Antrhelses Rreboltt A tr den Kreis worene VEs Seum Seuer ucen uns endor Ieiertagp. Bezugsprte M. 1.80 oternet. ##drssch, dei der Post iür Bestellgeld 62 Pto. wedr. Wöchentl. Grakisdeiloge:„Jkustriertes Gamilienfreund“ v. t#gl. Uaterbaitungsbieß. Anzeigenpreis: Die sedengespollene Petitzetle ober deren Raum 10 Plg., Anzeigr- p## würts 15 Pig., Rehlomezeile 40 Pl., Rabatt gilt als Kassarobalt u. ertisd##— ienAursen, Zwangsbergleichen, gerichtl. Alagen#. Nichtbeachtung d. gemacht. Johlungsbedingung. Welthofenel Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Gelkablas Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Dolkszeitung Verbunden mits Schwerker Cageblatt O Schwerter Anzeiger Grlles und ällenes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Daupt- Annoncenblan uin deue und ubenenbtgrichn durd nungen für den Arets Hörbe erlangen gemaß Bedanntmachung dei Abalglichee Regierung durch Verössentlichung in dei„Schwerter Zeitung" rrchtsoerdindliche Kroft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewöhrt idren Adonnen= in für jeben mitl Tod ender Psol geGagunges: 300 Mk. L.nsall. Druch u. Verlag o. Cari Braus. Schwerte=RudeJonio 42. Lt g r. 90. Stan Sarune ür) Nr. 54. Donnerstag, den 5. März 1914. 46. Jahrgang. Erstes Blatt. Deutscher Reichstag. Berlin, 4. März.(Tel.) Die Genehmigung zu einer Privatklage gegen die Abag. Bruhn(Wirtsch. Vag.) und Bock (Soz.) wegen Beleidigung wird nicht erteilt. Es folgt die Interpellation des Zentrums über das Offiziersduell in Metz. Kriegsminister v. Falkenhayn erklärt auf Befragen durch den Präsidenten sich bereit. die Interpellation im Laufe der nächsten Woche zu beantworten. Damit ist dieser Gegenstand für heute erledigt. Sodann werden die noch ausstehenden Abstimmungen zum Marine= und Reichseisenbahnetat vorgenommen. Der Titel zum Marineetat betr. die Offizierspeiseanstalt in Kiel wird gegen die Stimmen der Rechten. der Nationalliberalen und der drei Fortschrittler Dr. Struve. Kiel und Bartschat abgelehnt. Der Antrag der Elsässer zum Etat der Reichseisenbahnen betr. den Ausbau der elsaß=lothringischen Nebenbahnen wird zurückgezogen und die Titel betr. den Ausbau der Strecke Straßburg— Basel und der Ried= und Haardtbahn werden nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Hierauf wird die Beratung des Postetats Abg. Diez=Konstanz(Ztr.): Wir zollen der Postverwaltung volle Anerkennung. Das schließt aber nicht aus, daß wir doch noch eine ganze Reihe von Wünschen vorzutragen haben. So sind die Telephonverhältnisse im badischen Oberland noch recht mangelhaft. Die Landvosten müssen mehr mit Automobilbetrieb ausgerüstet werden. Dadurch würde der Touristenverkehr im Schwarzwald und in den Vogesen sehr geboben. Das Petitionsrecht der Beamten muß in vollem Umfang erhalten bleiben. Staatssekretär Krätke: Es ist richtig, daß wir von den Automobilen im Postverkehr weniger Gebrauch machen als die bayerische Postverwaltung. Dabei ist aber in Betracht zu ziehen, daß die bayerische Postverwaltung verbunden ist mit der baverischen Eisenbahnverwaltung und daß von dieser vielfach Automobilkurse eingerichtet werden zum Ersatz der Kleinbahnen Darauf ist es zurückzuführen, daß der Sommerverkehr in Bayern ein viel größerer ist als bei uns. Was das badische Oberland betrifft, so will die badische Regierung solche Kurse selbst einrichten. Die Reichspostverwaltung wird eine Vergütung für die Beförderung der Post an sie zahlen. Dasselbe ist der Fall in Sachsen und Hessen wo dieselbe Absicht besteht. Den Uebelständen im Postlagerverkehr wollen wir abhelfen. Die Ermittelungen sind aber noch nicht zum Abschluß gekommen. Der Frage selbst stehen wir durchaus wohlwollend gegenüber. Was die Errichtung von Gebäuden zur Unterbringung von Unterbeamten in Großstädten anlangt, so werden jährlich große Summen vom Reichsamt des Innern für diesen Zweck eingestellt, mit welchen Baugenossenschaften gefördert werden. Dieser Weg ist der beste. Eine weitere Ausdehnung des Drucksachenverkehrs ist nicht möglich, wollen wir nicht schließlich die Postkarte völlig verdrängen. Abg. Ickler(Natl.): Die Lohnverhältnisse der Streckenbauarbeiter müssen verbessert werden. Bei auswärtiger Beschäftigung muß eine angemessene Zulage gewährt werden. Das gleiche gilt von den Lohnverhältnissen bei den Handwerkern bei der Post. Die Postkrankenkassen sollten wie andere Berufskassen eine Familienhilfe gewähren. Auch die freie Arztwahl ist notwendig, denn ein Arzt, dem man vertraut, ist die beste Medizin. Wünschenswert ist die Crrichtung einer Pensionskasse für die im Beamtenverhältnis stehenden Angestellten der Post, vielleicht im Anschluß an andere Reichsbetriebe Aba. Hubrich=Oberbarnim(Fortschr. Vpt.): An dem Scheitern der Fernsprechgebührenordnung ist nicht, wie der Staatssekretär sagte, die fortschrittliche Volkspartei schuld, sondern die Bestimmungen des Entwurfes, durch die wir die Verkehrsbedürfnisse der Städte, des Handels und der Industrie bedroht sahen. Die Gebührenordnung datiert vom Jahre 1875. Jetzt sollten nicht wieder Ermittelungen angestellt werden sondern eine Entschließung erfolgen. (Sehr richtig!) Auch hinsichtlich der Titel= und Ratgordnung bestehen mancherlei Wünsche. Abg. Hacgn(Els.): Im Falle Zabern hat sich der Staatssekretär nicht schützend vor seine Beamten gestellt. Wir hätten erwarten dürfen, daß uns jetzt das Ergebnis der Untersuchung mitgeteilt würde. Der Zaberner Postdirektor ist einer der wenigen Elsässer im höheren Postdienst. Dadurch bekommt die Sache für uns einen ganz besonderen Beigeschmack. Die Elsässer werden bei der Besetzung der mittleren und höheren Postbeamtenstellen nicht genügend berücksichtigt. Ein Postassistent in Zabern, der von einem Kollegen angezeigt worden war, ein preußenfeindliches Lied gesungen zu haben, ist trotz der Aussage einer Reihe von Zeugen, daß er gar nicht gesungen habe, von Zabern nach Emden(Ostfriesland) Staatssetretär Krätke: Ueber den Fall Zabern habe ich mich schon genügend geäußert. Ich muß dem Vorredner aber darin entgegentreten, wenn er annimmt, daß das Vorgehen gegen den Vorsieher des Zaderner Postamts daranf zurückauführen sei, daß dau betraffende Meamte ein Elfasser sei. Das kann gar nicht sein, da wir aus allen deutschen Staaten Angehörige haben. Seinem Wunsch, die betreffenden Postsachen auf den Tisch des Hauses niederzulegen, kann ich nicht entsprechen Es muß schon mir, dem Fachbeamten, überlassen bleiben, zu beurteilen, was zugelassen werden kann und was nicht.(Sehr richtig! rechts.) Der sonst noch vorgebrachte Fall eines versetzten Beamten ist mir nicht bekannt. Ich kann nichts darüber (Soz.): In der Postverwaltung sind noch zahlreiche Mißstände zu rügen. Zu der Zaberner Affäre hätte der Staatssekretär, um dem Empfinden des größten Teiles des Reichstages zu entsprechen, eine ganz andere Rede halten müssen. Abg. Kuckhoff(Zentr.): Angesichts der vorliegenden Besoldungsvorlage müssen wir es ablehnen, auf die Beamtenwünsche einzugehen. Die postlagernden Briefe müssen unter allen Umständen bekämpft werden. Das Petitionsrecht der Beamten soll und darf nicht eingeschränkt werden. Staatssekretär Krätke: Mein Vorwurf, daß die Sozialdemokratie falsche Beschuldigungen nicht zurücknimmt, ist durch frühere Vorgänge begründet. Das eine Mal handelte es sich um einen vom Abg. Haase vorgebrachten Fall. in welchem Briefe an eine russische Studentin geöffnet worden sein sollen, in einem anderen Falle klagte der Abg. Singer über Verletzung des Briefgeheimn sses Abgeordneten gegenüber, schließlich beschuldigte der Abg. Sachse die Postverwaltung. die Abonnenteuliste der„Steigerzeitung“ verraten zu haben. Alle diese Vorwürfe waren unbegründet. Ich muß daher meine Ausführungen durchaus aufrecht erhalten. Was meine Bitte an geordneten anlangt, so ging sie nur dahin, daß die Herren beim Besuch von Beamtenversammlungen nicht ohne weiteres die Wünsche als berechtigt beAbg. Dr. Gertel(Kons.): Bezüglich Zabern ist der Standpunk: des Staatssekretärs einwandfrei. (Sehr richtig! rechts.) Wir haben auch viele wunsche bezüglich der Aufbesserung der Beamten, vor allem der Landbriefträger und wir werden zu gegebener Zeit unser warmes Herz für sämtliche Beamtenklassen durch die Tat beweisen.„.#. Seaats. Abg. Dr. Struve(Fortschr. Vpt.): Der Staatssekretär sollte seinen Widerstand gegen die Beamtenausschüsse aufgeben Ueber das Verhalten des Staatssekretärs in der Zabern=Kommission war ich erstaunt erstaunter aber bin ich noch über sein Verbalten hier im Plenum. Wenn Oberst v. Reuter sich eine sonst unerklärliche Sympathie erworben hat, so liegt das daran, daß er rückhaltlos für seine Untergebenen eintrat. So hätte es der Staatssekretär auch tun sollen. Das Dementi der Postbebörde hat festgestellt, daß es sich lediglich um zwei kurze Zeit zurückgehaltene Karten handelt, böchstens liege ein Versehen vor und das hätte Staatssekretär Krätke hier betonen müssen, oder hat die Oberpostdirektion in Straßburg Fehler gemacht? Staatssekretär Krätke: Die letzte Aeußerung ist eine Insinuation.(Unrube links.) Es handelt sich nicht um zwei, sondern um sehr viele Sendungen, die dem Obersten v Reuter zugestellt wurden und die sehr beleidigend waren. Ich habe nur gesagt. Oberst v. Reuter habe angegeben, was tatsächlich vorgekommen ist.(Vizepräsident Dove: Das Wort„Insinuation“ ist nach parlamentarischem Brauch unzulässig und ich würde auch, wenn der Ausdruck von einem Abgeordneten gebraucht würde ihn rügen müssen. Im übrigen gaben die Ausführungen des Abgeordneten Struve keinen Anlaß zu einer solchen Bemerkung. Abg. Haase(Soz.): Der Abgeordnete Sachse hat bei seinen damaligen Behauptungen loyal gehandelt. Der Staatssekretär hat nicht einmal den Tatbestand richtig gestellt, als er den zehn Jahre zurückliegenden Fall erwähnte. Ich habe mich damals nur gegen die Spitze gewendet, nicht gegen einzelne Postbeamte, aber das scheint der Staatssekretär nicht verstanden zu haben. Es gibt eben Menschen, die einer Entwicklung nicht fähig sind.(Vizepräsident Dove rügt den Ausdeuck als varlamentarisch unaulässig) Staatssekretär Krätke: Es bleibt bestehen, daß der Abgeordnete Haase damals den Vorwurf erhoben hat, daß ein an einen russischen Studenten gerichteter Brief von der Postbehörde geöffnet worden ist. Damit allein habe ich mich in meinen Ausführungen beschäftigt. Es handelt sich nur darum, daß der Abgeordnete Haase damals diesen Vorwurf hier erhoben hat, ohne ihn zurückzunehmen.(Lebhafte UnAbg. Dr. Struve(Fortschr. Vpt.): Oberst von Reuter hat seine Beschuldigungen zurücknehmen müssen. Von den Anschuldigungen der„Kreuzzeitung“ hat der Staatssekretär keine Notiz genommen. Ich bitte um Auskunft, ob in Zabern irgend Staatssekretär Krätke: Ich kann nichts anderes sagen, als was ich schon gesagt habe.(Lachen.) Wir haben alle aus den Zeitungen damals ersehen, was Oberst von Reuter gesagt haben soll: Es seien so und so viel Briefe und Postkarten mit beleidigendem Inhalt bestellt worden, die anderen Sachen aber nicht. Dag Protokoll liegt noch nicht vor. Daraufbin haben wir uns mit der Oberpostdirektion in Straßburg verständigt und da ist festgestellt worden, daß in dieser Fassung die Aussage nicht gemeint gewesen sei, daß Oberst von Reuter vielmehr nur sachen angeführt hat, um das ganze Milieu zu schildern. Tatsächlich sind Sendungen mit pöbelhafter Adresse bestellt worden. Direkte Beleidigungen haben die Schlußfolgerungen der Zeitungen nicht enthalten. (Rufe: Hochverrat!) Es ist da nicht von einzelnen bestimmten Beamten die Rede gewesen. Ich habe nichts anderes sagen können, als was ich gesagt habe. De handelt sich aar nicht darum, daß die Nerwaltung ihre weamten nicht in Schutz genommen hatte. Verfehlungen sind tatsächlich vorgekommen, ob, wer und wie bestraft worden ist, ist selbstverständlich nicht zu sagen. Ich würde auch dem nicht entsprechen. Damit schließt die Diskussion.„ränsicg.### Abg. Haase(Soz.) hemerkt personlich: Der Staatssekretär bat sich unkorrekt informiert und da wirft er uns Unsachlichkeit vor. Nach den Ausführungen des Staatssekretärs kann man ermessen, wie weit das Maß von Gewissenhaftigkeit#gebt.(Präsident Kämpf ruft den Redner zur Ordnung.) Staatssekretär Krätke: Ichlmuß zugeben, daß ich mich beim Verlesen der Ausführungen des Abgeordneien Haase im Datum geirkthabe. Den Vorwurf hat aber Herr Haasenicht zurückgenommen rufe: Kann nicht widerrufen werden! Ist doch wahr!) Gegen diesen letzten Vorwur##ehäbssich mich gewandt. Damit ist die Diskussion wieder eröffnet. Abg. Haase(Soz.)# Zwischen der Anschauungsweise des Staatssekretärs und uns bestebt eine gewaltige Kluft, die nicht überbrückt werden kann. Man kann doch nur etwas zurücknehmen, was sich als unrichtig herausgestellt hat.m Was ich vorgetragen habe entspricht aber der Wahrbeit.“ Damit schließt abermals die Diskussion. Das Gehalt des Staatssekretärs wird bewilligt und die Resolution der Fortschvittlichen Volkspartei angenommen Alsdaun wird Vertagung beschlossen. Ein Antrag Brandvs(Pole) will, daß über die Ostmarkenvorlage namentlich abgestimmt werde Diese Abstimmung erfolgt morgen. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr: Fortsetzung; Postscheckgesetz; Etat des Reichskolonialamts und der Schutzgebiete. Schluß nach ½8 Uhr. Preußischer Landtag Bichtige Grilkrungen zer ventschen Henbelanertrags= und Zollpolitik. 41. Sitzung vom 4. März. In dritter Lesung wird das Ausgrabungsgesetz angenommen. Endgültig erledigt wird auch der Gesetzentwurf über Ausdehnung des Moorschutzgesetzes auf Pommern und Schleswig=Holstein. Es folgt die Beratung des Etats der Handelsund Gewerbeverwaltung. Abg. Hoesch(k]).: Die Ein= und Ausfuhr an industriellen Werten hat sich erheblich vermehrt. Wir haben jetzt eine aktive Handelsbilanz. Die Auswanderung ist stark zurückgegangen. Es können sich aber auch Unterbrechungen infolge der Ueberproduktion einstellen. Die Jahre 1911 und 1912 beweisen nicht, daß die deutsche Landwirtschaft die deutsche Nation nicht selbständig ernähren könne. Die Parole„Alles stramm gegen rechts“ war ein großer Fehler. Durch die Verstärkung der Sozialdemokratie ist die Lage der Regierung viel schwieriger geworden.(Lebh. Beifall.) Handelsminister Sydow gibt namens der Staatsregierung folgende Erklärungen ab: Der Zolltarif vom 23. Dezember 1902 hat den Anforderungen einer gesunden Wirtschaftspolitik im wesentlichen entsprochen. Ein hinreichender Schutz des Inlandsmarktes ist mit ihm erreicht worden. Er hat sich auch als brauchbares Werkzeug für den Abschluß zahlreicher Tarifverträge erwiesen, die zur Erleichterung und Sicherung der Ausfuhr geführt haben. Daß die Interessen namentlich auch der arbeitenden Klassen nicht Schaden genommen haben, ist aus der allgemeinen Lohnsteigerung und der mit ihr verbundenen Hebung der Lebenshaltung gerade der minderbemittelten Volksschichten zu erkennen. Für grundlegende Aenderungen oder die Ersetzung des Zolltarifs von 1902 durch einen neuen Tavif sind deshalb die Voraussetzungen nicht gegeben. Auch zur Verstärkung des Zollschutzes liegt kein Bedürfnis vor. Wenn dagegen andere Vertragsstaaten glauben, sich nicht auf den gleichen Standpunkt stellen zu können, so wird die Frage einer Zolltarifnovelle brennend, und deshalb sind Vorarbeiten im Gange, daß Deutschland rechtzeitig einer veränderten Situation entgegentreten kann.(Lebh. Beifall.) Unter allen Umständen wird die Regierung an der bisher befolgten Zoll= und Handelspolitik festhalten.(Lebh. Beifall rechts und in der Mitte.) Abg. Frhr. v. Zedlätz und Neukirch(ft.): Wir begrüßen die völlig besviedigende Erklärung der Staatsregierung. Wir können heute einen wichtigen Schritt vorwärts tun zur Erhaltung unserer nationalen Wirtschaftspolitik. Abg. Pach nicke(Vp.): Wir erklären uns gegen den klerikalkonfervativen Anstrich der Sache. Die Konservativen lösten am liebsten den Reichstag auf, nur fehlt es an einer guten Wahlparole. Selbst Bismarck hat gesagt:„Auch der verrückteste Agrarier würde nicht einen Getreidezoll von 5 Mark haben wollen!“ Ein Zollkrieg würde alle aufs schwerste schädigen. Die Geneigtheit des Auslandes, mit uns Verträge abzuschließen, wird nicht erhöht durch solche Reden, wie wir sie heute gehört haben. Wenn hier der Kampfruf erschallt, kann man sich nicht wundern, daß auch drüben Kampfesstimmung erweckt wird. Abg. Leinert(Soz.): Die Regierung soll wieder einmal scharf gemacht werden zugunsten des Großgrundbesitzes und der Eroßindustriellen. Der ganze Zollschutz ist nichts als eine Frage des Verdienstes der Interessenten. Die Lebensmittelpreise haben unter der Schutzzollpolitik eine unerschwingliche Höhe erreicht, und nun soll der Raubzug auf die Taschen des Volkes noch stärker werden! Abg. Schifferer(nl) begrüßt die einmütige Haltung der Rechten. Abg. Hammer (ks.) beklagt den Rückgang des Mühlengewerbes und tritt für den Mittelstand ein. Minister Sydow: Die Regierung ist dabei, zu prüfen, ob die Mißbräuche im Zugabewefen eine gesetzliche Regelung nötig machen. Eine Warenhaussteuer wird wahrscheinlich bald vorgelegt werden. Eegen die Verteuerungen des elektrischen Stromes durch die Konzerne will die Regierung die kleinen Abnehmer schützen.— Donnerstag 11 Uhr: Weiterberatung.: Politische Uebersicht. Der Kaiser in Wilhelmshaven. Bei der Vereidigung der Wilhelmshavener Marinerekruten hielt der Kaiser eine kurze Ansprache an die Rekruten, in der er diese zur Treue ermahnte. Der Aufenthalt des Kaisers an der Nordsee ist von schönstem Wetter begünstigt. Der Termin der Kaiserreise nach Korfu. Wie die „Inf.“ erfährt, ist nunmehr die endgültige Festlegung des Termins für die Ausreise des Kaisers nach Korsu erfolgt, und zwar ist sie auf den 22. März festgesetzt worden. Wie wir hören, gedenkt der Monarch die Karwoche und das Ostersest noch auf der griechischen Insel in seinem schönen Besitztum zu verleben. Als Gast des Kaisers wird diesmal auf besondere Einladung Militär=Oberpfarrer und Geh. Konsistorialrat D. Goens an der Korfureise teilnehmen, der soeben sein 25jähriges Jubiläum als Militärgeistlicher begehen konnte. Der beim Kaiser in hohem Ansehen stehende und beliebte Militär=Seelsorger wird auch die Leitung des Festgottesdienstes während der Osterfeiertage auf Korsu innehaben. Der Reichskanzler v. Bethmann=Hollweg stattete der Kunsthalle Hamburgs einen Besuch ab und begab sich dann nach Cuxhaven, um dort auf dem „Imperator“ ein vom Senat gegebenes Frühstück einzunehmen. Mit großem Interesse besichtigte der Kanzler die Räume des gewaltigen und prächtigen Schifses. Eine interessante Reichstagspetition. Laut reichsgesetzlicher Entscheidung kann das 1500 Mark übersteigende Gehalt des Angestellten dessen Ehefrau, Kindern, Geschwistern usw. ausgezahlt und dem Zugriff der Gläubiger entzogen werden. Ein Vertrag, wonach eine Frau ihrem Geschäftsführer die unpfändbare Summe von 1500 Mark Jahresgehalt, außerdem aber 1200 Mark an dessen Ehefrau zahlte, wurde von einer Firma, welcher der Geschäftsführer verschuldet war, angefochten und von den Gerichten erster und zweiter Instanz als gegen die guten Sitten verstoßend und daher ungültig bezeichnet. Das Reichsgericht erblickt in einem solchen Vertrage, worin ein Angestellter lediglich um Erwerbung des notwandigen Lebensunterhaltes besorgt ist, nichts Unsittliches. Man darf gespannt sein, wie sich die Reichsregierung auf Grund der Petition zu der Frage stellen wird. Reichtagskommissionen. Die Kommission für die Novelle zum Strafgesetz nahm mehrere Bestimmungen unter Ablehnung weitgehender Vorschläge an. Die Kommission für die Sonntagsruhe nahm die Anträge an, die in Gemeinden unter 75 000 Einwohnern eine dreistündige Arbeitszeit zulassen, in solchen von 10 000 bis 75 000 eine Erweiterung um Jedes Inserat in der Schwerter Zeitung ist ein BAUSTEIN tür die Vergrösserung Ihres Geschäfts. Jedes Inserat wirbt neue Kundschaft, die bei guter Ware und aufmerksamer Bedienung zu einer ständigen wird und somit zur Befestigung des finanziellen Funda ments eines Geschäfts erheblich beiträgt. Die Inserate in der Schwerter Ztg. sind für das Bestehen u.Blühen eines Geschäftes — unbedingt notwendig.— 1 — eine Stunde und in kleineren eine solche um zwei Stunden durch die obere Verwaltungsbehörde gestatten. Ein gut Teil Schwarzseherei steckt in einem Petersburger Artikel der„Köln. Ztg., worin ausgeführt wird, daß Rußland in drei bis vier Jahren sein gewaltiges Rüstungsziel erreicht haben und dann gegen Deutschland losschlagen wird. Es ist richtig, daß Rußland seine Finanyen außerordentlich gehoben hat und auf Frankreichs Drängen an seiner Westküste unheimlich rüstet; daß es unbeschadet des Schürens der Panslawisten in seiner ofsiziellen Vertretung seindselige Absichten gegen Deutschland verfolgte, ist unbewiesen. Dagigen sprechen auch sehr gewaltige Tatsachen aus jüngster Zeit. Nachdem Zar Nikolaus II. im Krönungsjahre 1895 in Breslau und 1898 in Potsdam Gast unseres Kaisers gewesen war, fanden nach neunjähriger Unterbrechung in den Jahren 1907 und 1909 Begegnungen in Swinemünde und Kiel statt, während in den russischen Gewässern Björkö und Reval Orte der Zusammenkunft waren. Der erste deutsche Gewerbe= und Kleinhandelstag wurde soeben in Zittau in Sachsen abgehalten. Bezüglich der Sonntagsruhe war man für einen einheitlichen Ladenschluß um drei Uhr nachmittags und bezüglich der Wanderlager für eine gesetzliche Regelung der Bedürfnisfrage. Der Warenhandel der Beamten soll von der Bedürfnisfrage abhängig gemacht werden. Ueber die Aussichten für das Zustandekommen des Konkurrenzklauselgesetzes schreibt der„N. Pol. Tagesdienst“: In den nächsten Tagen werden Vertreter der an dem Gesetzentwurf zur Regelung der Konkurrenzklausel beteiligten Ressorts mit Vertretern der Bundesregierungen über die vom Reichstag beschlossenen Aenderungen der Vorlage beraten. Nach Abschluß dieser Beratungen wird sich erst ein Urteil darüber gewinnen lassen, ob zwischen dem Standpunkt der Regierung und den Wünschen des Reichstags eine mittleve Linie zu finden ist, auf der ein Zustandekommen des Gesetzes ermöglicht werden kann. Soll dieses erreicht werden, so wird allerdings auch vom Reichstag noch eine Abänderung einiger Beschlüsse erwartet werden müssen. Daß das Gesetz in der von der Kommission erhaltenen Form verabschiedet wird, ist jedenfalls ausgeschlossen. Der Konflikt in Hessen. In der Zweiten Kammer gab Staatsminister von Ewald die Erklärung ab, daß die Rezierung den neuerdings zur Besoldungsvorlag# gemachten Vorschlägen, es bei dem Höchstgehalt 3600 Mark für Volksschullehrer zu belassen und die durch Herabsetzung durch die Gehaltsstusen ersparte Summe auf die übrigen Gehaltsstusen der Lehrer zu verteilen, nicht zustimmen könne. Die Reglerung spare bei der Festsetzung der Beamtengehälter überall und könne das Ersparte nunmehr unmöglich den Lehrern zukommen lassen, wenn sie sich nicht schweren Angriffen der Beamtenschaft aussetzen wolle. Oesterreich= Ungarn. Besuch Kaiser Wilhelme bei Kaiser Franz Josef. Die offiziöse„Wiener Allgemeine Zeitung“ schreibt: Der deutsche Kaiser tvitt am 22. März seine Reise nach Korsu an. Er will die Reise unterbrechen, um Kaiser Franz Josef einen Besuch abzustatten. Die Ankunft Kaiser Wilhelms erfolgt am 23. in Wien. Der Besuch trägt inoffiziellen Charak' ter. Kaiser Wilhelm will nur die Gelegenheit benutzen, um seinen verehrten Freund und Bundesgenossen zu begrüßen. Der deutsche Kaiser wird bei Kaiser Franz Josef speisen. Der Aufenthalt wird sich nicht über einen Tag hinausziehen. Noch am Abend des 23. tritt Kaiser Wilchelm die Weiterreise nach Korsu an. Die neue Kriegsansage der Tschechen. In einer gemeinsamen Sitzung der Vertreter der tschechischen Agrarpartei, der freisinnigen Nationalpartei, der sozialdemokratischen und der nationalsozialistischen Partei sowie der tschechischen Fortschrittspartei und der katholischen Nationalpartei in Prag wurde einstimmig betont, daß der sonntägliche Beschluß der Deutschen das Ende der gegenwärtigen Ausgleichsverhandlungen bedeute. Die Verantwortung tresfe jene deutsche Parteien, die an der sonntäglichen Beschlußsassung beteiligt waren. Ferner hat das Exekutivkomitee der tschechich eagrarischen Partei beschlossen, im Reichsrat, der am 5. März zusimmentiitt, die Obstiuktion gegen alle Regietung##r#lagen in verschärftem Maße fortzusetzen. Frankreich. Ein neues schweres Geschütz in Frankreich. Den Klage:, die besonders der bekannte französische Militärschriftsteller Maitrot über den Mangel an werkalibrigen Schnellfeuergeschützen in der sranzösischen Armee führte, soll jetzt, wie der„Temps“ er,ährt, abgeholsen werden. Die Indienststellung der neuen Feldkanone, Länge 105, Modell 1913, das bisher von der Privatindustrie an Rußland geliefert wurde, steht in Frankreich bevor. Das neue Erschütz schleudert ein Geschoß von ungefähr 16½ Kilogramm mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 570 Metern. Diese Bedingungen sichern eine Schußweite von zehn Kilometern. Das Ziel wird durch ein panoramaartig sunktionierendes Fernrohr gesichert, mit Hilfe dessen der bedienende Arbillerist, ohne sich umzusehen, einen Zielpunkt aussuchen kann, auch wenn der Vorderhorizont durch Gehölz oder sonstige Gegenstände versperrt ist. Beim Schuß bleibt die Lafette unbeweglich, während der Lauf ungefähr einen Meter zurückgeht und durch komprimlerte Luft auf seinen ursprünglichen Platz zurückgebracht wird. Der bedienende Artillerist wird durch ei#erne Schilde gesichert. Das Geschütz wiegt in der Laffette 2300 Kilogramm. Man glaubt in Paris, daß das französische Geschütz dem deutschen analogen 105=Millimeter=Geschütz überlegen sei. England. England baut eine Luftflotte. Wie der Marineminister Churchill soeben mitteilte, hat die Regierung zur Erweiterung ihrer Luftschiss-Flotte eine Anzahl von Bestellungen erteilt. Ein großes und drei kleinere Luftschisse unstarren Typs wurden der englischen Firma Vickers in Bau gegeben. Ein dem neuesten Zeppelinluftschiff ähnelndes Starrluftschiff wird gleichfalls in England gebaut, ein zweites derseiben Art in Frankreich. Ferner werden zwei große halbstarre Luftschisse bei der englischen Firma Armstrong, ein drittes im Ausland erbaut. Brasilien. Die Präsidentenwahl. Wie ein Telegramm der Deutschen Kabelgramm=Gesellschaft aus Rio de Janeiro mitteilt, ist die Präsidentenwahl, die am 1. März begonnen hat, überall in Brasilien ruhig verlausen. Es sand nur eine schwache Beteiligung statt, da der Gegenkandidat Ruy Barbosa zurückgetreten war und seine Kandidatur nur von seinem Heimatstaat Bahia aufrechterhalten worden war Wenceslao Braz ist mit großer Mehrheit gewählt worden. —— Zum Tode des Kardinals v. Kopp, Die Beisetzungsfeierlichkeiten für den verstorbenen Kardinal Kopp werden im hohen Dome zu Breslau stattfinden. Am Dienstag den 10. März, vormittags 10 Uhr, wird Erzbischof Hartmann=Köln die Beisetzung vornehmen. Der Nachruf der Regierung. Die„Nordd. Allg. Ztg“ schreibt zum Tode des Kardinals Kopp u. a.: Mit ihm scheidet eine der bedeutendsten Persönlichkeiten aus dem Leben der katholischen Kirche, ja, aus dem öffentlichen Leben Deutschlands aus. Zu den hervorragendsten Charaktereigenschaften des nun Verstorbenen gehörte eine milde Art des Umganges, die den Verkehr mit ihm nicht nur für seine Glaubensgenossen, sondern auch für Andersgläubige in seltener Weise anziehend gestaltete. Umfassende Kenntnisse, ein hohes Verständnis für die Probleme, die an ihn herantraten, und eine einsichtsvolle Erfassung der Umstände, unter denen er zu wirken berufen war, verliehen ihm die Fähigkeit, zu den verschiedenen Mächten des öffentlichen Lebens ebenso wie zu den Katholiken und Evangelischen sich vermittelnd zu betätigen. So hat er im Laufe seiner langjährigen Wirksamkeit in hohen kirchlichen Aemtern wiederholt Gelegenheit gefunden, das Verhältnis zwischen Staat und Kirche im Sinne der Versöhnlichkeit zu beeinslussen und dem konfessionellen Frieden in Deutschland im ällgemeinen und in Schlesien im besonderen zu dienen. Kardinal Fürstbischef von Kopp war eine vorbildliche Erscheinung auch in der Beziehung, daß er es verstand, Königstreue und Vaterlandsliebe mit der Wahrung der Interessen seiner Kirche zu verbinden. Ein treuer Diener der katholischen Kirche und ein hingebender Sohn des deutschen Vaterlandes ist mit ihm dahingegangen. Die Wahl eines neuen Fürstbischofs geht in der Weise vor sich, daß das Breslauer Domkapitel der preußischen Negierung eine Reihe von Kandidaten vorschlägt, aus der die Regierung drei benennt, zwischen denen dann die engere Wahl stattzufinden hat. Diese Wahl muß vom König und vom Papst bestätigt werden, daher wegen der Kandidatur direkte Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Vatikan der Wahl vorausgehen. Da Preußen den weitaus größeron Teil der Diözese Breslau besitzt, kann der Kaiser von Oesterreich von seinem Erennungsrecht(mit nachheriger päpstlicher Bestätigung) keinen Gebrauch machen; der neuerwählte Fürstbischof wird von ihm einfach anerkannt. —— Um Home Die irische Homerule=Angelegenheit scheint trotz allen Verschleppungskünsten des Premiers in den nächsten vierzehn Tagen ihrer vorläufigen Entscheidung entgegen zu gehen. Es ist nachgerade kein Geheimnis mehr, daß Herr Asquith unter dem Druck seiner unentbehrlichen irischen Bundesgenossen sich außerstande gefühlt hat, die von den protestantischen Nordirländern verlangte Ausschließung Ulsters aus dem Bereich der Homerule=Vorlage zu bewilligen. Statt dessen sollen Ulster Zugeständnisse im Verwaltungswesen und Hoffnungen gemacht werden, in fünf Jahren, falls Homerule unerträglich wäre, durch Plebiszit seine nachträgliche Ausschließung zu erreichen. Davon wollen indes weder die Führer der Männer von Ulster noch ihre Freunde und Bundesgenossen im Lager der Opposition hören. Für sie gibt es nur eine alternative Entscheidung über Homerule durch allgemeine Neuwahlen oder die förmliche Ausschließung Ulsters aus dem Bereich der Vorlage. Ihr neuester Zug ist ein von zahlreichen hochangesehenen Männern allex Stände und Parteien mit Feldmarschall Lord Noberts und Großadmiral Seymour an der Spitze gezeichneter Aufruf, worin felerlich erklärt und zur Beteiligung eingeladen wird, im Falle die Vorlage ohne Neuwahlen durchgedrückt werde, sich der Durchührung und insbesondere der Verwendung von Truppen in Ulster zu widersetzen. Hinter diesem letzteren Winke erkennt man deutlich den Hinweis auf die alljährlich neu zu bewilligende Heeresvorlage, die die unerläßliche Grundlage jedes Zusammenhanges und der Disziplin bildet und die im Oberhause sowohl wie im Unterhause genehmigt werden müßte. Im Oppositionslager spricht man mit großer Bestimmtheit von nahen allgemeinen Wahlen und verlegt das Datum auf Ende April oder in den Juni. Auch hört man vielsach mit starker Beziehung von den Iden des März sprechen, wobei allerdings festgehalten werden muß, daß man in beiden politischen Lagern sich auss Bluffen versteht. — Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 5. März. **(Pernichtete Reichskassenscheine.) Nach den Beobachtungen der Reichsschuldenverwaltung meh ren sich ständig die Fälle, in denen Ersatz für Reichskassenscheine erbeten wird, die aus Unachtsamkeit ganz oder teilweise vernichtet worden sind. Die Behörde ist sehr oft außerstande, diesem Eruchen zu entsprechen, weil sie nach den gesetzlichen Bestimmungen nur dann Ersatz leisten darf, wenn entweder von einem echten Reichskassenscheine ein Nest vorgelegt wird, der mehr als die Hälfte eines solchen beträgt, oder wenn es auf Grund der beigebrachten Beweise als ausgeschlossen erachtet werden muß, daß die nicht vorgelegten, mehr als die Hälfte betragenden Teile noch wieder zum Vorschein kommen können. In der bei weitem überwiegenden Mehrzahl derartiger Fälle ist der Schaden in der Weise entstanden, daß in größeren Betrieben bei den Lohnzahlungen die Arbeiter verschlossene Lohntüten mit Hartgeld und Papiergeld erhalten, sodann die Lohntüte mit dem noch darin hastenden Papiergelde weggeworsen haben. Wenn dann der Verlust entdeckt worden ist, so ist häusig die Lohntüte oder ein Teil davon nicht mehr aufzufinden gewesen. Es ergibt sich hieraus, daß offenbar weitere Kreise sich noch nicht genügend an den Gerauch des Papiergeldes und an die Notwendiglit, es sorgsam zu behandeln, gewöhnt haben. Canz besonders scheint dies da der Fall zu sein, wo die Lohnzahlung durch Lohntüten bewirkt wird. **(Heizung der Eisenbahnzüge.) Da in letzter Zeit wieder Klagen über die Heizung der Personenwagen erhoben worden sind, die sich besonders gegen de Ueberheizung der Wagen richten, hat der Eisenbahnminister die Eisenbahndirektionen erneut angewiesen, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß die Vorschriften über die Heizung der Züge genau beachtet werden. Ueberheizung, d. h. größere Wärme als 20 Grad Celsius in den Wagenräumen, sind darnach unter allen Umständen zu vermeiden. im während der Fahrt eintretenden Wechsel der Außentemperatur ist, im besonderen bei D=Zugwagen, durch entsprechende Einstellung der Reguliervorrichtungen sofort Nechnung zu tragen. **(Die Kriegsberorderungen und Paßnotizen) für das Mobilmachungsjahr 1914/15(erstere auf rotem, letztere auf weißem Papier) gelangen gegenwärtig durch die Post zur Aushändigung an die Empfänger. Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes haben, falls sie sich nicht selbst zur Empfangnahme zu Hause aufhalten können, hiermit einen ihrer erwachsenen Anverwandten, Quartierwirte oder Mitbewohrer zu beauftragen. Jeder Reservist oder Landwehrmann, der sich bis zum 1. April nicht im Besitz einer Kriegsbeorderung oder Paßnotiz befindet, hat dieses sosort schriftlich oder mündlich unter Veizügung des Militärpasses dem Bezirksseldwebel zu melden. Die vom 1. April 1914 ab nicht mehr gültigen Kriegsbeorderungen(auf gelbem Papier) und Paßnotizen- sind an diesem Tage, aber keinesfalls früher, durch die Mannchaften selbst zu vernichten. *(Landwirtschaftlicher Lokalverein.) Gestern sand unter dem Vorsitz des Herrn C. Hohenschwert im Gasthof Potthof die gutbesuchte Jahros=Eeneralversammlung des Lokalvereins für Landwirtschaft und Gewerbe der Stadt Schwerte und des Amtes Westhofen statt. Nach Besichtigung der drei Zuchthengste und Aufnahme von drei neuen Mitgliedern erfolgte die Rechnungslegung. Nach derselben betrug die Einnahme für 1913 einschließlich eines Bestandes von 92.21 Mark 627.21 Mark, die Ausgabe 549.35 Mark. Zu dem Bestande von 77.86 Mark kommt noch ein Sparlassenguthaben von 1087.43 Mark, sovaß das Vereinovermögen sich auf 1165 29 Mark stellt. Dem Kassierer, Herrn Aug. Sieberg, wurde Entlastung erteilt. Die Mitgliederzahl beträgt 145. Bei den dann folgenden Vorstandswahlen wurden an Stelle der infolge hohen Alters wunschgemäß ausscheidenden beiden Vorsitzenden, der Herren C. Hohenschwert von hier und Fr. Dieckerhoff von Lichtendorf Herr Fritz Hohenschwert=Lichtendorf zum ersten und Herr H. Braß=Kückshausen zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Als Beisitzer wurde Herr Plässer=Holzen neugewählt. Die genannten Lisherigen Vorsitzenden wurden einstimmig zu Ehrenmitgliedern ernannt. Für das am 12. und 13. September stattfindende Fest des landwirtschaftlichen Kreisvereins wurden drei Ehrenpreise für Rindvieh, Schweine und Obst und Gemüse in Gesamthöhe von 70 Mark gestiftet. Endlich wurde beschlossen, zwecks erfolgreicher Bekämpfung der Spatzenplage beim Kreisverein, sowie bei der Stadt Schwerte und den Gemeinden des Amtes Westhosen vorstellig zu werden mit der Bitte um Gewährung von Fangprämien. **(Ostafrikakrieger.) Am 8. Mai findet in Kiel zur Erinnerung an die 25. Wiederkehr des Tages der Erstürmung des Lagers von Buschiris ein Ceneral=Appell ehemaliger Afrikalrieger statt. Außer dek eigentlichen Gedenkseier ist eine Besichtigung der Kieler Werst, der Besuch eines größeren Kriegsschisses, eine Fahrt durch den Kaiser WilhelmKanal und ähnliches vorgesehen. Ehemalige Kriegsteilnehmer von Schwerte und Umgegend, welche an der Feier teilnehmen wollen, werden gebeten, sich mit dem Kameraden Max Galle, Beckenkamp 3, in Vrbindung zu setzen. **(Zurückgewiesene Berufung.) Das hiesige Schöffengericht hatte den Landwirt A. P. wegen Sachbeschädigung zu 15 Mark Geldstrafe verurteilt, und wurde die von ihm eingelegte Berusung von der Straskammer zu Hagen verworsen. Der Angeklagte hatte sich mit andern Landwirten am 25. Mai v. J. in einer Wirtschaft unnütz benommen, so daß der Wirt die Polizei requirierte. P. hatte dabei einen Zaun beschädigt. ** Holzen, 5. März.(Im Silberkranz.) Am heutigen Tage können die Eheleute Heinr. Steinweg und Frau, Maria geb. Hahne, das schöne Fest der silbernen Hochzeit seiern. Den vielen Glückwünschen, die dem beliebten SilberBrautpaar von allen Seiten zugehen, schließen wir die unsrigen gern an. Hoffentlich wird dem Silberreis dereinst die goldene Myrte folgen. ** Schüren, 4. März.(Erhebliche Diebstähle) wurden in letzter Zeit auf der im Bau begriffenen Kolonie der Zeche„Freier Vogel“ ausgeführt. Für etwa 1000 Mark an Schiebkarren, Kalkkübel, Bau= und Gerüstholz, Zementsteine und sonstige Materialien wurden den Unternehmern gestohlen. Die Ankunft der Zugvögel. Milde anhaltende Südwestwinde haben uns die ersten Vorboten der Zugvögel gebracht. Interessant ist die Frage, wo wohl die Heimat der Zugvögel zu suchen sei: im Norden, wo sie brüten, oder im Süden, wo sie überwintern? Allgemein läßt sich diese Frage jedoch nicht beantworten. Bei Lösung des Vogelzugproblems kommt es vielmehr in der Hauptsache darauf an, daß jede Vogelart einzeln untersucht wird. Auf diese Weise kann man je nach deen mehr oder weniger übereinstimmenden Merkmalen auch nach dieser Richtung hin verschiedene Arten von Zugvögeln unterscheiden. So gibt es Vögel, die sowohl bei uns wie auch in ihrer Winterheuberge brüten, andeverseits solche, die nur bei uns brüten, und nach den gesundenen Versteine rungen schon vor der Eiszeit in unseren Eegenden heimisch waren. Diese sind wohl als die eigentlichen einheimischen Vögel zu betrachten, und zwar ist ihr Hauptmerkmal, daß sie zweimal bei uns brüten, während das bei den sogenannten Sommergästen, z. B. Pirol, Nachtigall und Mauersegler nicht der Fall ist. Das Hauptverbreitungsgebiet der Nachtigall ist das südliche Europa, wo dieser Vogel wegen der dortigen Sommertrockenheit nur eine Brut zeitigt. Dieses Merkmal hat er auch beibehalten, als er sein Verbreitungsgebiet nördlich der Alpen ausdehnte. Was mag überhaupt viele Zugvögel veranlassen, sich in die nördlichen, Brutgebiete zurückzuziehen? Es scheint nicht ausgeschlossen, daß rabei der Sonnenstand und die bedeutendere Tageslänge des Sommers höherer Breiten eine hervorragende Rolle spielen. Denn der Sonnenstand ist ja der einzige mit mathematischer Genauigkeit wechselnde Faktor, der bei Lösung des Problems zweisellos mit in Frage kommen muß. Ein langer Tag spielt insofern im Leben der Vögel eine Rolle, als die junge Brut um so besser gedeiht, je kürzer die Fütterungs pausen sind. Bei den schon vor der Eiszeit bei uns heimischen Vögeln ist aber zu bedenken, daß sie bei uns ehedem ein Tropenland bewohnten, das aber ein echtes Tropengebiet nur seinen Wärmeverhält. nissen nach gewesen ist, nicht aber hinsichtlich seiner Beleuchtungsverhältnisse. Vor allem aus diesem Grunde scheint in der Tat der wechselnde Sonnen stand eine hervorragende Rolle zu spielen, indem lange Tage während der Fortpflanzungszeit zu einer Lebensbedinzung für viele Zugvögel geworden sein Türften. —.— Nr. 54. Bellage Der kktonal Marz dieret die beste Gelegenheit die „Schwerter Zeitung“ (amtl. Kreisblatt für den Kreis Hörde) kennen zu lernen. Ein Probe=Abonnement wird jeden non der Reichhaltigkeit der„Schwerter Zeitung" überzeugen und zu dauerndem Bezuge führen. Der Bezugspreis beträgt monatlich nur 60 Pfennig. Bestellungen werden jederzeit von unseren Boten, in der Geschäftsstelle(Gr. Marktstraße) und bei Herrn Ad. Neumann, Hüsingstraße, entgegengenommen. Schwerter Heitung. Amtliches Kreisblatt. Kennuce WR Wetterleuchten im Osten? Nirgends rergißt man unter Umständen so schnell, wir in der Diplomatie. Es ist noch gar nicht so lange her, daß das Potsdamer Abkommen als der Beginn einer neuen Aera in der Weltpolitik gefeiert wurde, indem man der Ansicht Ausdruck gab, daß Rußland trotz seines Entente=Verhältnisses nunmehr mit Deutschland in großen politischen Aktionen konsorm gehen würde, und noch vor wenigen Monaten versicherten die Herren Kokowz:w und Sasonow gelegentlich ihres Berliner Aufenthaltes die Herzlichkeit der gegenseitigen Beziehungen. Inzwischen ist aber der Erstgenannte aus dem Amte geschieden, und der Leiter der russischen Außenpolitik wird ihm trotz aller Dementis wohl in nicht allzu langer Zeit folgen. Es läßt sich eben nicht leugnen, daß die russische Politik in ein völlig antideutsches Fahrwasser geraten ist; sowohl der Panslavismus dürfte das Seinige dazu getan haben, wie auch gewisse Strömungen in Frankreich, die gute Beziehungen nach der Newa hin unterhalten, können als treibende Kraft angesehen werden. Allem Anschein nach glaubt man in Petersburg allmählich die Zeit für gekommen, um in Gemeinschaft mit Frankreich Deutschland zurückzudrängen und seinen Einfluß auf die Gestaltung der Dinge in der Welt einzuengen. Auf diese Absicht läuft auch die neueste große Heeresverstärkung hinaus, die in Rußland vorgenommen werden soll. Warum will man gerade an der Westgrenze, die ohnehin schon mit Militär und Festungen gespickt ist, noch zwei bis drei neue Armeekorps errichten und weitere Festungsanlagen aufführen? Das kann doch nur gegen Deutschland gerichtet sein, und dies bestätigt eine Darstellung des Petersburger Korrespondenten der„Kölnischen Zeitung“, die dieser seinem Blatte liefert. Angesichts der Beziehungen, die das genannte Blatt zu den maßgebenden Berliner Stellen unterhält, ist wohl anzunehmen, daß man sich mit diesen in Verbindung gesetzt hat, ehe eine derartige aufsehenerregende Schilderung der breitesten Oefsentlichkeit übergeben wurde. Man verhehlt sich eben auch in den verantwortlichen militärischen und politischen Stellen Deutschlands keineswegs den Ernst der Situation, wie ja auch bei der jüngsten Militärvorlage betont wurde, daß die Verhältnisse im Osten eine Verstärkung unserer nationalen Verteidigung notwendig machten. Der erwähnte Artikel, der nicht vielleicht ohne Absicht recht schwarz malt, legt dar, daß Rußland zwar heute noch nicht in der Lage sei, seine politischen Drohungen mit Wassengewalt zu unterstützen; ganz anders werde sich die Lage aber in drei bis vier Jahren gestaltet haben. Bis dahin sei einmal eine Gesundung der Finanzwirtschaft zu erwarten, dann aber auch würde Rußland in militärischer Hinsicht fix und fertig sein. Die Ergänzung des Artillerieund Kriegsmaterials wird mit größter Schnelligkeit betrirben, insbesondere wird auch die schwere Artillerie vermehrt, und ganz besonderer militärischer Fürsorge läßt man Petersburg zukommen, wohl in der Befürchtung, daß dieses bei einem Kriege mit Deutschland ungemein bedroht sein würde; in militärischen Zeitschriften spreche man es jetzt ganz ofsen aus, daß Rußland zum Krieg gegen Deutschland rüste. In eine Mahnung, die Theorie der deutschsenglischen Freundschaft endlich aufgeben zu wollen, klingt der bemerkenswerte Artikel aus. Er bedeutet ersichtlich eine Warnung, nicht allzu vertrauensselig in die Zukunft zu blicken, und man muß hierin noch bestärkt werden, wenn man hört, däß Frankreich für seine Armee dieselben schweren Geschütze einführen will, wie Rußland. Für uns wird es also in diesen schwierigen Zeiten doppelt heißen:„Augen auf!“ —— Westfalen und Rheinland. * Soest, 4. März.(Zwei Dortmunder in der Möhnetalsperre ertrunken?) Von der Möhnetaisperre kommt die Aussehen erregende Nachricht, daß außer dem am Sonntag vor 5 Wochen im Möhnesee ertrunkenen jungen Mann aus Brüllingsen noch zwei junge Leute aus Dortmund verschwunden sind, die an dem Eisfeste teilgenommen haben. Es ist zu befürchten, daß auch diese beiden jungen Leute, die von der Talsperre nicht wieder zurückgekehrt sind, an irgend einer Stelle durch die Eisdecke eingebrochen und ertrunken sind. Bis jetzt ist noch keine der Leichen, auch nicht die des jungen Mannes aus Brüllingsen, gesunden worden. * Werden, 4. März.(Opfer der Explosion.) Von den bei dem Brande der Kapokfabrik von Thomas u. Voßkamp Schwerverletzten sind 2 Arbeiterinnen gestorben. Die Ursache des Brandes ist noch nicht festgestellt. * Hamm, 4. März.(Ein schwerer Betriebsunfall) ereignete sich in vergangener Nacht im hiesigen Rangierbahnhof. Ein Rangier= zug geriet beim Zurücksetzen vom Ablaufberg einem Güterzug mit Viehwagen, welcher gleichfalls zurücksetzte, in die Flanke. Eine größere Anzahl Pferde, Kühe und Kälber wurden teilo tödlich, teils schwer verletzt, Maschine und acht Wagen entgleisten. * Bochum, 4. März.(Im Zuchthause grau geworden.) Weit mehr als 20 Jahre seines Lebens hat der jetzt 60 Jahre alte Schlosser Friedrich Hermsen von hier hinter Zuchthausmauern zugebracht. In den letzten 20 Jahren hat sich Hermsen, der heute insgesamt 22 Mal vorbestraft ist, nur wenige Male und stets nur auf einige Wochen, der Freiheit ersreuen können, da er nach seiner Entlassung sein altes Gewerbe immer wieder aufnahm. Wegen eines Logisdiebstahls wurde er unter Elnrechnung bereits erlittener Straffen zu vier Jahren Zuchthaus, 150 Mark Geldstrase und fünf Johren Ehrverlust verurteilt. * Wanne, 4. März.(Dieoffene Schranke.) Auf der Dorstenerstraße ereignete sich ein folgenschwerer Unfall, der an das Unglück in Borbeck lebhaft erinnert. Der Kutscher Widlewoki aus Bochum, der mit einem Wagen der Farbenhandlung Platt den Uebergang an der Niveaukreuzung an der Dorstenerstraße passieren wollte, wurde von einer heranbrausenden Maschine ersaßt und mit Pserd und Wagen über die Gleise hinweg in einen Graben geschleudert. Widlewski wurde am Kopf und an den Armen so schwer verletzt, daß er dem Krankenhause in Bochum zugeführt werden mußte. Seltsamerweise blieben die Pferde unverletzt, gleichwohl der Wagen vollständig zertrümmert worden ist. Das Unglück ist durch die Unachtsamkeit des Schrankenwärters verursacht worden, der die Schranken nicht geschlossen hatte. * Essen, 3. März.(Zur Ehrung von 400 Jubilaren) der 4200 Mann zählenden Belegschaft der Bergwerksgesellschaft Dahlbusch im benachbarten Rotthausen fand gestern eine eindrucksvolle Feier statt, an der Landrat v. Eynern, Bergrat Gerlach, Bürgermeister Hohoff, die Geistlichkeit beider Konsessionen und die hiesigen Knappschaftsärzte teilnahmen. Generaldirektor Konsul Kesten hielt die Festrede. Bergassessor Kieckebusch feierte die Jubilar., 312 Arbeiter und 70 Beamte, wobei er besonders auf das gute Einvernehmen zwischen der Leitung und den Arbeitern hinwies. Im Namen der Jubilare sprach Bergmann Engerling der Gesellschaft und besonders dem Generaldirektor Kesten den Dank der Jubilare aus. Im weiteren Verlaufe der Feier sprachen noch Landrat v. Eynern (Essen), Bergrat Gerlach(Essen) und Bürgermeister Hohoff(Rotthausen). * Hattingen, 3. März.(Stiftung) Die Henrichshütte ist am 1. März zehn Jahre im Besitz der Lokomotivsabrik Henschel& Sohn in Kassel. Aus diesem Anlaß hat Geheimrat Dr. Karl Henschel 100000 Mark als Grundstock für eine ArbeiterPensionskasse, 50000 Mark als Grundstock ffür eine Beamten=Pensionskasse angewiesen, die in mündelsicheren Wertpapieren angelegt sind. Die Firma wird zu diesen Kosten weitere ordentliche Zuwendungen leisten. Von den Angestellten und Arbeitern werden Beiträge nicht erhoben werden. Zugleich hat Dr. Henschel dem Landrat Cuntze als Erundstock für einen Verein für Tuberkulose= und Säuglingsfürsorge 15000 Mark zur Verfügung gestellt. * Ohligs, 3. März.(Mörder verhaftet.) Der hiesigen Polizei gelang es, auf dem hiesigen Bahnhof den Erdarbeiter Koharzick zu verhaften. Koharzick hatte am 9. Februar seinen Mitarbeiter nach einem kurzen Wortwechsel erstochen. Der Mörder war von Wald nach Düsseldorf, von dort nach Duisburg und Mörs geslüchtet und kam am Sonntag auf dem hiesigen Bahnhof an, wo ihn ein Polizeibeamter erkannte. Er hat die Tat zugegeben, will aber in Notwehr gehandelt haben. * Düsseldorf, 4. März.(Durch ein eigenartiges Schwindelmanöver) hatte der stellenlose Handlungsgehilfe Wilhelm Siebenbrock aus Koesfeld die Reichspostverwaltung zu schädigen versucht. Am 30. Dezember kaufte Si. hier und am Postamte zu Neuß Kartenbriese, wobei er die Schalterbeamten jedesmal ersuchte, die Karten zu stempeln, da er eifriger Sammler von Postwertzeichen sei. In Neuß schrieb er alsdann eine Postanweisung an einen gewissen Höltgen in Düsseldorf aus, übertrug mit Hilfe einer Pause die beiden Poststampel der Kartenbriefe auf die PostDonnerstag, 5. März 1914. anweisung(auf 301,50 Mark lautend) und ließ diese durch einen jungen Burschen bei dem hiesigen Postamte zur Auszahlung vorzeigen. Der Umstand edoch, daß Si. entgegen den postalischen Bestimmungen nicht jedes einzelne Wertzeichen der Postanweisung abgestempelt, sondern nur einen einzigen Stempel aufgedruckt hatte, ließ den Schalterbeamten die Fälschung erkennen. Si. hatte sich deshalb gestern wegen gewinnsüchtiger Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrugsversuch vor dem hiesigen Schwurgericht zu verantworten. Das Urteil lautete auf 5 Monate Gefängnis. * Köln, 4. März.(Einen frechen Straßenraub) vollführte eine Frauensperson, die sich gestern abend an eine Dame heranmachte, die von plötzlichem Unwohlsein besallen wurde. Sie bemühte sich um die ältere Dame und führte sie später der elektrischen Bahn zu. Als die Dame zu Hause angekommen war, mußte sie die Entdeckung machen, daß ihre wertvolle goldene Uhr und ein Sparkassenbuch gestohlen waren. In dem Spar= kassenbuche steckten ein Tausendmarkschein, vier Hundertmarkscheine und ein Fünfzigmarkschein. Von der Diebin hat man noch keine Spur. * Köln, 3. März.(Ein Kind ohne Arme und Beine) ist hier einer Arbeitersamilie geboren worden. Nach Aussag der Aerzte ist das Kind vollständig lebensfähig und ein munterer Junge, der auch eine sehr gute Stimme hat. Dem armen Geschöpf, das jetzt bereits vierzehn Tage alt ist, fehlen die Gliedmaßen vollständig, es hat an den Schultern und am Unterkörper nur kleine abgerundete Fleischklumpen. Die Eltern sind natürlich wegen des Zustandes des Kindes tief unglücklich. * Bonn, 4. März.(Der Fremdenlegion entronnen.) Dem in Bendorf gebürtigen Tagelöhner Chr. Jansen ist es kürzlich gelungen, aus der Fremdenlegion zu entfliehen und in seine Heimat zurückzukehren. Jansen hatte vor einigen Monaten in Trier mit mehreren ihm unbekannten Per“ sonen gezecht. Als er am andern Morgen erwachte, besand er sich in Frankreich auf der Fahrt nach Marseille, von wo aus er mit andern Leidensgenossen nach Iran eingeschifft wurde. Nachdem er zweimal einen Fluchtversuch unternommen hatte, wobei er aber eingefangen wurde, glückte ihm am 1. Februar ein dritter, den er mit zwei andern Kameraden unternahm. Er führt bittere Klage über die schlechte Behandlung und Verpflegung in der Fremdenlegion. — Der Albanese als Soldat. Eine der ersten Fragen, die an den neuen Fürsten von Albanien herantreten werden, ist die Bildung einer militärischen Organisation als Grundstock einer künstigen albani,chen Armee. Diese Frage und ihre gründliche und vor allen Dingen schleunige praktische Lösung hat in den Kreisen, die dem Fürstentum Albanien nahestehen und an seinem Blühen und Gedeihen interessiert sind, bereits viel Kopfzerbrechen verursacht, und es wird in der Tat nicht ganz leicht sein, eine Armee zu bilden, die auf dem Balkan als gleichberechtigt anerkannt wird und dem Fürstentum die Nuhe verschafft, der es für die nächsten Jahre dringend bedarf. Es soll nicht etwa gesagt werden, daß die Bevölkerung zum Heeresdienst untauglich sei. Albanien zählt etwa eine Million Bewohner und dürfte in der Lage sein, etwa 100 000 Mann ins Feld zu schicken. Auch ist der Albanier überhaupt für den Soldatenberuf Roman von Max Esch. 56 Während der beiden nächsten Tage wurden alle Vorbereitungen getroffen, die Leiche des Erschossenen nach Langenstadt überführen zu lassen. Mit tieser Wehmut blickte Ullmann während dieser Zeit oft auf den Enkel, der in seiner kindlichen Unschuld die Tragik noch nicht zu fassen schien, die um ihn vorging. Würde die Schwiegertochter imstande sein, aus dem Kleinen einen tüchtigen Ullmann zu erziehen? Einen selbständigen Charakter hatte sie ja, und der Verstorbene würde sicher ihr gegenüber einen schweren Stand gehabt haben. Mit Ungeduld ersehnte er die Heimkehr des Sohnes, der jeden Augenblick jetzt eintreffen mußte. Um diesem Gelegenheit zu geben, den toten Bruder noch einmal zu sehen, hatte man den Sarg noch nicht verlötet, aber lange durfte er nicht mehr ausbleiben, dann mußte auch dieses geschehen. Der Abend des letzten Tages, an dem die Leiche noch offen stehen sollte, brach heran, und noch immer war Kurt Ullmann nicht eingetroffen. In einer Stunde waren die Arbeiter bestellt, um den reich vergoldeten Sarg zu verlöten. Die Witwe zeigte dem dreijährigen Sohne noch einmal schluchzend den Vater, der Kleine, der von dem Ernst der Umstehenden ganz eingeschüchtert war, fing herzhaft zu weinen an, seine Hand griff nach einer Rose, die auf der Decke lag, die dem Toten bis zur Brust reichte:„Papa schläft, sagte der Keine und fing wieder zu weinen an. Erschüttert wandten sich die beiden Großväter ab, die Tränen zu trocknen, die ihnen in die Bärte rannen. Es war ein schrecklicher Anblick, der sich ihnen bot. In diesem Augenblicke wurde die Tür eöffnet. Kurt Ullmann im Reiseanzuge, stürmte serein. Er sah bleich und vergrämt aus, denn die schrefkengtunde hgsse hn gerabenentebergeichmete tert. Daß die Zustände hier so furchtbar sein könnten, hätte er nie gedacht. Stumm reichte er allen die Hände, dann trat er an den Katafalk, auf dem die Leiche des Bruders ruhte. Seine Lippen krampften sich zusammen, und reichlich flossen seine Tränen. Das Wiedersehen mit dem toten Bruder hatte ihn mächtig ergriffen. Soweit mußte es also kommen. Unterwegs hatte er erfahren, daß ein Racheakt vorlag. Wenn ihm schon von jeher des Bruders Schroffheit im Verkehr mit seinen Untergebenen nicht behagte, so mußte er in diesem Augenblick daran denken, daß der zu straff gespannte Bogen zersprungen war. Der sichere Blick des Bruders hatte in diesem Falle eine Figur übersehen, und zwar eine, die er sonst aus seinen Berechnungen mit sonveräner Gleichgültigkeit ausschaltete, galten ihm doch die Menschen nur etwas, wenn er sie notwendig gebrauchte. Das hatte sich bitter gerächt, leider mußte er, Kurt, nun auch meilenlenweit entfernt sein, daß er seine warnende Stimme nicht erheben konnte. Mit diesen Gedanken beschäftigt, stand er lange an der Bahre, die übrigen Anwesenden sahen schweigend zu Boden. Endlich, als Kurt schmerzbewegt Abschied von seinem Bruder genommen und sich abwandte, löste sich der Bann, der während des Wiedersehens der beiden Brüder auf allen gelastet. Nachdem er den Vater vor allen Dingen nochmals herzlich begrüßt hatte, wurde er von allen Seiten mit Fragen bestürmt, wie es ihm in der Zeit, da er verschollen war, ergangen sei. Schweigeno hörten darauf alle drei zu. Die Schwägerin rümpfte stark die Nase, als sie hörte, daß Kurt tatsächlich mit einer Polin aus ganz niederem Stande verheiratet sei, doch der Erzählende beachtete das Gebaren seiner Schwägerin gar nicht, die ihm von Anfang an nicht sympathisch gewesen, desto mehr fiel ihm das fast eisige Schweigen des Vaters auf, auch als er geendet, sagte er kein Wort, Jondern, da die Arbeiter eintraten, die den Sarg des toten Sohnes verlöten wollten, erhob er sich und verließ schweigend das Zimmer. Er konnte es noch immer nicht fassen, daß der Sohn sich soweit vergessen konnte, ihm eine solche Schwiegertochter zuzuführen. Am offenen Sarge konnte und wollte er dem Sohne über seine Handlungsweise keine Vorwürfe machen. Aber unaufhörlich war er darauf bedacht, einen Ausweg zu finden, diese Ehe mit einem raschen Griff zu trennen. Am Abend hatte Kurt mit seiner Schwägerin unter Hinzuziehung des Direktors der Werke eine längere Besprechung wegen der Zukunft des Ullmannschen Unternehmens. Seine Schwägerin war zunächst damit einverstanden, daß vorerst unter Kurts Leitung alles beim alten bleiben solle, dann aber vertrat sie den Standpunkt des Schwiegervaters und Vaters, das Unternehmen zu geeigneter Zeit in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, und als später die beiden alten Herren ebenfalls dem Ausdruck gaben, gab Kurt sofort seine Zustimmung dazu, denn ihm lag gar nichts an der Ehre, alleiniger Leiter der ausgedehnten Unternehmungen zu sein. Mit Ungeduld hatte Kommerzienrat Ullmann den Augenblick herbeigesehnt, wo er den Sohn unter vier Augen sprechen konnte. Aber Kurt, der wohl ahnte, was den Vater bewegte, wußte es geschickt so einzurichten, daß er niemats allein mit dem Vater zusammentraf, und schließlich hatte er den von ihm früher bewohnten Teil der Villa aufgesucht, ohne daß der Vater seinen Zweck erreicht hatte. Nicht Feigheit war es, die Kurt eine Unterredung mit dem Vater hinausschieben ließ, sondern die Tatsache, daß seine junge Frauspätestens morgen früh in Lodz eintreffen mußte, also noch zeitig genug, um dem Vater und seinen Angehörigen vor Augen zu tretent. Abr sein Vater suchte die Unterredung unter vier Augen unter allen Umständen herbeizuführen, kaum hatte er vernomimen, daß der seinen Gemächern weile, als er ihn dort aufsuchte. Ohne Umschweife ging er auf sein Ziel also hast Du uns angetan, Kurt!“ rief er schmerzbewegt aus.„Soweit konntest Du, ein Ullmann. Dich vergessen. Ja, sag mal, was hast Du Dir eigentlich dabei gedacht, als Du diese Polin aus ganz niederem Stande zur Frau machtest?“ Kurt hatte sich von seinem Plagze erhoben und war vor den Vater getreten:„Vater, antwortete er,„ich folgte dem Zuge meines Herzens, als ich Petrowka, meine Lebensretterin, zur Frau machte, und glaube, daß ich mit dieser Wahl einen guten Griff getan habe.“ „Was heißt guter Griff.“ unterbrach der Vater erregt.„Das sagen alle jungen Ehemänner in der ersten Zeit ihrer Ehe, dann aber wendet sich das Blatt sehr bald. Auch bei Dir wird, wenn der Rausch verflogen ist, die bitterste Rene über diesen unüberlegten Schritt sich einstellen, darum löse die Fesseln so zeitig wie möglich. Stelle Deiner Frau eine anständige Abfindungssumme zu, und sie wird mit Freuden Dich freigeben.“ „So denkt Ihr Geldmenschen,“ sagte bitter der Sohn.„Euch ist der Einzelne nichts, alles glaubt Ihr mit schnödem Mammon zu erkaufen. Aber das Glück läßt sich weder mit Geld noch durch Gewalt zwingen, es kommt wie der Dieb in der Nacht, und wenn man es energisch packen will, ist es ebenso schnell wieder verschwunden." 209,16 „Was soll denn diese Philosophie," brauste der Kommerzienrat auf.„Im Reichtum liegt Macht, und wer die Macht in Händen hat, der kann das Glück mit fester Hand einsperren, wenn es sich wie der Dieb in der Nacht einstellt. Er hat also das Glück in Besitz. Doch nicht deshalb bin ich hierher gekommen, sondern ich wollte Dir helfen, diese unwürdigen Ketten loszuwerden Denn Du mußt doch einsehen, daß Du Dich mit dieser Heirat hier und auch in Deutschland unmöglich lehr geeignet, die Schwierigkeiten liegen in der Hauptsache in den allgemein noch nicht geklärten innerpolitischen Verhältnissen Albaniens begründet. Der Albanier ist mit dem Wesentlichen der militärischen Ausbildung, mit der Gewöhnung an die Waffe und mit ihrer Handhabung bereits vollkommen vertraut, bevor er überhaupt Soldat wird. Die(Unsicherheit des Landes und die häusigen Tehden der Bewohner, d. h. der einzelnen Stämme mte#einamer, bringen es mit sich, daß der Albanier schon, in den Kinderjahren die Wassen kennen lernt und, was ja wohl das wichtigste ist, ihren Gebrauch lernt. Diese Kenntnis wird im Lause der Jahre sehr vervollkommnet durch die tägliche Jagd und, wie schon bemerkt, die Auseinandersetzungen mit anderen Stämmen, bei denen die Wafse stets eine führende Rolle spielt. Der Albanier ist ein ausgezeichneter Schütze, mit den Gewehren neuester Konstruktionen vollkommen rertraut und durch sein großes Geschick, sich die günstigste Deckung im Gelände auszusuchen, ein durchaus nicht zu unterschätzender Gegner im Feuergesecht. Die Lebensweise des Albaniers ist bei der Armut des Landes natürlich von Haus aus schon sehr einfach, und dazu ist er noch gern bereit, wenn er im Felde steht, seine Ansprüche an Verpflegung usw. auf ein Minimum zu beschränken, wenn man ihm nur reichliche Gelegenheit gibt, sich kämpfend zu betätigen. Auch als Marschsoldat leistet der Albanier Vorzügliches. Was schon daher leicht erklärlich ist, daß ihn die gebirgige Gegend und der sast gänzliche Mangel an guten und leicht passierbaren Wegen in stetem Training hält. Zu all diesen lobenswerten Eigenschaften kommt noch hinzu, daß der Albanier dem einmal auserwählten Herrn unbedingte Treue hält, selbst, wenn os einmal nicht so gehen sollte, wie es ihm bichtig erscheint. Aus all diesem geht zur Genüge hervor, daß das Material für eine Armee nicht nur vorhanden ist, sondern auch in einer Güte vorhanden. um die man den künftigen Fürsten mit Fug und Recht beneiden kann. Es fragt sich nur, ob nicht die Bildung einer Armee durch die notwendige Beseitigung von tausend Hindernissen, und vor allen Dingen durch die Gewöhnung des Albaniers, der seit Jahrhunderten nur ein ziemlich lockeres Regiment kennt, an ein wohlorganisiertes, nach europätschen Prinzipien eingerichtetes Staatswesen zeitlich zu lange hinausgeschoben wird. Fürst Wil helm steht in dem Rufe, ein ausgezeichneter Soldat zu sein, und daß er sich zum Gefolge nur Herren aussuchte, die in den schwierigen Verhältnissen ihren Mann stellen werden, ist ja wohl klar. Am guten Willen kann es also nicht fehlen, und es steht zu wünschen, daß die Betätigung dieses guten Willens nicht durch gewisse Kreise durchkreuzt wird und ihr Schwierigkeiten gemacht werden, die die Erreichung des im Interesse des Landes gesteckten Zieles unnötig erschweren. Zum Schluß bliebe noch die Geldfrage zu erörtern. Es stehen dem Fürsten Wilhelm für militärische Zwecke etwa ein Drittel der 75 Millionen=Anleihe zur Verfügung, aber selbst Millionen sind sehr rasch verbraucht, um so mehr, wenn es sich um eine vollkommene Neubildung handelt, bei der alles von Grund auf neu angeschafft werden muß, um zunächst einwal überhaupt ein Fundament zu ermöglichen. Wenn aber die Konstellation günstig sein wird, steht es außer allem Zweifel, daß aus der Vereinigung der angeborenen albanischen Waffentüchtigkeit und der ausgezeichneten Kenntnisse des Fürsten und seiner Berater eine Armee entstehen wird, die dem neuen Staat die Gleichberechtigung mit den andern Balkanmächten sichert. Luftschiffahrt. Fliegersturz in die Warthe. Ein gefährliches Abenteuer erlebte kürzlich der Johannisthaler Flieger Kammerer. Er stieg morgens auf dem Flugplatz Johannisthal mit dem Flugschüler Großmann als Passagier zu einem Flug um den Städtepreis der Nationalflugspende auf und schlug die Richtung nach Breslau ein. Kammerer wollte von dort über Dresden nach Johannisthal zurückkehren und ungefähr zehn Stunden in der Luft bleiben. In der Nähe von Küstrin wurde das Wetter so unsichtig, daß die beiden Flieger die Orientierung verloren. Sie flogen nach dem Kompaß in etwa 1500 Metern Höhe, als nach anderthalbstündigem Flug dicht vor Landsberg a. W. der Motor aussetzte. Kammerer mußte jetzt eine Notlandung machen. Dicht über dem Erdboden fing Kammerer den Apparat ab und ließ das Flugzeug über den Boden rollen. Er hatte dabei nicht bemerkt, daß er hart am User der Warthe gelandet war und bereits über das morsche Eis des Flusses rollte. Plötzlich geriet er in ossenes Wasser, und der Flugapparat fing an zu sinken. Die beiden fassen sprangen ins Wasser und erreichten schwimmend einige große Eisschollen. Von dort krochen sie auf dem Bauche weiter und näherten sich langsam dem Ufer. Einige Fischer, die den Sturz des Flugzeuges beobachtet hatten, kamen den Fliegern mit Stangen und Leinen zu Hilfe und retteten sie ans Ufer. Der Doppeldecker konnte erst nach Stunden aufs Trockene gebracht werden. —— Eingefrorene Tiele. Wenn Eis und Schnee im Winter ihr strenges Regiment führen, haben wir zuweilen Gelegenheit, ein ganz merkwürdiges Phänomen beobachten zu können, nämlich das Einfrieren von Tieren, bei denen alles Leben erloschen ist und die doch trotzdem nicht tot sind. Es ist selbstverständlich, daß ein. durch und durch gefrorenes Tier keinerlei Lebensfunktionen, auch nicht die geringsten mehr verrichten kann. Alle Säfte sind zu Eis erstarrt, das Blut liegt als feste Masse bewegungslos in den Gefäßen, der ganze Körper zeigt nicht eine Spur oon Leben, und doch gibt es viele Tiere, die in diesem Zustande nicht tot sind, sondern beim Austauen wieder neues Leben bekommen. Viele Fische, die bei großer Kälte gesangen werden, erstarren sofort zu Eis; sie werden in diesem Zustande verpackt und versandt, und sie leben wieder auf, wenn sie in kaltes Wasser gebracht werden. In strengen Wintern friert in quellenlosen Tümpeln und Teichen das Wasser bis auf den Grund aus, und die in ihnen befindlichen Ellritzen, Schmerkon, Karauschen, Schleie und anderen Fische sind dann tage, ja wochenlang in dem Eisblock fest eingefroren. Tritt aber Tauwetter ein, so schwimmen sie bald wieder munter umher. Es sind wiederholt Versuche mit mancherlei Fischen angestellt worden, die man fest einfrieren ließ und erst nach mehreren Tagen wieder austaute. Es zeigte sich, daß viele Arten wieder zum Leben erwachten, ohne dauernden Schaden durch das Einfrieren erlitten zu haben. Allerdings sahen sie abgemagert aus, und fast alle Farben waren sehr abgeblaßt. Wir können hier von einem ruhenden Leben, d. h. von einem Aufhören des Lebens sprechen, denn zu Eis erstarrt, können die Organe nicht mehr tätig sein, das Leben ist ausgelöscht. Diees Ruhen der Lebensverrichtungen ist aber sehr verschieden vom Scheintod, auch von der Winterruhe und dem Winterschlaf; es ist ein ganz sonderbarer Zustand, den man mit dem Namen„anabiotisch“ bezeichnet hat, und man versteht darunter Organismen, die in einem leblosen, aber doch lebensfähigen Zustande sich befinden. Den Uebergang aus diesem Zustande zur völligen Entwicklung der Lebenstätigkeit, also das allmähliche Wiedererwachen des Lebens nenat man„Anabiose“; sie stellt eines der merkwürdigsten Probleme dar. —— Kunst und Wissenschaft. „Parsival“ in Barmen. Das ungemein lebhafte Interesse, welches der „Parsival“=Aufführung im Stadttheater Barmen am vorigen Sonntag nachmittag als Fremdenvorstellung von Seiten des auswärtigen Publikums entgegengebracht wurde, hatte zur Folge, daß eine große Anzahl auswärtiger Besucher keine Karten an der Theaterkasse mehr erhalten konnten, lautete doch die Devise an der Kasse schon vor Beginn der Vorstellung:„Gänzlich ausverkauft!“ In Anbetracht dieses immer noch ungeschwächten großen Interesses für„Parsival“ am Barmer Stadttheater, sieht sich die Direktion veranlaßt, am nächsten Sonntag den 8. März, nachmittags 2 Uhr, abermals„Parsival“ als Fremdenvorstellung zu gewöhnlichen Opernpreisen einzulegen, und ist jetzt hierfür noch Gelegenheit geboten, auch gute Plätze voraus zu bestellen. —— Natur und Leben. Gemsen und Adler im Kampfe. Kürzlich hatte ein Alpenführer im schweizevischen Hochgebirge Gelegenheit, aus nächster Nähe einen interessanten Kampf zwischen einem Adler und zwei Gemsen zu beobachten. Es ist bekannt, daß die Gemsen sich mit großer Tapferkeit gegen die Adler wehren, die ihnen ihre Jungen entreißen wollen. Um einen solchen Kampf handelte es sich auch hier. Meist ereignen sich diese Naturkämpfe abseits von den vielbegangenen Wegen des Gebirges, so daß sich die Gelegenheit, einem solchen beizuwohnen, nur selten bietet. Der Aelpler boobachtete, wie in kaum 30 Metern Entfernung von ihm ein Adler zwei Gemsen angriff. Die beiden alten Tiere standen mit ihren Jungen in den Felsen, und der Adler, ein mächtiges,. ausgewachsenes Exemplar, zog über ihnen seine Kreise. Die Gemsen benutzten einen Augenblick, in dem der Adler ihnen nicht ganz so nahe war als vorher, um den Felsen zu verlassen und zu flüchten. Sie liefen den Schrofsen herab, dicht an dem Beobachter vorbei, als der raubgierige Adler, dessen Flügelbreite der Alpenführer auf drei Meter schätzte, ihnen plötzlich mit Pfeilgeschwindigkeit nachschoß und sie von neuem angriff. Augenblicklich stellten sich die Gemsen, die nunmehr selbst zur Wut gereizt waren, zum Kampf. Der Adler stürzte auf sie zu mit gesträubtem Gefieder und versuchte, die Gemsen mit Flügel= und Schnabelhieben unschädlich zu machen. Die Tiere aber hielten ihm Stand. Sie richteten sich während des Kampses fortwährend auf die Hinterbeine und standen so sast völlig aufrecht, während sie mit den scharsen, gebogenen Hörnern gegen den Adler stießen und ihm stark blutende Wunden beibrachten. Die jungen Gemsen drängten sich dabei hart gegen die alten und verrieten ihre Angst durch lautes Schreien. So dauerte der Kampf lange Zeit, ohne daß es dem Adler oder den Gemsen geglückt wäre, den Gezner kampfunfähig zu machen. Endlich aber holte der zur höchsten Wut gereizte starke Gemsbock zu einem entscheidenden Stoß gegen die Brust des Raubvogels aus, und es gelang ihm, dem Gegner mit seinen Hörnern eine große Wunde in der Brust beizubringen und dann ganz zu töten. Dieser Fall hat die Kundigen überrascht, denn es gehört zu den Seltenheiten, daß bei einem solchen Kampf die Gemsen gegen die viel stärkeren und besser bewaffnaten Abler Sieger bkeiben. Veimischtes. = Ein peinliches Examen. Steigt da neulich der Herr stud. jur. R... ins Assessor=Examen. Und da ihn in den letzten Semestern mancher schöne Corpus im„Palais" und bei„Tabarin“ in Berlin wesentlich mehr interessiert hat, als der Corpus juris, rasselt er mit fast allen Fragen, die ihm der Examinator vorlegt, durch. Dieser ist aufs höchste empört, daß man so unvorbereitet zur Prüfung kommt, und herrscht den Examinanden an:„Herr, ich glaube, Sie haben keine Ahnung von den einfachsten Grundgesetzen der Jurisprudenz; wissen Sie eigentlich, was Betrug ist?“ Herr R.: besinnt sich,— nach einer Kunstpause sagt er:„Ich möchte es an einem Beispiel explizieren: Betrug wäre, wenn man z. B. mich durchs Assessor=Examen rasseln ließe, Herr Professor." Darob Staunen und Entrüstung. Endlich findet Professor K—r wieder Worte:„Herr, sind Sie denn be—schwipst, wie wollen Sie diese Aeußerung rechtsertigen?" Darob etwas zögernd die Begründung des Musensohnes:„Ja, ich denke: Betrug ist es, wenn man die Unwissenheit jemandes dazu benützt, ihm Schaden zuzusügen, und das geschähe doch offenbar, wenn man mich im Examen durchrasseln lassen würde.“ Gelächter. Der Mann ist heute laut„D. Z.“ ein ob seines kaustischen Witzes gesuchter und beliebter Anwallt. Büchertisch. Alle unter dieser Nubrik besprochenen Bücher sind in der Karl Brausschen Buchhandlung zu haben. Das Staatsleben der Termiten, das„zweifellos den Höhepunkt des sozialen Tierlebens" darstellt, schildert der berühmte Ameisenforscher Prof. Dr. K. Escherich in den soeben erschienenen Lieferungen 44—49 des illustrierten Prachtwerkes„Die Wunder der Natur"(Deutsches Verlagshaus Bong& Co., Berlin W. 57, Preis der Lieferung 60 Pf.) Die Staatenbildung ist keineswegs bei all den 600 Termitenarten, die wir heute kennen, auf der geichen Höhe, sondern zeigt große Unterschiede. Manche Staaten bringen es niemals weiter, als auf einige Hundert Mitglieder, während bei andern die Einwohnerzahl auf Millionen, wenn nicht auf Milliarden zu schätzen ist. Ueberall, ohne Ausnahme, finden wir eine Scheidung der Bürger in zwei Hauptgruppen: die Fortpflanzungs= und die Arbeitstiere. In der Regel ist die Arbeiterkaste wirder in verschiedene Unterkasten gespaltet, in die friedliche Arbeiten ausführenden eigentlichen„Arbeiter“ und die für den Schutz und die Verteidigung bestimmten„Soldaten". Das Leben im Termitenstaat verläust für gewöhnlich in gleichmäßigen Bahnen, jeder Tag bedeutet Arbeit von früh bis abends, bedeutet strengste Pflichterfüllung für jeden einzelnen Bürger. Nur einen Tag gibt es im Jahre, do eine Art Festtagstimmung herrscht. Es ist dies der Hochzeitstag, an dem der Staat seine jungen, flügge gewordenen Fortpflanzungstiere aussendet, um neue Staaten zu gründen und so die Art zu verbreiten. Im übrigen bringen diese Lieferungen, die den zweiten Band beschließen und den dritten eröffnen, eine Abhandlung des Breslauer Anatomen Pros. Dr. H. Klaatsch über die Entwicklung unseres Gehirnes, eine Plauderei des Berliner Botanikers Pros. Dr. U. Dammer über Orchideen, einen Aufsatz aus der Feder Bürgels„Die Erde als Stern“ und einen solchen von Prof. O. Mente über„Unsichtbare Strahlen“. Wie immer sind diese Lieserungen mit wundervollen, feltenen Naturaufnahmen illustriert und mit prachtvollen Bunttafeln geschmückt. Einen reich illustrierten Artikel über die Wandlungen und Schicksale des Panamakanals bringt die neueste Nummer des allbeliebten und über die ganze Erde verbreiteten Familien= und Modenblatts„Mode und Haus“, Verlag John Henry Schwerin, G. m. b. H., Berlin W. 57. Außerdem aber finden wir wieder eine Reihe hochinteressanter Aufsätze, die dieses Blatt zu einer Perle unserer Zeitschriftenliteratur machen.„Mode und Haus“ kostet trotz seines reichen Inhalts pro Quartal nur 1 Mark, wofür sechs Nummern geliesert werden. Abonnements bei allen Buchhandlungen und Postanstalten. Probenummern erhältlich bei ersteren und durch den Verlag John Henry Schwerin, G. m. b. H., Berlin W. 57. Eingehen in jede Sache, und alles schabtonenhafte wird durchweg vermieden. Die Firmen, denen die Propaganda Stuttgart Plakato geschaffen hat, haben meistens in ihrem Plakat ein typisches Kennzeichen für immer. Nicht Künftler akein, sondern auch Kausleute sind hier mit großem Verständnis bei gemeinsamer Arbeit tätig. Standesamt Schwerte. Sterbefälle im Februar. Emilie Most, 2 Jahre. Martha Badalewski, 9 Monate. Witwe Tagelöhner Friedrich Schniewind, Karoline Frirderike geb. Dahme, 60 Jahre. Witwe Kaufmann Heinrich Kühnholz, Arnoldine ged. Streppel, 62 Jahre. Dienstmädchen Anna Dippel. 77 Jahre. Witwe Fabrikarbeiter Friedrich Müller, Wilhelmine geb. Pape, 64 Jahre. Dienstmädchen Henriette Ortwein, 23 Jahre. Bernhardine Giesenkirchen, 7 Jahre. Rentner Johann Karl Heinrich Sodler, 78 Jahre. Fabrikarbeiter Theodor Hölken, 22 Jahre. Fabrikarbeiter Hermann Steffen, 60 Jahre. Weichensteller a. D. Gustav Nockelmann, 76 Jahre. Witwe Schaffner Diedrich Kaldewei, Sofie geb. Brücher gen. Rindhage, 83 Jahre. Anna Reinehr, 3 Jahre. Invalide Wilhelm Heinrichs, 39 Jahre. Witwe Fabrikarbeiter Karl Dielschneider, Luise geb. Reinekirchen, 60 Jahre. Stadttheater Hagen. Freitag, den 6. März, abends 8 Uhr:„Belinde“. Liebesstück von Herbert Eulenberg. Sonnabend, den 7. März, abends 8 Uhr: Sondervorstellung. Sonntag, den 8. März, nachmittags 3½ Uhr:„Die Zarin“. Schauspiel in 3 Akten von LengpelBiro. Abends 8 Uhr:„Filmzauber“. Posse mit Gesang und Tanz von Kollo=Bredschneider. Stadttheater Dortmund. Freitag, den 6. März, abendo 7½—10 Uhr:„Ernste Schwänke". Prolog und 9 Einakter von Herbert Eulenberg. Sonnabend, den 7. März abends 7½—10¼ Uhr: „Die Jüdin“. Große Oper mit Ballett in 4 Aufzügen von Jacques Francois Halevy Sonntag, den 8. März, nachmittags 3¼—6½ Uhr: „Genoveva". Tragödie in 5 Akten und 1 Nachsptel von Friedrich Hebbel. Abends 7½—10 ¾ Uhr:„Der liebe Augustin“. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Brieskaften. E. V. 109. Der Kaufmann ist nur dann verpflichtet, einen Artikel aus dem Schaufenster heraus zu verkaufen, wenn er den gleichen Gegenstand nicht mehr auf Lager hat. Würde durch die Herausnahme der betreffenden Ware aus der Auslage die Dekoration des Schaufensters gestört, so können Sie erst bei einem Wechsel der Dekoration auf den Verkauf des Artikels bestehen. Wetterbericht der Deutschen Seewarte. 5. März: Veränderlich, feuchtkalt, lebhafte Winde. 6. März: Abwechselnd, Riederschläge, heftiger Wind, naßtalt. 7. März: Meist bedeckt, kalt, feucht, windig. Verantwoetlich für die Redaktion Friede. Kraar. Druck u. Verlag von Carl Beaus, beide in Schwerte. Kunst für die Industrie. Während die ausländische Plakat=Reklame von einem modernen Zug nichts verspüren läßt, so findet man in Deutschland wahre Kunstblätter mit ausgeprägtem Geschmack. Besonders sind die Städte Berlin, München und Stuttgart auf dem Plakatgebiete leistungsfähig. Was gerade Stuttgart zu leisten vermag, ist in einem soeben erschienenen Buche „Plakat, Gedanke und Kunst" zusammengestellt. Die dortige bekannte Plakat=Firma Propaganda Stuttgart hat dieses Werk in vorzüglicher Ausstattung, zum großen Teil mit farbigen Neproduktionen für Plakat=Interessenten geschassen. Fähige Köpfe zeigen darin ein eminentes Können. Für die gesamte Industrie ein wertvoller Fingerzeig! Im begleitenden Text sind im allgemeinen die Wege gewiesen, die zu beachten sind, wenn ein Plakat auf das Pubikum wirken soll. Die Firma arbeitet zum Teil mit gesundem Humor und mit voller Originalität. Man erkennt das individuelle beste Familiengetränk ist Kathreiners Malzkaffee. Er ist gesund und träftig, sehr wohlschmeckend und billig. Gehalt ein Tag, zu Beginn des neuen Jahres, wos ich nichts mehr verbeimlichen konnte. Ich starrte die Rechnungen an, die zu Dutzenden einliesen, und begriff nicht, wie sich in kaum anderthalb Jahren eine Summe von mehreren Tausenden hatte anhäusen können. Erich hatte mir's ja prophezeit und vorgerechnet gehabt, aber umsonst!— Die Angst vor dem Bekenntnis machte mich ganz elend, aber zuletzt mußte er's erfahren.— O Kinder, erlaßt mir die Einzelheiten dieser Tage des Entsetzens. Eine Woche später lag mein Erich unter der Erde. Auf dem Grab seines Vaters hatte er sich erschossen.— Sein Weib hatte ihn in den Tod getrieben, die Verzweiflung über sein Weib. Das sagte mir ein zurückgelassenes Blatt Papier. Meine teuren Kinder, vergebt eurer Mutter ihre schwere Schuld! Ich habe sie gebüßt durch Jahre namenloser Herzensqualen, die nur Gott kennt. Es war mir ja genug zum Leben geblieben, aber auch das grauenvollste Erlebnis hatte das Laster der Verschwendung nicht plötzlich ausrotten können. Bald reichten die Zinsen meines Kapitals nicht mehr aus, und ich sah mich genötigt, eine Pension für junge Mädchen einzurichten, um mein Kind standesgemäß erziehen zu können. Nun mußte ich endlich sparen— und ich hab's in bitterer Schule gelernt.— Du, meine Erika, bist zur tüchtigen Hausfrau erzogen und hast von Kind auf erlebt, daß nicht erfüllte Wünsche das wahre Glück bringen, sondern einzig und allein— erfüllte Pflichten.— Ihr werdet glücklich sein, meine Kinder. Gott segne euch! Eure Mutter.“ 92 e Schach. K K. S P.A. le Bearbeitet von E. Schallopp. Aufgabe Nr. 358. Endspielstudie von W. und M. Platoff in Riga. Schwarz: 4 Steine. ain 9977 S 50 991. 12 (+19 9#1. 97 „) c. d„** Weiß: 5 Steine. Weiß zieht an und gewinnt. 10—501 2 69—5PN+OX90I•# TPX99N ·+19• (s N..: J 1000 r mrcrr 11 s 16ss 1+8—#S 0.5 490—931, 6(11—3 1300) 60—90 100—P1'3 t gi hu sciu) ain 6—8E 9 30—89+9— (+ SS 70—A Partie Nr. 361. Gespielt zu Buenos Aires am 27. Mai 1913. Weiß: B. Kostitsch.— Schwarz: R. Illa. Schottisches Gambit. Weiß: Schwarz: 1. e2—64 67—e5 2. Sgl—13 8b8—66 3. 42—44 e5Xd4 4. Lfl—64 L18—65 5. 0—0 Für stärker wird 5. c2— c3 erachtet. 5.... 47—66 6. c2—c3 Lc8—g4 7. Ddl—b3 Lg4X/3 8. Lc4Xf7+ Ke8—18 9. g2X/3 Gewöhnlich geschieht hier 9. LfiXg8, worauf jedoch Th8Xg8 10. g2X13 g7—65 als für Schwarz vorteilhaft gilt. 9..... 8c6—e5 Besser ist Sg8—16. 10. c3X04 LcöXd4 11. LI7Xg8 12. 13—14 13. Db3—83 14. e4—65 Th8Xg8 Se5—g4 Sg4—1 X0Xe5 Dd8—e7 Ld4—e5 S16—55 15. f4Xe5 16. Sb1—c3 17. Lcl-14 18. L14Xe5 Ein erzwungenes, aber wohl schon im 14. Zuge in Rechnung gestelltes Damen= opfer, dessen Erfolg auf den offenen Linien für Weiß und der mangelhaften Entwicklung des schwarzen Spieles beruht. 18..... ShöXg3 19. 12Xg3+- K18—e8 20. Tal—el Ke8-08 21. Le5—44 De7-b4 22, TfI—f7+ K07-c8 23. TI7Xc7+ Kc8—48 24. Ld4—e3 DbAXb2 25. Tc7—c5 Droht 26. Le3—65+ Kds —47 27. Tel—e7+ Kd7— d6 28. Sc3—e4t.— 25. Sc3 —05 würde mit Ob2—e5 beantwortet werden. 25..... Tg8—e8 26. Tel—d1+ K08—e7 27. L3—c1 Db2—b4 28. Sc3—05+ Ke7—d6 29. Sdöxb4+ Kd6Xc5 30. Sb4—03+ Kc5—c6 31. Kg1—12 a7—25 32. Lo1—14 Ta8—08 33. Tdl—c1+ Kc6—55 34. Tcl—b1+ K55—24 35. S43—05+ 35. Tbl—b3 hätte das Qualitätsopfer erzwungen. 35.. K14—23 36. Lf4—c1+ Ka3Xa2 37. Tbl—b2+ Ka2—as 38. Tb2Xb7+ Ka3-a2 39. T•57—b2- Ka2—a3 40. 7·52—55+ Ka3—a2 41. TböXa5+ Ka2—bl 42. Lcl—es T48—c8 43. Ta5—a7 Tesxes 44. K12Xe3 45. Tarxg7 46. h2—54 47. Ke3—14 Tc8Xc5 Tc5-h5 Kb1—-2 Th5—h6 48. K14—65 Aufgegeben. Eine interessante Partie. (Nach dem „Deutschen Wochenschach“.) 2. Woher stammt der Ausdruck „Himmlisches Reich“. Seit einer langen Reihe von Jahren genießt China die freilich ironisch gemeinte Ehre, das„Himmlische Reich“ zu heißen. Diese Bezeichnung gründet sich indes auf eine bloße Wortverdrehung, die, wenn auch verschiedener Art, doch ebenso witzig oder fade ist, als wenn man England von „Land der Engel“, d. h.„Paradies“, herleiten wollte. Bei all ihrem Nationaldünkel und der paradoxen Art, welche die Chinesen oft zur Schau tragen, ist es ihnen doch niemals in den Sinn gekommen, sich selber oder ihrem Lande das Prädikat„himmlisch" beizulegen. Dagegen nennen sie China häufig„Was unter dem Himmel ist“(Tién=hit), d. h. die bewohnte Erde. Dieser Ausdruck hat sich aus grauer Vorzeit verpflanzt, in welcher, wie bei anderen Völkern, die Begriffe von Welt und Heimat noch nicht geschieden waren. Nur der Kaiser wurde, wenn er gerecht und als würdiger Repräsentant des Weltaeistes regierte, von seinen Untertanen„Sohn des Himmels"(Tien=tsy, genaunt, ahnlich wie die Römer divus Augustus usw. sagten. In Uebereinstimmung damit nannte der Kaiser selbst seine Dynastic, niemals aber sein Land oder Volk, die himmlische(Tien=shao). Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 54. Donnerstag, 5. März 19•4. 5 Roman von C. Dressel. (8. Fortsetzun) (Nachdruck verboten.) raute sah nur mehr Vaters heißgerötetes Gesicht, in dem deutlich ein starker Groll arbeitete, den er vergeblich zu verstecken sich mühte, und ging rasch auf ihn zu, ein liebes, gutes Lächeln um den zarten Mund. Iu Das wirkte tatsächlich wie lindes Oel auf die Sturmwogen seiner Erregung.„Bist wieder daheim, Mädle? Ist recht.“ Er trat mit dem Gast an die Tafel. Bärble hatte inzwischen flugs das elektrische Licht angedreht, das man hier ohne allzu große Schwierigkeit haben konnte und vornehmlich für den Betrieb der Kelterei angelegt hatte. Doch war es selbstverständlich, daß man die Annehmlichkeit auch für den Hausbedarf heranzog. Nun erstrahlte alles unter dem weißen, hellen Glanz in vielfarbiaer Schönheit und sah anheimelnd und einladend zugleich aus. „Schau', schau', das hast mal nett gemacht." Joseph Weyland vergaß für den Moment die schmachvolle Kränkung. Eine heimliche Lust an dem, was ihm noch geblieben,— das stattliche Heim, die schmucken, jungen Töchter in ihrer verheißungsvollen Blüte— betäubte den Zorn vollends. Doppehinnig setzte er hinzu: Sist zwar nit die Zeit, Feste zu feiern, aber’ne rechte Freud' könnt' ich ichon brauchen an dem schiechen Tag. Meinst nit, Schöttle?“ Der noch junge, aber schon eine starke Fülle und eine gewisse Derbheit zeigende Mann hatte Traute mit kräftigem Handschlag begrüßt, während ein langer Blick überraschter Bewunderung ihre holde, feine Erscheinung umfaßte. Nun lachte er gemütlich.„Wohl, wohl, Sepple. Ich meine,'s ist schon’ne Freud’, solch' moje Dirnche zu schauen. Noch feiner ist's worden in Mainz, dein Trautle.“ „Was du nit alles zuweg' bringst,“ raunte Bärble der Schwester zu, nachdem man Platz genommen.„So viel red't er sonst nit's ganze Jahr durch.“ Traute schwieg. Ihre Augen hingen nur immer in stillem Wunder an Vater. Hatte Bärble sein Unglück übertrieben, oder wirklich das rechte Mittel für den Kummer gefunden, auf seinem dunklen Gesicht lag eine stete, heitere Ruhe. Auch tat er dem Leibgericht— Backhändeln mit neuem Sauerkraut gab es— volles Genüge. Ebenso Vinzenz Schöttle. Dem las man's freilich gleich vom gesundroten, fleischigen Gesicht ab, er liebte Behaglichkeit und wußte wohl mit Verdrießlichkeiten fertig zu werden. Zwischen dem Essen gab er seiner Zufriedenheit weiteren Ausdruck.„Hätt' kaum dacht, daß ein jung Mädle so fein kochen könnt',“ sagte er vergnügt.„Dabei schauen's aus, Fräul'n Traut'— das reine Porzellanfigürle. Man möcht's gleich ins Glasschränkle stellen.“ „Bin's auch vielleicht,“ gab sie kurz zurück.„Denn gekocht hab' ich nit. Da müssen's dem Bärble Elogen machen. Ich hab' bloß die Tafel gedeckt, und das ist weiter keine Kunst.“ „Aber die Blümle müssen's loben, Herr Schöttle." die hat's extra für Sie hingestellt,“ wisperte Bärble ihm zu. „Sollt“ mich freuen, wenn's so wär'.“ Er hielt Traute den Römer mit dem goidenen Ausbruch den Joseph Weyland aus des Kellers besonderer Festecke heraufbeordert, entgegen.„Vergönnen Sie mir auch diese Blume, Fräul'n Traut,“ bat er mit Betonung. Sie legte die roten Lippen an den Rand und reichte ihm anmutig den Kelch zurück, an dem sie nur eben genippt. Das war ein Brauch, dem sich die Haustochter nicht entziehen durfte, wollte sie den Gast nicht absichtlich kränken, wozu kein Anlaß vorlag. Er dankte mit Wort und Blick und tat einen tiesen Zug an der Stelle, die ihr frischer Mund berührt. Dann klang sein Glas an des Hausherrn Römer. Fast ausgelassen rief er ihm zu:„Prosit, Weyland, wir wollen vergnügt sein, den Harm lassen wir nit mehr ein.“ Nach dem Essen saßen die Männer noch eine Weile zusammen beim Wein in angelegentlichem Gespräch, während Muhme und die Töchter wirtschaftlichen Obliegenheiten nachgingen. Der edle Trank bewährte seinen Ruf als Sorgenbrecher, denn beider Mienen klärte sich zusehends. Sie mußten jetzt nur ein erfreuliches Thema verhandeln. Als Weyland in später Avendstunde seinem Gast und Freund das Geleit gab bis zum Gittertor, wo dessen Auto schon geraume Weile harrte, zeigten seine Züge eine vollkommen heitere Fassung. Kein Hauch von trotzigem Ingrimm mehr darin, nur eine zufriedene Genugtuung. Und ebenso glänzte in des Vinzenz Schöttle weinrotem Kraftgesicht eine satte Lebensbejahung, hinter die er als Weylands künftiger Eidam nun auch noch Punkt und Siegel setzen konnte. Den schürenden Zündhahn hätte ihm keiner geglaubt. Sie schüttelten sich die Hände wie Verbündete. „Halt' dich stad, Vinzenz,“ mahnte Weyland noch, während ihm doch ein verzeihendes, verständnisvolles Lachen um den Mund flog.„Mein Trautle ist'n furchtsam Tierle, das mußt' nit schrecken. Wie'n Federle bläst's fort, nimmst den Mund zu voll.“ e Maa S 8 84 58 # S#E *#SEgR S 5 BEE * 25 S 95 5 * S— 1— * 3 S 2• # a 2 2. — □ =• 8 * 8—— * S 8 8 S 2 m 2 9 8 ∆ 99— S"• 5 8 825 8 a S 9 S TSPSRT 9 BEE•ES B B SGESSEE ShoesESgsEg S S#“'k-BS„E.s SSgE-äEE 55 S S S. EEEE P SSpEEE S 8 S 00·2 E 8 E S* S 49 00 25 5 ** S 55 „Weiß schon. Beim Bärble hätt's nit Gefahr. Das steht stramm auf die Bein'. Mir gefällt aber nu' mal 's gebrechlich Pupple so arg viel. Zu gern hab' ich's Schlankerl. Und hab' ich's erst im Haus, werd' ich mein zark' Weible schon hüten. S furtfliegen gibts nit, wenn ich allweil breit in der Tür steh'. Wie soll's da schlupfen?“. 8. Im Begriff, oas Auto zu besteigen, zog er den Fuß noch einmal zurück.„Was das andere betrifft," bemerkte er,„da sei nur du stad, Vater Sepple.“ Wuchtig legte er ihm die derbe Hand auf die Schulter.„Halten wir zwei Großen nur fest zusammen, sollen die Preuß' noch was zu knabbern kriegen an uns Eisenmannle, gelt, Vaterle?"„ „Schon gut, ich steh' meinen Mann. Nur just jetzt sollst mich nit an Streit und Schmach erinnern.“ „Nit die Spitz' gegen mich, Sepple, ich meint' kein „Ah na. Ich will mein'm Trautle kein hart Gesicht bringen. Und den Verspruch halten wir beim Federweißen. Jetzt haben die Frauensleut' doch nix anderes im Köpfle als's Herbsten.“" 8 4m. „Wenn's was zu herbsten giv.. Scho de kräute seinen kurzgeschorenen Schwarzkopf.„Jertrackt schlecht schaut's aus. Auch bei mir. Ja, im Grund' sind wir Hardtleut' am übelsten dran. Nu', da kann man feiern. Wenn die Fest' nit fallen wollen, macht man eins.“ Mit dieser lachenden Weisheit bestieg der reiche Mann, den Winzernot noch nicht drückte, wohlgemut seinen Motorwagen. Er fuhr ihn allein. Die Sicherheit, mit der er das fauchende Ungetüm in Bewegung setzte, war für den ihm nachschauenden Weyland angenehm beruhigend. Fiel nit leicht unter den Tisch, der Schöttle. Ein ganzer Mann. Ein Tochtersohn, als hätt' ich'n mir extra bestellt, dachte er befriedigt und ging mit stiller Genugtuung ins Haus. „Die Mädle sind schlafen gangen, Trautle war arg müd',“ sagte Muhme Lowis, während sie das Silber fortschloß, was Traute trotz ihres Schlüsselrechts versäumt hatte. „Mag's ruhen. Ich hätt' zwar dem Dirnle eppes zu erzählen gehabt, aber's pressiert nit so. Die alt' Geschicht' nämlich, die immer neu bleibt,“ schaltete er schmunzelnd ein. Nach der Lese find't sich wohl die rechte Feierstund' dafür, und mein' feine Mär veraltet sa nit bis dahin. Jammervoll war's mit dem Heurigen bestellt. Selbst in den vorhergehenden Mißjahren hatte Weyland keinen so kargen Herbst besehen. Daß sein Sohn verhältnismäßig besser abschnitt, ignorierte er. Jörg durfte tatsächlich von einem Viertei Herost sprechen und konnte sichs nun doch nicht versagen, Vater dies einigermaßen günstige Resultat zu rühmen und mit Bestimmtheit auf die erfolgreiche Anwendung der Chemikalien zurückzuführen. Fand indes auch jetzt kein Gehör. 946 K.„ „Damit bleibst mir vom Leiv, ubergescheiter Bub, du,“ grollte Joseph Weyland eigensinnig.„Hast Glück gehabt, weiter nix. In deine paar Ar wird die Sonn' mal'neingeschaut haben. Ist alles mit Unterschied. Davon pfeifen die wenigen Glücksvögel an Mosel und Lahn ja auch. Weiße Raben sind's. Die bestimmen nit den Ton. Ich hab' wiederum mit Verlust geschuftet,'s ist so. Und hätt' ich nit das bißle Reserve, ich müßt' dem Jammerland den Rücken wenden, wie der Veit, könnt' mit'nem leeren Rebstecken auf die Wanderschaft gehen.“ „Soll wohl sein. Ein Elend ist's schon,“ nickte Jörg. Dann, unter der nicht abzuweisenden Eingebung einer froheren Vorstellung, sagte er lebhaft, ja mit leisem Triumph in der Stimme:„Vater, droben auf'm Verlorenen Berg ist's aber besser gewesen. Hast's nit merkt?“ Der rümpfte verächtlich die Nase.„Steig' längst nit mehr'nauf. Halt' nix davon, die Stöck' so weit in die Höh' zu jagen und nit bloß, weil mir's Schnaufen dorten nachgerad' schwer fällt. Die empfindlichen neven sind nu' mal keine harthäutigen Birken. Die zwängen ihre paar Wurzeln noch in armselig Felsgeröll, wenn's nit anders ist und tanzen flott mit schneidenden Winden. Meine verwöhnten Edelreben fordern Sonne und Schutz und vor allem gute Pflege. 64 ich der „Die haben's oben gehabt,“ versetzle rasch der Sohn. „Wieso? Ich kümmere mich nit mehr um den Verlorenen Berg, ich sagt's schon. Auch meine Leut' haben ihn links liegen lassen. Was sie nit brennt, blasen's nit“. „Haben dennoch hinteryer ein paar Kufen voll gesammelt. Nit die schlecht'sten Trauben waren's. Meinst, die wären dir aus schwarzem Regengewölk ins Faß getröpfelt?" lachte Jörg nun herausfordernd. „Nö, nö, Vaterle, den Verlorenen Berg, um den weder Herr noch Knecht sich sorgt, hab’ dann ich in die Händ' genommen. Aber Schwefel und Kupfervitriol sind meine Helfer gewesen, und das vertrackte Ungeziefer mußt' dran glauben. Nit ein viertel so viel find'st mehr auf dem Verlorenen Berg, wie in deinen anderen Rebgärten, aber mehr Trauben gab's da als im ganzen, großen Gütle zusammen. Beweist das nix?“ „Gar nix beweist mir das. Auf den Verlorenen Berg pfeif' ich. Das ist kein Normalboden, wie die anderen. Was dorten oben anschlug, weil's nix zu verderben g:b, würd' mir sicher die wertvollen Stöcke vollends ruinieren. So'n Giftzeug gehört nit an meine guten Reben, die schütz' ich davor, und wenn's nit bloß den Beutel, sondern selbst's Leben gelten sollt'. Laß dir's nit einfallen, dein Experiment an meinem wertvolleren Eigentum zu probieren, du Lausbub’, du, oder wir sind geschiedene Leut:... gg Wir Gans nr V Jörg zuckte die Achseln.„Ich glaust, mir Bank ver] dient zu haben. Wem nit zu raten, dem nit zu helfen,“ IV brummte er zwischen den Zähnen.„ acg i 4 „Oho, auf deine grünen Ratschläg vin ich noch nit angewiesen,“ lachte hohnvoll sein Vater.„Da lob' ich mir den Schöttle. Der ist gut Freund und kein Zuwiderwurz'n. Ihm geht's schlecht wie mir und vielen andern im Gau, aber er rechnet, wie alle, mit dem miserablen Wetterjahr und denkt nit d’ran, Gottes Zorn mit so'ne neue dumme Mod' fürwitzig wettzumachen. Im übrigen läßt mich mein braver Tochtersohn auch nit in der Broudasch sitzen. Der ist nit bloß mit närr'sche Ratschläg' bei der Hand, der geht auch sonst mit mir durch dick und dünn.“ „Da gratulier' ich, Vater,“ sagte Jörg steif. „Spar dir's noch. Zuvor hat's Trautle en Wörtle zu sagen. Das will ich heut' noch hören. Ist Zeit, daß Freud' ins Haus kommt. Die Leut' sollen's wissen: Nit üble Zeit, noch hart Gesetz oder Scheelgunst stoßen den Joseph Weyland um. Der hält den Nacken steif. Auch in diesem schiechen Jahr kann er Feste feiern. Run erst recht.. 4., Trauhanmihle beschäftiat Er fand Traute bei der Traubenmühle beschäftigt. In Gemeinschaft der Schwester ging sie den Dienstleuten zur Hand. Es wäre nicht nötig gewesen, denn der geringfügige Ertrag gab den Winzern ohnehin faule Tage. Allein die Mädchen übten ein altes Herkommen. Das verlangte die Anwesenheit und Mithilfe der Haustöchter nicht nur bei der Lese, sondern auch beim Keltern. Nur Krankheit hätte ihr Fortbleiben entschuldigt. Selbst dort, wo man bereits den elektrischen Betrieb eingeführt hatte, der die Arbeit vereinfachte und Menschenkraft sparte, ließ die Weiblichkeit nicht ab von demn alten, liebsamen Brauch. Und fehlten etwa einer Familie die männlichen Glieder, oder gab es in ihr nur unmündige Knaben, so wahrten die Frauen Kelterei und Weingeschäft gleich dem geübtesten Weinbauer. (Fortsetzung folgt.) ctue sbihhmusc E # S 8 2 SS 5 5 B 5 95 5 5 * 565 2 55 e PAe E 5 *#8 ∆ E S= *#5.8.s C 8588E II! Denkspruch. mächtiger man ist, delto eher ist man verpflichtet, gerecht zu lein, und stets bleibt Ehrlichkeit die vorteilhaftelte Politik. Caine. Schulden. 1 Skizze aus dem Leben von F. Andreae. Schluß.)(Nachdruck verdoten.) Ein heißer Schrecken fuhr mir durch die Glieder. Natürlich hatte ich kleine Rechnungen stehen, bei der Schneiderin, Modistin, beim Konditor und Juwelier. Das war doch weiter kein Unglück? Tränen schossen mir in die Augen.„Aber Männchen, ich will dir ja nichts verschweigen. Rechnungen hab' ich freilich noch einige stehn. Die bezahlte Papa stets zu Neujahr, und——“ „Dacht' ich mir's doch,“ rief er außer sich.„Das muß aufhören, Ella, ein für allemal! Es muß alles, was du kaufst, sofort bar bezahlt werden. Verstanden? Es ist mein unumstößlicher Wille. Unnötige Ausgaben mußt du dir abgewöhnen.“ Ich begriff ihn noch immer nicht.„Aber, liebster Mann, alteriere dich doch nicht so sehr! Papa bezahlt mir die paar Rechnungen sicherlich ganz gern.“ „Donnerwetter! Das verbitte ich mir!“ brauste er auf. So heftig hatte ich ihn noch nie gesehen! Er packte mich am Arm wie ein Schulkind und blickte mich an zum Fürchten:„Merk' dir's, Ella, deinen Vater wirst du niemals in Anspruch nehmen! Er hat dir eine fürstliche Mitgift gegeben, und was ich dir als Monatsgeld aussetzte, ist dementsprechend. Mehr darf nicht verbraucht werden, sonst sind wir in kurzer Zeit bankrott. Du verstehst nichts von Geldsachen, deshalb kann ich dir das nicht begreiflich machen. Aber Ella, vertraue deinem Manne und gehorche ihm! Ich beschwöre dich!“ Mit unerbittlicher Strenge sah er mich an, meiner Tränen nicht achtend.„Du versprichst mir jetzt in die Hand, auf Ehrenwort, keinerlei Schulden mehr zu machen.“ Er hielt mir seine Rechte hin. Zögernd legte ich meine zitternde Hand hinein.„Ich will dir ja alles versprechen, Erich! Sei nur wieder gut!“ wimmerte 56. 14 8 Nicht so, liebes Kind, nicht so meine ich's, vaß ich wieder gut bin. Nein! Du mußt deine Pflicht klar erkennen und unverbrüchlich danach handeln, wenn dir's auch noch so sauer wird. Mir sagen, wenn du einen Wunsch hast, wozu dein Geld nicht reicht; aber sobald du nur ein wenig einteilen lernst, bleibt dir genug ehrig. Das wirst du erleben.“ Verzeih mir, Erich! Ich will's gewiß besser Machen,“ schluchzte ich. Mein hilfloser Jammer tat ihm leid.„Komm, laß uns mal ganz neu anfangen!“ Er trocknete mir die Tränen ab. Wir setzten uns an den Tisch, und er machte mir den Wirtschaftsplan mit einer Umsicht und Noblesse, die ich damals freilich noch nicht verstand.„Siehst du, Schatz, wie viel dir bei dieser Einteilung noch übrigbleibt zu freier Verfügung! Meinst du, es sei wirklich zu wenig? Mit recht ernstem Wollen kann der Mensch alles lernen, auch sparen. Aber du mußt genau Buch führen über jede, auch die kleinste Ausgabe.“ Ich fuhlte mich sehr beschämt. Wohin konnte ich nur all das viele Geld gebracht haben? Es war mir selbst ein Rätsel. Er richtete mir ein Haushaltungsbuch ein, mit Rubriken für jedes einzelne. So mußte es ja geh’n, meinten wir, und mit neuem Eifer begann ich zu „sparen“. Nach einer Woche machte mir Erich den Kassensturz. Ich hatte alles aufgeschrieben, aber es fehlten schon wieder über 5 Mark. Was Trine zum Abrechnen hatte, stimmte. Bei mir lag der Fehler? Aber wo?— „Vorgestern hatten wir frische Blumen im Zimmer, die finde ich zum Beispiel nicht aufgeschrieben, B* g. A cht ert unf „I, solche Kleinigreiten schreib ich nichr erst auf. Das waren nur 50 Pfennige.“ „Ganz entsetzt blickte er mich an, mit einer Art hoffnungsloser Verzweiflung. Der arme Mann! Wenn ich jetzt daran zurückdenke, komme ich mir selbst wie wahnsinnig vor. Blutige Tränen könnte ich weinen bei dieser Erinnerung. Aber ich will euch nichts verschweigen, meine Kinder! Zum warnenden Beispiel laßt's euch dienen. Endlich sagte er tonlos:„Mir scheint, du hast ven Verstand verloren, wenn dies das Resultat unseres Abkommens ist, nach einer einzigen Woche! Wenn du 50 Pferinige nicht anschreibst, dann wohl 10, 20 und 30 erst recht nicht? Wohin soll das führen? Einfach zum Ruin! Das begreifst du aber nicht.“ Mit einem verzweiselten Blick auf mich stand er auf und verließ das Zimmer.. Nach wenigen Minuten hörte ich ihn die Wohnungstür zuschlagen. Er war fortgegangen, ohne Gruß. Das hatte er noch nie getan! Wie gelähmt von Angst stand ich mitten im Zimmer. Was sollte ich anfangen? Nach einer Weile kleidete ich mich an und fuhr zu meiner Mutter; alleinbleiben konnte ich jetzt nicht.„ 69 vamr Wchr er Mein Herz war zum Zerspringen voll. Mehr als 10 Tage hatte ich Mutter nicht besucht, es war täglich was anderes losgewesen. Ich fand sie zu Bett, elend aussehend, und erschrak heftig. Unser Gespräch will ich nicht niederschreiben. Als ich gegen Mittag mein Elternhaus verließ, wußte ich, daß es nicht mehr ihr Eigentum war. Mein Vater hatte großes Unglück gehabt und aus dem plötzlichen Ruin seines Geschäftes nur soviel gerettet, um fortan in bescheidenster Weise leben zu können! Bittere Selbstvorwürfe meiner Mutter über meine verkehrte Erziehung waren ihre Antwort auf meine Bekenntnisse gewesen. Wie vernichtet wanderte ich heimwärts. Es war billiger, als zu fahren! Niemals war mir die Möglichkeit aufgedämmert, daß meine Eltern „arm“ werden könnten! Diese Tatsache war mir ein dunkles Rätsel,— aber ich faßte den festen Entschluß, mit allem Ernst nun zu„sparen“.. Es war eine harte Strafe für mich, daß Erich erst abends heimkam.„O Geliebter, das war ein entsetzlicher Tag ohne dich!“ Weinend umschlang ich ihn. „Kannst du mir verzeihen?“ „Ich komme von den Eltern,“ sagte er düster und löste meinen Arm von seinem Hals.„Fängst du nun an zu begreifen, welch ernste Sache gewissenhaftes Haushalten ist? Wirst du fortfahren wie bisher, so kostet's mich meinen Beruf,— vielleicht mein Leben!“— Ich will mir die Einzelheiten des Unbegreiflichen ersparen, was jenem traurigen Tag folgte. Daß die Verschwendungssucht Laster werden kann und bei mir schon Laster war, wußte ich damals noch nicht. Ich setzte meinen ganzen Willen ein, um ehrlich zu sparen, und ein halbes Jahr etwa gelang mir's so ziemlich, keinerlei Schulden zu machen. Dann wurdest du geboren, Erika, und warst das Entzücken deines armen Vaters. Wie oft sagte er, wenn er dich auf den Armen trug:„Nicht wahr, Frauchen, wir wollen sie ganz anders erziehen, als du erzogen wurdest?“ Von Herzen stimmte ich zu. Aber kaum warst du den Windeln entwachsen, so konnte ich mir nicht versagen, dir Spielzeug, Naschwerk und dergleichen von jedem Ausgang mitzubringen. Auch deine gestickten weißen Kleidchen kosteten viel Geld. In meiner Kasse fing's wieder an, bedenklich zu hapern. Ich machte kleine Schulden und hoffte von Monat zu Monat, sie tilgen zu können. Die Zeit verflog, und endlich kam (4.— 5 85 Westfalen und Rheinland. * Bielefeld 4. März.(Kommune und Presse.) In der letzten Stadtverordnetensitzung in Bieleseld brachte der Stadtverordnete Lütkemeyer folgenden Antrag ein:„Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, eine zentrale Geschäftsstelle zur amtlichen Information der Tagespresse über städtische Angelegenheiten zu schaffen.“ Der Redner wies auf die unliebsamen Erscheinungen hin, die sich durch falsche oder mißverständliche Mitteilungen an die Presse von dritter Seite ergeben haben. Er regte an, einen Sekretär nebenamtlich damit zu betrauen, die ihm von dem betreffenden Dezernenten zugehenden Nachrichten über Sitzungen und Beschlüsse und sonstige schwebende Fragen an die Presse weiter zu geben, damit sie so früh unterrichtet wird, daß sie die Bürgerschaft rechtzeitig damit bekannt machen kann. Auch solle die Presse von Zeit zu Zeit eingeladen und über die Absichten der Stadt informiert werden. Oberbürgermeister Dr. Stavenhost erklärte sich bereit, eine Stelle zu schafsen, von der über jede Kommissionssitzung die Berichte gesammelt werden und der Presse zugehen. Der Antrag Lütkemeyer wurde angenommen. * Siegen, 4. März.(Ueber den großen Vertrauensbruch) bei der hiesigen Ortskrankenkasse wird noch folgendes bekannt: Der Vorsitzende der Kasse und ihr Rendant sind Brüder, und dieses verwandtschaftliche Verhältnis hat zu einer Ausnutzung der Kasse insofern geführt, als bei Krankheit des Rendanten sein Bruder die Vertretung in der Kassenführung übernahm und für diese Tätigkeit, ohne eine Genehmigung hierfür zu haben, täglich 12 Mark liquidierte. Für kleinere Reisen wurden täglich bis zu 40 Mark Spesen angeschrieben usw. Um die Verwaltungskosten am Schlusse des Jahres nicht so hoch erscheinen zu lassen, wurden sie unter einer anderen Rubrik verrechnet. Wenn es sich auch nicht um direkte Unterschlagungen handelt, so erblicken die Mitglieder in der Handlungsweise des Vorsitzenden einen großen V. trauensbruch, den sie mit allen gesetzlichen Mitteln verfolgen wollen. Die Kasse dürfte immerhin einen Schaden von einigen 1000 Mark haben, für den man die Verwaltung verantwortlich machen will. * Köln, 4. März.(Ein rabtater Ehemann.) In der vorletzten Nacht geriet in der Weißgerbereckgasse ein etwa 25jähriger Fuhrmann mit seiner etwa 19jährigen Frau in Streit, weil die Frau den Mann gebeten hatte, mit Rücksicht auf die Hausbewohner nicht zu singen. Hierüber geriet der Fuhrmann in solche Wut, daß er seiner Frau mit einem scharf geschliffenen Küchenmesser den Leib aufschlitzte. Die schwer verletzte Frau wurde mittels Krankenwagens zum Bürgerhospital gebracht. Der Täter ist noch in derselben Nacht durch die Kriminalpolizei festgenommen worden. Die bedauernswerte Frau, die Mutter eines kleinen Kindes ist, schwebt in Lebensgefahr. * Wissenschaft und Technik. Ein neue photographische Erfindung, welche die Probleme der naturfarbigen und der plastischen Photographie in sinnreicher Weise löst, soll nach Mitteilungen in der Tagespresse dem Architekten Josef Gartlgruber in Graz gelungen sein. Mit dieser Erfindung wird eine Vierfarbenaufnahme mit einer Belichtung erzielt und in zwei, ja sogar in einem photographischen Farbendruckp:ozeß wiedergegeben. Das Bild erscheint vierfarbig, und zwar in allen durch die vier Farben entstehenden Abstufungen. Das Verfahren beruht darauf, daß auf jeder Bildseite zwei(komplementäre) Farben ausgenommen werden, die dann vom Auge gleichsam addiert werden. Es stützt sich auf die physiologische Funktion des menschlichen Doppelsehsystems im Vereine mit der von Helmholtz zwar in Abrede gestellten, aber tatsächlich bestehenden Fähigkeit der Farbenadditionswirkung durch das Sehnervzentralsystem. Die Ersindung bedeutet eine Umwälzung in der Photographie, und zwar nicht nur im stereoskopischen Doppelbild, sondern auch im naturfarbigen, plastisch wirkenden Einzelbilde, ferner in den naturfarbigen, stereoskopisch wirkenden Kinosilmbildern. Ihre Anwendung kann die gesamte Illustrationstechnik wesentlich beeinflussen. Fragen, wie Format, Größe, Stoff der Bildfläche, Fenster oder Wandbild spielen keine Rolle. Die Ersindung, die bereits durch Patent geschützt ist, wird im März vom Ersinder in einem öffentlichen Vortrage erläutert werden. Bunke Chronik. ∆ Brandstiftung durch ein Meteor. Ein eigenartiger Unfall ereignete sich in dem russischen Dorse Schendkowize. Dort fiel ein glühendes Meteor in ein Gehöft und setzte es in Brand, dem noch fünf weitere Gehöste zum Opfer sielen. In der ganzen Umgegend des Dorses war ein scharfer Schwefelgeruch zu spüren. ) Fern im Süd' das schöne Spanien... In Escurial in Spanien kam es zwischen Schülern einer forstwirtschaftlichen Schule und jungen Rekruten zu einem Handgemenge, weil die Schüler den Soldaten ihr Getränk nicht bezahlen wollten. Ein Schüler wurde getötet, mehrere wurden schwer verletzt. Einschreitende Zollbeamte seuerten in der Notwehr auf die Rekruten, von denen mehrere verwundet wurden. — Letzte Drahtmeldungen. Zur Beisetzung des Kardinals Kopp. Wilhelmshaven, 5. März. Der Kaiser hat mit seiner Vertretung bei der Beisetzung des Kardinals Kopp den Fürsten Hatzfeld und den Herzog von Trachenberg beauftragt. Zabern und kein Ende. Berlin, 5. März. Wie eine hiesige Korrespondenz zu melden weiß, besteht im Reichstag die Absicht, die ganze Zabernaffäre noch einmal aufzurollen. Bei Gelegenheit des Berichts über die Tätigkeit der Zabernkommission werde von fortschrittlicher, elsässischer und sozialdemokratischer Seite die grundsätzliche Seite der Jübernangelegenheit erneut erörtert werden. Die Parteien der Rechten, das Zentrum und die Nationalliberalen haben nicht die Absicht, sich an dieser Aussprache zu beteiligen. Aber sie werden natürlich auch sogleich in den Streit der Meinungen hineingezogen werden, wenn ihre Stellungnahme in der Kommission zu Angrissen benntzt wird. Einige stürmische Tage im Reichstag würden dann die notwendige Folge sein. Bei dem unsicheren Mehrheitsverhältnis im Reichstag kann das zu allerlei Komplikationen Anlaß geben. Nun ist erwogen worden, die Berichterstattung über die Zabernkommission etwas hinauszuschieben, bis die Gemüter sich mehr beruhigt haben. Gegen diese Verschleppung ist aber Widerspruch laut geworden, und es soll daher versucht werden, die Angelegenheit in irgend einer Form mit dem Militäretat zu verbinden, der wahrscheinlich Mitte März im Plenum zur Beratung stehen wird. Muttermord. Berlin, 5. März. In einem Hause der Krefelder Straße wurde die Witwe Netsch in einer Blutlache mit Würgemalen aufgefunden. Anscheinend liegt ein Mord vor. Die Witwe Netsch lebte mit ihrem 35 Jahre alten, lungenkranken und etwas geistesgestörten Sohn zusammen. Zwischen Mutter und Sohn gab es oft Streitigkeiten, die manchmal in Tätlichkeiten übergingen. Seit Montag, wo man die Witwe zum letzten Mal gesehen hat, ist auch der Sohn verschwunden, der anscheinend der Mörder ist und die Flucht ergriffen hat. Die Untersuchung durch den Gerichtsarzt hat festgestellt, daß die Frau Netsch durch einen Schuß über dem rechten Ohr getötet wurde. Die unglückliche Frau hat seit sieben Jahren in ihren Kleidern auf dem Sosa geschlafen, aus Angst vor dem Sohn, der das einzige Bett benutzte. Er führte stets einen Revolver bei sich. In ihrer Kleidung sand man die Ersparnisse der Frau in Höhe von 719 Mark eingenäht. Von dem Täter hat man bisher noch keine Spur. Famklientragödie. Berlin, 5. März. Im Hause Wormsstraze 4 hat sich in der vergangenen Nacht der Kaufmann Treitel und seine Frau erschossen. Das Motiv der Tat ist in finanziellen Schwierigkeiten zu suchen. Ein 76jähriger Mörder. Düsseldorf, 5. März. Eine entsetzliche Bluttat führte gestern abend der 76jährige Invalide Villers, der in einem Restaurant auf der Bismarckstraße eine Zeche von 8 Mark gemacht hatte, aber völlig mittellos war, aus. Als der Kellner ihn zu zahlen aufforderte, versetzte ihm der Greis einen furchtbaren Stich in die linke Brustseite, der den Tod des Mannes herbeiführte. Villers, der Mörder, bedrohte noch mehrere Gäste. Mit Mühe gelang es, ihn zu überwältigen und der Polizei zu übergeben. Zwei Kinder lebendig verbrannt. Greifswald, 5. März. Hier hat sich gestern ein folgenschweres Brandunglück ereignet, dem zwei blühende Menschenleben zum Opfer sielen. Die Frau des Arbeiters Max Schulz hatte auf dem Hofe zu tun und war daher gezwungen, ihre beiden Kinder im Alter von drei und sechs Jahren eine Zeitlang in der Wohnung allein zu lassen. Die Kinder machten sich am Ofen zu schafsen, wobei ihre Kleider Feuer fingen. Die bedauernswerten Kleinen erlitten so schwere Brandwunden, daß sie bald darauf starben. Die Metzer Duellaffäre. Metz, 5. März. Die Duellaffäre der Metzer Leutnants Haage und von Lavalette St. George ist jetzt soweit aufgeklärt, daß festgestellt werden tonnte, daß die Frau des im Duell gesallenen Leutnants Haage entgegen anderslautenden Gerüchten vollständig schuldlos ist und mit der Duellangelegenheit nichts zu tun hat. Sie hat auch in keinen unerlaubten Beziehungen zum Leutnant von Lavalette St. George gestanden. Leutnant Haage war seit drei Jahren verheiratet. Die Trauerseier für den erschossenen Offizier fand unter Beteiligung des gesamten Offizierkorps der Garnison Metz im Garnisonlazarett zu Montigny statt. Nevision gegen Graf Mielczinsky. Meseritz, 5. März. Die Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil im Prozeß Mielczinsky Nevision eingelegt. Drei Kinder entführt. Petersburg, 5. März. In Kokenbusen in der Nähe von Riga sind aus einer Pension unter rätselhaften Umständen durch den Mitauer Apotheler Paulit drei kleine Kinder einer bekannten baltischen Familie geraubt worden. Die Untersuchung ergab, daß die Kinder über Wirballen nach Deutschland gebracht wurden. Sie sind, wie es scheint, von ihrem Vater, der von seiner Gattin getrennt lebt, entführt worden. Italienische Annektionen in Tripolis. Rom, 5. März. Italienische Truppen haben in Tripolis den Bezirk Murzuk besetzt und unter Zustimmung der einheimischen Behörden das ganze Fezzan für italienisches Gebiet erklärt. Bomben und Dynamit in Albanien. Durazzo, 5. März. Dieser Tage wurden in Alessio zwei Serben verhaftet, die Bomben und Dynamit bei sich hatten. Die Verhafteten sollen serbische Offiziere sein. Man legt den Vorfall hier so aus, daß die beiden Auftrag hätten, in Albanien Spionagedienste zu versehen und bei einer sich ergebenden Gelegenheit die oppositionellen Elemente cufzuwiegeln und ihnen Sprengstoffe zu geben. Eine Falschmeldung. Konstantinopel, 5. März. Die Meldung, wonach drei türkische Soldaten wegen Ueberfalles euf die Töchter des Generals Liman von Sanders standrechtlich erschossen worden seien, ist falsch. Wie wir von amtlicher türkischer Quelle erfahren, ist das Vergehen der Soldaten nicht so schwer, daß es so streng bestraft werden müßte. Tatsache ist, daß die Schuldigen gebührend bestraft worden sind. Abreise des englischen Gesandten in Mexiko. Neuyork, 5. März. Der englische Gesandte in Mexiko, Sir Lionel Carden, ist gestern auf dem Dampfer„Olympie“ nach London abgefahren. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerke Dom Habbi Gen Chiba isi zu lesen, Gr sagie: Elles isi schon dagewesen. Doch heute weiss man, das war Chantasie „Ile Qualität wie„Cobu““ gabs noch gie. Jeinste slanzenbutter-Oflargarine Garkentand am hohen Stein zu vernachsen. Geschw. Wilke, Senningsweg 1. Mehrere günstig gelegene Tünsterten sind zu verkaufen. Näheres in der Expediton dieser Zeitung. Eine schöne B=Iinntkier Wohnung zum 1. April zu vermieten. Zu erfr. in der Geschäftsst. Kaufm. Her.Ing findet zum 1. April Stellung. Westfälische Backwerke vorm. Schwerter Brotfabrik. Msss Ene schhne Kehllung S Zimmer, mit Stall und Gartenland, per 1. April zu vermieten. Zu erfragen in der Exped. dieser Zeitung. 1507 Eine Tittschrn macht ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen u. weißer, schöner Teint. Alles " dies erzeugt Sleckenpferd=Seife (die beste Lilienmilch=Seife) St. 50 Pf. Die Wirkung erhöhl Dada=Cream welcher rote u. rissige Haut weiß und sammelweich macht. Tube 50 Pfg. Neue Apoth. u. AdlerApoth sowie bei Max Mehlhose, in Westhofen: Wilh. 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Richard Wagners sämüiche öpern und Huslhdramen Sind soeben eingetrollen. Die Ausgabe ist glänzend ausgefallen und jedem bestens zu empfehlen. Bestellungen bitten umgehend autzugeben. Verlag der Schwerter Zeitung, Carl Braus, Schwerte(Ruhr,) Grosse Marktstrasse 3—5. Versand nach auswärts gegen Voreinsendung des Betrages, zuzüglich 60 Pf. Porto„ür 2 Bücher.(Nachnahme 35 PI. extra)