Amtliches Kreisblatt für den kreis börde ae Sturen Setuer uiben uele außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oierteljähritch, dei der Post für Bestellgeld 42 Pie. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter u. tägl. Unterdaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siedengespaltene Petttzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswürts 15 Pig., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Navatt glit als Kassarabait u. erlischt bei Kon####. Iwangsvergleichen, gericht'. Klagen u. te e e ot. 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Seine Volksschule ist dem Deutschen eine Herzenssache, er ist stolz auf sie und weiß, was er ihr zu danken hat. Während das wirtschaftliche Leben anderer Kulturstaaten unter dem Mangel einer allgemeinen Volksbildung leidet, beruht unser glänzender wirtschaftlicher Ausschwung und unsere Stellung auf dem Weltmarkt zu einem sehr erheblichen Teile in der Schulbildung, die bei uns heute auch der geringste Arbeiter besitzt Die Deutschen sind nicht mehr bloß das Volk der Dichter und Denker, das an dem Wettbewerb um die materiellen Güter der Erde keinen Anteil hatte, aber sie danken mit Recht ihr politisches und wirtschaftliches Ansehen der allgemeinen Durchdringung mit einem Bildungsmaß, über das die großen Volksmassen des Auslandes nirgends verfügen. Kein Deutscher kann je vergessen, was er der Schule schuldet. Daher das große und allgemeine Interesse an allen Fragen, die den öffentlichen Unterricht angehen. An dem Guten zu bessern, ist ernste Pflicht, und daß auch unser Schulwesen besserungssähig ist, wie jede menschliche Einrichtung, unterliegt keinem Zweifel. Daher werden unsere berufenen Schulmänner nicht müde, Verbesserungsvorschläge zu machen. Selbstverständlich darf dabei das kostbare Gut der deutschen Volksschule nicht zum Gegenstand des Experiments gemacht werden; wenn irgendwo so hat gerade hier jede Reformarbeit sich äußerster Vorsicht zu befleißigen. Das gilt auch von dem in Kiel erhobenen. Ruf nach einer nationalen Einheitsschule. Der Gedanke, daß alle Kinder zunächst die allgemeine Volksschule zu besuchen haben, und daß nur diejenigen, die etwas leisten, in höhere Stusen aufrücken, hat ohne Frage etwas Bestechendes. Die Intelligenz ist nicht an das Portemonnaie gebunden; es ist vielmehr Tatsache, daß mancher Junge wohlhabender Eltern ohne Nutzen die Schulbank drückt, während dem Bildungshunger befähigter, aber armer Kinder von der Volksschule oft nicht in dem erwünschten Maße entsprochen werden kann. Mam darf dabei jedoch nicht übersehen, daß der den Durchschnitt überragenden Intelligenz auch unter den heutigen Verhältnissen schon Mittel und Wege geboten sind, sich ohne besondere Kosten wissenschaftlich emporzuarbeiten. Jede höhere Schule hat eine Anzahl Freistellen für tüchtige Schüler zur Verfügung, und jeder Lehrer freut sich, in seiner Klasse solche Jungen zu haben, die gewissermaßen als Schrittmacher für die andern dienen und ihre Mitschüler mit sich fortreißen. Freilich müßten für den Uebergang von der Volks= zur höheren Schule noch bessere Verbindungen geschaffen werden, da bei dem jetzigen System ein bis zwei Schuljahre verloren zu gehen pflegen. Und dann genügt für ganz mittellose Intelligenzen die freie Schule allein noch nicht. Es bedarf vielmehr direkter finanzieller Zuwendungen als Erziehungsbeihilfe an die betrefsenden Eltern. Auch solche Beihilsen werden ja bereits in manchen Orten gewährt. Sie tragen bisher jedoch vielfach den Charakter einer Art Armenunterstützung und gelangen auch nur in recht beschränktem Umfange zur Auszahlung. Hier läßt sich noch viel bessern. Das geistige Kapital stellt ein nicht minder wertvolles Nationalvermögen dar als das metallische, und das Nationalvermögen muß nach Möglichkeit vor Verlusten geschützt werden. Der Gedanke staatlicher Beihilfen an unbemittelte Eltern hervorragend begabter Kinder zu dem Zweck, diesen eine wissenschaftliche Ausbildung zu vermitteln, hat so viel für sich, daß er vielleicht schon in absehbarer Zeit verwirklicht wird. Damit wäre für das erste aber ein befriedigender Ausgleich geschaffen. Polikische Uebersicht. Wenn man beim Kaiserhoch sitzen bleibt. So ganz ungestraft kommt die Sozialdemokratie wegen ihrer ungehörigen Demonstration beim Kaiserhoch doch nicht davon. In Straßburg war während des Pfingstfestes einem Schweizer Arbeiterverein die Teilnahme an einem sozialdemokratischen Arbeitersängersest in Straßburg verboten worden. Der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Schilling wollte nun beim Staatssekretär Grasen v. Roedern wegen dieser Angelegenheit Rücksprache nehmen. Der Staats,ekretär ließ ihm aber erklären, er könne ihn nicht empsangen, weil er am 8. April(Landtagsschluß) sitzen geblieben sei.— Der sozialdemokratische Abgeordnete Wolfgang Heine erklärte, daß der Beschluß seiner Fraktion, beim Kaiserhoch sitzen zu bleiben, das Verkehrteste sei, was unter gegenwärtigen politischen Verhältnissen gemacht werden konnte, der Beschluß sei übrigens auch mit geringer Mehrheit gefaßt worden. Zum Tode Dr. Schwartzkopffs hat der Kaiser an den Bruder des verstorbenen Oberpräsidenten drahten lassen:„Seine Majestät der Kaiser und König beklagen tief das Hinscheiden Ihres Herrn Bruders, des Oberpräsidenten der Provinz Posen, und sprechen Ihnen und den übrigen hinterbliebenen Verwandten Allerhöchst ihr wärmstes Beileid aus. Die hohen Verdienste des Entschlafenen um die Provinz und das Vaterland sichern ihm ein ehrenvolles und dankbares Gedenken.“— Auch die Kaiserin hat ihre Teilnahme ausgesprochen. Ermittlungsverfahren in Sachen der Liebknechtschen Enthüllungen. Wie die Braunschweiger Landeszeitung erfährt, ist wegen der Veröffentlichungen des„Vorwärts“ über einen angeblichen privaten Ordensschacher durch Beamte der Kaiserlichen Hoshaltung von der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin I ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Das Verfahren richtet sich gegen den verantwortlichen Redakteur des„Vorwärts" und gegen den Urheber der Beschuldigungen den sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Liebknecht. Der Dualaneger Din, der in Hamburg wegen Hochverrats verhastet wurde, ist beschuldigt, Versuche gemacht zu haben, Kamerun in die Hände der Engländer zu spielen. Diese Versuche waren wohl von vornherein aussichtslos, abber zur Aufrechterhaltung der Ordnung und der Disziplin unter den Negern ist es doch nötig, den Neger zu bestrafen. Din war nach Deutschland gekommen, um in der bekannten Enteignungsafsäre der Dualaneger Rücksprache mit dem Berliner Rechtsanwalt zu nehmen. Eine geschickte Maßnahme zur Heranbildung eines tüchtigen Reserveoffizierskorps unserer Marine ist das freiwillige Uebungsjahr, dessen nähere Bestimmungen soeben vom Reichsmarineamt veröffentlicht worden sind. Die Offiziere erhalten für die einjährige freiwillige Uebung ein Einkleidungsgeld von 600 Mark und ein tägliches Uebungsgeld. Die Uebung soll so eingerichtet werden, daß die Neserveossiziere im Fall ihrer Einziehung sofort als Wachoffiziere auf Linienschiffen, Kreuzern oder Torpedobooten und besonders bei der Bedienung der drahtlosen Telegraphie verwendet werden können. Dieses Uebungsjahr ist ein warmer Appell an die freiwillige Dienstbereitschaft. Die großen deutschen Schiffahrtsgesellschaften werden ihren Schiffsoffizieren Gelegenheit zur Ableistung eines solchen freiwilligen Dienstjahres geben. Die Vorlage für das Petroleumhandelsmonopol ist infolge des Reichstagsschlusses unerledigt geblieben. Daraus ist mehrfach der Schluß gezogen worden, das die Vorlage gefallen ist und nicht mehr wiederkehren wird. Das ist nicht richtig. Der Reichstag hat zu der ganzen Sache keine entscheidende Stellung eingenommen und im Ausschuß bestand der feste Wille, aus der Vorlage ein greifbares Ergebnis zu erzielen. Da die Verhandlungen hierüber nicht zu Ende gelangt sind, kann der Plan auch noch nicht als erledigt erachtet werden. Die Regirung steht auch jetzt noch auf dem Boden ihrer Vorlage und dem Beschluß des Bundesrats wird die Entscheidung über die Wiedervorlegung des Gesetzentwurfs unterliegen. Frankreich. Die Erledigung der Kabinettskrise gestaltet sich diesmal besonders langwierig. Der Präsident der Republik konferierte eingehend mit dem Gegner der dreijährigen Dienstzeit, dem radikalen Abgeordneten Viviani, der als erster Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten in Betracht kommt, er empfing bald danach jedoch auch den früheren Finanzminister, jetzigen Senator Peytral. Auch dieser gehört der radikalen Partei an. Mit welchem der beiden Staatsmänner Herr Poincaree schließlich auch handelseins wird, soviel steht fest, daß der neue Ministerpräsident dem Dreijahrsgesetz feindlich gegenübersteht, das der Präsident der Republik für unerläßlich erklärt Ueber die Wahl des neuen Ministers des Auswärtigen ist die Entscheidung noch nicht getroffen. Neben Delcassee werden die mehr oder minder maßvollen und deutschfreundlichen Politiker Pichon, Bourgeois und Dupuy genannt. Der Chef des Generalstabs ließ die Meldung dementieren, er habe mit seinem Rücktritt für den Fall gedroht, daß die Kammer die Absicht bekunden sollte, zur zweijährigen Dienstzeit zurückzukehren. Der Prozeß gegen Frau Caillaux, gegen die der Staatsanwalt die Anklage auf Ermordung des „Figaro"=Direktors Calmette erhob, beginnt am 20. Juli und wird etwa fünf Tage dauern. Gegen den Anklagebeschluß hat Frau Caillaux keine Berufung eingelegt. Herr Caillaux, der von den Folgen des Sturzes aus dem Automobil wieder hergestellt ist, besucht seine Gattin im Untersuchungsgefängnis noch täglich. Schweiz. Die Schweiz gegen den deutschen Wehrbeitrag. Der schweizerische Bundesrat wird dem„Bund“ zufolge gleich den übrigen Staaten bei der deutschen Reichsregierung, gestützt auf die mit ihr abgeschlossenen Staatsverträge, Vorstellungen dagegen erheben, daß das deutsche Wehrgesetz die ausländischen Aktiengesellschaften stärker belastet, als die deutschen. Das geschieht garnicht, der Wehrbeitrag ist einer direkten Steuer gleichzuachten, sodaß den Auslandsstaaten gegen ihn kein Einspruchsrecht zusteht. Italien. Papst Pius X. seiert gestern seinen 79. Geburtstag in vollster geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Der Papst las, wie gewöhnlich, in seiner Privatkapelle eine hl. Messe und empfing sodann die Mitglieder des päpstlichen Hosstaates und der Diplomatie zur Gratulation. Die anläßlich des jüngsten Konsistoriums noch in Rom anwesenden Kardinäle brachten dem Papste gleichsalls ihre Glückwünsche dar. Kardinalstaatssekretär Merry del Val gab ein festliches Bankett, an dem auch das beim hl. Stuhl beglaubigte diplomatische Korps teilnahm. England. König Georg von England vollendete am Mittwoch sein 49. Lebensjahr. König Eduard starb am 6. Mai 1910. Wegen der Hostrauer wurde damals die offizielle Feier des Königs=Geburtstages auf den 22. Juni verlegt, und dieser Termin ist beibehalten worden. ubland. Das Ueberfliegen der russischen Grenze. Die russische Regierung veröffentlicht zur Klärung der Sachlage, die in dem Falle des Freiballonführers Berliner und anderer Anlaß zu Mißverständnissen gab, die Bestimmungen über das Ueberfliegen der russischen Grenze. Das Ueberfliegen ist grundsätzlich verboten, und jeder Ballon, jedes Luftschiff oder jeder Aeroplan wird unnachsichtlich beschossen, sowie es über die Grenze kommt. Eine Ausnahme gibt es, wenn sich fremde Lustschiffer mit dem Kaiserlich Russischen Aeroklub in Verbindung setzen, der die Erlaubnis zum Ueberfliegen der Grenze beim Generalstab auswirkt. Dann aber müssen die Flugzeuge in bestimmter Weise gekennzeichnek sein und so niedrig fliegen, daß die Kennzeichen deutlich sichtbar sind. Ueber die Grenzbestimmungen Rußlands zu Preußen, Oesterreich=Ungarn und Rumänien verbreitet sich auch ein Weißbuch, das das russische Auswärtige Amt demnächst veröffentlicht. Norwegen. Wem gehört Spitzbergen? In Christiania ist eine internationale Konferenz zur Regelung der Besitzverhältnisse auf Spitzbergen zusammengetreten, die maßgebenden Beschlüsse werden in der nächsten Woche gefaßt. Die Spitzbergen=Frage sollte schon vor längeren Jahren gelöst werden, damals aber widersprach Rußland. Dem reichen Tierbestand des Polarlandes war die herrenlose Zeit jedenfalls nicht zuträglich; schutzlos waren die Wale, Robben, Eisbären, Blaufüchse und Eidergänse den Berufsjägern preisgegeben. Nachdem nun aber reiche Kohlenlager auf Spitzbergen festgestellt worden sind, für die schwedische, norwegische, deutsche und englische Unternehmer die ersten Arbeiten geleistet haben, kann die Regelung der Besitzverhältnisse nicht länger hinausgeschoben werden. Serbien. Rücktritt des Kabinetts in Serbien. Das Kabinett Paschitsch hat dem Könige sein Entlassungsgesuch überreicht. Der Rücktritt hat, wie verlautet, seine unmittelbare Ursache darin, daß der Ministerpräsident bisher vom König noch nicht die Einwilligung zur Auflösung der Skupschtina und zur Vornahme von Neuwahlen erhalten hat. Dieses Zaudern des Königs wird dem Einfluß der unzufriedenen Militärs zugeschrieben, die mit Hochdruck beim König darauf hinarbeiten, daß er den Befehl zur Vornahme der Neuwahlen der Opposition übertrage. Die Konferenz von Niagara Falls gescheitert. Die mexikanischen Insurgenten werden sich an der Friedenskonferenz in Niagara Falls nicht beteiligen. Damit ist das Schicksal der Konferenz besiegelt. Sie wird voraussichtlich noch einige theoretische Beschlüsse fassen, um sich einen anständigen Abgang zu sichern, doch gelten in Washington alle Möglichkeiten einer Vermittlung als gescheitert. In unterrichteten Kreisen Washingtons rechnet man nunmehr mit der Wahrscheinlichkeit eines aktiven Eingreifens der Union in Mexiko, sogar unter Um. ständen mit einer Besetzung der mexikanischen Hauptstadt durch amerikanische Truppen zur Sicherung der Ordnung gerechter Kongreßwahlen und der erforderlichen Reformen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Besetzung von Veracruz als der erste Schritt zur Durchführung eines großzügigen amerikanischen Okkupationsprogramms zu betrachten sei. Es steht fest, daß die amerikanischen Militärbehörden insgeheim umfassende Vorbereitungen zur Bildung einer Okkupationsarmee treffen. Endgültige Beschlüsse sind noch nicht gefaßt, doch ist in Regierungskreisen wohl bekannt, daß Präsident Wilson die Pazifizierung Mexikos als eine Kulturmission von größter Wichtigkeit betrachtet und fest entschlossen ist, dem mexikanischen Bürgerkriege um jeden Preis ein Ende zu bereiten. Die Lage in Albanien Die Einigungsversuche in Albanien gescheitert. Die Verhandlungen der internationalen Kontrollkommission mit den albanischen sind fruchtlos verlaufen, da die Ausständischen auf den bekannten Bedingungen beharren. Die Kommission hat ihr Mandat niedergelegt. Durazzo, 4. Juni. Die Kontrollkommission war um 2,20 Uhr nach Schiak zu den Aufständischen gegangen, von wo sie nach 7 Uhr abends zurückkam, um dem Fürsten sofort Bericht zu erstatten. Die Aufrührer halten danach, während sie in anderen Punkten nachgeben wollen, ihre erste Forderung aufrecht, daß ihnen ein mohammedanischer Fürst oder eine türkische Oberhoheit gegeben werden müsse, und sind trotz langer Verhandlungen davon nicht abgegangen. Die Kommission sieht nunmehr ihre Bemühungen als beendet an und hat dem Fürsten dies mitgeteilt, der sich seine Entscheidung noch vorbehalten hat. Gestern nachmittag erwiderte Fürst Wilhelm den Besuch des österreichischen Admirals an Bord des „Tegetthof“. Als er mit der Fürstin später zurückkehrte, wurden keinerlei Salutschüsse abgefeuert, doch hißten alle im Hasen befindlichen Schiffe große Filaggengale. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 5. Juni. **(In eigener Sache.) In Verfolg einer gemeinschaftlichen Aussprache gab Herr Stadtverordneter Ludwig gestern auf unserer Redaktion die Erklärung ab, daß er nicht die Absicht gehabt habe, in seinem Schreiben an den Stadtverordneten=Vorsteher der„Schwerter Zeitung" in irgend einer Weise zu nahe zu treten und deren Objektivität anzuzweifeln. Da hiernach die ganze Angelegenheit offenbar auf einem Mißverständnis beruht, fällt unserve in Nr. 119 der„Schwerter Zeitung“ gebrachte Gegenwehr und die an Die Sache geknüpfte Kritik hin. Die Angelegenheit ist hierdurch beiderseits erledigt. **(Astronomisches vom Juni.) Kommt der Nosenmond oder Brachmond, so nehmen die warmen Tage ihren Ansang; denn die Sonne hat nun den Boden genügend erwärmt und läßt ihren goldenen Segen in reichster Fülle Mensch, Tier und Pflanze zuteil werden. Die Tageslänge, die am 1. Juni 16 Stunden 24 Minuten beträgt, erweitert sich noch um etwa eine halbe Stunde, bis am 22. Juni 8 Uhr vormittags die Sonne in das Zeichen des Krebses tritt, um Mittag dem Scheitelpunkte am nächsten kommt und somit die längste Dauer des Tages hervorbringt. Der Sommer nimmt alsdann seinen Anfang!— Am 8. Juni 6 Uhr vormittags halen wir Vollmond.— Von den Planeten ist zu erwähnen: Merkur ist sichtbar in der ersten Hälfte des Monats auf kurze Zeit am Abend im Nordwesten. Die Sichtbarkeitsdauer der Venus nimmt langsam bis auf dreiviertel Stunde am Ende des Monats ab. Mars geht in der Mitte der ersten Monatshälfte schon um Mitternacht und dann früher unter und ist am Ende nur noch eine halbe Stunde sichtbar. Jupiter geht in den späteren Abendstunden auf; am Ende des Monats beträgt die Sichtbarkeitsdauer dreieinhalb Stunden. Saturn bleibt unsichtbar. **(Die Kosten der Handwerkskammer Dortmund.) Der Einheitspreis für die Berechnung zu den Kosten der Handwerkskammer Dortmund ist für das Rechnungsjahr 1914 wieder auf 20,6 Mark für je zehn Handwerksbetriebe und steuer festgesetzt worden. **(Eine Sonnenfinsternis=Expedition.) Zur Beobachtung der Total=Sonnenfinsternis am 21. August 1914 wird von der preußischen Regierung eine Expedition nach Süd=Rußland beabsichtigt. Die Expedition dürfte nach der Halbinsel Krim gehen, weil dort um diese Zeit für die Beobachtung das beste Wetter zu erwarten ist. In Deutschland ist die Sonnensinsternis nur als partielle zu beobachten. **(Bevölkerungs=Verschiebung zwischen Stadt und Land.) Auf Grund der Ergebnisse der letzten Volkszählung hat das Kaiserliche Statistische Amt einen Vergleich zwischen der Einwohnerschaft aller Gemeinden von mindestens 2000 Einwohnern(also der städtischen Bevölkerung) an den Zähltagen(1. Dezember) der letzen beiden Volkszählungen gezogen. Danach ist die Einwohnerzahl der Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern in den fünf Jahren seit der vorletzten Volkszählung um 2,01, die der übrigen um 0,51 v. H. gewachsen. Es entfallen auf *(Unfall.) Unter dieser Spitzmarke brachten wir am Mittwoch eine kurze Notiz, wonach ein junger Mann aus Hagen beim Fußballspiel zu Fall gekommen sei und den Arm gebrochen habe. Diese Nachricht entspricht insosern nicht den Tatsachen, als der junge Mann nicht beim Fußballspiel, sondern in der Wohnung seiner hiesigen Verwandten die Treppe hinabgestürzt ist und sich dabei obige Veretzungen zugezogen hat.— Unsern Berichterstatter möchten wir bei dieser Gelegenheit dringend ersuchen, sich bei ähnlichen Vorkommnissen erst genauer zu informieren. ** Westhofen, 5. Juni.(Wagen=Unsall.) Gestern nachmittag scheuten die Pferde eines mit drei Personen besetzten Wagens unweit der Ueberführung am Bahnhof und gingen durch. Der Führer verlor die Herrschaft über die wilden Tiere, und prallte der Wagen an einen Baum an; ein Rad wurde zertrümmert, der Wagen umgeworsen und die Insassen herausgeschleudert. Alle drei erlitten schwere Verletzungen und mußten sich in ärztliche Behandlung begeben. Die Tiere rannten in der Richtung nach Syburg weiter, und erst nach einiger Zeit gelang es, dieselben wieder einzusangen und zu beruhigen. ** Höchsten, 4. Juni.(Jagdvergehen.) Die Jagdpächter und Jagdbesitzer der hiesigen Gegend sind seit Jahren durch Einsetzen von Jungtieren bemüht, den Wildstand zu heben, aber manch.: bittere Enttäuschung müssen sie einstecken. Vor einigen Tagen wurden füns junge Burschen dabei abgesaßt, als sie ein Fasanennest zerstören wollten. Anzeige ist erstattet. Möge das wildliebende Publikum sein Augenmerk auf derartige Uebeltäter richten und gegebenenfalls geeignete Schritte unterdie städtische Bevölkerung 60,07 und auf die ländliche Bevölkerung 39,93 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die städtische Bevölkerung hat mithin seit der vorletzten Volkszählung viermal so stark zugenommen, als die ländliche. *e(Sauerländischer Gebirgs=Verein[S. G. V.]) Die schon lange bestehende Absicht, auch hier wieder einen Ortsverein des Sauerländischen GebirgsVereins ins Leben zu rusen, ist jetzt verwirklicht worden. Im Hotel„Kaiserhof“ fand gestern abend unter Anwesenheit des Mitgliedes des Hauptvora s t a n d e s, I n g e n i e u r E w a l d= H a g e n, e i n e s e h r g u t b e I suchte Versammlung statt, in der die Ortsgruppe nach kurzer Aussprache mit zirka 80 Mitgliedern #aus der Tause gehoben wurde. Als Vorstandsmitlieder wurden gewählt die Herren Lehrer Jacobs, 1. Vorsitzender, Fabrikbesitzer Jul. Möhling, 2. Vorsitzender, Prokurist Noeber, Kassierer, Thomé, Schriftführer, Rechtsanwalt Dr. Strathmann, Eug. Lippmann und Ingenieur Dreyer, Beisitzer. Nach der Konstituierung des neuen Vereins wurde sofort die erste Generalversammlung abgehalten; als Vereinslokal wurde der„Kaiserhof“ gewählt, der Jahcesbeitrag auf 3 Mark festgesetzt und beschlossen, beseits am kommenden Sonntag nachmittag eine Wanderung in die prächtigen Wälder unserer näheren Umgebung zu unternehmen. Die Tour geht über Bürenbruch—Schälk—Ergste; der Abmarsch erfolgt 2½ Uhr vom„Reiche des Wassers“ aus. Anmeldungen neuer Mitglieder werden vom Vorstand und im Vereinslokal jederzeit gern entgegengenommen. Wir begrüßen die Gründung des Ortsvereins mit großer Freude und wünschen ihm ein recht kraftvolles Blühen und Gedeihen und ein (röhliches„Frisch auf!“ * e( D a s A n w a c h s e n d e r D e u t s i h e n T u r n e r s c h a f t.) der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses der leutschen Turnerschaft wurde der Jahresbericht bekannt gegeben. Er ergibt ein weiteres starkes Anwachsen der Deutschen Turnerschaft im Jahre 1913 um 450 Vereine und 65000 Mitgliedern auf rund 11 400 Vereine und 1 188000 Männern und 200 000 andere Mitglieder. Eine Anzahl Sportvereine, besonders Fußballvereine, haben sich der Turnerschaft angeschlossen. An die Reichsmilitärbehörden ist eine Eingabe gerichtet worden, sie möge ein gewisses Mindestmaß körperlicher Ausbildung für Dienstverginstigungen selsehen. Pfarrer=Einführung in Westhofen. Der gestrige Donnerstag war für unsere evangelische Kirchengemeinde, welche bekanntlich außer der Stadt Westhosen noch Garenfeld, Buchholz und den südöstlichen Teil der Gemeinde Holzen umfaßt, ein hoher Freudentag. Galt es doch, den am 19. Februar seitens der kirchlichen Vertretungen einstimmig gewählten Herrn Pastor Friedrich Klinker aus Schöller bei Dornap in der Rheinprovinz feierlich in sein neues Amt einzuführen. Diese Einführung war für die Gemeinde ein um so größeres Ereignis, als das Datum der letzten Pfarreinführung— Oktober 1883— über dreißig Jahre zurückliegt. Die Bedeutung des Tages kam auch äußerlich sichtbar dadurch zum Ausdrck, daß fast von jedem Hause die Fahne wehte. Bereits am Tage vorher war der neue Seelsorger vom Bahnhof in feierlicher Weise eingeholt und an seiner Wohnung, welche die Vertretungen in anerkennenswerter Weise einer durchgreifenden Renovierung hat unterziehen lassen, durch das Presbyterium begrüßt worden. Namens desselben übermittelte bei dieser Gelegenheit der Kirchmeister, Herr Amtsrentmeister Weistenhöfer, die herzlichsten Grüße, hieß den neuen Pfarrer auch namens der Kirchengemeinde herzlich willkommen und gab dem Wunsche Ausdruck, daß diesem in seinem neuen, im lieblchen Ruhrtale zu den Füßen der sagenumwobenen und an geschichtlichen Erinnerungen reichen Wittekindveste Hohensyburg gelegenen Wirkungskreise eine lange gesegnete Tätigkeit beschieden sein möge. Die gestrige ossizielle Einführungsseier begann vormittags um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst in dem mit frischem Grün geschmückten Gotteshause, welches dicht besetzt war. Auch die Amtsbrüder des neuen Pfarrers aus Schwerte, Ergste, Hennen, Hohensyburg und Verchum, sowie mehrere andere Geistliche aus der Synode Iserlohn nahmen an der Feier teil. Nach einleitendem Orgelvorspiel sang der Männergesangverein„Eintracht“ von hier in wirkungsvoller Weise Beethovens wuchtiges Lied: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre!“ Nach dem Gemeindegesang:„Allein Gott in der Höh sei Ehr“ nahm Herr Superintendent Winkelmann aus Elsey bei Hohenlimburg die Einführung vor. Er knüpfte seine Ausführungen an das Schriftwort: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht" an und verpflichtete dann Herrn Pastor Klinker nach dessen Gelübde, allezeit ein treuer Hirte seiner Gemeinde zu sein, auf sein neues Amt. Seitens der anwesenden neun fremden Geistlichen wurde dem neuen Seelsorger unter Anwünschung des göttlichen Segens je ein einschlägiger Spruch aus der Bibel als Geleitwort mitgegeben. Nachdem sodann ein dreistimmiger Kinderchor das Lied:„So nimm denn meine Hände“ in ansprechender Weise gesungen hatte bestieg Herr Pastor Klinker die Kanzel zu seiner Antrittspredigt. Er legte derselben den Spruch:„Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben“ zu Grunde. In schlichter und doch eindringlicher Weise verbreitete er sich über die Pflichten eines Seelsorgers, versprach der Gemeinde seine volle Krast und sein Interesse und bat um freudige Annahme seiner, seelsorgerischen Tätigkeit. Die von Herzen kommende Predigt hat, daran zweifeln wir nicht, die Brücke geschlagen zwischen dem neuen Psarrer und seiner Gemeinde, welche nun auch ihrerseits die Pflicht hat, treu zu ihm zu stehen und dadurch erst die Möglichkeit zu gesgneter Wirksamkeit zu schassen. Mit weiteren Gemeindegesängen und dem Vortrag einer größeren Motette mit Bariton solo:„Herr, unser Gott, wie groß bist du“ von der „Eintracht" recht hübsch zu Gehör gebracht, fand der Festgottesdienst und damit der osssizielle Teil der Einführung nach zweistündiger Dauer sein Ende, und es schloß sich daran ein Mittagsmahl im Saale des Herrn Schulte. An demselben nahmen etwa 70 Bürger aller Stände teil; Küche und Keller des Herrn Schulte lieserten, wie immer, Vorzügliches. Die um 3½ Uhr beginnende Gemeindefeier erfreute sich eines ungemein starken Besuches; annähernd 400 Personen hatten sich in dem geräumigen Saale des Herrn Fritzenkötter versammelt. Nach einleitendem Gemeindegesang:„Großer Gott, wir loben dich“ verlas Herr Superintendent Winkelm ann den 103. Psalm und sprach ein Gebet. Das weitere Programm sah außer den Begrüßungsansprachen je zwei Lieder der drei hiesigen Männerchöre„Eintracht",„Männergesangverein" und„Sangeslust“ vor. Wenn wir schon in diesem Teile unseres Berichtes die Mitwirkung der Gesangvereine berühren, so geschieht es auch von dieser Stelle unter dem Ausdruck der Anerkennung, daß diese drei Vereine in seltener Einmütigkeit einen Wochentag und damit einen Arbeitstag opserten, um sich in den Dienst der schönen Sache zu stellen. Von verschiedenen Rednern wurde dieser Freudigkeit der Mitwirkung lobend und dankend Erwähnung getan, und wir wollen nur hinzufügen, daß die Chöre von großem Fleiß und sorgfältiger Einstudierung zeugten und darum allseitigen Beifall auslösten. Der „Männergesangverein“ trug die Chöre„Das ist der Tag des Herrn" und„Hoch empor“ vor,„Eintracht“ sang„Sabbatfrühe" und„Drei Wünsche", und „Sangeslust“ hatte„Der Maienwind" und„Der Abend“ gewählt. And nun zu den Begrüßungsansprachen selbst! Die Reihe derselben eröffnete nach einer Kafseepause, in welcher dem gut und überaus reichlich dargebotenen Kassee des Herrn Fritzenkötter wacker zugesprochen wurde, Herr Pastor Wischnath von Schwerte, der während der Vakanz den Vorsitz im Presbyterium inne hatte. Er ntbot Herrn Pastor Klinker namens der kirchlichen Vertretungen und der Kirchengemeinde Westhofen ein herzliches Willkommen, schilderte die vielfeitigen Pflichten eines Geistlichen in einer vorwiegend industriellen Gegend und schilderte seinem Amtsbruder auf Grund der von ihm in den letzten zwei Monaten in Westhosen gemachten Erfahrungen das Presbyterium als einen stets bereiten Mitarbeiter für kirchliche Zwecke. Es erfolgten sodann die Begrüßung seitens der politischen Gemeinden durch Herrn Amtmann v Daniels, zugleich namens des nichtevangolischen Teiles der Bevölkerung. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß kommunale und kirchliche Interessen in friedlichem Nebeneinanderlaufen immer ihre Erledigung finden möchten zum Segen der Bevölkerung. Herr Rektor Overbeck begrüßte alsdann den neuen Pfarrer namens der Lehrerschaft und Schulkinder und wies auf die Notwendigkeit gemeinsamer Erziehungsarbeit zwischen Kirche und Schule hin, wenn sie anders fruchtbringend wirken soll. Der folgende Redner, Herr Pastor Terberger aus Schwerte, verflocht seine Begrüßungsrede, die er namens der Kreissynode Iserlohn, dessen ältestes Mitglied er ist, und im Auftrage der Nachbargemeinden hielt, mit einer Reihe von persönlichen Erinnerungen aus dem Jahre 1878 bis 1883, in welcher Zeit er Pastor in Westhofen war. Er entrollte damit ein Stück Vergangenheit und Ortsgeschichte vor einem Menschenalter und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die heutige überaus zahlreiche Beteiligung ein verheißungsvoller Austakt zu vermehrter kirchlicher Regsamkeit der Gemeinde sein möge. Herr Pastor Beuker aus Hohensyburg überbrachte als allernächster Nachbar die Grüße seiner Gemeinde, welche bekanntlich jahrhundertelang mit der Kirchengemeinde Westhosen vereinigt war und erst im Jahre 1898, also vor 16 Jahren, ausgepfarrt und damit selbständig wurde. Die Begrüßung der Ehrengäste endlich war Herrn Kausmann Max Lohmann, Mitglied des Presbyteriums, übertragen worden, und entledigte sich derselbe seiner Aufgabe in trefflicher Weise. In seine begrüßenden Worte wob er besonderen. Dank für die Geistlichkeit der Stadt Schwerte ein, welche in der Zeit vom 1. April an in liebenswürdiger Weise der Gemeinde Westhosen durch Predigt und Erledigung der lausenden Amtsgeschäfte ausgeholfen hätten. Von dem neuen Psarrer hofft auch er, daß er sich als ein guter Sämann, der Ausdauer und zähen Fleiß nicht scheuen dürfe, beweisen und bewähren möge. Nunmehr nahm Herr Pastor Klinker Veranlassung, für all die freundlichen Worte, aus denen Liebe und Vertrauen spreche, seinen und seiner Familie herzlichsten Dank abzustatten. Erneut sicherte er der Gemeinde zu, alle seine Kraft in ihre Dienste zu stellen. Er tue das um so lieber, als es ihm jetzt wunschgemäß vergönnt sei, nach achtjähriger Tätigkeit in Breitscheid(Hessen=Nassau) und Schöller (Rheinprovinz) wieder in seiner westfälischen Heimat zu wirhen. Es wird unsere Mitbürger interessieren, zu hören, daß Herr Pastor Klinker, der zurzeit 36 Jahre alt und Vater von drei Kindern ist, Sohn einer Lehrersamilie aus Versen im Tecklenburgischen ist; sein Vater wurde am Tage seiner hiesigen Wahl beerdigt. Mit dem gemeinschaftlichen Liede:„Ach bleib mit deiner Gnade“, mit Gebet und Segen erreichte die stimmungsvolle Feier gegen 7 Uhr ihr Ende. Mögen sich die Wünsche, mit denen Kirchengemeinde und Pfarrer den gestrigen Tag begingen, in reichem Maße für beide Teile erfüllen! Herrn Pfarrer Klinker aber rusen wir auch an dieser Stelle ein herzliches„Glück auf“ für seine Arbeit in unserer Gemeinde zu. Offener Brief! Es wurde mir von unberkannter Seite eine Nummer der in Hörde erscheinenden Zeitung„Der Volks reunsd“ zugesandt, welche eine Notiz über die Vor gänge in der letzten Stadtverordneten= Sitzung in Schwerte enthält. Es wird in jener Notiz Klage geführt, daß dem Herrn Stadtverordneten Ludwig, die Redefreiheit beschränkt worden sei. Nach meiner Ueberzeugung ist dem Herrn Lutwig die Redefreiheit in weitgehendsten Maße gewährt worden, und dieser Ueberzeugung werden auch die übrigen Mitglieder des Kollegiums sein— von Herrn Ludwig abgesehen—, denn sonst würde jener Beschluß nicht einmütig— auch hierbei von der Stimme des Herrn Ludwig abgesehen— eerfolgt sein, demzufolge die nochmalige Besprechung der Besoldungsordnung der städtischen Gehilsen unterbleiben mußte. Nachdem das Kollegium als solchtes die abernalige Bespuechung ablehnte und dies dem Schreiber jener Notiz bekannt ist, muß ich mich wundern, daß er hierbei von einem Verstoß gegen den parlamentarischen Brauch spricht; ich bin der Ansicht, daß nach parlamentarischem Brauch das eingelne Glied einer Körperschaft seine Wünsche gegenüber dem Willen der Mehrheit zurückzustellen hat. So ist in der betresssenden Sitzung, wie auch sonst, verfahren. Ueber die Gehaltsstusen der einzelnen Gehilfen. zu befinden, kann nicht Sache der Stadtverordneten sein, auch schon deshalb nicht, weil die Stedtverordneten kein hinreichendes Urteil über die Leistungen der Angestellten haben und die Besoldungen gerechterweise doch nur jenen entsprechend erfolgen können. Die Festsetzung der Besoldungen im nzelnen muß daher nach meiner Ansicht dem Magistrat vorbehalten bleiben. Ich nehme ohne weiteres an, daß Herr Ludwig den guten Willen hat, die Inttressen der Bürgerschaft nach bestem Ermessen zu vertreten, wie ich das im gleichen Maße von allen Herren des Kollegiums annehme, weil es eben die den Stadtverordneten obliegende Pflicht ist. Elenso habe ich Grund zu der Ueberzeugung, daß nicht erst auf Anregung des Herrn Ludwig das Interesse den Angestellten der Stadt zugekehrt wurde, sondern daß alle Glieder des Stadtverordneten=Kollegiums schon vorher von dem Wunsche beseelt waren, den Angestellten der Stadt ein angemessenes Gehalt zuzubilligen, allerdings unter Berücksichtigung der sinanziellen Kräfte der Stadt selbst, wie auch nicht weniger unter Berücksichtigung der Verhältnisse der Gewerbetreibenden, Handwerker, Privatbeamten und Arbeiter, welche mit ihrem ganzen Einkommen zu den Steuern der Stadt herangezogen werden. In dem Sinne sind die Gehaltsfragen im Kollegium stets behandelt worden, und so ist es nach meiner Ueberzeugung richtig. Es wird in der Notiz gesagt: „Sehr zu bedauern ist allerdings, daß ein Brief des Herrn Ludwig an den Vorstcher der Stadtverordneten=Versammlung der in Betracht kommenden Zeitung(gemeint ist die„Schwerter Zeitung") zugänglich gemacht ist.“ Hierzu bemerke ich, daß ich den Brief nicht der Zeitung als solcher zugänglich gemacht habe, daß ich ihn dem Kollegium aber in der Versammlung durch Verlesen bekanntgab und bekanntgeben mußte, und damit zugleich haben sämtliche Vertreter der Presse von seinem Inhalt Kenntnis erhalten. Wenn die Unterzeichner jener Notiz„Mehrere Bürger“ eine weitere Aussprache wünschen, so bitte ich sie, aus ihrer Namenlosigkeit herauszutreten; ich bin gern bereit, ihnen Rede und Antwort zu stehen, denn ich bin mir bewußt, solange ich die Ehre habe, im Dienste der Stadt tätig zu sein, die damit verbundenen Pflichten nach bestem Wissen und Ge wissen ersüllt zu haben, sodaß ich keiner Aussprache auszuweichen brauche. Im übrigen empfehle ich allen Interessenten, den öffentlichen Stadtrerordneten=Versammlungen anzuwohnen, um ein eigenes Urteil über die Verhandlungen zu gewinnen. Schwerte, den 4. Juni 1914. Terbrüggen, Stadtverondneten=Vorsteher. Letzte Drahtmeldungen. Ehetragödie. Berlin, 5. Juni. Ein Ehedrama ereignete sich in der Bozener Straße 14. Der 42jährige Töpfer Hermann Schmidt gab dort auf seine Ehefrau Rosa drei Revolverschüsse ab und verletzte sie schwer. Darauf schoß er sich selbst eine Kugel in den Kopf und wurde sterbend ins Krankenhaus gebracht. Die Ehefrau hatte die Absicht geäußert, sich von ihrem Manne zu trennen. Darüber geriet er in solche Erregung, daß er zur Waffe griff. Den einzigen Sohn im Wahnsinn erschlagen. Kiel, 5. Juni. Hier hat die Frau des Vizefeldwebels a. D. Peter ihren einzigen 22jährigen Sohn Bruno in geistiger Umnachtung mit einem Hammer im Bett erschlagen. Als der Gatte heimkehrte, bot sich ihm im Schlafzimmer ein grauenhafter Anblick. Der Sohn lag mit zerschmettertem Schädel im Bett. Die Frau hatte Trauerkleidung angelegt und war im Begriff, das Haus zu verlassen. Durazzo von den Aufständischen eingenommen. Wien, 5. Juni. Aus Nom werden Gerüchte hierher gemeldet, daß Durazzo bereits von den Aufständischen eingenommen sei. Eine Bestätigung Freitag, 5. Juni 1914. Nr. 129. Beilage. Amtliches Kreisblatt. Rettungswesen zur See. Die furchtbare Katastrophe im St. Lorenzstrom hat die Frage wieder akut werden lassen, in welcher Weise eigentlich die Beschlüsse der Londoner Konserenz über die Sicherung von Menschenleben auf hoher See international durchgeführt werden konnten. Nach der„Titanic“=Katastrophe traten nach Einladung der englischen Regierung die Staaten sofort zu einer Konserenz zusammen, in der eine ganze Neihe von obligatorischen Vorschriften für die Sicherung der Passagier=Seeschifjahrt beschlossen wurdem. Eine Reihe von Staaten, darunter England und die Vereinigten Staaten, haben bereits Vorschriften über die Ausrüstung von Passagier= schifsen mit Apparaten für drahtlose Telegraphie getrossen, während andere Bestimmungen über die Anzahl der verfügbaren Rettungsboote sowie über die Unterbringung der Rettungsboote, wie Korkwesten, Schwimmgürtel und Nettungsringe zwar auf dem Papier existieren, in der Praxis jedoch nicht durchgeführt sind. Andere Vorrichtungen zur Verhütung von Gesahr, wie Unterwasser=Schallsignale, die besonders beim Nebel das in der Fahrt besindliche Schiff gegen Zusammenstöße schützen sollen, scheinen sich nicht immer so zu bewähren, wie es wünschenswert wäre. Bei dem Unglück, dem die„Empreß of Ireland“ zum Opfer gesallen ist, scheinen wenigstens die Unterwasser=Signale vollständig versagt zu haben. Weder Kapitän Kendell von der„Empreß of Ireland“ noch Kapitän Anderson von der„Storstadt“ haben die Unterwasser= Signale gehört, die das Nahen des anderen Schiffes bei richtigem Funktionieren hätten anzeigen müssen. Auch die Sirenen, die bei dichtem Nebel andauernd in Tätigkeit sein sollen, können nicht in Betrieb gewesen sein, da sonst beide Dampfer rechtzeitig hütten ausweichen können. Selbst die besten automatischen Signale müssen eben immer erst eingeschaltet sein, bevor sie sunktionieren können, und sind daher von der Bedienung durch Menschenkraft abhängig. Versagt diese durch Unachtsamkeit, so hilft eben der beste technische Apparat nichts mehr. Auch die wasserdichten Schotten, die das Schiff vor dem schnellen Sinken bewahren sollen, müssen zunächst geschlossen werden, um ein Vollaufen der einzelnen Abteilungen, die sie voneinander trennen sollen, zu verhindern. Nach den Erklärungen, die vom Reichsamt des Innern letzthin im Reichstag abgegeben worden sind, ist auf den deutschen Schifsen schon seit Jahren das Menschenmöglichste getan, um Katastrophen, wie die der„Titanic“, zu verhindern. Die deutsche Handelsmarine hat auch seit dem Untergang der „Elbe“ vor nahezu zwanzig Jahren größere Katastrophen nicht zu beklagen gehabt. Es ist zu hoffen, daß die getroffenen Vorkehrungen auch in Zukunft unsere Schiffahrt vor Schicksalsschlägen ähnlicher Art bewahren mögen. —— Westfalen und * Iserlohn, 4. Juni.(Wahlrecht und Steuerprivileg.) Die Volksschullehrer hatten beim Ministerium die Forderung erhoben, daß die Wahlrechtsbeschränkung, die mit dem Steuerprivileg der unmittelbaren Staatsbeamten verbunden ist, aufgehoben werden möge. Die Stadtverordneten hatten sich dieser Petition angeschlossen unter der Voraussetzung der Beseitigung des Steuerprivilegs. Wie nun bekannt wird, hat die Forderung der Petenten keine Aussicht auf Ersüllung. * Unna, 4. Juni.(Zur Mordtat in Obermassen.) In Sachen der von uns schon gemeldeten Bluttat im Obermassener Kirchwoge, deren Opser ein in Massen auf Urlaub weilender Dragoner wurde, ist auf Grund neuerer Feststellungen noch mitzuteilen, daß ein Streit wegen eines Mädchens nicht vorausgegangen ist. Vielmehr haben die Täter unmittelbar vor den Wirtschaft Fork den Streit mit dem vor der Tür der Wirtschaft stehenden Dragoner förmlich vom Zaun gebrochen und auf Brune geschossen, als dieser schon in den Hausslur getreten war. * Oberhausen, 4. Juni.(Drei Arbeiter schwer verbrannt.) Auf der hiesigen Eisenhütte brach aus einem Hochosen eine Stichflamme hervor. Drei Arbeiter wurden betäubt. Einer verstarb nach kurzer Zeit, während die beiden anderen schwere Verbrennungen davontrugen. * Altenbochum, 4. Juni.(Tragödie.) Heute nachmittag wurden hier die Ehefrau des Bergmanns Krobowski und ihr einjähriges Söhnchen in ihrer Wohnung erhängt ausgesunden. Als der Mann und der Schwager nach Hause kamen, mußten sie die verschlossene Tür gewaltsam öfnen. Die Frau hat in einem Ansall von Schwermut gehandelt. * Mülheim(Ruhr), 4. Juni.(Von einem Laufkran totgedrückt.) Ein gräßlicher Unglücksfall hat sich in der Verladehalle des Thyssenschen Nöhrenwalzwerkes zugetragen. Als der 34 Jahre alte Arbeiter Theodor Hunke eine acht Meter lange Leiter anlegen wollte und sich zu diesem Zweck auf den Laufkran stellte, setzte sich der Kian plötzlich in Bewegung. Der Arbeiter wurde gegen die Wand gedrückt und getötet. * Osterfeld, 4. Juni.(Die eigene Frau totgeprügelt.) In der Kolonie der Zeche Vondern wurde ein Bergarbeiter verhaftet, der beschuldigt wird, seine eigene Ehefrau zu Tode geprügelt zu haben. Der Polizei war mitgeteilt worden, daß der betreffende Bergmann seine Ehefrau täglich in der rohesten Weise mißhandelt habe; der plötzlich erfolgte Tod der Frau sei nur auf einen Schlag mit einer Bierslasche zurückzuführen. Die angestellten Ermittlungen brachten so belastendes Material zu Tage, daß die Verhaftung des Mannes angeordnet wurde. * Dorsten, 4. Juni.(Sich selbst gerichtet.) Der Mörder des Försters Tonskötter hat sich heute im Gesängnis an einem Taschentuch aufgeknüpft. Zu der Bluttat wird noch bekannt, das Tonskötter auf zwei Genossen des Wilderers geschossen und beide schwer verletzt hatte. * Essen, 4. Juni.(Ein würdiges Pärchen.) Auf einem benachbarten Standesamt fand gestern morgen die Trauung eines hochbetagten Brautpaares statt. Die Greisin, aber sonst noch rüstige Braut, war 67 Jahre alt, während der Bräutigam volle 75 Lenze hinter sich hatte. Bei dem 142 Jahre alten Brautpaare ist bemerkenswert, daß beide Brautleute bisher noch ledig waren. * Essen, 4. Juni.(Bestrafter Tierquäler.) Der 16jährige Benedikt Vogels„vergnügte“, sich heute vormittag damit, einem in der Kehrstraße stehenden Pserde einen spitzen Stock in die Seite zu stoßen und das Tier fortwährend zu schlagen. Das Pferd trat dabei aus und traf den Tierquäler gegen die Brust. Dem Knaben drang das Blut aus Nase und Mund. Er stürzte bewußtlos zusammen. Mehrere Passanten schafften ihn in die elterliche Wohnung. Es wurden schwere Verletzungen edler innerer Organe festgestellt. Sein Zustand ist hoffnungslos. * Dinslaken, 4. Juni.(5500 Mark gestohlen.) Ein Einbrecher erbeutete im Hause eines Schneidermeisters einen Geldbetrag von 5500 Mark. Das Geld befand sich in einer verschlossenen Kommode. Eine im Hause gegenüber wohnende Frau hatte den Spitzbuben beobachtet. Bei der Verfolgung konnte er im Reichskronen=Theater festgenommen werden. * Duisburg, 4. Juni.(Einen seltsamen Gast) beherbergt seit gestern im Geflügelpark des Bäckermeisters Hermann Wischer in M.=Speldorf eine Glucke unter ihren Flügeln. Man hatte ihr während der Brutzeit ein Kuckucksei untergelegt. Als nun die jungen Kücken das Licht der Welt erblickten, sand sich unter ihnen auch ein munterer kleiner Kuckuck, den die Henne in mütterlicher Weise adoptiert hat. — Deutscher Lehrertag in Kiel. Die zweite Hauptversammlung wurde gestern vormittag eröffnet. Der Vorsitzende teilte mit, daß 8035 Teilnehmer zu der Kieler Tagung eingetrofsen seien. Seminardirektor Seyfert(Ischoppau) hielt einen Vortrag über den Deutschen Lehrerverein und die pädagogische Wissenschaft. Im Anschluß hieran nahm die Deutsche Lehrerversammlung eine Entschließung an, worin es heißt:„Die Deutsche Lehrerversammlung hält es für notwendig, daß die pädagogische Wissenschaft im Mittelpunkt aller Lehrbildung steht. Sie erhebt daher die Forderung, daß die Pädagogik an den Universitäten als selbstständige Wissenschaft anerkannt und vollwertig vertreten und das pädagogische Studium den Lehrern aller Schulgattungen zugänglich gemacht werde. Als Aufgaben des Deutschen Lehrervereins betrachtet die Versammlung erstens: die Unterstützung der pädagogischen Forschung und die Verbreitung ihrer Ergebnisse in der Lehrerschaft, zweitens: die Anregung und Organisation pädagogischer wissenschaftlicher Arbeiten innerhalb der Lehrervereine, Zweck der pädagogischen Arbeit des Deutschen Lehrervereins soll nicht eine erzwungene einheitliche pädagogische Ueberzeugung, sondern eine lebendige Anteilnahme der Mitglieder im pädagogischen Leben sein.“ Luftschiffahrt. Schon wieder eine„Ueberquerung des atlantischen Ozeans“. Gerade in diesen Tagen scheint das bisher aussichtsreiche Projekt einer Ueberfliegung der Fluten des atlantischen Ozeans durch das plötzliche Verschwinden seines kühnen Unternehmers, des englischen Fliegers Gustav Hamel, der anscheinend ähnlich wie seiner Zeit Cecil Grace sich aufs Meer hinaus verirrte und dort seinen Tod fand, vorläufig gescheitert zu sein. Man sieht hier wieder einmal die eigentümliche Tragik des Lebens: Der Mann, der die Bezwingung der Breite des atlantischen Ozeans im Flugzeug sich als höchstes Ziel seines Lebens gesetzt hatte, will an einem schönen Nachmittage die paar Kilometer des Aermelkanals überfliegen, kommt scheinbar von der Richtung auf dieser verhältnismäßig kurzen Strecke ab und findet seimen Tod in den Meereswogen. Neuerdings ist nun ein anderer Aviatiker, namens van den Born, in Nizza mit dem Bau eines großen Flugapparates beschästigt, mit dem er ein ähnliches Vorhaben wie Hamel ausführen will. Nur denkt er eine andere Route einzuschlagen. Als Ausgangspunkt will er nicht Europa, sondern die Wüste von Afrika und zwar französisch Guinea wählen und von dorteaus den weilesten nach Osten vorgeschobenen Punkt der amerikanischen Westtüste in Pernambuco in Südamerika zu erreichen suchen. Bei seinem gewagten Unternehmen will sich der Flieger eines neuen von ihm selbst konstruierten Wasserdoppeldeckers bedienen, der ihm auch bei den stärksten Windströmungen genügende Stabilität sichern soll. Der neue Typ unterscheidet sich gegenüber den jetzt schon bestehenden besonders dadurch, daß das obere Tragdeck nicht flach, sondern stark gewölbt und teilweise gesurcht ist. Ein Motor von über 100 Pserdekräften wird in den Apparat eingebaut werden. Der ganze Versuch soll nach der Meinung Van den Borns im September dieses Jahres in Szene gesetzt werden. Augenblicklich sucht er gerade einen Passagier, der ausgebildeter Flieger und Seefahrer sein muß Vor der eigentlichen Ueberfliegung des Ozeans will Born, gleichsam als Training seiner Maschine und seiner eigenen Kräfte, einen Flug von Nizza, seinem jetzigen Standort, nach Konakry, in FranzösischGuinea ausführen, von wo dann die Reise nach der neuen Welt angetreten werden soll. Deutsche Kolonialgesellschaft. Die Hauptversammlung der Deutschen Kolonial= gesellschaft, die am Freitag und Sonnabend dieser Woche unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg, in Danzig tagt, hat eine reichhaltige Tagesordnung zu erledigen. Das wachsende Interesse an unserem Kolonialwesen zeigt sich in der beständigen Steigerung der Mitgliederzahl, die bereits die stattliche Höhe von 42212 erreicht hat, das Vermögen der Deutschen Kolonialgesellschaft beläuft sich auf rund 2,5 Millionen Mark. Im Reiche gibt es heute niemanden mehr, der unsere überseeischen Kolonien aufgeben möchte; die Unentbehrlichkeit der Schutzgebiete im volkswirtschaftlichen Interesse wird vielmehr von immer weiteren Kreisen anerkannt. Die bevorstehenden Handelsvertragsverhandlungen wer“ den den Wert des Warenaustausches mit den eigenen Kolonien noch in ein helleres Licht rücken. Die deutsche Kolonialgesellschaft aber darf das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, dem kolonialen Gedanken die Wege geebnet und ihm trotz zahlreicher Widerstände zur Verwirklichung verholsen zu haben. —— Kunst und Wissenschaft. Das deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose hält am Freitag im Plenarsitzungssaale des Reichstags seine diesjährige Generalversammlung ab. Wie stets, so wird die Versammlung auch diesmal namens der Verbündeten Regierungen vom Staatssekretär des Reichsamts des Innern mit einer längeren Ansppache begrüßt werdenDank den Bestrebungen des Komitees, die von der Kaiserin und vielen anderen hohen Personen aufs lebhafteste unterstützt werden, hat die Bekämpsung der Tuberkulose, dieses Würgeengels der Kulturvölker, die denkbar erfreulichsten Fortschritte im Deutschen Reiche gemacht. Besonders sind die Bemühungen zur Verhütung der Tuberkulose von den schönsten Erfolgen gekrönt worden. Da die Arbeiten des Komitees und der drutschen Aerzte nicht ruDer Kampf um das Mazorat. Roman von Ewald Ang. König. 24 „Nun, darüber läßt sich ja noch später reden,“ sagte der Baron,„willst Du die ganze Last der Verwaltung auf Deine Schultern nehmen, so werde ich voraussichtlich nichts dagegen einzuwenden finden. Deine frühere Wohnung in diesem Hause steht leer, Du kannst sie sofort beziehen, ebenso werde ich für Deine Mama Gemächer herrichten lassen. Ich hoffe, Dein Mißtrauen und Deine Abneigung werden schwinden, wenn wir einige Zeit miteinander verkehrt haben. Ueber Deine Wünsche wollen wir dann in den nächsten Tagen beraten. Nur möchte ich Dich von vornherein darauf aufmerksam machen, daß Du zu Forderungen durchaus kein Recht hast, ich bleibe hier Dein Vormund bis zum Ablauf Deines dreißigsten Lebensjahres, dann werde ich Rechnung ablegen und das Majorat Dir übergeben. „Das ist Dein unabänderlicher Wille?“ fragte Dagobert, das Haupt trotzig zurückwerfend. „Unabänderlich, die Bestimmungen unseres Stakuts müssen erfüllt werden.“ „Dann behalte ich mir die Entscheidung vor.“ „Sehr wohl, nur muß ich darauf dringen, daß diese bald erfolgt.“ „Du wirst es mir nicht verargen können, wenn ich zuvor den Rat eines Juristen einhole.“ „Gewiß nicht, obschon ich die Notwendigkeit solcher Beratung nicht einsehe. Unser Justitiar, Herr Notar Tellenbach, kann und wird Dir jede Auskunft geben, die Du in Deinem Interesse nur verlangen magst.“ „Gerade ihn will ich nicht fragen.“ „Hegst Du auch gegen ihn Mißtrauen?“ „Aus triftigen Gründen, ja,“ nickte Dagobert, „Ich nehme die Wohnung einstweilen an; ob ich sie behalten werde, weiß ich noch nicht, wie gesagt, ich gehalte mir die Eutscheidung vor.“ Nanz uach Leinen Belchen. Baron, indem er an der Glockenschnur zog,„ich werde in keiner Weise Dir feindlich entgegentreten, aber meine Rechte hier energisch zu wahren wissen. Wir alle müssen uns den Familiengesetzen fügen, es liegt nun einzig und allein an Dir, ob der Friede hier erhalten bleiben soll.“ Der Kammerdiener war eingetreten, sein forschender Blick schweifte verstohlen von dem alten zum jungen Herrn, die Ruhe der beiden schien ihn mit Befriedigung zu erfüllen. „Der Herr Baron wird die Gemächer wieder beziehen, die er früher bewohnt hat,“ sagte Baron Kurt.„Ich erwarte Dich zur Tafel, Dagobert, wünschest Du vorher ein Frühstück, so hast Du nur zu befehlen.“ Dagovert schied mit einer leichten Verneigung und folgte dem alten Manne, gleich darauf trat der Notar aus dem Nebenzimmer. „Vortrefflich!" sagte er.„Sie haben Ihre Sache gut gemacht, Herr Baron, der Erbe darf sich nicht über Sie beklagen.“.. „Er scheint Ihnen nicht seht gewogen zu sein,“ spottete Baron Kurt, an den Spitzen seines langen Vollbarts drehend. „Ah, bah, wenn ich wollte, könnte ich mir seine Gunst im Handumdrehen erwerben, aber mir liegt nichts daran."„" „Ganz recht. Wenn Baron Dagobert auf der Entlassung des Verwalters besteht, so geben Sie nach.“ m „Wie darf ich oas?“ unterbrach der Baron ihn. Schreiber war mir stets ein treuer, ergebener Diener.“ „Bah, er hat sich für seine Dienste bezahlt gemacht, das unterliegt für mich keinem Zweifel. Sie dürfen ihn dreist entlassen, er wird keine Not leiden, er ist der geheime Associe seines Sohnes, der mit Ihrem Gelde sein Bankgeschäft gegründet hat. — Bringen Sie Ihrem Neffen dieses Opfer, wenn er es beharrlich verlangt.“ Zud dan dal ich uchuoen lesten die Vergole tung des Gutes übertragen?“ „Weshalb nicht? Es wäre ja möglich, daß er sich eine Unterschlagung zuschulden kommen ließe, um die entfesselten Leidenschaften zu befriedigen, dann hätten wir die unehrenhafte Handlung, die ihn für immer von der Erbfolge ausschließt.“ Der Baron schüttelte mit zweifelnder Miene das Haupt, der Vorschlag schien ihm doch nicht so ganz zu gefallen, aber der Notar achtete nicht weiter darauf, er nahm seinen Hut und verließ nach einem zeremoniellen Gruß das Zimmer. Er dachte au sein eigenes Projekt; es bennruhigte ihn, daß der Baron an die Möglichkeit dachte, seine Tochter mit dem Erben zu vermählen. Dieser Plan mußte um jeden Preis vereitelt werden, zumal da der alte Herr jetzt wußte, daß sein Sohn Baronesse Theodore liebte, und daß diese Liebe erwidert wurde. Im Korridor begegnete er Nanny; ihr neugieriger, erwartungsvoller Blick ließ ihn erkennen, daß sie von der Heimkehr des Verscholleneu bereits unterrichtet war und von ihm erfahren wollte, wie die Verhältnisse nun sich gestalten würden. Er blieb stehen, ein sarkastisches Lächeln lagum seine Lippen. „Der junge Herr ist wieder da,“ sagte er leise, „er hat bereits erklärt, daß er dem Personal scharf auf die Finger sehen wolle.“ „Was liegt mir an ihm!“ antwortete Nanny schnippisch.„Er hat mir nichts zu befehlen, ich bin die Dienerin der Baronesse." „Wäre es Ihnen angenehm, wenn die Baronesse Haus Eichenhorst verlassen und von der Gnade ihres Vetters leben müßte?“ „Welche Frage! Wie könnte mir das angenehm en“ „So kommen Sie bei Ihrem nächsten Ausgang zu mir. Kann das heute noch geschehen?“ „Ich will sehen, ob es sich machen läßt.“ „Aber Verschwiegenheit!“ „Natirlich= nickte die Zose verständnisvol, und da in diesem Augenblick der Kammerdiener am Ende des Korridors auftauchte, eilte sie hastig von dannen. Der Notar ging dem Mann mit der freundlichsten Miene entgegen. „Das war ein freudiges Ereignis, wie?“ fragte er scherzend. „Ich weiß es noch nicht,“ antwortete Jakob ernst,„ich will erst abwarten, wie der Hase läuft.“ Sie hatten die Droschke, die vor der Tür wartete, erreicht, Jakob öffnete sie, und der Notar stieg ein. Mit sorgenvoller Miene blickte der alte Kammerdiener dem Wagen nach. „Es wäre manches anders und besser geworden, wenn dieser böse Dämon in die Angelegenheiten der Familie Darboren nicht seine Nase hineingesteckt hätte,“ brummte er; dann kehrte er in das Haus zurück. 7. Kapitel. Doktor Hermann Steinfelder war so sehr von seiner Praxis in Anspruch genommen, daß ihm kaum mittags nach Tisch ein Stündchen verblieb, das er mit seiner Schwester verplandern konnte. Sie hatten sich auch heute in das Zimmer der Baronin zurückgezogen, um über die Zukunft zu beraten, denn daß es so nicht bleiben konnte, wie es jetzt war, das wurde ihnen beiden mit jedem Tage klarer. „Ich habe die Akten= und Familienstatuten nochmals studiert und ich wiederhole Dir, wir können nichts machen,“ sagte Hermann, während er den Zucker in seiner Tasse zerrührte.„Du hast nur das einzige Recht, eine standesgemäße Wohnung im Herrenhause und eine Jahresrente zu fordern und, so peinlich es Dir auch sein mag, mit Deinem Schwager zusammenzuwohnen—“ „Nimmermehr!“ fuhr sie leidenschaftlich auf. „Wohlan, reden wir nicht mehr davon, ich wollte Dir nur einen guten und wohlgemeinten Rat geben. 41440 hen, so darf man hoffen, daß auch diese mörderische aller Krankheiten unseres Volkes einmal völlig überwunden werden wird. Bunie Chronik )( Entführt. Der belgische Landwirtschafts= Ingenieur Lucienne Tack, der bei Thyra an der Eisenbahn Smyrna=Aivin auf einem Landgut beschäftigt war, wurde von einer türkischen Räuberbande entführt. Die Bande verlangt ein Lösegeld von 100 000 Mark. Auf Einschreiten der belgischen Gesandtschaft sagte die türkische Regierung den Schutz des entführten Belgiers zu. Der beste Schutz aber besteht darin, daß möglichst schnell das Lösegeld gezahlt wird. 1 Pulver und Petroleum in Baumwolle. In einem Baumwoll=Lager in Kalkutta wurden, in Baumwoll=Ballen verborgen, Bomben gefunden, die Pulver, Petroleum und Schwesel enthielten. Es handelt sich um einen Anschlag ausständiger Arbeiter, die in letzter Zeit schon mehrere Brände von Baumwoll=Lagern verursacht hatten. Jugendliche Lebensretterin. Das fünsjährige Töchterchen des Schloßdieners Bernbeck aus Hohkemmer bei München rettete aus der hochzehenden Glonn eine gleichaltrige Gespielin dadurch, daß sie ihr eine Stange reichte und sie mit größter Anstrengung das steile User hinaufzog. ( Bestrafte Neugier. In Liebnitz im Kreise Schlochau wurde eine Postbeamtin zu drei Mona# ten Gefängnis verurteilt, die Briese geöffnet und durchgelesen hatte. Sie hatte es aus Neugier getan; es war so hübsch, schwärmerlsche Liebesbriefe oder gepfefferte Mahnschreiben oder diskrete Enthüllungen über das Familienleben bei Tens zu lesen. Die Beamtin verwaltete eine Postagentur. ( Sind das alle, oder kommen noch mehrere? So kann man fragen, nachdem dem Fall des Kösliner Schwindel=Bürgermeisters Thormann der des Schweriner Schwindel=Direktors Schröder schnell nachgesolgt ist. Es steht noch gar nicht einmal fest, ob Schröder, der das Schweriner Elektrizitätswerk „leitete", tatsächlich Schröder heißt, seine Papiere stimnzen von Ansang bis zu Ende nicht. Schweriner Kaufleute sind von dem Gauner um mehrere tausend Mark geschädigt worden. Wenn man bedenkt, daß Schröder von dem Betrieb, den er leiten sollte, auch nicht die leiseste Ahnung hatte, daß er schweren Schaden durch Ankauf völlig unbrauchbarer Maschinen anrichtete, so muß man sich erstaunt fragen, wie der Mann sich zweieinhalb Jahre auf seinem Posten halten konnte, zumal auch seine gesellschaftliche Bildung große Lücken auswies. Erst als bekannt wurde, daß er nicht Burschenschaftler sei, womit er stets renommiert hatte, kam der Stein ins Rollen. Veimischtes. Zeitungsinserate für die Ausstellung zu sprechen. Er wundere sich, so meinte er, daß er in den größten ausländischen Blättern gar kein Inserat der Malmöer Ausstellung gelesen hätte. Die Geschäftsführer der Ausstellung wollten erst gar nicht mit der Antwort heraus; erst auf die dringende Aufforderung des Königs erklärten sie, daß sie gern in den größten Zeitungen der Welt annonciert hätten, aber die Kosten seien unerschwinglich hoch, denn ein größeres Inserat koste Tausende von Kronen.„Das ist ja sicherlich viel Geld,“ entgegnete der König, „aber Sie verkennnen den Wert und den Nutzen der Inserate. Annoncieren Sie nur ruhig in den größten Zeitungen und schicken Sie mir die Rechnungen. Eine solche Propaganda macht sich nämlich sehr rasch bezahlt.“ = Wie lautet der Titel des Fürsten von Albanien? In der soeben erschienenen Rangliste des preußischen Heeres findet man unter den Offizieren ä la suitc des 3. Garde=Ulanen=Regiments, an letzter Stelle, vermerkt:„Wilhelm, Fürst von Albanien“. Das seltsame daran ist, daß hinter dem Namen die sonst übliche Angabe des Prädikates, das dem Fürsten zusteht, sehlt. Man weiß also nicht, ob der Fürst von Albanien„Durchlaucht",„Hoheit" oder „Königliche Hoheit“ zu titulieren ist. Die, wie gesagt, dem Brauche widersprechende Fortlassung des Prädikates ist schwerlich ohne Absicht geschehen. Man hat eine Frage, die vorläusig noch nicht entschieden ist, wohlweislich umgangen. = Der König als Inserent. König Gustav von Schweden erkundigte sich unlängst bei den Organisatoren der Malmöer Ausstellung sehr eingehend nach diesem und jenem und kam dabei auch auf die Elektrisches Hatte man es früher als einen Nachteil empfunden, daß der elektrische Strom eine Wärmewirkung auf den Stromleiter ausübte, so kam man schon in den 80er Jahren auf den Gedanken, diese Wärmeentwicklung praktisch zu verwerten und führte auf der im Jahre 1883 in Wien stattgesundenen elektrotechnischen Ausstellung an elektrischen Strom angeschlossene Drahtspiralen vor, die einen hohen Grad von Hitze entwickeln konnten. Damit war der Weg für eine große Reihe neuer Anwendungsmöglichkeiten der Elektrizität geöffnet. Den größten Erfolg in dieser Richtung erzielte aber das elektrische Bügeln, das nicht nur vom hygienischen, sondern auch praktischon und ökonomischen Standpunkt aus berufen ist, die alten Methoden immer mehr zu verdrängen. Elektrische Bügeleisen haben sich in allen Kreisen eingebürgert, sie finden sich heute ebenso gut im Norden Skandinaviens, wie im Süden A,rikas, in Asien sowohl wie in Amerika. Um einen Anhaltspunkt für den Umsang zu geben, den heute die Verbreitung der elektrischen Bügelns angenommen hat, sei nur erwähnt, daß z. B. eine Herforder Firma allein einige Hundert Stück elektrische Bügeleisen dauernd im Betriebe hat, während an das Stromnetz des Straßburger Elektrizitätswerkes nicht weniger als ca, 5000 elektrische Bügeleisen angeschlossen sind. Mitunter hörte man früher den Einwand, elektrische Bügeleisen würden nicht genug Hitze entwickeln, auch dieser Einwand ist verstummt, seitdem die elektrischen Bügeleisen mit jeder beliebigen Hitze=Entwicklung bis zur Rotglut hergestellt werden können. Die schnelle Einführung des elektrischen Bügeleisens überrascht allerdings nicht, wenn man die vielen Annehmlichkeiten gegenüber alter Bügelmethoden berücksichtigt. Ein Griff und das Bügeleisen steht unter Strom, ein Griff und es ist ausgeschaltet; keine Verschlechterung der Lust, keine unnötige Ueberhitzung des Arbeitsraumes, nur wenige Betrieskosten pro Stunde, dies sind einige Vorzüge, denen das elektrische Bügeln seine heute schon so allgemeine Beliebtheit verdankt. Karl Eugen Schweizer=Laasphe. Sauerkirschen sollen nicht abgepflückt, sondern mit der Schere abgeschnitten werden, so belehrt uns ein Bericht im praktischen Ratgeber im Obst= und Gartenbau in Frankfurt a. O. Durch Beispiele wird bewiesen, daß sich dort, wo die Stiele nicht losgerissen, sondern durchschnitten worden sind, im nächsten Jahre viel bessere Fruchtknospen ausbildeten.— Die betrefsende Abhandlung steht Gartenfreunden kostenfrei zur Versügung. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 7. Juni: Abwechselnd, kühl, windig. 8. Juni: Veränderlich, etwas wärmer. 9. Juni: Sonnenschein m. Regen wechselnd, wärmer. e WOgenen Wir Seintag Hin! Clemens Vogtmann nächster Nähe des Felsenmeers Deilingboten: Bahnstation Hiemer-Westig Hönnetalbahn Klusenstein. Gasthof Sonneborn A früher Sit Platthaus. Besitzer: Heinr. Sonneborn Der Neuzeit entsprechend renoviert. 2 Säle mit Piano. Gesellschaftsräume. Grosser Garten mit Veranda. Garantiert gute Speisen und Getränke. Dortmunder Germania-Bier. Weine erster Firmen. Elektrisch Licht. Angenehmer Aufenthalt für Sommerfrischler. Pension nach Uebereinkunft. Aut Wunsch Wagen am Bahnhof Hemer und Hönnetal, sowie zu Ausflügen. 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Juni, nachmitags 3 Uhr Jahressest des Hellweger Erziehungshauses in Festredner: Herr Pastor Stehfen aus Oberalsungen und Herr Pastor Meyer=Aplerbeck. ladet herzlich ein Kuratorium: 3685 Strathmann, Pfarrer. Wegen Neubau verkaufe alle hederwaren, Reise und Sportartikel zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Otto Schriewer Spezial-Geschäft für feine Lederwaren. Der Verkauf findet während des Neubaues Hüsingstrasse Nr. 10 3855 Alsbergs Weisse Woche ist die populärste Einkaufs-Gelegenheit des Jahres. Um die diesjährige Weisse Woche noch umfangreicher als bis. her zu gestalten, sind wir schon seit vielen Wochen mit den Vorberei. tungen beschäftigt. Im eigensten Interesse empfehlen wir jedem, mit den Einkäufen zu warten.:::: Uhöere woms Woche Andet Iroum statt. im Hause des Herrn W. Kett statt. Erich aber zog sie sest an sich und flüsterte ihr ins Ohr: „Gertrud, wir sind jetzt beide geborgen, ich muß es aber hören, ob Du glücklich bist—“ Da antwortete sie:„So glücklich!" und blickte unter Tränen zu ihm empor. Noch immer hielt er sie umschlungen, und über ihre Lippen kam es freudetrunken:„Wenn die Rosen blühen, sind wir vereinigt— weißt Du noch, als wir uns das damals zuflüsterten, als wir uns das so fest gelobten? Ich habe es in den trostlosen Jahren so oft im Geiste gehört, so oft still für mich gesagt—“ Allerlei Interessanies. Wertvolle Pelze. Den kostbarsten Pelz der Welt besaß Nikolaus von Rußland. Er befand sich auf der Londoner Industrieausstellung von 1851. Der Wert war mit 3400 Psund Sterling(70000 Mk.) angegeben. Mr. Nicholay, der größte Kürschner und Rauchwarenhändler Londons, schätzte den reellen Wert auf tausend Pfund. Auch König Georg IV. besaß einen ähnlichen Rock, mit schwarzem Fuchs gefüttert. Man hatte zu ihm nur die Halsteile des schwarzen oder Silbersuchses genommen, der sich im hohen Norden Amerikas wie auch Asiens findet; aber kaum ein halbes Dutzend Felle werden jährlich aus den Handelsstädten eingeliefert. Sie sind ungemein weich und langhaarig, glänzend schwarz oder dunkelbraun, aber die langen Spitz= oder Stichelhaare haben einen Silberglanz, nur unter dem Halse sind sie ganz schwarz. Ein solches Fell wird mit 200—900 Mk. bezahlt. Eine sonderbare Testamentsvollstreckung. Ein Bauer hatte seiner Frau ein Pferd und einen Hund hinterlassen und gesagt:„Das Pferd sollst du verkaufen und die Summe, die du dafür erhältst, unter meine Verwandten verteilen. Was den Hund anlangt, so ist er dein Eigentum und du kannst mit ihm machen, was du willst.“ Um das Testament zu vollstrecken, ging die Frau mit dem Pferde und dem Hunde nach dem Markte, und bot sie zum Verkaufe aus. Ihr wurden hundert Taler für das Pferd geboten, aber den Hund wollte niemand kaufen.„Ich verkaufe sie nur zusammen,“ sagte die Frau,„gebt mir hundert Taler für den Hund und einen Taler für das Pferd, dann gehören euch beide!“ Der Käufer, obwohl er die Sache sehr sonderbar fand, nahm das Gebot an und zahlte der Frau hundertein Taler für beide Tiere aus. Am folgenden Tage ging die ehrliche und gehorsame Bäuerin zu den Verwandten des Mannes, stellte ihnen den Reichstaler, den sie für das Pferd empfangen hatte, zur Versügung und behielt die hundert Taler, die sie für den Hund empfangen hatte, für sich. Alltagsnotizen. Die Gleickheit in der Verteilung von mühevoller Arbeit bringt ungemeinen Segen und Erleichterung. Ich will! Die höchste Kron' ist dieses, die mich schmückt, Der Freiheit Siegel, das mein Geist sich aufgedrückt. Vor dem Tode erschrickst du? Du wünschest unsterblich zu leben? Leb' im ganzen! Wenn du lange dahin bist, es bleibt. Nicht, wieviel Zeit dir ward gewähret, Nicht, wieviel Taten dir verwehret. Kann Maßstab deinem Werte sein. Nein, wie du hast die Zeit verwendet Und wieviel Taten du vollendet, Das gibt den wahren Wert allein. Haus und Familie. Anfer Schlafeimmer. Unser Schlafzimmer sollte das größte und luftigste Gemach unserer Wohnung, am besten nach Osten zu gelegen sein. Luft und Licht ist die Hauptsache. Selbst im Winter kann ein stundenlanges Lüften stattfinden. Betten und Matratzen müssen jeden Tag ausziehen, verkühlen und trocken werden, wenn die Lagerstatt für unsere Gesundheit nutzbringend sein soll.— Wie sieht es aber mit den Schlafzimmern der meisten Menschen aus? Viele Familien sind ja nicht in der glücklichen Lage, ihren Schlafraum zu wählen. Wer aber mehr Zimmer hat und freie Wahl, sich den Schlafraum beliebig einzurichten, verfährt der nach den Regeln der Gesundheit? Nein, das kleinste Kämmerchen, oft eine Nische wird als Schlafraum benutzt. Die Putzstube ist das Schoßkind und beansprucht, bei seltenster Benutzung, den besten Raum der Wohnung. Das Hauptaugenmerk, wenn wir uns ein luftiges und sonniges Schlasgemach ausgewählt haben, ist alsdann auf die Lagerstatt zu richten. Da heißt es: Fort mit überflüssigen Federbetten und mit Vorhängen, die alle schlechten Dünste aufsaugen und die reine Luft von unserm Lager abhalten. Ein einfaches Bettgestell mit Sprungfeder= und Roßhaarmatratze, Keilkissen und einem Kopflissen aus Leder mit Roßhaarfüllung, Laken und Steppdecke, bei strengem Winter allenfalls ein leichtes Federdeckbett, so ist unser Bett nach der Gesundheit ausgestattet. Die Waschtische sollen stets offen und sauber gehalten sein, übelriechende Gefäße, qualmende Nacktlampen und Blumen gehören nicht ins Schlafzimmer. Der Fußboden muß staubfrei gehalten und täglich aufgewischt werden. Wer es verträgt, kann auch im Winter im ungeheizten Zimmer schlafen, es stärkt dieses ungemein die Nerven; auch kann man bei erträglicher Witterung zu jeder Jahreszeit das Fenster mehr oder weniger offen lassen; bei kleinen Kindern oder kränklichen Personen muß man allerdings dabei mit Vorsicht verfahren. Ein eiserner Ofen gehört nicht ins Schlafzimmer, durch das leichte Glühendwerden eines solchen Wärmeerzeugers entströmt demselben Kohlenoxydgas, dessen Einatmen gesundheitsschädlich ist. Handarbeiten für Kinder. Zwickerfutteral aus alten Handschuhen. Eine praktische Verwertung nicht mehr brauchbarer Handschuhe bietet sich in der Herstellung eines Zwickerfutterals. Man legt der unteren Handschuhhälfte den aus Kartonpapier nach einem Zwicker hergestellten Schnitt auf und schneidet, indem man ringsum einen Zentimeter für das Umbiegen berechnet, die Umrisse heraus. Vier solcher Teile sind zur Herstellung des Futterals notwendig, zwei für außen und zwei, die natürlich andersfarbig sein können, für innen, zum Futter. Zwei der Teile werden mit langen Stichen über eine Kartoneinlage gespannt, wobei die das Leder haltenden Stiche innen zu liegen kommen und durch das Futter gedeckt werden. Sind beide Teile, auf deren oberen man mit Stielstichstickerei irgendeine Verzierung ausführen kann, soweit (das Verzieren geschieht vor dem Überspannen der Kartongrundform), so werden die beiden Futterteile, bis auf die zum Einschieben des Zwickers nötige Öffnung, die oben oder seitlich angebracht werden kann, miteinander mit Steppnähten verbunden. Muschelarbeiten. Zu unserer Großeltern Zeit galten Kärtchen, Ampeln, Uhrgehäuse, Rahmen, Bücher u. v. a., mit Muscheln verziert, als etwas besonders Schönes. Solche Arbeiten sind sehr leicht herzustellen. Man hat ja oft Gelegenheit, an Flüssen, mehr jedoch noch am Meeresstrand, Muscheln zu sammeln, und kann sie sich auch in großer Auswahl kaufen. Zum Beispiel läßt sich ein Behälter für Briefpapier sehr schön aus einem niedrigen Pappkarton herstellen, den man an den Rändern mit einer Reihe gleich großer Schneckenhäuser beklebt; an die Seitenteile und in die Mitte des Deckels klebt man dann größere und kleinere Muscheln, wenn möglich in Form eines Sternmusters oder einer langen Borte und füllt die Zwischenräume mit Moos, Sand oder Glaspulver aus. Das Befestigen geschieht, indem man die ganze Fläche dick mit heißem Leim überstreicht und dann die Muscheln, das Moos usw. fest andrückt. Berichtigung. Redakteur:„Der Direktor der Oper erfocht um eine Berichtigung der Kritik, in der es heißt, die Sänger seien mit faulen Eiern beworfen worden.“— Chefredakteur:„Gut, bringen Sie morgen eine Notiz, die Eier wären noch genießbar gewesen!“ Kritik. Meister herablassend zu dem Gesellen(auf die Dose schlagend):„Da schnupfen Sie einmal, das reinigt das Gehirn und macht klaren Verstand.— Geselle(schnupft langsam mit Kennermiene):„Na, von dem schnupfen Sie auch noch nicht lange.“ Aus der Instruktionsstunde. Wachtmeister:„.. und warum soll ein sorgsamer Kavallerist immer möglichst auf weichem Boden zu reiten suchen, wenn er auf Patrouille ausgeschickt wird?"—„Weil er dann weicher fällt!“ Der Rochdruck des gesamten Inhalts dieser Betlage ist untersagt.= S#S0. .0 6. e f6ense G Ao S S.„ 7• SpsRSSES rees S 2 an„abag TGoSeSS 9### X 46. Jahrgang O Grttes und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O haupt-Annoncendlau Unterhaltungs=Beitage zu Nr. 129. Aus Lieb' oder aus Dernunft zu frei'n— Wie sollt' das nicht dasselbe sein, Da es doch nichts Vernünft'gers gibt Als eine freien, die man liebt! Das zweite Ich. Seltsamer Roman von Rudolf Jura. (13. Fortsetzung.) Also galt es, so rasch als möglich zu handeln. Ungesehen vom. Staatsanwalt, der mit seiner Frau sprach, drückte er einen innigen Kuß auf die schlaff herabhängende Hand der Schlummernden, riß sich dann mit träftigem Entschluß von ihrem rührenden Anblick und aus seiner Angst und Sorge um ihren Zustand los, um mit klarem Geiste über die Mittel und Wege zu ihrer Rettung nachzudenken. Er folgte dem Staatsanwalt in sein Arbeitszimmer und beriet dort mit ihm, welche Maßreaeln der List oder der Gewalt jetzt gegen Fräulein Kurzmüller angebracht waren. 9. Bei dem Kriegsrat, den die beiden Herren jetzt abhielten, zeigte sich so recht der Unterschied ihrer persönlichen Natur, sowie der Gegensatz, den die Verschiedenheit ihrer juristischen Stellung und Beschäftigung allmählich ihrer ganzen Art und Weise, zu denken und zu handeln, aufgedrückt hatte. Der Staatsanwalt stellte sich starr und rücksichtslos auf den Boden des Rechtes, ganz unbekümmert, ob diese Stellung klug gewählt und nutzbringend erscheinen mochte. Nachdem er aus des Rechtsanwalts ausführlichen Bericht ebenfalls die Überzeugung gewonnen hatte, daß Fräulein Kurzmüller zweifellos im Besitze des Briefes der Frau Doktor war und ihn widerrechtlich in irgend einem Versteck ihrer Wohnung zurückhielt, hielt er es für das einzig richtige Verfahren, die gefährliche Dame einfach des Diebstahls oder Unterschlagung dieses Zettels anzuklagen. Durch die bereitwillige Abschrift mit verbürgter Richtigkeit hatte sie sich zu deutlich als Inhaberin des gestohlenen Gutes verraten, als daß ihr ein Leugnen jetzt noch etwas genützt hätte. Sie mußte also verurteilt werden, den Zettel herauszugeben, und wenn sie ihn nicht gutwillig herausgab, dann trat eben die Zwangsvollstreckung in Kraft.. 4— 8„ „Aber sicher erfolglos! versetzte der Rechtsanwalt. „Denn Sie können sicher sein, Herr Staatsanwalt, daß sie, wenn wir sie zum äußersten reizen, in ihrem erbitterten Haß gegen Ihre Frau Schwägerin den Zettel eher vernichten, als uns in die Hände fallen lassen wird. Sie hat mir das heute morgen ziemlich deutlich zu verstehen gegeben. Ich erzählte Ihnen doch auch schon, daß sie den Preis von siebenhundertundfünfzig Mark, die ich ihr für den Zettel bot, rundweg ausgeschlagen hat.— Nein, eine gerichtliche Haussuchung nach erfolgtem Prozeß und Urteil hätte gar keine Aussicht auf Erfolg.“ „Nun, wenn Gefahr im Verzuge ist, können wir ja auch ohne weiteres eine Haussuchung vornehmen. Hinreichend verdächtig ist das Fräulein ja. „Auch das möchte ich Sie bitten, zu unterlassen. Jedes scharfe amtliche Vorgehen gegen sie macht sie nur stutzig und bringt doch keinen Nutzen. Es genügt, wenn Sie die Güte Freitag 5 Juni 914. haben wollen, sie einfach einmal zu einer Zeit, die wir noch miteinander verabreden werden, zu einer Vernehmung über die Zettelangelegenheit zu bestellen. Eine solche Vernehmung wird ihr keinen sehr gefährlichen Eindruck machen. Sie wird überzeugt sein, die Sache mit einfachem Leugnen abmachen zu können, und wird sich nicht veranlaßt sehen, den kostbaren Brief zu vernichten. Inzwischen, während sie bei Ihnen ist — Sie können sie ja etwas warten lassen und die Sache etwas in die Länge ziehen— inzwischen habe ich Zeit, in ihrer Abwesenheit und ganz im geheimen ihre Wohnung aufs gründlichste zu durchsuchen. Ich habe ein paar geschickte Detektivs an der Hand, die ich nur noch etwas für ihre gabe vorbereiten und abrichten will. Übermorgen denke ich mit meinen Leuten bereit zu sein, und wenn mir etwa anderthalb Stunden Zeit gelassen werden, so verbürge ich Ihnen, daß in der ganzen Wohnung kein geheimes Fach unentdeckt, kein Holsraum unbeklopft, kein Strohsack undurchstochen, kein etwa ausgehöhltes Tisch= oder Stuhlbein ungeprüft bleiben wird.„.. 64 das. vien T. „Aber, mein bester Herr Rechtsanwalr, dus bürsen Sie ja gar nicht. Das ist ja eine ganz ungesetzliche Sache, die Sie da vornehmen wollen. Als Privatperson sind Sie doch gar nicht berechtigt, eine Haussuchung vorzunehmen, noch dazu im geheimen und ohne Zuziehung einer Urkundsperson. Sie müssen doch wissen, daß Sie sich dabei gegen alles Recht vergehen!" „Allerdings weiß ich das. Aber es stört mich in meinem Vorhaben nur wenig. Ich bin kein Richter und kein Beamter und habe nicht das amtlich geltende Recht zu verwalten. All die Gesetzes= und Rechtsvorschriften haben doch keinen andern Zweck, als der Verwirklichung der idealen Gerechtigkeit zu dienen, und soweit sie im Dienste des Guten und Gerechten wirklich brauchbar sind, halte ich mich auch streng an ihre Satzungen. Wenn sie aber zur Erlangung dieses schönen Zweckes nicht mehr ausreichen, dann gehe ich eben meine eigenen Wege. Ich diene nicht dem buchstäblichen Recht, sondern der Gerechtigkeit. Solange es angeht, diene ich ihr mit den vorhandenen gesetzlichen Mitteln. Wenn es aber sein muß, schaffe ich mir auch meine eigenen Mittel.“ „Auf die Gefahr hin, ein Unrecht, ein Verbrechen gegen die Gesetze der Obrigkeit zu begehen! Sie werden die unausbleiblichen Folgen einer solchen Handlungsweise, die einen Hausfriedensbruch bedeutet, nicht vermeiden können." „Ich gedenke mich ihnen auch keineswegs zu entziehen. Ich versuche mein Verfahren auch keineswegs zu beschönigen. Wenn ich strafbar bin, so werde ich meine Strafe verbützen. Ich behaupte nicht, daß mein Unrecht, das ich vorhabe, kein Unrecht ist. Aber ich behaupte, daß es in diesem Falle nützlich und notwendig zur Erreichung meines Zieles ist. Und wenn dieses Ziel die Errettung eines Menschenlebens, die Befreiung einer Menschenseele ist, dann schäme ich mich nicht im geringssen, um solchen Preises willen einmal ein Unrecht zu begehen, das nur darin besteht, gegen ein heimtückisches Frauenzimmer etwas weniger ritterlich vorzugehen, als es der vornehme Charakter unserer Gesetze erlaubt.— Von Ihnen, Herr Staatsanwalt, erwarte ich nur, daß Sie das eben Gesagte nicht dienstlich gehört haben. Ich bin auch, um Ihr Gewissen zu beruhigen, gern bereit, meinen Entschluß zu widerrufen und mich feierlich zu Ihrer Ansicht von der unverbrüchlichen Heiligkeit der Gesetze zu bekehren.“ Der Staatsanwalt schwieg einige Augenblicke. Er suchte vergebens nach einer Entgegnung auf diese sonderbare Er I klärung des Rechtsanwalts. Endlich begann er unter beI denklichem Schütteln und Wiegen des Kopfes: ]„Mein lieber Herr Lohmann, es ist mir ganz unmöglich, 1 Ihre Worte anders, als im Scherz gesprochen, aufzufassen. ] Denn Sie hätten es ja gar nicht nötig, so ohne weiteres und ohne Berechtigung in eine fremde Wohnung einzudringen. * Sie hätten doch gewiß Gelegenheit, sich als Syndikus des 1 Frauenvereins mit einer Revision der Speiseanstalt beauftragen zu lassen, und hätten so den besten Vorwand, sich die Wohnung der Dame einmal recht genau anzusehen.“ „Ich freue mich, daß Sie meinen scherzhaften Plan richtig verstehen,“ sagte mit einem leichten, spöttischen Lächeln der Rechtsanwalt.„Es wird Ihr Gewissen also nicht belästigen, wenn ich in dem einmal begonnenen Scherz fortfahre. Da muß ich Ihnen nun zunächst entgegnen, daß ich auch in meiner amtlichen Eigenschaft als Syndikus doch nur in Gegenwait Fräulein Kurzmüllers revidieren kann. Damit ist mir aber nicht gedient. Denn dann ist doch jede eingehende Untersuchung aller Verstecke unmöglich. Außerdem ist es jedoch sehr wahrscheinlich, daß ich mir einen Auftrag zur Revision beim Vorstand auswirken kann. Die Frau Doktor hatte ja eine Revision der Kasse geplant, weil wir neulich die Bücher sehr unzulänglich geführt fanden. Aber leider ist sie an der Ausführung ihrer Absicht nun gehindert worden. Sie als Gründerin der Speiseanstalt hätte eine Revision wohl durchgesetzt. Ob es jedoch mir gelingen wird, ist sehr fraglich. Aber immerhin kann ich ja den Versuch machen, um so wenigstens einen Schein des Rechtes für meinen Einbruch in die Wohnung zu gewinnen.“ Von dem in Fräulein Kurzmüllers Kässe vorhandenen Fehlbetrag von 500 Mark wußte der Rechtsanwalt nichts. Er hatte nur die Unordnung ihrer Bücher kennen gelernt. Aber auch, wenn er diesen schwachen Punkt seiner Gegnerin gekannt hätte, würde er sich gehütet haben, die gefährliche Dame durch darauf bezügliche Drohungen zu reizen. Emil Born hatte ihm jedoch gar nichts von diesem Geheimnis ihrer Finanzen erzählt. Es wäre ihm sehr unanständig vorgekommen, das ihm von ihr freiwillig geschenkte Vertrauen so nutzlos zu mißbrauchen. Wenn auch unter dem jetzt so wohltätig auf ihn wirkenden Einfluß des Rechtsanwalts seine Freundschaft für Fräulein Kurzmüller verschwunden war, so war doch sein früher etwas verwahrlostes Anstandsgefühl jetzt um so stärker lebendig geworden. Vor allem war er jedoch ebenso sehr, wie der Rechtsanwalt, überzeugt, daß durch Einschüchterung des Fräuleins keinesfalls darauf zu rechnen war, den Zettel unversehrt zu erlangen. Er war übrigens verwundert und einigermaßen beunruhigt, daß der Rechtsanwalt heute gar so lange fertblieb, nachdem er sich doch nur zu einem Gange zu Fräulein Kurzmüller gerüstet gehabt hatte, und während der Rechtsanwalt noch immer mit dem Staatsanwalt sich besprach, saß Born bereits am gewohnten Mittagstisch in der Speiseanstalt. Sein Essen war so gut und reichlich wie immer. Aber es fiel ihm auf, daß der kleine Petritz, der sonst um diese Zeit schon abgegessen zu haben pflegte, heut als einziger noch mit am Tische saß, und daß dessen Portionen ebenso sorgfältig ausgewählt waren wie die seinigen. Es war augenscheinlich, daß der kleine Petritz zu seinem Nachfolger oder doch wenigstens vorläufig zu seinem Nebenbuhler aufgerückt war.„ 7 Im Herzen spurte Born daruber keine Eifersucht, wenngleich ihm die daraus für seinen Magen sich eröffnende Aussicht nicht sehr angenehm war. Aber wichtig erschien es ihm vor allem, den jungen Mann jetzt genauer zu betrachten und zu beobachten. Denn er wußte aus eigener Erfahrung, wie mitteilungsbedürftig und vertrauensselig Fräulein Kurzmüller ihren jungen Freunden gegenüber zu sein pflegte. Es lag demnach die Möglichkeit vor, daß der kleine Petritz binnen kurzem das volle Vertrauen des Fräuleins genießen und Mitwisser aller ihrer Geheimnisse sein würde. Infolgedessen erkannte es Born als seine Pflicht, dieses ihm entgehende Vertrauen auf dem Umwege über Petritz wieder an den richtigen Ort, also in seine eigenen Ohren zu leiten. Fräulein Kurzmüllers Liebe hatte er verloren an diesen jungen blonden Menschen mit den schwärmerischen Augen und dem wackelnden Kneifer auf der langen dünnen Nase, und so bemühte er sich eilig, seinerseits die Freundschaft dieses jungen Menschen zu gewinnen. Wenn ihm dies gelang, so war alles wieder in bester Ordnung. Er hatte sich bisher um den kleinen Petritz gar nicht gekümmert. Jetzt, während Fräulein Kurzmüller die Speisen auftrug, betrachtete er ihn scharf und kam zu dem Ergebnis, daß der Träger dieses unschuldigen Gesichtes sich noch in dem jugendlichen Geisteszustand befinden mochte, wo die natürliche gutmütige Vertrauensseligkeit des Knaben nur künstlich hin und wieder durch nachdenkliche männliche Vorsicht zurückgedrängt wird.„„.„„Iar„Hein mit ihm lich h. Sowie ihn Fräulein Kurzmuuer allein mit ihm ließ, begann er den Angrif. Mti, Si. Lemissezmaßen 41 „Es freut mich, Herr Perritz, Sie gewissermaßen als Kollegen begrüßen zu können.".. „Wieso, Herr Born?“ entgegnete vieser mit möglichst männlicher Würde...4 mit J. „Na, na, lieber Freund, antwortete Born mit einem leichten Lächeln humoristischer Überlegenheit,„wenn wir unter uns sind, brauchen wir uns doch keine Komödie vorzuspielen. Nach außen ist es natürlich Ihre Pflicht, strengste Verschwiegenheit zu beobachten über alles, was Sie nun von unserer gemeinschaftlichen Freundin erfahren. Sehen Sie, ich bin ihr ältester, erprobtester Freund, und es freut mich, daß sie nun auch einem so trefflichen jungen Mann, wie Ihnen, ihr Vertrauen geschenkt hat. Ich hoffe bestimmt, sie hat damit keinen Fehlgriff getan. Leider ist sie ja, wenn sie ihr Inneres einmal aufschließt, etwas freigebig mit ihrem Vertrauen. Aber Sie sind sicher kein Unwürdiger. Sie werden die Schwäche unserer Freundin nicht mißbrauchen und nicht aus der Schule schwatzen. Ich darf mich also auf Ihre Verschwiegenheit in allen Angelegenheiten des Fräulein Kurzmüller verlassen. Nicht wahr?" Treuherzig hielt er dem kleinen Petritz die Hand hin, in die dieser mit geschmeicheltem Selbstgefühl einschlug. Die ireundlichen Worte des Herrn Kanzleivorstehers, der sowohl durch seine berufliche Stellung, wie durch seine Bevorzugung am gemeinsamen Mittagstisch bisher turmhoch über dem unbedeutenden Handlungsgehilfen gestanden hatte, ehrten ihn ungemein. Immerhin hielt er es für seine Pflicht, auch seine eigene Würde etwas herauszukehren. Er rückte seinen Kneifer zurecht, strich sich die hellblonde Mähne aus der Stirn und sagte, indem er sich bemühte, die Worte recht nachlässig aus dem Munde fallen zu lassen: Ich bin lein Kind, Herr Born, und weiß, was Schweigen ist. Der Rest von Mißtrauen, der in Ihren freundlichen Worten gleichwohl gegen mich verborgen lag, ist eigentlich beleidigend für mich. Aber ich halte das Ihrer Besorgnis um Fräulein Kurzmüller zugute und nehme es Ihnen daher Herr Petritz war in seinem Gemüt sehr zufrieden mit dieser schönen Rede, und auh Herrn Born hatten seine Worte sehr gefallen. Denn sie zeigten ihm, daß er den jungen halbfertigen Mann richtig taxiert zu haben schien. Er fuhr daher fort, das warme Eisen zu schmieden, und antwortete mit herzlicher, freundlicher Stimme: „Das war eine Entgegnung, lieber Herr Petritz, wie ich sie schöner und männlicher nicht hätte erwarten können. Nein, wahrhaftig, Sie verdienen kein Mißtrauen, und ich bin nun gänzlich ohne Sorge für unsre Freundin. Aber wir müssen uns unbedingt näher kennen lernen, und ich hätte auch noch so manches in ihrem Interesse mit Ihnen zu besprechen. Wie wäre es, wenn Sie heute abend ein Glas Grogk bei mir tränken? Der Frühling ist noch nicht so heiß, daß einem des abends ein warmes Getränk lästig wäre. Um acht Uhr schließt Ihre Buchhandlung.. g41g, Semeit ver, „Ja, aber ich habe mich dann bereits anderweit verabredet,“ unterbrach ihn Petritz und schien zu zögern, ihm Vve,„ Ahal; dachte Vorn, verbarg aber seine Aberraschung und antwortete auf gut Glück, indem er bei jedem Wort den Gesichtsausdruck seines Gegenübers prüfte, um sich von der Richtigkeit seiner Vermutung zu überzeugen: „Ich weiß.— Sie sind heute abend in Anspruch genommen.— Fräulein Kurzmüller— hat Sie beauftragt. ihr ——— die Bücher der Speiseanstalt in Ordnung zu Jetzt hatte er es ausgesprochen und merkte wohl, daß er mit seiner zunächst nur vorsichtig tastenden Rede das richtige getrossen hatte. Keck nutzte er nun die Gewißheit der glücklich erratenen Wahrheit aus und fuhr mit frecher Sicherheit „Sie brauchen nicht zu erstaunen, daß ich darum weiß. Gegen mich hat Fräulein Kurzmüller erstens überhaupt kein Geheimnis, und zweitens bin ich es ja, der Sie ihr für diesen Freundschaftsdienst vorgeschlagen hat. Ursprüngl#ch hatte sie mich darum ersucht. Ich hätte die Kleinigkeit ja auch eben so gut selbst machen können. Aber ich habe ihr Mrctu bigyutusch „u M S b5s 45. 553 43 #58 9 4 e gesagt:„Hier, Fräulein Kurzmüller, haben Sie einmal Gelegenheit, den jungen Herrn Petritz auf die Probe zu stellen. Wenn er Ihnen das geschickt und verschwiegen in Ordnung bringt, dann ist er Ihres Vertrauens und Ihrer Freundschaft für immer würdig.“ Na, und an Geschick und Verschwiegenheit werden Sie es ja nicht fehlen lassen. sie Ihnen übrigens davon gesprochen, daß sie mich um meine Meinung über Sie gefragt hat?“ „Mit keiner Silbe.“ „Sieh, sieh! Unsere liebe Freundin schämt sich also ihres Mißtrauens gegen Sie. Das muß sie auch. Aber schonen Sie ihr Zartgefühl und lassen Sie sich jetzt nichts davon merken, daß ich Sie von ihren Zweifeln unterrichtet habe. Es könnte Ihnen in ihrer Achtung vielleicht wieder schaden! Tun Sie nur heute abend Ihre Schuldigkeit recht gewissenhaft. Immerhin wird Sie die Ordnung der Bücher bei Ihrer Gewandtheit nur ein bis zwei Stunden in Anspruch nehmen. Auch dürfen Sie schon an sich keinesfalls länger, als bis zehn Uhr bei ihr bleiben. Denn Sie müssen darauf bedacht sein, die Ehre unserer Freundin nicht bloß zu stellen.“(Fortsetzung folgt). Seine Jugendliebe. Novelle von O. Ferdinand. Er lebte einsam und bescheiden. Die Sonne der Freude hatte ihm nur kurze Zeit geschienen und das sollte für immer vorbei sein, für immer! War er denn wirklich ganz verlassen auf dieser Welt? War denn alles verhallt wie ein flüchtiger Klang, war denn alles für ihn dahingeschwunden? Schwer war das Leben für ihn— mutterseelenallein! Tränen traten ihm in die Augen: er legte den Kopf auf die Hände und weinte bitterlich. Er fühlte sich besiegt, überwunden. Lange saß er gedankenvoll da, wie einer, dem der erquickende Schlaf die müden Lider geschlossen hält und dem ein süßer Traum von Glück und Frieden ein verklärtes Lächeln um seinen Mund spielen läßt. Der Schlag der kleinen Wanduhr mahnte zum Zubettgehen.— Zwölf lange Schläge! Nun endlich mußte es genug sein der schweren Träumerei. Bald würde ja ein neuer Tag sein Recht fordern. Als er dann durch das geöffnete Fenster die wundersame, von tausend Düften durchflutete kühle Nachtluft mit vollen Zügen einsog, da zog ein stiller Frieden ein in seine müde Seele. Es mochte etwa gegen zwei Uhr morgens sein. Noch immer lag er wach, und manch' finsterer Gedanke marterte sein Hirn. Da schlug plötzlich der Schall von Tritten an sein Ohr. Wer konnte wohl so spät noch vorübergehen? Doch. was war das, vor seinem Hause hielten ja die Schritte an? — und horch, da klopfte auch schon jemand an die Tür!— Und da rief auch schon eine Stimme:„Herr Erich Weinert, bitte öffnen Sie!“— Erschrocken sprang er auf und öffnete mit bebenden Händen die Tür.— Hier überreichte ihm ein Bote einen Brief. Ohne eigentlich recht zu wissen, was er tat, öffnete er und las: „Ich bin schwer verwundet und liege im hiesigen Krankenhaus. Schuß durch linke Schläfe, Lebenserhaltung fraglich, schleunige Herkunft dringend erforderlich— Dein Bruder Albert.“ Erich ließ das Blatt sinken.„Das ist ein furchtbares Verhängnis,“ sagte er dumpf, was soll ich tun?“—„Lassen Sie uns keinen Augenblick verlieren,“ mahnte die Stimme des Boten und rief ihn so in die rauhe Wirklichkeit zurück.— Rasch entschlossen warf er den Mantel um, nahm Hut und Stock, und bald war er mit dem fremden Diener unterwegs. Erich war tief erschüttert, als er an das Bett des so schwer vom Geschick heimgesuchten Bruders trat. Er war nur froh, daß man ihn nicht fortwies, und Albert, der wohl den Tod nahen fühlte, hatte ihm sicher ja noch so viel zu sagen, wenn er es nur könnte. Unter solchen Gedanken vergingen ihm die Stunden schnell— und ein neuer Morgen dämmerte bereits leise über der jungen Welt. Was er ihm wohl bringen würde?— Da öffnete sich die Tür und— ohne Zweifel— das war doch seine Gertrud, seine einzige, liebe, teure Gertrud— so hätte er laut ausjubeln mögen, aber er besann sich noch schnell und dachte daran, daß er hier schweigen müsse— ja, aber sie war es, sie, Gertrud, als Krankenpflegerin!— Jetzt begannen weit stillere Stunden. Der Kranke klagte über furchtbare Schmerzen, und Frostschauer schüttelten den armen, geplagten Körper. Nur Erich, dem ernsten, stillen Mann, der da mit dem Glücke der Welt längst abgeschlossen zu haben glaubte, klopfte das Herz zum Zerspringen.— Und dann kam sie. die Erlösungsstunde für seinen armen Bruder, dem sein Beruf als Förster ein so jähes Ziel gesetzt hatte. Mit weitgeöffneten Augen starrte Albert im Zimmer umher.„Schwester Gertrud,“ kam es matt von seinen Lippen,„kennen Sie nicht den Mann, der hier neben Ihnen steht? Er hat Sie zwar einst verlassen, aber seine Reue war lang und schmerzlich— ich, ein Sterbender, erbitte Verzeihung für ihn— er hat schwer gelitten— schwer gekämpft—“ Ihr feingeschnittenes Gesicht überflog eine leichte Röte, als Albert erschöpft innehielt. Dann aber raffte er seine letzte Kraft zusammen und begann wieder mit flehender Stimme:„Denken Sie nicht, ich rede irre, nein— Sie sind Gertrud Börner und das ist mein Bruder— Erich Weinert — und nun lassen Sie mich den Trost mit von dannen nehmen, daß ich zwischen euch beiden Eintracht geschaffen—“ „Ihre Bitte sei gewährt,“ sagte da auf einmal Gertrud, „was man mir zugefügt, ich verzeihe es!“— Ruhig hatte sie diese Worte gesprochen..... ggart Hasfe— Nuaen Cch. „Reicht euch die Hände,“ sagte albert, bessen augen schon wie gebrochen erschienen,„so, jetzt glaube ich— und nun, lebt wohl— Gott segne euch!"— und Lippen und Augen schlossen sich, um sich nimmermehr zu öffnen.— Lange noch kniete Erich an dem Totenbette und weinte. Albert Weinert ruhte nun schon acht Monate in der Erde. Erich aber weilte noch immer in der Nähe, still für sich in der Brust das schwache Keimchen Hoffnung tragend, daß Gertrud nun doch noch sein werden könne. Eines Tages traf er auf seinen einsamen Wanderungen, die er täglich durch das nahe gelegene Wäldchen unternahm, Gertrud ganz allein. Sie saß, als er eben um eine dichte Baumgruppe biegen wollte, auf einer Bank und weinte. Ein plötzlicher Entschluß reifte in ihm. Rasch trat er zu ihr hin und erkundigte sich mit warmem Mitgesühl nach der Ursache ihres Schmerzes. Und sie sagte:„Ja, ich habe geliebt, gehofft und an Treue geglaubt, doch ist’s lange, lange schon her. Nun ist's vorbei, vorbei für immer!“.„ Ein leises Ahnen ging Erich auf. Seine Augen leuchteten. „Gertrud,“ fragte er mit erregter Stimme,„war ich der Mann, galt mir jenes Hoffen?" Ein„ja“ wie ein bebender Hauch war die einzige Antwort. „O, dann vergib!“ rief er freudetrunken. „Ich habe vergeben,“ erwiderte sie,„vergeben, vergessen!“ „Gertrud,“ fiel er ein,„wissen Sie, was der Kampf um das armselige bißchen Leben bedeutet? Gertrud, in zwanzig Jahren der Not, harter Entbehrungen, unermüdlichen Ringens um einen fußbreit Platz auf dieser Erde konnte ich des seligen Jugendtranmes vergessen!" Sie schluchzte laut auf. „Es ist zu spät, du weißt nicht, was das heißt, wenn man sich sagen muß: Zu spät— zu spät! Wir sind nicht mehr jung, unser Liebesfrühling liegt weit, weit zurück. Wenn es Herbst werden will im Menschenleben, ist es zu pät zu wpät!... JJauhe bas ul. „Nein, Gertrud,“ sagte er ernn,„giauve das nimmermehr! Noch ist uns Zeit gelassen, gut zu machen, was wir versäumt. O, sage mir, daß du mit mir gehen willst! Gertrud, werde mein, es ist noch nicht zu spät, es können noch viele sonnige Tage kommen, an denen du nicht bereust, wenn du dich mir zu eigen gabst. Sieh, wenn ich dich nicht gewinnen könnte und wüßte, die Liebe in deinem Herzen ist noch nicht ganz verdorrt— das Leben ertrüge ich nicht!“ Wie in unsichtbare Fernen verlor sich ihr Blick. Im Geiste sah sie sich vor sast zwanzig Jahren als fröhliches, blühendes Mädchen unter dem schattigen Laubdach der stolzen Eichen ihrer Heimat, hoffnungsfreudig an den Mann geschmiegt, der jetzt hier neben ihr stand— und sie schwieg noch immer, aber hinderte es nicht, daß er ihre Hände an die Lippen zog. Da erwachte sie wie aus einem Traume, und ein Tränenstrom stürzte aus ihren Augen. dieser Meldung liegt noch nicht vor.— Von anderer Seite wird die Lage in Durazzo als sehr verzweifelt geschildert. Das fürstliche Palais werde Tag und Nacht von Truppen mit Geschützen bewacht. Im Hafen liegen zwei Torpedoboote bereit, um die fürstliche Familie im Falle der Not an Bord eines Kriegsschiffes zu bringen. Eisenbahnunglück in Ungarn. Oedenburg(Ungarn), 5. Juni. Der aus Güns ankommende Personenzug fuhr in der Station Lakenbach infolge salscher Weichenstellung in einen Schnellzug hincin, wobei zwanzig Personen mehr oder minder schwere Verletzungen erlitten. Der Materialschaden ist ziemlich bedeutend. Das Ministerium Viviani gesichert. Paris, 5. Juni Das Ministerium Viviani mit Leon Vourgeois als Minister des Aeußern erscheint gesichert. Viviani hat sich gestern nachmittag mit allen früheren Ministerpräsidenten, so mit Briand, Caillaux und Dupun, besprochen und fuhr um 7 Uhr abend ins Elysee. Er kam zusammen mit dem künftigen Minister des Aeußern Leon Bourgeois und erklärte dem Präsidenten der Republik, daß er seine engültige Antwort heute um 12 Uhr geben werde. Zwei englische Fliegerosfiziere ertrunken. London, 5. Juni. Aus Portsmouth wird gemeldet: Das Wasserflugzeug 128, geführt von Leutnant Creßzwell, mit Kapitänleutnant Rice als Passagier, stürzte gestern bei einem Fluge über den Hasen ins Wasser. Beide Insassen ertranken. Die Maschine explodierte beim Manövrieren, als das Flugzeug mit drei anderen Wasserflugzeugen über den Solent fuhr. Leutnant Crezwell war an seinen Sitz gebunden und ging mit unter. Kapitänleutnant Rice flog aus seinem Sitz, ehe das Flugzeug das Wesser berührte. Seine Leiche ist noch nicht gesunden worden. Großer Falschmünzerprozeß in Rußland. Petersburg, 5. Juni. Ein sensationeller Prozeß gegen zwei bekannte sibirische Millionäre, die Brüder Semerow aus Blagowestschensk, von denen einer Direktor der Stadtbank war, hat in Warschau begonnen. Die beiden Millionäre haben sich jahrelang in Sibirien und später in Nizza mit der Herstellung falschen Papiergeldes beschäftigt. Sie haben dabei über eine Million Rubel falsche Hundertmarkscheine in Umlauf gesetzt, bis sie verhaftet wurden. In dem Prozeß treten 74 Angeklagte und 497 Zeugen auf. Die Anklage umfaßt 220 Druckseiten. Der Prozeß dürfte mehrere Wochen dauern. Schweres Anglück beim Motorradrennen. Neuyork, 5. Juni. Bei einem Motorradrennen iu Pittsburg durchfuhr ein Mototrad die Barriere und rafte in die Zuschauermenge hinein. Zwei Menschen wurden getötet, fünfzehn schwer verletzt. Es entstand eine ungeheure Panik. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. TATEEEEKPtEIDLENE die beste Lilienmilch-Seife 2 von Bergmann& Co., Radsbeul, für zarte, weiße Haut und blendend schönen Teint, à Stück 50 Pf. Uberall zu haben. 5 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute morgen 8½ Uhr meinen lieben Mann, unseren guten Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder und Onkel im 79. Lebensjahre, wohlvorbereitet durch einen christlichen Lebenswandel und gestärkt durch die hl. Sakramente der kath. Kirche, nach kurzem, schwerem Leiden zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten Dis trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Dortmund, Pfalzel b. Trier, den 4. Juni 1914. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. Juni, nachmittags 8 Uhr, vom Sterbehause, Ostenheide 2, aus statt. Das feierliche Seelenamt flndet Montag morgen 7¼ Uhr in der Pfarrkirche statt. 3872# Statt besonderer Anzeige. R Heute abend um 9 Uhr starb nach kurzer, schwerer Krankheit unsere liebe unvergessliche Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester und Tante, die Wirwe Heinrieh Jollas Wilhelmine, geb. Kötter im fast vollendeten 76. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Hennen, Altenessen, Massen, Heinsberg, Unna, Ilmenau, Münster, Strickherdicke, Ostbüren und Bösperde, den 4. Juni 1914. A Ein ordentlicher, kräftiger Ta.. JA 33 für unser Büro gesucht. 3866 Nickelwerk Schwerte(Ruhr). Tüchtiges Maschen nicht zu jung, für sofort gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle der Zeitung. 3849 Mrrausghauftt wie T 84 Jnn. . bis zum 1. Juli in meinen kie## nen Haushalt(8 Personen) nach Hagen gesuchl. 3886 Auskunst erteilt Frau Brune Schwerke, Zietenstr. 3. Kornbranntwein empfiehlt schen Carl Kassin inen klei= 11 Gasthof Zur„Helle“. Die Beerdigung findet am Montag, den 8. Juni, nachmittags 4¼ Uhr, vom Sterbehause in Hennen aus statt 2 solid (□: 586 Kinderc „ 6 " Tuchtiger junge 6—„ 6—9 zelgmmen. 99— " angekomen. 3808 „* Frz. Honsalek und Frau. Schwerte, den 4. Juni 1914. 65 □ Saen 64ber-„ gesellen finden dauernde Beschäftigung. Baustelle Gut Sümmern bei Iserlohn. Junges Ehepaar sucht zum 1. Juli eine Strümpfe in braun und schwarz Grösse 33 Pfg., jede weitere Grösse 5 Pfg. mehr. Wir nehmen jedes Paar zurück, welches sich im Tragen u. Waschen nicht bewährt Gebrüder Stein — Schwerte.— Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute mittag 12,30 Uhr infolge eines Gchirnschlages unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester und Tante, die geb. Oschnaus Alter von 67 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. im Fabrikanten: Fritz Schulz jun A.-G., Leipzig Krepr Pie kaufen sie am billigsten in der Buchnändlung Carl Braus Schwerte(Ruhr), Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Ergste, Garenfeld und Kettwig a. d. Ruhr, den 4. 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Daunen Pfund 45 Pfg- 7.50. ferlige Bellen Metall-Beltstellen Kinder a Erwochsene Komeelhoardecken Bellwäsche 8 #8-A KampfgenossenVerein. Sonnlag, den 7. d. anls, nachmittags 4 Uhr General= Versammlung im Vereinslokal. Tagesordnung. 1. Zahlung der Beiträge. 2. Wichlige innere Angelegenheiten zu erledigen. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet 8852 Der Vorstand. Opoles-Kurtchein empflehlt billigst L. Weinberg. u Viehseuchen. Festgestellt: Maul= und Klauenseuche unter dem Rindviehbestande der Witwe Johann Stratmann zu Schwerte, Kreis Hörde. Ueber das Gehöft und die Hörderstraße von der Eisenbahnunterführung bis zur Gemeindegrenze ist die Sperre verhängt. Schwerte, den 5. Juni 1914. 3878 Die Polizei=Verwaltung: Rohrmann. Meiner werten Kundschaft zur gefl. Nachricht, dass ich meine Wohnung nach Hagenerstrasse 17 (Im Hause des Herrn Weinberg) verlegt habe. 3853 Heinrich Neucks, Herren-Massgeschäft. Bekanntmachung. Zwecks Aufbringung der Entschädigung für Viehverluste in den Fällen des§ 66 des Reichs-Viehseuchengesetzes und des § 5 des Preußzischen Ausführungsgesetzes soll in diesem Jahre für jedes Pferd, jeden Esel, jedes Maultier und jeden Maulesel, sowie für jedes Stück Rindvieh eine Adgabe von 20 Pfennigen erhoden werden. Maßgebend ist der Viehbestand am 1. Juni . Die Verzeichnisse der beitragspflichtigen Tierbesitzer und der von jedem zu entrichtenden Beiträge liegen vom 10. dieses Monats ab 14 Tage lang bei den Gemeindevorstehern(für die Ortsgemeinde Hacheney bei dem Ortsvorsteher in Brünninghausen) zur Einsicht der Beteiligten offen. Anträge auf Berichligung der Verzeichnisse sind spätestens binnen 10 Tagen nach Ablauf der Auslegungsfristt bei den Gemeindevorflehern anzubringen. Haben Sie Bedarf in wirklich fachmännisch zuverlässig ausgeführten Telephon-, Klingel-, Türöffner-„Alarm- und Sicherheits- Anlagen, sowie elektr. 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