Se Scuuten Seauer uicen uane ender Feierlags. Bezugsprets M. 1.80 viertel##br'sch, dei der Post für Bestellgeld 42 Pio. gedr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Ikustriertes Homillenfreund“ v. tägl. Unterbaltungsblaft. Anzeigenpreis: Die sedengespaltene Petttzeiloder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen pos nuswarts 15 Pig., Reklomezeile 40 Radatt gllt ols Kassarnbak a. Mtischl— Aon#usen. Zwangsbergleichen, gerichtl. Klagen u. Rotructungk ornact. Jebungstessome. Amtiches Rresblalt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volkablas tar den Kreis wörcn Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Dolkszeilung Verbunden mits Schwerker Tageblatt S Schwerter Anzeiger Erltes und ällenes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupk- Aononcenblan Büdg due und ibetentgüichen Durnd. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung dei Königlichen Regierung durch Verösfentlichung in dei„Schwerter Zettung" rechtsverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt ihres Abonnen. ten für jeden mit Tod ender#ssall geHagunges“: 300 ME Anfall. Druchu Verlago. Carl Braus. Schwerte=Rude Fernsp. 62. Telegr.= Adr. BrauNr. 88. Donnerstag, den 16. April 1914. 46. Jahrgang Erstes Blatt. Kriegsbereitschäft? Das Aufraffen Oesterreichs. Die Konferenz zwischen den Ministern der auswärtigen Angelegenheiten von Oesterreich=Ungarn und Italien, des Grafen Berchtold und des Marquis di San Giuliano, in Abbazia, dem gewiß spätere Beratungen mit dem deutschen Reichskanzler folgen werden, bedeutet ein Aufraffen Oesterreichs und eine Einkehr Italiens in der orientalischen Politik, in der beide Staatswesen hervorragend interessiert sind. Die beiden Minister haben sich zum letzten Male im Herbst 1912 in San Rossore am Hofe des Königs Viktor Emanuel von Italien gesehen. Dieser Zusammenkunft sind die Balkankrioge gefolgt, in denen beide Staatsmänner gerade nicht sehr große Lorbeeren eingeheimst haben. Es ist im Osten gerade nicht so gegangen, wie sie wohl wünschten, und erst am Schlusse haben sie mit dem neuen Fürstentum Albanien den weitgehenden Ansprüchen der Serben und Griechen einen Riegel vorzuschieben gewußt. Der österreichische Leiter der auswärtigen Politik, der als ein Vertrauensmann des Thronfolgers, Erzherzogs Ferdinand, gilt, hat die Energie in der Behandlung der Balkan=Angelegenheiten vermissen lassen, die auf Grund der Dreibund=Verträge hätte ausgeübt werden können. Die russischen Diplomaten nahmen dem österreichischen Einfluß den Wind aus den Segeln und spannten die siegreichen Serben, Bulgaren, Griechen und Montenegriner vor ihren Interessen=Wagen. Auch als der zweite Balkankrieg dem Grafen Berchtold neuen Anlaß zur Einmischung gab, zauderte dieser, und Italien hielt sich seitwärts, weil es erwartete, auf eigene Rechnung mehr erlangen zu können, Beide Aufsassungen waren irrig, und so haben sich die verbündeten Regierungen nach mehrsachen Irrwegen wieder ganz gefunden. Es ist ja bekannt, wie Italiens Verhältnis zu feinem Alliierten, auch zu uns während den Algeziras=Konferenz, keineswegs einwandfrei war; diese Periode darf nun wohl als überwunden erachtet werden, zumal man sich in Wien alle Mühe gegeben hat, bestehende Vorurteile zu zerstreuen. Das entschiedene Zusammengehen Oesterreich= Ungorns und Italiens, hinter denen selbstverständlich das Deutsche Reich steht, ist die Antwort auf die russisch=französischen Manipulationen, die ihren Einfluß im Orient mit aller Gewalt stärken wollten. Rußland ist dort niewals sehr friedfertig aufgetieten, und die Bezwinger Bulgariens im zweiten Ballankriege rechnen zuversichtlich auf die Unterstützung des Zaren, wenn wieder Funken ins Pulversaß fallen sollten. Dies osfene Pulversaß ist vorhanden, mag auch noch so viel vom Frieden gesprochen werden, es besteht aus dem bitteren Haß und dem sanatischen Machthunger der Balkanvölker, Unsere Verbündeten können wirklich dem Frieden dienen, wenn sie ihre Zwecke mit Energie vertreten. Papierne Noten nützen nicht viel, nur tatsächliche Handlungen helfen. Die nordamerikanische Union, die sich von Mexiko seit vielen Monaten an der Nase hat herumführen lassen, nimmt jetzt die Weigerung des Präsidenten Huerta, dem amerikanischen Kriegsschiff„Delphin“ einen Salut zu entbieten, zum Anlaß kriegerischer Maßnahmen. Ob diese über den Rahmen leerer Domonstrationen hinausgehen werden, muß zunächst dahingestellt bleiben. Nach dem bisherigen Verhalten des Präsidenten Wilson sind energische Taten von Washington aus kaum zu erwarten. Die Union ist nicht kriegsbereit und kaum den Mexikanern gewachsen; würde sie aber gegen diese vom Leder ziehen, so könnte es leicht geschehen, daß sich ganz Zentral= und Südamerika gegen den großen Bruder im Norden erhöbe. Vor einigen Tagen hatte bekanntlich die aus Truppen des Präsidenten Huerta bestehende Garnison von Tampico einige Mann der Besatzung des amerikanischen Kriegsschisses„Delphin“ gefangen genommen, die in der Stadt gelandet waren, um Oel an Bord zu nehmen. Auf Vorstellungen aus Washington wurden die Leute, ohne daß ihnen sonst etwas geschehen wäre, wieder freigelassen. Die Unionsregierung begnügte sich damit jedoch nicht, sondern forderte als Genugtuung, daß Präsident Huerta den Kommandanten von Tampico anweise, dem amerikanischen Kanonenboot„Delphin“ einen Salut von 21 Schüssen darzubringen. Die mexikanische Regierung lehnte dies Verlangen als mit ihrer Ehre unvereinbar ab. Als Präsident Wilson, darauf ein kurz befristetes Ultimatum an Mexiko richtete, ließ Huerta durch den Washingtoner Geschäftsträger seine Entschuldigung übermitteln, und erklärte sich bereit, unter gewissen Bedingungen den Salut abzufeuern. Die Unionsregierung bestand auf bedingunglosem Salut und zog aus der Weigerung Mexikos ihre Konsequenzen. Alle Kriegsschiffe der Atlantischen Flotte im Hauptkriegshasen Hampton Roads erhielten Befehl, nach Tampico in See zu gehen. Von New=Orleans und von San Domingo wurden gleichsalls Kriegsschifse nach Tampico beordert und dort im ganzen über 20 große Kriegsfahrzeuge unter dem Oberbesehl des Konteradmirals Badger vereinigt. Das Washingtoner Kriegsdepartement informierte sich eingehend über die Kriegsbereitschaft der Truppen an der mexikanischen Grenze, sowie über die Mittel und Wege, eine entsprechende Streitmacht in mexikanisches Gebiet einrücken zu lassen und ausreichend zu verpflegen. Auch für Truppentransporte zur See nach dem östlichen Mexiko, also in die Gegend von Tampico am mexikanischen Golf, wurden Vorbereitungen getrossen. In Washinton hält man die Lage besonders deshalb für ernst, weil es dem Präsidenten Huerta neuerdings gelungen sein soll, 120 Millionen Mark Bargeld flüssig zu machen. Herr Huerta würde ein Wohltäter der Menschheit werden, wenn er sein Geheimnis, aus nichts Gold zu machen, verriete. Trotz alledem will die Unionsregierung ihre bisherigen Maßnahmen nur als eine Demonstration angesehen wissen, um Huerta zu zwingen, den bisher verweigerten Salut zu leisten. Auch soll vor der Ersreifung weiterer Schritte die Untersuchung wegen der Gefangennahme der„Delphin"=Besatzung fortgesetzt werden. Infolge der Zuspitzung der Lage in Tampico wurde zum Schutze der deutschen Reichsangehörigen daselbst der deutsche Kreuzer„Dresden“ von Veracruz nach Tampico entsandt. Die Rebellen haben sich von Tampico zurückgezogen und die Eisenbahn hinter sich zerstört. Der von ihnen in der Stadt Tampico angerichtete Schaden soll nur gering sein. König Fricdrich August von Sachsen empfing den Reichsschatzsekretär Kühn und zog ihn zur Königlichen Tafel hinzu. Der König hat es dem Schatzselretär also nicht nachgetragen, daß dieser zur Deckung des großen Wehrgesetzes auch direkte, den Bundesstaaten zustehende Steuern in Anspruch nahm. Der Reichsschatzsekretär wird in den nächsten Tagen die Höse von München, Stuttgart und Karlsruhe besuchen. Die Welfen und die Herzogin von Braunschweig. Die hannoverschen Welsen haben in Hannover einen neuen hannoversch=welsichen Verein gegründet und laut„Voss. Ztg.“ nach der Herzogin Viktoria Luise benannt! Vor einigen Tagen hat Herzog Ernst August eine Abordnung des Vereins, bestehend aus dem Vorsitzenden und drei welfischen Mitgliedern, empfangen, die im Namen der cesamten Damen der Vereinigung im herzoglischen Schlosse zu Braunschweig für die junge Herzogin ein prachtvolles Blumenbukett mit Schleife und Widmung, sowie ein Begrüßungsgedicht abgaben. Die Abordnung wurde vom Herzog persönlich und äußerst gnädig empfangen. Oesterreichischer Gegenbesuch in München. Der österreichisch= ungarische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, hat in Vertretung des greisen Kaisers Franz Joseph die Antritts=Visite, die König Ludwig von Bayern nach seiner Thronbesteigung in Wien abstattete, durch einen Gegenbesuch an dem dem österreichischen Kaiserhause eng verwandten Münchener Hofe erwidert. Der Empfang war überaus herzlich; München hatte zu Ehren des hohen Gastos, der Mittwoch nachts im Sonderzuge nach Konopischt zurückreiste, Flaggenschmuck angelegt. Dem preußischen Abgeordnetenhaus, das am Dienstag nächster Woche seine Arbeiten mit der Beratung des Sekundärbahngesetzes wieder aufnimmt, wird sich bald darnach auch mit dem Fideikommißgesetz beschäftigen. Die Herrenhauskommission hat an dem Fideikommißgesetz eine Reihe von Aenderungen vorgenommen, die jedoch von der Regierung gebilligt worden sind. Eine Einschränkung der Fideikommisse wird durch das Gesetz nicht bewirkt. Freiherr Mumm von Schwarzenstein wieder im Dienst. Der langjährige deutsche Botschafter in Peking, Freiherr Mumm von Schwarzenstein, der 1991 an Stelle des im Boxeraufstande ermordeten Freiherrn von Ketteler Gesandter in Peking und 1904 Botschafter in Tokio wurde, nahm bekanntlich seinen Abschied, weil es ihm im fernen Osten nicht mehr gesiel und ihm ein anderer Botschafterposten nicht übertragen werden konnte. Nach Mitteilungen der„Tägl. Rundschau“ ist anzunehmen, daß Freiherr von Mumm gern einen Botschafterposten in Europa übernähme Für den Fall, daß sich ein solcher auch jetzt nicht finden sollte, wäre es wohl möglich, daß er einen anderen Posten auf dem Gebiete des auswärtigen Dienstes des Deutschen Reiches erhielte. Damit scheint gesagt werden zu sollen, daß Freiherr von Mumm Nachfolger des Unterstaatssekretärs im Auswärtigen Amte Zimmermann werden solle, der nach wiederholten Angaben gern Botschafter werden und mit Vorliebe nach Japan gehen würde. Die Heimreise des deutschen Geschwaders. Der chilenische Marineminister gab dem Admiral und den Offizieren des deutschen Geschwaders ein Diner. Die Schiffe wurden von zahlreichen Gesellschaften und den Vereinigungen der deutschen Kolonien in Santiago und Valparaiso besichtigt. Das deutsche Geschwader trat am Montag nachmittag in der Richtung nach Punta Arenas die Heimreise nach Europa an. Vor der Abfahrt dankte der Geschwaderchef den Vertretern der Regierung für die herzliche Aufnahme, die das Geschwader in Santiago und Valparaiso gefunden hat. Die Wiederaufnahme im Disziplinarrecht. Nach Maßgabe der von der Reichsregierung dem Reichstage vorgelegten Novelle zum Disziplinargesetz für Reichsbeamte, durch die das Wiederaufnahmeverfahren zugelassssen werden soll, ist auch von der preußischen Staatsregierung eine derartige Novelle vorbereitet worden. Sie kann dem Landtage aber erst vorgelegt werden, wenn die Vorlage zum Abschluß gelangt ist. Die preußische Beamtengesetznovelle wird sich lediglich auf die Zulassung der Wiederaufnahme im Disziplinarverfahren erstrecken. Weitere Aenderungen sind nicht beabsichtigt, Der verstärkte Gemeinde=Ausschuß des Abgeordnetenhauses hat Bericht erstattet über seine Beratungen zum Antrage Dr. Hahn über die Anlegung von Sparkassenbeständen in Inhaberpapieren. Er beantragt, das Sparkassengesetz dahin abzuändern, daß die öffentlichen preußischen Sparkassen in die Lage versetzt werden, die Einstellung ihres nach dem 1. Januar 1913 angeschafften Pflichtbestandes an Inhaberpapieren in die Bilanz nach dem Anschaffungswerte vorzunehmen, die buchmäßigen Kursverluste solange vom Reservefonds abzuschreiben, als dieser nicht unter zwei Prozent der Einlagen sinkt, die Zinsen des Reservesonds den Jahresüberschüssen hinzuzurechnen. Kein neuer Dreibund. Eine Erfüllung des Wunsches französischer Chauvinisten, England möchte durch seinen Eintritt in den russisch=französischen Zweibund diesen zu einem wirklichen Dreibund erweitern, steht nicht in Aussicht. Es wird einstweilen bei dem herzlichen Einvernehmen Englands zu Rußland und Frankreich sein Bewenden behalten. Die französischen Bemühungen, England durch einen förmlichen Bündnisvertrag dem Zweibund anzugliedern, sind schon alt, haben jedoch bisher zu keinem Erfolge geführt. Wie weit Vereinbarungen darüber getroffen sind, daß England Russen wie Franzosen im Falle eines europäischen Krieges Hilfe zur See zu leisten hat, ist nicht bekannt, jedoch ist die Möglichkeit, daß darüber bestimmte Abmachungen vorliegen, nicht ausgeschlossen. Auch Rußland hat England bereits für ein Bündnis zu gewinnen gesucht. Oesterreich= Ungarn. Die Begegnung von Abbazia zwischen den Ministern des Auswärtigen Oesterreichs und Italiens, dem Grasen Berchtold und dem Marquis di San Giuliano, begrüßen die Blätter Wiens und Roms, die ihren Regierungen nahe stehen, mit bemerkenswerten Artikeln. Es wird die Wichtigkeit des Meinungsaustausches beider Staatsmännner für die Entwicklung Albaniens und die wirtschaftliche Austeilung Kleinasiens hervorgehoben und betont, daß in allen Orientfragen volles Einvernehmen zwischen den beiden verbündeten Staaten bestehe.— Pariser Blätter behaupten, daß der Wille des Dreibundes, die Mittelmeerfrage zu beherrschen, noch nie so deutlich hervorgetreten sei wie gegenwärtig und ganz besonders von Kaiser Wilhelm betätigt werde. Die ungarische Opposition und der Dreibund. Graf Albert Apponyi hat in der Osternummer des „Magyirorzag“ einen Artikel veröfsentlicht, der im Gegensatz zu seinen Parteigenossen seine entschiedene Stellungnahme für den Dreibund in der Gegenwart wie auch in der Zukunft betont. Trotz mancher Nachteile müsse der Dreibund der Mittelpunkt der auswärtigen Politik der Monarchie bleiben, und für die innerpolitische Misere, wie auch für außerpolitische Fehler dürfe nicht das Bündnis mit Deutschland, sondern ausschließlich die Haltung der Regierung Ungarns verantwortlich gemacht werden. Frankreich. In den französischen Wahlkampf hat der bonapartistische Thronprätendent, Prinz Viktor Napoleon, mit einem Schreiben eingegriffen, in dem er behauptet, das parlamentarische Regime müßte Frankreich in kurzer Zeit finanziell ruinieren. Das ist bekanntlich die Meinung sehr vieler Franzosen. Dagegen ist das Häuflein derer nur sehr klein, die von der Wiedereinsetzung der Napoleoniden in die Kaisergewalt, die Prinz Viktor angesichts der bevorstehenden Kammerwahlen als das Allheilmittel für Frankreich empfiehlt, einen wirklichen Gewinn abwarten. Prinz Viktor Napoleon hat daher auf eine Verwirklichung seines sehnlichsten Wunsches nicht zu hoffen, womit nicht gesagt sein soll, daß ein Kaiserreich Frankreich wahrscheinlich auf festeren Füßen stehen würde als die Republik Frankreich. Vom Caillaux=Prozeß. In Lausanne wurde der Bruder der Frau Gueydan, der ersten Gattin Cail= laux's von dem dortigen Untersuchungsrichter kommissarisch verhört. Er erhebt gegen die mehrfach ausgesprochene Verdächtigung, daß er irgend jemand die intimen Briese Caillaux's ausgeliefert habe, entschieden Einspruch. England. Englands Unzufriedenheit mit Amerika hat soeben der englische Botschafter in Washington der dortigen Regierung unverhüllt zum Ausdruck gebracht und gleichzeitig den Schutz der englischen Inveressen in Tampico durch die Unionsregierung gefordert. Es handelte sich dabei insonderheit um die Sicherung der Oelbassins und Petroleumlager, deren Quellen jetzt schon gefährdet seien. Aus Lust am Zerstören und aus Haß gegen alles Ausländische vernichteten die Rebellen die Petroleumlager und verursachten dadurch eine Steigerung des Oelpreises in der ganzen Welt. Große Baumwolladungen, die nach England und Spanien verschickt werden sollten. seien von den mexikanischen Rebellen beschlagnahmt und insolgedessen die betreffenden europäischen Firmen schwer geschädigt worden. Die dilettantenhafte Politik Wilsons und Bryans vereiteln jede vernünstige Lösung der mexikanischen Frage. Serbien. Serbisches Ausrottungssystem. Aus Oestrosub im serbischen Wilajet Kossowo hier eingetrossene Albanesen erzählen, daß die blutigen Ereignisse in jenen Gebieten darauf zurückzuführen seien, daß die Albanesen die Erteilung des Schulunterrichts in ihrer Muttersprache verlangten. Die Serben, die diese Forderung ablehnten und ihnen den Unterricht in serbischer Sprache aufdrängten, verfolgten ein Ausrottungssystem, und hätten in den letzten Tagen über 1000 Häuser der Albanesen zerstört und viele hundert Männer, Frauen und Kinder getötet. Vereinigte Staaten. Bryans Eintreten für die Panamakanalbill. Nach Washingtoner Depeschen steht Wilsons Panamakanalbill über die Aushebung der Vorzugsklausel für die amerikanischen Schiffe fortgesetzt im Vordergrund des politischen Interesses. Staatssekretär Bryan veröffentlicht in der Presse einen dringenden Appell zur Annahme der Panamakanalbill und begründet ihn vor allem damit, daß die diplomatischen Beziehungen der Vereinigten Staaten durch die Durchführung der Gebührenfreiheit für amerikanische Schiffe gestört werden würden. Wilsons Mißerfolg, bemerkt die„Times“, würde nicht allein einen schweren Zusammenbruch der demokratischen Partei, sondern wahrscheinlich auch die Rückkehr Roosevelts ins„Weiße Haus“ bedeuten. China. Der starke Mann in China. Der Präsident der Republik China, Juanschikai, ist jetzt der Alleinherrscher des Reiches der Mitte geworden, nachdem ihn die von ihm eingesetzte Kommission zur Revision der Verfassung dazu gemacht hat. Die Kommission hat soeben ihre Arbeiten beendet, und Juanschikai hat keinen Augenblick gezögert, die autokratische Regierung anzutreten. Natürlich werden nun im Süden Chinas neue Stürme losbrechen; wenn aber einer, so ist Juanschikai der Mann, jede revolutionäre Bewegung im Keime zu ersticken. Als er im Oktober v. J. zum Präsidenten der Republik China gewählt worden war, begrüßte ihn das Organ des deutschen Reichskanzlers mit aufrichtigen Glückwünschen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es Juanschikai vergönnt sein werde, die schwierigen Aufgaben, die in seine starke und kluge Hand gelegt seien, zum Segen Chinas zu lösen. —— Bethmann und Hertling. Der Reichskanzler hat, obwohl seine Zeit sehr gemessen ist, die Reise nach Korfu so eingerichtet, daß er in München einige Stunden mit dem leitenden Minister des zweitgrößten deutschen Bundesstaates zusammen sein konnte. Graf Hertling hat, von seiner Auslegung des Jesuitengesetzes abgesehen, Herrn von Bethmann=Hollweg noch keine besonderen Schwierigkeiten bereitet. Es läßt sich mit ihm wohl auskommen; unter Umständen, weil das Zentrum in Bayern die herrschende Partei ist, sogar besser, als mit einem liberalen bayerischen Ministerpräsidenten. Unumgängliche Voraussetzung dafür ist aber, daß zwischen dem Reichskanzler und dem Reichstags=Zentrum gute Beziehungen bestehen. Ueber die Erhaltung dieser Beziehungen und damit auch über die Jesuitenfrage hat der Reichkanzler zweisellos mit dem Grafen Hertling gesprochen. In dieser Hinsicht können wir folgendes feststellen: Irgend ein Antrag eines Bundesstaates zur Jesuitenfrage liegt dem Bundesrat gegenwärtig nicht vor. Der Bundesrat hat sich auch seit Jahr und Tag mit dieser Frage nicht mehr beschäftigt. Angenommen wird aber, daß der Reichskanzler, um dem Zentrum gefällig zu sein, etwas für die Jesuiten zu tun gedenkt, daß er jedoch damit noch einige Zeit warten möchte. Es hat ihm daran gelegen, sich des Einverständnisses des bayerischen Ministerpräsidenten in dieser Sache zu versichern. — us Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 16. April. *e(Bevölkerungsvorgänge in Preußen 1912/13.) Wie die Statistische Korrespondenz mitteilt, wurden in Preußen im Jahre 1912 ermittelt: 1 222 168 Geburten und 672228 Sterbefälle— einschließlich 35 925 Totgeburten— sowie 328 340 Eheschließungen. Im Jahre 1913 sind nach den vorläufigen Ermittelungen geboren 1 206 775(einschließlich 35 860 Totgeburten) und gestorben 656 066 Personen(mit Totgeburten). Die Zahl der Eheschließungen trägt 323 717. Eine besonders auffällige Erscheinung in den Jahren 1909 bis 1912 ist die abnehmende Zahl der Geburten bei steigender Ehefrequenz. Es ist also erwiesen, daß die eheliche Fruchtbarkeit in einer nicht unerheblichen Abnahme begriffen ist. **(Die Einteilung des deutschen Eisenbahnnetzes im Kriegsfalle.) Das deutsche Eisenbahnnetz ist für die Zwecke der Kriegsverwaltung nach der MilitärTransportordnung in Linien eingeteilt. Die einzelnen Linien werden mit großen Buchstaben bezeichnet, die von A bis I gehen. Mit dem 1. April ist eine neue Ausstellung eingeführt worden. Die Sitze der Linien=Kommandanturen befinden sich in Hannover, Münster, Frankfurt a. M., Kassel, Dresden, Karlsruhe, Posen, Köln, Altona, München, Nürnberg, Breslau, Berlin, Königsberg, Mainz, Ludwigshasen, Elberfeld, Bromberg, Saarbrücken, Magdeburg, Halle, Danzig, Stuttgart, Stettin und Erfurt. In Preußen entspricht der Bezirk einer Kommandantur im allgemeinen dem einer Eisenbahndirektion. Nur sind Elberseld und Essen vereinigt. Die oldenburgischen Eisenbahnen gehören zu Münster, die mecklenburgischen zu Altona. **(Westfälischer Feuerwehr=Verband.) In den Tagen vom 19. bis 22. April wird in unserer Stadt im„Westfälischen Hof“ ein Führerkursus abgehalten, für den folgendes Programm aufgestellt ist: Sonntag den 19. April 1914, 3½ Uhr: Uebung der Ortswehr, daran anschließend Zusammensein der Teilnehmer des Kursus mit der Ortswehr, Besprechung der Uebung.— Montag den 20. April 1914, 8½—12½ Uhr: Organisation, Rechte und Pflichten der Feuerwehr, Unfall= und HaftpflichtVersicherung. 2½—6 Uhr: Vorgehen bei Bränden, Rettungs= und Almungsapparate.— Dienstag den 21. April 1914, 8½—12½ Uhr: Wasserbeschaffung für Feuerlöschzwecke, Ober= und Unterslur=Hydranten, Schläuche, Verschraubungen und Kuppelungen. 2½—6 Uhr: Für die Feuerwehr gefährliche Bauweisen, Unfallverhütung, Feuerverhütung, Feuermeldung, Alarmierung, Starkstromleitung.— Mittwoch den 22. April 1914, 8½—12½ Uhr: Gerätehaus, Gerätebau, Geräteunterhaltung. Nachmittags: Besichtigung der Einrichtung und Ausrüstung der Berufsfeuerwehr in Hagen. Der Kursus wird von Branddirektor Modersohn, dem 2. Vorsitzenden des Westsälischen Verbandes, geleitet. *(Städtischer Vogelschutz.) Die Gartenverwaltung in Wiesbaden ist in Bezug auf Vogelpflege mustergültig und nachahmenswert. Sie hat im vergangenen Jahre, das für das Brutgeschäft der Vögel sehr ungünstig war, viel getan, um ihnen über widrige Perioden hinwegzuhelfen. Es wurden in Anlagen, Weinbergen, auf Friedhösen und im Walde 800 Nisthöhlen angebracht, von denen mehr als 700 besetzt waren. Es zeigte sich darauf ein besonders starker Zuwachs an Singdrosseln und Meisen, Gefüttert wurde im letzten Winter an 22 Stellen, und die Summe, die man für Futtermittel ausgab, betrug 390 Mark. Der Erfolg zeigte sich aber bald, denn schon im Februar hatten die kleinen Sänger ihr Hochzeitskleid angelegt und sangen auf allen Wegen. **(Von der Gewerbebank.) Nach dem Jahresbericht der hiesigen Gewerbebank hat sich das im Jahre 1906 ins Leben gerufene Unternehmen auch im Geschäftsjahr 1913 weiter günstig entwickelt. Der Geschäftsumsatz stieg von 6589 244.19 Mark im Jahre 1912 auf 7 546 560.65 Mark, während sich der Reingewinn auf 7264.91 Mark stellt gegen 3059.40 Mark im Vorjahre. Das Bankguthaben bei der Westsälischen Genossenschaftsbank in Münster hat eine Höhe von 14 589.55 Mark erreicht, die Rücklagen eine solche von 13504.28 Mark. Weiter gestaltete sich der Geschäftsverkehr bei der Bank wie folgt: Einlagen in lausender Rechnung: 46 815.38 Mark(40 892.54 Mark im Vorjahre), Scheckeinlagen 65 624.60 Mark(65 909.24 Mark), Wechselbestand 152 180.98 Mark(122 224.06 Mark), Ausleihungen in laufender Rechnung 91 995.33 Mark(100633.21 Mark). Die Zahl der Mitglieder ist von 54 bei der Gründung im Jahre 1906 auf 131 gestiegen; im gleichen Zeitraum stieg das Geschäftsguthaben von 8880 Mark auf 30 768.98 Mark, während sich die Hastsumme für die 155 Anteile der Mitglieder auf 46 500 Mark stellte. Vorstand und Aussichtsrat bringen auch für dieses Jahr wieder die Verteilung einer Dividende von vier Prozent in Vorschlag. **(Die diesjährigen Divisionsmanöver) der 13. Division(Münster) finden, wie gemeldet wird, in der Umgegend von Hamm statt. Nach Beendigung der Divisionsmanöver nehmen die Truppen am Kaisermanöver teil. Die näheren Bestimmungen sind noch nicht bekannt gegeben. **(Die Einführung der Königlichen Polizei im Industriegebiet) macht von Jahr zu Jahr weitere Fortschritte. Mit dem Anfang des laufenden Monats hat die königliche Polizei in Wattenscheid ihren Einzug gehalten und auch für Leithe und Westerfeld das Meldewesen übemommen. Der neue Polizeibezirk Wattenscheid gehört zum Polizeipräsidium in Gelsenkirchen. Die früheren Wattenscheider kommunalen Polizeibeamten sind bis auf wenige ältere in den Dienst der königlichen Polizei übernommen worden, aber nur einer von ihnen ist in Wattenscheid geblieben; es wurde ein vollständiger Personenwechsel vorgenommen. Im mittleren Teil des Industriegebiets, in den Bezirken Bochum, Herne, Gelsenkirchen, Wattenscheid, Essen und Oberhausen ist nunmehr die Einführung der königlichen Polizei fast vollständig durchgeführt. *e(Postpersonalien.) Die Postassistenten Jackenkroll und Hönninger sind von Hagen bezw. Soest an das hiesige Postamt und Hübner von hier nach Fröndenberg versetzt worden. **(Westfälischer Städtetag.) Der diesjährige 36. Westfälische Städtetag wird auf Einladung der Stadt Bochum voraussichtlich am Freitag den 3. und Samstag den 4. Juli in Bochum stattfinden. Als Hauptvortragsthemata sind in Aussicht genommen: Oeffentliche Straßenbeleuchtung; die TuberkuloseFürsorge einer Mittelstadt; der Straßenbau, seine Entwicklung und Bedeutung. *(Theater.) Eine Neuigkeit, welche unser theaterliebendes Publikum mit großem Interesse begrüßen wird, sind wir in der Lage, heute bekanntgeben zu können. Das in vielen westfälischen Städten, wie z. B. Recklinghausen, Hamm, Herne, Wanne usw., als die vornehmste reisende Theatergesellschaft gepriesene Ensemble S. Redlich(20 Personen) hat für viele Städte den neuesten Schlager des Thalia=Theaters in Berlin angekauft, und beabsichtigt, dieses Stück, das den vielversprechenden Titel„Die Tangoprinzessin“ führt, auch bei uns aufzuführen, und zwar am Mittwoch den 22. April. Der Berliner„Börsen=Courier“, schreibt über das Gesangstück: Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Mehr als die gewohnte Zeit beanspruchte gestern das neue Ausstattungsstück des ThaliaTheaters und mehr als die gewohnte Zeit wird es allem Anschein nach für seine Wiederholungen in Anspruch nehmen. Die„Tangoprinzessin“ ist von recht dauernder Konstitution, hielt bei der Premiere bis in die späte Nachtstunde lustig aus und wird sicher während des ganzen Jahres 1914 sich ihres Lebens erfreuen.— So diese Zeitung; ihre Voraussage hat sich erfüllt, denn allabendlich übt die „Tangoprinzessin“ ihre Zugkrast aus, und nicht nur in Berlin, auch das Ensemble Redlich hat damit in vielen Städten reiche Erfolge erzielt. **(Verbrüht.) Das zirka dreijährige Söhnchen eines in der Kuhstraße wohnenden Bahnbeamten hat sich gestern mit kochendem Wasser schwer verbrüht. Der Kleine war auf einen neben dem Ofen stehenden Stuhl geklettert und fiel von demselben herunter. Hierbei stieß er einen auf dem Ofen stehenden, mit kochendem Wasser gefüllten Kessel um, sodaß sich der Inhalt über Kopf und Schultern des Knaben ergoß. Die Verletzungen sind derart schwer, daß das Kind dem Krankenhause zugeführt werden mußte. **(Olympiade 1916.) Den kürzlich stattgesundenen Waldläusen werden am 3. Mai d. J. in allen Gegenden Deutschlands zur weiteren Vorbereitung für 1916 sich Erstlingskämpfe in Läufen über 100, 200, 400, 800, 1500 und 7500 Metern, Hochspringen, Weitspringen, Stabhochspringen, Speerwerfen, Diskuswerfen und Kugelstoßen anreihen. Für die hiesige Gegend finden diese Kämpfe in Schwerte am „Schützenhof“ statt. Dortselbst erfolgen auch von jetzt ab jeden Dienstag und Donnerstag nachmittag ab 6 Uhr und Sonntags ab 4 Uhr gemeinsame Uebungen in sämtlichen leichtathletischen Sportarten. Jedermann darf an diesen Uebunden teilnehmen. Eine Versammlung am nächsten Sonntag nachmittag 3½ Uhr im„Schützenhof“ zu der die Vertreter von allen Körperpflege treibenden Vereinen aus Schwerte und Umgegend(Turnvereine, Sportvereine, Psadfinder=Korps usw.) eingeladen sind, wird sich mit den erforderlichen Vorbereitungen für die Erstlingskämpfe befassen. **(Der alte Friedhof) an der Bahnhofstraße, auf dem schon seit langem keine Beerdigungen mehr vorgenommen werden, soll jetzt endgültig geschlossen und auch an der Südseite mit einer Mauer umgeben werden. Die Kosten hierfür belaufen sich auf zirka 3200 Mark, welche von den kirchlichen Gemeinden im Verhältnis der Seelenzahl aufgebracht werden; darnach entfallen auf die größere evangelische Gemeinde 1600 Mark, auf die reformierte und die katholische Gemeinde je 800 Mark. ** Garenfeld, 15. April.(In der letzten Sitzung des Schulvorstandes) wurde u. a. folgendes beschlossen: Die wiedergewählten und bestätigten Schulvorsteher wurden vom Vorsitzenden auf ihre frühere Verpflichtung hingewiesen und eingeführt.— Den an den öffentlichen Schulen der Gemeinde Garenfeld endgültig oder einstweilig angestellten oder auftrags= oder vertretungsweise beschäftigten Lehrern und Lehrerinnen, soweit sie nach den Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung der Krankenversicherungspflicht unterliegen, wird in Krankheitssällen vom ersten Tage der Erkrankung ab für die Dauer von 26 Wochen für jeden ärztlich bescheinigten Krankheitstag einschließlich der Sonn= und Festtage ein Betrag in Höhe des anderthalbfachen Krankengeldes zugesichert, soweit ihnen nicht mindestens dieser Betrag an Gehalt, Ruhegeld oder Wartegeld zusteht.— Die Wohnung im Schulhause soll auf zwei Lehrer verteilt werden, und zwar soll der auftragsweise beschäftigte Lehrer zwei Zimmer erhalten. Garten und Hofraum erhält der erste Lehrer.— Die erforderlichen Reparaturen an der Lehrerwohnung sollen alsbald ausgeführt werden. Das Nähere hierüber wurde einer Kommission übertragen. ** Syburg, 15. April.(Festgenommen) von dem Fußgendarmerie=Wachtmeister Trottner zu Schwerte wurde der Arbeiter Frdr. Wilke. Er soll sich wegen Brandstiftung(Stallung Schröer) und Diebstahls zu verantworten haben und wurde deshalb dem Amtsgericht Schwerte zugeführt. —— Luftschiffahrt. Gefährliche Künste. Zu dem Fliegerunglück auf dem Flugplatz Aspern wird noch gemeldet: Mehrere französische Flieger warteten mit Flugkunststückchen auf. Schließlich stieg der Flieger Lemoine mit dem Fallschirmkünstler Bourhis auf. Dieser sollte aus 400 Meter Höhe mit dem Fallschirm zur Erde herabgehen. Als Lemoine diese Höhe erreicht hatte, sah man Bourhis sich vom Passagiersitz erheben, den Fallschirm ergreifen und in die Luft springen. Der Fallschirm blähte sich nur zur Hälfte auf, zwei Schnüre waren am Höhensteuer der Flugmaschine hängen geblieben und ein Teil des Höhensteuers brach ab. Der Fallschirm hatte dabei einen Riß erhalten. Bourhis kam mit dem Fallschirm sehr rasch zur Erde nieder, wo er bewußtlos liegen blieb. Lemoine hatte durch die Beschädigung des Höhensteuers die Herrschaft über den Apparat verloren. Trotz verzweifelten Anstrengungen kam es zu einem Sturz. Der Apparat begrub den Flieger unter seinen Trümmern. Lemoine wurde lebensgefährlich verletzt; er soll einen Bruch der Schädelbasis erlitten haben, ferner einen Armund einen Beinbruch. Bourhis ist leichter verletzt, er hat eine Wunde in der Lendengegend und andere Verletzungen, die jedoch nicht gefährlich sind. —— Westfalen und Rheinland. * Hamm, 15. April.(Aus dem Zuge ge stürzt.) Gestern abend stürzte aus dem 8.24 Uhr von Wanne kommenden Eilzuge ein etwa drei bis vier Jahre altes Kind. Es trug schwere Verletzungen davon. Ein Arzt, der im Zuge anwesend war, leistete die erste Hilfe. In Hamm wurde das Kind dem Krankenhause übergeben. * Meinerzhagen, 15. April.(Einen seltsamen Beschluß) saßte in ihrer letzten Sitzung die hiesige Gemeindevertretung; sie glaubte, von dem Beitritt zum Verein für Heimatschutz im Sauerlande Abstand nehmen zu sollen! Ausgerechnet Meinerzhagen! * Siegen, 15. April.(Die Schafzucht,) die vor etwa 30 bis 40 Jahren im Siegerlande stark getrieben wurde, seit dieser Zeit aber stets zurückging, beginnt wieder aufzuleben, da sie bei der Genügsamkeit der Tiere und den guten Preisen, die jetzt gezahlt werden(27—30 Mark für halbjährige Lämmer), gewinnreich erscheint. Hier und da haben sich schon Schafzuchtgenossenschaften gebildet, um den Weidegang der Tiere zu sichern, ohne den die Schafzucht nicht möglich ist. Die Beschränkung des Weidegangs, namentlich das Weideverbot in den Haubergen, waren die Ursachen des Niedergangs der Schafzucht. Allmählich gehen die Gemeinden dazu über, den Weidegang in den Haubergen wieder zu gestatten, namentlich dort, wo diese mit Tannen aufgeforstet wurden. Hier läßt man die Schafe sogar gern weiden, da sie Gestrüpp und Gras zwischen den jungen Bäumchen wegfressen und ihnen so Licht und Luft verschaffen. Bemerkenswert ist, daß mit der Zunahme der Schafzucht das Birkwild im Kreise zurückgeht. Vor 40 Jahren gab es kaum Birkwild im Siegerlande, das sich aber immer häufiger einstellte, je mehr die Schafzucht in den Haubergen abkam. Jetzt nimmt das Federwild wieder ab, weil die weidenden Schafe in den Haubergen die Gelege zertreten. * Brilon, 15. April.(Diebstahl in einer Postagentur.) Vor kurzem wurde in der Postagentur in Messinghausen eingebrochen, und es wurden 250 Mark in bar und Marken entwendet. Als Täter kommt der Abonnentensammler des „Westsälischen Volksblatt", Ewald=Paderborn, in Frage, der jetzt verhaftet worden ist. Ein unter gleichen Umständen ausgeführter Diebstahl wurde im vergangenen Jahre bei'der Post in Hesborn verübt. Damals vermutete man auch in Ewald den Täter. * Duisburg, 15. April.(Zwei Taschen= diebe verhaftet.) Am zweiten Osterseiertage wurde auf dem hiesigen Bahnhof einem Herrn aus Oberhausen seine Geldbörse mit 140 Mark Inhalt aus der Tasche gezogen. Die Täter wurden in der Königstraße ergriffen. Es sind die schon wegen Taschendiebstahls vorbestraften Schlosser Torwester und Arbeiter Schlich. * Essen, 15. April.(Die verewigte „Essenträgerin".) Man beabsichtigt, im Stadtteile Altendorf, der bisher noch ohne Denkmal ist, eine der bekanntesten Figuren im Straßenleben der Industriestädte, die„Essenträgerin", im Steine zu verewigen. Da der Stadtteil Altendorf sast ausschließlich von Arbeitern bewohnt ist, erscheint dieser Gedanke recht glücklich. Der Düsseldorfer Bildhauer Körschgen, von dem auch die Figuren an der Alfredstraßenbrücke herrühren, hat auf Veranlassung der Stadtverwaltung einen entspechenden Entwurf für das Denkmal geschafsen, der eine von ihren beiden kleinen Kindern begleitete Arbeiterfrau zeigt, die ihrem auf der Fabrik beschäftigen Manne das Mittagessen bringt. Die Mittel zur Errichtung der Schmuckanlage sollen durch freiwillige Spenden aufgebracht werden. * Barmen, 15. April.(Anschuldig des Mordes verdächtigt.) Ein junges Mädchen aus der Oehde wurde als Leiche aus der Wupper gezogen. Unter dem Verdacht, das Mädchen in den zurzeit hochgehenden Fluß geworfen, sich also des Mordes schuldig gemacht zu haben, wurde ein Anstm icher aus Langerfeldt verhaftet. Die Untersuchung ergab indes seine Unschuld. Aus einem Briese, der in der Wohnung des Mädchens gefunden wurde, ging unzweifelhafther vor, daß das Mädchen freiwillig den Tod gesucht hat. Natürlich wurde der grundlos Verdächtigte sofort aus der Haft entlassen. * Elberfeld, 15. April.(Blutiger Streit.) In einer Weinwirtschaft entstand heute unter Gästen ein Wortwechsel, in den sich ein daran völlig unbeteiligter Volksschullehrer aus Gelsenkirchen einmischte. Aus Aerger hierüber zog ein Wirtschaftsgehilse aus Dahlhausen a. d. Wupper einen Revolver und schoß den Lehrer in den Kopf. Die Kugel hat den Unterkieser zerschmettert und ist in der Wirbelsäule stecken geblieben. Bis jetzt konnte sie im Krankenhause, wohin der Verletzte gebracht wurde, noch nicht entsernt werden. Der Täter wurde verhaftet. * Mülheim a. Nh., 15. April.(Mordversuch und Selbstmord.) Gestern morgen seuerte im Hause Windmühlenstraße 108 ein Kostgänger auf das Dienstmädchen Hehn mehrere Revolverschüsse ab und verletzte es schwer. Dann tötete er sich selbst durch einen Schuß in die Brust. Der Grund der Tat ist verschmähte Liebe. * Köln, 15. April.(Ein folgenschweres Schneeballduell.) Am 2. Januar amüsierten sich ein Glasarbeiter Peter G, und ein Donnerstag, 16. April 1914. Nr. 88. Beilage. Der Düppelsturm. Am 18. April jährt sich zum fünfzigsten Male der Ruhmestag, an welchem die preußischen Truppen unter dem Oberbesehl des Punzen Friedrich Karl von Preußen, des späteren Eroberers von Metz, und unter Führung der Generale von Göben und von Manstein die(1881) abgetragenen Düppeler Schanzen eroberten. Das aus zehn Fortisikationen bestehende Werk war 1848 von Dänemark als Zwingstellung in Schleswig gegenüber der Insel Alsen an dem Ostseebusen Wenningbund hergestellt worden und bot 1864 mit drei hinter den Schanzen liegenden Besestigungen, dem Brückenkopf der Schiffbrücke nach Sonderburg und der Insel Alsen selbst eine viersache Verteidigungsstellung, die wohl dem heutigen Artilleriewesen nicht standhalten könnte, aber damals eine sehr bedeut ame Festungsanlage bedeutete. Jedenfalls trotzten die Dänen darauf und lehnten alle Friedensvorschläge Preußens und Oesterreichs in dem seit dem 1. Februar 1864 begonnenen Kriege ab. Nur ein wirklicher Erfolg konnte diesen Trotz brechen, und so ward denn die Erstürmung der Schanzen beschlossen, der auch der Kronprinz Friedrich Wilhelm, der nachmalige Kaiser Friedrich, beiwohnte. Es war die erste größere Waffentat der von dem alten König Wilhelm neuorganisierten preußischen Armee. Im Gebiet von Düppel standen etwa 23.000 Dänen, die dorthin ihre ganze militärische Macht zusammengezogen hatten, 20000 Preußen gegenüber. Seit dem 28. März, dem zweiten Osterfeiertage 1864, war mit dem Bau von Laufgräben begonnen; auf ausdrücklichen Besehl des Königs selbst wurden drei Trancheen ausgehoben, um den Schanzen so nahe wie möglich zu kommen und dadurch den Menschenrerlust bei einem Sturrn tunlichst zu vermindern. Die Dänen, die von ihrem Könige Chr.stian besucht worden waren, hatten den festen Entschluß zum äußersten Widerstande gesaßt. Die zehn Schanzen waren gut mit Geschützen ausgerüstet, sie standen zudem unter der Wirkung der Batterien des Brückenkopses, und von der See half ihnen der dänische Panzer Rolf Krake, dem auf deutscher Seite kein ähnliches Schifs entgegengestellt werden konnte. Sie waren geschützt durch zwölf Fuß breite und zwanzig Fuß tiefe Gräben, Eggen, Wolfsgruben, Drahtnetze usw. Seit dem 17. April unterhielten 94 Belagerungsgeschütze ein ununterbrochenes Bombardement auf die Festungswerke, die aber dadurch doch nicht so mitgenommen wurden, daß für die Sturmkolonnen die schwierigste Arbeit fortfiel. Sechs Sturmkolonnen waren in den Laufgräben gebildet, die wegen des Terrains nur in Zugfront vorgehen konnten. Elf Bataillone Infanterie, begleitet von fünf Kompagnien Pionieren, welche die Hindernisse beseitigen und die Furchen mit Heubündeln und Faschinen ausfüllen sollten, sowie von Artillerie=Abteilungen, welche die Geschütze in den Schanzen unbrauchbar zu machen bestimmt waren, hatten die schwere Arbeit zu leisten. Zugute kam ihnen, daß die Dänen an einen Sturmangriff bei hellem Tage nicht glauben wollten und daher meist mit Abkochen beschäftigt waren, als der Tanz begann, und daß die seindlichen Geschütze zu kurz gerichtet wurden. Vor allem nützte aber die mit kolossaler Schnelligkeit durchgeführte Erstürmung. Punkt zehn Uhr vormittags am 18. April schwieg der Kanonendonner auf deutscher Seite, und im selben Augenblick brachen die Sturmkolonnen mit flatternden Fahnen, brausendem Hurra, dröhnenden Trommeln zum Angriff vor. Zugleich spielten im zweiten Laufgraben vier brandenburgische In terie=Kapellen unter dem Musikdirektor Piefte den Schwerter Heitung. Amtliches Kreisblatt - A ∆ 9205 KS T-— Sa ereiche SE Die Düppeler Schanzen nach der E. Bturmung. *( N a c h e i n e r z e i t g e n ö s s i s c h e n p h o t o g r a p h i s c h e n A u f n a h m e.) von diesem für den denkwürdigen Tag komponierten Sturmmarsch. Ohne Aufenthalt, unter einem wahren Höllenseuer von Geschützen und Gewehren ging es in dem wunderschönen Frühlingsmorgen vorwärts, stürzte, was stürzte. Schon fünf Minuten nach zehn Uhr wehte auf Schanze 1 die erste deutsche Jahne, und in etwa vierzig Minuten waren die zehn Schanzen in deutschem Besitz. Verschiedentlich machten dänische Offiziere den Versuch, die Pulverkammer in die Luft zu sprengen, doch konnte das Vorhaben verhindert werden. Zu einem wütenden Ringen Mann gegen Mann kam es namentlich in den Schanzen zwei und vier, die von dem Leutnant Anker resp. von dem Kapitän Sundbye besehligt wurden. Der Durchbruch der Palisarden bei Schanze 2 war schwer zu ermöglichen, und so entzündete der Unteroffizier Lademann von den dritten Pionieren einen Sack mit 30 Pfund Pulver, den der Pionier Kitto gegen die Palisaden warf. Die beiden kühnen Männer kamen mit dem Leben davon. Unteroffizier Lademann, der als Generalmajor und Gouverneur von Küstrin 1898 den Abschied nahm, lebt heute noch, während ein anderer Pionier, namens Klinke, das Leben einbüßte. Der dänische Leutnant Anker mußte sich ergeben, erhielt aber seinen Degen zurück. Die Kampfwut war auf beiden Seiten so groß, doß die Gegner noch auf der Erde miteinander rangen und sich die Waffen in den Leib bohrten. Inzwischen war es den deutschen Strand=Batterien gelungen, den Rolf Krake zum Rückzuge zu zwingen, dagegen machte sich das dänische Geschützfeuer vom Brückenkopf und von der Insel Alsen her empfindlich bemerklich. Die aus den Schanzen herausgrschlagenen, freilich sehr stark mitgenommenen Dänen zogen sich standhaft und mit Festigkeit nach der Schiffsbrücke zurück, doch ersolgte nunmehr von der Insel Alsen her ein energischer Vorstoß der Hauptmacht, den General von Manstein mit einem allgemeinen Avancieren beantwortete. Der Feind wurde geschlagen, aber es war klar, daß ohne den Besitz des Brückenkopses der Sieg nur ein halber war, weil unter dem Geschützseuer dieser Stellung die Schanzen nicht zu halten waren. Mit einer durch die bisherigen Erfolge noch gesteigerten Bravour warfen sich die Düppelstürmer auf diese letzte dänische Stellung auf dem schleswig=holsteinischen Festland und besetzten sie trotz des hartnäckigen Widerstandes. Um zwei Uhr nachmittags waren die Dänen nach Alsen vertrieben. Die Einnahme dieser Insel ersolgte erst zwei Monate später, da sich an den Düppelsturm die Friedens=Konferenz von London anschloß, die vergeblich blieb. Der preußische Verlust betrug 17 Offiziere, 246 Mann tot, 54 Offiziere, 884 Mann verwundet. Die Dänen hatten 500 Tote, 1400 Verwundete, mehrere Tausende Gesangene, einen Gesamtverlust von 5250 Mann. Unmittelbar nach dem Schlachttage kam König Wilhelm mit Bismarck von Berlin nach Düppel, um seinen Soldaten für ihre Tapferkeit zu danken, die in der ganzen europäischen Presse gerühmt wurde. Man hatte von der neu reorganisierten Arme König Wilhelms wenig erwartet, umso bezwingender war diese Glanzleistung, die ohne dem gewaltigen Ungestüm des Sturmes viel schwerere Verluste gebracht hätte. Zu der hohen persönlichen Tapferkeit kam die Ueberlegenheit der Waffen, der neuen Dreyseschen Zündnadelgewehre, bei den Preußen in diesem Feldzuge. Geschlagen haben sich indessen auch die Dänen, wie schon erwähnt, vortrefflich. Es herrschte überhaupt 1864 eine nicht zu verkennende Kameradschaftlichkeit, und bevor es bei Düppel ernst wurde, verkehrten die Gegner auf Vorposten ganz gemütlich miteinander. Westfalen und * Haspe, 15. April.(Tod durch Elektri zität) Gestern morgen kam auf einem hiesigen Werk ein Arbeiter an der Schalttafel der Starkstromleitung zu nahe und wurde sofort getötet. * Arnsberg, 14. April.(Die 100jährige dicke Eiche) bei Niedereimer wäre dieser Tag fast ein Raub der Flammen geworden. In ihrem Stamme befindet sich ein mannshohes Loch. Der Stamm selbst, der einen Meter über dem Boden gemessen einen Umsang von 9,40 Metern hat, ist gänzlich hohl. Die Innenschichten des Baumes sind versault, und es brannte der Abfall. Kinder hatten in nächster Nähe des Baumes ein Feuerchen angemacht. Die Funken flogen in den Baum, und nur dem Umstande, daß rechtzeitig Erwachsene hinzukamen, ist es zu verdanken, daß die alte Eiche heute noch weiter lebt. Welchen Wert man auf die Erhaltung des Baumes legt, erhellt daraus, daß man aus Staatsmitteln 100 Mark für die Zumauerung des vorerwähnten Loches bewilligt hat. Die Zumauerung ist schon seit längerer Zeit beschlossen, aber noch nicht ausgeführt worden. Jetzt wird man wohl die erforderlichen Schritte tun. Balve, 15. April.(Fischzucht im Sauerlande.) In dem letzten Jahre haben die Fischereivereine des Sauerlandes, wie in den Jahren vorher, mit dem planmäßigen Aussetzen der Bachforellenbrut fortgefahren. Von vier Fischzuchtanstalten des Sauerlandes sind 100 000 Stück Brut bezogen worden. In den Bachläusen in Arnsberg sind 3000, Neheim 6000, Sundern 18.000, Balve 10000, Frcienohl 25.000, Hüsten 30 000, und in mehreren Bächen der siskalischen Waldungen 8000 ausgesetzt. 10 000 Stück vom Provinzialsischeneiverein unenttlich überwiesene sind im Amte Warstein ausgesetzt. Auch in diesem Jahre werden ebensoviele Stück den einzelnen Fischereivereinen zur Verfügung gestellt. Langendreer, 14. April.(Vergiftetes Pferdefleisch.) Die schulpflichtige Therese Lipphard genoß in vergangener Woche gehacktes Pserdefleisch, wovon sie erkrankte. Der hinzugezogene Arzt ordnete ihre Ueberführung ins Krankenhaus an, wo das Kind kurz danach starb. Eine Schwester im Alter von 13 Jahren, die wahrscheinlich von demselben Fleisch gegessen hat, liegt schwer krank darnieder. * Gelsenkirchen, 14. April.(Ein verhängnisvolles Ende) nahm eine Fahrt jugendlicher Drahtdiebe. Die Burschen, die seit längerer Zeit unter dem Schutze der Dunkelheit die Lichtleitungen der Zeche Rheinelbe, plünterten, waren nachts wiederum auf Raub ausgezogen. Diesmal hatten sie es auf die Karolinenglücksbahn abgesehen. Als sie bereits einige Meter Draht abgeschnitten hatten, brach plötzlich ein morscher Mast, und der Schlosserlehrling Peter Kaminski stürzte aus beträchtlicher Höhe auf den Erdboden hinab. Der Schwerverletzte wurde von seinen Genossen in das Haus eines auf der Alleestraße wohnenden Freundes gebracht, wo er noch im Laufe der Nacht verstarb. Als man den Toten am folgenden Tage mit einem Kranbenwagen der Zeche Rheinelbe in seine Wohnung schafsen wollte, kam die Sache ans Tageslicht. Die Polizei verhastete den Anführer der Diebesbande und einen Althändler, der den Hehler gemacht hat. * Essen, 14. April.(Raubanfall.) Einer Geschäftsführerin eines hiesigen Konsumvereins wurde vorgestern abend gegen 9¼ Uhr auf dem Helmwege in der Nähe der Zeche Humbold eine abgenutzte Ledertasche mit 1500 Mark Inhalt entrissen. Der Täter ist unerkannt entkommen, Essen(Ruhr), 15. April.(Blutiges Eifersuchtsdrama.) In einem Hause der Witteringstraße spielte sich heute morgen eine blutige Eisersuchtstragödie ab. Der Bergmann Krekeler aus dem benachbarten Schonnebeck gab auf ein Dienstmädchen drei Revolverschüsse ab, von denen zwei den rechten Arm des Mädchens trafen und es bedenklich verletzten. Der Täter richtete hierauf die Wasse gegen sich selbst und schoß sich eine Kugel in den Kopf, die bald darauf seinen Tod herbeiführte. Essen, 15. April.(Geheimnisvolle Bluttat.) In Bergeborbeck wurde in der Friedrich Langenstraße heute morgen eine weibliche Person in ihrem Blute schwimmend aufgesunden. Man Ueber alles die Ehre. Roman von M. R. Herrmann. 31 Nun hatte es der Zufall gefügt, daß Baron von Ehrenstein, als er durch den Park schlenderte, das junge Mädchen in diesem antraf, ihr zur Seite befand sich der große Neufundländer. Artig grüßend trat er auf Alice zu, dann waren beide weiter gegangen nach der bewaldeten Anhöhe. Auf dem Gange dorthin war dem jungen Mädchen eine Rose entfallen, die sie in der Hand trug, schnell hatten sich beide gebückt, um sie aufzuheben, doch der Baron war schueller, er hob die Blume auf, dabei hatten sich beide Hände gestreift. Schnell hatte der Baron die Rose an seine Lippen gezogen und sie dann dem jungen Mädchen überreicht. Mit glänzenden Augen betrachtete er die errötende Alice, die ihren Blick vor seinem faszinierenden zu Boden schlug, es war ihr ängstlich zu Mute, denn sie sah das Entscheidende, vor dem sie in den letzten Wochen gebangt hatte, nahe gerückt. Sie fühlte für den Baron keine Liebe, aber dennoch fehlte ihr der Mut, ihn jetzt schuell zu verlassen. Still, gebengten Kopfes, hörte sie dem Baron zu, als er leidenschaftlich bewegt flüsterte:„Alice, darf ich es wagen, Sie so zu neunen, darf ich hoffen, Sie zu erringen?“ und als das junge Mädchen, in dessen Brust die widerstrebendsten Gefühle tobten, schwieg, fuhr er feuriger fort:„Aliee, ich liebe Sie. Ohne Sie kann ich nicht leben. Schon damals, als wir uns anscheinend so feindselig gegenüberstanden, haben Sie einen tiefen Eindruck auf mich gemacht, mit Gewalt habe ich dann gegen meine mehr und mehr aufkeimende Liebe gekämpft. Es war vergebens. Ich frage nicht, ob Sie mich wieder lieben. Geben Sie mir nur ein Wort, daß ich hoffen darf, Ihnen nicht gleichgülltig zu sein, dann machen Sie mich zum Glücklichsten aller Sterblichen.“ Und als das junge Mädchen, das vergeblich nach Worten suchte, noch immer schwieg, da ergriff er beide Hände und benetzte diese mit heißen Küssen. Das gab Alice ihre Besonnenheit wieder, sie entzog ihre Hände dem Baron, dann antwortete sie mit stockender Stimme:„Herr Baron, Ihr Antrag kam mir so überraschend, daß ich nicht gleich eine Antwort darauf erteilen kann. Sie haben mich noch nicht gefragt, ob ich Liebe für Sie empfinde, und das war vielleicht gut so, denn ob das Gefühl, das ich für Sie hege. Liebe ist, weiß ich nicht. Das kann ich Ihnen aber sagen, ganz gleichgültig sind Sie mir nicht, und ich werde versuchen, ob ich Sie lieben kann. Mehr kann ich Ihnen für den Augenblick nicht versprechen.“ „Dank, Du Heißgeliebte,“ rief freudestrahlenden Blickes der Baron aus.„Mehr will ich für den Augenblick auch gar nicht, denn ich bin ja überzeugt davon, daß meine heiße Liebe zu Dir, Du Gute, auch Deine reine Liebe erwecken wird. Habe nochmals Dank dafür." Aber als er wiederum die Hände des jungen Mädchens mit Küssen bedecken wollte, hatte dieses sich eilig abgewändt und war nach dem Hause zugeeilt, ihr folgte der Hund, der während der ganzen Zeit seine Herrin sowohl als auch deren Begleiter erstannt angesehen hatte. Triumphierenden Blickes schaute der Baron der Enteilenden nach. Er hatte gesiegt, der Goldfisch war sein. Aber er merkte auch, daß er wirklich bis über die Ohren in Alice verliebt war. Sie hatte ihm den Sieg sehr leicht gemacht, daß ihre Eltern ihr Jawort geben würden, wenn er um Alice anhielt, durfte er wohl annehmen. Hochbefriedigt begab er sich in das Haus und ließ sich, nachdem er sich in einen Gesellschaftsanzug geworfen, Herrn Barker melden. Inzwischen hatte Alice den Eltern Mitteilung von dem Antrage des Barons gemacht. Während die Mutter den Liebling stürmtsch in die Arme schloß, hatte der Vater etwas von Erkundigungen einziehen über den Baron gesprochen, aber erwurde von seiner Frau einfach überstimmt, die die„hohe Ehre“ ganz aus dem Gleichgewicht gebracht zu haben schien, so daß der alte Herr dann brummend geantwortet hatte:„Meinetwegen, macht, was Ihr wollt. Ich heirate den Baron nicht.“ Aber der alte Herr hatte es sich doch fest vorgenommen, seinen Vorsatz auszuführen. Er empfing den Baron in freundschaftlicher Weise, als er um die Hand Alices anhielt. Trotz dessen dringender Bitte, die Verlobung bald bekannt zu machen. blieb er darauf bestehen, daß dies erst in einem Vierteljahre geschehen solle, da er seinem Kinde erst vollständig Gelegenheit geben wollte, sich zu prüfen, ob es den Baron wirklich liebe. Wenn das der Fall wäre, so sollte ihm der Baron als Schwiegersohn willkommen sein. Damit mußte sich der Baron zufrieden geben. Barker hoffte, daß dann seine Erkundigungen eingegangen seien. Noch am Nachmittage dieses Tages begab er sich auf seiner Jacht nach Chicago und auch der Baron hatte das gastliche Heim verlassen, da er noch nähere Vorbereitungen treffen wollte für diesen wichtigen Schritt. In Chicago trennten sich beider Wege. Die von Barker eingezogenen Erkundigungen über die Familie des Barons ergaben die Richtigkeit des von dem letzteren Gesagten. Es war seinen Vermittlern sogar gelungen. eine Photographie seines zukünftigen Schwiegersohnes, der jetzt von Chicago aus sehr häusig Ladyville besuchte, aufzutreiben und mitzusenden, die die vollkommendste Uebereinstimmung mit der in seinem Besitze befindlichen zeigte. Nachdem sich also die Angaben des Barons in allen Punkten bestätigt hatten, konnte der Milliardär Barker beruhigt abwarten, ob das Gefühl, das Alice für den Baron hegte, echte und wahre Liebe sei. Nur eines paßte dem Aristokraten der Arbeit nicht, daß die Eltern seines Schwiegersohnes nichts von sich hören ließen. Mochte der Vater auch zehumal ein kommandierender General sein, so waren doch die Millionen, die Barker seiner Tochter mitgab, mindestens ebenso viel wert, wie der adlige Name, den sie dafür eintauschte. Kurz entschlossen, schrieb Barker, ohne daß jemand eine Ahnung davon hatte, an den kommandierenden General Exzellenz Graf von Ehrenstein. Nach geraumer Zeit erhielt er eine in verbindlichen Worten gehaltene Antwort, daß die Eltern dem Glücke des Sohnes nicht im Wege sein wollten. Im übrigen sei dieser in seinen Entschließungen ja an nichts mehr gebunden, da er sich selbständig gemacht habe. Zur Verlobung würde indes der jüngere Sohn die Familie des Generals vertreten. Bezüglich des Termins wurden nähere Mitteilungen erbeten. Nunmehr war Barker vollkommen beruhigt. Er teilte niemand von diesem Briefe der Exzellenz etwas mit. Als dann Baron Ehrenstein immer dringender bat, die Verlobung bekannt zu geben und auch Alice nichts mehr dagegen einzuwenden hatte, da setzte Barker den Verlobungstag fest. Noch am gleichen Tage aber sandte er ein langes Kabeltelegramm an den General, in dem dessen Familie eingeladen wurde. Nicht in dem stillen Ladyville sollte die Verlobung gefeiert werden. sondern in dem großen Palaste Barkers. der im Millionärsviertel Chicagos einen großen Raum einnahm. Gewaltige Zurüstungen wurden zur Feier des Tages gemacht, der ein glänzender sein sollte. In der vornehmen Welt der Riesenstadt konnten die vorbereitenden Arbeiten nicht lange verborgen bleiben. Und da schon in Ladyville, dem beliebten Sommersitze, die meisten nach dem Auftanchen des deutschen Barons etwas ahnten, so flüsterte man sich laut zu, daß es Barkers gelungen sei, einen Schwiegersohn von altem deutschen Adel sich zu kaufen. Dieser Schwiegersohn des Milliardärs bildete das Stadtgespräch. Seine Bekanntschaft wurde ostentativ gesucht, und so wies der Klub, den Baron von Ehrenstein jetzt wieder regelmäßig besuchte, ständig guten Besuch auf.— 208,10 brachte sie zu dem in der Nähe wohnenden Arzt Dr. Deeius, der ihr die erste Hilfe brachte. Er stellte einen Stich in den Hals, der die Schlagader berührte, sowie einen Stich in den Rücken fest. Es handelt sich um die Ehefrau Brune, die von ihrem Manne getrennt lebt. Sie hatte sich gestern bis spät in die Nacht hinein vergnügt und wurde dann in den frühen Morgenstunden niedergestochen. Man brachte sie zum Krankenhaus Berge, wo sie bisher das Bewußtsein noch nicht wiedererlangt hatte. Der Täter konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Altenbögge, 15. April.(Roheit.) Ein hieesiger Landwirt mißhandelte einen Knaben, weil er am Nande des Ackers Blumen abpflückte, mit einem Knüppel derartig, daß der Junge den Bruch einer Kniescheibe erlitt. * Bottrop, 15. April.(Zwei Arbeiter erstickt.) Auf der Kobereianlage der Zeche„Prosper“ Schacht 1 stürzten zwei Tagesarbeiter in einen Kohlentur, mit dessen Reinigung sie beauftragt worden waren. Gewaltige Kohlenmassen verschüttelen die beiden Leute. Als man zu den Verunglückten gelangte, waren sie bereits tot. * Velbert, 14. April.(Spatzenplage.) Wegen der überhandnehmenden Spatzenplage hat das landwirtschaftliche Kasino beschlossen, für jeden cingclieferten getöteten Sperling eine Prämie von 5 Pfennig zu zahlen. * Duisburg, 14, April.(Ein Schwindler,) der hier zahlreiche kleine Leute unter der Vorspiegelung. festbesoldeter Versicherungsdirektor zu sein, um kleinere und größere Beträge betrogen hat und in Düsseldorf einem Rechtsanwalt und einem Geise lichen unter den frechsten Schwindeleien 568 Mark abgaunerte, stand hier vor der Strafkammer, die den Mann zu zwei Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilte. * Duisburg, 15. April.(Die alte Geschichte.) Der Arbeiter Hagen wollte in seiner Wohnung in Wanheim mit seiner Flobertbüchse nah Spatzen schießen. Dabei entlud sich das Gewohr zu früh, und eine volle Schrotladung drang tem etwa zehn Monate alten Söhnchen des Hagen in den Kopf. Das Kind starb auf dem Wege zum Krankenhaus. * Ohligs, 15. April.(Mit der Schaufel erschlagen.) Heute nachmittag gegen 1 Uhr erschlug der Arbeiter Romanowski in der Nähe des Gutes Hackhausen seinen Schwager, den Arbeiter Frike, mit einer Schaufel. * Solingen, 15. April.(Gefährliches Spiel.) Das im Bergischen Land so weit verbreitete Flämmen hat in der Ortschaft In der Höhe ein junges Menschenleben gefordert. Die Kleider eines jungen Mädchens singen Feuer. Es eerlitt so schwere Brandwunden, daß es im Solinger Krankenhause starb. Angesteckt war das Feuer von einem 10jährigen Knaben. * Fischeln, 15. April.(Von einem eigentümlichen Österbrauch) in Fischeln berichtet die„Kref. Ztg.. Unter den altertümlichen Gebräuchen, die mit Auswüchsen sich zum Teil in die Kirche verirrten, gehört das Judasjagen. Am Ostersonntag früh um 4 Uhr zogen die Gläubigen in Prozession, die Osterhymnen singend und betend, um die Kirche. Einer der Geistlichen nebst einem Teil des Volkes waren im Junern der Kirche unter schrecklichem Geheul und Geepolter, bis die Prozession dr imal um die Kirche gezogen war. Beim Eintressen des Volkes in die Kirche nahm das Geheul alsbald ein Ende, und die, die diese Rolle gespielt hallen, flüchteten bei der Ankunft der Betenden aus der Kirche. Dieser Brauch wurde geübt bis zum Johre 1784 und wurde dahin gedeutet, daß die 5 ulenden die bösen Geister dargestellt hätten, die in Verzweiflung gerieten über den Sieg des ausersbandenen Erlösers. wurde so stark, daß die Polizei sich mit den Hinterbliebenen der Verstorbenen und den Aerzten in Verbindung setzen mußte, um darauf der Menge mitzuteilen, daß die Herzogin tatsächlich tot gewesen sei. )( Der Alkohol. Französische Blätter wissen von einem„deutsch=französischen Zwischensall“ in Reims zu berichten. Dort zechte ein Soldat vom 16. französchen Dragoner=Regiment mit zwei Deutschen namens Scharf und Wasserbos. Plötzlich brach ein Streit zwischen den Dreien aus und alle drei wurdeen nach dem Polizeikommissariat gebracht. Die Untersuchung soll ergeben haben, daß die beiden Deutschen den sranzösischen Soldaten zur Desertation verleiten wollten.— Wie festgestellt ist, sind die beiden genannten Deutschen Vertreter einer Sektfirma. Den weiteren Zusammenhang kann man erraten... )( Eine Theater=Aufführung mit 1000 Mitwirlenden. Nach längerer Pause in seinen ZirkusAufführungen hat sich Professor Max Reinhardt entschlossen, im Mai wieder eine solche Aufführung zu veranstalten; Vollmoellers„Mirakel“ wird unter dem Massenaufgebot von 1000 Mitwirkenden im Zirkus Busch aufgeführt werden. Das Stück, das dem Regie=Genie Reinhardts besonders Gelegenheit zur Entsaltung von bewegten Volks=Szenen gibt, behandelt die Erlebnisse einer Nonne, die, von dem als Spielmann verkleideten Teusel verlockt, in die Welt flieht, hier schmerzlichste Enttäuschungen erlebt und schließlich entsagend ins Kloster zurückkehrt. Bunke Chronik ( Ein neuer Aetna=Ausbruch soll nach italienischen Blättermeldungen bevorstehen. Aus dem Krater werden dichte schwarze Rauchwolken ausgestoßen, die sich bis zu einer Höhe von 900 Metern über den Vulkan erheben. Riesige Lavamassen entwickeln eine kolossale Hitze in der Runde.— Solche Aetnaoder Vesuv=Ausbruchsmeldungen pflegen allerdings mit großer Regelmäßigkeit jeden Frühling aufzutauchen,— um das reisende Publikum nach Italien zu locken. )( Wo ist Roosevelt? Die brasilianische Regierung hatte das Kanonenboot„Ciudad de Manaos“, den Amazonenstrom hinaufgeschickt, um nach der Roosevelt=Expedition, von der bekanntlich seit Wochen Meldungen fehlen, zu suchen. Diese Expedition ist jetzt jedoch resultatlos zurückgekehrt. Erst die Zeit kann lehren, ob die Expedition tatsächlich von einem Unglück betroffen worden ist, oder ob sie nur Gebiete durchstreift hat, wo sie der zivilisierten Welt keine Kunde von sich zu geben vermochte, Vielleicht entdeckt Roosevelt gar die Ur=Tiere, die„Drachen“, die übriggebliebenen Saurier, die nach Meldungen von Weltenbummlern an den alten Hagenbeck dort in den schweigenden Urwäldern am Amazonenstrom noch hausen sollen. Das wäre wieder mal eine Sensation für Teddy, der ihrer von Zeit zu Zeit bedarf! )( Scheintot begraben? In Neapel gab es erregte Volksszenen, da sich das Gerücht verbreitet hatte, die im Volke wegen ihrer Mildtätigkeit sehr verehrte Herzogin von Novoli, die vor einigen Tagen starb, sei scheintot begraben worden. Die Erregung hunn in Albanien. —— Die Fremdwörtersucht. In unserer Raritätenmappe befindet sich die nachfolgende köstliche Verspottung der Fremwörtersucht in Form einer Parodie auf die„Loreley": Ich weiß nicht, warum miserabel Zu Mut mir und ich so moros, Eine längst antiquierte Fabel, Läßt mich partout nicht los! Das Thermometer sinket, Phlegmatisch fließet der Rhein, Die Burgterrasse flinket Suberb im Abendschein. Dort oben hat sich plazieret Ein Mädchen charmant in der Tat; Sie ist mit Brillanten garnieret Und macht Toilette gerad', Mit goldnem Kamm sich frisierend Eine Arie sie intoniert, Die, komplett elektrisierend, Ganz virtuos war komponiert! Den Schiffer im Liliputkahne Ergreift rehementes Weh! Er sieht nur die Courtisane Dort oben im Negligé! Enfin, das Ende der Fabel: Er sank mit Eklat in den Rhein, Und dafür ist responsabel Die Loreley allein! — eigene Heim. In der heutigen Zeit, wo die Wohnungen immer teurer werden und die Schwierigkeit, eine passende Wohnung zu finden, immer größer, besonders dann, wenn eine auch nur kleine Kinderschar vorhanden ist, kann man nicht genug immer wieder auf die großen Vorteile des eigenen Heims auf der eigenen Scholle hinweisen, daß der Familie eine sichere Stätte bietet, dem Vater Ruhe nach schwerer Arbeit, der Mutter ein Mittel, durch die Bearbeitung des Gartens ihre Ausgaben für den Haushalt sehr bedeutend zu verringern, den Kindern einen gesunden Tummelplatz für ihre Spiele, von dem sie eine Erinnerung für daß ganze Leben mitnehmen—„unser Garten“.— Die Scholle muß möglichst groß sein, wenn irgend möglich nicht kleiner als 1 250 Quadrat= meter.— Daraus läßt sich mit Leichtigkeit der gesamte Kartoffelbedarf für eine Familie dis zehn Köpfen und der Gemüsebedarf für das ganze Jahr ziehen, sie gibt gesundes Obst aller Art in Fülle für geringes Geld und ermöglicht eine kleine Viehhaltung, die gesundes Fleisch für den halben Preis liefert. Das Haus muß möglichst klein sein, ein freistehendes Einfamilienhaus, darauf berechne, daß die Kinder auch einmal das Elternhaus verlassen; lieber sich in den ersten Jahren etwas zusammendrängen, das licht= uno luftumflutete Einfamilienhaus läßt das wohl zu.— Es ist falsch, wenn man glaubt, ein Zweifamilienhaus wäre leichter zu halten, weil der Mieter mithilft, die Ziasen zu bezahlen. Das ist ein Irrtum, der mit schwerem Lehrgeld bezahlt werden muß. Für den ernst strebenden Mann ist es möglich, sich und seiner Familie eine solche Heimstätte zu schaffen. Er muß nur mit aller Energie daraufhin arbeiten und sich durch Mißerfoige nicht gleich abschrecken lassen. Am leichtesten wird das Ziel erreicht, wenn sich zehn Gleichgesinnte zusammenfinden und einen kleinen Bau=Verein bilden. Dadurch wird das Bauen billiger und auch das Kapital leichter beschafft. Der im Jahre 1885 von dem verstorbenen Pastor D. v. Bodelschwingh gegründete Deutsche Verein Arbeiterheim in Bethel bei Bielefeld, erteilt jedem Ansiedlungslustigen kostenlos Rat und Auskunft. Ein gesundes Frühstück soll uns vor Beginn der Arbeit stärken und erfrischen. Wer schon frühmorgens den leeren Magen mit herz= und nervenerregenden Genußgiften füllt, die absolut keinen Nährwert haben, sügt seinem Körper den größten Schaden zu Ein wirklich gesundes und wohlschmeckendes Frühstücksgetränk ist richtig zubereiteter Kathreiners Malzkafsee. Hat man ihn erst einige Tage zum Frühstück getrunken, so wird man seinen wohltuenden Einfluß deutlich bemerken. Dabei spart man noch Geld, denn Kathreiners Malzkaffee ist sehr billig. Stadttheater Dortmund. Donnerstag, den 16. April, abends 7½—10¾ Uhr: „Rienzi, der letzte der Tribunen“. Große tragische Oper mit Ballett in 5 Aufzügen von Nichard Wagner. Freitag, den 17. April, abends 7½—10 Uhr:„Will und Wiebke". Lustspiel in 4 Akten von Fedor v. Zobeltitz. Sonnabend, den 18. April, abends 7½—10¾ Uhr: „Cavalleria rusticana“. Oper in 1 Aufzug von Pietro Mascagnie. Hierauf:„Der Bajazzo“, Oper in 2 Aufzügen und einem Prolog von N. Leoncavallo. Sonntag, den 19. April, nachmittags 3¼—6 Uhr „Wilhelm Tell. Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller. Abends 7½—10½ Uhr „Der Wildschütz". Komische Oper in 3 Aufzügen von Albert Lortzing. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Oflan redei heute gar so viel Von guien alten Seiten, Tseif auf die Zeit, wo man nicht konnt Itlit„Cobu'“ zubereiten. * Feinste Sslanzenbutter-Öflargarine Seber alles die Ehre. Roman von M. R. Herrmann. 32 Zwar schüttelten die älteren der Herren ob der Spielleidenschaft des glücklichen Bräutigams bedenklich die Köpfe, aber die jüngeren suchten eine Ehre darin, mit dem Baron die Karten zu kreuzen. Und dieser hatte merkwürdiges Glück. Nicht, daß er ständig gewann. O nein, er verspielte auch an Abenden, aber dann gewann er dafür am nächsten Tage wieder bedeutende Summen, die er gelassen einsteckte. An dem Tage, der als Verlobungstag von Barker festgesetzt war, fehlte nur noch eine Woche. Eifrig hatte Barker in der Zeitung die Telegramme verfolgt, die die Ankunft der Dampfer anzeigte. So saß er wiederum in seinem Privatkontor, als er ein Telegramm aus New=York erhielt, das ihm mitteilte, der angefragte Dampfer aus Breinen würde nach einer funkentelegraphischen Meldung in zwei Tagen in New=York eintreffen. Erregtsprang Barker auf, als er das Telegramm gelesen hatte. Mit diesem Dampfer kam der Bruder seines zukünftigen Schwiegersohnes nach Amerika, um an dem Verlobungsfeste teilzunehmen. Ja er, Barker, hatte diese erfreuliche Kunde ganz geheim zu halten verstanden. Niemand wußte darum von seiner Familie. Zu wiederholten Malen hatte er sich im Geiste bereits die Freude ausgemalt, die sein Schwiegersohn bei dieser Ueberraschung empfinden werde. Jetzt galt es vor allem, seine Familienmitglieder von Chicago auf einige Tage zu entfernen, damit er seinen Besuch, ohne Aufsehen zu erregen, aus New=York abholen konnte, und es gelang ihm wider Erwarten gut. Barker hatte das Telegramm fortgesteckt und überlegte eben; wie er die Seinen am unauffälligsten mit seinem Wunsche bekannt machen könnte, als seine Frau eintrat und ihm mitteilte, daß sie mit Alice bis zum Verlobungstage nach Ladpville übersiedeln wollte, da sich beide durch die Vorbereitungen zu dem Feste überanstrengt hatten. Das geht ja wider Erwarten gut, dachte der Milliardär. Teilnahmsvoll aber fragte er:„Ihr seid doch nicht krank? Alice gefällt mir jetzt eigentlich gar nicht mehr. Wenigstens für eine glückliche Braut ist sie mir merkwürdig still.“ „Das hat nichts zu sagen, Alterchen,“ gab Frau Barker zur Antwort.„Ihr Männer wißt eben gar nicht, wie uns Frauen zu Mute ist, wenn man sich an einen Mann bindet. Alice denkt jetzt eben fleißig nach, wie sie sich ihr ferneres Leben als Baronin am schönsten einrichten wird. Sie hat ja auch eine vorzügliche Wahl getroffen, denn der Baron vergöttert sie. Jeden Wunsch, den er ihr an den Augen absehen kann, erfüllt er.“ „Na, dann ist ja alles in Ordnung. Ihr fahrt heute noch nach Ladyville," bestimmte Barker.„Ich habe auch noch eine kleine Reise vor.“ Als seine Frau ihn verlassen, gab er die nötigen Anweisungen, daß die Abreise bereits mit dem nächsten Dampfer erfolgen konnte. Erselbst aber sandte einen Buchhalter mit einem Scheck nach der Bahn und belegte für sich einen Extrazug nach und von New=York, und schon am Nachmittage befand er sich in diesem auf der Fahrt nach der Stadt. Er setzte sich dort zunächst mit der Dampferagentur in Verbindung, deren Gesellschaft der erwartete Dampfer angehörte, und erfuhr hier zu seiner Freude, daß der Dampfer in einigen wenigen Stunden in den Hudson einlaufen werde. Dankbar nahm Barker den Vorschlag des Agenten an, auf einem kleinen Dampfer dem Schiffe entgegenzufahren. Mit langsamer Fahrt lief der große deutsche Dampfer in den Hudson ein. Er stoppte, als der kleine Dampfer, der die Flagge seiner Gesellschaft führte, direkten Kurs auf ihn nahm. Bald darauf befand sich der Vertreter der Gesellschaft und Barker an Bord des großen Schiffes, auf dem sie von dem Kapitän empfangen und begrüßt wurden. Nachdem Barker den Kapitän von dem Zwecke seines Hierseins in Kenntnis gesetzt hatte, winkte dieser einen Steward herbei und erteilte ihm den Auftrag, den Gast zu dem Herrn Oberleutnant von Ehrenstein zu führen. Im Rauchsalon des stolzen Schiffes befanden sich nur wenige Passagiere, die ihr Handgepäck in den Kabinen bereits zusammengelegt hatten, um nun, ehe sie sich wahrscheinlich für immer treunen würden, noch einen Abschiedstrunk zu tun, nach echter deutscher Weise. In der Unterhaltung war eine Stockung eingetreten, denn soeben betrat Barker mit einem jovialen deutschen Gruße den Raum. Dann ging er auf einen der Herren zu, der ganz das Ebenbild seines Schwiegersohnes zu sein schien. Wenigstens mußte die Aehnlichkeit, als sein Schwiegersohn noch den buschigen Schnurrbart trug, ganz gewaltig gewesen sein. Es ist doch gut, daß die Brüder in der Farbe der Haare verschieden sind, dachte Barker bei sich. Laut aber redete er fragend den jungen Mann an, der sich erhoben hatte:„Herr Oberleutnant Adalbert von Ehrenstein?" undstellte, als der Gefragte bejahte, sich dann selbst vor, seineu Gast auf das wärmste begrüßend. Schon nach kurzer Unterredung hatte er den jungen Mann ins Herz geschlossen, dessen freimütige Antworten ihm gefielen. Aber auch Adalbert von Ehrenstein fand Gefallen an dem jovialen alten Herrn. Er hatte sich diesen schwerreichen Amerikaner, den alle von seinem Vater eingezogenen Erkundigungen wenigstens als solchen schilderten, ganz anders vorgestellt, und nun war er auf das angenehmste enttäuscht. Schneller als man gedacht, waren die Landungsformalitäten erledigt, und so konnte Barker mit seinem Gaste, nachdem sie eine Fahrt durch den Hafen angetreten, den Bahnhof aufsuchen, wo der Sonderzug Barkers zur Abfahrt bereit stand. Wie im Traume ging die Fahrt durch den Hafen dem jungen Manne dahin. Nur vorhin schien es, als der große Dampfer, der nach dem Ausspruch seines Begleiters nach Buenos Aires fahren sollte, an dem kleinen Fahrzeuge, auf dem sich beide befanden, vorbeifuhr, als ob Adalbert unter den auf Deck stehenden Personen seinen Bruder erblickt habe. Das konnte ja aber nicht sein und war sicher weiter nichts wie eine Aehnlichkeit, denn er befand sich ja auf dem Wege zu ihm. Unter der Fülle des auf ihn einströmenden Interessanten, hatte er den Zwischenfall bald wieder vergessen. Aber als er dann im Speisewagen des Sonderzuges mit dem Schwiegervater seines Bruders in angeregter Unterhaltung zusammensaß, und von diesem erfahren hatte, daß weder sein Bruder noch die Familie des Milliardärs von dem Hiersein des lieben Gastes etwas ahnten, da dachte Adalbert daran, daß er sich bisher noch gar nicht nach seinem Bruder erkundigt hatte. Das, was er erfuhr, behagte ihm indes nicht. Woher mochte Rudolf die Mittel zum Leben nehmen? Das war ihm ein Rätsel, über das er lange nachdenken mußte. Obwohl er sich scheute, dem alten Herrn eine diesbezügliche Frage zu tun, nahm er sich doch fest vor, diese Frage seinem Bruder bei ehester Gelegenheit vorzulegen. Die erste Nacht auf amerikanischem Boden verbrachte Adalbert im Schlafwagen des dahinsansenden Zuges. Wie erstannte er, als er am nächsten Tage den Palast des Milliardärs betrat und hier die wahrhaft großartigen Vorbereitungen zu dem Feste sah. Es beschlich ihn eine bange Sorge, was die nächsten Tage bringen würden. Wie würde er den Bruder finden? Doch diese vergingen ihm wie im Fluge. Die Stadt und deren Leben nahmen sein ganzes Interesse in Anspruch. Nun aber stand der Tag der Verlobung vor der Türe. Frau Barker und Tochter waren wieder nach Chicago gekommen und hatten ihre Gemächer in dem Palaste bezogen, ohne die mindeste Ahnung von der Anwesenheit Adalberts von Ehrenstein zu haben. Auch Rudolf von Ehrenstein war voller Freude nach seiner eleganten Junggesellenwohnung geeilt... 208,16 2558 Segss. ## 6.2 P TS.SEgg O19S.71 00 gerissenen Nervenschwäche, die ebenso sehr den Arzt als den Kranken quält, Einhalt zu thun im Stande waren — dieß sind offenbare Beweise, daß itzt nicht mehr Verzärtlung, nicht Eigensinn, nicht Dummheit, sondern bloß der Mangel an Gelegenheit die Schuld des Aufschubs gewesen war.“ Als 1781 der Wiener Arzt Ferro eine Badeanstalt auf der Donau gründete, wurde er noch hart angefeindet, aber schon 1807 war in Deutschland keine bedeutendere Stadt mehr,„in der nicht Fluß= und andere Badeanstalten angelegt worden wären.“ Man stritt sich damals viel über die beste Art, ins Wasser zu kommen, ob man mit den Füßen voran nach deutscher Art langsam ins Bad steigen oder sich nach englischer plötzlich mit dem Kopf voran hineinwerfen solie. 1817 wurde durch den General von Pfuel oas Schwimmen in der preußischen Armee eingeführt. engsten Zusammenhang mit dem Ausschwung des Schwimmsports in Deutschland steht auch die Errichtung von Seebadcanstalten, für die England vorbildlich war. Lichtenberg trat hier als Anreger auf, aber die Aerzte verhielten sich pessimistisch,„weil unsere Küsten der für die englischen Bäder so wichtigen Wärme des Atlantischen Ozeans entbehrten“. 1791 gründete der Rostocker Professor S. G. Vogel das erste deutsche Seebad an der Ostsee bei Doberan, und trat in Wort und Schrift für den Nutzen der Seebäder ein. 1797 folgte das erste Nordseebad auf der Insel Norderney, und im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde dann eine große Anzahl von Seebädern errichtet. K. 13 3 ∆ G 9205 Das„Armutszeugnis eines talenlosen Musikers.“ Leoncavallo, der Komponist der„Bajazzi“, befand sich vor einiger Zeit in einer geschäftlichen Angelegenheit in Manchester, als gerade das bekannte Werk des Komponisten auf dem Programm des dortigen Theaters stand. Leoncavallo entschloß sich kurz, sich seine Oper auf der englischen Bühne anzusehen und nahm unerkannt an der Vorstellung teil. Ruhig sitzt er auf seinem Fauteuil, das er wie jeder andere Theaterbesucher mit seinem guten Gelde bezahlt hat, und folgt aufmerksam den Vorgängen auf der Bühne. Als der Vorhang fällt, läßt ein neben Leoncavallo sitzender Herr, der schon während der ganzen Vorstellung seiner lebhaften Genugtuung über das Gebotene wiederholt Ausdruck gegeben hatte, seiner Begeisterung freien Lauf.„Was für ein Meisterwerk," ruft er,„was für ein bewundernswürdiges Meisterwerk!". Durch das Hirn Leoncavallos schießt ein verführerischer Gedanke. Er wird seinen Bewunderer etwas aufziehen, und beginnt nun, das eigene Werk nach jeder Richtung hin zu„verreißen".„Ein Meisterwerk, sagen Sie? Aber, Verehrtester, das kann nicht Ihr Ernst sein. Ich bin Musiker und verstehe mich auf diese Dinge. Diese Oper ist für die Katze. Wenn ich nicht befürchten würde, Ihnen zu mißfallen, so könnte ich Ihnen leicht beweisen, daß alles an dem Werk nachgeahmt und gestohlen ist. Schauen Sie: Cavatine ist ganz und gar Berlioz entlehnt, das Duo aus dem ersten Akt stammt von Gounod, der Schlußsatz ist eine schlechte Kopie eines Finales von Verdi, und so läßt sich von Anfang bis zu Ende nachweisen, daß auch nicht ein Ton an der Oper Original ist.“ Als der Komponist am nächsten Morgen seinen Zug besteigt, kauft er sich eines der größten Blätter des Ortes und sieht zu seiner nicht geringen Ueberraschung auf der ersten Seite in ungeheuren Buchstaben die Worte:„Die Ansicht Meister Leoncavallos über seine Bajazzi.— Die Geständnisse eines Plagiators. Das Armutszeugnis eines talentlosen Musikers." Der Nachbar des Komponisten war nämlich ein Journalist, der ihn wohl erkannt und seine Erklärungen ernst genommen hatte. Der„Momento" versichert, daß es Leoncavallo heute noch kalt überläuft, wenn er an die Geschichte denkt. Die„Faule Grete“ der Türkei. Die ersten Kanonen wurden in Konstantinopel im Jahre 1453 eingeführt. Um das Jahr 1452 hatte ein Ungar namens Arban dem Kaiser Konstantin seine Dienste als„geschicktester Gießer aller Zeiten“ angeboten. Da der Fürst ihm Bedingungen stellte, die ihm nicht zusagten, nahm er seine Zuflucht zu Mahomet II., der dem Ungarn den Auftrag gab, zur Probe seines Taleutes eine riesige Kanone zu gießen. Die Herstellung dieses Geschützes, das den Namen„Basilika“, das heißt„die Königliche“ führen sollte, dauerte mehr als drei Monate. Am Tage, an dem man in Adrianopel das erste Probeschießen veranstaltete, erließ der Sultan an das Volk eine Warnung, damit die Frauen von dem Schuß nicht allzusehr erschreckt würden. Tatsächlich war diese Warnung wohl angebracht, denn die Detonation soll man in einem Umkreise von dreizehn Meilen wahrgenommen haben. Um die„Basilika“ von der Stelle zu bewegen, bedurfte es eines Gespannes von 80 Rindern. 200 Mann marschierten zu beiden Seiten, um die Kanone zu stützen. Ferner mußten 200 Erdarbeiter dem Zuge vorangehen, um den Weg einigermaßen zu ebnen, und 50 Zimmerleute waren erforderlich, um die Brücken der Flüsse, die der Zug passieren sollte, herzustellen. Auf diese Weise wurde die„Basilika“ quer durch Thrazien nach Konstantinopel gebracht, wo sie als größtes Wunder der Zeit angestaunt wurde, da sie Granitkugeln von 85 Zentimeter Durchmesser eine Meile weit schleudern konnte. Mahomet II., der ein wirklich moderner Sultan war, brachte von Adrianopel nach Konstantinopel eine ganze Truppe von Ingenieuren mit. Er ließ nach dem Muster der„Basilika“ sofort andere Belagerungsgeschütze herstellen und brachte so 200 Kanonen zusammen. Die„Basilika" verfeuerte achtmal am Tage Kugeln im Gewicht von 1200 Pfund, von denen einige heute noch in den Gräben zu sehen sind. Die Riesenkanone hatte schon auf dem Standorte selbst zahlreiche Unfälle zur Folge, bis sie eines Tages explodierte und den sie bedienenden Ingenieur tötete. Aber bald fand sich ein anderer Ungar, der sie umgoß, und diese neue Kanone war es, die dem berühmten Baltatiturm den letzten Rest gab. Die Griechen brachten ganze Nächte damit zu, die Breschen, die von der Kanone in die Festungswälle geschlagen worden waren, auszubessern; aber nach 54 Tagen fortgesetzten Bombardements glichen die Mauern der Stadt, die man seit Jahrhunderten für uneinnehmbar gehalten hatte, nur noch einem Trümmerhaufen. Mahomet II. konnte nun die Stadt im Sturm nehmen. Denkspruch. Ueber Sachen kann man leicht die lremce Meinung borgen und glauben, aber nicht über Peisonen. Jean Pavl. cch 8 5 S S. 2STSSST"„S, SSS:„ ETE gOgPg Un GüS: GGWUonÜ GODToAE. S S— 8 S 9 G. 50 5 S T 2: Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde Unterbaltungs=Beilage zu Nr. 88. Donnerstag. 16 April 1914. hatte, war gewachsen, Gtl=Gentertreich. Novelle von Rudolf Hollinger. (Schluß.) 8. Kapitel. #½ abel Grey hatte ihr Versprechen nicht Wu gehalten. Es lag nun einmal nicht in ihrer Natur, eine tödliche Kränkung geduldig hinzunehmen, und ihr Verlangen nach Nache an diesem schändlichen George, der sie nicht nur verraten, sondern auch mit kaltem Blute bestohlen mit jeder Stunde des Alleinseins so mächtig daß sie schließlich der Versuchung nicht mehr hatte widerstehen können, es zu befriedigen. Sie war zunächst nach dem Geschäftshause der Kabelgesellschaft gegangen, und als man ihr dort mitgeteilt hatte, daß man nicht das geringste von einer Entsendung Marshalls, der überhaupt seine Stellung aufgegeben habe, nach Mauritius wisse, würde nichts in der Welt sie mehr abgehalten haben, den Beistand der Polizei gegen den vermeintlichen elenden Betrüger in Anspruch zu nehmen....„ Paamten Aame Ihre vor dem zustandigen Seamten gemachten Angaben waren die Ursache des nach Mauritius erganzenen Haftbefehls gewesen, ohne daß Artur Wyndham von all den verhängnisvollen Vorgängen, die sich da hinter seinem Rücken abspielten, auch nur die leiseste Ahnung gehabt hätte. Durch allerlei schwindelhafte Manöver war es ihm gelungen, sich auf kurze Fristen recht beträchtliche Geldsummen zu verschaffen, die ihn im Verein mit Mabels schon vor mehreren Wochen betrügerisch abgehobenem Vermögen in den Stand setzen sollten, das geplante Börsengeschäft im größten Umfange auszuführen. Er berechnete seinen Gewinn nach Hunderttau#senden, und er hatte sich großmütig vorgenommen, Mabel in irgendeiner Form das gestohlene Kapital wieder zukommen zu lassen, ehe er London und ihr für immer den Rücken kehrte. Auf ein nochmaliges Wiedersehen rechnete er nicht, und selbst wenn er die Absicht gehabt hätte, das Pensionat der Frau Grey aufzusuchen, würde er in diesen Tagen kaum die Zeit dazu gefunden haben. Galt es doch auch, alle Vorkehrungen für eine sosortige Abreise zu trefsen, sobald er seine Beute in Sicherheit gebracht haben würde. Denn die Möglichkeit, daß man nach Wiederherstellung der telegraphischen Verbindung dem Schwindel auf die Spur kommen würde, war naheliegend genug, um ihn zur äußersten Vorsicht zu mahnen. Daß er die Nachmittagsstunden des entscheidungsschweren Montags in einem richtigen Fieberzustande verlebte, war sehr begreiflich. Er zählte die Minuten, die bis zum Erscheinen der Abendblätter noch vergehen (Nachdruck verboten.) mußten, und immer wieder hielt er seine Taschenuhr an das Ohr, weil er der Meinung war, daß die Zeiger stehen geblieben sein müßten. Endlich duldete es ihn nicht länger in der erdrückenden Enge seines Zimmers, und obwohl er wußte, daß die Zeitungen erst in einer Stunde herauskommen würden, schickte er sich doch an, das Hotel zu verlassen... 7 91, Straße bi. Bei dem ersten Schritt, den er auf die Straße hinaus tat, sah er sich von einem ernstblickenden Herrn in bürgerlicher Kleidung angeredet. „Herr Artur Wyndham?" „Das ist mein Name. Womit rann ich Ihnen dienen*....(: Jmsts„ 441. „Ich ersuche Sie, mir ohne umstande zu folgen. Ich bin Kriminalbeamter und habe den Auftrag, Sie zu verhaften.“ „Mich zu verhaften? Das ist einfach lächerlich. Weshalb denn?“ „Man wird es Ihnen auf dem Polizeiamt mitteilen. Aber vielleicht genügt es, Sie aufzuklären, wenn ich Ihnen sage, daß Ihre Festnahme auf Grund einer von Mauritius eingegangenen Depesche verfügt worden ist.“ Da wußte Artur Wyndham, daß er sein großes Spiel verloren habe. Ohne einen Versuch des Widerstandes folgte er dem Beamten. Der„große Trick“ war mißlungen— mißlungen in demselben Augenblick, wo alle Voraussetzungen für. seinen Erfolg erfüllt schienen. Die beiden Chiffretelegramme hatten bei ihren Adressaten ganz das erwartete Aussehen erregt, und sowohl die Zeitungsredaktion wie das Bankhaus hatten sich zunächst an das Auswärtige Amt mit einer Anfrage hinsichtlich der Richtigkeit der sensationellen Nachricht gewendet. Dort hatte man ihnen nur sagen können, daß bis jetzt keine amtliche Nachricht ähnlichen Inhalts eingegangen sei, daß man aber über die Wahrheit oder Unwahrheit der Meldung kein Urteil habe, weil nach eben eingelangter Mitteilung von Port Louis jede telegraphische Verbindung zwischen Kapstadt und Mauritius aufgehört habe. Daraufhin hatte sich die Zeitung für verpflichtet gehalten, die Schreckensnachricht in der Abendausgabe ihren Lesern mitzuteilen, um so mehr, als das ihr durch das Auswärtige Amt bekannt gewordene gleichzeitige Eintreffen einer inhaltlich gleichlautenden Meldung bei einem angesehenen Bankhause eigentlich jeden Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit ausschloß. 1 05 GE— Mumienextrakt. In einer Zeit, die uns gar nicht so fern liegt, haben die Mumien in der Medizin der Völker eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Und zwar unterschied man zwei Sorten Mumien, echte und künstliche. Die echten, die von den Arabern in den Grabmälern des Riltales gesammelt wurden, wurden von ihnen nach Asien und nach Europa befördert. Man schrieb dem Asphalt, mit dem die Mumien einbalsamiert waren, und dessen Heilkraft schon Galienus wie andere griechische Aerzte besonders in Fällen von Schnupfen, Ausschlägen, Krämpfen und Epilepsie gerühmt hatte, außerordentliche therapeutische Kräfte zu. In Persien war der Gebrauch von Mumien zu Heilzwecken so allgemein verbreitet, daß der Schah befreundeten Herrschern Mumien zum Geschenk machte. Ludwig XIV. und Kaiserin Katharina erhielten goldene Büchsen mit Mumienresten zum Geschenk, und noch im Jahre 1809 verschrieben die Aerzte der Königin Charlotte von England„Mumien= extrakt". In Ermangelung echter Mumien fabrizierte man in anderen Ländern künstliche. Der persische Dichter Nizami gibt für die Herstellung folgendes, nicht gerade sehr beruhigendes Rezept:„Man nehme einen Menschen mit roter Haut und roten Haaren und füttere ihn mit Früchten bis zu seinem 30. Lebensjahre. Dann tauche man ihn in einen Steinkessel, der mit Honig und verschiedenen anderen Spezereien gefüllt ist und schließe den Kessel hermetisch zu. Nach 120 Jahren hat sich der Honig ebenso wie der Mensch in eine Mumie verwandelt. Man öffne den Deckel und benutze die Mumie als Heilmittel.“ Mumienextrakt war tatsächlich im 18. Jahrhundert noch allgemein verbreitet, ja sogar die österreichischen Apotheken führten ihn noch im Jahre 1853. Von Freibad und Schwimmsport in alter Zeit. (Nachdruck verboten.) Das Baden in kaltem Wasser, dem heute eine so günstige Wirkung auf die Gesundheit zugeschrieben wird, war im Mittelalter zu Heilzwecken nicht im Gebrauch, ja es galt sogar für schädlich. Trotzdem ist Baden und Schwimmen stets in deutschen Landen geübt worden, wenn es auch freilich„die unerzogen mutwillig jugent zu Sommers zeit mehr der kurtzweil und lusts halben, dann aus notturft" tat. Haben doch schon die alten Germanen sich mit Vorliebe in den kühlen Wassern ihrer Flüsse getummelt, so daß man die Freude am Baden direkt als eine deutsche Nationalleidenschaft wie das Trinken bezeichnet hat. Schon Cäsar erzählt von dem Baden der Germanen, wobei er hervorhebt, daß die ganze Jugend, Mädchen und Knaben, miteinander ins Wasser gingen. Außerordentlich war die Schwimmkunst ausgebildet. Die Bataver waren nach Tacitus darin so geschult, daß sie mit Pferden und Waffen in geordneten Scharen über den Rhein dringen konnten. Die Römer bewunderten bei den Germanen diese Schwimmtüchtigkeit, die sie in den Kriegen der Jahre 69 und 70 zu ihrem Nachteil genügend kennen lernten. Uebermenschliches leisten germanische Helden im Schwimmen, so Beowulf, der bei einem Wettschwimmen sieben Tage lang von der Küste seiner Heimat bis nach dem hohen Norden hinausschwimmt; ein trefflicher Schwimmer war Karl der Große, von dem sein Biograph Einhart sagt, er habe seinen Leib so fleißig im Schwimmen geübt, daß es ihm keiner darin zuvortat. Das Schwimmen gehörte im Mittelalter zu den sieben ritterlichen Künsten, die jeder wohlgezogene Knabe erlernen mußte. Aber allmählich, im hohen Mittelalter, ging diese Freude am Wassersport doch zurück. Zwar führt Alfred Martin in seiner Geschichte des deutschen Badewesens eine Reihe von Beispielen an, in denen auch Mönche und Nonnen in Flüssen und Seen sich dem Schwimmen hingaben, aber im ganzen stand die Kirche dem Flußbad doch unfreundlich gegenüber; ihr schlossen sich aus verschiedenen Gründen die Aerzte und Pädagogen an, und so ward das Baden allmählich zu einem Kinderspiel, an dem sich nur kecke, tolle Gesellen, wie Studenten und Handwerksburschen, beteiligten, während der ehrbare Bürger von all dem „Schwemmen, Waten und Waschen“, nichts wissen wollte. Bezeichnend ist, was Zwingli, der in Zürich in einer dem Baden besonders holden Stadt lebte, sagt: „Schwimmen sehe ich wenig Leuten dienen, wiewohl es zuweilen dem Leib gut ist, daß man Schwimme und zu einem Fisch wird. Doch ist das Schwimmen unterweilen zu etlichen Fällen gut gewest. Also ist etwa einer aus dem Capitolio geschwummen, der dem Camillo, der Römer Obristen Feldhauptmann, von dem erbärmlichen Zustand der Stadt Rom Botschaft bracht. So ist die edelrömisch Jungfrau Clelia auch wieder zu den Ihren geschwummen.“ Die Behörden erließen zahlreiche Verbote gegen das Baden; die Aerzte warnten vor dem kalten Wasser, das nur vom Sonnenschein erwärmt wird; die Schulmänner wetterten gegen diese Unart, und in vielen Schulordnungen heißt es ähnlich wie in der des Hamburger Johanneums von 1537:„De an dat Water gehn unde sick baden unde schwemmen gelyck alse de Göse edder de Entechen— schälen schwehrlicken gestraffet werden.“ Der Hauptgrund für solche Verbote lag aber nicht in der schädlichen Wirkung des Bades auf Gesundheit oder Sitten, die man befürchtete, sondern in der Furcht vor dem Ertrinken, das namentlich in den größeren Flüssen sehr häufig vorkam. Ueberall gab es nur„Freibäder“ in der allerprimitivsten Form, und bis ins 19. Jahrhundert fehlte in Deutschland die Gelegenheit,„sicher und bequem“ zu baden. Freilich war schon ab und zu im Mittelalter für geeignete Stellen zum Baden im Freien gesorgt worden. Doch ein richtiger Schwimmsport konnte sich erst entwickeln, als Badeanstalten erbaut wurden. 1760 ist von Poitevin die erste Badeanstalt in Paris errichtet worden; sie lag auf zwei Schiffen in der Seine, aber man badete nicht im Fluß, sondern das Flußwasser wurde in Badewannen gepumpt. Unterdessen war durch Rousseau der Bann gebrochen worden, der bis dahin noch auf der Pflege und Uebung des Körpers gelastet. Ueberall ward die Uebung des Leibes neben der des Geistes betont, und die deutschen Erzieher, die die neuen Ideen aufnahmen, erkannten im Wassersport ein wichtiges Mittel der Abhärtung. Das Schwimmen wurde nun allgemein in den Erziehungsinstituten eingeführt. Salzmann veranstaltete Dauerschwimmen und GutsMuths wurde mit seinem Lehrbuch der Schwimmkunst (1798) zum Begründer des modernen Schwimmsports; er schuf unseren heutigen Schwimmunterricht, erfand Schwimmgürtel und Angel. Badeanstalten wurden nun zum dringenden Bedürfnis; das erste große derartige Institut in Deutschland wurde 1777 auf dem Rhein bei Mannheim errichtet.„Das Gedränge des Volkes, sich dieses heilsamen Institutes zu bedienen," erzählt ein Zeitgenosse, „das Frohlocken der Aerzte, die itzt endlich einmal ein Mittel gebrauchen konnten, womit sie der überall ein anderer Kollege, weil es zu kalt war, um arbeiten zu können, auf einer Straße in Ehrenfeld mit Schneehallwerfen. Bei dieser Gelegenheit griff der eine Glasarbeiter in einen auf der Straße stehenden Zuber mit Kalk und warf dem anderen Arbeiter eine Handvoll Kalk ins Gesicht. Die Kalkmasse flog dem Arbeiter in das rechte Auge, dessen Sehkraft dadurch vollständig vernichtet wurde. Er hatte sich deshalb vor der Kölner Strafkammer zu verantworten, die ihn wegen sahrlässiger Körperverletzung zu einer Strase von 300 Mark verurteilte. Dem Verletzten, der als Nebenkläger austrat, wurde eine von dem Angeklagten zu zahlende Entschädigung von 3000 Mark zugebilligt. —— Schwere Brand=Katastrophen Boston, 16. April. Im Melvin=Hotel brach gestern nacht ein Feuer aus, welches mit großer Schnelligkeit um sich griff und großen Umsang annahm. Ungefähr 150 Gäste waren in dem Hotel anwesend und lagen in den Betten, als das Feuer von Passanten bemerkt wurde. Das Feuer griff mit solcher Geschwindigkeit um sich, daß in kurzer Zeit das ganze aus Fachwerk bestehende Haus in hellen Flammen stand. Ehe die Feuerwehr die Sprungtücher ausbreiten konnte, waren die meisten der geängstigten Hotelgäste aus den Fenstern gesprungen. 50 bis 60 Personen erlitten hierbei schwere innere Verletzungen. Acht Personen sind verbrannt, Zürich, 16. April. Ein schweres Brandunglück hat sich in Halaus im Kanton Graubünden ereignet. Dort brach in einer Mühle Feuer aus. Die Flammen griffen so schnell um sich, daß drei Kinder, die sich in der Mühle befanden, nicht nehr gerettet werden konnten. Sie verbrannten; ein viertes Kind wurde schwer verletzt. Opfer seines Berufes. Wien, 15. April. Unter furchtbaren Qualen ist der Krakauer Universitätsprofessor Droba an der Rotzkrankheit, die er sich durch Ansteckung zugezogen hatte, gestern gestorben. Als unlängst ein Bauer, der an bösartigen Geschwüren litt, in das Krankenhaus in Krakau eingeliesert wurde, berief Prosessor Droba aus Moskau einen Veterinärarzt, der ein Serum gegen die Rotzkrankheit ersunden hat. Hiermit wurde der Bauer so erfolgreich behandelt, daß eine Besserung seines Zustandes eintrat. Am Dienstag bemerkte Dobra, daß er sich selbst angesteckt habe und sagte seinen Kollegen voraus, daß seine Krankheit einen tödlichen Verlauf nehmen werde. Wie festgestellt wurde, war auf den Bauer die Krankheit von seinem Bruder übertragen worden, der als Diener im Krakauer Militärmagazin angestellt war, und dort die Katzen mit Pferdesleisch zu füttern hatte, das wahrscheinlich von rotzkranken Tieren herrührte. —— Humor im Reichstag. Das„Hohe Haus“ am Königsplatz in Berlin gilt bei den Zuhörern im Lande nur als eine Stätte ernster Arbeit, energischer parteipolitischer Kämpfe und hochragender Würde. Die überwiegende Mehrheit des Volkes und der Wähler macht sich vom Reichstag und seiner parlamentarischen Arbeit ein vielsach idealisiertes Bild. Der wissensdurstige Mann, der bei einem Besuch der Reichshauptstadt Gelegenheit hat, durch einen freundlichen Zusall eine Einlaßkarte für die Reichstagstribüne zu erlangen, wird, wenm er nicht gerade das seltene Glück hat, einem der wenigen„großen Tage“ beizuwohnen, von den im Reichstag gewonnenen Eindrücken oftnals enttäuscht sein. Der gelegentliche Reichstagsbesucher sieht nur das durchschnittliche Bild: irgendein Redner der kritten oder vierten Garnitur(so nennt man in der Parlamentssprache die Redner, die zu einem Gegenstand sprechen, der schon von einem oder mehreren ihrer Parteikollegen behandelt ist) spricht ver einem fast leeren Hause. Und wenn der Beucher dann anderen Tages seine Zeitung zur Hand nimm: und im Reichstagsbericht Stellen findet, an denen ein „Sehr richtig“ oder„Heiterkeit" vermerkt ist, dann wundert er sich, daß er von alledem gar nichts gemerkt hat. Sie sind ihm einsach verloren gegangen in der im Hause herrschenden Unruhe, und nur die fleißigen Stenographen oder die Presse=Berichterstatter, die für die eigentlichen Untertöne der parlamentarischen Verhandlungen ein durch die Praxis geübtes Ohr haben, fangen die kurzen Zwischenrufe auf, die das Einerlei der Verhandlungen hier und da ein wenig beleben. Und doch: bei allem Ernst und bei aller Sachlichkeit der Erörterungen bieten selbst die nüchteinsten Tage im Reichsparlament dem aufmerksamen Beobachter manches Interessante. In diesem hohen Hause hat auch der Humor und sogar der nicht ganz freiwillige Humor Daseinsrecht. Fast jede Sitzung wird ihm pflichtig, und wenn der selige Wustmann noch unter den Lebenden weilte, er würde zu einer raschen Vermehrung seiner Bücherausgaben allein durch die oft seltsamen Redeblüten im Reichstage Gelegenheit haben. Dem auf dem parlamentarischen Parkett sicher sehr gewandten volksparteilichen Abgeordneten Cothein passierte es kürzlich, daß er sich zu folgendem etwas kühnen Bilde verstieg:„Der heilige Immanuel Kant würde sich ob dieser Logik der Regierung im Grabe umdrehen, wenn er noch lebte.“ Ein Redner der äußersten Linken beklagte jüngst bei den Kolonialdebatten, daß es in Südwestafrika die weißen Arbeiter nicht viel besser haben, als die „schwarzen Neger". Dem konservativen Abgeordneten Dr. Oertel quittierte das Haus mit schallender Heiterkeit, als er bei der letzten Beratung des ReichsEisenbahnetats seine Rede mit den Worten begann: „Ich sühle ein menschliches Bedürfnis" Bei der Beratung der Gewerbenovelle wegen Neuregelung der Sonntagsruhe meinte der Sozialdemokrat Dr. Quarck=Frankfurt:„Wenn jemand am Sonntag früh gestorben ist, so hat er doch wirklich Zeit, sich bis Montag früh einen Grabstein zu bestellen. Reichlich drastisch pflegt der sozialdemokratische Abgeordnete Krätzig in seinen Redeblüten zu sein. Bei der Beratung einer Petition über Verschärsung der Strafen bei Streikausschreitungen äußerte er sich „Der Streikgendarm ist der Nagel, an dem demnächst das Koalitionsrecht der Arbeiter aufgehängt werden soll.“ Und bei einer anderen Gelegenheit meinte er:„Wir sind der Meinung, daß die Junker nicht ein werbendes, sondern ein fressendes Inventar der deutschen Volksvertretung sind. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Becker=Köln versicherte:„Das rheinische Pferdematerial ist auf heimischem Boden gewachsen und schon mehrfach durchgesiebt worden.“ Und der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. David erklärte bei einer anderen Gelegenheit:„Aus praktischen Gründen schon treten wir nicht auf den Boden des Abgeordneten Alpers.“ Aber nicht bloß die Abgeordneten greisen im Schwung der Rede oft zu kühnen Bildern, sondern auch die Regierungsvertreter erbringen zuweilen den Nachweis, daß sie auf diesem Gebiete durchaus konkurrenzfähig sind. So betonte vor einigen Wochen der Ministerialdirektor Dr. Caspar:„Die Frage der Binnenschiffahrt muß stets im Fluß bleiben. Und sein Kollege v. Jonquierères erklärte mit Bestimmtheit:„Wir müssen die Nordund Ostfee ihren eigenen Weg gehen lassen.“ Man sieht aus dieser kleinen Blütenlese, daß der Humor noch immer zu seinem Recht zu kommen weiß, und wenn er sich dieses Recht selbst in dem hohen Hause verschafft, das der Abgeordnete D. Naumann einmal spöttelnd die„Halle der Wiederholungen“ genannt hat. Bei lebendigem Leibe verbrannt. Baemen, 16. April. Einen furchtbaren Tod erlitt in der Bandfabrik von Tetig der Heizer Wilhelm Mertens. Er stürzte infolge eines Krampfansalles in die glühenden Schlacken und verbrannte bei lebendigem Leibe. Er war verheiratet und Vater von fünf Kindern. Schweres=Automobilung lück. Krefeld, 16. April. Gestern ereignete sich auf der Düsseldorfer Landstraße unweit Krefeld ein schwerer Unfall. Ein aus Amsterdam kommendes, mit einem Herrn und einer jungen Dame besetztes Automobil fuhr gegen einen Stein, kam ins Schleudern und stürzte um. Die Dame und der Chauffeur erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Der Herr starb im Krankenhause. Zwei Kinder verbrannt. Aurich, 16. April. In dem benachbarten Dorfe Tannenhausen verbrannten beim Anzünden eines Osterfeuers zwei Kinder im Alter von drei und fünf Jahren. Im Flugzeug von Berlin nach Rom. Berlin, 16. April. Der deutsche Flieger Linnelogel will in den nächsten Tagen einen Flug Berlin nach Nom antreten. Linnekogel will in einem Tage von Johannisthal nach Rom fliegen. Die Strecke soll über Frankfurt(Main), Besel und über die 4300 Meter hohe Jungfrau führen. Die Flugstrecke beträgt insgesamt 2400 Kilometer. Große Erdrutschungen im badischen Schwarzwald. Karlsruhe, 16. April. In Todnau im badischen Schwarzwald erfolgten größere Erdrutschungen. Umfangreiche Bergmassen wurden verwüstet, und die Bahnlinie ist teilweise zerstört worden. Demonstrationen gegen den italienischen Minister des Aeußern. Wien, 16. April. Venetianische Blätter melden: Als gestern der Hofzug mit dem italienischen Minister des Aeußern Marquis di San Giuliano auf dem Bahnhof von Perpenedo ankam, hatte sich dort eine große Anzahl von Personen angesammeli, die zu dem Zwecke erschienen waren, gegen den Minister wegen seiner Reise nach Abazzia zu demonstrieren. Die Menge brach in Zischen und in die Ruse aus:„Hoch das italienische Abazzia!“ Die Polizeiogenten, die den Zug begleiteten, wollten abspringen und die Demonstranten verhaften. Der Minister des Aeußern gab jedoch den Auftrag, den Zug sofort weiterfahren zu lassen. Das Befinden des Papstes. Rom, 16. April. Das Befinden des Papste: läßt infolge rheumatischer Beschwerden zu wünschen übrig. Aus diesem Grunde mußte sich der Papst Pius X. auf dringendes Anraten seines Leibarzte Amici für die Osterzeremonien weitgehende Schonung auferlegen. Der Papst verbrachte die letzten Tage in Gesellschaft seines Bruders, seiner Schwester und seiner Nichte. Der Reichskanzler auf Korfu. Korsu, 16. April. Der Reichskanzler v. Bethmann=Hollweg ist gestern abend 8,20 Uhr in Begleitung seines Adjutanten, Freiherrn v. Sell, an Bord des kleinen Kreuzers„Breslau“ hier eingetroffen. Er wurde vom Gesandten v. Reutter und vom Grasen v. Quadt empfangen und begab sich ins Achilleion. Um 2 Uhr nachmittags war der Reichskanzler in Brindisi angekommen und an Bord der „Breslau" nach Korsu weiter gereist. Eine grausige Entdeckung. Belgrad, 16. April. Eine große Anzahl Soldaten vom 14. Regiment ist im bulgarisch=serbischen Kriege spurlos verschwunden. Man reklamierte sie bei den Bulgaren als Gefangene. Dort wußte aber niemand etwas von ihnen. Infolge einer Ueberschwemmung hat man nun bei Radowiste eine grausige Entdeckung gemacht. Das Wasser schwemmte dort die Erdmassen fort, und dadurch sind jetzt über 400 Soldatenleichen zum Vorschein gekommen, die, nach der Ausrüstung zu urteilen, zum 14. Regiment gehörten. Das Vorgehen der Vereinigten Staaten gegen Mexiko. Washington, 16. April. Die energische Haltung der Bundesregierung gegen Huerta findet den ungeteilten Beisall des ganzen Landes. Die Mitglieder des Kongresses ließen dem Präsidenten Wilson mittellen, daß der Kongreß geschlossen hinter ihm stehen werde, falls kriegerische Absichten gegen die merikanische Regierung notwendig werden sollten. Der erste Schritt der Union. Washington, 16. April. Präsident Wilson erklärte den Mitgliedern des Kongresses, falls Huerta der amerikanischen Forderung nicht nachkäme, würde der erste Schritt der amerikanischen Regierung die Besitzergreisung von Tampico und Veracruz sein. Amtlich wird erklärt, daß zu den Gründen für die Entsendung der amerikanischen Flotte auch die Tatsache zu rechnen sei, daß Depeschen an den amerilanischen Geschäftsträger in Mexiko von den Mexikanern aufgefangen worden sind. Eine blutige Schlocht in Mexiko. Juarez, 16. April. Nach einem Bericht General Villas hatten die Rebellen in der Schlacht bei San Pedro 1560 Verwundete. Sie haben 700 Gefangene gemacht. Die Bundestruppen zündeten einen großen Teil der Stadt an, ehe sie sie räumten, Eine weltere Meldung besagt, daß von den Bundestruppen 3500 Mann getötet, verwundet oder gesangen genommen worden seien. —— Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. von Herm, Hambrecht in Olten( 1.50 Mark. Für jedermann ein vorzüglicher Leitsaden zur allgemeinen Körperpflege und hinsichtlich der Selbstmassage denjenigen, die an Fettleibigkeit, habitueller Verstopfung und an Schlaflosigkeit leiden, ganz besonders zu empfehlen. Häßliche Gesichts= und Körperformen und ihre Verbesserung. Neue Methoden und Erfolge der Umformung von Gesicht und Körper, sowie der Erscheinungen des Alterns, im Lichte der Naturwissenschaft und Medizin, von Dr. med. Fritz Koch, Berlin. Verlag Wega, Berlin W. 50. Prcis 1 Mark. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. 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