überzeugen, ob mein Pflegling Wort gehalten haben wird!" „Darf ich auf einen— Krankenbesuch hoffen?" „Ja!“ Der Schaffner kam, um zu melden, daß der Zug in wenigen Minuten in Bozen einlausen werde. Bosse lächelte und lohnte die Aufmerksamkeit des Schassners mit einer Geldspende, deren Reichlichkeit den Tiroler zu lauten, freudigen Dankesbezeugungen veranlaßte. Scharf hatte Zieser diesen Vorgang beobachtet. Der Zug jagte in den Frühling hinein, in die Farbensymphonie des Südens: weiß die Bergeshäupter, grün der Wald und die Matten, tiefblau das Firmament. Und die Sonne, die Bozener Sonne lachte zum Willkomm'. „Bozen! Zwanzig Minuten!" Stickiger Lokomotivenqualm wogte durch den verrußten Bahnhof. Doch hinter den Mauern schwebte bereits der Duft unzähliger Frühlingsblüten über dem Bozener Grund. Bei der höflichen Verabschiedung im Abteil hatte Zieser vernommen, daß der Mann mit den zwei Namen im Hotel Bristol nächtigen wolle. Diese Wahrnehmung veranlaßte Egon, in demselben Hause zu wohnen. Im Vestibül trafen sich Ziesers, Frau Bentfeldt und Bosse=Wilde. Letzterer schien von der Anwesenheit Ziesers nicht entzückt zu sein, gab aber seiner Freude artig Ausdruck, daß auch die gütige Pflegerin unter demselben Dache wohnen werde. Zimmer waren im zweiten Stockwerke zu haben. Die Abteilgenossen wurden auf diese Weise Nachbarn im Hotel. Frau Tini eilte vom Zimmer sogleich auf den Balkon, der einen entzückenden Blick auf die schimmernde Rosengartengruppe gewährte.„Wie schön, himmlisch schön!“ jubelte die junge Frau immer wieder in heller Begeisterung und konnte sich nicht trennen von diesem Anblick. Auf dem Balkon, sichtbar den Passanten, konnte nun Egon die Gattin nicht in die Arme nehmen.„Willst du dich umkleiden?“ fragte Egon. „Für einen Gang in diese Märchenwelt? Gewiß, mit Freuden werde ich mich an einer Wanderung beteiligen! Sei so lieb, Egon, und laß mich allein, bis ich die Bluse gewechselt habe!“ „Nu brat mir...!“ Das Weitere schluckte Zieser unausgesprochen hinunter; er hatte keine Zeit dazu, denn mit ausgebreiteten Armen flog Tini an seine Brust und ihre Lippen suchten in aufquellender Liebe und Dankbarkeit seinen bartumwucherten Mund. Nach dem langen, beseligenden Kusse mußte der Gatte aber das Zimmer verlassen. Es half alles nichts, Tini bestand auf ihrem Willen. Hinter der Türe, im Korridor stehend, maulte Egon im nagenden Arger und Verdruß über die ihm ausgenotigte, geradezu komische Lage. Frisch verheiratet und ausgesperrt, weil die Gattin die Bluse wechseln will.„Das kann hübsch werden!“ brummte Zieser in seinen Bart und wanderte auf dem dicken, schalldämpfenden Korridorläufer hin und her. Eine benachbarte Zimmertüre wurde geöffnet, es erschien der Mann mit den zwei Namen, doch jäh trat Bosse=Wilde in sein Gemach zurück, als er Herrn Zieser erblickt hatte. Wieder sprangen Egons Gedanken hurtig nach Berlin zurück. Doch nun kam die holde Gattin, reizend anzusehen. frisch und munter, bereit zu einem Bummel im wonnigen Bozener Gelände. Beglückt reichte Egon Tini den Arm: aber zu einem zärtlichen Geplauder war seine Stimmung zu ernst, der Mann mit den zwei Namen beschäftigte ihn jetzt um so mehr, als sich das eigene Gedächtnis lückenhaft und trügerisch erwies. Stumm geleitete Zieser die Gattin auf den nahen Waltherplatz und unvermittelt sprach er:„Kannst du mir sagen, ob unser Zimmernachbar im Hotel, der„Patient“ und Reisegenosse der Berliner Juwelier Wilde von der Friedrich= straße ist?“ Frau Tini war überrascht.„Der Juwelier Wilde dürste ein Mann in den Fünfzigern sein, er ist groß und hager: ich habe ihn gesehen, als ich in seinem Laden war, doch ist das schon einige Monate her!“ „Danke vielmals! Also ist der— Reisegenosse nicht der Juwelier Wilde! Hm! Was war nur vor einiger Zeit bei dem Manne los? Mein Gedächtnis läßt mich da jämmerlich im Stich!“ Schmollend bat Tini:„Wollen wir nicht lieber von Dingen sprechen, die dich weniger ernst stimmen? Ach, bitte, führe mich ins Freie, wo man die herrliche Aussicht bewundern kann!".. g....8 gans 9i. 8. Egon erfüllte diese Bitte uno fano die Begeisterung Tinis für die Bozener Bergespracht begreiflich. Aber er vermochte gewisse Gedanken und bohrende Fragen nicht los zu werden. Im Kurpark zu Gries lauschte Tini mit Wonne der Musik und blickte entzückt und schwärmerisch auf die rotglühenden Bergeszinnen. Stumm saß Egon an der Seite des hübschen Frauchens, gequält von der Frage, was bei Wilde los gewesen sei, und wie Herr Bosse im Kufsteiner Zollamte den Namen„Wilde“ angeben konnte.„Der Fall Brunner“ spielte in seinen Gedanken ebenfalls eine Rolle, nicht minder die Frage, ob Bosse infolge des Sturzes auf den Kopf zur Angabe eines fremden Namens veranlaßt worden sei. War dies der Fall, dann mußte Bosse doch vorher zu Wilde in irgend einer Weise in Beziehung gestanden sein. Was aber war bei Wilde los? Warum nur dieses überstarke Interesse? Noch dazu auf der Hochzeitsreise!„„„„„„ Mit Gewalt suchte Egon die iyn qualenden Fragen zu verdrängen und es gelang ihm dies für ein Weilchen. Als aber im Kurparke die liebenswürdige Frau Bentfeldt auftauchte und sich Ziesers anschloß, mußte Egon sofort wieder an Bosse=Wilde denken. Dazwischen hinein beobachtete Zieser seine Frau, die sich gut beherrschte. Der Gatte sah aber doch scharf genug, um den verschleierten Arger über die Störung des„Alleinseins zu Zweien" zu gewahren. Frau Bentseldt schwätzte allerliebst, machte Tini auf besondere Lichteffekte im Bergrund aufmerksam, nannte die Namen der mählich violett gewordenen Felskolosse, und empfahl wärmstes die Bergfahrten auf den Ritten und die Mendel. Zieser empfand ein Kribbeln in den Fingerspitzen. Für den sein junges Eheglück heiß ersehnenden Gatten war doch dieser lebendige, weibliche„Bädecker“ sehr überflüssig. So liebenswürdig Frau Bentfeldt war. Egon wünschte sie ins Pfefferland. Als aber die Dame erzählte, daß sie behufs Untersuchung ihres„Pfleglings“ einen Arzt in das Hotel gerufen habe, da hörte Zieser doch mit aller Aufmerksamkeit zu, ja, er fragte, was der Arzt gesagt habe. Frau Bentfeldt gab Bescheid:„Der Arzt empfahl einen mehrtägigen Pflegeaufenthalt im Spitale und Beobachtung seitens der Krankenhausärzte!“ „Und der„Pflegling"? Wird er sich fügen?“ 2 2% Sm S 8 „Ich hoffe es! Beim Abendbrot im Speisesaale des Hotels werde ich Herrn Bosse schon bearbeiten, bis er— zahm wird! Wäre doch jammerschade, wenn der junge Mann einen Schaden davontragen würde!" Zieser stimmte bei:„Gewiß, die Folgen des Eigensinnes, des Sturzes, würden sehr bedauerlich sein, wahrscheinlich auch störend für den Beruf, vorausgesetzt, daß der Herr einen bestimmten Beruf hat!“ „Über diese Frage habe ich auch schon nachgedacht!“ meinte Frau Bentfeldt. Um doch auch etwas zu sagen, sprach Tini, obwohl sie sich für den„Patienten“ in keiner Weise interessierte:„Vielleicht ist der Herr ein junger Rentner? Die Fremdenliste wird übrigens darüber wohl Aufschluß geben!“ „Wenn Herr Bosse mag!" erwiederte Zieser. Lebhaft rief Frau Bentfeldt:„Warum soll mein Pflegling nicht wahrheitsgetreu den Meldezettel ausfüllen? Das ist doch Pflicht der Fremden! Sie wollen doch, geehrter Herr Zieser, nicht behaupten, daß Herr Bosse Gründe für ein Verschweigen seines Berufes oder Standes haben könnte?!" „Zu einer derartigen Behauptung würde jeder Anlaß fehlen! Aber es gibt Berufsarten, die man in Fremdenlisten nicht gerne nennt und die fast nie zu lesen sind!“ Lachend bat Frau Bentfeldt um Nennung einiger„unaussprechlicher“ Berufsarten.(Fortsetzung folgt.) Gegenüber. Novelle von F. Wilde. Frau Erna bürstet die feinen Nippes aus dem Salonschränkchen. Doch ab und zu schweift ihr Blick zum Fenster hinaus. Er überfliegt die sonnige Frühlingsluft und bleibt an dem Hause gegenüber haften. Drüben auf dem Balkon werden die Blumen herausgeschafft, und dann schleppt man auch noch den Kanarienvogel hinterher. Ernas Hände fangen an zu zittern. Da hat sie eine kleine Figur zerbrochen— wie ungeschickt! Sie legt ärgerlich den Pinsel fort und setzt sich hinter die Erkerportiere, um besser beobachten zu können. Es ist eine auffallende Erscheinung, die Blondine dort drüben auf dem Balkon. Ebenso auffallend ist auch ihr Benehmen. Wie sie den Vogel kost, wie sie mit ihm trillert, sich biegt und wiegt!— Dann lehnt sie sich über die Balkonbrüstung, das Kinn auf die weißen Hände gestützt.— Frau Erna hat das alles mit dem Scharfblick der Frauen beobachtet.— Da heftet diese dort drüben ihren Blick plötzlich durchdringend auf Frau Ernas Fensterreihe. Was ist denn nur an den Fenstern groß zu sehen?— Erna öffnet die Wohnzimmertür— dann ein Ausruf der Überraschung: „Bruno— du schon hier?“ „Eben gekommen, lieber Schatz," antwortete er vom Fenster her und macht sich an seinem Schreibtisch zu schaffen. „Aber— das Essen ist noch nicht fertig— und—“ „Schadet nichts, mein Kind, ich beobachte in der Zeit ein bißchen. Sag' mal, kennst du die da drüben?" Ist wohl eben erst eingezogen?" „Ich weitz nicht,“ klingt es kurz zurück. „Mir macht es schon fünf Minuten Spaß, wie dies Fräulein unsere Fenster anstarrt. Was will die eigentlich?“ Jetzt tritt Erna an ihren Gatten heran und zieht ihm die Gardinen vor der Nase zu.„Wenn du ihre Blicke herausforderst!" „Erna!" „Na— es ist doch keine Art und Weise für einen Ehemann, sich hier aufzustellen und mit einer fremden Person sich zu beschauen!“ „Du bist ja kindisch!" „Durchaus nicht, lieber Bruno. Dir muß man sehr auf die Finger sehen!.... Jinem Hmist in heslan B. Das war die Einleitung zu einem Zwist, in bessen Verlauf die plötzlich erwachte Eifersucht Frau Erna so weit trieb, daß sie ihrem Manne die bittersten ungerechtesten Vorwürfe machte. Eine Zeitlang hörte er geduldig zu, dann verließ er wortlos das Zimmer und warf die Tür krachend ins Schloß. Von dem Tage an hatte Frau Erna keine Ruhe mehr. Das Wetter war außergewöhnlich schön. Erna hatte mit einer intimen Freundin einen Spaziergang gemacht. In atemloser Hast wurde der natürlich alles gebeichtet— Schluß sagte sie dann: „Und denke dir, nun weiß ich alles, sie ist eine Operctien= Ernas„Intime“ entwickelte geradezu verblüffende Ralschläge. Mit diesen ausgerüstet, ging Frau Erna heim. Schon von der Ecke aus musterte sie mit weitaufgerissenen Augen das Haus drüben. Richtig— da war sie wieder auf dem Balkon!“ Erna eilte die Treppen hinauf. „Ist mein Mann schon hier?“ fragte sie atem'os das öffnende Mädchen. „Nein— aber inzwischen—“ „Hier gewesen?" Der Regenschirm Hand vor Schreck. „Der Herr hatte etwas vergessen!“ „So— so!“ Erna tritt in das Zimmer.— Ihr Balkon ist auch swve. 8 Ab— nun durchschaut sie aues. Bruno wußte, daß seine Frau fort sei. Sie schloß die Balkontüren, daß die Scheiben klirrten! „Frechheit,“ empört sie sich halblaut:„O— ich werde dieser Geschichte bald ein Ende machen.“— Dann sitzt Frau Erna in der Sofaecke und grübert vor sich hin. Gewiß— Bruno war zu ihr immer lieb und gut gewesen. Immer häuslich und solide, das Zeugnis muß sie ihm ausstellen. Aber, die Eifersucht ließ sie nicht mehr los, Sie saß ihr auf der Schulter und raunte ihr zu: „Wenn nun erst der Sommer kommt, wo man draußen sitzen wird, hinter den roten Geranienstauden halb versteckt— so ungeniert, um Grüße auszutauschen, hinüber und herüber!" Das war unerträglich! Erna sprang auf und war auch im Moment entschlossen.— Sie mußten ausziehen!— So nur konnte sie das Unheil abwenden. Erna hatte bisher den Umzug gescheut. Nicht nur die Kosten, sondern auch das Herumschleifen ihrer neuen Möbel „Laß uns lieber wohnen bleiben, es geht auch hier.“ sagte sie— damit war das Thema erledigt. Jetzt aber dachte sie anders. Ihr Mann kam nach Hause. Ruhig, wie gewöhnlich und gut gelaunt. Sie hatte sich vorgenommen, sich gar nichts merken zu lassen. Er sollte auch nicht den geringsten Verdacht schöpfen ob ihrer plötzlichen Sinnesänderung. „Du siehst ja so rot aus, Herzchen,“ meinte er. „Ja— ich war spazieren. Weißt du, die frische Luft! Ich fühle mich überhaupt jetzt wieder viel besser!“ „Na— das freut mich!“ Sie wartete, daß er irgend etwas sagen würde, warum er inzwischen zu Haus gewesen.— Aber kein Wort! Darum redete sie ohne weiteres drauf los: „Bruno, ich habe mir das heute mit Wally auf dem Spaziergange überlegt! Sie meint— es sei doch besser, wenn wir auszögen..„ Er sah seine Frau so scharf an, oaß sie den Blick senken mußte.—„So— meint sie?“. Geuge fe4 hat u „Und, wie sie mir das alles auseinandergesetzr hat als länger verheiratete, erfahrene Frau, sehe ich es auch ein.“ Jetzt lag ein fein ironisches Lächeln um seinen Mund. „Sieh mal, man erwägt doch solche Sache erst gründlich — nicht wahr?" fuhr sie fort. „Das ging aber sehr fix!“ „Es ist gerade Zeit— kündige, bitte.“ Erna legt ihre Hand auf die seine und sieht ihn dringend bittend an. Willst du?“ Da muß er laut auflachen. Er durchschaut ja seine Frau. Und es macht ihm Spaß zu antworten: „Gerade jetzt sing ich nun an, mich hier recht behaglich zu fühlen, bei solch interessantem Gegenüber. Erna fährt auf. Alle Vorsicht ist vergessen.„Und gerade deshalb will ich ziehen, gerade deshalb!“ ruft sie aus. „Das wollt ich hören! Warum spielst du mir denn erst Komödie vor?“ „Du spielst mir wohl keine Komödie vor? Nicht wahr? Der offene Balkon, deine Anwesenheit, als ich fort war?“ ** Es ist ein vortrefflicher Zug fast aller heute lebenden Fürsten, daß sie persönlich recht einsach leben und frei von kostsp.eligen Passionen sind. Die Lieblings=Neigung des deutschen Kaisers ist die Pürsch=Jagd, viele hohe Herren teilen sie mit ihm. Und was soll die groß kosten! Hoffestlichkeiten kosten Geld; aber finden sie nicht statt, so kritteln gerade die gutbezahlten Arbeiter von Luxus= und Kunst=Industrie und die Geschäftsleute. Fürstliche Begegnungen und Besuche bringen viel, viel Geld unter die Leute. Bismarck wollte seinerzeit die Fürstenwürde nicht annehmen, weil er nicht reich genug dazu sei. Wenn ein Fürst also aus Standesrücksichten Geld ausgeben muß, so ist die Vorbedingung, daß er Geld hat. —— Letzte Drahtmeldungen. Deutsch=englisches Abkommen. Berlin, 16. Juni. Das deutsch= englische Abkommen über die Bagdadbahn und Mesopotamien ist gestern in London von Sir Edward Grey und dem deutschen Botschafter Fürsten von Lichnowsky als Vertreter ihrer Regierung paraphiert worden. Ueber alle zur Diskussion stehenden Fragen ist völliges Einvernehmen erzielt. Die Abmachungen werden erst nach Schluß der Verhandlungen mit der e e- er ier erue liche. Punkten die Zustimmung der türkischen Regierung ersorderlich ist. Daher können auch Einzelheiten über den Inhalt des Abkommens erst später getrossen werden. Das Geständnis des Mörders. Worms, 16. Juni. Der wegen Verdachtes des Mordes an dem Bäckermeister Back und dessen Fa„ milie verhaftete Bäckerbursche Flörsch hat der Staatsanwaltschaft ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er gab zu, die Personen nacheinander erschlagen bezw. verletzt zu haben. Den Bäckermeister trug er nach Verübung seiner Tat vom Backosen nach dem Schlafzimmer, worauf er mit der geraubten Kasse, in der sich 872 Mark besanden, flüchtete. Das Geld warf der Mörder später sort. Es wurde an der von ihm bezeichneten Stelle gesunden. Vom Blitzerschlagen. Meiningen, 16. Juni. Gestern nachmittag wurde der Lazarettinspektor Jansen auf dem Wege von Meiningen nach Henneburg vom Blitz erschlagen. Luxemburg, 16. Juni. In dem luxemburgischen Dorfe Weimerskirch wurde ein Arbeiter, der in Begleitung seiner beiden Kinder einen Spaziergang machte, vom Blitz erschlagen. Das Gewitter war von heftigen Hagelschauern begleitet, wobei fast eiergroße Hagelschloßen niedergingen. Unwetter=Katasteophe. Paris, 16. Juni. In den späten Nachmittagsstunden ist gestern über Paris ein Unwetter niedergegangen, wie es seit Menschengedenken nicht zu verzeichnen war. Die Straßen der niedriger gelegenen Stadtteile stehen unter Wasser. Durch die Luken ergoß sich die Flut in die Keller, und ihre Bewohner mußten in den höheren Stockwerken Zustucht suchen. Der Verkehr auf der Hoch= und Untergrundbahn muzte sehr bald eingestellt werden. Die Feuerwehr stand machtlos dem verheerenden Element gegenüber. Die Flut hat auch Todesopser im Gefolge. In der Rue de la Boitie hat sich plötzlich ohne jedes vorherige Anzeichen eine riesige Grube gebildet. Das Trottoir riß auf eine Länge von mehr als zehn Metern auf, und mit ungeheurer Schnelligkeit folgten große Wassermassen nach. Viele Personen sind mit in die Tiefe gerissen worden. Sie ruhen jetzt als Leichen unter einer gewaltigen Decke von Schlamm= und Erdreich. Fünf Tote sind bisher nach mehrstündiger mühevoller Arbeit durch die Feuerwehr geborgen worden. Sechs Husaren ertrunken. Niga, 16. Juni. Im Lager Uexküll wurden von einer Husarenabteilung, die reitend über die Düna schwamm, sechs Husaren von der Strömung in eine Untiefe getrieben. Die Pferde drängten einander. Die Reiter fielen ins Wasser und ertranken, während die P'erde ans Ufer schwammen. Der Zarenbesuch in Konstanz a. Bukarest, 16. Juni. Blättermeldungen zufolge erfolgte die Verleihung des fünften BoschioriRegiments an den Zaren in dem Augenblick, in dem dieser mit König Karol an dem Spalier bildenden Regiment auf dem Wege vom Hafen zur Kirche vorüberfuhr. Auf ein Zeichen König Karols brachen die Soldaten in Hurrarufe aus. König Karol erhob sich im Wagen und rief dem Regiment zu:„Zur Erinnerung an den glänzenden Besuch des Zaren, meines Gastes, bestimme ich, daß das Regiment von heute an seinen Namen führt.“ Der Zar erhob sich sichtlich bewegt, umarmte und küßte den König und rief, zum Negiment gewendet:„Es lebe Rumänien!“ Das genannte Regiment garnisoniert in Dobritsch. Vor seiner Rückkehr auf den Standort dankte der Zar dem Ministerpräsidenten Bratiacu für den schönen Empfang, der ihm bereitet worden sei. Der Kronprinz von Italien beim Stiergesecht. Madrid, 16. Juni. Der zehnjährige Kronprinz von Italien, Umberto, der auf dem Kreuzer„Buglia“ inkognito reist, wohnte gestern in Palma einem Stiergesecht bei. Als er sah, wie ein Stier einem Pferd den Leib aufschlitzte, wurde der Prinz ohnmächtig. Kurz darauf verließ er weinend den Zirkus. — Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. S. Limbach. Wegweiser in die heilige Schrift. 2. vermehrte Auflage. 416 Seiten. Halblwd. 3 Mk., Lwd. 4 Mk. Dies ist eine ganz vorzügliche Bibelkunde für den praktischen Gebrauch. Besonders möchte ich Gemeinschaftskreise auch noch darauf hinweisen, daß in den einzelnen Artikeln jedes Abschnittes trefflich zusammengestellter Stoff zu Besprechungen geboten wird. Alles in allem ein hervorragend brauchbares und billiges Buch. Eugen Zeller. Andachten für Kinder. Zweite, stark vermehrte Auflage: 120 Seiten. Pappband 1 Mk. 5 Ueber die erste Auflage dieser köstlichen Andachten schrieb die Evangelische Kirchenzeitung: In diesem Büchlein werden 30 kurze kernige Betrachtungen, denen ein Schriftwort zu Grunde gelegt ist, woran sich eine Geschichte anschließt, dargeboten. Es empfiehlt sich, dasselbe Kindern in die Hand„u geben oder ihnen vorzulesen oder sie bei Kindergottesdiensten zu benutzen. Die Schriftstellen sind sehr geschäckt und dem kindlichen Anschauungskreis angemessen ausgewählt. Reiseführer durch die Schweiz für das christliche Publikum, mit einem Vorwort von Gottfried Fankhauser und einem Nachwort von Frau Frieda User=Held. 264 Seiten mit zahlreichen Illustrationen, Plänen und Karten. 2 Mk. Aber wozu denn einen neuen Reiseführer? wird mancher fragen. Genügen denn die Bädecker, Erieben, Bürgi und wie sie alle heißen, nicht den weitgehendsten Bedürfnissen? Gewiß, aber gerade in christlichen Kreisen ward schon so häufig der Wunsch nach einem solchen Büchlein laut. Wohl ist auch in diesen Kreisen die Ferien= und Erholungsreise zum Bedürfnis geworden, aber man sucht auf der Reise und zu längerem Aufenthalt mehr die teuren und geräuschvollen Hotels mit all den vielen Zerstveuungen und so mancherlei gesellschaftlichen Verpflichtungen zu meiden, man zieht kleinere stille Orte vor, lauschige Plätzchen, die wirkliche Stille bieten und labende Erholung nach Leib und Seele, wo man christlichen Anschluß nach jeder Richtung hin findet, Umgang mit Gleichgesinnten, wie es just zu einer rechten Erholung gehört. Aber wie solche Häuser finden? Die doch meist ein stilles Dasein führen, davon die gewöhnlichen Reisebücher meistens schweigen. Hier will der neue Führer in die Lücke treten. Er legt eine lange Reihe gut empsohlener Häuser mit christlicher Hausordnung zur Auswahl vor, bringt sodann auch alkeholfreie Hotels und Pensionen und endlich ein Verzeichnis empfehlenswerter Häuser, ohne spezielle christliche Hausordnung. Damit jedoch nicht genug! Ein besonderer Abschnitt:„Nützliche Winke“, knapp gehalten, aber mit einer Fülle von Stoff belehrt über allerlei, das man beim Reisen in der Schweiz wissen muß, wenn man sich manchen Verdruß und Schaden und manche Sorge ersparen will. Obige drei ganz vorzügliche Werke sind in dem rührigen Verlage von Kober C. F. Spittlers Nachf. in Basel erschienen. Blasen und Nierenleiden sowie Frauenkrankheiten treten weitaus häufiger auf, als man meist annimmt. Monate und Jahre hindurch treiben sie oft still und unbeachtet ihr unheilvolles Zerstörungswerk, bis sie plötzlich ihren wahren Charakter enthüllen und die bisher meist ahningslosen Kranken mit einer Bösartigkeit und Hartnäckigkeit verfolgen, die oft fast zur Verzweiflung treibt. Die zahlreichen Berichte in dem unserer heutigen Gesamt=Auflage beiliegenden Prospekt „Hilfe bei Blasen= und Nierenleiden“ geben diesen traurigen Tatsachen beredten Ausdruck. Keine Leserin und kein Leser sollte versäumen, sich daraus ein schärferes Bild von diesen ungeheuer verbreiteten und überaus lästigen, oft recht gefährlichen Leiden zu verschaffen. In dem erwähnten Prospekt finden unsere Leser aber auch ausführlichen guten Rat, wie solchen und ähnlichen Leiden durch eine Haustiinkur mit Altbuchhorster Mark=Sprudel Starkquelle wirksam begegnet werden kann. Alle die erwähnten Berichte von ärztlicher und privater Seite stimmen darin überein, daß bei Leiden der genannten Art der Altbuchhorster Mark=Sprudel Starkquelle eine geradezu glänzende Heilwirkung zu entfalten vermag, die tatsächlich jedem Kranken auch überzeugend sich aufdrängt, wenn er einen Versuch mit diesem heilsamen Mineralbrunnen erst einmal unternommen hat. Jedenfals ist der erwähnte Prospekt der genauesten Beachtung dringend zu empfehlen. 4133 Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte Mähmaschinenmesser sowie sämtliche Ersatzteile für Mähmaschinen aller Systeme spez. Adriance, Mr. Cormik, Dering, Massey-Harris, Osborne empfehle zu staunend billigen Preisen. Garantie für jedes Teil sowohl für gute Qualität als auch genaues Passen. 4147 L. Weinberg. avorit Handarbtsalb.60 J. 1! Favorit Schnittmuster! Alleinverkauf für Schwerte Kaufbaus Otto Mark 1888 Ostenstraße 20. Prima helle Jumerschniger wieder eingetroffen. : L. Weinberg Hund zugrlaufen! Polizei=Verwaltung 4139" Wellinghofen E1 zugkräsiges Millel bei und Verkäufen Vermietungen Bohnangsgelaachen Stellengesuchen ist die kleine Anzeige in der „Ochwerik= Genung“ weil dieses Blatt in Stadt und Land fast in jedem Hause gelesen wird und Inserate in der„Schwerter Zeitung" stets von nachweislich bestem Erfolge begleitet sind. 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Ochsen: a)vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben(ungesocht) b) vollfleischige, ausgemästete, im Alter von 4—7 Jahren... c) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete... d) mäßig genährte junge, gut genährte ältere...... a) vollfleischige, ausgewachs. höchsten Schlachtwertes.... b) vollfleischige jüngere.... c) mäßig genährte junge und gut genährle ältere........ a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes.. b) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren...a.....: c) ältere, ausgemästeke Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen...... 4) mäßig genährte Kühe u. Färsen e) gering genährte Kühe u. Färsen Gering genährtes Jungvieh(Fresser) 2. Kälber a) Doppelender, feinste Mast.. b) seinste Mastkälber..... c) mittlere Mast= und deste Saugkälber......... d) geringe Mast= und gute Saugkälber.......... e) geringe Saugkälder.... J. Schafe Stallmast= a) Mastlämmer und jüngere Mastschase: dommel„sham n b)ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe....... c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe)..... Weide. a) Mastlämpgr masischase: b) geringe Lämmer und Schafe 4. Schweine. a) Fettschweine, über 150 kg. 3 Zeniner Lebendgewicht d) vollfleischige Sch 120—150 kg Lebendgewicht c) vollfleischige 100—120 kg Lebendgewicht d) vollfleischige 80—100 kg Ledendgewicht e) volleischige 85 8 8 46—50 41—44 86—39 30—33 43—46 37—39 81—33 45—48 85 83—89 79—86 72—78 63—69 74- 79 69—73 65—69 80- 85 40—45 76—86 34—38 68—76 28—30 63—68 23—26 55—62 60—63 96.100 53—58 88—95 48—52 81—88 40—44 71—77 Schweine. (240—300 Schweine (200—240 Schweine (160—200 von von Pfd.) * von Pid) 80 kg(16 Sanen Schweine unter Pfd.) Lebendgewicht 41—45 50—55 41—45 50—56 40—45 49—55 40—44 49—54 37—42 45—51 Unterzeuge Sweater Strumpfe Handschuhe in grosser Auswahl zu billigen Preisen. Otto Marx — Schwerte— Ostenstrasse 20. Ausgekämmte 2700 Gaute haust nach Gewicht Emil Schäfer Friseur, Ostenstraße 9. Auoft Laggies Wer weiß nähere Angaben oder die Adresse von Adolf Laggies, angeblich Ingenieur in Bahndiensten? 4047 In der Expedition der „Schwerter Ztg.“ abzugeben. Orig. franz Vordeaux= Notwein garantiert rein, P n 2., im Ausschank per Glas 20 Pfg. Franz. Cognas, Reines Weindestillat, pro gl. 10.— und 8 Mh. empfiehlt Carl Raflin, Gasthof zu Selle. Teleson 251. Wüärmol! d. vielgeforderte Wurmmittel. Schmeckt fein! Wirkt ausgezeichnet! 4 Beutel 30 Pfg. Nur bei: Max Hehlhose, Medizinal-Drog Ostenstr. 3.