Dle„Schwerter Zeilung“ erscheint täglich. eußer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Iklustrierter Familientreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von aussccrts 15 Pig., Reklamezelle 40 Pfg. Jeder Robon gllt als Kassorobalt u. eriss#nt bei Kon#ntsen, Iwungsvergleichen, gerichtl. Klagen u. zichbrachtung d. gemacht. Jahinn##bedingung. Amtliches Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Verbunden mit: tarden Kleis Worcie Holzwickeder Zeitung Hpierbecker Zeilung Schwerter Volkszeitung Arstes und Slteftes Crgesorgan Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger 0 Genera.-Anzeiger für den Kreis Börde o Haupt-Annoncenblatt des Kreises Able Breis- und tohalpen#etlichee Verorbnungen für den Arets Börde erlangen gemöb Betzanntmachung dei Abalgüchre Regierung durch Veröffentlichung io ve„Schwerter Zeitung" rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt idren Aboan ten für jeden mit Tod endenden Unsos se# Sater rra: 300 Mk. Unsall: Druck 2. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Ruhe Sut- d.-Stiemn-eiln Bosstente cer! Nr. 125. Erstes Blatt. Die heutige Ausgabe umfaßt mit dem„Illustr. Sonntagsblatt“. 20 Seiten! G Politische Uebersicht Pfingsten am Kaiserhose. Wenn auch infolge des andauernden Negens die Frühjahrsparaden in Potsdam und Berlin auf Besehl des Kaisers aussallen mußten, das„Schrippensest", die Feier des Stiftungsfestes des Lehr=Infanterie=Bataillons, findet am 2. Psingstfeiertage statt. Unter den alten Bäumen an der Südseite des Neuen Palais mit seinen weiten Plätzen marschiert das Bataillon im offenen Viereck auf, inmitten ist ein Feldaltar errichtet. Ihm gegenüber nimmt das Kaiserpaar mit seinen Söhnen Platz. Nach dem Feldgottesdienst findet Parademarsch statt, dann werden die Mannschaften auf Kosten des Kaisers gespeist; von den Brötchen zur Suppe hat die Feier ihren Namen „Schrippensest". Der Kaiser pflegt an der Tafel mit dem Glase eines Soldaten das Wohl des Bataillons auszubringen. Kaiserbesuch in Bukarest? Es wird davon gesprochen, daß im Lause des Sommers Kaiser Wilhelm König Karol in Sinaja besuchen werde. Möglicherweise werde auch Staatssekretär von Jagow den Kaiser begleiten. Eine Zuwendung des Königs von Bayern für wohltätige Zwecke. Laut einer Zuschrift des Oberhofmeisterstabes an den Armenpflegschaftsrat der Stadt München hat König Ludwig einen Betrag von jährlich 21500 Mark für Wohltätigkeitszwecke für die Dauer von zunächst zehn Jahren an Stelle des bisher aus der Hofkasse gegebenen ständigen Betrages für Armen=, Wohltätigkeits= und andere Anstalten bewilligt. Besuchsreisen des braunschweigischen Herzogspaares. Die Herzogin Viktoria Luise ist am Mittwoch von Blankenburg nach Potsdam gefahren und am Donnerstag nach Blankenburg zurückgekehrt. Am 5. Juni reist das Herzogspaar zum offiziellen Besuch des bayerischen Königspaares nach München und von dort am 7. Juni zu einem mehrwöchigen Aufenthalt nach Gmunden. Deutsche Journalisten in London. Die Londoner Journalisten gaben zu Ehren der deutschen Journalisten, die, größtenteils aus den Hansestädten kommend, gegenwärtig zum Besuch in London weilen, ein Frühstück. Im Verlauf der Tafel rühmten mehrere Redner das wachsende Gefühl der Freundschaft zwischen beiden Ländern, wozu die Besuche der Pressevertreter viel beigetragen haben. Der Herausgeber der„Westminster Gazette“ gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Besuche zu einem jährlichen Kongreß der Presse beider Länder führen möchten. Die deutsch=dänischen Beziehungen haben sich in letzter Zeit leider verschlechtert. Wie der Kieler Lehrertag seinen geplanten Besuch Kopenhagens ausgegeben hat, so ist soeben auch eine baltische Studentenzusammenkunft unmöglich geworden. Die skandinavisch=baltische Studentenzusammenkunft, die Ende Mai in Lund und Malmö, auf Einladung des Lundenseer Studentenvereins unter Teilnahme von Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland, den russischen und deutschen Ostfoeprovinzen, stattsinden sollte, ist laut„Voss. Ztg.“ in letzter Stunde an dem Widerstande des dänischen Studentenvereins gescheitert. Es sind von dem dänischen Verein politisch=nationale Bedenken geltend gemacht worden, die es seinen Mitgliedern verböten, in den Gedenktagen an den Krieg von 1864 mit deutschen Studenten, besonders denen von Kiel, festliche Zusammenkünfte zu begehen. Dieser Angriff gegen die deutschen Studenten wird auch dadurch von schwedischer Seite nicht gebessert, daß man im September eine rein skandinavische Zusammenkunft veranstaltet. Bayern erhält die Reichserbschaftssteuer. Der Finanzausschuß der bayerischen Zweiten Kammer nahm Mittwoch einstimmig den Gesetzentwurf beSamstag, den 30. Mai 1914. 48. Jahrgang eDPR Zum Psing Still war der Tag, die Sonne stand So klar an undeflekten Tempelhallen; Die Luft, von Orientes Brand Wie ausgedörrt, ließ matt die Flügel fallen. Ein Häuflein sieh, so Mann als Greis, Auch Frauen kniend; keine Worte hallen, Sie beten leis! Wo bleibt der Tröster, treuer Hort, Den scheidend du verheißen hast den Deinen? Nicht zagen sie; fest sieht dein Wort. Doch bang und trübe muß die Zeit wohl scheinen. Die Stunde schleicht, schon vierzig Tag' Und Nächte harrten wir im stillen Weinen Und sehn dir nach! Da horch! Ein Säuseln hebt sich leicht. Es schwillt und schwillt und steigt wie [Sturmes Rauschen. Die Gräser slehen ungebeugt; Die Palme starru. staunend scheint zu lauschen Was zittert durch die fromme Schar. Was läßt sie bang’ und glühende Blicke stauschen? Schaut auf! Nehmts wahr! Er ist's. er ist's! Die Flamme zuckt Ob jedem Haupt; welch wunderbares Kreisen, Was durch die Adern quillt und ruckt, Die Zukunft bricht; es öffnen sich die Schleusen Und unaufhaltsam strömt das Wort, Bald Heroldsruf und bald im flehend leisen Geflüster fort. 5 O Licht, o Tröster, bist du, ach, Nur jener Zeit, nur jener Schar verkündet? Nicht uns, nicht überall, wo wach Und Trosles bar sich eine Seele findel? Ich schmachte in der schwülen Nacht; O leuchte, eh' das Auge ganz erblindet; Es weint und wacht! Annette von Droste=Hülshoff. treffend die Erhebung eines Zuschlages zur Reichserbschaftssteuer an. Das Gesetz bezweckt einen Zuschlag von 25 v. H. für die Staatskasse und findet seine Begründung in der Notwendigkeit, im Budget für 1914/15 das Gleichgrwicht zwischen Einnahmen und Ausgaben herzustellen. Man rechnet mit einer Mehreinnahme von 1700000 Mark. Herr Clement=Bayard, dem die„Köln. Ztg.“ wegen seines auffälligen Interesses für die deutsche Militärluftschiff=Halle und wegen seines aufgeregten Protestes gegen seine Verhaftung so böse Worte ins Stammbuch geschrieben hat, hat seine offizielle Beschwerdeschrift dem französischen Botschafter in Berlin, Cambon, zugestellt. Dieser wird sie alsbald an das deutsche Auswärtige Amt weitergeben. Bei einem Diplomatenempfang in Paris nahm der Ministerpräsident Doumergue Gelegenheit, mit dem deutschen Botschafter in Paris, Freiherrn v. Schön, über die Angelegenheit zu sprechen. Die Meldung, Clement=Bayard habe sämtliche deutschen Arbeiter seiner Flugzeugfabrik entlassen, bestätigt sich nicht. Frankreich. Ein Attentat auf Poincaree vereitelt. In seiner Wohnung in Lyon ist der Anarchist Pechoux verhaftet worden. In seiner Pariser Wohnung wurden drei Bomben gefunden, die dem Präsidenten der Republik, Poincaré, während seiner Anwesenheit in Lyon in der vorigen Woche zugedacht gewesen sein sollten. Pechoux wurde dem„Berl. Lok.=Anz.“ zufolge als geistesgestört in eine Irrenanstalt gebracht. Rußland. Einberufung der russischen Reservisten. Der Befehl, durch den die russischen Reservisten der Infanterie=, Artillerie= und Genietruppen der Dienstjahre 1907 bis 1909 in allen Goupernements des europäischen und asiatischen Rußlands, mit Ausnahme des Militärbezirks Kasan, zu Uebungen einberusen werden, erregt in Wien großes Aufsehen. Man rechnet aus, daß durch diesen Besehl eine Million Reservisten zu sechswöchentlichen Uebungen eingezogen werden. Während der Zeit dieser Uebungen, die im Herbst nach Beendigung der Landarbeiten stattfinden, sind demnach die Truppen des ganzen russischen Reiches auf Kriegszustand gebracht. Numänien. König Karol und Kaiser Wilhelm. Anläßlich der Anwesenheit der Abgesandten des preußischen Dragoner=Regimento König Karol I. von Rumänien(Nr. 9) fand bei dem König eine Tafel statt. Der König hielt folgende Ansprache:„Mit aufrichtiger Genugtuung begrüße ich die Anwesenheit der Abordnung meines Dragoner=Regiments, die mich umso mehr erfreut, als sie mir willkommen Anlaß bietet, die Versicherung der treuen Freundschaft, die ich für Kaiser Wilhelm hege, und meine Dankbarkeit für die warme Sympathie, die Allerhöchstderselbe mir stets bekundete, zu erneuern. Sie war besonders während der großen Ereignisse auf der Balkanhalbinsel von unschätzbarem Wert für mein Land und hinterließ einen tiefen und bleibenden Eindruck, welcher dazu beiträgt, die innigen Beziehungen, die Rumänien seit langen Jahren mit Deutschland verbinden, noch enger zu knüpfen. Mit den besten Wünschen für den Kaiser, worin ich Eure Durchlaucht als Bundesfürsten einschließe, und für seine ruhmreiche Armee, besonders für mein Dragoner=Regiment, erhebe ich mein Glas auf Ihren allerhöchsten Kriegsherrn: Es lebe Kaiser und König Wilhelm.“ Griechenland. Eine Empörung gegen Griechenland. Die Einwohner des Dorfes Marathon=Campes auf Samos empörten sich gegen die griechische Herrschaft. Die zu ihrer Unterwerfung abgesandten Truppen gingen zu den Aufständischen über. China. Der neue chinesische Senat. Juanschikai verössentlicht ein Dekret, in welchem die Organisation sowie die Zusammensetzung des neuen Senats dargelegt wird. Die Mitglieder des Senats bestehen aus Angehörigen des westlichen Beamtenstandes, Mitgliedern des Magistrats, der Militärverwaltung, der Unterrichtsbehörden, der Diplomatie und der Industrie. Im ganzen bestehen sechs verschiedene Sektionen. Diese Zusammensetzung des Senats ist vollkommen nach den Plänen des amerikanischen Regierungsrates Dr. Goodnow ausgeführt worden. In den Kreisen der ausländischen Diplomaten, die der Regierung nahe stehen, glaubt man nicht, daß die Art und Weise der Zusammensetzung des Senats als eine glückliche zu betrachten ist. Nationalfeier zu Bismarcks hundertsten Geburtstag. Die Bestrebungen, die eine würdige Feier des hundertjährigen Geburtstages des Fürsten Bismarck am 1. April 1915 zum Zweck haben, gewinnen greifbare Gestalt. Vielfach ist der Wunsch zutage getreten, die Geburtstagsfeier zu einer allgemeinen Nationalseier zu gestalten, an der möglichst weite Kreise des deutschen Volkes teilnehmen können. Der Verein Deutscher Studenten ist über die festliche Begehung des Geburtstages in Beratungen eingetreten. Für Berlin soll eine gemeinsame Feier sämtlicher Hochschulen der Reichshauptstadt stattfinden, in deren Mittelpunkt die Veranstaltung eines großen Kommerses stehen soll. Ebenso planen die Universitäten und Hochschulen der anderen deutschen Städte besondere Feiern und eventuell die Absendung von Abordnungen zur Kranzniederlegung vor Bismarcks Grabdenkmal. Für Berlin steht auch ein Festzug und eine öffentliche Feier vor dem Bismarckdenkmal auf dem Königsplatz in Frage. Seitens der nationalen Parteien wird gleichfalls Sorge getragen, daß in allen Orten des Reiches, wo sich ihre Organisationen befinden, der Geburtstag gebührend geseiert wird. So haben lokale Organisationen bereits entsprechende Vorsorge getroffen. Zum Teil hat man sich bereits für diesen Zweck die nötigen Festlokale gesichert. In Aussicht genommen ist auch eine Huldigung von Abordnungen aus allen Teilen des Reiches am Grabe Bismarcks, woran sich auch die Deutschen des Auslandes beteiligen sollen. Erwartet wird ferner, daß die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten durch Festakte in den öffentlichen Schulen und höheren Lehranstalten den Gedenktag feierlich begehen werden, wobei der historischen Bedeutung Bismarcks gedacht werden soll. In Frage steht ferner auch die Schaffung einer großen Nationalstiftung zur Förderung nationaler Werke. 95 1 813 Der Schlußakt im Grüber (Spezialbericht der„Schwerter Zeitung“.) W. Hagen, 29. Mai. Aus dem Gutachten des Sachverständigen Focke sei noch nachgetragen die Gegenüberstellung der flüssigen Vermögensstücke Grübers und deren Schulden am 24. April 1909, also am Tage des Brandes. Es betrugen die Aktiva: Ausstehende Forderungen 2300 Mark, Kassenbestand 1500 Mark, Miete 120 Mark; die Passiva: Diverse Schulden 1300 Mark, Wechselschulden 3700 Mark, rückständige Zinsen für zwei Jahre 2900 Mark, noch nicht fällige Zinsen 800 Mark, Gehälter, Abgaben usw. 1000 Mark, Schuld an Nödel 824 Mark, Schuld an Haver 32•313 Mark. Es standen sich also 3900 Mark Aktiven 41 937 Mark Passiren gegenüber, Die heutige Verhandlung wird um 10¼ Uhr eröffnet. Plößlich tritt Carl Grüber mit dem Antrage hervor, den Eisenbahnangestellten Holle(in diesem Schwurgericht wegen schweren Fahrkartenschwindels zu Zuchthaus verurteilt) zu laden, der über seine Vermögensverhältnisse genau Bescheid wisse. Erst nach Verhandlung mit seinem Verteidiger erklärt Grüber, daß er auf den Zeugen verzichten wolle. Es werden nunmehr die Fragen nochmals verlesen. Es ist noch zu bemerken, daß bezüglich der Angeklagten Carl und Otto Grüber die Fragen gestellt werden, ob die ihmen zur Last gelegten Straftaten ganz oder teilweise als eine einheitliche Handlung anzusehen seien. Es beginnen nunmehr die Plädoyers. Staatsanwalt Dr. Schäffer betont zu Anfang seiner Rede, daß er eine gewisse Genugtuung darüber empfinde, daß dieser sensationelle Grüber Prozeß vor das Schwurgericht gekommen sei; denn es werde einmal in der Oeffentlichkeit und vor den Geschworenen klar gestellt, wie schwer es oft sei, dem verbrecherischen Willen gegenüber anzukämpfen, und wie schwer es der Justiz gemacht werde, der Wahrheit auf den Grund zu kommen. Nun sei es Sache der Geschworenen, das Recht zu finden. Auf die Vorgeschichte dieses Prozesses will Redner nicht eingehen, er verweise auf das verlesene Strafkammerurteil, durch welches Kugel verurteilt wurde und auf das, was hier in der Verhandlung vorgekommen ist. Wolle man der Verhandlung gegen Grübers eine charakteristische Ueberschrift geben, so könnte man sagen: Das weiße Kaninchen hat keine Junge gekriegt, es ist tot. (NB. Bezieht sich auf einen Kassiber Carl Grübers, in welchem er wünschte, daß der Empfänger des Kassibers ihm die Willfährigkeit des Osthoff, etwas Falsches zu sagen, durch das Junge kriegende Kaninchen ausdrücken sollte.) Als am 7. März 1913 vier Leute auf einmal verhaftet wurden, plötzlich und ohne vorherige Anzeichen, da fragte sich wohl mancher, ob dieser rasche Eingriff in persönliche Verhältnisse sich werde rechtfertigen lassen durch das Resultat der Untersuchung. Nun, diese Maßnahmen sind glänzend gerechtsertigt worden durch die den Geschworenen vorliegenden Tatsachen, die einen außerordentlich schweren Angriff auf die Rechtssicherheit darstellen, wie man solchen denn doch selten findet. Jahrelang haben die Angeklagten die Gerichte an der Nase herumgeführt, haben sogar ein salsches, unrichtiges Urteil erstritten im ersten Zivilprozeß, das nun in der zweiten Instanz ruht; so haben die Angeklagten, insbesondere Carl Grüber, nicht nachgelassen in ihren Unwahrheiten, wie aus den Kassibern hervorgeht, in denen die Mitangeklagten dringend gebeten werden, nichts zu gestehen und„treu zu bleiben“. Nur einer, nämlich Brocksiepe, hat den Mut gehabt, nach kurzem Leugnen die Wahrheit zu gestehen, und mit ihm wolle auch die Kgl. Staatsanwaltschaft nicht zu scharf ins Gericht gehen; er ist das Opser der Verführung der Grübers geworden, er hat ein offenes, ehrliches Geständnis abgelegt, er hat wirkliche Neue gezeigt. Vom Betrugsversuch wurden die Angeklagten zum Meineid und zur Meineldsverleitung geführt, und so kam es, daß durch Grübers fünf Familien ins Unglück gestürzt wurden, daß neben Grübers die anderen Angeklagten auf die Anklagebank kamen. Das wäre nicht geschehen, wenn nicht die anderen in die Untersuchung verwickelten Personen der unheilvollen Energie Grübers und des Kugel erlegen wären. Das ganze Gebahren der Angeklagten ist ein derartiges, daß man auf dasselbe das Dichtervort anwenden könne: Das ist der Fluch der ösen Tat, daß sie fort zeugend Böses muß gebären. Allerdings kann die bereits erfolgte Verurteilung des Onkel Kugel nicht maßgebllich sein für die Geschworenen, die vielmehr nach Ehrer freien Ueberzeugung auf Grund der Beweisaufnahme zu urteilen haben, aber ein FingerZe#g kann die Verurteilung Kugels den GeschwoPenen immerhin sein. Zwei Hauptfragen kommen für die Beurteilung er Sache in Betracht: die Quittung und die Rückahlung des Geldes. Es müsse anerkannt werden, daß weder Haver noch Grübers an sich etwas Schlechtes nachgesagt werden konnte; denn wenn nan auch die Aussagen Langerseldts und Hagenanns in Betracht ziehe, so müsse man doch sagen, aß Haver lediglich umhergehorcht habe, um sich zegen den von Grübers ihm gemachten Vorwurf des Betruges zu wehren. Von den bezüglich Havers beaupteten unerlaubten geschäftlichen Manipulationen st nichts erwiesen; Haver hat weder zu hohe Zinsen zenommen, er hat auch die Leute nicht gedrängt und hnen nichts Schlechtes zugeredet. Alles, was über zaver geredet wurde, ist ein Gerede, wie solchem eder Geldverleiher ausgesetzt zu sein pflege; es ist entehrenden Handlung nicht der Schatten einer gegen Haver vorhanden. Redner weist auf die schwankenden Angaben des C. Erüber hin, der 13000 Mark im Schrank liegen haben wollte, der 10000 Mark von seiner Frau erhalten haben will, eine ganz neue, hier zum ersten Mal austretende Behauptung; alles, was Grüber über Osthoff(15 000 Mark Darlehen), über Wiethüchter und Brocksiepe gesagt hat, ist unwahr, und er frage, ob man einem Manne, der derartig mit Unwahrheiten umgehe, noch ein Wort glauben könne. Er, Redner, glaube ihm gar nichts. Es sei erinnert an die Zumutungen, die Grüber dem Hirschfeld gestellt hat, wie das Herausreißen von Blättern aus Geschäftsbüchern. Redner geht ferner auf die Beweise ein, die gegen die Rückzahlung des Geldes an Harer sprechen, wie die Tatsache, daß Haver am 5. August, einen Tag nach der angeblichen Rückzahlung des Geldes, gesagt hat: es ist nichts zu machen mit Grübers. Man beachte das Zeugnis des Amtsgerichtsrats Haver, das in seiner Vornehmheit, sich fern haltend von jedem Angriff auf Grübers, um so überzeugender wirkt; ebenso ist das Zeugnis des jungen Haver in seiner rührenden Ehrlichkeit überzeugend, um so mehr, als auch hieer keine Animosität gegen Grübers hervortritt, gegen dem Manne, der den jungen Haver der Brandstiftung zu besichtigen suchte. Ferner sei bei der Gegenüberstellung der beiden Familien Haver und Grüber weder gegen die eine noch gegen die andere etwas zu sagen, aber immerhin könne man sich eines ungünstigen Eindruckes bei Grübers bei Gelegenheit des Brandes(Zeugnis Usselmann und Verweigerung des Eimers) nicht erwehren. Es ist in den Kasibern des C. Grüber so oft Gott angerufen worden; nun, es ist wohlals ein Ausdruck göttlicher Gerechtigkeit anzusehen, daß die Kassiber, die an Grübers gehen ollten, an Haver kamen! Redner geht auf die Straftaten an Hand der gestellten Fragen ein und bringt dabei Stellen der in der Strafkammersitzung gefällten Urteile zur Verlesung; wogegen Verteidiger R.=A. Frank als gegen die Strafprozeßordnung verstoßend protestiert. Der Staatsanwalt beantragt die Bejahung sämtlicher Schuldfragen mit Ausnahme der die Meineidsverleitung an Kleinort(da dieser sein Zeugnis verweigert hat und somit ein klaver Beweis nicht vorliegt) und der Urkundenfälschung an Kugel(Mißbrauch dessen Namens) betreffenden Fragen. Redner schließt mit dem Appell an die Geschworenen, das in die Volksrichter gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen und durch ihr Urteil dafür zu sorgen, daß derartig unerhörte Eingrisse in das Recht und die Gerechtigkeit nicht ungestraft bleiben. Verteidiger R.=A. Frank II erklärt, daß er die sittliche Entrüstung des Staatsanwalts gegen Carl Grüber namentlich begreife und verstehe und solche nicht tadle, denn es sei Sache der Staatsanwaltschaft, gegen die Verletzung der Rechtsordnung und Eingrifse in Recht und Gerechtigkeit einzuschreiten. Er stehe nicht an, ferner zu erklären, daß die Angrisse des Carl Grüber gegen den verstorbenen Haver sich als nicht wahr erwiesen haben. Gutgläubig, das betone er, habe Grüber von den bedenklichen Geschäften Havers gesprochen, habe dafür Zeugen genannt und habe darauf hingewiesen, daß Havers Ruf in Schwerte ein solcher gewesen sei, daß man wohl Bedenken haben konnte. Wenn dies alles vorzubringen wohl Grübers Recht war, so ist es doch heute die Ehrenpflicht der Verteidigung, vor der Oefsentlichkeit und vor den Angehörigen des verstorbenen Haver anzuerkennen, daß, nachdem von beiden Seiten hart gekämpft worden, im allgemeinen die Geschästsführung des Haver als unbedenklich anzusehen ist, daß wenigstens nichts erwiesen ist, was zu ernsthaften Bedenken Veranlaslung haben könnte. Der Verteidigung ist es wahrlich nicht leicht, eine Art Scherbengericht über einen Toten abzuhalten, allein sie müßte ihre Pflicht tun. Es liegt dem Redner sern, alles entschuldbar zu sinden, was Grüber getan hat. Ihm liege es ob, auf alle Zweisel hinzuweisen, die sich aus der Beweisaufnahme ergeben und die Gestalt des Carl Grüber den Geschworenen menschlich näher zu bringen. Und so stelle er denn an die Spitze seiner rechtlichen Ausführungen den alten RömerGrundsatz: in dubio pro reo, im zweiselhaften Falle für den Angeklagten. Er betone, daß der Angeklagte nicht seine Unschuld zu beweisen habe, sondern daß dem Angeschuldigten vom Gericht seine Schuld bewiesen werden müsse. Liege auch nur die entfernte Möglichkeit vor, daß gewisse Tatsachen zu Gunsten des Angeklagten gedeutet werden können, dann müsse das geschehen, keinesfalls könnten solche Möglichkeiten zu Ungunsten des Angeklagten Verwendung finden. Denn gegen diesen könnten nicht Möglichkeiten, sondern nur Beweise ins Feld geführt werden. Es ist auch falsch, über Carl Grüber den Stab zu brechen, nachdem er auf die Anklagebank gekommen sei; er wäre eine unbescholtene Persönlichkeit, er hat redlich und ordentlich in der Werkstatt gearbeitet, wie die Grübersche Fabrik besser zu nennen sei. So ist es zweisellos, daß allerdings der Fluch der bösen Tat insofern nachwirkt, als alles, was der Quittungsassäre nachfolgt, sich ergibt aus dem ersten, aus der Benutzung der Quittung. Es handelt sich also nicht um ein vor langer Hand vorbereitetes Verbrechen, und wenn man eine sittliche Entrüstung zum Ausdruck bringen wolle, so könne sich diese doch nur auf den ersten Akt beziehen, auf den Betrugsversuch. Was nachher folgte, sei eine Folge der ersten Tat. Indes dürfe für die Geschworenen weder die Sensation der Sache, noch Entrüstung und Zorn in Betracht kommen, auch dürsen sie sich nicht um die vom Staatsanwalt angezogen. Meinung der Draußenstehenden kümmern, deren Vertrauen nicht getäuscht werden dürfe. Redner geht dann auf die Quittung ein und auf die Frage, ob Haver sein Geld bekommen habe oder nicht. Es ist angedeutet worden, daß der alte Grüber sich über leicht vorzunehmende Fälschungen einmal geäußert habe; deshalb aber könne man doch nicht annehmen, daß der alte Grüber seinen Söhnen förmlichen Unterricht in Fälschungen erteilt habe. Ausgeschlossen scheint die Fälschung der Quittung. Dann frägt man sich, wie die Grübers in den Besitz der Quittung gekommen sind, und die Beantwortung dieser Frage fällt wahrlich nicht zu Ungunsten der Angeklagten aus. Es ist durch die Untersuchung der Quittung festgestellt worden, daß oberhalb der Unterschrift des Haver keine andere Schrift vorhanden gewesen, als die vorgeschriebene Quittung der Grübers, daß also keine Rasuren stattgefunden haben; es ist somit eine Unterschiebung, auf die hingedeutet worden, nicht anzunehmen. Ebensowenig ist anzunehmen, daß Haver ein Schriftstück ungelesen unterzeichnet hätte. Wie wenig übrigens seitens der Staatsanwaltschaft an eine Urkundenfälschung gedacht worden, beweist der Umstand, daß in dieser Richtung keine Anklage erhoben worden. Wenn nun seitens der Verteidigung gegen Harers Geschäftsführung im allgemeinen keine Bedenken zu erheben sind, so muß doch Havers Stellung in der vorliegenden Sache näher beleuchtet werden. Es ist hier bekundet worden, daß Haver ehr vorsichtig gewesen, daß er schaif aufs Verdienen war. Das alles gäbe zu Bemerkungen keinen Anlaß, wohl aber werde man stutzig bei der einen Bekundung, daß Haver nach einer Schöffensitzung zu dem freigesprochenen Angeklagten gesagt habe, er habe seine Freisprechung nur ihm zu verdanken, und er könne nun wohl einen Anzug bei ihm kaufen; eine Aeußerung, für welche ein Berufsrichter davongejagt worden wäre. Wenn Haver scharf war in Geschäftssachen, so war das sein gutes Recht, aber andererseits sei es einem vorsichtigen Geschäftsmann nicht zuzutrauen, daß er etwas unterschreibe, ohne es gelesen zu haben, erst recht nicht bei Leuten, mit denen er sich nicht gut stand. Nun kommen aber die Fälle Langerseldt und Hagemann, die wesentlich bedenklicher erscheinen, als andere Sachen. Haver wußte bereits aus den Aeußerungen des Langerseldt, daß Mensens Vermögensverhältnisse derartige waren, daß er sehr wohl in der Lage war, den Grübers zu helfen, und damit dringt er in Langerfeldt, „ihm zu helfen". Zum Fall Hagemann könne er nur sagen, daß weder Mann noch Frau Hagemann auf ihn einen ungünstigen Eindruck gemacht haben, es waren eben Leute aus dem Volbe, die auch nicht mit einem Worte von dem abwichen, was sie einmal gesagt. Man kann also schließlich nur sagen, daß auf beiden Seiten mit bedenklichen Mitteln gearbeitet wurde. Das sei aber dem Grüber um so wenüger zu rerdenken, als er glaubte, es werde gegen ihn mit vergifteten Waffen gekämpft, und er nun auch gleiche Waffen anwenden zu müssen glaubte. So müsse man sich die Frage vorlegen: Woist die Wahrheit? Ist das Geldzurück gezahlt worden oder nicht? Es wird behauptet, Grüber sei gar nicht in der Lage gewesen, das Geld zurückzuzahlen. Tatsachist und ist von Grüber selbst zugegeben, daß die Grüberschen Geschäftsbücher„srisiert“ worden, daß Bücherfälschungen vorliegen, so daß die Bücher für die Vermögenslage der Grübers nicht maßgebend sein können. Nun ist aber Carl-Grüber durchaus nicht der raffinierte Mensch, als der er hingestellt werde; Grüber sei ein mittelmäßig begabter Mann, dessen Hauptfehler es sei, sich für äußerst klug zu halten. Was hätte Carl Grüber tun sollen, als der Prozeß schwebte, und was hätte ein anderer getan? Gar nichts! Es konnte Grüber ja nichts, gar nichts passieren, wenn er alles einfach lausen l.eß. Wenn sich aus Grübers Büchern nichts Sicheres ersehen ließ, so waren doch Havers Quittung und Nödels Eid vorhanden, und diese genügten dazu, daß Grüber den Prozeß gewann. Nun aber glaubte er in seiner Klugheit, noch etwas besonderes tun zu müssen, und nun kommt es zu den Büchersälschungen, aus denen sich dann alles Uebrige ergibt. Nach Ausweis der Bücher konnte Grüber an Haver keine 29000 Mark zahlen, wohl aber mußte der Gutachter dies zugeben, d. h. die Möglichkeit der Zahlung, wenn Grüber neben den in den Büchern angegebenen Mitteln noch im Besitze anderer Gelder war. Seine Angaben, daß sein Vater noch Geld im Schrank und in Strümpsen gehabt, sind mit einem gewissen Spott aufgenommen worden, indes ist es sehr wohl denkbar, daß der alte Grüber, den Zusammenbruch seines Geschäftes durch den mit Haver bestehenden Vertrag vor Augen sehend, gewisse Gelder zinslos verwahrte, um aus dem Ganzen für sich noch etwas zu retten. Daß Grüber im übrigen. nicht bei der Wahrheit geblieben ist, könne damit erklärt werden, daß Angeklagte öfters zum Beweise der Wahrheit mit Lügen hantieren, weil ihnen die Wahrheit eben nicht geglaubt wird oder weil sie dies wenigstens annehmen. Er rekapituliere sich also dahin: Die Haversche Quittung ist echt, und sie ist auch nicht unterschoben; aus den Grüberschen Büchern ist nicht zu schließen, daß die Rückzahlung an Haver nicht erfolgt sei. Wenn aber die Quittung echt ist, dann bleibt es im Dunkel, ob die Rückzahlung erfolgt ist oder nicht. Wenn man nun frage, wie Harer dazu komme, die erfolgte Zahlung abzuleugnen, wenn diese geschehen sei, so könne man mit demselben Recht. dies bezüglich der Grübers fragen, denn beide Parteien seien gleich zu behandeln. Das Dunkel sei also nicht gelichtet. Trotzdem könne er nicht die völlige Freisprechung des Carl Grüber beantragen, denn es habe sich die eigenartige Konstellation ergeben, daß Grüber di#e viel schwerere Tat des Meineids zugegeben habe, das verhältnismäßig geringere Delikt des Betruges aber leugne. Redner beantragt nun bezüglich der ersten Frage(Betrugsversuch) die Verneinung, bezüglich der zweiten Frage(Meineidsverleitung des Brocksiepe) die Bejahung, da hier ja Grübers Geständnis vorliege. Die dritte und vierte Frage, betressend Meineidsverleitung des Osthoff, seien zu verneinen; diesen habe Kugel zum Meineid verleitet, nicht Grüber, der dazu ja keine Veranlassung hatte, nachdem alles durch Kugel bereits geschehen war. Im zweiten Falle, betressend Osthoff, handle es sich um angebliche Meineidsverleitung durch Kassiber; wenn man bezüglich der Kassiber auf Grübers Naffinement hingewiesen habe, so müsse er demgegenüber erklären, daß in diesem Falle Grübers Vorgehen das eines Blödsinnigen, Unzurechnungsfähigen gewesen sei. Der Staatsanwalt meinte, Grüber sei durch die Untersuchungshaft genugsam gewitzigt worden; er aber erkläre, daß die Untersuchungshaft in ihrer Ungewißheit schlimmer sei, als die Strafhast, in welch letzterer man jeden Tag dem Ende eines Uebels immer näher komme. Es sei schon erklärlich, daß der Mann, der bis dahin in glücklichem Familienleben und in nicht unangenehmen Verhältnissen gelebt habe, in der Hast zusammengebrochen sei und sich bei dem an Osthoff gerichteten Kassiber nicht bei klarer Ueberlegung befunden habe. Jener Kassiber sei das hilflose Stammeln eines zusammengebrochenen Menschen, der nicht daran dachte, jemand zum Meineid zu verleiten. Für den Fall Wiethüchter könne ebenfalls eine Verleitung zum Meineld nicht in Betracht kommen, da Grüber sehr wohl annehmen konnte, daß sein Schwager nicht vereidigt werden würde. Im zweiten Falle Brocksiepe hat es sich nur um ein kurzes Gespräch gehandelt, bei dem von einer Meineidsverleitung keine Rede sein könne. Was endlich die wissentlich falsche Anschuldigung anlangt, so sei diese zu verneinen; es haben gegenseitige Bezichtigungen stattgefunden, indes könnten diese nicht strafrechtlich geahndet werden. In seinem Schlußwort betont der Verteidiger: Es komme daraus an, von welchem Standpunkt: aus man den Grüber würdüge; nehme man an, daß er für eine gerechte Sache kämpfte, so werde man den Betrug verneinen, und dann werde auch der zugestandene Meineid leichter gewertet werden. Auf jeden Fall müsse man bedenken, daß durch den Vertrag mit Haver die Grübers an Händen und Füßen gefesselt waren; man brauche über Haver nicht hart zu denken, aber das scheine doch festzustehen, daß er 2400 Mark als Grhalt bezog, indes nichts im Geschäft leistete, so daß es sich wohl mehr um ein verdecktes Ziel handelte. Gewiß ist, daß alles in allem Haver sein Geld mit 14 Prozent verzinst erhielt und daß das Geschäft des Grüber diesen Zinssatz nicht aufbringen konnte. Wenn also der bis dahin als Ehrenmann geltende Grüber durch den Zufall der vorhandenen Quittung auf die Idee gekommen ist, dies: Gelegenheit zu benutzen, um sich aus den Händen Havers zu retten, dann ist das auch erklärlich. Wo aber die Wahrheit liegt, ist nicht zu ermitteln. Ich, als der Verteidiger Grübers, habe ihm wiederholt geraten, er möge ein Geständnis ablegen, wenn er schuldig sei, er hat mir stets erklärt, daß er nichts zu gestihen habe, weil er unschuldig sei. Sorgen Sie, meine Herren Geschworenen, daß der Angeklagte zwar bestraft, aber nicht vernichtetwerde! Der zweite Verteidiger des Carl Grüber, N.=A. Dr. Strathmann, schließt sich den Ausführungen des Vorredners an. Da Grüber bezüglich des Brocksiepe ein Geständnis abgelegt hat, liege kein Grund vor, daß er nicht alles gestehen sollte, wenn er etwas zu gestehen hatte. Man bedenke, daß bei den 14 Prozent, die Haver für seine 30 000 Mark bekam, dazu zwei Fünftel des Reingewinns, Grüber mit Recht annehmen konnte, daß sein Geschäft binnen wenigen Jahren zu Grunde gehen müsse; hatbe doch Harer die Bestimmung in dem Vertrage, daß für die Grübers der Vertrag unkündbar sein sollte, während er selbst jederzeit zurücktreten konnte. Verteidiger für Otto Grüber, R.=A. RussigeHagen, meint, daß für seinen Klienten das Wort wohl zutrefse,„das Kanimnchen habe Junge gekriegt“. Redner betont namentlich, daß Otto Grüber zwar nicht geistig krank, wohl aber minderwertig sei, daß er an der ganzen Rückzahlungsassäre unbeteiligt gewesen, wie er überhaupt wenig mit dem Geschäft zu tun gehabt habe. Der Verteidiger beantragt die Verneinung sämtlicher seinen Klienten betreffenden Fragen. Rechtsanwalt Kegels(für Brocksiepe) führte an, daß die Frage, ob die Rückzahlung des Geldes erfolgt sei, für seinen Mandanten gleichgültig sei. Brocksiere habe ja den Meineid zugegeben, und es handle sich jetzt nur noch darum, ob die gestellte Unterfrage zu bejahen sei, ob er sich durch wahrheitsgetreue Aussagen nicht selbst einer Strastat bezichtigt hätte. Diese Frage sei aber mit Rücksicht darauf zu bejahen, daß Brocksiepe hätte epentuell Nr. 125. Beilage. Amtliches Kreisblatt. Pfingsten. Die einst bei den alten Germanen missionierende christliche Kirche hatte es in einer Beziehung nicht allzu schwer, sich ins Volksgefühl Eingang zu verschaffen. Sie sand im heidnischen Germanentum eine Reihe großer Feste mit religiöser Grundlage vor, an die sie den Gedankeninhalt ihrer eigenen Predigt anknüpsen konnte. Weihnachten verband sich mit dem Fest der Wintersonnenwende, Ostern nahm der Frühlingsgöttin Ostara ihre Krone und übertrug sie dem Heilande als dem neuen Lebensfürsten, Psingsten siel wenigstens in die Zeit, in der das germanische Auge alle Gaue des von ihm geliebten Vaterlandes in herrlichster Blüte sah und dadurch eine greifbare Naturpiedigt von frischem und meuem Leben empfing. So hat denn tatsächlich die christliche Kirche überall an diese Volksgedanken angeknüpft und sie für ihre Ziele verwertet. Wir können das auch heute noch tun, nur müssen wir dafür sorgen, daß auch wirklich tief gegraben wird. Es gibt kein germanisches Christentum in dem Sinne, wie es von manchen Rassesanatikern behauptet wird. Tatsächlich nimmt bei solchen Gedanken nicht der christliche Geist das Volkstum in Zucht und Führung, sondern der völlische Geist modelt sich christliche Ideen nach seinem Gutdünken um und läßt sie dadurch entarten. Pfingsten will uns daran erinnern, daß der Geist des Christentums ein allumsassender ist, der jedem Volkstum einen neuen Geistesfrühling mit aller seiner reichen Blüte bringen kann. Ja, je reiner dieser Geist des christlichen Glaubens von einem Volke erhaßt wird, je williger sich das besondere Volkstum von ihn reinigen, durchdringen und läutern lassen will, um so prächtiger wird es selbst blühen und um so reicher und reifer wird es Frucht bringen. Die Blüten und Früchte können verschieden sein je nach der völkischen Anlage, die sich vom Christentum ergreifen läßt. Auch draußen in der Natur haben ja die einzelnen Bäume jeder seine Art, und doch pulsiert in ihren Saftadern die gleiche Schöpferkraft und bringt einen schier unerschöpflichen Reichtum der Blüten und Früchte hervor. So wird es im Völkerleben, das aus christlichem Gelste heraus lebt, in vieler Beziehung auch sein. Die Menschheit wird in ihren eingelnen völkischen Gliedern einen um so vielseitigeren Geistesfrühling und eine um so vollwertigere Ernte zeigen, je entschiedener sie sich von dem Geisieswehen durchdringen läßt, das einst im Pfingstfeste seinen brausenden Ansang nahm. Auch unsere deutsche Volksgeschichte ist reich an Beweisen dafür, daß ein tieferes Sichbesinnen auf den christlichen Glauben stets auch einen neuen Aufschwung in der völkischen Geschichte und Entwicklung gebracht hat. Wer die Jeichen der Zeit in der Gegenwart versteht, weiß auch, daß durch unser Volk verschiedene Winde wehen, ja daß der Wirbel geistiger Bewegungen starke sittliche Krisen schafft. Darum wird sich heute alles, was am Christentum festhält, zu dem Wunsche einigen: Der Pfingstgeist möge mit seinem Wehen sich durchsetzen, die Oberhand gewinnen und uiser deutsches Leben aufs neue befruchten. Pfingsten! Nun braust durch die Lande ein festlicher Klang, Den stets wir im Lenze vernommen, Denn Pfingsten, so kündet ein fröhlicher Sang, Das„liebliche" Fest ist gekommen! Drum schmücket die Häuser mit schimmernden Mai'n, Laßt Freude und Frohsinn zur Türe herein. Die Sorge indeß laßt entweichen, Die Trübsal und all ihresgleichen! Was draußen auch immer die Welt noch bewegt An heiklen politischen Fragen, Das werde ein Kurzes ad acta gelegt, Wer wollte zum Feste sich plagen. Jetzt lugt man nur ängstlich zum Himmel empor Und bittet inständig die Sonne hervor, Auf das kein Malheur uns begegnet, Indem uns der Pfingststaat verregnet. Denn Psingsten will jeder die schöne Natur Im sonnigen Scheine genießen, Man will sich erholen aus blühender Flur, Da darf es natürlich nicht gießen. Drum komm, liebe Sonne, und sträube dich nicht, Umflute die Fluren mit goldenem Licht, In diesem nur kann es gelingen Den Feststaat zur Geltung zu bringen! Und tagt dann der Festmorgen lieblich und mild, Dann ist man schon früh auf den Beinen, Dann bieten die Fluren manch sröhliches Bild, Dann wimmelt der Wald von Vereinen. Mit Kind und mit Kegel gehts fröhlich hinaus, Man sreut sich des Lebens und läuft sich mal aus, Man läßt auch bisweilen sich nieder, Und stärkt die ermatteten Glieder! Ein Picknick im Walde ist einzig und schön, Wie mundet der Inhalt der Taschen, Man hat sich auch gut mit Getränken verseh'n, Entkorkt werden sämtliche Flaschen; Gar flott wird gelebt und gescherzt und gelacht, Und nebenbei wird auch ein Spielchen gemacht, Das heißt im wohlweislichen Rate: Es sitzen drei Männlein beim Skate! Ja, wenn man den Frauen Gehör noch verlieh, Insessen, die müssen sich fügen, Denn ohne den Skat wär die schönste Partie Ein zweiselhaft Festtags=Vergnügen. So möge denn jeder im grünen Revier Das Pfingstfest begehen aus seine Manier. Und Sonnenschein sei der Begleiter Des lieblichsten Festes. Ernst Heiter. Westfalen und Rheinland. * Hörde, 29. Mai.(Eine merkwürdige Ceschichte) erzählte der Schlosser Fritz Berg von hier vor der ersten Strafkammer in Dortmund, um nachzuweisen, daß er an einem Schweinediebstahl unbeteiligt sei. Berg war früher bei dem Gutsbesitzer Schulte=Braucks in Sölde in Diensten, allerdings nicht langze, da er anscheinend kein Freund ständiger Arbeit ist. Er wußte also auf dem Hose Bescheid. Eines Tages vermißte der Verwalter des Hoses ein Schwein, das der Angeklagte Berg gestohlen haben soll. Berg erzählte dem Gericht, in der Nähe des Schulte=Brauck'schen Hoses seien ihm zwei Leute entgegengekommen, die ihm einen Hund, den sie in einem Sack auf dem Rücken trugen, zum Kauf angeboten hätten. Er habe den Hund unbesehen gekauft und sei sehr erstaunt gewesen, anstatt einen Hund ein Schwein in dem Sack vorzufinden. Das Gericht glaubte dem Angeklagten diese einfältige Erzählung nicht, stellte vielmehr außer diesem Diebstahl noch einen weiteren in Dortmund verübten Diebstahl fest und erkannte auf eine Gesängnisstrafe von ein Jahr und sechs Monaten. * Dortmund, 29. Mai.(Vier Bergleute verschüttet.) Auf der Zeche„Adolf von Hansemann" in Mengede wurden gestern auf der 580 Meter=Sohle durch eine zu Bruch gehende Strecke vier Bergleute verschüttet. Nach siebenstündiger anstrengender Arbeit gelang es, drei Bergleute zu bergen, der vierte wurde durch hereinbrechende Gesteinsmassen schwer verletzt und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. * Menden, 29. Mai.(Schutz des Hönnetals.) In der vorgestern nachmittag abgehaltenen Stadtverordneten= Sitzung erklärte sich die Versammlung mit der unentgeltlichen Bereitstellung eines Grundstückes für das von der Handwerks“ kammer in Dortmund zu errichtende HandwerkerErholungsheim bereit. Für den Ankauf der Felspartien zur Erhaltung des Hönnetals wurde beschlossen, 30000 Mark zur Verfügung zu stellen, wenn die benachbarten Kreise Iserlohn und Altena sowie die Stadt Iserlohn sich entsprechend beteiligen und wenn der Minister der zur Entlastung der Ruhr=Siegstrecke geplanten Vollbahn über Fröndenberg=Menden=Sanssouci=Finnentrop seine Zustimmung gibt. Die Ankaufskosten der Felspartien belausen sich auf 250 000 Mark. Ein etwaiger Restbetrag soll durch eine Lotterie ausgebracht werden. * Winterberg, 29. Mai.(Der„Kahle Asten") stand in Gesahr, sein ursprüngliches Gesicht zu verlieren: er sollte einen Tannenwald tragen. Damit wäre die alpine Flora, die einzig hier in Westfalen zu finden ist, erstickt worden. Nun aber sehen die Anpflanzungen ein. Die Natur selbst duldet nicht, daß man ihr charakteristisches Gepräge beseitigt. Wäre der Tannenwald hoch gekommen, so hätt: das auch die Ausübung des Wintersports behindert. * Lüdinghausen, 29. Mai.(Ein Kind ertrunken.) Die Ehefrau eines hiesigen Kötters sand ihr vierjähriges Kind in einem am Hause gelegenen Wassertümpel tot vor. Es war beim Spielen in das Wasser gefallen. Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. * Mülheim(Ruhr), 29. Mai.(Beide Beine verloren.) Dem Arbeiter Bolten, der bei einer Explosion auf der Thyssenschen Fabrik verunglückte, mußten beide Beine abgenommen werden. * Duisburg, 29. Mai.(Ein Mädchenhändlerprozeß) beschäftigte heute die Duisburger Straskammer in zum Teil unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführter Verhandlung. Der Bergmann Richard Schleicher aus Sterkrade hatte wiederholt versucht, die beiden minderjährigen Töchter dies Hauers Gaspers, Anna und Franziska, unter der Angabe nach Belgien zu locken, dort brauchten sie nicht zu arbeiten und verdienten viel Geld. Der Mann war durch einen Bekannten in die Familie Gaspers eingeführt worden. Diesem hatte er auch eine Reihe schwer belastender Briefe geschrieben. Schließlich kam der Vater der beiden erst Samstag, 30. Mai 1914. 17 und 18 Jahr alten Mädchen dem Gauner auf die Spur und machte Anzeige bei der Polizei. In Belgien erfolgte daraus die Festnahme des Mädchenhändlers. Das Gericht verurteilte Schleicher zu einer Zuchthausstrase von 1½ Jahren unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. * Köln, 29. Mai.(Nächtlicher Ueberfall.) In einer der letzten Nächte ist ein Einwohner von Köln=Nippes in der Niehler Straße auf dem Heimwege übersallen worden. Die Wegelagerer fielen den Bedauernswerten von hinten an und schlugen ihn mit einem Schlagring derart über den Kopf, daß er besinnungslos zur Erde fiel. Sie raubten ihm dann sein Portemonnaie, in dem sich ein größerer Geldbetrag besand. Vorübergehende fanden den Bewußtlosen, der einen Schädelbruch erlitten hatte, und brachten ihn in seine Wohnung; er ist noch immer besinnunglos. Gesellschaft zur Retlung Schiffbruchiger. In Köln hielt die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ihre 48. Hauptversammlung ab. Nach dem Jahresbericht der Gesellschaft sind im verflossenen Jahr die Rettungsstationen 23 Mal mit Erfolg tätig gewesen, 127 Personen wurden dadurch gerettet, davon 76 durch Rettungsboote und 51 durch Raketenapparate. Die Zahl der seit Bestehen der Gesellschaft Geretteten ist damit aus 3997 gestiegen. Für die 127 Rettungen im vergangenen Jahr wurden 8230 Mark Prämien gewährt; serner an Löhnen für die Mannschaften 33 523 Mark. Aus der Laciszstiftung wurden in 29 Fällen Prämien und Medaillen im Gesamtwerte von 15240 Mark verliehen. Von den drei Medaillen der Prinz Heinrich=Stiftung wurde die goldene an den Vormann Ruß aus Norderney, die silberne an den Vormann Horst aus Preroe verliehen. Die kupferne Medaille kam im vergangenen Jahr nicht zur Verteilung. Aus dem Unterstützungssonds wurden im Berichtsjahre an 13 Vormännern, 49 Bootsmännern und 52 Witwen Unterstützungen in Höhe von 29000 Mark bezahlt. 86 Stationen liegen an der Ostsee, 47 an der Nordsee. Die Zahl der Bezirksrereine beträgt 64, davon 24 Küstenund 40 Binnenvereine. An Jahresbeiträgen gingen von den 54 023 Mitgliedern der Gesellschaft 150 161 Mark ein, an außerordentlichen Beiträgen 247025 Mark gegen 86 174 Mark im Vorjahre. Die Gesamteinnahmen im Berichtsjahre betrugen 504 376 Mark gegen 342 247 Mark im Vorjahre. Die Ausgaben betrugen 401 478 Mark gegen 477007 Mark im Vorjahre. Jahres= und Kassenbericht wurden genehmigt. Als nächster Tagungsort für die Hauptversammlung wurk:: Bremen gewählt. WOieder ein Schlager in Quc ∆# aiemeze 106? earg O Tmotz GS! Soödte deutsche Gicaschegfabrs AAOGC Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Aug. König. 19 „Mein Haus ist kein Gefängnis," sagte der Baron unwirsch,„ich habe keine Lust, mich dieses Mannes wegen gerichtlichen Scherereien auszusetzen.“ Anton lachte; dem Förster stieg das Blut heiß in die Stirne, er hatte statt des Tadels Lob erwartet. „Wenn der Wilddieb nicht bestraft wird, so haben wir bald kein Reh mehr im Walde," erwiderte Martin. „Was schadet das?“ höhnte Anton, mit frechem Trotz das Haupt zurückwerfend. Dem Wilde kann es gleich sein, von wenn es gegessen wird, ich habe so gut Aurecht darauf, wie jeder andere!" „Da hören Sie es, Herr Baron!“ sagte der Förster.„Wenn Sie dem Revolutionär das hingehen lassen, so können Sie es erleben, daß er an der Spitze seiner Spießgesellen—“ Er brach bestürzt ab; das, was jetzt geschah, hatte er nicht erwartet und ebensowenig gewollt. Im auswallenden Jähzorn hatte der Baron mit der Reitgerte dem Wilddieb ins Gesicht geschlagen, ein dunkelroter Streifen, aus dem stellenweise Blut tröpfelte, zog sich quer über das Antlitz Antons. „Das wird der Kerl nicht vergessen!“ rief der Baron.„Dieser Denkzettel ist besser, als einige Wochen Gefängnis! Ertappen Sie ihn noch einmal, so machen Sie kurzen Prozeß und schießen ihn nieder, ich übernehme die Verantwortung. Jetzt lassen Sie ihn laufen, wohin er will.“ Unsagbarer Haß blitzte aus den weitgeöffneten Augen Autons, als er dem Baron nachblickte, der ihm den Rücken wandte und rasch von dannen schritt. Flüche und Verwünschungen entrangen sich seinen zuckenden Lippen, während das Blut langsam von seiner Wange niederrieselte. So grimmig der Förster auch vorher gewesen betreten. Und noch einmal rate ich Euch, denkt nicht war; die rohe Tat flößte ihm Mitleid mit dem mißhandelten Mann ein. „Das wollte ich nicht,“ sagte er, indem er den Wilddieb aus dem Park hinaus in den Wald zurückführte.„Es war nicht gesetzlich, aber Ihr weran Rache, was geschehen ist, das ist leider geschehen; Ihr würdet es noch schlimmer machen, wolltet Ihr Euch dafür tächen.“ Auton hielt sein Taschentuch auf die blutende Wange, aus jedem Zuge seines verzerrten Gesichts det es überwinden, und dann deuchte Euch diese sprach der Haß, der in seinem Innern tobte. Strafe besser, als lange Gefängnishaft, die Euch„Glaubt Ihr, daß man das vergessen könne?" außerdem ehrlos macht. Weiß zwar nicht, ob Ihr knirschte er.„Was habe ich getan? Ein Reh geschon im Gefängnis gewesen seid—“ schossen, das zufällig sich auf dem Grund und Bo„Werdet Ihr mir nun die Kette abnehmen?" den Eures Barons sich befand. Durfte ich deshalb unterbrach Anton ihn aufbrausend. wie ein gemeiner Verbrecher behandelt werden? „Sogleich, nur noch eine Weile Geduld. Dankt sHole Euch allesamt der Teufel, ich werde es Euch dem Himmel, daß Ihr gefesselt waret, es hätte sonst gedenken, und die Stunde kommt auch einmal, in Mord und Totschlag gegeben.“ „Wäre ich es nicht gewesen, der Elende würde nicht gewagt haben, mich zu schlagen.“ „Der Herr Baron ist jähzornig, Eure Frechheit reizte ihn, und Ihr hattet wahrhaftig keine Ursache frech zu sein. Nehmt den Denkzettel ruhig hin und denkt nicht an Rache, Ihr würdet Euch unglücklich machen, Ihr seid jung und stark; arbeitet, verdient Euer Brot auf ehrliche Weise, seid Ihr einmal bestraft, dann geht es rasch bergab und Ihr endet entweder im Zuchthaus oder im Arbeitshaus.“ „Und wenn ich das täte, was ginge es Euch an?“ sagte Anton, mit den Zähnen kuirschend. „Nichts, ich gebe Euch nur einen guten Rat, Ihr mögt ihn befolgen oder nicht, mir kann es gleichgültig sein.“ Der Förster blieb stehen, nahm dem Wilddieb die Handschellen ab und sah ihm dabei mit einem ernsten, festen Blick ins Gesicht. „Ihr könnt nun hinweggehen,“ fuhr er fort, „Eure Büchse bekommt Ihr nicht zurück, so will es das Jagdrecht.“ „Also seid Ihr der Dieb, nicht ich!“ fuhr Anton auf.„Die Büchse ist mein Eigentum.“ „Von dem Erlös unseres Wildes bezahlt! Fordert Ihr sie zurück, so muß es auf gerichtlichem Wege geschehen, Ihr werdet Euch hüten, ihn zu der wir uns wieder sprechen.“ „Noch ein Wort,“ sagte der Förster befehlend, als der Wilddieb sich entfernen wollte,„Eure Drohungen fürchte ich nicht, ich bin überhaupt nicht der Mann, der sich einschüchtern läßt, sei es auch durch die Mündung eines geladenen Gewehres! Ihr redet von Wiedersehen, sorgt, daß es nicht in meinem Revier geschieht, ich würde, wie heute, kurzen Prozeß machen, dann aber meine Maßregeln besser treffen, um Euch für lange Zeit zu beseitigen. Geht und schweigt über das, was Euch hier passiert ist, nichts Besseres könnt Ihr tun.“ Anton gab keine Antwort, nur ein Fluch entfuhr seinen Lippen, als er mit raschen Schritten den Weg zur Stadt einschlug. Den alten Martin hatte die Aufregung erschöpft, er mußte sich auf einen Baumstumpf niederlassen, um eine kurze Weile der Ruhe zu pflegen. Er holte seine Tabakspfeife aus der Tasche und zündete sie an, und während er den blauen Rauchwöllchen nachschaute, hing er auch seinem Aerger über den Baron nach. Er konnte nicht begreifen, daß der Edelmann sich zu dieser Tat einem Wehrlosen gegenüber hatte hinreißen lassen, er fand dafür keine Entschuldigung. Der Wilddieb war ja in der Gewalt des Barons gewesen, der nur dem Gesetz freien Lauf lasZer und aust krange Bestaltung des Frenters dähhe gen mußte. Jeder Jäger würde so gehandelt und die gewissenhafte Pflichterfüllung des Försters lobend anerkannt haben. Mußte unter solchen Verhältnissen dem alten Förster nicht der Dienst verleidet werden? Jetzt entfuhr auch den Lippen Martins ein Fluch, und als er bei dieser Gelegenheit aus seinem Brüten aufschaute, fiel sein Blick auf einen Herrn, der sofort seine Aufmerksamkeit fesselte. Schon mancher Fremde war dem Förster in diesem Walde begegnet, die Familie Darboren hatte die Wege, die hindurchführten, dem Publikum freigegeben; mit einem freundlichen Gruß war Martin stets an ihnen vorbeigegangen, wenn nicht besondere Umstände seinen Argwohn weckten. Diesen Herrn aber, der jetzt auf ihn zukam, konnte er nicht so ohne weiteres passieren lassen. Er war einfach, aber elegant gekleidet, eine hohe, stattliche Erscheinung, ein langer schwarzer Vollbart umrahmte das von der Sonne gebrännte Antlitz, und dem Anschein nach hatte er das dreißigste Lebensjahr noch nicht erreicht. Energie und Entschlossenheit sprachen aus seinen Zügen, Gang und Haltung ließen den Aristokraten erkennen. „Baron Robert!“ murmelte Martin, während sein Blick unverwandt auf dem Fremden ruhte. „Ganz wie er leibte und lebte, der selige, gnädige Herr.“ Er sprang von seinem Sitz empor, der Fremde stand vor ihm und nannte seinen Namen. „Martin!“ hatte er gesagt, und nun bot er ihm auch noch die Hand.„Kennen Sie mich nicht mehr?“ fragte er lächelnd, als der Förster ihn forschend anschaute. Da entfuhr den Lippen des alten Mannes plötz= lich ein Freudenruf, er wäre auf die Knie niedergesunken, wenn der Fremde ihn nicht mit starken Armen umfaßt und gehalten hätte. 214,16 Scncater Teigiance *) Die Bezeichnung der„alte Mann“ wird in der Bergmannssprache auch auf die abgebauten, verlassenen dem Knappen oder ihn mit bedrohend. Grubenbaue selbst angewendet, Das Uebergehen der ertseingesessenen Handwerne nttister In neuerer Zeit hört man, so schreibt die„Leipz. Malerztg.“, in vielen Städten wiederholt Klagen von Handwerkern, die bei Lieserung und Ausführung von Arbeiten von den Behörden an ihrem Orte übergangen worden sind. In den weitaus meisten Fällen ist diesen Klagen eine Berechtigung nicht abzusprechen. Bei oberflächlicher Prüfung wird man sinden, daß bei Vergebung von Arbeiten und Lieferungen die Leistungsfähigkeit der örtlichen Handwerker vielfach unterschätzt wird. Weil der Prophet nichts in seinem Vaterlande gilt, glauben viele Behörden und auch private Auftraggeber, daß die Handwerker am Orte in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit hinter großstädtischen Unternehmern zurückstehen. Die Meinung ist sehr weit verbreitet, daß auswärtige Unternehmer Besseres zu liesern und zu bieten in der Lage seien. Diese„auswärtigen Unternehmer“ erfreuen sich namentlich in den Stadtverwaltungen großer Beliebtheit. Es gibt fast kaum ein Schulhaus, eine Turnhalle oder ein städtisches Verwaltungsgebäude, dessen Gesamtausführung nicht einem auswärtigen Unternehmer übertragen wurde. Obwohl von den Stadtverordneten, unter denen sich viele Handwerker befinden, immer und immer wirder Klagen über dieses System geführt werden, ist es bisher nicht gelungen, damit aufzuräumen. Die Stadtverwaltungen gehen meistens von dem Grundsatz aus, daß ihre Arbeiten schnell und unter Garantie ausgeführt werden. Kapitalkräftige auswärtige Unternehmer können nach dieser Richtung hin den Stadtverwaltungen vielleicht mehr Entgegenkommen zeigen, als die örtlichen Handwerker. Ein Generalunternehmer enthebt die Stadtverwaltung der Sorge, sich um die Einzellieferungen zu kümmern und gibt außerdem Bilder aus dir Feimal. Federzeichnungen von W. Oschmann=Bochum. (Nachdruck verboten.) Haus Kemnade.— Vom Stollenbau und allen Bergmannssagen. Von der„Pilgrimshöhe" treibt uns unsere Wanderlust ruhraufwärts. Wir folgen dabei der beLandstraße, die sich in leichten Kennmungen unter Stellung von Kaution Garantie für pünktliche Einhaltung der übernommenen Frist. Aber nicht nur für die Stadtverwaltungen resultiert daraus eine gewisse, allerdings verständliche Bequemlichkeit, sondern auch für alle übrigen Behörden oder für Private. Es ist also sehr wohl verständlich, wenn auswärtige Unternehmer vor den örtlichen Handwerkern bevorzugt werden. Aber vom Standpunkt einer gesunden Mittelstandspolitik ist dieses System nicht zu empfehlen. Namentlich Stadtverwaltungen sollten darauf dringen, daß städtisches Geld am Orte bleibt. Das Geld, das am Orte bleibt, drückt sich bei den Steuerveranlagungen in entsprechender Weise wieder aus. Auch private Auftraggeber sollten bedenken, daß die Berücksichtigung örtlicher Handwerker dem Stadtsäckel bei der Steuerveranlagung zugute kommt und daß der örtliche Auftraggeber indirekt wieder einen Vorteil davon hat. Auswärtige Unternehmer dagegen lassen nur sehr wenig Geld am Orte. Die Ar. leiten selbst werden gewöhnlich von herangezogenen auswärtigen Arbeitern ausgeführt, die am Orte keine Steuern zahlen. Außerdem wird der auswärtige Unternehmer seine Bedarfsartikel nicht immer am Orte decken, wenn auch im Kontrakt steht, daß„nach Möglichkeit örtliche Handwerker herangezogen“ werden sollen. Endlich wird der auswärtige Unternehmer auch seinen Reinverdienst nicht bei einer örtlichen Bank anlegen, sondern immer nur in der Großstadt, in der er seinen Sitz hat. Kommunalpolitisch richtig ist jedenfalls die Unterstützung der örtlichen Handwerker. Es soll aber nicht verkannt werden, daß die Vergebung von Arbeiten und Lieferungen an örtliche Handwerker häufig Unzuträglichkeiten im Gefolge hat. Zunächst ist zu berücksichtigen, daß die örtlichen Handwerker nicht derartige Einrichtungen haben, daß sie einen Prachtbau innerhalb eines Jahres K fertigstellen können. Wollte man bei einem größeren Objekt die Arbeit nur in kleinen Losen vergeben, so würde oft ein erheblicher Zeitverlust für den Auftraggeber entstehen. Auch die finanzielle Kraft des sogenannten kleinen Handwerkers ist nicht derartig, daß sie die Behörden für die Vergebung von Arbeiten in kleinen Losen ermuntert. Hier kann nur ein Allheilmittel Besserung bewirken: der Genossenschaftsgedanke. Die Handwerker einer bestimmten Branche müssen sich am Orte zusammenschließen, um als ein Unternehmer aufzutreten. Wird z. B. an einem Orte eine Kaserne gebaut, so müßten sich— wenn Erfahr für die Vergebung von Malerarbeiten nach außerhalb besteht— die örtlichen Malermeister zusammenschließen und als Ceneralunternehmer austreten. Ersorderlich ist, daß möglichst der Obermeister, der den größten Ueberblick besitzt, als Unternehmer hervortritt und alle Lieserungen und Zahlungen übernimmt. Nur dadurch ist es möglich, daß größere Aufträge am Orte bleiben. Bedauerlicherweise ist der Konkurrenzneid unter den örtlichen Handwerkern einer Branche viel zu groß, als daß sich der Zusammengehörigkeitsgedanke wirkungsvoll durchsetzen könnte. Hier müssen kaufmännischer Geist und geschäftliche Erfahrungen Wandel schaffen. Wenn die Handwerksmeister am Orte einerseits nicht ganz unschuldig daran sind, daß die Klagen über die Vergebung von örtlichen Arbeiten nach außerhalb nicht verstummen wollen, so müssen andererseits die örtlichen Handwerksmeister dafür Sorge tragen, daß durch Selbsthilfe hier Besserung geschaffen wird. Spezialarbeiten können von auswärtigen Unternehmern ausgeführt werden, aber bei allgemeinen Arbeiten dürfen die örtlichen Handwerker nicht übergangen werden. A. B. Gottesdienste. Evang. ref. Gemeinde. 1. Psingsttag 9 Uhr: Vorbereitung. 9½ Uhr: Pastor Terberger, hl. Abendmahl.— 2. Pfingsttag 9½ Uhr: Pastor Terberger. Evang. luth. Gemeinde. 1. Pfingsttag 8 Uhr: Pastor Wischnath. 9½ Uhr: Pastor Ohlig.— 2. Pfingsttag 8 Uhr: Pastor Nell. 9½ Uhr: Pastor Wischnath. 11 Uhr: Kindergottesdienst. Höchsten, 2. Pfingsttag 2 Uhr: Gottesdienst. Westhofen. 1. Pfingsttag 10 Uhr: Pastor Wischnath.— 2. Pfingsttag 10 Uhr: Pastor Ohlig. Kath. Pfarrkirche. Pfingstsonntag(Stundengebet). 6 Uhr: Aussetzung des Allerheiligsten. 6½ Uhr: Stille hl. Messe. Kaplan Röseler. 7½ Uhr: Frühmesse. Gemeinschaftl. hl. Kommunion der schulpflichtigen Kommunilanten(Mädchen) 8¾ Uhr: Schulmesse. Parrer Schnurbus. 10 Uhr: Hochamt. Pfarrkollekte. 11 Uhr: Armenscelenstunde. 12—1 Uhr: Betstunde jür den 3. Orden. Nachm. 2½ Uhr: Vesper 3 Uhr: Betstunde für die Frauen=Vereine. 4 Uhr: Betstunde für die Erstkommunikanten, 5 Uhr: Stille Anbetung. 6 Uhr: Betstunde für die Männervereine. Pfingstmontag. Die Gottesdienstordnung ist dieselbe wie am ersten Pfingsttage. Am zweiten Pfingstseiertage ist gemeinschaftl. hl. Kommunion der schulpflichtigen Kommunikanten(Knaben). Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 31. Mai: Bewölkt mit Sonnenschein, warm, windig. 1. Juni: Kühler, wolkig mit Sonnenschein, rauher Wind. 2. Juni: Ziemlich kühl, bewölkt, bedeckt, trübe. 3. Juni: Meist bedeckt, milde, strichweise Regen. breiten Wassergraben umzogen, der ehedem zur Abwehr anrückender Feinde diente, ist arg verfallen. Ueber das bröckelige Sandsteinmauerwerk spannt eine vielhundertjährige Eiche ihr dichtbelaubtes knorriges Astwerk. v. Steinen bezeichnet die Burg Kemnade(früher auch Kemenah oder Kemna genannt) als einen„vortrefflich schönen Rittersitz" und fügt hinzu, daß es sich um ein gräflich lippisches Lehn handle. Vorher hat hier ein von der Gräfin Imma von Stiepel erhautes, durch Brand in Trümmer gelegtes Witwenh gestanden, v# em die Haus Kemnade, vom Innenhof gesehen. talab mindek. Zur Rechten begleitet unseren Pfad eine schön bewaldete Berglehne, in deren laubigem Unterholz die bunte Sippe der Finken, Meisen und Grasmücken vom frühen Morgen bis in den dämmernden Abend hinein für Gotteslohn und gutes Wetter ihre sinfonischen Freikonzerte veranstaltet. In den breiten Kronen der Chausseebäume pfeifen chwarzdrosseln ihr quellfrisches Lied. Aus dem Tale, durch dessen grunsaftigen Gruno ein munterer Bach zwischen Bestrüpp und Weiden sich dahinschlängelt, winken die freundlichen Giebeldächer vereinzelt liegender Bauernhöfe. Weite Wiesenflächen dehnen sich en beiden Seiten des Flusses. Von der schwellenden Grasnarbe hebt sich breitgestirntes Hornvieh in bunten Flecken ab. Wichtiger allerdings als für die Milchwirtschaft sind die Ruhrweiden für die Wasserversorgung der großen Städte. In der kiesgedeckten Tiefe, für das Auge des Unkundigen kaum auffindbar, liegen hunderte und aberhunderte von Brunnen, aus denen die Riesenpumpanlagen der Wasserwerke das durch ebenso einfache wie sinnreiche Filtereinrichtungen kristallklar gewonnene Naß unaufhörlich in die Hochbehälter befördern. Kia Wassermengen, die auf diesem Weae dem Vsernoden entnommen werden, belaufen sich jährlich anf di Millionen Kubikmeter, wobei als Hauptabnehmer die großen industriellen Betriebe in Betracht kommen. Nach viertelstündiger Wanderung scheiden wir von der Blankenstein=Herbeder Chaussee, lassen die Sommerwirtschaft Steinen=Haus mit dem auf luftiger Bergeshöh unter Bäumen halbversteckten Jagdschlößchen rechts liegen und wenden uns dem kleinen Bahnhof Blankenstein zu, der übrigens von der Haltestelle Blankenstein=Burg aus(unmittelbar zu Füßen der Ruine) auch mit der Ruhrtalbahn zu erreichen ist. Diese 1870 erbaute Bahnstrecke bildet, von Steele=Hattingen kommend, eine bequeme Verbindung über Blankenstein und Herbede nach mern bei Witten und weiter nach Volmarstein. Herdecke=Vorhalle und Hagen. Wer schlecht zu Fuß oder in der Zeit beschränkt ist, kann vom Abteilfenster des Personenwagens aus die mannigfachen Reize des malerischen Flußtales auf Auge und Seele wirken lassen. * In nächster Nachbarschaft des Bahnhofs Blankenstemn liegt das Haus Kemnade, ein alter Rittersitz mit weitläufigen Wirtschaftsgebäuden. Die Schutzmauer, nach Süden und Osten mit einem Burg ihre Bezeichnung entlehnt zu haben scheint. Die Erbauung des Hauses Kemnade reicht in altersgraue Zeit zurück. Von dem Rittergeschlecht derer „von Stipele“(von Stiepel) gelangte das Besitztum an die Familien von Kemna, von Duker oder Dücker, von der Reck und von Syberg. Grabsteine der Familie von der Reck zur Kemna aus dem Anfange platten mit prächtiger Bildschnitzerei. Die besten und wertvollsten Stücke, zwei aus dem 17. Jahrhundert stammende Kamine, mit Darstellungen aus der biblischen Geschichte bezw. mit den Wappenschildern der früheren Burgbesitzer, sind anläßlich der Wiederherstellung des Königlichen Schlosses Altena leihweise dorthin abgegeben worden. Nach der Beurteilung von Sachverständigen sind diese Kamine in ihrer Art die schönsten in ganz Westfalen. Zu den Gerechtsamen des Hauses Kemnade gehört die Kemnader Fähre, die den Personen= und Fuhrwerksverkehr zum nördlichen Ruhrufer, nach der Stiepeler Seite hin, vermittelt. Der von Wind und Wetter gebräunte Fährmann bringt uns rasch hinüber. Noch einmal werfen wir einen grüßenden Blick auf die Blankensteiner Burgruine und wandern auf einem unvergleichlich schönen Waldwege, der an der einen Seite vom waldigen Höhenzuge des Kalves an der anderen vom Oelbach, einem etwas oberhalb Kemnade in die Ruhr mündenden Wasseräderchen, begrenzt wird auf Heven zu. Das Präditat„unvergleichlich schön“ gilt allerdings nur bei trockenem Wetter; nach anhaltendem Regen hat der Weg sintflutlich=morastigen Charakter. Wenn aber die Sonne aus blau=heiterem Himmel auf Berg und Tal niederlacht, wandelt sichs hier wie auf einsamem Märchenpfad. Nur das Atmen des Waldes, ein Windessäuseln oder der Ruf eines Vogels beleben die Stille. Hin und wieder taucht eine menschliche Wohnstätte, eng an den Berg geduckt und in seiner Bauart an das Knusperhäuschen der Hexe gemahnend, aus dem Baumgrün auf. Etwa auf halbem Wege wird unser Blick durch einen steinernen Gewölbegang gefesselt, der in das Herz des Berges hineinführt. Wenn mans nicht anders wüßte, könnte man glauben, daß der aus Sandsteinquadern gefügte, etwa mannshohe Gang, aus dessen wildumrankter Oeffnung eisenhaltiges Wasser sich über rotgefärbtes Gestein hinweg in den Oelbach ergießt, ehemals die unterirdische Zuflucht und Bergestatt verwegener Buschklepper oder anderen Raubgesindels gebildet habe. In Wirklichkeit ist das, was wir vor uns haben, ein verlassener Stollen aus den Kindheitstagen des rheinisch=westfälischen Bergbaues. Derartiger Stollen finden sich im Ruhrtal noch eine ganze Menge. Anfangs auf die allereinfachste Art. in Tragkörben, später auf kleinen Wagen mit Hülfe in den Stollen eingebauter Feldbahngeleise, wurden von den Bergleuten der alten Zeit, die als„Gewerke“ gleichzeitig Inhaber Tief im Schachte, tief in Nächten Regt sich oft geheimes Leben, Bleiche Silberlampen schweben. : Dann durch Stollen und Geklüfte. (Und dazu raunt es verstohlen.— Aus den Schründen, aus den Spalten, Wo die Gnomen Wache halten 1. Bei den unterird'schen Schätzen. „„ 9*— Besonders oft ist in den Erzählungen der alten Bergleute vom„alten Mann“*) die Rede, der den verlassenen Gängen haust. Er warnt die Knappen durch Knistergeräusche und Zuruf vor Gefahren, die ihn bei seiner Arbeit im Schoße der Erde umlauern. Sein häßliches Gegenstück ist ein unter dem Namen Jäckel bekanntes Stollengespenst, das die Bergleute durch Rufen und Klopfen irreführt und ängstigt. Von diesem Stollengespenst heißt es in einem Gedicht:.... Im alten Stollen, da tappt es sacht,... Gespenstig und langsam dahin durch die Nacht, Da steigt es im Aufbau von Ort zu Ort Und forscht nach der Stufe und tappet fort. Und wo das Gestein und die Kohle bloß, Da pocht's an die Firste, da klopft's an den Stoß. Da prüft es die Zimm'rung, ob fest auch der Pflock, Da schallet der Schlag vom Halblachterstock, Und weiter tappt es die Straße entlang Im alten Stollen von Gang zu Gang, Stets weiter fort in dem öden Bau,„„ Es kennt die Winkel und Wege genau.. Wo kein Gräber mehr gräbt der Erde Guk) Und die Tiefe liegt in der Geister Hut, Da tappt und pocht in der Strafe Bann 1 Der böse Jäckel, der Stollenmann. Einst kürzte den Knappen er frech den Lohn, Und klagten die Armen, so lachte er Hohn, Betrog sie nur ärger noch fort und fort Und fälschte die Stufe in Querschlag und Ort. Die toten Knappen, sie ruhen nun aus, Nur er kann nicht schlafen im engen HausIhm hat der Tod nicht Ruhe gebracht, Sein Geist irrt um in der Stollennacht. Bergleute werden durch sein unwirsches Treiben allerdings kaum noch in Schrecken gejagt, denn der Stollenbetrieb ist längst außer Kurs gesetzt; der neue Geist, der die modernen Tiefbauschächte an ihre Stelle gesetzt hat, ist in seiner Nüchternheit den Sagen und Märchen nicht hold, und die Zwerge, Kobolde und Stollenmänner, von denen bergfertige Knappengreise noch ernsthaften Gesichts ihren Enkelkindern erzählen, haben sich in die tiefsten Tiefen der Ruhrberge geflüchtet, wo Keilhau und Fäustel ihnen den Frieden nicht mehr stören.##, Haus Kemnade, Seitenansicht. des 14. Jahrhunderts sind noch erhalten. Jetzt ist Haus Kemnade Eigentum des Königlichen Kammerherrn Baron von Berswordt=Wallrabe auf Haus Weitmar bei Bochum, der es von dem Rittergutspächter Rohde bewirtschaften läßt. Der Sohn des Herrn.von Berswordt, wegen seiner junkerlichen Extravaganzen im Volksmunde unter dem Spitznamen„der tolle Baron“ bekannt, wohnt in dem schon erwähnten Jagdschlößchen, das gleichfalls den Berswordts gehört..„„ Das Haus Kemnabe birgt eine Reihe wertvoller Altertümer. Sehr sehenswert sind außer einer in Schnitzarbeit gehaltenen Treppe und mehreren kunstvoll gefertigten Kaminen zwei in die getünchten Decken des Herrenhauses eingelassene ovale Holzder Grube waren, die Schätze der Erde ans Licht gefördert, um mit Lastwagen an ihren Bestimmungsort gebracht zu werden. Der weitaus größte Teil der im Stollenbetrieb gewonnenen Kohlen wanderte auf schmalspurigen, für den Pferdebetrieb eingerichteten Zechenbähnchen auf die Schiffe, die in damaliger Zeit noch in ansehnlicher Zahl flußauf und flußab verkehrten. Reste solcher Zechenbahnen sind heute noch vorhanden. Aus den alten Zeiten des Stollenbergbaues an der Ruhr leben im Volke mancherlei Sagen. Man weiß von guten und bösen Geistern, die in den Klüften der Berge„ihr Wesen treiben, een Wohltat und Forderung erwei Schabernack und schlimmen Verlassene Ruhrgrube Kulkshen zur Vertilgung von Hederich (glänzend bewährt) empfiehlt E. Werleerg. K Krs Die Facsnielir Geschichle der demschen hriege 1864—1866. Heft 1 Buchhandlung Carl Braus Schwerke(Ruhr), Große Marktstraße 3—5. K Haben Sie Bedarf in * Linkrusta, echt und imitiert, so verlangen Sie kostenfrei Pracht-Katalog Durch direkten Bezug bis zu 50 Prozent Ersparnis! Ringfreie Tapelen- Zentrale § öln 135 Postfach 48. Agenten an allen Plätzen gesucht. 2290 Gegen Nühneraugen Hornhaut-Warzen empfiehlt Radikal- Aittel Drogenhandlung Max Mehlhose. MIA K B·C SSchöhen, mit Wollr and sitzen festk und ruts chen nicht. In vielen Nustern vorrätig. 27283 * Alleinverkauf Schwerte Ostenstrasse 20. 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Sie wird bis zum 14. Juni, also S Tage hindurch, täglich 2 Vorstellungen veranstalten, um 3 Uhr und um 7½ Uhr. Die Nachmittagsvorstellungen zeigen dasselbe Programm wie die Abendvorstellungen. SARRASANT SCHAU bietet nunmehr als 4 derjenigen Circusse, die sich als die„vrössten“ die„besten“ oder die„ältesten“ bezeichnen. Die Sarrasani-Schau ist seit wenigen Jahren um ein Vierfaches gewachsen. Sarrasani überbietet sogar die grossen amerikanischen RiesenShows. Die Sarrasani-Scbau zeigt ihre Kolossalsehenswürdigkeiten zu billigeren Eintrittspreisen, als jeder kleine„Zirkus“ der sich bisher in Iserlohn zeigte. Die SARRASANT SCHAU hat einen dopp It so grossen Marstall als der grösste aller europäischen einscitigen Pferdecircusse, die nicht die Mittel haben, um sich auch exotische Tiere zu erwerben, oder die die Kunst nicht vers ehen, sie zu zAhmen und zu dress eren. Von den mehr als 200 Freiheitspferden der Sarrasani-Schau werden in jeder Vorstellung mindestens 120 gezeigt. Die Sarrasani-Schau zeigt auch die anerkannt besten Schulpferde der Welt. SARRASANT SCHAU ist aber dabei kein einseitiger„Pferdecircus“ sie ist die Weltschau, die allumfassende, sie zeigt also auch dressierte Tiere jeglicher Rassen. Mitbin zeigt die Sarrasani-Schau die grösst n existierenden Gruppen von Berberlöwen und sibirischen Tigern, die ersten in Freiheir dressierten Kamele u. Zebras der Welt, die ersten gezänmten Nilpferde, eine Riesengruppe von 17 indischen und afrikanischen Elefanten, Quadrillen auf Bul en und Dromedaren, ferner Tierabnormitäten und Tierraritäten, als da sind: Schabrackentapir-, Buckelrinder, Mysoreochsen, afrikanische und amerikanische Stiere, Affen aller Art, Känguruhs usw. SARRASANT SCHAU führt in jeder einzelnen Vorstellung ein Riesenpersonal von 530 Künstlern in die Manege. Darunter befindet sich die Elite der internationalen Artistenschaft, Jockeyreiter und Reitkünstlerinnen, D.mpteure und Dresseure, Schulreiter und Schulreiterinnen. Akrobaten, Gymnastiker, Trapezflieger, Reckturner, Turmseilläufer, Clowns, Auguste, Komiter usw. Aber diese Heerschau aussero dentlicher Künstler ist nicht das einzige, was die SarrasaniSchau turmhoch über die kleinen Unternehmen hebt. SARRASANT BCHAU ist weltberühmt dadurch, dass sie eine vollkommene Völkerschau mit sich führt. Sarrasan's Programm setzt sich nicht etwa zusammen aus„Nummern“ os ist eine Scrie von„Scenen“ von malerischen Bildern aus exotischen Ländern, dargestellt von echten Bewohnern, von charakteristischen Tieren dieser Länder. An diesen Scenen wirken mit japanische Hofküinstler, chinesische Gaukler, indische Karnacks, äthiopische Kannibalen, Derwische. Araber, Türken. Scalangentänzerinnen und Haremsweiber, Bersaglieris, Ungarn, Tscherkessen, Kosaken, SiouxIndianer, Mexikaner, Cowboys. Cowgirls, Mulatten, usw. Die grösste Attraktion der Neuzeit ist und bleibt Sarrasanis Wildwest-Schau, an der 100 cchte Wildwest-Leute, und 120 Pferde und Rinder mitwirken. Diese Wildwest-Schau bildet eine einzige Darbietung innerhalb des Programmes der SerrasaniSchau. SARRASANI SCHAU besticht bereits durch den gewaltigen techn. Apparat, durch die Rieserdimensionen ihrer Anlagen, durch die malerischen Schönheiten des plötzlich entstehenden Weltreiches. Die Sarrasaui Schau empfängt ihre Besucher durch ein pompöses Portal, sie bietet ihnen mehr Luxus, als ein festes Circusgebäude, sie führt ihnen durch einen plitzblanken Stall, durch eine hochinterressante Menagerte, sie gewährt ihm Unterhaltung durch vier internationale Misikkorps, sie zeigt ihm in Seitenschaus merkwürdige Sebenswürdiskeiten, sie bedeckt ein Areal von 25 000 Quadratmeter, sie baut 50 Zeltanlagen auf, sie fasst täglich mehr als zehntausend Menschen. Die SARRASANI SCHAU eröffnet am Montag, den 8. Juni 1914 Vorverkauf: Cigarrenhaus H. Ziegenhirt, MarktKuiserplatz. Telefon 505 Cigarrenimport J. H. Busch, Unnaerstrasse 3. Numeriert: I. Platz Mitte 2.50 Mk. Speersitz 300 Mk. Sperraitz Mitte 3 50 Mk. Loge 4.00 Mk. Fremdenloge Mitte 4 50 Mk. rlchsstraße Größte und bestrenommierteste Lichtbildbühne in Schwerte. Samstag, den 30. Mai und Eine unterirdische Stadt. Sensationelles Kriminaldrama in 2 Akten. Ein überaus spannender und auf regender Film. Höchst interessant ist der große Juwelenschwindel. und endet mit astung der Bande welche hundert Fuß unter der Erde wohnt. Vornehmstes und größtes Lichtspielthealer in Schwerte. Programm für den 30. und 31. Mai. Alleinaufführungsrecht für Schwerle: PeLenzaurer. 9 der Verhaflung der Bande, Weiche hander. Guß unter der Erde wohnt. Irrwege der Liebe. Dieses interessante Drama in 3 Akten hat einen sehr tragischen u. packenden Inhalt. Moderne Romaden. Ein ergreifendes Drama aus dem Artistenleben in 2 Akten. Dieser Film zeigt uns in ergreifender Weise die Schicksale eines Grafensohnes, der durch Zufall E 92 Ferner: unter Artisten kommt. Das bekanni erstklassige Programm. Pfingstmontag ein vollständig neues Programm. 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In ihrer Ratlosigkeit wird Frau Albrecht zu# einem Schritt getrieben, der ihren Gatten in Verzweiflung setzt. Sie geht darauf als Krankenpflegerin nach Afrika. Ihr Mann ist auf Reisen gegangen und trifft#u# dabei seinen Sohn, dem er das ganze Unglück enthüllt. Schmerzerfüllt geht Ernst als Soldat in die Kolonien, ## wo er seine Mutter wiederfindet und mit dem Vater versöhnt.„#eg#ne### Großes dramatisches Gemälde aus dem Schichsalsgung 4 Akte. einer Familie. 4 Akte Morgens 7 Uhr, morgens 11 Uhr und nachmittags 4 Uhr: 9 Der verbängnisvolle Ring. Aeußerst spannende Geschichte aus dem Leben. Große Komödie mit Moritz Prince. * E Der Pechvogel. Lustige Geschichte. Steinbrüche in Schweden Inter. Naturaufnahme. John als Kunstschütze. Lachen über Lachen des Musikkorps der Aufklärungsschiffe Moltke aus Wilhelmshaten unter Kaiserlichen Musikmeisters Herrn S. M. S. leitung des Eichler. Morgens Sämtl. Kurzwaren für die Schneiderei, Besätze u. Seidenwaren zu ausserordentlich billigen Preisen. 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Man stehe Der nur darauf hinweise Geldes der verstorbene Grüberschen Fabrik ersc Nödel Falsches beschwo seines durchaus beschre rübers derartig bearb ##elber daran glaubte, w onst wahrlich keine Ur die Pforten des Zuchth enen er seine Erspart eopfert habe, zu schon Beurteilung; es sei zu Nonate in Untersuchu Wochen im Krankenhau Operationen, denen er blege das Schicksal des In die Hände der Gesch In seiner Replik an unwalt, daß auch er Alnwendung anempfehle Vmnlange, sicher, daß au steiligt gewesen; beide ##und auch er sei an de gewesen. Wenn der Zvarum denn Carl G. Rlichtere Vergehen des rährend er doch die 9 ##n habe, so sei die An Aländnis des Betruges sinen Ungunsten entse Nark auszuzahlen hätt Verteidiger R.=A. Puplik, daß letzteres an in Nürnberg keine #u#nd bei Grübers ist jet senn 29 000 Mark zu kr ünfzehn Monate in Ur Buchthaus sicher sei, ahrlich nicht nach 29 ##nd Geldeswert jetzt ##truge im Zivilproze Rede sein, weil der icht auf Behauptunge önne. Er wiederhole worenen, den Ange aafen, aber ihn nicht Die Angeklagten w ufgefordert. Carl 30000 Mark wirkl sabe bezüglich des eine leineide gefehlt, und iden. Otto Grüber u klären, und Nödel er Von den Geschwore kochen, die Quittung ungszimmer nehme ner Seite ewas zu e Es folgt dann die Vorsitzenden, worauf si katung zurückzieher alb Stunden. Der Spruch der Carl Grüber schuld Greffend die angebliche An Haver), der Anstift #epe, der versuchten M ##sgleichen bei Wieth bepe(zweiter Fall), u inziation bei Gericht Verleitung zum MeinGesängnis=Kassiber) Kassiber mit Namen Otto Grüber schul bemeinschaft mit Carl itung zum Meineid Bich falschen Anschuld ichtschuldig des Ver ei Osthoff und Klein Brocksiepe schuldig Bejahung der Unterst der Wahrheit eirer sichtigt hatte. Rödel schuldig des Ferner wurde bei bejaht, daß ihre aufende Hand ##end die wissentlich elbständige Ho Hierauf erhielt Port für seine Str gen Carl Grüber, der #ugsversuches, der uung, der Anstiftung ind der versuchten eei Fällen für schul! Buchthaus, Ehrverlus khigkeit; wegen Teilnahme am Betrugsversuch der Grübers belangt werden können. Uebrigens gehe des Angetlagten Reue schon daraus hervor, daß, als Grüber zum zweiten Male an ihn herantrat, er sich ablehnend verhalten habe, wie er denn durch sein Geständnis wesentlich zur Aufhellung des Tatbestandes beigetragen habe. Redner beantragt die Bejahrung beider Fragen für seinen Klienten. Verteldiger des Angeklagten Nödel, Rechtsanwalt Böcker, erklärt, daß sein Mandant nach wie vor behauptet, bei der Auszahlung des Geldes von C. Grüber an Haver zugegen gewesen zu sein. Ein direkter Beweis, daß diese Behauptung Nödels unrichtig sei, könne nicht erbracht werden, ebensowenig ein Beweis, daß die Quittung des Haver gesälscht worden sei. Man stehe vor einem Rätsel, und wolle er nur darauf hinweisen, daß nach Auszahlung des Geldes der verstorbene Haver nur noch selten in der Grüberschen Fabrik erschien. Sollte aber tatsächlich Nödel Falsches beschworen haben, so sei er infolge seines durchaus beschränkten Bildungsgrades von Grübers derartig bearbeitet und beeinflußt, daß er selber daran glaubte, was er beschwor; Nödel hätte sonst wahrlich keine Ursache, jetzt noch, wo sich ihm die Pforten des Zuchthauses öffneten, die Grübers, denen er seine Ersparnisse in Höhe von 824 Mark zfert habe, zu schonen. Er bitte um eine milde zeurteilung; es sei zu erwägen, daß Nödel fünszehn Monate in Untersuchungshaft gesessen und zehn Lochen im Krankenhause gelegen habe, infolge der sperationen, denen er sich unterziehen mußte. Er lege das Schicksal des Angeklagten vertrauensvoll In die Hände der Geschworenen, In seiner Replik anerkannte der Staatsannwalt, daß auch er für Brocksiepe den§ 157 zur Anwendung anempfehle. Es sei, was Otto Grüber anlange, sicher, daß auch er an den Straftaten belteiligt gewesen; beide Brüder leiteten das Geschäft, sund auch er sei an dem Zivilprozeß stark beteiligt gewesen. Wenn der Verteidiger gesragt habe, lwarum denn Carl Grüber nicht auch das soviel lichtere Vergehen des Betrugsversuches eingestehe, tährend er doch die Meineidsverleitung eingestanden habe, so sei die Antwort, daß durch das Eingesändnis des Betruges zugleich der Zivilprozeß zu einen Ungunsten entschieden sei, so daß er 29 000 ark auszuzahlen hätte. Verteidiger R.=A. Frank erwidert in seiner suplik, daß letzteres wohl richtig sei, indes hänge ian in Nürnberg keinen, es sei denn, man habe ihn, ind bei Grübers ist jetzt nichts zu holen, geschweige enn 29 000 Mark zu kriegen. Carl Grüber, der nun sünfzehn Monate in Untersuchung sitze und dem das suchthaus sicher sei, dessen Gedanken stehen jetzt jahrlich nicht nach 29000 Mark, er habe an Geld und Geldeswert jetzt kein Interesse. Von einem Fetruge im Zivilprozeß könne schon deshalb keine Rede sein, weil der Zivilrichter nur auf Beweise, sicht auf Behauptungen der Parteien etwas geben könne. Er wiederhole und appelliere an die Gescworenen, den Angeklagten Carl Grüber zu betafen, aber ihn nicht zu vernichten. Die Angeklagten werden nur letzten Aeußerung zufgefordert. Cavl Grüber erklärt, es seien die 30000 Mark wirklich zurückgezahlt worden; er habe bezüglich des einen Falles die Verleitung zum eineide gefehlt, und dafür müsse er seine Strafe lleiden. Otto Grüber und Brocksiepe haben nichts zu sklären, und Nödel erklärt sich für unschuldig. Von den Geschworenen wird der Wunsch ausgeprochen, die Quittung des Haver mit in das Besatungszimmer nehmen zu dürfen, wogegen von einer Seite ewas zu erinnern ist. Es folgt dann die Rechtsbelehrung durch den sorsitzenden, worauf sich die Grschworenen zur Besatung zurückziehen. Diese dauert eineinalb Stunden. Der Spruch der Geschworenen lautet: Carl Grüber schuldig des Betrugsversuches(bereffend die angebliche Rückzahlung der 30 000 Mark in Haver), der Anstiftung zum Meineid bei Brockepe, der versuchten Meineidsverleitung bei Osthoff, esgleichen bei Wiethüchter, desgleichen bei Brockepe(zweiter Fall), und der wissentlich falschen unziation bei Gericht; nichtschuldig der versuchten kerleitung zum Meineid bei Osthoff(betreffend der besängnis= Kassiber) und der Urkundenfälschung Kassiber mit Namen des Onkel Kugel). Otto Grüber schuldig des Betrugsversuches in bemeinschaft mit Carl Grüber(wie oben), der Ansistung zum Meineid bii Brocksiepe und der wissentlich falschen Anschuldigung(wie bei C. Grüber); sichtschuldig des Versuches der Meineidsverleitung i Osthoff und Kleinert. Brocksiepe schuldig des Meineides, jedoch unter bejahung der Unterfrage, daß er sich durch Angabe ser Wahrheit einer strafbaren Handlung selbst besichtigt hatte. Nödel schuldig des Meineides. Ferner wurde bei den beiden Grübers die Frage ejaht, daß ihre Straftaten als eine sortaufende Handlung anzusehen seien, wähind die wissentlich falsche Anschuldigung eine elbständige Handlung darstelle Hierauf erhielt der Staatsanwalt das sort für seine Strafanträge. Diese lauteten egen Carl Grüber, der von den Geschworenen deo Befugsversuches, der wissentlich falschen Anschuldiing, der Anstiftung zum Meineide in einem Falle id der versuchten Verleitung zum Meineide in krei Fällen für schuldig besunden, auf zehn Jahre uchthaus, Ehrverlust und Aberkennung der Eideskhigkeit; Zusammenstoß im Sturm.— Angeblich über 800 Personen ektrunken. Ein Schatten hat sich auf die Pfingstfreude gesenkt. Die Zahl der schweren Schiffskatastrophen ist um eine vermehrt worden: In der Mündung des St. Lorenzst omes bei Quebeck stieß im Sturm der große Passagierdampfer„Empresz of Ireland“ mit einem Kohlendampfer zusammen, sank innerhalb zehn Minuten und zog mehr als 800 Personen mit in die Tiefe. Das Unglück konnte deshalb so grausigen Umfang annehmen, weil furchtbarer Sturm herrschte. Die Mündung des St. Lorenzstromes, die sich, ähnlich wie die Elbe= oder Weser=Mündung, meerbusenartig ausbuchtet, ist zudem als ein sehr gefährliches Fahrwasser bekannt. Häufige Nebel versperren die Aussicht. Der Schiffsverkehr ist sehr lebhaft, sodaß Kollisionen an der Tagesordnung sind. Die Empreß of Jueland“, die stark besetzt war, hatte Quebeck mit der Bestimmung Liverpool verlassen. Bald nach der Ausfahrt stieß der Dampfer, eines der prächtigsten und hauptsächlich für wohlhabende Passagiere eingerichteten Schiffe der Canadian=Pacific=Gesellschaft, mit einem Kohlendampfer zusammen. Letzterer hatte die Fahrtlinie der„Empreß of Ireland“ gekreuzt. Der Sturm warf schwere Regenmassen hernieder, es war 3 Uhr morgens, noch völlig finster, und die Wogen gingen hoch und schleuderten, sturmgepeitscht, Gischtkämme vor sich, daß die Aussicht sehr behindert wurde. Als die beiden Schiffe sich sichteten, war es zu spät für ein Ausweichen. Mehr durch die Gewalt der hochgehenden Wogen als durch die Kraft seiner eigenen Maschinen wurde der kleine Kohlendampfer dem Ozeanriesen in die Seite geschleudert. Ein klaffender Riß entstand, durch den das Wasser ins Innere stürzte. Wo das Unglück geschah. London, 30. Mai. Die Kollission fand 30 Meilen östlich von Father Point statt. Letzteres ist ein Dorf in der Grafschaft Rimouski bei Quebeck. Der Telegraphist auf der Marconistation zu Father Point erhielt die ersten Notrufe S. O. S. Der Dampfer„Storstad" traf die„Empreß of Ireland“ mittschiffs und riß ihr die Backbordseite bis zum Kiel auf. Die„Empreß of Ireland“ sank so schnell, daß die Passagiere, denen es gelang die Rettungsboote zu besteigen, nur das nackte Leben retteten. Die Ueberlebenden litten furchtbar infolge ihrer Arm= und Beinbrüche, sowie durch die Kälte. Kapitän Kendell war zu erschöft, um einen eingehenden Bericht zu erstatten. Er telegraphierte nur nach Montreal:„Das Schiff ist untergegangen.“ Die„Empreß of Ireland“ hatte die Schlagseite nach Backbord, was das Herablassen der Rettungsboote hinderte. Berücksichtigt man dies und die herrschende Finsternis, so grenzen die Rettungen, von denen man bisher hörte, ans Wunderbare. Die Beamten, die den Dienst für die drahtlose Telegraphie versahen, sind gerettet worden, ebenso der erste Ingenieur. Die „Lady Evelyn“ und ein anderer Dampfer brachten die überlebenden Frauen und Kinder nach Rimouski. Die„Empreß of Jreland“ war im ganzen mit 11 600000 versichert. Einzelheiten von der Kalastrophe. — London, 30. Mai. Der Zusammenstoß der„Impeeß of Irland“ mit dem norwgischen Dampfer erfolgte bei dichtem Nebel früh 2 Uhr an einer Stelle des St. Lorenzst omes, wo dieser 18 Kilometer breit und 200 Meter tief ist. Während der 10 Minuten, die zwischen den vollständigen Sirken des Schiffes verging u, konnten 350 Personen in den Rettungsbooten untergebracht werden. Diese Personen erreichten wohl behalten das Dorf Rimouski. Sie erklärten, daß sich furchtbare Szenen an Bord abgespielt haben. Nicht weniger als 650 Personen sind mit dem Dampfer untergegangen, unter ihnen zahlreiche Verwandte der Geretteten. Das kanadische Schiff„Eureka“ konnte erst gegen fünf Uhr morgens nach der Unsallstelle gesandt werden, da die ersten Nachrichten von der Station Father Point um 4 Uhr morgens in Quebeck eintrafen. Man sieht von den gesunkenen Schiff absolut nichts, auch nicht die Mastspitzen. Leichname treiben umher, die von der„Eureka“ geborgen werden. 1030 Opfer! — London, 30. Mai. Nach den letzten Meldungen der Morgenblötter stellt sich die Zahl der Opfer der Schiffs=Katastrophe auf 1030; 337 Personen sind gereitet. Der Kapitän liegt im Sterben. Ihm wird von allen Seiten höchstes Lob über sein Verhalten ge spendet. K Otto Grüber, schuldig des Betrugsversuches, der wissentlich falschen Anschuldigung und der Anstise tung zum Meineide in einem Falle, auf sechs Jahre Zuchthaus und dieselben Nebenstrafen; Brocksiepe, wegen Meineides unter Berücksichtigung der eventuellen Selbstbezichtigung einer Straftat, auf sechzehn Monate Gesängnis; Nödel, schuldig des Meineides, aus vier Jahre Zuchthaus. Nach weiteren Bemerkungen der Verteidiger beteuert Carl Grüber schluchzend, daß er seine Tat bereut und bittet um milde Strafe. Otto Grüber sagt nichts, Brocksiepe und Nödel bütten um Milde des Gerichts. Das Urteil lautet: Carl Grüber wird zu 8 Jahren Zuchthaus, Otto Grüber zu 5 Jahren Zuchthaus, Nödel zu 3 Jahren Zuchthaus, Brocksiepe zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Bei den drei erstgenannten Angeklagien wird die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre ausgesprochen, auch werden sie dauernd für unfähig erklärt, vor Gericht als Zeuge oder Sachverständiger zu erscheinen; allen drei erstgenannten Angeklagten wird 1 Jahr Untersuchungshaft auf die erkannte Strafe angerechnet. Es ist bei dem Urteil berücksichtigt worden, daß die Angeklagten bisher unbestraft waren, andererseits ist aber der äußerst schwere Angriff auf die Rechtssicherheit und auf die Personen und Ehre ihrer Mitmenschen in Rechnung gezogen worden. Die Angeklagten nahmen das Urteil apathisch hin; die beiden Grübers und Nödel wurden geschlossen abgeführt. Für Brocksiepe unterzeichneten die Geschworenen ein ihnen vom Verteidiger vorgelegtes Gnadengesuch. Das harte Urteil erregte ziemliches Aufsehen, weil wohl kaum jemand eine so harte Strafe erwartet hatte; andererseits war man allgemein von der Verurteilung an sich befriedigt, wie denn niemand im Gerichtssaal an der Schuld der Angeklagten mehr gezweifelt hat. Bemerkt sei noch, daß es namentlich und in erster Linie den unermüdlichen Recherchen und alle Hindernisse überwindenden energischen Nachforschungen des Untersuchungsrichters Landrichter Dr. Kühne zu danken ist, daß diese dunkle Affäre aufgedeckt worden ist, soweit das menschenmöglich war. Wenn in Schwerte und Umgegend die ob dieser Grüber=Affäre herrschenden Aufregungen und die einander widerstreitenden Gerüchte jetzt endlich der Beruhigung und klaren, nüchternen Ueberlegung weichen, so ist das sein Verdienst. —— Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, 30. Mai 1914. *e(Pfingsten.) Pfingsten ist da! Helles Glockengeläute begrüßt das Fest, welches der Erinnerung an die Ausgießung des heiligen Geistes und die Eründung der christlichen Kirche gelweiht ist. Von der Himmelskönigin, der Sonne längst besiegt sind in diesem Jahre auch die letzten Spuren des Winters, und hoffnungsvolles Leben, Sprossen und Blühen lacht uns überall in der weiten Natur entgegen. Wald und Flur haben sich ein herrliches Festgewand gewoben, deshalb treibt es uns zu Psingsten mächtig hinaus in den neu erblühten Gottesgarten, und die Zeit der fröhlichen Feste im Freien ist gekommen. Fällt doch Psingsten in eine srohe, glückverheißende Jahreszeit! Aus dem Korn, das des Landmannes Fleiß in die Furchen gelegt, sproßt hoffnungsvolle Saat, die eine reiche Ernte verheißt. Daran uns zu erlaben, müssen wir am Pfingstfeste hinaus ins Freie. Hoffentlich beschert uns der Himmel einen fröhlichen lachenden Pfingstsonnenschein, der alle frohen Festwanderer so rosig anlacht, daß es eine Wonne ist! Was wäre ein Frühlingsfest ohne blauen Himmel?! Alle grauen Wolken mögen zum Pfingstsest von uns weichen, die grauen Wolken sowohl, die den Himmel bedecken, als auch diejenigen, welche unsere Seele umziehen. Des Pfingstgeistes Wehen ziehr eln in unsere Brust, dann gibt es wahrhaft, was wir allen unsern Lesern, Freunden und Mitarbeitern wünschen: Fröhliche Feiertage! **(Bischofstage in der katholischen Gemeinde.) Wie wir bereits früher mitteilten, wird der Welhbi chof von Paderborn Hähling von Lanzenauer Ende Juni der hiesigen katholischen Gemeinde einen Besuch abstatten, um in der Kirche die Firmung zu spenden. Der Oberhirt wird am Abend des 27. Junii von einer größeren Anzahl von Wagen und Neitern von Opherdicke abgeholt; nach einem kurzen Aufenthalt in Lichtendorf dürfte der Empsang hier gagen 8 Uhr erfolgen. Am Sonntag vormittag finden die kirchlichen Feiern in der Pfarrkirche statt; nachmittags wird der Herr Bischof dem Krankenhause einen Besuch abstatten, und gegen 5 Uhr ersolgt die Abreise nach Aplerbeck, wo gleichfalls die Firmung gespendet werden soll. Die katholische Gameinde trifft große Vorbereitungen, ihrem Oberhirten einen glänzenden Empsang zu bereiten. *(Im Silberkranz.) Am 1. Pfingsttage können die in der Fleitmannstraße wohnenden Eheleute Gustav Molitor und Frau, Maria geb. Gerhardts, das Fest der silbernen Hochzeit feiern. Wir sprechen dem Jubelpaare unsere besten Glückwünsche aus. *(Kanal.) Bekanntlich ist vor einiger Zeit seitens der städtischen Kollegien der Bau eines Sammelkanols von der Wilhelmstraße, von der Homel'schen Besitzung ausgehend, nach der Hagenerstraße beschlossen worden. Vor wenigen Tagen ist mit den Arbeiten begonnen worden. *(Bestandeue Prüfung.) Der Kraftwagen=Führer W. Waslowsky bestand gestern vor dem Dampfkessel= Ueberwachungsverein seine Chauffeurprüsung mit bestem Erfolg. ** Westhosen, 30. Mai.(Pfartereinsührung.) Die Einführung des neuen Pfarrers Herrn Klinker findet bekanntlich nächsten Donnerstag den 4. Juni statt. Die Gemeindeglieder werden auch an dieser Stelle zu reger Beteiligung sreundlichst eingeladen.(Näheres siehe Inserat in heutiger Nummer.) * Ergste, 30. Mai(Maul= und Klauenseuche.) Unter dem Viehbestande des Gutsbesitzers Hacke ist die Maul= und Klauenseuche ausgebrochen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die über den Hof führenden Wege polizeilich gesperrt sind. Letzte Drahtmeldungen. Drei Kinder lebendig verbrannt. Cleve, 30. Mai. Ein entsetzliches Unglück hat sich in dem Dörfchen Roesbeck bei Cleve zugetragen. Im Hause des Bäckermeisters Homberger brach ein Feuer aus, das so rasch um sich griff, daß es nicht mehr gelang, die drei Kinder des Meisters zu retter. Die bedauernswerten Kleinen wurden als verkohlte Leichen geborgen. Die Rache der Einbrecher. Röhrdorf, 30. Mai. Die bekannte Wallfahrtskirche auf dem Joachimsberge bei Röhrdorf ist von Einbrechern zerstört worden. Die Einbrecher wollten die Kasse berauben und aus Rache, daß si: diese leer fanden, steckten sie die Kirche in Bland. Freilassung der in Rußland verhaftelen Flieger=Offiziere. Danzig, 30. Mai Das hiesige Generalkommando erhielt, der„Danziger Zte.“ zufolge, die Meldung, daß die in Rypn verhafteten beiden Fliegeroffiziere von den russischen Behörden freigelassen worden sind. Hauptmann Schröder und Oberleutnant Paul werden heute abend aus Rußland zurückerwartet. Bevorstehender Rücktritt Doumerques? Paris, 30. Mai. Wie der„Temps“ berichtet, ist man in radikalen Kreisen der Ueberzeugung, daß Ministerpräsident Doumergue von seinem Posten zurücktreten wird, da die Haltung der Radikalsozialen b züglich der Frage der dreijährigen Dienstzeit ihm ein weiteres Verbleiben im Amte unmöglich mach“. Keine Verständigung über Albanien. Rom, 30. Mai. Nach den letzten Depeschen aus Durazzo hatte de Kommission eine mehrstündige Unterredung mit d.n Aufständischen, deren Ergebnis zwar noch geheim gehalten wird, die aber sicherem Verlauten nach die erhoffte Verständigung nicht gebracht hat. Die Aufständischen bestehen auf Entfernung des Fürsten. In Durazzo herrscht Ruhe, doch sind die Verteidigungsmaßregeln verstärkt worden. Unter den starken Gruppen Aufständischer, die sich bei Schiak und Titrana versammelt haben, herrscht große Elregung. Grausamkeiten der Rebellen und Mexiko. Eagle Paß(Texas), 30. Mai. Eine Meldung des Rebellengenerals Obiegon bestätigt die Meldung, daß 35 Bundesoffiziere, die am 24. Mai in Tepic gefangen genommen worden waren, auf dem dortigen Kirchhof erschossen worden sind. Admiral Howard und der deutsche Konsul verwandten sich für die Oifiziere im Namen der Menschlichkeit, Obregon antwortete jedoch, daß damals, als der Räuber Huerta Madero eimördete, die Mächte sich beeilt hätten, seine Regierung anzuerkennen; die Menschlichkeit aber wäre vergessen worden. Es verlautet, daß in den letzten Kämpfen bei Paredon 35 Frauen, die den Truppen folgten, nebst 300 Mann der Bundestruppen getötet und nach der Schlacht 57 Bundesoffiziere, darunter General Nunoz, ein Neffe von Porfirio Dio;, hingerichtet worden seien. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Krauo. Druck u. 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Vormittags 10 Uhr: Festgottesdienst in der Kirche unter Mitwirkung eines Kinderchores und des Gesangvereins„Eintracht“; hiernach gemeinschaftliches Mittagessen im Saale des Herrn Gastwirts Schulte(Gedeck ohne Wein 2.50 Mark). Nachmittags 3½ Uhr: Gemeinde- Feier im Saale des Herrn Fritzenkötter; daselbst gemeinschaftliches Kaffestrinken(à Person 70 Pfennig), Ansprachen und Vorträge der drei hiesigen Gesangvereine. Westhofen, den 3o. Mai 1914. Das Presbyterium. 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Flur 3 Nr 733/42, groß 37 a 94 gm. 594 Taler Reinertrag, Acker, am Heierberge und Flur 3 Nr 756/52, Acker im Walkteiche, groß 39 a 99 gm. 6.27 Taler Reinertrag, Grundsteuermutterrolle 258 am 21. Juli 1914, vormittags 11 Uhr durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 6— versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 4. Mai 1914 in das Grundbuch eingetragen. 37675 Schwerte, den 26. Mai 1914. Königliches Amtsgericht. Bekanntmachung. Die Herstellung der in der Göthestraße(zwischen Hörder= und Holenzollernstraße) und in der Poststraße(zwischen Seiningsweg und Göthestraße) sowie eines Regenwasserkanales in der Göthestraße(zwischen Hörder= und Poststraß) sollen in einem Lose vergeben werden. Zeichnungen und Bedingurgen liegen am Stadtbauamt zur Einsicht offen. Angebotsformulare und Bedingungen können von da zum Betrage von 1.00 Mark pro Stück bezogen werden. Verschlossene und mit entsprechender Ausschrift versehene Angebote sind bis Donnerstag, den 4. Juni d Is., dem Stadtbauamt einzureichen. HotelTneer k,“. Schwerte. Mittagessen 1.60 Mk. Königin-Suppe. fr. Stangen-Spargel mit Schinken. # Kalbskotelett mit Salat und Kompott. Vanille-Eis. Abendessen 1.60 Mk. Schwedische Platte. Schinken in Burgunder mit Sauerkraut und Kartoffelbrei. Kalbsbrust mit Salat und Kompott. Vanille-Eis. Freyeisen Apfelwein. Abonnement 1.40 und 1.00 M. = Reichhaltige Abendkarte. Dortmunder Actien Hell und :: Schwerter Pilsener Bier:: Münchener Hackerbräu. Schöner Saal u. Gesellschaftszimmer für Vereine und Hochzeiten. In der Stehbierhalle: Dortmunder Actlen Hell und Dunkel Bier. 3757 W e Salkten P OtroR 2 9 *% Rate 3756 Schwerte, den 29. Mai 1914. Der Magistrok. Gras=Verkauf. Monlag. d. 8. Juni d. J., nachm. 5 Uhr, soll das Gras in den Flößwiesen des Guts Ruhr nummerweise meistbietend verkauft werden. Zusammenkunft an der Rettelmühle bei Schweite. 3750 Haus Ruhr bei Schwerle, den 29. Mai 19•4. Freiherrlich v. Rheinbaben'sche Rentei. „„„ 5 4 mi Rolladen u. 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Rheinbaben'sche Rentei. auf dem Landratsamte Hörde, Jimmer Nr. 23, aus. Hörde, den 27. Mai 1914. 3758 Der Landrak: I. V. gez. von Vorries. 8 #2 8 5 2 am 67 G bewahrte noch am meisten Würde. Der Gaukler, der zuerst trotzig dagestanden, als wollte er seinen Sieg feiern, legte ganz demütig die Hände auf die Brust und fragte den Gouverneur:„Darf Biwa nun seine Bude aufbauen?“ Lord Huntley nickte und warf ihm seine Börse, gefüllt mit Gold hin.— Er hatte in wenigen Augenblicken graues Haar bekommen. Diese Whistrartie blieb uns allen in steter Erinnerung. Mir gestand mein Vater später, daß er damals am Tische hoffnungslos mit seinem Leben abgeschlossen gehabt habe. Der Schlangenbeschwörer Biwa ist später an einem Schlangenbiß gestorben. Von berühmten Teuten. Der Trompeter des Oraniers. Moritz von Oranien hatte sich bei Gertrudenburg so fest verschanzt, daß es den Spaniern trotz ihrer Überzahl nicht möglich war, ihm die kleinste Schlappe beizubringen, ja nur einen Angriff zu unternehmen. Man suchte zu unterhandeln, und zu dem Zwecke sandte Moritz seinen Trompeter in das feindliche Lager. Hier traf der Abgesandte auf den alten Grasen Ernst von Mansfeld, der ihn fragte, ob sich der Prinz fürchte, daß er sich bis über die Ohren verschanze. Der Trompeter lächelte.„Furcht ist es weniger, als der Wunsch meines Prinzen, auch so ein alter Kriegsmann wie Ew. Gnaden zu werden.“ Washingtons einziger Witz. Von Washington, dem großen Amerikaner, wird behauptet, daß er in seinem Leben nur einen einzigen Witz gemacht habe. Als nämlich im Kongreß über die Einrichtung einer Bundesarmee debattiert wurde, beantragte ein Mitglied, man möge beschließen, daß die Armee nie mehr als 3000 Mann haben dürfe. Da erhob sich Washington, um zu beantragen, daß dann auch der Beschluß gefaßt werde: Keine feindliche über 2000 Mann dürfe das Land betreten. Die„Heiterkeit von allen Seiten des Hauses" war unbeschreiblich. Große Männer und ihre Liebhabereien. Der römische Konsul Sulla ließ in allen seinen Wohnungen Räucherkerzer verbrennen; Pompejus trank nur gewürzten Wein, auch im Felde. Karl der Große ließ die Wände in seinem Palast mit wohlriechendem Wasser besprengen; Napoleon I. pflegte sich jeden Morgen Nacken und Schultern mit Eau de Cologne zu waschen und er empfand es als ganz besondere Kränkung, daß er auf St. Helena anfänglich auf diese Waschung verzichten mußte. die Arzte sagen. Ruhe und Erholung. Für die Erhaltung der Arbeitskrast ist die Art der Ausnutzung der Ruhepausen von wesentlicher Bedeutung. Nur dann wird die Arbeit zum Vergnügen werden, wenn das Vergnügen nicht zur Arbeit wird. Wer seine Arbeitskraft zu ernsten Zwecken ausnutzen will, darf sie nicht in den Pausen vergeuden. Als Erholung ist in erster Linie die völlige geistige und körperliche Ruhe anzusehen, dann aber auch gewisse leichte Beschäftigungen, die einen gewissen Ausgleich der Ermüdungswirkungen ermöglichen. Dahin gehört das Lesen unterhaltenden Stosses, einfache Spiele, behagliches Plaudern, nicht anstrengende Spaziergänge. Wer mit voller Tatkraft das Spiel betreibt, seien es Bewegungsspiele, sei es der Sport des Ruderns, Schwimmens oder Radfahrens, wird davon gewiß großen Genuß, unter Umständen auch wesentliche Vorteile für seine Gesundheit haben. Nur darf er nicht glauben, daß er, zumal nach vorangegangener anstrengender Arbeit, in solchen Beschäftigungen einen Ausgleich finden wird. Jede, auch die zweckloseste Tätigkeit, kann zur Arbeit werden, sobald sie uns anstrengt und ermüdet. Allein die Erholungsarbeit hat noch andre Zwecke zu erfüllen, auch da, wo sie nicht berufen erscheint, die Ermüdung zu bekämpfen. Indem sie die Eintönigkeit der Arbeit vergessen macht, erhält sie unsere Arbeitsfreudigkeit. Arbeitsstimmung bleibt auf die Dauer nur erhalten, wenn wir Abwechselung in unsere Tätigkeit bringen. Aber alles hat seine Zeit. Als unmittelbare Vorbereitung für die Arbeit taugt nur die Ruhe; wer das Höchste leisten will, bedarf für sein Werk der vollen Verfügung über seine gesamte Kraft. Dagegen ist für die dauernde Erhaltung der geistigen und körperlichen Frische die Nebenbeschäftigung, die Zerstreuung, das Vergnügen keine entbehrliche Zugabe, sondern unerläßliche Bedingung. Am meisten bedarf ihrer derjenige, eNachdruck dei gesamten I der unter der Last des Tagewerks am schwersten leidet, und dessen Arbeit am wenigsten geeignet ist, ihm die Befriedigung schöpferische Inlagen zu gewähren. Blätter und Blüten. Im Wintersturm ein warm' Gemach, In Sonnenglut ein schattig Dach, Gesunde Kost für Geist und Leib, Ein echter Freund, ein treues Weib— Wer dies erwarb und sich erhält, Was kümmert den die ganze Welt? Zeigt in Deiner Lebenslage Oft sich auch ein Schattenbild, Fest— im Kreislauf seiner Tage— Steht nur, wer die Pflicht erfüllt. Blickt Dich auch die Lebensfrage Oft mit trüben Augen an, Einmal schwindet jede Plage Und der Morgen bricht heran. Wenn das Gute würde vergolten, So wär’ es keine Kunst, es zu tun; Aber ein Verdienst ist nun, Zu tun, wofür Du wirst gescholten. Von fremden Völkern. Ein Zwergengeschlecht. Die Einwohner der Andamaninseln(englische Inselgruppe im Bengalischen Meerbusen) sind die kleinsten Menschen der Welt. Die Durchschnittsgröße der Andamanen ist 4 Fuß 3 Zoll, und wenige wiegen über 76 Pfund. Sie sind ganz erstaunlich schnell zu Fuß, und da sie sich mit einer Mischung von Ol und rotem Ocker beschmieren, so bieten sie einen höchst seltsamen Anblick dar. Die Fremden hüten sich sehr, mit diesen kleinen, kriegerischen Leuten in Berührung zu kommen, denn ihre Geschick ichkeit im Werfen des Speeres ist ebenso groß als ihre Kampflust, mit der sie stets bereit sind, Reisende zu überfallen. Chinesische Arzte. Die Arzte in China sind zugleich Apotheker und verschreiben daher immer eine Menge Drogen; dagegen hilft sich der Chinese und handelt mit dem Arzt über den Wert und Preis der verordneten Arzneien, verlangt minder teuere, läßt welche weg, um es billiger zu haben, wenn sie auch langsamer wirken; meist läßt sich der Arzt auch einen Rabatt gefallen, damit der Patient nicht in eine andere Bude geht, um sich da heilen zu lassen. Oft überlegt der Familienrat auch erst, ob bei dem hohen Alter des Patienten und bei der Hoffnungslosigkeit seiner Erkrankung das Geld auch noch daran zu wenden sei und ob man die Sache nicht lieber gehen lasse. Mitunter rät der Kranke auch selbst, lieber einen besseren Sarg zu kaufen, da er doch einmal sterben müsse. Dann schickt man den Arzt heim und läßt den Sargmacher kommen. Der Tischler nimmt bei lebendigem Leibe dem Kranken Maß zum Sarge; auf dem Lande wird dieser wohl auch unter seinen Augen auf dem Hofe verfertigt. Daher kommt es auch wohl, daß Kinder ihren Eltern eine besondere Überraschung durch das Geschenk eines Sarges bereiten, der im Hause aufbewahrt wird. für die Küche. Stärkendes Gelee für Kranke. Ein sehr nahrhaftes Gelée, das kalt genossen wird, kocht man aus 5 Kalbssüßen und 2¼ Liter Wasser; man läßt die Kalbssüße langsam vier Stunden kochen, seiht die eingekochte Brühe durch, vermischt sie mit der gleichen Menge Weißwein, fügt Zucker, etwas Zitronensaft und abgeriebene Schale, sowie zu jedem halben Liter Flüssigkeit drei frische Eidotter hinzu, rührt aues zunächst über dem Feuer und dann bis zum Erkalten. Hammelkeule nach Wildbretart. Eine mürbe, von Haut und Fett befreite Keule wird geklopft und 24 Stunden in saure Milch gelegt. Dann trocknet man sie ab, reibt sie mit Salz ein, legt sie in einen Kessel auf Speckscheiben, gibt etwas Wurzelwerk, Zwiebeln, Gewürz, Zitronenschale und einige getrocknete Pilze hinzu, gießt soviel Bouillon zu, daß dreiviertel des Fleisches bedeckt ist und dämpft unter österem Begießen völlig weich. Dann nimmt man den Deckel ab, setzt die Keule hoch und bräunt sie durch fortgesetztes Übergießen mit fettem, saurem Rahm, wozu man etwa ½ Liter verbraucht. Die Sauce wird durchgeseiht. alls dieser Veilgge it unteriggt *SSASSERNTS HSSGTESST #### Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 125. Samstag, 30 Mai 1914. Im Leben gilt nur Der was Rechtes, Der sich geniert als großer Mann, Wer nicht getreten werden will, Der trete selbst, soviel er kann. Das zweite Ich. Seltsamer Roman von Rudolf Jura. (9. Fortsetzung.) „Ich habe Reue,“ antwortete Born schlicht.„Und weil ich gesehen habe, daß Sie trotz meines bewiesenen Leichtsinns und obwohl ich gestern meinen Auftrag bei Fräulein Kurzmüller auch wieder ungeschickt ausgeführt habe, daß Sie trotzdem Vertrauen zu meinem ehrlichen Willen haben, so habe ich auch Vertrauen zu Ihnen, und es tut mir wohl, mein Herz vor Ihnen ausschütten zu können, weil ich weiß, daß Sie mir helfen werden, mich zu bessern. Helfen Sie mir aber auch, meine Schuld wieder gut zu machen. Vielleicht ist es möglich, das arme Mädchen ganz vor Strafe zu schützen? Sie sagen selbst, sie ist krank. Vielleicht war sie es schon, wie sie die unseligen Diebstähle ausgeführt hat. Ich will gern von meinem Gehalt sparen, was ich irgend kann, um der Bestohlenen das Geld zu ersetzen, das ich vertan habe. Also bitte, Herr Rechtsanwalt, heisen Sie mir, meinen Leichtsinn wieder gut zu machen! Ich werde Ihnen dafür sehr dankbar sein und Sie mit allen Kräften in der Angelegenheit der Frau Doktor Römer unterstützen. Ist Fräulein Kurzmüller wirklich noch im Besitz des Zettels, an dessen Besitz Ihnen so viel gelegen ist, so gelingt es mir vielleicht doch, ihn zu erobern.“ Auf diese schlichten, mit ehrlichem Gefühl vorgebrachten Worte Emil Borns ließ der Rechtsanwalt jedes weitere Bedenken schwinden. Eingehend enthüllte er vor seinen staunenden Ohren den ganzen geheimnisvollen Zusammenhang in den wunderlichen Ereignissen der letzten Tage und schloß mit den Worten: „Sie sehen also, unser beider Ziel ist dasselbe. Mit der Befreiung der Frau Doktor Römer ist auch das Dienstmädchen gerettet, deren Schicksal Ihnen so auf das Gewissen drückt. Denn wenn sie wieder Frau Doktor Römer geworden ist, ist sie nicht mehr als Dienstmädchen vorhanden, zum mindesten keines Diebstahls mehr schuldig, weil der Mensch auch beim besten Willen unmöglich sich selbst bestehlen kann. Es wird auch dem eifrigsten Staatsanwalt nicht einfallen, die Frau Doktor anzuklagen, weil sie in dem Traume, ihr eigenes Dienstmädchen zu sein. Ihnen ihren Brillantring gegeben hat. Sowie wir also den Zettel in unserm Besitz haben, löst sich alles in Unschuld und Wohlgefallen auf.“ „Aber dann lassen Sie doch dem Fräulein Kurzmüller den Zettel vom Gerichtsvollzieher wegnehmen. Er gehört ihr doch nicht, sondern ist nur zufällig durch meinen Leichtsinn in ihre Hände gekommen und bleibt nach wie vor Eigentum der Frau Doktor Römer!" „Mein lieber Born. Sie vergessen, daß Fräulein Kurzmüller, wie Sie mir selbst gesagt haben, eine erbitterte Feindin der Frau Doktor ist. Ein solch kleiner Zettel ist leicht versteckt und noch leichter vernichtet. Verleugnet hat sie seinen Besitz ja schon vor Ihnen, und wir können ihr nicht nachweisen, daß sie ihn trotzdem noch in ihrem Gewahrsam hat. Die Gefahr, den Zettel etwa durch ihre Unachtsamkeit verloren gehen zu lassen, ist glücklicherweise beseitigt. Das ist der Erfolg Ihres gestrigen Versuches gewesen, des Zettels wieder habhaft zu werden. Sie weiß jetzt, daß der Zettel wertvoll ist; darum leugnet sie sein Vorhandensein. Sorgen Sie nun dafür, daß sie nicht erfährt, wie unersetzlich hoch der Wert des Zettels ist. Bis jetzt vermutet sie hoffentlich nur einen pekuniären Wert desselben. Es würde also bei einiger Vorsicht Aussicht vorhanden sein, ihr den Zettel abzukaufen. Mir ist dafür kein Preis zu hoch, den ich erschwingen kann. Aber durch allzu hohes Angebot würden Sie die gefährliche Dame nur mißtrauisch machen. Also gehen Sie keinesfalls über tausend Mark. Ich verlasse mich nun ganz auf Ihre Schlauheit. Sie müssen sich eben von heute an in einen geschickten Detektiv verwandeln.“ „An meinem guten Willen soll's nicht fehlen, Herr Rechtsanwalt, für den Erfolg aber kann ich nicht einstehen: denn an meiner Begabung zum Detektiv hege ich einstweilen noch Zweifel.“ „Mit Unrecht, lieber Freund. Sie werden sich in dieser Sache sehr gut machen. Denn alle nötigen Erfordernisse sind vorhanden. Erstens kennen Sie Fräulein Kurzmüller sehr genau und haben trotz ihres erwachten Mißtrauens immer noch einigen Einfluß auf sie. Zweitens sind Sie doch überhaupt ein anstelliger Mensch. Trittens haben Sie in der vorliegenden Angelegenheit schon ein paar Dummheiten auf dem Gewissen, deren Vorhandensein sehr nützlich und zum Beginn einer schwierigen Tätigkeit fast unerläßlich ist. Denn sie schützen den Geist vor allzu großer Sicherheit und Selbstüberhebung. Sie werden also im Bewußtsein Ihrer begangenen Ungeschicklichkeiten um so bescheidener und vorsichtiger sein. Viertens aber ist die Aufgabe, die ich Ihnen stelle, sehr reizvoll und Ihnen selbst am Herzen gelegen. Da wäre es doch sonderbar, wenn Sie die glänzende Gelegenheit, Ihre schlummernden Talente zu entfalten, nicht mit Erfolg beim Schopf fassen wollten. Also vorwärts und die Sache mutig und bedachtsam angegriffen! Heute mittag nehmen Ste sich unsere Gegnerin vor. Bis dahin aber ist noch genug anderes zu tun, was gestern vernachlässigt worden ist.— Ehe Sie zu Tisch gehen, melden Sie sich natürlich noch mal bei mir für den Fall, daß Ihnen selbst oder mir inzwischen ein glücklicher Einfall gekommen ist, wie dem Fräulein Kurzmüller am besten beizukommen wäre.“ —— Als sich der Kanzleivorsteher Born heute mittag zum Essen niedersetzte, fand er die Speisen genau so liebevoll zubereitet und so reichlich zugeteilt wie immer. In Fräulein Kurzmüllers Mienen aber entdeckte er ein lauerndes Mißtrauen, verbunden mit einer deutlichen Neugier, welche er sich jedoch zu bemerken gar nicht den Anschein gab. Er wartete ruhig ab, bis das immer ungeduldigere Fräulein nach Tisch selbst das Schweigen brach und ihn „Haben Sie irgend etwas Neues über die Frau Doktor Römer erfahren können?" Born zuckte bedauernd die Achseln:„Nichts, was Ihnen irgendwie nützen könnte.“ „So? Dann sind die fünfzig Mark, die ich Ihnen vorgestern gegeben habe, also einfach weggeworfen und für mich verloren?„„.„4üg i.... „Leider! Da Sie so unvorsichtig gewesen sind, den: Zettel zu verbrennen, den ich Ihnen für die fünfzig Mark gegeben hatte.“ „Aber bester Herr Born. Da der Zettel doch wertlos war, wie Sie selbst sagen, so können Sie mir doch trotz seiner Vernichtung die fünfzig Mark zurückgeben. Das war doch auch gestern Ihre Absicht. Ich begreife nicht, warum Sie durchaus auf der Zurückerstattung des wertlosen Papiers bestonden“ Born bemerkte den lauernden ausdruck ihrer Zuge sehr wohl und entgegnete mit gemütlichem Lächeln: „Sehr einfach, liebe Freundin, weil das Papier nicht wertlos ist oder vielmehr war. Denn Sie haben es ja leider verbrannt und dadurch mehr Schaden gemacht, als Jett fuhr das blondlockge alte Fräulein empört auf und ses vt, haben Sie mich gestern belogen und betrogen! Das ist schändlich von Ihnen. Das habe ich mit meiner Freundschaft und Fürsorge nicht um Sie verdient. Schämen „Ruhig, ruhig, teure Freundin! Belogen habe ich Sie eigentlich nicht. Der Zettel war tatsächlich wertlos für Sie. Er hatte nicht den Wert, den wir erst in ihm vermuteten; er war nicht geeignet, die Frau Doktor in der von Ihnen gewünschten Weise zu verdächtigen oder bloßzustellen. Wohl aber hat er, was ich ursprünglich nicht wußte, einen sehr hohen pekuniären Wert für die Frau Doktor Römer. meinen Leichtsinn ist der Klientin wichtige Papier verloren gegangen. Mein Rechtsanwatl weiß das und hat mich natürlich beauftragt, es zurückzubringen. Ich stehe nicht nur im Dienste Ihrer Freundschaft, sondern auch meiner Berufspflicht. Es ist also sehr natürlich, daß ich den für Sie wertlosen, für uns wertvollen Zettel von Ihnen zurückerbat, und es war sehr anständig von mir, daß ich Ihnen dafür die Rückzahlung der fünfzig Mark anbot. Ich würde Ihnen die fünfzig Mark auch jetzt noch gern gebes: aber sie gehören nicht mir, sondern waren mir von meinem Rechtsanwalt anvertraut, um den Zettel zurückzugewinnen. Er hätte dafür auch hundert Mark und vielleicht noch mehr ausgegeben. Aber da der Zettel nun einmal verbrannt ist, hat es ja keinen Zweck, weiter auf die Geschichte zurückzukommen. Es ist eben ein Unglück, das nicht wieder „Vollen Sie mir denn wenigstens erklären, worin der hohe pekuniäre Wert dieses Papiers bestehen soll, auf dem doch nur ein paar unverständliche Worte geschrieben stehen? Wollen Sie mir das nicht sagen?...1. k.iuur grundlichen Born hielt den mißtrauischen Blick seiner freundlichen Speisewirtin ruhig aus und antwortete: „Nein, das will ich nicht sagen.“ und warum nicht?“... 8.a hin nicght in„l. „Weil ich's selber nicht weiß. Ich vin nicht in alle Geschäfte und Geheimnisse der Frau Doktor Römer eingeweiht. Ich kann Ihnen nur sagen, daß mir Herr Lohmann heute morgen erklärt hat, er wolle es sich gern ein paar hundert Mark kosten lassen, wenn er Ihnen den Zettel abkaufen könnte. Ich habe ihm natürlich seine Absicht. Sie deshalb zu besuchen, ausgeredet. Sie haben den Zettel ja verbrannt. ! E s i s t s c h a d e. A n d e n d a r a u f b e f i n d l i c h e n N o t i z e n s c h i e n i h m ungemein viel gelegen zu sein.“„„.. s Keareiche In Fräulein Kurzmüllers Seele kampfte das begreifliche Mißtrauen über diese Reden Borns mit ihrer Habgier und vermochte die Habgier nicht ganz zu überwinden. Nach kurzem Zögern stieß sie schließlich etwas unbedachtsam die „Vielleicht ist dem Herrn Rechtsanwalt auch mit einer Vorn unterdrückte ein heimliches Triumphgeschrei und „Ja, können Sie denn aus der Asche abschreiben? Sie haben das Papier in lesbarem Zustande im Ofen wieder „Nein, nein!“ versetzte das Fräulein eifrig.„Aber wenn wir beide unser Grdächtnis etwas anstrengen, muß es uns doch gelingen, den Wortlaut wieder zustande zu bringen. Sie haben es doch mit mir zusammen gelesen. Wie hieß „Ich besinne mich auf nichts mehr,“ wehrte Born ab. „Aber wenn es Ihnen gelingt, in aller Ruhe den Inhalt des Briefchens aus Ihrem Gedächtnis abzuschreiben, und wenn Sie dann imstande sind, die Richtigkeit des Wortlauts zu verbürgen, so zweifle ich nicht, daß der Rechtsanwalt auch hierfür einen anständigen Preis zu zahlen bereit sein würde. Überlegen Sie sich also den Brief recht gewissenhaft, und wenn Sie eine genaue Abschrift des leider verbrannten Briefes hergestellt haben, so senden Sie mir diese umgehend zu. Ich werde es mir dann angelegen sein lassen, sie dem Rechtsanwalt zum Kauf anzubieten und in Ihrem Interesse einen möglichst hohen Preis dafür zu erzielen. Jetzt entschuldigen Sie mich. Ich muß an meine Arbeit in die Dem Rechtsanwalt siel nachmittags das vergnügte Schmunzeln seines Kanzleivorstehers auf. „Nun, hatten Sie heute mehr Erfolge wie gestern?“ fragte er ihn.„Wird sie uns den Zettel verkaufen?“ „Soweit bin ich einstweilen noch nicht mit ihr gekommen, Aber sie ist nahe daran, uns einen greifbaren Beweis in die Hände zu liefern, daß sie den Zettel tatsächlich besitzt.“ „Da wäre ich neugierig!“ „Nehmen Sie es mir nicht übel, Herr wenn ich Ihre Neugier noch ein paar Stunden unbefriedigt lasse. Ich bin sicher, in einigen Stunden den Beweis in ven Händen zu haben, und nach meinem gestern bewiesenen Ungeschick möchte ich nun gern das Vergnügen haben, Ihnen auch einmal eine angenehme Überraschung zu beDer Rechtsanwlt drohte ihm lächelnd mit dem Finger. „Die gewisse Kühnheit des Detektivs haben Sie sich schon angeeignet,“ sagte er.„Hoffen wir, daß Sie sich in Ihrer Fräulein Kurzmüller hatte nach Emil Vorns Weagang lange gezweifelt, was sie von seinen Reden und dem Werte des Zettels nun eigentlich halten sollte. Da der erste Eindruck, den wir von einer Sache bekommen, der nachhaltigste zu sein pflegt, so konnte sie sich von dem Gedanken nicht ganz los machen, daß das Papier doch ein Dokument sein könne, daß durch seinen kompromittierenden Inhalt der Frau Doktor vielleicht gefährlich war. In diesem Falle wäre es unklug von ihr gewesen, eine so starke Waffe aus den Händen zu Eine Abschrift davon zu verkaufen, schien ihr minder gefährlich. Sie hatte dabei einen sicheren kleinen Verdienst, und wenngleich sie die Möglichkeit nicht wegzuleugnen wagte, daß der Rechtsanwalt daraufhin auch das Original unversehrt in ihren Händen vermuten würde, so war diese seine Vermutung dann eher günstig, als schädlich für sie. ein unumwundenes Geständnis von ihr empfangen zu haben, wußte ihr Gegner doch dann, daß sie im Besitz des tostbaren Zettels war, und schon durch dies Bewußtsein konnte sie ihn und die etwa im Frauenverein gegen sie arbeitende Frau Doktor im Schach halten, ohne genötigt zu sein, sich durch ein offenes Eingeständnis des unrechtmäßigen Besitzes eine Blöße zu geben. Hatte der Zettel aber wirklich nur Geldwert, so war sie nach Herausgabe der Abschrift immer noch in der Lage, für das Original jeden beliebigen Preis zu Eilig öffnete sie mit einem plötzlichen Entschluß den Schreibschrank, nahm den wichtigen Zettel aus dem alten Gesangbuch, zwischen dessen Seiten sie ihn verborgen hatte, schrieb ihn sorgsam ab und legte ihn samt dem Buche wieder Noch vor Schluß der Geschäftszeit empfing Emil Vorn einen Brief in die Kanzlei zugestellt, der nur die folgenden „Ich entinne mich genau und kann nötigenfals beschwören, daß der mir von Herrn Born übergebene Brief boender, Zegt wache auf! Vergiß all das Niedrige, was Du soeben getan hast, und sei wieder, wie früher, die feine, vornehme Frau Doktor Maria Römer.“ Für die Richtigkeit. Hermine Kurzmüller.“ Glücklich überreichte Herr Born diesen Brief dem Rechtsanwalt, und dieser nickte beifällig mit dem Kopf. „Daß sie den Brief nicht verbrannt hat, ist nun zweifellos. Sie haben Ihre Sache gut gemacht. Denn wenn wir gleich das Original nicht in den Händen haben, so kann uns doch auch diese Abschrift möglicherweise dienlicher sein, als Sie vielleicht selbst gehofft haben.— Bringen Sie der Absenderin des Briefes dann fünfzig Mark und sagen Sie ihr, daß ich die Vernichtung des Originals lebhaft bedauerte. Ich würde dafür das zehn= oder zwanzigfache gezahlt haben.“ 7. Nach Absendung der Abschrift hatte Fräulein Kurzmüller ihre Geschäftsbücher vorgenommen und war nun schreibend und rechnend eifrig bemüht, etwas Ordnung in ihre maßlos verwahrloste Buchführung zu bringen. ucuu sbigyutuscb „u M BSSESg SeSg 5 Wag * ∆ ** E SSESSOSESSS S 5 S E 8 5 S 8 S 9 95 SSE * FSSOSE SSTEEG 95 5„ 8 S 18 B#G# S 5 97—*. S 9 n8S * 880nS n 10 123 R 15—" 8 F GnES * 8 S 8 5 S E S 22 S 5 S5ag Über den Brief dachte sie jetzt nicht weiter nach. Sie wußte ihn gut aufgehoben. Sie hatte auch getan, was in ihren Kräften stand, um seinen Wert in jeder Weise für sich auszubeuten. Es war möglich und sogar wahrscheinlich, daß der sonderbare Zettel nicht nur zu einer angenehmen Einnahmequelle für sie werden würde, sondern ihr auch Schutz gegen die Feindseligkeiten der Frau Doktor Römer zu bieten imstande war.., K 27 hiefe schähend. Mit Sicherheit freilich tonnte sie auf biese schutzenve Wirkung des Briefes nicht rechnen. Zum mindesten war es durchaus nicht ausgeschlossen, daß die Frau Doktor Römer bereits eine strenge Untersuchung der Speiseanstalts=Finanzen beim Frauenverein durchgesetzt haben würde, ehe sie selbst noch imstande gewesen sein würde, zu ihrer Verteidigung irgend welchen Gebrauch von dem Briefe zu machen. Sie durfte also auf die Macht des Briefes wohl hoffen, aber durchaus nicht rechnen, und jetzt galt es vor allem, sich gegen eine augenblickliche Überraschung mit aller Schlauheit zu schützen. 6 So suchte sie denn an der Hand von einigen ihrer Lieferanten geführten Beibücher und unter Benutzung ihrer eigenen spärlichen Aufzeichnungen die seit langer Zeit fehlenden Eintragungen in ihrem Hauptbuch nachzuholen und so den Anschein einer von jeher geordneten Buchführung zu erwecken. Natürlich führte sie nicht frischweg im Hauptbuch die nötigen Nachtragungen nach ihrem Belieben aus, sondern sie stellte die verschiedenen Posten zuerst auf einem großen Bogen Papier zusammen und versuchte so, ein geordnetes und günstiges Bild ihrer Finanzwirtschaft zu erzeugen. Trotz aller Mühe brachte sie es jedoch mit diesen Versuchen zu keinem befriedigenden Ergebnis. Zwar war sie so ziemlich imstande, für die tatsächlichen Ausgaben die ungefähr der Wirklichkeit entsprechenden Zahlen nachträglich aufzufinden: aber der vorhandene Bestand ihrer Kasse reichte dann bei weitem nicht an den buchmäßig sich ergebenden Betrag heran. Die Kasse selbst um die fehlende Summe nachzufüllen, das war ihr natürlich unmöglich. Also blieb ihr, um glatte Rechnung zu erzielen, nur der Ausweg, bei ihrer künstlichen und nachlässigen Buchführung geradezu bewußte Fälschungen vorzunehmen. Sie war sich vollkommen klar darüber, daß diese Art der Fälschung keine harmlose Schwindelei mehr genannt werden konnte, sondern einfach Betrug, also ein Verbrechen war. Aber die Gewissensbisse über ihre Ehrlichkeit machten ihr weniger Beschwerden, als die Schwierigkeiten, die die Fälschung selbst ihren darin ungeübten Kräften bot. 846612 H. 146. Es fehlte ihr durchaus an dem Geschia, die einzelnen Posten der Ausgaben so zu gruppieren, daß ihre unwillkürlichen Vergrößerungen nicht bemerkbar oder doch nicht auffällig wurden und nicht zu schroff mit den vorhandenen Quittungen und sonstigen Belegen in Widerspruch traten. Angestrengt rechnete sie hin und her und verwirrte sich nur immer mehr in den unheimlichen Zahlenreihen, die sie auf dem Papier vor sich anwachsen ließ. Mit fürchterlicher Deutlichkeit kam ihr die Gefahr zum Bewußtsein, als Diebin und Fälscherin ertappt zu werden, wenn es ihr nicht gelang, die Fälschung mit der nötigen Sicherheit und Eleganz auszuführen, und in hellen Tropfen trat ihr beim Rechnen der Angstschweiß auf die Stirn... 148 AhendssattesNicht einmal durch das Eintreffen des„Avenovl#lltes“ ließ sie sich in ihrer peinvollen Arbeit stören, und während sie sich sonst mit heißhungriger Neugier auf die Tagesneuigkeiten gestürzt hatte, blieb die Zeitung heute unangerührt auf dem Tisch liegen.., Gächamn dem Ganf Fräulein Kurzmüller saß vor ihren Buchern, den Kopf in die Hand gestützt, und sann und sann und rechnete und rechnete.(Fortsetzung folgt.) Eine Ein Abenteuer in Indien von C. Cassau. Mein Vetter, Lord Huntley, ward vor nunmehr vierzig Jahren in englischen Diensten als Gouverneur nach Madras geschickt. Wer die Verhältnisse in Ostindien kennt, wird mir zugestehen, daß es gerade kein beneidenswertes Los war, welchem er verfiel. Das dortige Leben ist, abgesehen von der für einen Alt=Engländer gefährlichen Hitze, langweilig und einseitig, da nur die Engländer aus Gewohnheit zusammenhalten, während die indische Bevölkerung durch ihre Absonderung ihren Haß gegen ihre Besieger verrät. Das Leben und der Verkehr mit Damen ist dort etwas Seltenes, und so schlägt man denn die Zeit tot, so gut wie es gehen will. Mein Vater zog auch mich, ein junges Bürschchen noch dazumalen, nach Indien und verschaffte mir ein Kadettenpatent in einem Regimente. Hier war Karriere zu machen, und nach 10 bis 15 Jährchen konnte man als reicher Mann nach Old=England zurückkehren. Es war heute ein besonders heißer Tag, und Lord Huntley hatte die Güte, mich zum Diner einzuladen. Dies war mit wahrhaft lukullischem Geschmack zubereitet, so gut, wie es eben nur in den Tropen möglich ist. Während des Mahles saß ich Lord Huntley gegenüber und hörte, wie Jack, der alte Hausdiener, zweimal kam und dem Gouverneur zuflüsterte:„Biwa, der alte Schlangenbeschwörer ist da und will Ew. Herrlichkeit sprechen: soll ich ihn einlassen?“ „Doch Lord Huntley schüttelte den Kopf und sagte laut: „Der alte Kerl will auf dem Markte Vorstellungen in der Schlangenbeschwörung geben: aber ich will den Unsinn nicht!“ Er sollte sich noch bekehren von seinem Unglauben. Die zahlreichen Gäste waren mit der glänzenden Bewirtung sehr zufrieden. Die Nicht=Militärs waren sämtlich in der Beamten=Uniform, rotem Frack mit vergoldeten Knöpfen, weißer Weste, schwarzen Samt=Kniehosen, weißen Seidenstrümpfen und Schnallenschuhen, auf dem Haupte den goldbordierten Dreimaster erschienen. Meinem Vetter, einem großen starken Herrn, stand die Tracht besonders gut. Er legte aber, wie alle Herren, bald der Bequemlichkeit wegen den zierlichen Degen an der Seite ab. Nachdem man in den schweren Weinen der Tropen das Möglichste geleistet, zogen sich die Herrschaften gruppenweise zum Whist unter die Veranda im Garten zurück. Ach, die Pracht eines solchen Gartens zu beschreiben, ist rein unmöglich! Hohe Palmengruppen in der Mitte, an den Seiten Stauden und seltene Blumen. Die Wege waren nach altenglischer Manier mit gelbem Kies bestreut, ebenso die Veranda. Es war über dem Spiel der Herrschaften Spätnachmittag. Die meisten Gäste hatten sich schon empfohlen; nur ein Tisch hielt noch beim Whist aus, nämlich Lord Huntley, Obrist Mackenzie, Gesandtschafts=Attachee Hylmore und Kronanwalt Hawks. Ich stand mit mehreren jüngeren Offizieren nahe der Haustür, wo wir im Begriff waren, uns von Lady Huntley zu verabschieden. Jack stellte eben eine neue Auflage Kaffee für die Spieler auf den Tisch. Da rief der Lord plötzlich halblaut, daß wir alle erstarrten:„Gentlemen hören Sie mich!“ Er sah schreckensbleich aus, der dicke Angstschweiß stand ihm auf der Stirn, die Brust hob und senkte sich heftig....Gentlemen,“ fuhr er dann leiser fort,„erschrecken Sie nicht, halten Sie an sich, und geben Sie keinen Laut von sich, oder ich bin des Todes. Eine große Brillenschlange ist aus dem Bosquet hervorgebrochen und hat sich um mein linkes Bein geringelt, ich fühle den kalten Körper durch die Strümpfe... Bleiben Sie alle stehen, wo Sie sind. Totenstille trat ein; es war gerade, als wären wir in Steinbilder verwandelt. Dann rief Jack leise:„Mein Herr, der Schlangenbändiger— er steht noch drinnen im Hause!" „Hole ihn!“ gebot Lord Huntley atemlos. Jack ging rückwärts, Schritt um Schritt. Allen dünkte die Zeit eine Ewigkeit. Gleich darauf trat der schwarz=braune Schlangenbeschwörer triumphierenden Antlitzes in den Garten. Jack deutete stille auf die Schlange, die eben über den Tischrand umherzüngelte, indem der Hals sich immer mehr aufblies— ein Zeichen, daß sie in uns gute Beute witterte... Wer war das Opfer am Spieltische? Oder galt es einem von uns? Der Gaukler raunte Jack etwas ins Ohr und dieser ging nochmals ins Haus und brachte eine große Silberschale mit fast noch warmer Milch, die er zitternd auf die Stelle, fünf Schritt vom Spieltische, in den Kies setzte, wohin der Bändiger mit einem flammenden Kris zeigte. Hierhin trat er selbst mit festen Schritten, zog aus seinem Kleide eine Flöte von der Form unserer Klarinetten hervor und fing an darauf zu blasen, seltsame, sonderbare Töne. Schon beim ersten Laute ließ die Schlange den Kopf sinken, dann löste sie sich langsam vom Beine Lord Huntleys ab und schlüpfte behende nach der Milchschale hin, in welche sie ihre Zunge tief hineintauchte. Da packte der Zauberer zu: mit der linken Hand hielt er das Untier, welches sich krampfhaft um ihn ringelte, hinter dem Kopfe gepackt: der Kris funkelte, und die Schlange lag in zwei Teile zerschnitten auf dem Kieswege. Jetzt atmete alles auf. Die Whistspieler wankten, mehr tot als lebendig, dem Hause zu. Lord Huntley