*S Amtliches Kreisblatt ale Shemen Zehuer michchn uee. außer Felertags. Bezugspreis M. 1.80 oierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pis. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Iklustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsdlatt. Anzeigenpreis: Die siebengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezelle 40 Pfg. Jeder Rabast gilt als Kassarabakt u. erlischl bei Konnursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. A. otbeoctungs ernacht. Jottungsdtesingeng. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung *** 5 für den Kreis börde Schwerter Volksblatt Holzwickeder Zeitung Apterbecker Zeitung Schwerter Oolkszeitung Arste Verbunden mit: Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Ateftes Cagesorgen des Kreises o General-Arzeiger für den Kreis Börde o Haupt-Annoncenblatt Aug dute und inbenierch eicemn Durn gungen für den Areis Hörde erlangen gemeß Bekanntmachung der Königliorn Regierung ##urch Veröffentlichung in do:„Schwerter Zettung" rechtsverbindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewähr ihren Abossen. ten für jeden mit Tod endenden Unfos ge300 MksUnsall: Druck 2. Verlag o. Corl Braus. Schwerte= Ruhr Fernip. 62. Telegr. Adr. Braus Schwerte=Ruhr Nr. 122. Mittwoch, den 27. Mai 1914. 46. Jahrgang Albaniens Ende und Konfliksmöglichkeiten. Die Flucht des Fürsten Wilhelm vor seinen eigenen Untertanen auf ein italienisches Kriegsschiff ist das Eingeständnis der Unhaltbarkeit des albanischen Thrones. Die Flucht ist beschönigt worden, es ist ihr zunächst auch die Rückkehr der fürstlichen Familie nach Durazzo gefolgt; aber dennoch stellt sie den Anfang vom Ende dar. Man kann es dem jungen Fürsten kaum verdenken, wenn er sein und seiner Familie Leben zunächst über die Interessen eines ihm fremden und feindselig gegenüberstehenden Volkes stellt; aber andererseits wird man auch nicht verkennen dürsen, daß es um die Autorität des Fürsten jetzt geschehen ist, besonders bei einem Volksgebilde wie dem albanischen, in dem Kampfesmut und Stärke alles gelten. Vermag die fürstliche Familie sich trotz der Unterstützung der europäischen Großmächte nicht auf dem Throne Albaniens zu behaupten, so wird sie um manche Erfahrungen reicher, aber unversehrt und in vollen Ehren in die Heimat zurückkehren. Was aber wird dann aus Albanien werden? Diese Frage ist um so ernster, als nicht einmal zwischen den beiden Mächten, denen das junge selbständige Fürstentum seine Existenz verdankt, Uebereinstimmung bestcht. Der bisherige Verlauf der albanesischen Angelegenheiten hat vielmehr recht tiefgehende Meinungsverschiedenheiten zwischen Oesterreich und Italien ans Licht gebracht, so daß wir uns gerade angesichts des Pfingst= und Friedensfestes einer bedenklichen europäischen Kriegsgefahr gegenübergestellt sehen. Wie weit Essad Pascha an der Aufstandsbewegung beteiligt ist, die von Mittelalbanien, dem Sitze des Essadschen Einflusses, ausging und der unmittelbare Anlaß zur vorübergehenden Flucht der fürstlichen Familie wurde, läßt sich noch nicht sagen. Ueberhaupt ist die Lage so verworren wie möglich, es herrscht völlige Anarchie. Die Beweggründe des Ausstandes sind so zahlreich und verschiedenartig wie die Parteien Mittelalbaniens. Ein Teil des Volkes meint, er käme auch unter der neuen Regierung nicht zu seinem Recht, ein anderer fordert agrarische Reformen, wieder andere sind religiös verhetzt und von jungtürkischen Sendboten aufgewiegelt. Auch die Führer verfolgen verschiedene Ziele. Ausstand und Schießerei sind so liebe Gepflogenheiten, daß man in Albanien um Gründe dafür nicht bange ist. Von den auf Durazzo losmarschierenden Banden waren die Ortsvorsteher von Tirana, dem Heimatssitze Essads, bedroht worden. Auf ihren Hilferuf hatte Fürst Wilhelm Gendarmen und Bewaffnete entsandt. Diese wurden unterwegs geschlagen und gesangen genommen, unter ihnen der holländische Hauptmann Saar. Als die wilden Horden sich der Stadt bis auf eine halbe Stunde Wegs genähert hatten, brach in Durazzo eine Panik aus. Die Bevölkerung verbarrikadierte sich in den Häusern, der fürstlichen Familie aber wurde dringend geraten, sich auf dem italienischen Kriegsschiff„Mäurata“ in Sicherheit zu bringen. Der Fürst wollte im Palast bleiben, da seine Gemahlin jedoch erklärte, sich nicht von ihm trennen zu wollen, ließ er sich schließlich bewegen, gemeinschaftlich mit seiner Familie Zuflucht auf dem italienischen Kriegsschiff zu nehmen. Die Flucht war augenscheinlich eine Folge der Kopflosigleit, die sich der Umgebung des Fürsten bemächtigt hatte. Die 200 katholischen Malissoren (Nordalbanier), die zum Schutze des Fürstenhauses von Skutari nach Durazzo gesandt worden waren, wollte man den mohammedanischen Ausständischen nicht entgegenstellen, um deren Wut nicht noch zu steigern. Man schickte sie auf ein Schiff. Nach anderen Meldungen sollen sie aus Furcht davongelausen sein. Die von holländischen Offizieren befehligte Gendarmerie und die bewaffneten albanesischen Nationalisten unter dem Befehl des deutschen Hauptmanns v. Gumpenberg nahmen den Kampf gegen die andrängenden Aufständischen auf, während italienische Marinetruppen das Palais des Fürsten und die Gesandtschaften verteidigten. Es kam zu einem mehrstündigen blutigen Gefecht, in dem es auf beiden Seiten zahlreiche Tote und Verwundete gab. Unter letzteren befindet sich auch der deutsche Hauptmann v. Gumpenberg, dessen Verwundung sehr schwer sein soll. Das Ergebnis des Kampfes war, daß die Nebellen die weiße Fahne hißten und den Wunsch aussprachen, durch den von ihnen gesangenen und mitgeführten holländischen Hauptmann Saar mit dem Fürsten über ihre Bedingungen zu verhandeln. Fürst Wilhelm trug zunächst Bedenken, in Verhandlungen einzuwilligen, und weigerte sich, das Schiff zu verlassen. Schließlich ließ er sich jedoch bewegen, nach dem Palast zurückzukehren und die Bedingungen der Ausständischen entgegenzunehmen. Da die Ausständischen gedroht hatten, alle Gesangenen sofort zu erschießen, wenn ihnen nicht eine günstige Antwort erteilt und ihren Unterhändlern freies Geleit gewährt würde, so blieb dem Fürsten zur Verhütung weiteren Blutvergießens nichts anderes übrig, als weitgehende Zugeständnisse zu machen. Da infolgedessen für den Augenblick Beruhigung eintrat, so kehrte auch die Fürstin mit den Kindern in das Palais zurück. Damit ist die Nevolution in Albanien indessen auf keinen Fall beendigt. Der schwer erschütterte Thron wird vielmehr aus dem Wanken nicht mehr herauskommen, bis er zusammenbricht. Das Schlimmste an diesem nicht gerade überraschenden Ausgange des albanesischen Intermezzos ist der Umstand, daß die Interessengegensätze Italiens und Oesterreichs immer stärker hervortreten, sodaß Albanien sich noch zur Bedrohung des europäischen Friedens auswachsen kann. Bei dieser Sachlage ist die Betonung freundschaftlicherer russisch=österreichischer Beziehungen durch den Minister des Auswärtigen Sasonow in der Duma und die von einem Mitgliede dieser Körperschaft unter dem Beifall der Mehrheit ausgesprochene Mahnung, über der Freundschaft mit England nicht das alte und bewährte Einvernehmen mit Deutschland zu vergessen, von besonderer Bedeutung. Durazzo von den Aufständischen eingenommen? Berlin, 27. Mai. Wie der„B. Z.“ gerüchtweise aus Rom gemeldet wird, ist Durazzo von den Aufständischen eingenommen worden. Die fürstliche Familie, die Diplomaten und die Fremden befinden sich an Bord der Schiffe. Ministererklärungen über Albanien. Rom, 27. Mai. In seinem gestrigen Exposé vor der Kammer kam der Minister des Aeußern di San Giuliano auf die Vorgänge in Albanien zu sprechen. Er sagte u. a.: Die dargestellten Tatsachen und die daraus sich ergebende Lage und die für die Zukunft möglichen Ereignisse bildeten und bilden zwischen mir und dem Grafen Berchtold den Gegenstand eines lebhaften Meinungsaustausches, der von gegenseitigem Vertrauen und völliger Loyalität geleitet wird. Das Ergebnis dieses Meinungsaustausches ist folgendes: Italien und Oesterreich sind jetzt wie früher einmütig entschlossen, die Konsolidation des albanischen Staates und die Autorität des Fürsten zu wünschen. Die jüngsten Ereignisse können die in der Epirusfrage einmal getroffenen Entscheidungen nicht ändern. Beide Regierungen werden alle Anstrengungen machen, um eine bewaffnete Intervention in Albanien zu vermeiden. Politische Uebersicht. Begegnung des Kaisers mit dem österreichischen Thronfolger. Kaiser Wilhelm trifft am 12. Juni auf Schloß Konopischt zum Besuche des Thronsolgers Franz Ferdinand ein. Der Besuch war schon im Herbst für das Frühjahr vereinbart, da der Erzherzog dem Kaiser die neuen Anpslanzungen zeigen wollte. Ein Danktelegramm des Kaisers an den Flottenverein. Auf das von der Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins in Breslau an den Kaiser gerichtete Telegramm ist folgendes Antworttelegramm aus Potsdam eingetroffen:„Meinen besten Dank für das freundliche Gedenken. Möge der in den Dienst des Vaterlandes gestellten opferfreudigen Arbeit des Deutschen Flottenvereins auch serner segensreicher Erfolg beschieden sein. Wilhelm.“ Kronprinzen= Literatur. Dem deutschen Buch Kronprinz Wilhelm ist ein englisches gefolgt. Hier wie dort herrscht das Bestreben vor, aus bisher vorliegenden Aeußerungen des Kronprinzen ein bindendes Programm für die Zukunft zusammenzustellen. Das englische Werk hat einen neuen Charakterzug des deutschen Kronprinzen entdeckt: er soll ein glühender Verehrer Englands sein.„Schon im zarten Kindesalter war es sein Wunsch, in England sein zu können.“ Und noch schöner heißt kleine Kronprinz ruhte nicht eher, als bis sein Vater ihm gestattete, an der Küste von Suffolk einen Sommer zu verleben.“ Hübsch ist es ja, wenn der Verfasser sich als Verehrer des deutschen Kronprinzen zeigt, aber etwas kindlich mutet die Charakteristik doch an. Der Großherzog von Mecklenburg= Strelitz, der sich zurzeit bei Geheimrat Dr. Bier einer Nachbehandlung nach seiner vor mehreren Wochen erfolgten Darmoperation unterzieht, ist, wie die Landeszeitung für beide Mecklenburg meldet, infolge einer fieberhaften Venen=Entzündung mit daran anschließender Rose erneut ans Bett gefesselt. Hierdurch wird die Nachkur verzögert und der Berliner Aufenthalt des Großherzogs erheblich verlängert werden müssen. Man hegt in Neustrelitz für sein Besinden ernste Befürchtungen. Ein Besuch des Zaren in Darmstadt. Wie aus Darmstadt berichtet wird, wird nach dort eingegangenen Meldungen das russische Kaiserpaar am 28. August in Darmstadt eintreffen und im Schloß Wolfsgarten Wohnung nehmen. Das Kaiserpaar wird vom Thronfolger und den Prinzessinnen=Töchtern begleitet. Es ist wahrscheinlich, daß sich die Kaiserin einer Kur in Bad Nauheim unterzieht. Der neue Bischof von Osnabrück. Das Domkapitel wählte gestern den Religions= und Oberlehrer Dr. Wilhelm Berning in Meppen zum Bischof von Osnabrück. Mit der Neubildung des Reichstagspräsidiums beschäftigen sich die Parteien bereits jetzt, da der Abgeordnete Kämpf erklärt hat, daß er sich für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung stellen könnte. Herr Kämpf, der im 73. Lebensjahre steht, hat das Bedürfnis nach Entlastung und nach Ruhe. Man scheint eine Verständigung dahin erzielen zu wollen, daß das Zentrum den Präsidenten, Nationalliberale und Fortschrittler den ersten und zweiten Vizepräsidenten stellen. Herzliches Einvernehmen zwischen den neutralen Staaten Europas. Nach Pariser Meldungen ist zwischen der Schweiz, Belgien, Holland, Dänemark, Schweden und Norwegen eine Entente cordiale in der Bildung begriffen, die ihren Hauptsitz in Groningen in Holland haben wird. Dieser neue Staatenbund, der die Absicht hat, alljährlich in einem der beteiligten Staaten eine Ausstellung abzuhalten, soll bereits im nächsten Frühjahr zu seinem ersten Kongreß zusammentreten. Reichszuschuß zum Verdingungswesen. Zwischen Vertretern des Bundesrats, Mitgliedern des Reichstages und Delegierten der Handwerks=Organisationen hat eine Besprechung stattgefunden über einen jährlichen Zuschuß von 30 000 Mark an die beim Deutschen Handwerks= und Gewerbekammertag errichtete Stelle für das Verdingungswesen. Mit Ausnahme des Vertreters von Hamburg wurde die Anregung von allen übrigen Anwesenden unterstützt, so daß die Bewilligung des Reichszuschusses bestimmt erwartet werden kann. Kossuth, mit dem der historische Familienname erlischt, war 1841 geboren worden, flüchtete nach der Niederwerfung der ungarischen Revolution mit seinem Vater Ludwig Kossuth nach der Türkei, studierte in England das Ingenieurwesen und war lange Jahre der Leiter einer großen italienischen Eisenbahngesellschaft. Erst 1894, als sein Vater im Exil starb, kehrte Franz Kossuth mit der Leiche des Diktators nach Ungarn zurück, wo er sofort die Führung der Unabhängigkeitsparte; übernahm. Nach siegreichen Kämpsen dieser Partei wurde Franz Kossuth, ein Sohn des in essigie gehenkten größten Feindes Oesterreichs, vom Kaiser Franz Josef empfangen und war dann eine zeitlang Handelsminister. Den Verfall der Unabhängigkeitspartei vermochte er nicht aufzuhalten. Belgien. Für das Luxemburger Loch, das von Frankreich gefürchtete Einfallstor einer deutschen Invasionsarmee, will Belgien der Republik zu Liebe eine Schutzwache errichten. In dem Grenzgebiet des Großherzogtums Luxemburg sollen etwa 2000 Mann Jäger untergebracht werden, die als Grenzwacht dienen sollen. Die Wacht soll in den nächsten Jahren auf 5000 Mann erhöht und auf diesem Stande erhalten werden. Die Jäger=Regimenter sollen mit Fahrrädern ausgerüstet werden. England. Der Wahlsieg eines konservativen Regierungsgegners in Ipswich hat die Opposition im Unterhause bei der dritten Lesung des Gesetzentwurfs über die Selbständigkeit Irlands noch verschärft. Es erhob sich noch ein tollerer Lärm als am ersten Tage, an dem die dritte Lesung der Regierungsvorlage begonnen werden sollte. Da auch noch fortgesetzt Wassen und Munition unter die Ulsterleute zur Verteilung gelangen, so hat die innerpolitische Lage von ihrer Spannung noch nichts verloren. Die Ansicht verbreitet sich daher, daß die Regierung versuchen werde, durch die Ausschreibung von Neuwahlen aus der Sackgasse herauszukommen, in die sie mit ihrer Homerulebill für Irland geraten ist. Freilich eröffnet dafür das Ipswicher Wahlresultat wenig günstige Aussichten. Oesterreich= Ungarn. Franz Kossuths Tod, der am Montag früh erfolgte, hat in ganz Ungarn tiefe Teilnahme erregt, ehrte man in dem Verstorbenen doch noch immer dessen Vater, der 1849 als Diktator Ungarn für unabhängig von Oesterreich und von der habsburgischen Dynastie erklärte. Franz Verlobung im Kaiserhause. Ganz unerwartet, selbst für die Intimen der Hofgesellschaft, kommt die Kunde, daß der fünfte Sohn des Kaiserhauses. Prinz Oskar von Preußen, sich in Bristow bei Teterow in Mecklenburg mit der Gräfin Ina Marie von Bassewitz verlobt habe. Der Prinz hat also seine zukünftige Gattin aus einem nach Fürstenrecht nicht ebenbürtigen Hause gewählt. Er darf daher nach dem strengen Hausrecht der Hohenzollern mit ihr nur eine morganatische Ehe eingehen. Die Verlobung scheint zurückzuführen auf die Zeit, da die Braut noch Ehrendame der Kaiserin war. Erst im vergangenen Jahre ist sie aus dieser Stellung geschieden, und ist zu ihrem Vater nach Schwerin zurückgekehrt, wo Graf Bassewitz bis vor kurzem Ministerpräsident war. Die junge Gräfin ist am 26. Januar 1888 geboren, sie ist also ein halbes Jahr älter als ihr Bräutigam, der zurzeit beim 1. Garderegiment zu Fuß als Hauptmann und Chef der 4. Kompagnie steht. Er war als Oberleutnant längere Zeit zur Kriegsakademie kommandiert und hat sich den Ruf eines eifrigen und tüchtigen Soldaten sowie guten Kameraden erworben. Zur Verlobung bedurfte er der Genehmigung des Kaisers, die inzwischen erteilt ist. Die Gräfin Bassewitz wird aber auch nach der Heirat nicht Mitglied des Hohenzollernschen Hauses; ihr wird vielmehr ein besonderer Name, Rang und Titel verliehen werden. Bestimmungen darüber, ebenso wie über den Termin der Hochzeit sind noch nicht getroffen. Bei den starr legitimistischen Anschauungen des Kaisers ist anzunehmen, daß er mit der Verlobung ohne weiteres nicht einverstanden gewesen ist. Es heißt aber, daß die Kaiserin bei ihrem Gemahl für ihren Sohn Fürsprache geleistet hat, so daß der Kaiser zuletzt der Verlobung keinen Widerstand mehr entgegensetzte. Der Grüber=Prozeß vor dem Schwurgericht. (Spezialbericht der„Schwerter Zeitung“.) I. Hagen, 26. Mai. Der Prozeß nahm heute unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hasken=Hagen seinen Ansang. Der Andrang zum Zuhörerraum war ein sehr großer, indes erhielten nur soviel Zuhörer Einlaß, als auf den vorhandenen Bänken Platz fanden. Die Angeklagten sind der Kaufmann Carl Grüber, der Kaufmann Otto Grüber, der Werkmeister Georg Nödel, alle aus Schwerte, ferner der Kaufmann H. Brocksiepe aus Halinghaus; Verteidiger sind für C. Grüber R.=A. Dr. Frank II= Dortmund u. R.=A. Dr. Strathmann=Schwerte, für O. Grüber R.=A. Rustige=Hagen, für Nödel R.=A. Kegels=Castrop und für Brocksiere R.=A. Böcker=Hagen. Vertreter der öffentlichen Anklage ist Staatsanwalt Dr. Schäffer=Hagen. Der Zeugenaufruf ergübt die Anwesenheit von zirka 30 Zeugen, indes sind heute eine Anzahl von der Verteidigung geladene Zeugen noch nicht anwesend; es sind ein medizinischer Gutachter und zwei kaufmännische Sachverständige anwesend. Die Verlesung der Eröffnungsbeschlüsse nimmt längere Zeit als sonst in Anspruch, da sowohl die allerersten Beschlüsse, als auch die späteren, ferner die Gerichtsbeschlüsse zum Vortrag kommen, nach denen diee erste Verhandlung vertagt und dann vom Oberlandesgericht vier Angeklagte dennoch vor die Stra kammer verwiesen wurden. Nach dem Eröffnungsbeschluß sind Carl Grüber und Otto Grüber des versuchten Betruges und der versuchten und vollendeten Verleitung zum Meineide beschuldigt, während Nödel des wissentlichen Meineides, Brocksiepe des gleichen Verbrechens angeklagt sind. Die Verhandlung beginnt mit der Vernehmung der Angeklagten. Carl Grüber tritt heute zum ersten Mal mit der Behauptung vor, daß sein Vater noch 13000 Mark Vermögen hatte, das mit dem Geschäft nichts zu tun hatte und das sein Vater an verschiedene Leute gegen Wechsel auslieh. Früher lautete Grübers Angabe dahin, daß dieses Geld sich im Geldschrank befunden habe. Darauf aufmerksam gemacht, erklärt er, das seien separat 10000 Mark gewesen, die er von seiner Frau hatte. Ferner rech* n e t d e r A n g e k l a g t e h e r a u s, d a ß e r i m G e s c h ä f t e i n e n Jahresgewinn von 9280 Mark hatte, wovon 2400 Mark als Jahresgehalt dem Haver zusielen, der ins Geschäft bekanntlich als Teilhaber eingetreten war. Außerdem habe Haver Zinsen von seinem Kapital und zwei Fünftel des Reingewinns erhalten, sodaß ihm sein dargeliehenes Geld 22½ Prozent brachte, wie dann dem Angeklagten gesagt er sei in Wucherhände einworden sei, er sei in Wücherhände geraten. Im Laufe der Vernehmung' erklärte der Angeklagte, daß der Versicherungsinspektor aus Münster den Verdacht geäußert habe, daß Haver die Grübersche Fabrik angesteckt habe; worauf der Vorsitzende entgegnet, daß nicht ein Verfahren gegen Haver, sondern gegen den Angeklagten eröffnet worden sei.(Aus der Sache ist nichts geworden, es ist zu einer Anklage nicht gekommen.) Der genannte Versicherungsinspektor soll geladen werden. Der Angeklagte behauptet, es sei ein Zeuge in Hohenlimburg vorhanden, der die Brandstiftung des Haver mit angesehen habe. Neu ist auch die Behauptung des Angeklagten, daß Haver bereits früher 3000 Mark, als besondere Schuld, zurückerhalten habe, was Haver bestritten hat. Grüber bleibt mit aller Ent schiedenheit dabei, daß am 4. August 1909 an Haver 29000 Mark zurückgezahlt worden seien und daßes sich um eine echte Quittung des Haver handle. Das Geld will der Angeklagte von der Versicherungssumme mit 25000 Mark, von Kauf## mann Mensen in Hagen mit 5000 Mark gehabt # haben. Ferner bleibt Grüber dabei, daß er an Mi Haver zwei Briefe gesandt habe, in denen die Tatsache der Rück,ahlung erwähnt wurde; damit will Grüber betonen, daß das Geld wirklich zurückgezahlt sei, sonst hätte Haver gegen die Behauptung demonstriert. Haver aber bestritt seinerzeit vor Gericht, irgend einen der Briefe erhalten zu haben. Es wird dann auf die mit der Sache zusammenhängenden Zivilprozesse eingegangen, in denen die Meineide geleistet sein sollen. In Hagen # vor dem Landgericht ist Nödel eidlich vernommen # worden. Seine Aussage wird verlesen. In dieser # b e s c h r e i b t N ö d e l a l s Z e u g e g e n a u u n d k l a r, d a ß e r #### ins Zimmer gekommen sei und gesehen habe, daß eine Menge Geld auf den Tisch aufgezählt worden sei, und zwar außer Gold und Silber eine Anzahl Scheine, die er zwar nie gesehen, von denen er aber annahm, daß es Tausendmarkscheine seien. Ihm habe es geschienen, daß da mehr als 20000 Mark lagen! Dann habe er auch gesehen, daß Haver ein Schriftstück unterzeichnet habe, wie er annahm, seinen Namen. Er hat auch noch gehört, wie Grübers sagten, man könne ja trotzdem mit einander in Verbindung und im Verkehr bleiben. Nödel hat dann nach Havers Weggang mit Grüber gesprochen und gesagt, ob er denn an Haver alles zurückgezahlt habe, worauf jener antwortete, noch alles, aber Haver habe nicht mehr viel zu bekommen. Nödel ist seit 1892 bei Grübers und hat vie beiden Angeklagten Grüber von Kindesbeinen an gekannt. Bei der weiteren Vernehmung beteuert der Angeklagte, wie bereits vorher einmal, er sage heute i die lautere Wahrheit. Er gibt dann heute zu, daß Wiethüchter, der vor Gericht uneidlich vernommen worden, ebenso wie der eidlich vernommene Brocksiepe die Unwahrheit gesagt haben; daß es nicht wahr sei, daß Wiethüchter und Brocksiepe Rückzahlungen an Grübers gemacht haben; insbesondere hat Brocksiepe zwar vor Gericht bekundet, daß er früher 5850 Mark von Grübers zur Deckung eines Brandschadens, den er erlitten, geliehen und dieses Geld 1909 zurückgezahlt habe, indes hat B. später den geleisteten Meineid zugegeben. Grüber gibt dies Tatsachen zu, indes will er in gutem Glauben gewesen sein, B. nicht zur falschen Aussage verleitet zu haben. In der Kugel=Angelegenheit, zusammenhängend mit der Sache Osthoff, den zum Meineid zu verleiten Grüber versucht haben soll, will dieser ganz unschuldig sein, er habe von den Manipulationen nichts gewußt. Ceraume Zeit nimmt die Verlesung des Urteils nebst Gründen über den ersten Zivilprozeß in Anspruch. In diesem ist Haver zur Löschung der Hypothek verurteilt worden, und zwar deshalb, weil er erstlich seine Quittungsunterschrift nicht ableugnen konnte und diese nur als erschlichen erachtete, und seine Behauptung, daß Grübers garnicht die Mittel zur Rückzahlung von 29000 Mark haben konnten, widerlegt erschien durch die Zeugenaussagen, nach denen Rückzahlungen von Leuten an Grübers erfolgt waren. Der Angeklagte leugnet, daß er jemals zugegeben habe, er habe Brocksiepe zum Meineid zu verleiten gesucht, wie ihm der Vorsitzende vorhält.(Schon jetzt, nach fast zweistündiger Vernehmung des Angeklagten, geht aus der Verhandlung hervor, daß an Zeugenvernehmungen heute nicht zu denken sei, daß vielmehr höchstens die Vernehmung der Angeklagten zu Ende geführt werden könnte.) Zur Meineidsverleitung des Brocksiepe erklärte nach eingehendem Befragen Grüber, daß er wohl auf Brocksiepe bezüglich dessen Aussage eingewirkt, daß er jedoch keineswegs die Absicht gehabt habe, den Mann zu einer salschen Aussage vor Gericht unter Eid zu bestimmen.(Nach wie vor sucht sich der Angeklagte bei allen ihn belastenden Tatsachen herauszureden, was ihm jedoch wenig gelingt.) Brocksiepe hatte, bevor er vor Gericht als Zeuge erschien, eine Bescheinigung über das angeblich von Grüber geliehene Geld vorgewiesen. Grüber wird nun befragt, warum er, wenn es ihm mit der Meineidsverleitung nicht ernst gewesen sei, nicht vor dem Termin dem Brocksiepe gesagt habe, er solle nun nicht etwa beschwören, was er uneidlich salsch bekundet habe; der Angeklagte macht Redensarten, ohne sich begründend zu äußern. Als ihm die Sache mit den Kassibern im Gesängnis vorgehalten wird, wird er sehr erregt und fängt zu weinen an; er will in der Hast so geängstigt und aufgeregt gewesen sein, daß er nicht wußte, was er tat, Angeklagter Otto Grüber, gesragt, ob er mit den Aussagen seines Bruders übereinstimme, erklärt, daß er von den Straftaten nichts wisse und keinen Anteil daran habe. Er will weder von der Einkunft der 30 000 Mark von Haver zuerst nichts gewußt haben, dann aber weiß er, daß 25 000 Mark von der Versicherung und 5000 Mark von Mensen kamen und daß 29 000 Mark an Haver zurückgezahlt wurden, aber von der Niederlegung von 15 000 Mark bei Hirschfeld in Dortmund weiß er nichts. Er erklärt, daß er Brocksiepe niemals 5850 Mark geliehen und niemals diese Tatsache behauptet habe, auch will er in keiner Weise auf Brocksiepe zur Abgabe einer falschen Aussage eingewirkt haben. Er will auch niemals einen Druck auf jemand ausgeübt haben, überhaupt gänzlich unschuldig sein, wie er sich auch als unwissend in den Grüberschen Geschäftsangelegenheiten hinstellt, zumal er in der Fabrik persönlich weniger zu sagen hatte, als sein Bruder. Angeklagter Brocksiepe sagt aus, daß ihm früher vom alten Grüber öfters ausgeholfen worden sei. Es seien zwar zirka 2000 Mark Wechsel im Lausen gewesen, allein diese waren von dem Angeklagten eingelöst worden; jedenfalls war der Angeklagte 1911 den Grübers nichts mehr schuldig. Es sind zu ihm bei de Grübers gekommen und hätten ihm gesagt, er solle sagen, daß er ihnen 5850 Mark schulde. Der Kompognon des Angeklagten, Kleinert, Schwager der Grübers, hat dem Brocksiepe vor dem Termin des Zivilprozesses zugeredet, er solle nur ruhig so aussagen, wie vorher; die Grübers würden sich, wenn sie den Prozeß gewinnen, schon erkenntlich zeigen. Der Angeklagte, jetzt mit Kleinert verseindet, hat geantwortet, er bereue die falsche Aussage und wolle gar nichts haben. Später hat Carl Grüber versucht, den Angeklagten dazu zu verleiten, er solle sagen, daßer bei der Geldzurückzahlung anwesend gewesen sei, obschon Grüber genau wußte, daß er nicht anwesend gewesen sei. Der Angeklagte hat geantwortet, er habe schon genug schhaflose Nächte und wolle von der Sache nichts wissen. Er gibt auch heute klipp und klar zu, daß er einen Meineid geleistet habe. Angeklagter Nödel bleibt bei seiner bereits verlesenen Aussage. Er habe gesehen, wie das Geld auf dem Tisch lag, insbesondere hat er gelbliche Scheine gesehen. Carl Grüber war allein bei der Auszahlung anwesend. Im Anschluß hieran äußert sich Carl Grüber auf Besragen, daß das auszuzahlende Geld vier Wochen im Schrank gelegen habe, was ja sonst sonderbar erscheinen würde, aber damit begründet sei, daß bereits seit 5. Juli die Auszahlung erfolgen sollte.— Angeklagter Otto Grüber bleibt der Aussage Brocksiepes gegenüber dabei, daß er nicht mit seinem Bruder bei ihm gewesen sei, um B. zu beeinflussen. Carl Grüber bestreitet, daß sein Vater den Prozeß gegen Haver nicht führen wollte und daß nur der Tod des Vaters abgewartet wurde, um gegen Haver vorzugehen. Es erfolgt dann noch die Verlesung einiger Schriftstücke aus den Akten, worauf die Mittagspause eintritt. In der Nachmittags=Sitzung wurde zunächst Carl Grüber bezüglich der von ihm im Gesängnis geschriebenen Kassiber vernommen. Er erklärt, daß das aus Verzweiflung getan habe, er sei ganz wirr im Kopse gewesen und wußte nicht, was er tat. Die Kassiber habe er zwar dem Kalfaktor übergeben, damit dieser sie zu seinem Vetter Hahn bringe, allein er habe sich dann die Sache überlegt und habe die Kassiber zurückverlangt, da sei es aber zu spät gewesen. Die Kassiber werden dann verlesen. Aus den an Hahn gerichteten Kassibern geht hervor, daß Grüber diesem schrieb, er solle zu Osthoff gehen und diesem sagen, er möge erklären, daß er den Grübers das Geld angeboten habe. Er möge ihm, Grüber, aber sofort einen Brief schreiben, ob Osthoff darauf eingehe, und zwar in der Weise, daß wenn er benachrichtigt werde,„das weiße Kaninchen habe Junge gekriegt“, dann werde darin eine Bejahung liegen, wenn aber in dem Briese stehe,„das weiße Kaninchen sei tot“, dann wisse er, daß Osthoff ihn hereinlegen wolle. In einem anderen Kassiber schreibt Grüber dem Nödel, er wisse doch, daß er hundert Eide darauf schwören könne, er habe gesehen, wie Grüber dem Haver das Geld ausgezahlt habe; Haver habe noch gesagt,„es stimmt“. Nödel sollte ferner, laut Kassiber, sagen, Haver habe ihm eine Stelle mit 8 Mark pro Tag angeboten, winn er, Nödel, aussage, er wisse nichts von der Auszahlung des Geldes. In einem anderen Kassiber redet Grüber den Nödel an:„Mein lieber Sohn, bleibe mir treu, es soll dein Schaden nicht sein; sie wollten siegreich aus dem Kampfe hervorgehen und hofften, nächste Pfingsten zusammen zu seiern.“ Ferner hat Grüber dem Nödel vorgeschrieben, er solle sagen, er habe gesehen, wie Haver die Quittung über die Zahlung unterschrieben habe. Nach verschiedenen Wiederholungen aus der Vormittags=Sitzung beantragten der Verteidiger Dr. Frank und der Staatsanwalt die Ladung einer ganzen Reihe neuer Zeugen. Nach Beendigung der Vernehmung der Angeklagten wird in die Beweisaufnahme eingetreten. Zeuge Architekt Luther, FeuerversicherungsInspektor, bekundet auf Befragen, daß kein Wort davon wahr sei, daß er gräußert habe, er habe den Verdacht, daß Haver die Fabrik angesteckt habe. Zeuge Amtsgerichtsrat Haver bekundet, wie in der vorigen Verhandlung, daß er wiederholt bei Grübers in Schwerte gewesen sei und mit ihnen behufs Auseinandersetzung mit seinem Bruder verhandelt habe. Am 9. Juni hat der Zeuge mit dem alten Grüber gesprochen, und es ist kein Wort darüber gefallen, daß am Tage vorher angeblich 3000 Mark an seinen Bruder gezahlt seien. Am 22. August hat Carl Grüber zum Zeugen geäußert, sein Bruder wolle ihn, Grüber, wohl um die Fabrik bringen, worauf der Zeuge geantwotet hat, sein Bruder sei froh, wenn er nur sein Geld zurückerhalte. Wenn eine Zahlung erfolgt gewesen wäre, dann hätte Grüber sicher bei dieser Gelegenheit etwas davon gesagt, er hat aber keine Silbe von einer Zahlung erwähnt. Uebrigens hätte der Zeuge keinen Fuß mehr in Grübers Haus gesetzt, wenn ihm sein Bruder ein Wort von einer Zahlung gesagt hätte, und das wäre sicher geschehen, wenn eine erfolgt wäre. Zeuge Kaufmann H. Haver ist in alle Geschäftsangelegenheiten seines Vaters eingeweiht und in diesen orientiert gewesen. Hätte sein Vater von Grübers Geld zurückerhalten, so würde er es ihm sicher gesagt haben; sein Vater hat ihm aber nichts dergseichen mitgeteilt. Das Guthaben seines Vaters an Erüber habe 31 284.22 Mark betragen, und davon habe er nichts zurückerhalten. Er habe von Grübers während der ganzen Zeit nicht einen Psennig Geld zu sehen bekommen. Verteidiger Dr. Frank erklärt, daß Haver sen., der Verstorbene, bei Grübers keine Prokura hatte, daß er somit keine Veranlassung hatte, irgend ein Schriftstück mit seinem Namen zu unterzeichnen; wenn also Haver sen. danach etwas mit seinem Namen unterzeichnete, so mußles er doch wissen, was er unterschrieb. Wichtige Aussagen, die bislang noch nicht zur Sprache kamen, macht der 74jährige Rentmeister H. Uffelmann. Er kennt Haver sen. seit seiner Kindheit an, und er könne ihm nur ein gutes Zeugnis ausstellen; es sei ihm ein solcher Betrug nicht zuzutrauen. Bezüglich Grübers wollte der Zeuge nicht recht mit der Sprache heraus. Dann bekundete er, daß bei dem Brande ihm doch einiges aufgefallen sei. Er sei zum Löschen herbeigeeilt und habe von einem der Grübers einen Eimer verlangt. Dieser sei ihm aber verweigert worden mit der Bemerkung, er solle es nur brennen lassen, es ginge ihn nichts an. Das sei ihm um so verdächtiger vorgekommen, als es früher bereits zweimal bei Grübers gebrannt habe. Damit wird die Verhandlung auf morgen vertagt. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 27. Mai. *(Provinzialsteuern.) Zur Deckung der Ausgaben des Provinzialverbandes für das Rechnungsjahr 1914 wurden die Provinzialsteuern auf 13½ Prozent des Steuersolls oder den Gesamtbetrag von 6 339 237.57 Mark festgesetzt. Auf die einzelnen Kreise des Regierungsbezirks Arnsberg ent allen folgende Beträge: Altena 138 298.91, Arnsberg 75 035.70, Bochum=Land 179225.98, Bochum=Stadt 300 479.24, Brilon, 28 261.80, Dortmund=Land 268 899.92, Dortmund Stadt 634 549.10, Gelsenlirchen= Land 195 107.91, Gelsenkirchen= Stadt 294 923.08, Hagen Land 131 307.49, Hagen=Stadt 205 172.15, Halllm=Land 122 915.03, Hamm=Stadt 95 809.84, Hattingen, 125 497.12, Herne= Stadt 104 384 97, Hörde=Land 141 462.97, HördeStadt 66 309.10, Iserloln=Land 126 342.30, Iserlohn=Stadt 72;083.33, Lippstadt 69580 01, Lüdenscheid=Stadt 13 758.67, Meschede 30 197.55, Olpe 51 964.25, Schwelm 174 865,21, Siegen 203873.69, Soest 88 255.95, Witten=Stadt 84 859.19 und Wittgenstein 17 71926 Mark. **(Obstverwertungskurse.) Wie alljährlich, so finden auch in diesem Jahre an der Königlichen Lehranstalt für Wein=, Obst= und Cartenbau zu Geisenheim am Rhein Obstverwertungskurse statt, und zwar in der Zeit vom 28. Juli bbis 7. August für Männer und Frauen und in der Zeit vom 10. bis 15. August nur für Frauen. Die Kurse beginnen an den zuerst genannten Tagen vormittags 8 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt, sodaß die Teilnehmer Gelegenheit haben, die verschiedenen Verwertungsmethoden einzuüben. Das Honorar beträgt für den erstem Kursus für Preußen 10 Mark, für Nichtpreußen 15 Mark; für den zweiten Kursus für Preußen 6 Mark, für Nichtpreußen 9 Mark. Anmeldungen sind an die Direktion genannter Lehranstalt zu richten. Alles Nähere ist aus den Satzungen der Lehranstalt, die unentgeltlich verabfolgt werden, zu ersehen. **(Zwei Eisenbahnprojekte,) deren Ausführung numehr endgültig zurückgestellt ist, würden für den hiesigen Bahnhof wegen seiner zentralen Ausgestaltung von Wichtigkeit gewesen sein. Es ist erstens die Neubaustrecke Schwerte—Letmathe und zweitens die Ausdehnung der Strecke Langendreer— Witten—Löttringhausen bis Schwerte; dabei hätte Langendreer—Löttringhausen eendlich zu einer Vollbahn ausgedehnt werden müssen. Die Gemeinden, die bei der letztgenannten Strecke interessiert sind, hatten es erwartet. Vom Eisenbahnminister war auch der Ausbau in Aussicht gestellt worden, falls die Strecke Schwerte—Letmathe gebaut werden sollte. Nun liegt aber, nachdem die Eisenbahndirektionen Elberseld und Essen darüber gehört worden sind, die bestimmte Erklärung vor, daß an eine Ausführung der Pläne vorerst nicht zu denken sei. Man war auch in den Kreisen der Interessenten von vornherein der Ansicht, daß das Aufgeben des einen Planes das Fallenlassen des andern Planes nach sich ziehen würde. **(Warnung.) Es ist vielfach beobachtet worden, daß Wein=, Bier= und Mineralwasserflaschen zum Einkausen von Benzin, Petroleum und sonstigen gesundheitsschädlichen Flüssigkeiten benutzt werden. Ein solches Verwenden von Flaschen ist gefahrbringend, zumal durch Verwechslung das größte Unheil angerichtet werden kann. Es muß deshalb dringend davor gewarnt werden, die bezeichneten Flaschensorten zu anderen als den bestimmungsmäßigen Zwecken zu benutzen. **(Die Sterbekasse der rheinisch=westfälischen Kommunalbeamten,) Sitz Essen, hielt in Dortmund ihre Generalversammlung ab. Bei der jetzt 26 Jahre bestehenden Kasse sind 7410 Mitglieder in 9468 Versicherungen mit 4901700 Mark versichert. Das Vermögen der Kasse beträgt 1016•105 Mark und ist zinstragend bei der Stadt Essen angelegt. Trotz den geringen Beiträgen ist es möglich gewesen, in den letzten Jahren 25 Prozent der Beiträge den Mitgliedern als Divibende zu gewähren. Durch die Kasse sind in den letzten 26 Jahren ihres Bestehens für 5033 Sterbefälle rund 652000 Mark zur Auszahlung gelangt. Die Kasse erzielte im Geschäftsjahre 1913 einen Ueberschuß von 37 369 Mark. **(Schwerter Turnverein.) In der Generalrer= sammlung am Samstag wurden die Einzelheiten des am 26. Juli stattsindenden Sommerfestes des Vereins besprochen. Sodann wurden die Teilnehmerlisten für das am 22. und 23. Juni in Münster abzuhaltende Kreisturnsest ausgefüllt und für die Teilnehmer an der vom Vereiin gestellten Kreisriege und Wetturner sowie Wettschwimmer ein Beitrag von 7 Mark zu den Unkosten aus der Vereinskasse bewilligt. Den drei fleißigsten Besuchern des Turnbodens, den Turngenossen Rudolf Sprengepiel, Wilh. Schmalz und Rudolf Hengstenberg wurde als Anerkennung durch den 1. Vorsitzenden je eine schöne Jahnplakette überreicht. **(Vom evangelischen Krankenhaus.) Die Erweiterungs= und Ambauten am hiesigen evangelischen Krankenhause sind seit, einiger Zeit beendet, und präsentiert sich das Haus im neuen schmucken Gewande, eine Zierde für den Osten unserer Stadt. Das alte Gebäude ist durch Anbringung von roten Verblendsteinen in Uebereinstimmung mit dem vor einigen Jahren errichteten Neubau gebracht. An der Westseite ist die alte unschöne ZinkplattenBekleidung entfernt und durch rote Verblendplatten ersetzt worden. Die Hauptfront des alten Gebäudes ist hochgezogen und hat zu beiden Seiten einen giebelartigen Aufbau erhalten; hierdurch sind mehrere neue Zimmer geschaffen, während die bereits Nr. 122. Beilage. Evangelischer Bund Die 27. Provinzial=Versammlung des Westfälischen Hauptvereins dees Evangelischen Bundes wurde in diesen Tagen in Hattingen abgehalten. Den feierlichen Austakt der Tagung bildeten am Sonntag sieben Festgottesdienste am Vormittag, die gleichheitig in den Kirchen der Stadt und der nächsten Nachbarschaft abgehalten wurden. Am Nachmittag bewegte sich ein überaus stattlicher Festzug, gebildet von den erangelischen Vereinen der Synode Hattingen und der angrenzenden Gebiete, durch die Straßen der Stadt nach dem prächtigen neuen Gemeindehause, in dessen bis auf den letzten Platz gefüllten Riesensaal die festliche Volksver sammlung begann. Nach einem einleitenden Vortrag des Posaunenchors und des Seminarchors entbot namens des Ortsvekeins dessen Vorsitzender, Lehrer Thielmann, dem Gaste ein herzliches Willkommen, ihn mit der Geschichte des Festortes sowie der zuverlässigen Ge sinnung seiner Bewohner in politischer und religiöser Hinsicht vertraut machend. Den eigentlichen Mittel= und Höhepunkt der Versammlungen bildeten zwei längere Festansprachen über ein zusammenhängendes Themenpaar, dessen Wahl durch unerfreuliche Gegenwartserscheinungen mit veranlaßt war. An eister Stelle sprach Psarrer Lic. Schnapp=Dortmund über„Die evangelische Kirche und die deutsche Volkskraft" Der Redner verbmeeitete sich darüber in dem Sinne, daß er die Frage aufwarf: Wiefern ist unsere evangelische Kirche imstande, dem deutschen Volke neue Lebenskräfte zuzu führen und es wahrhaft gesund, stark und jugendfrisch zu halten? Dann leitete der Vortragende auf die Gegenwart über und untersuchte, in welcher Weise das Evangelium für das Geschlecht unserer Tage fruchtbar gemacht werden kann zur Belebung der veligiösen und sittlichen Krast unseres Volkes, zur Abwehr der ihm drohenden Gefahren, zur Heilung der mannigfachen Schäden. Namentlich beschäftigte er sich mit dem Geburtenrückgang, der für unser Volk verhängnisvoll werden muß, wenn nicht bald dem Uebel Einhalt geboten wird. Die evangelische Kirche muß alle ihre Glieder aufrusen zum Kampf gegen den Schmutz und Unrat, der sich über unser Volk ergossen hat. Die packendeen, dem Ernst des Gegenstandes überaus angemessenen Ausführungen des Redners fanden ein dankbares Echo in der Versammlung. Das andere Thema:„Die evangulische Kirche und die deutsche Treue“ behandelte Pfarrer Dr. Hans G. Schmidt aus Gelsenkirchen=Bismarck. Die deutsche Treue hat sich bisher bewährt im kirchlichen Leben und im Vereinswesen, sie soll auch standhalten gegenüber der Verhetzung zum Kirchenaustritt und der Verlockung in den kleinen Kreis der außerkirchlichen Gemeinschaften. Treue um Treue! Hat die Kirche des Evangeliums über den einzelnen wie über das ganze Volk einen unermeßlichen Segen gebracht, so darf sie au erwarten, daß alle ihre Glieder fest zu ihr stehen, sich zu Wort und Sakrament und zur christlichen Gemeinschaft halten, in ihr arbeiten und für sie werben. Der Redner schloß mit dem Vers aus dem Liede von E. M. Arndt: „Das Vierte— hebt zur hehren Weihe Die Hände und die Herzen hoch— Es lebe alte deutsche Treue, Es lebe deutscher Glaube hoch!“ Gleichteitig tagte im Niemeierschen Saale unter der Leitung von Pfarrer Reuter eine Parallelver= Schwerter Heilini Amtliches Kreisdlatt. sammlung, die infolge des starken Andranges eingerichtet werden mußte und mit denselben Rednern einen ähnlichen Verlauf nahm. Den Schluß des Tages bildete eine gleichfalls stark besuchte, mehr zwanglose Abendversammlung, Die einen sehr stimmungsvollen, allen Teilnehmern unvergeßlichen Verlauf nahm. Mit einer ganz besonderen Ueberraschung wartete der um das Gelingen der Tagung hochverdiente Katasterzeeichner Brügmann auf, der für die Reformations=Jubel= spende als Ertrag einer in der Synode Hattingen veranstalteten Sammlung die erkleckliche Summe von 3806.38 Mark übergeben konnte— ein überwältigender Beweis evangelischer Opferwilligkeit! Westfalen und Rheinland. r. Hagen, 26. Mai.(FahrkartenSchwindel.) Vor dem hiesigen Schwurgericht hatten sich der Architekt Hilker von hier, der Eisenbahngehilfe Franz Holle aus Lippstadt, die Haushälterin Hulda Thiem aus Herne, die Stütze Anny Biedermann aus Hagen, die Haushälterin Wilhelmine Biedermann und der Wirt Louis Litto wagen Fahrkartenschwindels zu verantworten. Der Ange klagte Holle war beschuldigt, zu Hagen, Horn, Sennelager und an anderen Orten fortgesetzt als Beamter Fahrkarten, Stompel und andere Sachen sich rechtswidrig angeeignet, Bücher unrichtig geführt und gesälscht, sowie fortgesetzt Fahrkarten bei Seite geschafft, beschädigt oder gefälscht zu haben. Es waren 60 Zeugen geladen. Aus der Beweisaufnahme ergab sich, daß Holle Blankofahrkarten nach den verschiedensten Stationen ausgesertigt und den Mitangeklagten übergeben hat. Die Benutzung geschah in der Weise, daß die Angeklagten mit einer Bahnsteigkarte den Bahnsteig betraten und den Zug benutzten. Die Geschworenen erklärten den Angeklagten Holle der Amtsunterschlagung, der schweren Urkundenfälschung und des Betruges für schuldig, Frau Biedermann und Hilker der Urkundenfälschung uns des Betruges, Hulda Thiem des einsachen Betruges, Anny Biedermann und Litto dagegen für nichtschuldig. Holle wurde zu 2 Jahren Zuchthaus, 200 Mark Geldstrase und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt; Frau Biedermann erhielt 11 Monate, Hilker 8 Monate, Hulda Thiem 3 Monate Gefängnis. Anny Bicdermann und der Wirt Litto wurden freigesprochen. Die Geschworenen wollen für Holl: ein Gnadengesuch einreichen, um eine Umwandlung der Zuchthausstrafe in eine Gesängnisstrafe zu erwirken. * Langsched, 26. Mai.(Selbstmordversuch.) Ein junger Mann von hier unternahm einen Selbstmordversuch, indem er sich in einer benach. barten Waldung einen Revolverschuß in den Kopf beibrachte. Erst nach mehrstündigem Suchen wurde der Bedauernswerte in schwerverletztem Zustande ausgesunden. * Unna, 26. Mai(Eine Milzbrandvergiftung) zog sich ein hiesiger Hausschlachter zu, welcher beim Schlachten einer an Milzbrand erkrankten Kuh eine ganz unscheinbare Verletzung an einem Finger nicht beachtet hatte. Der Mann ist nach mehrtägigem Leiden gestorben. * Iserlohn, 26. Mai.(Ein frecher räuberischer Urberfall) wurde aus den Kassenboten Horn von den Westfälischen Steinwerken im Nachbarorte Lasbeck verübt. Horn, der im Besitze von etwa 5000 Mark Lohngelder war, wurde in der Dunkelheit aus dem Hinterhalte durch zwei Schüsse am Arme und am Kopfe verletzt. Der Täter hatte in einem Wäldchen ein Stück Leinwand zwischen zwei Bäumen gespannt und durch ein Loch dieser Leinwand die Schüsse auf Horn, der die Landstraße benutzte, abgegeben. Die Verletzungen waren unetheblich. Das Absuchen des Waldes nach dem Täter blieb erfolglos * Herne, 26. Mai.(Zwischen 2 Förderwagen zerdrückt.) Auf schreckliche Weise kam vorgestern auf der Zeche„Shamrock“ der Bergmann Otto Beckmann aus Herne ums Leben. Er wollte einen mit Kohlen beladenen Förderwagen zum Förderschachte bringen. Im Querschlage kam ihm ein anderer Förderwagen entgegen und stieß gegen den von ihm geschobenen Wagen. Beckmann, der sich gerade in gebückter Haltung befand, geriet zwischen die beiden Wagen, die ihm den Kopf zusammenquetschten. Er war sofort eine Leiche, * Münster, 26. Mai.(Konsekration des Weihbischofs von Münster.) Heute fand die seierliche Konsekration des Weihbischofs Dr. Kappenberg im hohen Dome statt. Die Bischofsweihe vollzog Bischof Dr. Poggenburg unter Assistenz der Weihbischöse von Köln und Paderborn * Bochum, 26. Mai.(Vom Gerüst gestürzt.) Im Betriebe des Bochumer Vereins stürzte beim Einbauen eines Kaminkühlers das Gerüst zusammen und 3 Arbeiter sielen aus einer Höhe von 5 bis 6 Metern herab. Zwei erlitten so schwere Verletzungen, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Der 3. Arbeiter kam mit leichteren Verletzungen davon * Bottrop, 26. Mai.(Eine entsetzliche Tat) ereignete sich hier anläßlich einer Hochzeitseier. Im Verlause eines Streites zog ein Hocheitsteilnehmer ein Messer und stach seinem Gegner beide Augen aus. Der Täter wurde verhaftet. * Duisburg, 26. Mai.(Rabenmutter.) Weil sie ihrem eigenen Sohn Wilhelm fortgesetzt grausam mißhandelt und durch Körperverletzung seinen Tod verursacht hutte, mußte sich vor dem Duisburger Schwurgericht heute die Ehefrau Jean Kroon, eine geborene Holländerin, verantworten. Die Verhandlung entrollte ein entsetzliches Bild von deen Leiden des sechsjährigen Wilhelmus Kroon, der von seiner Mutter und dem jetzt flüchtigen Kostgänger de Witt nach und nach zu Tode geprügelt worden war. De Witt wollte mit der Frau Kroon nach Holland fahren. Der Junge war dem Paare im Wege. De Witt äußerte sich, er werde das Kind eher umbringen als es mitnehmen Am 23. Frebruar erreichten die Leiden des Jungen ihren Höhepunkt. Die Mutter fand das Zimmer verschlossen vor Als der Junge, weil er den Schlüssel nicht finden konnte, nicht öffnete, stieg die Frau durch ein Fenster in das Zimmer. Bald darauf ertönten laute Schreie durch das Haus, dann war alles ruhig. Als eine Nachbarin hinzukam, hatte Frau Kroon das leblose Kind auf dem Arm. Der Junge blutete aus einer Kopfwunde. Sein ganzer Körper war mit Striemen und Beulen bedeckt. Ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, starb das Kind nach zwei Tagen im Krankenhause an Gehirnblutung. Die Geschworenen sprachen die Angeklagten unter Versagung der mildernden Umstände schuldig. Das Urteil lautete auf 6 Jahre Zuchthaus. Welfischer Parteitag. Auf ihrem soeben in Staade abgehaltenen Par teitage nahm die deutsch=hannoversche Partei einstimmig eine Re olution an, wonach sie in der erdd gültigen Regelung der braunschweigischen Thronfolge einen Sieg des Rechts erblickt, der um so erMittwoch, 27. Mai 1914. freulicher ist, als das hannoversche Königshaus die Reglerung in Braunschweig angetreten hat ohne Verletzung der hannoverschen Rechte und Pflichten. Die deutsch hannoversche Partei erkennt dankbar an, daß sich in weiten Kreisen des deutschen Volkes eine gerechtere Würdigung der mannhaften fürstlichen Beweggründe für die Haltung des hannoverschen Königshauses Bahn gebrochen hat. Die deutsch=hannoversche Partei muß erwarten, daß das deutsche Volk mit ihr protestiert gegen die sortgesetzte Aufreizung des hannoverschen Volkes durch Schikanen aller Art, besonders auch durch die Verunglimpfung der alten, auch heute noch offiziell anerkannten gelb=weißen Jahne des Landes, dessen Söhne vor hundert Jahren in Spanien und bei Waterloo des deutschen Vaterlandes Freiheit erringen halsen. Bunke Chronik. ( Bei lebendigem Leibe verbrannt. Die Frau eines Gärtners in Berlin, die Feuer anfachen wollte, goß Spiritus auf glimmendes Holz. Die Flamme schlug zurück, der Spiritus entzündete sich, und der Inhalt der explovierten Flasche ergoß sich cuf die Kleider der Frau. Diese singen Feuer, und nach wenigen Sekunden stand die Frau in Flammen. Ihr Mann lag krank in der Wohnung. Auf ihre Hilferufe eilte er herbei und versuchte die Flammen zu ersticken. Dies gelang erst nach einiger Zeit Inzwischen hatte die Frau so schwere Brandwunden erlitten, daß sie nach einigen Stunden starb. Auch der Ehemann hat schwere Brandwunden davongetragen. ( Selbstmordepidemie in Odessa. In Rußlands Hauptstadt am Schwarzen Meer ist eine Selbstmordepidemie ausgebrochen. Seit Wochen sind täglich mehrere Selbstmorde zu verzeichnen, Studenten, Arbeiter, junge Mädchen sind es, die ihrem Leben ein Ziel setzen. Ein besonderer Anlaß, etwa erschwerte, wirtschaftliche Lage, liegt nicht vor, es ist wie eine epidemische geistige Krankheit, die die Bevölkerung heimsucht. Es hat sich eine Gesellschaft zur Bekämpsung des Selbstmordes gebildet, sie macht sich zur Ausgabe, den Notleidenden beizustehen und sie vom verzweifelten Schritt abzuhalten. ) Blitzschlag in einen schwebenden Acroplan. Auf dem Prinz=Heinrich=Flug wurde ein Aeroplan von einem Blitzstrahl getrofsen, ohne daß dem Flugzeug nennenswerter Schaden zugefügt wurde. Die Insassen des Aeroplans spürten, als der Blitz in das Fahrzeug schlug, nur einen scharfen Ruck, gleichzeitig war für Augenblicksdauer ein eigentümliches Summen und Singen in dem Gesänge des Apparates vernehmbar. Die Flieger nahmen ferner den Ozeangeruch wahr, der sich stets bei Blitzschlägen entwickelt, im übrigen verlief das Abenteuer ohne besondere Ereignisse. ( Eine Tragödie auf den Dächern. Der Zimmermann Ehring in Leipzig wollte vom Dach aus in die Kabine seiner Geliebten steigen. Da man ihn für einen Dieb hielt, wurde er verfolgt. Als der ihn verfolgende Dachdecker Weinheimer ihm zu nahe kam, gab Ehring auf ihn einen Schuß ab, der ihn schwer verletzte Darauf flüchtete Ehring weiter und wurde schließlich von einem Schutzmann gestellt. Als er keinen Ausweg mehr sah, erschoß er sich. Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Ang. König. 16 „Ichhatte meinen jetzigen Mann schon früher kennen gelernt, er wollte sich etablieren, da wünschte er baldige Heirat, und ich besann mich nicht lange, dem Kinde konnte ich ja doch nichts mehr sein. Das Herz hat mir freilich geblutet, als ich von ihm Abschied nehmen mußte, aber es ließ sich nicht ändern.“ „Sahen Sie Dagobert auch später nicht wieder?“ „Doch, nach einigen Jahren, aber der Doktor ist nie zu mir gekommen, obgleich ich auch ihm in Haus Eichenhorst immer eine Freundin gewesen bin.“ Ein vorwurfsvoller Blick traf bei diesen Worten den Rechtsanwalt, der von Zeit zu Zeit einige Worte in sein Notizbuch eintrug. „Sie dürfen mir das nicht übelnehmen,“ erwiderte er,„ich hatte mit allem, was mich an jenes Haus erinnern konnte, gebrochen, und saß dabei tief in der Arbeit. Zudem war es mir auch ganz inbekannt, daß Sie hier wohnten—“ „Ich nehme es Ihnen nicht übel,“ unterbrach sie ihn in ihrer ruhigen, treuherzigen Weise,„ich weiß ja, wie übel Ihnen mitgespielt worden ist, und wie wacker Sie sich dem Baron gegenüber benommen haben. Ja, den Herrn Baron Dagobert sah ich später wieder, er kaufte viel bei uns, und ich war stolz darauf, daß er so schön und stattlich geworden war.“„ „Mau behauptet, er sei dammis ein sehr reichtsinniger Verschwender gewesen, warf Hermann „Leichtsinnig, ja das war er, und er mag auch wohl viel Geld ausgegeben haben, aber daran trug die schlechte Gesellschaft Schuld. Er hat es mir selbst gesagt, der Sohn des Verwalters sei ein Verführer, und er könne sichnicht von ihm losmachen, weil er ihm Geld schulde. Ich habe es an Bitten und sogar an Tränen nicht fehlen lassen, er faßte dann die besten Vorsätze, aber nach einigen Tagen war es wieder die alte Geschichte. „Das vergelte Ihnen Gott, Marie,“ sagte die Baronin bewegt, indem sie der alten Frau die Hände bot, und Marie Burger neigte sich über die beiden Hände und küßte sie. „Sie werden gewiß auch das Ereignis kennen, das Baron Dagobert zur Flucht zwang, nahm der Rechtsanwalt wieder das Wort,„ich darf wohl annehmen, daß Ihr Mann sich damals genau danach erkundigt hat. „Ja, das dürfen Sie annehmen, denn mein Mann ist sehr neugierig, er muß alles wissen,“ erwiderte Marie Burger,„es ist der einzige Fehler, den er hat, er teilt ihn wohl mit allen Genossen seiner Zunst. Die Gesellschaft kam jeden Abend in einem Wirtshaus zusammen, in dem sie ein besonderes Spielzimmer hatte. Es wurde hoch gespielt, und Baron Dagobert verlor immer. Das mag ihn wohl stutzig gemacht haben, und sein Verdacht gegen die Rotte war sicherlich auch begründet; aber statt ihr den Rücken zu wenden, warf er an jenem Abend dem Manne, der gerade die Bank hielt, die Karten ins Gesicht und nannte ihn einen falschen Spieler. Und nun drangen alle auf ihn ein, weil sie sich alle getroffen fühlten, nur der junge Schreiber, sein Verführer, soll auf seiner Seite und auch derjenige gewesen sein, der ihm den Stockdegen in die Hand gab. Wie es dann weiter gekommen ist, das hat niemand so recht gewußt, einer von der Bande ist plötzlich umgesunken, und die andern haben„Mord!“ gerufen. Eine Waffe hatte nur Baron Dagobert, also muß er auch den Mord begangen haben; der junge Schreiber hat ihn aus dem Krawall herausgerissen und zur Bahn gebracht, — in derselben Nacht noch ist der junge Baron geflüchter...... J ungen 6. m 5. „Und dann brachten die Zeitungen die Nachricht, Baron Dagobert von Darboren habe einen Menschen getötet und die Flucht ergriffen?" fragte Hermann. „Ja, so stand es einige Tage später in den Zeitungen, aber es war nicht wahr, alles nur Komödie, es war weiter nichts als eine leichte Verwundung."„„ G. 9 „Das aber berichteten spater die Zeitungen nicht?“ „Nein.“ „Sie haben später nichts mehr von dem jungen Herrn gehört?“ „Doch,“ nickte Marie Burger,„aber für die Wahrheit kann ich mich nicht verbürgen.“ „Was es auch sein mag, reden Sie!" rief die Baronin, ihre Hand auf den Arm der alten Frau legend.„Was haben Sie gehört?“ „Nichts Schlimmes, gnädige Frau! Vor einigen Jahren kam ein Freund meines Mannes von drüben zurück, um seine Familie abzuholen, die er bei seiner Auswanderung hier gelassen hatte. Er wohnte in einem Städtchen, fern im Westen von Nordamerika, und er erzählte uns unter anderm, er habe auch meinen Baron gesehen. Eines Tages sei ein Trapper, ein Pelzjäger, in seinen Laden gekommen, um Netze und Munition zu kaufen, er hätte sich lange mit ihm unterhalten und endlich erfahren, daß er der Baron von Darboren gewesen sei.“ „Das ist alles?“ fragte die Baronin erregt. „Nein. Der Herr Baron hat ihm gesagt, es gehe ihm gut und er hoffe, in einigen Jahren ein vermögender Mann zu sein, dann erst wolle er in die Heimat zurückkehren. Er hat dabei einen sehr guten Eindruck gemacht, den Eindruck eines ernsten Mannes, der weiß, was er will!“ „Dank, tansend Dank!"rief Baronin Adelgunde, in deren Augen es freudig aufleuchtete.„Das ist ein Trost, der unschätzbaren Wert hat! Weiß ich doch nun, daß mein Sohn jene gefährliche Bahn verlassen hat. „Kennen Sie den Namen des Städtchens, in Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. dem der Freund Ihres Mannes wohnt?“ fragte Hermann. „Syrakuse.“ „Könnte Ihr Mann an ihn schreiben und ihn bitten, dem Baron einen Brief zu übergeben?" „Gewiß," nickte die alte Frau,„aber es ist eine Frage, ob er diese Bitte erfüllen kann. Der Herr Baron wohnt nicht dort, als Jäger hat er keinen festen Wohnsitz——“ „Ich weiß das wohl,“ unterbrach der Rechtsanwalt sie.„Die Pelzjäger haben aber gewisse Stationen, die sie jährlich besuchen, da ist es so leicht möglich, daß der Herr Baron öfter nach Syrakuse kommt und dann auch bei Ihrem Freunde einkehrt, um Munition zu kaufen. In jenem Landstrich wird wohl auch eine Zeitung erscheinen, in ihr soll Baron Dagobert aufgefordert werden, sofort zurückzukommen. Wollen Sie das alles durch Ihren Freund besorgen lassen?“ „Sehr gern, Herr Doktor.“ „Ich werde heute noch den Brief und die Aufforderung schicken, natürlich ersetzen wir alle Kosten und Auslagen. „Und auf unsern Dank dürfen Sie rechnen, solange wir leben,“ fügte seine Schwester hinzu. Baronin Adelgunde dankte noch einmal mit warmen Worten der ehemaligen Dienerin und bat sie um ihren Besuch, der freudig zugesagt wurde. Die alte Frau kehrte in tiefer Bewegung in ihr Wohnzimmer zurück. „Das also war die Gnädige?“ fragte der Friseur neugierig,„was hat sie gewellt?“ „Ich sage es Dir nachher, erwiderte sie mit einem tiefen Atemzug,„es darf darüber nicht gesprochen werden.“ „Kann es mir schon denken,“ nickte er, und sein Blick ruhte dabei forschend auf dem roten Gesicht seiner Frau,„Krieg gegen den Baron, nicht wahr? Das wird ein schöner Tanz werden, an dem die ganze Stadt Gefallen haben mus 214,16 Eine hervorragende Schlingpflanze. Eine der besten, gegenwärtig aber noch wenig bekannten Schlingpflanzen ist Polygonum Baldschuanicum, der Baldschuknöterich. Die Pflanze ist außerordentlich wüchsig und ist da, wo es sich um schnelle Bekleidung häßlicher Wände handelt, oder wo schnell Schatten gespendet werden soll, jeder anderen Schlingpflanze vorzuziehen. Dabei ist sie sehr anspruchslos, wenngleich sie sich besonders für Beigabe guter Erde sehr dankbar erweist und mit Jahrestrieben von 3—4 m Länge lohnt. Doch achte man beim Einkauf darauf, nur kräftige, gutbewurzelte Pflanzen zu erhalten, diese sind zwar etwas teurer, wachsen aber dafür um so freudiger weiter. Gegen Frost ist dieser Knöterich fast unempfindlich, nur wenn infolge feuchtwarmen Herbstes die jungen Triebe noch nicht völlig ausgereift, noch nicht hart geworden sind, frieren sie ein wenig zurück. Ist dies der Fall, so schneidet man im Frühjahr den Zweig über einem kräftigen Auge ab, dieses bringt dann als vollwertigen Ersatz einen neuen starken Trieb hervor. Besondere Freude macht uns die Pflanze noch dadurch, daß sie von August bis Oktober außerordentlich reich blüht und von den eleganten weißen Blütenrispen wie übersät erscheint. Kampfhühner. Die Engländer haben eine große Vorliebe für Kampfhühner und züchten sowohl große starke Tiere als auch aus diesen heraus wieder kleine Rassen, von denen wir zeigen: l die wildfarbigen und II die rotscheckigen englischen Zwergkämpfer. III. Auch die silberhalsigen Zwergkämpfer sind englische Züchtung. Außerdem gibt es noch von den Zwergkämpfern braunbrüstige, Entenflügel, Silberentenflügel. Alle sind genügsame Vögel. Die Hennen legen ziemlich gut bis gut, sind auch gute Brüterinnen. In England, wo die Zucht sportmäßig betrieben wird, sind mit ihr hohe Geldprämien zu verdienen. Den Junghähnen werden im sechsten Monat Kamm, Kinn und Ohrlappen amputiert, den Junghennen schneidet man nur die weißen Ohrläppchen ab. Die Hähne bekommen durch diese Manipulation ein schlangenartig drohendes Aussehen Das Gewicht soll beim ausgewachsenen Zwergkampfhahn nicht über 800 g, bei der Henne nicht über 625g hinausWir bringen auf dieser Tafel unter Nr. IV das hinteraaer Kampfbübner. III Silberhalsige I Wildfarbige, II rotscheckige engl. Zwerghühner. Zwerglämpfer. 1V Hinterindischer Baldschuknöterich. Polygonum Baldschuanicum. Unser Hofhund. ftmals haben es von unseren Haustieren gerade die am schlechtesten, denen wir die größte Aufmerksamkeit widmen. Menschliche Fürsorge den Tieren gegenüber ist oft nicht ein Ausfluß von Pflichtgefühl und aufrichtiger Tierfreundlichkeit, sondern sie hat ihren Ursprung manchmal in Eigennutz, Eitelkeit oder Gedankenlosigkeit Den Hund haben wir wohl alle gern, wir glauben auch, für ihn zu sorgen, dadurch, daß wir ihm manchmal sehr gut, dafür aber um so öfter recht schlecht zu fressen geben. Der dunkelste Punkt unseres Verhältnisses zu ihm ist aber die Frage des Saufens Im Sommer fällt es uns ja wohl, wenn es recht warm ist, ein, daß das Tier an der Kette Ditrst haben muß; im Winter vergessen wir es aber und lassen ihm sein Eis im Saufnapf, mit dem es nichts anfangen kann. Manche Sommerkrankheit unseres Hundes ist auf verdorbenes Trinkwasser zurückzuführen. Am schlechtesten hat es die Hündin, wenn sie Junge aufzuziehen hat. Sie leidet unter fortwährenden neugierigen Störungen, wird nicht genügend mit Wasser versorgt, erhält ungeeignetes, häufig minderwertiges Futter, sehr zum Nachteil der jungen Tiere und zu ihrem eigenen Nachteil, und das Lager ist so unzweckmäßig wie nur möglich. Wir denken dabei natürlich nicht an Schoßhunde, sondern an unsern guten Freund, den Hofhund. Gewöhnlich wimmeln das Lager und die jungen Tiere von Ungeziefer. Man sollte der Hündin schon einige Tage vor dem Werfen ihr gut zubereitetes, sauberes Lager anweisen, sollte sie reichlich mit Nahrung, besonders aber mit Wasser versehen und sie möglichst gar nicht stören, wenigstens nicht 24 Stunden nach dem Wurf, abgesehen natürlich von der häufigen Verabreichung von frischem Wasser. Will man Milch geben, so sei diese mit Wasser vermischt und durchaus frisch. Suppen müssen recht dünn sein. Das Tier hat in erster Linie Durst. Wenn man der Hündin Junge fortnimmt, um sie zu töten, so mache indische Kampfhuhn; es ist etwas größer als die vorbeschriebenen Zwergkämpfer, die der Bankiva=Rasse angehören. Dieses Huhn wird in Hinterindien und China zu Kampfspielen benutzt. Es ist namentlich bei den Chinesen sehr beliebt, zwar etwas klein, aber überaus kräftig und flink, so daß es im Kampf gegen größere Hähne gestellt werden kann und sie durch Stärke, Gewandtheit und Ausdauer oft besiegt. Die Spargelfliege ist rotbraun, ihre Flügel sind stumpf, abgerundet und durchsichtig. Ihre Vertilgung geschieht am frühen Morgen. Dann trifft man die Fliege in halb erstarrtem Zustande am Spargelkopf. Sonst empfiehlt es sich noch, mit Brumataleim bestrichene Stäbchen in die Spargelbeete zu stecken Wichtig ist auch, daß beim Spargelstechen kein Kopf stehen bleibt; denn ein solch vergessener Spargelkopf wird von der Spargelfliege gleich heimgesucht. Die Kückenzucht wird jetzt eifrig betrieben. Daher wird auch überall die Frage erörtert, welche Hühnerrasse den Vorzug verdient. Vielfach hört man die KochinchinaHühner loben. Indes sind sie wegen ihrer starken Federbildung an den Füßen für den ländlichen Geflügelhof und zur Kückenaufzucht schlecht geeignet. Dazu kommt noch, daß sie schlechte Futtersucher sind und ihr Fleisch gelb, grobfaserig und saftlos ist. Die Orpingtons, Wyandottes, Plymouth Rocks und Rhode Isländer sind empfehlenswerter, da sie ruhiger, gute Glucken und vorzügliche Winterleger sind. Ihre Kücken entwickeln sich auch schnell und sind sehr widerDer Kümmel. Da der Kümmel als Gewürz unentbehrlich, ist auch sein Anbau nutzbringend. Auf sandigen Lehmoder lehmigen Sandboden gedeiht er am besten. Als Düngung ist Asche, Kompost, Kalk und Gülle zu empfehlen, aber nicht frischer Mist. Die Bodenbearbeitung muß sehr so gältig geschehen, damit das Land locker wird. Dann wird es geeggt und im Juli oder August reihenweise besät. Der Samen muß flach in den Boden gebracht werden, und zwar 4—10 kg auf das Heltar. Die Kohlhernie. Diese Krankheit veranlaßt eine knollenähnliche Anschwellung der Wurzeln der Kohlgewächse. Die Wurzeln verlieren die Fähigkeit, ihre Funktion auszuüben, die Pflanzen sterben infolgedessen mitten im Sommer ab, nachdem sie mehr und mehr welk wurden. Der Urheber der Mißgestaltungen an den Wurzeln ist ein mit bloßem Auge überhaupt nicht erkennbarer Pilz. Die Sporen(Samen) 1 desselben überwintern in der Erde, gelangen im folgenden Jahre wieder zu den Wurzeln der neu eingesetzten Pflanzen und rufen dort, je nach der Witterung neuerdings eine mehr oder weniger stark auftretende Verpilzung hervor. Man hat nun die Beobachtung machen können, daß auf Feldern, auf denen jahrelang ohne Wechsel im Boden, nach reicher Düngung mit Stalldung und Abtrittdünger, Kohl gebaut wurde, die Kohlhernie ungewöhnlich stark auftrat. Nicht unbegründet hat man aus dieser Erscheinung den Schluß gezogen, daß die erwähnte Krankheit der Kohlpflanze als eine Folge von Ueberdüngung und ungenügendem Fruchtwechsel anzusehen ist, daß ferner durch den richtigen Wechse der anzubauenden Gewächse und rationelles Düngen das Auftreten des Pilzes natürlicherweise beschränkt wird. Auf einem von der Krankheit verseuchten Boden darf in zwei aufeinander folgenden Jahren kein Kohl gebaut werden. Die Kohlsaatbeete, die oft die Herde für die Verbreitung der Krankheit bilden, sollen in jedem Jahre auf anderer Fläche angelegt werden. Zur gleichzeitigen Vernichtung des 8 Ueoels muß Kalk angewendet werden. Letzterer wird in feinem Zustande ausgestreut und sofort untergebracht. Auch hat man des öfteren dadurch gute Erfolge erzielt, daß man Gründungspflanzen wie die Zottelwicke auf dem Kohlfelde anbaute, die mit ihren Wurzeln den Boden reinigten. Mäßige Beschattung des Bodens und Geschlossenhalten ist ebenfalls ein gutes Mittel zur Hernie=Bekämpfung. Man hat feststellen können, daß durch größere Erwärmung der oberen Wurzeln die Entwicklung der Pilzwucherungen besonders unterstützt wird. Die von der Krankheit befallenen Pflanzen müssen entfernt und vernichtet werden, am besten durch Verbrennen. Die Pflanzen werden im übrigen gegen feindliche Angriffe durch sachgemäße Kultur am meisten widerstandsfähig. Nicht oft genug kann man darauf hinweisen, daß ein guter Boden, rechtzeitige Aussaat, gute keimfähige und gesunde Sorte, gewissenhafte Pflege die wirksamsten Schutzmittel für alle Pflanzenkrankheiten darstellen. Kohlhernte.(Kropf, Knotensucht.) nahmen bringen. Je anhaltender und ausgiebiger die Spalierpflanzen vom Licht getroffen werden, desto mehr Baustoffe bilden sie und desto mehr und größere Früchte sind zu gewinnen. Außerdem kann Spalierobst noch in solchen Gegenden gezogen werden, wo feinere Obstkulturen sonst unmöglich wären. Es wird angenommen, daß ein Quadratmeter mit Spalieren bezogener Wandfläche einen Rohertrag von 60 Pf. bis zu 1 M. bringt: Wenn alle zur Bepflanzung geeigneten Hauswände mit Spalierobst bezogen würden, so könnten noch große Mengen vorzüglichsten Obstes erzeugt werden Am geeignetsten ist die südliche Wand. Dann folgt Südwest, Südost, West und endlich Ost. Die allerungünstigste, die nördliche kommt für die Bepflanzung mit Spalierobst überhaupt nicht in Frage. Ein weiterer Faktor ist der Wind. Eine südliche Hauswand kann durch dauernden Windzug stark verschlechtert werden, eine nordwestliche hat vielleicht Häuser oder Baumgruppen vorgelagert, die die Nordwinde abhalten und sie ganz brauchbar machen. Verrier=Palmette der Sorte„Gute Luise von Avranches“. Das Spalier ist an einem Wirtschaftsgebäude im Hof angebracht.(Das Bild stammt von Wasserbillig an der luxemburgischen Grenze.) Die Palmette steht zwar in ziemlich engen, aber auch in sehr geschützten und deshalb günstigen Verhältnissen. Sie hat neun Elagen und ist... zeVerrier Palmette der Sorte„Gute Luise von Avranches“. man dies unauffällig; sie darf unter keinen Umständen das Schicksal ihrer Jungen beobachten; auch muß dafür gesorgt werden, daß die toten Tierchen endgültig beseitigt und für die Mutter dauernd unsichtbar werden. Das Tier leidet unter der Entfernung der Jungen schwer, das braucht nicht erst bewiesen zu werden, aber manche Menschen finden eine Befriedigung darin, den Schmerz des Tieres um den Verlust seiner Jungen anzustacheln Die Hausspalierzucht. Warme geschützte Hauswände eignen sich in hervorragender Weise zur Anzucht von Tafelobst und Tafeltrauben und können auf diese Weise recht ansehnliche Einzogen. Hier die Spalier gedeihen, auch vollständig ge Sie hat neun Elagen und ist tadellos gezeigt sich, daß bäume ganz gut wenn der Boden pflastert ist. „Gewiß, das traurige Ereignis hätte auch erst am Vierzehnten eintreten können.“ Lucienne fuhr ganz erregt auf: „Da haben Sie es ja; hätte können... sie starb aber an einem Dreizehnten, weil"... „Weil er auch im Kalender steht!" warf Adr'an gereizt ein.„„. 36 um 8. „Nein, sondern weil er ein Unglnckstaa ist! Am Dreizehnten heirate ich absolut nicht, absolut nicht!“ Adrian=nagte nervös an der Oberlippe. „Ha. liebes Fräulein Lucienne; ich mut mich Ihren ... Wünschen fügen. Wir heiraten also zwei Wochen spiter: aber ich kann die Bemerkung nicht unterdrücken, das Sie früh beginnen— Launen zu haben.“ Lucienne war dem Weinen nahe. „Launen nennen Sie das? Lannen, wenn ich mich entschließe, die Hochzeit aufzuschieben? Launen.... esi nur Sorge um unser Glück.“ Aber Adrian blieb gereizt. „Ach, Vorsicht! Derlei kann man nur Unsinn oder Laune nennen... Pardon, ich war unhöflich!“ „Adrian!“ rief sie gekränkt. „Aber es ist wahr!“ fuhr er erregt sort.„Da werde ich an jenem Tage mich wohl auch hüten müssen, einem alten Weibe zu begegnen; vor dem dreizehnten Gratusanten werde ich flüchten sollen... später soll ich wohl gar am Freitag nicht lachen, weil man sonst am Sonntag weint: Das ist ja heiter, sehr heiter! Und dann gai das Salz... ach, meine Liebe, sagen Sie doch: Was geschieht, wenn man am Hochzeitsmorgen Salz verschüttet?“ Lucienne blickte ihn ernst an: „Das gibt dann eine sehr unglückliche Ehe.“ „Wirklich, wirklich?... das will ich denn doch erst erproben! Sie sollen Ihren Willen haben: wir heirgten erst am Siebenundzwanzigsten, aber das eine gelobe ich Ihnen. — am frühen Morgen schon verschütte ich zwei Kilo Salz.“ Lucienne sah ihn erschreckt an: „Das... das... könnten Sie. tun?“ „Das werde ich tun.“ „Oh... oh... für so... so herzlos hätte ich Sie nicht gehalten... Sie... Sie... wollten unsere ganee Ehe... Nein! nein!“ und sie weinte und schluchzte zum Erbarmen. Adrian blickte nach ihr. „Das beginnt ja gut!“ dachte er.„Aber sie ist auch zu töricht. Nein, darauf ging er nicht ein, lieber... überhaupt sticht.“. Und er erhob sich und schritt zur Tür. Immer lauter und heißer weinte die kleine Lucienne, und ihr Weinen brach den Widerstand Adrians. Es war ja eigentlich auch lächerlich... wegen einer solchen Lappalie... Er blieb stehen und überlegte. Dann schritt er auf Lucienne zu und blickte auf die sich in einem Weinkrampf Schüttelnde:... und da wurde er ganz versöhnlich genimmt. Die kleine Närrin war ja nur um ihr beider Glück besorgt. Er beugte sich nieder, strich liebkosend ihr blondes Haar und sagte: „Lucienne, meine liebe Lucienne; ich werde das Salz nicht verschütten.“ Sie wollte im Weinen innehalten; aber es ging nicht ganz, schluchzend fragte sie: „Und wir heiraten auch nicht am Dreizehnten?" „Nein, meine Liebe.“ „O du lieber, du guter,“ rief sie, unter Tränen lachend und warf sich ihm an die Brust, und den ersten Kuß gab sie ihm, als gerade die letzte Träne an dem Mundwintel vorüberglitt. 0 alter Zeit. Malltiichs. Zur Zeit, als Kaiser Franz Joseph seine erste Reise durch Ungarn machte, war der damal'ge Bürgermeister von Pest eine ungemein mißliebige Person. Er machte in einer Beratung den Versammelten den Vorschlag, man möcte über eine Kundgebung schlüssig werden, die 1. den Kaiser überrasche, 2. nicht viel koste und 3. auch dem Volke ein Vergnügen bereite. Am folgenden Tage erhielt nun der Bürgermeister einen Brief ohne Namensunterschrift, in dem der Schreiber ausführte, den geehrten Herrn Bürgermeister vor dem zu Ehren des Kaisers errichteten Triumphbogen aufzuknüpsen, denn das würde 1. den Kaiser sehr überraschen, 2. nicht viel kosten und 3. dem Volke ein ungeheures Vergnügen bereiten. Erdbeben der Vorzeit. Die merkwürdigsten Erdbeben der alten Zeit findet man von Plinius beschrieben: Unter die ausgedehntesten und zerstörendsten gehört dasjenige, welches im 17. Jahre der christlichen Zeitrechnung in Klein=Asien dreizehn große Städte in einer Nacht völlig verwüstete und eine Erdmasse von wenigstens hundert Meilen im Durchmesser in Bewegung setzte. Ein anderes, welches darauf folgte, erschütterte den größten Teil Italiens.— Doch das außerordentlichste, von dem er berichtet, ereignete sich unter dem Kon'ulate des Lucius Marcus und Sextus Julius, in der römiscken Provinz Mutina. Plinius erzählt, daß zwei Berge einen so schrecklichen Stoß emp anden, daß sie sich mit einem furchtbaren Getöte zu nähern und wieder voneinander zu gehen schienen. Zu oleicher Zeit warfen sie mitten am Tage, zum größten Schrecken der erstaunten Zuschauer. Feuer und Rauch aus. Durch diesen Erdnoß wurden mehrere Städte zerstört und alles Lebendige in ihrer Umzegend getötet. Unter Trojans Regierung wurde die Stadt Antiochia, samt einer großen Strecke der benachbarten Gegend, durch ein Erd eben heimgesucht; gegen 300 Jahre später wurde sie, unter der Regierung des Kaisers Justinian, wieder durch e'n Erdbeben verwüstet und verlor dabei 40 000 ihrer Einwohner. Endlich wurde, nach einem Zeitraum von 60 Jahren, diese unglückliche Stadt zum dritten Male durch ein Erdoeben verheert, mit einem Verlust von 60 000 Seelen. Pariser Schönheitspulver. Eine beliebige Menge Reis wird in reines Wasser eingeweicht. Das aufgeschüttete Wasser ersetzt man 14 Tage lang stets durch risches, bis der Reis zuletzt so weich ist, daß man ihn zerdrücken kann. Dann wird alles Wasser sbgegossen, wonach man den Reis so lange verrührt, bis daraus eine weiße, mischaitige keit sich gebildet hat, die man durch ein Haarsieb oder ein weißes. nicht zu dichtes Tuch rührt; Bann läßt man die Flussigkeit klären und trocknet das so gewonnene feine Mehl auf einem ausgespannten, trockenen Tuche. Dieses Mehl, mit et nas pulverisierter Soda gemischt, ist das Pariser Schönheits oder Waschpulver. Warme Waschungen. Als eines der hauptsächlichsten Mittel zur Erhaltung der Schönheit und Weichheit der Haut ist die Gewohnheit, der warmen Waschung ein kaltes Nachspülen folgen zu lassen, und die Vorsicht zu beachten, nach jedem Waschen die Haut so trocken als möglich zu reiben und es dann zu vermeiden, den Teint sogleich der freien Luft auszusetzen. Den Schmuck des Haares sollte man sich stets zu bewahren suchen. Künstliche Mittel pflegen nicht viel zu helfen, oft schaden sie sogar; eine sorgfäitige und naturgemäße Pflege dagegen bleibt nie unbelohnt. Fleißiges Kämmen und Bürsten ist erste Bedingung; ebenso Waschen des Haarbodens. Geschieht letzteres regelmäßig alle vier Wochen, so genügt es vollständig. Dazu nimmt man lauwariges Wasser, seift den Kopf sanft aber gründlich mit Teerseife ein und spült erst mit lauem, dann kaltem Wasser die Seife vollständig ab. Das Haar trocknet man mit seinen weichen Tüchern und vermeidet nach dem Trocknen jede Zugluft. Eine schöne, schmale Scheitelabteilung erhält man sich am längsten durch öfteres Verlegen der Scheitellinie, um eine Wenigkeit nach rechts oder links. für die Küche. Falsche Reissuppe. Man macht aus ¼ Kilogramm Mehl, zwei Eiern, 35 Gramm Butter und zwei Löffel klar gewiegter Petersilie einen Teig, den man durch ein Sieb drückt. Die entstandenen reisähnlichen Räupchen kocht man in guter Bouillon auf. Mittel gegen zähes Fleisch. Um zähes Fleisch weich zu kochen, braucht man nur dem Wasser etwas Essig beizufügen, oder auch nur zwei Messerspitze, tkchlensaures Natron auf einen 1½ bis zwei Liter=Tope, voll doppelttehtensaures Natron auf einen Falscher Kaviar. Zwei bis drei schöne Heringe werden gewässert, von Haut und Gräten befreit, gewiegt, mit ganz sein gehackter Zwiebel und Zitronensaft untermischt und mit frischer Butter auf Weißbrot gestrichen. -Der Nachdruck des gesamten Inhalts dieser Beilage ist untersagt.“ 46. Jahrgang O Grltes und ättelles Cagesorgan des Kreiles. O haupt-Annonceubiat Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 122. Mittwoch 27 Mai 914. kommt einer aus der Ferne her, Wird ihm das Lügen gar nicht schwer. Bleibt er zu hause, wird er's lassen, Man kann ihm auf die Finger passen. Das zweite Ich. Seitsamer Roman von Rudolf Jura. (6. Fortsetzung.) Es rückte die Zeit des Mittagessens heran, zu welcher die pün tliche Dame sonst nie zu sehlen pflegte, und der Staatsanwalt kam nach Hause und wurde von allem kurz unterrichtet. Ihm war die weichherzige Rücksichtnahme au den ermüdeten Zustand der seelisch offenbar schwer leidenden jungen Diebin ftemd. Er nahm sie sofort in ein strenges Verhör, und seinen herrischen bestimmten Fragen gelang es auch, sie aus ihrem Halbschiaf emporzurüttein und einigermassen wieder zur Vernunft zu bringen. Was sie ihm jedoch auf seine Fragen antwortete, war so unsinnig und so unglaußlich, daß er zu der Aber eugung gelangte, es entweder mit einer Geisteskranken oder mit einer ganz verstockten Verbrecherin zu tun zu haben. Die wiederholten kleinen Gelddiebstähle und auch die Entwendung des Brillantringes stellte sie durchaus nicht in Abrede, zeigte aber nicht die mindeste Reue oder auch nur Beschämung oder Beiroffenheit darüber, sondern erklärte gan; harm'os, daß sie doch alles Emil ha#e geben müssen. Der Staatsanwalt fragte: „Hat Sie der Kanziewvorsteher Cmil Born jemals zu einem dieser Diebstähle au geferdert oder angeregt?“ „Rein. Er hat mich gebeten, ihm Geld zu leihen. Da habe ich mir welches genommen und es ihm gegeben. Er wollte auch mein Syarkassenbuch haben. Aber ich habe keins. Wie ich iym heute nacht den Brillantring gegeben habe, hat er gezankt und mich nach Hause geschickt.“ „Hatten Sie von Frau Loktor Römer Erlaubnis, heute nacht in ihrer Toilette den„Weitzen Adler“ zu besuchen?" „Ich weiß nicht.—— Emil hatte mir doch genern früh gesagt, ich müßte kommen. Da bin ich halb elf ausgewacht und bin hingegangen. Ich war ganz pünitlich dort. Der Herr hier kann es bezeugen.“ „Lassen Sie Ihre frechwitzigen Bemerkungen beiseite. Ich werde natürlich die Anllage wegen Dieb siah's gegen Sie erheben, werde mir also nachträglich schnell noch Ihre Personalien feststellen.“ Die Befragte behauptete jedoch, weder ihren Namen und ihr Alter, noch den Stand ihrer Eltern zu kennen. Die einzige Auskunft, die sie schließlich gab, war, daß sie von Emil„Mieze“ genannt werde. „Also heißen Sie Marie oder Maria?“ „Bei dem Wort Maria, das der Staatsanwalt etwas scharf hervorgestoßen hatte, zuckte sie seltsam zu amnen. Ihr Gesicht veränderte sich ein wenig und blickte suchend nach dem Rechtsanwalt. Sogleich aber kehrte der alle gleichgültige Ausdruck zurück, und sie murmelte: „Ich weiß nichts.“ „Sie wohnen bei Ihren Elltern?“ Keine Antwort. „Wo schlasen Sie denn des Nachts?“ „Dort.“ sagte sie und zeigte nach dem Schlafzimmer der Frau Doktor. „Jede Nacht?“ „Natürlich.“ „Das ist doch gar nicht möglich. Dann müßte ich Sie doch polizeilich angemeldet haben.“ Sie zuckte verständnislos die Achseln, und der Staatsanwalt fragte weiter: „Wo essen Sie zu Mittag?“ „Mit'an? Ich habe noch nie zu Mittag gegessen. Ich koche mir des Morgens bei der Arbeit meine Hafergrütze. Sonst esse ich überhaupt nicht, außer, wenn ich mit Emil im „Wei en Ad er" bin.“ „Machen Sie doch nicht so unglaubliche Angaben. Wo gehen Sie denn hin, wenn Sie des Morgens hier mit Ihrer Arbeit#ertig sind? Meine Schwigerin nimnt Ihre Tätigkeit doch nur bis etwa um zehn Uhr in Ansvru v. Dann gehen Sie doch irgendwo anders hin? Wahrscheinlich nach Hause? Also wo gehen Sie dann hin?" „Ich... ich weiß nichts. Ich höre dann immer auf. Ich mache immer nur das, was mir befohlen ist und was auf der Schiefertatel steht, und dann höre ich immer auf.“ „So? Hat Ihnen denn die Frau Doktor befohlen. nachts zu Tanze zu gehen und Ihre Wäsche und Kleider dabei zu tragen?“ „Nein! Aber Emil hat mir gesagt, ich muß kommen. Und wenn ich gerade nichts für die Frau Do tor zu tun habe, muß ich auch tun, was Emil mir sagt. Aber gani so. wie wenn mir die Frau Doktor etwas aufschreibt, ist es nicht.“ „Und warum sind Sie heute noch bis Mittag in der Wohnung und haben gelärmt und geschrieen, während Sie doch sonst schon um zehn Uhr, wie Sie es nennen, aufhören? Hat Ihnen das heute die Frau Doktor befohlen oder Emil?“ Jetzt wurde sie wieder von Furcht und Unruhe ergriffen. während sie ihre bisherigen Aussagen mit der Miene träumerischer Unschuld gemacht hatte. „Ich konnte heute noch nicht aufhören,“ sagte sie ängstlich. „Ich habe den Briei nicht gefunden. Meine letzte Arbeit ist immer, daß ich den Brief vom Nanttisch nehmen muß. Aber heute früh war er nicht da. Und ich muß ihn doch lesen. Ich muß!“ „Dann hat eben diesmal keiner dagelegen,“ sagte der Staatsanwalt, der jetzt bemüht war. auf ihre sonderbaren, irren Reden einzugehen und nur vorsichtig zu widersprechen. „O doch! Er liegt immer du!“ „Sie sagen. Sie schlasen jede Nacht hier, und haben also auch vergangene Nacht hier geschlafen?" „Ja.“ „Dann müßten Sie sich doch erinnern können, ob der Brief gestern abend, als Sie zu Bett gingen, auf dem Nachttisch gelegen hat?" „Das weiß ich nicht. Ich habe nicht nachgesehen. Ich bin immer abends so müde. Wenn man den ganzen Tag sich als armes Dienstmädchen abgearbeitet hat, da schläft man schnell en.“ „Was sagen Sie jetzt? Vorhin behaupteten Sie, Sie hörten immer schon um zehn Uhr morgens mit arbeiten auf! Wie reimt sich das zusammen?" „Ich... ich weiß auch nicht. Aber Frau Doltor hat mir gesagt, ich sei abends vom vielen Arbeiten ganz müde!“ F. *.* * 2 □ 8 5 * S DUEE SEESSEL S 9 5"S 5** S— 5 8— S S 8 5 8. SaS S9. S ##SEES 10=gHDSEAE 5 SOS □ G#DE 5 0 S* 9• EicOxE-S Spegr s S S ESSSnEE SSEOTTUSGTSPEEG S 8% Bggg :** TGESES 5 U—— #s 5 9 S 85 2 8 STTEUESSATE So SASE EOSHUSSEGE GOUADTEDn S S SEüE „So? Gesagt hat Ihnen das die Frau Doktor? Sie haben aber auch schon angegeben, die Frau Doktor verkehre nur schriftlich mit Ihnen? Wie verhält sich das?" „Das weiß ich nicht. Vielleicht hat sie es mir aufgeschrieben. Aber ich bin wirklich des Abends allemal so müde.. „Daß Sie sich nicht entsinnen können, ob der Brief, dessen Besorgung Ihnen oblag, abends auf dem Tisch gelegen hat, hm. Wie war es denn nun des Nachts, als Sie ausstanden, um zu Tanze zu gehen? Da scheinen Sie doch nicht mehr so müde gewesen zu sein? Strengen Sie Ihr Gedächtnis einmal etwas an. Vielleicht wissen Sie, ob Sie ihn da haben liegen sehen? Erinnern Sie sich!“ „Ja!“ rief sie plötzlich, indem sie über die Wiederkehr des Gedächtnisses etwas zu erschrecken schien.„Ja, da habe ich ihn gesehen. Aber weil ich zu Emil kommen mußte, habe ich wohl nicht genug an Frau Doktor gedacht, und an das, was ich des Morgens zu besorgen habe, und da habe ich den Ring in den Brief gewickelt und ihn Emil gegeben. Emil hat den Brief. Emil hat ihn. Lassen Sie mich fort. Er muß ihn mir geben. Ich muß ihn lesen."... Mit lauter Stimme hatte sie die letzten Worte geschrieen und drängte den Staatsanwalt wütend beiseite, um den Ausgang zu gewinnen. Dieser hielt sie mühsam zurück „Schließen Sie die Tür, lieber Herr Lohmann, bitte? Entweder ist sie tobsüchtig geworden, oder sie spielt nur die wilde Frau und benutzt diesen Tric, um sich in Freiheit und mit dem sauberen Herrn Born in Verbindung zu setzen.“ Der Rechtsanwalt war ihr bereits in den Weg getreten, und als ihn jetzt ein zorniger Strahl ihres flammenden grauen Auges traf, rief er ganz betroffen dem Staats„Sehen Sie nur, wie ähnlich sie der Frau Doktor von Gestalt und Haaren ist.“ Die Frau Staatsanwalt fand diese Vergleichung eines Dienstboten mit der Person seiner Herrschaft höchst unpassend. Ihr Mann aber entgegnete: „Allerdings. Aber da sieht man eben wieder einmal, wie sich der eigenartige Stempel einer Persönlichkeit nur im Antlitz ausprägt! Übrigens halte ich es für das Richtigste, die Person einstweilen hier eingeschlossen zu lassen und uns erst einmal zu Tisch zu setzen.“„ L 16.##. Seine Frau war damit einverstanden, seufzte aber: „Wenn wir nur erst über Marias Schicksal Gewißheit „Darüber können wir ja nach Tisch weiter reden.“ murrte hungrig und ungeduldig der Staatsanwalt, während Lohmann wieder an den Schreibtisch getreten war und mit gespannter Aufmerksamkeit eine Stelle des Manuskriptes las, in dem er während des Verhörs achtlos geblättert hatte. „Lassen Sie mich noch ein paar Minuten hier mit der .. sonderbaren.... Dame allein.—— Ich kann Ihnen dann vielleicht einige überraschende Aufklärungen geben.“ Der Staatsanwalt und seine Frau gingen hinunter. Bei dem tobenden Mädchen hatte sich die Wut des Anfalles gelegt. Sie lag schluchzend in einem Polsterstuhl, und der Rechtsanwalt verschlang gierigen Auges und hochklopfenden Herzens die geheimnisvollen Enthüllungen, die das Manuskript der Frau Doktor ihm darbot. 5. Inzwischen hatte Emil Born an seinem wohlbesetzten Mittagstisch Platz genommen und das liebe Fräulein Kurzmüller mit der geheimnisvollen Mitteilung erfreut und neugierig gemacht, er habe ihr nach Tisch etwas Schönes zu übergeben.„„aefätiat uus 8 5. Kaum hatte sie ihre Damen ungesattigr aus den Hungerzimmern entlassen, so eilte sie ins Herrenzimmer, wo der Kanzleivorsteher bereits allein war, im behaglichen Wohlgefühl einer reichen Mahlzeit in seinem Polsterstuhl zurückgelehnt saß und sie schmunzelnd erwartete. Er fürchtete, daß der dürftige Zettel, den er seiner sreundlichen Wirtin als einzige Beute überbringen konnte, ihr vielleicht mit fünfzig Mark Kosten allzu teuer bezahlt erscheinen möchte. Deshalb beschloß er, durch wichtige Mienen und gefährliche Bemerkungen dem Stückchen Papier wenigstens vorübergehend in ihren Augen eine größere Bedeutung zu geben. „Mein liebes, verehrtes Fräulein," begann er mit hochgezogenen Augenbrauen,„es war keine Kleinigkeit, das außerordentlich verschwiegene und hochnäsige Mädchen der Frau Doktor zum Plaudern zu bringen. Aber Sie wissen ja, für mich ist keine Schwierigkeit unüberwindlich, besonders wenn ich mich in Ihren Diensten fühle." Fräulein Kurzmüller wurde bereits ungeduldig und „Haben Sie denn etwas recht Hübsches herausgebracht? Etwas, was man der unverschämten Person so recht in den Hals stopfen kann, wenn sie sich wieder mal herausnimmt, über ehrliche Leute zu Gericht sitzen zu wollen?" „Ich will Sie nicht mit der Erzählung langweilen, was es mich gekostet hat, um mich in den Besitz dieses Dokuments hier zu setzen. Ich habe zwar noch keine bestimmte Einzelheit aus dem Leben der Frau Doktor erfahren können, aber hier auf diesem Zettel haben Sie zunächst einmal eine Generalbeichte, gewissermaßen ein allgemeines Schuldbekenntnis, von ihrer eigenen Hand geschrieben, in welchem sie selbst gesteht, daß in ihrer Lebensweise nicht immer alles so vornehm und edel zugeht oder zugegangen ist, wie sie sich gern den Anschein geben möchte!" Fräulein Kurzmüller griff neugierig nach dem Zettel und las erst still und dann noch einmal mit halblauter Stimme kopschüttelnd die Worte:..„.., Biebrigg mas 6. „Jetzt wache auf! Vergiß au das Nieorige, was ou soeben getan hast, und sei wieder, wie früher, die feine vornehme Frau Doktor Maria Römer.“.... nien Mart, „Sonderbar!“ murmelte sie und las die wenigen Worte immer von neuem. g igt L#x Tren Haltar ist 28 zmeifel„Die eigene Handschrift der Frau Vottor in es zweifellos. Also ist es offenbar eine Art Selbstbekenntnis, vielleicht ein loses Blatt aus ihrem Tagebuch oder etwas dergleichen.“ Emil Born hatte diese Worte mit geheimnisvoller Miene gesprochen und fügte eifrig hinzu:„."— „Ich bin überzeugt, der Zettel ist für Sie von unschätzbarem Verte.„.... S.äxlein 6 umäslen bei „Allerdings.“ pflichtete Frautein Kurzmuuer bei.„Ich bin mir nur nicht ganz im klaren, auf welche Weise ich diesen Wert ausnützen kann! Der Zettel gibt nur allgemeine, wenn auch unzweifelhafte Andeutungen von Schlechtigkeiten. Wenn wir nun damu noch die Kenntnis einer bestimmten einzelnen Missetat der Frau Doktor erhalten, dann haben wir Waffen genug in der Hand, um den Kampf gegen die verdächtige Dame aufzuneh##en und mich vor ihren Nachstellungen zu schützen. Sie müssen asso das Dienstmädchen noch weiter bearbeiten und durchaus eine greifbare Tatsache von ihr zu 9., Das wird schwer kallen; meinte Emil Born, indem er bedenklich die Schutern in die Höhe zog.„Das Dienstmädchen der Frau Römer sitzt jetzt vielleicht bereits im Untersuchungsgefängnis. Sie ist heute nacht bei ihrem verbrecherischen Treiben ertappt worden. Mir ist es unmöglich gewesen, sie zu schützen. Ich hatte Mühe, mich selbst außer Verdacht zu setzen. Denn ich hatte mich in Ihrem Dienst, mein liebes Fräulein Kurzmüller, so sehr mit ihr eingelassen, daß ich beinahe selbst mit hineingezogen worden wäre.“ „Das ist ja ganz vortrefflich! Wenn das Dienstmädchen etwas verbrochen hat, ist die Herrin dabei nicht ganz un„Nein, das ist nicht gut möglich, erwiderte Emil Vorn lächelnd.„Sie hat ihre Herrin fortgesetzt bestohlen, und dabei ist eine Mitschuld der Bestohlenen selbst doch wohl nicht gut denkbar.“...,. ,: Gurmi Fim eiri, „Wenn auch das nicht,“ fuhr Frautein Kurzmuller eifrig fort,„aber ein erwischter Dieb ist stets von Rachegefühlen gegen den Bestohlenen erfülli, der ihn angezeigt hat. Wenn sie also überhaupt etwas Nachteiliges von ihrer Herrin weiß, so wird sie jetzt sicher nicht mehr darüber schweigen.“ „Das ist schon wahr.“ „Nun wäre es sehr gut für uns, wenn Ihr Rechtsanwalt die Verteidigung der Diebin übernähme. Dann hätten Sie doch vielleicht irgend eine Gelegenheit, sich mit ihr in Verbindung zu seten.„.Ju, Lan: ansaefcklassen Gr. ist „Ja, das ist###er leider ganz ausgeschlossen. Er ist es gerade, der sie bei ihren Diebereien ertappt hat. Er ist ja auch schon seit Jahren der vertraute Freund und Berater der Frau Doktor, wird also keinesfalls ihr Dienstmädchen gegen sie in Schutz nehmen.“.. i 7.15— aud „Das ist schade. Dann werden Sie mir leider auch jetzt wenig mehr nützen können, und ich muß selbst sehen, wie ich diesen teuer bezahlten Zettel geschickt verwerten Emil Born konnte dem leider nicht widersprechen und hatte deshalb bedauerlicherweise auch keinen Vorwand, einen abermaligen Kostenvorschuß bei Fräulein Kurzmüller zu ercuu sbigyuusch W u M 5 # 8 5 8 55 R 5S 85 3 8 S 88%E S# Ssabggs. 95235 S2g5 SGOSRTRSS EASUU E. S S = 9. ∆ 2 6 * 5 25 n Sm S * S 12. 15 8 5 S: 88 S Uec S 2 9 □ *— a S: 5 S# 9 S5 E 8 SS 5 a 85 .S 00 80 5 55 SSE. 50•3 : S G 2 G a SSEES a 2 SCSSC n S—% — L. 0 SSLn B S 6•8999. abEIEAE S 6 8 .— SSE 8 =P 5.8C FarE: 9 S. 8 5 S S S. B S 9• 8 58. A SESpgOEs IExHOTT: 9— S20.1 S 85. S S S S. 85 S S. 58 5 8 5 0 S 5 8 8 5 Nr 8 *— — S 885 S B5SE S 5 a 5x5. E 9 = S C• S##E. S E. S 8 22 E 0 80T 8 5 5 58 5 58 S 21—5 LSEEN SSSRSE 2 SEHS 56580.— S SaS 55: heben. Es war für ihn Zeit, in die Kanzlei zurückzukehren, er ging. und Fräulein Kurzmüller blieb nachdenklich mit ihrem Zettel zurück.—— Die merkwürdige Stelle, die dem Rechtsanwalt indem Manuskript der Frau Doktor aufgefallen war, lautete folgendermaßen: „Bekanntlich ist körperliches Ausarbeiten dem Menschen sehr dienlich. Das geben die meisten Menschen auch gern zu. Trotzdem sind sie aber gewöhnlich zu bequem und zu willensschwach, ihrem Körper die für nolwendig erkannte Bewegung und Tätigkeit auch wirklich zu verschaffen. Ja, viele Leute schämen sich geradezu der körnerlichen Arbeit, als wäre es eine Schande, sich seiner Muskeln zu bedienen. Wenn sie gleichwohl noch einigermaßen vernünftig sind, machen sie sich dann künstliche Bewegungen durch das sogenannte Turnen, welches, weil ohne eigenen Selbstzweck, von tödlicher Langweiligkeit ist, während sie die zweckmäßigen, notwendigen, nützlichen und unterhaltenden Arbeiten des Haushaltes sich von bezahlter Dienerschaft wegnehmen lassen. Welch ein Unsinn! Wer seinen Haushalt selbst besorgt, hat an dem Wasserholen, Stiefelputzen, Kleider reinigen, Dielen scheuern usw. eine solche Fülle nützlicher und gesunder Bewegungen, daß er sich alles Turnen ersparen kann und die Bedienung obendrein! Aber freilich ist es nach der bei uns herrschenden Sitte für eine vornehme Dame nicht anständig, die Treppen zu scheuern und die Fenster zu putzen. Diesem Vorurteil der Gelellschaft zu trotzen, erfordert eine Charakterstärke, die nur wenige besitzen. Auch ich besitze sie nicht. Denn niemand setzt sich gern ohne Not der Lächerlichkeit, ja der Verachtung derjenigen Kreise aus, auf deren Verkehr er durch seinen Stand und seine Bildung angewiesen ist. In dieser Verlegenheit nun gewährt uns die Selbsthypnose einen Ausweg, der mit etwas Geschick und einiger Übung von jedem verständigen und willensstarken Menschen betreten werden kann. Ich selbst benutze ihn schon seit Jahren, und da ich diese Blätter erst nach meinem Tode in die Offentlichkeit gelangen lasse, so scheue ich mich nicht, mein sorgfältig gehütetes Geheimnis preiszugeben und einzugestehen, daß ich ein ganz eigentümliches Doppelleben führe, indem ich mich selbst zu meiner eigenen Doppelgängerin gemacht habe. Von meinem verstorbenen Mann wegen eines Nervenleidens hypnotisch behandelt, hatte ich schon frühzeitig meine hypnotischen Fähigkeiten erkannt unn auch alsbald eine bedeutende Kraft der Autosuggestion bei mir entdeckt. Diese Kraft verwende ich jetzt folgendermaßen: Durch lange Übung habe ich es so weit gebracht, daß des Abends vor dem Schlasengehen einige energische Blicke in meinen Spiegel, verbunden mit ein paar festen, befehlenden Worten, vollkommen hinreichen, um mich in die Einbildung zu versetzen, ich sei ein einfaches, ungebildetes Dienstmädchen. Früh um fünf Uhr stehe ich dann auf; die von mir zu verrichtenden Hausarbeiten sind auf einer weißen Papptafel in der Küche aufgezeichnet, nach der ich mich zu richten habe; wünsche ich irgend welche Gänge von mir besorgt zu haben, so schreibe ich das am Tage vorher auf eine Schiefertafel, und alles wird in meiner Abwesenheit, das heißt in Abwesenheit meines Bewußtseins, auf das pünktlichste besorgt. Ich kann wohl sagen, ich bin mit meinem Dienstmädchen noch nie so zufrieden gewesen, als seit ich selbst diese Stelle bei mir einnehme, ohne doch etwas davon zu fühlen oder zu wissen. Auf eben dieselbe Schiefertafel schreibt mir mein Dienstmädchen auch auf, wenn ausnahmsweise zu so früher Morgenstunde schon ein Besuch dagewesen oder ihr sonst irgend ein Auftrag für mich zuteil geworden ist. Ihre oder vielmehr meine letzte Aufgabe ist dann jeden Tag, einen auf dem Nachttisch liegenden Zettel zu nehmen, auf welchen ich selbst einige Worte niedergeschrieben habe, die hinreichend sind, mich wieder aufzuwecken und in mein eigentliches Leben zurückzurufen. Dann wache ich auf, angekleidet, gebadet und frisiert. Auch das Frühstück habe ich bereits ohne Bewußtsein zu mir genommen. Mein Körper hat sieben Stunden geschlasen und fünf Stunden gearbeitet, meine Nerven aber und mein Geist haben eine zwölfstündige Ruhezeit hinter sich und fühlen sich wunderbar gestärkt und ersrischt. Denn von alledem, was ich als Dienstmädchen getan und erlebt habe, ist auch nicht der Schatten einer Erinnerung mehr vorhanden. Vermutlich 1 weiß ich also auch als Dienstmädchen nicht das mindeste von meinem eigentlichen Leben, und diese glückliche Unwissenheit scheint sich auch auf meinem Dienstmädchengesicht auszuprägen. Ich habe mich oft bei Leuten, die mich als Magd gesehen haben, über mich erkundigt, und übereinstimmend ist mir immer die Meinung ausgesprochen worden, daß mein Dienstmädchen vielleicht ganz tüchtig in ihrer Arbeit sein könnte, aber jedenfalls einen sehr blödsinnigen Gesichtsausdruck hätte. Niemandem scheint da also auch nur die geringste Ahnlichkeit zwischen mir und mir selbst aufgefallen zu sein. Und das ist ja das beste an der Sache. Ich betreibe die beschwerlichen häuslichen Geschäfte nicht nur ohne Bewußtsein, sondern auch für andere vollständig incognito, und kann daher jedermann raten, meinem Beispiel zu folgen und sich heimlich und unerkannt selbst zu bedienen. Das ist billiger, gesunder und auch besser, als einen Mitmenschen zu seinem Knecht zu erniedrigen!"(Forts. folgt.) Am dreizehnten. ent. Von Emil Zimmermann. E Adrian Boissant eilte lebhaft seiner jungen Braut gegen. „Ach, meine liebste Lucienne!“ rief er, ihr galant die Hand küssend,„endlich sind wir so weit. Das war gestern ein heißer Tag, als ich bei Herrn du Cazal, Ihrem Vormunde, die Treppe hinaufkletterte— ich auf Freiersfüßen! Aber Ende gut, alles gut; ich habe nun das Vergnügen, vor meiner Braut zu stehen.“ „Ich habe es schon gestern gehört,“ erwiderte Lucienne mit dem Lächeln, das sie so reizend kleidete,„und mich dessen herzlich gefreut.“ „Wirklich Lucienne?“ „Aber Adrian! Sie zweiseln doch nicht!“ „Ach, meine liebe Lucienne, verzeihen Sie mir: ich weiß ja überhaupt nicht, was ich rede Wissen Sie, ich bin so froh, so glücklich, und in solcher Stimmung begehe ich stets Dummheiten.“ Er ließ sich auf einen der weichen Stühle nieder und sür ker. He#r. ie teech „Aber nun, meine Lieve, woulen wir alles besprechen. Das Erste und Wichtigste— langer Brautstand wird nicht gehalten. Sind Sie einverstanden?" Sie lächelte wieder: „Nun, eigentlich kennen wir uns schon gut genug.“ Adrian stimmte ihr freudig bei.„Gewiß, meine liebe Lucienne. Ich habe mich, da ich weiß, daß Sie die kirchliche Trauung wünschen, auch schon bei der Pfarrkanzlei erkundigt, welcher Sonntag noch frei wäre. Es ist ziemlich lange hinaus,— unglaublich, wie viele Leute heiraten.“ „Ja, es ist wirklich unglaublich.“..# i. tanf „Alle Sonntage sind schon stark besetzt; aber in jun Wochen würde es noch möglich sein.“ „In fünf Wochen? Wann ist das, bitte?“ „Am Dreizehnten nächsten Monats.“ „Am... Drei... zehn ten?“ „Jawohl, meine Liebe.“„ „Und am Dreizehnten sollten wir heiraten; fragte Lucienne ganz erschrocken;„ja, wollen Sie denn das Unglück direkt heraufbeschwören?" Adrian blickte sie erstaunt an.—. „Wieso denn, meine Liebe?“ „Am Dreizehnten... das ist ja ein Unglückstag!“ Ab... so!“ Adrian wurde ärgerlich, versuchte aber zu lächeln:„Meine liebe Lucienne, wer wird denn derlei glauben!“ „Ach. Sie meinen, daß das Unsinn ist? Ich daß der Dreizehnte ein Unglückstag ist! Nein. nein.“ sie entschlassen,„am Dreizehnten heirate ich nicht, absolut nicht.“ „Aber, meine Liebe, wir müssen uns dann noch zwei Bochen gedulden.„ochen später hosiunen als Had „Lieber die Ehe zehn Wochen spuler beginnen, als sich leichtfertigerweise ins Unglück flurzen.“ „Meine liebe Lucienne, das, was Sie da sagen, ist nicht ganz klug. Ich begreife überhaupt nicht, wie man noch an derlei glauben kann in unserer Zeit.“„ Meg##. „Oh, lassen Sie mich nur; ich have schon manches Unglück am Dreizehnten erlebt: Sie freilich werden sagen, daß das nur Zufall ist. Aber daß meine selige Mama an einem Dreizehnten starb, ist auch nur Zufall, nicht wahr?“ vorhandenen Zimmer bedeutend bessene Licht= und Luftverhältnisse erhalten haben. Weiter sind noch zwei größere Veranden eingebaut worden. **(Zwei schwere Jungen,) die beiden noch in jugendlichem Alter stehenden Arbeiter K. und N., welche schon seit längerer Zeit von der Polizei gesucht wurden, sind gestern hier verhaftet und dem Gerichtsgesängnis zugeführt werden. Die beiden schon vorbestraften Burschen stehen unter dem Verdacht, sich erneut an schweren Einbrüchen beteiligt zu halten. Die Schulden Europgs. Die össentliche Schuld aller Länder Europas beläust sich auf die ungeheune große Summe von 160 Milliarden 936 Millionen Franken. Untersucht man die Verteilung dieser fabelhaften Schuldenlast, auf die einzelnen Länder, so ergibt sich aus der Statistik, daß Frankreich alle europäischen Länder an Schuldenlast bei weitem überragt. Während sich die Schulden der französischen Republik auf 33.079 Milliarden Franken bezisssern, bleibt das Deutsche Reich, das an zweiter Stelle solgt, um rund neun Milliarden hinter der französischen Schuldenlast zurück. Immerhin hat die deutsche Staatsschuld noch die stattliche Höhe von 24 239 Milliarden. Ihr kommt annähernd die russische Staatsschuld gleich. Es folgen dann, nach der Höhe ihrer Schulden geordnet, Oesterreich= Ungarn, England, Italien, Spanien und die übrigen europäischen Länder. Welches ungeheure Anwachsen die Schuldenlast Europas seit Beginn des 19. Jahrhunderts zu verzeichnen hat, geht daraus hervor, daß noch um1800 die europäische Schuldenlast nur 25 Milliarden betrug, im Jahre 1825 schon auf 40 Milliarden, 1850 auf 47 Millianden, 1867 auf 66 Milliarden, 1888 aus 108 Milliarden und nunmehr auf 160 Milliarden gestiegen ist. Auch, was die Verteilung der Schuldenlast auf den einzelnen Kopf der Bevölkerung anlangt, zeitigt die Untersuchung höchst bemerkenswerte Ergebnisse. Danach steht wiederum dere Franzose an erster Stelle, er hat 835 Franken auf den Kopf zu tragen. Ihm folgt an zweiter Stelle der spanische Bürger mit 509 Franken, während der Deutsche mit 373 und der Russe mit 200 Franken an letzter Stelle siguriert. — Arbeiterbewegung. Nationale Arbeiterverbände. In Saarbrücken hielten die nationalen wirtschaftsfrierdlichen Arbeiter= und Berufsverbände ihre vierte Jahrestagung ab. Zu dem stark besuchten Kongreß waren Vertreter der Regierung, der Stadt, der Arbeitgeberschaft und Parlamen= tarier erschienen. Die Feststellung des Hauptberichterstatters, daß man an der Gemeinschaftsarbeit mit den Arbeitgebern und an nationaler Betätigung in scharfem Gegensatz zur Sozialdemokratie unerschütterlich festhalte, wurde mit starkem Beifall begrüßt. An den Kaiser wurde ein Huldigungstelegramm gerichtet in dem im Namen von mehr als zweihunderttausend Kamcraden das Gelübde der Treue zu Kaiser und Reich erneuert wird.— Im Festzug marschierten 12000 Arbeiter durch die geschmückten und beslaggten Straßen. Handel und Industrie. Gewerkschaft ver. Schürbank und Charlottenburg. Die gestrige ordentliche Gewerkenversammlung, in der 19 Gewerken 420 Kuxe vertraten, genehmigte Geschäftsbericht und Abschluß, erteilte Entlastung, und wählte ein nach der Reihe ausscheidendes Grubenvorstandsmitglied wieder. Ueber das lausende Jahr äußerte sich die Direktion:„Die im Geschäftsbericht erwähnten ungünstigen Absatzverhältnisse zu Ende des verslossenen Jahres haben auch im lausenden Jahre noch angehalten. Der Absatzmangel nötigte zur Einlegung von Feierschichten und zur Lagerung von Koks= und Brikettmengen. Die ersten vier Monate ergaben infolge des Preisrückganges und der Umlageerhöhung, der Pechverteuerung und des Absatzmangels nur einen Betriebsüberschuß von 60 963 Mark, gegen einen solchen von 86 631 im gleichen Zeitraume des Vorjahres. Der Stand der Grube ist durchaus zufriedenstellend, wie auch die in den letzten Jahren ausgeführten Neuanlagen sich gut bewährten, so daß mit geringeren Selbstkosten zu rechnen ist, wenn die Absatzverhältnisse sich bessern.“ Der Vorsitzende bemerkte zum Schluß über die Syndikatsverhandlungen, daß bei gutem Willen manches zu erreichen sei und daß man wohl hoffen dürse, zu einem guten Ende zu kommen. Der neue Fürstbischof von Breslau. Breslau, 27. Mai. Bischof Johann Adolf Bertram von Hildesheim ist heute morgen zum Fürstbischof von Breslau gewählt worden. Vergistung durch Kohlenoxydgas. Uerdingen, 27. Mai. In der chemischen Fabrik Weise Ter Mer platzte ein mit flüssigem Kohlenoxyd gesüllter Ballon. Mehrere Arbeiter erlitten Vergiftungen durch Kohlenoxydgas. Einer der Verunglückten starb im Krankenhaus nach wenigen Stunden. Sozialdemokratische Protestver sam mlungen. Berlin, 27. Mai. Die Erklärung des neuen Ministers des Innern Loebell, daß eine Aenderung des Landtagswahlrechts zur Zeit nicht in Aussicht genommen sei, hat die sozialdemokratischen Wahlvereine veranlaßt, gestern in Massenversammlungen gegen die Beibehaltung des jetzigen Wahlsystems zu protestieren. Die gestrigen siebzehn Versammlungen waren ungeachtet des ungünstigen Wetters recht gut besucht und mußten vorzeitig von der Polizei abgesperrt werden. Die Redner schilderten die Vorgänge in der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 18. Mai und bezeichneten das Verhalten der Regierung als eine Herausforderung des Volkes. Von der Annahme einer Resolution wurde in allen Versammlungen Abstand genommen. Schweres Automobilunglück. München, 27. Mai. Ein schweres Automobilunglück hat sich im Isartal bei München zugetragen. Dort ist ein mit einer Ausfluggesellschaft von sieben Personen besetztes Automobil durch Bremsbruch in die Straßenböschung geraten und vollständig zerstört worden. Die Hauptlehrerstochter Benzinger aus Buchenderf wurde getötet, die übrigen sechs Personen erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. Schwere Dampfrohr=Explosion. Liebau, 27. Mai. Auf dem im hiesigen Hafen liegenden Torpedoboot„Pogranitschnik“ explodierte ein Dampfrohr. Ein Ingenieur=Leutnant und vier Matrosen wurden verbrüht ins Hospital geschafft. Verheerendes Großfeuer. London, 27. Mai. Aus Neuyork wird gemeldet, daß dort im Cleveland=Holzhof Feuer ausbrach. Etwa acht Quadratmeilen wurden eingeäschert. Der Schaden beträgt sechs Millionen Mark. Die Abreise der neuen Kardinäle. Rom, 27. Mai. Wie verlautet, ist die Abreise der neuernannten Kardinäle Hartmann=Köln und Bettinger=München auf den 5. Juni festgesetzt. Großes Sturmunglück an der Wolga. Samara, 27. Mai. Bei einem Sturm auf der Wolga gingen acht mit Holz und Kalt beladene Kähne unter. In einem am Ufer liegenden Dorf wurden 42 Häuser zerstört. Zehn wurden von den Fluten mitgerissen. Es sind Opfer an Menschenleben zu beklagen.— Bei Nownoje(Gouvernement Samara) sind infolge des Sturmes viele große und keine Schisse gesunken. Auch dort sind Menschen umgekommen. Wieder ein Erdbeben auf Sizilien. Catania, 27. Mai. Das Erdbeben=Observatorium von Catania hat starke Erdstöße verzeichnet. In Zaiferana und Via Granada soll Schaden angerichtet worden sein. Die Italiener besetzen Massaua. Massaua, 27. Mai. Aus Aden verlautet, das drei italienische Transportschifse in Massaua Truppen an Land gesetzt haben. Ein weiterer Transport von 1630 Mann wird in Massaua erwartet. Die Beziehungen zwischen Italien und Abessinien gelten als sehr gespannt. 25 Bergleute erschlagen. Mexiko, 27. Mai. In der Santa GertrudisZeche bei Pachuce in der Nähe der Stadt Mexiko wurden 29 Bergleute durch ein Maschinenstück, das in den Schacht stürzte, erschlagen. Der heutige Wochenmarkt war trotz des schlechten Wetters mit Gemüsen aller Art reich beschickt, und war der Handel ein recht slotter. Bei der anhaltend ungünstigen Witterung halten sich die Preise noch immer auf ziemlicher Höhe. Es kosteten u. a.: Salat Kopf 5, 10, 3 Stück 20 Pf., Melde 3 Bündchen 15 Pf., Stielmus 4 Bündchen 10 Pf., Schnittkohl Pd. 15 Pf., Rhabarber Pack 25 Pf., Erbsen Pid. 25 Pf., Spargel Pid. 50, 65, 75 Pf., Möhrchen Pack 40 Pf., Gurken 25 und 30 Pf., Blumenkohl 45—50 Pf., Zwiebeln Psd. 25 Pf., frische Kartoffeln Pd. 15 Pf., Erdbeeren Psd. 65—90 Pf., Kirschen Pid. 40—50 Pf., frische Stachelbecren Pid. 25 Pf., Apselsinen Stück 5, 7 und 10 Pf., Zitronen 3 Stück 20 Pf., Bananen Pd. 40 Pf., Butter Psd. 1.20 Mk., Eier 13 Stück 1 Mk., Rindsteisch Pfd. 70 Pf., Stweinesleisch Pld. 80—90 Pf. Schweinemarkt. Der heutige Schweinemarkt war nur wenig beschickt. Es wurden bezahlt für 6 Wochen=Ferkel 15—18 Mk., für 8—10 Wochen=Ferkel 25—30 Mk., ältere Tiere je nach Qualität. Der Handel war recht still. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in SchwertBekannimachung. Die Lieferung und Anfuhr von zirka 200 Kublhmeter Kribbe=Steine nach den Ruhrweiden bei Westhosen(Baryskamp) soll am Freitag, den 29. Mai d. J. nachmittags 6 Uhr in der Wirtschaft Wilhelm Fritzenkötter in Westhofen össentlich wenigst Fordernden ausgesetzt werden. 3601 Kuckshausen bei Westhofen, den 20. Mai 1914. Die Verwaltung. im Hotel zur Post in Schwerke. Donnerstag, d. 28. Mai, abends 6 Uhr beginne ich einen Unterrichtskursus für Tanz= u. Anstandslehre für Schüler u. Schülerinnen höherer Lehranstalten. Ferner beginne ich an demselben Tage einen Abendkursus(abends 8½ Uhr) für Damen und Herren. Gelehrt werden alle modernen Tänze. Gefl. Anmeldungen werden im Hotel zur Post entgegengenommen. 3666 Bendix, Königl. Universitätskanzlehrer a. D. *"(Leiter der ersten Tanzkurse in Lerimmesbern Harmenf ur Eisen(Rogest. Telephon 305, Kleppingstraße. SteuerLemumanbnen werden sachgemäß und diskret angefertigt von COOGUOCDGC Sponcn Anfertigung von eleganter Damen- und Herren-Garderobe nach Mass, auf eigener Werkstatt, unter Leitung eines erstklassigen Zuschneiders. Ernst Müller Schwerte: Ostenstr 18. 3465 JUOUUUDUUU Ssce vermieten Sie schnell durch ein Inserat in der Schwerl. Zeitung. „Ich mußte mich vor 2 Jahren am Hals wegen einer Drüsenanschwellung operieren lassen. Die Wunde ist längst vernarbt, trotzdem waren die Drüsen im Januar wieder stark angeschwollen. Auf ärztl. Rat trank ich Altbuchhorster Marksprudel Starkquelle(JodEisen-Mangan=Kochsalzquelle) Der Erfolg war überraschend. Schon nach 6 Fl. waren die Drüsen zu meiner größten Freude völlig zurückgegangen. Ich werde den Marksprudel immer trinken, er schmeckt prachtooll. wirkt appelitanregend, verdauungfördernd und blutverbessernd und bekommt mir viel besser als Lebertran, den ich früher trank H G.“— Aerztl warm empf. Fl. 65 Pf. bei Max Mehlhose, Drogerie. 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Kirsch Braunschweig. 2934 Die Sarrasani=Schau. Schon im Namen dieses Riesenunternehmens liegt das Besondere. Was der bekannte Direktor SloschSarrasani da erschaffen hat, will und kann nicht auf einer Stufe stehen mit dem Durchschnittszirkus, wie wir ihn genugsam schon kennen, dieses Unternehmen der fünfhundert Künstler und der fünfhundert Tiere, das sich die„Schau der tausend Wunder“ nennt, spottet aller Vergleiche auf europäischem Boden, ja es hat sogar die amerikanischen Rekorde übertrumpft Sagenhaft sind nun fast schon die Züge der Barnum& Balley, der Buffalo Bill durch die europäischen Kulturstaalen geworden, das Riesenaufgebot an Massen war damals etwas Unethörtes, und man weiß heute fast nur noch, daß die Fahrten dieser Amerikaner durch Europa einen bitteren Nachgeschmack allerwärks zurückließen. Aber alle diese Riesen von damals würden heute verschwinden gegen die Sarrasani=Schau, die ein deutsches Unternehmen ist, und die den deutschen Charakter mit Bewußiheit ausprägt. Was gehört zu dieser Well. die auf Rädern rollt, zu diesem Reiche für sich, dessen Lebenselement die Eisenbahnzüge sind. Dazu gehört vor allem der Direklor, Eigentümer und Leiter des Riesenunternehmens. Hans Stosch=Sarrasani, der es fertigbrachte, im Laufe von elf Jahren ein überragendes Kolossalunternehmen aus den geringfügigsten Anfängen heraus zu entwickeln. zwischendurch die großen Baupiojekte in Dresden. in Frankfurt, in Berlin zur Durchführung zu bringen, drei Zirkusse von Bedeutung aufzukaufen, neue technische Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen. Hans StoschSarrasani ist zwar einer der wenigen Universalartisten, er ist trotzdem Außenseiter im eigentlichen Artistentume. Er entslammt einer preußischen Offiziers= und Industriellenfamilte und ist erst nach den abenteuerlichen Lehrund Wanderjahren dazu gekommen, zum unbestrittenen Herrscher im Reich der Menage zu abancieren. Der entscheidende Ruck nach vorwärts wurde dabei in den letzten drei und vier Jahren zurückgelegt. Der„Zirkus“ Sarrasani halle schon vorher seinen großen Namen in Deutschland, er stand an der Spitze der Zirkusse. Aber dann kam die machlvolle Entfaltung. Der gesamte Marstall des Zirkus Angelo wurde hinzugefügt, dann wurde der gesamte Königlich Niederländische Zirkus Oskar Carré erworden, schließlich übernahm Hans Stosch=Sarrassani neuerdings erst sämtliche Freiheitspferde des aufgelösten Berliner Zitkus Busch. ein Erwerd, der in der gesamten Fachwelt das denkbar größte Aussehen hervorrief. In der Zwischenzeit wuchs der Wagenpark von 40 auf 140 Stuck, statt einer Straßenlokomotive sind es zehn geworden. statt 12 Zelte werden 42 nunmehr aufgebaut, nur das eine dlieb sich gleich bei Sarrasani: Die Eintrittspreise, die jeglichen Rekord an Billigkeit schlagen. In der Sarrasani=Schau vereinigen sich die Tiere und die Menschen aus allen Zonen. Das ist das Charakteristische an diesem Unternehmen, daß es keine Grenzen kennt. Die Sarrasani=Schau will eine Übersicht bieten über die kunstfertigen Menschen und die dressurfähigen Tiere aller Welt, und so entsteht die einzigartige Buntheit, diese bewunderungswürdige Vielseitigkeit ihrer Darbietungen. Es ist klar, daß der Stamm des Personals aus Deutschen besteht. Deutsche sind vor allem die Mehrzahl der technischen Kräfte. alle die Spezialarbeiter, die als Wärter der koslbaren Tiere, als Fassadenmannschaften, als Zelterbauer, als Ladekolonnen ihre Tätigkeit in der Sarrasani=Schau haben. Deutsche sind auch zumeist die Dresseure und Dompteure, denn bekanntlich eignen sich dazu am meisten unsere Landsleute wegen der Energie. wegen ihres Mutes und wegen ihrer Tierfreundlichkeit. Die Riesengruppe der 17 indischen und afrikanischen Elefanten, die größte aller dressierten Elefantengruppen. die es auf der Welt gidt, wird bekanntlich vom Direktor Stosch=Sarrasani selbst vorgeführt, ebenso wie sich in die Pferdedressuren Heir und Frau Direktor Stosch=Sarrasani teilen. Aber Sarrasani zeigt außerdem Kolossalgruppen von 25 Berberlöwen und oor allem die ersten dressierten sibirischen Tiger. Bevor die Sarrasani=Schau eine Expedition rüstete, um einen Schwarm dieser größten, wildesten und verschlagensten Bestten zu erlangen, hielt man den sibirischen Tiger überhaupt für unzähmbar. und tatsächlich haben sich zunächst vier Dresseure von berühmten Namen vergeblich damit beschäftigt, diese Riesenkatzen zahm zu machen, bis sich endlich Herr Ollo Sailer dazu entschloß, das Wagnis auf sich zu nehmen. Die Vorführung dieser sibirischen Tiaer bildet einen der Höhepunkle in jeder Aufführung der Sarra aniSchau. Reitkünstler und Reilkünstlerinnen liefern England und Ungarn, die Länder des Pferdes, die 20 Luftturner der Sarrasani=Schau sind teils Rumänen, teils Franzosen, die Klowns und Auguste, die gleichfalls massenweise in Erscheinung treten, stammen cus Frankreich. aus Paris, aus Skandinavien, aus Italien! Pan sieht schon hieraus, welch Sprachengemisch innerhalb eines derartigen Unternehmens heirschen muß, aber nun marschieren die großen Exotentrupps auf: Araber, Derwische, Beduinen kommen aus dem Orient. in ihrem Gefolge befinden sich äthiopische Kannibalen aus dem Reiche des Kaisers Menelik, eine ganz eigenartige schwarze Gesellschaft. den Ureinwohnern des schwarzen Erdteils entstammend und zum ersten Male in Europa gezeigt. Neben kaiserlich japanischen Hofkünstlern, die sehr verwöhnte und sehr luxuriöse Menschen sind, produzieren sich chinesische Gaukler, deren geheimnisvolle Magie bisher kein Europäer enträlselte. Tscherkessen und Inder zeigen sich als Blitzreiter. als Elesantenhüter. Aber dann kommt das Eigenartigste. was je in Europa gezeigt wurde: Sarrasanis WildWest=Schau Die ersten echten Sioux Indianer, die je in Europa gesehen wurden, sie sind im Cefolge der Sarrusani=Schau! Bekannt ist, daß die amerikanische Regierung die Auswanderung der Indianer verspeirt, indem sie strenge Verbote erließ, und tatsächlich glückte es dem Direktor Stosch=Sarrasani nur deshalb, echte Indianer zu erlangen, weil er sich einer guten Protektion erfreuie. weil der wissenschaftliche Charakter seines Unternehmens gewürdigt wurde, und weil er für jeden Indianer eine Kaution von Zehntausend Mark, im Ganzen eine viertel Million hinterlegen konnte. Neben diesen Indianern wirken eine Masse von Cowboys und Cowgirls. von Mulatten und von Mexikanern an Sarrasanis Wild=West=Schau mit. Und nun zu den Tieren! Der Reichtum an Tieren macht zum großen Teile den Ruhm der Sarrasani=Schau aus. Die Sarrasani=Schau ist es, die den größten, den kostbarsten, aller bekannten Marställe besitzt. An 250 Pferde! Hat einer der bekannten Durchschnittszirkusse schon jemals mit solcher Rekordzahl austreten können? Und welch edles Blut. Die Sarrasani=Schau besitzt unter anderem eine Gruppe von 16 echlen Arabern, sie zeigt die berühmten persischen Tigerpferde, sie zeigt englische Volldlüter und nicht weniger as 60 ungarische Vollbiüter. Unter den Pferden der SarrasaniSchau sind 90 schneeweiße Schimmel, 80 der Pferde sind Hengste, bemerkenswert ist auch ein Rudel von Steppen= und Präriepferden, die gezähmt und geindigt werden . Sarrasanis Freiheitsdressuren dei klimmen den Gipfel der Möglichen, unter seinen Schu pfeiden glä#en„Boy“ der berühmte irische Heng des bekannten Schulreiters Foolit sowie„Arlon“ ei ungarischer Goldsuchs, der sämtliche Tritte der hohe Schule auf dem schmalen Rande der Manege aus zuführen versteht. Der Riesengruppen an exolische Tieren ist bereits Erwähnung getan. Aber wele gewaltigen Eindruck hinterläßt erst Sarrasanis Tierscha1 die all die Schätze an dressierten Tieren birgt. D steht eine ganze Kamelkarawane, da steht eine Herd von afrikanischen, indischen und amerikanischen Rin dern uud Büffeln, da gidt es gar Ailpferde. Scha brackentapiere und Känguruhsamilien, dann die pracht vollen Transvaalzebras, dann das einzigartige Je broid. die Kreuzung von Pferd und Zebra, dann de originellen Hirschbüfsel. eine Kreuzung von Rind un Hirsch, dann Maulesel und abessynische Wildesel, dani Affen aller Rassen usw usw Man fragt oft nach dem Werte, den die Sarrasan Schau repräsentiert. Solche Fragen sind naturgemäs schwer zu beantworten. Allein schon die Gruppe de siebzehn Elefanlen ist unabschätzbar. weil niemals ein derartige Gruppe bestanden hat. Welch Wert in de Unzahl der edlen Rosse schlummert, kann jeder Fach mann abwägen, aber wer will es riskieren, den Wer ihrer Dressuren zahlenmäßig zu belegen. Nilpferd haben heute einen Marktwert von 150000 Mark da: Stück. aber wer ist jemals schon in die Lage gekommen gezähmte Nilpferde seilzubielen. Jebras sind vierma so teuer als Pferde, aber die besten Schulpferde der Sarrasanischen Stalles repräsentieren ein Objekt vor 20000 Mark. Welche Werte in den Lokomotiven. i den Wagen schlummern, kann man sich ungefäh vorstellen. Der tägliche Ausgabe=Etat der Sarrasani=Schal beträgt 7000 Mark. 200000 Mark kosten jährlich allein die Extrazüge, mit denen Sarrasani die Schienenstränge befährt. An Gagen werden monatlick 120000 Mark ausgegeben. Dafür rechnet die Sarra sani=Schau mit Massendesuchen. Der volkslümlicher Basis des Unternehmens tragen die Eintrittspreise Rechnung. Die Hälste aller Plätze konten wenigen als eine Mark, dreiviertel aller Plätze weniger al: eineinehalbe Mark. Auch in dieser Beziehung schläg die Sarrasani=Schau alle Rekorde! Uussranmoulter 1.30 Esbu- Margarine feinster Butterersatz per Pfd. 90 Pfg. Feinste Tafel-Margarine“ per Pfd. 80 Pfg. brgers Cacrl Trog.g Haustrauen Prulet! Trotz der billigsten Preise nur beste Qualltäten! Danksagung. 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Das Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Ernst Knatze zu Schwierte wird, nachdem der in dem Vergleichstermine vom 29. April 1914 angenommene Zwangsvergleich durch rechtskräftigen Beschluß vom 29. April 1914 bestätigt ist, hierdurch aufgehoben. Schwerte, den 18. Mai 1914. 3 Königliches Amtsgericht. 3688 OTTO MARX Schwerte Ostenstrasse 20. * KETR Haben Sie Bedarf in wirklich fachmännisch zuverlässig ausgeführten Telephon-, Klingel-, Türöffner-„ Alarm- und Sicherheits- Anlagen, sowie elektr. Uhren-, und WächterkontrollAnlagen so wenden Sie sich an das bekannte Spezialgeschäft für Schwachstromanlagen Hoftmann Tel. Nr. 956 DORTMUND Sülberstr. 34 Erste Reierenzen. Besuch und Offerte kostenlos. Waagen— Gewichte— Maasse in extra starker Au-führung. Waagen jeder Art werd-n eichlähig repariert. Nagener Waageniabrik Paul Thedenga. Hagen i. W. on 4— 2604. Pre Sine enorme Guswahl in garn. Damen- u. Rinderhüten Telephon e S Verwaltungen von Häusern v. 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