Die„Schwerter Zeitung“ erschetnt täglich. außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfe. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Illustrierter Familiensreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siebengespallene Petttzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pig., Rehlamezeile 40 Pfg. Jeder Ravatt gilt als Kassarabalt u. erlischt bei Konnursen, Iwangsvergleichen, gerichtl. Klogen u. Tichtbrachtung d. gemacht. Jahlungsbedingung. Welthotener Zeitung Längscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Verbunden Schwerter Cageolatt O Erltes und älteltes Cagesorgan des Kreises o Genera.-Ar holzwickeder Zeitung Hpierbecker Zeitung mit: Schwerter Volkszeitung Schwerter Anzeiger zeiger für den Kreis Börde o Haupt-Annencenblatt Alle Breis- and loholpollzeilichen Verorb. nungen für den Krets Hörde erlangen gemüß Bekanntmachung der Königlichen Regierung ##rch Verössentlichung in dei„Schwerter Zeitung" rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Jettung“ gewährt ihren Abonnen. ten für jeden mi! Tod endenden Unfasl ge300 MksUnsall. Druch u. Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Ruhe Fernip. 62. Telegr. Adr. Braus Schwerte-Ruhe“ Dienstag, den 26. Mai 1914. 46. Jahrgang. Ersles Pratt. Preußischer Landlag. 88. Sitzung vom 25. Mai. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung der Besoldungsnovelle. Ein Antrag Schröder(nl.) will den Wohnungsgeldzuschuß für verheiratete Beamte schon vor einer allgemeinen Revision der Besoldungsordnung erhöhen und bei mehr als vier ehelichen Kindern eine Zulage von 150 Mark gewähren. Ein zweiter Antrag Schröder will bei der Ortsklasseneinteilung nicht mehr den sogenannten Einheitszimmerpreis, sondern den wirklichen Mietspreis zugrundelegen. Ein dritter Antrag Schröder fordert eine Revision der Besoldungsordnung für die unteren und am geringsten besoldeten mittleren Beamten. Zwei Anträge Aronsohn(Vp.) verlangen Verringerung der Remunerations= und Unterstützungsfonds, um dadurch Beihilfen an kinderreiche Beamtenfamilien zu gewinnen, sowie Nachprüfung der Wohnungsverhältnisse der Beamten deklassierter Orte. Finanzminister Lentze: Durch die Abänderungen der Besoldungsordnung im Reich ergab sich für die preußische Regierung die Notwendigkeit, die Konsequenzen aus diesen Aenderungen zu ziehen. Sie hat sich dabei nicht auf eine schematische Aufbesserung derselben Klassen wie im Reiche beschränkt. Eine solche würde rund 40 000 Beamte ausgebessert haben. Die Novelle berücksichtigt aber im ganzen 111000 Beamte außer den erwähnten 40 000. Das Nichtzustandekommen der Besoldungsordnung im Reich begründet keinen Anlaß, von einer Verabschiedung der preußischen Besoldungsordnung Abstand zu nehmen. Mit der heutigen Vorlage ist sie an die äußerste Grenze dessen gegangen, was sie verantworten kann. Weder an den Besoldungssätzen, noch an den zu berücksichtigenden Klassen darf etwas geändert werden, sonst würde die Vorlage für die Regierung unannehmbar.(Hört! hört! links.) Eine kleine Aenderung schlägt Ihnen die Regierung selbst dahin vor, daß als Zeitpunkt für das Inkrafttreten der 1. April festgesetzt wird, damit die Beamten nicht unter der Verzögerung leiden.(Beifall.) Die Novelle erfolgt innerhalb des bisher geltenden Besoldungssystems und nimmt von einem Uebergang auf das Kinderzulagesystem Abstand. Abg. v. d. Osten(ks.): Wir stimmen der Regierung zu, daß Besoldungsaufbesserungen nur von der Regierung vorgeschlagen werden dürfen, sonst leidet das Verhältnis zwischen Regierung und Beamtenschaft. Kinderzulagen wären angebracht. Abg. König(Itr.) stimmt der Vorlage zu, schlägt aber noch einzelne Beamtenkategorien vor. Abg. Schröder(nl.): Trotz der Besoldungsordnung von 1909 wurden wir mit Petitionen der Beamtenschaft überschwemmt, deren Ton oft nicht erfreulich war. Der Redner begründet seine Anträge. Abg. Viereck(fk.) begrüßt die Vorlage, weist aber darauf hin, daß für die Zukunft andere Ausgaben, z. B. die Schullasten, im Etat vorgehen müßten.— Die Weiterberatung der Besoldungsvorlage wird auf Dienstag vertagt. Das Eisenbahnan###shegesetz, das Staatsarbeiterwohnungsgesetz, der Entwurf über eine Erweiterung der Gewerbeordnung und eine Reihe weitever kleiner Gesetze werden genehmigt. Das Fischereigesetz geht an eine Kommission. Dienstag 10 Uhr: Beamtenbesoldung und kleine Vorlagen. Politische Uebersicht. Kaiser= Brigade=Exerzieren bei strömendem Regen. Vor dem Kaiser fand am Montag das alljährliche Exerzieren der Kaiser-Brigade statt. Die Kaiser=Brigade war bekanntlich diejenige, die der Kaiser seinem totkranken Vater am 29. Mai 1888 auf dem Rückmarsch von einer Gesechtsübung zum letzten Mal vorführte. Die diesjährige Uebung fand bei strömendem Regen statt. Die Truppen jührten ein vierstündiges Gesecht aus; an der Uebung nahmen trotz des sehr ungünstigen Wetters auch Fliegeroffiziere teil. Ein kaiserlicher Dankerlaß an den Reichskanzler wird an der Spitze der jüngsten Ausgabe des Reichsanzeigers amtlich bekannt gegeben. Er lautet: Aus Ihrem Berichte habe ich mit großer Befriedigung entnommen, daß zahlreiche Deutsche im Inund Ausland freiwillige Beiträge zu den Kosten der Verstärkung der Wehrmacht geleistet haben. Es ist mir ein Herzensbedürfnis, allen, die durch solche Beiträge vaterländischen Opfersinn in rühmlicher Weise betätigt haben, Anerkennung und Dank auszusprechen. König Friedrich August von Sachsen vollendete am Montag sein 49. Lebensjahr. Weit über Sachsens Grenzen hinaus bringt man dem Könige, der viel Schweres erfahren hat, aber nicht müde wird, seinem Volke ein wahrer Landesvater zu sein, zum Geburtstage ehrerbietige und aufrichtige Glückwünsche dar. Im Laufe dieses Jahres werden die beiden ältesten Söhne des Königs majorenn. Kronprinz Georg vollendete das 21. Lebensjahr bereits am 15. Januar, Prinz Friedrich Christian wird am 31. Dezember d. J. 21 Jahre alt. Prinz Ernst Heinrich steht im 18. Lebensjahre. Von den drei Töchtern des Königs ist Prinzessin Margarete 14, Prinzessin Marie Alice 12 Jahre alt. Die jüngste Tochter wurde im Mai 1903 geboren, nachdem die Ehe des damaligen Kronprinzen mit der Prinzessin Luise, geborenen Erzherzogin von Oesterreich, bereits am 11. Februar des genannten Jahres geschieden worden war. Das prächtige Gedeihen der Söhne und Töchter, die dem ganzen sächsischen Volke ans Herz gewachsen sind, bildet das höchste Erdenglück des Königs. Von der großen Popularität des Königs, seiner Schlichtheit und Geradheit wurden erst unlängst zahlreiche anziehende Geschichtchen mitgeteilt. Zur Regelung der Reichstagsgeschäfte. Der Reichskanzler ist laut„Nordd. Allg. Ztg. geneigt, dem vielfach geäußerten Wunsche, daß bei Beginn der neuen Tagung ein Arbeitsplan zwischen ihm und dem Seniorenkonvent des Neichstags vereinbart werden soll, zu entsprechen. Dadurch wird die Anhäufung gesetzgeberischen Materials, unter der namentlich der jüngste Sessionsabschnitt so schwer zu leiden hatte, verhütet werden. Die Breslauer Bischofswahl. Am Mittwoch findet in Breslau die Wahl des neuen Fürstbischoss für den verstorbenen Kardinal Kopp durch das dortige Domkapitel in Gegenwart des Oberpräsidenten v. Günther als Königl. Kommissars statt. Die Wahl ist im Grunde nur noch eine Formalität, da eine Verständigung über den neuen Oberhirten zwischen der preußsichen Regierung, dem Vatikan und dem Domkapitel, wie stets so auch im vorliegenden Falle, schon herbeigeführt worden war. Aus verschiedenen Anzeichen darf man schließen, daß kein Vertreter der Berliner, sondern der sogenannten Kölner Richtung zum Erzbischof ausersehen ist. Ob es der maßvolle und auch in Künsten und weltlicher Wissenschaft hochgebildete Hildesheimer Bischof Dr. Bertram sein wird, der von verschiedenen Seiten auf das bestimmteste als der künftige Breslauer Fürstbischof bezeichnet worden war, wird sich am Mittwoch zeigen. Das Sonntagsruhegesetz wird in der nächsten Reichstagssession wieder eingebracht werden, wobei dann die Kommissionsbeschlüsse der verflossenen als Material dienen werden. Daher ist es durchaus zeitgemäß, daß die Potsdamer Handelskammer als erste von allen schon jetzt Stellung gegen den Beschluß nahm, wonach Handlungsgehilsen und Lehrlingen, die am Sonntag beschäftigt werden, gesetzlich ein freier Wochentag=Nachmittag zu gewähren ist. Für einzelne große Detailgeschäfte, so heißt es in dem Gutachten, dem sich voraussichtlich die übrigen Handelskammern anschließen werden, mag der Beschluß durchführbar sein, obgleich auch dort der Betrieb, der sich hauptsächlich in den Nachmittags= und Abendstunden abspielt, erheblich erschwert würde. Auf die Mehrheit der größeren Geschäfte aber und auf sämtliche kleineren Geschäfte, soweit letztere überhaupt noch Angestellte beschäftigen können, würde die Durchführung des Beschlusses verderblich wirken. Eine Entschuldigung, die keine ist. Dr. Ludwig, der nach den Enthüllungen des Abg. Liebknecht sich der Vermittlung in einem beabsichtigten Titelschacher schuldig gemacht hat, erklärt:„Die„Enthüllung“ hat mit dem„Reichsverband gegen die Sozialdemokratie“ garnichts zu tun. Ich selbst habe aus Gefälligkeit— natürlich nur als Privatmann auf Wunsch eines mir bekannten Arztes Erkundigungen eingezogen, ob es wohl möglich sei, ihm den Professortitel zu verschaffen. Die mir gegebene Auskunft habe ich auf Grund stenographischer Notizen gutgläubig weitergegeben. Ich überzeugte mich aber nachher, daß die Angaben unzutreffend waren. Ich habe daher in der Sache nichts mehr getan, die Beziehungen abgebrochen und weder einen Pfennig Vermittlungsgebühr gefordert, noch empfangen.“ Diese„Gutgläubigkeit“ glaubt kein Mensch. Im übrigen untersteht ja die ganze Sache jetzt der Untersuchung des Staatsanwalts. Zur Kräftigung des gewerblichen Kleinhandels soll eine Konferenz beitragen, für welche die vorbereitenden Schritte in einer anfangs Juni im Reichsamt des Innern stattfindenden Beratung getan werden sollen, an der Vertreter der bundesstaatlichen Regierungen und der Detaillistenverbände sowie verschiedene Parlamentarier teilnehmen werden. Auf der Juni=Versammlung will man sich laut„Tag“ über den Umfang der zu veranstaltenden Umfrage und über die Mittel und Wege zu ihrer Durchführung schlüssig machen. Die Umfrage ist insofern mit Schwierigkeiten verknüpft, als für die Beurteilung der Lage des Kleinhandels die Frage der Betriebsmittel eine Rolle spielt, über die viele Detaillisten keine Auskunft werden geben wollen. Die Wünsche der Staatsarbeiter. Eine Denkschrift über das Arbeits= und Rechtsverhältnis der außerhalb des Beamtenverhältnisses in Reichsbetrieben beschästigten Personen wird laut„Tägl. Rundsch.“ ausgearbeitet. Die Denkschrift soll dem Reichstag in der nächsten Session vorgelegt werden. Die Wünsche der in Reichsbetrieben beschäftigten Arbeiter nach einem eigenen Staatsarbeiterrecht werden aber nicht in Erfüllung gehen. Die bereits im Vorjahre gestellte Forderung eines Gesetzentwurfs ist vom Bundesrat glatt abgelehnt worden. Hochverrat durch— Karikaturen. Der elsaß=lothringische Karikaturist Waltz, genannt Hansi, derselbe, der neulich einen Stuhl abräucherte,„weil deutsche Offiziere auf ihm gesessen hatten", steht unter Hochverrats=Anklage, begangen durch ein Karikaturen=Album„Mein Dorf". Das klingt sonderbar— ein Spaßmacher als Hochverräter, hat aber einen sehr ernsten Hintergrund. Das Werk fordert die Elsaß=Lothringer auf, von Deutschland abzusallen und sich Frankreich wieder anzuschließen. Dem Storch im Frühling singen in dem Waltzschen Album die Kinder zu:„Storch, Storch, du bringst Glück!— Bring uns in deinem Schnabel— Einen kleinen französischen Soldaten!“ Auf der Spitze des Denkmals für die Gefallenen von Weißenburg steht ein gallischer Hahn, der nach Frankreich hinüberfliegen will. Der deutsche Gendarm wird als Wüterich gezeichnet, und das Buch schließt mit einer leidenschaftlichen Hymne an die französischen Kanonen,„deren Donner durch ganz Elsaß=Lothringen rollt“. Strengere Ueberwachung der Festungsumgebung. In Verfolg der letzten Spionageprozesse sind gewisse Feststellungen gemacht worden, die eine strengere Ueberwachung der Umgebungen von Festungen notwendig erscheinen lassen. Wie die amtliche„Leipziger Zeitung“ mitteilt, haben zu diesem Zweck zwischen den Reichs= und Staatsbehörden Verhandlungen stattgesunden, infolge deren jeder Pächter von Jagden in der Nähe der Festungsregionen und die Liste seiner Jagdgäste fortan einer genauen polizeilichen Beobachtung unterzogen werden soll. Die Denkschrift über die Ursachen des Geburtenrückganges in Preußen ist von der Medizinalabteilung des preußischen Ministeriums des Innern fertiggestellt worden. Die Denkschrift macht verschiedene Vorschläge zur Bekämpfung des Geburtenrückganges. Neben Belehrungen über die Folgen des Geburtenrückganges in volkswirtschaftlichem und hygienischem Interesse, Bekämpfung der Kindersterblichkeit usw. wird vorgeschlagen, kinderreichen Beamten, auch denen in der Privatindustrie, Beihilfen und Gehaltszulagen zu gewähren, eventuell sogar Steuernachlaß bei großem Kinderreichtum in erweitertem Umfange als bisher einzuführen. Oesterreich= Ungarn. Die fortschreitende Genesung des Kaisers Franz Josef. Die offiziöse Korrespondenz Wilhelm veröffentlichte über das Besinden Kaiser Franz Josefs folgende Mitteilung:„Da die Erscheinungen des Katarrhs in den Bronchien nunmehr gering und das Allgemeinbefinden, die Kräfte und der Appetit des Kaisers vollkommen zufriedenstellend sind und der Kaiser am Freitag nachmittag einen dreiviertelstündigen Spaziergang im Freien ohne Nachteil gemacht hat, werden von jetzt an keine weiteren Bulletins über das Befinden des Kaisers ausgegeben. Frankreich. Die innerpolitische Lage Frankreichs nimmt eine kritische Zuspitzung an. Der alte Ministerstürzer Clemenceau, der es Herrn Poincaree noch immer nicht vergessen kann, daß er ihm bei der Präsidentenwahl in Versailles den Rang ablief, eröffnete soeben einen gefährlichen Pressefeldzug gegen den Präsidenten der Republik. Er wirft Herrn Poincaree öffentlich vor, die Gerüchte vom alsbaldigen Rücktritt des Kabinetts Doumergue verbreitet zu haben, um sich des ihm unangenehmen Ministeriums zu entledigen. Clemenceau ist als Deutschenfeind Anhänger des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit und meint, Doumergue werde die Angriffe auf diese in der neuen Kammer mit Sicherheit zurückschlagen, wenn er nur die deutsche Gefahr genügend unterstreiche. Damit hat der kluge Herr Clemenceau zweifellos recht. Gegen die Wahl Caillaux'. Unter Hinweis auf die von dem nationalistischen Deputierten Bienaime angekündigte Interpellation über die Wahl Caillaux fordert der„Eclair“ mit leidenschaftlichen Worten die Kammer auf, diese Wahl für ungültig zu erklären. Ein solcher Beschluß würde nicht nur eine Genugtuung für die öffentliche Meinung von ganz Frankreich bedeuten, er würde auch ein entschiedener Schlag gegen das Bezirkswahlsystem bilden, dessen Heros Caillaux sei. England. Englische Flottenschau. Nach einer Order des Admirals Peere haben sich die 1., 2. und 3. Flotte sowie alle Flottillen mit alleiniger Ausnahme der Schifse, die sich längere Zeit in den Docks befinden, für die Zeit vom 17. bis 20. Juli vor Spithead zu versammeln. Nach ungefährer Schätzung werden dann wahrscheinlich mehr als 400 Kriegsschiffe aller Art dort zusammen vor Anker liegen, was in dieser Art einen Weltekord ausstellen dürfte. Man nimmt an, daß der König auf seiner Jacht die Linien abfahren wird. Rußland. Vorläufig keine Veränderung im Kabinett. Wie der„Voss. Ztg. aus Petersburg gemeldet wird, hat im Zarenschloß zu Livadia eine Beratung stattgefunden, an der mehrere Minister und Staatswürdenträger teilnahmen. Es wurde beschlossen, die in Aussicht genommene Aenderung in der Zusammensetzung des Kabinetts bis zum Herbst zu verschieben. Der Minister des Innern bleibt bis dahin auf seinem Posten. Schweden. Die schwedische Rüstungsvorlage. Nach der veröffentlichten Wehrvorlage der Regierung belausen sich die jährlichen Heeresausgaben auf 63 Millionen Kronen, die jährlichen Flottenausgaben auf 30 Millionen Kronen. Eine einmalige Wehrsteuer soll die Durchführung der neuen Organisation, deren Kosten auf 75 Millionen Kronen berechnet werden, sichern. Italien. Eine Spannung zwischen Abessinien und Italien. Ueber eine zwischen Italien und Abessinien neuerdings herrschende Spannung meldet der Pariser „Neuyork Herald“, daß die abessinische Regierung aus den merkwürdigen italienischen Truppenbewegungen an der Grenze von Abessinien geschlossen habe, daß Italien beabsichtige, seinen Kolonialbesitz zu erweitern. Die Abessinier gehen daher jetzt dazu Die Tage in Albanien. Karte zum Kampf um Durazzo. Die albanische Fürstenfamilie. über, an allen strategisch wichtigen Punkten strenge Grenzüberwachungen einzurichten und die von europäischen Offizieren instrulerten Truppen langsam zu konzentrieren. Griechenland. Meuterei in einem griechischen Regiment. Aus Athen wird dem„Daily Telegraph“ gedrahtet: In dem Evzonen=Regiment, das in Lamia vorübergehend in Garnison liegt, brach eine Meuterei aus. Die Soldaten wollten durchaus sich aus die Seite der Ausständischen schlagen, wurden jedoch von dem Kommandanten und den höheren Ofsizieren daran gehindert. Die Gärung in dem Regimente dauerte fort, und plötzlich brachen 250 Mann unter der Führung von zwei Offizieren auf, um nach Stylis zu marschieren. Sie nahmen ihre gesamte Ausrüstung und scharse Patronen mit. In Stylis bemächtigten sie sich des dort liegenden Dampfers „Athina“, sie belegten ihn mit Beschlag und zwangen den Kapitän und die Matrosen mit vorgehaltenem Bajonett, Kurs auf Santi Quaranta zu nehmen. Als nun die„Athina“ in die Nähe von Chalchis kam, verhinderten die beiden Offiziere, die mit schußbereitem Revolver auf der Kommandobrücke standen, den Kapitän, den Hafen anzulausen. Es gelang ihm, durch Zeichen sich mit dem Lande zu verständigen, daß an Bord seines Dampsers etwas nicht in Ordnung sei. Inzwischen hatte man ihm einen griechischen Torpedojäger nachgesandt, der die Empörer entwaffnete. Deutsche Helden in der Türkei *; Konstantinopel, 24. Mai. Die türkischen Zeitungen äußern sich sehr anerkennend über die heldenmütige Haltung der Matrosen des Panzerkreuzers „Goeben“, bei den Löscharbeiten des Kasernenbrandes und erklären, die Ottomanen würden das nie vergessen. Sie drückten ihr Beileid anläßlich der Verwundung von fünf Matrosen aus und wünschten ihnen baldigste Genesung. Auch wird dem Dank der Journalisten für die gestattete Besichtigung der „Goeben“ und der Bewunderung über die Vollkommenheit dieses Schifses Ausdruck verliehen.— Während des Blandes der Taschtischtkaserne explodierten die in kleinen Pulvermagazinen untergebrachten Munitionskisten. Außer den deutschen Matrosen wurden zwei Offiziere und sechs Mann der türkischen Feuerwehr, ferner ein russischer Matrose schwer verletzt. *; Konstantinopel, 24. Mai. Von den bei einem Kasernenbrande verunglückten Matrosen des Kreuzers„Goeben“ sind drei Mann heute nacht ihren Verletzungen erlegen und Montag nachmittag beigesetzt. Spiel und Sport. Die am Sonntag in Westdeutschland stattgefundenen Ausscheidungskämpfe zur Vorbereitung auf die Berliner Olympiade 1916 litten sehr unter der Ungunst des Wetters. Teilweise konnten die Wettbewerbe wegen unaufhörlichen Regens und schlüpfrigen Bodens nicht durchgeführt werden. In Hagen— wo die Bewerber aus dem Bergischen Lande, Sauerlande und Siegerlande zusammenkamen— waren die Ergebnisse folgende: 100 Meter=Lauf: 1.„Viktor“(Schw. Sp.=Kl.) 11 Sek., in strömendem Regen und mit 6 bis 7 Metern Vorsprung vor dem 2. Flick(Unterbarmer Turnerbund), 3. Lemcke(Seminar=Turnverein Lüdenscheid).— 200 Meter=Lauf: 1.„Viktor“ (Schw. Sp.=Kl.) 24 1/8 Sek., 2. Lenz(Elberfelder Turngemeinde), 3. Lemcke(Sem.=T.=V. Lüdenscheid— 400 Meter=Laus: 1.„Viktor“(Schw. Sp.= Kl.) 55 ½ Sek., 2. Lenz(Elberf. T.=G.), 3. Imhäuser(Spiel und Sport Clafeld=Gelsweid).— 300 Meter=Lauf: 1 Schmidt(Hagener Fußb.=Kl.) 2 Min. 12 1/8 Sek., 2. Pseifser(T.=V.„Jahn“=Siegen), 3. Eulenstein(Barmer T.=V.)— 1500 Meter=Lauf: 1. Brand(Barmer T.=V.), 2. Schmidt(Hagener Fußb.=Kl.), 3. Hecken(Sport= und Spielverein Elberseld).— 7500 Meter=Laus: 1. Collet(Sportverein Hohenkimburg) 26 Min. 54 1/ Sek., mit großem Vorsprung vor dem 2. Veller(Barmer T.=V.), 3. Fernholz(Sportklub Cronenberg).— Kugelstoßen: 1. Beutler(Allgem. Städt. T.=V. Iserlohn) 11,19 Meter, 2.„Siegfried“(Schw. Sp.=Kl.) 10,95 Meter, 3. Kuhne(Sem.=T.=V. Lüdenscheld).— Diskuswerfen: Endkampf ausgefallen; im Vorkampf erwiesen sich ebenfalls Beutler,„Siegfried“ und Kuhne als die Besten.— Speerwersen: Ausgefallen; bei Versuchen außer Konkurrenz war Schlünder(Schw. Sp.=Kl.) der weitaus Beste.— Hochsprung: 1 Kuhne(Sem.=T.=V. Lüdenscheid), 2. Idel(Spielabt. d. Elbers. T.=G.), 3. Schneider (Barmer T.=V.).— Weitsprung: Endkampf ausgefallen; im Vorkampf zeigten die besten Leistungen: Esselborn(Barmen), Schneider(Barmen) und Lucas(Elberfeld),— Stabhochsprung ausgefallen. — 400 Meter=Stasetten=Lauf: 1. Barmer T.=V., 2. Hagenen Fußb.=Kl.— 1600 Meter=StafettenLauf ausgefallen.— Auf Grund ihrer Leistungen werden zu den Auswahlkämpfen am 21. Juni Köln voraussichtlich eingeladen werden:„Viktor“, „Siegfried" und Schlünder vom Schwerter SportKlub, Schmidt vom Hagener Fußball=Klub, Brand vom Barmer Turnverein, Collet vom Sportverein Hohenlimburg, Beutler vom Allgem. Städt. Turnverein Iserlohn und vielleicht noch Kuhne vom Seminar=T.=V. Lüdenscheid, sowie Esselborn vom Barmer Turnverein. Fürst Wilhelm von Albanien hat nach seiner Rückkehr in den Palast nur in Begleitung des Hofmarschalls, seines Adjutanten und zweier Diener die Verschanzungen und Vorposten inspiziert. Er wurde auf dem ganzen Wege von der Bevölkerung steundlich begrüßt. Bei den Kämpfen vor Durazzo verloren die Regierungstruppen 20 Tote und 10 Verwundete. Die Aufständischen lieferten sämtliche Gesangene und Verwundete aus, die in den langwierigen Kämpfen während des Vormarsches auf Durazzo in ihre Hände gefallen waren. Nach der Rückkehr des Fürsten Wilhelm von dem italienischen Kriegsschiff„Misurata“ wurde zunächst ein Wafsenstillstand abgeschlossen, dem die Verhandlungen mit den Ausständischon alsbald folgten. Abdankungsgerüchte. Die von Pariser und römischen Blättern verbreiteten Meldungen, Fürst Wilhelm habe alle Bedingungen der Ausständischen angenommen und auch in seine eigene Abdankung gewilligt, sind bisher unbestätigt geblieben. Es erübrigt sich daher ein Eingehen auf die Kombinationen, die bezüglich des Nachfolgers des Fürsten Wilhelm angestellt werden. Bei den Regierungen der Londoner Konseranzmächte wird die pessimistische Darstellung, besonders der italienischen Presse, als grundlos zurückgewiesen. Man erklärt dort, die augenblicksiche Lage des Fürsten sei zwar schwierig, aber keinesfalls auf die Dauer bedrohlich.— Zwischen dem österreichisch=ungarischen Minister des Auswärtigen Grafen Berchtold und dem italienischen Botschafter am Wiener Hofe, Herzog von Avarna, finden in Budapest, wo Graf Berchtold wegen der Delegationsberatungen weilt, tägliche Konferenzen über die albanische Frage statt. Der Botschafter berichtete über die weiteren Vorschläge des Grafen Berchtold nach Rom.— Während Italien in der Schule von Durazzo eine militärische Patrouille zum Schutze der fürstlichen Familie unterbrachte, verzichtet Oesterreich zunächst noch auf die Landung von Truppen und begnügt sich mit der Entsendung von Kriegsschissen nach Durazzo. Die Lage ist sehr ernst, so erklärte der albanische Gesandte in Wien Sureya Bei einem Berichterstatter. Da von den 10 000 Aufständischen ganz Albaniens allein 6000 vor Durazzo stehen, so kann keine Ruhe eintreten, wenn nicht mindestens 5000 sremde Truppen nach Albanien kommen. Eine internationale Kontrollkommission müßte die Verwaltung des Landes übernehmen. Die Bewegung sei eine muselmanisch=fremdenseindliche, aber keine christenseindliche. Für das Leben des Fürsten bestände keine Gefahr, nur dürfte er nicht wieder Durazzo verlassen. Der Wunsch des Fürsten, 500 Mann des internationalen Besatzungskorpo aus Skutari möchten nach Durazzo verlegt werden, scheiterte bisher daran, daß England seine Zustimmung dazu nicht erteilte. Albanien den Albanesen. Wien, 26. Mai. Eine verspätet eingegangene Meldung des Wiener Korr.=Bur. aus Durazzo berichtet: Seit längerer Zeit hat sich im ganzen Lande eine politische Richtung unter der Devise„Albanien den Albanesen“ und dem Zweck unbedingter Unterstützung des Fürsten geltend gemacht. In einer großen Versammlung sei ein desinitives Parteiprogramm erörtert und die Ueberreichung eines Memorandums durch eine Deputation an den Fürsten beschlossen worden. Diese neue nationalistische Partei, deren Programm sich energisch gegen das frühere türkische Korruptionssystem richtet, sei von den Anhängern Essad Paschas bekämpft worden. Rückkehr Essad Paschas nach Neapel. Rom, 26. Mai. Essad Pascha ist plötzlich mit dem Abend=Schnellzuge wieder nach Neapel zurückgekehrt. Ob diese Rückkehr mit einer etwaigen Rückberusung nach Durazzo zusammenhängt, ist noch ungewiß. Entsendung eines internationalen Korps nach Albanien? Rom, 26. Mai. Der Plan, ein internationales Korps nach Durazzo zu schicken, scheint sich schon in den nächsten Tagen verwirklichen zu wollen. Das Korps dürfte einen englischen Befehlshaber erhalten. Außer England, Oesterreich und Italien soll auch Frankreich endgültig zugestimmt haben. Die englische Entscheidung sehlt zwar noch, doch dünkt man sich ihrer sicher. Ein kategorisches Dementi. Wien, 26 Mai. Die Nachricht auswärtiger Blätter, daß in Oesterreich die erste Reserveklasse in großer Eile mobilisiert werde, wird an hiesiger maßerbender Stelle kategorisch mit dem Bemerken dementiert, daß zu einer solchen Meldung nicht der geringste Anlaß vorliege. Vor dem Aufstand. Der„Corriere della Sera“ veröffentlicht einen aus Durazzo vor den letzten Ereignissen geschriebenen Brief, der manchen interessanten Einblick in die Lage in Albanien gewährt. Es heißt in dem Briese: Ich bin heute morgen in Siak gewesen, eine Wegstunde zu Pferd inmitten der heitersten, fruchtbarsten aber leider auch verlassensten Landschaft, die man sich denken kann. Schon seit den letzten Tagen war das Gerücht gegangen, daß einige Unzufriedene die ganze weite Zone zwischen Durazzo, Kowaia, Tirana und Elbassan durchschwärmten und daß die Vertreter der verschiedenen Dörfer heute auf den Hügeln von Elbassan eine Versammlung abhielten; als ich nun in Siak ankam, hatte ich sofort den Eindruck, daß etwas sehr Ernstes in der Luft lag. Es war Markttag, und statt ihre bunten Waren auf die Straße auszuschütten, waren alle Läden geschlossen oder nur halb offen, und nur wenige Augen blickten aus ihnen auf die Straße. Auf dem Wege hatte ich Gruppen von Menschen und ganze Familien, die abzogen, getrofsen, darunter die des Ortsarztes. In Siak erfuhr ich kurz darauf, daß die Verbindungen mit Tirana und der ganzen Zone schon abgeschnitten waren und daß es unmöglich war, weiter vorzugehen. Da jedoch die Orientalen zu übertreibeen und zu verallgemeinern pflegen, so wollte ich selbst einen Versuch machen. Als ich die Straße nach Tirana betrat, sah ich verschiedene Gruppen von Bewaffneten auf den Hügeln stehen, die die Straße beherrschten, aber auf der Strecke, die ich zurücklegte, wurde ich nicht belästigt. Als ich aber dann, fast sicher geworden, nach Siak zurückkehrte, traf ich zu meinem Erstaunen einen Franzosen, der auf einer Nebenstraße angehalten und zurückzugehen gezwungen worden war. Dasselbe Abenteuer passierte mir dann, als auch ich den Versuch machte. Darauf begriff ich, daß die Ausständischen, statt die Straße nach Tirana zu besetzen, sich zwischen den Feldern aushielten und so den Weg indirekt beherrschten. Doch gelang es mir, eine kurze Unterhandlung mit den unbeugsamen Wächtern zu führen Diese hielten zwar fortwährend ihre Gewehre in einer Stellung, die mir begreiflich machte, daß jeder Versuch, sie zu überreden, vergeblich war, aber sie weigerten sich nicht, mir die Gründe darzulegen, deren halber sie zu den Wafsen gegrissen haben. Und der erste ist der, daß sie absolut keinen Militärdienst leisten und von der Wehrpflicht auf wenigstens zehn Jahre entbunden sein wollen. Aus Stadt und Umgebung. * Schwerte, 25. Mai. **(Für Düppelstürmer.) Am 27. Juni d. J. findet eine Fahrt der Düppelstürmer nach Kiel und Sonderburg statt, an der sich voraussichtlich eine größere Anzahl von alten Düppelveteranen aus Westfalen beteiligen wird. Bekanntlich hat seinerzeit die ganze 15. Division, die sich aus Westsalen zusammensetzte, den dänischen Feldzug mitgemacht. Zur Erleichterung der Reiseunkosten hat die Provinz einen Betrag von 2000 Mark zur Verjügung gestellt. Seitens des Herrn Eisenbahnministers wird den Teilnehmern Fahrtermäßigung auf sämtliche Züge einschließlich der D=Züge in der Weise zuteil, daß sie aus Militärfahrkarte(einen Pfennig pro Kilometer) fahren können. Der Fahrpreis von Dortmund nach Kiel und zurück stellt sich hiernach auf ungefähr 10—11 Mark. Auch wird voraussichtlich der Kreis=Kriegerverband Hörde, welcher auch die Meldungen zu dieser Fahrt gerne entgegennimmt, bedürstigen Veteranen eine Reisebeihilfe von 20 Mark zur Verfügung stellen. **(Der Generalpardon vor Gericht.) Die Frage, wie weit sich der Generalpardon auf Steuervergehen erstreckt, wird wohl zum ersten Male gerichtlich in einem Beusungsprozeß vor der Bochumer Straskammer entschieden worden sein. Ein Unternehmer aus Datteln war des Gewerbesteuervergehens angeklagt. Bei Gelegenheit der Festsetzung des Wehrbeitrages des Angeklagten fand man, daß dieser bei seiner Niederlassung in der Gemeinde seinen Gewerbebetrieb nicht eigens zur Steuer angemeldet hatte. Die Verteidigung war der Ansicht, daß eine Anmeldung des Wohnsitzes genüge. Im übrigen müsse hier der Eeneralpardon angewendet werden; der Generalpardon komme nicht lediglich für Strafen bei Steuerhinterziehung, sondern auch für Vergehen gegen Bestimmungen in Frage, die eine Steuerhinterziehung unmöglich machen sollen. Das Gericht erkannte auf Freisprechung. Es sei der Ansicht, daß die Anwendung des Ecneralpardons in sehr ausgedehntem Maße möglich sei und die Vergünstigung sich auf das Vergehen der im Prozeß festgestellten Art beziehe. Der Staatsanwalt war gegenteiliger Meinung. **(Das Verbandsfest der katholichen Vereine) wird am Sonntag den 7. Juni im„Reiche des Wassers“, gefelert. In mehreren Sitzungen der Vorstände der einzelnen Vereine ist das Prograsnm jetzt vollständig ausgearbeitet. Nach demselben iehen die Vereine mit Musik vom Kordeckschen Lokal gegen 2 Uhr zum Festgottesdienst in die Kirche und von dort aus im Festzuge über die Haselack=, Hüsing= und Brückstraße zum„Neische des Wassers“, wo im Laufe des Nachmittags Ansprachen, Konzert der Kapelle Mus, Gesangvorträge der„Cäcilia“, der Gesangabteilungen des Arbeitervereins und der Jünglings=Sedalität, und außerdem Volksbelustigungen aller Art geboten weiden. Als Haupt=Festredner ist Herr Dr. Müller aus M.=Gladbach gewonnen. Nach den getrofsenen Vorbereitungen zu schließen, darf man annehmen, daß die Feier einen glänzenden Verlauf nehmem wird. **(Prozeß Grüber und Genossen.) Heute beginnt nunmehr die Schwurgerichts=Verhandlung gegen Grüber und Genossen, wie man wohl annehmen darf die letzte der Gerichtsverhandlungen in dieser Angelegenheit, die über die Grenzen der Stadt Schwerte Aufsehen gemacht hat. Es ist an dieser Stelle über die Sache nun schon so ost und eingehend berichtet worden, daß es genügen dürfte, in kürzerer Fassung den Gang der Verhandlung mitzuteilen, soweit nicht neue Tatsachen und Gesichtspunkte in Betracht kommen. In der nunmehrigen Verhandlung vor dem Schwurgericht haben sich zu verantworten: C. Grüber und Otto Grüber wegen versuchten Betruges und Verleitung zum Meineid, Werkmeister Nödel wigen Meineides und Brocksiepe wegen Meineides. Für die Verhandlung ist eine ganze Woche in Aussicht genommen, indes besteht die Hoffnung, die Sache in kürzerer Zeit zu Ende zu führen, wenn sich die Angeklagten nicht allzusehr aufs Leugnen legen. Nr. 121. Beilage. Dienstag, 26. Mai 1914. Amtliches Kreisblatt. Vom Versicherungs=Gesetz. Welche Versicherungsmarken sind im Landkreise Hörde zu verwenden? Die Invaliden= und Hinterbliebenenversicherung erfolgt bei einem Jahresarbeitsverdienst bis zu 350 Mk. in 1. Lohnklasse(Wochenbeittag 16 Pf.), bei eeinem solchen von mehr als 350 bis zu 550 Mk. in 2. Lohnklasse(Wochenbeitrag 24 Pf.), bei mehr als 550 bis zu 850 Mk. in 3. Lohnklasse(Wochenbeitrag 32 Pf.), bei mehr als 850 bis zu 1150 Mk. in 4. Lohnklasse(Wochenbeitrag 40 Pj.) und bei einem solchen von mehr als 1150 Mk. in 5. Lohnklasse(Wochenbeitrag 48 Pf.). Als Jahresarbeitsverdienst gilt in der Regel ein Durchschnittsbetrag. Für Mitglieder einer Krankenkasse gilt das Dreihundertsache des Grundlohns als Jahresarbeitsverdienst. Der Grundlohn ist nach dem Verdienst der Kassenmitglieder oder nach ihrer Tätigkeit, ihrem Alter oder dem Geschlecht abgestuft, wie diee Satzung jeder Kasse ergibt. Die Betriebs=Krankenkassen der Firma Baroper Walzwerk A.=G. zu Hombruch, der Firma Westjälische Eisen= und Drahtwerke A.=G. zu Aplerbeck, der Firma Glässing und Schollwer zu Schüren, der Firma Annener Gußstahlwerk zu Annen und für das Stahlwerk Annen haben den täglichen wirklichen Arbeitsverdienst ihrer Mitglieder als Grundlohn bestimmt, der Jahresarbeitsverdienst ist also gleich dem Dreihundertfachen dieses Verdienstes. Auf den Tag berechnet, ergibt sich für diese Mitglieder bei einem Verdienst bis zu 1,16 Mk. die 1. Lohnklasse(16 Pf.), bei einem solchen 1,17 bis 1,83 Mk. die 2.(24 Pf.), bei 1,84 bis 2,83 Mk. die 3.(32 Pf.), bei 2.84 bis 3,83 Mk. die 4. (40 Pfg.) und bei einem täglichen Verdienst von mohr als 3.83 Mk. die 5. Lohnklasse (48 Pf.). Die Allgemeinen Ortskrankenkassen für die Gemeinde Annen, für den Amtsbezirk Westhofen, für den Amtsbezirk Aplerbeck, ferner die Betriebskrankenkassen der Firma Annener Glasfabrik Utermann u. Co., der Firma Märlische Glashütte zu Annen, sowie die Innungskrankenkassen der Handwerker=Innung zu Aplerbeck, für das Bäckergewerbe des Amtes Aplerbeck und der HandwerkerInnung der Aemter Barop, Kirchhörde und Wellinghosen haben die in den Mustersatzungen des Bundesrats mpsohlenen Lohnstufen eingeführt und hierdurch in sehr einfacher und zweckmäßiger Weise eine volle Uebereinstimmung mit der Invalidenversicherung erzielt, sodaß wer zur 1. Lohnstufe der Krankenkasse gehört, auch in der 1. Lohnklasse zur Invalidenversicherung beitragen muß usw. Die Allgemeine Ortskrankenkasse für die Aemter Barop, Kirchhörde und Wellinghosen und die Betriebskrankenkasse der Fa. Baroper Maschinenbau=Aktiengesellschaft haben eine Uebereinstimmung mit den Lohnklassen der Invalidenversicherung nicht hergestellt, hier muß daher die Höhe der Beiträge nach dem Dreihundertfachen des Grundlohnes in jedem Falle ermittelt werden. Bei allen Krankenkassen und bei den Ortsbehörden hängen Uebersichten aus, welche die Höhe der Beiträge zur Inralidenversicherung ergeben. Die Allg. Ortskrankenkasse für die Gemeinden Annen, für den Amtsbezirk Westhofen, für den Amtsbezirk Apkerbeck und für die Aemter Barop, Kirchhörde und Wellinghofen haben für einen Teil ihrer Mitglieder(unständig beschäftigte Hausgewerbetreibende), den Ortslohn als Grundlohn bestimmt. Die Beiträge betragen in diesen Fällen für die Woche nach dem Dreihundertsachen des Ortslohns für Frauen von 16—21 Jahren(1,80 Mk. X 300 = 2 Lohnklasse) 24 Pf., 21 Jahre 32 Pf. (2.40 Mk. X 300 300 Jahren(0.90 Mk. X 300 für Frauen über = 3. Lohnklasse) für Männer von 16—21 Jahren(2.70 Mk. X 300 3. Lohnklasse) 32 Pf. für Männer über 21 Jahre(3.60 Mk. X 300 4. Lohnklasse) 40 Pf. Dieselben Beiträge nach diesem Ortslohn sind für Versicherte zu leisten, welche keiner Krankenkasse angehören. Diese Krankenkassen endlich haben auch für nicht voll arbeitssähige Personen einen Teil des Ortslohnes als Grundlohn festgesetzt. Falls diese Personen invalidenversicherungspflichtig (mindestens eindrittel erwerbsfähig) sind, betragen die Beiträge: für Frauen von 16 bis 21 Jahren(0.60 Mk. X 300 1. Lohnklasse) 16 Pf. für Frauen über 21 Jahre(0.80 Mk. X 1. Lohnklasse) 16 Pf. für Männer von 16 bis 21 1. Lohnklasse) 16 Pf. für Männer über 21 Jahre(1.20 Mk. X 300 2. Lohnklasse) 24 Pf. Abweichend hiervon beträgt der Teil des Ortslohnes bei der Allgem. Ortskrankenkasse für die Aemter Barop, Kirchhörde und Wellinghofen nur 0.45 bezw. 0.60 bezw. 0.68 bezw. 0.90 Mk., sodaß hier in jedem Falle Marken 1. Lohnklasse genügen. Landwirtschaftliche Betriebsbeamte gehören bei einem Jahresarbeitsverdienst bis zu 850 Mark stets zur 3., Lehrer und Erzieher bei einem solchen bis zu 1150 Mark stets zur 4., bei höherem Jahresarbeitsverdienst zu einer höheren Lohnklasse. Wenn im voraus für Wochen, Monate, Vierteljahre oder Jahre eine feste bare Vergütung vereinbart ist, die den nach Vorstehendem berechneten Durchschnittsbetrag übersteigt, so ist diese für die Höhe der Beiträge maßgebend. Diee Versicherung in einer höheren Klasse ist erlaubt. Freiwillig Versicherten steht die Wahl der Lohnklasse frei. Da mit dem 1. Januar d. J. große Veränderungen in den Krankenkassen eingetreten sind, und eine große Anzahl von Personen mit diesem Zeitpunkte erst krankenversicherungspflichtig geworden ist, so hat sich die Höhe der Beiträge zur Invalidenversicherung in vielen Fällen geändert. Falls nach Einsichtnahme von den Uebersichten, welche bei den Krankenkassen und Ortsbehörden aushängen, noch Zweisel bestehen, empfiehlt es sich, nähere Erkundigungen einzuziehen, da die Landesversicherungsanstalt wegen unrichtiger Beitragsleistung bestrafen kann. Westfalen und Rheinland * Hörde, 25. Mai.(Schwerer Unfall.) Vorgestern abend ereignete sich bei einer Uebung der Freiwilligen Feuerwehr auf dem Schulhoje des Realgymnasiums ein schwerer Unglücksfall. Dort wollte ein Mitglied der Wehr, Wirt Schriever, den zur Beleuchtung von Brandstätten dienenden Azetylen=Apparat in Funktion setzen, als plötzlich eine Explosion erfolgte, infolge deren der Apparat zersprang, wobei dem Feuerwehrmann Teile desselben in das Gesicht flogen. Der Bedauernswerte erlitt sürchterliche Verletzungen, das linke Auge wurde ihm vollständig aus der Augenhöhle gerissen und hing nur noch lose an den Sehnen, und auch das rechte Auge war verletzt und durch die entstehende Geschwulst völlig verdeckt Nachdem dem Verunglückten auf der Unfallstelle die erste ärztliche Hilse zuteil geworden, wurde er dem Krankenhause „Bethanien“ zugeführt; es liegt die Befürchtung nahe, daßer das Angenlicht gänzlich verlieren wird. * Dortmund, 25. Mai.(Tod durch Gasvergiftung.) Im Verwaltungsgebäude des Stahlwerks Hoesch sand man einen Heizer bewußtlos auf. Er hatte aus der Heizung die glühenden Schlacken herausgczogen, mit Wasser gelöscht und sich dann cus eine Bank zum Schlafen gelegt. Da sämtliche Oessnungen des Raumes verschlossen waren, konnten die sich entwickelnden giftigen Gase nicht abziehen. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche mit einem Sauerstossapparat waren erfolglos. Die Leiche wurde zur Totenhalle geschafst. * Hagen, 25. Mai.(Förderung der Bautätigkeit.) Die Städtische Sparkasse hat gestern beschlossen, zur Belebung der Bautätigkeit in unserer Stadt, den Zinsfuß für Hypothekenkapitalien vom 1. Juli d. J. ab von 4¾ aus 4½ Prozent herabzusetzen. Ferner hat die Städt. Finanzkommission beschlossen, zu dem gleichen Zwecke, insbesondere zur Förderung des Kleinwohnungswesens über die Beleihungsgrenze der Sparkasse(50 Prozent) hinaus eine städtische Garantie für weitere 25 Prozent des Bauwertes zu übernehmen. Das soll für jeden gelten, der Kleinwohnungen errichtet, * Iserlohn, 25. Mai.(Das Petroleum.) Als gestern morgen die 70jährige Witwe Kornelie Hartmann Petroleum ins Feuer goß, explodierte die Petroleumkanne. Die unglückliche Frau stand sosort in Flammen und erlitt so schwere Verbrennungen, daß sich ihr das Fleisch stückweise vom Leibe loslöste und sie selbst zur Unkenntlichkeit entstellt wurde. Sie wurde ins St. Elisabethhospital geschafft, wo sie im Lause des Tages bereits gestorben ist. r. Meinerzhagen, 25. Mai.(Eine Brandstiftung,) die seinerzeit großes Aussehen erregte und viel besprochen wurde, weil sie im Anschluß an den großen Brand in Meinerzhagen im vorigen Jahre sich ereignete, unterlag nunmehr der Beurteilung des Schwurgerichts in Hagen. An dem Brandtage, Ende September v. J., nachdem der große allgemeine Brand im Orte, dem 23 Gebäude zum Opfer sielen, gelöscht war und keine Gefahr mehr bestand, brannte es in dem Hause des Klempnermeisters Cörbi von sieben Uhr abends bis zum nächsten Morgen zu wiederholten Malen. Es wurde sehr bald festgestellt und auch in der Schwurgerichtsverhandlung erwiesen, daß es sich zweisellos um mehrfache Brandstiftungen handelte, die offenbar erfolgt waren, um der für Cörbi nicht genügenden Demolierung des Hauses und Mobiliars, das gut versichert war, nachzuhelfen. Der als Brandstister mitangsklagte Schreiner Haarmann war Feuerwehrmann, aber ein so seltsamer, wie man ihn kaum wiederfindet; er selbst hat Petroleum in dem Hause ausgegossen und dabei gestanden, wie man daneben Streichhölzer entzündete; allerdings waren andere Leute vernünftiger und löschten den Brand. Ein dritter Angeklagter, der Dreher Schuster, ist von Zeit zu Zeit in das Haus gegangen. Und jedesmal soll nach seinem Austritt Feuer gewesen sein. Der Staatsamralt nahm zugunsten des Angeklagten an, daß es sich für sie weniger um eine Brandstiftung, al's darum gehandelt habe, eine höhere Versicherungssumme herauszuschlagen, er beantragte#d##shalb nach zweitäsiger Verhandlung nur die Verurteilung wegen Versicherungsbetruges. Die Geschworenen erkannten den Cörbi dieser Straftat unter Annahme mildernder Umstände für schuldig, sprachen jedoch die beiden Angeklagten, die acht Monate in Untersuchungshaft zugebracht haben, frei. Cörbi wurde zu einem Jahr Gesängnis unter Anrechnung der schungshaft verurteilt. Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Ang. König. 14 Theodore hatte die Wimpern gesenkt, ihre feinen Hände spielten mit den Mandelschalen, die vor ihr auf dem Teller lagen. „Papa wird ihn gewiß freundlich empfangen,“ sagte sie leise,„es befremdet mich, daß Sie daran zweiseln. Papa ist ja auch Offizier gewesen, er spricht noch gerne von jener Zeit.“ Der Notar hatte seinen Zweck erreicht; er zog seine Uhr zu Rate, und da in diesem Augenblick der Kammerdiener eintrat, so ersuchte er ihn, den Wagen anspannen zu lassen. Jakob zog sich mit einer Verneigung zurück, draußen fuhr er mit der Hand langsam über sein glattes Gesicht, dessen Züge plötzlich den Ausdruck des Unmutes annahmen. Er ging in die Gesindestube und fand hier Joseph und die Kammerzofe in vertraulicher Unterhaltung. „Anspannen!“ sagte er lakonisch.„Der Herr Notar will nach Hause.“ „Hat es so große Eile?“ spottete der Kutscher. „Wenn der alte Fuchs hier ist, kommandiert er das ganze Haus.“ „Nur mich nicht,“ sagte die Zose schnippisch, während sie die rotblonden Löckchen aus der Stirn strich.„Mir hat der Herr, gottlob, nichts zu en:“ „Auch dann nicht, wenn Sie ihn in seinem Hause besuchen, Nanny?“ fragte der Kammerdiener iroisch, m„„.„ 4 4 8 Das Mädchen warf den seopf trotzig zuruck, aus den graublauen Augen traf ein tückischer Blick den alten Mann, der mit verschränkten Armen am Feuster stand. „Wenn ich zu ihm hingeschickt werde, so muß ich wohl in sein Haus gehen,“ sagte sie,„ich wüßte nicht, was er mir dabei zu befehlen hätte. Wie mir Siegen, 25. Mai,(Unvorsichtiges Hantieren mit Schußwassen.) Der Schutzmann Göben von hier zeigte seinem 11jährigen Sohn seinen Revolrer. Die Wasse entlud sich und die Kugel drang dem Knaben in den Nähe der Achselhöhlle in den Körper, durchschlug die Lunge und blieb in der Bauchhöhl stecken. Sie konnte bisher nicht entsernt werden. Der Verletzte fand im Krankenhause Aufnahme. Elberseld, 25. Mai.(Zur Flandersbacher Mordasfäre.) Zur Wiederaufnahme der Flandersbacher Mordaffäre erfahren wir, daß es noch zweiselhaft ist, ob die Verhandlung noch in dieser Schwurgerichtsperiode stattsinden wird. Die Untersuchungen gegen die der Tat verdächtigen beiden Männern dauern sort. Es gilt, die Spur festzustellen, die die beiden Verdächtigen in der Mordnacht genommen haben. In Flandersbach haben in der letzten Woche wiederholt Lokaltermine stattgesunden. * Wald, 25. Mai.(Eine Liebestragödie) hat sich hier auf der Schloßstraße ereignet. Der Fabrikarbeiter Paul Deichmann zu Inderhöhe gab auf die 17jährige Fabrikarbeiterin Margarete Bielsky, die nicht mehr mit ihm verkehren wollte, zwei Revolrerschüsse ab, deren einer in die Schulter drang, während der andere sehl ging. D. flüchtete und gab, als er sich verfolgt sah, mehrere Schüsse auf seine Verfolger ab, die aber sehl gingen. Dann schoß er zweimal auf sich selbst; er war sosort tot. Das Mädchen wurde ins Solinger Krankenhaus geschafft. Lebensgefahr liegt nicht vor. * Westerholt, 25. Mai.(Durch Starkstrom getötet.) Beim Ausweichen vor einem elektrisch betriebenen Förderwagen kam heute morgen auf der Schachtanlage Westerholt der ledige Bergmann Wilhelm Speggemann aus Buer einer Staikstromleitung zu nahe und wurde auf der Stelle getötet. Der Verunglückte war 27 Jahre alt. * Duisburg, 25. Mai.(Schwere Strafe für einen Meineid.) Vor dm Schwurgericht hatte sich der 35jährige Geschäftsführer Aloys Heß zu verantworten, weil er vor dem Kaufmannsgericht einen Meineit geschworen haben sollte. Der Angeklagte war mit seiner Firma in Streit geraten, und wurde vor dem Kausmannsgericht auf Zahlung von 600 Mark verklagt, weil er angeblich ihm übermittelte Aufträge von Kunden nicht an die Firma weitergegeben habe, Heß erhob gegen die Firma Widerklage auf Auszahlung von rückständigem Gehalt. Er beschwor in dem Termin, nach dem 4. Juni v. J. von der Firma keine Gehalts= oder Abschlagszahlung mehr erhalten zu haben. Einige Stunden vorher hatte Heß aber in einem anderen Termin das Gegenteil beschworen. Die Geschworenen bejahten die Frage nach wissentlichem Meineid. Das Gericht erkannte mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte mit einer unerhörten Frechheit und Dreistigkeit etwas Falsches beschworen und dadurch die Rechtspflege auf das schwerste gefährdet habe, auf eine Zuchthausstrase von drei Jahren. * Rheinbach, 25. Mai.(Schwerer Verdacht.) Unter dem Verdacht, sein 5jähriges Söhnchen beiseite geschafft zu haben, wurde hier der Buchsbinder Krämer verhaftet. Das Kind war vor einigen Tagen, nur mit dem Hemde bekleidet, in einer Senke des Kellers tot aufgefunden worden. Man hatte zuerst einen Unglücksfall angenommen. Der Vater ist seit einigen Jahren Witwer, Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. scheint, wird mein Tun und Lassen sehr scharf beobachtet, ich muß mir das verbitten.“ „Wollen Sie nicht bei dem gnädigen Herrn sich beschweren?“ spottete Jakob, der mit dem Kutscher einen raschen, verständnisvollen Blick wechselte. „Ich beobachte Sie gar nicht, Nanny, mir ist es gleichgültig, was Sie tun und lassen, aber wenn Sie einen guten Rat annehmen wollen, dann hören Sie auf die Warnung eines alten, erfahrenen Mannes. Man kann nicht zwei Herren zugleich dienen, wenn man nicht einen von ihnen verraten will; das lassen Sie sich gesagt sein. Und allzu große Diensteifrigkeit ist auch vom Uebel, man hat den Tritt fort, ehe man es sich versteht.“ „Was Sie damit sagen wollen, verstehe ich nicht," erwiderte Nanny achselzuckend,„ich habe keinen Rat nötig.“ Sie wandte den beiden den Rücken und eilte hinaus, dröhnend fiel hinter ihr die Tür in das Schloß. „Sie hätten ihr das nicht sagen sollen, versetzte Joseph kopfschüttelnd,„es war unklug, sie wird das alles dem Notar hinterbringen.“ „Mag sie es tun,“ unterbrach der Kammerdiener ihn,„ich bin gewiß ein ruhiger Mann, aber mir läuft auch einmal die Galle über, wenn ich das Treiben hier im Hause sehe. Dieses Mädchen ist eine Spionin, der Notar bezahlt sie dafür, sie muß ihm alles hinterbringen, was hier getan und gesprochen wird.“ Damit ging er hinaus; in der Tür begegnete ihm der Förster, der eben ins Gesindezimmer treten wollte. Martin Großberg war ein breitschulteriger untersetzter Mann, ein kurzgeschorener, brauner Vollbart umgab das wetterharte Gesicht, das den Stempel eines offenen, ehrlichen Charakters trug. Er reichte dem Kammerdiener die Hand und stellte seine Büchse in eine Ecke. Jakob holte unterdessen aus dem Schrank eine noch halb gefüllte Flasche, die er nebsteinem Glase vor dem Förster hinstellte. „Der gnädige Herr ist nicht zu Hause?“ fragte Martin. „Er ist ausgeritten,“ antwortete der Kammerdiener. „So werde ich warten!“ „Haben Sie ihm Wichtiges zu melden?“" „Nein, er soll eine Jagd veranstalten, das Wild nimmt überhand.“ „Und die Wilddiebe wohl auch?“ „Je nun, ich sehe ihnen scharf auf die Finger, aber ich kann es nicht verhindern, daß mir hier und da ein Reh fortgeschossen oder ein Hase in der Schlinge gefangen wird. Der Herr Baron will ja keinen Wildhüter stellen, es würde anders sein, wenn er ein passionierter Jäger wäre." „Vielleicht wird er es noch,“ spottete Jakob. „Wann?“ „Wenn er hier nicht mehr aus dem Sattel geworfen werden kann!" „An diese Möglichkeit denke ich schon lange nicht mehr,“ sagte Martin, der sein Glas gefüllt und hastig ausgetrunken hatte.„Wer wollte ihn aus dem Sattel heben?" „Baron Dagobert.“ „Hat man etwas von ihm gehört?“ „So viel ich weiß, nicht. Aber der Notar war heute mittag wieder hier, er hatte eine lange Unterhaltung mit dem Herrn, und der Baron war sehr aufgeregt, ich vermute, daß etwas Besonderes vorgefallen ist.“ Der Förster wiegte mit ungläubiger Miene das Haupt und füllte sein Glas noch einmal. „Die Toten kehren nicht zurück,“ sagte er. „Die Toten nicht, wohl aber die Verschollenen.“ erwiderte Jakob. „Und wenn er zurückkehrte, wenn ihm hier alles überlassen werden müßte, würde es wieder so werden, wie es unter seinem Vater war?“ fragte Martin, gedankenvoll vor sich hinblickend.„Baron Robert war ein ganzer Mann, von ihm konnte man auch ein hartes Wort hinnehmen, denn er sprach es nicht aus, wenn man es nicht verdient hatte. Der wußte, was er wollte; es hatte alles Kopf und Fuß, wenn er einen Befehl gab. Ob sein Sohn ebenso sein würde? Ich glaube es nicht.“ „Die Baronin Adelgunde war auch so schlimne nicht, sie ist eben toll gemacht worden. Von der hört man auch nichts mehr, und was ich immer behauptet habe, das sage ich heute noch einmal: der Notar hat sie auf dem Gewissen!" „Er kümmert sich jetzt auch um Röschen," warf Jakob ein. Martin hob das Haupt, Zornesglut loderte aus seinen Augen. „Was geht ihn denn meine Tochter an?“ fuhr er auf. Heute mittag war die Rede von ihr, der Notar meinte, sie wolle zu hoch hinaus mit ihrer städtischen Erziehung, ein Pächter würde sie nicht zur Frau nehmen, und ein andrer denke nicht daran, die verwunschene Prinzessin aus dem Walde zu holen.“ „Ich möchte ihm auch nicht raten, daran zu denken," erwiderte der Förster, und aus jedem Zuge seines ehrlichen Gesichts sprach der Haß, der ihn gegen den Mann beseelte.„Mag er vor seiner eigenen Tür kehren, was kümmern ihn überhaupt meine Sachen?“ Der Kammerdiener zuckte die Achseln, er trat aus Feuster, der Wagen, der den Notar zur Stadt bringen sollte, fuhr eben vor. Jakob nickte und verließ das Gesindezimmer; der Notar war bereits die Treppe herunter. Sein Gesicht war gerötet, ein Lächeln innerer Befriedigung lag auf seinen Lippen. „Ich lasse mich dem gnädigen Herrn empfehlen,“ sagte er herablassend,„will er mich morgen wiedersehen, mag er mir nur den Wagen schicken, morgen habe ich die beste Zeit; bitte sagen Sie ihm das, Jakob.“. 214.10 1 — A 90 Die Beerdigung fladet am Donnerstag, den 23. d. Mts. nachm. 4¼ Uhr vom Sterbehause, Hö derstrasse 67, aus statt. Von Kondolenzbesuchen welle man gefl. absehen. Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten haben, so diene diese als selche. Absätze Continental tragen!- Lassen Sie ich rates und verlangen Sie vom Schuhmacher ausdrücklien die enorm haltbaren Absätze Continental Der am Donnerslag den 28. Mai 1914, in hiesiger Stadt anstehende Viehmarkt wird mit Rücksicht auf die hier und in Nachbarkreisen herrschende Maul= und Klauenseuche und wegen der großen Gefahr der Weiterverbreitung der Seuche auf Grund des§ 168 Adlatz 1 V.=A.=V.=G. hiermit aufgehoben. Hamm(Westf.). den 27. Mai 1914. Die Polizei=Verwaltung: gez. Matthaei, Oberbürgermeister. Rr. 193. dann kaufen Sie es in der Drogerie Max Mehlhose. Erhältlich in: Flaschen a ½ ltr. 1 80 Mk. 1.40„ 0.70„ ROR Billigste Preise. Verlangen Sie meine Musterkarte# Chterzeuge Sweater Seram 1e Handschune in grosser Auswahl zu billigen Preisen. Otto Marx — Schwerte— Ostenstrasse 20. Marke Der beste Beweis für die Qualität einer Ware ist der dauernd wachse Verkauf derselben. Die Lieserung und Anfuhr von zirka 200 Kubikmeler Kribbe=Steine nach den Ruhrweiden bei Westhofen(Baryskamp) soll am Freilag, den 29. Mai d. 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Ja, ja, es könnte in der nächsten Zeit an das Dienstpersonal die Frage herautreten, ob es in Treue dem gnädigen Herrn auhangen, oder ob es gegen ihn intriguieren wolle. Ich möchte schon jetzt eine ernste Warnung aussprechen, ich habe scharfe Augen, und der Herr Baron versteht in diesem Punkte keinen Spaß, man soll des Sprichworts eingedenk sein: Wes Brot ich esse, des Lied ich singe! Sie haben mich verstanden, Jakob, teilen Sie diese Warnung dem gesamten Personal zu Nutz und Frommen mit, aber lassen Sie in Gegenwart des gnädigen Fräuleins keine Silbe davon verlauten, der Herr Baron hat es auf das strengste verboten! Aber“ Der alte Herr stieg ein, der Wagen rollte von dannen, mit ernster, nachdenklicher Miene kehrte Jakob in das Haus zurück. 4. Kapitel. Die Wohnung des Doktors Steinfelder war ziemlich begrenzt, aber schon als Hermann sie mieleie, rechnete er darauf, daß seine Schwester bei ihm wohnen würde, und so fand Baronin Adelgunde bei ihrer Ankunft ein freundliches, mit allem Komfort ausgestattetes Zimmer, in dem sie sich bald heimisch fühlen konnte. Die Mitteilung des Rittmeisters, die ihr Bruder ihr getreulich berichtete, riefen auch in ihrer Seele die alten, halb vergessenen Erinnerungen wieder wach, mit einer gewissen Sehnsucht sah sie dem Besuch des einstigen Geliebten entgegen, dessen Tochter sie auch nun kennen zu lernen wünschte. Der Rittmeister kam nicht, Baronin Adelgunde zürnte ihm; zudem vermehrten die Erklärungen des Notars Tellenbach auch ihre innere Unzufriedenheit, sie wollte um jeden Preis den Prozeß gegen ihren Schwager beginnen und Haus Eichenhorst zurückfordern, sie verstand es nicht, daß ihr Bruder ihr davon abriet; die Gründe, auf die sein Rat sich stützte, ließ sie nicht gelten. Diese eigene Unzufriedenheit trieb sie nach einigen Tagen, die Amme ihres Sohnes aufzusuchen, Hermann erbot sich, sie zu begleiten, in der Mittagsstunde traten sie den Weg an. „Ich habe mich nach dem Friseur Burger erkundigt," sagte er, während sie Arm in Arm die Straßen durchwanderten,„der Mann hat ein gutes, wenn auch kleines Geschäft, und soll mit seiner Frau sehr glücklich leben. Sie haben nur ein Kind, eine Tochter, die mit einem Maschinenbauer verlobt ist, nur eins gefällt mir nicht, er soll ein heilloser Schwätzer sein.“ „Hier sind wir am Ziele.iueu Sie standen vor einem kleinen Hause, das einen freundlichen Eindruck machte; unten im Erdgeschoß befand sich der Laden eines Friseurs, sie traten durch eine Glastür hinein. Ein kleiner lebhafter Mann mit einem außerordentlich neugierigen Gesicht, das ein bereits ergrauender wohlgepflegter Knebelbart zierte, trat durch eine andere Tür ein. „Habe die Ehre!“ schnarrte er.„Was befehlen die Herrschaften?“ „Ich wünsche Frau Burger zu sprechen,“ erwiderte die Baronin mit erzwungener Ruhe. Der Friseur öffnete die Tür. „Marie!“ rief er und eine große, sehr beleibte Frau trat in den Laden. Gütiger Himmel, unsere liebe, gnädige Frau!“ sagte sie und der Ausdruck freudiger Ueberraschung glitt überihrrundes und gutmütiges Gesicht.„Nein, welche Freude, Sie noch einmal wiederzusehen!“ * Baronin Adelgunde reichte ihr mit einem gütigen Lächeln die Hand; sie mußte nun auch ins Wohnzimmer treten, in dem der Bräutigam sich befand. „Hier ist meine Tochler Anna!“ sagte sie, auf ein hübsches, jugendfrisches Mädchen deutend,„und dieser Herr ist ihr Bräutigam, Herr Abraham Ungewitter. Uebermorgen soll die Hochzeit gefeiert werden; die beiden haben einander llieb, sie könneu es gar nicht erwarten, bis sie Mann und Frau geworden sind.“ Die Baronin stattete ihre Glückwünsche ab und äußerte den Wunsch, einige Worte mit der alten Dienerin allein zu reden. Sie mußten sich die Treppe hinaufbemühen, oben lag die Putzstube, deren hübsche Ausstattung von einer gewissen Wohlhabenheit zeugte. Daronin Adelgunde nahm auf dem Divan Platz, Hermann, dem ein Sessel angeboten wurde, zog es vor, stehen zu bleiben. „Sie werden sich jener Zeit noch sehr genau erinnern," nahm die Baronin das Wort, als Marie Burger ihr gegenübersaß,„sagen Sie mir offen und ehrlich: fanden Sie meine Ueberführung in die Irrenanstalt gerechtfertigt?“ „Nein, gnädige Frau, ich habe nie begriffen, wie es geschehen konnte.“ „Haben Sie jemals Zeichen von Geistesstörung bei mir bemerkt?“ „Nie!“ „Und doch nannte man mich die tolle Baronin. Wie haben Sie das derzeit sich erklärt?“ „Nun, offen gesagt, Sie waren etwas unstet, Sie hatten Tage, an denen die Fliege an der Wand Sie in Zorn bringen konnte. Aber Sie lebten mit dem Herrn Baron Kurt in Unfrieden, er haßte Sie, und Sie haßten ihn; Sie hatten keine Heimat mehr in Eichenhorst, das erklärte manches. Und dann auch mögen Sie wegen der Zukunft Ihres Kindes besorgt gewesen sein, Baron Kurt maßte sich ja die ganze Herrschaft an, und es sah nicht so aus, als ob er sie iemals wieder abtreten wollte.“ *— „Da hörst Du das Urteil einer alten treuen Dienerin," wandte die Baronin sich zu ihrem Bruder, „Hätte ich damals einen energischen Freund gehabt, so wäre ich wohl nicht lange in der Anstalt zurückgehalten worden.— Urteilten die übrigen Diener ebenso?“ „Nicht alle,“ erwiderte Marie Burger.„Sie hatten einige von ihnen schwer gekränkt, und das wurde Ihnen nicht vergessen. Der Kammerdiener Jakob, der Kutscher und auch der Förster, nahmen Sie in Schutz,“ fuhr die alte Frau fort,„Namentlich der alte Förster, aber was konnten diese Leute für Sie tun? Sie mußten schweigen, wenn sie nicht entlassen werden wollten, denn Baron Kurt führte ein strenges Regiment, und der Verwalter, der überall horchte und spionierte, hinterbrachte ihm alles.“ „Sind diese Leute noch in Eichenhorst?“ „Allesamt.“ „Stehen Sie mit ihnen noch immer in Verbindung?“ „Sie kaufen ihre kleinen Bedürfnisse bei mir, ich sehe sie oft, und wir plandern dann immer von den alten Zeiten. Unter Ihrem Herrn Gemahl, dem Baron Robert, hatten wir frohe Tage; jetzt klagen die Leute bitter.“ „Und an mich denkt wohl niemand mehr.“ „Je— nun, es hat wohl niemand daran gedacht, daß Sie noch einmal aus der Anstalt zurückkommen würden; Sie können das keinem übelnehmen, gnädige Frau. Und ich würde Ihnen auch nicht raten, wieder in Eichenhorst zu wohnen; Baron Kurt duldet dort niemand neben sich. „Und bin ich dort, so werde ich ihn auch nicht neben mir dulden!" erwiderte die Baronin in einem Tone, der unerschütterliche Entschlossenheit bekundete.„Sie mußten wohl bald nach mir Haus Eichenhorst verlassen?" 214,16 „Ja, sehr bald, ein Grund war ja leicht gefunden; Baron Kurt fürchtete Einlluß auf das Kind.“ 10. September. Letzter Tag meines Junggesellentums! Ach. wenn nur schon Auch der morgige Tag vorbei wäre! Gestern abend ging ich auf ein Viertelstündchen in die Pilsener Bierhalle; ich vermeinte dort die ganze Tischgesellschaft wieder zu finden. Keine Spur! Werner, Koller, der dicke Kassierer Nowak, Schriftsteller Huber, sie alle haben sich verlobt, manche von ihnen sogar verheiratet, vernünftige Leute das! Freilich, solch' ein Mädchen, wie meine Hedwig, hat seiner gefunden, das ist einmal sicher. Adieu, Junggesellentum, adieu, ihr siummen kahlen Wände: ich begrüße dich, du beseligender, glückverheißender Ehestand. —— Barnums Paradepferd. Der verstorbene amerikanische„Schau"=Mann P. T. Barnum, berühmt als der Vater der Reklame, haite einen starken Sinn für Humor. Nichts machte ihm mehr Spaß, als wenn er jemand einen recht tollen Streich spielen konnte wie den nachstehenden: Der große amerikanische Tragöde Keene cab einst in San Francisco ein Gastspiel. Zugleich befand sich die Einzige und Originale Erößte Schau auf Erden“ in der Stadt. Man gab im Theater Richard III. von Shalespeare. Als Keene das bekanntWort:„Ein Pferd! ein Pserd! Meti Königreich für ein Pserd!“ ausrief, schob sich plötzlich aus den Kulissen ein Vierfüßler, dessen Erscheinen zunächst das Publikum vor Schrecken lähmte. Es war ein wahres lebendes Skelett mit krummen Knien, und in allen Farben des Regenbogens gestreift. Eine große Karte mit der Ausschrift:„Na, wie wär's denn mit diesem, mein Junge?— P. T. Barnum“, war ihm an der Stirn befestigt. Es war dies die beste Reklame, die Barnum je ersonnen hatte. Aber es ostete ihn Hunderte von Dollars, die Sache wieder ins Gleiche zu bringen. Der Würdigste. Der Fer Anglerklub hielt seine gewöhnliche Wochensitzung im „Karpfenschlöschen“ am Flusse, wo er die edle Fischerei betrieb. Bei einer solchen Sitzung zeigte sich der Vorsitzende sehr ausgeräumt und nachdem er mehrere wunderbare Fischgeschichten erzählt hatte, begann er. sich räuspernd, wieder:„Sie, meine Herren, kennen alle die Stelle zwischen der Eichenhöhle und der B—selder Pulvermühle. Nun, letzten Mittwoch sing ich dort einen Hecht mit fünfundzwanzig Angelhalen in den Kiefern. Sosort erbob sich ein junger Angler, der kaum seit einer Woche Mitglied des Klubs war, und sagte:„Wenn der geehrte Herr Vorsitzende es gestattet, will ich berichten, was ich am darauffolgenden Tage an der nämlichen Stelle erlebt habe. Ich brachte mit der Angel nümlich einen Angelhaken herauf, an dem fünfundzwanzig Hechte hingen!“ Der bisherige Vorsitzende erhob sich schweigend vom Stud'e, ging auf den jungen Mann zu und führte ihn nach seinem Platze. Dort drückte er ihm die Tischglocke in die Hand und saate:„Junger Mann, ich bin nicht würdig, mit Ihnen das Zimmer zu teilen!“— gina hinaus und verschwand im Dunkel der Nacht. Die Welt der Frau. Sirese für zankende Frauen. Der widerliche Zank unter Weibern ward als etwas höchst Verächtliches im Mittelalter nachdrücklichst bestraft. In dem Stadtrecht von Dortmund aus dem elften Jahrhundert findet sich darüber folgende sehr charakteristische Pestimmung:„Wenn zwei mit einander streiten einander schlagen oder angreifen mit schimpflichen Worten, so sollen sie zwei Steine, die durch eine Kette aneinander hängen und zusammen einen Zentner wiegen, durch die Länge der Stadt auf dem gemeinen Wege tragen. Die eine soll zuerst sie tragen vom östlichen Tore nach dem westlichen, und die andere mit einem eisernen Stachel, der an einen Stock befestigt ist, sie treiben, wobei beide in ihren Jacken(in ihrer Haustracht, worin sie sast niemals ausgehen) gehen müssen. Alsdann soll die andere die Steine auf ihre Schultern nehmen und sie zum andern östlichen Tore zurücktragen, die erstere aber sie diesmal mit dem Stachel treiben. Das Verschleiern der Frauen im Orient. Wie ein guter Kenner des Orients behauptet, ist das Verschleiern der Frauen weder eine religiöse Vorschrift, noch ist es, wie sonst wohl angenommen wird, aus Eifersucht der Männer entstanden: es ist einfach eine Sache des Gebrauchs und der Eitelkeit, eine Mode. Es gebot die orientalische Etikette, sich möglichst wenig sehen zu lassen; in Persien mußte man Worte an die Königin oder Großen des Reichs durch einen Vorhang sprechen, und es lam eine Zeit, in der vornehme und gut gesittete Damen sich in Zurückgezogenheit hieiten und sich nicht öffentlich zeigten. Die Frauen der arabischen Stämme, die vor Mohammeds Zeit im siebenten Jahrhundert der Mode der schönen Welt nicht folgten. sondern bei den alten Sitten blieben, schlossen sich nicht in die ein und verhüllten sich nicht mit dem Schleier(Jackmasch). Lange Zeit änberte Wohammed nichts an dieser alther ömmlichen Freiheit; die Frauen sprachen ungehindert mit den Muselmännern, empfingen und machten Besuche, ohne daß die Männer das Zimmer verlassen mußten. Als aber der Prophet in den Augen der Welt ein großer Mann, ein Fürst geworden war, führte er um sich her die Bräuche ein, wie sie, seiner Ansicht nach, seinem Range zukommen, und ahmte die am Hofe der Sassaniden, dem Musterbilde orientalischen Zeremoniells, herrschenden bäuslichen Umgangsmanieren nach: die Frauen mußten sich verichleiern und abgeschlossen halten und durften keinen Mann in ihre Gegenwart lassen. Dieer Neuerung entzogen sich die nomadisierenden, roheren Araberstämme lange Zeit, bis sie derselben sich auch fügten. Allmählich eber brach sich der neue Brauch immer weiter Bahn; die niederen Stände wollten den Großen und Reichen nachahmen, um ihnen wenigstens darin gleichzustehen. Für Geist und Hoffnung. Hoffnung schlummert tief im Herzen wie im Lilienkelch der Tau; Hoffnung tauchet wie aus Wolken nach dem Sturm des Himmels Blau; Hoffnung keimt, ein schwaches Hälmchen, auch auf kahler Felsenwand; Hoffnung leuchtet unter Tränen, wie im Wasser der Demant. Schon so tausendsach betrog'nes, armes, schwaches Menschenherz, Immer wendest du dich wieder gläubig trauend himmelwärts! Wie Arachne unverdrossen täglich neue Netze spannt, Kreuzet auch durch ihre Fäden täglich rauh des Schicksals Hand. Gemeinnütziges. Glasflaschen rasch trocknen. Man macht aus Löschpapier oder Druckpapier eine Rolle und schiebt sie burch den Hals der Flasche bis auf den Boden derselben. Saugt man dann vom andern Ende recht stark Luft aus der Flasche, so trocknet sie in zwei bis drei Minuten. Reinigung von Wachstuchdecken. Wachstuchdecken kann man mit Kleiewasser waschen. Sind sie sehr schmutzig, so reinigt man sie mittels etwas Watte oder eines Woll=Lappens, der in Petroleum, Baumöl oder Terpentin getaucht wurde. Behandlung der Messer. Um den Messern die Schärfe zu erhalten, darf man sie nicht zu heiß abwaschen und muß von der Schneide weg, also von links nach rechts putzen. Man bedient sich eines gewöhnlichen Putzbrettes mit gemahlenem Schmirgel; oder man poliert sie mit Zinnasche. Zubereitung der Spargel. Man zieht die Spargel ab, wäscht sie, bindet sie zusammen und siedet sie in Salzwasser weich. Alsdann läßt man Butter in einem Topf zergehen, tut einen Löffel voll Mehl dazu, verrührt dieses recht zart mit der hinzugegossenen Spargelbrühe, schüttet etwas Essig dazu und läßt dieses aufkochen. Dann rührt man drei Eigelb an die Sauce, gießt sie über die Spargel, die man zuvor auf eine Schüssel ringsum gelegt. Der Nachdruck des gesamten Inhalts dieser Beilage ist untersagt.= Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 121. Amtliches Kreisblatt 46. Jahrgang O Erltes und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O Haupt-Annoncenbiatt Dienstag, 26. Mai 1914. Wenn es dir je an Mut gebricht, So tu' bis morgen deine Pflicht! Dann hast du morgen wieder Mut, Cust deine Pflicht! Wer wenig ruht, Dem ist die Arbeit allezeit Ein Freund in Glück und herzeleid. Das zweite Ich. Seltsamer Roman von Rudolf Jura. (5. Fortsetzung.) Im hellen Mondlicht konnte er deutlich Borns Gesichtszüge erkennen, und es schien ihm, als ob seiner begreiflichen Verblüffung über des Rechtsanwalts Allwissenheit nichts von bösem Gewissen beigemischt sei. „Gestohlen war das Zwanzigmarkstück?“ erwiderte Born. „Das habe ich nicht vermutet. Jetzt freilich halte ich es auch für möglich. Ich hatte es mir heute früh von dem Mädchen geliehen und war der Meinung, daß es aus ihren Ersparnissen stamme.“ Der Rechtsanwalt fragte ihn noch des weiteren über seine Beziehungen zu dem Mädchen aus. die sich durchweg nur auf Geld und Tanz bezogen, und sagte schließlich: „Das Mädchen hat ihre Herrin vermutlich schon seit längerer Zeit auf das Schamloseste bestohlen. Ich will Ihren nicht ganz unwahrscheinlichen Versicherungen von Ihrer Arglosigkeit gern Glauben schenken, muß aber doch Sicherheit haben, daß Sie nicht etwa über Nacht das Mädchen oder sonst einen Heliershelfer von der Entdeckung ihres Treibens in Kenntnis setzen und warnen. Sie werden also die Güte haben, mich in meine Wohnung zu begleiten und die Nacht in meinem Fremdenzimmer zuzubringen, wo Sie übrigens leinerlei Bequemlichkeit zu Ihrer Nachtruhe entbehren werden. Ich habe natürlich kein Recht, Sie zu dieser Art Isolierungshast zu zwingen. Aber wenn Ihnen daran liegt, mir Ihren ehrlichen Willen und guten Glauben in der ganzen Sache zu beweisen, so gehen Sie freiwillig auf meinen Vorschlag ein!— Natürlich müßte ich auch um Herausgabe des Ringes bitten, den ich der Eigentümerin morgen unter gebührender Erwähnung Ihrer dabei vorliegenden Verdienste persönlich überbringen werde.“ Emil Born war glücklich, aus der gefährlichen und verdächtigen Lage, in der er sich besand, so leichten Kaufes losgekommen zu sein, gab willig den Brillantring heraus und ließ willig die Tür von des Rechtsanwalts Fremdenzimmer hinter sich zuschließen. Nun die Sorge wegen des Ringes von ihm genommen war, erwachte der für kurze Zeit in ihm zurückgedrängt gewesene Gedanke von neuem in ihm, daß es ihm nicht gelungen war, irgend eine Schlechtigkeit der Frau Doktor von ihrem Mädchen zu erfahren, und es tat ihm ausrichtig leid, dem Fräulein Kurzmüller diesen Dienst also nicht haben leisten zu können. Beim Auskleiden leerte er seine Hosentaschen aus und dabei fiel ihm der zerknitterte Briefbogen in die Hände, in welchen der Ring eingewickelt gewesen war. Mechanisch glättete er ihn und las die wenigen Worte, die mii großen Zügen auf das Papier geschrieben waren. Verwundert schüttelte er den Kopf und las das Geschriebene noch einmal. Es war die Handschrift der Frau Doktor. die er aus ihren in den Handakten des Rechtsanwalts befindlichen Briefen wohl kannte. „Vielleicht ist dem Fräulein mit diesem Unsinn gedient.“ murmelte er lachend.„Es ist zwar ziemlich nichtssagend: aber sie sieht doch so etwas wie guten Willen bei mir, wenn ich ihr ein geheimnisvolles, handschriftliches Dokument ihrer Feindin bringe.“ Sorgfältig faltete er das Papier zusammen und barg es in seiner Brieftasche. Dann ging er zu Bett und schlief eben so ruhigen Gewissens ein, wie sich Frau Doktor Römer jeden Abend einzuschlafen rühmte. Am anderen Morgen teilte der Rechtsanwalt das Frühstück mit seinem sreiwilligen Gefangenen und ging dann mit ihm zusammen in die Kanzlei, so daß ihm keine Möglichkeit gelassen war, mit dem diebischen Dienstmädchen in Verbindung zu treten. Ursprünglich hatte er die Absicht gehabt, sofort dem Staatsanwalt Römer seinen wohlbegründeten Verdacht gegen das Dienstmädchen seiner Schwägerin mitzuteilen. Aber er besann sich noch auf den ausdrücklich geäuserten Wunsch der Frau Doktor. die Diebstahlssache einstweilen privatim zu behandeln, und so beschloß er, zum mindesten vorher mit ihr darüber Rücksprache zu nehmen. Als daher die für diesen Zweck schickliche Zeit der Vormittagsbesuche gekommen war, machte er sich mit dem Brillantring in der Tasche nach der Adalbertstraße auf und hielt auch eine weitere Beaussichtigung Borns nicht mehr für nötig, da dieser ja unmöglich vor ihm in der Villa sein konnte, um seine Mitschuldige etwa zu warnen. Diesmal öffnete ihm Frau Doktor Römer nicht selbst, als er um zwölf Uhr die Glocke zu ihrer Wohnung zog, sondern in der Tür erschien mit wirrem Haar und angstvoll verzerrten Zügen das verdächtige Dienstmädchen, welches ihm gestern auf dem Tanzboden in der Toilette ihrer Herrin begegnet war. Auf seine Frage nach der gnädigen Frau antwortete sie nur mit einem verständnislosen Achselzucken. Dabei starrten ihn ihre grauen Augen so verstört an, und ihr ganzes Wesen war offenbar in so unheimlicher Aufregung, daß sich dem Rechtsanwalt die ahnungsvolle Vermutung eines Unglücks aufdrängte. „Wenn die gnädige Frau noch nicht zu sprechen ist, so werde ich warten. Aber sprechen muß ich sie unbedingt! Ich habe sehr wichtige Mitteilungen für sie. Also wollen Sie mich ihr, bitte, melden!" „Die gnädige Frau ist niemals vor zehn Uhr zu sprechen!“„ zse 115.1 8 „Alle Wetter, jetzt ist es aver schon zwolf uhr! In welcher Zeit leben Sie denn, Fräulein? Sie haben wohl von Ihrem nächtlichen Tanzvergnügen etwas spät ausgeschlafen und die Uhren vergessen aufzuziehen? Also, bitte, ein wenig rasch! Sagen Sie der Frau Doktor, daß ich da bin, Rechtsanwalt Lohmann, und lassen Sie mich nicht länger hier in der Türe stehen.“ Jetzt erst trat das Mädchen unwillkürlich etwas beiseite, ließ ihn eintreten und sah ihn mit sinnendem Ausdruck an. Beim Hören seines Namens war sie nachdenklich zusammengezuckt. als ob ihr eine Erinnerung aus längst vergangener Zeit vorschwebe, die sie nicht ganz mehr zu ergreifen imstande war. Als sie ihn aber jetzt genauer betrachtete, fiel ihr die * BE— — 85 F#nSLSSESEE SSOEPHSBSSSS „E 5 ES-TZSTS „SEEs 8.* 8.35 # S 8.## " 2* 558 S o oEAISN SEHSSES P#SSE * RHSS„uEES# B ESSRSOSS RS * 3•8•3•8 □ 5 * 8 5 SLg S 3.8. * S 3·•8 # g% SSI211 S S S 5 S H SMEEESGSEMIE S B 85 S 2 ** SBUOTEMI * ∆ GUDGOPE 5 * SEEE E PSMMS S 8 59— E 5 S 8 8 &a S SHxFESE S 9.5 8 S 8. 5 S ESHESESR S Se 85 S 8 5 gans S885. 8 8% 83 E E. 2 5SS *•—* S•5S5 * S# 7 B 10 85 87 9 S 8 5 8 Begegnung in der vergangenen Nacht ein, und sie rief lebhaft mit einem gewissen kindlich freudigen Ausdruck: „Ja. Sie kenne ich. Sie waren heute nacht auch da, als ich zu Emil kommen mußte.“ „Ich verbitte mir Ihre vertraulichen Bemerkungen und Geständnisse“, rief der Rechtsanwalt, dem bei diesem sonderbaren Benehmen die Geduld zu reißen begann.„Tun Sie jetzt endlich Ihre Pflicht und melden Sie mich der gnädigen Frau.“ „Ich werde Sie auf die Schiefertafel schreiben,“ antwortete das Mädchen mechanisch und nickte mit dem Kopf. „Was? Auf die Schiefertasel?“ „Ja, ja!“ fuhr sie eifrig fort.„So muß ich's immer machen, wenn jemand kommt.“ „Lassen Sie mich doch mit diesem Geschwätz zufrieden und antworten Sie mir einmal vernünftig: Ist die Frau Doktor zu Hause oder nicht?“ „Ich... ich weiß nicht,“ antwortete sie wieder in ihrem sonderbar unsicheren Tone und sah sich in ängstlicher Ratlosigkeit ringsum.„„ 5n „Jetzt hab' ich Jor albernes Gefasel satr, rief der Rechtsanwalt in hellem Zorn.„Hier ist irgend etwas geschehen, was Sie mir verbergen wollen. Lassen Sie mich vorbei. Ich verschaffe mir selbst Zutritt.“ Er klopfte an das Empfangszimmer der Frau Doktor. Niemand antwortete. Er trat ein und fand alle Zimmer in bester Ordnung. aber in keinem die Frau Dr. Römer. „Wann ist denn die Frau Doktor ausgegangen?“ „Ich weiß nichts.“ „Bringen Sie mich nicht zur Verzweiflung mit Ihrem ewigen„Ich weiß nichts". Sie machen sich übrigens dadurch nur um so verdächtiger. Daß Sie der Frau Doktor diesen Ring gestohlen haben, ist bereits erwiesen. Sie sind aber offenbar auch Mitwisserin von irgend etwas Schrecklichem, was heute morgen hier geschehen ist. Sie waren doch vorhin ganz außer sich vor Aufregung. Also was ist vorgefallen?" Von neuem verfiel das Mädchen in ein angstvolles Zittern. „Ich kann den Brief nicht finden,“ schluchzte sie. „Was für einen Brief?“ „Den Brief, den ich des Morgens nehmen mus. Ach, bitte, bester Herr, geben Sie mir den Brief. Helfen Sie mir doch suchen!" „Von der gnädigen Frau?“ „Natürlich!“ antwortete sie und führte ihn an der Hand in das Schlafzimmer.„Sehen Sie, hier auf dem Schreibtisch hat er gelegen. Ich weiß es genau! Und jetzt ist er fort! Und ich muß ihn doch haben. Ich muß! Ich muß!“" In einem Tone so tödlicher Verzweiflung rief sie diese Worte, daß sich der Rechtsanwalt von herzlichem Mitleid gerührt fühlte. „Was ist's denn mit dem Briese?“ „Ich muß ihn doch lesen!" versetzte sie und schien verwundert, daß es dieser selbstverständlichen Erklärung überhaupt bedurfte. „Ist der Brief denn so eilig, und betrifft er eine so wichtige Sache?“ Sie wiederholte nur immer:„Ich muß ihn lesen. Ich muß!" und blickte ihn dabei mit Augen an so starr und groß, wie die eines abgehetzten Wildes. Bei dem Anblick ihrer Verzweiflung kam dem Rechtsanwalt jetzt die Vermutung, es mit einer Irrsinnigen zu tun zu haben, oder doch mit einer Person, die durch einen Schreck oder sonst eine plötzliche Gemütsbewegung augenblicklich der vollen Herrschaft über ihren Geist beraubt war. Er beschloß daher, einstweilen nicht weiter mit Fragen in sie zu dringen, sondern ihr erst Zeit zu lassen, sich zu beruhigen. Immerhin hielt er es für seine Pflicht, den ihm wohlbekannten Verwandten der Frau Doltor im Erdgeschoß von seinem Wissen und seinen Vermutungen Mitteilung zu machen. Der Staatsanwalt selbst war dienstlich abwesend. Aber seine Frau empfing ihn, und er erzählte ihr in aller Kürze den Diebstahl des Brillantringes, den sie auch, als er ihn vorzeigte, sofort als ihrer Schwägerin gehörig erkannte. Auch von den früheren kleinen Gelddiebstählen berichtete er und schloß mit der Frage, wo die Frau Doktor zu finden sei. In ihrer Wohnung habe er sie nicht angetroffen, und das Mädchen wolle oder könne über ihren Verbleib nichts angeben. Sie sei in einer sinnlosen Aufregung und schreie ganz verzweiselt nach einem Briefe der Frau Doktor, den sie nicht finden könne.n # Die Frau Staatsanwalt zeigte sich zuerst sehr verwundert, daß die Aufwartung zur Mittagsstunde noch in der Wohnung ihrer Schwägerin sei. „Sonst,“ sagte sie,„ist sie immer nur in den frühen Morgenstunden bis gegen zehn Uhr im Hause. Die übrige Zeit behilft sich meine Schwägerin selbst.“ „So?“ fragte der Rechtsanwalt verwundert.„Sie wissen also genau, daß das rothaarige Mädchen nur des Morgens für ein paar Stunden zur Auswartung kommt und des Nachts nicht im Hause schläft?“.... 8# m „Freilich weiß ich das. Sonst hatte sie doch mein Mann als Hausbewohnerin polizeilich anmelden müssen. Er hat meine Schwägerin ausdrücklich deshalb befragt!" „Hm. Als ich die freche Person aber heute nacht in dem neuen Kostüm der Frau Doktor auf einem Tanzboden erwischte, da hat sie sich dreist als das Dienstmädchen Ihrer Frau Schwägerin ausgegeben!“ „Dann hat sie wohl renommieren wollen. Ubrigens kann ich ja einmal mit ihr reden und sie fragen, was es mit dem Brief meiner Schwägerin für eine Bewandtnis hat. Kommen Sie!“„.. st. Ji, Tremme bing Während sie mit dem Rechtsanwair die Treppe hinaufstieg, blieb sie plötzlich stehen und fragte erschrocken: „Sie glauben doch nicht etwa, daß ihr ein Unglück zugestoßen ist?“ „Ich hoffe es nicht, gnädige Frau.“ „Jetzt besinne ich mich. Sie sprach gestern davon, einen Besuch machen zu wollen. Wenn sie das getan hat, wird sie ihre Besuchstoilette angelegt haben. Ich werde ihren Kleiderschrank mustern und mir daraus wohl Sicherheit oder doch Vermutung verschaffen können, wo sie hingegangen ist.“ Aber nach eingehender Prüfung des Kleiderschrankes rief die Frau Staatsanwalt plötzlich erstaunt: „Meine Schwägerin ist überhaupt nicht ausgegangen. Sie muß zu Hause sein. Alle ihre Kleidungsstücke befinden sich ja hier. Auch kein Hut fehlt.:.... 818 „Aber wir sehen sie doch nicht", rief der Rechtsanwalt ungläubig, indem er mit der Frau Staatsanwalt unruhig von Zimmer zu Zimmer ging. 5 „Gleichviel! Wir werden sie sehzen, wenn wir suchen. Unbekleidet kann sie unmöglich auf die Straße gegangen sein, so sonderbar ihre Gewohnheiten mitunter sind. Hier im i“e auch nicht. Aber dort auf dem Nacht2ld üschchen. Und sehen Sie, da im Schreibtisch liegt in der grünen n selbund, und die kleinen Schlüssel ie hätte sie doch sicher zu sich gesteckt, wenn sie ausgegangen wäre!— Fräulein, Fräulein! haben Sie denn meine Schwägerin heute morgen überhaupt Seiegen“.. 4grtat, nicht, Sie lag schluchtend auf Das Mädchen antwortete nicht. Sie lag schluchzend auf dem Diwan im Schlafzimmer und schien nichts zu sehen und zu horen...... Wuan, Eigatsammalt iaht mi „O Gott“, rief die Frau Staatsanwalt jetzt wie in augenblicklicher Eingebung.„wenn der Brief, von dem die Person da gesprochen hat, etwa Marias letzter Brief gewesen ist, vielleicht ihr letzter Gruß an uns! Sie wird uns doch nicht gar einen solchen Schmerz....“ Die Tränen verhinderten sie weiter zu sprechen. Dann stürzte sie sich mit plötzlichem Entschluß auf den Schreibtisch, öffnete mit dem im Schloß steckenden Schlüssel das Schubfach und riß es heraus. Zunächst fiel ihr das Manuskript über hypnotische Heilweise in die Hände, an dem ihre Schwägerin in den letzten Tagen gearbeitet hatte, und als sie das mit zitternden Händen herausgenommen und beiseite gelegt hatte, blieden ihre Augen auf einem großen versiegelten Briefe haften, auf dem geschrieben stand: „Zu Händen des Herrn Rechtsanwalts Lohmann. Inhalt: Mein letzter Wille. Maria Römer.“ Leichenblaß gab sie dem ebenfalls erschrockenen Rechtsanwalt den Brief und flüsterte mit tonloser Stimme: „Meine arme Schwägerin hat sich gewiß ein Leid angetan. Lesen Sie! Lesen Sie rasch!:.... 9 Der Rechtsanwalt gehorchte einig dieser aufforberung und fand sich in dem Testament als Universalerben und Testamentsvollstrecker eingesetzt. Ein paar Tausend Mark hatte sie für ihren Schwager und ihre Schwägerin bestimmt, auch zwei kleine Stiftungen zu wohltätigen Zwecken gemacht, aber das gesamte übrige nicht unbeträchtliche Vermögen fiel dem Rechtsanwalt Lohmann zu, der auch mit der Ordnung und Verwaltung ihres literarischen Nachlasses betraut wurde. „uch Schlafzimmer ist sie tisch liegt Uhr und Ge Wohnzimmer auf dem Muschel ihr großes Sti# stecken am Schubfach. ucuug sobigymusch u 85# a. Eine innige Rührung und ein heftiger Schmerz übermannten ihn, während seine Augen auf den großen klaren Schriftzügen der geliebten Frau ruhten. Diese kurzen schlichten Bestimmungen bedeuteten ja für ihn weit mehr, als eine sroße Vermögenszuwendung und einen ehrenvollen Auftrag. Sie enthielten das einfache Eingeständnis einer Liebe, um die der bereits vierzigjährige Mann nicht mehr ernstlich zu werben gewagt hatte! Jetzt brachte ihm endlich eine Erklärung aus dem Jenseits, die bereits von den kühlen Schauern des Todes umgeden war, die süßschmerzliche Gewißheit, daß die Gesühle seines Herzens nicht unerwidert geblieben waren. Jetzt freilich kam diese Gewißheit zu spät, um ihn noch beglücken zu können. Er wußte sich geliebt. Aber geliebt von einer Toten. Von einer Selbstmörderin vielleicht! Mit feuchtem Blick las er mechanisch das Schriftstück der geliebten Frau zu Ende. Als er aber bei Unterschrift und Datum angelangt war, zuckte er plötzlich zusammen, und der Ausdruck fteudigen Schreckens malte sich auf seinen Zügen. „Das Testament ist ja schon vor länger als einem halben Jahre aufgesetzt,“ sagte er leuchtenden Auges zur Frau Staatsanwalt.„Da ist ja gar kein Anlaß für uns, etwas Schlimmes zu vermuten! Wir sind in unserer Angst viel zu voreilig gewesen, als wir den Brief hier erbrachen. Die Frau Doktor ist sicher frisch und gesund, und ich hoffe, sie wird recht bald erscheinen, um uns zur Rechenschaft über die eigenmächtige Öffnung des Testaments zu ziehen.“ Die Frau Staatsanwalt war zwar über die schlimmste Angst ebensalls getröstet, nachdem es sich herausgestellt hatte, daß die vermeintlichen letzten Grüße einer Selbstmörderin eine bereits mehrere Monate alle Niederschrift waren. Aber ganz beruhigen konnte sie sich über die geheimnisvolle Abwesenheit ihrer Schwägerin doch nicht. Vergeblich durchsuchte sie mit dem Rechtsanwalt das ganze Haus vom Boden bis zum Keller. Vergebens durchstöberten sie jeden Schrank und jeden Winkel. Nichts war von der Verschwundenen zu entdecken. Schließlich kam die Frau Staatsanwait, die auch die Wäsche ihrer Schwägerin zu besorgen pflegte und ihre Wäschebücher immer in peinlichster Ordnung hielt, auf den Gedanken, den vorhandenen Wäschevorrat nachzuzählen. Dabei ergab es sich, daß von den verschiedenen Leibwäschesorten immer je ein Stück fehlte, daß die verschwundene Frau Doktor also wenigstens mit Wäsche bekleidet sein mußte. Der Rechtsanwalt, dessen Mißtrauen und Spürsinn einmal angeregt waren, erinnerte sie jedoch daran, daß das diebische Mädchen in der vergangenen Nacht ein Kleid ihrer Herrin getragen habe, daß also bei ihrer Frechheit die Vermutung nahe liege, sie habe auch Leibwäsche von ihr in Gebrauch genommen. Die Frau Staaisanwalt ging daher wieder in das Schlafzimmer, um das dort ganz willenlos und von der verzweifelten Aufregung betäubt auf dem Diwan liegende Mädchen daraufhin zu untersuchen, und wirklich fand sie die vermißten Stücke Leibwäsche bei ihr. Das besinnungslose Mädchen deshalb zur Rechenschaft zu ziehen, wäre ganz zwecklos gewesen. Auch war die Frau Staatsanwalt zu sehr von ernster Sorge erfüllt, um schelten zu können. Ratlos begab sie sich in das Zimmer zum Rechtsanwalt zurück, und beide zergrübelten sich vergeblich das Hirn, um eine Erklärung für das geheimnisvolle Verschwinden der Frau Doktor Römer zu finden.(Fortsetzung folgt.) eines Junggesellen. Mitgeteilt von A. Steiner=Bergtal. 7. März. Famose Tischgesellschaft das in der Pillner Bierhalle! Keine Gereiztheiten, leine Gespreiztheiten, keine verheirateten Narren, und was die Hauptsache ist, keine Frauen, in deren Nähe man jedes Wort auf die Goldwage legen mus, ehe man es ausspricht. Das Bier ist vortrefflich, das Esten gut, die Gesellschaft amüsant. Juchhe, es lebe die Tischgesellschaft! 9. März. Gestern hatten wir einen vergnügten Abend. Wir tranken untereinander Brüderschaft. Jetzt ist auch der letzte Rest alberner Prüderei geschwunden. Einer von unserer Tischgesellschaft, der kleine Bankbeamte Müller, kommt mir allerdings etwas verdächtig vor. Der Mensch seufzt häusig derart. daß man vermeint, das Bier wäre ausgegangen. 17. März. Mein scharfes Auge scheint mich nicht zu täuschen. Der kleine Müller ist weggeblieben. Seinem beschränkten Verstande ist es zuzutrauen, daß er sich in irgendein Lärochen nergafft hat. Hm, mir auch recht! Schade um den armen Kerl! 23. März. Der Buchhalter Konrad scheint mir ein sehr schwacher Charakter zu sein. Gestern war er nicht da, hat sein Fernbleiben auch gar nicht entschuldigt. Dieser junge Mann war mir von jeher unsympathisch wegen seiner Schwärmerei für den häuslichen Herd. Ach, wie wenig gehört dazu, einem Menschen, wie Konrad, das gefährliche Gift einzuträufeln, das halbverrückte Dichter und mit Töchtern gesegnete Mamas„Liebe" nennen. Übrigens, ein Trost bleibt ja noch immer. Vielleicht konnte Konrad wegen gesährlicher Krankheit nicht kommen. 16. April. Hatte ich es nicht erraten? Wochenlang hielt er sich versteckt und ließ nichts von sich hören. Nun liegt seine Verlobungskarte vor mir. Daß dieser Mensch sich nicht geniert, ist mir unbegreiflich. 23. April. Gestern gestand mir der Schausvieler Bibi, daß er seit seinem 29. Lebensjahre eine stille Liebe im Herzen trage. Ich war wie vom Donner gerührt. Wie? Dieser kluge, geistreiche, gebildete Mensch trägt bereits zehn Jahre eine stille Liebe im Herzen? Ist das nicht heller Wahnsinn? Er will den Gegenstand seiner Liebe heiraten! Armer, bedauernswerter Freund. Ich beklage dein Schicksal geradeso, als ob du die todbringende Waffe gegen dich gerichtet hättest! Fahre wohl! 2. Mai. Unsere Tischgesellschaft hat sich vergrößert. Gestern kam Konrad mit seiner jungen Frau und nahm an unserem Tisch Platz, Ja. ja. der hat aber ein reizendes Weiberl. Und wie das junge Geschöpf zu plaudern weiß, man findet kaum Zeit zum Trinken. 17. Mai. Famos! Der kleine Bankbeamte Müller war gestern auch da. Nun begreife ich's, warum der Mensch bis über die Ohren verliebt war. Seine Frau, die ist ein Engel. Ja, wer so was zu finden imstande ist, freilich der darf——. Hm. alter Bursche, werde nur nicht gleich weich. 26. Mai. Gestern kam ich etwas später als gewöhnlich und da fand ich die Gesellschaft bereits in heiterster Laune. Auch Schauspieler Bibi war da mit seiner Frau, der er mich vorstellte. Ist das eine elegante, vornehme Erscheinung! Für morgen hat unsere Tischgesellschaft einen Ausflug nach Neuwaldegg beschlossen; ich sreue mich schon darauf. 30. Mai. Der schönste Tag meines Lebens dürfte der gestrige gewesen sein! Herrliches Weiter, höchst angenehme Fahrt, lustige fidele Gesellschaft, gutes Essen und Trinken, Musik, Gesang, Ailotria, Tanz— es war herrlich! Und doch, und doch, weiß der Kuckuck, wo meine Vernunft hingeraten, wo meine Gedansen weilen. So viel Unheil wie heute habe ich in meinem ganzen Leben nicht angerichtet. Im Bureau gibt's Verstöße und Unordnungen, daß es lange dauern wird, alles wieder ins rechte Gleis zu bringen. Ich ärgere mich wahrhaftig über mich selbst. Konrads Schwägerin ist allerdings ein reizendes, liebliches Geschöpf, ein Mädchen, wie wenige auf diesem Erdenrunde zu finden sind. Doch im Grunde genommen, was geht das mich an? Halt, beinahe hätte ich vergessen, Freund Konrad die 20 Mark zu bezahlen, die er mir gestern gepumpt hat. 4. Juni. Konrads Familie wird den Sommer über in Ischl wohnen. Welch' besonderer Zufall! Mir hat der Arzt ebenfalls angeraten, dort den Sommer zu verbringen. Kllce F u W t WT WEEH K Wee Knn 1 teltie WH K K? W K W W n unmmmmmschennachhubmmomemmmmmmcmmmmmm *(Jahresfest des Blaukrenzvereins.) Der hiesige Blaukreuzverein beging am Sonntag sein Jahresfest. Die Festpredigt hielt in der luth. Kirche Pastor Vorneberg aus Mettmann. In der gutbesuchten Nachmittagsversammlung, die im Gemeindehaus: an der Hagener Straße stattsand, hielten außer dem Festprediger noch Pastor Wischnath und Stadtmissionar Oberhansberg von hier Ansprachen. Der Männerchor des Vereins verschönte das Fest duch mehrere Liederspenden. **(Unfall.) Einen betrübenden Unfall erlitt gestern der Polierer Nikolaus Böven aus der Haselackstnaße. Derselbe geriet mit dem linken Arm in eine Poliermaschine und zog sich bedenkliche Quetschwunden der Hand und des ganzen Armes zu. **(Bautätigkeit der Nickelwerke.) In Ergänzung unserer neulichen Mitteilung, daß das Nickelwalzwerk auch in diesem Jahre eine größere Anzahl Häuser erbauen läßt, teilen wir heute folgendes mit: Es werden rund 30 Häuser gebaut, und zwar in einem zusammenhängenden Block, dessen Haupteil am Rosenwege gegenüber dem Verwaltungsgebäude und dessen beide Seitenflügel an der Theodorstraße und der parallel zu dieser Straße vom Rosenweg abzweigenden Richardstraße liegen. Die Häuser sind in drei Losen vergeben; das erste Los, acht dreistöckige Beamtenhäuser am Rosenweg und Ecke Thecdorstraße und Richardstraße wurde der Bausirma Carl Dittrich hierselbst, das sich anschließende Los mit zehn zweistöckigen Gebäuden an der Theodorstraße dem Herrn Jonas=Hennen und das entsprechende Los an der Richardstraße der Baufirma W. Luck hierselbst übertagen. Die Richardstraße wendet sich inmitten des zwischen Rosen= und Holzener Weg liegenden Gesamtgeländes der Nickelwerke ostwärts nach der Theodorstraße zu und mündet in diese zwischen dem ersten und zweiten Baublock des im vorigen Jahre bebauten Teiles, der diese Linienführung der Richardstraße schon andeutete. Dadurch wird für die Bebauung des ganzen Geländes die spätere einheitliche, harmonische Gesamtwirkung gewahrt. An allen drei Losen der diesjährigen Bauten wird fleißig gearbeitet; durchweg sind die Häuser bereits bis zur Sockelhöhe gediehen; die Fertigstellung ist bis Ende September vorgesehen. Sämtliche Häuser werden nach den Plänen und Entwürfen des Herrn Architekten Fr. W. Homel=Dortmund, Sohn des Herrn H hierselbst, ausgeführt. Jedenfalls verdient diese soziale Fürsorge des Nickelwalzwerkes, seinen Beamten und Arbeitern gesunde und schöne Wohnungen zu schafsen, allseitige Anerkennung. ** Kalthof, 25. Mai.(Tierschaufest.) In Rücksicht auf die viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 5 d. M., betreffend Maul= und Klauenseuche kann das auf den 4. Juli d. J. in Kalthof anberaumte Tierschaufest nicht stattfinden. Das Fest wird daher auf Samstag den 5. September d. J. verlegt. Der Ort bleibt unverändert. Diese Verschiebung erstreckt sich auch auf die mit dem Feste verbundene Verlosung; die für den ursprünglichen Termin bereits abgegebenen Lose sind ohne weiteres für den 5. September gültig. Die bereits gekauften Eßkarten können eventuell den Verkaufs stelben gegen Erstattung des Betrages zurückgegeben werden, sind aber sonst für den 5. September d. J. gültig. ** Kalthof, 25. Mai.(Ein Rechtsstreit,) dessen Ausgang weithin Aufmerksamkeit erregen dürste, scheint sich an den kürzlich hier ausgetretenen Fall von Maul= und Klauenfeuche ansch! sollen. Wie bekannt ist, haben auch die Tiere des Sattlermeisters Br. in der Helle die Seuche durch Uebertragung von dem eingeführten Weidevieh des Gutsbesitzer Sch. bekommen. Zur Untecorückung der Seuche wurden sie zusammen mit den eingeführten Tieren in voriger Woche abgeschlachtet. Da nun bei derartigen Notschlachtungen nur zwei Drittel des Wertes ersetzt wird, so beabsichtigt Herr Br., Schadenersatzklage zu erheben. Fraglich ist nun, wer für den entstandenen Schaden aufzutemmen hat, da der Gutsbesitzer Schw. die Kühe erst nach Einholung behördlicher Erlaubnis auf die Weiden im Oelken ausgetrieben hat und somit alles getan hat, was von ihm billigerweise zu verlangen war. Ein Zusammenbringen mit dem Vieh auf den Refslingser Weiden war nicht gestattet worden. Auf jeden Fall ist es schwierig, zu entscheiden, wer unter diesen Umständen haftpflichtig zu machen ist. * Hagen, 25. Mai.(Todessturz vom Balkon.) Ein bedauernswerter Unglückssall ereignete sich am Freitag nachmittag auf der Altenhagener Straße. Das dreijährige Söhnchen eins Anwohners spielte auf dem Balkon des zweiten Stockwerks, lehnte sich zu weit über die Brüstung und fiel auf die Straße. Mit schweren Verletzungen wurde der bedauernswerte Kleine dem Krankenhause zugeführt, wo er nach kurzer Zeit starb. * Lüdenscheid, 25. Mai.(Großfeuer.) Im benachbarten Wenninghosen brach gestern nachmittag 2 Uhr Feuer aus, welches bei der bis gestern herrschenden trockenen Witterung so schnell um sich griff, daß in kurzer Zeit sechs Bauernhöft mit etwa jünfzehn Gebäuden ein Raub der Flammen wurden. Es gelang mit Hilfe der aus den Nachbarort= schaften herzugeeilten Feuerwehren, sämtliches Vieh zu retten. Die abgebrannten Gehöste waren alle mit Stroh gedeckt und galten als Typ altwestsälischer dörflicher Bauart. Ein Teil der Abzebrannten ist in große Not geraten, sodaß sich bereits die öffentliche Wohltätigkeit zu rühren beginnt. Schwere Schiffs=Katastrophe. Sechs Matrosen ertrunken. Kiel, 25. Mai. Während der heutigen 3. Verbandswettfahrt des Kaiserlichen Jachtklubs brach in der Regatta der Kriegsschiffboote über der Kieler Föhrde ein surchtbares Unwetter los. Von den großen Jachten brachen„Meteor",„Komet“ und „Cecilie“ die Großmastgestänge. Von den Kriegsschiffbooten kenterten zwei Kutter. Sämtliche Insassen sielen ins Wasser. Sechs Mann ertranken, und zwar von der 3. Kompagnie der 1. Matrosenabteilung Obermaat Böttcher, der Matrose Skrupke von der 6. Kompagnie der 2. Matrosenabteilung, die Matrosen Rasmussen, Ohlsen, Kepsel und Kukka, Außerdem sind vier Kriegsschifskutter in der Nähe von Möltenort gestrandet, aber wieder abgeschleppt worden. — Drahlmidungen. Aus dem Abgeordnetenhause. Berlin, 26. Mai. Das Abgeordnetenhaus will heute abend in die Ferien gehen, nachdem die erste Lesung der Besoldungsnovelle und die erste Lesung des Fischereigesetzes erledigt sind. Zum Fischereigesetz werden die Parteien nur kurze Erklärungen abgeben. Die kleinen Vorlagen werden ebenfalls bis Dienstag erledigt werden. Nach Psingsten werden nur noch die zweite und dritte Lesung der Besoldungsnovelle und die erste Lesung des Fidcikommißgesetzes beraten werden. Am 13. Juni soll spätestens Vertagung eintreten. Jünf Familienmitglieder vergiftet. Eschweiler, 26. Mai. Unter schweren Vergistungserscheinungen erkrankten nach dem Genuß von Preizelbeeren von der Familie des Restaurateurs Kaefer in Eschweiler fünf Personen. Kaefer ist bereits gestorben, die übrigen vier Personen schweben in Lebensgefahr. Wachhorst de Wente gewählt. Stendal, 26. Mai. Bei der Reichstagsstichwahl wurden abgegeben für den Hosbesitzer Wachhorst de Wente(natl.) 15 627 Stimmen und für den Rittergutsbesitzer Hoesch(kons.) 12 518 Stimmen. Es stehen noch sieben kleine Wahlbezirke aus, die aber an dem Resultat nichts ändern werden. Wachhorst de Wente ist also gewählt. Die irische Selbstregierung angenommen. London, 26. Mai. Das Unterhaus hat in dritter Lesung das Selbstregierungsgesetz mit 351 gegen 274 Stimmen angenommen. Friede in Mexiko in Sicht. London, 26. Mai.„Daily Telegraph“ läßt sich aus Niagara Falls melden, daß gute Hoffnung auf baldige Beilegung der Zwistigkeiten besteht. Wie verlautet, sind die Tage Huertas gezählt. Präsident Wilson beabsichtigt, die Regierung der Rebellen anzuerkennen, sobald sich Mexiko in ihren Händen befindet. Auch England würde dann wahrscheinlich dem Beispiel der Vereinigten Staaten 9665. Sieben Kinder verbrannt. Petersburg, 26. Mai. In der Ortschaft Porachwyje unweit Petersburg brach in dem Dachraume eines Holzhauses Feuer aus, das mit reißender Schnelligkeit das zweite Stockwerk ergriff, wo der Arbeiter Fedorow mit seiner Frau und sieben Kindern wohnte. Die Frau stürzte sich aus dem Fenster auf die Straße; der Mann, der sie zurückhalten wollte, stürzte ebensalls auf das Pflaster; beide sind schwer verletzt. Die sieben Kinder verbrannten. Elf weitere Personen, die sich aus den Fenstern eines benachbarten Hauses, auf welches das Feuer übergegrissen hatte, stürzten, wurden mehr oder minder schwer verletzt. Die neuen Kardinäle. Nom, 26 Mai. Im gestrigen Konsistorium ernannte Papst Pius X. den Erzbischof Dr. v. Hartmann=Köln, Erzbischof Dr. Bettinger=München, Erzbischof Czernoch=Grain und Fürstbischof Dr. Pfiffl=Wien zu Kardinälen. Zum Camerlengo wurde Kardinal Bella Volpe ernannt. Furchtbares Familiendrama, Budapest, 26. Mai. In dem Dorfe Sipet hat der Landwirt Petoj infolge eines Familienstreits seiner Frau und seinen beiden Kindern den Leib aufgeschlitzt und sich dann durch einen Stich ins Herz getötet. Deutsche Flotten demonstrationen vor Tampico. Veracruz, 26. Mai. Hier verlautet, daß die deutsche Negierung beabsichtige, vor Tampico eine Flottendemonstration zu veranstalten, da die Rebeilen, die den Hafen beherrschen, bisher dem deutschen Konsul für die ihm kürzlich zugesügte Beleidigung noch keinerlei Genugtuung haben zuteil werden lassen. Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Photographie für alle. Inhalt des neuesten Lestes: Die bildmäßige Wirkung bei alpinen Aufnahmen.— Ausdruck im photographischen Bildnis. — Die beste Art, die Kamera auf dem Rade mitzuführen.— Ueber das Schnelltrocknen von Negativen und Positiren.— Rundschau.— Meinungsaustausch.— Ratschläge für Anfänger.— Aus der Praxis— für die Praxis.— Bilderkritik.— Preis 25 Psennig pro Heft. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in SchwertAchtung empfehle 5647 „ In grosser Auswahl Damenblusen Kostümröcke Paletots Unterröcke Schürzen Handschuhe Mache vonsheute an 3504 sämtliche Schuhreparaturen billiger. Elektr. Schuhbesohlanstalt Bitz“, Westenstr. 9. Kaushauscionlars Schwerte, Ostenstr. 20. große Auswahl. billige Preise und schnellste Anfertigung Emil Schäfer, Friseur. Ostenstr. 9. 3230 Gostonts ausschlag. 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