47 L Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich. außer Felertags. Bezugspreis M. 1.80 viertelähritch, bei der Post für Bestellgeld 42 Plo. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Illustriertei Famillensreund" u. tägl. Unterdaltungsdlatt. Anzeigenpreis: Die stedengespaltene Petikzeile oder deren Raum 10 Pig., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Redlamezelle 40 Pig. Jeder Radatt gilt als Kassarabakt u. erlischt bei Konkursen, Iwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Nichtbeachtung d. gemacht. Jahlungsbedingung. Anttrisches Rressonnt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Volksbien Verbunden mit: für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerker Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grites ung zutelses Lagesorgan des Krelles a Generdl-Hnzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Hononcenblant Aue duter und ihastenlegrüiche demd. nungen für deo Kreis Hörde erlangen gemöß Benanntmachung der Adniglichen Regletung durch Veröstentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsverdindliche Kraft. Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt lhren Adonnenten für jeden mil Tod endenden Unsolt ges Singunges:; 300 Mk. UnfallDruck u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Ruhe Fernsp. 62. Telgr., Adr. Braus Schwerie= Rude Nr. 137. Montag, den 15. Juni 1914. 46. Jahrgang. Erstes Blatt. Der Thronwechsel in Mecklenburg=Strelitz. Großherzog Adolf Friedrich, der nach schwerem Leiden, Krebserkrankung des unteren Darmes, in der von ihm gemieteten Berliner Wohnung, in der ihn die ersten ärztlichen Autoritäten behandelten, sanft entschlief, bleibt seinen Mecklenburgern unvergeßlich. Mit inniger Liebe hing der Verstorbene an seinem Vater, der sich mit Preußen und dem Reichsgedanken Zeit seines Lebens nicht befreunden konnte, bewies sich selber aber als„treugesinr deutscher Bundesfürst", wie ihm die„Nordd. Allg. Ztg.“ in dem offiziellen Glückwunsch zum 60. weburtstag schrieb. Rührende Zärtlichkeit hegte er für seine 92jährige Mutter, die Großherzogin=Witwe Auguste Karoline, geborene Prinzessin von Großbritannien, Irland und Hannover. Es bot jedesmal ein fesselndes und seinen Strelitzern unvergeßliches Bild, wenn der Großherzog im Auftrage seiner hohen Mutter beim Hoskonditor der Hauptstadt vorfuhr und persönlich eine Torte abholte und irgend einem verdienten Jubilare überbrachte. Mit seinen Mecklenburgern, deren Leiden und Freuden er aufrichtig teilte und denen er väterlich zugetan war, denen er gern half und vielmals den Pachtzins erließ, sprach er das kernige Plattdeutsch. Ohne je die große Oeffentlichkeit zu suchen, wirkte er im stillen segensreich für sein Land, förderte öffentliche Bauten, sorgte für die Gehaltserhöhung seiner Beamten und scheute, so sehr er an dem Alten hing, keine Mühe, seinem Volke eine Versassung zu geben, für deren Durchführung er sogar zwolf Millionen opfern wollte. Wie König Eduard VII. von England war der Verstorbene Weltmann durch und durch und doch gleich diesem als Fürst in seinem Handeln von Ueberlegung und Tatkraft. Die Beseitigung manches alten Zopfes aus der Verwaltung des Landes ist ihm persönlich zu danken. Die letzte Freude des Verstorbenen war die vor einigen Wochen erfolgte Verlobung seiner ältesten Tochter, der Herzogin Marie, deren erste Ehe mit dem päpstlichen Conte Georges Jametel nach neunjähriger Dauer 1908 geschieden worden war, mit dem Prinzen Julius Ernst zu Lippe. Nun wird der Großherzog, der zehn Jahre und zehn Tage den Thron des Großherzogtums inne hatte und dessen Negierung gesegnet war, ausruhen in der stillen Fürstengruft der Mirower Kirche, die von einem dichten Hain wilder Rosen umgeben und von uralten mächtigen Linden beschattet ist. Der junge Großherzog Adolf Friedrich VI. vollendet am nächsten Mittwoch sein 32. Lebensjohr. Er ist nach der bereits erwähnten Herzogin Marie und der Herzogin Jutta, der Gemahlin des Kronprinzen Danilo von Montenegro, das jüngste Kind und der einzige Sohn des verstorbenen Großherzogs und dessen Gemahlin Elisabeth, geborenen Prinzessin von Anhalt. Der junge Großherzog studierte in München, war Leutnant im 1. Garde=Ulanen=Regiment in Potsdam, unternahm 1907 mit seinem Vater eine Studienreise nach Kamerun und Togo, anvancierte zum Rittmeister und trat 1912 zu den Offizieren a la suite der Armee über und nahn seinen Wohnsitz wieder in Neustrelitz. Außer dem Großherzog, der bisher unvermählt geblieben ist, zählt das Haus Mecklenburg=Strelitz nur ein männliches Mitglied, den gleichfalls am 17. Juni, jedoch schon im Jahre 1863 in Oranienbaum geborenen Herzog Karl Michael, dessen Vater, Herzog Georg, ein Onkel des verstorbenen Großherzogs, infolge seiner Vermählung mit der Großfürstin Kathari ia von Rußland in russische Dienste übergetreten war. Herzog Karl Michael, der als russischer Generalleut= nant in Petersburg lebt, ist unvermählt. Politische Uebersicht. Der Kaiser ist von Konopischt, hochbefriedigt von den dort gewonnenen Eindrücken, nach Potsdam zurückgekehrt. Am Mittwoch wohnt nun der Kaiser der Eröffnung des Großschiffahrtsweges Berlin— Stettin bei, am Freitag ist der Monarch in Hannover, um die Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft zu besuchen und die Parade des Königs=Ulanen=Regiments abzunehmen, am Sonnabend wohnt der Kaiser dem Stapellauf des dritten Hapag=Riesendampsers der„Imperator“=Klasse bei, der wahrscheinlich auf den Namen„Bismarck“ getauft wird. Der Kaiser traf gestern vormittag 8 Uhr 15 Min. von Konopischt auf der Fürstenstation Wildpark ein. Zum Empsang hatte sich die Kaiserin eingefunden. Die Majestäten begaben sich in Automobilen ins Neue Palais. Mittags um 12¾ Uhr empfing der Kaiser den Kardinal=Erzbischof Dr. von Hartmann. Zur Frühstückstafel waren geladen: Der Kardinal, der Kultusminister, der Chef des Zivilkabinetts, der Begleiter des Kardinal= Erzbischofs, erzbischöflicher Kaplan Dr Berghaus und Generalkonsul für Indien und Ceylon Graf Luxburg. Zu der Beisetzung des verstorbenen Großherzogs von Mecklenburg= Strelitz, die am Donnerstag im Mirower Erbbegräbnis zu Neustrelitz stattfindet, hat der Kaiser sein Erscheinen zugesagt. Namens des dem großherzoglichen Hause verwandten Königs von England wohnt der Herzog v. Teck dem Leichenbegängnis bei. Die Königin Sophie von Griechenland, eine Schwester des deutschen Kaisers, seierte am Sonntag ihren 44. Geburtstag auf Schloß Friedrichshof im Taunus, wo sie zum Besuche ihrer Schwester, der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, weilt. Die Hausbibliothek des Kaisers besteht aus etwa 30 000 Büchern. Diese Bibliothek enthält u a. die ersten Bücher Friedrichs des Großen, darunter auch die zwanzig selbstgeschriebenen Flöten=Sonaten des alten Fritz. Der Kaiser ließ die von seinen Vorgängern angelegten Bibliotheken zu einer vereinigen, wahrscheinlich wird über kurz oder lang ein eigenes Gebäude für die Hohenzollernsche Bibliothek errichtet werden. In den Büchern finden sich an den Rändern manche Anmerkungen von der Hand der preußischen Könige, die dem Forscher eine Neihe sehr interessanter Charakteristika an die Hand geben. Kaiser Wilhelm hat auch die seit 1888 angelegten Albums mit Photographien von seinen Reisen, Paraden, Manövern, Festlichkeiten usw. sammeln lassen. Wer ist satissaktionsfähig? Den Neserve=Offizieren wird von einigen Bezirkskommandos eine Abhandlung übergeben, die sich mit den Pflichten der Offiziere bei Ehrenhändeln befaßt und u. a. folgenden Satz enthält:„Satisfaktionsunfähig ist, wer durch Ablehnung eines Duells der allgemeinen Achtung verlustig gegangen ist.“ Die„Nordd. Allg. Ztg.“ erklärt, daß dieser Satz nicht der Auffassung maß gebender Stellen entspricht. Die Heeresverwaltung werde das Erforderliche veranlassen. Zur bayerischen Güterwagengemeinschaft, gegen die in letzter Zeit von verschiedenen Seiten gemuert wurde, gab der bayerische Verkehrsminister v. Seidlein Erklärungen ab. Im allgemeinen könne angenommen werden, daß auch für die bayerische Staatseisenbahnverwaltung die Wagengemeinschaft bisher finanzielle Vorteile gebracht hat, wenn diese auch namentlich in Rücksicht auf die Kosten der neuen Werkstätten der bayerischen Eisenbahnverwaltung nicht übermäßig hoch angenommen werden können. Zu der Schaffung neuer Garnisonen in den Vogesen werden noch weitere Tatsachen mitgeteilt. Danach sind, soweit die Städte Münster und Markirch in Frage kommen, die Verhandlungen zwischen der Militärbehörde und den Gemeindeverwaltungen über das für militärische Zwecke notwendige Gelände bereits seit längerer Zeit abgeschlossen. Die Plätze für die Kasernenbauten sind schon bestimmt. Das zurzeit in Kolmar liegende Jäger=Regiment Nr 14 wird als neue Garnison Münster beziehen, während das in Schlettstadt liegende 8. rheinische Jäger=Vataillon nach Markirch kommt. Es verlautet von zuverlässiger Seite, daß auch Besestigungen im Gebirge angelegt werden würden. Ob die neuen Garnisonen außer den Jägern noch Insanterie erhalten, steht noch nicht fest. Saarburg, die stärkste Garnison gegen Lüneville, wird eine Fliegerstation erhalten. Die von der Heeresverwaltung und dem Oberrheinischen Verein für Luftfahrt errichteten Schuppen dienen zur Aufnahme der Apparate. Die Kapitalflucht ins Ausland. In einer Kommission des preußischen Herrenhauses ist zur Sprache gekommen, daß eine Reihe deutscher Großindustrieller einen Teil ihres Vermögens in ausländischen Aktiengesellschaften, und zwar vorwiegend in schweizerischen, anlegen, um dadurch Ersparnisse an Steuern zum Schaden von Staat und Gemeinde zu erzielen. Von Seiten schweizerischer Vereinigungen wird durch Zirkulare an deutsche Kapitalisten und große Firmen auf solche Ersparnisse hingewiesen. Infolgedessen sollen bereits 120 derartige Gründungen in der Schweiz zustande gekommen sein. Die Regierung bestätigt nun diese Kapitalslucht; es würde auf diese Weise den preußischen Steuerbehörden der Besitz großer Kapitalien verheimlicht. Die Regierung stellte in Aussicht, daß bei einer Abänderung des preußischen Steuergesetzes eine Bestimmung eingefügt werden solle, die eine möglichst nachhaltige Besteuerung solcher Gesellschaften im Auslande ermöglicht. Oesterreich= Ungarn. Eine österreichische Baronin unter Spionageverdacht. Die„Zeit“ meldet die Verhaftung der 66jährigen Baronin Johanna Murmann von Marchseld wegen Spionage für Rußland. Vor zwei Jahren wurde ihr Sohn, der ehemals in österreichischen Diensten stehende, dann in russische Dienste übergetretene Ofsizier Alexander Murmann wegen Spionage zu vier Jahren Kerker und Aberkennung des Adels verurteilt. Nußland. Ein russisches Urteil über die neuen Rüstungskredite. Der„Voss. Ztg.“ zufolge schreibt das Organ der russischen Kadettenpartei„Rietsch“ zur Bewilligung der Kredite für außerordentliche Rüstungen durch die Budgetkommission der Reichsduma: Die Einzelheiten über die in Aussicht genommenen Rüstungen sind infolge der Geheimhaltung der Vorlage nur einem beschränkten Kreis von Personen bekannt geworden. Aus der Höhe des in diesen Jahre bewilligten Rekrutenkontingents ist aber ersichtlich, daß es sich um ganz außerordentliche Opfer an Menschen und Geld handelt. Die oppositionellen Parteien haben gegen die Bewilligung der Kredite gestimmt. Zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im Budget werden entweder neue Anleihen abgeschlossen oder neue Steuern eingeführt werden müssen. Serbien. Die Lösung der Ministerkrisis in Serbien. Das „Serbische Pressebureau" veröffentlicht über die Beendigung der Ministerkrise folgende Erklärung: „Nachdem die Oppositionsparteien in der Skupschtina einen parlamentarischen Block gebildet hatten und auf diese Weise die parlamentarischen Arbeiten behinderten, sand sich die Regierung bewogen, dem König die Demission des gesamten Kabinetts zu überreichen. Da aber die Verhandlungen, welche im Palais geführt wurden, zu keinem Resultat geführt haben, weil es unmöglich war, aus den den Block bildenden Parteien infolge des Verfalls desselben ein Kabinett zu bilden, forderte der König, sich an den parlamentarischen Brauch haltend, das alte Kabinett auf, weiter im Amte zu verbleiben, was im offiziellen Wege durch das Amtsblatt bekanntgegeben wurde. Das Kabinett Pasitsch bleibt also in unveränderter Zusammensetzung im Amte.“ Vereinigte Staaten. Die Aufhebung der Gebührenfreiheit im Panamakanal. Der Senat der Vereinigten Staaten hat mit 50 gegen 35 Stimmen die Vill über die Aufhebung der Gebührenfreiheit der amerikanischen Küstenschiffahrt im Panamakanal angenommen. Südaseika. Niederlage des Ministeriums Botha. In den Vereinigten Staaten von Südasrika erlitt das Ministerium Botha im Abgeordnetenhause eine schwere Niederlage. Die Frage, die dazu führte, wurde durch den Antrag Jaggers angeschnitten, nach dem der Paragraph in dem Einkommensteuergesetz gestrichen werden sollte, der Gesellschaften, an denen die Regierung interessiert ist, von der Einkommensteuer befreit. Später änderte Jaggers seinen Antrag dahin ab, daß wenigstens die Premiermine einkommensteuerpflichtig sein sollte. Bei der Abstimmung stimmten gegen die Regierung die Opposition, die Arbeiterpartei, die Anhänger des Generals Hertzog und zehn Anhänger des Generals Botha, darunter neun Vertreter der Kapkolonie, so daß die Regierung mit 44 Stimmen von 50 unterlag. Das Kabinett wird sich nicht an den Parteiausschuß wenden, sondern in einem Kabinettsrat seine Entschlüsse fassen. Preußischer Landtag. 93. Sitzung vom 13. Juni. Nach einer Geschäftsordnungsdebatte, in der die Abgg. Hoffmann(Soz.) und Schulze(ks.), die sich gegenseitig Unverschämtheiten vorgeworfen hatten, zur Ordnung gerufen worden, beschließt das Haus, sich am 16. Juni bis zum 10. November zu vertagen. Die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung des Abg. Hammer(ks.) wegen Beleidigung wird verweigert. Ein Antrag, das Verfahren des Ehrengerichtshofes der Leipziger Rechtsanwaltschaft gegen den Abg. Liebknecht(Soz.) für die Dauer der Tagung einzustellen, geht an die Geschäftsordnungskommission. Sodann wird die Beratung des Fideikommißgesetzes fortgesetzt. Abg. Delbrück(ks.) wünscht die Ausdehnung des Gesetzes auf den bäuerlichen Besitz. Abg. Graf v. Spee(Ztr.) schließt sich dem an. Landwirtschaftsminister von Schorlemer: Zur Besestigung des bäuerlichen Besitzes in der Art eines Fideikommisses kann das vorliegende Gesetz keine Handhabe bieten, es würde eine Belästigung der Bauern bringen, sodaß der Bauer in seltensten Fällen Gebrauch machen würde. Den bäuerlichen Interessen dient man mehr durch eine Ausdehnung des Anerbenrechtes. Abg. Ecker(nl.): Es ist dringend nötig, mit der inneren Kolonisation energischer vorzugehen. Die Auflösung von bestehenden Fideikommissen muß erleichtert werden. Abg. Graf Moltke(fk.) hebt den Segen der Fideikommisse auch in politischer Hinsicht hervor. Abg. Pohl(Vp.) beschäftigt sich mit juristischen Einzelheiten der Vorlage. Die Vorlage geht an eine Kommission von 28 Mitgliedern. Einige Petitionen werden nach den Vorschlägen der Kommission erledigt. Abg. Hoffmann(Soz.) beantragt, am Montag über Wahlrechts= und Dissidentenfrage zu verhandeln; wenn das Haus am Montag nicht arbeite, verhöhne es das Volk.(Der Redner wird zur Ordnung gerufen.) Die Redner der bürgerlichen Parteien weisen die Anmaßungen des Abg. Hoffmann entschieden zurück. Abg. Hoffmann(Soz.): Sie sind doch am Montag noch da, oder haben Sie Ihre Reisespesen schon in der Tasche?(Der Redner wird zur Ordnung gerufen.) Dienstag 11 Uhr: Disziplinarverfahren gegen Liebknecht. Die Krise in Frankreich. Man hat nach dem Sturze des Eintags=Kabinetts Ribot durch die Kammer von einer dreifachen Krise der Republik gesprochen, derjenigen im Kabinett, derjenigen in der Präsidentschaft der Republik und der im Zweibund. Mag der Sturz Ribots immerhin zum Teil aus persönlichen Beweggründen erfolgt sein, die Hauptsache war doch das Verlangen der vereinigten Radikalen und Sozialisten nach einer Einschränkung des Dreijahresgesetzes. Da das Kabinett Ribot mit dem Präsidenten der Republik Poincaree entschieden an der dreijährigen Dienstzeit im Interesse der Wehrfähigkeit festhielt, so war sein Sturz besiegelt, zugleich aber auch die Stellung des Staatsoberhauptes ernstlich erschüttert. Auf nach Versailles! hatten sozialistische Abgeordnete in der Kammer nach dem mit unerwartet großer Mehrheit beschlossenen Mißtrauensvotum gegen Ribot gerufen. Tatsächlich ist es schwer abzusehen, wie der im Februar 1913 auf sieben Jahre zum Präsidenten der Republik gewählte Herr Poin caree sich aus der schwierigen Lage herausfinden und den Widerspruch zwischen seiner Ansicht über die dreijährige Dienstzeit und derjenigen des Parlaments überbrücken soll. Den peinlichsten Eindruck aber hat der Pariser Kammerbeschluß auf die russische Regierung gemacht, die der verbündeten Republik erklären ließ:„Rußland ist bereit, Frankreich muß es ebenfalls sein.“ Das neue französische Ministerium. Das Ministerium konstituierte sich solgendermazen: Ministerpräsident und Aeußeres: Viviani: Inneres: Malvy; Krieg: Messimy; Marine: Gauthier; Finanzen: Noulens; Justiz: Bienvenu=Martin; Unterricht: Augagneur; öffentliche Arbeiten: René Renauld; Landwirtschaft: David; Handel, Post und Telegraphen: M. Constant; Arbeit und soziale Für. sorge: Couyba; Kolonien: Neynault. Zu Unterstaatssekretären wurden bestimmt; für Krieg: Lauraine; für Künste; Dalimiere; Inneres: Jacqujer; Handelsmarine: Agam. Viviani hofft, als Unterstaatssekretär des Auswärtigen Abel Ferry zu gewinnen. —— Aus Stadt und Umgebung ** Schwerte, 15. Juni. **(Das Wetter der letzten Woche) war vielfachen Schwankungen unterworfen. Fast die erste Hälfte stand im Zeichen des Regens, während von Mittwoch an eine günstige Wendung endlich durchgreisen konnte. Trotzdem sie einen schweren Stand hatte, behielt die gute Witterung doch die Oberhand, selbt dann noch, als der am Donnerstag abend einsetzend.: starke Gewitterregen Aussicht auf einen Rückschlag bot. Hossentlich wird jetzt beständiges Sommerwetter eintreten. :(Zur 50jährigen Wiederkehr der Befreiung Schleswig=Holsteins.) Am 29. Juni sinden unter dem Protektorat des Prinzen Heinrich, des Bruders Kaisers, und des Herzogs Günther, des Bruders der Kaiserin, auf den Schlachtfeldern in Schleswig=Holstein große erhebende Felern statt. Beireanen werden alle Erleichterungen geboten, damit ihnen die Teilnahme an den Feiern möglich wird. So bai z. B. die Hamburger Bürgerschaft den die Veteranen festlich zu empfangen 1. Unter anderm werden zwei groß: Vertügung gestellt. Daß am gleichen Beschln und zu be Deutschland Schulfeiern stattfinden, ist lich. Der Herr Kultusminister, sowie die Kgl. Regierungen haben die Festschrift„Düppel ein Erinnerungslatt zur 50jährigen Wiederkehr der Befreiung Schleswig=Holsteins zur Ansäaffung in den Schulen empfohlen. *(Leichtatkletische Erfolge.) Bei den gestern in Münfuer vom Atademischen Sport=Klub Münster veranstalteten„Nationalen leichtathletischen Spieudr der Schwerter Sport=Klub 1906 durch „Viktor“ gegen die beste westdeutsche Klasse Sieger im Kronprinzen=Sprinterpreis(50, 100 und 200 Meter=Lauf). Der Preis ist ein von Sr. Kgl. Hoheit dem deutschen Kronprinzen gestifteter Wanderpreis, der dreimel hintereinander oder viermal im ganzen gewonn werden muß, um endgültig in den Besitz eines Vereins überzugehen. Seitens der Stadi Münster war ein Zusatzpreis gestiftet worden, den „Vittor“ persönlich erhielt.— Außerdem errang Twittmann den 2. Preis im 1500 Meter=Lauf, Schlünder den 2. Preis im Speerwurf gegen Buchheister=Berlin. Zwei weitere 2. Preise fielen dem Verein in der 3000 Meter=Stafette durch Twittmann,„Hektor“ und Sieberg, und in der 400 MelerStafette durch Westermann,„Hektor",„Siegfried“ und„Vittor" zu. *(Ausstellungspreise.) Einen vollen Erfolg hatten die Mitglieder des hiesigen Hundevereins gestern zu verzeichnen. Auf der in Arnsberg stattge: fundenen Ausstellung erhielt Herr Köster auf eine Deutsche Schäserhündin 2. Preis, O. v. d. Heide auf Deutschen Schäferhund 2. Preis, Fr. Koch auf Zwergspitz 2. Preis, Schnell auf Boxer 3. Preis, Müller auf Pudel 1. Preis, sowie Ehrenpreis für besten Hund der Ausstellung. Auf der am vorigen Sonntag in Köln stattgesundenen Internationalen Ausstellung erhielt Herr Hagemann für Langhaar. Teckel 2. Preis, Müller bei 50 Pudeln 2. Preis. **(Segler der Lüste.) Heute morgen gegen Uhr konnte man schon wieder das charakteristische Geräusch der Propeller über unsere Stadt hören, und als man aufschaute, sah man ein Flugzeug (Taube) in ziemlicher Höhe ruhig und sicher seine Bahn ziehen und in der Richtung nach Osten am Horizont verschwinden. **(Kriegerverein.) In der gestrigen Generalversammlung gedachte der 1. Vorsitzende Kamerad Althoff mit warmen, herzlichen Worten des unvergeßlichen Kaisers Friedrich(f 15. Juni 1888); drei Kameraden wurden neu ausgenommen. An der Kaiserparade in Münster wird der Verein sich nur durch eine Fahnendeputation beteiligen, möglichst zahlreich dagegen an den Jubelseiern in Langschede (28. Juni) und Dortmund(Landwehr=Verein, 50jährige Jubelfier, 5. Juli). Die Abfahrt mit der Eisenbahn soll nach Langschede 1,37 Uhr, nach Dortmund 12,24 Uhr erfolgen. Die Kameraden sollen einzeln durch Karte eingeladen werden. Zum Schluß hielt Kamerad Prof. Feldhügel einen sehr beifällig ausgenommen Vortrag über den Feldzug 1814 bis zum ersten Pariser Frieden. Die Rekrutenfürsorge wurde warm empfohlen. **(Unfall.) Der Stukkateur Großheim aus Hagen stürzte aus zirka zehn Meter Höhe am Rathaus=Neubau so unglücklich vom Gerüst, daß er außer schweren Armverletzungen und Quetschungen Knochenbrüche an beiden Beinen davontrug. Man brachte den Schwerverletzten ins katholische Krankenhaus. (Das Schützenfest auf der Schwerterheide) wirst seine Schatten bereits voraus. Für gestern nachmittag war das Bataillon zum Exerzierplatz bei der Spraveschen Wirtschaft an der Hörder Straße befohlen, und im Laufe des Nachmittags wurde sleißig exerziert und Gewehrgrifse„gekloppt“. Die höheren Offiziere waren mit den Leistungen des Vataillons recht zufrieden und gaben dieser Zufriedenheit verschiedentlich Ausdruck. Da auch die Marketender gut vorgesorgt hatten, herrschte bald eine recht vergnügliche Stimmung auf dem ganzen Gelände. Am nächsten Sonntag wird eine weitere Uebung auf der Ostenheide abgehalten. **(Katholischer Arbeiterverein.) In der gestrigen Generalversammlung im Kordeckschen Lokal erstattete Herr Bozetti einen ausführlichen Bericht über den Verbandstag in Hombruch. Eine Anzahl neuer Mitglieder konnten dem Verein wieder zugeführt werden. Am Sonntag den 28. Juni wird der Verein einen Familienausflug nach der Wirtschaft Busemann(Sprave) an der Hörder Straße unternehmen. **(Das Uebungsschießen,) welches der Verein ehrmaliger Angehöriger des 16. Armcekorps gestern nachmittag auf den Schießständen am„Schützenhof“. veranstaltet hatte, ersreute sich einer ungemein regen Beteiligung. Im Laufe des Nachmittags wurden etwa 500 Patronen verschossen. Bester Schütze wurde mit 32 Ringen(bei drei Schuß) der Vereinsvorsitzende Herr Kemper, zweiter mit 31 Ringen Herr Hülsmann, dritter mit 28 Ringen Herr Schöttler. **(Aus dem Reich der geflügelten Feder.) Das letzte Preisausschreiben des Stenographen=Vereins Stolze=Schrey zeitigte folgendes Resultat: Hans Lammert 1. Preis, Carl Patzelt 2. Preis, L. Henkel 3. Preis, Jung Lobende Anerkennung. Ferner haben in letzter Zeit folgende Mitglieder noch Preise erhalten: Henkel einen 3. Preis im schönschreiben und mehrere Lobende Anerkennungen, Patzelt einen Preis im Wettschreiben, außerdem mehrere Lobende Anerkennungen, Lammert im Wettschreiben zwei Preise, ein Diplom wurde ihm für eine gute und korrekte Arbeit zuerkannt, weiter erhielt er einen 2. Preis im Schönschreiben und wiederholt Lobende Anerkennungen, Adrian einen Preis im Wettschreiben. **(Zum Grüber=Prozeß.) Vorgestern hat auch der Werkmeister Nödel ein Geständnis abgelegt, nach welchem die so viel erörterte und beschworene Zahlungsszene überhaupt nicht stattgefunden hat. Nödel hat von den Grübers für seine falsche Aussage 500 Mark bekommen, und zwar 300 Mark in bar, während 200 Mark auf die Miete verrechnet wurden. Otto Grüber hat sein mündlich abgelegtes Geständnis jetzt auch schriftlich niedergelegt, um sein Gewissen zu entlasten. In diesem schriftlichen Geständnis macht er noch weitere Enthüllungen zu dem Prozeß. (Betriebsunfall.) Einen bedauerlichen Unfall erlitt am Samstag vormittag der jugendliche Arbeiter Br. auf der Eisenindustrie. Derselbe geriet mit dem Daumen der rechten Hand so unglücklich unter eine Schere, daß ihm das rechte Glied des Daumens fast vollständig abgequetscht wurde. **(Ein Abend bei Bellini.) Der bekannte Wiener Hofkünstler Bellini gab am Samstag und gestern abend im Hotel Ostermann zwei Vorstellungen, welche auch die kühnsten Erwartungen des Publikums weit übertrasen. Herr Bellini arbeitet im ersten Teil des Abends auf dem Gebiete der Täuschung und„Zauberei“, indem er die verblüffendsten Tricks vollführt, ohne daß es dem aufmerksamen Zuschauer gelingt, dahinter zu kommen— es sei da nur an die„Hand des Mutius Scävola“ erinnert, welche die Zahl der gewürfelten Augen angibt oder an die wandernde Karte, die, von einem Zuschauer gezogen, plötzlich in einem Bilderrähmchen auf der Bühne erscheint. Der zweite Teil des Programms brachte vorzügliche Leistungen des „Fessel=Mediums“, welches u. a. einer mit in das Kabinett eingeschlossenen Person Rock und Weste abzieht, ehe sich die Person dessen versieht, beim Oeffnen des Vorhanges aber sitzen Medium und „Gast“ ruhig auf dem Stuhle. Den Clou des Abends bildet unstreitig das Experiment der Autosuggestion, in welche Herr Bellini sich versetzt, um sich dann von einem Zuschauer unter Kontrolle von einer größeren Anzahl Herren aus dem Publikum die linke Hand auf ein Brett festnageln zu lassen. Daß den Darbietungen lebhafter Applaus gespendet wurde, brauchen wir wohl nicht zu betonen. Heute abend findet die letzte Vorstellung statt, welche sich sehr interessant gestalten dürfte, da der Künstler dann die Aufklärung über verschiedene unmöglich erscheinende Experimente geben wird. erbauten Steigerturmes verbunden. Der Steigerturm bildet tatsächlich eine Zierde der Gemeinde. Recht böse sieht es aber noch in der unmittelbaren Umgebung des Turmes aus. Hier Ordnung zu schaffen, wird sich die Gemeinde schon deshalb angelegen sein lassen müssen, weil zu dem Feuerwehrfeste zahlreiche andere Wehren und hohe Ehrengäste kommen werden. * Herzseld, 13. Juni.(Das Unglücksschweinchen.) Dieser Tage verendete einem hiesigen Fuhrmann ein Ferkel. Kurzerhand wurde das Tierchen in einen Sack gesteckt, und auf einer Fahrt nach Soest wurde in einem Walde der Sack abgesetzt. Dies sah ein Radler, der sich auch den Namen des Fuhrmannes merkte, und zeigte den Vorfall an. Die Polizei kam, sah den Inhalt des verdächtigen Sackes und veranlaßte eine Untersuchung durch den Kreistierarzt, der laut„Gl.“ bei dem Ferkel— Schweinepest feststellte. Somit dürfte das Ferkel für den Besitzer, der gewiß die Schwere der Krankheit nicht geahnt hat, noch ein rechtes Unglücksschweinchen werden. * Lippstadt, 13. Juni.(Die Schußwaffe— kein Spielzeug!) Der Lehrling einer Waffenhandlung spielte heute morgen mit einem Terzerol. Plötzlich entlud sich die Wasse; die Kugel drang dem Bedauernswerten in die Stirn, blieb aber glücklicherweise in einem Knochen sitzen, so daß keine Lebensgefahr besteht. *“ Westhofen, 15. Juni.(Freiwillig in den Tod) gegangen ist heute morgen die an der Hochstraße wohnende 80 Jahre alte Witwe H., welche sich unweit der Fabrik Berggräfe in die Ruhr stürzte. Der Vorgang war von der Fabrik zwar bemerkt worden, und wurde die Lebensmüde auch sofort dem nassen Element entrissen, doch kam die Hilfe zu spät; der Tod war bereits eingetreten. Die alte Frau war schon seit einiger Zeit geistig gestört, und wird die traurige Tat in unzurechnungsfähigem Zustande verübt haben. Die Familie ist der herzlichen Teilnahme der ganzen Bürgerschaft sicher. ** Berghosen, 15. Juni.(Das Kreisfeuerwehr=Verbandsfest) wird im kommenden Monat hier abgehalten werden. Zugleich ist hiermit die Einweihung des neuen, mit großen Kosten Stadtverordneten=Sitzung. ** Schwerte, 15. Juni. Die Sitzung der Stadtverordneten am Samstag nachmittag war von 14 Mitgliedern des Kollegiums besucht; den Vorsitz führte Herr Direktor Terbrüggen. Vom Magistrat war Herr Bürgermeister Nohrmann anwesend, während das Stadtbauamt durch Herrn Stadtbaumeister Bierbach vertreten war. Die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung umsaßte nur sieben Gegenstände, und zwar betraf der erste Punkt Neuanschaffungen und Reparaturen im„Freischütz“. Nach den Beschlüssen der Freischütz=Kommission sollen zwei größere Schränke für Geschirr, sowie ein Eisschrank beschafft werden; die Bierbude im Walde soll renoviert, der Vorraum zum Haupteingang neu gestrichen werden, desgleichen das Musikpodium und dergleichen Arbeiten mehr. Das Kollegium erklärte sich mit diesen Beschlüssen einverstanden. Für die Herstellung eines 8er Ofens für das Gaswerk wurden die Mittel in Höhe von 9000 Mark bewilligt. Auf eine diesbezügliche Anfrage des Herrn Homel bemerkte Herr Bürgermeister Rohrmann, daß diese 9000 Mark aus den laufenden Mitteln gedeckt werden sollen, daß aber trotzdem keine Verringerung des Ueberschusses aus dem Gaswerk zu befürchten sei. Eine weitere Anfrage des Herrn Homel bezüglich der Abnutzung dieser Oefen beantwortete Herr Stadtbaumeister Bierbach dahin, daß für diese Oesen in drei bis vier Jahren wieder Ersatz geschassen werden müsse, der sich dann aber nur auf zirka 5000 Mark stelle, da die Kosten für das Gewölbe in Fortsall kämen. Die Legung der Gas= und Wasserleitung in der Wittekindstraße wurde nachträglich auch vom Plenum des Kollegiums einstimmig genehmigt, nachdem die wegen des Neubaues Westermann dringliche Vorlage bereits durch Rundschreiben bei den einzelnen Mitgliedern erledigt worden war. Für die Anstalt Hoffnungstal bei Bieleseld wurde, wie in den Vorjahren, eine Beihilfe von 10 Mark bewilligt. Gegen die Ueberlassung von Mehrflächen zum Bahnbau Schwerte—Dortmund wurden keinerlei Einwendungen erhoben; es handelt sich um eine ganz geringfügige Sache. Als Vertreter für den diesjährigen Städtetag, der am 3. und 4. Juli in Bochum stattfindet, wählte das Kollegium die Herren Homel und Duisberg, während der Magistrat die Herren Niederstadt und Hagemann zu den Verhandlungen entsendet. Ein von einem Berliner Komitee gestellter Antrag auf Bewilligung eines Beitkages zum Ban eines Denkmals für den ehemaligen Reichskommissar für Deutsch=Ostafrika Dr. Karl Peters wurde vertagt. Auf die öffentliche Sitzung folgte eine geheime. ist durch diesen Umstand dem Tode entronnen. Die ganze Einwohnerschaft versammelte sich am Tatorte. Da im Hause keine Barmittel vorgesunden wurden, so wird Rautmord vermutet. Als Täter kommt ein Bäckergeselle in Betracht, der bei Back in Arbeit war und seit der letzten Nacht verschwunden ist. Mainz, 13. Juni. Der als Täter bei dem Mordanschlage in Hosheim in Betracht kommende Bäckergeselle heißt Floersch und stammt aus Mongernheim. Er wurde hier verhaftet. Er gibt zu, daß er liei dem Bäckermeister Back in Diensten gestanden habe, leugnet jedoch die Tat. Er wurde in das Amtsgerichtsgefängnis gebracht. Das Militärluftschiff J 1 verunglückt. K Diedenhofen, 14. Juni. Das Militärlustschiff 3 1 ist gestern kurz vor 12 Uhr auf der Fahrt von Köln nach Metz bei Diedenhosen gelegentlich einer Notlandung verunglückt. Das Luftschiff, das ohnehin durch Regen stark beschwert war, wurde durch eine senkrechte Böe zu Boden gedrückt und knickte zwischen der hinteren Gondel und dem Steuer rechtwinklig durch. Das Luftschiff muß ganz abmontiert werden. Einer der Insassen, ein Oberleutnant, wurde leicht verletzt. Ueber das Unglück werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Der Militärkreuzer 3 1 unter Führung des Hauptmanns Kleinschmidt war auf der Rückfahrt von Metz nach Köln begrifsen, als er von schweren Gewittern, verbunden mit wolkenbruchartigem Regen, überrascht wurde, denen er nicht mehr auszuweichen vermochte. Infolge seiner Schwere— die Hülle war bereits durch und durch vom Regen durchtränkt— vermochte sich der Kreuzer nicht mehr zu erheben, wurde von einer Gewitterböc erfaßt und zu Boden gedrückt, wobei drei Propeller vollständig zerschlagen wurden. Besonders der hintere Teil des Luftschisses ist schwer beschädigt worden. Das ganze Schiff muß abmontiert werden, da es bei der heftigen Landung vollständig zerdrückt wurde. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Einige leichtere Verletzungen und Verstauchungen sind natürlich vorgekommen. 3 1 ist der zweite Ersatzbau des ursprünglich ersten Zeppelinkreuzers der Heeresverwaltung, der 1906 in Dienst gestellt wurde. Der erste Ersatzbau wurde 1912 in Dienst gestellt und verunglückte am 16. Juli 1913 bei Karlsruhe, worauf im Juni 1913 der nunmehr verunglückte Kreuzer in Dienst gestellt wurd:. Er hat einen Raumgehalt von 19 000 Kubikmetern und eine Länge von 142 Metern. Der Hergang des Unglücks. Eine amtliche Meldung über den Unfall des Lustschiffes 3 1 steht noch aus. Aus Diedenhosen wird von privater Seite auf Grund von Erkundigungen an Ort und Stelle gemeldet: Der Kreuzer 3 1 ist mittags kurz vor 12 Uhr bei der Karlshütte beinahe vollständig zerstört worden. Bei einer Notlandung stieß der hintere Teil des Luftschisses auf den Boden, und der Ballon knickte zwischen der Gon##l und dem Steuer durch. Das Lustschiff liegt etwa 800 Meter von der Karlshütte entfernt auf sreiem Felde. Verletzt wurde nur ein Oberleutnant, der eine Wunde am Kopfe davontrug. Ein vierfacher Mord. Hofheim(Unterfr.), 13. Juni. Heute in früher Morgenstunde wurde hier ein schweres Verbrechen entdeckt. Aus dem Hause des Bäckermeisters Back drangen dichte Rauchwolken. Der eindringenden Feuerwehr bot sich ein grauenvoller Anblick. Vor dem Backofen lag die Leiche des Meisters mit eingeschlagenem Schädel. Im Schlafzimmer wurden die beiden jüngsten, bereits erwachsenen Töchter mit Beil= und Stichwunden am Kopfe und die Frau des Bäckermeisters völlig verkohlt in ihren Betten vorgefunden. Die zweitälteste Tochter befindet sich bei ihrer verheirateten Schwester zu Besuch und Größere Truppenübungen im Herbst 1914. Die endgültigen Bestimmungen über die diesjährigen größeren Herbstübungen sind nunmehr ergangen. Danach nehmen folgende Armeekorps an den Kaisermanövern teil: das 7.(Münster), 8. (Koblenz), 11.(Kassel), 13.(Franksurt a. M.), 2, bayerische(Würzburg) und 3. bayerische(Nürnberg.) Das Manöver findet zwischen Frankfurt a. M., Kassel und dem Rhein statt. Kaiserparade haben das 7. und 8. Armcekorps bei Münster bezw. Koblenz. Von den genannten Korps haben das 8., 11. und 13. vorher unter Leitung ihrer Armee=Inspekteure im Korpsverbande Manöver gegen einen„markierten Feind“ oder vielmehr, wie es jetzt offiziell verdeutscht ist, gegen„Flaggenfeind". Dieselben Uebungen haben auch das 4. und 9. Armeekorps, so daß zunächst sünf kommandierende Generale die Führung ihres Korps im Gefecht gegen den Flaggenseind seibst übernehmen müssen. Bei acht weiteren Armeekorps finden Uebungen gegeneinander statt. Es kämpfen unter ihren kommandierenden Generälen: das Gardekorps gegen das 2.(pommersche), das 1.(ostpreußische) gegen das 20.(Allenstein), das 13.(kgl. württembergische) gegen das 14.(badische), das 16.(Metz) gegen das 21.(Saarbrücken). Auch hier werden die zuständigen Armee=Inspekteure die Aufgaben stellen und die Leitung übernehmen.— Bekannlich werden die Armee=Inspekteure in einem Kriege zum größten Teile als Führer der Armeen verwendet. Es sind meist noch kriegserfahrene Offiziere, die die Proben ihrer Befähigung nicht nur in jahrelanger Ausbildung ihrer Armeekorps, sondern auch in der Führung derselben in den Kaisermanövern bewiesen haben. Von diesen treten als Leitende bei den obengenannten Korps im Herbst in Tätigkeit: die Generalobersten Großherzog Friedrich II. von Baden, Herzog Albrecht von Württemberg, von Bülow, von Kluck, von Prittwitz, von Eichhorn. Montag, 15. Juni 1914. Nr. 137. Beilage. Amtliches Kreisblatt. Plewna und Konstanza. Russisches Werben, rumänisches Warten, deutsches Geld. Kaiser Nikolaus von Rustand hat dem König Karol von Rumänien, der im vorigen Jahre durch seine kluge Politik für seinen Staat einen erheblichen Zuwachs an Landbesitz und die erste Rolle unter allen Balkanstaaten gewonnen hat, in der Hasenstadt Konstanga einen Besuch abgestattet. Das erinnert an ein Ereignis vor 37 Jahren, in welchem ebenfalls ein russischer Zar, der Großvater des heutigen, Kaiser Alexander, an den damaligen Fürsten Karol von Rumänien herantrat, das den Ausgangspunkt der neuesten Entwicklung dieses Staates gebildet hat. Im Frühling 1877 erklärte Rußland der Türkei den Krieg in noch größerer Uebereilung, wie bald dreißig Jahre später an Japan. Man rückte durch Rumänien, dessen Teilnahme am Feldzuge hochmütig abgelehnt wurde, gegen die Donau vor und überschritt den Strom bei Nikopolis, drängte die Türken zurück, und General Skobelew kam mit seiner Reiterei auf dem Schipka= Paß sogar über den Balkan. Ueber Nacht kam dann gewissermaßen im Juli und August der Umschlag. Die russischen Truppen wurden bei Lowatsch und Plewna von dem türtischen General Osman Pascha wiederholt geschlagen, und es hing von einer knappen Stunde ab, daß nicht die Türken über den Schipka=Paß her den flüchtenden Russen in den Rücken fielen und sie total aufrieben. Osman Pascha nahm dann bei Plewna eine verschanzte Stellung ein, die von den Russen regelrecht belagert werden mußte. Aber bei dieser Belagerung kam man nicht von der Stelle, und der Zar Alexander, der mächtige Selbstherrscher, mußte sich entschließen, den kleinen rumänischen Fürsten um Hilse anzugehen. Dieser sagte zu, erhielt das Oberkommando über die sodann vor Plewna vereinigte russisch=rumänische Armee, und die nur notdürftig gedrillten rumänischen Doberantzen zeigten sich durch die Erstürmung der Griwnitza=Redoute, daß sie sich besser schlugen wie die russischen Garden. Nach dem Kriege zeigte Rußland Rumänien seine Erkenntlichkeit dadurch, daß es seinem Bundesgenossen die wertvolle Provinz Bessarabien abnahm und ihm dasür das türkische Sumpfland Dobrudscha gab, das von der Regierung in Bukarest erst mit vieler Mühe in die Höhe gebracht werden mußte. Dies unschöne Verhalten haben die Rämänen den Russen nie vergessen können, und während die Petersburger Politik mit den übrigen Balkanstaaten Fangeball zu spielen versuchte, hielt sich die Bukarester Regierung des Königs Karol zum Dreibunde. Das Land hat sich in den langen Friedensjahren gewaltig entwickelt, sodaß es, gestützt auf seine Armee von über einer halben Million, 1913 den Balkanstreit entscheiden und die gezückten Säbel der Bulgaren, Serben und Griechen schließlich durch sein Machtwort in die Scheide zurückdrängen konnte. Und seine Rolle ist ffür die Zukunft selbstverständlich nicht ausgespielt. Da erkannte Nußland, was der bisher wenig beachtete Nachbar wert war, man warb an der Newa um seine Freundschaft. Es ist ausgeschlossen, daß zur Erreichung dieses Zieles Bessarabien von dem Zaren an Rumänien zurückgegeben wird. Wenn aus Petersburg dem Nachbar Gebietsabrundungen zugestanden werden sollten, liegen sie auf anderem Gebiete; noch nie war die russische Diplomatie um Geschenke verlegen, die ihr nichts kosteten. Es ist aber schwerlich zu glauben, daß König Karl und seine Ratgeber die Vergangenheit und die Erfolge der Gegenwart so vergessen sollten, um sich in die ausgebreiteten russischen Arme zu wersen. Sie haben den größten Nutzen von der jetzt errungenen vollständig unabhängigen Bewegungssreiheit. Für Deutschland ist die künftige rumänische Politik nicht nur wegen der deut,chen Herkunft des Königs von Interesse, sondern auch, weil deutsches Kapital in erheblichen Millionen vom rumänsichen Staate geliehen und dort angelegt ist. Wir wiederholen, wir zweiseln nicht daran, daß der rumänische derselbe solide Geschäftsfreund bleibt, als der er sich schon lange Jahre erwiesen hat, denn bei einem Einlenken in russisches Fahrwasser könnte natürlich eine Trübung dieser Beziehungen nicht ausbleiben. Die Besorgnisse, die mehrfach laut wurden, erachten wir deshalb als unbegründet. Besteht zwischen dem Dreibund und Rumänien auch kein förmlicher Vertrag, so hatte es an diesem doch eine starke Rückendeckung, die es abwarten lassen konnte, bis der große Erfolg wie eine reise Frucht vom Baume fiel. König Karol stellte vor einem Jahr im Verein mit dem deutschen Kaiser den Balkansrieden her. Alles in allem: Der Jarenbesuch in Konstanza wird schöne Worte auslösen, aber praktisch eine Episode bleiben. und Rheinland. * Unna, 13. Juni.(In Untersuchungshaft abgeführt.) Gestern wurde der Bergmann Custav Kirsch aus Massen, der in der Nacht zum zweiten Pfingsttage den Dragoner Gustav Brune aus Massen am Obermassener Kirchwege erschossen hatte, in das Untersuchungsgefängnis des Dortmunder Landgerichts überführt. * Soest, 13. Juni.(Zum Kasernenbau.) Auf dem Kasernengelände hat man jetzt mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen. An Gebäulichkeiten sind vorgesehen: am Hiddingser Wege eine Offizier=Speiseanstalt, ein Stabs= und Arrestgebäude und ein Beamtenhaus; an einer projektierten Querstraße: zwei große Kasernen mit einem Wirtschaftsgebäude in der Mitte; am Windmühlenwege: 14 Wohnungen für Unteroffiziere; an der abschließ den Querseite: einen Pferdestall, gedecktes Exerzierhaus und die Büchsenmacherei; quer durch den Kasernenplatz werden noch gebaut: eine Kammer, Pferdestall, Exerzierhaus, Wassenkammer und Patronenhaus.— Für diese Bauten hat der Reichstag bereits 1 020 000 Mark bewilligt. * Soest, 13. Juni.(Die Ernteaussichten) in der sonst so reichgesegneten Soester Börde sind sehr übel. Roggen= und Winterstroh haben eine sehr schlechte Blütezeit gehabt, der Weizen mußte zum größten Teil umgeackert werden. Die Zuckerrüben sind noch sehr klein und stellenveise ganz verunkrautet, da der Kampf gegen das Unkraut fist zur Unmöglichkeit geworden ist. Die besseren Wiesen sind zum Teil gemäht, das Gras geht dem Verderben entgegen. Die Weiden sind sehr kahl, so daß zugefüttert oder ganz im Stalle gesüttert werden muß. Die Weiden an der Ahse und Lippe können stellenweise wegen Wasser nicht mehr betrieben werden. Sogar das Gemüse in den Gärten, das sonst die Feuchtigkeit liebt, zeigt bei dem naßhalten Wetter kein Fortkommen. * Greven i. W., 13. Juni.(1½ Jahre ver steckt gehalten.) Ueber einen Aufsehen erregenden Fall berichten die hiesigen„Nachrichten“. Seit Weihnachten 1912 war ein hiesiger Viehhändler verschwunden. Allgemein hielt man ihn für flüchtig, zu welcher Annahme gewisse Umstände berechtigten. In diesen Tagen hat sich nun herausgestellt, daß der Betreffende von seiner Mutter 1½ Jahre hindurch versteckt gehalten und verpflegt wunde. Dem Vernehmen nach ist er geistig nicht normal und dürfte in Bälde einer Anstalt überwiesen werden. * Bonn, 13. Juni.(Einjugendlicher Erfinder.) Ein 18 Jahre alter junger Mann von hier hat sich in seinen Mußestunden mit Verbesserungen im Schiffsbau beschäftigt. Seit etwa 1 Jahre arbeitet er an einer Erfindung, die das Sinken von Schifsen verhindern soll. An einem Schiffsmodell, an dem die Neuerung angebracht ist, konnte der jugendliche Erfinder die Sachverständigen von der Ausführbarkeit seiner Ideen überzeugen. Leider sind die Eltern des jungen Mannes, der in einer hiesigen Buchhandlung beschäftigt ist, nicht in der Lage, die Erfindung, die für de Schissahrt von weittragendster Bedeutung sein würde, finanziell zu sördern. Die Linden blühen. Wo die würdigen Stadtverwaltungen die Straßenzüge mit schattenspendenden Bäumen versehen haben, da ist nach mancherlei Versuchen in der Regel immer wieder zur klein= und großblättrigen Linde, Winter= oder Sommerlinde, gegriffen, von welchen besonders die großblättrige schnellwachsende, prächtige Exemplare stellt. Ein beliebter Straßenbaum ist auch der Rotdorn, aber er gibt weniger Schatten, die Platane gedeiht nicht überall, die Kastanie erfordert viel Raum, und auch der Ahorn kommt nicht ganz der Linde gleich. So steht diese also in der ersten Reihe der für die Bepflanzung der Straßenzüge bestimmten Bäume. Der Juni bringt die Lindenblüte, die mit ihrem süßen Duft die Poesie der Straße gegenüber dem Benzindunst und Staubgeruch bedeutet. Und daß gerade das Stadt=Innere durch Anpflanzungen gewinnt, ist heute allgemein anerkannt. Natürlich dürfen diese nicht so weit gehen, daß sie den Verkehr beengen, aber es gibt kein idyllerisches Bild als frisches Grün und bunke Blüten im„Häusermeer“. Sie zaubern dem Bürger ein stillvergnügtes Lächeln auf das Antlitz, wenn er zum Rathause eilt, um den Steuer=Obulus zu entrichten. Eine vielbewunderte Blumenstadt ist z. B. Leivzig; aber selbst die Berliner Stadtväter haben die StraßenAusschmückung ihres Ratskellers mit Blumen gestattet, die in dem dort brausenden Riesen=Verkehr lieblich wirken. Wenn die Linden blühen, steht das Jahr bald auf seiner Höhe. Die alte Zeit hat um die Dorflinde manchen lustigen Frühling=Tanz gesehen, denn die Linde ist der eigentliche deutsche Baum, der in der Stadt wie auf dem Lande seinen Ehrenplatz fand. Auch die Richter der heiligen Vehme hielten auf dem Boden der roten Erde, in Westfalen, unter uralten Linden ihre geheimnisvollen Sitzungen ab, und die alten Heerkönige hingen bei den„Things“, den Tagungen der Landesgemeinde, wie sie heute noch in verschiedenen schweizerischen Kantonen stattfinden, ihren Schild an den Lindenstamm. Unter der Linde erzählte in jenen Zeiten, als es noch keine Zeitung gab, der fahrende Sänger von den Weltbogebenheiten, und drehten sich die Paare auch beim Hochzeitstanz. Die Zahl der alten Linden. die wir auf deutschem Boden noch besitzen, ist groß und sie werden sorgsam vor dem Verfall zu hüten gesucht. Ihre Zweige laden oft so aus, daß man sie hat mit Brettern belogen und somit einen lauschigen Trinkraum in den Aesten hat schaffen können, der von der Erde aus auf einer Treppe erstiegen werden muß. Selbst getanzt wird in den Linden=Zweigen. Heute, wo jeder neue Tag so viel zu sehen und zu hören bringt, gibt man weniger Obacht auf die Lindenblüte, aber sie verdient es schon, daß die Jugend darauf aufmerksam gemacht wird. Die Linde ist der Baum unserer deutschen Heimat, die Jahrhundert für Jahrhundert die Geschehnisse deutschen Lebens und deutscher Kultur mit ihrem Wachsen und Blühen begleitet hat und serner begleiten wird. —— Bunte Chronik. 1( Aufgedeckte Mißstände bei einem Unteroffizierkorps. Das Spandauer Schöfsengericht verurteilte einen Schneidermeister, der behauptet hatte, das Unteroffizierkorps des 5. Garde=Regiments zu Fuß sorge dafür, daß Extra=Anzüge nur bei den Schneidern bestellt würden, die den Unteroffizieren Prozente bezahlten, zu 100 Mark Geldstrase. Die Behauptungen konnte der Angeklagte nicht beweisen. Dagegen wurde aber in der Zeugenvernehmung sestgestellt, daß das Unteroffizierkorps von einem Lieseranten Zuwendungen für geschäftliche Vermittlungen erhalten hat. ) Der Nasenbär als Begleithund. Berlins junge Damenwelt vom Kurfürstendamm oder der Tauentzienstraße hat ein neues Spielzeug: man geht mit einem Nasenbär an der Leine promenieren. Fuchs, Marder, Aesschen sind erledigt. Der Nasenbär, ein possierlicher Bursche, soll sehr zahm werden und im Hause sich sehr manierlich benehmen. Als die ersten Bärenführerinnen erschienen, gab es jedoch solches Aufsehen, daß die meisten jungen Damen vorzogen, in der Droschke den Heimweg anzutreten. ( Der vielfache Mörder Tomsik von Oedenburg (Ungarn), der vom Kirchturm herab seine Opfer niederschoß, ist in vieler Beziehung ein interessantes Objekt für den Seelenforscher Der junge Bursche war von je ein Sonderling, er hatte die Großmannssucht, schrieb Tagebücher, die er mit„Dr. August Tomsik“ unterzeichnete, wollte auf alle Fälle von sich reden machen, weshalb er mehrmals den Entschluß saßte, einen aussehenerregenden, grauenhaften Selbstmord zu begehen. Hervorstechend war sein Hang zur Grausamkeit. Deshalb wurde er auch von seiner Geliebten abgewiesen. Interessant ist, daß er zu seinen Gräueltaten durch die Lektüre von Schundliteratur, namentlich einer blutigen Schilderung der„Fort Chabrol"=Affäre in Paris, angergt wurde. Er hat die Tat mit voller Ueberlegung ausgeführt, tags zuvor hatte er sogar Brot und Wurst in dem Kirchturm versteckt, um Proviant für längere Zeit zu haben. ( Die Braut erstochen, weil er sie wegen Krankheit nicht heiraten konnte. In Berlin erstach der 23jährige Tischler Plüschke seine 20jährige Braut mit einem Taschenmesser und verletzte die hinzueilende Mutter durch Stiche schwer. Plüschke vergistete sich dann mit Kleesalz. Das Mädchen wollte die Verlobung mit Plüschke aufgeben, weil dieser krank war. Plüschke hatte auch eingewilligt, doch als er das Mädchen in Begleitung eines andern sah, überfiel ihn rasend Wut, er stürzte sich auf die Geliebte und stieß ihr das Taschenmesser ins Herz Hitze in Deutschland, Kälte in Frankreich. Während in Deutschland im allgemeinen hochsommerliche Temperatur herrscht, die beispielsweise bei der Fronleichnamsprozession in Nürnberg zu MassenOhnmachtsanfällen führte, herrscht in Frankreich em“ pfindliche Kälte, die in der Gegend von Charolles Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Aug. König. 32 Der Graf und der Bankier stiegen eine enge. steile Treppe hinauf, der Graf öffnete eine Tur, und ließ seinen Begleiter in ein hübsch, aber einfach ausgestattetes Zimmer eintreten. „Nehmen Sie Platz,“ sagte er, auf den Diwan deutend,„Sie dürfen sich nicht mit prüfendem Blick umschauen, der Ordnungswut meiner Hauswirtin habe ich einen Riegel vorgeschoben, ich will mir nicht meine Papiere durchstöbern lassen.“ „Sie werden triftige Gründe haben, das zu verhüten,“ spottete Eduard, den Blick fest und durchdringend auf ihn heftend,„der Kellner Joseph Cundel wird bereits steckbrieflich verfolgt.“ Graf Morray prallte zurück, als ob ein Blitzstrahl vor ihm niedergefahren sei; mochte er auch auf unliebsame Eröffnungen gefaßt gewesen sein, — das hatte er nicht erwartet. Gleichwohl fand er bald seine Fassung wieder, das Blut schoß ihm jäh in die Wangen, ein Zornesblitz zuckte aus den halbgeschlossenen Augen. „Was wollen Sie damit sagen?“ fragte er scharf.„Was habe ich mit jenem Kellner zu schaffen?“ Eduard hatte die Wiener Zeitung aus der Tasche geholt. 74 „Lesen Sie die amtlichen Bekanntmachungen,“ sagte er, indem er dem Grafen das Blatt überreichte. Das Signalement stimmt ganz genau.“ Graf Morray hielt den starren Blick lange auf den Steckbrief geheftet, dann warf er das Blatt auf den Tisch. „Ich begreife nicht, wie Sie den Steckbrief auf mich beziehen können,“ erwiderte er zornig.„Es ist allerdings nicht schmeichelhaft für mich, daß ich mit diesem Kellner Aehnlichkeit habe, aber man findet das ja häufig, ich selbst bin schon eiumal einem Doppelgänger begegnet, der eine ganz frappaute Aehnlichkeit mit mir hatte.“ Ein ironisches Lächeln umzuckte die Lippen Eduards, während er die Zeitung zusammenfaltete. „Sie werden mich durch solche landläufige Redensarten nicht irreführen,“ sagte er achselzuckend. „Erinnern Sie sich, daß ich Ihnen bereits einen Wechsel diskontiert habe, und Sie werden begreifen, daß es nun in meinem Interesse läge, die hiesige Behörde auf diesen Steckbrief aufmerksam zu machen.“ „Herr, wenn Sie das wagen—“ „Lassen Sie mich ausreden, Herr— Graf. Sie würden mir beweisen müssen, daß Sie in der Tat der Graf Stefan Morray sind, und daß Sie in Ungarn die Güter besitzen, von denen Sie bei jeder Gelegenheit reden. Diesen Beweis zu fordern bin ich als Ihr Gläubiger berechtigt und auf Grund dieses Steckbriefs könnte unsere Behörde Sie dazu zwingen. Ich werde das nicht tun. Sie sogar noch schützen und unterstützen, wenn Sie in meiner Hand ein gehorsames Werkzeug sein wollen.“ Das feste energische Auftreten des Bankiers verfehlte den beabsichtigten Eindruck nicht, der Graf wanderte mit großen Schritten auf und ab und vermied es ängstlich, dem Blick Eduards zu begegnen. „Dieses Wiener Blatt ist hier wenig verbreitet,“ fuhr der letztere nach einer Pause fort,„gleichwohl kann es in die Hände eines Beamten fallen, der Sie kennt, dann wird die Farbe Ihres Haares zum Verräter an Ihnen. Mein Kommis machte mich heute vormittag auf den Steckbrief und auch zugleich auf Sie aufmerksam, ich habe ihm Verschwiegenheit befohlen, er wird schweigen, weil er von mir abhängt. Haben Sie viele Bekannte hier?“ „Nein,“ erwiderte der Graf, indem er stehen blieb und mit finsterem Blick durch das Fenster schaute. „Sie müssen verschwiniden und in einer anderen Gestalt zurückkehren.“ „Unter anderen Namen? Meine Papiere sind in Ordnung; wollte ich einen anderen Namen führen, so müßte ich einen Paß haben, der auf ihn lautet.“ „Könnten Sie dieses Papier sich nicht verschaffen?“ „Nein.“ „Na, dann müssen Sie Ihren Namen behalten,“ sagte der Bankier nach kurzem Nachdenken. „Weshalb sollte es nicht zwei Grafen Morray geben können? Vettern vielleicht, die eine gewisse Familienähnlichkeit miteinander haben? Sie sind noch nicht lange hier, und wie Sie sagen, wenig bekannt, die Kreise, in denen Sie bisher verkehrt haben, müssen Sie meiden, in der großen Stadt kann Ihnen das nicht schwer fallen.“ Graf Morray hatte sich in einen Sessel geworfen, er holte sein Etni aus der Tasche und zündete sich eine neue Zigarre an. „Wollen Sie mir sagen, was Sie von mir verlangen?“ fragte er mit heiserer Stimme.„Die Richtigkeit Ihrer Vermutungen erkenne ich keineswegs an, aber es wäre möglich, daß Ihre Pläne mir zusagten, in diesem Falle ließe sich vielleicht ein Bündnis schließen, das natürlich auf Gegenseitigkeit beruhen müßte.“ „Gegen diese letztere Bedingung läßt sich nichts einwenden," nickte Eduard,„ich habe Ihnen schon gesagt, daß ich in diesem Falle Sie schirmen und beschützen werde, außerdem eröffne ich Ihnen, wenn Sie es richtig anzugreisen wissen, eine Goldgrube, aus der Sie mit vollen Händen schöpfen könnten. Spielen Sie?“ „Leidenschaftlich!" „Verstehen Sie auch das„Corriger la fortune?“ „Diese Frage ist beleidigend,“ fuhr der Graf auf. „Keineswegs, ich muß klar sehen, um meinen Plan entwerfen zu können. Sie werden mit einem reichen Herrn bekannt werden, der früher ein leidenschaftlicher Hasardspieler war; es ist mein Wille ihn zu ruinieren.“ „Finanziell?“ „Nicht das allein, auch moralisch, er hat mich tötlich beleidigt, ich hasse ihn. Aber er darf nicht erfahren, daß ich hinter Ihnen stehe, Sie müssen, wenn die Rede darauf kommen sollte, jede Bekanntschaft mit mir leugnen, erfährt er die Wahrheit, so werden Sie Ihren Zweck nie erreichen. Zudem müssen Sie es außerordentlich sein anfangen, um keinen Argwohn in seiner Seele zu wecken, nur langsam, Schritt für Schritt, dürfen Sie ihn auf der gefahrvollen Bahn vorwärts führen, bis er in den Abgrund hinunterstürzt. Der Herr ist ein Edelmann aus alter, hochangesehener Familie, er wird nach zwei Jahren ein Majorat erben, steht aber augenblicklich noch unter Vormundschaft seines Onkels, den er haßt. Sie werden sich als ungarischer Graf in diese Familie einführen und das Vertrauen und die Freundschaft des jungen Herrn zu erwerben suchen; wenn Sie das erreicht haben, so beginnen Sie ungesäumt mit der Ausführung meines Planes, über den ich alsdann Ihnen noch weitere Instruktionen geben werde. Glauben Sie, das zu können?“ „Ich kann, was ich will,“ erwiderte der Graf, der mit gespannter Aufmerksamkeit zugehört hatte. „Ich mache Sie aber auch darauf aufmerksam, daß ich, um in einer solchen adeligen Familie standesgemäß auftreten zu können, mit den nötigen Mitteln versehen sein muß; werden Sie mir diese geben?“ „Meine Unterstützung richtet sich nach Ihren Leistungen,“ sagte Eduard ausweichend,„ich wiederhole Ihnen, daß die moralische Vernichtung mein glühendster Wunsch ist—“ „Was verstehen Sie unter moralischer Vernichtung?“ unterbrach der Graf ihn, erwartungsvoll aufblickend. „Die Verübung eines Verbrechens;“ 214,16 6 Grad unter Null erreichte. Der größte Teil der Ernto in jener Gegend ist vernichtet. 1 Spielerwahnsinn nannte der Verteidiger des wegen Unterschlagungen von etwa 120 000 Mark an“ geklagten Direktors Dr. Seeger der Berlinischen Lebensversicherungsgesellschaft die Leidenschaft seines Klienten. Seeger sei von der Spielleidenschaft so besessen gewesen, daß ihm das Schätzungsvermögen für die von ihm unterschlagenen Summen völlig abhanden gekommen sei. Das Gericht verurteilte Dr. Seeger zu 2 Jahren und 3 Monaten Gesängnis. )( Soethe=Denkmal in Chilago. Der deutsche Botschafter Graf Bernstorff ist von Washington in Chikago eingetrossen, wo die feierliche Enthüllung eines Goethe=Denkmals stattfindet. Der Botschafter hält dabei eine Ansprache und legt im Auftrage des Großherzogs von Sachsen=Weimar einen Kranz an dem Denkmal nieder. 1( Die Westminster=Abtei und der heilige von Score. Die Westminster=Abtei in London, Englands berühmteste Kirche, in der die Suffragetten ein so gemeines Bombenattentat verübten, birgt die Ueberreste der meisten englischen Könige und auch der Dichter und Denker. Shakespeare liegt hier, Walter Scott, Thomas Moore und andere. Der „Stein von Score", der ebenso wie der auf ihm stehende Krönungsstuhl durch die Bombenexplosion nur leicht beschädigt wurde, ist der Sage nach derselde Stein, auf dem einst der Erzvater Jakob sein Haupt zur Ruhe bettete, als er den Traum von der Himmelsleiter hatte. Fast alle englischen Könige sins auf diesem Stein gekrönt worden.— Auch nach dem Attentat in der Westminster=Abtei wird die englische Regierung keine rerschärften Maßnah ren gegen die Sujfragetten ergreisen, sie lehnte sogar ab, die Suffragetten, die den Hungerstreik aufnahmen, ihrem Schicksal zu überlassen. Sie erklärte sich nur bereit, gegen jene, die die Suffragetten durch Geldmittel unterstützen, vorzugehen. Es ist also noch manche Schandtat der Suffragetten zu erwarten. 465Volkswirtschaft. Zur Hypothekennot des städtischen Hausbesitzes. Mit der Hypothekennot des städtischen Hausbestpes in den beiden letzten Jahren beschäftigt sich ein Erlaß des preußischen Landwirtschaftsministers an die Regierungspräsidenten in Breslau, Köln, Hildeoheim, Königsberg i. Pr. und Wiesbaden, sowie den Poltzetpräsidenten in Berlin. Er bezweckt eine Förderung der unkündbaren erststelligen Tilgungshopothek in den Städten. Die Tilgungshypothek ist im ländlichen Grundbesitz schon lange anerkannt. Die städtischen Hausbesitzer rechnen immer noch mit der salschen Annahme, daß der Bodenwert bei städtischen Hausgrunkstücken ständig wachse, so daß das Sinken des Hauswertes durch das Steigen des Bodenwertes auspeglichen werde. Die letzte Stockung hat den Irrtum jener Ansicht von neuem widerlegt. Zur Stellung von Tilgungshypotheken sind vor allem diie Hypothekenbanken berusen. Der Minister hofft auf deren Mitwirkung, wenn auch bisher sich nur vereinzelte der städtischen Tilgungshypothek mit Erfolg angenommen haben. Die Tilgung soll aber nicht zu spät beginnen. Veimischtes. Wohnungsgeldzuschuß. Seine amtliche Stellung hatte er bis zum 6. Dezember 1913 inne, an welchem Tage er wegen Verdachts der Spionage verhaftet wurde. Es wird ihm zur Last gelegt, daß er im Inlande und Auslande vorsätzlich Schriften, Bücher und andere Gegenstände, deren Geheimhaltung im Interesse der Landesverteidigung erforderlich ist, in den Besitz und zur Kenntnis des russischen Nachrichtendienstes hat gelangen lassen, obwohl er wußte, daß dadurch die Sicherheit des Deutschen Reiches gefährdet wurde. Der Angeklagte wurde wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu fünfzehn Jahren Zuchthaus und 10 000 Mark Geldstrase, eventuell zu weiteren acht Monaten Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Außerdem wurde Polizeiaussicht für zulässig erklärt. Der beim Angeklagten beschlagnahmte photographische Apparat wird eingezogen. Auf die erkannte Strafe werden zwei Monate der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. = Die ersten Briefkasten wurden 1824 in Preuken eingeführt, nachdem der damalige GeneralPostmeister Nagler hierzu durch besonder: Kabinettsorder des Königs Friedrich Wilhelm III. die Genehmigung erhalten hatte. Im Reichs=Postmuseum ist jetzt ein auf Grund alter Zeichnungen und Beschribungen naturgetreu nachgebildetes Modell dieser ältesten preußtschen Brieskasten ausgestellt worden. Sie bestanden damals noch aus Holz, waren weiß gestrichen und trugen auf der Vorderseite ein Plakat„Verhaltungsmaßregeln". Durch diese besondere Anweisung über die Benutzung des Kastens sollte vermieden werden, daß andere als unfrankierte Briefe hineingelegt wurden. Denn alle zu frankierenden Briefe mußten damals noch am Postschalter abgegeben werden. = Ein Vermächtnis, das keins ist. Der„Saalezeitung" wird aus Weida geschrieben: Ein Vermächtnis, dessen großen Segen allerdings erst spätere Geschlechter genießen werden, hat Bürgermeister Seyserth an seinem 60. Geburtstage ausgesetzt. Er stiftete den Betrag von 200 Mark mit der Bedingung, daß die Zinsen und Zinseszinsen bis zum Jahre 2254 ausgespart werden. Am 29. Mai 2254 sollen von den gesammelten Zinsen 70 Prozent der Gemeind=kasse zur freien Verfügung der Gemeindebehörde überwiesen werden. Die verbleibenden 30 Prozent sollen für die weitere Zukunft ein Stammkapital bilden. Dieses Stemmkapital soll in gleicher Weis: wie das Grundkapital verzinslich angelegt und die Zinsen, möglichst nicht unter vier Prozent, dem Kapital zugeschlagen werden bis zum 1. Januar 2354. Am 29. Januar 2354 sollen die gesammelten Kapitalien, abzüglich 30 Prozent Stammkapital, zur freien Verfügung der Gemeindebehördeen der Gemeindekasse überwiesen werdem Die zurückgehaltenen 30 Prozent werden dann immer wieder auf weitere 100 Jahre, am 29. Januar 2434 usw., angelegt, und der vom Stammkapital erzielte Gewinn der Stadtkasse unter gleichen Bedingungen wie die 70 Prozent zugeführt. Der Gemeinderat nahm das Vermächtnis, das in 800 Jahren auf 25 Millionen Mark angewachsen sein wird, mit besonderem Danz an. 15 Jahre Zuchthaus für einen Vaterlandsverräter. Mit einem umfangreichen Spionage=Unternehmen zugunsten Rußlands hatte sich das Reichsgericht zu beschäftigen. Angeklagt des vollendeten Verrats militärischer Geheimnisse war der Provinzialbureau=Assistent Max Rosenfeld. Der Angeklagte ist verheiratet und war zuletzt in Königsberg i. Pr. wohnhaft. Erschienen sind neun Zeugen und Sachverständige, darunter mehrere höhere Offiziere und gewissermaßen als Hauptperson der frühere Vizewachtmeister Dobinoki, welcher als Untersuchungs=Gefangener vorgeführt wurde. Dobinski hatte bereits eine militärische Dienstzeit von zwölf Jahren hinter sich und den Zivilversorgungsschein in der Tasche. Er ist es, den der Angeklagte Rosenseld angestiftet hat, ihm bei seinem landesverräterischen Treiben behilflich zu sein. Dobinski ist bereits vom Kriegsgericht zu fünfzehn Jahren Zuchthaus und Nebenstrasen verurteilt worden. Auch Rosenfeld war im Besitz des Zivilversorgungsscheines und wurde am 25. November 1911 in der Provinzialverwaltung in Königsderg als Hilfsschreiber angestellt. Er birzog in dieser Stellung zuletzt ein Gehalt von 2280 Mark nebst 300 Maik Die Ruckkeor der Anitaniin=Vivision. Nach halbjährlicher Abwesenheit kehrt die Atlantik=Division wieder in die Heimat zurück. Den beiden Lnienschifen„Kaiser" und„König wird in absehbarer Zeit der Kreuzer„Straßburg". der zunächst in Westindien geblieben ist, folgen, denn ein dauernder Aufenthalt dieses Schisses im Auslande ist zunächst nicht in Aussicht genommen. Die drei deutschen Schiffe haben zur Erprobung ihrer maschinellen Einrichtungen eine Reise unternommen, wir sie bisher niemals von deutschen Kriegsschiffen ausgeführt worden ist. Im ersten Drittel des Dezembers vorigen Jahres traten sie die Ausresse an. Die Fahrt ging zunächst nach der westafrikanischen Küste, wo die deutschen Schutzgebiete Togo, Kamerun und Südwestafrika besucht wurden. Dann ging die Fahrt quer über den südlichen Teil des Atlantischen Ozeang nach Südamerika, und dann durch die Magelhaens=Straße nach der Westküste Südamerikas längs der chilenischen Küste. In Südamerika wurden zahlreische Häsen Brasiliens, Argentiniens, Chiles und Aruguay besucht, und die Aufnahme, die die deutschen Schüffe überall, bei den deutschen Landsleuten in ferner Welt und bei den amtlichen Vertretern der besuchten Länder gefunden haben, steht einzig da. Von Süddrasisien ging dann die Rückreise wieder über dn Ozean nach den Kapverdischen Inseln und Madeira. Noch vor Beginn der Kieler Woche dürsten die Schisse wieder in Kiel sein. Die ganze Reise der Division hat das Ansehen des Deutschen Reiches in Westafrika und Südamerika erheblich gesördert und den Respekt vor den Leistungen der deutschen Marine gehoben. Wetterbericht der Deutschen Seewarte.#] 16. Juni: Vielsach heiter, warm. 17. Juni: Schön, warm, heiter. 18. Juni: Sommerlich warm, schön, heiter. 19. Juni: Wolkig mit Sonnenschein, warm.7 20. Juni: Sommerlich warm, heiter. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte Preise Deine Ware nicht nur mundlich. sondern auch durch Inserate an, denn was Du schwarz auf weiß gibsi, das kann man nicht vergessen! Der Kampf um das Mazorat. Roman von Ewald Ang. König. 33 „Eines Verbrechens, das ihn zur Auswanderung zwingt, oder ins Zuchthaus bringt,“ nickte der Graf.„Ich verstehe, der Vormund will das Majorat behalten, ist es nicht so?“ „Möglich, aber mir selbst liegt wenig daran, wer Eigentümer des Masorats wird, wenn nur der Verhaßte ausgeschlossen bleibt. Und nun frage ich noch einmal, wollen Sie das übernehmen? In der Sache selbst behalten Sie freie Hand, ich verlange nur, daß Sie mir von Zeit zu Zeit Bericht erstatten und mit mir beraten. Es wäre vielleicht möglich, ihn zum Duell zu bringen, in dem er alsdaun fallen müßte—“ „Würde dadurch Ihr Haß befriedigt? Größere Befriedigung müßte es Ihnen gewähren, wenn dieser reiche Erbe arm und elend im Zuchthaus oder in der Fremde sein Dasein kümmerlich fristete. Mir scheint, der Vormund steht im Hintergrund—“ B „Keineswegs!“ fuhr Ednard mit scharfet Betonung fort.„Wenn er auch indirekt unseren Plänen Vorschuh leistet, so darf er doch von Ihnen nichts wissen, vergessen Sie das nicht, jede Anspielung darauf würde unangenehme Folgen für uns haben. Ich gebe zu, daß dieser Vormund den Wunsch haben mag, das Majorat zu behalten, aber audererseits würde die Schande des Nessen auf den Namen der Familie zurückfallen, und Sie werden begreifen, daß dies dem adelsstolzen Edelmann nicht wünschenswert sein kann.“ Graf Stephan Morray lächelte sarkastisch, er durchschaute den ganzen Plan, die Erklärungen des Bankiers fanden bei ihm keinen Glauben. will es übernehmen,“ sagte er.„Werden Sie nnn meinen Wechsel diskontieren?“ „Zweitausend Gulden? Nein! Stellen Sie ihn auf fünfhundert Gulden aus und versprechen Sie mir, dieses Geld in unserem Interesse zu benutzen, so werde ich es Ihnen aus zahlen, sobald Sie jener Familie Ihren Besuch machen. Natürlich müssen Sie Ihre Wechsel wieder einlösen, wenn. Kasse es Ihnen erlaubt, Sie haben ja allein den Gewinn, ich gebe Ihnen die Versicherung, daß es ein großer Gewinn sem wird. Stellt der junge Herr Ihnen Wechsel oder Schuldscheine aus, so werde ich diese honorieren, Sie haben also auch nach dieser Seite hin volle Sicherheit; können Sie ihn verleiten, einen Wechsel zu fälschen, so zahle ich Ihneu dafür den vollen Betrag. Wir reden darüber noch später ausführlicher, vor allen Dingen müssen wir nun sorgen, daß Sie hier in voller Sicherheit verweilen können. Sind Ihre Papiere echt?“ „Echt und in bester Ordnung,“ nickte der Graf. „Ich besitze einen Paß, welcher von mehreren Konfuln visiert ist, und die Besitztitel meiner Güter—“ „Die natürlich im Monde liegen!" „Bitte, keine Beleidigungen!“ „Nein, nein, wir verstehen uns jetzt, ich werde mich bemühen, alles fernzuhalten, was eine Disharmonie hervorrnfen könnte. Die unglückliche Farbe Ihres Haares muß beseitigt werden—“ „Wodurch? Ich mag keine Perücke tragen! Den Bart könnte ich scheren lassen.“ „Nicht doch, das würde Sie verdächtig machen. Man würde nachforschen, weshalb Sie diese Aenderung vorgenommen haben, und Sie blieben trotzdem noch immer kenntlich. Ich hoffe, ein Mittel zu finden, mit dem man die Haare dauernd färben kann, müßten Sie dieses auch jeden Tag anwenden, so würde Ihnen dies noch nicht so lästig sein, als wenn Sie eine Perücke tragen sollten. Diese Wohnung müssen Sie verlassen, sagen Sie Ihrem Hauswirt, Sie reisen nach Ungarn zurück, und fahren Sie heute noch mit der Eisenbahn nach D., wo Sie im„Kaiserlichen Hof“ absteigen. Ich komme morgen früh nach und treffe im Hotel mit Ihnen zusammen, um Ihnen das Haarfärbemittel zu bringen, das Sie selbst nicht kaufen dürfen. Sie müssen sich ferner andere Garderobe auschaffen, da man Sie in dem Anzug, den Sie jetzt tragen, zu häufig hier gesehen hat. Haben Sie nicht viele und intime Bekannte hier, so wird die Metamorphose vollständig gelingen, Sie treten als anderer Graf Morray auf und suchen eine Wohnung, die den Auforderungen Ihres Standes entspricht. Ich werde Ihneu, wenn dies alles geschehen, weitere Instruktionen geben, auch bezüglich des Vorwands, unter dem Sie der betreffenden Familie Ihre Aufwartung machen können. Sind Sie damit einverstanden?“ „Vollständig!“ „So reisen Sie also heute abend ab?“ „Ganz. wie Sie wünschen!" Eduard nickte befriedigt und erhob sich, noch einmal schweifte sein Blick prüfend durch das Zimmer, während er seinen Paletot zuknöpfte. „Was auch in der Folge geschehen mag. Sie werden die Unterredung, die wir jetzt gehabt haben, unter allen Umständen verschweigen,“ sagte er,„die Verantwortung für alles, was Sie in dieser Angelegenheit tun, müssen Sie allein übernehmen; sollten Sie sich jemals auf das Bündnis mit mir berufen, so werde ich Sie desavonieren.“ „Ich kann mir das denken,“ spottete der Graf, der wieder auf= und niederwanderte,„Sie wollen natürlich der Ehrenmann bleiben—“ „Allerdings, Sie dagegen haben nichts zu verlieren,“ fuhr Eduard mit scharfer Betonung fort, „Ihnen kann ja am Ende wenig daran liegen, ob Ihr Sündenregister etwas länger wird. Auf Wiedersehen morgen in D.“ „Ichwerde dort sein,“ nickte der Graf, und nach kurzem Gruß ging Eduard hinaus. Die Frage, die ihm so viel Kopfzerbrechen gemacht hatte, war nun gelöst; er sagte sich wohl mit Recht, er habe keinen besseren Verbündeten finden können, als diesen Abenteurer, der durch sein aristokratisches Auftreten und sein feines Benehmen jeden bestechen mußte. Es war sehr wahrscheinlich, daß Baron Dagobert mit seiner inneren Unzufriedenheit und seinem Groll gegen den Vormund sich an diesen Mann anschloß, er besaß ja keinen Freund, dem er seinen Aerger und seine Sorgen anvertrauen konnte, und gelang es dem Grafen, das volle Vertrauen des Barons zu gewinnen; so hatte er leichtes Spiel mit ihm, das wußte Eduard aus Erfahrung. Er blieb an mehreren Friseurläden stehen, um sich nach einem Haarfärbemittel umzuschauen, und so gelangte er endlich vor das Schaufenster des Friseurs Burger, bei dem er augenblicklich fand, was er suchte. Ohne Zögern ging er hinein, aus dem oberen Stockwerke schallten laute Stimmen und frohes Lachen herunter. Ein Mädchen wollte ihn bedienen, er verlangte den Geschäftsinhaber selbst zu sprechen, einige Minuten später kam der Friseur in Frack und weißer Weste mit hochrotem Gesicht die Treppe herunter. „Habe die Ehre,“ schuarrte er mit einer Verbeugung,„womit kann ich dienen?“ „In Ihrem Hause geht es ja lustig zu,“ scherzte der Bankier. „Auf meine Kosten, jawohl, die Geschichte reißt mir ein böses Loch in den Geldbeutel, aber ich habe ja nur das eine Kind, und das feiert heute Hochgei: „Da gratuliere ich. Hoffentlich eine gute Partie?“ „Danke, ja, wie man es nimmt,“ erwiderte Burger, an den Spitzen seines Knebelbartes drehend. „Ein braver Mann, kein Vermögen, die jungen Leute werden sich plagen müssen, aber dafür sind wir ja auf der Welt.“ „Nicht alle!“ „Nein, nicht alle. Sie haben recht. Aber die, denen die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, haben auch nicht immer, was sie wollen, von Sorgen bleibt keiner verschont, der eine hat sie in die###, der andere in jener Weise.“... 214,16, 8— Bgang P#83 .••% S## S88".* 8 Sö S„" 952" SBJnn Gr ****0„* a * 2 3* a 8 ** sie aber um ihrer Größe willen nie tragen konnte, so hat er sie für Kinder und Kindeskinder als Andenken an sein erstes Hoftheatergastspiel aufgehoben. Aus alter Zeit. Ein Wunder. Als Lord Wolseley die englischen Truppen im Sudankriege befehligte, unterhielt sich einer seiner Offiziere, der ein Glasauge hatte, eines Tages mit einem Gefangenen, einem glühenden Anhänger des Mahdi.„Weshalb glaubst du an den Mahdi?“ fragte der Offizier.— Ich glaube an ihn,“ antwortete der Mann,„weil er Wunder tun kann.“ Sogleich nahm der Offizier sein Glasauge heraus, warf es in die Luft, sing es wieder auf und tat es an seinen alten Platz.„Kann das der Mahdi auch?“, fragte er. Der Gefangene erblaßte, zitterte und war keiner Antwort fähig. Der Eroberer von San Fernanda. Das Kastel San Fernando ward am 15. September 1779 durch die Besatzung der englischen Fregatte Charon mit Sturm erobert. Die Engländer machten dort eine Beute von 250 Zentner Quecksilber und drei Millionen Piaster. Bei diesem Sturm erkletterte zuerst ein engli cher Matrose, mit zwei kurzen Schwertern in den Händen, den Wall. So bewaffnet stieß er auf einen spanischen Offizier, der, vom Schlafe aufgeschreckt, in der Eile und Bestürzung seinen Degen zurückgelassen hatte. Der Matrose wollte seinen Vorteil gegen einen Unbewassneten nicht benutzen, er reichte ihm eines der Schwerter mit den Worten:„Da, nimm und wehre dich!“ Diese ritierliche Großmut setzte den Spanier in Erstaunen; es wurde dadurch eine friedliche Unterhandlung eingeleitet. Der Offizier war der Adjutant des Kommandanten und durch denselben wurde die Übergabe des Forts ohne großes Blutvergießen herbeigeführt. Der Naturfreund. S Pn schnatter schwamm sie mit den Entchen auf und ab. Sobald diese an der Wasserpromenade genug hatten, brachte die Gans sie der Henne zurück. Am nächsten Morgen fanden sich die Enten wieder bei dem Teiche ein. Die Gans nahm sie in Empfang, und die Henne geriet abermals in große Unruhe. Wieder kam die Gans, und plötzlich hüpste die Henne auf ihren Rücken und begleiteet so ruhig sitzend die den Teich auf und nieder schwimmenden Entchen. Dies geschah nicht ein vereinzeltes Mal, sondern Tag für Tag stieg die Henne an Bord der Gans und folgte höchst zufrieden und vergnügt ihren Entchen. Diese Fahrten dauerten bis die Entchen verständig geworden und der vereinten Obhut der Gans und der Henne nicht mehr bedurften. Jugendecke. Goldene Schulregeln. In den Büchern Eselsohren, Feder, B'eistift stets verloren, Kleiner Freund, schnell bess're dich, Sonst heißt's: Bruder Liederlich! „Nachsitzen!“ Wer viel nachsitzt, der bekommt's zu spüren: Im Leben wird er schwerlich je den Vorsitz führen. Das bezauberte Wasser. Daß ein umgekehrtes leeres Glas einen Teller voll Wasser austrinkt, scheint unglaublich, und doch geht es ganz natürlich zu. Man gießt ungefähr ein halbes Glas Wasser(nicht zu viel) auf einen tiefen vorzellanenen Suppenteller, hält unter ein umgekehrtes Wasserglas einen brennenden Wachsstock, damit durch die Hitze die Luft im Glase verdünnt werde, und stürzt das Glas, sobald die Luft in demselben hinlänglich erwärmt ist, schnell auf den Teller. Das Wasser wird sich zu allgemeinem Erstaunen in das Glas ziehen. Eine blaue Quelle. In der Nähe von Oberaudorf, zwei Stationen von Kufstein in Tirol, kommt im Mühlgraben eine Quelle zum Vorschein, die sich in dem lockeren Boden ein kleines Bassin ausgewühlt hat, worin das Wasser von einem so herrlichen und kräftigen Blau, daß bereits viele Leute gemeint haben, diese auffallende Farbe müsse von blauem, am Boden liegenden Gestein herrühren, aber sobald man dasselbe an die Oberfläche bringt, erscheint es rein weiß. Es kommt die Erscheinung daher, daß das Wasser fast ganz rein von fremden, namentlich färbenden Stoffen ist, denn die naturliche Farbe des reinen Wassers ist die blaue, die wahrgenommen wird, sobald das Wasser in genügend dicken Schichten betrachtet werden kann. Die Freundschaft der Gans. In einer Mühle lebte eine alte Gaus einsam für sich. Da geschah es, daß die Müllerin einer brütenden Henne eine Anzahl Enteneier unterlegte, die denn auch von ihr in gehöriger Zeit mit ausgebrütet wurden. Sowie die kleinen Enten im Freien erschienen, führte ihr Instinkt sie ins Wasser, und darüber geriet die Henne in schreckliche Verlegenheit. Mutterliebe trieb sie ihren Jungen nach, und Selbstsucht hielt sie auf dem Lande fest. Plötzlich kam die Gans herbeigesegelt, und nach einem lärmenden GeGemeinnütziges. Der Schlaf in der Eisenbahn. Man hat sich so zu legen, daß der Kopf gegen die Lokomotive gerichtet ist. In dieser Lage wird das Blut durch die Bewegung des Zuges aus dem Kopfe getrieben, was einen leichteren Schlaf verschafft. Wenn man dagegen die Füße gegen die Lokomotive richtet, so strömt das Blut aus dem Unterkörper nach dem Kopfe, verscheucht den Schlaf und bringt in vielen Fällen heftige Kopfschmerzen hervor. Fettflecke in Büchern. Um Fettflecke aus Büchern und Papier zu entfernen, mischt man Benzin mit gebrannter Magnesia, bis ein krümeliger Brei entsteht. Doch muß man darauf achten, diese Mischung nicht bei offenem Lichte vorzunehmen.— Die Flecken werden mit der Masse behutsam abgerieben und die Krumen abgeklopft. Noc frische Flecken werden sofort verschwunden sein, ältere muß man mehrmals auf diese Weise behandeln. Entfernung von Kesselstein. Kesselstein läßt sich aus Teekesseln und ähnlichen Gesäßen entsernen, indem man eine Mischung von einem Teil Salzsäure und zwei Teilen Wasser in den Kessel gießt und darin hin und her schüttelt. Die Salzsäure geht mit dem Kesseistein, der weiter nichts ist als der Kalk des Wassers, eine Verbindung ein und löst letzteren dadurch ab. Ein sorgfältiges Nachspülen des Kessels bezw. des Geschirs mit heißem und kaltem Wasser darf nicht unterlassen werden. Fußbäder gegen Eine geringe Heiserkeit, die nicht selten den Menschen befällt, verliert sich in der Regel bei ruhigem Verhalten von selbst, doch ist es zweckmäßig, zuweisen vor dem Schlafengehen ein Fußbad zu nehmen. Heiserkeit schwerer Form verlangt jedoch die strengste Ruhe, und der Kranke muß sich allen Sprechens enthalten, denn nur in diesem Falle ist an eine Heilung zu denken. Bei ernsten Fälleu muß natürlich der Arzt zu Rate gezogen werden. Humor Eine gute Antwort. Ein berühmter englischer Chemiker war einmal als Sachverständiger in einem Kriminalprozeß vorgeladen, und der Präsident des Gerichtes fragte ihn bei der Vernehmung, ob er ihm sagen könne, wie viel Arsenik notwendig sei, um eine Fliege umzubringen? Der Sachverständige erwiderte:„Ich kann dies allerdings angeben; allein ich muß zuvor das Alter der Fliege, ihr Temperament, ihre Leibesbeschaffenheit und ihre Lebensgewohnheiten kennen. Sobald ich über diese Punkte unterrichtet bin, werde ich Ihre Frage beantworten. Ein Schlauberger. Ein hübscher Junge spaziert in den Laden eines Newyorker Drogisten hinein.„Ich möchte sechs Pfund Zucker, zu vier Cents das Pfund, haben, liest er von seinem Zettel ab.„Schön, entgegnete der Verkäuser,„das macht vierundzwanzig Cents.“— Elf Psund Reis zu sechs Cents das Pfund.—„Sechsundsechzig Cents.“—„Sechs Viertel Bohnen, zu sechszehn Cents das Quart.“ —„Sechsundneunzig Cents.“— Und in dieser Weise geht es fort. Drei Pfund Stocksisch zu soundsoviel, vier Pfund Tee, fünf Büchsen Tomaten, sieben Büchsen eingemachte Birnen, und zum Schluß sagt der Junge:„Geben Sie mir die Rechnung über alles. Der Sommis siellt die Rechnung aus und gibt sie dem Besteller mit der Frage, ob seine Mama ihm das Geld mitgegeben habe, oder ob der Betrag angeschrieben werden solle.„Meine Mama hat mich garnicht hergeschickt, sagt der Junge triumphierend, sobald er die Rechnung in der Hand hat,„es ist bloß meine Rechenaufgabe, die ich mir von irgend jemand machen lassen wollte. e Nahtrut bei geente Sphellt bier Belgg Mmintort= — 8 —— S S. # K#ss ### S 5 8— S S8n =E *. F.3•8 SS3g1SR „ K* 96 rggag, ES### S AT, " 5 Seiß . 2. 5 Amtliches Kreisblatt 46. Jahrgang O Grlies und Alteltes Cagesorgan des Kreiles. O haupt-Annoncenblat Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 131. Montag, 15. Juni 1914. Schiele nicht nach anderer Tür, Welch' ein Glück und welche Größe Aus und ein gegangen sei, Laß sie wandern, wie sie wandern. Sorge, daß du ohne Blöße, Deiner selbst gewiß und frei Aus der eig'nen trittst herfür, Und das andre laß den andern!" Auf der Hochzeitsreise. Roman von Arthur Achleitner. 1. Der D=Zug 50 Berlin—Verona jagte rasselnd durch das bayrische Inntal, das stellenweise noch von Schnee bedeckt war, der tirolischen Grenze entgegen. Schon ab Berlin war dieser Zug stark besetzt von Reisenden besserer Stände, die den Maienzauber in Bozen genießen wollten und froh waren, die Nachtfahrt von Berlin bis München hinter sich zu haben. Beschwerlich war diese Nachtfahrt im überfüllten Zuge, und auch aufregend für die Reisenden des direkten bayerischen Wagens Berlin—Meran durch ein Ereignis, das der Eigensinn eines Passagiers veranlaßt hatte. Wiewohl vom Schaffner gewarnt, hatte der Reisende auf dem Bremsersitz Platz genommen. Dort war der Mann eingeschlasen und infolge eines starken Stoßes, den der Wagen auf einer scharfen Kurve erlitten hatte, kopfüber auf den Korridor gefallen. Ein wahres Glück war es, daß der Mann nicht durch das breite Wagenfenster und aus dem Zuge geschleudert worden war. Immerhin hatte der Eigensinnige eine Kopfverletzung erlitten, durch die er eine Weile bewustlos blieb. Die Mitreisenden und der Schaffner hatten ihn in einem Abteil erster Klasse untergebracht, wo sich nur drei Reisende befanden, die bereitwillig Platz gemacht hatten. Einige Herren und eine Dame leisteten die Nacht über Samariterdienste, indem sie auf den Kopf des Verunglückten feuchte Kompressen legten, den Patienten nach Möglichkeit labten. Als der elegante Tourist wieder bei vollem Bewußtsein war, dankte er mit kurzen Worten für die freundlichen Bemühungen der Samariter. Dem Schaffner gegenüber weigerte er sich entschieden, die Fahrt nach Bozen zu unterbrechen. Bald nahm er seinen Eckplatz wie früher in dem besetzten Abteil zweiter Klasse wieder ein, wo er der hübschen Dame, seiner Pflegerin, verbindlichst dankte. Der nicht minder hübsche junge Mann nahm von ihr dankbar stärkende Tropfen an. Offensichtlich hatte die Dame starken Einfluß auf ihn gewonnen. Und als die zierliche Pflegerin mahnte, sich Ruhe zu gönnen und ein Schläfchen zu machen, da gehorchte der junge Mann sofort und schloß die Augen. Und bald war er eingeschlummert. Die Mitreisenden flüsterten leise über den Eigensinn des Patienten, mit einer Kopfverletzung die Fahrt fortzusetzen. Ein hagerer, glattrasierter Herr, der Erscheinung nach ein Gelehrter, zog die Taschenuhr und meinte, daß dem Schläfer nicht viel Zeit zur Ruhe gegönnt sei, denn in einer halben Stunde werde man die Grenze und Kufstein erreicht haben, die österreichischen Grenzer werden den Schlummer des Pa, tienten dienstlich stören müssen. Der Gelehrte fügte lächelnd bei:„Wie ja schon im grauen Altertum Ruhe und Behaglichkeit an der Grenze immer gestört worden ist!“ Die einfach und doch gediegen gekleidete Dame, die „Pflegerin“, fragte:„Wieso?“ Der Gelehrte führte aus, daß man im Altertum schon ein charakteristisches Mittel gekannt und angewandt habe, um bezüglich der Grenzen das— Gedächtnis für die Ortslage oder Gebietsgrenze zu stärken. Damit sich in Sparta die Knaben die Lage genau merkten, habe man die Jungens an den Grenzsteinen— gepeitscht, und der Erfolg war günstig zu nennen: die verhauenen Knaben haben sich die Grenzen, die Lage der Steine, lebenslang sehr gut gemerkt. „Die Dame rief:„Welche Grausamkeit! Gottlob ist derlei in der Gegenwart unmöglich, undenkbar!“ „Doch. Gnädigste!“ sprach der Professor,„es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die Bauern in den österreichischen Alpenländern noch heutzutage die Gepflogenheit haben, beim Setzen neuer Grenzsteine die Kinder der Anrainer an Ohren und Haaren kräftig zu schütteln, damit sich besonders die Knaben an die erinnern, wenn werden!" „Ist das möglich? Welche Barbarei!“ rief die Dame entrüstet. „Unbestreitbare Tatsache, gnädige Frau! Eine Autorität allerersten Ranges, Professor Hans Groß, erwähnt diese absonderliche und praktische Stärkung des Gedächtnisses ausdrücklich in seiner gediegenen„Kriminalpsychologie“! andere Kenner des alpinen Volkslebens bestätigen Gepflogenheit österreichischer Bergbauern! Besonders fühlend ist diese Gedächtnisstärkung allerdings nicht, Lage des neuen Grenzzeichens besser sie später als Männer danach gefragt Auch diese zartaber unbestreitbar— praktisch! Und für Bergbauern ist immer die— Praxis ausschlaggebend!“ Die hübsche Dame, namens Thekla Bentfeld, glaubte daran festhalten zu müssen, daß diese Stärkung des Gedächtnisses einer abscheulichen Mißhandlung armer Kinder gleichkomme und im Wege der Gesetzgebung zu beseitigen sei. Professor Dr. Schwarz schüttelte das kahle Haupt und erwiderte:„Auf dem von gnädiger Frau vorgeschlagenen Wege dürfte wenig zu erreichen sein! Übrigens ist es ziemlich einerlei, ob sich Bengels gegenseitig abbalgen, oder ob ihnen zur Stärkung des Gedächtnisses die Ohren und Haare von den Eltern und Nachbarn geschüttelt werden! Die Hauptsache bleibt immer der Besitz eines guten Gedächtnisses, das erstaunlich wenig Menschen ihr eigen nennen! Die Gedächtnisschwäche kann freilich verschiedene Ursachen haben. beispielsweise kann starkes Wundsieber die merkwürdige Gehirntätigkeit, Gedächtnis genannt, in erstaunlichem Maße beeinträchtigen; oder auch ein Unfall, wie wir ihn in verflossener Nacht erlebt haben!“.,„„ Der Gelehrte blickte auf den schlummernden Passagier, der leise stöhnte, von einem wüsten Traum gepeinigt zu sein cien... J zuumer felgenschmer, 9. „Kopfverletzungen bewitten immer sbigenschweie Veränderungen, ebenso heftiger Schreck, plötzliches Erwachen aus Schlaftrunkenheit und gewisse Vergiftungen! Als Mindestmaß der Gedächtnisstörungen ist es zu nennen, daß jemand, der eine erhebliche Kopfverletzung durch Sturz oder Hieb erlitten hat, zuweilen das Gegenteil von dem vorbringt, was er sagen wollte: auch Verwechslungen von Namen kommen: S Smp S S * 8 S 8 33— 00 S GOPGN GRGGOESTEI2 S 09 2 *„„ ## BB-SS-EgS SSSESESE S BBg IRGSSEES S SaEHSOESOTSSESS5 S =SÄABGEEE, ESUZEEEE 9 8 65 6 5# S 4E * GE * 8 85 S% B E * 8 # 5 G 8 E S * S* S S 2 * à 5 * 8 83 = 8 ** # c 3 * S 22 5 8 # 950 8 5 5 2 9.— * S 1. S 5 e h iH" 9 6*—„ S POEEHEEE S a#EE • Sa u kSSSR GSpTSN SGEPEE E8 S E SEETETEGuEG BEREGEEIEESSE ∆ * An dem Gespräche hatte sich ein Herr mit schwarzem Vollbarte und scharfem Blicke bisher nicht beteiligt, sein Interesse vielmehr der ihm seit gestern angetrauten jungen und anmutigen Gattin gewidmet mit liebkosenden Blicken. Doch die blonde, scheue Frau schien ängstlich bestrebt zu sein, das Geheimnis der— Hochzeitsreise im D=Zuge zu bewahren, sie wich den begehrten Blicken des Gatten aus und heuchelte Gleichgültigkeit. Der Ende der Dreißiger stehende Mann wendete sich etwas verstimmt ab und hörte nun dem Gelehrten zu, der schmunzelnd den Fall erzählte, wonach ein„blitzdummer" Mensch, der Diener eines spanischen Gesandten, im Fieber längere Unterredungen seines Herrn mit verblüffender Genauigkeit und Treue wiederholt habe. Darauf aufmerksam gemacht, hörte der Gesandte dem Diener zu mit wachsendem Staunen. Und der Herr machte den bisherigen Diener zu seinem— Sekretär, um sich diese bisher gar nicht geahnte, überraschende Intelligenz zu sichern. Der zum Sekretär besörderte Diener wurde gesund und war dann genau so„blitzdumm“ wie früher. Alles lachte in der Meinung, daß der Gelehrte einen Witz gemacht habe. Der schwarzbärtige„Ehemann seit gestern" rief dem Professor zu:„Den Fall erzählt Crimand de Caux als Tatsache!“ Überrascht wendete sich Professor Schwarz zum Schwarzbärtigen mit den Worten:„Sehr richtig! Ich bin nicht wenig erfreut und gehe wohl nicht irre, in dem belesenen Reisegenossen einen Kollegen zu vermuten! Professor Schwarz ist mein Name!“ Der Schwarzbärtige verbeugte sich leicht und erwiderte: „Mein Name ist Zieser! Ich bin aber keineswegs— Kollege, nur zufällig mit der besonderen Literatur über Stärke und Schwäche des Gedächtnisses vertraut! „Ah!“ staunte der Gelehrte,„kennen Sie vielleicht auch den schönsten Beweis für ein sogenanntes„doppeltes Bewußtsein“. „Wenn Sie den interessanten Fall„Brunner“ aus dem Jahre 1893 meinen, dann lann ich die Frage bejahend beantworten!“ Frau Bentfeld bat beweglich um Bekanntgabe dieses Falles. Jegliches Sprechen war inzwischen unmöglich geworden, da der D=Zug lärmend und zischend in den Bahnhof Kufstein einfuhr und dann auf dem zweiten Geleise hielt. Die Schaffner und Gepäckträger riefen durcheinander:„Kufstein! Dreißig Minuten! Zollrevision im Zuge! Großes Gepäck Revision in der Zollhalle. Und die österreichischen Zöllner (Finanzwachausseher) riefen:„Nicht aussteigen! Zollrevision vorher im Zuge!" Mehrere Finanzer stiegen in den Zug und nahmen die Zollrevision in der Weise vor, daß sie, von Abteil zu Abteil gehend, die Reisenden fragten, ob zollpflichtige Waren im Handgepäck seien, Zigarren und Zigaretten über die erlaubte Anzahl mitgeführt würden. Einer der Finanzer war an der Türe des starkbesetzten Abteiles zweiter Klasse erschienen und hatte ohne es zu wollen, die Beine des schlummernden Patienten berührt. Erschreckt fuhr dieser auf. schlaftrunken glotzte er den Zöllner an, der höflich bat, steuerpflichtige Sachen, Zigarren von mehr als zehn Stück verzollen zu wollen. Der Patient holte ein Kistchen Zigarren hervor und fragte den Finanzer, ob die Versteuerung stattfinden müsse. Der Zöllner bejahte die Frage und bat, es möge sich der Herr mit den Zigarren in die im Bahnhofe befindliche Kanzlei der österreichischen„Zollexpositur" begeben. Wie betäubt, torkelnd und schwankenden Ganges schritt der Eigensinnige in die Revisionshalle. Auch Herr Zieser trug seinen Zigarrenvorrat zur Versteuerung, nachdem er die junge blonde Gattin scherzend gebeten hatte, sie solle sich nicht ängstigen, da die Verzollung nur Geld, nicht das Leben koste. In der Zollabfertigung angekommen, hörte Herr Zieser, wie der Beamte nach erfolgter Feststellung des Zollbetrags um Angabe des„werten Namens“ des Herrn Reisenden bitten müsse. Der Fremde guckte im Zustande der Schlaftrunkenheit verständnislos. Laut sprach daher der österreichische Zollbeamte:„Ich bitte um Angabe des Namens!“ Erschreckt stammelte der Tourist:„Wilde!“ Dann legte er den Zollbetrag auf den Amtstisch, ergriff sein Zigarrenkistchen und torkelte hinaus, ohne sich den Restbetrag auszahlen zu lassen.„„„„. 9 4anb Der Beamte rief:„Warten Sie doch einen Augenona, bis ich gewechselt habe!“ Dröhnend fiel die Türe ins Schloß. Herr Zieser hatte über das seltsame Gebaren des Touristen gestaunt, doch es galt nun Eile und so bat er um rasche Verzollung seines Zigarrenvorrates. Das geschah. Zieser zahlte, bestand aber darauf, daß ihm vorschriftsgemäß die Zollquittung ausgefertigt werde. „Es genügt die Aufklebung der Revisionsmarke! Ich habe den Herrn, der vor Ihnen hier war, ebenso behandelt! Haben Sie übrigens die Güte, den Restbetrag für den— verschlafenen Herrn mitzunehmen...“ „Nein! Die Geldangelegenheit eines Fremden hat mich nichts zu kümmern! Ich bitte um die Zollquittung!" Der Zollbeamte fügte sich, kritzelte flüchtig die Quittung und händigte sie Herrn Zieser ein. Schon riefen die Südbahnschaffner:„Fertig!“ Alle Passagiere hatten bereits Platz genommen. Und die junge Frau Zieser stand am offenen Fenster der Waggontüre und rief ängstlich:„Halt! Halt! Es ist ja mein Mann noch nicht da! Zieser sprang heran. Flint offnete der Schaffner, und eilig stieg Zieser ein. „Abfahrt!“ riesen die Schaffner. Der Südbahnzugführer gab das Abfahrtssignal auf dem Horn. der Maschinist antwortete mit der Dampfpfeife dumpf und heulend. Der D=Zug rollte aus dem Kufsteiner Bahnhose gen Süden. Die meisten Reisenden standen in den Korridoren und waren mit dem Verzehren von warmen Würstchen oder Schinkensemmeln beschäftigt. Nur ab und zu streifte ein Blick die althistorische Feste Geroldseck. Immer schneller werdend, jagte der Zug durch das verregnete nebelbedeckte Gefilde Nordtirols. Egon Zieser hatte die blonde Gattin in das Abteil geleitet und reichte ihr nun Kleinigkeiten aus dem in der Kufsteiner Bahnwirtschaft gekauften Mundvorrat. Und aus einer Flasche goß er Wein in einen silbernen Becher:„Trink, Schatz! Ein Pröstchen!" Eben setzte sich Zieser neben Tini, da kam Frau Bentfeldt in das Couyé zurück und klagle sich lächelnd der Selbstsucht, die sie zur Pflichtverletzung verleitet habe. Höflich fragte Zieser:„Wieso, Gnädigste?“ „Ich habe die Pflichzt der Pflegerin verletzt! Nun will ich mich aber unserem Patienten widmen!“ Und zu dem jungen hübschen Manne newendet, sprach Frau Bentfeldt: „Wie geht es Ihnen? Wollen Sie eine feuchte Kompresse haben?“„„„ „Wenn ich gnadige Frau bitten darf, ja! Es wird mir sicher gut tun!“ Ein sehnsüchtiger Blick begleitete diese Worte. Das Anfeuchten der Kompresse übernahm galant Herr Zieser, so daß die freiwillige Pflegerin die herbeigebrachte Kompresse dem Patienten nur aufzulegen brauchte. Das tat Frau Bentfeldt mit sicherer Gewandtheit und vollendeter Anmut, und sreundlich mahnte sie ihren Pflegling zu ruhigem Verhalten.„Der Patient muß nochmals schlafen! Und aufgepaßt. weder Alkohol noch Nikotin bis Bozen!“ Lächelnd erwiderte der junge Mann:„Zu Befehl! Einer so schönen Pflegerin gehorchen die Patienten sehr gerne!" „Still! So ein Schwerenöter! Übrigens betrachte ich Ihre Antwort als Zeichen dafür, daß die erlittene Kopferschütterung nicht von gro er Bedeutung sein werde! Schwerkranke Patienten sind niemals— Kurschneider! Nun aber müssen Sie schlafen!" Gehorsam drückte sich der Patient in seine Ecke, doch noch eine geraume Weile blinzelte er nach seiner hübschen Pflegerin, bis ihm wieder die Augenlider zufielen und der Schlaf ihn übermannte. Die auf ihre Plätze zurückgekehrten Reisenden baten Professor Schwarz um Fortsetzung seiner Ausführungen über das begonnene Thema. Der Gelehrte erzählte mit beabsichtigter Kürze den eigenartigen Fall, wonach im Jahre 1893 irgendwo in Bayern zwei Kinder des Lehrers Brunner von einem unbekannten Täter ermordert, die Gattin und das Dienstmädchen schwer verwundet wurden. Die Lehrersfrau kam erst nach langer Zeit zum Bewußtsein, konnte aber dem Untersuchungsrichter über den Hergang, über die Person des Täters usw. nicht das Allergeringste mitteilen. Schwer enttäuscht diktierte der eucuu sbigymusch W„u e 12 — □ E 3 62 E * 00 10 * 2 "#S 6.55 S 2 P SSESE 5 — s* S S 8—** E E □ 1• 9. U O 1 S S SanLH Beamte das Protokoll und forderte dann die Frau Lehrer Brunner auf. das zwecklose Schriftstück zu unterzeichnen. Und nun gab es eine große und interessante Überraschung, indem Frau Martha Brunner nicht ihren Namen unterschrieb, sondern im Banne eines Gehirndruckes einkritzelte:„Martha Guttenberger". Dem Untersuchungsrichter fiel dies auf. verwundert fragte er, wieso Frau Brunner dazu komme, den Namen„Guttenberger" zu unterschreiben. Die Lehrersgattin vermochte keine Auskunft zu geben; in ihrem Schwächezustande war sie unfähig für eine weitere Vernehmung. Von den Hausleuten erfuhr der Beamte, dem die seltsame Namensänderung keine Ruhe ließ, daß der frühere Geliebte des schwerverwundeten Brunnerschen Dienstmädchens, ein übel beleumundeter Bursche,„Guttenberger“ hieß, der nun steckbrieflich nach allen Seiten hin versolgt und schließlich in München verhaftet wurde. Er gestand den Mord sofort. Der Gelehrte fügte bei:„der interessante Hergang wird damit zu erklären sein, daß die Vorstellung, Guttenberger sei der Täter, bei Frau Brunner in die zweite Gruppe des Bewußtseins, das Unterbewußtsein, gesunken war, so daß der Lehrersfrau im eigentlichen Bewußtsein nur klar war, der Name Guttenberger habe mit der Sache etwas zu tun und sei von Bedeutung; in ihrem damaligen geschwächten Geisteszustande wähnte sie sich mit dem Namen Guttenberger versehen und so schrieb sie diesen Namen statt den ihrigen unter das Protokoll! Erst als der Druck von ihrem Gehirn gewichen war, trat die Vorstellung, daß Guttenberger der Mörder gewesen, wieder aus dem Unterbewußtsein in das eigentliche Bewußtsein! Für die Behauptung, daß es zwei Bewußtseinsgruppen gebe, ist der Fall Brunner der schönste Beweis!"(Fortsetzung folgt). Die rätselhaften Pelzstiefel. Ein lustiges Theatererlebnis. Frhr. von drängnis. Am Hoheit erwartet und zu Senftlingen war in schwerer BeHofe wurde der Besuch einer königlichen und ihm als Intendanten lag es ob. die von Verdi zu ermögNun aber Aufführung der Oper„Troubadour“ lichen. Der Gast hatte sie zu sehen gewünscht. war das Ensemble der fürstlichen Bühne nur auf die Operette eingerichtet, und man hätte unter Zuhilfenahme des gesamten Schauspielpersonals allerhöchstens die Straußsche„Fledermaus“ zur Aufführung bringen können. Und nun verlangten Durchlaucht eine große Oper. Woher nehmen und nicht stehlen? Noch am Abend spät hatte Herr Adolar von und zu Senftlingen eine lange Unterredung mit dem alten Hofkapellmeister abgehalten, deren Ergebnis war und blieb, daß man zur Not zwei Damenrollen der Oper mit den beiden ersten Operettensängerinnen besetzen konnte, im übrigen aber war keine Möglichkeit zu sehen, den Wunsch der Durchlaucht zu erfüllen. Vor allem fehlte es an einem Vertreter des nicht unwichtigen Manrico. Den aber aus den zur Verfügung stehenden Kräften herauszuklauben, erwies sich, trotzdem die beiden Herren das Für und Wider so lange erwogen, bis ihnen die Köpfe dampften, als eine ebenso blanke Unmöglichkeit, wie die Aufführung des„Troubadour“ überhaupt, wenn es dem Herrn Intendanten, vor dessen bangender Seele schon das dräuende Gespenst der allerhöchsten Ungnade schwebte, nicht noch in letzter Stunde gelang, einen auswärtigen Sänger des geheimnisvollen Titelhelden zu beschaffen, den man haben mußte und„wenn er,“ wie Herr Adolar von und zu Senftlingen verzweiflungsvoll ausrief,„fünfzig Mark koste“ Plötzlich kam dem Hofkapellmeister ein rettender Gedanke. Er erinnerte sich plötzlich, daß er vor drei Wochen von einem in Kassel wohnenden, gerade unbeschäftigten Tenoristen, der den nicht ganz ungewöhnlichen Namen Müller führte, einen Brief mit der Anfrage bezüglich einer Anstellung oder eines Gastspiels erhalten habe. Der Brief wurde damals ablehnend beantwortet, erschien aber jetzt dem Herrn Intendanten als ein Dokument, das wie ein rosiger Schimmer der Hoffnung in die Nacht seiner trostlosen Verlegenheit leuchtete. Dieser Müller mußte hergeschafft werden. Und so ging denn eine halbe Stunde später ein Telegramm an den Sänger ab, daß diesem die Einladung zu einem einmaligen Gastspiel übermittelte. Die Antwort des Sängers traf umgehend ein: „Nehme und möchte gern reisen. Habe aber kalte Füße. Erbitte telegraphische Zusendung.“ Nun hätte ein gewöhnlicher Stadttheaterdirektor die scherzhafte Wendung von den„kalten Füßen“ jedenfalls richtig dahin gedeutet, daß es dem Künstler an Reisegeld fehle und er dessen Zusendung per Draht wünsche. Allein für Herrn Adolar von und zu Senftlingen war diese Umschreibung, sowie die ganze Künstlersprache eine durchaus unbekannte Welt, der er vollständig ratlos gegenüber stand. Und so legte er das Telegramm seinem Gebieter vor, der in die Worte ausbrach:„ 5— OELER M, Verrückt! Kalte Füße im September! Tacheruich: Na. so schicken Sie dem Menschen meinetwegen ein Paar Pelzstiefel aus meiner Garderobe!" Tiefaufatmend ob dieser glücklichen Lösung der brennenden Frage, entfernte sich der Herr Intendant und zehn Minuten später ging abermals eine Depesche an Müller ab: „Halten Sie sich reisefertig. Pelzstiefel unterwegs.“ Nun war die Reihe zu erstaunen an dem Sänger. Verblüfft starrte er das Telegramm an, strich sich wie geistesabwesend mit der Hand über die Stirn, überflog nochmals das Blatt und entschloß sich dann, das ganze Engagement für blödsinnig zu erklären und das Weitere abzuwarten. Dieses Weitere aber kam am anderen Morgen in Gestalt eines Pakets, das wirklich nichts enthielt, als ein Paar wertvolle Pelzjagdstiefel, deren Länge und Breite beredtes Zeugnis dafür ablegten, daß ihr bisheriger Eigentümer den schmächtigen, mittelgroßen Künstler mindestens um anderthalb Hauptlängen überragen müsse. Gänzlich fassungslos starrte Müller die Sendung an, der keine auftlärende Zeile, leider aber auch nicht das erhoffte Reisegeld beilag, so daß ihm etwas unklar blieb, wie er nun dahin gelangen sollte, wo ihm ein glänzen des Honorar winkte und wo man ihn sehnsüchtig erwartete. Da er aber ein Pumpgenie und nie verlegen um einen Ausweg war, wenn es galt, sich aus einer pekuniären Klemme zu ziehen, so entschloß er sich kurzer Hand auch in diesem Fall zu einer rettenden Tat, indem er einfach die kostbaren Stiefel bei einem biederen Pfandleiher, mit dem er seit Jahren in reger Geschästsverbindung stand, versetzte und mit dem Erlös dieser Finanzoperation alsbald nach der Residenz abdampfte, um dort den Hof und das verehrungswürdige Publikum durch seinen„Manrico" zu entzücken. Der dritte Akt der„Gala=Oper“ war vorüber. Das einheimische Personal hatte sich leidlich aus der Affäre gezogen, Müllers„Manrico“ aber entschieden gefallen und sogar die fremde Hoheit hatte sich Durchlaucht gegenüber höchst anerkennend über die Leistung des Sängers ausgesprochen, was den Fürsten veranlaßte, sich in Begleitung des Intendanten im Zwischenakt auf die Bühne zu begeben, um dort dem tüniter zu danten. Dieser hatte seit seinem Eintreffen noch keine Gelegenheit gefunden, Herrn Adolar von und zu Senftlingen über die rätselhafte Pelzstiefel=Sendung zu befragen. Offen gestanden, war ihm dies nicht ganz unlieb, da es ihn etwas peinlich berührte, daß er die Stiefel ja gar nicht mit sich führte und in die größte Verlegenheit geraten konnte, falls jemand sich nach deren Verbleib erkundigte. Und jetzt rief man ihn aus seiner Garderobe auf die Bühne, wo er dem Fürsten vorgestellt werden sollte. Eiligst stürzte er hinaus und stand gleich darauf vor Durchlaucht, die ihn huldvollst also anredete: „Sehr brav— sehr! Haben mir außerordentlich gefallen und gestatte mir, Ihnen in Anerkennung Ihrer Leistung — meine Pelzstiefel zu schenken!" Müller machte ein furchtbar dummes Gesicht und erst, als der Fürst lächelnd seine Anrede mit den Worten schloß: „Werden nun nicht mehr nötig haben, telegraphisch über kalte Füße zu klagen,“ ging ihm ein Licht über die Sendung auf. Tief verbeugte er sich vor und hinter der abgehenden Durchlaucht und sang, bezüglich der„besonderen Auszeichnung" etwas enttäuscht, seinen Part im vierten Akt vielleicht um einige Grad weniger begeistert zu Ende. Der Bühne hat Müller, nachdem er jahrelang an dem fürstlichen Theater gewirkt hat, entsagt und lebt als Rentier in seiner Vaterstadt. Die Pelzstiesel besitzt er noch. Da er Sieben Kavallerie=Divisionen werden zu besonderen Uebungen gegeneinander und bei den Armcekorps ausgestellt werden. Die Kavallerie=Divisionen werden alle mit reitener Artillerie, Maschinengewehr=Abteilungen, Nachrichten=, Flieger= und Kraftfahrformationen ausgestattet, zum Teil sind ihnen auch Jäger=Bataillone, Radfahrer=Kompatz= nien und Pionier=Abteilungen zugeteilt. Die Führung der Kavallerie=Divisionen übernehmen besonders vom Kaiser dazu ausersehene Generäle ebenso die obere Leitung der Uebungen. Der Generalinspekteur und die vier Inspekteune der Kavallerie werden voraussichtlich hierzu in erster Linie herangezogen werden.— Bei jedem Armeekorps werden in diesem Jahre auch Batterien der schweren Artillerie am Manöver teilnehmen. Diee neu ausgestellten Festung=Maschinengewehr=Abteilungen werden ebenfalls zu den Manövern herangezogen. Außer diesen allgemeinen Herbstübungen finden im Monat August noch größere Pionierübungen statt in den Provinzen Posen und Sachsen sowie in Elsaß=Lothringen. Hierzu werden größere Truppen=Abteilungen aller Wassen bis zur Stärke einer Division herangezogen, namentlich auch bespamte schwere Artillerie. Die Leitung und Beaussichtigung dieser Uebungen wird den betressenden Pionier= Inspekteuren übertragen. Kleinwohnungswesen. Der Westsälische Verein zur Förderung des Kleinwohnungswesens in Verbindung mit dem Verband westsälischer Baugenossenschaften in Dortmund hat jüngst in Dortmund einen Kursus für praktische Bauvereinstätigkeit veranstaltet, der einen über Erwarten großen Erfolg hatte. Es hatten sich ungefähr 200 Teilnehmer eingefunden. Vorstands= und Aussichtsratsmitglieder der Bauvereinigungen, Vertreter der Rogierungen, der Eisenbahndirektionen, verschiedener Gemeinden und einer ganzen Reihe industrieller Unternehmungen waren erschienen, um sich über die Praxis gemeinnütziger Bautätigkeit zu unterrichten. Als Redner waren namhafte Kenner des Baugenossenschaftswesens gewonnen. Eine Fülle von Belehrungen und Anregungen haben die Bauvereinspraktiker aus dem Kursus mit nach Hause genommen. Daß die Teilnehmer mit dem Verlauf der Veranstaltung und mit dem Gebotenen zufricden waren, zeigte der vielfach geäußerte Wunsch nach Drucklegung der Vor' träge und nach baldiger Wiederholung der Veranstaltung. Eine Besichtigung der Gartenstädte und der Wohnungen des Spar= und Bauvereins zeigte den Teilnehmern des Kursus, was in Dortmund bisher durch die gemeinnützigen Bauvereinigungen erreicht worden ist. Bayerische Finanzsorgen. In der bayerischen Abgeordnetenkammer gab dieser Tage bei Beratung des Etats der Finanzverwaltung Finanzminister von Breunig ein Exposé über die derzeitigen Budgetverhältnisse des Königsreiches. Trotz des Versuchs, sich gute Stimmung zu verschafsen, indem er einzangs erklärte, die Verhältnisse seieen normal und gesund, da man auf eine stärkere Schuldentilgung bedacht sei, wirkten die solgenden Ausführungen recht emüchternd. Die Ausgaben des Staates— sagte der Minister— sind mit den Aufgaben gewachsen. Deschalb sei es notwendig, die Staatseinnahmen durch die von der Regierung vorgelegten Gebührengesetze zu ergänzen unter Berücksichtigung des Umstandes, daß für die Post ein Ausgleichssonds geschaffen wird. Es ergebe sich ein Desizit von 870000 Mark, selbst wenn das Gebührengesetz und das Wertzuwachssteuergesetz in vollem Umsange angenommen werden. Wenn man das bayerische Postreservatrecht ausgebe, erreiche man für die bayerischen Finanzen nichts, es sei auch unmöglich, daß das Reich aus den Bundesstoaten und den Eemeinden weiter schöpfe Man könne mit der Belastung durch direkt Steuern seitens des Reiches nicht weitergehen wie bisher. Einem weiteren Eingriff des Reiches in das direkte Steuersystem würde die bayerische Staatsregierung energischen Widerstand entgegensetzen. — Letzte Drahtmeldungen. Schweres Automo.bilung lück. Berlin, 15. Juni. Ein schweres Automobilunglück hat sich gestern nachmittag in der vor den Toren Berlins gelegenen Gartenstadt Berlin=Frohnau zugetragen. Ein mit fünf Personen besetztes Automobil rannte gegen einen Chausseebaum und wurde vollständig zertrümmert. Die im Fond des Wagens sitzenden vier Personen wurden herausgeschleudert, und kamen unter den Wagen zu liegen. Einer von ihnen war sofort tot, die andern drei erlitten lebensgefährliche Verletzungen, während der Chauffeur nur leicht verletzt wurde. Schwerverletzt sind der Kaufmann Ernst Osterland, eine Frau Welck und ein Fräulein Bonnet, sämtlich aus Berlin. Der Getötete ist der Bruder des Chauffeurs, der Automobilhändler Vogt. Schweres Unglück beim Schaufliegen. Deutsch=Eylau, 15. Juni. In Gegenwart der städtischen und der Militärbehörden fand gestern die Einweihung des Flugstützpunktes von DeutschEylau statt. Mit der Einweihung des Platzes war ein Schaufliegen dreier Offiziersflieger verbunden, das durch einen schweren Unfall ein schnelles Ende sand. Zwei der Flieger waren bereits ausgestiegen. Als der dritte mit seinem Doppeldecker startete, drängten sich die Zuschauermassen, da keine Absperrungsmaßnahmen getrosfen waren, zu nahe an den Startplatz, so daß das Flugzeug nach 10 Meter Anlauf in eine Menschengruppe hineinraste. Eine Frau Böhm wurde vom Propeller am Kopf getroffen und lebensgefährlich verletzt, einem Knaben namens Ewert wurde ein Arm abgerissen, außerdem erlitt ein Mann leichtere Verletzungen. Der Fliegeroffizier ist nicht zu Schaden gekommen. Das Fliegen wurde sofort nach dem Unglücksfall, der um 7 Uhr abends stattfand, abgebrochen. Tödlicher Fliegerabsturz. Nancy, 15. Juni. Ein schrecklicher Fliegerunfall hat sich gestern abend um ½6 Uhr im Luftschiffpark von Toul ereignet. Ein Unteroffizier, der mit einem Pionier als Passagier auf einem Doppeldecker aufgestiegen war, befand sich in etwa 50 Meter Höhe, als der Apparat sich plötzlich infolge falscher Steuerung mit dem Vorderteil zu Boden senkte und umkippte. Er wurde vollkommen zertrümmert. Der Unterofsizier konnte nur als Leiche unter den Trümmern des Apparates hervorgezogen werden. Der Pionier hat schwere innere Verletzungen und einen Beinbruch erlitten. Sein Zustand ist hoffnungslos. Griechisch=türkisches Scharmützel? London, 15. Juni. Aus Smyrna wird gemeldet, dort verlaute gerüchtweise, daß es in der Nähe von Chios zu einem Scharmützel zwischen einem griechischen und einem türkischen Kanonenboot gekommen sei, wobei eine Anzahl Schüsse ausgetauscht wurden. Schwere Bluttat eines Geisteskranken. Kopenhagen, 15. Juni. In einem Anfall von geistiger Umnachtung hat der Gutsbesitzer Sörensen in Vidinge bei Roskilde seine fünf Kinder, vier Knaben und ein Mädchen im Alter von sieben Monaten bis zu zwölf Jahren, mit einem Nevolver erschossen und sich selbst durch einen Schuß in den Kopf getötet. Drei der Kinder waren auf der Stelle tot, die beiden andern erlagen nach kurzer Zeit ihren Verletzungen. Während der Ermordung der Kinder befanden sich die Frau und die Dienstleute auf dem Felde. Gärung auf den Philippinen. Neuyork, 15. Juni. Der„Neuyork Herald“ läßt sich aus Manila melden, daß bei einer Massenversammlung von 5000 Philippinos die Redner die Verwaltung für den sinanziellen Zusammenbruch des Landes verantwortlich machten und mit einem Aufstande drohten, wenn der Tag der Unabhängigkeit der Philippinen nicht umgehend bekannt gegeben werde. Eingesandt. Für Artikel unter dieser Nubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung. Grüber=Prozeß. Der durch das Geständnis des Otto Grüber ausgesprochenen Beschuldigung, ich hätte mich zur Hilse beim Betruge, der an dem verstorbenen Kaufmann Haver verübt werden sollte, ohne langes Zureden lereit erklärt, und daß mir hierfür der Betrag von 400 Mark als Vorschuß ausgezahlt worden sei, möchte ich mit folgender Erklärung nachdrücklichst entgegentreten: Wie auch durch Beschluß der Strafkammer in Hagen bei meiner Freisprechung festgestellt wurde, hab; ich alles Zureden nur aus dem Grunde nicht gleich energisch zurückgewiesen, weil ich von der ganzen Sachlage keine Ahnung hatte. Nachdem ich erfahren hatte, um was es sich handelte, habe ich ganz entschieden erklärt, ich wollte mit der Sache nichts zu tun haben. Da wurde mir aber bedeutet, daß es nun bereits zu spät und ich in den Akten schon angegeben sei. Aus diesem Grunde konnte das Gericht auch zu keiner Verurteilung kommen. Was nun die Bestechungs= oder Vorschußgelder anbelangt, so muß ich diesen Vorwurf ebenso sehr energisch zurückweisen; ich habe nichts bekommen, auch ist mir nichts versprochen worden. Ich kann die ganze Sache nur als einen Racheakt bezeichnen. Wilh. Osthoff. Die„Weiße Woche“ im modernen Spezialhaus Gebr. Alsberg. Auf der Kölner Werkbund=Ausstellung erregt der Hagener Naum infolge seiner hohen künstlerischen Qualität in den Interessentenkreisen allgemeines Aussehen. Befriedigt wird jeder Hagener so seine Vaterstadt vertreten sehen. Wer indes die Entwicklung auf künstlerischem und wirtschaftlichem Gebiet in Hagen speziell in den letzten zehn Jahren mit offenen Augen beobachtet hat, den wird dieser Ersolg keineswegs überraschen. Geradezu riesenhaften Aufschwung hat in jeder Beziehung in der Stadt Hagen insbesondere der Detailhandel genommen. An erster Stelle steht hier das moderne Spezialhaus Gebr. Alsberg in seinem architektonisch so künstlerisch ausgeführten Bau Mit seiner diesjährigen Weißen Woche, Im Zeichen der Rosenblüte betitelt, bietet die Firma für diese hervorragende Stellung wiederum einen glänzenden Beweis. Schon die weiß gehaltene Front wirkt mit ihren künstlerischen Auslagen imposant und ladet zum Kauf ein. Der rege Verkehr auf der unteren Elberfelderstraße beweist zur Genüge, daß das Publikum für derartige Angebote Sinn und Verständnis hat. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwert# In dankbarer Freude zeigen wir die Geburt eines gesunden und kräftigen Töchterchens an. wallher Berensmann und Frau Meia geb. Graeve. Schwerte, Sonntag, 14. Juni 1914. an. Auch bei uns kam ein prächtiges Sonntagsmädchen Fritz Berensmann und Frau Greie geb. Dechow. Selm, 14. Juni 1914. Herr Postasistent W. in. T. schreibt: 4101 „Bestätige Ihnen gerne, daß ich mit Ihrer Herba=Seise sehr zufrieden war. 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W, Elberfelderstrasse 27. Einziger beglaubigter Vertreter am Platze. Sprechzeit: Sonntag 10—1 Uhr. Dienstag. Mittwoch, Freitag und Samstag 10—1 Uhr und 2—5 Uhr. Zuverlässiger für sofort gesucht. 4090 C. Letbaus. Fleißiges braves katholisches Mlochen, welches zu Hause schlafen kann, für alle vorkommenden Arbeiten von kinderloser Familie gesucht. erfragen in der Geschäftsstelle der Schwerter Zeitung. 4103 Tapeten! Naturell-Tapeten von 10 Pf. an Gold-Tapeten von 20 Pf. an inden schönsten u. neuesten Mustern. Man verlange kostenfrei Musterbuch Nr. 276. Gebrüder Ziegler, Lüneburg. Königl. Klassen-LotterleT 999 zu 5 Mk. u. 10 Mk. Lose auchp. Postnachnah. Hfun K. L. Einnehmer, Ptaffs, serlohn. 39361 Wermingserst. 41. Uinigste Preise. Verlangen Sie meine Musterkarte 4110 Göstonts ausschlag. Pickel, Mitesser, Flechten verschwinden meist sehr schnell. wenn man den Schaum von Zecker’s Patent- Medizinal-Seife, à St. 50 Pf.(13% ig) u 1.50 M (35%ig, stärkste Form) abends eintrocknen läßt. 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