u I — Pestnnrnetses Rrewolat far den Kreis Worene Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich. eußer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 oierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Gratisbeilage:„Iklustrierter Familiensreund" u. tägl. Ugterhaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siedengespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezelle 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassaraball u. erlischt dei Koneursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Nechtbeachtung d. gemacht. Zahlungsbedingung. Welthoiener Zenung Länigschheder Zenung Schwerter Volksblatt mit: Verbunden Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Gelles und altelles Cagesorgan des Krelles o Genera.A Holzwickeder Zeitung Apieldecker Lentung Schwerter Volkszeitung zer für den Kreis Börde o Haupt Annencenblatt Alle breis- and lokalpollzetlichen Verore. nangen für den Arets Hörde erlangen grmdß Betanntmachung der Königlichen Regierung durch Verössentlichung in dei„Schwertei Jettung" rechtsverbindliche Kraft.— Dle „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Abonnen. ten für jeden mit Tod endenden Unfall ge300 MkPUnfall: Druch 2. Verlag v. Carl Braus. Schwerte=Ruhr Ferns, 62. Telegr. Adr. Braus Schwerte=Ruhr Nr. 116. Dienstag, den 19. Mai 1914. 46. Jahrgang Geiles Wratt. TentscherRreiche 3 Berlin, 18. Mai.(Tel.) Militär-Strafgesetzbuch. cation, die auf einer höheren Bildungsstufe steht, als die früherer Zeiten, hat in dem Mittelarrest eine vollkommen ausreichende Strafe. Der Beschluß der Kommission, daß die zu einer Kontrollversammlung einberufenen Personen des Beurlaubtenstandes dem Militärstrafgesetzbuche nur für die Dauer der Kontrollversammlung unterstehen, muß bestehen bleiben. Die Kontrollversammlungen sollen erzieherischen Präsident Kämpf eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 20 Min. Zunächst wird eine Reihe von Petitionen, die zur Erörterung im Plenum für ungeeignet erkannt sind, ohne Debatte erledigt. Es folgt die Beratung der Anleihedenkschrift für die Schutzgebiete. Diese wird ohne Debatte erledigt. Ebenso wird eine Reihe von Rechnungssachen erledigt...2 g.. urta bel. Es folgt die 2. Beratung des Gesetzentwurss betr. Aenderung der Paragraphen 66, 70 usw. des Militärstrafgesetzbuchg,, un. Pah#em eer EntKriegsminister v. Faltenhahn: Nachbem der entwurf das Feuer der Kommissionsberatungen überstanden hat, erkenne ich zwar mein Kind nicht wieder (Heiterkeit), aber gegen die Technik sind in der Kommission keine Bedenken erhoben wordenet während der von der Kommission abgeänderte Entwurf den erwähnten Vorzug nicht besitzt. Nach§ 66 des bisherigen Gesetzes wird derjenige, der durch unerlaubte Entfernung von der Truppe oder der Dienststelle, die mehr als sieben Tage dauert, sich dem Dienst entzogen bat, mit Gefängnis bestraft. Diese Strafzeit ist selbstverständlich nachzudienen. Diese Strafe glaubte die Heeresverwaltung in gewissen Fällen mildern zu sollen, namentlich bei Entfernungen, die nicht im Felde stattfinden und zwar auf 14 Tage mittleren oder strengen Arrest. Die Kommission hat den strengen Arrest überhaupt aus dem Paragraphen gestrichen, so daß zemand, der sich unerlaubt entfernt, wenn er nicht schon vorher wegen militärischer Vergehen bestraft ist, niemals mit strengem Arrest bestraft werden könnte. Die Kommissionsbeschlüsse führen auch zu manchen Inkonsequenzen. Ausdrückliche Gehorsamsverweigerung vor versammelter Mannschaft soll mit einer Woche Mittelarrest bestraft werden, während einfache Gehorsamsverweigerung als Mindeststrafe mit 14 Tagen strengen Arrests gesühnt werden soll. Schon aus rein formalen Grunden sind die Kommissionsbeschlüsse unannehmbar. Die Folgen tragen lediglich die armen Sünder, denen wir größere Vorteile bringen wollten, und die Militärbehorde, die gezwungen wäre, mit einem durch die Lex Erfurt mit Unstimmigkeiten durchsetzten Gesetze zu arbeiten. Aber auch aus sehr erheolichen sachlichen Grunden müssen wir uns gegen die Kommissionsbeschlüsse wenden. Ein strengeres Strasmittel als Mittelarrest müssen wir unbedingt haben. Die Strafe des Mittelarrests in einer Zelle, die gehörig erwärmt ist, bei Wasser und Brot, aber auch mit regelmäßigem und reichlichem guten Licht wird vielfach gar nicht als harte Strafe empfunden. Diese Sorte Leute, die glücklicherweise eine verschwindende Minderheit bilden, müssen fest angefaßt werden. In anderen Heeren werden sie zu vielen Tausenden in Strafbataillone oder in Kolonien gesteckt. Wir haben in den Strafabteilungen aber nur 400 Plätze und nützen diese noch nicht voll aus. Wir wollen die Besserungsfähigen dem Heere selber noch retten. Die jüngste Statistik ist der beste Beweis für die Güte dieses Systems. In einem Mädchenpensionat kann mit Entziehung des Spiegels oder Verbot des Spaziergangs, schlimmstensalls mit Entlassung bestraft werden, in einer Armee hat man es nicht mit weichen Frauengemütern, sondern mit robusten und starknackigen Jungen zu tun, die vielfach auch verhetzt sind, die sich ins Ganze einfügen müssen. Der Arrest mit allen seinen Formen hat sehr gute Dienste getan, gesundheitsschadlich ist der strenge Arrest nicht, einige Unvollkommenheiten werden immer bestehen bleiben. Die Bestimmung, daß die Mannschaften, die dem Beurlaubtenstande angehören, während des ganzen Tags der Kontrollversammlung unter dem Militärgesetz stehen, besteht seit 1874. Sie wurde also zu einer Zeit geschaffen, als man noch unter dem Eindruck des großen Krieges stand und als noch keine antimilitaristische Wühlerei sich ans Tageslicht wagen durfte. Um so notwendiger ist die Bestimmung heute. Die Leute müssen sich unbedingt den ganzen Tag als Soldaten fühlen. Die Anträge der Sozialdemokraten enthalten so einschneidende Veränderungen und widersprechen dem ganzen Geiste des Militärstrafgesetzes, daß sie nicht ernst zu nehmen sind. Der Antrag Müller=Meiningen sieht vor, daß für den Fall, daß einer eine Fahnenflucht verabredet und gemeinschaftlich ausgeführt hat, die an sich verwirkte Zuchthausstrafe in Gefängnisstrafe umgewandelt und die Daner von einem Monat bis zu fünf Jahren erhöht..kn. Der Herr Abgeordnele ist sich dabei## nicht dar' ber klar gewesen, was es heißt, eine derartige weitgehende Strafmilderung eintreten zu lassen. Ich bitte, alle diese Anträge abzulehnen und die Regierungsvorlage wieder herzustellen. Die Kommissionsbeschlüsse sind für uns unannehmbar. Die Verantwortung für eine etwaige Verzögerung oder ein Hinausschieben des Zustandekommens des Gesetzes wird niemals der Heeresverwaltung zur Last gelegt werden können. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Stadthagen(Soz.): Die Regierungsvorlage ist für uns unannehmbar. Wir wollen den strengen Arrest überhaupt beseitigen, damit der drakonischen Strenge ein Ende gemacht wird. Wir fordern auch im Militärstrafgesetzbuch Gerechtigkeit. Ich bitte Sie um Annahme unserer Anträge, auf jeden Fall stimmen Sie aber den Kommissionsbeschlüssen zu. Abg. Stupp(Ztr.): Der strenge Arrest ist inhuman und eine veraltete Strafe. Die heutige GeneWert haben, der Gedanke aber, daß die zur Kontrollversammlung einberufenen Personen an diesem Tage zur Armee gehören, ist eine innere Unwahrheit, eine Fiktion, die niemals erzieherischen Wert hat. Kriegsminister v. Falkenhayn: Kranke werden milder behandelt, als hier angenommen wird. Bevor ein Mann in Arrest abgeführt wird, wird er ärztlich untersucht, und ist er für strengere Arresthaft nicht kräftig genug, so tritt mildere Strafe oder Verschiebung der Strafe ein. Die Arrestzellen werden täglich gründlich gelüftet..#.„„ Abg. Dr. v. Calker(Nati##. Wir haven anerkannt, daß das Militärstrafgesetzbuch im weitesten Umfange reformbedürftig ist; aber die Reform des bürgerlichen Rechtes muß abgewartet werden, bevor an eine allgemeine Reform des Militärstrafrechts gegangen wird. Beides muß Hand in Hand gehen. Je schlechter ein Gesetz ist, desto schwerer ist es, zu reformieren. Damit stötzt man auf die eigenartigsten Konsequenzen. Ich beantrage Wiederherstellung der Regierungsvorlage, um nicht die Reform zu gefährden. Kriegsminister v. Falkenhayn: Andere Vorschläge als die vom Vorredner empfohlenen sind für die verbündeten Regierungen unannehmbar. Abg. Dr. Müller=Meiningen(Fortschr. Vpt.): Jede noch so kleine Aenderung soll ausgeschlossen sein. Ich habe immer noch die Hoffnung, daß bevor die notwendige grundsätzliche Reform des Militärstrafrechts möglich ist, unsere Forderungen durchgesetzt werden. Durch die Haltung des Kriegsministers bekommen wir einen parlamentarischen Kriegszustand, es wird ein Gewaltergebnis aufgestellt. Wollen wir nicht weiter zusammenarbeiten, dann brauchen wir überhaupt nicht mehr zu verhandeln. (Sehr richtig!) Mit ihrem Unannehmbar übernimmt die Regierung eine große Verantwortung. Erstaunt bin ich, daß der Kriegsminister mit seinem Beispiel vom Mädchenpensionat die strenge Arreststrafe lächerlich machen wollte. Auch sollte der Kriegsminister von den waffenfähigen Mannschaften nicht als von„Jungens“ sprechen.(Lebhafte Zustimmung. Große Unruhe und Lachen rechts.) Die heutigen Strafen müssen die Soldaten geradezu mit Haß zum Heere erfüllen. Viel bringt die Novelle nicht, aber wir dürfen nicht die Vorteile, die sie bringt, schießen lassen. Aber auch die Beschlüsse der Kommission müssen aufrecht erhalten werden.(Beifall links.) Kriegsminister v. Falkenhayn: Bei uns handelt es sich weder um ein Prestige— noch um eine Gewaltpolitik, noch um eine starrsinnige Politik, sondern um eine Vernunftpolitik.(Lachen links. Beifall rechts.) Wir wollen erreichen, was nach sachgemäßer Ueberlegung und ruhiger Erwägung möglich ist, ohne unser Strafgesetz in Unordnung zu bringen. Im übrigen stehe ich für jedes Wort ein, das ich gesprochen habe. Subalterne Offiziere können strengen Arrest nicht verhängen. Dr. Müller bat die ganze Situation verschoben. Die Regierung ist freiwillig ohne jeden Zwang mit der Vorlage an den Reichstag herangetreten. Die möglichen Erleichterungen wollen wir jetzt schon durchführen. Daß meine Ausführungen, insbesondere über die Frage des strengen Arrestes nicht dem Ernste der Lage entsprochen haben, dieser Vorwurf ist— ich bin kein Parlamentarier— mir unerfindlich. Im übrigen bitte ich, die Verantwortung aus meiner Rede mir überlassen zu wollen.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Auch sonst will der Abg. Müller den Mittelarrest nicht unter allen Umständen verteidigen. Damit unterschreibt er das, was ich gesagt habe. Wäre der strenge Arrest eine so furchtbare Strafe, wie er es hinstellte, so hätte er diese Konsequenz ziehen mussen.(Lebhafter Beifau rechts. Unruhe lints.). g.g4rig, Pzelung des Abg. v. Böhn(Kons.): Die bisherige Regelung der Kontrollversammlung muß unbedingt aufrecht erhalten werden. Das ist wichtig für Industriegegenden und solche Gegenden, wo es viele Sozialdemokraten gibt.(Große Unruhe bei den Soz. Zwischenruf: Dazu sind wir viel zu vernünftig.) Bisher haben wir den Eindruck von Ihnen nicht bekommen.(Große Unruhe.) Im Interesse der Disziplin können wir den strengen Arrest nicht entbehren, da die Disziplin die Hauptsache in der Armee ist. Wir begrüßen das Unannehmbar des Kriegsministers und ich hoffe, daß die Mehrheit des Reichstags der Regierungsvorlage zustimmen wird. (Lebhaftes Bravol rechts. Zischen links.) Abg. Fehrenbach(Ztr.): Die Debatte zeigt, wie unfruchtbar parlamentarische Flickarbeit ist. Am Kontrolltage muß militärische Disziplin herrschen, aber nicht in dem bisherigen Umfange. Wegen Zivilverbrechen am Kontrolltage müssen die Reservisten nicht unter das Militärstrafrecht gestellt werden, sondern unter das Zivilrecht. Nur Disziplinarvergehen und rein militarische Delikte dürfen militärisch abgeurteilt werden. In gewissem Umfange muß der strenge Arrest aufrecht erhalten bleiben. ist immer noch besser, als Gefängnisstrafe. Beim strengen Arrest sollte man den Müßiggang ausschalten und dafur den zu Bestrafenden kraftig zur Arbeit heranziehen. Vielleicht ließen sich auch noch Milderungen bei der Ausführung des strengen Arrestes durchführen. Es gibt Fälle von Fahnenflucht, die nach der subjektiven Seite hin milder zu beurteilen sind. Da verlangen wir denn, daß in vielen Fällen die Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes nur erfolgen kann, während bisher die Versetzung erfolgen mußte. Wir haben die Goffnung, daß uns die Militärverwaltung doch noch entgegenkommen wird. Beifall im Zentrum.) Kriegsminister v. Falkenhayn: Zu meinem Widerstande gegen die Kommissionsbeschlusse werde ich von niemand getrieben, sondern ich handle hier selbstständig und im Einvernehmen mit den verbündeten Regierungen. In unseren Milderungen des Militärstrafgesetzbuches können wir nicht weiter gehen, bevor wir nicht die allgemeine Neubearbeitung durchgeführt haben, was auch von verschiedenen Seiten des Hauses anerkannt worden ist. In der Bestrafung von Fahnenflucht im Komplott können wir keine Milderung eintreten lassen. Die Konsequenzen des Vorschlages Fehrenbach konnte ich noch nicht prüfen. Bei Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes bezw. Entlassung aus dem Heere als Folge von Fahnenflucht muß im Gesetz für Mannschaften und Offiziere der gleiche Maßstab gelten. Es ist gesetzgeberisch verfehlt, im Gesetz eine Kannvorschrift auszusprechen, wo der Richter eine Strafe aussprechen muß. Ich bitte Sie nochmals, die Regierungsvorlage anzunehmen. Abg. Dr. Müller=Meiningen(Fortschr. Ppt.): Die Art, wie sich der Kriegsminister den Beschlussen der Kommission gegenübergestellt hat, erschwert uns unsere Entschließung. Die Disziplin des Heeres wollen wir in keiner Weise gefährden. Abg. v. Brockhausen(Kons.): Wir mussen veim Militär nur kurze aber strenge Strafen haben. Die ganze Materie wird bei der Revision des Militärstrafrechts aufgerollt werden. Jetzt müssen wir das Erreichbare annehmen.(Beifall rechts.) Abg. Gröber(Ztr.) beantragt Absetzung des Gegenstandes von der heutigen Tagesordnung, um nicht eine Zufallsabstimmung herbeizuführen. Das Haus beschließt gegen die Stimmen der Rechten und mehrerer Nationalliberalen die Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung. Es folgt die zweite Lesung der Novelle der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige. Die hierzu vorliegenden Abänderungsanträge werden abgelehnt. Die Novelle wird im ganzen nach den Beschlüssen der Kommission anEine Resolution der Sozialdemokraten, daß für Gerichtsgebäude Erfrischungsräume eingerichtet werden sollen, wird abgelehnt. Ueber die Kommissionsresolutionen, bei Neubauten diesem Wunsche zu entsprechen, und Zeugen und Sachverständigen während der Verhandlungen Sitzgelegenheit zu verschaffen, wird in dritter Lesung abgestimmt werden. Es folgt die zweite Lesung des Gesetzentwurfs betr. Postdampfschiffahrtsverbindungen,— Subventionsvorlage. Abg. v. Gräfe=Güstrow(Kons.) beantragk namenz der Kommission Annahme der Vorlage mit Einfügung einer Ermächtigung, die bestehenden regelmäßigen Postdampfer= und Schiffahrtsverbindungen mit Australien zu subventionieren, aufrecht In einer Resolution wird gefordert, daß die in Neu=Guinea und Samoa tätigen Missionare erstmalige sreie Ausreise und nach je fünf Jahren freie Rück= und Ausfahrt erhalten. Es folgt die dritte Lesung der Besoldungsnovelle. Hierzu liegt ein Kompromißantrag sämtlicher größerer Parteien mit Ausnahme des Zentrums und der Sozialdemokratzen vor, der die Paragraphen 1—5 in der Regierungsvorlage wieder herstellen un folgenden§ 8a in das Gesetz einfügen will: Im Herbst 1915 ist ein Gesetzentwurf vorzulegen, durch den mit Wirkung vom 1. Januar 1916 ab die Bezüge der Beamten der Klassen 11 a und 11 b um mindestens 100 Mark in jeder Stufe aufgebessert werden. Bei der Abstimmung über den ersten Teil des Kompromißantrages,§ 1 der Regierungsvorlage wieder herzustellen, bleibt das Ergebnis zweifelhast. Gegen den Kompromißantrag stimmen das Zentrum, die Sozialdemokraten und der größte Teil Elsässer. Es muß ausgezählt weren. Der Hammelsprung ergibt, daß 149 Abgeordnete dafür und 152 dagegen stimmen. Der grundlegende Teil des Kompromißantrages ist somit abgelehnt. Der nächste Teil des Kompromißantrages wird mit demselben Stimmenverhältnis abgelehnt, wobei die Polen ebenfalls dagegen stimmen. Der Entwurf wird nach den Beschlüssen der zweiten Lesung einstimmig angenommen. Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr. Tagesordnung: Rechnungssachen, Konkurrenzklausel, Zollgesetz, Duellgesetz, Militärstrafgesetzbuch, dritte Lesung des Etats, kleine Vorlagen, Wahlprüfungen, mit Nein beantworten(Hört! hört!) Es ist in Preußen nicht Brauch, daß der Minister bestellt wird zur Erledigung besonderer gesetzgeberischer Vorlagen. Ich nehme Bezug auf die Ausführungen des Ministerpräsidenten, daß wir dem Hause keine Wahlreform aufoktroyieren wollen, daß wir uns aber auch keine Wahlreform vom Hause aufdrängen lassen. Ich habe die Auffassung gewonnen, daß das Wort Wahlreform einen gewissen Hypnotismus ausüben kann. Manche erwarten, daß eine Wahlreform zu einem parlamentarisch=demokratischen Reeime führen würde. Es ist niemals von der Regierung beabsichtigt worden, eine Erstarkung des Einflusses der Massen herbeizuführen. Es soll eine gerechte Abstufung versucht werden, um dem Mittelstand seinen berechtigten Einfluß auf die Wahlen zu sichern. Ich schließe mich den Ausführungen meines Amtsvorgängers an, wonach die Regierung in loyaler Weise dem Königswort gerecht geworden ist. Die Wahlreform ist an dem mangelnden Entgegenkommen des Hauses gescheitert, und es muß in das Ermessen der Regierung gestellt werden, eine neue Wahlrform einzubringen. Während meiner fünfjährigen Zugehörigkeit zum Abgeordnetenhause habe ich zu allen bürgerlichen Parteien freundschaft liche Beziehungen unterhalten, und ich hoffe, daß in diesen Beziehungen keine Wendung eintritt. Sie werden manchmal ein bestimmtes, auch ein scharfes Wort von mir hören, aber niemals ein wesentlich verletzendes. Ich werde meine Handlungen stets so einrichten, daß sie zum Wohle des deutschen Volkes und zum Ansehen und der Größe Preußens gereichen. Die preußische Wahlreform. In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses gab der neue Minister des Innern v. Loebell folgende Erklärung ab: Der Abgeordnete Pachnicke fragt ferner, ob ich gewillt sei, bald einer Wahlrechtsreform näher zu treten oder ob sich die geheime und direkte Wahl vorschlagen würde. Ich muß die vom Abg. Pachnicke gestellte Frage Polikische Aebersicht. Der Kaiser in Homburg. Gestern traf der Kaiser, von der Saalburg kommend, am Kaiser=Wilhelm=II.= Park ein. Am Dorfbrunnen wurde er von den Spitzen der Behörden empfangen. Der Kaiser ließ sich den Stifter des Brunnens, Landrat a. D. von Brüning, Bad Homburg, und den Schöpfer des Brunnens Bildhauer Damann(Berlin=Grunewald) vorstellen. Nach Besichtigung des siamesischen Tempels, der Kuranlagen und des Elisabeth=Brunnens kehrte der Kaiser nach Wiesbaden zurück, wo er gegen 1 Uhr eintraf. Auf der Saalburg waren dem Kaiser von dem Direktor des Saalburg= Museums, Baurat Jacobi, neue Funde gezeigt worden. Ein Kaiserwort über England. Gelegentlich der Einweihung der englischen Kirche in München teilte der Vorkämpfer einer deutsch= englischen Verständigung, Professor Sieper, unter großem Beisall folgendes verbürgte Wort des deutschen Kaisers über Deutschland und England mit:„Wir sind zu groß, um Feind zu sein, so müssen wir groß genug sein, um Freunde sein zu können.“ Das braunschweigische Herzogspaar im„Zeppelin“. Auf dem Braunschweiger Exerzierplatz unternahmen Herzog Ernst August und Herzogin Viktoria Luise von Braunschweig einen Aufstieg mit dem Heeresluftschiff„Z. 6". Beide Fürstlichkeiten unternahmen zum ersten Mal eine Fahrt im Luftschiff und äußerten sich hochbefriedigt über deren Brtash. 6 Längerer Urlaub des Reichskanzlers. rüchte von einem in kurzer Zeit zu erwartenden Rücktvitt des Reichskanzlers sind falsch. Herrn v. Bethmann nahestehende Kreise versichern, daß der Kanzler noch lange nicht amtsmüde ist und auf seinem Posten verharren wird. Es ist aber zu erwarten, daß der Kanzler gelegentlich der Kieler Woche einen längeren Urlaub erbitten und auch erhalten wird, Während der Urlaubszeit wird Staatssekretär Delbrück und Staatssekretär v. Jagow mit der Leitung der inneren bezw. auswärtigen Politik betraut werden. Uebrigens beabsichtigt Herr v. BethmannHollweg, falls noch eine Tagung des Reichstagnach Pfingsten zustande kommt, persönlich im Reichstage zu erscheinen und sich an der Vertretung wichtiger Bundesratvorlagen zu beteiligen. An der Reichstagsrede des Staatssekretärs von Jagow über die allgemeine Lage haben die russischen Blätter, wie man sich denken konnte, wenig Freude gehabt. Sie versuchen fast ausnahmslos, den Spieß umzukehren und den ihnen mit Recht gemachten A Vorwurf auf dir deutsche Presse abzuwälzen. Dabei versallen sie in den Fehler, ihre alten Heetzereien durch neue zu verschärsen, und behaupten frisch darauf los, die Alldeutschen arbeiteten darauf hin, einen Teil Oesterreichs, die russischen Ost,eeprovinzen, die Rhreinmündung und Teile Dänemarks für das Deutsche Reich zu gewinnen. Nur ganz vereinzelte Petersburger Blätter schwingen sich zu einer einigermaßen objektiven Beurteilung auf. Spionage=Prozeß. Die Kontoristin Rosa Langstein wurde vom Reichsgericht zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht verurteilt. Der Lanzstein war es besonders um die Pläne der maschinellen Einrichtung eines deutschen Kriegsschiffes zu tun gewesen. England. Reisevorschriften für Offiziere. Der englische Kriegsminister hat soeben den britischen Offizieren aller Waffengattungen die Mitteilung zugehen lassen, daß sie bei einem geplanten Ausenthalt in Elsat=Lothringen unbedingt die vorherige Erlaubnis der zuständigen Straßburger Behörden einzuholen hätten und Zuwiderhandlungen gegen diese Armeebefehle disziplinarisch bestraft werden. Ausnahmen sind nur im Falle von Durchgangs=Eisenbahnfahrten gestattet, die infolge sofortigen mangelnden Bahnanschlusses einen kurzen Aufenthalt auf elsaß=lothringischen Stationen erforderlich machen. orwegen. Das 100jährige Jubiläum der Selbständigkeitserklärung Norwegens wurde im ganzen Lande festlich begangen. In Eidsvold, wo die erste norwegische Versassung gegeben wurde, fand ein Festakt statt, an dem der König, die Regierung und die Mitglieder des Storthings teilnahmen. Dabei hielt der König eine Nede auf das norwegische Vaterland. Im alten Reichstagsgebäude wurde eine Sitzung abgehalten, bei der die Mitglieder des Storthings in gleicher Weise verteilt wurden wie vor 100 Jahren bei der ersten Storthing=Sitzung. China. Der„Weiße Wolf“ geschlagen. Telegramme aus Lanhowfu in der Provinz Kansu besagen, daß der „Weiße Wolf“ am 4. Mai Tschintschau geplündert habe, wobei viele Personen getötet oder verwundet worden seien. Nach amtlichen Berichten hat der „Weiße Wolf“ darauf noch Tsinan geplündert. Er wurde am 13. Mai unter großen Verlusten bei Tsanghui geschlagen. — Aus Stadt und Umgebung ** Schwerte, 19. Mai. *(Vollsbildung in der Provinz Westfalen.) Das Bibliothekswesen macht auf dem Lande erhebliche Fortschritte, wie aus den Zahlen hervorgeht, die die Deutsche Dichter=Gedächtnis=Stiftung in Hamburg= Großborstel alljährlich über ihre Bücherverteilungen an Volksbibliotheken zusammenstellt. Die Stiftung bietet allen ländlichen Büchereien in jedem Jahre eine neue Büchersammlung an, die nur literarisch wertvolle, sorgsam ausgewählte Werke enthält und gegen Ersatz des Portos und der Einbandkosten abgegeben wird In unserer Provinz Westsalen wurden von der Stiftung verteilt: 1904 270 Bände, 1905: 569 Bände, 1906: 1109 Bände, 1907: 1912 Bände, 1908: 3499 Bände, 1909: 3616, 1910: 2265 Bände, 1911: 2939 Bände, 1912: 3594 Bände, 1913: 2822 Bände, zusammen also 1904 bis 1913: 22 595 Bände. Wo noch keine guten ländlichen Bibliotheken bestehen, da lassen sie sich durch die Hilfe der Stiftung mit geringen Kosten ins Leben rusen. **(Der Westsälische Verein zur Förderung des Kleinwohnungswesens) und der mit ihm in Verwaltungsgemeinschaft stehende Verband westfälischer Baugenossenschaften zu Münster i. W. werden in der Zeit vom 2. bis 5. Juni d. J. im Stadtverordnetensitzungssaale zu Dortmund einen Kursus für praktische Bauvereinstätigkeit veranstalten. Dieser Kursus wird der erste seiner Art sein und beansprucht deshalb ein besonderes Interesse. *(Für Jäger!) Für den Umsang des Regierungsbezirks Arnsberg ist us bezüglich des Beginnes der Schonzeit für Birk=, Hasel= und Fasanenhähne sowie des Schlusses der Schonzeit für Rehböcke bei den gesetzlichen Terminen geblieben. Nach der Jagdordnung sind mit der Jogd zu verschonen Rehböcke vom 1. Januar bis 15. Mai; Birk=, Hasel= und Fasanenhähne vom 1. Juli bis 15. September, *•(„Das zweite Ich“) betitelt sich der neue Roman von Rudolf Jura, mit dessem Abdruck wir in der heutigen Nummer des Unterhaltungsblattes beginnen. Wir zweiseln nicht, daß das äußerst spannend geschricbene hochinteressante Werk den allseitigen Beisall unserer Leserschaft finden wird. *'(Hacketäuer.) Der Verband ehem. 16er von Rheinland und Westsalen veranstaltete am 17. Mai im Städtischen Saalbau Essen eine Gedenkseier an die Freiheitskriege. Zu der Feier hatten sich etwa 1000 ehemalige Hacketäuer eingefunden. Beurlaubungen von aktiven Mannschaften des 16. Regiments hatten in großer Zahl stattgefunden. Auch das Offizierkorps des Regiments war in großer An zahl eingetrossen. Oberst Bober war persönlich erschienen und brachte im Verlaufe der Feier ein begeistert aufgenommenes Kaiserhoch aus. In anerkennenswerter Weise hatte der Herr Oberst die ganze Kapelle des Regiments unentgeltlich dem Verbande zur Verfügung gestellt. Im Mittelpunkte der Veranstaltung stand ein Vortrag des Herrn Majors Commichan 16, belitelt:„Die geistigen Strömungen in den Befreiungskriegen“. In ausführlicher Weise schilderte der Redner die Volksbegeisterung und Opserfreudigkeit der Bevölkerung in der glorreichen Zeit. Stürmischer Beifall belohnte den Redner für eine packende und begeisternde Darstellung. Zum Schluß dankt: der Herr Oberst im Namen des Herrn Majors und des Verbandes allen Hacketäuern für ihr zahlreiches Erscheinen. Er hob hervor, daß die Hackctäuer einmal wieder bewiesen hätten, wie der Ceist der Kameradschaftlichkeit und Zusammengehörigkeit in ihren Reihen auch nach der Dienstzeit in vorbildlicher Weise gehegt und gepflegt werde. **(Von einem Radfahrer angefahren) wurde gestern vormittag ein junges Mädchen, welches die Hüsingstraße passierte. Das Mädchen hat mehrere Verletzungen erlitten, auch wurden die Kleider desselben erheblich beschädigt, während der Stahlroß= lenker, der auch zur Erde folg, mit dem Schrecken davonkam. Der Vorsall hatte eine große Menschenansammlung im Gefolge. **(Katholischer Arbeiterverein St. Stephanus.) In der vorgestrigen Monatsversammlung, die im Lokale des Herrn Kordeck stattfand, wurden wieder 14 neue Mitglieder ausgenommen. Ein von Herrn Pfarrer Schnurbus zugesagter Vortrag über„Die idealen Aufgaben der katholischen Arbeitervereine“ mußte wegen Erkrankung des Redners ausfallen und wird in der nächsten Versammlung gehalten. An dem Empfang des Herrn Weihbischofs Hähling von Lanzenauer, der am 27. Juni, von Opherdike kommend, hier eintrifft, wird sich der Verein mit einigen Wagen beteiligen. An dem am 7. Juni stattfindenden Verbandsfest der katholischen Vereine nimmt der Verein geschlossen teil. Zum Katholikentag am 9. August in Münster wird eine Deputation mit Fahne entsandt. **(Evangelisches Volksbureau.) Wegen den zurzeit schwebenden Steuerfragen findet am morgigen Mittwoch eine verlängerte Sprechstunde des Evangelischen Volksbureaus Iserlohn hier in Schwerte statt. Der Geschäftsführer ist nämlich von 9½ Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags im Lokale des Herrn Müller am alten Rathaus zu sprechen. Zu den Steuereinsprüchen sind die Lohnbescheinigungen und alle sonstigen Nachweise mitzubringen. Selbstredend wird aber an diesem Tage nicht nur in Steuerfragen Auskunft erteilt, sondern das Bureau gibt wie immer Rat in allen Rechtsangelegenheiten, und zwar kostenlos. Für Anfertigung von Schriftsätzen und Eingaben ist eine geringe Schreibgebühr zu entrichten. Es wird auch noch gebeten, recht frühzeitig zu kommen. **(Kriegsmäßige Kolonnenübung.) Um das Verständnis für den Transport von Kranken und Verletzten in Kolliwagen in Sanitätskolonnenkreisen zu vertiefen und die Güte des Transports, dem Kriegsministerium und Rotes Kreuz das größte Interesse entgegenbringen, zu heben, findet auf Anregung des verdienstvollen Förderers des westfälischen Kolonnenwesens, Dr. Hundsdiecker in Hohenlimburg, am Himmelsahrstage auf der Strecke Hohenlimburg—Altenhundem die Fahrt eines kriegsmäßig ausgerüsteten Hilfslazarettzuges in Stärke von 20 Wagen statt. Ursache war, daß zwei junge Burschen in übermütiger Weise die Notbremse in Tätigkeit gesetzt hatten. Sie wurden durch das Fahrpersonal ermittelt, und wird ihnen die Eisenbahnverwaltung für weitere ähnliche Streiche die Lust austreiben. —— ** Westhofen, 18. Mai.(Zum Ortsschulinspektor) für die evangelischen Schulen im Ortsteil Buchholz und in Garenfeld ist Herr Amtmann v. Daniels ernannt worden. Die Stelle eines Ortsschulinspektors für diese Schulen war durch die Pensionierung des Herrn Pastors Falkenberg erledigt. ** Westhofen, 19. Mai.(Einen guten Fang) machte der Fußgendarmerie=Wachtmeister Lacour dadurch, daß er den Tischler Johann Schickmeier festnahm. S., welcher bei dem Wirt Ullmer zu Hohensyburg längere Zeit in Arbeit gestanden hatte, entwendete diesen nach und nach Handtücher, Tischtücher, Gabeln, Lössel usw. Bei seiner Festnahme hatte er wieder verschiedene gestohlene Sachen bei sich. S. wurde dem Amtsgericht Schwerte zugeführt. ** Syburg, 19. Mai.(Aus dem Gemeinderat.) In der letzten Sitzung wurden die wiedergewählten Mitglieder des Schulvorstandes auf ihre frühere Verpflichtung hingewiesen. Den an den öffentlichen Schulen der Gemeinde Syburg endgültig oder einstweilig angestellten oder auftragsweise oder vertretungsweise beschäftigten Lehrern und Lehrerinnen, soweit sie nach den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung der Krankenversicherungspflicht unterliegen, wird in Krankheitsfällen vom ersten Tage der Erkrankung ab für die Dauer von 26 Wochen für jeden ärztlich bescheinigten Krankheitstag einschließlich der Sonn= und Festtage ein Betrag in Höhe des anderthalbfachen Krankengeldes zugesichert. Das Gehalt der Handarbeitslehrerin wurde vom 1. April ab um 20 Mark erhöht.— Die Verfügung des Kreisausschusses in Hörde vom 18. April d. J., nach welcher seitens der Provinz Westfalen für den Ausbau des Weges von Bahnhof Westhosen nach Hohensyburg eine Beihilfe bewilligt worden ist, wurde zur Kenntnis mitgeteilt. In Versolg des Beschlusses vom 1. November v. J. betreffs Bezeichnung der Straßen und Haus=Numerierung soll statt: Dorsstraße gesetzt werden: „Westhosen—Husen—Syburg“. Zum Schiedsmann an Stelle des verzogenen Herrn Richard Wulf wurde Herr Lehrer Rienhöfer und zum Stellvertreter Herr Lehrer Kaiser gewählt. ** Hennen, 18. Mai.(Unbesugtes Ziehen der Notleine.) Der Personenzug ab Iserlohn 11.35 Uhr vormittags nach Dortmund wurde gestern kurz vor Hennen plötzlich zum Stehen gebracht. Die Vom Turnfest in Ergste. Nachstehend veröffentlichen wir noch die Liste der Sieger auf dem Bezirks=Wetturnen: Erste Gruppe. 1. Kranz: H. Meyer, Tv. EicheGrüne, 127 Punkte, 2. K. Muscheid, To. EintrachtIserlohn, 122 P., 3. K. Benecke, Tv. TurnerbundIserlohn, 121 P., 4. A. Dieckmann, Allg. städt. To.= Terlohn, 120 P., 5 E. Albedyl, Iserlohner To. und Jos. Hellmann, Tv. Jahn=Iserlohn, 119 P., 6. K. Listmann, Tv. Letmathe, 117 P., 7. F. Götsch, Iserlohner Tv., 114 P., 8. K. Fischer, Iserlohner Tv., 113½ P., 9. H. Weiß, Iserlohner Tv., 112½ Punkte, 10 W. Hohmann, Tv. Turnerbund=Iserlohn, 112 P., 11, A. Boos, Tv. Eintracht=Iserlohn, 111½ P., 12. A. Schöneis, Iserlohner Tv. und A. Seyfarth. To. Eintracht=Iserlohn, 111 P., 13. G. Langhoff, Iserlohner Tv., 110 P., 14. M. Lausers, Tv. Eintracht=Iserlohn und P. Magney, Tv. Griesenbrauck, 109½ P., 15, K. Buschhaus, Tv. JahnIserlohn, 109 P., 16. F. Buschhaus, Iserlohner To., 106 P., 17. A. Schmidt, Iserlohner Tv. und H. Sokol, Tv. Eiche=Grüne, 105½ P., 18. Jos. Diermann, Tv. Letmathe, 104 P., 19. W. Seysarth, Turnerbund=Iserlohn, 103½ P., 20. K. Meyer, Tv. Griesenbrauck, 103 P., 21. A. Klein, Iserlohner Tv., 102½ P., 22. Jul. Dunker, Allg, städt. Tu.=Iserlohn, 101 P. Für die zweite Gruppe wurde folgendes Ergebnis verkündet: 1. Kranz: W. Sprenger, To. Westfalia=Letmathe, 105½ P., 2. H. Anker, Tv. Oestrich und H. Wilms, Tv. Iserlohn, 103 P., 3. A. Kuckhoff, Tv. Westsalia=Letmathe, 102½ P., 4. O. Richartz, Turnerbund=Iserlohn, 102 P., 5. E. Brauckmann, Allg. städt. Tv.=Iserlohn, 100½ P., 6. E. Mackenroth, Iserlohner Tv., 100 P., 7. P. Michels, Tv. Jahn=Iserlohn. 99½ P.,8. Siepmann, Schüler=To. Iserlohn, 99 P., 8. G. Maste, Tv. Eintracht=Iserlohn und E. v. Hagen, Schüler=Tv. Iserlohn, 98 P., 10. E. Leber, To Eintracht=Iserlohn, 97½ P., 11. H. Schnadt, Tv. Eintracht=Iserlohn und W. Nohl, Allg. städt. To.=Iserlohn, 97 P., 12. K. Nehring, Schüler=To. Iserlohn und L. Siering. Allg. städt. Tv.=Iserlohn, 96½ P., 13. R. Koch, Tv. EintrachtIserlohn, 96 P., 14. C. Engelberts, Tv. Letmathe und K. Kramer, Tv. Jahn=Iserlohn, 95 P., 15. Fr. Knoche, Tv. Oestrich und E. Schröter, Tv. JahnIserlohn, 94½ P., 16. K. Kipping, Allg. städt. To.= Iserlohn, 93½ P., 17. W. Heyng. Tv. Jahn=Iserlohn, 92½ P., 18. H. Brenscheid, To Lössel, 92 P., 19. E. Richter, Allg. städt. To.=Iserlohn und W. Ulenbrauck, Tv. Ergste, 91½ P., 20. H. Schmidt, Iserlohner Tv. und H. Langerbein, Tv. EintrachtIserlohn, 91 P., 21. W. Heimann, Tv. NachrodtObstfeld und A. Heimann, Tv. Jahn=Iserlohn, 90 Punkte, 22 F. Pollmann, Tv. Lössel und A. Ritting= haus, Tv. Ergste, 89½ P., 23, J. Esser, Iserlohner Tv. und K. Großkurth, Tv. Letmathe, 88½ P., 24. W. Sxannagel, Tv. Jahn=Iserlohn und P. Klammer, To. Letmathe, 88 P. In der Gruppe der Turnzöglinge beteiligten sich 150 Turner, von denen 101 einen Zweig erhielten; der erste Zweig wurde verliehen für 69 Punkte und der letzte für 47. Den Kranz als bester Ringer erhielt der Turner Dülberg vom Tv. Eiche=Grüne. Beim Eilbotenlauf siegte die 1. Mannschaft des Schüler=Turnvereins mit 29einfünftel Sekunden, Die Zöglinge vom Allg. städt. Tv.=Iserlohn erzielten 29dreifünstel Sekunden, vom Iserlohner Tv. und 2. Mannschaft vom Schüler=Tumverein 30zweifünftel Sekunden. Schwere Auto=Unfälle * Burg b. Magdeburg, 18. Mai. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag fuhr auf der Möserhöhe der Wagenlenker Hofmeister von hier mit einem geliehenen Kraftwagen auf der Fahrt nach Magdeburg gegen einen Baum und wurde lehensgefährlich verletzt. Von den übrigen Insassen wurde der Artillerist Noack mit zerschnittenem Gesicht und Händen aufgefunden. Zwei Sergeanten eines Magdeburger Artillerie=Regiments sind leicht verletzt worden. Tilsit, 18. Mai. Auf der Laugszergener Landstraße geriet gestern abend ein Kraftwagen beim Ausweichen vor einem Radfahrer in einen Chausseegraben und überschlug sich zweimal. Von den Insassen wurds eine Frau Klein getötet und der Chaufseur lebensgefährlich verletzt. Drei Kinder des Ehepaares Klein wurden teilweise leicht verletzt. Klein wurde nicht verletzt. — Die Ueberlebenden des „Columbian“ Elf Mann Opfer der Kälte. Montreal, 18. Mai. Der Kutter Seneca meldet drahtlos über Satle=Island, daß das dritte Boot des am 3. Mai auf hoher See verbrannten Dampsers„Columbian“ von ihm gefunden worden sei. Vier Mann der Besatzung seien noch am Leben, unter ihnen der eiste Offizier; elf Mann hätten den Tod durch Ersrieren erlitten und seien ins Meer geworsen worden. Der Kutter Seneca wird am Montag in Halisax eintreffen. Letzte Drahlmeldungen. Eisenbahnbeamte als Diebe. Duisburg, 19. Mai. Die hiesige Polizeiit einer großen Bande von Eisenbahndieben auf die Spur gekommen. Im Laufe des gestrigen und vorgestrigen Tages wurden zehn Rangierer und Rangiermeister der Staatseisenbahn verhaftet. In den Wohnungen der Verhafteten entdeckte man Waren in großer Menge, die aus geschlossenen Güterwagen geraubt worden waren. Die Waren wurden später verkauft. Hauptsächlich wurden Tabak und Garn auf diese Weise entwendet. Die Diebstähle sind schon seit vielen Jahren verübt worden, ehe man die Täter ermitteln konnte. Ein weiteres Todesopser des Prinz Heinrich=Fluges. Köln, 19. Mai. Der Begleiter des Oberleutnants Kolbe, Leutnant Rohde vom Fußartillerie= Regiment Nr. 7, der bei dem Sturz in Hechtsheim schwer verunglückte, ist heute nacht seinen Verletzungen erlegen. Die Besoldungsnovelle angenommen und— gescheitert. Berlin, 19. Mai. Der Reichstag hat gestern die Novelle zum Besoldungsgesetz in der Fassung der Kommission in dritter Lesung angenommen. Aber tatsächlich ist sie zu Fall gekommen, denn die Form, in der sie Annahme fand, macht dem Bundesrat die Zustimmung unmöglich. Die Wiederherstellung des ersten Paragraphen der Regierungsvorlage wurde im Wege des Hammelsprunges mit 152 gegen 149 Stimmen abgelehnt, und damit war nach den vom Reichsschatzsekretär in Uebereinstimmung mit seiner früheren Haltung abgegebenen Erklärungen das Schicksal der Vorlage entschieden. Absturz einer Fliegerin. Hamburg, 19. Mai. Auf dem Flugplatz Fuhnsbüttel bei Hamburg ist gestern die Fliegerin Haugk abgestürzt. Das Flugzeug wurde zertrümmert. Die Frau erlitt erhebliche Verletzungen. Familiendrama. Leipzig, 19. Mai. Eine verhängnisvolle Ehetragödie hat sich in dem Leipziger Vorort Schleußig abgespielt. Der Buchhalter Mühlhausen gab anscheinend in einem Anfalle geistiger Störung plötzlich mehrere Revolverschüsse auf seine Frau ab, und tötete sich dann selbst. Die Frau wurde schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht, starb aber schon im Laufe des Vormittags. Das Ehepaar hinterläßt vier schulpflichtige Kinder. Schwere Boots=Katastrophen. Potsdam, 19. Mai. Vor den Augen des Vaters ertrunken ist das 2½jährige Söhnchen des Schiffseigners Otto Balzer aus Strodehne. Beim Spielen stürzte der Knabe über Bord in die Havel. Der Vater sprang ihm nach, und es gelang ihm, mit dem Kinde das Ufer zu gewinnen. Die Rettungsversuche, die sofort vorgenommen wurden, blieben ohne Erfolg. Posen, 19. Mai. Auf einer gestern nachmittag unternommenen Ruderpartie des GymnasiastenRuderklubs kippte mitten auf der Warthe in der Nähe von Owinsk ein Boot um. Einer der Insassen, der 18jährige Primaner Piatrowski, stürzte ins Wasser und ertrank, ehe es möglich war, ihm Hilfe zu bringen. Rennes, 19. Mai. Auf dem Bance=Fluß kenterte ein mit sieben Artilleristen besetztes Boot. Zwei Insassen ertranken. Wahnsinnstat. Bern, 19. Mai. In Gossau(Kanton St. Gallen) hat eine junge Frau im Wahnsinn ihre Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren ertränkt. Die Homerule für Südafrika? London, 19. Mai. Kürzlich hat eine Deputation südamerikanischer Eingeborener Kapstadt verlassen, um in England für ihre Rechte zu wirken. Auch sie wollen die Homerule für ihre Angelegenheiten, weil die Regierung mit den Eingeborenen nicht genug Fühlung nimmt. Die Deputation vertritt vier Millionen Eingeborene. Kritische Lage in Albanien. Durazzo, 11. Mai. Die von der Regierung angesichts der Lage in Epirus angeordnete Militäraushehung trifft bei einigen Stämmen auf bewaffneten Widerstand. Unweit der Hauptstadt steht ein Haufen von über 1000 bewaffneten Albaniern, von denen ein Angriff auf die Stadt befürchtet wird. In Durazzo sind große Vorsichtsmaßregeln getrosfen und die vorhandenen Geschütze auf die umliegenden Höhen postiert. Huerta will abdanken. Washington, 19. Mai. Depeschen aus maßgebender diplomatischer Quelle aus Mexiko City an die hiesigen ausländischen Vertreter erklären, Huerta habe den hiesigen amerikanischen Delegierten ermächtigt, seine Abdankung zu unterbreiten, falls dies im Interesse der Friedensverhandlungen notwendig erscheine. Dies bestätigen die Andeutungen, die Freunde des Delegierten hier gemacht haben. Entgegen dieser Meldung stellt August Rodriguez, einer der Vertreter Mexikos bei der Friedensvermittlungskonferenz, entschieden in Abrede, daß Huerta sich zur Abankung bereit erklärt habe. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 21. Mai: Meist heiter und angenehm warm. 22. Mai: Sonnenschein bei Wolkenzug, warm. 23. Mai: Schwül, warm, bewölkt, teils heiter, Regenschauer und Gewitter. Verantwortlich für die Redaktion Friede. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwert Nr. 116. Beilage. Schwerter Heill...„. Amtliches Kreisblatt. KETPET handelt der Geschäfts mann, der heute noch glaubt, ohne zeitgemäße Reklame geschäftliche Erfolge erzielen zu können. Was der Dampf für die Maschine, das ist die Reklame für das Geschäft. Die beste und zugleich billigste Reklame ist ein gut abgefaßtes Inserat in der Schwerter Zeitunge welches in kürzeren oder längeren Zwischenräumen das Publikum immer wieder auf das Geschäft aufmerksam machen muß. Bei einer derartig zielbewußt durchgeführten Reklame wird der Erfolg nicht ausbleiben. Kosten=Anschläge jederzeit gern zu Diensten. vokationen, vorwirft. Nicht bloß französische, sondern auch englische Blätter sind auf eine derartige Tonart gestimmt und legen sich gleichzeitig für Rußland ins Zeug. Jonseits des Kanals hat es etwas Unbehagen hervorgerufen, daß Herr von Jagow auch der englischen Presse Bescheid gesagt hat, und flugs ist die„Daily Mail“ dabei, mit einer Retourkutsche zu antworten. Man dürfe sich nicht wundern, wenn die englische Presse zu Rußland halte, da Großbritannien mit dem Zarenrliche die engsten Berührungspunkte habe In Rußland soll man daran denken, daß Deutschland im Jahre 1909 sogar mit Krieg gedroht habe und daß Deutschland mit seiner riesigen militärischen Rüstungsrerstärkung vorangegangen sei. Es ist wohl auch nicht von ungefähr, daß man jetzt wieder davon spricht, daß der Besuch König Georgs in Paris wichtige Folgen für die Beziehungen Englands und Frankreichs nach sich ziehen werde und daß jetzt auch die Nachricht auftaucht, der Zar werde im Herbst nach Paris kommen. Damit soll der Welt die Festigkeit der TripleEntente eindringlich vor Augen geführt und der Dreibund gewarnt werden, sich nicht etwa zu überheben. Angesichts einer derartigen Stimmung im Auslande werden wir wissen, was wir zu tun haben. Weitfalen und Rheinland Wir und das Ausland. Es war vorauszusehrn, daß die Rede Jagows im Auslande einen lebhaften Wiederhall wecken würde, und ebenso konnte man vorausahnen, daß das Echo nicht gerade sehr lieblich klingen würde. In dieser Hinsicht hat man sich wirklich nicht getäuscht, denn die Aeußerungen des überwiegenden Teils der in Frage kommenden Auslandspresse sind alles andere als freundlich gehalten. Einige Blätter jenseits der Vogesen sind zwar objektiv genug, um zu erklären, daß der deutsche Staatssekretär Frankreich gegenüber durchaus höfliche Worte gebraucht habe, umso meehr aber zeigen sich andere hinwiederum in den Harnisch gebracht, und ihre heftigen Bemerkungen zeugen dafür, daß Herr von Jagow mit seinen unschminkten Darlegungen in ein Wespennest gegriffen hat. Die russischen Blätter verhalten sich bisher ziemlich ruhig, dafür sind aber verschiedene Zeitungen in Paris und London für sie in die Schranken getreten, wohl weil sie einen willkommenen Anlaß gesunden haben, wieder einmal eine lustige Hatz gegen Deutschland zu eröffnen. Da ist es beispiels weise bezeichnend, daß ein Blatt wie der„Temps“ gegen die deutsche Presse loszieht und ihr den Vorwurf macht, daß sie seit zehn Jahren stets dem Ausland gegenüber einen herausfordernden Ton angeschlagen habe, und von dieser Ansicht ausgehend erinnert das Pariser Blatt an den Spruch vom Splitter im Auge des anderen und dem Balken im eigenen. Gewiß gibt es in Deutschland vereinzelte Organe, die in ihrem Eintreten für eine tatkräftige Außenpolitik zuweilen über das Ziel hinausschießen. dem weit überwiegenden Teil der deutschen Presse liegt es aber vollständig sern, dem Ausland gegenüber einen aufreizenden Ton anzuschlagen. Wenn wir einmal Schärf anwenden müssen, dann ist es stets und ständig die Antwort auf unquali izierbar Angriffe und Schmähungen, mit denen wir vom Auslande bedacht werden.„Wie es in den Wald hineinschallt, klingt es wieder heraus.“ An dieses Wort muß man immer wieder erinnert werden, und die uns übelgesinnte Auslandspresse stellt die Tatsache geradezu auf den Kopf, wenn sie uns Pro* Hombruch, 18. Mai.(Schwerer Raub anfall.) Nach Eintritt der schönen Witterung steigt auch wieder die Unsicherheit in der nahen Bolmke. Als dort gestern abend gegen 6 Uhr der Kellner August König aus Dortmund mit seiner Braut spazieren ging, traten ihnen plötzlich zwei Burschen aus dem Hinterhalt entgecen. Einer sagte:„Geld her!" Als sich König mit seinem Stock zur Wehr setzen wollte, gab der zweite einen Schuß auf ihn ab, der glücklicherweise sehlging. Auf das Hilfegeschrei der Ueberfallenen eilten einige in der Nähe weilende Person herbei, worauf die Angreifer die Flucht ergriffen. Sie wurden aber verfolgt und hier festgenommen. Lünen, 18. Mai.(In unglücklicher Ehe) lebt der Bergmann Josef Hoewecke von hier, der sich heute wegen Mißhandlung seiner Ehefrau und seines Sohnes Albert vor der Dortmunder Strafkammer zu verantworten hatte. Hoewecke hatte sich eine zeitlang von seiner Frau getrennt, weil ezu Hause nicht so zuging, wie er es wünschte. Al er am 1 März unverhofft seine Wohnung betrat, fand er einen sremden Menschen in seiner Wohnung. er entsernte sich sofort, um abends in erregter Stimmung wiederzukommen. Er sprang sofort mit geöffnitem Messer auf seine Frau zu und verletzte sie am Halse; um die Mutter zu sschützen, trat der 12 Jahre alte Albert vor die Mutter, erhielt aber auch sofort einen Stich in den rechten Oberschenkel. Inzwischen erlosch das Licht und nun müssen in der Wohnung anwesende Leute über Hoewecke hergefallen sein und haben ihn in ganz jämmerliche Weise geprügelt. Ein hinzugerufener Polizeibeamter sand den Manm besinnungslos in einer Blutlache liegen, der Zustand war so, daß Hoewecke sosort ins Krankenhaus gebracht werden mußte, wo Hoewecke sich nach zehn Tagen noch in einem schädlichen Zustande befand; auf der Schädeldecke befanden sich außer Beulen, die von starken Schlägen herrührten, auch Messerschnitte. Mit Rücksicht auf diese Mißhandlung und weil die Verletzungen der Frau und des Knaben unbedeutens waren, erkannte as Gericht auf drei Monate Gesängnis, auf welche Strase noch acht Wochen Untersuchungshaft angeNe Bchen Greven, 18. Mai.(Pocken) Die Gesamtzahl der Pockenerkrankungen beläuft sich auf 19, die sich alle auf einen Ansteckungsherd zurückführen lassen. Gestorben ist bisher ein nicht geimpfter Ausländer, bei einem zweiten, gleichsalls nicht geimniten Manne, besteht dringende Lebensgefahr. Eine weitere Ausbreitung der Seuche erscheint ausgrschlossen Schermbeck, 18„Mai.(Den Feuertod erlitten) hat hier ein 9jähriges Mädchen, das zum Feucranmachen in Abwesenheit der Eltern Prtroleum in den Herd goß. Durch die entstehende Flamme explodierte die Petroleumkanne und setzte die Kleider des Kindes in Brand. Es starb nach einigen Stunden an den Folgen der erlittenen Verletzungen. * Wattenscheid, 18. Mai.(Sein 50 jähriges Jubiläum) konnte heute der Bergmann Heinr, Suhrmann in Günnigfeld begehen. Der im Jahre 1850 geborene Knappe trat 1864 in die Dienste der Zeche Holland und ist seit dieser Zeit dort ununterbrochen beschäftigt gewesen Aus Anlaß dieses Jubiläums wurde ihm heute mittag durch Bergassessor Gott chalk das Allgemeine Ehrenzeichen in Silber verliehen. Dem Festakte wohnten sämtliche Mitglieder der Direktion und die Beamten der Zeche Holland bei. Bottrop, 18. Mai.(Kind verbrüht.) Die hier in einer Kolon'e wohnende Ehefrau eines Bergmanns war mit Waschen beschäftigt und ließ dabei den Kessel mit heißem Wasser in der Küche auf dem Fußboden stehen Das drei Jahre alte Kind kletterte auf den Deckel, dieser kippte und das Kind fiel in das heiße Wasser. An den erlittenen Brandwunden starb es kurz darauf. Duisburg, 18. Mai.(Fünf diebische Bahnangestellte) wurden hier von der Kriminalpolizei verhaftet. Es handelt sich um Rangierer, die seit Jahren die Bahnwagen bestohlen haben. Hauptsächlich hatten sie es auf Tabak und Zigarren abgesehen. Es sind ihnen im Laufe der Zeit für über 1000 Mark an Waren dieser Art in Dienstag, 19. Mai 1914. * Köln, 18 Mai.(Selbstmord.) Nachdem heute morgen ein Mann vom hiesigen Schöftengericht wegen Beleidigung zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, verließ er den Gerichtssaal und brechte sich im Flur einen Messerstich ins Herz bei. Der sofort herbeigerufene Gerichtsarzt Dr. Plompel konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Die Leiche wurde nach der Leichenhalle auf dem Friedhof Melaten gebracht. Es soll sich um einen Arbeiter aus Ehrenfeld handeln, * Neuwied, 18. Mai.(Falschmünzer.) Drei Burschen aus Altenkirchen hatten sich im Herbst vorigen Jahres zusammengetan, um falsches Geld anzufertigen und in Umlauf zu bringen. Der 19 Jahre alte Zahntechniker Oehler sertigte zunächst Zehnpsennigstücke an, die aber so schlecht ausfielen, daß sie nur für Automaten gebraucht werden konnten. Auf diese Weise wurden dann auch eine Anzahl von Bahnhofswirten geschädigt. Bei der Ausgabe von falschen Zweimarkstücken wurde Oehler festgenommen. Das Schwurgericht verurteilte Oehler wegen Münzverbrechens zu 6 Monaten, den 18 Jahre alten Bürogehilsen Peil yegen Beihilse zu 4 Monaten und den 18 Jahre alten Kaufmannslehr ling Buch zu 2 Monaten Gesängnis. die Hände gefallen. Ein Teil der gestohlenen Güer wurde beschlagnahmt. Mörs, 18. Mai.(Zur Steuerung der Wohnungsnot) Die Gemeinde Hochemmerich kaufte den 80 Morgen großen Stüningschen Hof für 400000 Mark an. Dieses Grundstück soll, da in der Gemeinde große Wohnungsnot herrscht und etwa 3000 in Hochemmerich beschäftigte Arbeiter in anderen Orten wohnen müssen, der sofortigen Bibauung erschlossen werden. Weiter laufte die Cemeinde noch vier Anwesen für 65000 Mark zu gleichem Zwecke an. * Düsscldorf, 18. Mai.(Gegen die Kinosteuer.) In einer heute abgehaltenen Versammlung der Lichtspiel=Theaterbesitzer in Rheinland und Westsalen fanden Besprechungen darüber statt, wie die Lustbarkeitssteuer für die Kinematographen= theater abzuwenden sei. In dem einleitenden Vortrage wurde darauf hingewiesen, daß die gegenwärtige Höhe der Steuer zum Ruin führen müsse; die Billetsteuer allein schwanke heute in Rheinland u. Westfalen zwischen 22 und 26 Prozent. Die Gesamtbesteuerung eines Kinobesitzers erreiche in manchen Ergenden siebzig, ost sogar neunzig Prozent der Roheinnahmen Unter diesen Umständen müsse entweder möglichst schnell Wandel erfolgen oder aber eire allgemeine Schließung aller Lichtspieltheater erfolgen Die anschließende Besprechung ergab allgemeine Zustimmung zu diesen Ausführungen. Aus praktischen Gründen wurde schließlich vorgeschlagen, ein neue Versammlung einzuberufen, die am 3. Juni stattfinden soll Die Schrecken des mexikanischen Krieges. Nach den aus der Stadt Mexiko eingelaufenen Nachrichten scheint die Lage der Verwundeten in Mexiko besonders traurig zu sein. Hunderten mußten die Gliedmaßen abgenommen werden, da infolge der Dumdumgeschosse der Brand einsetzte. Die Hospitale der Hauptstadt sind überfüllt. Der Mangel an Betten und Bettüchern macht sich besonders fühlbar. Dutzende von Verwundeten, die dem sicheren Tode versallen waren und nicht mehr aufkonnten, wurden auf Karren übereinandergeschichtet, die dann in Brand gesetzt wurden. Nach einer anderen Meldung haben die Soldaten die hilflosen Verwundeten auf dem Wege aufgegriffen und sie gezwungen, vor ihnen einherzumarschieren und si: auf diese Weise als lebende Verschanzung benutzt. Man gab ihnen nicht einmal Knüppel zu ihrer Verteidigung. Von einer Abteilung von 50 000 Mann, die von der mexikanischen Hauptstadt auf den Kriegsschauplatz zogen, kamen nur 1500 Verwundete in die Stadt zurück. Wie es heißt, hat das mexikanische Kriegsministerium keine Einrichtungen für die Pflege der Kranken und Verwundeten getrossen, und die paar Aerzte, die noch in Mexiko City sind, sind unfähig, ihre Aufgabe zu erfüllen. Die Hilfsorcanisationen, die unter den verschiedensten Namen ins Leben gerusen wurden, werden als gänzlich wertlos bezeichnet Ein eigenartiges Licht arf die Verhältnisse in Mexiko wirft die einstimmige Bewilligung von 43 Millionen Pesos für die Nationalverteidigung durch den mexikanischen Kongreß. Die Abstimmung erfolgte unter großer Begeisterung des Hauses. Man weiß jedoch nicht, woher die Huertarecierung, deren Kassen ziemlich leer sind, diese Summe nehmen soll. Behö den und Presse Ueber das Verhältnis von Behörden und Presse hat in der Hauptrechammlung des Landesverbandes der Presse Württembergs und Hohenzollerns der Ministerialrat Dr. v Marquardt, der als Vertreter der württembengischen Regierung erschienen war, so'gendes ausgeführt: Behörden und Presse gehören Der Kampf um das Majorat. Roman von Ewald Aug. König. 9 „Und offen gestanden, auf mich hatte das Gebahren Adelgundes den Eindruck einer Geistesstörung gemacht, mich überraschte der Ausspruch des Arztes nicht, an dessen Ehrlichkeit ich doch auch nicht zweifeln konnte. Einige Jahre später starb meine Frau, es lag für mich eine beruhigende Geungtuung in dem Gedanken, daß ich bis zum Ende treu bei ihr ausgeharrt habe, in ihrer Todesstunde erkannte sie selbst das mit heißen Dankesworten Hermann fühlte sich mehr und mehr zu alten Herrn hingezogen, er sagte sich auch, daß er an dem Rittmeister einen Freund gefunden habe, der ihm in seinen Kämpfen mit dem Baron nützlich sein konnte. Wolle man von jener Seite wieder einen Druck auf die öffentliche Meinung üben, so konnte der Rittmeister in seinen Kreisen diesem Druck wirksam entgegentreten und mancher Verleumdung die Spitze abbrechen. „Ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie durch Ihre Mitteilungen mir beschieden haben, sagte er,„Sie werden nun meine Schwester wiedersehen und von ihr selbst erfahren, daß sie nur das Opfer schmachvoller Intriguen gewesen ist.“ Adelgunde ist aus der Anstalt entlassen?“ rief der Rittmeister in sichtbar freudiger Ueberraschung. Ich habe ihre Entlassung erzwungen," erwiderte Hermann und nun berichtete er dem erstaunt Aushorchenden alles, was er zur Befreiung seiner Schwester getan hatte. Er berichtete ihm auch seine Vermutung und seine Unterredung mit dem NoHände, seine Augen schimmerten feucht und seine Lippen zuckten.„ „Sie sind ein vraver Mann und ein treuer Bruder," sagte er,„Sie dürfen nun nicht auf halbem Wege stehen bleiben, Sie müssen diesen Kampf zu Ende kämpfen, und kann ich Sie dabei in irgend einer Weise unterstützen, so verfügen Sie über „Ich nehme Ihr Auerbieten an,“ entgegnete Hermann, den warmen Handdruck kräftig erwidernd,„treue Freunde tun uns not, denn wir stehen der Macht des Goldes gegenüber, das für seine Zwecke ja überall Werkzeuge und Waffen findet. Es ist spät geworden, ich muß den Heimweg anDer Rittmeister warf einen Blick auf seine Uhr Sie," sagte er, meine Tochter wird schon mit dem Mittagessen auf mich warten. Ich bitte Sie, fragen Sie ja Ihre Schwester, ob ihr mein Besuch angenehm sein würde,“ fuhr er fort, als sie die Schenke verlassen hatten,„ich möchte sie nicht gerne unvorbereitet überraschen, weiß ich doch nicht, ob ihr eine Begegnung mit mir heute noch „Ich werde sie vorbereiten,“ erwiderte Hermann,„sie ist noch immer leidenschaftlich, sie will um jeden Preis Haus Eichenhorst ihrem Schwager entreißen, sollte sie selbst darüber zu Grunde „Glauben Sie denn, daß sie dieses erreichen „Ich zweifle daran, ja ich möchte von diesem Prozeß mit aller Entschiedenheit abraten, solange Dagobert nicht aus der Verschollenheit zurückgeGaron Dagobert— ganz rechtl“ Rittmeister.„Ichlernte ihn flüchtig kennen, als er noch ein junges Bürschchen war, er befand sich in schlimmer Gesellschaft, ich hätte ihn gern gewarnt, aber dazu besaß ich keine Berechtigung. Hauptsächlich war es ein gewisser Herr Schreiber, der ihn steis begleitetg...,#or G.of..“s Marmalters Eduard Schreiver, der Sohn des Verwonners auf Haus Eichenhorst,“ fiel Hermann ihm in die Rede,„der Herr ist jetzt wohlsituierter Geldwechsler in hiesiger Stadt, ein kleiner Bankier, der die Geldgeschäfte des Herrn Barons Kurt von Darboren vermittelt.“„e5 „So, so, das wußte ich noch nicht, fühl der Rittmeister gedankenvoll fort,„Sohn eines Verwalters, früher Werkzeug des Barons, und uun kleiner Bankier? Das könnte zu denken geben! Die frühere Amme Baron Dagoberts wohnt auch noch hier, vielleicht erinnert sich Adelgunde ihrer. Sie ist verheiratet mit dem Friseur Hubert Burger und hat bereits eine erwachsene Tochter, ich kaufe bei dem Manne meine kleinen Toilettebedürfnisse, sie scheint eine wackere Frau zu sein. „Ich werde mir die Adresse merken.“ Tun Sie das, vielleicht haben Sie später Zengen aus jener Zeit nötig. Ich werde in dieser Beziehung schwerlich Ihnen nützen können. Sie waren in eine stille Straße eingebogen, Hermann hatte einen Umweg gemacht, ohne darauf zu achten, der alte Herr gefiel ihm mehr und mehr, je näher er ihn kennen lernte. „Hier wohne ich,“ sagte der Rittmeister, dort in dem weißen Häuschen rechts. Ich bin mit meiner Tochter allein, das Unterhaus und einige Zimmer in der ersten Etage genügen uns, man muß sich nach der Decke zu strecken wissen. Von ihrem aufangs bedeutenden Vermögen hat meine Frau mir nur einen geringen Bruchteil hinterlassen, sie wollte ihr Vermögen selbst verwalten, dagegen ließ sich nichts einwenden, das Geld war ja ihr Eigentum.“ Ein leiser Seufzer folgte diesen Worten, dessen Ursache war leicht zu erraten. Aber nun haben Sie mich bis hierher begleitet, nun müssen Sie auch einen Augenblick eintreten,“ fuhr der alte Herr, einen heiteren Ton anschlagend, fort,„ich will Ihnen ein merkwürdiges Spiel der Natur zeigen. „Und das wäre?“ Thmestur9 „Habe ich Aehnlichkeit mit Ihrer Schwester“ Durchaus nicht.„., g Tanfesle vich „Schön, meine Fran glich ihr evensalts Richt, und wenn Sie nun meine Tochter betrachten, so glauben Sie das verjüngte Ebenbild Adelgundes zu sehen— ist das nicht ein seltsames Naturspiel?“ „Sollte da nicht Ihre Phantasie—“ „Nein, nein, es ist Wahrheit, kein Phantasiegebilde, Sie werden sich selbst davon überzeugen. Außerdem habe ich in meinem Hanse einen ausgezeichneten Magenbittern, den ich selbst braue, und von dem ich stets vor Tisch ein kleines Gläschen trinke. Sie sollen ihn versuchen, er reizt den Appetit.“„PIahusg Hermann fand keine Zeit zu einer abtehnenden. Antwort, der Rittmeister hatte bereits die Haustür geöffnet, er schob seinen Freund ins Haus hinein, und der junge Rechtsanwalt stand gleich darauf im Wohnzimmer einer jungen Dame gegenüber, die der Rittmeister als seine Tochter Leontine vorstellte. Die Aehnlichkeit mit Abelgunde war i der Tat für den, der die Baronin in ihrer Jugendzeit gekannt hatte, überraschend. Dieselbe hohe, schlanke Gestalt, dieselben klassischen Gesichtsformen, von üppigem, braunem Haar umrahmt, dieselben dunkeln, seelenvollen Augen mit ihrem fesselnden Zauber, dieselben schelmischen Grübchen im Kinn und Wangen, ja sogar dasselbe Lächeln, das wie Sonnenschein die purpurroten Lippen umspielte. Die Toilette war sehr einfach, aber geschmackvoll, eine gelbe Rose an dem Busen bildete den einzigen Schmuck, den Leontine trug. Einfach und geschmackvoll war auch die Ausstattung des kleinen gemütlichen Zimmers, man konnte sich augenblicklich heimisch in ihm fühlen. 214.16 zusammen als große unentbehrliche Lebensorgane eines modernen Staates. Die Angehörigen der Presse wie die der Behörden sind in gleicher Weise Diener am Volk, sie haben die gleiche Aufgabe. die tiefsten Bedürfnisse der Zeit zu verstehen und ihnen den Weg in die Zukunst zu öffnen, und sie empfinden dabei die gleiche schwere Verantwortung— ja vielleicht ist die Verantwortung der Presse die größere, denn sie ist die einzige Großmacht, die keinen Souverän über sich hat, als das eigene Gewissen. Je mehr diese Gemeinschaft der Arbeit und Verantwortlichkeit aus beiden Seiten empfunden und betont wird, desto mehr wird sich das notwendige Zusammenarbeiten entwickeln. Mag sein, daß am Uhrwerk der Zeit die Vertreter der Presse von uns manchmal mehr als die Unruhe und wir von ihnen mehr als die Hemmung empfunden werden— die Hauptsache ist, daß die Unruhe und Hemmung zusammen der Uhr zu richtigem Gang verhelsen. Wir sind wie in einer richtigen Ehe mit unseren Vorzügen und Fehlern auseinander angewiesen, Kunst und Wissenschaft. Zur Radiumtherapie. Aus Straßburg wird geschrieben: Der durch bedeutende wissenschaftliche Arbeiten hinlänglich bekannte Gynäkologe Prof. Fehling, Direktor der Straßburger Frauenklinik, hat seinerzeit durch Einsetzen seiner ganzen Persönschikeit die Straßburger Stadtverwaltung zur Anschaffung von Radium veranlaßt, wofür ein bedeutender Kredit bewilligt worden ist. Ungeachtet dieses Umstandes hat nunmehr der verdienstvolle Gelehrte in seltener Freimütigkeit dieser Tage in einer der das Semester eröffnenden klinischen Besprechung seinem Hörerkreise gegenüber sich geäußert, daß die großen Erwartungen, die auf eine Heilung des Unterleibskrebses allein durch Radium hinziekten, sich nicht erfüllt haben. Gehelmrat Professor Fehling ist nunmehr zu einer Teiloperation übergegangen, wobei lediglich die Operationsstelle mit Radium bestrahlt wird. Bei dieser kombinierten Behandlung finden außerdem die dem Radium verwandten Präparate reichliche Anwendung. Ein Fahnenflüchtiger ohne Fuße. Ein tragisches Vorkommnis beschäftigte dieser Tage das Danziger Kriegsgericht. Der Musketier Johannes Stanke aus Charlotten, Kreis Karthaus, war 1912 nach Hadersleben zum 84. InfanterieRegiment ausgehoben worden und erhielt Ende Dezember mehrtägigen Weihnachtsurlaub, von dem er jedoch nicht zu seinem Truppenteil zurückkehrte. Erst am 19. Januar wurde er bei eeiner Tante in Neufahrwasser ermittelt, die ihn ausgenommen hatte, weil er über sehr schlimme Füße klagte. Tatsächlich war der Zustand seiner Füße sehr bedenklich, die Zehen waren fast schwarz gefärbt und konnten kaum noch bewegt werden, und so wurde der Schwerkranke nach dem Danziger Garnisonlazarett gebracht, wo ihm schließlich nach sechs schweren Operationen beide Füße abgenommen werden mußten. Nach seiner Heilung wurde gegen ihn laut„B. T.“ ein Strafverjahren wegen Fahnenflucht eingeleitet. Während Stanke erklärte, daß er sich bei einer großen Uebung im Winter ein Fußleiden gezogen hatte, möglicherweise sich dabei auch angefrorene Füße geholt hätte und nur aus Angst vor einer schmerzlichen Operation nicht zurückgelehrt sei, behauptete die Anklagebehörde, er habe sich im Lande umhergetrieben, und dabei seien ihm die Füße erfroren. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte wirklich bereits mit schlimmen Füßen in Urlaub gefahren war. Am 17. Dezember war er bei einer Felddienstübung durch die dünne Eisdecke eines Grabens eingebrochen und war dann den ganzen Tag bei starker Kälte mit nassen Füßen herumgelaufen. Dabei hatte er sich beide Füße erfroren. Nach dem Urteil des Danziger Kriegsgerichts mußte der Angeklagte bei der ganzen Sachlage trotz der schweren Folgen seiner Handlungsweise bestraft werden, weil er nur aus Angst vor einer Operation nicht zurückgekehrt war. nicht etwa, weil er zur Rückreise unsähig gewesen war. Das Urteil lautete auf die Mindeststrase von 43 Tagen Gefängnis. Der Gerichtshof empfahl ihm, die Gnade des Kaisers anzurufen. wie Salak, Erbsen, Möhren usw. ist von dem Froste verschont geblieben und entwickelt sich gut. Die Obstbäume, wie Kirschen, Aepsel und Birnen, haben reichlich geblüht und setzen bereits Früchte an. Ein reiches Heidelbeerjahr steht in Aussicht Auch die Preiselbeere steht, besonders an der Sonnenseite, in voller Blüte, so daß mit einer guten Ernte zu rechnen ist. — Landwirtschaftliches. Ernteaussichten im Sauerlande. Die alte Wetterregel:„Mai kühl und naß, füllt dem Bauer Scheune und Faß“ scheint sich auch in diesem Jahre, wenn nicht alles trügt, zu bestätigen. Die Eisheiligen sind glücklich vorübergegangen, ohne daß sie Feld und Flur geschädigt haben. Die Beeren, Obstbäume und das junge Gemüse haben nicht unter ihnen gelitten. Das Gras auf den Wiesen hat sich unter der günstigen Witterung ganz vorzüglich entwickelt. Es steht dicht und ist lang, so daß der Landwirt mit einer guten Heuernte rechnan kann. Die Halmfrüchte, wie Roggen. Hafer und Gerste, stehen gut. Auch der wenige Weizen, der nur in den geschützten Tälern des Sauerlandes angebaut wird, hat einen vorzüglichen Stand. Die Hauptfrucht des Sauerlandes, die Kartosfeln, versprechen ein gute Entwicklung. Allmählich geht der Landmann dazu über, neue Sorten einzuführen, die ertragsähiger sind, als die seit Jahren angeplanzten Magnum bonum. Das junge Gemüse, Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Ueber Land und Meer. Von der Regsamkeit und Tiefgründigkeit der Redaktion(Dr. Rudolf Presber, Berlin) und des Verlags(Deutsche Verlags=Anstalt, Stuttgart) zeugen die Nummern 22 bis 26 dieser gern gelesenen Zeitschrift. Von der seinen Auswahl des Illustrationsmaterials wollen wir, gar nicht erst reden; die mit Bildern geschmückten Aufsätze greisen in alle Gehiete des Lebens und der Welt ein, und dem Titel der Zeitschrift entsprechend, führen, sie uns über Länder und über Meere. Von den wichtigsten, Abhandlungen seien die von Alfred Gradenwitz über den klugen Mannheimer Hund Rolf, über den Müsikerkopf und über einen Ritt in unersorschtes Land genannt. Stefan Großmann spricht von den Obdachlosen der Großstadt, Leo Heller von dem Erkennungsdienst der Berliner Kriminalpolizei und Haldy von Mordpflanzen. Es hieß: den Raum überschreiten, wollten wir weiter auf den vielseitigen Inhalt, auf den glänzenden Bildschmuck eingehen. Ueber Land und Meer erobert sich fortgesetzt neue Kreise. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Cure Bertei soll man nur in einem reellen Geschäft kaufen, weiches seit Jahren diesem Artikel ganz besondere Sorgfalt zuwendet. Doppeltgereinigtestaubfreie Federn. Starker federdichter Barchent. Verkaufe unter langjähriger Garantie jedes Bettes: Vollständiges 1½ schläfiges Ober- oder Unterbett mit 7 Pfund gereinigten Federn gefüllt..... 7,00 und 9,00 Mk. Vollständiges 2schläfiges Ober- oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigten Federn gefüllt 12,50 Mk. Vollständiges 2schläfiges Ober- oder Unterbett mit 10 Pfund gereinigten Federn gefüllt 15,50 Mk. 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Leugne es, wenn du kannst!" und schluchzend und die Hände ringend fiel sie in die So'gecke zurück.„„„ „Co.. ra, mei... ne Ge... lied...ie?“ kam es stammelnd von seinen Lippen,„meine Ge... lieb—— bringt mich noch um.“ Und er fiel in die andere Sofaecke und lachte und lachte, bis ihm die Tränen über die Wangen liefen und er sich die Seiten halten mußte. „So tief bist du schon gesunken, daß du über mein Elend lachen kannst! Geh', sage ich, geh', wo du hingehörest, zu deiner Geliebten!.. S.6. 4., „Aber sie kann ja gar nicht meine Geliebte sein!“ rief er, indem er gewaltsam versuchte, sein Lachen zu unterdrucken. „So? und wer ist denn die Cora?“ „Wer die Cora ist? es ist ein... ein... ein Hund!!“ Von neuem übermannte ihn das Lachen, und hilflos fiel er in seine Ecke zurück. 64 Als er sich endlich etwas erholt hatte, ruckte er an die Seite Doras, die beschämt und wie versteinert da saß, zog sie an sich und sagte: „Schon lange ist dein größter Wunsch, einen Hund zu besitzen. Nun hatte ich mir vorgenommen, dir einen an unserem Hochzeitstage zu schenken. Behrens, der davon wußte, bot mir seine Cora an, einen allerliebsten schwarzen Kerl, mit langen, seidenen Ohren und großen braunen Augen, mit der ich schon neulich Freundschaft geschlossen hatte. Ich nahm sein Anerbieten an, da ich wußte, das Geschöpfchen würde dir gefallen. Das ist das ganze Geheimnis, mein lieber Schatz, und fast wäre dir dein armes Herzchen darüber gebrochen. Aber nun komm', Liebling, laß uns schnell nach Hause fahren, der Wagen wartet noch unten: und noch heute wollen wir ein großartiges Versöhnungsfest feiern zwischen Frau Dora und„Fräulein Cora“. Von berühmten Leuten. Gut gegeben. Der verstorbene Charakterspieler Adolf Sonnenthal vom Wiener Hoftheater hielt sich einst in einer kleinen österreichischen Provinzialstadt vorübergehend zum Besuch auf und wohnte dort der Aufführung einer herumziehenden Theatertruppe bei. Nach Schluß der Vorstellung fügte es sich, daß Sonnenthal im Wirtshause mit dem ersten Heldenspieler zusammentraf. Dieser, durch die glattrasierten geistvollen Züge des Fremden auf die richtige Vermuturg gebracht, daß er einen von der„Kunst“ vor sich habe, fragte:„Auch Schminke?“—„Zu dienen,“ versetzte Sonnenthal lächelnd.„Dann, Herr Kollege,“ fuhr der eitle Mime, der den underen vorhin im Theater bemerkt hatte, lebhast fort,„sagen Sie mir aufrichtig, welche Stelle in meinem Spiel hat Ihnen am besten gefallen?“—„Ohne Zweifel diejenige,“ erwiderte der große„Kollege“ mit seinem Spott,„wo Sie duich die Versenkung verschwanden!" Fürst und Bauer. Von dem größten sapanischen Staatsmann, dem verstorbenen Fürsten Katfura, erzählt man sich folgende Geschichte: Als um 1865 in Japan die Bürgerkriege wüteten, kam der damalige Leutnant der kaiserlichen Truppen, Katsura, auf einem nächtlichen Adjutantenritte an einen Bauernhof, der ganz verlassen in Feindesland lag. Von dem Bauern Miura wurde der junge Offizier reichlich bewirtet und wollte, als der Mond aufgegangen war, nach seinem Truppenteil zurückkehren. Als sie iber aus der Tür traten, bemerkte der Bauer hinter einem Gebüsch drei verdächtige Gestalten, die dem Fremden offenbar auflauerten. Schnell entschlossen rief er den Unbekannten zu, daß er sie mit seinem Gewehr niederschießen werde, wenn sie nicht auf der Stelle verschwänden. Gewehre waren in Japan damals noch eine große Seltenheit, vor den Wirkungen dieses Teufelswertes hatten daher selbst die verwegensten Wegelagerer einen großen Respekt. Die Wirkung der unerwarteten Worte blieb auch nicht aus. Im Nu waren die Feinde verschwunden und Miura geleitete den Offizier sicher zu seinem Hauptquartier zurück.— Lange hörte der inzwischen zum Minister emporgestiegene Kaisura nichts mehr von dem Bauern. Aber nachdem die Kunde von der ernsten Erkrankung des Fürsten bis an die Ohren des wackern Miura gedrungen war, eilte dieser zu Fuß den 14 Tagereisen langen Weg von seiner Heimat nach Jokohama, um den sterbenden Fürsten noch einmal zu sehen. Allein so einfach, wie das Bäuerlein sich die Sache gedacht hatte, war die Sache denn doch nicht. Es bedurfte der Androhung des sofortigen Harakiris(das ist die japanische Form des Selbstmordes), ehe die hochnäsigen Diener den ärmlich gekleideten Miura vorließen. Als der Fürst aber seinen einstigen Retter erblickte, begrüßte er ihn wie einen lieben Bruder. Miura blieb mehrere Tage Gast des kranken Fürsten, und das unwillige Erstaunen der hohen Würdenträger, die täglich das Haus betraten, legte sich erst, als Katsura die eben geschilderte Anekdote erzählte und mit den Worten schloß:„Hätte es also keinen Heizaburo Miura gegeben, gäbe es heute auch leinen Fürsten Katsura.“ Die Welt der Frau. Taschentuch=Sprache. Bekannt ist es, wie gewandt und anmutig die Svanierin den Fächer zum Dolmetsch ihrer Gefühle zu machen weiß; alt und beliebt ist die zarte Sprache der Blumen. Auch dem Taschentuche eine Rolle zu verleihen, blieb den Amerikanerinnen und ihrer eigensten Erfindung, der„Flirtation“, vorbehalten. Diese Sprache ist sehr ausgebildet. Das Taschentuch an die Lippen drücken deutet an, daß man Bekanntschaft machen will; es auf der Hand ausbreiten bedeutet, daß man wagen darf; es nach unten gesenkt halten, gibt zu erkennen, daß man sympathisiere; es um die Hand wickeln bedeutet Gleichgültigkeit; es über das Kinn ziehen heißt „Ich liebe Sie“; es mit beiden Händen auseinanderziehen bedeutet„Ich haffe Sie“; es an die rechte Wange halten, drückt ein zärtliches„Ja“ aus; an die linke Wange halten, en entschiedenes„Nein"; es um das rechte Handgelenk wickeln bedeutet:„Ich liebe einen anderen"; um das linke Handgelenk: „Lassen Sie mich unbehelligt!“ Frauenschönheit. Helena, die große griechische Schönheit, war 48 Jahre alt, als sie nach Troja entführt wurde. Apasia vermählte sich erst im 37. Jahre mit Perikles und glänzte noch 38 Jahie hindurch als Schönheit. Kleopatra war über 49 Jahre alt, als sie dem Antonius begegnete. Diana von Poitiers zählte 36 Jahre, als sie Heinrichs II. Herz gewann. Der König war damals halb so alt, hörte jedoch nie auf, sie zu verehren. Anna von Österreich war 38 Jahre alt, als sie als Europas schönste Frau gepriesen wurde. Madame Maintenon war, als Ludwig XIV sie kennen lernte und sich in sie verliebte, 43 Jahre alt. Die berühmte Schauspielerin Mars war am schönsten mit 45 Jahren, und Frau Récamier, die so oft gemalte, zwischen 35 und 55 Jahren. Die heftigste und dauerndste Liebe wird durchaus nicht immer von zwanzigjährigen Schönheiten eingeflößt. Unter Schönheit versteht man nicht bloß wohlgesormte Züge und frische Gesichtsfarbe— sondern zugleich Geist und Anmut. Der Zauber der Schönheit in der Jugend ist ein besonders herrliches Geschenk der Natur, aber der Frau bestes und reichstes Alter ist dach eigentlich das zwischen 36 und 40 Jahren. Sitten und Gebräuche. Das Examen für Ehekandidaten. In Südafrika üben einzelne wilde Stämme ein eigentümliches Verfahren, um einen Ehekandidaten vor Eintritt in den Ehestand zu prüfen, ob er dazu auch wirklich geeignet sei. Sie binden seine Hände nämlich für zwei Stunden in einen Sack mit Stechameisen. Erträgt er ruhig die Qual ihrer Stiche, so wird er für geeignet betrachtet, auch die Sorgen und kleinen Unannehmlichkeiten des ehelichen Lebens auszuhalten. Gläubigerrechte in Siam. Die Hölle für leichtsinnige Schuldenmacher dürfte Siam sein, denn dort hat der Gläubiger die Berechtigung, sich der Person seines Schuldners zu bemächtigen und diesen nötigenfalls zeitlebens als Sklaven zu behalten. Die Arbeit, die der Gefangene leisten muß, wird immer nur als Zins des ursprünglichen Schuldbetrages— ob dieser nun groß oder klein war— angesehen, und der Schuldner kann seine Freiheit erst dadurch wiedererlangen, daß irgend jemand für ihn die eigentliche Schuldsumme erlegt. Brennt der Schuldner durch, so sind Weib und Kind, Eltern und Verwandte mit demselben Verfahren bedroht. man nimmt in Siam nicht einmal einen Dienstboten ohne die ausdrückliche Verabredung an, daß im Falle seiner Untreue alle Verwandten desselben für ihn haftbar bleiben. ür Rachdzei be geeme Iubolls dießer Beilage M minieger einider! Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde Unterhaltungs=Beitage zu Nr. 116. Dienstag, 19. Mai 1914. Zum Ratgeben sich einer am besten schickt, Wenn ihm, was du tun willst, schon einmal mißglückt. Das zweite Ich. Seitsamer Roman von Rudolf Jura. 1. Über die keine Villa in der Adalbertstraße streiften eben die ersten Sonnenstrahlen eines irischen Frühlingsmorgens bin. Im ersten Stock standen zwei Fenster halb offen und ließen durch die dünnen gelblichen Fenstervorhänge das dämmernde Licht in ein Damenschlafzimmer hineinströmen, dessen vornehm gediegene, dabei aber ein ache Ausstattung darauf hinzudeuten schien, daß die Bewohnerin eine Dame von Welt und von Geschmack sein mußte. Das mit dem feinsten Batistlinnen bezogene Bett stand bereits leer, und ein junges Weib war eiirig beschäftigt, vor dem großen Marmorwaichtisch und dem hohen Wandspiegel ihre Toilette zu beenden. Rasch hatte sie ein bescheidenes. ärmliches Hauskleid angelan und ihr üppiges, rotblondes Haar in einem sauberen Morgenhäubchen geborgen. Dann ging sie an ihre Arbeit und stellte Sauberkeit und Ordnung in dem Schlafzimmer her. Wer sie jetzt in ihrer emsigen Tätigkeit beobachtet hätte, dem würde das sonderbare Mißverhältnis aufgefallen sein, das zwischen ihrer edlen Gestalt, ihren anmutigen Bewegungen und ihren ausdruckslosen, ja nahezu rohen Gesichtszügen herischte. Ihr Antlitz war im Grunde keineswegs häßlich, sondern von regelmäßigem, angenehmem Schnitt. Aber es hatte trotz der scharfen grouen Augen einen eigentüntlichen, schläfrig gleichgültigen, schlaffen Ausdruck, der sie vielleicht etwas jünger erscheinen lie, als sie in der Tat sein mochte, der dem Gesicht aber ein höchtt gewöhnliches Aussehen gab. Nachdem sie das Schlafzimmer ausgeräumt hatte, reinigte sie mit Scheuerlappen und Staubtuch die übrigen von Frau Doktor Römer bewohnien Räume des ersten Stockes, putzte dann, wie alltäglich, die Säuhe und klopste und bürstete die Kleider der gnädigen Frau. Alles verrichtete sie gewandt und emsig, aber bei aller Schnelligkeit in einer gewissen traumhaften Ruhe und gleichsam in Geistesabwesenheit. Mittlerweile war es acht Uhr geworden, und sie begab sich nach der Küche, um nach der neben dem Herd aufgehängten schwarzen Schiesertafel zu sehen, auf der Frau Doktor Römer etwaige besondere Befehle aufzuschreiben pflegte, wenn sie kleine Einkäufe oder sonstige Besorgungen erledigt haben wollte. Heute war die Tasel leer. Die träumerische Magd hatte a'so weiter nichts zu tun, als was ihr regelmäßig jeden Morgen ovlag. und wofür es besonderer Anordnungen nicht bedurfte, da die Reihenfolge i rer allgemeinen, täglich wiederkehrenden Arbeiten genau auf einer weißen Papptasel verzeichnet war, die oberhalb der schwarzen Schiefertafel an der Küchenwand hing, aber nicht mehr beachtet wurde. Jetzt quirlte sie die Hasergrutze, die seit einer halben Etunde aus einem Gaskocher brodelte, noch einigemal kräftig durch, goß sie in einen großen, schüstelartigen Teller aus und sezte sich nach der mehrstündigen, fleißigen Arbeit behaglich zum Frühstück nieder. Angenehme Gedanken und Erinnerungen schienen während des Essens in ihr zu erwachen und ihre sonst so schlaffen Gesichtszüge hin und wieder zu beleben. Nach beendeter Mahlzeit reinigte sie das gebrauchte Geschirr, stellte alles an seinen Platz und ging in das Badezimmer, um dort den Gasofen anzuzünden. Denn nach der Arbeit war es ihre regelmäßige Pflicht, ein Bad zu nehmen, Die Erwärmung des Wassers nahm einige Zeit in Anspruch, und unterdessen ging sie mit spähenden Augen in der Wohnung hin und her. Doch waren jetzt, da ihr keine bestimmte Tätigkeit mehr oblag, die raschen, kräftigen Bewegungen ihres Körpers verschwunden. Langsam schlenderte sie von Zimmer zu Zimmer, und alles Leben schien sich in den sonst so gleichgültigen Augen zusammengedrängt zu haben. Im Schlafzimmer auf dem zierlichen Nachttisch lagen, wie immer, die Uhr der Frau Dr. Römer, ein zusammengesalteter Briefbogen, ein kostbarer Brillantring und ein rotledernes Geldtäschchen. Wieder blitzte ein freudiges Aufleuchten in den Augen des jungen Weibes. Gierig ergriff sie das Geldtäschchen, öffnete es, untersuchte eifrig den Inhalt seiner Fächer, nahm ein Zwanzigmarkstück heraus und steckte es lächelnd in ihre Tasche. Dann blickte sie mit schwärmerischem Ausdruck vor sich hin, und ihre Lippen flüsterten leise einen Namen. Plötzlich schlug der Ton der scharf angezogenen Türklingel an ihr Ohr, und augenblicklich verwandelte sich das seufzende Weib wieder in das eifrige Dienstmädchen, auf dessen Gesicht keine Spur einer persönlichen Gefühlsregung zu entdecken war. Rasch eilte sie nach dem Vorsaal und öffnete automatisch die Tür zum Treppenhaus. Ein freudiger Schreck aber durchzuckte sie beim Anblick des jetzt vor ihr stehenden jungen Mannes, und sie öffnete lebhaft den Mund, ohne jedoch ein Wort über die Lippen zu bringen. „Ist Frau Dr. Römer schon aufgestanden?" fragte mit vorsichtiger, leiser Stimme der junge Mann. „Die gnädige Frau ist nie vor zehn Uhr zu sprechen.“ antwortete sie in einem eigentümlich einförmigen Tonfall, als spräche sie gedankenlos wie ein Pagagei einen auswendig gelernten Satz zum hundertsten Male. 8g i# „Um so bester.“ erwiderte er, indem er die Pano mit dem weichen, braunen Filzhut unternehmend in die Luft schlenkerte. „Sonst hätte ich natürlich irgend eine gleichgültige Bestellung des Rechtsanwalts vorschützen können. Aber so ist es mir lieber. Komm, laß mich hinein. Ich habe Wichtiges mit dir zu besprechen“.„ 552—6 Bei diesen Worten sah er n#o scharf an. Sie hing wie gebannt an seinen Augen, ließ ihn widerstandslos eintreten und führte ihn in die Küche, wo er mit frecher Ungezwungenheit sich auf den weißgescheuerten Tisch setzte. Emil Born war ein zierlicher, hübscher Mensch von brünettem Typus. mit einem kleinen Bärtchen und stechenden, schwarzen Augen. die manchen Frauen so gefährlich sind. Doch machten seine bereits etwas verlebten Züge und die schäbige Eleganz seines Sonntagsanzuges einen etwas leichtfertigen und unangenehmen Eindruck, dem gegenüber nur verliebte Augen weiblichen Geschlechts blind sein können. Durch sein gewandtes Auftreten wußte er diesen schlechten Eindruck übrigens meist zu verwischen. Auch war er ein sehr verwendbarer Arbeiter, und durch seine Tüchtigkeit hatte er sich bei dem Rechtsanwait Lohmann vom untersten Schreiber bis zum ersten Kanzleivorsteher emporgeschwungen. So zuverlässig er sich jedoch in seinen dienstlichen Leistungen erwies, ebenso liederlich war seine übrige Lebensführung zu nennen. * 2 8 3 5 S *" 3 09# □ 85 40 S Seine leichten Erfolge dem schönen Geschlechte gegenüber verführten ihn dazu, oft ganze Nächte zu durchtanzen und zu durchiubeln, und wenn er dann mit wüstem Kopf an seine Tagesarbeit ging, bedurfte er der ganzen Willenskraft seiner jugendlich kräftigen Natur, um sich den beruflichen Anforderungen gewachsen zu zeigen. Die Bekanntschaft des sonderbaren Dienitmädchens der Frau Dr. Römer hatte er schon vor einigen Wochen gemacht, als er eines Morgens eine eilige Nachricht des Rechtsanwalts Lohmann zu überbringen hatte, der das Vermögen der jungen Witwe verwaltete und überhaupt in allerhand geschäftlichen Angelegenheiten ihr Berater war. Er hatte Wohlgefallen an dem Mädchen gesunden und auch deutlich den Einfluß bemerkt, den er durch sein sicheres Wesen auf das äußerst lenksame Geschöpf auszuüben imstande war. Trotzdem war es ihm nicht leicht gefallen, sie das erste Mal zum gemeinsamen Besuche eines Tanzsaales zu veranlassen. Auf all' seine Fragen nach ihren freien Sonntagnachmittagen oder sonstiger Ausgehezeit hatte sie immer ganz ausweichende und eigentümlich unklare, fast verständnislose Antworten gegeben. Als er sie aber eines Sonntags moigens mit Bestimmtheit aufgefordert hatte, abends um elf Uhr im „Weißen Adler“ zu sein, da hatte sie ihn träumerisch angesehen, mit dem Kopfe genickt und war pünktlich in dem bezeichneten Tanzsaale erschienen in einem sehr eleganten Kleide, das offenbar aus dem Kleiderschranke der Frau Dr. Römer stammte. Seitdem hatte sie allen seinen Aufforderungen zu nächtlichen Tanzlustbarkeiten widerstandslos Folge geleistet, un ihren immer geldbedürftigen Liebhaber auch wieverholt beträchtlichen Darlehen unterstützt. Er war der Meinung, daß sie diese Summen ihrem Sparkassenbuche entnahm, das ja in den Augen mancher Tanzboden=Bräutigams der schönste Schmuck eines braven Dienstmädchens ist. Auch heute mochte Emil Born wieder in Geldverlegenheit sein. Er beugte sich, immer noch auf dem Tische sitzend und die Hände auf die Kante gestützt, ein wenig vornüber, sah dem Mädchen fest in die Augen und sagte: „Also heute abend wieder im„Weißen Adler“, nicht wahr?“ Sie nickte mechanisch mit dem Kopf, und er fuhr eswas „Kannst du denn nicht einmal eher kommen und dich o„Nachmittags z; erwiderte sie mit hillos erschrockenem wenn dir deine Gnädige niemals einen freien Sonntag stattet. Aber lassen wir es dabei. Also heute abend! Übrigens könntest du mir nicht nochmals mit einer Kleinigkeit aushelfen? Ich bin wieder ganz abgebranat.“„ Hastig griff sie in die Tasche, zog das Zwanzigmarkstück hervor, das sie vorhin dem Geldtäschchen entnommen hatte, und überreichte es ihm strahlenden Antlitzes. Nachlässig steckte er es ein und murmelte:„Danke schön! Aber warum bist du nur so leichtsinnig, das Geld bei der Arbeit lose in die Tasche zu tragen! Wie leicht kannst du etwas verlieren. Hast du noch mehr bei dir?“ Sie schüttelte den Kovf... 66 Lag uu, kas bei. „Das ist gut,“ fuhr er fort.„Ich hoffe, ou hast beine Ersparnisse in einem Sparkassenbuch angelegt. Ich fürchte jedoch, du bewahrst dieses Buch nicht gewissenhaft genug auf. Es wird besser sein, wenn du es mir übergibst. Geh, hol' es mir.“ „Ich habe kein Sparkassenbuch,“ erwiderte sie. „Aber wo hast du denn deine Ersparnisse niedergelegt? Du hast doch sicher für deinen harten Dienst bei der Frau Doltor einen sehr hübschen Lohn. Wieviel bekommst du eigentlich monatlich?“.. 8. umrußi, „Ich weiß nicht,“ antwortete sie unruhig.„Ich habe auch keine Zeit mehr. Du mußt fort. Ich habe zu tun.“ Eilig drängte sie ihn zur Tür hinaus, und er tröstete sich mit dem Gedanken an das frisch erworbene Zwanzigmarkstück über die Wunderlichkeiten des rätselhaften Mädchens. Kaum war er fort, so eilte sie ins Badezimmer, brachte es nach rasch beendetem Bade wieder in Ordnung und ging dann ins Schlafzimmer, um sich ihr schönes Haar elegant zu frisieren und ihr dürstiges Arbeitskleid mit einem vornehmeren Gewand zu verkauschen....(ben automatenhasten Puche. Auch dies tat sie mit verselden automatenhaften Ruhe, mit der sie vorhin ihre Dienstmädchenarbeiten verrichtet hatte, und wie sie nun als vornehme Dame gekleidet war, trat sie an den Nachttisch, nahm den dort liegenden zusammengefalteten Briefbogen, setzte sich in den großen am Fenster stehenden Lehnstuhl und las. Es waren nur wenige Worte, die mit großen Zügen auf das Papier geschrieben waren. Aber beim Lesen ging eine wunderbare Veränderung mit ihr vor. Gleichsam betäubt sank sie mit geschlossenen Augen auf weiche Lehne des Stuhles zurück, holte ein paarmal tief die weiche Lehne des Stuhles zurück, holte, ein Atem. und als sie die Augen wieder ausschlug, hatte ihr Gesicht den angenehmen Ausdruck einer liebenswürdigen, klugen Dame der feinen Welt angenommen und sich daber derartig verwandelt und verschönert, daß es gar nicht wiederzuerkennen war. Sie erhob sich aus dem Stuhl, reckte sich ein wenig, wie im Gefühl frisch gestärkter Kräfte, nahm Uhr und Geldtäschchen vom Nachttisch an sich und steckte den Brillantring an den Finger. Das eben gelesene Blatt Papier aber legte sie in den Schubkasten des Nachttisches. Während sie nun in das Wohnzimmer hinüber ging, schien ihr plötzlich ein Gedanke zu kommen. Sie zog das eben eingesteckte Ge täschchen noch einmal hervor und zählte rasch seinen In„Schon wieder; murmelte sie unwilig.„Es ist greiflich. Ich hab' doch nichts ausgegeben seit gestern abend, und ein Diebstahl ist doch kaum denkbar.“— Kopfschüttelnd setzte sie sich an ihrem Schreibtisch nieder und begann zu erbeiten..„ 6 44g un8 S Frau Dr. Römer war schriftsteuerisch tatig, und ihre literarischen Einnahmen gestatteten ihr im Verein mit Zinsen ihres nicht unbeträchtlichen Vermögens nicht nur die sorgenfreie Führung eines angenehmen Lebens, sondern ermöglichten ihr auch die zahlreichen Werke echter Menschenfreundlichkeit und Nächstenliebe, die sie in ausgedehntem Maße übte. Vor allem pflegte sie die Unterstützung der erwerbstätigen Frauen und Mädchen jeden Standes. Wo sie Not und Unglück sah, half sie persönlich im stillen, stellte aber ihre Arbeitskraft und ihr Geld auch in den Dienst von öffentlichen, gemeinnützigen Unternehmungen. Eine Kinderbewahranstalt, ein Wöchnerinnenheim und mehrere große mit Kochschulen verbundene Speiseanstalten hatte sie ins Leben gerufen, in denen besonders den zahlreichen kaufmännichen Angestellten männlichen und weiblichen Geschlechts Gelegenheit zu billiger und guter Mittagskost geboten werden solle. Winen B.isem Gi. B. Sie selbst führte. abgesehen von kleinen Reisen, die sie hin und wieder unternahm, ein ziemlich einfaches und regelmäßiges Leben. Ihre Mahlzeiten nahm sie bei dem Bruder ihres verstorbenen Mannes, dem Staatsanwalt Römer ein, der kinderlos war und mit seiner Frau das Erdgeschoß der kleinen Villa in der Adalbertstraße bewohnte. Sie lebten in herzlichem Einvernehmen miteinander, und es fiel dem Staatsanwalt und besonders seiner Frau nur das eine auf. daß ihre sonst so tätige und lebhafte Schwägerin so außerordentlich viel Zeit dem Schlaf opferte., g#.. Denn obwohl sie sich außer nach dem Besuch eines Theaters oder Konzertes immer schon um Ruhe begab, war sie doch des Morgens meist erst zwischen zehn und elf Uhr sichtbar. Der Staatsanwalt hielt diese sonderbare Schlafsucht für die Nachwirkung eines schweren Nervenleidens, an dem seine Schwägerin, die früher Schauspielerin gewesen war, vor ihrer Verheiratung jahrelang gelitten hatte. Dr. Römer, ein besonders durch seine hypnotischen Wunderkuren weit berühmter Arzt, hatte sie damals sehr rasch geheilt, und sie hatte ihm in dankbarer Liebe die HorZeider war dies gemeinsame Leben nur von kurzer Dauer gewesen. Eine Blutvergiftung, die er sich in Ausübung seines Berufes zugezogen hatte, streckte ihn nach wenigen Monaten glücklicher Ehe auf das Totenbett. Der Witwe blieb außer der Erinnerung an den so früh verlorenen Gatten auch eine Vorliebe für die Beschäftigung mit der Heilkunst, deren Macht sie gerade unter seinen Händen so segensreich erfahren hatte. Alle die Jahre nach seinem Tode war sie ihr eigener Arzt gewesen, und während sich ihre schriftstellerische Tätigkeit bisher nur auf Romane sie seit einigen Monaten an einem Werke über Heilkunde, in dem sie ihre persönlichen Erfahrungen zum Besten der Allgemeinheit niederlegen Auch heute schrieb sie bereits fast zwei Stunden daran. als sie durch den Ton der Flurklingel unterbrochen wurde. Sie ging und öffnete. S.. 0 35 BE 8.5 S S 5 S 95 □ — □ □ □ O 9 50 8= 55 2 G 2 0 □ 3 □ □ * 2 S B 6 50 4 5 07 S □ à % S S S O.2 3 O„ * 80 O10 T T0EL * S B OS1 Sat-bE 2 8 2 3 00 3 E 8 8 3 C 8 „Guten Morgen, gnädige Frau,“ rief der Rechtsanwalt Lohmann, indem er artig den Hut zog.„Sie bemühen sich „Wie immer,“ entgegnete sie mit ruhiger Freundlichkeit, „bitte, wollen Sie eintreten.“ Der Rechtsanwalt folgte ihr in den Salon. „Natürlich," antwortele er liebenswürdig spottend,„es ist ja gegen Ihre Grundsätze, sich beim Offnen einer Tür von einem Mitmenschen bedienen zu lassen. Sie verrichtelen am liebsten jede Arbeit selbst. Nicht wahr?“ Die Frau Doktor nickte ernsthaft. „Schade nur,“ fuhr er fort,„daß sich solche Grundsätze nicht durchführen lassen. Wenn Sie Ihrem Mädchen nicht zumuten wollen, die Vorsaaltür zu öffnen, so dürften Sie ihm auch nicht die Reinigung Ihrer Zimmer und Kleider aufbürden.“ „Selbstverständlich,“ erwiderte die junge Witwe mit überlegenem Lächeln.„Aber Sie strapazieren Ihre unwiderlegliche Logik unnötig. Wenn Sie einmal in früher Morgenstunde zu mir kommen, so wird Ihnen meine Bedienung öffnen und Ihnen mitteilen, daß ich noch nicht zu sprechen bin. Jetzt aber bin ich zu sprechen, und meine Bedienung ist nicht mehr zugegen. Es waren also keineswegs meine Grundsätze, es war einfach die Notwendigkeit, die mich zwang, Ihnen persönlich zu öffnen. Genügt Ihnen das als Erklärung und Entschuldigung?"(Fortsetzung foigt). Ein Novellette von L. Zimmer. Häßliches Wetter, naß und kalt. Heulend fährt der Wind um die Straßenecken, klatschend schlagen die Regentropsen gegen die Fensterscheiben. Drinnen aber im Wohnzimmer ist es warm und gemütlich. Im Kamin lodert ein prächtiges Feuer, und in einem bequemen Lehnstuhl davor sitzt Dora und blickt sinnend in die rote Glut. Ein glückliches Lächeln spielt um die rosigen Lippen, ist ja doch morgen ihr Hochzeitstag. Ist es denn möglich, daß ein ganzes Jahr vergangen, seit sie Erich Fellmers Frau wurde? Was für ein Jahr voll Seligkeit.war„es: kein noch so kleines Mißverständnis trübte ihr beiverzeitiges Glück. Sie war fest überzeugt, daß es keinen zweiten Mann auf Erden gab, so lieb und gut und rücksichtsvoll wie Erich. Ein Seufzer entrang sich ihrer Brust. Wenn er nur heute abend hätte zu Hause bleiben können, es wäre so schön gewesen, das vergangene Jahr noch einmal mit ihm in der Erinnerung zu durchleben; sie hatte sich den ganzen Tag schon darauf gefreut. Da mußte aber der unglückselige Brief kommen, der ihn zwang, sie auf einige Stunden allein zu lassen. Einer seiner Freunde, ebenfalls Maler, wie Erich, der in einigen Tagen eine Reise nach Italien antreten wollte, sah sich genötigt, schon heute nacht abzureisen, und nun bat er Erich, sofort zu ihm zu kommen, da er ihm etwas Wichtiges mitzuJetzt erst siel es ihr auf, wie sonderbar es war, daß Erich durchaus den Brief mitnehmen wollte. Er mußte ihn aber wohl verlegt haben, denn trotz des eifrigsten Suchens war er nicht zu finden gewesen. Argerlich war ihr Mann endlich davongegangen. Gelesen hatte sie den Brief nicht, aber Erich hatte ihr den Inhalt mitgeteilt, und sie konnte nicht begreifen, wie er so viel Lärm um nichts machen konnte. Um ihm aber eine Freude zu bereiten, wollte sie noch einmal suchen. Erich hatte, ermüdet vom Arbeiten, in seinem Atelier auf dem Ruhebett gelegen, als der Brief ankam, und sie hatte daneben gesessen und ihm vorgelesen. Vielleicht war der Brief hinter den Divan gefallen. Schnell zündete sie eine Kerze an und begab sich ins Atelier. Wie einsam ihr der große Raum erschien, wenn ihr Schatz nicht da war! Plötzlich fühlte sie eine große Sehnsucht nach ihm in sich aufsteigen. Da war das Ruhebett und da das Kissen, auf dem sein lieber, blonder Kopf gelegen; zärtlich strich sie mit der Hand darüber und drückte ihr weiches Gesichtchen hinein. Lächelnd erinnerte sie sich daran, wie lieb ihr Mann zu ihr gewesen, als sie hier neben ihm gesessen, und wie sie ihn geneckt hatte und gesagt, er wäre noch eben so verliebt wie vor einem Jahre. Und jetzt gestand sie sich verschämt, daß sie selbst nicht viel besser sei. Den Kopf über ihre eigene Torheit schüttelnd, stand sie schnell auf und schob den Divan zur Seite. Richtig, da lag ja der Ausreißer! Nun schnell aber wieder in das gemütliche Wohnzimmer Als sie den Brief dort auf den Tisch legle, sielen ihr die Worte„Deine Frau“ in die Augen. So! Was hatte denn 7 dieser Herr Behrens über sie zu sagen? Ohne zu bedenken, was sie tat, überflog sie die ersten Zeilen. Einen unterdrückten Schrei aussloßend mit weit vorgebeugtem Oberkörper, starrte sie auf das Papier. „Lieber Fellmer! Leider bin ich genötigt, schon heute mit dem Nachtzuge abzureisen. Ich bitte Dich dringend, mich im Laufe des Abends zu besuchen: es handelt sich nämlich um Cora. So sehr mir das liebe Ding ans Her; gewachsen ist, so sehr freue ich mich anderseits, sie loszuwerden, denn ich kann sie doch unmöglich mit mir in Italien herumschleppen; sie ist auch zu verwöhnt. Ich bin Dir sehr dankbar, daß Du sie in Dein Haus nehmen willst. Dir schien sie neulich sehr zu gefallen und Du ihr nicht minder; nach einer halben Stunde saß sie Dir ja bereits auf dem Schoß. Wahrhaftig, Liebe auf den ersten Blick! Heute abend kannst Du sie gleich mit nach Hause nehmen: Deine Frau braucht vorderhand nichts davon zu wissen: Du schmuggelst sie einfach in Dein Atelier hinein. und für diese eine Nacht nimmt Fräulein Cora schon mit dem Sosa vorieb. Auf Wiedersehen! Bebreng. Zweimal. dreimal las sie den Brief durch. die Hände krampfhaft gegen die Schläsen gevreßt. Das Blut stieg ihr glühendheiß ins Gesicht, schwarze Flecke tanzten ihr vor den Augen. Betrogen! Betrogen! Er liebte sie nicht mehr, eine andere hatte ihr sein Herz gestohlen. Sie hatte auf seinen Knien gesessen, und heute noch, vielleicht jetzt schon, brachte er Fort mußte sie von hier; nie wieder wollte sie dem trenlosen Manne in die falschen Augen blicken! Wohin aber? Ja. zu Tante Berta, die Muterstelle an ihr vertreten hatte. An ihrem treuen Herzen wollte sie sich ausweinen und dann Gott bitten, sie bald von dieser Qual zu erlösen. * Soeben ließ die zierliche silberne Uhr auf dem Kaminsims neun Schläge ertönen, als sich die Vorsaaltür der Fellmerschen Wohnung leise öffnete. Vorsichtige Schritte gingen über den Vorsaal. eine Männerstimme sprach leise, beruhigende Worte— dann schloß sich geräuschlos die Tür des Ateliers und alles blieb stumm.„ Einige Augenblicke darauf trat Erich Fellmer, sich vergnügt die Hände reibend, in das Wohnzimmer. Kein Frauchen, das ihm mit offenen Armen entgegensteckt Du?“, Keine, Apt gort Auf dem Tische zwei Briefe. Aha! Freund Behreno Blle# war also doch noch zum Vorschein gekommen. O web! seine Frau hatte ihn doch nicht gelesen? Und dieser zweite Brief? Erstaunt betrachtete ihn Erich von allen Seiten. Das war ja die Handschrift Doras. Was halte das zu bedeuten? „Ich verlasse Dein Haus, um niemals wieder zurückzukehren. Nie werde ich vergeben, was Du mir angetan hast. Ich aehe zu Tante Verta; folge mir nicht: ich könnte Deinen Andlick nicht ertragen. Dara= Wie vom Donner gerührt, stand Erich und starrte auf das Blatt in seiner Hand. Plötzlich kam Leben in die Gestalt: mit einem Satz war er aus dem Zimmer, und krachend fiel die Tür hinter ihm ins Schloß. „Ist meine Frau hier?“ fragte Erich, als er Tanie Bertas Wohnung erreichte. Als seine Frage bejaht wurde, entrang sich ein„Gott Lob“ seinen Livpen..„euert und 8 . D a s a ß s i e i n d e r S o f a e c k e z u s a m m e n g e r a u e r t u n d b e merkte nicht einmal sein Eintreten., 31. den, „Rühr' mich nicht an! Geh' und umurine die andere, (Dora, was soll das heißen! Bist du krank mein Liebling?“ Totenbleich fuhr sie in die Höhe. „Ja, totkrank; mein Herz ist gebrochen.“.. „Aber was geschah, seitdem ich dich allein leß: soll ich dir angetan haben?“ fragte er zärtlich und wollte sie an sich ziehen. Sarderland Siegerland, Waldeck, Oberhessen, Bergisches Land, Ruhrgebiet u. Industriebezirk Anhang: Die Hauptwanderstrecken des S. G. V. 297 Seiten u. 6 Karten Preis M. 2.— Vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus Schwerte-Ruhr 3—5 Grosse Marktstrasse 8—5. Haseren an der Preagstnße gelegeren Bangelände geben wir Läuge...., in verschiedenen Größen zu mäßigem Preise ab. Die Grundstücke haben eine rauchfreie Lage. Die Uebergabe des Straßengeländes ist erfolgt. Auch ist Gas=, Wasserleitung und Kanal vorhanden. Ferner sind noch einige Zweifamilien=Wohnhäuser durch uns zu koufen. Stelbrink& Frage, Baugeschäft Schwerke(Ruhr). Bekanntmachung. Gemäß Nr. 12 der Wahlorbnung für die Wahl der Versicherungsvertreter als Beisitzer des Königl. Versicherungsamtes Hörde=Land(§ 40 der R3O.) werden die für die Wahl aufgestellten gültigen Vorschlagsliste mit ihrer Bezeichnung hierdurch öffentlich bekannt gemacht. Dicke frische 2 Der Vorgeschlagenen Name Beruf Wohnort Arbeitgeber (bei Versicherten) 1. 1] Gustav Lomberg 2* Robert Rüping 3 August Knepper 41 Friedrich Demandt Heinrich Günedler 6 Otto Glässing 7] Friedr. Kogelheide 8! Ernst Höschen 9 Franz Wrede 10 1 Emil Nieland 11 Withelm Hausmann 12 Theodor König 13! W. Stinshoff 14 1Alfred Claus 15 Vernhard Düser 16 Hermann Dressen 17 Fritz Fritzenkötter 18 Fritz Strathoff Vorschlagsliste der Arbeitgeber— Versicherten Vorschlagsliste A 15 Stück 100 Gruben=Inspektor Kaufmann Betriebsführer Konditor Prokurist Fabrikdesitzer Schlossermeister Tiesbauunternehmer Gutspächter Rechnungsführer Bäckermeister Grubenverwalter Gutsbesitzer Prokurist Kaufmann Oberingenieur Gelbgießereibesitzer Bäckermeister 1I. Barop Schüren Aplerbeck Dortmund Schüren Westhofen Annen Opherdicke Barop Eichlinghofen Holzwickede Annen Anstandigt Krate finden mit Morgenkaffee 3401 Kötterbachstr. 20. •* welche eine Trinkhalle auf eigene Rechnung übernimmt, sofort gesucht. D. 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Weser, Bremen durch 3434 Arbeilenachweis Unterweser, Bremen, Nordstraße. 1l August Schlischo 2 Emil Thomas 3 1 Heinrich Koch 41 Wilhelm Dresing 5 Adolf Heppner 6 Ludwig Götte 7] Heinrich Witthaus 8 Emil Putsch 9! Johann Vorschütz 10 Heinrich Götter 11 Albert Rabach 12( Karl Plätzmann 13 Fritz Leßner 14 1 Eduard Kestner 15! Alfred Flasche 16 1 Heinrich Hausmann 17( Emil Gliedt 18 Ludwig Höhborn 1 Hermann Küter 2 Karl Richwin 3 Josef Schmitz 41 Fritz Eckenbach 5 Adolf Helms 6 1 Heinrich Gähner 7! Otto Brell 8 Bernhard Vocke 9 Adolf Löber 10] Heinrich Hauswirth 11! Gustav Harbott 12 Theodor Döblin 13) Fritz Renker 14 Karl Wahlhäuser 15 Josef Reißmann 16 Hermann Höing 17 Max Dräger 18 1 Wilhelm Hofmann 1 1 Ludwig Bitler 2 l Hermann Nagel 3 B. Brandenburg 4] Gustav Boudriot 5 Joh. Penzlak 6 1 Joh. Kramm 7] Ferdinand Sesecke 8 Max Kremin 9 Max Schlüßler 10 Th. Linnhoff 11 Aug. Burghardt 12 1 August Sprenger 13 Karl Nowak 14 1 Albert Braukmann 151 Josef Wölki 16 s H. Strotmann 17 Franz Cordes Löltringbausen Aplerbeck Westhosen Holzwickede Vorschlagslisten der Versicherlen. Vorschlagsliste A. Annen 3479 L. Weinberg. 0 905 05 Sahten OtFON Sute ** c 2 □" 0 □ 10 A** 2 ∆ 0 0 Tapeten! Naturell-Tapeten von 10 Pf. an Gold-Tapeten von 20 Pf. an in den schönsten u. neuesten Mustern. Man verlange kostenfrei Musterbuch Nr. 276. Gebrüder Ziegler, Lüneburg. Bergmann Metallarbeiter Landwirt Bauarbeiter Vergmann Metallarbeiter Landwirt Bauarbeiter Bergmann Schreiner Landwirt Metallarbeiter Kranführer Modellschreiner Schlosser Maurerpolier Bäckergeselle Installateur Vorarbeiter Dreher Vorarbeiter Schlosser Former Modellschlosser Schlosser Vorarbeiter Maurerpolier Kernmacher Wodellschreiner Vorarbeiter Modellschreiner Schlosser Bergmann Schlosser Schmelzer Schlosser Maurer Bergmann Schlosser Maurer Former Schlosser Maurer Schlosser Löter Arbeiter Schlosser Auf dem Schnee Nr. 49 Biltermark Rüdinghausen Menglinghausen Spörkel Eichlinghofen Annen Berghosen Wanne b. Westh. Rüdinghausen Wellinghofen Aplerbeck Annen Wanne b. Westh. Eichlinghofen Annen Vorschlagsliste B. Aplerbeck Schüren Aplerbeck 99 Schüren Aplerbeck Zeche Glückauf. Tiefbau Fried. Krupp, Annen Selbstversich. Landwirt Berghofen Schüren Holzwickede Vorschlagsliste C. Hombruch Annen Schüren Annen Fried. Krupo, Annen Zeche Borussia „ Dorstfeld Annener Gußstahlwerk Selbstoersich. Landwirt Vaupele u. Petermann Zeche Admiral „ Freie Vogel, Unverhofft Ferdinand Neichwald. Annen Selbst versich. Landwüt Fried. Krupp. Annen Freiwilliges Mitglied Westf. Eisen- u. Drahtwerke Glässing& Schollder Maurermstr W Zahn, Aplerbeck Bäckermstr. Jos.Schrödet Gasanstalt Glässing& Schollver Westf. Eisen= u. Drahtwerke Weslf. Stanzwerk Aplerdeck Westf. Eisen= u. Drahlweike Sine enorme Gutswahl in garn. Damen- u. 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Eisen= u. Drahtwerke Baroper Maschinenbau A=G. Annener Gußstahlwerke A.-G. Zeche Holstein Fried. Krupp Stahlwerk Annen Annener Gußstahlwerk A.=G Fried. Krupp Stahlwerk Annen Jos. Lang. Barop Zeche Carlsglück Annener Gußstahlwerk Annen Ferdinand Göbel, Hombruch F. Krupp A=G., Stahlw. Annen Baroper Walzwerk, A.=G. Ernst Baar. Barop Annener Gußstahlwerk A.=G. Goerke& Co., Annen Baroper Walzwerk, A=G. Baroper Maschinenbau A.=G. Haumann u. Rode Baroper Walzwerk A.=E. Baroper Maschinenbau A.=G Glashütte Hoffmann Baroper Walzwerk Baroper Maschinenbau A.G. Doert u. Pleugert Baroper Walzwerk A.=G. Baroper Maschinenbau A G. Glashütte Hoffmann Baroper Walzwerk A.=G. Baropec Maschinenbau A.=G. Glashütte Hoffmann Baroper Walzwerk Baroper Maschinenbau A.=G. Westf. Verb.=Elektriz.=Werk Baroper Walzwerk A.=G. Baroper Maschinenbau A.=G 347: Haben Sie Bedarf in wirklich fachmännisch zuverlässig ausgeführten Telephon-, Klingel-, Türöffner-„ Alarm- und Sicherheits- Anlagen, sowie elektr. 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Frühkonzert wirkt der Quartett- □ □ Verein„Orpheus“ von Hörde, Dirigent □ □ Herr Rummel, mit. □ □— □ □ Eintritt: Frühkonzert 30 Pfg, nachm. □ □ 50 Pig., 10 Karten 3 Mk. □ □„ 0 h Bekaintmachung. Die durch die Bekanntmachung vom 22. April 1914 I. Nr. III 552 anberanmten Termine— für die diesjährige Bullenkörung am 22. Mai 1914 zu Geisecke— Wirtschaft Bährensmann zu Westhofen— Gasthof Wittekindshof zu Holzen— Wirtschaft Mersmann werden hiermit vorläufig aufgehoben. 3507 gez. Luchhaus. Bekanntmachung. Das erste Garde=Feldartillerie=Regiment in Berlin begeht mit Allerhöchster Genehmigung Sr. Majestät des Kaisers und Königs am 12. 13. und 14. Juni 1916 die Feier des hundertjährigen Beslehens. 3508 J. V. gez. von Borries. Bekanntmachung. Auf die in Nr. 15 des Reichs=Gesetz=Blattes für 1914 veröffentlichte Bekanntmachung, enthaltend die vom Bundesrat am 26. März ds. Irs. beschlossenen Bestimmungen über die Gewährung von Aufwandsentschädigungen an Familien für im Reicheheer, in der Marine oder in den Schutztruppen dienenden Söhne, wird hierdurch besonders aufmerksam gemacht. Gemäßz S 1 dieser Besimmangen sollen unter den dort nöher bezeichnelen Voraus)“ z. gahren zurüäckgelegt haben, eine Dienstpflicht genügenden Sohnes erhallen. Die Anträge auf Gewährung der Entschädigung sind nunmehr sofort unter Vorlage der Militärpässe der einzelnen Söhne im hiesigen Amtshause, Zimmer Nr. 5, in den fegesetzten Dienststunden anzubringerz Behanntmachung. Zwangsverkauf. Weuinghofen, den 18. Mai 1914. Der Amtmann: Hartung. Der Schweinemarkt findet von jetzt ab wieder regelmäßig jeden Mittwoch statt. Schwerte, d. 18. Mai 1914. Die Polizei=Verwaltung: 3493 Rohrmann. Bachrsannen gut erhalten, 3511 billig zu verkaufen Carl Kuhl Brückstraße 28. Am Mittwoch, den 20. 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