Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde #e Schumem Zeuuer mücke une außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oiertelfährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfe. mehr. Wöchentl. Oralisbeilage:„Illustrierter Famillenfreund“ u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Rehlomezelle 40 Pfg. Jeder Navon gilt als Kossaradakt u. erlischt bei Konbutsen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Pottrastung d. sermot. Jatzuonotsedtnoues. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Dolkszeitung Schwerter Anzeiger und Pteftes Cagesorgan des Kreises o General-Arzeiger für den Rreis Börde o Haupt-Annoncenblati Schwerter Volksblatt Verbunden Schwerter Tageblatt □ mit: Abn dunte und bdente cherüichm durd nungen für den Arets Börde erlongrn grmeb Betaantmachung dei Abnlgndrn Regierung ##rch Veröffentlichung ia de„Schwerter Jettung" rechtsverdindliche Kraft.— Die „„Schwerter Zeitung“ gewährt idres irn fü: jeden mit Tod endenden Unsot 30 300 Mk. Unsall: dnic u Verage. Conl Voom. Schorm. Naetz= Fernsp 62. Telogr. Adr. Braus Schwerte=Ruhe Nr. 131. Erstes Deutschlands Wettbewerb. Deutschlands Wettbewerb um die Güter des Friedens, den Kaiser Wilhelm I. nach dem ruhmvollen Kriege als die Aufgabe des jungen Reiches bezeichnete, hat ungeahnte Erfolge errungen und ist den ausländischen Konkurrenten recht unbequem geworden. Da jedoch Neid süßer als Mitleid ist, so hat das deutsche Volk keinen Grund zur Unzufriedenheit, sondern darf unter der Parole: „Deutschland in der Welt voran“ mit Zuversicht seines Weges weiterziehen. Allmählich kommt man in dem konkurrierenden Auslande dahinter, daß man Deutschland doch immer recht salsch beurteilte, indem man in ihm den Friedensstöner und den beständig auf einen kriegerischen Angriff bedachten Gegner erblickte. Man erkennt, daß sich das von übelwollenden Nachbarn umgebene Deutsche Reich zwar stark zur Abwehr halten mußte und gehalten hat, daß es indessen über diesen negativen Teil seiner Ausgaben deren positiven Teil nicht vergaß, sondern sich in unermüdlichem Kampfe mit den zahlreichen Widersachern produktiv betätigte und allmählich einen überragenden Einsluß auf dem Weltmarkte eroberte. Daß man im Auslande vornehmlich die Schattenseiten dieser Entwicklung bemerkt und über die Verluste klagt, die der immer mächtiger werdende deutsche Wettbewerb verursacht, liegt nahe; man sollte aber gerecht sein und anerkennen, daß es dem deutschen Volbe schwerer gemacht wurde als allen seinen Rivalen, sich auf dem Weltmarkt eine Position zu erwerben, und daß es diese nur seinem rastlosen Fleiß, seiner peinlichen Gründlichkeit und seinem unermüdlichen Streben, sein Wissen und Können zu bereichern, verdankt. Deutschlands Handel und Industrie verdanken ihrer Tüchtigkeit und Solidität ihre Erfolge und sind vom Weltmarkte daher nicht auszuschließen. In wie hohem Maße das der Fall ist, zeigte der Erlaß des verflossenen französischen Ministerpräsidenten Doumergue, wonach die ausländische Industrie aus Sparsamkeitsgründen sogar zu Heeresund Flottenlieserungen für Frankreich zugelassen werden soll. Da für diesen Erlaß in erster Linie das gefürchtete Deutschland in Betracht kommt, so ist er für dessen industrielle Leistungsfähigkeit geradezu ein Ehrendiplom. Auch Rußland, das mit Eiser an seiner Industrialisierung arbeitet, vermag den deutschen Wettbewerb nicht auszuschalten. Obwohl Rußland an sich infolge der geringeren Arbeitslöhne sowie infolge des Mangels sozialpolitischer Lasten billiger arbeiten kann als Deutschland, kann es für die Dauer doch nicht auf die deutsche Produktion verzichten. Auch Englands Kummer wegen der Gefährdung seiner Handelsslotte auf den Weltmeeren durch diejenige Deutschlands läßt sich begreisen, aber nicht mehr beseitigen. Die Klage John Bulls, er habe über dem Wachsen der deutschen Kriegsflotte die ungeheure Vermehrung der deutschen Handelsflotte ganz übersehen, ist wohl verständlich. Die öfsentliche Meinung Englands muß aber jetzt selbst zugeben, daß sie zu des eigenen Volkes Schaden und ohne jeden sachlichen Grund immer nur an deutsche Feindseligkeiten dachte und darüber Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung aus den Augen verlor. Die deutschen Passagierdampfer werden mit Recht vor denen aller übrigen Staaten bevorzugt. Der Tonnengehalt der englischen Handelsschifse hat sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt, derjenige Deutschlands verzwölfsacht. Während 1885 das Verhältnis der deutschen Schissjahrt durch den Suezkanal zu der englischen noch wie 1 zu 22 war, ist es gegenwärtig 1 zu 4. Diese Zahlen reden eine beredte Sprache. Auch die finanzielle Machtstellung Deutschlands braucht sich hinter derjenigen Englands und Frankreichs keineswegs zu verstecken. Das deutsche Nationalvermögen beträgt nach sicheren Grundlagen 300 Milliarden, dasjenige Frankreichs nur 170 und das Englands etwa 280 Milliar= den. Wenn Frankreich gleichwohl noch heute der Geldgeber Europas ist, oder es doch bis in die Montag, den 8. Juni 1914. 46. Jahrgang. jüngste Gegenwart hinein war, so liegt das daran, daß Deutschland bei der ständig wachsenden Zahl seiner Kunden auf dem Weltmarkt kein Geld für das Ausland übrig hat. Als stärkster Machtsaktor kommt die Ueberlegenheit der Bevölkerung Deutschlands in Betracht, die rund 72 Millionen beträgt, gegen 46 Millionen in England und 40 Millionen in Frankreich. Alle diese Tatsachen erklären die wachsende Ueberlegenheit Deutschlands auf dem Weltmarkt, stellen eine Anerkennung des deutschen Gewerbefleißes und Unternehmungsgeistes dar und sallen bei dem Abschluß der neuen Handelsverträge als starkes Gewicht in die Wagschale. 1 Der Kaiser über die Handelsmarine. Bei dem am 22. d. M. stattfindenden Stapellauf des dritten Dampfers der„Imperator“=Klasse beabsichtigt, wie verlautet, der Kaiser eine Rede über die Entwicklung der deutschen Handelsmarine und ihr Verhältnis zur Kriegsmarine zu halten. Auch hat er, wie verlautet, seine Zustimmung gegeben, daß der neue Niesendampfer mit dem Namen„Bismarck“ getauft wird. An der Konopischter Begegnung am Freitag dieser Woche zwischen dem deutschen Kaiser und dem Erzherzog=Thronsolger Franz Ferdinand nimmt König Gustav von Schweden, entgegen der ursprünglichen Absicht, nicht teil. Das Befinden des Königs, der am Sonntag Karlsbad verläßt, in Baden=Baden seinen 56. Geburtstag feiert und am 20. d. M. mit der Königin wieder in Stockholm eintrifft, hat sich erfreulicherweise bedeutend gebessert. Kaiser und Sport. Der Kaiser, der am Sonnabend dem Armee=Jagd=Rennen auf der Grunewald=Rennbahn beiwohnte, er chien am Sonntag zu den Entscheidungen in den Armeewettkämpfen im Stadion und ebenso zur Kaiser= Ruder=Regatta in Grünau. Das braunschweigische Herzogspaar stattete dem bayerischen Königspaar den o,fiziellen Besuch ab. Herzog Ernst August und Herzogin Viktoria Luise waren Gegenstand herzlicher Ovationen des Publikums. Herzog Ernst August gehörte bekanntlich früher dem Schweren Reiter=Regiment an. Die Dauer des Besuchs des Königs Friedrich August von Sachsen am russischen Zarenhofe ist auf die Zeit vom 19. bis 23. Juni festgesetzt worden. Ein russischer Hofzug kommt dem König bis Wirballen entgegen. König Friedrich August nimmt im Schlosse Zarskoje Sselo Wohnung. Der Zentralverband Deutscher Industrieller trat in Köln zu seiner Hauptversammlung zusammen. Der Vorsitzende, Landrat a. D. Roetger, betonte die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Industrie zur Bekämpsung der Sozialdemokratie und wies auf die Gefahr des Eindringens großer Summen gewerkschaftlichen Kapitals in den Warenhandel, die Warenerzeugung und Versicherungszweige hin. Der Geschäftsführer, Regierungsrat Schweighoffer, bedauerte, daß man mit der Gründung einer Deutschen Gesellschaft für Welthandel nicht zu einer Einigung mit anderen Verbänden gelangt sei. Der Zentralverband habe daher eine Auslandsabteilung gegründet. Redner teilte mit, daß der Zentralverband für die amerikanische Tarifrevision und die Erneuerung der Handelsverträge besondere Bureaus eingerichtet und der Rezierung seine Wünsche in zwei Denkschristen unterbreitet habe, und wandte sich entschieden gegen die Belastung durch die Sozialpolitik, die Deutschland gegenüber dem Ausland konkurrenzunfähig zu machen drohe. Die Auswanderung über Hamburg. Die überseeische Auswanderung über Hamburg im Monat Mai zeigte, wie das im Mai die Regel zu sein pflegt, gegenüber dem Vormonat(April 12119) eine Zunahme von 4600 Personen, jedoch gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres, der allerdings eine Rekordzisser aufwies, einen um 8700 Köpse geringeren Auswandererverkehr. Gegen das Vorjahr zeigt sich seit Jahresansang ein Minus von 24 400 Auswanderern. Keine Rückerstattung von Teilen der Reichswertzuwachssteuer. Dem Bundesrat sind zahlreiche Gesuche zugegangen, in denen die Rückerstattung eines Teiles der Reichswertzuwachssteuer beantragt wird. In den Anträgen wird Bezug genommen auf die Bestimmung in dem neuen Reichsfinanzgesetz, wonach laut Wertzuwachssteuergesetz vom 14. Februar 1911 für alle nach dem 30. Juni 1913 eintretenden Fälle der Steuerpflicht die Erhebung des Anteils des Reichs in Fortfall kommt. Begründet wurden die Gesuche um Rückerstattung dieses Reichsanteils damit, daß die Antragsteller geltend machen, sie hätten mit ihren Abschlüssen bis über diesen Termin hinaus gewartet, wenn sie vorausgesehen hätten, daß eine derartige gesetzliche Bestimmung in Kraft treten würde. Die Gesuche sind laut„Frankf. Ztg.“ abschlägig beschieden worden, da die angegegebenen Gründe angesichts der vorgenommenen gesetzlichen Regelung als nicht stichhaltig angesehen werden konnten und eine Befreiung von der Steuer nicht rechtsertigen. Die Frage der staatlichen Arbeitslosenversicherung ruht bis auf weiteres, nachdem soeben die bayerische Abgeordnetenkammer den Beschluß der Reichsratskammer, die von der Regierung geforderten 75000 Mark nicht für eine kommunale Arbeitslosenversicherung, sondern für eine Arbeitslosenfürsorge zu verwenden, abgelehnt hat. Die Gründe, die gegen eine Arbeitslosenversicherung durch das Reich oder die Einzelstaaten sprechen, sind vielmals erörtert worden. Die Reichsregierung hat die Lösung dieser Frage stets mit Recht abgelehnt und sie für Sache der Einzelstaaten erklärt. Nachdem jetzt der zweeitgrößte deutsche Bundesstaat trotz lebhafter Bemühungen zu einem negativen Ergebnis in der Angelegenheit gelangte, wird man nirgends Neigung verspüren, die Frage erneut auszurollen. Und das ist gut so, denn die Arbeitslosenversicherung würde der Arbeitsschen Vorschub leisten. Oesterreich= Ungarn. Von der Konopischter Begegnung zwischen dem deutschen Kaiser und dem österreichischen Thronsolger Franz Ferdinand erwartet man vielfach maßgebende Besprechungen über den Abschluß eines Mittelmeer=Abkommens unter den Staaten des Dreibundes. Wenn man dabei von der Voraussetzung ausgeht, daß zwischen Rußland und England neuerdings ein Flottenabkommen getroffen worden sei, so beruht das auf einem Irrtum. Es wurde bekanntlich, ohne daß Widerspruch erfolgte, in bestimmtester Weise festgestellt, daß die bezüglichen Petersburger und Pariser Anregungen in London auf unfruchtbaren Boden gefallen seien. Freilich wäre auch ohne ein solches Abkommen im Kriegsfall eine gemeinsame Operation Englands und Rußlands zur See denkbar, sodaß die Konopischter Besprechungen ganz wohl über die österreichische Flottenvermehrung hinaus auch einem Mittelmeer=Abkommen gelten könnten. Frankreich. Poincaree in einem Bigamie=Prozeß. In politischen Kreisen wird folgendes bekannt: Der Präsident Poincaree hat in der Ehe zwei Vorgänger gehabt. Der zweite Gatte der jetzigen Frau Poincaree galt als verdorben und gestorben, als sie Poincaree die Hand zum Ehebunde reichte. Vor einigen Tagen aber ist der zweite Gatte der Frau Poincaree in Paris wieder aufgetaucht— und er hat die Anklage wegen Bigamie gegen Frau Poincaree veranlaßt. Spanien. Die Folgen der spanischen Marokkopolitik. In der spanischen Kammer kündigte der Republikaner Salvatella eine revolutionäre Bewegung gegen die Regierung an, falls sie ihre Marokko=Politik nicht ändere. Er meinte, der ehemalige Ministerpräsident Maura habe zurücktreten müssen, weil er eine solche Aenderung beabsichtigt habe. Schließlich kündigte der Redner an, die Republikaner würden gegen den Bau einer zweiten Schlachtschiff=Division Obstruktion machen. China. Die Unabhängigkeit der Mongolei. Wie ein Telegramm der Deutschen Kabelgrammgesellschaft aus Peking meldet, hat die mongolische Regierung in Urga den Pekinger Gesandten Deutschlands, Englands, Amerikas und Frankreichs von der Unabhängigkeit der äußeren Mongolei Mitteilung gemacht und sie eingeladen, Vertreter zum Abschluß von Handelsverträgen nach Urga zu senden. Japan. Große Erregung herrscht in Japan über die Verweigerung der Landung von mehreren hundert Hindus in Vancouver(Britisch=Columbien). Die englischen Behörden wiesen die Einwanderer, die mit dem japanischen Dampfer„Kigoma Maru“ ankamen, zurück. Die Hindus beschlossen, keine Nahrung zu sich zu nehmen, ehe ihnen nicht gestattet wird, das Land zu betreten. Die Behörden haben sich bisher von dem drohenden Hungerstreik nicht einschüchtern lassen und nur die das japanische Schiff umgebende Polizeipatrouille noch verstärkt. Mexikanisches. Der Stillstand der Friedenskonserenz. Staatssekretär Bryan erklärte, er erwarte in der mexikanischen Frage keine entscheidenden Ereignisse vor An,ang kommender Woche. Der amerikanische Admiral Mayo erhielt den Befehl, Tampico offen zu halten, während mexikanische Kanonenboote anscheinend die Blockade Tampicos versuchen wollen. Carranza will seine Antwort an die Vermittler verschieben, bis er Gewißheit darüber hat, ob er die Waffensendung der„Antilla“, die bereits in Tampico gelandet ist, erhält und möglicherweise, bis die Republik des Nordens in Saltillo proklamiert würde. Wahlen in Mexiko. In Mexiko werden Vorbereitungen getrofsen für die Wahlen des Präsidenten, des Vizepräsidenten, der Senatoven und Deputierten, die am 5. Juli stattfinden sollen. General Velasco ist hier angekommen; es heißt, er wird zum Minister des Aeußern ernannt werden. Indianeraufstand in Mexiko. Der„Frankfurter Zeitung" wird von ihrem Vertreter aus Juarez in Nordmexiko depeschiert: Der Aufstand der Yaqui=Indianer im Staate Sonara nimmt sehr ernste Dimensionen an. Die Gefahr ist auch für Ausländer groß. Die Amerikaner wandern aus den gefährdeten Gebieten ab. Aus Albanien. Ein albanisch=italienischer Zwischenfall. Ein sehr peinlicher Zwischenfall, die Verhaftung zweier Italiener in Durazzo, ist dazu angetan, das an sich schon gespannte Verhältnis der jungen Regierung des Fürsten Wilhelm mit Italien noch mehr zu verschärfen. In dem Hause des Direktors der italienischen Post in Durazzo wurden der italienische Oberst Mauricio und der italienische Professor Chinigo abends gegen 8 Uhr plötzlich unter der Anschuldigung verhaftet, mit den Aufständischen Lichtsignale ausgetauscht zu haben. Um Mitternacht wurden die Verhafteten auf den Protest des Vertreters des italienischen Konsuls wieder freigelassen. Weiter legte der amtliche Vertreter Protest dagegen ein, daß ihm von der Verhaftung seiner Landsleute nicht sofort Mitteilung gemacht worder war, sowie gegen die Verletzung des Hausrechts un endlich ließ er die beschlagnahmten Papiere prüfen und versiegeln, unter denen der verhaftet gewesene Oberst Mauricio ein Notizbuch fand, das ihm garnicht gehörte, nach seiner Meinung aiso untergeschoben worden war, um den Verdacht gegen ihn zu verstärken. Erfolge der Aufständischen in Nordalbanien. Das gut unterrichtete„Grazer Volksblatt“ meldet aus Dibra, daß von der albanischen Grenze Kanonendonner und starkes Gewehrfeuer hörbar sei. Die katholischen Albanier flüchteten auf ferbisches Gebiet, da die Aufständischen ihre Dörfer vernichteten. Ein zweitägiger blutiger Kampf hat bei Tischkotea stattgefunden, wobei die Regierungstruppen unterlagen. In Mittel=Albanien sind Hungersnot, Typhus und Cholera ausgebrochen. Die Ausständischen konzentrieren sich zum Vormarsch auf Durazzo. Serbien trifft umsassende Vorberei tungen. Zur Verstärtung der albanischen Grenzbe. wachung sind vier Regimenter des ersten und zwei ten Aufgebot bereits mobilisiert worden. Wie verlautet, soll die ganze Morawa=Division in Stärke von 40000 Mann bereit stehen. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 8. Juni. **(Ein Wort des Trostes.) Die Erfahrung und die Wetterstatistik lehren, daß kalten und unfreund. lichen Frühlingen in den weitaus meisten Fällen desto schönere Sammer zu folgen pflegen. Die Meteorologen halten die Wetterlage, die bisher herrschte, das westliche Hochdruckgebiet mit dem Tiejdruckgebiet im Osten mit dem Kern über Finnland, sogar sehr günstig, daß es für später stetiges schönes Wet ter in Aussicht stellt. **(Erweiterung des amtlichen Wetterdienstes.) Im Einverständnisse mit der Reichsverwaltung wird auf Anordnung des preußischen Landwirtschaftsministers der Aushang der telegraphischen Wettervorhersage an den Reichspostanstalten in diesem Jahre zum ersten Male bis zum 31. Oktober, also einen Monat länger als bisher, währen. Den vielsach geäußerten Wünschen, die Vorhersage auch in den Monaten März, April und November öffentlich auszuhängen, konnte laut„Kreuz=Ztg. vorläusig noch nicht entsprochen werden. **(Der Kavallerie=Verein) hatte gestern mit Kind und Kegel einen Familienausjlug nach Berkhoff am Tunnel unternommen, an dem sich trotz der recht unbestimmten Wetterlage die ehemaligen Reiter mit ihren Damen recht zahlreich beteiligten. Nach einer gemeinschaftlichen Kasseetafel wurden für Jungdeutschland allerhand Spiele und Belustigungen veranstaltet, während die übrigen Teilneh mer bei Liedersang und Becherklang und einem späteren Tänzchen einige recht vergnügte Stunden verlebten. Erst zu ziemlich vorgerückter Stunde wurde der Rückmarsch angetreten. **(Die neueste sensationelle Wendung in der Grüber=Affäre,) das Geständnis Otto Grübers bezüglich der gesälschten Quittung Havers durch den im Zuchthaus geendeten Rechtskonsulenten Jungkurth, die Aufdeckung des ganzen Schwindelmanövers über die so anschaulich von Nödel geschilderte Rückzahlungsszene usw., wird in der ganzen Bürgerschaft mit lebhastem Interesse besprochen. In allen Kreisen gibt man seiner Freude darüber Ausdruck, daß das Dunkel, welches so lange Jahre und hauptsächlich infolge der„Sicherheit“ des sachverständigen Eraphologen über der ganzen Angelegenheit lag, endlich gelichtet ist. Auch in diesem Falle hat sich das alte Sprichwort:„Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt ans Licht der Sonnen“ wieder glänzend bewährt. Wie fein war der ganze Schwindel angelegt, wie viele Personen sind von den Akteuren hinters Licht geführt worden und wie kläglich ist der jetzige Zusammenbruch des ganzen Bauwerkes. In die Freude über die nunmehr auch vor der breiten Oefsentlichkeit erfolgte Rechtfertigung einer alten Familie unserer Stadt mischt sich das innige Mitgefühl und herzliche Teilnahme aller Kreise mit dem tragischen Geschick Havers. Jahrelang hat der Mann um sein gutes Recht, um seinen guten Namen und seine Ehre kämpfen müssen, und als er das Morgenrot einer neuen Zeit aufdämmern sieht, als endlich ein Lichtstrahl in das Dunkel fällt, da bricht er— dem die Aufregungen des jahrelangen Prozesses fürchterlich zugesetzt haben— zusammen, er sollte den vollen Sieg der von ihm vertretenen Sache nicht mehr erleben. Jetzt ist jeder Rest von Zweisel, der selbst nach der Verurteilung der Grübers bei einzelnen noch bestand und der vielleicht bei dem einen oder anderen durch das ruhige und taktvolle Benehmen Herrn Havers, als bereits eine Wendung der Dinge Platz griff, genährt worden sein mag, behoben. Die bisher noch vielfach bemitleideten Grübers und Genossen stehen nunmehr vor aller Augen in ihrer wahren Gestalt, als niedrig gesinnte Verbrecher da, die schnöden Geldes wegen über sich selbst und über viele Familien Unheil über Unheil gebracht haben. Das ist in Wahrheit der Fluch der bösen Tat, daß fortzeugend sie Böses muß gebären. Die ganz Schwerte und weit, weit über dessen Grenzen hinaus lebhaft interessierende Grüber=Affäre hat noch eine ganz andere Seite: Sie frischt aufs beste die„alte“ Lebensanschauung auf, welche in dem Sprichwort ihren Ausdruck findet: „Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich fein.“ **(Mit sportlichen Ehren) bedeckt kehrten die gestern nach Bielefeld zum„Nationalen Sportfeste“ entsandten Leichtathleten des„Schwerter SportKlubs 1906“ heim. Schlünder errang im Speerwerfen mit einer Leistung von 47,87 Metern den " 1. Preis,„Siegfried" im Diskuswersen den 4. Preis und im 200 Meter=Lausen für Junioren ebenfalls den 4. Preis, während Westermann in diesem Wettbewerb den 3 Preis erhielt.„Siegfried" und Westermann hatten sich mit noch zwei anderen Bewerbern in den Vorläufen für den Endlauf qualifiziert, in dem„Siegsried“ mit dem sicheren Siege in der Hand auf dem unebnen Boden leider zu Fall kam, sodaß ihm nur der 4. Preis zugesprochen werden konnte. Schließlich erzielte noch im 600 MeterStafetten=Laufen(dreimal 200 Meter) eine Stafette des„Schwerter Sport=Klubs“, bestehend aus„Siegfried“, Homel und Westermann, den 3. Preis. *e(Gefahren der Straße.) Am Samstag nachmittag wurde der drei Jahre alte Sohn des Maurers Sch. in der Hagener Straße von einem Fuhrwerk eines hiesigen Händlers überfahren. Der Kleine war so in sein Spiel vertieft, daß er dem Wagen nicht mehr ausweichen konnte und unter die Räder geriet. Außer sonstigen Verletzungen erlitt der arme Junge einen Bruch des linken Fußes. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er ins Krankenhaus gebracht. Dem Führer des Wagens soll an dem Unfall keine Schuld beizumessen sein. ** Holzen, 6. Juni.(Aus dem Gemeinderat.) In der letzten Gemeinderatssitzung wurde u. a. folgendes verhandelt und beschlossen: Die Preise für die Anlieserung von Asche und Gartenties auf die Gemeindewege und Schulplätze wurden festgesetzt.— Von dem Antwortschreiben der Gemeinde Hacheney wegen Leistung eines Zuschusses auf Grund des§ 53 des Kommunalabgabengesetzes wird Kenntnis genommen, und erklärt sich die Gemeindevertretung mit der Zuschußleistung von 462 Mark pro 1913 einverstanden.— Die Gemeindevertretung beschließt einstimmig, daß an der Paulinenstraße und am Holzener Weg nur Einfamilienhäuser bis zu einer Höhe von 2½ Stockwerk errichtet werden dürsen. ** Westhofen, 8. Juni.(Sängerpreise.) Der Männergesangverein„Eintracht“(Dirigent Echardt), der sich gestern an einem Gesangwettstreit in Hagen=Eckesey beteiligte, ersang sich den ersten Klassenpreis, den ersten Ehrenpreis und den Haupt=Ehrenpreis. Die„Eintracht“ sang unter sehr scharfer Konkurrenz größerer Vereine aus Westsalen und Rheinland in der zweiten Klasse. Als Preisrichter waren die Musikdirektoren Schwarz=Köln, Bones und Holtschneider=Dortmund tätig. Den wackeren Sängern und ihrem strebsamen Leiter zu diesem großen Ersolge unsern besten Glückwunsch! ** Syburg, 5. Juni.(Festgenommen) und dem Amtsgericht Schwerte zugeführt wurden die Arbeiter Emil Bocholt und Emil Botenbender. Dieselben sind verdächtig, gelegentlich der Pfingstkirmes mehrere Personen überfallen und ihrer Barschaft beraubt zu haben. Mehrere Portemonnaies trugen die Burschen noch bei sich. Beide sind schon wegen Diebstahls bezw. Körperverletzung vorbestraft. * Syburg, 6. Juni.(Die Provinzialbauten auf der Hohensyburg.) Die von der Provinz angekaufte Wulfsche Besitzung auf Hohensyburg, die nach einem Austausch einzelner Parzellen mit der Kirchengemeinde ziemlich abgerundet wurde, stellt sich jetzt den zahlreichen Besuchern in einem ganz anderen Gewande dar. Die Erweiterungs= und Umbauarbeiten gehen der Vollendung entgegen. Der Hauptfestsaal ist durch eine nach der Ruhrseite angebaute geschlossene Halle wesentlich vergrößert worden. Eine entsprechende Erweiterung hat auch die vorhandene geschlossene Terrasse an der ganzen Saalseite entlang erfahren. Der Wintergarten ist der Neuzeit entsprechend ausgestattet worden und hat nach der Ostseite eine ossene, geräumige Veranda erhalten. Die Anordnung der Küche ist so getrossen worden, daß von allen Seiten eine schnelle Abfertigung erfolgen kann. Das eigentliche Wirtschaftsgebäude ist der Neuzeit entsprechend umgebaut und für die Aufnahme von Sommer= und Wintergästen eingerichtet worden. Auch für die Jugendwanderer hat die Provinz durch entsprechende Einrichtungen des kleinen Saales und durch die Anlage von Sport= und Spielplätzen Sorge getragen. ** Aplerbeckermark, 8. Juni.(Ein eigenartiger Unfug) wurde hier vor einiger Zeit von einigen jungen Burschen auf mehreren Stellen verübt. Sie klopften abends nach Einbruch der Dunkelheit an die Haustüren. Nachdem dann geöffnet worden war, frugen sie nach irgend jemand, der in dem Hause wohnen sollte, natürlich war dieses dann nicht zutreffend. Dann sagten die Fremden zu den Bewohnern, sie sollten die Tür nicht so fest zuschließen, gegen 2 Uhr kämen sie wieder. Diese konnten dann die ganze Nacht vor Aufregung keine Ruhe sinden, da sie einen Diebstahl befürchteten. Es ist dieses ein ganz frivoler Unfug, da doch in der ganzen hiesigen Gegend wegen der vielen Diebstähle eine große Unruhe herrscht. Zum Glück ist es auch gelungen, diese Burschen, aus Schüren stammend, zu ermitteln, und erhielt jeder von der Polizei ein Strasmandat. ** Wellinghofen, 6 Juni.(Zur Verhaftung des„Spions“.) Der englische Generalkonful Dr. Francis P. Koenig zu Düsseldorf hat bei der zuständigen Polizeibehörde bereits um Aufklärung gebeten über die wegen Spionage erfolgte Verhastung des englischen Staatsangehörigen, des Braumeisters Mackenzie aus Johannesburg(Transvaal). Mackenzie wurde bekanntlich vor einigen Tagen wegen Spionageverdachts in Wellinghofen verhaftet, alsbald aber wieder freigelassen. Verbandsfest der kath. Vereine. Zum dritten Male seierte gestern der Verband der katholischen Vereine unserer Stadt sein gemeinschaftliches Fest in den Lokalitäten des Herrn Jocken, höfer(„Im Reiche des Wassers"). Auch in diesem Jahre war der Wettergott der Feier nicht besonders günstig gesinnt, aber trotzdem war die Beteiligung eine noch bedeutend größere, wie in den Vorjahren, und gestaltete sich das Fest zu einer wirklichen Familienseier für die ganze katholische Gemeinde. Der Festgottesdienst vormittags in der Kirche, in welchem der Franziskanerpater Eucharius aus Münster über die katholische Ueberzeugung und Bekenntnistreue predigte, war bereits ein vielversprechender Austakt für die ganze Feier. Nachmittags kurz vor 3 Uhr zogen die sechs Vereine mit klingender Musik und flatternden Fahnen vom Kordeckschen Lokal zu einem nochmaligen kurzen Festgottesdienst in die Kirche und darauf setzte sich der überaus stattliche Zug über die Haselack=, Hüsing und Brückstraße zum Festlokal zu in Bewegung. Die großen Räumlichkeiten waren im Augenblick dicht besetzt. Für diese Fest=Versammlung hatte der rüh tige Verbandsvorstand ein sehr reichhaltiges abwechslungsreiches Programm aufgesetzt. Nach einigen Musikvorträgen der Schwerter Kapelle(Mus) und einem prächtigen Chorlied des Ersangvereins„Cä cilia“, begrüßte der Verbandsvorsitzende Herr Fabrikbesitzer Meyknecht die stattliche Schar der Festgäste, feierte die Einigkeit der katholischen Vereine und brachte daran anschließend ein jubelnd aufgenommenes Hoch auf Kaiser Wilhelm und Papst Pius aus. Im Mittelpunkte der Feier stand die großzügige Festrede des bekannten Vorkämpfers der christlichen Gewerkschaften, des Reichstagsabgeordneten Giesberts=M.=Gladbach, der in formvollendeter und fesselnder Weise über das hochaktuelle Thema„Der Katholizismus und der Fortschritt auf wirtschaftlichem und geistigem Gebiete“ sprach. Redner erbrachte den Nachweis, daß die Katholiken stets an den Fortschritten auf wirtschaftlichem Gebiete lebhaften Anteil genommen hätten und daß der Katholizismus trotz der vielsachen gegenteiligen Behauptungen kein Hemmschuh für die Entwicklung auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete sei. Er wies dann auf die großen Wohltaten der sozialen Gesetzgebung hin, streifte kurz die Jugendpflege und betonte die Pflicht der katholischen Arbeiter, sich den christlichen Gewerkschaften anzuschließen und der Katholiken überhaupt, sich in Standesvereinen zu organisieren. Nach einem warmen Appell an die Eltern, ihre Söhne zu glaubensstarken Männern zu erziehen, ermahnte der geschätzte Rodner zum Schluß die Anwesenden zur Treue gegen den katholischen Glauben und zur Treue gegen Kaiser und Reich. Die von großer Begeisterung getragenen Ausführungen des Redners wurden mit großem Beifall ausgenommen, und gab Herr Meyknecht dem Dank der Fest=Versammlung Ausdruck. Das weitere Programm der gut vorbereiteten Feier bot neben Musikvorträgen der oben genannten Kapelle köstliche Liederspenden der„Cäcilia“ und der Gesangabteilungen des Arbeitervereins„St. Stefanus“ und der Jünglings=Sodalität, während im kleinen Saal und im Garten für Volksbelustigungen aller Art bestens gesorgt war und ein Jahrmarktstrubel der Unterhaltung übergenug bot. Erst gegen 9 Uhr erreichte die in allen Teilen wohlgelungene Frier ihr Ende. Die Schreckensnacht von Oedenburg. Es war eine grausige Szene, so berichten Augenzeugen, als der wahnsinnige Mörder Thomsic, der sich nach Erschießung der Eltern seiner Braut in der Kirche von Oedenburg verbarrikadiert hatte, mitten in der Nacht auf der Orgel Choräle zu spielen begann. Die österreichischen Gendarmen und Soldaten trauten ihren Ohren kaum, denn der Wahnsinnige spielte sonderbarerweise sehr korrekt. Ab und zu unterbrach er sein Spiel, eilte auf den Turm und feuerte, als er sah, daß sich Leute der Kirche näherten, seine Schüsse ab. Er war ein ausgezeichneter Schütze; drei Menschen hat er erschossen, neunzehn wurden von ihm schwer verletzt. Gegen Morgen hörte das Orgelspiel auf, und der Wahnsinnige hielt jetzt mit dem Gewehr in der Hand Wache. Kein Mensch durfte sich in den Straßen blicken lassen; auf Schleichpfaden begaben sich nach und nach sämtliche Einwohner ins Feld, um vor den Kugeln vom Kirchturm sicher zu sein. Und die abergläubischen Mädchen erzählten sich, nicht Thomsic, sondern der Teusel habe nachts die Orgel gespielt. Die Festnahme des Mordbuben. Die Gendarmerie eröffnete am Samstag mittag ein heitiges Feuer auf den Kirchturm, wo sich der Massenmörder Thomsic aushielt; dann trat der Pfarrer vor, der Thomsic aufforderte, sich zu ergeben. Thomsic erschien an der Kirchentür. Man rief ihm zu: Hände hoch! Nun ergab er sich ohne Widerstand. Man fand bei ihm eine geladene Browningpistole mit sieben Patronen und in seinen Taschen noch dreißig Patronen. Im ganzen hat er drei Personen getötet und neunzehn verwundet. Kein Kabinett Viviani. Der extrem radikale Herr Viviani, der früher bereits Arbeitsminister war, hat ein Ministerium nicht zu bilden vermocht und seinen Auftrag in die Hände des Präsidenten Poincaree zurückgelegt. Herr Viviani hatte sich zu der Versicherung der Aufrechterhaltung des Dreijahresgesetzes entschließen müssen mit der Maßgabe, daß die zweijährig. Dienstzeit erst dann wieder eingeführt werden sollte, wenn Frankreich durch die militärische Jugendausbildung stark genug geworden sei, um die Last der dreljährigen Dienstzeit abwersen zu können. Mehrere Kandidaten, die Herr Viviani bereits unter Anerkennung dieses Programms für den Eintritt in sein Ministerium gewonnen hatte, zogen sich nach reiflicher Ueberlegung in der Befürchtung, aus der radikalen Mehrheit ausgeschlossen zu werden, plötzlich zurück. Darauf verließ Viviani mit einem ironischen „Ich danke, meine Freunde!“ den Beratungssaal und erklärte dem Präsidenten Poincaree, daß sein Auftrag gescheitert sei. Eigentlich müßte nun der Senator Combes, durch dessen Macht die Kabinettsbildung verhindert wurde, mit der Neubildung betraut werden. Als wahrscheinlich gilt aber die Kombination Delcassee=Briand, Barthou, Millerand, als eine Zusammenfassung, deren Mitglieder weniger radikal sind. Barthou und Briand würden sich vor der neuen Kammer freilich kaum lange behaupten können. Verbandevg. Urbeitervereine. Auf dem in Saarbrücken abgehaltenen Delegiertentag des Gesamtverbandes evangelischer Arbeiterrereine wurde bezüglich der Liebknechtschen Verdächtigungen der deutschen Industrie folgende Entschließung angenommen: „Der Delegiertentag der evangelischen Arbeiter= vereine erhebt den schärfsten Widerspruch gegen die systematischen Verdächtigungen der deutschen Industrie durch die sozialdemokratische Partei, insbesondere durch den Abg. Liebknecht. Durch diese das Mißtrauen des Auslandes weckenden und demgemäß die Aufträge aus demselben zurückhaltenden Verunglimpsungen werden nicht nur die industriellen Unternehmungen, sondern auch— wie aus verschiedenen Verbandsverelnen bestätigt wird— die deutschen Arbeiter schwer geschädigt. Der Delegiertentag nimmt daher erneuten Anlaß, die Arbeiter evangelischen Bekenntnisses aufzufordern, den Lockrusen der Sozialdemokratie nicht zu folgen, sondern sich den evangelischen Arbeitervereinen anzuschließen.“ Folgenschwere Fünizig Personen verletzt. 5mp; Paris, 8. Juni. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern spät nachmittags in Cezannes, einem kleinen Städtchen im Departement der Marne. Dort fand ein großes Fest statt, und gegen 6 Uhr abends sollte ein Ballon aufsteigen. Da dies in Erzannes ein nicht alltägliches Ereignis war. hatte sich eine große Zuschauermenge eingesunden. Der Start ging glatt vonstatten. Aber kaum hatte sich der Ballon etwa dreißig Meter hoch in die Luft erhoben, als er aus bisher unaufgeklärter Ursache explodierte. Fünszig Personen wurden verletzt, davon 25 schwer. Die sofort herbeigerusene Rettungskolonne überführte die Schwerverletzten ins Hospital. Die Verletzungen von mehr als zehn Peisonen stellten sich als so schwer heraus, daß die Betrossenen kaum mit dem Leben davonkommen dürften. Geständige Eisenbahnattentäter. Berlin, 8. Juni. Die Anschläge auf Eisenbahnzüge, die im April und Mai in Pommern große Aufregung hervorriesen, sind jetzt von der Berliner Kriminalpolizei aufgeklärt worden. Die Attentäter sind zwei 16jährige galizische Schnitter. Beide wurden in Haft genommen und legten das Geständnis ab, die Anschläge in räuberischer Absicht ausgeführt zu haben. Hamburg, 8. Juni. Heute nacht 2½ Uhr legte sich am hiesigen Hafen aus noch unbekannter Ursach: der Dampfer„Victoria Luise", früher„Deutschland“ der Hamburg=Amerika=Linie auf die Seite und sank. Die Besatzung konnte gerettet werden. Ein Offizier soll ertrunken sein. Abberufung der Gesandten Oesterreichs und Italiens aus Durazzo. Wien, 8. Juni. Wie in gut unterrichteten politischen Kreisen verlautet, schweben gegenwärtig zwischen den Kabinetten von Wien und Rom Verhandlungen, die die Abberusung der Gesandten der beiden Mächte in Albanien, des Herrn v. Löwenthal und Baron Alottis, und ihre Ersetzung durch andere Persönlichkeiten zum Ziele haben. Der Zeitpunkt der Abberufung der beiden Diplomaten, die gleichzeitig erfolgen soll, steht noch nicht fest. Albaniens Entschuldigung bei Italien. Durazzo, 8. Juni. Ministerpräsident Turkhan Pascha begab sich am Sonnabend nach der italienischen Gesandtschaft, um dem Gesandten das Bedauern der albanischen Regierung über die Verhaftung des Obersten Mauricio und des Prosessors Chinigo auszusprechen. Auf Beschluß des Ministerrats wurde jedes Verfahren gegen die beiden Italiener eingestellt. Auch drückte die albanische Regierung schriftlich ihr lebhaftes Bedauern wegen der ungesetzlichen Verhaftung italienischer Untertanen aus und erklärte sich bereit, der italienischen Regierung jede wie immer geartete Genugtuung zu geben. Die Stadt ist vollkommen ruhig. Der Belagerungszustand wird aufrecht erhalten. Die Griechenverfolgungen in der Türkei. London, 8. Juni. Aus Athen kommt die Meldung, daß in dem kleinasiatischen Küstenort Tscheame unweit Smyrna 25 griechische Flüchtlinge eingetroffen sind und auf einen Dampfer warten, um nach Griechenland überzusetzen. Der griechische Gesandte in Konstantinopel hat den Auftrag erhalten, erneut gegen die Ausweisung und Verfolgung der Griechen zu protestieren. Explosion auf einem Panzertreuzer. Gromarty, 8. Juni. In den Kohlenbunkern des Panzerkreuzers„Vellerophon“ entstand eine Kohlenstaub=Explosion, durch die vier Heizer schwer verletzt wurden. Zwei haben so schreckliche Brandwunden davongetragen, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen werden. Ein Dorf eingeäschert. Kairo, 8. Juni. Eine Feuersbrunst zerstörte das Nitdeltadorf Mitreussa. Fünfzehn Personen verbrannten, Hunderte wurden verletzt. 3000 Menschen sind obdachlos. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte, Montag, 8. Juni 1914. Nr. 131. Beilage. Amtliches Kreisblatt. aber stellte sich die arme Ausgestoßene mit dem Das Rote Kreuz vor 100 Jahren. Von Erneralarzt z. D. Dr. Körting=Berlin. Nicht unter dem Zeichen des Roten Kreuzes, das erst fünfzig Jahre später entstand, wohl aber in seinem Sinne ist schon zur Zeit der Befreiungskriege ein gutes Stück vaterländischer Wohlfahrtsarbeit geleistet worden. Während zur Zeit der angeworbenen Heere in den Kreisen der nicht unmittelbar getroffenen Bevölkerung wenig Interesse für die Opser des Krieges herrschte, sehen wir es in weitestem Maße in dem Augenblick hervortreten, in dem die erste nationale Armee zum Kampf auszog. Neben den Spenden zur Ausrüstung freiwilliger Kämpfer erschien sofort eine umsassende Mildtätigkeit, die ihre Sorge den im Felde stehenden Söhnen, den zurückgebliebenen Familien, den Hinterbliebenen und Invaliden zuwandte. Preußen ging 1813 im Befreiungskriege voran; als erstes deutsches Land erhob es die Wassen, als erstes faßte es die freiwillige Hilfstätigkeit zusammen. Die übrigen deutschen Lande solglen dem Beispiel in dem Maße, wie sie sich der Gewalt des gallischen Zwingherrn entziehen konnten. Schon 1812, als die seit 6 Jahren von den Franzosen und ihren Hilfsvölkern ausgesogenen östlichen Provinzen das Etappengebiet für die nach Rußland rückende große Armee wurden und enormen Zwangsleistungen an Lazarettbedarf für sie stellen mußten, bildete sich ein allgemeiner Hilfsverien. Er brachte bis Februar 1813, zunächst für das Yorck'sche Korps in Kurland, fast 22.000 Taler auf. Am 23. März 1813 erschsen dann der berühmte Aufruf der hochherzigen Prinzessin Marianne von Preußen, der den ersten Frauenhilfsverein zum Wohle des Vaterlandes ins Leben rief. Jede Spende war willkommen; wir wissen, in welch rührenden Zügen der Wunsch, zu helfen, sich damals offenbarte. Nicht bloß bares Geld wurde gesammelt, sondern jede Art von Wertgegenständen, die sich in Unterstützungen für die Armee umsetzen ließen. Bei dieser befanden sich sogenannte fliegends Lazavette für die erste Hille und Hauptlazarette für die eiste stationäre Behandlung der Verwundeten. Die Zahl der Verwundeten und die ungeheure Typhusepidemie, die sich aus dem russischen Feldzuge von 1812 über Deutschland ausbreitete, ließen schon im Frühjahr 1813 alle HeeresSanitätseinrichtungen als unzureichend erkennen. Man errichtete daher regierungsseitig Provinziallazarette und besetzte sie mit freiwilligen Hilfskräften, nahm gern freiwillige Gaben zur Ausstattung. Vereine von Männern und Frauen entstanden überall, wenn auch noch ohne Zusammenhang miteinander; eine ministerielle Instruktion vom 14. September 1813 regelte ihre Stellung zu und ihre Verbindung mit den staatlichen Anstalten. In 124 Provinziallazaretten wurden durch die Mitwirkung der freiwilligen Kräfte bis Ende März 1814 133 965 Verwundete und Kranke verpflegt; darin einbegriffen die der verbündeten russischen Armee, die der Sanitätsanstalten ganz entbehrte. Nach Boendigung des Feldzuges von 1814 begann die Fürsorge für die Hinterbliebenen und Invaliden, für die der verarmte Staat schlechterdings nicht sorgen konnte. Noch bestand die für den Krieg ins Leben gerusene freiwillige Hilfsorganisation, als der kurze Feldzug des Jahres 1815 neue Opfer brachte und neue Hilfsanstrengungen erforderte. Erst in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts erloschen langsam die einzelnen Vereine, indem sie den Rest ihrer Mittel den Invalidenfonds und milden Stiftungen zuführten. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß schon in Kolberg 1807, dann bei Großgörschen, Großbeeren, Dresden, Leipzig zahlreiche freiwillige Helfer aus den nahegelegenen Städten, auch Helferinnen, herbeigeeilt waren, um sich an der ersten Versorgung der Verwundeten in der Schlacht. um ihren Abtransport nach dem Kampf zu beteiligen. Einer Organisation ermangelten diese Bestrebungen noch; gleichwohl leisteten sie Rühmliches, zumal die Heereseinrichtungen fehlten. Auf die freiwillige Hilfstätigkeit der andern deutschen Staaten einzugehen, ist an dieser Stelle nicht möglich. Sobald sie sich frei bewegen konnten, traten sie mit Eiser und Erfolg in gleicher Weise für die Unterstützung ihrer Armeen ein; auch hier gaben die Fürstinnen ein edles Beispiel. Ein in Württemberg um jene Zeit gegründeter Sanitätsverein bestand als einziger seiner Art dauernd weiter und schlug gleichsam eine Brücke zwischen jenen ersten Anstrengungen nationaler freiwilliger Hilfstätigkeit und dem von 1864 an strahlenden Roten Kreuz. Sie würden erheblich Größeres vollbracht haben, wenn sie nach wohldurchdachter Vorbereitung und in enger Fühlung mit den militärischen Stellen ihre Kräfte eingesetzt hätten. — Westfalen und Rheinland. * Hörde, 6. Mai.(Ein Kind von einem Kraftwagen übersahren.) Auf der Bickefeldstraße wurde gestern der 4 Jahre alte Fritz Perner von einem Kraftwagen überfahren und schwer verletzt. Das Kind war, einem Rufe seines älteren Bruders folgend, über die Straße direkt in das Automobil hineingelaufen. Der Knabe wurde überfahren und trug einen Schädelbruch davon, sein Zustand ist bedenklich. * Hamm, 6. Juni.(Ihren Verletzungen erlegen.) Im Städtischen Krankenhause starb gestern abend die Arbeiterin Martha Barth aus Berlin, die, wie gemeldet, am Mittwoch einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Das junge Mädchen hatte unter den Folgen der Lysolvergistung entsetzlich zu leiden, so daß der Tod für sie eine Erlösung bedeutete. * Essen(Ruhr), 6. Juni.(Ein lebensmüdes Freundespaar.) Ein blutiges Drama spielte sich am Freitag im Essener Stadtwald ab. Zwei aus der Fremde zugereiste Freunde, der Bergmann Schwarz aus Saarlouis und der Arbeiter Berg aus Köln, junge Burschen von 20 Jahren, begaben sich kurz nach ihrer Ankunft in Essen in den Stadtwald, um gemeinsam Selbstmord zu begehen, indem sie versuchten, sich gegenseitig die Pulsadern zu öffnen. Da sie sich nur unerheblich verletzten, jagte sich Berg eine Kugel in den Kopf, durch die er schwer verletzt wurde. Schwarz tötete ihn dann durch eine Kugel ins Herz. Angesichts der Leiche des Freundes verlor Schwarz den Mut, sich selbst zu töten und stellte sich der Polizei. * Verghausen(Marienheide), 6. Juni.(Im Streit erstochen.) Hier gerieten wegen eines Mädchens mehrere jung. Burschen miteinander in Streit, bei dem schließlich auch das Messer als Hauptwasse sungierte. Der neunzehnjährige Otto Steinbach erhielt einen Messerstich in den Kopf. Er wurde so schwer verletzt, daß er nach wenigen Minuten starb. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden. * Grevenbroich, 6. Juni.(Die Todesfahrt.) Ein 15jähriger Gymnasiast aus M.=Gladbach, der hier bei seiner Großmutter zu Besuch war, ist gestern hier in der Erft ertrunken. Er vergnügte sich mit einem jüngeren Schüler mit Radfahren, mit dem er di ziemlich steile Wilhelmstraße hinabfuhr. Am Ende der Straße konnten sie die Kurve der hier völlig ungeschützten Erst nicht nehmen und stürzten ins Wasser. Während es dem jüngeren Schüler gelang, sich ans Ufer zu bringen, ertrank der andere, ehe Hilse zur Stelle war. Es dauerte geraume Zeit, bis man den Ertrunkenen aufgesunden hatte. Die angestellten Wiederlebungsversuche blieben erfolglos. * Hiesfeld, 6. Juni.(Ein lustiges Jagd= abenteuer) erlebte ein hiesiger Jägersmann. Beim Durchstreifen seines Jagdreviers gelang es ihm, ein Kaninchen einzufangen. Er steckte das Tier lebend in seinen Rucksack und trat dann den Heimweg an. Als er eine Strecke Weges gegangen war, hörte er aus seinem Rucksack ein verdächtiges Quieken. Bei näherer Untersuchung fand er zu seinem Erstaunen, daß das Kaninchen unterdessen sünf Junge zur Welt gebracht hatte. Alsbald setzte der Weidmann die ganze Familie wieder in Freiheit. * Kleve, 6. Juni.(Todessturz.) Die Ehefrau des Zollsekretärs Helbing stürzte gestern nachmittag infolge eines Schwindelansalles von dem an ihre Wohnung anstoßenden Balkon aus der Höhe des ersten Stockwerkes auf den gepflasterten Hof hinab. Die Bedauernswerte stürzte so unglücklich, daß sie das Genick brach und auf der Stelle tot war. * Wipperfürth, 6. Juni(Schandtaten eines Vaters.) Unter Ausschluß der Oessentlichkeit verhandelte die Kölner Straskammer gegen einen Taglöhner von hier. Der 58 Jahre alte Angeklagte hatte seit 1901 bis 1905 mit einer seiner Töchter und im Jahre 1914 mit seiner noch nicht 14 Jahre alten Tochter Blutschande getrieben. Er wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Gefährlich In der„Voss. Ztg.“ wird folgendes hübsche Geschichtchen erzählt: Das kleine Mädchen eines bekannten Berliner Schauspielers besucht eine städtische höhere Töchterschule, mit nicht ganz so viel Erfolg, meint der Vater, wie die Lehrerinnen wohl wünschen mögen. Aber das ist nicht des Kindes Schuld, fügt der Vater hinzu, sondern ganz und gar die seine, denn er halte stundenlanges Hocken vor häuslichen Arbeiten nach überlangen Schulstunden für so ungesund, daß er die Kleine immer wieder vom Studiertisch ins Freie schicke, wo sie sich denn auch eine Hautsarbe erworben habe, die sie neben ihren seßhaften Mitschülerinnen ziemlich fremdartig aussehen lasse. Am letzten Sonntag hatte sich diese Hautfarbe zu einem kräftigen Braunrot entwickelt, worin, wie es scheint, auch einige der bei Kindern häusigen„Hitzpickel“ nicht fehlten. Und am Montag erschrak die Lehrerin: Solche Röte und die bedenklichen kleinen Flecke— war das nicht ansteckender Ausschlag? Flugs wurde die Kleine nach Hause geschickt— die äußerste Vorsicht der Lehrerin in bedenklichen Fällen ist ja bloß löblich— und einige ängstliche Mütter ihrer Mitschülerinnen konsulierten noch selbigen Tages Aerzte wegen etwalger Ansteckung. Am nächsten Morgen folgenden Geleitschreiben wieder ein:„Meine Tochter Angrid ist gestern ihres Aussehens wegen aus der Schule nach Hause geschickt worden. Es hat sich aber herausgestellt, daß es sich nur um das ganz ungefährliche Aussehen handelt, das blühender Gesundheit eigen ist. Für ihre Mitschülerinnen ist eine Ansteckungsgesahr bei dem fünf= und sechsstündigen Unterricht für neun= und zehnjährige Kinder kaum zu befürchten Ich bitte deshalb, meine Tochter wieder am Unterrichte teilnehmen zu lassen.“ — Die Einführung einer neuen Dienstprämie für Unteroffiziere beim Ausscheiden nach acht= oder neunjähriger Dienstzeit ist für den Etat 1915 in Aussicht genommen, da hierzu eine Abänderung des Mannschaftsversorgungsgesetzes vom 31. Mai 1906 vorgenommen werden muß. Die Erwägungen erstrecken sich darauf, nicht nur eine kleinere Dienstprämie von 500 Mark den ausscheidenden Unteroffizieren nach acht= oder neunjähriger Dienstzeit zu gewähren, sondern es soll gleichzeitig auch ein Anstellungsschein für den Unterbeamtendienst mit der Prämie verbunden werden. Wenn diese neuen Maßnahmen der Heeresverwaltung zur Durchführung gelangen, so würde als unmittelbare Folge hiervon eine weitere Hebung des Standes der Militäranwärter(Inhaber des Zivilversorgungsscheines) erreicht werden, der dann nur noch aus den im Militäranwärterunterricht durchgebildeten befähigteren Unteroffizieren bestehen würde. Die Durchbildung und der weitere Ausbau des Militäranwärterunterrichts ist in letzter Zeit dadurch zum Ausdruck gekommen, daß das Maschinenschreiben und die Kurzschrift beim Unterricht Aufnahme gefunden hat, und daß eine Belehrung über alle Zivilversorgungsangelegenheiten stattfindet. Durch die neuen Maßnahmen würde damit aller Voraussicht nach eine Beschränkung des Ansturms auf die mittleren Stellen eintreten, so daß hierdurch im ganzen wiederum eine Verbesserung der Verhältnisse des Unteroffizierstandes erreicht würde, die von allen Seiten befürwortet wird. Ueber Land und Meer. In buntem Zickzack durchstreifen wir beim Lesen der neuesten Nummern dieser Zeitschrift(Deutsche VerlagsAnstalt, Stuttgart, Heft 27—30) die Welt. Wir erfahren, was I. P. Koch auf der ersten Durchquerung Mittelgrönlands erlebt hat, machen mit Heinz Karl Heiland, der vor einigen Jahren auf die Entdeckung nach Neuland auszog, einen Besuch in Indien, um die Wunder des Brahma anzustaunen, erfreuen uns an der feinen Gotik der Kathedralen Englands(geschildert von Moeller van den Bruck) und machen einen Besuch in der neuen deutschen Seemannsschule auf Finkenwärder bei Hamburg. Aus dem unerschöpflichen Brunnen der Natur fließt es in hellen Strahlen: wir lesen vom Kukkuck und seinen bösen Eigenschaften, sind bei Wilhelm Bölsche, diesem tiefschürfenden Forscher, zu Gaste, erfahren über das Ende der Erde Dinge, die uns stutzig machen müssen, lernen im Tierreich das Regiment der Frau kennen und sehen an einer instruktiven Darstellung, wie Bäume verpflanzt werden. Der Roman von Ganghofer: Der Ochsenkrieg, geht seinem Ende entgegen; die Fülle gediegenen Lesestoffes überrascht wieder ebenso, wie die Reichhaltigkeit des Illustrationsmaterials. Die Titelbilder sind Musterblätter von besonderer Art. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Der Kampf um das Roman von Ewald Ang. König. 26 „Lassen wir das jetzt,“ unterbrach sie ihn mit einerraschen, ablehnenden Handbewegung,„ich muß diesen Vorschlag reiflich überlegen, bevor ich eine Entscheidung tieffen kann, im Hinblick auf die vergangenen Ereignisse werden Sie das begreiflich finden. Sie sollen meine Antwort in den nächsten Tagen haben, ich kann Ihnen heute noch nicht sagen, ob ich nicht auf gerichtlichem Wege meine Rechte fordern werde, die Sie ignorieren zu wollen scheinen.“ „AlleRechte, die Sie beanspruchen dürfen, räume ich Ihnen ein,“ sagte der Baron, der seine Ruhe bewahrte,„der Herr Doktor wird unsere Familien= statuten kennen, fragen Sie ihn, ob Sie mehr fordern dürfen, als das, was ich Ihnen angeboten habe.“ „Darüberließe sich streiten," erwiderte Hermann achselzuckend, und wieder traf ein ernster, warnender Blick seine Schwester, die ihrer Erregung kaum noch gebieten konnte;„wie die Verhältnisse augenblicklich liegen, würde ich zur Annahme Ihres Vorschlages raten.“ „Sie wollen mir Botschaft von meinem Sohne bringen?“ wandte Adelgunde sich zu dem Baron, dessen Stirn sich umwölkt hatte.„Sie sprachen von froher Botschaft.“ „Ich will Sie nicht länger in Ungewißheit lassen,“ sagte der Baron, sich erhebend, und seine Stimme klang jetzt kühl und zurückhaltend.„Dagobert ist bereits hier, er hat bei mir Wohnung genommen, er wartet unten in meinem Wagen, bis ich Sie auf das Wiedersehen vorbereitet habe.“ BaroninAdelgunde sprang mit einem Freudeuruf vom Diwan auf, Hermann war bereits hinausgeeilt, um Dagobert zu holen. „Ich werde Sie jetzt verlassen,“ fuhr der Baron leise fort,„beraten Sie mit Dagobert und Ihrem Bruder, wenn Sie überhaupt eine Beratung nötig finden. Ich sage Ihnen noch einmal, auf dem Wege des Prozesses werden Sie gar nichts erreichen, die Rechte, die mir zustehen, trete ich nicht ab, ich darf es nicht, ich bin entschlossen, die mir auferlegten Pflichten zu erfüllen. Ich werde meinen Wagen gegen Abend schicken, um Dagobert abhalen zu lassen, es wird mir lieb sein, wenn Sie ihn begleiten, auf den freundlichsten Empfang dürfen Sie zuversichtlich rechnen.“ In diesem Moment trat Dagobert ein, die Baronin bemerkte kaum, daß ihr Schwager sich mit einer tiefen Verbeugung entfernte, sie eilte dem Sohne entgegen, den sie mit überströmenden Augen in ihre Arme schloß. Sie konnte sich nicht satt sehen an dem stattlichen Manne, dessen äußere Erscheinung sie an ihren Gatten erinnerte; sie hatte unzählige Fragen an ihn zu richten und ließ ihm kaum Zeit, sie zu beantworten; sie wollte im Fluge alle seine Erlebnisse erfahren. Dann planderte sie über ihre eigene Gefangenschaft, und so weit auch mitunter ihre Gedankensprünge auseinandergingen, in einem Punkte: in dem Haß gegen den Baron trafen sie immer wieder zusammen. Hand in Hand saßen sie auf dem Diwan, in kurzen Umrissen berichtete Dagobert seine Erlebnisse, er schloß diesen Bericht mit den Unterredungen, die er mit dem Förster, dem alten Kammer= diener und seinem Vormund gehabt hatte. Der Rechtsanwalt hatte unterdessen im Kabinett seine Klienten abgefertigt, er kehrte zurück, als seine Schwester ihre Ueberführung in die Irrenanstalt berichtete. Dagobert war empört, er glaubte nicht an die Geistesgestörtheit seiner Mutter, sein leidenschaftliches Temperament forderte Vergeltung. „Ich bin alt und erfahren genug, um das Majorat verwalten zu können.“ sagte er in aufwallendem Zorn.„Das Vormundschaftsgericht muß darüber entscheiden, ich verlangemein Erbe, ich werde auf dieser Forderung beharren; erfüllt das Gericht sie nicht, so wende ich mich an den Landesheern.“ „Gemach!" warnte Hermann.„Torheit wäre es, eine Klage anzustrengen, wenn das Recht nicht auf unserer Seite ist. Kein Richter kann die Bestimmungen des Familienstatuts ändern, der Landesherr wird niemals seine Genehmigung dazu geben, denn was seine Vorfahren zugesagt haben, das muß er halten. Wir würden mit unserer Klage abgewiesen, und hätten durch sie nur die Feindschaft Deines Onkels herausgefordert. Was wir aber von solcher Feindschaft zu erwarten haben, das haben wir zur Genüge erfahren.“ „Wir sind jetzt nicht mehr schutzlos,“ warf seine Schwester ein. Dagobert ist jetzt ein Mann geworden und auf Deinen Beistand dürfen wir wohl auch vertrauen.“ „Das wohl, aber dem Baron steht auch ein erfahrener Jurist zur Seite, der mit allen Hunden gehetzt ist. Wollt Ihr meinem Rat folgen, so geduldet Euch, bis die Frist abgelaufen ist, zwei Jahre verstreichen ja rasch—“ „Sie werden mir eine Ewigkeit werden," unterbrach Dagobert ihn. „Nehmt Eure Jahresreute und geht damit auf Reisen.“ „Das wäre der letzte Vorschlag, der mir annehmbar erschiene; ich bleibe hier, um die Verwaltung meines Erbes zu überwachen.“ „Und wo bleibe ich?“ fragte Adelgunde. „An der Seite Deines Sohnes ist jetzt Dein Platz," erwiderte Hermann. „Vielleicht nehmen die Dinge auch eine andere Wendung," fuhr der Rechtsanwalt in scherzendem Ton fort,„Baronesse Theodore soll eine sehr liebeuswürdige Dame sein, ihre Hand könnte für alle Zeiten Frieden stiften.“ Voll banger Erwartung ruhte der Blick Adelgundens auf dem Sohn, sie atmete erleichtert auf, als sie in seinen ernsten Zügen nur Gleichgültigkeit entdeckte. Hchbelrsiechdellschentzuostaddagseit Tchecdonene nicht,“ sagte er ruhig,„aber so gern ich auch mit ihr plandere und verkehre, ich sehe in ihr nur die Cousine, die mir niemals mehr werden kann.“ „Niemals?“ „Nein, niemals!“ „Dann muß eine andere schon Dein Herz erobert haben!“ scherzte Hermann. „Das steht auf einem anderen Blatt geschrieben,“ antwortete Dagobert, ihn ernst anblickend, „Du wirst mir wohl gestatten, daß ich meine Herzensgeheimnisse einstweilen noch bewahre." So sehr diese Antwort auch die Neugier der Baronin reizte, fand sie doch keine Zeit zu einer Frage, denn gerade jetzt trat die Haushälterin ein, um den Rittmeister von Schwind nebst Tochter anzumelden. Die alten Erinnerungen wurden wieder wach in der Seele Adelgundens, sie eilte dem einst so heißgeliebten Freunde entgegen und reichte ihm beide Hände. Schon standen sie Hand in Hand und Ange in Auge einander schweigend gegenüber, während Hermann Leontine begrüßte und Dagobert ihr vorstellte. „An die Möglichkeit dieses Wiedersehens hatten wir vor kurzem beide wohl noch nicht gedacht," brach die Baronin endlich mit leise bebender Stimme das Schweigen.„Wie vieles hat während unserer Treunung sich verändert! Wir sind beide alt geworden, Haus—“ „Du nicht, Adelgunde,“ unterbrach er sie bewegt, indem er ihr den Arm bot und sie zum Diwan führte,„an Dir sind die Jahre fast spurlos vorbeigegangen.“ „Du hattest früher schon das Talent, Schmeicheleien zu sagen—“„ 214,16 Der Rittmeister drückte dem jungen Herrn warm die Hand, dann rief er seine Tochter, die Hermann schon in eine lebhafte Unterhaltung verwickelt hatte. 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Neben dem Palaste des Kalifen Hakkam II.(961—976) hatte eine arme Witwe ein kleines Besitztum. Der Platz gefiel dem Kalisen, und er wollte ihn kaufen; aber der Besitzerin war er nicht seil. Die Gründe, die sie dafür angab, wurden nicht gehört, die Frau wurde vertrieben, und Hakkam bemächtigte sich des Platzes. Er ließ einen prächtigen Pavillon darauf umgab ihn mit großaltigen Anlagen. In ihrer Not begab sich die Vertriebene zu dem Kadi Bechir nach Cordova, der schon vielen geholfen hatte, und bat ihn um seinen Beistand. Der versprach es. Er bestieg einen Esel, nahm einen leeren Sack mit und trabte zu dem Pavillon des Kalifen. Als er angekommen war und ihn in seiner neuen Anlage fand, warf er sich zu seinen Füßen und bat ihn, ihm zu erlauben, den mitgebrachten Sack mit der Erde zu füllen, auf der er, Hatkam, eben stand. Lachend erlaubte es ihm der Kalif. Nachdem Bechir fertig war, wandte er sich von neuem an Hakkam.„Zürne nir nicht, sagte er zu ihm, „wenn ich dich zum zweiten Male angehe— hilf mir den Sack aus den Esel laden.“ Hakkam mußte lachen und ging daran, dem Kadi zu helfen. Aber kaum hatte er den Sack ein wenig gehoben, als er ihn sogleich wieder fallen ließ und lachend über die schwere Last schalt.„Siehst du“, sagte Bechir,„dieser Sack ist nur ein kleiner Teil der Besitzung, die du dir angeeignet, und du kannst ihn nicht ertragen, wie willst du dereinst die ganze dich nehmen und ertragen, wenn du vor Gott, deinem Richter, stehen wirst?" Da verwandelte sich die Heiterkeit des Kalisen plötzlich in einen furchtbaren Ernst, er sah ein, daß er gesehlt hatte, und gab der Witwe nicht nur ihre Besitzung zurück, sondern schenkte ihr auch den Pavillon und alle Herrlichkeiten, die er enthielt und die ihn umgaben, dazu. diesen süßen Stoff gekannt haben, deren Fabrikation zweifellos während der Tsin=Dynastie, zweihundert Jahre vor Christi, in China betrieben wurde. Man spricht auch Indien die Erfindung zu, wahrscheinlich aber haben die Indier von den Chinesen diese Kunst erst gelernt und dann weiter westwärts verbreitet. 325 Jahre v. Ch. schickte Alexander der Große den Cearchus mit einer großen Flotte den Indusstrom abwärts, um die angrenzenden Länder zu erforschen. Dieser Feldherr brachte nach Griechenland die Kunde von einem Honig(Zucker) mit, welchen die Asiaten ohne Beihilfe der Bienen aus einem Rohre bereiteten. Dies war die erste Nachricht, welche die Occidentalen über den Zucker erhielten, bis dahin den Juden, Agyptern, Babyloniern und Griechen ganz unbekannt gewesen war. Waffenröcke einst und jetzt. Den Namen des Oberkleides unserer jetzigen Soldaten pflegt man als„Rock eines Bewaffneten oder Kriegers" zu erklären. So einfach lag die Sache im Mittelalter jedoch nicht. Der Waffenrock war damals das ausschließliche Vorrecht eines Ritters und während jeder, der einen Panzer, Brustharnisch, Kettenhemd u. dgl. besaß, solche auch tragen durfte, war nur der sctitter berechtigt, über dieses„Gewaffen“ oder„die Wappnung den losen, aus Seide oder feinem Tuch gefertigten ärmellosen, bis zum Knie herabreichenden Waffenrock zu ziehen. Ohne einen Waffenrock ging der Ritter nicht in den Kampf, schon um nicht mit einem Knappen verwechselt zu werden; das ersehen wir auseinem Vorgange, den Jean le Feore de St. Remy in seiner Geschicht Karls VI. erzählt. Ein Abgesandter des Königs von Frankreich, der Herzog von Brabant, kam in dem Augenblick zum französischen Heere bei Azincourt(1415), als dieses auf den Feind losgehen wollte. Da riß der Herzog, der gein mit in die Schlacht ziehen wollte und doch keinen Waffenrock zur Hand hatte, einem der Drommeter das Panier fort, schnitt in die Mitte des Tuches ein Loch und warf es sich über den Kopf, wo es dann einen schönen Waffenrock abgab. Künstlerleben. Iweidenüges Kompüment. Als der berühmte englische Tiermaler, Sir Edwin Landseer, sich in Lissabon aushielt, zog man ihn auch an den Hof, und der König drückte ihm seine Bewunderung mit den Worten aus:„Sir Edidin, es macht mir eine große Freude, Sie kennen zu lernen; ich bin ein so außerordentlicher Tierfreund.“ Rogert=Alnetdoten. Der berühmte Komponist Mozart war sehr freigebig. mangelte es ihm selbst nicht selten am nötigsten. Als der Hausknecht aus seinem Stammlokal, der„silbernen Schlange", Josef Deiner, eines Tages im Spätherbst bei ihm anfragte, ob er wie im Jahre zuvor Holz bestellen wolle, traf er das Ehepaar Mozart im Zimmer herumtanzend an, und der Meister sagte, als er sein verdutztes Gesicht sah:„Lieber Deiner, wir tanzen uns warm. Wir frieren und haben kein Geld, uns Holz zu kaufen.“ Deiner schaffte sofort welches herbei.— Als er einmal die Höhe seines festen Einkommens(800 Gulden Gehalt als Kammerkompositeur) in das ihm zugestellte Formular eintrug, soll er unter„Besondere Bemerkungen“ geschrieben haben:„Zu viel für das, was ich leiste; zu wenig für das, was ich leisten könnte.“— Der leutselig bescheidene, unbedeutend aussehende Mann wurde oft von Unbekannten für eine untergeordnete Person gehalten. Ein berühmter Mann behandelte ihn sogar einmal als reisenden Handwerksburschen.„Mit Mozart kam ich in große Verlegenheit,“ berichtet der Mannheimer Schauspieler Backhaus in seinem Tagebuch:„Ich sah ihn für einen kleinen Schneidergesellen an. Er kam und fragte mich, ob man bei der Probe zuhören dürfe. Ich wies ihn ab.„Sie werden doch dem Kapellmeister Mozart erlauben hören!" Jetzt kam ich erst recht in Verlegenheit.“ Für Geist und Gemüt. Wenn du ein Herz gefunden— Wenn du ein Herz gefunden, Das treu mit dir es meint, In gut’ und bösen Stunden Bleib' eng mit ihm vereint. Hörst du's an deinem schlagen, Nichts Schön'res hörst du je, Auf Händen mußt du's tragen, Und nimmer tu' ihm weh! Heut darfst du's dein noch nennen Was du in ihm umfaßt', Willst du's zu spät erkennen, Wenn du's verloren hast?! er Naturfreund. Die Vogelseinde im Tessin. Kultur und Wirtschaft. Seit wann kennt man den Zucker? Die Erfindung des Zuckers verliert sich in die Zeit der Mythe und Sage, jedoch sollen die Chinesen schon vor 3000 Jahren Die Feinde der Vögel haben leider in allen Weltteilen ihre Quartiere, und überall ist bisher der Kampf gegen sie ohne nennenswerten Erfolg gewachsen. An den Gestaden Af werden nach wie vor Hunderttausende von Wachteln, vie vom Flug über das Meer ermüdet sich dort niederlassen, gefangen, und nicht viel besser geht es den zahllosen kleinen und größeren Vögeln an den europäischen Meeresufern, wenn sie von ihrer Reise aus den südlichen Gegenden zurückkehren. Aber eine ganz besonders bösartige Gesellschaft von Vogelfeinden beherbergt der Kanton Tessin, gegen die von der schweizerischen Regierung zwar mit viel Eifer aber mit wenig Erfolg vorgegangen wird; mit wenig Erfolg deshalb, weil die Gemeindebehörden den Vogelfang für eine berechtigte Eigentümlichkeit der Bevöllerung ansehen und sich infolgedessen nur wenig bewogen finden, den gesetzlichen Bestimmungen Achtung zu verschaffen. In welchem ungeheuerlichen Umfange die Vogelstellerei im Kanton Tessin getrieben wird, und wie verheerend sie wirken muß, ergibt sich varaus, daß die eidgenössischen Grenzwachtmannschaften, denen es oblag, auf Vogelfallen zu fahnden, bei ihren Streiftouren in dem letzten Jahr in den Berggegenden des Tessin annähernd 19.000 Fangvorrichtungen für kkeine Vögel fanden. Diese Fangvorrichtungen wurden zwar sämtlich in gewissenhaftester Weise zerstört, aber nur in 100 Fällen gelang es, die Übeltäter zur Bestrafung zu bringen, und sicherlich wurden, sobald die Mannschaften den Rücken gekehrt hatten, die Fallen wieder aufgestellt. Rachdrut bes gesonten Inhells diefer Beiage Kontersag.= Unterhaltungs=Beitage zu Nr. 131. Montag, 8 Juni 1914. Trifft dich ein Leid, mit festem graden Blicke Sieh in das Auge jedem Mißgeschicke; Und rückwärts schaun laß die Erinnerung— Dann bleiben herz und Seele frisch und jung. zweite Seltsamer Roman von Rudolf Jura. (15. Fortsetzung.) „Beide, Frau Hildebrandt sowohl, wie der kleine Petritz, lächelten über diese süßen Worte sehr geschmeichelt, und als Born spät abends wieder nach Hause ging, hatte er nicht nur einen genauen Überblick auf die etwa in seiner Wohnung möglichen Verstecke gewonnen, sondern er hatte auch sein und seiner dicken Wirtin Herz vollständig erobert. Heute gegen vier Uhr war er nun wieder in des kleinen Petritz' Wohnung erschienen und hatte Frau Hildebrandt gefragt, ob er den Herrn sprechen könne. „Aber nein! Der ist doch natürlich im Geschäft.“ „So? Ich meinte, heute nachmittag hätte er sich einmal freigemacht? Das ist schade. Da muß ich ihn gestern abend mißverstanden haben.— Lassen Sie mich für einen Augenblick in sein Zimmer. Ich kann ihm ja ausschreiben, was ich ihm zu sagen habe.“., miss, bas Stähch. Frau Hildebrandt öffnete ihm berentwillig oas Stochen ihres Mieters, und er bemerkte gleich beim Eintritt, daß sie offenbar darin aufgeräumt hatte; denn es jah verhältnismäßig ordentlich aus. Er lobte sie deswegen, und sie wollte ihm geschmeichelt Papier und Bleistift zur Niederschrift seiner Notizen herbeibringen. Born drängte sie jedoch freundschaftlich zur Tür binaus und sagte:.64 6—I, Tran, Gilh,krandt „Bemühen Sie sich nicht, vereyrte Frau Hildebrandt. Ich finde dort im Schreibschrank schon selbst, was ich brauche. Der Schlüssel steckt ja.“ Frau Hildebrandt ließ ihn allein, und eilig begann er Schreibschrank und Kommode zu durchsuchen. Beide hatten überhaupt sehr wenig Inhalt, und der Brief sand sich darin nicht. Während er noch in den Kästen des Schrankes vergeblich herumstöberie, hörte er Frau Hildebrandt zurückkommen und eilig stellte er sich an das Bücherbrett, auf dem eine stattliche Anzahl von Bänden sehr verschiedener Art durcheinander stand. „Nun, haben Sie aufgeschrieben, was Sie Herrn Petritz mitteilen wollten?“ fragte die Wirtin. „Nein. Noch nicht. Ich hoffte, das Buch, das er mir leihen wollte, vielleicht selbst auf dem Bücherbrett hier zu finden. Aber ich sehe leider, daß ich erfolglos suche.“ „Ich habe eine Anzahl herumliegender Bücher in das oberste Fach mit hineingestellt. Vielleicht ist es dieses hier. Das lag auf dem Fußboden.“ Damit griff sie einen Band aus der Reihe der übrigen heraus und überreichte ihm denselben. Es war der Band kleiner Erzählungen von Poe, den Born schon gestern abend hatte liegen sehen. Unwillkürlich schlug er es auf und das Buch öffnete sich dabei an den beschmutzten Seiten, mit denen es mehrere Tage lang auf dem Boden gelegen hatte. Der Inhalt der ersten Zeilen, auf die sein Auge fiel, überraschte ihn so, daß er hastig weiter las und dabei zu Frau Hildebrandt sagte: „Ja, das ist das richtige Buch. Aber ich glaube, es ist### am einfachsten, ich lese das Kapitel, auf das es mir ankommt. gleich hier. Da brauche ich das Buch nicht erst mit fortzunehmen, und Herr Petritz braucht es nicht zu entbehren.“ „Jawohl! Machen Sie es sich nur bequem und lesen Sie 1 Gierig überflog Born die kleine Erzählung. Sie handelte auch von einem wichtigen Briefe, den sein schlauer Eigentümer mit großem Geschick vor allen Nachforschungen der Geheimpolizei zu verbergen wußte. Der Verfasser auan Poe verfocht darin fast mit denselben Worten dieselben Grundsätze über die Kunst des Versteckens, wie sie der kleine Petritz gestern abend so stolz und überlegen gepredigt hatte, und der Held der Geschichte verfuhr auf eine sehr eigentümliche Weise. um seinen Brief mit einer geradezu genialen Unverschämtheit dicht unter der Nase der ihn umgebenden Spione zu verstecken. Er faltete den Brief mit der unbeschriebenen Seite nach außen so, daß er das Aussehen eines Briefumschlags bekam, beschnitt und rundete auch die Ecken dem beabsichtigten Aussehen entsprechend ab und klebte sie leicht zusammen. Dann versah er den Briefumschlag mit seiner eigenen Adresse, klebte die Freimarke darauf. deren Stempel er auf dem weißen Papier mit etwas Tusche vervollständigte, und schnitt den künstlich hergestellten Briesumschlag an einer Seite auf, wo er sich überzeugte, daß der Schnitt den Text nicht beschädigte. Diesen leeren Umschlag füllte er mit irgend einem gleichgültigen Schriftstück und steckte ihn frei und offen mit anderen Briefen in einen an der Wand hängenden Briefhalter. Als Herr Born diese Beschreibung gelesen hatte, wußte er, woher des kleinen Petritz überlegene Art und Weise. über das Brief=Versteck zu sprechen, ihren Ursprung hatte. Er war auch überzeugt, daß er bei seiner jugendlichen Unselbständigkeit und seiner Begeisterung für Poe genau dieselbe Art des Versteckes gewählt hatte, wie sie sein Meister in der offenbar eben erst von ihm gelesenen Erzählung schilderte. Ein Rundblick im Zimmer vergewisserte ihn, daß sich hier kein Briefhalter oder dergleichen vorfand. Wohl aber entsann er sich, daß er in Fräulein Kurzmüllers Wohnzimmer ein derartiges altmodisches Ding über dem Nähtisch hatte an der Wand hängen sehen...... gr5.. Jiemeh. Zweifellos war der Brief dort vervorgen oder vielmeyr offer hineingesteckt.„„ e= 65 Er sah nach der Uhr. Es war die höchste Zeit, wenn er noch rechtzeitig vor Fräulein Kurzmüllers Rückkehr in deren Wohnung sein wollte. Eilig stürmte er davon. Eine Droschke war zufällig nicht zu finden, und so mußte er den weiten Weg zu Fuz im Laufschritt zurücklegen. Mit klopsendem Herzen und ganz außer Atem kam er an. als der Rechtsanwalt mit seinen Heliern schon der Verzweiflung nahe war und mutlos die Hände in den Schoß legen wollte. „Haben Sie den Brief?“ rief Born mit mühsamem Atem. indem er sich nach Luft schnappend auf einen Stuhl fallen lieb.... Behtsaumalt und bracht, einzz# „Nein.“ antwortete der Rechtsanwan und brachte einen Fenstervorhang wieder an Ort und Stelle, auf dessen Rolle er unter dem aufgewickelten Vorhang den Brief gesucht hatte. „Dort in dem Briefhalter über dem Nähtisch muß er stecken,“ fuhr Born mit einem solchen Ton der Bestimmtheit fort, als zeige er auf der Landkarte eine allgemein bekannte Stadt. 29* 9 ∆ 01 II. 2 5B G L □ 98—.22 S G.—* GE0) EE 6 : De 2 2 8 95 2S M W cihl a Wiszun Mn t ne dht n gun Wh#h Siig t und ud tr m icln u Anu i 1 l u e Me u une du W rpe W u u uih## i T u W Saun i n uii hu Wii Wuse wal M Wit uuc M Wu n iv 1 sit 1#### M M au uc## r u Nung W i t w W Mu t sog M t gii n Me uute S i g ih Mn r fi iiing r lu 1 fm 11116 19 „uobns it M w ti n M M bosne ni ii a ugoc M tt 1#" u i W n u W h au M Weingie ulßgg sp ah#u Tu ug icussi M n Miun g tu i W hct u M u Wri Miic M Wmdtt Mu r t euht uscidal Peee Mc uu 311. d u u M Mtt uc# S n i Mttg M ue D WWu n Nu c Wh#e u u peun uu Wuh c g gu uchiie#ocl Mine ii t M u Men g Wi n Wet ine Hau#i von So npane unng hnd uhr dsipg gun Mhunpne ur Wlh i Mcc“ uh M M Wdte i W W uuc e iun At g inn i shog#i gun W WW c e i c M im wiu e i u Wi uct 1“ „ M t n cnne u i u Wct u ic M g en gugg u unc u M u gun Wgiing Mang um d Sit e gan wou i t t Wlucg ane Misansou W iii niic MM n tub uuuet St M i ut onil#g“ ung M Mig Nc Nuc Mi ie W uf halu We W Muhliu dn r uiii c u cs u ue u t n ug D M hh n gun iu W D un n gun Wenc ne guhue### Hifnzu su uhhng un cut M i Mncuc ifnege M Ulne Wu s Wnan ing h uiihllsn bihni ann Him ie W WMhig tt nd g Whhb ua Sppig“ Miign gun uanbl Miiu dun Mh ne u W ut i uch in cn gu uhcun nt gun Juunnze iu ii We Wng Wl zm i i Nc soc“ Welsstngen Bunuhoal Wun Pi Weu gun uc i chu W Wtg u unuc Wu bi ungeg u PPiu in bicni u atsspan W Wn bunuhag M „t t M W M gun gu unicsite u e ushfct zimt Wugo W n encn“ t We M ttt# unn gun nd s Mi Wluet sog un A W u St M i t# i sog G“ W Mugian P Sat W Wgng Nubb zig Wu s.. c u Se W t u cts une Mn n“ „ Wict Wiileg g gun uut Wheng upilung W h usbub u M ut hnb ai hi uuug W M iu it iin sog unsgunsänesno uhg gnn Wiigne Msnch uc hll Murhig Wssa uu Wute uung Wn W n S i M sso aiso P# te un Wtn b uacen u gnn Ju Mmf u cu n wzu S e u gun bunuhag u M M i M Winnit Bunpsoi n sshic ippune t Wssen ic unc M pi M p Wn Hu uht gun uht uh m bi oc ih ur D pr Mscuh r an n unch h u pi M h gnn unn ui i i c 1 vg W ag ushgnig Bumui Mspike Mine uunc sog ui W tt wat e D M it t M h W ni bbnn Su M W uniig W unt 1 Buncn h u unct gun uic sic hipnb aun igzuc uhr zspnig zfvatub Sprtth M M n r ud uuntig Mlue uesbultn uun t s A M t Tuhzuica M gu u t Wt M c c We Mh# ti M W u iulun e W t uncuittg ig ur W W Wt un i M hlun un sog t d n Wc ichl si, Mchiu funne u Mig Wutt tn spg u M, al 10 chn##al h uhn ig un tug i..„iu 1m ss sc“ Wi buiggn iusct u uhl br guc in clun We ud uhbu 1 W W uhc e uee u cu ung lu“ ct A Wn M u hu t gun uh Minn Wi ut W W M i Nn, Wt icti „##g un ne M Sat. 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Wir können ihn ja aufkleben oder was Sie sonst für einen Ausweg finden. Also beeilen Sie sich und kommen Sie. Bringen Sie mir, bitte, Hut und Stock mit, die ich oben habe stehen lassen, und sagen Sie den drei Herren, ich würde morgen in meiner Kanzlei mit ihnen abrechnen und ließe ihnen einstweilen für ihre Bemühungen bestens danken.“ Born richtete diesen Auftrag aus und verließ mit höflichem Gruß als letzter das Zimmer.(Fortsetzung folgt). —— Skizze von Frances Külpe. Die kleine Näherin war sehr krank.„Wenn ich wieder gesund bin," flüsterten die trockenen, blutlosen Lippen,„o, dann werd' ich klüger sein, viel, viel klüger!“ Sie lachte heiser vor sich hin, und in den grauen Augen flackerte ein sonderbares Feuer.„Ja, ja, dumm bin ich gewesen, trotz meiner dreiunddreißig Jahre; nun aber soll's anders werden, ja, ganz, ganz anders!" Sie sah sich unruhig im altmodischen Zimmer um. Dort stand ihre Nähmaschine. Wie viele Jahre hatte sie rastlos arbeitend an der klappernden Maschine gesessen! Wie hatte sie gedarbt und gespart— jahrelang. Dort in der Kommode lag ja das Sparkassenbuch. Fünfhundert Taler hatte sie in dreizehnjähriger Arbeit mühsam zusammengetragen. Fünfhundert Taler! Vor drei Wochen war die Summe voll geworden und nun hatte die tückische Krankheit sie gepackt und aufs Lager geworfen. Vor dreizehn Jahren war sie eine junge frische Dirn gewesen und hatte dem braven Tischlergesellen, dem blonden Ewert, das Jawort gegeben.„Nach zwei Jahren machen wir Hochzeit, Mädel!“ hatte er gesagt; sie hatte aber ernst dreingeschaut und erwidert:„Nicht eher Hans, als bis ich fünfhundert Taler beisammen hab'!“ Und dann waren zwei Jahre hingegangen und noch ein Jahr und sie hatte nach mühseliger Arbeit das erste Hundert in ihr Sparkassenbuch eingetragen. Und der ehemalige Gesell war selbständiger Meister geworden und war freudestrahlend zu ihr gekommen, um sie zu fragen, ob sie nun seine Frau Meisterin werden wolle. Sie aber hatte ihm das Sparkassenbüchlein gewiesen— es fehlten noch vierhundert Taler. „Meine fleißige Dirn!“ hatte er gerufen.„Laß gut sein! Die hundert Taler gelten für volle sünfhundert. Bin stolz auf dich. Mit einer so tüchtigen Frau werd' ich schon über den schwierigen Anfang hinauskommen. In sechs Wochen machen wir Hochzeit!" Sie aber hatte ihn geküßt und sanft zur Tür hinausgeschoben.„Nicht eher, als bis die Fünfhundert voll sind, Hans. Meinst wohl, weil ich elternlos bin, brauch' ich auch keine Mitgift mitzubringen? Ich bin guter Leute Kind, ich halt' was auf mich und will das Meine dazu tun zu unserm Glück!" Da war Hans zornig geworden und hatte gewettert und gescholten. Sie aber blieb bei ihrem Trotz. Und wieder vergingen zwei Jahre. Sie sparte und darbte und arbeitete noch mehr als zuvor und das zweite Hundert stand in ihrem Kassenbüchlein verzeichnet. Aber während die Taler mühsam ins Haus kletterten, rollte das Glück, das sie ängstlich festhalten wollte, zur Tür hinaus. Hans kam immer seltener und endlich fragte er sie:„Fünf Jahre hab' ich auf dich gewartet. Hast du mich lieb oder nicht?“ „Ich hab dich lieb!“ antwortete sie mit glänzenden Augen und zitternder Stimme—„du weißt, wie lieb!“ „Dann machen wir in vier Wochen Hochzeit!“ entschied er. Sie trat zurück.„Mir fehlen noch dreihundert Taler!“ Da schrie er sie an:„Hör' auf mit deinen dreihundert Talern, Mädel. Nun versteh' ich keinen Spaß mehr. Nimmst du mich, so ist's gut, wenn nicht, so läßt du's eben bleiben! Ich bin es satt, am Narrenseil geführt zu werden!" „Ich muß die dreihundert Taler erst beisammen haben, ich hab's geschworen!“ hauchte sie mit blutlosen Lippen. „Na, dann scharr' sie dir zusammen und geh’ an deinem Trotz zugrunde!“ schrie er. Drei Wochen später hatte sich Hans mit einem anderen Mädchen verlobt. Rastlos, ruhelos arbeitete die kleine Näherin. Das Arbeiten und Sparen war ihr zur bittersüßen Gewohnheit geworden. Tag und Nacht hörte man den furrenden Ton ihrer Maschine, und dazwischen ein gedämpftes Schluchzen. So verging ein Jahr. Hans Ewert schaukelte seinen ersten Buben auf dem Schoß. Wieder ein Jahr der mühevollsten Arbeit: das dritte Hundert war beisammen. Bei Ewerts schrie ein Mägdlein mit zarter, feiner Stimme. Die kleine Näherin aber nähte und nähte und ihre Wangen wurden immer fahler, ihre Bewegungen haftiger. Wieder vergingen zwei Jahre, das vierte Hundert hatte sie beisammen. Dann aber wurde sie krank, und das sauer erworbene Geld rollte— rollte in Sprüngen und Sätzen zur Tür hinaus. Als die kleine Näherin endlich genesen war, hatte sie nur noch zweihundert Taler. „Wenn ich erst die Fünfhundert voll habe, gönne ich mir eine Badereise, wie die feinen Leute,“ sagte sie und schenkte Ewerts Kindern ein schönes Andenken. Und wieder ging das Sparen und Hasten, daß Arbeiten und Sorgenlos: die kleine Näherin wurde zusehends geistig stumpfer und körperlich schwächer und schien ganz mit ihrer Maschine verwachsen. So gingen die Jahre dahin. Bei Ewerts waren inzwischen noch zwei Buben erschienen und der Wind trug ihre fröhlichen Kinderstimmen oft über den Zaun in das Fenster der Näherin hinüber. Dann lächelte sie einen Augenblick, ein stilles, wehes Lächeln, und wieder klapperte die rastlose Maschine. Jetzt aber hatte die Maschine Ruhe. Sie stand da in der dunklen Ecke ihres Zimmers. Das Nachtlämpchen flackerte gespenstisch und ein paar trockene Lippen stöhnten in qualvollem Durst:„Wasser, Wasser!“ Die fünfhundert Taler waren endlich beisammen und die kleine Näherin hatte nun Zeit, krank zu sein, und sie war sehr krank.——— Der Morgen dämmerte durch die Ritzen der Fensterläden, und endlich, endlich war die Näherin eingeschlafen. Um die Mittagszeit kam die schöne Hertha, die Tochter des Arztes, um nach der Näherin zu sehen. Sie brachte blühendes Leben in die stille Krankenstube. „Vater lätt grüßen, Lina,“ sagte das junge Mädchen,„und fragen, wie's geht.“ Abwesend starrte sie die kleine Näherin an.„Gut, liebes Fräulein. Es geht einem immer gut, wenn man so schnell klug wird und Zeit hat.“ „Wie meinen Sie das, Lina?“ „Lina wiegte den müden Kopf hin und her.„Bin jetzt in diesen Wochen kiug geworden, Fräulein, viel klüger als in meinem ganzen Leben. Das macht, weil ich Zeit habe. Früher hatte ich nie Zeit.“ „Sie waren immer so fleißig, arme Lina!“ sagte das junge Mädchen mitleidig und streichelte die gelben, abgezehrten Hände. „Ich hatte keine Zeit, gar keine Zeit mein Leben lang“, murmelte die kleine Näherin,—„keine Zeit glücklich zu sein. — keine Zeit klug zu werden. Das ließ sich das Glück nicht gefallen, Fräuleinchen, da hatte es auch keine Zeit mehr für mich. Machen Sie's klüger als die arme Lina. Nehmen Sie sich Zeit zum Glücklichsein! Seien Sie glücklich, solange Sie jung sind! Nachher geht's nicht mehr so. Was gäb' ich jetzt d’rum, wenn ich mir Zeit gelassen hätte zum Glücklichsein — ich wär jünger und frischer dabei geblieben,— wäre noch glücklich— und brauchte—“ Sie schloß die Augen in übergroßer Erschöpfung. Tiefes Schweigen. „Wer näht Ihnen jetzt Ihr Brautkleid, Fräuleinchen?“ „Frau Tischlermeister Ewert.“ „Das ist recht, Fräuleinchen. Das ist auch eine tüchtige Näherin. Aber... was ich sagen wollte,“— die Kranke blickte das rosige Gesicht starr an.„Grüßen Sie den Tischler= Am Sonrabend, den 6. Juni, morgens um 5 Uhr starb nach kurzer Krankheit unsere liebe unvergessliche Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester und Tante, die im Alter von 85 Jahren. Um stille Teilnahme bitten ienstag nachmittag, hen Krankenhause Sommerberg, Schwerte u. Barmen, 6. Juni 1914. Senss Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag 4½ Uhr vom Trauerbause Sommerberg aus statt. L. Weinberg C. Lethaus STATT KARTEN! MARCEL DE VAUD UND FRAU zeigen die glückliche Geburt ihrer Tochter MADELEINE-ALIX an. Schwerte, im Juni 1914. EIE Zentral-Hotel Sternberg. Freitag, den 12. Juni 1914, abends 8¼ Grosses Uhr: ausgeführt vom Musikkorps des Befehlshabers der Aufklärungsschiffe Flaggschiff S. M. S. Moltke unter Leitung des Kaiserlichen Musikmeisters Herrn Eichler. Eintritt 50 Pfg.“ Vorverkauf 40 Pfg. Um zahlreichen Besuch bitten C. Jungesblut. W. Eichler, Kaiserl. Musikmeister. N. B. Bei gutem Wetter flndet das Konzert im Garten, bei ogünstiger Witterung(Sureichmusik) im Saat statt. Withseuchen. Festgestellt: Rotlauf unter dem Schweinebestande des Landwirts Heinrich Berkhaff zu Schwerte, Ostbergerstr. 94. Schwerte, den 8. Juni 1914. Die Polizei=Verwaltung. Rohrmann. Heute morgen 9½ Uhr entschliéf sanft nach kurzem aber schwerem Leiden, gestärkt durch die heiligen Sakramente der römisch-katholischen Kurche meine liebe Frau, unsere gute treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester und Tante, die geb. Arens im Alter von beinahe 60 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Dis trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Berghofen, Hattingen, Schlesien, den 6. Juni 1914. ier gedgr bill S # Feinste Süssrahmbulter in /. u./ Pah. Jum 1. Juli 1914 wird ein gut möbliertes Hemmr mit oder ohne Pension gesucht Nähe des Bahnhofs erwünscht. Offerten unter G 3938 an die Expedition erbeten. 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