er ∆ 5 Amtliches Kreisblatt He Sdmem Jeiuer uden dane ender Feiertags. Bezugsprets M. 1.80 oiertelA#druch, bei der Post für Bestellgeld 42 Pio. wehr. Wöchentl. Grafisdeilage:„Ikustrierte: Famillenfreund" u. tägl. Unterdaltungsblatt. Anzeigenpreis: Die siedengespaltene Petitzelle oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen gus auswärts 15 Pig., Reklamezeile 40 P., Radatt gilt als Kassarnbalt u. ertind,# onzursen, Zwangsbergleichen, gerichtl. Klagen u. Nichtdeachtung d. gemacht. Jahlungsbedingung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung für den kreis börde Schwater Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Oolkszeitung Schwerker Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grlles und ältcnes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupk- Apnoncenblaß une dete und ibetemdigrüichmn Durnd. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemes Bedonntmachung der Aöniglichen Regierung durch Verössentlichung io der„Schwerter Zeitung", rechtsverdindliche Kroft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt ihres Adonnen. ien für jeden mit Tod enden(Pusall geHingunges: 300 ME“ Anfall. Druch u. Verlag v. Corl Braus. Schwerie=Rude Sortott.- Siten et des cheneder) 64. Dienstag, den 17. März 1914. 46. Jahrgang. Erstes Blatt. Preußischer Landtag Das preußische Abgeordnetenhaus verzeichnete am Montag in 50. Sitzung der Session den Beginn der Beratung des Eisenbahnetats. Abg. v. d. Groeben(ks.) war bereit, den Ausgleichsfonds über zwei Jahre zu verlängern, während ein Zentrumsantrag die Verlängerung nur für ein Jahr wollde. Eisenbahnminister Breitenbach erklärte, daß ein großer Tell der Erfolge der Eisenbahnrerwaltung auf die Einführung des größeren Güterwagentyps zurückzuführen sei. Eine allgemeine Eütertarifermäßigung lehnte der Minister ab. Abg. Schmedding(Ztr.) begründete den Antrag seiner Partei. Auch Finanzminister Lentze trat für die Unantastbarkeit des Ausgleichssonds ein, und seine Gründe wurden durch den Abg. Macco(nl.) voll gebilligt. Nach längerer Debitte, die im wesentlichen die Uebereinstimmung des Hauses mit der Tarispolitik ergab, vertagte das Haus die Weiterberatung auf Dienstag. Politische Uebersicht. Das deutsche Kronprinzenpaar wird am Freitag dieser Woche in Zoppot eintresfen und in der von der Stadt Danzig geschenkten Villa„Helablick“ für mehrere Tage Wohnung nehmen. Der Kronprinz wird bei dieser Gelegenheit sein früheres Regiment, die 1. Leibgardehujaren in Langfuhr, besuchen. Beim Reichskanzler und Frau v. BethmannHollweg fand am Montag abend ein Diner statt, an dum die Botschasder und Gesandten mit ihren Gemahlinnen, die Staatssekretäre, preußische Minister, hohe Militärs, Vertreter von Kunst und Wissenschaft, sowie andere Würdenträger und hervorragende Persönlichkeiten teilnahmen. Ein neues Buch über König Ludwig II. von Bayern wird demnächst von englischen und sranzösischen Verlegern herausgegeben werden und viele bisher unb kannte Beiträge bringen. Dem Buche sollen etwa 200 Briese des Beichtraters Ludwigs II., des verstorbenen Psarrers Dr. Trost, zugrunde liegen. Das Buch soll den Beweis dafür erbringen, deß sich der König durchaus ernstlich um die Regierungsgeschäfte bekümmert hat und das Verhältnis des unglücklichen Monarchen zur Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, der Tochter des Herzogs Maximilian Joseph von Bayern, in ein neues Licht even.„ Der deutsche Reichstag nimmt nach viertägiger Pause am kommenden Donnenstag seine Beratungen mit der Fortsetzung der zweiten Etatslesung beim Kolonialetat wieder auf. Die Pause wurde beschlossen, weil es dem Plenum an Beratungsmattrial insosern sehlt, als die Budgetkommission wichtige Etatsteile noch nicht zu erledigen vermochte, die endgültige Verabschiedung des Etats jedoch nicht gar zu welt über den 1. April hinaus verzögert werden soll. Da der Reichstag schon am 28. d. M. in die Osterferien geht, ist ohnehin ein Etatsnotgesetz unrermeidlich. Die Mehrzahl der vorliegenden Gesetzentwürse, so das Petroleummonopol, die Konkurtenzklausel, Jugendgerichte und vieles andere werden als bestaubte Ladenhüter voraussichtlich in den nächsten Tagungsabschnitt mit hinübergenommen werden; denn natürlich erfolgt wieder Vertagung, nicht Sessionsschluß, und zwar will man noch vor Pfingsten in die großen bis zum November dauernden Sommerferien gehen. Leistungen unserer Marine. Die Rückkehr des zehn Jahre lang in den mittel= und ostamerikanischen Gewässern stationiert gewesenen Kreuzers „Bremen“, die dem Kaiser Anlaß gab, seinen Dank und seine Anerkennung für treue Pflichterfüllung auszusprechen, stellt un erer Marine ein glänzendes Zeugnis aus. Der Gesundheitszustand der Besatzung war während der ganzen Dauer vorzüglich; natürlich hat nicht ein und dieselbe Besatzung den Dienst versehen, aber die prompte Einarbeit der Ersatzkommandos in den überseeischen Dienst bewies, welche wertvolle Arbeit in der Ausbildung unserer Matrosen geleistet worden ist. Gleicherweise ist die Arbeit der Schisssmannschaften und der Artillerie, die nur in langjährigem überseeischen Dienst ihre Zuverlässigkeit erweisen kann, vorzüglich gewesen. Reichstagsersatzwahl in Stendal=Osterburg. Da das von der Kommission für ungültig erklärte Mandat des konservativen Abg. Hoesch zwelfellos auch vom Plenum für ungültig erklärt werden wird, so bereitet man sich im Wahlkreie Stendal=Osterburg auf eine Ersatzwahl vor. Laut„Tag“ wird diesmal von nationallibenaler Seite der Führer des Deutschen Bauernbundes, der Landtagsabgeordnete Wachhorst de Wentee, ausgestellt werden. Bei der letzten Wahl fand eine Stichwahl zwischen Hoesch und dem Nationalliberalen Fuhrmann statt. Das neue Eisenbahnanleihegesetz für Preußen wird dem Landtage in nächster Zeit zugehen. Der Entwurf sordert, abgesehen von der Schaffung der Nebenbahnen, deren Bau abhängig gemacht wird von den üblichen Bedingungen für die Interessenten, und der Verstärkung des Kleinbahnsonds, 350 Millionen Mark, hiervon ent allen allein 173 200 000 Mark aus die Beschaffung neuer Fahrzeuge. Die Klärung über die deutsch=russischen Beziehungen, die auf Grund der amtlichen Berliner und Petersburger Darlegungen zum Schluß der vorigen Woche erfolgten, wird sich hofentlich als dauernd erweisen. Vergessen werden wir nie dürfen, daß es in sämtlichen Staaten des Dreiverbandes Ueberfluß an Leuten gibt, die sich einen Beruf da#aus machen, gegen Deutschland und den Dreibund zu hetzen, und daß wir daher vorläufig keine Aussicht haben, aus der Periode des bewaffneten Friedens herauszukommen. Ein österreichischer Staatsmann sagte dem Vertreter eines Petersburger Blattes: Die deutsch=russische Preßsehde wird kaum nachhaltige Folgen haben. Die H#uptsache ist, daß die amtlichen Kreise aller Großmächte friedlich gestimmt sind und sich alle Mühe geben, den Frieden zu erhalten. In den letzten zwei Jahren ist das nur dank gegenseitiger Zugeständnisse möglich gewesen. England. Englische Offiziere für die türkische Flotte. Der türkische Botschafter in London hat in einer Unterredung mit dem ersten Lord der Admiralität, Winston Churchill, um die Entsendung weiterer englischer Marineoffiziere als Instrukteure für die türkische Flotte gebeten. Der Marineminister hat eine zustimmende Antwort erteilt. Der englische Thronfolger wird demnächst eine Reise nach Nowwegen unternehmen. Im Anschluß an diese Reise soll der Prinz von Wales auch Dutschland und Oesterreich besuchen. Die Reisen dienen der Information des Prinzen über Land und Leute, der Prinz wird daher inkognito reisen. Rußland. Die russische Chauvinistenpresse lenkt ein. Petersburger Blätter dieser Richtung veröffentlichen lange Artikel, in denen sie die Frage erörtern: Wer braucht einen Krieg? und danauf die Antwort geben: niemand. Im Hinblick auf die Erörterungen der letzten Tage erklären sie es für unbegreiflich, daß deutsche Publizisten ernstlich an einen Krieg zwischen Rußland und Deutschland glauben könnten. Sie müßten keine Kenntnis von Rußland haben, wenn ihnen wirklich ein solchen Gedanke gekommen sei.— Der Präsident Frankreichs, Herr Poincaré, trifft Mitte Juli in Petersburg ein und wird den großen Manövern des Petersburger Militär=Bezirks beiwohnen. Der Besuch ist auf eine Woche berechnet. Albanien. Ohnmacht der albanischen Gendarmerie. Von den holländischen Offizieren, die bekanntlich die junge albanische Gendarmerie auszubilden haben, wurden soeben zuri, die Starowo mit 100 Gendarmen besetzen wollten, gesangen genommen. Seit drei Tagen finden bei Sobrani Kämpfe zwischen der albanischen Polizei und Banden statt. Die Christen in Starowo sollen sich in Gefahr befinden. Das albanische Militär hat Koritzo verlassen und sich nach Starowo begeben, werhalb die Stadt von einer Bürgermiliz beschützt werden muß. Man fürchtet für das Schicksal der Kirchen und Schulen. Der Führer der holländischen Mission, Oberst Thompson, versuchte vergeblich Fühlung mit Zographos, dem Führer der aufständischen Nordepiroten, zu gewinnen. Es heißt, Zographos werde trotz der Gendarmerie ssein Ziel erreichen. Fürst Wilhelm in der Moschee. Fürst Wilhelm von Albanien zeigte sich nach seinem seierlichen Einzuge zum ersten Malt auf den Strazen Durazzos gelegentlich eines Besuchs des türkischen Gottesdienstes in der an der Hauptstraße gelegenen Moschoe. Der Fürst hatte hohe Gala angelegt, in der Kirche saß Essad Pascha, der gleichfalls Paradeunisorm trug, an seiner Seite. Der Geistliche hielt eine patriotische Ansprache, die er mit einem Gebet für den Fürsten und die fürstliche Familie schloß. Der griechisch=orthodoxe Geistliche hatte sich bekanntlich geweigert, den Fürsten Wilhelm in die Fürbitte einzuschlieben, die er für den Zaren und die Könige von Eriechenland und Sorbien sonntäglich zu sprechen pflegt. Vereinigte Staaten. Amerika und das deutsche Petroleummonopol. Die Regierung des Präsidenten Wilson hat im Gegensatz zu derjenigen Tafts auf einen offiziellen Einspruch gegen das geplante deutsche Petroleummonopolgesetz verzichtet, da bei der Angelegenheit nicht der Staat Anterika, sondorn lediglich private Petroleumgesellschaften in Betracht kommen. Die Washingtoner Regierung nimmt nach den von ihr eingezogenen Informationen an, daß das Petroleummonopol nicht die Qualität des nach Deutschland importierten amerilanischen Petroleums, sondern lediglich den Anteil der Standard O.l Company an diesem Import vermindern werde, und daß rumänische Konkurrenz nicht gefährlich sei. exiko. Mexikos Geldklemme ist so groß, daß selbst der erfindungsreiche Präsident Huerta Gelder nicht mehr flüssig machen kann, obwohl er zur Erreichung seines Zieles nicht vor Gewaltmaßnahmen zurückschreckt. Er erklärte laut„Frankf. Ztg.“ den Banken, daß er zur Wiederherstellung der Ruhe im Lande für die nächsten drei Monate 40 bis 50 Millionen gebrauche, die er durch erhöhte direkte Steuern ausbringen und zurückerstatten will. Er verlangt darauf einen Bankvorschuß von 12 Millionen monatlich und droht für den Weigerungsfall Zwangsmaßnahmen an. Die Banken erklärten jedoch von vornherein, daß sie zur Aufbringung der geforderten Summe außerstande seien. Japan. Die allgemeine Lage. In Japan ist der Kampf um die große Marinevorlage zwischen dem Oberund Unterhause noch immer nicht zur Entscheidung gebracht. Das Oberhaus nahm die Regierungssorderungen an, das Unterhaus, an das sie jetzt zurückgelangt sind, beharrt bei seiner Weigerung angesichts der hohen Kosten und der traurigen Finanzlage des Landes. Es kommt dabei vielfach zu scharfen Vorstößen gegen Regierungsmitglieden. Die Figuren am RathausNeubau. Die Arbeiten am Rathaus=Neubau haben in der letzten Zeit einen außerordentlich rüstigen Fortgang genommen; der Hauptflügel ist im Rohbau sast vollendet, und auch der künstlerische Schmuck an dem stattlichen Gebäude nimmt bald festere Gestaltung an. Der Haupteingang wird durch Mauerbögen hergestellt, zwischen denen Pfeiler angebracht sind, welche Figuren tragen. Im ganzen gelangen acht Figuren zur Aufstellung, von denen vier bereits fertiggestellt sind. Zwei von diesen sind an dem Bogen an der Südseite des Neubaues, also nach der Stadt zu, angebracht. Die Figur in der Ecke am Hauptbau stellt einen Schwertfeger(Wassenschmied) dar; er soll erinnern an die Beschästigung, welche vor Jahrhunderten lange Jahre in unserer alten Stadt ausgeübt wurde, die Herstellung von Wassen, insbesondere von Schwertern. Der Schmied hält in seiner linken Hand ein in der Herstellung befindliches Schwert, während die rechte Hand ein Werkzeug hält, mit dem er dem Schwert die rechte Form gibt. Die Figur an der vorspringenden Ecke der südlichen Seite stellt einen Ratsherrn dar, der gewissermaßen das Selbstverwaltungsrecht verkörpern soll. Das Gesicht dieser Figur gibt die Züge des Freiherrn vom Stein wieder, welcher bekanntlich zu Ansang des vorigen Jahrhunderts die Selbstverwaltung einführte. Auch die beiden Figuren, welche den nach Norden zu liegenden Bogen krönen, sind fertiggestellt und bereits aufgestellt worden. Die der Hörder Straße zugekehrte Figur stellt einen Krieger aus alter Zeit in Panzerrüstung dar. Sie soll erinnern an jene Zeit, wo Schwerte noch Festung war und zahlreiche Kämpfe zu bestehen hatte, wo sseitens der Einwohnerschaft Abteilungen gebildet wurden, welche die Plicht hatten, die Mauern zu verteidigen. Die Figur an der nördlichen Ecke stellt einen Richter dar mit dem Gcsetzbuch und der Wage; sie soll die Gerechtigkeit versinnbildlichen. Die vier noch sehlenden Figuren über dem Bogen des Hauptportals, an welchem bereits das Stadtwappen angebracht ist, sollen das Handwerk, die Industrie, den Handel und die Landwirtschaft verkörpern. Wir werden auf die Ausführung derselben nach deren Aufstellung noch zurückkommen. Die Figuren werden nach Entwürsen des Bildhauers Pros. Grasegger=Köln in Muschelkalkstein ausgeführt, und sind von ganz hervorragender künstlerischer Wirkung, namentlich ist dieses bei der Figur des Wafenschmiedes der Fall. Muschelkalkstein wurde gewählt, weil dieser den Einflüssen der Witterung und des Rauches größeren Widerstand entgegensetzt, als der gewöhnliche Sandstein; aus dem gleichen Material sind auch Turm, Pfeiler und Mauerbögen hergestellt. Frau Caillaux rächt ihren Gatten! Paris, 17. März. Die Gewitterschwüle der politischen Atmosphäre in Frankreich, die seit Wochen bereits über dem ganzen Lande lagert, hat eine plötzliche Entladung herbeigeführt, die durch ihren dramatischen Verlauf nicht nur das höchste Interesse aller politischen Kreise erregt, sondern auch die Gemüter der Gesellschaft der französischen Hauptstadt aufs tiefste bewegt und erschüttert. Die Preßfehde zwischen dem Direktor des„Figaro“, Gaston Calmette, und dem Finanzminister Caillaux hat gestern abend zur Katastrophe geführt. Die Gattin des Ministers, Frau Caillaux, hat zur Selbsthilfe gegrifsen und den Angreiser der Ehre ihres Gatten und ihrer eigenen, Calmette, durch fünf Revolverschüsse niedergestreckt. Die Dame ließ sich gegen 6½ Uhr abends bei Calmette melden, der sie ohne weiteres empfing. Kaum war sie in sein Bureau getreten, als sie, ohne ein Wort zu sagen, fünf Schüsse auf Calmette abgab, der schwer verwundet zusammenbrach. Einer der Schüsse ist ihm in den Unterleib gedrungen. Calmette wurde sofort in eine Klinik gebracht, wo er bereits gestern abend noch gestorben ist. Frau Caillaux, die sich widerstandslos von den Redakteuren und Burcaudienern festnehmen ließ, wurde auf dem nahegelegenen Polizeikommissariat einem Verhör unterzogen. In parlamentarischen Kreisen hat das Attentat das größte Aussehen erregt. Man beschäftigt sich bereits mit der Frage, welche Folgen das Attentat auf die Stellung Caillaux' haben wird. Die Folgen des Attentats. Paris, 17. März. Man hält eo für sicher, daß Caillaux seine Demission als Finanzminister geben wird und daß sie auch angenommen wird. Der Präsident der Republik und die Minister wollten gestern akend an einem Diner auf der italienischen Botschaft teilnehmen, doch ließen mehrere Mitglieder des Kabinetts absagen. Doumergue wird nach dem Diner mit seinen Mitarbeitern über die Lage beraten. Zum Nachfolger Caillaux wird voraussichtlich ein Mitglied des Kabinetto ernannt wrten. 40 K u Grüber u. Genossen. (Zweite Verhandlung.) Der große Betrugsprozeß Grüber und Genossen scheint verschiedene Wandlungen durchmachen zu sollen, ehe er seinem Ende entgegengeführt wird. Es handelte sich bekanntlich um folgende acht Angeklagte: Die Fabrikanten Karl und Otto Grüber zu Schwerte, den Rentner H. Kugel aus Sölde bei Aplerbeck, den Senfhändler Wiethüchter aus Dortmund, dien Banlier H. Hirschfeld aus Dortmund, den Drechslermeister W. Osthoff aus Aplerbeck, den Kaufmann Brocksiepe in Habinghorst und den Werkmeister G. Nödel aus Schwerte. Die beiden und Kugel sind der Verleitung zum des versuchten Betruges, Nödel siepe des Meineides, Hirschfeld der Beihilfe Grüber Meineid und und BrockOsthoff. Wiethüchter und zum Betrugsversuch angeklagt. Die Sache stand bereits im Februar vor der Strafkammer un und wurde drei Tage lang rerlich ist der Schwager des Karl Grüber, und dieser Umstand hat ihn wahrscheinlich vor dem Meineid gerettet. Als es sich nämlich um den Nachweis der Herkunft der Gelder handelte, mit denen die angebliche Rückzahlung an Haver erfolgte, hat Wiethüchter erklärt, er habe im Mai oder Juni 1909 an Karl Grüber ein von diesem Darlehen von 4200 Mark zurückunwahr, und W. ist deshalb der Beihilse zum Betrugsversuch angeklagt. Er ist seinerzeit uneidlich vernommen worden. Die Verhandlung gegen die jetzigen vier Angeklagten kann eventuell an einem Tage zu Ende geführt werden. inen Schwager früher erhaltenes gezahlt. Das ist an handelt; sie versiel aber schließlich doch der Vertagung infolge der wiederholten Anträge der Verteidigung, die Sache als ein zusammengehöriges Ganzes vor das Schwurgericht zu verweisen, vor dem sich die wegen Meineides Angeklagten allein verantworten sollten. Nunmehr steht am 25. März vor der Hagener Strafkamn= mer die Sache wiederum zur Verhandlung an, und zwar nur gegen den Rentner Kugel=Apler= beck, den Senshändler Wiethüchter Dortmund, den Bankier Hirschfeld=Dortmund und den Drechsler Osthoff=Aplerbeck. Sosern die Angeklagten mit der Abtrennung ihrer Sache vom Ganzen und mit der Separatverhandlung vor der Strafkammer(vor welche ihre Anklage als selbständige Straftat gehört) einverstanden sind, dürfte es zu keinen weiteren Erörterungen kommen. Der Sachverhalt sei hier in Kürze rekapituliert. Die Gebrüder Grüber betrieben in Schwerte ein Fabrikgeschäft, in welches im Oktober 1908 der Kaufmann Haver als Teilhaber eintrat, indem er 30000 Mark einlegte. Im April 1909 brannte die Fabrik ab, im November 1909 starb Grüber sen., der nur noch nominell das Geschäft leitete, und turz nach der Beerdigung des Mannes klagte die Witwe Grüber, in Wirklichkeit deren Söhne, die jetzt angeklagten Gebrüder Grüber, gegen Haver auf Löschung der für seine 30000 Mark auf die Fabrik eingetragenen Hypothek. Grübers behaupteten, Haver habe im August 1909 sein Geld bis auf 1000 Mark, die auch noch zur Verfügung stünden, in bar zurückerhalten, und sie wiesen eine von Haver unterzeichnete Quittung über die Rückzahlung vor. Haver seinerseits erklärte, nicht einen Pfennig erhalten zu haben; er wollte nicht die Echtheit der QuittungsUnterschrift bestreiten, indes habe er keinesfalls über erhaltenes Geld quittiert, vielmehr sei auf rafjinierter Weise sseine etwa auf einem leeren Bogen gegebene Unterschrift von Grübers für die Quittung benutzt worden. Es kam nun zwischen Haver und Grübers zum Zivilprozeß, und hier hinein spielen nun die den jetzigen Angeklagten vorgeworsenen Straftaten. Der Rentner Kugel in Aplerbeck ist der Onkel der Grübers. Er soll an seinen Nefsen nicht nur persönliches verwandtschaftliches Interesse nehmen, sondern auch das materielle Interesse haben, sein den Nessen vor und nach geliehenes Geld im Betrage von 2000 Mark wieder zu bekommen, was sich nur dadurch ermöglichen läßt, daß der Zivilprozeß von Grübers gewonnen wird. Auf eine Anzeige des inzwischen verstorbenen Haver besaßte sich auch die Staatsanwaltschaft mit der Sache, da der Verdacht eines raffinierten Schwindels vorlag. Rentner Kugel soll nun mit dem Drechsler Osthoff in Aplerbeck zu Gunsten der Grübers Hand in Hand gearbeitet haben. In dem Zivilprozeß nämlich handelte es sich um die Feststellung, ob die Grübers zu der Zeit, da sie die 30000 Mark an Haver zurückgegeben haben wollen, überhaupt in der Lage waren, über solche Mittel gebieten zu können. Grübers erklärten, daß sie das von der Versicherung erhaltene Brandschadengeld und andere ihnen zurückerstattete Gelder zur Befriedigung Havers benutzt hätten. Nun wurde in der Untersuchung festgestellt, daß Grübers mit dem Bankier Hirschfelld in Dortmund im Bankverkehr standen, und dieser sollte einen Auszug aus dem Kontokorrent= verkehr geben; er antwortete, daß er dies nicht könne, weil er keine Aufzeichnungen besitze und immer glatt abgerechnet worden sei. Es stellte sich jedoch später heraus, daß sehr zahlreiche Aufzeichnungen und ein sehr langes Konto vorhanden waren und daß bei Hirschfeld 15000 Mark lagen, die von Grübers im Juli 1909 eingezahlt waren, die also für die Abstoßung der Haverschen Schuld nicht in Betracht kamen. Hirschfeld hat die salsche Auskunft, deretwegen er wegen Beihilse zum Betrug angeklagt ist, lediglich auf Bitten der Grübers gegeben. Als nun die 15000 Mark aufgesunden wurden, erklärten Grübers, diese Summe komme aus einem ihnen früher gegebenen Darlehen des Drechslers Osthoff zu Aplerbeck. Dieser wurde befragt und bestätigte entschieden diese Angabe, indem er erklärte, daß Rentner Kugel die Bürgschaft ihm gegenüber übernommen habe. Erst nach der Verhastung gab Osthoff zu, daß alles purer Schwindel sei, während Kugel noch lange beugnete. Dieser soll sich auch der Meineidsverleitung, wenigstens des Versuches, dem Osthoff gegenüber schuldig gemacht haben, indem er diesem zumutete, die Unwahrheit bezüglich der 15000 Mark zu sagen, obschon er wußte oder doch annehmen konnte, daß Osthoff seine Angaben beschwören müsse. Wiethüchter endAus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 17. März. **(Vorfrühling.) Das waren böse Tage letzthin. Durch die regenfeuchten Straßen heulte der Sturm; zerrissene Wollensetzen jagten am Himmel einher; Schnee, Regen und Hagel lösten sich ab; das richtige Märzwetter! Und doch hat die Menschheit den Glauben an den nahenden Frühling, den die ersten Zugvögel haben sich bereits eingestellt, leuchtende Blüten erfreuen Herz und Auge allenthalben auf Feldern, in Gärten und in öffentlichen Anlagen. Im Obstgarten schwellen die Knospen, namentlich der Birn=, Kirsch=, Aprikcssen= und Pfirsichbäume zusehends, und schon glaubt man, daß Kirschen und Aprikosen in den nächsten Tagen ihre Blüten voll entsalten würden. Aber auch manche Gewächle blühen, deren Blüte zu schauen nur dem aufmerksamen Beobachter vergönnt ist. Wie zart und frisch sieht nicht jetzt das Moos auf der Gartenmauer aus. Es hat Hunderte und aber Hunderté Blütchen aufgesteckt. Und die Amseln schlagen wieder; noch zaghaft, aber doch frühlingsgewiß. Die Stare sind längst hier und sammeln sich ost in dichten Scharen als lärmende Versammlung. Hier und da wurden auch schon Kranichzüge beobachtet, wie sie in dem belannten keiljörmigen Zuge von Süden kommend in die norddeutsche Heimat zurückkehrten.— Es muß doch Frühling werden! **(Der Verband deutscher Privatgärtner) für Westfalen, Waldeck und Lippe hielt am Sonntag im Hotel„Kaiserhof“ eine sehr gut besuchte Gauversammlung ab, in der in der Hauptsache innere Verbandsangelegenheiten erledigt wurden. Auf streng nationalem Boden stehend, beschäftigt sich der Verband mit der Hebung der würtschafftlichen Lage seiner Mitglieder, gewährt Unterstützungen, Sterbegeld usw. Auch hier besteht eine Ortsgruppe des Verbandes; Vorsitzender derselben ist der Gärtner Max Grosse=Villigst. **(Populär= wissenschaftlicher Vortrag.) Der letzte der diesjährigen Vorträge, der gestern abend im Saale des Hotel Ostermann stattsand, war nicht so gut besucht, wie man es sonst gewohnt ist. Das schlechte Wetter hatte anscheinend manchen sonst ständigen Besucher dieser Veranstaltungen, namentlich solche von auswärts, ferngehalten. Herr Prof. Dr. Stahlberg vom Institut für Meereskunde zu Berlin sprach über„Deutschlands Flottonbau und Wirtschaftspolitik“ In sast zweistündigen hochinteressanten und fesselnden Ausführungen sizzierte der Redner bis in die kleinsten Einzelheiten zunächst den Werdegang der deutschen Flotte von den kläglichen Anfängen unter Caprivi und Hollmann bis zur endgültigen gesetzlichen Regelung der immer brennender gewordenen Flottenfrage unter Tirpitz und der kräftigen Durchführung des so geschafsenen Flottengesetzes. Dann streifte er die Haltung Englands gegenüber Deutschlands Flottenplänen, beleuchtete die Einkreisungspolitik König Eduards, die Gründung der Triple=Entente in ihren Wirkungen zu Deutschland, und führte den Nachweis, daß wir es nur unserer Flotte zu verdanken haben, wenn uns bis jetzt der Frieden, trotz der vielen drohenden Wolben der letzten Jahre erhalten geblieben ist. Auch der wirtschaftliche Wert einer starken Kriegsflotte wurde von dem Redner eingehend dargetan, nicht allein in Bezug auf den Anteil Deutschlands am Welthandel, sondern auch bezüglich der ungezählten Millionen, die der deutschen Industrie und nicht zuletzt der deutschen Arbeiterschaft durch den Bau von Kriegsschiffen an Löhnin usw. wieder zusließen. Dem Vortragenden wurde für seine lichtvollen Ausführungen, die nur den einen Fehler hatten, daß sie zu viel Ziffern enthielten, lebhaft gedankt. **(Bestandenes Examen.) Bei der am Freitag an der Königlichen Fachschule für Metallindustvie in Iserlohn abgehaltenen Reiseprüfung bestand u. a. der Schüler Ernst Schulte von hier die Abschlußprüsung. **(Aus der katholischen Gemeinde.) Die Zahl der Katholisen, welche zur Psarrgemeinde Schwerte gehören, beträgt zurzeit zirka 7000. Hiervon entfallen auf die Stadt Schwerte zirka 5000; die Zahl ist in den letzten zehn Jahren um 1000 Seelen gestiegen. Den stärksten Zuwachs an Katholiken in den letzten Jahren hat die Gemeinde Holzen zu verzeichnen, deren Anzahl um das Dreisache gestiegen ist. **(Erbreiterung der Unterführung im Grünentag.) Für die Arbeitmn zur Erbreiterung des alten Teiles der Unterführung im Grünental wurden solgende Angebote abgegeben: Wilhelm SchulzLetmathe 18 885.47 Mark, Rudolf Franke=Dortmund 19541.80 Mark, Max Neuber=Hagen 20 406.92 Mark, Wimmeler& Gärtner=Hagen 21 200 Mark, Ernst Adelt=Dortmund 22193.72 Mark, Tiesbaugesellschaft Dortmund 24 100.78 Mark, Richard Plüken=Kraseld 24 281.54 Mark, Gebr. Drüchker=Unna 25 744.88 Mark. August Garve=Holzwichede 27049.36 Mark, Reis& Walter=Hagen 28707.12 Mark, Friedrich ZeugSchwerte 32 698.77 Mark, Stelbrink& FrageSchwerte 41 125.50 Mark, C. Dittrich=Schwerte 42186.29 Mark. Die Spannung zwischen dem höchsten und niedrigsten Angsbot beträgt demnach über 100 Prozent. **(Katholischer Arbeiterverein St. Stephanus.) Im Vereinslokal Kordeck hielt am Sonntag der katholische Arb.stterverein eine gut besuchte Virsammlung ab. Der Verein, der sich in sehr reger Entwicklung befindet, konnte wieder zehn Neuaufnahmen verzeichnen. Am Sonntag vor Ostern soll eine vom St. Josess= und dem Arbeiterverein gemeinschaftlich einzuberufene größere Versammlung abgehalten werden. Herr Stadtverordneter Arbeitersekretär Isenrath=Herne und Herr Kaplan Röseler sind hierzu als Redner gewonnen. Aus Anlaß des 25. Stiftungsfestes im Axril 1915 soll eine neue Vereinsjahne beschafft werden. Am 9. August unternimmt die Gesangabteilung einen Ausflug nach Freienohl zum Gesangjest des dortigen Männergesangvereins„Cäcilia“. Der 2. Vorsitzunde, Herr Bozzetti, hielt einen Vortrag über Arbeitszwang in der Armenpslege. Der Reserent führte in der Hauptsache folgendes aus: Es sei mit Freuden zu begrüßen, daß am 23. Mai 1913 durch Abänderung und Ergänzung des Reichsgesetzes über den Unterstützungswohnsitz der Arbeitszwang in der Armenpflege wieder eingeführt sei. Der Antrag auf Durchührung des Arbeitszwangs gehe von dem Armenverband aus; über den Antrag entscheldet der Kreis= oder Stadtausschuß in mündlicher Verhandlung, wobei derjenige, gegen den das Versahren sich richtet, zu hören ist. Die Entscheidung des Kreis= oder Stadtausschusses kann durch Beschwerde beim Bezirksausschuß angesochten werden, dessen Entscheid aber endgültig ist. Die Vollstreckung des Beschlusses liegt dem antragstellenden Armenverbande ob, desgleichen die Entlassung aus der Arbeitsanstalt. Drei Monate nach der Unterbringung kann der Untergebrachte einen Antrag auf Beurlaubung stellen, um den Wegfall der Veraussetzungen des Arbeitszwanges nachweisen zu können. Die Ausführungen des Reserenten fanden reichen Beifall. Nach Erledigung der Tagesordnung trat die Theater=Abteilung in ihre Rechte, und gab unter großem Beifall einige plattdeutsche Schlager und Couplets zum besten. **(Evangelisches Volksbureau.) Die letzte diesmonatliche öffentliche Sprechstunde des Evangelischen Volksbureaus hier in Schwerte wird am morgigen Mittwoch den 18. März, morgens von 9½—11¾ Uhr, im Lokale des Herrn Müller im„Alten Nathaus“ abgehalten werden. Rechtsberatung und mündliche Auskunft in allen Rechtsfragen des täglichen Lebens wird an jedermann kostenfrei erteilt. Für anzusertigende Schriftsätze und Eingaben ist eine geringe Gebühr zu entrichten. Zur Rechtsberatung bittet der Geschäftsführer, die vorhandenen Akten oder sonstige Unterlagen mitzubringen. Auf die auf Veranlassung des hiesigen Arbeiter= und Bürgervereins geschaffene gemeinnützige Einrichtung ssei empfehlend hingewiesen. **(Auf den Vortrag,) den morgen(Mittwoch) abend im„Reiche des Wassers“ der Oberleutnant a. D. v. Trotha über das Thema„Das deutsche Volk, sein Heer und seine Gegner“ halten wird, sei hiermit nochmals mit dem Bemerken hingewiesen, daß der Vortrag Punkt 8½ Uhr beginnen muß. Wer demnach nicht durch sein verspätetes Erscheinen stören und andererseits den Ausführungen des Redners, der es auch an diesem Abend wieder verstehen wird, seine Zuhörer zu fesseln, nicht nur stückweise, sondern ganz folgen will, der möge sich bemühen, recht pünktlich zu sein. Zur Vorführung einer Serie von Lichtbildern im zweiten Teile des Vortrages hat Herr Parrer Schnurbus in entgegenkommender Weise seinen Lichtbilder=Apparat wiederum wie früher zur Versügung gestellt.— Eintrittskarten sind außer an den im Inserat angegebenen Stellen auch noch abends an der Kasse zu haben. **(Von einem Hunde angefallen.) Gestern abend wurde der in der Sedanstraße wohnende Lokomotivheizer C. Eberling in der Kötterbachstraße, wo er einen Besuch abstatten wollte, von einem dort frei herumlausenden großen Metzgerhunde angefallen. Als E. sich des Tieres erwehren wollte, wurde ihm von dem wütenden Hunde der Daumen der rechten Hand vollständig zerfleischt. Von den Mitgliedern den Sanitätskolonne Lathe= gan und Heimann wurde dem Verletzten die erste Hilfe geleistet und er dann zum Arzt gobracht. Es darf wohl erwartet werden, daß der Besitzer jetzt für die ständige Festlegung des Tieres Sorge trägt. **(Waldlauf.) Die am Samstag abend im „Kaiserhof“ erfolgte Besprechung hatte seitens der in Frage kommenden Vereine(Turnvereine, Sportvereine usw.) leider nicht das volle Interesse gefunden, welches sie verdiente. Nach ungejährer Feststellung der zu durchlaufenden Strecke von etwa drei Kilometern im Schwerter Walde wurde beschlossen, ein neue Versammlung am nächsten Sonntag abend 7 Uhr im Restaurant Wilmsmann in Schwerte, Mährstraße(früher Klempt), abzuhalten, zu der hoffentlich alle Turnvereine und Sportvereine ufw. von Schwerte und Umgegend(Westhosen, Ergste, Hennen, Villigst, Geisecke, Holzen usw.) Vertreter entsenden werden. Erwähnt sei noch, daß der Besuch der Versammlung zu nichts verpflichtet, auch worden beinerlei Gebühren von den Teilnehmern am Waldlauf erhoben. Die an di: Läufer gestellten Anforderungen sind derartig geringe, daß jeder gesunde junge Mann sie zu erfüllen in der Lage sein wird. Deshalb wäre eine recht zahlreiche Beteiligung aus den Turnen und Sport treibenden Vereinen, wie auch von sonstigen jungen Leuten dringend zu wünschen. Es ist beabsichtigt, für die Vergebung etwaiger Preise(Kränze) die Läufer in Gruppen einzuteilen, sodaß auch die Minderbefähigten Aussichten haben. **(Tot aufgefunden) wurde gestern abend auf dem Boden eines Hauses an dier Liethstraße der Gelegenheitsarbeiter Wilh. Schnier. Der etwa 60 hahnre alte Mann wurde in gebückter Stellung, mit dem Gesicht im Stroh liegend, als Leiche ausgesunden; Sch. ist anscheinend erstickt. Die Polizei sorgte für die Unterbringung der Leiche in die Leichenhalle des evangelischen Krankenhauses. * Hennen, 16. März.(Kirchliches.) Es besteht die Absicht, das Geblet unserer Kirchengemeinde zu erweitern. Refflingsen war seit alten Zeiten in Schwerte eingepfarrt, obwohl die Ent,ernung nach Schwerte sast zwei Stunden beträgt. Die Entsernung nach Hennen dagegen ist nur etwa halb so groß. Nun soll Reiflingsen umgepfarrt werden. Eine derartig. Lösung wird sicherlich von vielen freudig begrüßt werden, waren doch die Verhältnisse in Refflingsen bisher so zersplittert, daß ein Fremder Mühe hatte, sich durchzufinden. Politisch gehört Resslingsen zur Gemeinde Hennen, Kreis Iserlohn, kirchlich nach Schwerte, Kreis Hörde. Am Schulbezirk Refflingsen, zu dem auch Leckingsen gehört, sind neun Kirchengemeinden beteiligt: ev. und ref. Schwerte, ev. und ref. Hinnen, kath. Sümmern, kath., ref., Kirchspielskirche und Stadtbirche Iserlohn(Gut Rote Haus)! Durch die geplante Umgemeindung würde wenigstens eine teilweise Vereinsachung dieser Verhältnisse entstehen. Hofsentlich dehnt man im Anschluß an die geplante Aenderung die Verhandlungen auch auf den Teil von Leckingsen aus, der noch nach Isserlohn eingepfarrt ist, da hier die Verhältnisse durchaus Lleichliegende sind, wie zwischen Refflingsen und Schwerte. ** Hennen, 16. März.(Die Reiseprüsung) bestand an der Königlichen Fachschule für Metallindustrie in Iserlohn der Schüler Karl Albrecht von hier. —— Westfalen und * Hagen, 16. März.(Die Hochzeit im Gefängnis.) Aus dem Standesamt erschien heute morgen unter sicherer Bewachung mehrerer Polizeibeamten der hier wegen schwerer Diebstähle und Logisschwindeleien in Untersuchungshaft sitzende Hochstapler Aldermann, um mit seiner Geliebten, einer jungen Polin aus Gelsenkirchen, den Bund sürs Leben zu schließen. Nach der Trauung wurde der junge Ehemann wieder ins Gefängnis zurückgebracht. Von einem Hochzeitsschmaus mußte man der besonderen Umstände halber natürlich absehen, eberso wurden die„Flitterwochen“ um einige Jahre verschoben. * Münster, 16. März.(Vom Kaiserbesuch.) Wie verlautet, hat das Oberhofmarschallamt endgültig auf die Verwendung des Schützenhossaales für Abhaltung der Galataseln beim Kaiserbesuch im Herbst verzichtet, weil zu große Umbauten erforderlich sein würden. Es dürfte nunmehr, da auch der Rathaussaal nicht in Frage kommen kann, weil die Küchen mit ihrem zahlreichen Porsonal(zirka 240 Personen) nicht untergebracht werden können, das Osssizlerskasino am werden. Dort würde am 5. Sepfür das Militär und am 6. Sepfür die Provinz stattfinden. März.(Todauf den SchieSamstagnacht wurd im Bahnhof Neuplatz benutzt tember die Tafel tember die Tasel * Bochum, 16. nen.) In der Bochum=Riemke der Eisenbahnschaffner Kurnner aus Osterseld als zerstückelte Leiche zwischen den Gleisen liegend ausgesunden. K. muß in der Dunbelheit beim Uebberschreiten der Eleise von einan aus entgigengesetzter Richtung kommenden Güterzug ersaßt und überfahren worden sein. * Köln, 16. März.(Aus einem Kunstsalon) sind für 4000 bis 5000 Mark Kunstgegenstände gestohlen worden, darunter goldgerahmte wertvolbe Miniaturen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, mehrere Dosen mit Minkaturen sowie andere Schmuckstücke. Diie Diebe scheinen während der Mittagspause die Türen zum Kunstsalon mit Dirtrichen oder Nachschlüsseln geöffnet zu haben, da nichts erbrochen war. Letzte Drahtmeldungen. Dammbruch. Emmerich, 17. März. In der Nähe von Spyk erfolgte ein Dammbruch, wobei mehrere Dörfer überschwemmt wurden. Die Gefahr weiterer Ueberschwemmungen ist wegen der andauernden Regengüsse sehr groß. Zahlreiche Bewohner verlassen die überschwemmten Ortschaften und beziehen Notwohnungen in den Nachbarorten. Verheeren des Großfeuer. Eppingen, 17. März. Die Schuhfabrik von S. Weil in Eppingen ist durch ein Großfeuer zerstört worden. Sechs angrenzende Gebäude wurden ebenfalls ein Raub der Flammen. Der Schaden beträgt eine viertel Million Mark. Neun Familien sind elddahles. Nr. 64. Beilage Gchwerter Hentlg Dienstag, 17. März 1914. Amtliches Kreisblatt. Die Sonntagsruhe. Die Reichsregierung unterhandelt mit einem bekannten Sozialpolitiker der bürgerlichen Parteien über das Zustandekommen eines Kompromisses über die strittigen Bestimmungen des in der Kommissionsberatung befindlichen Gesetzes über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, wobei die mittlere Linie zwischen den Wünschen der Prinzipale und der Handlungsgehilsen innegehalten werden soll. Es ist zu erwarten, daß eine Einigung erfolgen wird, so daß dann der Annahme des Gesetzentwurses im Plenum nichts mehr entgegenstehen würde. Das Kompromiß dürfte sich auf folgende Punkte erstrecken: Die Grenge für die volle Sonntagsruhe in Städten mit über 75 000 Einwohnern soll beibehalten werden. In diesen Orteen wird für das Bedürfnisgewerbe(Fleisch, frische Backwaren, Milch, Blumen, Eis usw.) eine Arbeitszeit von drei Stunden vorgesehen werden, die um 1 Uhr ihren Schluß zu finden hat. Für die Kontore soll in allen die völlige Sonntagsruhe eingeführt werden, mit einigen Ausnahmen für das Schiffahrts= und Speditionsgewerbe. Weiter dürste das Kompromiß die Sonntagsarlnit in den offenen Ladengeschäften in Städten unter 75 000 Einwohnern auf drei Stunden bemessen, wobei eine feste Schlußstunde gleichsalls um 1 Uhr vorgesehen ist. Die zehn Ausnahmetage, die von der Regierung vorgeschlagen sind, sollen beibehalten werden. Jedoch soll die Arbeit an diesen Sonntagen nicht über sieben Uhr abends stattfinden. In den Städten, in denen bereits eine über die Kompromißvorschläge hinausgehende Regelung der Sonntagsruhe ortsstatutarisch festgesetzt ist, sollen diese ortsstatutarischen Bestimmungen von dem neuen Gesetz nicht berührt werden. Weiter will man den Wünschen der konditionierenden Apotheker entgegenkommen. Es soll vereinbart werden, daß in den Städten, in denen zwei Apotheken vorhanden sind, an den Sonntagen eine abwechselnd geschlossen werden muß, so daß für die andere Apotheke völlige Sonntagsruhe herrscht. Sind mehrere Apotheken vorhanden, so soll eine bezirksweise Regelung der Sonntagsruhe stattfinden. — Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 16. März.(Eine unangenehme Sache!) Im Jahre 1899 hat die Stadt Dortmund eine über 52 Morgen große Fläche an den Großgärtner Münsberg verpachtet. Münsberg hat die Bewirtschaftung der Pachtung vernachlässigt, so daß lebhafte Beschwerden seitens der angrenzenden Pächter infolge Verunkrautung ihrer Grundstücke durch Verwehung der Unkrautsämereien laut wurden. Da alle Vorstellungen bei Münsberg nichts halsen, mußte die Stadt die Pacht auflösen. Das geschah schon 1905. Auf der Pachtung befanden sich Obstbäume, Beerensträucher, Rhabarber usw. und mehrere Morgen Spargel. Unstreitig war, daß die Stadt dem Pächter den Wert der Dauerkulturen erstatten mußte, Münsberg beantragte alber auch Entschädigung dafür, daß ihm die Pachtgrundstücke im Jahre 1899 in mangelhaftem Zustande, nämlich nicht gopflügt, drainiert und rigolt übergeben worden seien. Zunächst werlangte er früher 80 000 Mk. Vergütung, später kam er auf 110000 Mark, zuletzt auf 206000 Mark. Die Stadt bestritt diese Schadeversatzansprüche gänzlich. Nachdem nunmehr die Sache acht Jahre geschwebt hat, ist jetzt endlich ein Schiedsspruch ergangen, wonach die Stadt auch für den Schaden, der durch die mangelhafte Uebergabe der Pachtgrundstücke entstanden, aufkommen und einschließlich des Ersatzes des Wertes der Zeichenerklärung: ∆ Russisch. Armeckps! Division A Deutsches Armeekgs Ablesterr-ungar.* 7—0 397 De hiimir 187 gstei Grodach 11 In eWzins Gelgt oMinsh Greslautu# Warse N Löarde * CNVII MUSKAU ∆lörenadiere Snotens. □zes Ci XV Woronesh. Rawno □IX -GaRbse Lenberg 8.—ewaue. 10 2## Frehburg gflasghau##.#### Charkow 90 WEE E — 800 S& VII„ 34.10. „ XlI N 1e ∆ Jemesvar Hermannst.S S II EEAAMGE Kosalien-Une Dauerkulturen im ganzen 37 856 Mark an Münsberg zahlen muß. Gegen den Spruch des Schiedsgerichtes kann die Stadt nicht angehen. Hagen, 16. März.(Zum zweiten Male) in kurzer Zeit brannte es in dem Lagerraum der Möbeljabrik von C. Freitag, Elberfelderstraße hier. Das Feuer, das gegen sünf Uhr früh ausgebrochen war, wurde von der Berufsseuerwehr in eineinhalb Stunden gelöscht. Der angerichtete Schaden ist wieder bedeutend. Arnsberg, 16. März.(Kaiser WilhelmTurm.) Der Reinertrag des Westfalen=Festes in Berlin zugunsten der Errichtung eines Kaiser Wilhelm=Turmes in Arnsberg aus Anlaß der 100jährigen Zugehörigkeit des ehemaligen Herzogtums Westsalen zu Preußen beträgt 618 Mark. Insgesamt sind bis jetzt für den Turm, der im Jahre 1915 errichtet werden soll, 30000 Mark gesammelt. Anholt, 16. März.(Als Mädchenhändler entlarvt) wurde heute morgen hier ein Mann, der in einer hiesigen Gastwirtschaft logierte. In den Fastnachtstagen hatte der elegant gekleidete Herr in Köln die 18jährige Tochter eines Landwirts aus der Nachbarschaft kennen gelernt. Im Lause der mit diesim Mädchen geführten Unterhaltung tellte er sich ihr als Apotheker vor. Auch äußerte er den Wunsch, die Eltern des Mädchens während eines Urlaubs einmal besuchen zu dürfen. Vor einigen Tagen meldete der Mann nun seinen Besuuch tolegraphisch an und wurde, da er auf die Eltern einen guten Eindruck machte, auch sehr freundlich aufgenommen. Die beiden jungen Leute unternahmen nun tagtäglich Ausflüge per Bahn oder Fahrrad. Einige Nachbarn, denen die Sache doch etwas verdächtig vorkam, verständigten den Gendarmeriewachtmelster, der sich von dem Fremden die Legitimationspapiere vorbegen ließ. Bei der Revision ergoben sich Unstimmigkeiten, auch verwickelte sich der junge Mann bei seiner Vernehmung mehrfach in Widersprüche. Mißtrauisch geworden, erkundigte man sich nun telegraphisch in dem Heimatsorte Gürzenich, Kreis Düren, und erfuhr dort, wohl nicht zur großen Freude der Familie des Landwirts, daß es sich um den Sohn eines Fabrikarbeiters handelte, der ursprünglich in Ausübung des Metzgerhandwerks seine Befriedigung gefunden hatte, später aber auch schon wegen Zuhälterei, Kuppelei usw. bestraft worden ist. Der vermeintliche Apotheber hatte das Mädchen gebeten, mit ihm eine Fahrt nach Amsterdam zu unternehmen, die er auf den heutigen Tag angesetzt hatte. Von dort plante er wahrscheinlich die Verschleppung des Mädchens. Der Verhaftete ist dem Gericht in Bocholt zugeführt worden. * Gelsenkirchen, 16. März.(Die Kirchenräuber,) die in der Nacht zum Donnerstag in dem hiesigen katholischen Waisenhause einen srechen Einbruch verübten, wobei sie u. a. mehrere Kelche erbeuteten, sind gestern in Essen ermittelt und festgenommen worden. Sie trugen einen Handkosser bei sich, in dem sich die gestohlenen Sachen wieder vorsanden. Die Kelche waren bereits zertrümmert und in Stücke zeischlagen. Ferner fand sich eine Dose mit Celd vor, auf deren Boden ein Zettel befestigt war, mit der Ausschrift: Waisenhaus Gelsenkirchen. Es sind ein Bäckergeselle, ein Kellner und ein Bergmann. Anscheinend hat man es mit der Festnahme einer wohl organisierten Einbrecher= und Diebesbande zu tun. * Essen, 16. März.(Einen unerhört räuberischen Ueberfall) vollführten mehrere leider unerkannt entkommene Burschen. Sie beraubten unter schweren Mißhandlungen in der vergangenen Nacht in der Dreilindenstraße einen 73= jährigen Greis, den Kaufmann Ernst Westemann, der sich heftig zur Wehr setzte und um Hille schrie. Die Verletzungen, die der bedauernswerte Greis durch die Unmenschlichkeit der Rohlinge erlitten hat, sind so schwerer Natur, daß er wohl kaum dem Leben erhalten wird. Die Polizei ist ei#rig auf die Fahndung der Burschen bedacht. * Elberfeld, 16. März.(Wohnungsfürsorge.) Ein Merkblatt mit den Ratschlägen über gesunde Wohnung wird bei den Besichtigungen der Wohnungen durch die Beamten der städtischen Wohnungsinspektion aus Veranlassung der Verwaltung den Hausbewohnern überreicht, um die Aufmerksamkeit der breiten Volksschichten auf die Notwendigkeit und auf die Voraussetzung einer guten und gesunden Wohnungsweise hinzulenken. Die Leute werden aufgefordert, wenn trotz der Beachtung der Regeln des Merkblattes Mißstände in der Wohnung auftreten, sich an die Wohnungsinspektion zu wenden. * Q u i s b u r g, 1 6. M ä r z.( D a s W a s s e r s t e i g t.) Seit gestern abend sind hier wie am ganzen Mittelrhein ununterbrochen starke Niederschläge erfolgt. Die Hochwassergefahr am Rhein nimmt damit einen drohenden Charakter an, da das Wasser immer noch weiter steigt. Am hiesigen Pegel ist seit gestern abend ein weiterer Zuwachs von 15 Zentimetern zu verzeichnen. Von Tag zu Tag mehren sich die Schäden des Hochwassers, das in dieser Höhe seit Jahren nicht mehr zu verzeichnen war. Schon jetzt sind weite Wiesenflächen und niedrig gelegene Aecker überflutet: Der Schisssverkehr auf dem Rhein liegt ast ganz danieder, da die Ladeeinrichtungen in den hiesigen Häfen und vieler industrieller Werke am Rhein durch die Hochslut zum großen Teil zum Stillstand gezwungen sind. Das Fahren zur Nachtzeit auf dem Strom ist verboten. * Lennep, 16. März.(Ein bissiger Liebhaber.) Der 28jährige österreichische Arbeiter Kollwitz, der zu einer in der hiesigen Kammgarnspinnerei von Johannes Wülfing u. Sohn beschäftigten österreichischen Arbeiterin in Beziehungen stand, erfuhr, daß seine Geliebte ihre Gunst einem anderen zugewandt habe. Es gab eine scharfe Auseinandersetzung, die damit endete, daß der junge Mann das Mädchen verprügelte. Damit war der Eifersüchtige aber noch nicht zufrieden. Am Abend, als das Mädchen seine Arbeitsstelle verließ, übersiel er es und biß es in die Nase. Das Mädchen mußte schleunigst einem Arzt zugeführt werden, der dann eine erhebliche Verletzung der Nase feststellte. Der bissige Liebhaber wurde festgenommen. * Düsseldorf, 16. März.(In der Notwehr erschossen) hat ein Polizeibeamter den Gelegenheitsarbeiter W., der wegen Verbüßung einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe gesucht wurde. Der Beamte traf den W. in einer Wirtschaft und forderte ihn auf, ihm zur Wache zu folgen. Der Aufforderung kam dieser schließlich nach; an einer dunklen Stelle griff er den Beamten an und sprang ihm an die Kehle. Der Angegriffene verteidigte sich mit dem Säbel, der ihm jedoch entrissen wurde. In dem Augenblick, als W. dem Beamten mit der Waffe zu Leibe gehen wollte, seuerte dieser einen Schuß ab, der W. ins Herz traf und seinen sofortigen Tod herbeiführte. * Düren, 16. März.(Eine Submissions= blüte.) Ein Unterschied von mehr als einer halben Million Mark hat sich bei einer Ausschreibung des Stadtbauamtes in Düren ergeben. Es handelte sich um die Herstellung eines Exerzierplatzes, um die sich 32 Unternehmer bewarben. Bei der Prüsung der eingelaufenen Angebote ergab sich zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Gebot eine Differenz Neber alles die Ehre. Roman von M. R. Herrmann. 6 Der General lachte höhnisch auf.„Auch diese Komödie,“ murmelte er ingrimmig vor sich hin. „Für einen guten Abgang sorgt er wenigstens. Es ist auch besser so, daß er einfach davongeht, als daß er mir noch einmal unter die Augen getreten ist.“ Die Gattin hatte erstaunt den halblauten Worten des Gatten gelauscht und wollte gerade fragen, als der General ihr den Brief gab. Sie las ihn ausmerksam durch und brach dann in wildesSchluchzen aus.„Tot, tot!“ rief sie schmerzbewegt aus. Doch fast rauh unterbrach der General den Schmerzausbruch seiner Gattin mit den Worten: „Das glaube, wer will. Ich nicht. Feige ist er ausgekuiffen. Und es ist gut so. Ich werde mich in seine Wohnung begeben. Iuzwischen teile Du den Kindern das Gescheheue, ich meine die Abreise Rudolfs, mit. Das andere verschweigst Du besser. Der General befahl dem Diener, anzuordnen, daß der Wagen so schnell wie möglich vorfahre. Er zog dann Zivil an und befand sich eine halbe Stunde später im Wagen auf dem Wege nach der Wohnung seines Sohnes, die in der Vorstadt, in der Nähe der Kaserne lag. g#### Der Bursche des Leutnants öffnete dem General. Er konnte nur mitteilen, daß der Herr Oberleutnant ihm aufgetragen habe, sich morgen wieder beim Regiment zu melden, da der Herr Leutnant verreist sei. Vor einer Stunde sei er nach dem Bahnhof gefahren. Er habe nur einen kleinen Handkoffer mit der Kleidung bei sich gehabt, auch habe der Herr Leutnant dem Burschen Geld zur Bezahlung verschiedener Rechnungen gegeben. Den ganzen Tag habe der Herr Leutnant gepackt und ihn beauftragt, die Koffer und Kisten in die Wohnung Seiner Exzellenz schaffen zu lassen. Der General winkte ab und unterzog die Wohnung einer Besichtigung. Die Schränke waren leer, der Schreibtisch geräumt. Nichts deutete darauf hin, daß Rudolf überstürzt gehandelt habe, und so wurde dem General zur Gewißheit, daß der Sohn davongefahren war und heute nur eine Komödie aufgeführt habe, um so mehr, als der Bursche nur den Brief an ihn zur Post hatte tragen müssen. Bernhigt darüber, daß Rudolf sich kein Leid angetan, verließ er dessen Wohnung, gleichzeitig traf er Anstalten, daß des Sohnes Sachen sobald als möglich in die Kommandantur gebracht würden. 2. Kapitel. Das Vereinshaus erstrahlte in blendendem Glanze des elektrischen Lichts einige Abende nach den Ereignissen im ersten Kapitel. In dem vornehmen Stadtviertel war sonst wenig Verkehr, auch in der frühen Abendstunde befanden sich nur wenige Gäste in den ausgedehnten Räumen. Aber dennoch wies die Tätigkeit der befrackten Kellnerschar darauf hin, daß bald ein großer Gästeschwarm zu erwarten sei. Das sagten auch die vielen Bogenlampen, die ihr blendendes Licht in die Säle und auf die Straße ergossen, das zeigte der Oberkellner, der noch alles schnell einer Besichtigung unterzog, der bald hier, bald dort tadelte, dem die Blumenarrangements auf den mit blendend weißem Tischzeug bedeckten Tafeln in den Speisesälen nicht zweckmäßig genug geordnet waren. Die Kellnerschar mußte fortwährend Aenderungen vornehmen. Es herrschte ein Wirrwarr, als ob schon ein paar hundert Gäste bedient werden müßten, und doch waren nicht einmal die Musiker erschienen, es glänzten nur die Tafelaussätze, die Kristallgläser im Strahle der Bogenlampen, und warfen bunte Lichtreflexe Endlich hatten des Oberkellners scharfe Augen nichts mehr zu tadeln gefunden. Er trocknete sich die Schweißtropfen von der Stirn und teilte dann die Rollen aus, die seine Untergebenen einzunehmen hatten. Hierauf besichtigte errecht versteckt gelegene Räume im zweiten Stock des großen Gebäudes, in denen heute der Klub der Junggesellen seinen gewöhnlichen Spielabend abhalten wollte. Die von Nischen umsäumten Räume lagen noch völlig ruhig da. Wenn sie erzählen könnten, wie viel Aufregung, wie viel Leidenschaft sie schon gesehen, aber ruhig und freundlich, fast anheimelnd sah es hier aus. Das verdeckte elektrische Licht gab dem Raume etwas Vertrauliches, ganz dazu angetan, Junggesellen eine Häuslichkeit vorzutäuschen. Der Oberkellner begab sich wieder in die unteren Räume, diesmal die Haupttreppe benutzend und die verborgene Treppe, die nur dem Personal und den Klubmitgliedern bekannt war, vermeidend. Die Musiker stellten sich ein und nahmen in einer versteckten Bühne im Speisesaale ihre Plätze ein. Bald darauf waren sie fleißig mit dem Einstimmen ihrer Instrumente beschäftigt, und ein vielstimmiges musikalisches Chaos durchschwirrte für einige Zeit den Saal. Dann wurde es wieder still. Aber lange hielt die Stille nicht an, dann erschallte glockenreines Lachen, wurde das Knistern von Seidenschleppen, das Knarren von Lackstiefeln gehört. Die ersten Gäste waren erschienen, sie warfen einen Blick in den Raum, sahen nach den Tischkarten und begaben sich in andere Säle. Die Bürgergesellschaft, die in ihren Kreisen die Spitzen der Zivilbevölkerung vereinigte, hatte einen großen Gesellschaftsabend veranstaltet. Das Fest nahm seinen Anfang. Gedämpft klangen die Töne der Musik, als die große Schar der Gäste den Speisesaal betrat. Es war einestattliche Versammlung. Die Herren im Frack, die Damen in auserlesener Gesellschaftstoilette. Im Haar glühten und funkelten die Diamanten und Brillanten in wahrhaft bezaubernder Pracht, die hellen Seidengarderoben in allen Farbenschattierungen gaben dem Ganzen eine reiche Abwechslung. In den Kristallkelchen perlte funkelnder Wein. Ein Summen und Girren machte sich an den Tafeln breit, dazwischen klang das Klappern und Klirren von Tellern, das Geräusch der arbeitenden Messer und Gabeln, dann wieder ertönten aus der verdeckten Musikloge die Klänge der Musik. In den Gängen aber eilten Kellner hin und her. An einer Seitentafel hatten sich Bankier Schönfelder und Gattin niedergelassen, zu seiner Rechten saß Kommerzienrat Herzberg und Frau. Ueberhaupt schien es, als ob die Inhaber der hervorragendsten Handelshäuser und der Fabriken hier ihren Platz gefunden hätten. Dafür war die Unterhaltung an dieser Tafel nicht so gezwungen, wie die an den anderen.„Es ist schade," bemerkte nach einiger Zeit Schönfelder zu seiner Frau,„daß durch den Garnisonbefehl unsere Leutnants von dem Besuche des Vereinshauses ausgeschlossen sind, sonst würde das Bild noch ein farbenprächtigeres sein, wie es jetzt ist.“„Und vor allen Dingen würden unsere jungen Damen bessere Unterhalter haben, als wie es die Herren Referendare, Assessoren und besseren„jungen Leute“ aus den Kontoren sind, ergänzte Frau Schönfelder die Rede ihres Gatten. „Sieh nur, wie steif es zum Beispiel drüben ander Tafel zugeht, an der der Herr Regierungsrat und alle die anderen Räte mit Gattinnen und Töchtern Platz genommen haben.“ „Ja, Ihr Frauen bleibt Euch gleich in der Schwärmerei für das bunte Tuch," erwiderte lachend der Bankier. Sich dann an seinen Nachbar, den Kommerzienrat, wendend, bemerkte er fragend: „Was mag nur die Kommandantur bewogen haben, den Offizieren das Betreten des Vereinshauses plötzlich zu verbieten?“ „Man spricht, daß der hier tagende Klub der Junggesellen dem Spiele stark frönt. Und um nun den jungen Herren vom Militär die Gelegenheit zu nehmen, das Geld der Väter am grünen Tisch m einer Nacht los zu werden, soll das Verbot auf spezielles Eingreifen des Kommandierenden ergangen sein. Wenn es Sie interessiert, führe ich Sie, wenn der Tanz begonnen, in die Räume des Klubs. Ich kenne den geheimen Zugang und durch ein Mitglied das Losungswort, das uns den Eintritt gestoten minT von 586 676 Mark. Die höchste Forderung betrug nämlich 598 009 Mark, die niedrigste 61333 Mark. * Bonn, 16. März.(Unter dem Verdacht der Brandstiftung) wurde hier der Kaufmann Ferdinand Peitz, sein Wagenlenker Heinrich Eorgen und der Kausmann Theodor Chordes rerhaftet. Man vermutet, daß die Genannten ein im Geschäftsgebäude der Firma Peitz ausgebrochenes Feuer angelegt haben. Kurz vorher war das Haus und das Mobiliar hoch versichert worden. Wie es lrißt, soll sich die Firma Peitz in letzter Zeit auch in Zahlungsschwierigkeiten besunden haben. Wie reich ist Alfred Krupps Witwe? Es ist eine sast stets sich wiederholende Erscheinung, daß Familien, die auf dem Gebiete des Handels oder der Industu# zu großem Vermögen gelangt sind, gewöhnlich schon in der zweiten, spätestens aber in der dritten Generation dem Bürgertum verloren gehen, sei es, daß sie durch Heirat und Verschwägerung dem Bürgertum entfremdet und zum Adel hinübergezogen worden. Das war auch bei der ersten industriellen Familie Deutschlands, bei den Krupps, der Fall, und hier war es die Gattin Fniedrich Alfred Krupps, die, sellst dem Adel angehörend, diesen Uebergang angebahnt hat. Friedrich Alfred Krupp sowohl wie sein 1887 verstorbener Vater Allred Krupp hatten bekanntlich für ihre Person die Nobilitierung abgelehnt, obwohl sie gerade bei dem Sohne durch seine Verheiratung mit einer Freiin vom Ende nahrgelegen hätte. Diese, Friedrich Alfred Krupps Witwe, feierte am 15. März ihren 60. Geburtstag. Sie ist die Tochter des verstorbenen Oberpräsidenten von Hessen=Nassau, Freiherrn August vom Ende, der seinerseits mit einer Gräfin von Königsdorfs vermählt war. Als seine älteste Tochter dem größten Industriellen Deutschlands die Hand reichte, war Freiherr vom Ende Polizeipräsident in Breslau. Durch das Testament ihres Gatten, der an 2. November 1902 verstorben ist, ist die verwitwete Frau Margarete Krupp gewissermaßen etwas der allgemeinen Beachtung entrückt worden, die sich begreiflicherweise sonst an die Trägerin des größten Vermögens in Deutchland gelnüpst hätte. Denn in dem fraglichon Testament wurde Friedrich Alfred Krupps ültest Tochter Berta, die jetzige Frau Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, zur Erbin der später in eine Aktiengesellschaft mit 160 Millionen Mark Kapital umgewandelten Gußstahlfabrik eingesetzt. Diese testamentarische Bestimmung erregte seinerzeit gewissermaßen Verwunderung. Daß trotzdem Friedrich Alfred Krupps Witwe ein sehr bedeutendes Vermögen geblieben ist, geht aus den Angaben Der erste albanische Ministerprasident. Deutschlands, die mehr als 100 Millionen Mark ihr Eigen nennen. Vermischtes. #4 r Der türkische Botschafter in Petersburg, Turkhan Pascha, hat sich bereit erklärt, die Ministerpräsidentschaft im ersten Kabinett des Fürsten Wilhelm zu übernehmen. Turthan war eine zeltlang türlischer C.schäftsträger in Wien, Botschafter in Rom und mohrere Male Minister, einmal auch Minister des Aeußeren. Er gilt als russophil und sseine Ernennung wird als ein Zugeständnis an Rußland und als ein Folge der jüngsten Verhandlungen des Fürsten Wilhelm mit den russischen Staatsmännern in Petersburg angesehen. Turkhan steht im 70. Lebensjahre und gehört einer der angesehendsten albanischen Familien an. Lerggrmeverrergete. hervor, die Rudols Martin in seinem bekannten Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre macht. Darnach dürfte Frau Wirkl. Geheimrat Krupp zurhelt ein Vermögen von 60—65 Millionen Mark und ein Einkommen von rund drei Millionen Mark besitzen. Sie ist damit immer noch eine der reichsten Einwohnerinnen des an Niesenvermögen so reichen Regierungsbezirks Düsseldorf, und ihr Einkommen dürfte dem August Thyssens nicht erheblich nachtehen. Da die Krupps, wie man welz, im Mannesstamme ausgestorben sind, und da beide Töchter Friedrich Alfred Krupps in dem Adel geheiratet haben, so ist schon heute das ganze Kruppsche Riesenvermögen als dem Bürgertum verloren zu betrachten, und es befindet sich ebenso in abligen Hänlen, wie, von August Thyssen abgesehen, das Vermögen aller anderen Plutokraten = Der König der Löwenjäger. Auch die im Jägerlatein stärbsten Jäger müssen sich vor den Großtaten, die Sir Thomas Dewar verrichtet haben will, rerstecken. Ja, sellst der vielbewunderte englische Offizier, von dem kürzlich berichtet wurde, daß er an zwei Tagen im füdafrikanischen Busch fünf Löwen erlegt hätte, kann demgegenüber nicht mehr bestehen. Denn Sir Thomas Dewar hat bei Nairoli in Englisch=Westafrika in einer einzigen Nacht nicht weniger als zehn Löwen zur Strecke gebracht. Es wimmelt allerdings dort von Löwen, und den Jägern erössnen sich dadurch die glänzendsten Aussichten auf interessante Abenteuer. So hatte eines Nachts Dewar zwei Zebras als Lockung festgebunden, und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Er wurde plötzlich durch einen riesigen Löwen aufgeschreckt, der seine Schuhe beschnüfselte und verschwand, als der Jäger nach der Büchse griff. In der nächsten Nacht stellten sich nacheinander drei Lönen und eine Löwin ein, denen im kurzen Zwischenraum einer Stunde weitere zehn Bestien solgten. Sir Dewar wählte ruhig seine Beute und knallte die männlichen Bestien nieder; denn er hat es sich zur Regel gemacht, niemals auf Löwinnen zu schießen. = Der Humor des alten Wrangel. Von einem Teilnehmer an der Erstürmung der Düppeler Schanzen wird dem„Westsälischen Volksblatt“ folgendes heitere Erlebnis mitgeteilt:„Es war am 18. April 1864, allso am Tage der Erstürmung der Düppeler Schanzen, an der ich bei der damalligen dritten zwölfpserdigen Batterie des 9. Feldartillerie=Regiments tätigen Anteil genommen, als nachmittags gegen 3 Uhr das Feuer rerstummte. Unweit der Stellung, wo wir mit unseren glatten Gechützen den Brückenkopf bei Sonderburg beschossen hatten, hielt der alte Feldmarschall Wrangel mit seinem Stale. Es schien ihm sicherlich große Freude zu bereiten, wie wir uns die von Fleusburger Bürgern gespendeten Liebesgabben, nämlich Schinken und gekochte Eier, recht gut schmecken licßen, und außerdem uns noch am Weine laben konnten; denn jedes Geschütz hatte von diesem edlen Cetränk einen ganzen Eimer voll erhalten. Wir hörten dann bald darauf, wie ein Adjutant die von König Wilhelm an den Prinzen Friedrich Karl gerichtete Depesche zur Verlesung brachte. Sie hatte folgenden Wortlaut:„Nächst dem Herrn der Heerscharen rerdanke ich meiner herrlichen Armee und Deiner Führung den glorreichen Sieg des heutigen Tages. Der Adjutant soll darauf seiner Verwunderung darüber Ausdruck gegeben haben, daß in dieser Depesche Seiner Exzellenz mit keiner einzigen Silbe gedacht worden sei, worauf der alte Wrangel in seinem trockenen Berliner Humor und mit echtem Berliner Dialekt erwiderte:„Na, Menschenslind! Verstehste denn des nich? Der„Herr der Heerscharen“, damit hat mir doch bloß gemeint.“ Eingesandt. Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung. Die Beamtenlaufbahn. Es rückt jetzt wieder die Zeit heran, welche die Eltern vor die Frage stellt: was für einen Beruf soll der Junge wählen? Viele Eltern und auch der Jüngling selbst fallen auf die Beamtenlausbahn, ohne zu wissen, mit welchen Schwierigkeiten es heute verknüpft ist,„mittlerer Beamter“ zu werden. Abgesehen daren, daß die Hälfte der Beamntenstellen— d. h. der mittleren Beamtensstellen— mit Militäranwärtern besetzt werden muß, besteht für die Zivilanwärter umsoweniger Hoffnung auf baldige oder rechtzeitige Anstellung, weil gerade die mittlere Beamtenlausbahn sehr stark überfüllt ist. Selbst begabte und tüchtige Zirilanwärter, welche die gesorderten Prüsungen abgelegt, Verwaltungs= und sonstige Fachschulen besucht haben, warten, insbesondere bei KommunalVerwaltungen, vergeblich ausf Anstellung. Die Eltern müssen, selbst nach der Militärdienstzeitnoch erhebliche Zuschüsse leisten. Es ist keine Seltenhelt, daß fachkundige und pflichttreue 30—35= jährige Anwärter und Gehülsen bei laum auskömmlichen Besoldungen, noch nicht einmal in Beamtenstellungen eingerückt sind.— Ausnahmen kommen ja vor, aber da spielen Glück und Protektion eine große Rolle.— Es gibt unter allen Berufsgruppen keine einzige Kategorie, die so überfüllt ist, wie die der Beamtenanwärter. Strebsame Jünglinge können daher unter den jetzigen Zeitverhältnissen nicht genug vor dem Eintritt in die Beamtenkausbahn gewarnt werden. Ein Beamter. Millionen Menschen kann man nicht dauernd dazu überreden, daß etwas Schlechtes gut ist. Wenn daher Millionen Menschen seit über zwanzig Jahren tagaus, tagein mit Cenuß Kathreiners Malzkassee trinken und sich dabei wohlfühlen, so ist das ein Beweis dafür, daß dieses Getränk wirklich und dauernd befriedigt. Es trägt aber auch zur Hebung des Woh'standes bei, denn 20 Tassen kosten nur 10 Psennig. Man kann durch Kathreiners Malzlaffee in unseren teuren Zeiten also sehr viel sparen. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Hal lseswurt in Dosen zu 8 Stück, per Dose 90 Pfg. empfiehlt Carl Trog. 85 # Drähigestechte aller Ait 4= und 6eckig, 50—150 cm hoch, für Hühnerställe und Cinfriedigungen, Frechtungsdraht in verschiedenen Stärken, Stacheldraht, Klammern empfehle ich zu billigsten Preisen. R. 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Wenn nun auch dafür gesorgt ist,„oaß die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, so gibt es doch manche unter ihnen, deren Wachstum und Gedeihen ohne Aufhören zu sein scheint. Die Norfolk=Insel=Fichte in Australien gehört zu den Riesen dieser Art; ferner der indische Bananenbaum, von dem jedes einzelne Exemplar zu einem förmlichen Wald anwächst, unter dessen Schatten 10000 Menschen Schutz finden können gegen die glühenden Sonnenstrahlen. In seinem heiligen Dunkel stehen die Pagoden der Brahminen, die Hütten und Grabmäler der Hindu. Wer vermag den Wendepunkt im Leben dieser Riesen zu bezeichnen, wo ihr Wachstum stillsteht und rückwärts schreitet? N. P. von Laura Uincent. Gardinen werden von vielen Hausfrauen nicht geplättet, sondern wenn sie gewaschen, gestärkt und getrocknet find, zieht man sie gerade, hängt sie auf und spritzt sie mit einem Zerstäuber oder einer Blumenspritze naß. Sie ziehen sich dann ganz glatt und fallen sehr schön. Wenn sie trocken geworden sind, können sie gerafft werden. Beim Kochen von Reis gieße man das dazu benutzte Wasser nicht fort, sondern schütte es durch ein Sieb in ein Gefäß und benutze es zum Stärken von weißen Blusen und anderen Sachen, die nicht sehr steif werden sollen. Man kann diese Stärke kalt oder warm benutzen. Zur Geschichte der weiblichen Haarmoden. In den frühesten Zeiten trugen die Frauen das Haar schlicht, bis der ihnen angeborene Trieb, sich zu schmücken, sie zu der Fertigkeit brachte, es auf mannigfaltige Weise zu ordnen und zu flechten. Lange Zeit bedeckte man den Kopf nur mit einem Schleier; die Griechinnen und Römerinnen hielten ihr Haar durch goldene und silberne Nadeln zusammen, durchflochten es mit goldenen Kettchen oder umwanden es mit roten und weißen Binden. Auch puderte man den Kopf mit Goldstaub. Die rotblonden Haare der Alemannen bildeten eine so wesentliche Schönheit des weiblichen Geschlechts, daß Brünetten, die nicht so glücklich waren, ihrem Haar durch Tinktur eine solche Farbe beizubringen, es lieber abschnitten und eine blonde Perücke trugen. Diese Sitte war so allgemein geworden, daß die Dichter voll Begeisterung von den oft salschen roten oder blonden Locken ihrer Herzensköniginnen sangen. Die römischen Schönen wechselten mit diesen erborgten Zöpfen mehrere Male des Tages; sie hatten besondere für die Morgentoilette, andere für die übrige Tageszeit und für hohe Festlichkeiten. Dieser Gebrauch erhielt sich sehr lange unangesochten, bis im Jahre 692 das Konzil in Konstantinopel alle diejenigen mit dem Kirchenbann bedrohte, die falsche Haare tragen würden. Doch behauptete trotz alledem der falsche Haarschmuck seine Herrschaft. Petrus Lombardus nennt ihn noch im zwölften Jahrhundert eine„greuliche Entstellung", eine„verdammenswerte Unverschämtheit". Alexander Alesius und Vernhardin de Vienne erklärten ihn für eine Todsünde, und der heilige Paulin versicherte, der Herr werde die Frauen, die dergleichen trügen, demütigen, indem er sie zu Kahlköpfen machen werde. So vielen Anfeindungen gaben die Damen endlich Gehör und adoptierten wieder den Schleier, der bis auf die Schultern reichte und alles Haar verhüllte; Königinnen und Prinzessinnen trugen darüber ein Diadem, Witwen dagegen eine Kopfbinde, welche die Stirn bedeckte, auch über Wangen und Gesicht herabhing und Hals und Brust verhüllte. Hierauf folgte die Mode der„Schlapphüte“, die sehr breit und mit Perlen reich besetzt waren. Unter Ludwig dem Schönen und seinen Nachfolgern kam bei den Damen ein Kopftuch in Flor, das die Gestalt eines enormen Zuckerhutes hatte, von dessen Kegel ein Gazeschleier herniederwallte, wobei das Haar immer noch sichtbar blieb. Isabella von Bayern, Gemahlin Karls VI., trug Bonnets, wie die späteren zweistutzigen Hüte der Männer geformt; von den stark aufgebogenen Enden hing ebenfalls ein langer Kreppschleier mit Fransen bis auf den Gürtel herab. Weil sie ungeachtet der kriegerischen Unfälle ihres Gemahls diesen Luxus nicht aufgab, ward sie ohne Umstände eingesperrt. Diese Kopfgebäude wurden unter Karl VIlI. um einige Stockwerke niedriger, bis sie unter Ludwig XIII. gänzlich verschwanden, um einer einsachen„Schwanzkappe“ oder Capuchon Platz zu machen. Aus einer Kleiderverordnung zu schließen, die der Rat zu Breslau 1453 publizierte, müssen die damals üblichen Hauben den Türmen ähnlich gewesen sein; denn es heißt:„Item: Die Frauen sollen ablegen die großen ungewöhnlichen Hauben, und nicht größer als eine halbe Elle lang tragen, welcherlei sie tragen wollen, und sollen keine Perlins(Berliner) Hauben tragen; welche dawider handelt, soll ein Mark Strafe erlegen". Unter Franz I. fingen die Damen an, sich zu frisieren, und trugen einen spanischen Toque; unter Heinrich IV. kam der Gebrauch des Puders auf. Im Jahre 1784, als die politischen Ideen bereits zu gären ausingen, mischten sich auch die Damen darein und trugen „Tiskonto=Kassen=Hüte“, bis unter der Republik und dem Kaiserreich wieder die griechischen Moden vorherrschend wurden. Auch die Mode à la Giraffe, welche hierauf eine Zeitlang die Damenscheitel negierte und verunstaltete, ist zu Grabe getragen worden. K. 92 Humor. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ein berühmter Rechtsanwalt hatte wieder einmal einen glänzenden Sieg erfochten, worüber sein Gegner sehr ärgerlich war. Als dieser ihn nachher im Anwaltszimmer traf, bemerkte er in lautem, höhnischem Ton: „Es gibt wohl keinen noch so gemeinen Schurken, den Sie nicht weißwaschen würden, kein noch so scheußliches Vergehen, das Sie nicht verteidigen würden?" „Ganz recht," versetzte der andere sehr ruhig,„was haben Sie denn wieder angestellt?“ * Allerdings! Fahrgast:„Aber lieber Mann, das ist doch viel zu viel. Die Entfernung beträgt doch kaum eine Viertelstunde in der Luftlinie!" Droschkenkutscher:„Danach kann ick mir nich richten, Herr! Det hier is doch eene Droschke un keen Luftschiff nich!“ K— S SSSDES * Fcu SSSTxEE S b. S S ggge“ SFS S#ugles. ToSSs Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde 46. Jahrgang O Grites und älteltes Cagesorgan des Kreiles. Haupt-Annoncenblatt * Unterdaltungs=Beilage zu Nr. 64. Dienstag, 17. März 1914. S K Roman von C. Dressel. (18. Fortsetzung) das Mädchen * as ihr nit wißt,“ wich # lachend aus. Dann aber reckte sie die große, volle Gestalt in die Höhe— eine junge Viktoria stand sie vor der viel kleineren Frau— und rief in prahlerischem Stolz:„Sollst recht haben, Muhme Lowis, angefragt hat der Heinz Hartweg halt!“ „Und du? Mein Bärble bedenk's doch recht, dorten oben im kalten Nebel gehst ein wie unsere Reben, die kein' Sonn' haben, und dein'm Vaterle bricht's Herz über seine Preußentochter."„ M. Paterr Aber Bärble lachte mutwillig.„Bay, mein Vaterle geht nit so leicht kaputt, oder er wäre lang niederbrochen in der zuwideren Zeit mit dem vielen Strafzahlen und allem andern Verdruß. Ich heirate bestimmt, wen ich mag. Und wär's en Mohrle aus Kamerun, falls er mir halt gefallt, sollt' mir keins dreinreden. Na, flenn nit gleich, Muhmle,'s ist noch auf'm Wasser, das Mohrle. Und hör’, wenn du so gut Freund bist mit'm Schöttle, kannst ihm wieder stecken, — der patente Preuß' hätt' nit mal'ne Antwort kriegt. Ah na, ich mag nit schreiben, Vaterle kann sich's Schulgeld wiedergeben lassen.“ Damit lief das Bärble vergnügt davon in eine große Bodenstube hinauf, wo die reichen Leinenschätze aufgestapelt waren, aus denen Trautes prächtige Wäsche gefertigt wurde. Schmeichelnd glitten des Mädchens Finger über das feine Linnen, den schimmernden Damast, aus ihren Augen leuchtete der Stolz über des Hauses Wohlstand. Auch sie war eine Weylandtochter. Auch ihr würde das Rheingold eine ähnliche Morgengabe schaffen, denn noch waren Vaters Ahnenschätze keineswegs erschöpft. Aber hüten würde sie sich, den goldenen Strom in den kalten Norden zu leiten. Nein, nein— zu unterhaltsamem Scherz taugte der flotte Preuß', aber leben konnte sie nur mit einem, der mit Rheinwasser getauft war wie sie. Unter ihr im Erker saß blaß und gleichgültig Traute. Keinen Gedanken wandte sie an die oben aufgespeicherte Pracht, die ihre junge Schwester derweil in aufmerksame Hut genommen. Seltsam, Bärble sreute sich kindisch an jedwedem Stück, das, für die Braut bestimmt, sich hier häufte, sie selber sah allem Rüsten zu wie eine völlig Unbeteiligte. Sie fühlte Vaters Verstimmung darüber, wußte ihn mit Recht unzufrieden mit ihr und gab sich dann Mühe, einiges Interesse zu heucheln. Nur war sie (Nachdruck verboten.) eine ungeübte Schauspielerin, deren gemachtes Spiel niemand überzeugte oder versöhnte. So ließ sie es gehen wie es wollte, und nur ihre wunderliche Apathie gegen das nahende Zukunftsglück nahm 3u. E.“ M m(. Endlich begann der langmutige Brautigam seines vergeblichen Sorgens müde zu werden, sich verletzt zurückzuziehen. Sein selteneres Kommen, das Vater und Muhme beunruhigte, bemerkte sie kaum. Dagegen rührte sich jetzt in ihr eine nervöse Selbstquälerei. Weshalb denn war sie so verändert, sah weder Freude noch Interesse mehr in ihrer Umwelt? War diese Lähmung ihrer geistigen Regsamkeit, ihres Gefühlslebens den Nachwehen ihrer Krankheit zuzuschreiben? „Nein, nein,“ wußte sie bestimmt,„nicht Folge, sondern Ursache dieser Elendswochen war dieser jähe Umsturz meines Innenlebens. In jener Stunde, da ich in Felix Hartwegs bestürzte Augen sah, wußte ich, mein Verspruch mit Vinzenz Schöttle hätt' nit geschehen dürfen. Gegen diesen war's vielleicht ein Unrecht, für Hartweg aber ein großes Leid. Und als ich das erkannte, litt auch ich. Und kann diesen heimlich nagenden Schmerz nit mehr verwinden. Habe ich mich still in Vaterles Wunsch gefügt, so weiß ich jetzt, nie könnt' ich dem Schöttle eine so blind ergebene Frau werden, wie Mutterle es dem Vater war. Ich denk' ja nur mehr an den anderen, den herben, leidvollen Mann. Dem möchte ich eine linde Hand auf die Lebenswunde legen, möchte ihm das harte Geschick tragen helfen. Und hätt's vermocht. Hätte ihm viel sein, viel ersetzen können. Das ist meine heilige Gewißheit. Und darf es nicht. Soll den nehmen, der mir gleichgültig ist, der mich im Grunde gar nit braucht und vermutlich mit einer anderen viel besser auskäme. Und dieser Zwiespalt ist's, an dem ich kranke, der eine andere, eine völlig andere aus mir machte. Lieber Himmel, was soll denn daraus werden? Allen, die mir gut sind, bringe ich Verdruß und Leid, und mich selber freut nichts mehr. O Mutterle, läg' ich drunten bei dir in stiller Ruh'.“ Trautes auffällige und anhaltende Schlappheit, die schon fast an Schwermut grenzte, machte schließlich dem Doktor Steinbach ernstere Bedenken. „Fraule, mein Latein ist im Trautefall halt zu Ende,“ sprach er zur Lebensgefährtin,„nun kommst du dran. Warst oft genug mein Assistent.“ „Und nit der dümmste,“ neckte sie. „Hm— Hm. Nun, in diesem speziellen Fall lasse * 9—: " S 1* ** * „ O G S1 9SSn • 8 #„SE.* .„„ angg-g n*SS SCSBT T I SHuxgSSS:g S Scsr . . SS EU0U S Sm dez # 5 22 7. 3** 5#SGS B.2 6715 S 55 S 3 K 9 D. S ESSSSSS. SESBES S#S 3.— E2 m—— WoTS. SEDE SS. Sp *—— 6 8 8 88 SSü#B 1—#T5 esie Salese #0 zum ich deiner Gescheitheit den Vorrang. Gehst also Trautle und guckst ihm gründlich ins Herzle.“ „Ans Gewissen will ich dem törichten Mädle rühren.“ „Ist dasselbe. Für uns steht's fest, Gemütsschäden entspringen körperlichen Defekten.“ „Gerad" umgekehrt ist's, du Närrle.“ „Sollst's letzte Wort haben, wenn du mir nur das schlappe Hascherl wieder zum munteren Dirnle wandelst, das es sonst war.“ Da saß nun Frau Doktor vor dem##hichen Mädel, tat zunächst Gesundheitsfragen und machte bedenkliche Augen. Das verschlug nichts.„Ich bin nit mehr krank,“ versetzte Traute gelangweilt. Brauche kein' Arznei mehr und nehm's auch nit.“ „Und sitzest da wie'n Häufle Unglück. Nennst das auf der Höh' sein? Ja, Trautle, da hilft nix, jetzt kommst in die Seelenbeicht.“ Sie nahm das leicht gewordene Mädchen liebevoll in den Arm, schaute ihm mütterlich warm in die umschleierten Augen und sprach eindringlich:„Sei ehrlich, Traut', jetzt fragt dich eine frohselige Ehefrau: bist du denn eine glückliche Braut? Willst du dem braven Schöttle so ein recht liebes, hingebendes Weible werden?" „Ich muß doch,“ lautete die scheue Antwort. Dann plötzlich schlug sie die Hände vor das blasse Gesicht und schluchzte auf:„Nein, nein, ich kann nit. Kann's nit mehr. Betrug ist's, und ich vergeh' dabei. Mein Herrgöttle, was soll ich nur tun? Ich sterb' daran.“ so viel So weit darf's nit kommen, Kindle. Ich werd' mit deinem Vater reden———“ „Ach, mein armes Vaterle. Wo er schon Harm erfahren hat.“ Traute weinte bitterlich. „Freilich, freilich. Aber ein starker Mann trägt am End' mehr als ein jung', schwach Dirnle. Die verfehlte Geschicht' hat dich völlig umgeworfen, das sehen wir doch. Jetzt heißt's, dir wieder auf die Beine zu helfen. Trautle, was machst du für Sachen. Und warst immer solch mutfrohes, offenes Mädle.“ „Ich weiß nit. Vater wollt's so gern, und ich wußt',’ne große Freud' tat ihm not, und er durfte schon Gehorsam verlangen in seiner vielen Güte für mich. Aber dann— Leni— da kam ein anderes heran— wie ein Sturmwind war's, der alles in mir umwarf. Da liege ich nun.“ „Ein jung' Stämmche steht wieder auf. Wirst schon 's Gehen wieder lernen. Vielleicht nit gerade hier. Solltest eine totale Veränderung haben. Luft und Menschenwechsel. Da wird dein wundes Seelchen schon die Flügel wieder heben. Nit gleich in den fernen Himmel nein. Gott bewahr','ne andere Weltgegend genügt als Uebungsplatz. Trautle, möchtest nit mal dein' beste Freundin da oben in Königsberg besuchen?" In Trautes nasse Augen trat ein leises Aufglänzen, eine scheue, ungläubige Freude.„Ich möcht' schon, aber Vaterle läßt mich im Leben nit hin———“ „Das lass’ meine Sorg' sein. Hast du nur ernstlich Lust, werd' ich ihm die Notwendigkeit dieser heilsamen Veränderung für dich einleuchtend machen.“ Die kluge, warmherzige Frau mußte sich starker Ueberredungskraft erfreuen, denn es gelang ihr tatsächlich, Bresche zu schlagen in Joseph Weylands Eisenkopf. Allerdings nicht sogleich ließ er sich überzeugen, daß eine junge Braut kurz vor der Hochzeit eines Lebenswechsels benötige, der ihr die Nestbaugedanken fernrücke. Allein, Frau Leni sprach eindringlich von Trautes nervöser Ueberreizung, die sich im ruhigen Verkehr mit der Freundin und dem wohltuenden Einfluß einer veränderten Umwelt heben werde, während ihr jetziger Zustand, die tiefe, seelische Depression, ohnehin die baldige Heirat so ziemlich ausschlösse. Das sah er ein. Für solch bedingtes Eheglück mußte sich auch Schöttle bedanken, und er hätt's dem Freund nicht mal verübelt. Und wenn der nicht völlig das Haus mied, wo die Braut nur ein blasses Schattenlächeln und karge Worte für ihn hatte, so mußte man's dem Bärble danken, das zuweilen gutmütig einsprang, um Trautes Lässigkeit zu vertuschen, das zeigte dann wenigstens Interesse für sein Haus. seine Unternehmungen, oder setzte ihm unter munterem Geplauder eine sorgsam bereitete Speise vor, alles Dinge, die diese kuriose Braut kaum kümmerten. „Gut, Frau Doktor,“ stimmte er ihr gezwungen bei,„ich seh's ja, wie's Trautle jetzt daher sitzt, ist's zu nix zu brauchen. Mag's denn zuvor seine Nerven kurieren. Weiß der Himmel, mich reut's, das Mädle nach Mainz'tan zu haben. Was haben wir nun vom Gelern'? Ein feiner Rückschlag traun, der uns teuer zu stehen kommt. Ein Kreuz ist's mit dene moderne Mädle. Das Trautle war immer mein Stolz, meine Freud', jetzt mein' ich halt,'s einfältig Bärble, das nie nix vom Lernen hielt, ist besser dran.“ Frau Leni lachte herzlich.„Herr Weyland, Ihr Bärble schätzen's auch nit richtig ein. In dem steckt viel gescheiter Mutterwitz. Jener dreiste, unbeirrbare, der nie zu kurz kommt im Leben. Trautes feinere Wesensart stellt andere Lebensforderungen und so auch sich selber strengere Aufgaben. Sie leidet unter Zweifeln, Beängstigungen, von denen Bärble wohl nie gequält werden wird. In der Beziehung mag es mit seiner naiven Selbstzufriedenheit vielleicht beneidenswert sein, also in Ihrem Sinne das bessere Teil erwählt haben.“ „Das ist mir zu hoch, Frau Doktor.“ Ich steh' daneben und hab' mein' Sorg' und Aerger mit den Kindern. Auch mein Sohn, der Jörg, will mit seinen neuen Kulturideen andere Wege gehen. So leben's mir zu viel Leid, aber ich seh' nit, daß sie just in die Höh' wachsen, während ich selber zu schrumpfen schein'. Jetzt sage auch ich,'s ist ne böse Zeit, Frau, Doftor.: „Die sich wieder heben wird. Alles ist Wechsel auf dieser Erde. Und der gerad' ist's, der sie und uns erhält.“ „Nun, so mag auch's Trautle seinen Wechsel haben, wennschon ich selber es mehr mit der Beharrlichkeit halt'! Nur weiß ich nit, wie sich's denn auf der weiten Reis' zurechtfinden wird.“ „Das ist das Wenigste. Wir setzen's Mädle in den Zug, der bis Berlin durchfährt. Dort wird sie von der Freundin und deren Mutter oder Bruder in Empfang genommen, was diesen gewiß keine große Unbequemlichkeit ist, und so nach Königsberg weiterexpediert. Dafür lassen Sie mich nur sorgen. Ein lieber Freund meines Mannes ist der Familie verwandt, somit haben Sie Garantien. Uebrigens, Sie kennen den Sekretär Hartweg ja persönlich, nit wahr?“ „Kein unebener Mann. Fest und hart wie Eichenholz, däucht mir. Würd' mir gefallen, wär's nit ein Preuß'. So aber———. Schickte's Madle fast lieber zum Mond als nach Preußen. Kurios, daß es just dort die gute Freundin haben muß. Immerhin, ’nen Rabenvater hat's auch nit. Mag's denn seinen Willen kriegen.“ Schon die Reisevorkehrungen regten Traute an, belebten ihre schlummernde Energie. „Nur fort, sort, daß ich nit mehr Schöttles verdrießliche Enttäuschung sehen, ihn nit länger belügen muß," war der treibende Gedanke, der sie zu selbständiger Umsicht mahnte, so daß die Ihren sie schließlich ohne Zagen und Zweifel für ihre Leistungsfähigkeit die weite Fahrt antreten lassen konnten. Die ging ohne Fährnis vonstatten (Fortsetzung folgt.) ct iuuet W u e S 8 S 9 g. E S SaE0 S. P EE S G* 5* SSSSS Denkspruch. Wie heilt sich ein verlassen Herz Der dunkeln Schwermut Beute? Mit Becherrundgeläute? Mit bitterm Spott? Mit frevlem Scherz? Uein. Mit ein bißchen Freude. Konr, Ferd. Meyer. de Alte und merkwürdige Bäume. (Nachdruck verboten.) Die altehrwürdigsten Bäume der Welt sind unstreitig die Zedern auf dem Libanon, welche noch aus dem Zeitalter des Königs Salomo herrühren sollen. Es sind ihrer noch sieben, während zu den Zeiten des Hiram der ganze Libanon von ihnen bedeckt war. Hiram ließ aus diesen Bäumen für König David das Holz zu seinem Palast und dem Tempel fällen. Harris führt in seiner„Naturgeschichte der Bibel“ an, daß der Reisende Ballon im Jahre 1550 noch 28, Schultz im Jahre 1755 deren 20, und Richardson 1818 nur noch 7 Zedern vorfand. Lamartine, welcher 1832 bis 1833 Syrien und Palästina bereiste, schildert die Zedern folgendermaßen: „Diese Bäume sind die berühmtesten natürlichen Denkmäler der Erde; die Religion, die Poesie und die Geschichte haben sie zugleich geheiligt. Die Heilige Schrift feiert sie an mehreren Stellen; sie sind eines der Bilder, welches die Propheten mit Vorliebe verwenden. Schon Salomon wollte sie zur Ausschmückung des Tempels verwenden, ohne Zweifel wegen des Rufes von Pracht und Heiligkeit, den diese Wunder der Vegetation schon zu jener Zeit hatten. Die Araber aller Sekten beweisen diesen Bäumen eine durch Ueberlieferung sich fortpflanzende Verehrung; sie schreiben ihnen nicht nur eine Vegetationskraft von ewiger Dauer zu, sondern auch eine Seele, vermöge welcher sie Zeichen von Voraussicht geben, die denen des Instinkts bei den Tieren ähnlich sind. Denn sie bewegen ihre ungeheuren Zweige wie Glieder, sie ausdehnend oder zusammenziehend, gen Himmel streckend oder zur Erde beugend, je nachdem der Schnee im Begriff steht zu fallen oder zu schmelzen; sie wurzeln hoch über der Region, wo jede größere Vegetation aufhört. In jedem Jahrhundert nehmen diese Bäume an Zahl ab; jetzt gibt es deren nur noch sieben, die man ihrem Aeußeren nach für Zeitgenossen des biblischen Altertums halten könnte. Um diese alten Zeichen verflossener Jahrhunderte herum, welche uns, wenn sie reden könnten, von so vielen verschwundenen Reichen, Religionen und Geschlechtern erzählen würden, steht ein kleinerer Wald jüngerer Zedern. Jedes Jahr im Juni steigen die Bevölkerungen von Bshirrai, Eden, Kanobin usw. zu ihnen hinauf und lassen dort eine Messe lesen. Auch die Muselmänner rühren nie eine Zeder mit einem schneidenden Instrument an. Es herrscht nämlich die Sage unter ihnen, daß einem Manne, welcher einen solchen Baum fällte, sämtliche Viehherden ausgestorben seien. Jene Zedern haben eine Höhe von 60 bis 100, und einen Umfang von 30 bis 40 Fuß; ihre grauen Stämme, die sich in Manneshöhe oft in sieben starke Aeste teilen, gleichen einem lebendigen Fremdenbuch, in das die Reisenden aller Länder ihre Namen eingeschrieben haben. Unter den kolossalen Baobabs(Affenbrotbäumen) am Niger, die eine Höhe von 12 bis 16 Fuß erreichen, hat man Exemplare von 30 Fuß im Durchmesser gefunden. Adanson entdeckte in einem dieser Bäume eine englische Inschrift, über welcher sich 300 Holzlagen befanden, die also vor einem Zeitraum von ebenso vielen Jahren eingeschnitten sein mußte. Der gelehrte Naturforscher hat festgestellt, daß einzelne der Baobabs, nach ihrer Stärke und der Anzahl der Jahresringe, über 4000 Jahre alt seien. Im übrigen benutzen die Neger die in den Stämmen dieser Bäume sich bildenden Höhlungen zu Erholungsplätzen, oft auch zu Gefängnissen. Ein ehrwürdiges Alter erreicht ebenfalls die Eiche des Nordens. Der bekannte älteste Baum dieser Art ist die sogenannte„Parlaments=Eiche“ im ClibstonePart, unter welcher König Eduard I.(1272 bis 1307) ein Parlament gehalten haben soll. Der Park, in welchem sie steht, ist zugleich der älteste großbritannische, da er, urkundlichen Nachrichten zufolge, als solcher schon vor der Eroberung Englands durch die Normannen(1066) existierte. Der ungeheure Stamm der mit Ehrfurcht betrachteten„Kapellen=Eiche" bei Ivetot, unter deren Schatten einst Wilhelm der Eroberer geruht, birgt in seinem Innern einen Altar und eine Kammer nebst Bett. Nicht minder berühmt war die uralte„St. Ebmunds=Eiche“ in Horne=Wood, von welcher die Sageging, daß unter ihr König Edmund von einem Geächteten Namens Loof im Jahre 946 auf der Jagd mit einem Pfeil erschossen worden sei. Als im Jahre ein Sturm den altehrwürdigen Baum gefällt, ließ sein Besitzer, Sir Edward Kerrison, den Stamm zerschneiden, und wirklich fand sich, 5 Fuß vom Boden aufwärts und 1 Fuß unter der Rinde, eine eiserne Pfeilspitze vor, die immerhin von jenem Schuß eingedrungen sein mag. Ferner ist die„Drei=Grafschafts=Eiche" in Workson zu nennen; sie deckt mit Stamm und Zweigen Teile der Grafschaften York, Nottingham und Derby, in einer Gesamtausdehnung von 6995 Quadrat=Fuß. Die„Wellingtonia“ im Kristallpalast zu Sydenham bildet eine Säule von 120 Fuß Höhe und hat an ihrer Basis einen Durchmesser von 30 Fuß. Auch unsere Linde erreicht ein Riesenalter. Die berühmteste in Deutschland ist die in Neustadt am Kocher (Württemberg), welche nach historischen Urkunden über 800 Jahre zählt. Ihren Stamm von 38 Fuß Umfang krönen 12 Hauptäste von je 6 Fuß im Umfang; ihr Gezweig, das eine Peripherie von 450 Fuß hat, ruht auf 115 Säulen, die seit dem Jahre 1550 von Bischöfen und Aebten hier errichtet sind. Ein anderer berühmter Baum ist der sogenannte „Hundert=Pferde=Kastanienbaum“.(Castagno dei centi cavalli) am Aetna, der über 1000 Jahre alt sein soll. Seinen Namen erhielt er von der Tatsache, daß die Königin von Aragon während eines heftigen Unwetters mit ihrem aus hundert Kavalieren bestehenden Gefolge unter seinem Laubdach Schutz gefunden. Der Umfang seines Stammes wird auf 178 Fuß angegeben, so daß ein Schäfer mit seiner Herde in der ungeheuren Aushöhlung desselben bequem kampieren kann. Zu den merkwürdigsten Bäumen gehört noch die „kahle Zypresse“ auf dem Wege von Vera=Cruz nach Mexiko, welche, nach der Ueberlieferung, die kleine, aus 600 Mann Fußvolk, 40 Reitern und 9 Geschützen bestehende Armee des Ferdinand Cortez in ihren Schatten aufgenommen hatte. Die höchsten Riesen der Pflanzenwelt besitzt vor allem Australien. Einige dieser zur Eukalyptenart gehörigen Bäume sind über 300 Fuß hoch, 30 Fuß im Durchmesser, und besitzen nach ungefährer Schätzung ein Totalgewicht von 9000 Zentnern. Ihre Rinde, die einen myrtenartigen Geruch besitzt, wird zur Zubereitung des Leders verwendet. Der Eibenbaum soll ebenfalls über 2000 Jahre alt werden können, und auch der Pomeranzen= und Zitronenbaum soll ein hohes Alter erreichen. Von einem Baum der letzteren Gattung in Rom ist erwiesen, daß er gegen 700 Jahre zählt. Die Platane gehört nicht minder in die Kategorie der alten Bäume. De Cantelle erwähnt eines solchen Baumes in der Nähe von Konstantinopel, der 51 Fuß im Umfang mißt; und in der Gegend von Smyrna steht eine Platane, deren ch Hleute morgen 8½ Uhr entschlief sauft nacht langem, schwerem, mit grösster Geduld ertragenem, Leiden unsere ionigstgeliebte, treusorgende Mutter; Schwiegermutter, Grossmutter, Schwägerin, Tantei und Nichte Karoline geb. Glaser im Alter von 72 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die Beerdigung fiodet Donnerstag, den 19. März: nachm. 3½ Uhr vom Sterbehause Holzenerweg 24, aus statt. Schwerer Verdacht. Landsberg a. d. Warthe, 17. März. In Bernstein wurde ein 21jähriger Kuecht unter dem Verdacht verhaftet, der Raubmörder Krause zu sein, der vor einiger Zeit den Besitzer Wernicke in SalzKossäthen erschlagen und seine Frau lebensgefährlich verletzt hat. 3## 4 Sturmschäden. Paris, 17. März. An der atlantischen Küste, besonders am User der unteren Seine, herrscht ein furchtbarer Orkan, der eine große Sturmflut hervorrief. In den Seebädern richtete er große Verheerungen an und drang einen halben Kilometer in das Land ein. London, 17. März. Ein Südweststurm hat in Großbritannien großen Schaden angerichtet. London selbst ist glimpflich davongekommen; aber das Themsetal ist überflutet. Verschiedentlich stehen Häuser unter Wasser. Fünfzehn Personen ertrunken. Bukarest, 17. März. Aus Turn Severin wird gemeldet: Gestern früh ist ein Boot mit fünfzehn Insassen, das von dem serbischen Städtchen Sadowa die Richtung nach Turn Severin einschlug, inmitten des Stromes gelentert. Der aus dem Hasen von Turn Severin dem Boote zu Hilfe eilende Regierungsdampfer kam zu spät. Sämtliche Insassen sind ertrunken. Brand=Katastrophe. Odessa, 17. März. Bei heftigem Sturmwetter ist die Ortschaft Kaspiewo im nördlichen Kaukasus, die 2300 Einwohner zählt, niedergebrannt. Achtzehn Personen fanden den Tod in den Flammen. Griechenland räumt ganz Nord; e p i r u s. Athen, 17. März. Der Minister des Aeußern, Streit, gab den Gesandten der auswärtigen Mächte bekonnt, daß die Schwierigkeiten, die sich den albanischen Behörden bei der Besetzung Goritzas und Kolonias entgegenstellten, die Regierung zur sofortigen Räumung der übrigen, Albanien zugesprochenen Gebiete veranlaßten. Man sieht voraus, daß die Albanier von den revolutionären Epiroten angegrifsen werden, und will vermeiden, daß das griechische Militär= sich vor einem solchen Kampfe von seinen patriotischen Gefühlen sortreißen läßt. Zu diesem wichtigen und folgenschweren Beschluß muß bemerkt werden, daß dieses Vorgehen der griechischen Regierung in vollem Einklang mit den Forderungen der europäischen Note steht, in der verlangt wird, daß das griechische Militär in Epirus verbleibe, bis die Albanier imstande sind, das ihnen zugesprochene Gebiet zu besetzen. Ein belgischer Fliegerertrunken. Madrid, 17. März. Aus San Sebastian wird gemeldet: Der belgische Flieger Hanouville ist nach mehreren gelungenen Flügen ins Meer gestürzt und ertrunken. Als das Flugzeug das Meer berührte, explodierte der Motor. Eine Pariser Modellhutausstellung im Hotel„Römischer Kaiser" zu Dortmund. vennstaltet die Dortmunder Firma Rose u. Co. Bestrebt, alle vorteilhaften Einrichtungen sich und der Kundschaft nutzbar zu machen, hat sie mit dern Pariser Haus Paquin, dessen Schöpjungen für Pariser Damenwelt maßgebend sind, ein Abkommen getrossen, daß es am Freitag den 20. März, nachmittags 4 Uhr, im Hotel„Römischer Kaiser“ die neuesten Pariser Moden durch eigene Mannequins vorführen läßt. Diese Nachricht ist in mehr als einer Hinsicht interessant. Ist es doch das erste Mal, daß ein Pariser Haus mit seinem eigenen Perional zur Vorführung seiner Modelle nach Rheinland und Westsalen kommt. Die für den 20. März in Aussicht genommene Ausstellung ist nicht allein für Dortnund, sondern weit darüber hinaus neu und einzigartig durch die Art ihres Arrangements. Darum wird sie starken Besuch erwarten dürsen, zumal der aus den Eintrittskarten(4 Mark für die Person zinschließlich Tee und Gebäck) sich ergelende Ueb.rschuß rem Verein für Säuglings= p##lehe überwiesen werden soll. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte Du hasl ja liebe Jrau, keine Ghnung wieviel Du durch VerCobu“* Islanzenbulier im Maushall jährlich ersparen hannst. Sslanzenbalter-Sta wendung von argarine 1622 Peru-Guano AmmoniakSuperphosphate 52810, 7289, 9249 Superphosphat % Schweleisauren Ammoniak Hallsalz empfiehlt C. KEUSUARZRBURGRSGN „* * zis Indussrie golhil 2 Zwungsvernauf. Am Mittwoch, d. 18. 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