Antrheises Rrebolat ** tr den Kreis wertt ender Feiertags. VBezugpprrte M. 1.20 otenrck. ###r#ch, dei der Post für Bestellgeld 42 Pio. wedr. Wöchenll. Grakisdeiloge:„Ikustrierten Gamtlienfreund“ u. tägl. Unterbaltungsblant. Anzeigenpreis: Die sledengespaltene Petitzetle oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen pra auswärts 15 Pig., Rehlomezelle 40 f. Rabatt gill als Kassarnball u. eriisch!#ionkursen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Rlchtbeachungt gemnact. Jestiumgssehisome Westhofener Zeitung Längicheder Zentung SAwerte Holzwickeder Zeitung Apielbecker Zentung Schwerter Volkszeitung Grltes und ast. Verbunden mit. Schwerter Cageblatt O Schwerter Anzeiger 's Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt- Annoncenblan als unte uns beistgulglichen Derand. nungen für den Arets Hörde erlangen gomaß Betanntmachung dei Abalglichen Regierung durch Verösfentlichung io der„Schwerter Zeitung" rechtsverdindliche Kraft.— Die Schwerter Zettung“ gewöhrt ihres Abonnen. ten für jeden mit Tod enden### Unfall ge300 Mk. Unfall. Druchu Verlago. Cor Drous Schoune. RudFernsp. 62. Telegr.=Adr. Brous Schwerte=Rus*) Nr. 27. Erstes Blatt. Montag, den 2. Februar 1914. 46. Jahrgang. Deutscher Reichstag. Berlin, 31. Jan.(Tel.) : Die zweite Beratung des Etats des Innern wird beim Titel„Gehalt des Staatssekretärs“ fortgesetzt. Hierzu liegen nunmehr 22 Resolutionen vor. Abg. Bassermann(Natl.): Bei der Eröffnung der heutigen Verhandlungen stehen wir unter dem Eindruck des Bergwerksunglücks bei Dortmund. Als erster Redner darf ich dem Gefühl herzlicher Teilnahme für alle von dem schweren Unglück Betroffenen und deren Angehörigen Ausdruck geben. Wir würden dem Staatssekretär dankbar sein, wenn er uns einige Mitteilungen über das Unglück machen könnte.(Bravo.) Dem Reichsbankpräsidenten können wir für seine bisherige Politik nur unser vollstes Vertrauen aussprechen. Besonders verdient das Anwachsen des Goldbestandes der Reichsbank hervorgehoben zu werden. Der Aufschwung unserer Industrie ist zwar zurückzuführen auf die leitenden Persönlichkeiten, zum großen Teil aber auch auf die Unterstützung unserer Bankwelt. Mit der ablehnenden Haltung des Reichsbankpräsidenten gegenüber der Frage eines Depositengesetzes sind wir einverstanden. Der Geldmarkt Deutschlands würde durch ein derartiges Gesetz außerordentlich erschwert werden. Wir müssen bedenken, daß die großartige Entwickelung und die Weltstellung der französischen Republik in erster Linie neben den starken nationalen Instinkten auch auf der Kapitalkraft der Bürger beruht. Frankreich war so in der Lage, der Geldgeber Rußlands zu sein. Dadurch und weil es auch den Mut hatte, Milliarden herzugeben, hat es die Triple=Entente außerordentlich gestützt. Unsere vollen Sympathien begleiten die christlichen und nationalen Gewerkschaften in ihrem Kampfe gegen die Sozialdemokratie und auch gegen die kirchlichen Autoritäten. (Beifall.) Gibt man den Arbeitern das Koalitionsrecht, so muß man es ihnen überlassen, welche Form sie wählen und welche Ziele sie verfolgen wollen. Sich hier einzumischen, kann kein liberaler Mann billigen.(Sehr richtig!) Tausende reichstreuer Männer haben sich in diesen Gewerkschaften zusammengefunden. Der Reichskanzler hat sich unumwunden zum Koalitionsrecht bekannt und gemeint, daß man auf dem Boden des gemeinen Rechts, nicht auf dem der Ausnahmegesetzgebung weiter kommen könnte. Wir wünschen, über diese Frage eine Denkschrift und zwar in ganz bestimmter Richtung. Den konservativen Antrag auf ein besonderes Gesetz zum Schutze der Arbeitswilligen lehnen wir ab. Ein Verbot des Streikpostenstehens halten wir nicht für erforderlich, wenn die Polizei auch berechtigt ist, vorbeugend einzugreifen. Die Haltung der Regierung in der Frage des Zolltarifs und der Handelsverträge billigen wir. Ich darf dem Staatssekretär unser Vertrauen aussprechen.(Lebhafter Beifall.) Staatssekretär Dr. Belbrüg: nuch im Namen der Verbündeten Regierungen habe ich dem Empfinden des herzlichsten Bedauerns und der herzlichsten Teilnahme Ausdruck zu geben, die uns alle erfüllt aus Anlaß des Grubenunglücks im Ruhrrevier. Ich habe alsbald den Handelsminister gebeten, mir amtliches Material über den Vorfall zu geben und kann folgendes mitteilen: Das Unglück ereignete sich auf der dritten Sohle. Ein erheblicher Grubenbrand hat nicht stattgefunden, so daß die Grube weiter befahren werden kann. Es wurden 19 Tote, zwei lebensgefährlich und 8 weniger schwer Verletzte geborgen. Drei Arbeiter sind anscheinend verschüttet und dürften tot sein. Insgesamt dürften leider 25 Menschenleben zu Grunde gegangen sein. Es scheint aber, daß mit größeren Verlusten unter allen Umständen nicht gerechnet werden muß. Sobald mir im Laufe der Sitzung weiteres Material zugegangen sein wird, werde ich nicht verfehlen, es dem hohen Hause mitzuteilen.(Bravo.) Der Abg. Bassermann hat erneut die Frage erörtert, ob es nicht möglich und zweckmäßig sei, dem Wirtschaftlichen Ausschuß eine andere Organisation zu geben. Er hat gefragt, ob es nicht zweckmäßig sei, ihm die Lösung besonderer Fragen einzelner Industriezweige aufzugeben. Da man einer solchen Vorberatungsstelle eine gewisse amtliche Form geben muß, so würde es darauf hinauslaufen, eine Art Zollparlament zu errichten, das demgemäß den Einfluß des Reichstags beschränken mußte. Ich erinnere an die verschiedenen Versuche, die in Preußen gemacht worden sind, die aber von allen Parteien abgelehnt wurden, da eine derartige Organisation in die Kompetenz des Reichstags eingreift. Eine geeignete Grundlage aber, möglichst viele Sachverständige zu hören, bietet der wirtschaftliche Ausschuß der die verschiedenen wirtschaftlichen Momente ihrer Bedeutung nach gegeneinander abwägen soll, wenn man die einzelnen Positionen eines Handelsvertrages oder eines Tarifes festlegen will. In diesem Ausschuß werden gehört der deutsche Landwirtschaftsrat, der deutsche Handelstag und der Zentralverband deutscher Industrieller. Namentlich Bis Zusiebuns des letteren bat in anderen dustrieverbänden, die andere wirtschaftliche Kreise vertreten als der Zentralverband, den Wunsch entstehen lassen, man möge auch diesen Verbänden Gelegenheit geben, ihre Meinung zu äußern. Nach Prüfung aller Wünsche bin ich zu dem Ergebuis gekommen, daß ihre Erfüllung nicht möglich ist, da der Wirtschaftliche Ausschuß dadurch zu einer Größe anschwellen würde, die unerwünscht ist. Dadurch glaube ich ein aktionsfähiges Parlament— wenn ich es so nennen darf— zu erhalten. Eine Vergrößerung würde nur Nachteile bringen. Ich bin bereit, auf dem bisherigen Wege weiter zu gehen, ich scheue mich aber, Schritte zu tun, die meiner Meinung nach zu einer derartigen Parlamentswirtschaft oder Zollparlament führen wurden. Das liegt weder im Interesse des Reichstags noch der verbündeten Regierungen. Abg. Wendorff(Fortschr. Vpt.): Im Gegensatz zu dem Abgcordneten Dr. Becker halten wir eine Ausdebnung des medizinischen Studiums für geboten. insbesondere könnten die jungen Studenten der Medizin ganz gut noch ein Kolleg hören über soziale Medizin. Herr D. Becker hat wie auch Herr Hestermann gegen meine Partei hinsichtlich ihrer wirtschaftspolitischen Haltung schwere Angriffe gerichtet. Vielleicht schließt Dr. Becker sich der Iraktion Hestermann als Hospitant an.(Heiterkeit.) Dem Herrn Staatssekretär werden wir trotz entgegengesetzter wirtschaftlicher Anschauung das Gehalt nicht verweigern. (Heiterkeit.)...(#mmf v. Wuck wir k. Aba. Graf v. Westarp(Kons.): auch wir freuen uns über die Erfolge des Reichsbankpräsidenten. haben uns aber auf Grund seiner Darlegungen nicht davon überzeugen können, daß ein Depositengesetz undurchfuhrbar sei. In der Frage des Schutzes der Arbeitswilligen reichen nach unserer Ansicht die bestehenden Vorschriften nicht aus. Der nationalliberale Antrag, der die baldige Vorlegung einer Denkschrift über die Auswüchse des Koalitionsrechts verlangt, ist uns durchaus sympathisch. Wir fürchten nur, daß der Antraa leicht zu einer Verschleppung führen kann...1. Wi, Lenfangen unz gis Abg. Spieger(Soz.): Wir verlangen nach wie vor ein Reichsberggesetz, damit für die Bergarheiter einheitliche Vorschriften bestehen. Die Ausschreitungen bei Streiks beruhen meist auf Provokationen. Von den Koblenbaronen aebt der„Ruf aus: Genug mit der Sozialvolitik. Wir müssen immer wieder die Fortsetzung der Sozialpolitik verlangen. Aba. Faßbender(Ztr.): Eine gesetzliche Regelung des Waffenhandels ist dringend nötig. Unterstaatssekretär Richter: Ein Gesetz zur Regebung des Waffen= und Munitionshandels ist in Vorbereitung und wird den Interessenten zur Begutachtung vorgelegt werden. Abg. Dr. Böhme(Hospitant der Natlib.): Falsch ist die Annahme, als ob der Bauernbund Gegner eines Parzellierungsgesetzes sei. Bauernbund und Hansabund haben sich in letzter Zeit in ihren politischen Ansichten genäbert. Abg. Schweickhardt(Vpt.): Eine Müblenumsatzsteuer würde den Interessen der kleinen Müller nichts nützen. Die einzige richtige Maßnahme wäre eine Tarifdifferenzierung von Getreide und Mehl. Abg. Hestermann(Wild): Ich habe nicht die Behauptung aufgestellt, daß der Bauernbund mit Güerschlächtern in Verbindung getreten ist. Wohl aber sind Güterschlächter an mich berangetreten ich möge dafür sorgen, daß ibnen in Preußen nicht das Geschäft verdorben werde. Herrn Dr. Böhme, der inimer nur auf den Bund der Landwirte hieb sollte bekannt sein, daß auch bei den Nationalliberalen Mitglieder des Bundes der Landwirte sitzen. Vielleicht wird Dr. Böhme auch demnächst aus der Nationalliberalen Partei komplimentiert.(Große Heiterkeit.) Andererseits sitzen Bauernbündler auch auf der Rechten. Herr Dr. Böhme will den Maiszoll fallen lassen, dabei ist der Mais noch der schärfstKonkurrent des Hafers.(Sehr wahr rechts Zurn links.) Ach. Herr Kollege, Präsident Dr. Paasche. regen Si: sich doch nicht auf.(Große Heiterkeit.) Da muß ich sagen, daß das Zentrum viel besser ist als es immer vargeneut wird.(Große Heiterkeit.) Leider wird bei den Wahlen sehr viel Schwindel getrieben.(Große Heiterkeit. Präsident Dr. Kämpf rügt lächelnd diese Ausführungen.) Bei den Nationalliberalen habe ich es erfahren, daß man mit dem Zentrum eine ganz vorzügliche Politik machen kann. (Schallende Heiterbeit.) Aus alter Freundschaft zu den Nationalliberalen will ich hervorheben(Heiterkeit), daß viele Herren dort auf meinem Standpunkt steben. Selbst Herr Dr. Böhme hat keine Angriffspunkte gegen mich gefunden.(Heiterkeit. Zuruf: Alles vergeben! Erneute Heiterkeit.) Damit ist die Rednerliste zum Titel Gehalt des Staatssekretärs erschöpft, abegesehen von der BeHauses zu der schweren Schlagwetterkatastrophe ausgesprochen habe.(Lebhafter Beifall.) Sodann trat das Haus in die Beratung des Forstetats ein. Abg. Meyer(ks.) wünschte eine Uebersicht über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Waldarbeiter. Abg. Lüders(fk.) trat für den Schutz der Naturdenkmäler im Walde ein, Abg. Ehlers(Vp.) für Aufbesserung der unteren Forstbeamten. Abg. Macco(nl.) wünschte vermehrte Anschonung von Buchenbeständen. Die Abgg. Rhiel(Ztr.) und Brandhuber(Ztr.) brachten lokale Wünsche vor. Oberlandesforstmeister v. Freyer erklärte, die Forstverwaltung denke nicht daran, die Losholzabgabe gegen den Wunsch der Berechtigten abzulösen. Hoffentlich würde im nächstjährigen Etat ein höherer Betrag für Arbeiterwohnungen eingestellt werden können. Nach längerer forstwirtschaftlicher Debatte erklärte Landwirtschaftsminister Freiherr von Schorlemer, daß er eine Organisation der staatlichen Land= und Forstarbeiter nicht gutheißen könne, die Wünsche der Arbeiter würden bei den Behörden berücksichtigt. Das Tempo des Baues von Arbeiterwohnungen soll nach Möglichkeit beschleunigt werden. Ein Antrag, die Holzverkaufsanzeigen in den Fachblättern gleichmäßig erscheinen zu lassen, nicht in einem einzelnen Blatt, wurde abgelehnt. Oberlandesforstmeister v. Freyer trat für die Lokalpresse ein. Das Haus vertagte sich auf Dienstag 11 Uhr: Interpellation Brust(Ztr.) über das Unglück auf der Grube„Achenbach", Justizetat. Schluß halb vier Uhr. ratun Politische Uebersicht. atssekretärs erschöpft, abegesehen, vgn., der ung der Zentrumsresotution betr. Ausführung des Vereinsgesetzes, die am kommenden Mittwoch auf die Taacsordnung gesetzt werden wird. Das Gehalt des Staatssekretärs wird bewilligt und eine Reihe weiterer Kapitel ohne Debatte erledigt. Darauf wird die Weiterberatung auf Dienstag, 8 Uhr pünktlich vertagt. Vorher kurze Anfragen. Schluß 5 Uhr. Preußischer Landtag. Vor Eintritt in die Tagesordnung der Sonnabend=Sitzung machte Präsident Graf SchwerinLöwitz Mitteilung, daß er der Gewerkschaft der Zeche„Achenbach“ in Westsalen die Teilnahme der Ein treffliches Wort König Ludwigs. Zu König Ludwig von Bayern kam eine Deputation adliger Damen, um den König zu bitten, das Protektorat über viele Asyle für kranke Tiere zu übernehmen, die im ganzen Reiche gegründet werden sollen. Der König hörte die Damen an, erkundigte sich, wie viel Geld die Damen für diesen Zweck bereits gesammelt hätten und antwortete dann:„Kranke Tiere, meine hochverehrten Damen, tötet man, kranken Menschen aber hilft man. Verwenden Sie Ihr Geld lieber für die armen, kranken und erwerbsunfähigen Menschen, denen Sie nützen, den kranken Katzen, Hunden und Pferden aber nicht. Folgen Sie, meine Damen, und Sie werden ein wohltätiges Werk tun. Ich bitte Sie, meine Worte zu beherzigen.“ Die Damen zogen enttäuscht ab. Preußentag und bayerischer Reichsrat. Im bayerischen Reichsrat kam Graf Crailsheim, der frühere bayerische Ministerpräsident, auf den Preußentag zu sprechen. Er betonte, daß dessen Bestrebungen in letzter Linie auf eine Abschwächung der Einheitlichkeit des Reiches und auf Zurückdrängung des außerpreußischen Einflusses auf die Reichsleitung gerichtet seien. Der Graf betonte dann den Reichsgedanken. Zur Nevision der Kabinettsorder über den Waffengebrauch des Militärs schreibt die„Nordd. Allg. Ztg.“ amtlich: Für die vom Reichskanzler in seiner letzten Reichstagsrede erwähnte Nachprüfung der Dienstvorschrift von 1899 über den Waffengebrauch des Militärs im Frieden sind zunächst beim Kriegsministerium die notwendigen Vorarbeiten erledigt worden. Gegenwärtig finden unter Zuziehung der preußischen und der Neichsressorts der Justiz und des Innern kommissarische Beratungen statt. Auch hat sich der Kriegsminister mit den zuständigen Stellen für die nichtpreußischen Kontingente in Verbindung gesetzt, um möglichste Uebereinstimmung in der Fassung der Vorschriften herbeizuführen. Ein schwerer Mangel in den reichsländischen Zuständen war es bisher, daß über wichtige Ereignisse in Elsaß=Lothringen die Pariser Chauvinistenorgane früher unterrichtet waren, als die deutschen Zeitungen. Von Kaiserreden in intimem Kreise, von geplanten Verfassungsänderungen und dergl. wußte man in Paris früher als in Berlin. Sogar die Erklärung des Staatssekretärs Zorn v. Bulach, daß die elsaß=lothringische Regierung aus ihrer Meinungsverschiedenheit mit der Reichsregierung über Zabern die Konsequenzen gezogen habe, kannte man an der Seine, bevor sie noch abgegeben worden war. Daß auch in dieser Beziehung gründlich Wandel geschaffen werden wird, darf man von der neuen Straßburger Regierung erwarten. Kampfstimmen in Elsaß=Lothringen. Die Budgetkommission der Zweiten reichsländischen Kammer lehnte die Forderung von 10000 Mark zu Gunsten des Verbandes für Jugendpflege ab. Von der Tätigkeit eines Verbandes, so sagte man, in dessen Komitee die Spitzen der Zivilverwaltung mit den kommandierenden Generalen zusammenwirken sollen, kann man sich nichts versprechen. Dem unter Protektorat des Grafen Wedel stehenden Verbande könnte man wohl eine Zuwendung machen, müsse sie jedoch ablehnen, da man nicht wisse, wer Nachfolger des Grafen werden würde. Zur Verpreußung der elsaß=lothringischen Jugend, so wurde schroff erklärt, seien keine Landesmittel verfügbar. Auslandsfahrt deutscher Kriegsschiffe. Die detachierte Division hat auf ihrer atlantischen Reise die südlichste Station ihrer westafrikanischen Küstenfahrt erreicht. Die Linienschiffe„Kaiser" und „König Albert“ liegen vor Lüderitzbucht, der Kreuzer„Straßburg“ vor Kapstadt. Die Fahrt nach diesen Häfen war zunächst vom Wetter begünstigt, so daß wenigstens militärische Uebungen und Erprobungen erledigt werden konnten. In Swakopmund warfen die Linienschiffe vorübergehend Anker, es wehte dort ein heftiger Wind mit entsprechend hoher See. Starke Brandungen erschwerten den Verkehr mit der Küste. Die begeisterte Aufnahme an Land fand ihren Höhepunkt am Geburtstag des Kaisers. Keine Reform der Fahrkartensteuer. In der Budgetkommission des Reichstags erklärte Eisenbahnminister v. Breitenbach, daß eine Reform der Jahrkartensteuer nicht beabsichtigt sei. Es könnte sich dabei nur um eine Erleichterung für die oberen Wagenklassen handeln, um dadurch deren Benutzung zu heben. Der Verkehr in der ersten Klasse sei aber so gering, daß er nur noch als Auslandsverkehr in Betracht komme. Die Forderung, die Hauptbahn Straßburg—Basel viergleisig auszubauen, wurde angenommen. Mittelstandspolitik. Staatssekretär Delbrück hat mit seinen Darlegungen in der Mittwoch=Sitzung des Reichstages bei fortgesetzter Beratung seines Etats bewiesen, wie sehr ihm die Fragen und Sorgen des Mittelstandes am Herzen liegen. Er betonte, daß die vielerlei Gesetze sozialpolitischer Natur über Hausierhandel, Sonntagsruhe, Verdingungswesen, Konkurrenzklausel usw. übereinstimmend den Zweck verfolgten, den Mittelstand, also in erster Linie das Handwerk, zu fördern. Der Staatssekretär kennzeichnete auch die Schwierigkeiten der Lage des Mittelstandes ganz richtig, wenn er hervorhob, daß dieser von oben durch Großhandel und Großindustrie, von unten durch den Aufstieg der Arbeiterklasse bedrängt werde, dagegen keinen direkten Anteil an dem allgemeinen wirtschaftlichen Ausschwung der letzten Jahrzehnte gehabt habe. Herr Delbrück erwähnte dabei nicht, daß der Mittelstand ohne die vielen sozialpolitischen Gesetze, die den Aufstieg der Arbeiterklasse zur Folge hatten, auch die Lasten nicht zu tragen hätte, die auf seinen Schultern besonders schwer ruhen und ihn hindern, sich so, wie er es sonst wohl könnte, an dem allgemeinen Wettbewerb zu beteiligen. Einschränkung des Waffentragens. Das Gesetz betreffend Einschränkung des Erwerbes und des Tragens von Wafsen wird, wie wir hören, dem Reichstag noch in dieser Session zugehen. Frankreich. Paul Deroulede f. Nach und nach verstummen die argen Rufer der Revanche Frankreichs, der Tod legt ihnen die Knochenhand auf den Mund. In Nizza starb Deroulede, der französische Dichter, der in seinen Gedichten und Prosaussätzen am leidenschaftlichsten den Gedanken der Nevanche an Deutschland vertreten hat. Er war ein echter Franzose; höchst temperamentvoll auf Kosten der gesunden Vernunft. So hat es denn viele Torheiten in seinem Leben gegebn. Als vor Felix Faures Begräbnis die Truppen unter Führung des Generase * 74 A Roget zurückkehrten, siel Deroulede dem Pferde des Generals in den Zügel und beschwor Roget leidenschaftlich, mit seinen Truppen sofort Leubet zu verjagen. Ganz Paris amüsierte sich, Deroulede aber kam erst ins Gefängnis, dann auf etliche Jahre in die Verbannung. 1870 hatte Deroulede als Zuave gegen Deutschland mitgekämpft, und es bleibt ihm der Ruhm, daß er sich als tapferer Soldat bewährte. Türkei. Die Türkei und Bulgarien. Die Meldung von dem bereits vollzogenen Abschluß des türkisch=bulgarischen Bündnisses gegen Griechenland und Serbien begegnet zwar noch Zweiseln und wird von Konstantinopel und Sofia aus auch für grundlos erklärt, dennoch dürfte sie nicht rein aus der Luft gegriffen sein. Der Kriegsminister Enver Pascha hat bereits seine Absicht, möglichst viel von dem der Türkei entrissenen Gebiete zurückzuerobern, verraten. Die ersten diplomatischen Schritte zur Herbeiführung eines Bündnisses zwischen Bulgarien und der Türkei können also sehr wohl bereits unternommen worden sein. Der Waffentanz selber kann natürlich erst nach längerer Zeit beginnen, wenn beide Staaten sich von der Erschöpfung der jüngsten Kriege einigermaßen erholt und vor allem die ersehnten Anleihen gesichert haben. Laut„Köln. Ztg.“ tritt nach dem Bündnisvertrage Bulgarien ganz Thrazien an die Türkei ab, während es alle von Griechenland und Serbien eroberten Gebiete zurückerhält, ausgenommen Ochrida, Dibra, Prisren, Prischting, sowie alle von Albaniern bewohnten Landschaften. Zur Verschwörung gegen Enver Pascha meldet ein Konstantinopeler Telegramm der„Köln. Itg.“, daß durch die Polizei in Konstantinopel vier Studenten und drei entlassene Offiziere unter dem Verdacht der Teilnahme an dem Anschlag verhaftet worden seien. Durch Briefe, die man bei den bereits in Hast Sitzenden vorfand, scheint auch eine hochgestellte Persönlichkeit belastet zu sein. Die Regierung verbot die Beförderung aller auf die Verschwörung sich beziehenden Telegramme. Mexiko. Eine Schlappe der Bundestruppen. Ein Telegramm aus Brownsville in Texas meldet, daß nach Mitteilungen aus dem Hauptquartier der mexikanischen Insurgenten in Matumoras in einem Gefecht bei Concepcion Deloro in der Provinz Zacatecas, das am Anfang der Woche stattsand, 400 Bundessoldaten getötet oder nach ihrer Gesangennahme erschossen worden sind. Die Insurgenten sollen sieben Tote und 70 Verwundete gehabt haben—— Kaiser Wilhelm und Präsident Wilson. Anläßlich des Geburstages des deutschen Kaisers richtete Präsident Wilson, wie mitgeteilt, ein Kabeltelegramm an den Kaiser. Es lautet ausführlich:„Gestatten Sie mir, Ihnen meine aufrichtige Gratulation und die besten Wünsche für Ihr Wohlergehen darzubringen. Das Gedenken daran, in welchem Umfange so viele Menschen deutschen Blutes zur guten Bürgerschaft und zum Fortschritt der Vereinigten Staaten beitrugen, läßt mich mit um so größerer Freude in meinem und meiner Landsleute Namen den herzlichen Wunsch zum Ausdruck bringen, daß dem Deutschen Reiche der glänzende Fortschritt und die Wohlfahrt, die es während Ihrer Regierung erfuhr, auch ferner beschieden sein möge." Kaiser Wilhelm antwortete: „Nehmen Sie meinen aufrichtigen Dank für die freundlichen Wünsche entgegen. Ich bin sehr erfreut über die Würdigung, die Sie der Mitwirkung amerikanischer Bürger deutscher Abstammung an der Entwicklung der Vereinigten Staaten zuteil werden lassen. Ich bringe Ihnen meinerseits die besten Wünsche für den Fortschritt und die Wohlfahrt der amerikanischen Volkes zum Ausdruck.“ Das Gruben=Unglück in Brambauer. #— Der Regierungswechsel in Elsaß=Lothringen. Daß in den Reichslanden manches anders werden muß, wird übereinstimmend nahezu von allen Seiten und Parteien hervorgehoben. Wenn aber behauptet worden ist, daß sämtliche Regierungsund noch eine ganze Anzahl anderer Beamtenstellen ausschließlich mit Preußen besetzt werden würden, so ist die Warnung eines so besonnenen Blattes, wie die„Magd. Ztg.“ es ist, bemerkenswert, jetzt mit einem Male eine unnötig scharfe Tonart als Norm für die zukünftige Regierungsform aufzustellen, nachdem man eine Zeitlang die Zügel in den Reichslanden allzusehr hatte am Boden schleifen lassen. Trotz aller Festigkeit und sachlichen Schärfe, die nottun, ist doch das Vertrauen der elsaß=lothringischen Regierung zur Bevölkerung ein Faktor, dessen Bedeutung gerade jetzt nicht außer acht gelassen werden darf. Ein altverdienter elsässischer Beamter erinnert in der„Tägl. Rundsch.“ an das Wort des Reichskanzlers, die Reichslande könnten nur unter einer ruhigen, einheitlichen, gerechten, aber festen Verwaltung gedeihen. Dazu genüge nicht ein Wechsel in den verantwortlichen Spitzen der Regierung, sondern es sei die Bildung eines elsaß=lothringischen Beamtenstandes mit ausreichendem Staatsgefühl eine polttische Notwendigkeit. Um das Paktieren der Regierung mit den Notabeln innerhalb und außerhalb des Parlaments zu beseitigen, müßte eine weitgehende Auswechselung reichsländischer, Die Schlagwetterkatastrophe auf der Zeche „Minister Achenbach“ in Brambauer hat zwar nicht den Amfang angenommen, den man nach den ersten Meldungen befürchten mußte. Immerhin ist die Zahl der Opfer so beträchtlich, daß sich die neueste Kataftrophe im westfälischen Bergbau den Massenunglücken größeren Stils einreihen muß. An den Kaiser wurde ein ausführlicher Bericht über das schwere Unglück erstattet. Auch im Reichstage gedachte man der Katastrophe, die erneut das Land der roten Erde heimgesucht hat. Das Unglück ereignete sich abends um ½7 Uhr. Sofort wurde von der Leitung der Grube die Rettungsaktion eingeleitet. Die Kameraden der Verunglückten drangen, ungeachtet der drohenden Gefahr, in die von der Explosion heimgesuchten Baue ein, die ansangs von den gefährlichen Nachschwaden stark erfüllt waren. Neben den Rettern von der Zeche „Achenbach“, beteiligten sich an dem Werk der Kameradschaft und Nächstenliebe die telephonisch herbeigerufenen Rettungsmannschaften der Zechen „Minister Stein“,„Waltrop“,„Adolf von Hansemann“ und„Rheinelbe“. Bald nach dem Bekanntwerden der Hiobsbotschaft in den der Zeche benachbarten Gemeinden strömten viele Hunderte von Personen dem Zechenplatze zu. Herzzerreißend waren die Klagen der Angehörigen an der Unglücksstätte. Der Zechenplatz wurde von der verstärkten Gendarmerie abgesperrt, und nur die Verwandten der vom Unsall Betroffenen wurden zur Rekognoszierung zugelassen. Von den Rettungsmannschaften wurde erzählt, daß die Bergung der Verunglückten zwar Schwierigkeiten gemacht habe, aber doch in wünschenswerter Schnelligkeit vor sich gegangen sei. Die größten Schwierigkeiten fand man im Flöz 19, wo durch die Explosion erhebliche Verwüstungen angerichtet sind. Im Flöz 21 sei es weniger schlimm gewesen. Die Verletzten sind in das Gemeinde=Krankenhaus zu Brambauer gebracht worden. Von den 19 Todesopfern der Schlagwetterkatastrophe sind bisher 17 wiedererkannt. Schwerverletzt sind drei und sechs leicht verletzt. Drei Mann werden noch vermißt. Man nimmt an, daß sie noch in der Grube sind. Die Rettungsarbeiten werden fortgesetzt. Man ist inzwischen bis an den Ursprungsort der Katastrophe gelangt. Auf der Zeche traf Generalleutnant v. Schubert, der Schwiegersohn von Stumms, ein. Generalleutnant v. Schubert richtete an den Flügeladjutanten des Kaisers eine Depesche, in dem die Anzahl der Opfer mitgeteilt und erklärt wird, daß es sich um eine Schlagwetterexplosion handle. Die Untersuchung habe die Ursache der Katastrophe noch nicht ermittelt. An das Zivilkabinett ging von der Behörde eine telegraphische Nachricht ein. Die Namen der Toten sind: 1. Wellmann, Theodor, verh.; 2. Kawallik, Edmund, verh.; 3. Czawallina, Gustav, verh.; 4. Balrerek, Valentin, led.; 5. Fischer, Paul, led.; 6. Beer, Hubert, led.; 7. Sajons, Karl, led.; 8. Alborn, Heinrich, verh.; 9. Reinhardt, Hermann, verh., Fahrsteiger; 10. Dietrich, Konrad, led., Hilfssteiger; 11. Konrad, August, led; 12. Polakowski, Johann, verh.; 13. Strzelcyk, Nepomuk, verh.; 14. Czieszelski, Friedrich, verh.; 15. Stephan, verh.; 16. Kurz, Leo, ledig. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 3 Uhr, statt. Die Leichen sind noch nicht eingesargt. Sie werden fortgesetzt von Angehörigen, die sie zu erkeneen versuchen, besucht. Eine Sanitätskolonne hält die Ordnung in der Schreinerei, in der die Leichen geborgen sind, aufrecht. Die Zeche hat halbmast geflaggt, viele Häuser in Brambauer und die Kirche haben schwarze Fahnen ausgehängt. Die Ursache der Explosion. Von der 740 Mann starken Morgenschicht sind nur 397, von der 630 Mann zählenden Mittagsschicht ungefähr die Hälste angefahren. Die Gesamtbelegschaft der Zeche beläuft sich auf 1650—1700. Die erste Ursache der Schlagwetter=Explosion wird jetzt in Flöz 19, in der Hauptabteilung permutet. Es handelt sich nicht um die Stelle, auf der die Explosion im Jahre 1912, die in der Westabteilung erfolgte. Der Grund für diese Annahme liegt darin, daß man in Flöz 19 die meisten Verbrannten fand, während Flöz 21, der durch einen Teilquerschlag mit Flöz 19 verbunden ist, mehr Gerettete zu bergen vermochte. Man nimmt an, daß es sich bei den im Flöz 21 zu Tode gekommenen um Leute handelt, die durch Nachschwaden vergistet worden sind. Andere Betriebspunkte sich nicht von der Explosion berührt worden. Eine Kohlenstaub=Explosion scheint nicht vorzuliegen, da die Koksbildung auf der Zeche äußerst gering war. Das Unglücksflöz liegt etwa 1000 Meter von der Zeche entfernt, in der 3. Sohle in 600 Meter Tiese. Der Fahrsteiger Reinhardt ist anscheinend dadurch zu Tode gekommen, daß er von dem furchtbaren Luftdruck der Explosion in dem Hauptquerschlag 15 Meter weit nach Süden geschleudert wurde. Man sand hier den Deckel zu seinem Lampengestell sest ins Holz eingedrückt. Daß er seine Lempe hier aufgehängt habe, ist ausgeschlossen. Am Unglücksort. In Brambauer herrscht tiese Trauer. Auf den Straßen der kleinen Ortschaft stehen die Leute in Gruppen beieinander und besprechen die folgenschwere Katastrophe, und manche Mutter und manche Tochter kehren tränenden Auges zum Zechenplatze zurück. Die Flaggen auf den Fördertürmen sind auf Halbmast gehißt. Die 19 Leichen sind ebeenso wie bei der letzten Katastrophe in der Halle der Zechenschreinerei ausgebahrt. Sie sind auf Stroh gebettet und mit grauer Leinwand bis zur Rumpshöhe zugedeckt. Kopf, Brust und Arme sind frei. Die Leichen sind vollständig verkohlt und nur schwer erkenntlich, Haupt= und Barthaare sind abgesengt. Einem Toten ist die Kinnlade zerschmettert. Ein anderer erhebt wie zur Abwehr beide Arme. Bei jeder Leiche liegt eine Karte mit dem Namen des Toten. Die Angehörigen der Verunglückten defilierten mittags an den Leichen vorbei, wobei sich zu Herzen gehende Szenen abspielten. Handwerker sind damit beschäftigt, die Halle mit schwarzem Tuch zu drapieren. Ueber den Verbleib der drei vermißten Bergleute läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen. Wenn sie noch in der Grube sind, haben sie sicherlich den Tod gefunden. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß sie sich in der ersten Aufregung nach Hause begeben haben, ohne ihre Kontrollmarke abzugeben. Treue Kameradschaft. Wie man es in der westfälischen Bergmannschaft nicht anders gewohnt ist, so hat sich auch bei dem jetzigen Anglück wieder die todesmutige Kameradschaftlichkeit und Hilfsbereitschaft der Knappen im strahlendsten Lichte gezeigt. Gleich nach dem Bekanntwerden der Katastrophe eilten die Scharen freiwilliger Retter im Beamtenrock und Arbeitskittel an die im Revier 6 zwischen der 2. und 3. Sohle gelegene Unglücksstätte, um den gefährdeten Brüdern Hilfe zu bringen. Auch von den Zechen der Nachbarschaft,„Minister Stein",„Waltrop“ und„Adolf von Hansemann“, wurden Rettungskolonnen entsandt, die unter der Leitung der Bergrevierbeamten Bergrat Weber und Berginspektor Nömer mit Unterstützung der Königlichen Einfahrer des Reviers zu retten versuchten, was noch zu retten war. Anfangs stellten sich den opferfreudigen Männern schwere Hindernisse entgegen. Auch hier waren es wieder die gesürchteten Nachschwaden, die zunächst das Vordringen sast unmöglich machten. Mit Hilfe von Sauerstoffapparaten und anderen Vorkehrungen gelang es aber doch, schon bald eine Anzahl verwundeter Bergleute dem sicheren Verderben zu entreißen. Die Geretteten wurden über Tage von den Sanitätsmannschaften verbunden, mit Stärkungsmitteln versehen und dann dem Gemeinde=Krankenhause in Brambauer zugeführt. Beamten mit anderen deutschen Beamten möglich gemacht werden. Dringend geboten, so eißt es weiter, ist die Rückkehr zu dem früheren Verfahren der Heeresverwaltung, die elsässischen Rekrinnen nur in altdeutsche Regimenter einzustellen. Die Verfügung der Kabinettsorder vom Jahre 1903, wonach Rekruten aus Elsaß=Lothringen zum größten Teil in die reichsländischen Regimenter eingestellt werden sollten, war ein Mißgriff. Das Wichtigste aber ist die Zügelung der Hetzpresse, die es beispielsweise sertig brachte, die erwähnte Kabinettsorder so auszulegen, die Elsaß=Lothringer müßten deshalb in den reichsländischen Regimentern dienen, damit sie beim Ausbruch eines Krieges in erster Linie als Kanonenfutter verwandt werden könnten. An dem Kampfe gegen die Hetzpresse müßte sich auch die Regierung und der Reichstag beteiligen, da nicht nur französisch, sondern auch deutsch geschriebene Blätter in Elsaß=Lothringen das Menschenmögliche in der Beschimpfung des Deutschtums leisten. Weitere Forderungen des erfahrenen Beamten richten sich auf eine vollständige Wandelung in der Schulpolitik sowie auf eine bedeutende Stärkung der Finanzen Elsaß=Lothringens. Das fruchtbare Land ist infolge der Zersplitterung des Besitzes im Elsaß und der Abwanderung des Kapitals nicht so steuerkräftig, wie man erwarten sollte. Es fehlen ihm bedeutende Einnahmen aus Eigenbesitz, da die Forsten, die hierfür in Betracht kommen, noch unter den Mängeln der Waldwirtschaft unter der französischen Regierung leiden. Mit einer Steuerreform allein ist es daher nicht getan. Das Reich muß vielmehr die Zollverwaltung für Elsaß=Lothringen übernehmen, wozu es sich früher schon bereit erklärte, und einen größeren Teil aus den Einnahmen der Reichseisenbahnen als bisher an die Reichslande abgeben. Ein gesundes Elsaß=Lothringen allein wird zu einem wahrhaft deutschen Lande werden. Aus Stadt und Umgebung * Schwerte, 2. Februar. *(Schönes, mildes Wetter) breitet sich jetzt über die Fluren. Die Temperaturen liegen selbst nachts mehrere Grade über dem Nullpunkt. Der Frost hat aufgehört. Vom blauen Himmel leuchtet milder Sonnenschein. Wir gehen wieder dem Frühling entgegen; schon regt sich der neue Sast in den Bäumen. Freilich wird es an kalten Tagen auch im Februar und März nicht fehlen; aber das Schlimmste ist doch überstanden. **(Der Geburtstag des Kaisers) wurde auch am Samstag und Sonntag von mehreren Vereinen unserer Stadt in überaus festlicher Weise begangen. So waren am Samstag abend die Kampfgenossen mit zahlreichen Gästen im„Westsälischen Hof“ zur frohen Feier versammelt; im Lause des Abends brachte Herr Pferdekämper das jubelnd ausgenommene Hoch auf den obersten Kriegsherrn aus.— Im Hotel„Kaiserhof“ seierte gleichfalls am Samstag der Marine=Verein; auch hier war der Besuch ein außerordentlich guter. Den Wünschen der Festteilnehmer für das sernere Wohlergehen des Kaisers gab Herr Stiepermann leredten Ausdruck.— Der Verein ehemaliger Kameraden des 16. Armcekorps feierte im„Reiche des Wassers“, der die Menge der Gäste kaum zu sassen vermochte. Neben den vorzüglichen theatralischen Aufführungen waren es besonders die Darbietungen des Turn= und Ballspiel=Vereins, die lebhaften Beifall auslösten und viel zum guten Gelingen der Feier beitrugen. Das Kaiserhoch brachie in markigen Worten Herr Wildt=Hörde aus.— Am gestrigen Sonntag seierte der Staats=Eisenbahn= Verein im„Reiche des Wassers", dessen Saal sich, trotzdem der Verein geschlossen feierte, als viel zu klein erwies. Den Höhepunkt der schönen Feier bildete neben der begeisternden Festrede des Herrn Oberbahnhofsvorsteher Petruschke die Ueberreichung von Gedenkblättern an folgende Vereinsjubilare: Oberbahnhofsvorsteher Ansonze=Geisecke, Zugführer Krumme, die Weichensteller Henneböhle, Begemann, Bock, Paffrath, Steltmann, die Schaffmer Schreier und König, Stationsschaffner Elsenplässer und Stationsarbeiter Schulte. Im Namen der Jubilare sprach Herr Begemann den Dank für die ihnen zuteil gewordene Auszeichnung aus.— Eine kleine intime Feier, wirksam verschönt durch die Vorträge das Kapellmeisters Kümper, hatte der Verein ehemaliger 16er(Hacketauer) im Wilmsmannschen Lokal in der Mährstraße veranstaltet. Herr Lehrer Hopf gedachte in treffenden Worten des Kaisers.— Weiter feierten gestern noch der katholische Arbeiterverein St. Stefanus im„Westsälischen Hof“ und der St. Josefs=Verein im Hotel Ostermann. Alle diese Veranstaltungen nahmen einen in jeder Hinsicht befriedigenden Verlauf, und die Liebe und Treue zu Kaiser und Reich ist durch dieselben neu gestärkt und gekräftigt worden. **(Lernanfänger.) Auf die in heutiger Nummer verösentlichten Bekanntmachungen betreffs Anmeldung der Lernanfänger sei auch an dieser Stelle noch besonders ausmerksam gemacht. **(Eine empfindliche Störung) entstand heute morgen im Betriebe der Blockstation zwischen Wisthofen und der Eisenbahnbrücke unterhalb Hohensyburg. Alle Züge von und nach Hagen mußten auf der Strecke liegen bleiben, bis nach etwa dreiviertel Stunden die Störung beseitigt war. **(Populär= wissenschaftliche Vorträge.) Wie schon bekannt gegeben wurde, spricht Herr Ingenieur Frommholtz aus Dortmund am Dienstag abend im Ostermannschen Saale über„Lötschbergbahn und Lötschbergtunnel“, den neuesten Alpendurchstich, der nach sitbenjähriger Bauzeit am 28. Juni vorigen Jahres vollendet wurde und eine Verbindung des Berner Oberlandes mit Italien darstellt. Von Spiez am Thuner See ausgehend, verläuft die Bahn in einer durch viele Viadukte, Brücken und zwölf Tunnels unterbrochenen, oft in starre Felswände hineingehauenen Rampenstrecke durch das liebliche Kandertal, am Frutigen Kandersteg und dem Fuße der Blümlisalp entlang. In Kandersteg tritt sie dann in den Haupttunnel ein und mündet im Rhonetal bei Brieg. Der Vortrag wird uns nicht nur durch seine Lichtbilder in einen der landschaftlich schönsten Teile der Schweiz führen, er wird uns auch Auskunft geben über die enormen Schwierigkeiten und Gefahren, mit denen ein Bahnbau im Hochgebirge verknüpst ist. Die Bohrungen bei diesem Bahnbau stellen einen Triumph der deutschen Technik dar, da die aus dem rheinisch=westfälischen Industriebezirk gelieferten Bohrmaschinen die ausländischen Fabrikate vollkommen übertrasen und zum Schluß allein noch im Betrieb wareen. Anfang des Vortrags 8¼ Uhr. Einzelkarten 1.25 Mark, Schülerkarten 0.50 Mark. **(Ein einmaliges Gastspiel) veranstaltet das Operetten=Ensemble des Wittener Stadttheaters am Mittwoch den 4. Februar im Saale des Herrn Müller(„Altes Rathaus“). Zur Aufführung kommt die neueste Operette von Jean Gilbert„Die Kinokönigin“, die von der Direktion des Wittener Stadttheaters für eine Reihe von Städten, darunter auch für Schwerte, erworben ist. In unserer Nachbarstadt Unna gestierte das Wittener Stadttheater schon mehrmals, zuletzt am vorigen Donnerstag mit großem Erfolge. Die Musik der„Kinokönigin“ mit ihren längst populär gewordenen Schlagern„Liebliche kleine Dingerchen“, „In der Nacht, wenn die Liebe erwacht",„Ach, Amalie" u. a. ist die neueste Schöpfung des so schnell berühmt gewordenen Komponisten von Vol.nische Wirtschaft",„Autoliebchen" und„Punnchen“ Jean Gilbert. Unterstützt durch flotte Tänze und eine von Ansang bis zu Ende überaus lustige Handlung ist mit„Kinokönigin“ eine Operette geschalffen worden, die dem Zuhörer ein paar wirklich frohe Stunden verschafft und deren Erfolg alle vorangegangenen Werke dieser Art weit übertrifft. Die Aufführung des Wittener Stadttheaters ist überall vorzüglich beurteilt worden und dürfte auch hier allgemeines Interesse finden. Der Abendvorstellung voran geht um 4 Uhr nachmittags eine Kindervorstellung, bei der das Märchen„Aschenbrödel" zu kleinen Preisen zur Aufführung kommen wird. Der Vorverkauf zu ermäßigten Preisen befindet sich bei den Herren Winkelmann, Schöttler und Dorka. **(Einen Preis=Maskenball) hatte gestern der Turn= und Sportklub im Saale des Herrn Köster veranstaltet. Die aufs beste vorbereitet: W Montag, 2. Februar 1914. Nr. 27. Beilage. Vor fünfzig Jahren. Der Anfang des Krieges von 1864. Am 1. Februar 1864, also vor fünfzig Jahren, rückten 60 000 Preußen und Oesterreicher gegen die 40 000 Dänen, die im südlichen Schleswig hinter den Danewerken ein: feste Stellung eingenommen hatten, und eröffneten damit den deutsch=dänischen Krieg. Für Schleswigs Freiheit, das der neue Dänenkönig Christian IX. von dem„ewig ungeteilt" verbundenen Holstein losgerissen hatte, zog der deutsche Bund ins Feld, dem Holstein seit dem Wiener Kongreß angehörte. Der Oberbefehlshaber des preußischen und des österreichischen Korps, die unter dem Kommando des Prinzen Friedrich Karl von Preußen und des Feldmarschalleutnants von Gablenz standen, war der Feldmarschall Wrangel, einst ein schneidiger Reiterführer, nun aber mit seinen achtzig Jahren den Anforderungen eines solchen Krieges durchaus nicht mehr gewachsen. Moltke, der Chef des preußischen Generalstabes, hatde schon seit langem einen kriegerischen Zusammenstoß mit Dänemark ins Auge gefaßt und aus genauester Kenntnis der Verhältnisse heraus einen Operationsplan entworsen. Der Grundgedanko seiner Strategie, der sich dann bei Königgrätz und Sedan mit so überwältigender Großartigkeit bewähren sollte, ist hier bereits angedeutet:„Nicht ein erster Sieg, sondern dessen rastlose Ausnutzung, eine Versolgung, welche die feindliche Armee vernichtet, bevor sie ihre gesicherten Einschiffungspunkte erreicht, ist das anzustrebende, aber auch das allein erreichbare Ziel.“. Das dänische Heer, die einzige Macht, über die das Land verfügt, muß in wenigen Tagen kampfunfähig gemacht sein. Dies ist durch keine Erstürmung der stark befestigten Stellungen, sondern nur durch Amgehung möglich. Am 3. oder spätestens 4. Tage nach dem Einrücken der Verbündeten in Schleswig soll ein Korps bei Missunde oder Arnis über die Schlei gehen, um nach der Ostsee zu den Dänen den Rückzug abzuschneiden; ein zweites Korps führt das gleiche Manöver in der Richtung auf die Nordsee aus, und so werden die Dänen gleich in ihrer ersten Stellung erdrückt. Dieser geniale Gedanke erforderte rasches Handeln; aber dazu konnte sich der alte Wrangel nicht entschließen. Der Führer der Dänen, General de Meza, dessen milizartige Truppen sich am besten hinter Schanzen verteidigen konnten, stand zwar am Danewerk hinter gewaltigen, durch tiefe Moraste gedeckten Wällen; die beim Volbe in Kopenhagen für unüberwindlich galten, aber er hatte mit der Deckung Missundes und der Schlei eine überaus lange Verteidigungslinie, für die seine Streitkräfte nicht ausreichten. Der schlaue Däne wollte daher nur solange aushalten, wie es möglich war, und im letzten Moment den Kopf aus der Schlinge ziehen, um sich auf das zweite Bollwerk Dänemarks, die nicht minder starke Schanzengruppe der Düppeler Höhen, zurückzuziehen. Wrangel, der am 31. Januar mit dem Telegramm„In Gottes Namen drauf!" den Angriff befohlen hatte, wich gleich zu Anfang in einem entscheidenden Punkte von Moltkes Plan ab und unterließ das Umgehungsmanöver, weil er fürchtete, seine Kräfte zu sehr zu zersplittern. Prinz Friedrich Karl sollte zunächst die Schanzen von Missunde erstürmen, dann nach Glücksburg und von dort nach Düppel marschieren, wobei aber der alte Herr an die Existenz des dazwischen liegenden Flensburger Meerbusens nicht dachte. Auch erwog er nicht, daß die Preußen durch den Angriff auf die feste Stellung sehr aufgehalten werden würden, und als Prinz Friedrich Karl dann am 2. Februar nach einem heftigen Geschützkampf bei Missunde Amtliches Kreisblatt keinen Erfolg errang, unterstützte er ihn nicht, um nicht sein Zentrum zu schwächen. So ging denn das erste Treffmn durch Wrangels übertriebene Vorsicht den Preußen verloren, obwohl Prinz Friedrich Karl als kluger Feldherr in den Seinen das Gefühl aufrecht zu erhalten wußte, sie hätten keine Schlappe erlitten. Die Oesterreicher aber grifsen am folgenden Tage tapfer die Höhen vor den Schanzen des Danewerkes an, trieben den Feind aus dem Dorf Jogel und dann aus dem Dorf Overselk in glänzenden Bajonettangrifsen heraus und erstürmten den mit Schnee und Eis bedeckten Königshügel. Wrangel war außer sich über diese Erfolge der befreundeten Rivalen, und dachte nur daran, die von schweren Geschützen starrenden Schanzen zu stürmen. Durch das kühne Vorgehen preußischer Kundschafter stellte man fest, daß der überschwemmte Morast zwischen den Wällen gefroren und daß das Eis tragfähig sei. Der Frost vernichtete so den Schutz, den die Wasser gewährten. General de Meza erkannte wohl diese kritische Lage; er wollte das einzige Heer, das das Land besaß, nicht aufs Spiel setzen, und ordnete nach einem Kriegsrat am Abend des 1. Februar den Rückzug an, der ihm freilich von der aufgeregten Menge des dänischen Volkes schwer verdacht wurde. Es gelang den Dänen, am 5. Februar zu entkommen; sie ließen zehn schwere Kanonen in den Danewerken zurück und büßten dann während des Marsches noch zwanzig Feldgeschütze ein. Ihnen schwere Verluste beizubringen, wurde versäumt. Die Verbündeten merkten wegen ihres schlechten Vorposten= und Meldedienstes den Abzug zu spät, und die Oesterreicher konnten am 6. dem weichenden Gegner nur noch bei Oeversee ein siegreiches Rückzugsgesecht liesern. Prinz Friedrich Karl aber, der, unterstützt von seinem Stabschef Blumenthal, die Umgehung nun doch noch ausführte, vermochte durch das Zögern Wrangels den Uebergang über die Schlei bei Arnis erst am 6. Februar zu vollziehen, und auch die verzweifelten Cewaltmärsche, die er dann unternahm, um die Dänen noch einzuholen, hatten nur die völlige Erschöpfung der preußischen Bataillone zur Folge, während die Dänen glücklich in die Düppeler Schanzen gelangten. Moltke in Berlin war offiziell von den ganzen Operationen ohne Kenntnis gelassen worden; Oberst Blumenthal aber rechtfertigte seinen Operationsplan, wenn er ihm privatim als Resultat dieses ersten Aktes des Feldzuges schrieb: „Es sind wohl nur wenige Menschen imstande, einen einfachen Gedanken ebenso einfach auszuführen. Die dänische Armee tut uns den Gefallen, sich so aufzustellen, daß wir sie durch eine Umgehung in die schlimmste Lage bringen können; statt dessen rennen wir an der stärksten Stelle so energisch gegen sie an und machen ihr so bange, daß sie beizeiten zum Rückzug bläst.“ Während so die Strategen mit Recht unzufrieden waren, rief der rasche Fall des für uneinnehmbar gehaltenen Danewerkes beim Volke einen gewaltigen Eindruck hervor: Die Dänen waren wie betäubt und schrieen über Verrat; in Deutschland herrschte Jubel und Begeisterung. — „reine unversälschte Süßrahm=Tafelbutter“ hergestellt und auf den Märkten des Industriebezirks verkauft. * Rummenohl, 31. Jan.(Explosion.) In der hiesigen Sprengstoffabrik der Westdeutschen Sprengstoffwerke ereignete sich heute nachmittag gegen 3 Uhr im Menghaus eine schwere Explosion. Zwei Mann wurden verletzt. Einer derselben wurde ins Marienhospital nach Hagen eingeliefert. Er hat im Gesicht und an den Händen schwere Brandwunden davongetragen. Augenblickliche Lebensgesahr besteht nicht. Hamborn, 31. Jan.(Durch Starkstrom getötet.) Der Holländer Bosch kam auf Schacht 1 der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser“ einer mit 1000 Volt beschickten Starkstromleitung zu nahe und war sofort tot. * Lingen, 31. Jan.(Einen tragischen Abschluß) fand die Kaisers=Geburtstagsfeier im benachbarten Baccum. Ein alter Kriegsveteran, der in zwei Feldzügen mitgekämpft hatte, nahm die Parasde über den Kriegerverein ab. Er wollte noch eine Ansprache an die Versammelten richten, als er plötzlich vom Schlage gerührt wurde und tot zusammensank. Die Feier wurde sofort abgebrochen. * Haltern, 31. Jan.(Blutvergiftung.) In dem benachbarten Lippramsdorf hatte ein Landwirt beim Auseinanderschneiden des Kadavers einer Kuh, die an Milzbrand eingegangen war, eine kleine Wunde an der rechten Hand nicht beachtet. Er zog sich eine Blutvergiftung zu, an deren Folgen er im hiesigen Krankenhause bald nach seiner Einlieferung gestorben ist. Duisburg, 31. Jan.(Ein„Rauchopfer“.) Die Zigarrenhändlerin Witwe Karl Coers in Zabern(Hauptstraße) war wegen ihrer Aussage im Straßburger Prozeß, in der sie die Belästigungen der Ofsiziere durch den Zaberner Mob bestätigte, von diesem und seinen Freunden boykottiert worden. Anläßlich der Kaisers=Geburtstagsfeier einen„braunen Lappen". Lange Zeit verging, der Kellner kam nicht wieder. Schließlich erkundigte sich der Hamburger beim Wirt, wann er endlich das überschüssige Geld herausbekommen würde. Der Wirt erzählte ihm, daß ein zu gleicher Zeit in der Gastwirtschaft anwesender Bankbeamter den Tausendmarkschein als falsch bezeichnet und die Polizei telephonisch benachrichtigt hab:. In demselben Augenblick erschien auch die Polizei in Stärke von drei Mann, um den Fremden zu verhaften. Ein guter Bekannter beeilte sich indessen, seinen Hamburger Freund zu legitimieren und den Tausendmarkschein als echt anzuerkennen. Natürlich sahen die Polizeibeamten nun gern ihren Irrtum ein und ließen den Fremden unbehelligt. * Koblenz, 30. Jan.(Ein Aufsehen erregender Meineidprozeß) wurde gestern und heute vor dem hiesigen Schwurgericht verhandelt. Der Sohn der reichen Bauernfamilie Kray aus Rübenach war in einem Alimentenprozeß als Kindesvater in Anspruch genommen worden. Der 19jährige Fabrikarbeiter Dagen aus Hönningen am Rhein hatte sich der Mutter des Kray gegen Zahlung von 500 Mark als Zeuge angeboten, daß er mit dem in Betracht kommenden Mädchen in der kritischen Zeit Umgang gehabt habe. Die weisaufnahme ergab aber die Unwahrheit dieser unter Eid gemachten Aussagen. Das Schwurgericht verurteilte Dagen zu drei Jahren Zuchthaus, Ehrverlust auf die Dauer von 10 Jahren und erklärte ihn als unsähig, serner als Zeuge vernommen zu werden. * Aerdingen, 31. Jan.(Von einer Lokomotive überfahren.) Auf dem Bahnhof Friemersheim wurde heute abend ein Rangierer von einer Lokomotive überfahren. Dem Unglücklichen, der die einzige Stütze seiner Mutter war, wurden beide Beine abgefahren. Sterbend wurde er ins Krankenhaus gebracht. * Bonn, 31. Jan.(Anonyme Briefe.) Westfalen und Rheinland * Dortmund, 31. Jan.(Butterfälscher.) Das Schössengericht verurteilte den Butter= und Käsehändler Karl Pfeisser von hier wegen Nahrungsmittelsälschung zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten und 250 Mark Geldstrafe. Der Angeklagte hatte versälschte Butter, die er mit Wasser, Margarine und Kokosfett knetete, als in der Duisburger städtischen Tonhalle wurde diese Tatsache in einem kleinen Kreise der Festteilnehmer besprochen und beschlossen, der Frau 5000 Zigarren zum Preise von 15 Psennigen in Auftrag zu geben. In nächster Zeit wird also der Geruch Zaberner Zigarren die Straßen unserer Stadt durchduften. Düsseldorf, 31. Jan.(Versammlung der Arbeitslosen.) An 1000 Arbeitslose veranstalteten heute nachmittag eine Versammlung im Volkshause, in welcher die bisherigen Notstandsarbeiten der Stadt als ungenügend bezeichnet wurden. Die Versammlungsteilnehmer zogen nach der Versammlung durch die Stadt zum Schloß Jägerhof, der Wohnung des Oberbürgermeisters. Die Menge wurde durch geschicktes Eingreifen der Polizei in verschiedene Seitenstraßen gedrängt. Am Bahnhof vereinigten sich die Massen wieder, bis endlich ein großes Polizeiaufgebot die Demonstranten auseinandertreiben konnte. * Koblenz, 30. Jan.(Ein eigenartiges Mißgeschick) ist, wie aus Koblenz gaschrieben wird, dem Schauspieler Max Bayrhammer aus Wiesbaden zugestoßen. In seinem Hotel in Koblenz erschien die heilige Hermandad, um ihn in Untersuchungshaft abzuführen, weil sie ihn für einen gefährlichen internationalen Hoteldieb hielt. Der Irrtum klärte sich zum Glück bald auf, und der beliebte Künstler wurde schleunigst wieder in Freiheit gesetzt.— Einem Hamburger wäre es dieser Tage in Münster beinahe ähnlich gegangen. Man schreibt von dort: Ein Hamburger Kausmann wollte hier in einer Gastwirtschaft seine Zeche bezahlen. und da er nicht genügend Kleingeld hatte, überreichte er dem Kellner sein sämtliches Grobgeld— Zwei Studenten der hiesigen Universität, der Student der germanischen Sprache, Heinrich Leis, und der Student der Philologie, Hermann Rathke, beide aus Wiesbaden, wurden hier verhaftet. Sie hatten an den Rektor und mehrere Professoren der Universität anonyme Briefe geschrieben, in denen sie die Religion in der gemeinsten Weise verächtlich machten. Der Grund zu diesen Handlungen ist unbekannt. Ueber die unserer Kolonien äußert sich der jüngste amtliche Jahresbericht im allgemeinen besriedigt. Nirgends wurde der Landfrieden gestört; nur in Kamerun, wo die von Frankreich an uns abgetretenen Gebiete zu den festgesetzten Terminen übergeben wurden, brachen mehrsach Unruhen eingeborener Stämme aus, die jedoch stets schnell unterdrückt werden konnten. Zur Besserung der gesundheitlichen Zustände der Eingeborenen konnte mancherlei geschehen. Leider konnten der weit verbreiteten Schlaskrankheit in Kamerun noch keine Grenzen gezogen werden. In allen übrigen Kolonien und, abgesehen von der Schlafkrankheit, auch in Kamerun war der Gesundheitszustand der Eingeborenen günstig.-Die weiße Bevölkerung in den Schutzgebieten stieg.von 23 342 auf 24 389 Köpfe. Ueber die Bevölkerungs=Bewegung unter den Eingeborenen waren genaue statistische Ausstellungen noch immer nicht möglich. Die wirtschaftlichen und Handelsverhältnisse ließen namentlich infolge des Rückganges der KautKe Schicksatswalten. Roman von Max Esch. 26 Bald darauf war es in der großen Gaststube wieder ruhig und friedlich. Ullmann saß im Kreise der drei Deutschen noch einige Zeit, dann verabschiedete er sich und ließ sich sein Zimmer in dem Gasthause herrichten. Der Wirt wollte den vornehmen Gast selbst nach oben geleiten, dochlillmann wehrte ab:„Bleibt nur, Bialkewicz. Ich finde mich allein zurecht. Gute Nacht.“ Schon wollte er die Türe öffnen und nach oben steigen, als die Tochter des Gastwirts, eine blühende Schönheit, den Raum betrat. Ullmann blieb stehen und redete die den Gast ehrfurchtsvoll Begrüßende an, sein Gesicht bekam einen eigenen Ausdruck, denn das Mädchen war in der Zeit, da er nicht hier gewesen, entschieden noch schöner und voller geworden:„Nun, Petrowka, wie geht es Dir? Du siehst ja blühend aus. Das macht wohl die gesunde Luft hier. Wie alt bist Du nun eigentlich?“ „Stebzehn Jahre, Herr," antwortete statt der Angeredeten, die bis an die Haarwurzeln errötete, der Vater, über das Lob Ullmanns geschmeichelt. „Und sie muß tüchtig in der Wirtschaft mit zugreifen, denn wir verdienen hier nicht soviel, daß ich mir Dienstboten halten könnte. Und da muß mein Weib und auch die Petrowka fest zugreifen. Es geht nun mal nicht anders.“ Ullmann war inzwischen auf Petrowka zugetreten und hatte sie in die Wangen gekuiffen, dann antwortete er dem Vater:„Wenn man tüchtig zu tun hat, dann kommen einem keine törichten Gedanken. Und sie ist eben in den Jahren. Aber nun Scherz bei Seite, Bialkewicz. Ihr solltet das Mädchen in die Stadt tun. Bei ihrer Schönheit wird es Euch sicher bald einen reichen Schwiegersohn ins Haus bringen.“ Die Antwort des Gastwirts wartete er indes nicht ab, sondern Ullmann stieg die Treppe hinauf in sein Zimmer. Als er außer Hörweite war, fuhr der Wirt seine Tochter an:„Was fällt Dir dumme Gans ein, dem Herrn unter die Augen zu laufen. Hast Du nicht ein= für allemal von mir die strenge Weisung erhalten, Dich nicht sehen zu lassen, wenn er da ist?“ „Ja,“ antwortete die Tochter,„das schon. Aber ich kann nicht einsehen, was das Verbot eigentlich bedeuten soll. Der Herr ist immer so freundlich zu mir. Und wenn er hier gewohnt hat, dann hat er mir allemal, ehe er fortging, Geld gegeben, damit ich mir etwas dafür kaufe.“ „Der Teufel soll ihn und sein Geld holen,“ knurrte Bialkewicz.„Ich will nicht, daß man auf Dich mit Fingern weisen soll. Wir haben Dich ehrlich und anständig erzogen, deshalb wollen wir nicht, daß Du Dich mit dem da oben einläßt, denn dabei kommt nichts Gutes heraus. Nun, marsch, ins Bett.“ Schuell war das Mädchen, das den Zorn des Vaters nicht begriff, hinausgehuscht. Petrowka hatte den Herrn in ihr Herz geschlossen, war er doch so ganz anders, als die Männer, die sie täglich sah. Wenn sich der Herr eine Frau nahm, dann würde er sie sicher nicht mit Schlägen und Fußtritten behandeln, wie sie das vom Vater und von den Männern hier täglich sah. Mochte der Vater immerhin zanken. Sie wollte doch tun, was sie für das Richtige hielt. Ja, wenn der Herr sie in die Stadt mitnehmen wollte, dann würde sie endlich fortkommen von hier. Dann würde auch sie etwas vom Leben haben, wie die jungen Mädchen der Stadt. Und wenn der Herr wollte, dann mußte sich der Vater schon fügen. Morgen schon wollte Petrowka den Herrn bitten, dem Vater zu befehlen, sie in die Stadt zu senden. Was übrigens der Vater nur wollte. Sie war jung, und ihr Herzschlug dem feinen Herrn entgegen. Daß auch er nicht unempfänglich für sie war, hatte er ihr ja soeben gezeigt, sonst würde er sie nicht in die Wangen gekniffen haben. Und was er für Augen dabei gemacht hatte. Es durchrieselle sie noch jetzt. War denn Lieben ein todeswürdiges Verbrechen? Nein, Petrowka konnte das nicht finden, denn sonst würde doch auch der Vater die Marinka nicht küssen dürfen, des roten Mischka Braut.—— Am nächsten Tage herrschte frohes Leben in dem Lager. Die Männer und Burschen zeigten sich im Sonntagsstaate, und auch die Weiber und jungen Mädchen hatten ihre besten Gewänder angelegt, um vor dem Herrn im vorteilhaftesten Lichte zu erscheinen. Im Freien auf einer ausgerodeten Waldblöße waren aus Brettern und Balken Tische und Bänke gezimmert worden. Zu essen und zu trinken gab es in Hülle und Fülle, so daß bald alles vergessen war, was die Naturmenschen vorher bewegt hatte. Sie gaben sich eben ganz dem Augenblicke hin. Ullmann ging mit dem Verwalter und den Oberaufsehern die Reihen der schmausenden Leute entlang und munterte die Leute zum Zulangen auf. Manch bewundernder Blick von den koketten Mädchen traf ihn hier. Heute hatten die Burschen nichts dagegen, denn sie wollten schon aufpassen, daß sie ihnen nicht entschlüpfen sollten. Nachmittags trat der Tanz in seine Rechte. Wie die Männer da im wilden Takte aufstampften und ihre Tänzerinnen herumschwenkten, daß die Röcke flogen. Die Zuschauer, darunter auch Ullmann, der den Beamten statt des Bieres Wein gespendethatte, spendeten lauten Beifall. Dam trat auch Ullmann in die Reihe der Tanzenden. Mehrere Mädchen hatte er bereits zum Tanze geführt. Da sah er Marinka, die ihn kokett anlächelte. Er tanzte auch mit ihr und flüsterte dem Mädchen heiße Liebesworte zu. Immer ausgelassener wurde die Stimmung, je mehr der Tag zur Rüste ging, so daß die Beamten ein bedenkliches Gesicht machten. Denn diese trunkene Schar war schließlich zu allem fähig, wenn jetzt irgend etwas dazwischen kam, das ihren Zorn (perautterberter Burmeister hatte mit Friedrich und Runge eine unauffällige Unterredung, dann entfernte sich der letztere und kam bald darauf wieder. Er hatte in einem Pakete vier geladene Tascheurevolver aus der gemeinschaftlichen Wohnung geholt, die er den Kollegen unauffällig zusteckte, damit man auf alle Fällegerüstet war. Wo nur Ullmann sein mochte, für den der vierte Revolver bestimmt war. Niemand hatte ihn seit einer Stunde gesehen. Unauffällig wurden die polnischen Unteraufseher von Burmeister auf die Suche gesandt, aber sie kamen zurück, ohne den Vermißten gefunden zu haben. Einer meldete, daß auch Marinka, des roten Mischka Lieb, verschwunden sei. Die drei Deutschen sahen sich bedeutungsvoll an. Wenn das nur zu einem guten Ende führen wird, dachten sie und sahen sorgenvoll den weiteren Ereignissen entgegen. Noch schien Mischka, der tapfer dem Biere und dem Wudki zusprach, nichts davon zu wissen, aber wenn der Trunkene etwas von dem Vorfall wahrnahm, dann mußte der Sturm losgehen, und fraglich war es, was die paar Aufseher, selbst wenn man sich auf die polnischen Unteraufseher verlassen konnte, gegen die sinnlose, rasende Masse ausrichten wollten, war man doch zudem gar nicht so fest von der Treue der Unterbeamten überzeugt. Vor allen Dingen mußte Ullmann gefunden und Marinka wieder herbeigeschafft werden. Burmeister, Friedrich und Runge begaben sich deshalb gemeinschaftlich auf die Suche, im Walde fanden sie keine Spur von den beiden. Dann beguben sie sich nach den Häusern. Zuerst betraten sie die Kammner Marinkas, aber die war leer, nur die aus Lumpen gebildete Lagerstätte und ein paar Röcke, die an den Wänden hingen, zeigten sich ihren Auger Das Wirtshaus war verschlossen, denn der Wirt hatte ja draußen mit Frau und Tochter alle Hände voll zu tun, 200,10 schukproise zu wünschen Abrig, Auch Arbeitermangel sich in einzelnen Kolonien bemorkbar. Die Plantagenwirtschaft war jedoch noch recht günstig, da sich im Betriebsjahre die niedrigeren Kautschukpreise noch wenig geltens machten, Pflanzungen und Export von Bananen machten gute Fortschritte. Der Diamantenabbau in Südwestafrika wurde bedutend gesteigert, der auswärtige Handel sämtlicher Schutzgebiete von 240 auf 263 Millionen Maik erhöht. Die Finanzlage war in allen Kolonien günstig, die mit Staatsmitteln reich ausgestaltete Landwirtschaftsbank in Südwestafrika vermag den Geldbedarf der Farmer in dankenswerter Weise zu decken. Das Eisenbahnnetz wurde weiter ausgedehnt und rentierte sich infolge des gestiegenen Güterverkehrs zur Zufriedenheit. Sicherheit zur See. Ein für die gesamte Weltschiffahrt hochwichtiges Werk hat soeben seinen Abschluß gefunden. Die internationale Konferenz, an der seit dem 12. Novomber des vergangenen Jahres 113 Abgeordnete aller bedeutenden schiffahrttreibenden Länder teilgenommen haben, hat ihre Beratung über die zukünftigen Sicherheitsmaßregeln zur See beendet und den Entwurf der 74 Artikel den einzelnen Regierungen zur Prüfung und Unterzeichnung zugestellt. Es handelte sich hier um jene internationale Zusammenkunft, die im Anschluß an die schreckliche „Titanic“=Katastrophe des letzten Jahres vom deutschen Kaiser angeregt und von England, als der bedeutendsten Seemacht der Welt, nach London einberufen worden ist. Die ersten Sachverständigen und Fachleute aller Länder waren dabei in ernster, unermüdlicher Arbeit unter dem Vorsitze des englischen Lords Mersey beteiligt und haben in verschiedenen Einzelgruppen die Besserungsvorschläge und Sicherheitsmaßregeln geprüft. Es wurde ein Gesetz ausgearbeitet, das von allen Schiffahrtsnationen angenommen, durchgeführt und überwacht werden muß. Darin liegt auch seine Bedeutung. Am wichtigsten ist wohl die Bestimmung, daß auf allen Schiffen, gleichviel ob Passagier= oder Lastdampfer, die mehr als 50 Personen an Bord haben, Apparate für drahtlose Telegraphie eingeführt werden müssen. Gerade diese Sicherheitsmaßregel hat sich bei dem letzten Schiffsunglück, der„Volturno"=Katastrophe, als überaus wertvoll erwiesen. Ferner hat jedes Schiff mit allen, dem modernen Stande der Schiffsbautechnik angepaßten Schutzvorrichtungen gegen Zusammenstöße, Havarien usw.— also namentlich wasserdichten Schotten— versehen zu sein. Rettungsboote müssen für die ganze Bemannungs= und Passagierzahl vorhanden sein. Sie können zwar bei den größten Schiffstypen durch Flöße, die sich neuerdings als praktisch erwiesen haben, bis zur Ziffer von 25 Prozent der an Bord befindlichen Menschen ersetzt werden. Sehr bedeutsam ist auch die Einrichtung eines Eisbergüberwachungsdienstes in den nördlichen und südlichen Zonen des Weltmeeres.— Die Konvention muß von den einzelnen Staaten bis zum 31. Dezember dieses Jahres unterschrieben sein. Mit dem 1. Juli 1915 soll sie in Kraft treten. — Verwickelte Verwandischaft Under den preußischen Magnaten darf man den fast 78jährigen Fürsten Gebhard Blücher von Wahlstatt, den Enkel des Marschalls Vorwärts, zum mindesten ein Original nennen, ohne sich einem Widerspruche auszusetzen. Trotzdem der Fürst große Besitzungen in Schlesien sein eigen nennt, hat er seinen Wohnsitz nach London verlegt; feitdem ruht die Stimme, die ihm auf Grund erblichen Rechtes im preußischen Herrenhause zusteht. Zweimal Witwer, erst von einer Prinzessin Lobkowitz, dann von einer Gräfin Perponcher, verheiratete sich Fürst Blücher von Wahlstatt, fast 60jährig, zum dritten Male 1895 in St. Petersburg mit der damals achtzehnjährigen Prinzessin Wanda Radziwill, einer Tochter der einst vielgenannten Prinzessin Katharina Radziwill, der Freundin von Cecil Rhodes. Aus dieser dritten Ehe sind inzwischen noch drei Kinder hervorgegangen. Nun aber meldet der neue gothaische Hofkalender für 1914, daß sich im vorigen Jahre, am 11. Januar 1913, der einzige Sohn zweiter Ehe des Fürsten, der 1899 geborene Graf Lothar Blücher von Wahlstatt, mit der 1876 geborenen Prinzessin Luise Radziwill vermählt hat, - die eine ältere Schwester seiner Stiefmutter ist. Die Folgen dieser merkwürdigen verwandtschaftlichen Verbindung zwischen Vater und Sohn sind höchst seltsamer Art. Fürst Blücher und sein Sohn sind Schwäger und Graf Lothar ist der Onkel seiner jüngeren Geschwister, außerdem aber auch, als Gemahl seiner Tante, sein eigener Onkel geworden. Wird ihm ein Sohn geschenkt, so ist er demnach dessen Großonkel und zugleich dessen Vetter, der Sohn wird der Neffe seines Großvaters sein usw. läßt sich zwar nicht verkennen, daß die Spannung zwischen Athen und Konstantinopel eine gewisse Schärfe angenommen hat; andererseits sind jedoch so viele Einflüsse am Werke, um einen kriegerisschen Ausbruch zu verhindern, daß mit der Aufrechterhaltung des Friedens gerechnet werden darf. Schon die Abwesenheit des griechischen Ministerpräsidenten von seiner Heimat läßt vermuten, daß Entschließungen von so folgenschwerer Tragweite im Augenblick nicht zu erwarten sind. Auch die europäische Diplomatie nicht zuletzt, die deutsche ist eifrig bemüht, einen Ausgleich der Gegensätze herbeizuführen. Rumänien seinerseits, das bei dem mühsam errungenen Friedenswerk vor wenigen Monaten eine ausschlaggebende Rolle gespielt hat, dürfte auch jetzt nicht geneigt sein, ohne Not von neuem den Frieden gefährden zu lassen, den die Völker der Balkanhalbinsel, gleichgültig, ob sie an dem griechisch=türkischen Streit mittelbar oder unmittelbar interessiert sind, zur Festigung ihres Besitzstandes und zu ihrer inneren Erstarkung so notwendig gebrauchen. Auch daß Bulgarien bereit sein sollte, schon jetzt die von bulgarischen Politikern in Aussicht gestellte Auseinandersetzung mit Griechenland vorzunehmen, muß füglich bezweifelt werden, da dann vermutlich sofort Serbien auf den Plan gerufen würde und die politische Exzistenz Bulgariens sich in diesem Falle von neuem schweren Erschütterungen ausgesetzt sähe. Rechnet man die finanzielle Zerrüttung der in Betracht kommenden Staaten hinzu, so kann der Pessimismus, der sich hinsichtlich der Lage auf dem Balkan in verschiedenen europäischen Zentren bemerkbar macht, nicht geteilt werden. —— Handel und Verkehr. werden. Obgleich das sunge Mädchen, darum bat, ihre geringe Vorstrafe nicht zu verlesen, wurde bekanntgegeben, daß sie vor längeren Jahren im jugendlichen Uebermut wegen eines geringfügigen Diebstahls eine Vorstrafe erlitten hat. Als diese Strafe verlesen wurde, versuchte die Zeugin, sich die Pulsadern zu öffnen. Sie brachte sich eine tiese Schnittwunde am Handgelenk bei und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Das junge Mädchen glaubte seine Stellung gefährdet, wenn seine Vorstrafe bekannt werden würde. ( Von dem Phonogramm=Archiv des Deutschen Museums, das u. a. bekanntlich die Stimmen des Kaisers und der deutschen Bundesfürsten enthalten soll, berichten die„Münch. N. N.“ noch allerlei Interessantes. Auch des Reichskanzlers v. Bethmann Hollweg Stimme ist bereits verewigt worden, ebenso die unseres wackeren Zeppelin. Edison, dessen genialer Erfindung die Errichtung des PhonogrammArchivs ja erst zu danken ist, war gleichfalls ins Auge gesaßt, jedoch ist die Aufnahme schwer oder unmöglich, da Papa Edison von der Ueberlieferung seiner Stimme an die Nachwelt nichts wissen will und die früheren Platten mit seinem„Stimmporträt“ zurückgekauft hat, um sie zu vernichten. Auch beim Kaiser Franz Joseph von Oesterreich ergaben sich ähnliche Schwierigkeiten, da auch er von solchen Aufnahmen nichts wissen will. Die kaiserliche Familie selbst hatte sich ins Mittel gelegt, aber alles war vergebens, Kaiser Franz Joseph wollte nicht in den Aufnahmeapparat sprechen. —— Das Programm der japanischen Kaiserkronung. Besteht eine Kriegsgefahr auf dem Balkan? Verschiedene Blätter haben in den letzten Tagen das Gespenst eines neuen Balkankrieges an die Wand gemalt. Begreiflicherweise verursacht eine solchs Nachricht in weiten Kreisen lebhafte Erregung. In Berliner diplomatischen Kreisen wird, wie wir erfahren, die Kriegsgefahr auf dem Balkan nicht für unmittelbar drohend gehalten. Es Westfälische Kreditanstalt in Liqu. In der ordentlichen Generalversammlung vertrat ein Aktionär 350 000 Mark Aktienkapital, der den Bericht der Liquidatoren, die Bilanz und die Gewinn= und Verlust=Rechnung genehmigte, sowie den Liquidatoren und dem Aufsichtsrat Entlastung erteilte. In dem Bericht der Liquidatoren heißt es, Gläubiger in laufender Rechnung und Hypothekargläubiger sind noch in Gesamthöhe von 100 000 Mark zu befriedigen. Die Aussichten zur Erreichung dieser Aufgabe haben sich im abgelaufenen Jahr hauptsächlich infolge des gänzlichen Darniederliegen des Grundstücksmarktes, allerdings nicht erheblich verschlechtert; auf Immobilienkonto war eine weitere Abschreibung in Höhe von 10 432 Mk. erforderlich. Es ist noch der Ausgang von 2 Prozessen, sowie die Ausschüttung der Masse in einigen Konkursen abzuwarten, falls nicht der Gesamtverkauf der restlichen Aktien gelingen wird. Dem Liquidator stehen an Masse noch 102 405 Mark nach der Bilanz zur Verfügung, während die noch zu befriedigenden Gläubiger 100 788 Mark zu fordern haben. Ein glänzendes Resultat hat die Zeichnung auf die 4prozentige preußische Anleihe von 350 Millionen gehabt. Es wurden 25 Milliarden gezeichnet, d. i. das 70fache des Betrages. Dieses ungewöhnlich günstige Ergebnis ist ein Beweis dafür, daß das Publikum, durch bittere Erfahrungen mit hochverzinslichen Auslands= oder unsicheren Industriepapieren gewitzigt. sich mit Ernst der Anlage seiner Ersparnisse und Kapitalien in sicheren Staatspapieren zuwendet. Der phänomenale Erfolg der jüngsten PreußenAnleihe ist voraussichtlich der erste Schritt zur Hebung des Kursstandes unserer Reichs= und Staatsanleihen. An den deutschen Börsen herrschte auf Grund des Zeichnungsergebnisses Haussestimmung. Bunse Chronik )( Eine Kugel aus der Schlacht bei St. Privat. In Kirberg(Kreis Limburg) wurde der Gerbereibesitzer Leber, ein Veteran von 1870=71, von einer Kugel operiert, die er in der Schlacht von St. Privat erhalten hatte. Leber war seinerzeit mit Erfolg behandelt worden. Seit einiger Zeit aber machten sich bei ihm stacke Schmerzen in der Schulter bemerkbar. Die Untersuchung der Aerzte ergab, daß in der Schulter noch ein ziemlich großer Kugelsplitter saß, der jetzt nach 43 Jahren entfernt wurde. )( Französische Mogeleien. Ein recht interessanter Zank wird augenblicklich zwischen dem Komman“ deur des 20. französischen Armeekorps, General Foch, und der städtischen Verwaltung in Luneville ausgesochten. Der General hat gegen die Stadtverwaltung Strafantrag gestellt, weil die Wasserproben für die Kasernen in betrügerischer Absicht mittels Lauge keimfrei gemacht worden seien, während in dem zum Verbrauch benutzten Wasser die Keime nicht zerstört worden seien. Daraus erklärten sich die vielen Typhussälle der letzten Zeit in der Garnison. Das Luneviller Wasserwerk muß jetzt eine kostspielige Kläranlage errichten. 1 Japanischer Landzuwachs infolge des— Erdbebens. Infolge der vulkanischen Ausbrüche hat sich in einer Entfernung von 8 Kilometern von den japanischen Boni=Inseln eine neue Insel gebildet, die eine respektable Größe besitzt. Vorläufig besteht die neue Insel natürlich nur aus kahlem Felsgestein und sandigem Boden, der deutlich zeigt, daß er bis dahin Meeresboden gewesen ist. Die neue Insel wurde jedoch schon feierlich als japanischer Besitz erklärt. Eine Tragödie im Gerichtssaal. Vor dem Schwurgericht in Amberg sollte eine 25 Jahre Kassiererin aus Nürnberg als Zeugin vernommen Die Kommission, die beauftragt ist, die Vorbereitung für die Krönung des neuen Kaisers Taish zu treffen, ist vor einigen Wochen ernannt worden, und hat jetzt in großen Zügen das Programm der Festlichkeiten aufgestellt. Der neue Mikado wird im Herbst dieses Jahres die feierliche Bestätigung seiner Würde empfangen, die er schon jetzt trägt, und durch eine große religiöse Zeremonie in den Kreis seiner erlauchten Vorfahren ausgenommen werden. Man vermutet, daß es religiöse Rücksichten sind, die die japanische Regierung veranlaßt hat, die Krönung so lange aufzuschieben. Würde man nämlich nicht so lange warten, so müßte man zu den Opfern, die aus diesem Anlaß dargebracht werden, Reis benutzen, der noch während des Trauerjahres gepflanzt ist. Nach den uralten Anschauungen der Shinto=Religion über die befleckende Wirkung, die durch den Tod hervorgerufen wird, wäre es aber unziemlich, solchen im Todesjahr des früheren Mikado gewachsenen Reis bei den Kultseierlichkeiten zu verwenden. Es darf nur Reis benutzt werden, der diesem Jahr, dem ersten der Regierung des neuen Herrschers entstammt, und der ist erst im nächsten Herbst vorhanden. Schon aus diesen Erwägungen erhellt der streng religiöse Geist, in dem die Krönung vollzogen wird. Und aus dieser mystischen, sich streng absondernden Sphäre des Kaiserhofes ist auch die Tatsache zu erklären, daß man sich entschlossen hat, an die fremden Regierungen nicht die Aufforderung zu richten, sich bei der Zeremonie durch Sondergesandtschaften vertreten zu lassen. Nur die diplomatischen Vertreter der fremden Mächte, die beim Hofe des Mikado akreditiert sind, werden an zweien der Zeremonien teilnehmen, die durch drei Wochen hindurch stattfinden. Man gibt als Grund dafür, daß keine fremden of;iziellen Gäste eingeladen werden, den deutlich ausgesprochenen Wunsch des verstorbenen Kasssers an. Jedenfalls gibt es in der heiligen Stadt von Kioto, die an japanischen Palästen so reich ist, keine Stätte, die für den Aufenthalt von Europäern geeignet wäre und den Ansprüchen eines modernen Abendländers genügen könnte. Der wichtigste Beweggrund ist aber wohl der streng religiöse Charakter des Krönungsfestes, das als eine große nationale Veranstaltung für das japanische Volk geplant ist. Die Feierlichkeiten werden drei Wochen in Anspruch nehmen und eine imposante Entsaltung altjapanischen Eeistes darstellen. —— Oberschlesischer Humor. In richtiger Erkenntnis dessen, daß auch der Humor zu den registrierungswürdigen Aeußerungen der Volkseigenart gehört, bringt die in Kattowitz erscheinende und von Prof. Knötel herausgegebene Monatsschrift„Oberschlesien“ in ihrem Januarheft einige von Max Paduch gesammelte Proben oberschlesischen Humors. U. a. lesen wir da folgende Briefadressen: „An das Wohlliebliche Amtsgericht", „An das Ober Vormonds Gericht", „An Königl. Schöpfen Gericht". „An das Königl. Gerichtsgebäude“. Das Königl. Amtsgericht in N. bekam einmat folgende Zuschrift aus Laband:„Auf die Anfrage, ob meine Schwiegermutter Frau. noch lebt, teile ich dem Nachlaßgericht mit: Sie lebt noch Ja sie lebt!“ Besonders nett ist folgendes Geschichtchen: Der König von Württemberg, der bei Carlsruhe(Oberschlesien) Güter hat, führt einen Prozeß gegen den Bauer Krzistetzko. Im Flur des Gerichts steht ein Mann mit Pelz und Pudelmütze, der den Terminaushang liest. Der Gerichtsdiener ruft aus: „König von Württermberg contra Krzistetzko!“ Der Mann, der den Aushang liest, geht nach dem Aufruf auf den Gerichtsdiener zu. Worauf ihn der Gerichtsdiener mit würdiger Amtsmiene fragt: „Sind Sie der König von Württemberg oder ind Sie der Krzistetzto2. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerie Bekanntmachung, Die Hufbeschlagprüsungen vor der staatlichen Prüfungskommission für den Regierungsbezirk Arnsberg sinden regelmäßig im ersten Monat eines jeden Vierteljahres statt. Die weiteren Angaben über die Zeit, den Ort und die Schmiede werden den Prüflingen durch Ladung bekannt gegeben. Für die Prüsung gelten die im Regierungs=Amtsblatt Stück 41 von 1904 unter Nr. 1327 veröffentlichten Vorschriften für Hufbeschlag. Den hiesigen Negierungs= und Veterinär=Rat Blome, welcher als mein Kommissar an den Prüfungen teilnimmt, habe ich zum Vorsitzenden der aus 3 Mitgliedern bestehenden Prüfungskommission ernannt. Der Meldung zur Prüfung, welche an den genannten Vorsitzenden zu richten ist, hat der Prüfling folgende Nachweise beizufügen: 1. Die amtliche Bescheinigung, daß er das 19. Lebensjahr vollendet hat(Geburtsschein). 2. Die amtliche Bescheinigung, daß er mindestens die letzten 3 Monate vor der Meldung im Bezirke der Prüfungskommission sich aufgehalten hat. 3. Die Versicherung, daß er innerhalb der letzten 6 Monate einer Hufbeschlagprüsung nicht erfolglos sich unterzogen hat. 4. Die Bescheinigung über die erlangte technische Ausbildung. Der Vorsitzende entscheidet über die Zulassung zur Prüfung und beruft die Prüflinge zur Prüfung ein. Im Falle der Zulassung hat der Prüfling 10 Mark Prüfungsgebühr porto= und bestellgeldgebührenfrei an die Königliche Regierungs=Hauptkasse in Arnsberg mit dem Vermerk„Gebühr für Hufbeschlagprüfung“ einzureichen. Von der erfolgten Einzahlung der Gebühr setzt der Prüfling den Vorsitzenden durch Einsendung des Posteinlieferungsscheines, mit seiner Namensunterschrift versehen, in Kenntnis. Die Prüsungsgebühr ist verfallen, wenn der Prüfling ohne genügende Entschuldigung im Termin nicht erscheint oder die Prüfung nicht besteht. Bei nachgewiesener Bedürftigkeit kann die Gebühr ganz oder teilweise erlassen werden. Zur Prüsung hat der Prüfling ein Rinnmesser und einen Unterhauer mitzubringen. Das übrige Handwerkszeug, die Schmiedeeinrichtungen und die nötigen Pferde werden von der Prüfungskommission zur Verfügung gestellt. In besonderen Fällen kann die Kommission auf Antrag eines oder mehrerer Prüflinge auch außerhalb der regelmäßigen Vierteljahrstermine und Ergänzungstermine eine Prüfung abhalten. Die Kosten solcher Prüfungen sind von denen, welche sie beantragt haben, zu gleichen Teilen zu tragen. II. Ich mache ferner darauf aufmerksam, daß, abgesehen von den Schmiedeinnungen in Gelsenkirchen, Bochum und Witten, in den unter tierärztlicher Leitung stehenden Hufbeschlaglehranstalten zu Herdecke a. d. Ruhr: Lehrschmiede von Duhme, zu Dortmund: Lehrschmiede von Wagener, und zu Niedermarsberg: Lehrschmiede von Köhler, alljährlich mehrere, bis 3(drei) Monate dauernde theoretisch= praktische Kurse über Hufbeschlag stattfinden. Die Kurse schließen mit einer Prüfung ab, welche gleich wie die staatliche Prüfung vor einer aus drei Mitgliedern bestehenden Kommission unter dem Vorsitz des Regierungs= und Veterinär=Rats Blome zu Arnsberg abgelegt und durch deren Bestehen ebenfalls die Berechtigung(Zeugnis) zur selbstständigen Ausübung des Husschlaggewerbes erworben wird. Meldungen sind an die betreffenden Anstalten zu richten. Der Besuch dieser Anstalten ist sehr zu empfehlen. Arnsberg, den 14. Januar 1914. Der Regierungspräsident: I. V. Gisevius. ecier am Sohlages die meme vorziürticht # 0 Mtt „Elgalche 8299 0 Lamotn OS Drscen deud sche Sporrhesicker 9# 2 S S9 9 5 ## SE. S 3 bi 3 SgE. S a SSen 5 8 e 88 85 8 S 85 * 8 E* 5 Fazg. B F 9.— S a S SE 8 0: STOmS * F ** S. S 2 3 5 S 5 *• * 3 SS S 5 S 8 3 ## e IS redigiert von Lotte Sonntag. Die Gründung Roms. Als nach dem Fall von Troja Aeneas mit den Seinigen geflüchtet war, wandte er sich nach Italien, wo sein Sohn Askanius am Fuße der Albaner Berge eine neue Stadt, Alba Longa, baute. Einer seiner Nachkommen war Amulius, der seinen älteren Bruder Numitor vom Thron stieß und dessen Sohn tötete. Die Tochter, Rhea Silvia, machte er zur Priesterin der Vesta, weil sie als solche unvermählt bleiben mußte. Aber der Kriegsgott Mars vermählte sich heimlich mit ihr, und sie wurde die Mutter der Zwillinge Romulus und Remus. Auf Befehl des Amulius wurden die hilflosen Knäblein am Flußufer ausgesetzt. Hier wären sie wohl elend umgekommen, hätte sich nicht ein wildes Tier barmherziger gezeigt als die Menschen und sich der Kinder angenommen. Eine Wölfin säugte die Kleinen und rettete sie so vor dem Verhungern. Bald darauf wurden sie von dem Hirten Faustulus aufgefunden und von ihm zu seiner Frau Acca gebracht, wo sie als die eigenen Söhne des Ehepaares erzogen wurden. Als die Knaben zu Jünglingen herangewachsen waren, brachen einmal Hirten des Numitor in die Herden des Faustulus ein und führten einen Teil derselben als Beute fort. Da riefen die Jünglinge eine Anzahl ihrer Gefährten zusammen und jagten den Räubern ihre Beute wieder ab. Kurze Zeit darauf rächten diese sich, indem sie die beiden während eines Opferfestes überfielen und Remus mit sich fortschleppten. Sie beschuldigten ihn dann fälschlich bei Numitor, er sei “ in ihre Herden eingebrochen. Da begab sich sein Pflegevater zu Numitor und sagte diesem, daß die Jünglinge nicht seine Söhne, sondern die der Rhea Silvia seien. Numitor war auss höchste erfreut und erzählte seinen Enkeln von den Freveltaten des Amulius. Romulus und Remus ergrimmten darüber und beschlossen, Rache zu nehmen. Wieder sammelten sie ihre Gefährten und drangen mit diesen in hellen Haufen in die Königsburg. ! Sie erschlugen den Amulius und hoben ihren Großvater 1 Numitor wieder auf den Thron von Alba Longa. Zum 1 Lohn dafür schenkte er ihnen das Stück Land, auf dem sie ihre Herden geweidet hatten, damit sie dort eine Stadt gründen sollten. Eifrig machten die Brüder sich an die Arbeit, und aus der ganzen Gegend kamen Leute herbei, um ihnen beim I. Bau zu helfen. Bald erhoben sich auf dem palatinischen Hügel zahlreiche Lehmhütten, mit Schilf und Stroh gedeckt, die den Anfang der neuen Stadt darstellten. So weit war alles gut gegangen, aber als man daranging, der Stadt einen Namen zu geben, konnten die Brüder sich nicht einigen; denn jeder von ihnen wünschte, die Stadt nach seinem Namen zu nennen. Da der Streit sich nicht “ anders schlichten ließ, beschlossen sie, ihn durch den Vogelflug zu entscheiden. Sie stellten sich auf zwei Hügeln auf und warteten auf ein Zeichen der Götter. Zuerst sah Remus sechs Geier an sich vorüberfliegen, gleich darauf aber erschienen dem Romulus unter Donner und Blitz die doppelte Anzahl. Jeder der Brüder glaubte nun, die Götter hätten für ihn entschieden; Remus, weil er die Vögel zuerst gesehen; Romulus, weil er zwölf geschaut. Der Streit entbrannte von neuem, und Remus, ärgerlich darüber, daß Romulus Sieger sein wollte, suchte den Bruder dadurch zu verspotten, daß er über die niedrige Stadtmauer sprang. Da übermannte den anderen der Zorn, und er erschlug Remus, wobei er ausrief:„So wird es jedem ergehen, der über meine Mauer zu setzen wagt!“ Hierauf nannte er die neue Stadt Roma und erklärte sich zum König derselben. 2 Das hölzerne Pferd. Im Trojanischen Krieg, von dem ihr sicher schon alle gehört habt, hatten die Griechen bereits viele ihrer großen Helden verloren, und zuletzt auch den größten, den gewaltigen Achilleus, und noch immer wollte es ihnen nicht gelingen, die Stadt Troja zu bezwingen. Endlich erreichten sie durch List, was sie durch die Tapferkeit ihrer Helden bisher nicht erreicht hatten. Auf den Rat des Odysseus bauten sie ein ungeheures hölzernes Pferd, in dessen hohlen Leib durch eine geschickt versteckte Tür Odyssens, Menelaus und noch sehr viele andere Helden hineingestiegen waren. Nachdem dies geschehen, brachen die Griechen ihre Lager ab und eilten auf ihre Schiffe, damit die Belagerten glauben sollten, sie wollten nach Hause segeln. Das hölzerne Pferd aber ließen sie stehen. Die Trojaner sahen die Feinde nach den Schiffen ziehen und kamen in Strömen hinaus vor die Tore der Stadt, um den Wunderbau zu betrachten, der sie schon längst neugierig gemacht hatte. Alles drängte sich um das Tier, und während sie überlegten, was es wohl damit auf sich haben könne, brachten ein paar Hirten einen Griechen, den sie am Meeresstrande gefangen hatten. Sofort bestürmte man ihn mit Fragen, was denn das mit dem Pferd für eine Bewandtnis habe. „Das ist ein tiefes Geheimnis," versetzte der schlaue Grieche,„aber wenn ihr mir das Leben und die Freiheit schenken wollt, dann will ich es euch verraten.“ Mi versprach es ihm, und er erklärte:„Das Pferd haben meine Landsleute den Göttern zu Ehren gebaut, damit sie ihnen eine glückliche Heimfahrt bescheren. Nach unserem Glauben bringt ein solches Pferd Glück, und wenn ihr gescheit seid, bringt ihr es in eure Stadt, dann wird sie unüberwindlich sein. Um euch daran zu verhindern, ist es so groß gebaut worden, daß es nicht durch die Stadtmauer geht.“ Wenn auch der Priester Laokoon warnte, die Trojaner glaubten ihm nicht, sondern brachen ein großes Stück aus der Stadtmauer, um das Pferd unter den größten Schwierigkeiten in die Stadt hineinzubringen. Aber natürlich hatte der gefangene Grieche sie belogen. Des Nachts, als alles in der Stadt ruhig schlief, rückten die Griechen wieder vor die Tore, die im Pferd eingeschlossenen Männer stiegen heraus, öffneten ihnen, und mit wildem Kriegsgeschrei drangen die Feinde in die Stadt. Jetzt sahen die Trojaner ein, daß der Priester recht geraten hatte, aber es war zu spät. Bald stiegen an allen Ecken die Flammen empor, und in allen Straßen und Gassen wütete wilder Kampf. Schneil war der Untergang der Stadt besiegelt, und nur wenige konnten sich retten, die anderen wurden getötet, darunter auch der König Priamus mit seinen Söhnen. Die Königin aber, ihre Töchter und andere vornehme Frauen wurden als Sklavinnen mit auf die Schisse geschleppt. 85 Rm S# 2 8 R 8 6 7 8 3 —5• E: 5 7 ** K 25 S S 8 S 6 * ## S F s 5 * e ** S S 8 23 7 2. S RES ..* 95 S S 93 5 S 2. 21 50 5.“ SSFS-IESG: 9::.:*" * 9 5: g27 „*„"* F 8 — S S 8 S— R 2 e FoE B 55g * für den Kreis börce 45. jabrgang O Grites und Seltes Cagesorgen des Kreilen.# Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 27. Montag, 2. Februar 1914. 1 Aus Mindeelleoe. Novellette von Karl Orth. —..(3. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) 7(eber mich war eine Empfindung gekommen, als ob in mir plötzlich alles erstorben sei, als ob statt des Herzens eine starre, leblose Masse in meiner Brust läge. Es mag hart genug geklungen haben, als ich erwiderte:„Fürchten Sie nichts, Fräulein von Hassenstein! Ich kann bei Ihrem Herrn Vater schon deshalb nicht zum Verräter an Ihnen werden, weil ich schwerlich in die Lage kommen werde, den Herrn Major noch einmal zu sehen. Ich werde D. noch heute verlassen, und ich kam nur, um mich zu verabschieden. Leben Sie wohl, gnädiges Fräulein!“ Ich weiß nicht, ob sie mir geantwortet hat, ich erinnere mich nur noch des traurigen Blickes, dem ich begegnete, während ich die Tür hinter mir zuzog. Und dann erinnere ich mich aus den Geschehnissen jenes Tages an nichts mehr, als an die dumpfe Verzweiflung, in der ich meine Vorbereitungen zur Abreise traf, an das namenlose Weh, das mir die Seele zerriß, als ich von meinem Wagenfenster aus die Türme der Stadt in der Ferne verschwinden sah, der Stadt, in der ich alles zurückließ, was mein armes, einsames Leben mit Licht und Wärme hätte erfüllen können. Wochen und Monate gingen dahin, ohne meinem kranken Herzen Genesung zu bringen. Ich hatte eine lange Reise gemacht, aber das Bild der verlorenen Geliebten hatte mich bis in die weiteste Ferne begleitet. Ich war nach Berlin zurückgekehrt, um mich in ein Meer von Arbeit zu stürzen, aber die grausam schmerzliche Erinnerung an Lotte von Hassenstein hatte mich nicht für die Dauer einer einzigen Stunde verlassen. Wenn meine Bekannten mich vorher für einen weitscheuen Sonderling gehalten hatten, so hielten sie mich jetzt ohne Zweisel für einen, der von wirklicher Verrücktheit nur noch um ein sehr Geringes entfernt war. Die Menschen, und namentlich die Frauen, waren mir geradezu verhaßt geworden, ich ging der Berührung mit ihnen aus dem Wege, wo immer ich konnte, und wer weiß, zu welchen Torheiten mein trauriger Gemütszustand mich getrieben haben würde, wenn mir nicht ein Tröster und Retter geworden B. Es war der siebenjahrige Junge meiner Wirtin, ein wohlerzogener, liebenswürdiger Knabe, der mit großer Liebe an mir hing. Das Geplauder dieses Knaben, das Eingehen auf seine kindlichen Interessen halfen mir besser als meine Bücher und als die wohlgemeinten Ablenkungsversuche der Freunde über manche trübe Stunde hinweg, und wenn ich jemals meinen Kummer für eine Weile ganz vergaß, so war es auf den Spaziergängen, die ich in Gesellschaft Edmund unternahm.„. znge Pr.ch m Bei einem dieser Spazierguuge olieb mein junger Freund vor einem mit grellbunten Plakaten behangten Hause stehen und meinte so recht aus tiefstem Hergen-, grunde:„Ach, wenn ich doch noch ein einziges Mal in den Kino dürfte! Einmal war ich drinnen. De war das Schönste, was es überhaupt gibt.“ Ich selber hatte mir ja schon öfters die Vorführungen eines sogenannten Kinematographentheaters angesehen, aber ich war nicht sehr erbaut gewesen von den Rühr= und Schauerdramen, die da in den beweglichen Bildern an mir vorübergezogen waren. Nun, ich hoffte, daß sich der Geschmack inzwischen ein wenig gebessert habe, und gab nach kurzem Zaudern dem Verlangen nach, meinen kleinen Freund durch die Erfüllung seines Herzenswunsches zu beglücken. Drinnen in dem verdunkelten Raum, wo ich das braune Kinderköpfchen neben mir nicht mehr sah, stürmte wieder das ganze Heer meiner traurigen Gedanken auf mich ein, und ich hatte nur recht wenig Aufmerksamkeit für die Gestalten, die da vorn auf der weißen Fläche ihr stummes Wesen trieben. Um das Programm hatte ich mich von vornherein nicht gekümmert, und es wird mir ewig unerklärlich bleiben, wie es geschehen konnte, daß es plötzlich wie ein Ruck, wie ein heftiger, elektrischer Schlag durch meine Nerven ging und mich aus meiner grübelnden Versunkenheit aufriß. Dutzende von Szenen hatte ich vorübergehen lassen, ohne ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, und auch von dem Bilde, das sich jetzt meinen Augen darbot, würde ich wahrscheinlich nichts gesehen haben, wenn mich nicht jene geheimnisvolle Gewalt geradezu gezwungen hätte, mein Gesicht der Projektionsleinwand zuzuwenden.„.5 Ich sah eine Parklandschaft, die von einer breiten, sich nach dem Hintergrunde zu verlierenden Fahrstraße durchschnitten wurde. Dann aber rieselte mir's wie eisiges Erschauern über den Rücken herab, und mein Atem stockte. Von rechts her betraten zwei Personen die Szene— zwei Personen, die ich nicht zum ersten Male in diesem Park und auf dieser Fahrstraße sah. Es waren ein hochgewachsener, schwarzbärtiger Mann und ein weißgekleidetes kleines Mädchen von ungefähr drei Jahren. Sie setzten sich beide auf die im Vorder grunde sichtbare Bank, und während der Mann sich in die Lektüre eines aus der Tasche gezogenen Zeitungsblattes vertiefte, glitt die allerliebste Kleine wieder von ihrem Sitz herab, um ein Stückchen ins Gras hineinzulaufen und da bei irgend etwas niederzuknien, das ihre Neugier erregt haben mochte. Noch wußte ich nicht, wie mir geschah, noch glaubte ich an ein wunderbares Spiel des Zufalls oder eine krankhafte Halluzination, die sogleich verschwinden müsse, um mir irgend etwas ganz anderes zu zeigen. Aber sie verschwand nicht, und die Vorgänge auf der Leinwand vollzogen sich genau so, wie ich sie den Zuschauern bis in die kleinste Einzelheit hätte voraussagen können. Ein offenes Automobil sauste heran; eine vornehm gekleidete junge Dame sprang heraus, um das Kind in ihre Arme zu reißen; der Schwarzbärtige stürzte mit erhobenem Spazierstock auf die Entführerin zu; sie streckte ihren rechten Arm gegen ihn aus; ein Rauchwölkchen stieg vor ihrer Hand empor, und der Schwarzbärtige fiel mit dem Gesicht nach unten zu Boden. Und dann— dann kam etwas ungeheuer Drolliges, das einen Sturm von Heiterkeit in den zumeist sehr jugendlichen Publikum entfesselte. Al da. Antomooil sich eben wieder in Bewegung gesetzt hatte, sprang nämlich irgendwoher aus dem seitlichen Gebüsch ein Mensch auf die Szene, der unter heftigen, außerordentlich komisch wirkenden Gestikulationen hinter dem Kraftwagen herlief, wie wenn er ihn festhalten wollte. Man konnte sich in der Tat nichts Belustigenderes denken, als den Anblick dieses Menschen; aber in dem Zuschauerraum des Kinomatographentheaters war doch sicherlich niemand, der so aus beseligtem Herzen über den fuchtelnden und beinewerfenden Verfolger gelacht hätte, wie ich über ihn lachte. Zwar liefen mir dabei die heißen Tränen über die Wangen, und ich hatte ein Gefühl, als ob ich diesen Augenblick unmöglich überleben könne, aber ich lachte darum doch immerfort, und ich hörte auch noch nicht auf zu lachen, als die Bogenlampen wieder aufzuckten und das Bild auf der Leinwand verschwand. (Schluß folgt.) Türkische Einzig in seiner Art steht wohl in der Geschichte das Benehmen des französischen Gesandten Marquis d'Argenteuil, Charles de Ferriol, da, das er, im Dezember 1699 nach Konstantinopel gekommen, der Macht gegenüber, die er für ein Bündnis mit seinem Könige gewinnen sollte, zeigte. Am 5. Januar 1700 sollte der Marquis mit seinem Gesandtschaftspersonal, welches vierzig Personen zählte, die erste Audienz beim Großherrn erhalten und war bereits im Vorsaal, als der türkische Zeremonienmeister ihn darauf aufmerksam machte, daß die türkische Etikette die Ablegung des Degens und die Anlegung eines Ehrenkaftans, der für die Mitglieder der französischen Gesandtschaft bereitliege, verlange. Zu letzterem bequemte sich der Marquis willig, die Abgabe des Degens dagegen verweigerte er, da das sich für seine Stellung als Vertreter des Königs von Frankreich nicht schicke. Der Zwischenfall erregle pen iches Aussehen: der Großwesir selbst wurde geholt. Aber auch seine Vorstellungen, daß alle bisherigen französischen Bolschafter sich dieser Etikette ohne Murren un erworfen hätten, daß selbst er und die höchsten Beamten des türkischen Staates unbewaffnet vor dem Sulkan erschienen, fügte sich der hartnäckige Marquis nicht. Vergebens leß der Großwesir in seiner Verlegenheit, denn er konnte nicht wissen, ob sich der Zorn des Großherrn über die Verletzung der Etikette nicht gegen sein unschuldiges Haupt richten würde, sechs der ällesten türkischen Cenerale holen, die es bestätigen mußlen, daß seit Menschengedenken sich alle französischen Gesandten den türkischen Zeremonien unterworfen hätten, der Marquis blieb fest; solange er lebe, trenne er sich nicht von seinem Degen. Endlich versuchten die türkischen Großwürdenträger eine List; sie baten ihn, mit sieben Begleitern in das nächste Vorzimmer vor dem Audienzsaal zu treten, indem sie ihm zu verstehen gaben, daß sie dareinwilligten, daß er den Degen behalten dürfe. Zwei Hofbeamte nahmen ihn nun, wie es die Sitte wollte, unter den Arm und führten ihn gegen die Tür, während ein dritter ihm heimlich den Degen zu entreißen suchte. Aber der Marquis merkte es, riß sich los und rief den Türken drohend zu, ob sie nicht wüßten, daß er im Namen des Königs von Frankreich in Konstantinopel sei. Dann warf er den Kaftan von sich und verließ den Divan. Nun war die Verlegenheit doppelt groß; der Sultan wunderte sich, daß der französische Gesandte nicht zur Audienz erschienen sei, und seine Umgebung mußte wohl oder übel das Vorgefallene erzählen. Das Ende langer Beratungen, in denen die Notwendigkeit eines Bündnisses mit Frankreich bei dem drohenden Kriege mit Oesterreich den Ausschlag gab, war, daß der Sultan den Fehler des Marquis gegen die Clikette nicht bemerken wolle und derselbe somit seinen Degen behalten dürfte. Einige Tage darauf kam dann auch die Audienz zustande. Der Marquis d'Argenteuil erzählt den Vorgang selbst in einem seiner Gesandtschaftsberichte an Ludwig XIV., und sein König belobte ihn für sein Verhalten. bi Der Regenbaum von Pern. Von einem merkwürdigen Baume, der in Pern wächst und in den Tagen der Trockenheit der Bevölkerung und der Landwirtschaft ein unentbehrlicher Bundesgenosse wird, macht ein Mitarbeiter der „Espana Moderna“ interessante Mitteilungen. Die peruanischen Indianer nennen den Baum Tamaicaspi, was so viel wie Regenbaum bedeutet; es ist ein dicker, außerordentlich laubreicher Baum, dessen Stätter die seltsame Fähigkeit haben, die Wasserdämpfe der Atmosphäre einzusaugen und in Form von Regentropfen zur Erde weiterzugeben. Der Boden unter der Laubkrone ist fast immer von großen Wassermengen sumpfig, und besonders auffällig bleibt, daß gerade in der trockenen Jahreszeit die Wasserabsonderung des Regenbaumes am stärksten ist. Dann bilden sich um den Baum herum ganze Pfützen, und kleine Bäche rinnen in die Nachbarschaft und tränken die ausgetrocknete Erde mit fruchtbringender Feuchtigkeit. Wenn die lässigen Eingeborenen diese Eigenschaft des Regenbaumes rationell ausnützen würden, so könnten sie ohne große Schwierigkeiten ganze Landstrecken, die in der heißen Jahreszeit trocken und fast unfruchtbar liegen, bewässern und kultivieren. Man hat berechnet, daß ein einziger dieser Bäume alle 24 Stunden durchschnittlich neun Gallonen Wasser liefert. Auf einem Quadratkilometer könnten leicht 10000 dieser Bäume angepflanzt werden, wobei nur alle 25 Meter ein Regenbaum wachsen würde. Die ganze Landstrecke aber würde dadurch 85000 Gallonen Wasser erhalten, und selbst wenn man annimmt, daß ein großer Teil sofort in die Tiefen der Erde sickert oder verdunstet, so würden immer noch 30000 Gallonen übrigbleiben, die der Fruchtbarkeit des ausgedörrten Ersreichs zugute kämen. Dabei ist der Regenbaum völlig anspruchslos und gedeiht auch auf ungünstigem Boden, wächst außerordentlich rasch und überdauert die stärksten Temperaturschwankungen, ohne Schaden zu nehmen. # 5 S.5 S " US * 8 □ ∆ 5 S Sn Denkspruchz. Ein kleiner Lharakter kann die größten Vorzüge töten. Mirabeau. Das Recht der Jugend. Skizze von Helmut H. Hermann. (Schluß.)(Nachbruck verdoten.) „Nun ja— jetzt, da die Trennungszeit um ist, brauchen wir wohl keine Heimlichkeiten mehr voreineinander zu haben, und du sollst deine Freude über Cäsars Heimkehr ebensowenig verbergen, wie ich die meine verbergen mag. Diese ganzen zwei Jahre hindurch habe ich kaum einen anderen Gedanken gehabt als den, was für ein Glückstag es für mich sein würde, wenn ich ihn unten in das Privatkontor führen und zu ihm sagen könnte:„Sieh, mein Sohn, der zweite Schreibtisch da ist für dich; denn von heute an bist du Teilhaber der Firma, mein Sozius und mein bester Freund. Nimm Besitz von deiner neuen Würde und dann begleite mich hinauf; denn da oben wartet noch jemand auf dich, eine, die in treuer Liebe auf dich geharrt hat, wie ich, und die—“ Eine dunkle Röte hatte die Wangen des Mädchens gefärbt und ihre Augen standen plötzlich voll Tränen. Wie zu einer flehenden Gebärde erhob sie die gefalteten Hände. „Oh, Onkel Asmus— nie— nie dürftest du etwas Derartiges zu Cäsar sagen. Denn es wäre gar nicht die Wahrheit. Ich—“ Sie mußte sich unterbrechen, denn eben hastete der jüngste Buchhalter die Wendeltreppe herauf. „Ein Telegramm für Herrn Gerding! Herr Röper meinte, ich solle es lieber gleich heraufbringen.“ Asmus Gerding dankte und löste, während der Buchhalter sich wieder entfernte, ohne sonderliche Neugier das papierne Siegel. Wohl zwei Minuten starrte er auf das entfaltete Blatt, dann ließ er es sinken, legte die Hand über die Augen und lehnte sich schwer gegen den Türpsosten. Mit dem Ausdruck heftigster Bestürzung auf dem Gesicht erfaßte Margarete seinen Krn.„„„ „Um Himmels willen, Onkel Asmus— was ist es? Eine Nachricht von Cäsar? Es ist ihm doch nichts geschehen?..... ss4er auf und Cchät. Der Handeisherr richtete sich wieder auf uns schultelte den Kopf....„ I8 146 i— ticht. „Nein. Nichts ist geschehen, als daß er nicht kommt — daß er ein Abtrünniger und Treuloser ist. Da — lies immerhin selbst!" Und sie las:„Habe mich soeben mit Mabel Smithfield verlobt. Soll ihres Vaters Partner werden. Erbitte deine Einwilligung, in Neuyork zu bleiben. Brief folgt. Cäsar.“ Ein paar Minuten lang blieb es still. Margarete Bernward wußte, daß sie Asmus Gerding Zeit lassen mußte, sich mit der schweren Enttäuschung abzufinden. Denn sie kannte ihn gut. Nicht weil sie durch Bande des Blutes mit ihm verknüpft gewesen wäre. Daß sie ihn Onkel nannte, war ja nur eine aus serner Kindheit beibehaltene liebe Gewohnheit. In Wirklichkeit war er ihr nichts als ein Wohltäter und Freund, der das früh verwaiste Kind seines liebsten Freundes wie ein eigenes erzogen und ihm nach dem Tode seiner Gattin alle Rechte der Haussrau übertragen hatte. Und in Wirklichkeit war ihr Cäsar Gerding nie etwas anderes als ein lieber Kamerad und Bruder gewesen. Das hatte sie ihm vorhin sagen wollen, als sie unterbrochen worden waren. Nun aber, nachdem sie lange genug genartet zu haben meinte, sagte sie etwas anderes. „Ich habe etwas Aehnliches erwartet, Onkel Asmus! Nach Cäsars Briefen habe ich es erwartet. Und ich meine, du darfst ihm nicht zürnen, nachdem du selber das Recht der Jugend anerkannt hast, das Glück zu suchen und festzuhalten, wo es sich ihr bietet. Hier in seinem Vaterhause hätte er sich vielleicht unglücklich und als ein Gefangener gefühlt. Möchtest du ihn um solchen Preis an dich binden?" Mit einem traurigen Blick sah ihr Asmus Gerding in das schöne, ernste Gesicht. „Nein, Margarete— nicht um solchen Preis. Wenn es wirklich das Glück ist, das er da drüben gefunden zu haben wähnt, so mag er bleiben, wo er ist. Du aber— kannst auch du dich damit abfinden, Mädchen?“ Sie legte ihre beiden Hände auf seine Schultern und hob die Augen, in denen jetzt ein ganz eigenes, frohes Leuchten war, zu ihm empor: „Ich gönne ihm aus treuem, schwesterlichem Herzen alles Glück der Welt. Aber es bereitet mir keinen Kummer, das Weltmeer zwischen ihm und mir zu wissen. Denn andere als Schwesterliebe habe ich ja nie für ihn gefühlt.“. W Asmus Gerding atmete schwer. und ein Klang trüber Resignation war in seiner Stimme, da er erwiderte:„Es ist ein bißchen viel, was mir heute mit einem Schlage an froher Zukunftshoffnung zerstört wird. Denn nicht nur meinen Sohn, sondern auch dich hatte ich bis an das Ende meiner Tage um mich zu behalten geglaubt. Nun muß ich wohl darauf gefaßt sein, daß bald der Tag kommen wird, der auch dich aus der Enge dieses alten Hauses entführt.“ Margaretes Wangen färbten sich wieder höher, aber ihre Lippen lächelten wie ihre Augen. „Wenn es dir Freude macht, es zu hören, Onkel Asmus: Nein, ich werde dich nie, nie verlassen:“ „Und das Recht der Jugend, Kind— soll es nur für dich nicht existieren?“ „Aber siehst du denn nicht, daß ich darauf und daran bin, von diesem Recht den allerdreistesten Gebrauch zu machen, Onkel Asmus? Auch ich halte das Glück da, wo es sich mir bietet. Und du darfst versichert sein, ich lasse es nicht wieder los.“ So geschah es, daß der Tag, der ihm eine der schwersten Enttäuschungen gebracht hatte, doch noch einer der allerglücklichsten in Asmus Gerdings Leben wurde. Pechvögel. Bei einem musikalischen Abend sangen ein Herr und eine Dame ein Duett. Kurz darauf fragte die Dame einen der Anwesenden, wie ihm der Gesang gefallen habe. „Sie haben entzückend gesungen, Gnädigste,“ war die Antwort,„aber warum haben Sie ein so wenig schönes Duett gewählt?“ „Oh,“ versetzte die Dame empört,„das war eine Komposition meines verstorbenen Gatten.“ „Gnädige Frau verzeihen,“ sagte der Herr in einiger Verlegenheit,„dann muß es wohl an dem Sänger gelegen haben. Konnten Sie denn keinen besseren Partner finden?“ „Aber, mein Herr!“ rief die Dame in höchster Entrüstung,„das war mein jetziger Mann.“ *** Einem anderen Herrn passierte es einst in einer Gesellschaft, daß ihm gegenüber eine auffallend häßliche Dame saß. die er nicht kannte. Er wandte sich an seine Tischnachbarin mit der Frage: „Können Sie mir nicht sagen, gnädiges Fräulein, wer das furchtbar häßliche junge Mädchen ist, das uns gegenüber sitzt?“ „O ja,“ entgegnete sie ruhig,„das ist meine Schwester.“ Erschrocken rief der junge Mann:„Oh, verzeihen Sie, gnädiges Fräulein, die Aehnlichkeit war mir nicht gleich aufgefallen.“ Veranstaltung ersreute sich eines überaus regen Besuches und nahm einen in jeder Hinsicht befriedigenden Verlauf, zumal den Preisrichtern eine große An ahl wertvoller Preise zur Verfügung standen. **(Krankheits=Statistik.) Die Nachweisung über die im Regierungsbezirk Arnsberg in der Woche vom 18. bis 24. Januar 1914 amtlich angemeldeten Fälle von übertragbaren Krankheiten ergab 410 Erkrankungen(104 Todesfälle). Davon entfielen auf Hörde, Stadt und=Land auf Diphtherie 34 (9), Genickstarre 1(0), Kindbettfieber 4(0), Körner= krankheit 6(0), Lungen= und Kehlkopftuberkulose 0 (10) und Scharlach 26(4). r.(Gerechte Strafe.) Nach unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführten Verhandlung vor der Hagener Strafkammer hatte sich der Anstreicher Carl Jarkowsky von hier wegen Sittlichkeitsverbrechens, begangen zu Geisecke an zwei kleinen Mädchen, zu verantworten. Der aus der Untersuchungsheft vorgeführte Angeklagte ist bereits wegen Erregung öffentlichen Aergernisses vorbestraft und hat auch sonst allerlei auf dem Kerbholz. Er wurde nach dem Antrage des Staatsanwalts zu neun Monaten Gefüngnis verurteilt, obwohl er der Meinung war, daß die Hauptbelastungszeugin einen Meineid geleistet habe. Ergste, 2. Febr.(Der Turnverein Ergste.) Mitglied der Deutschen Turnerschaft, hielt gestern in seinem Vereinslokal Witwe KageBeckmann eine gutbesuchte Ceneralversammlung ab. Nach der Aufnahme von neuen Mitgliedern erstatteten die Revisoren Bericht über den Befund der Kasse. Sodann wurde beschlossen, das 30jährige Jubelfest, rerbunden mit dem Bezirks=Wetturnen des Bezirkes 4a im Märkischen Turngau, am 16. und 17. Mai d. J. zu feiern, und soll zu diesem Zwecke ein größeres Festzelt errichtet werden. Nach Schluß der Generalversammlung fand eine gemütlich verkaufene Kaiser=Geburstagsfeier statt, bei welcher der 1. Vorsitzende, Herr Ovelgönner, das Kaiserhoch ausbrachte. Gut Heil! ** Aplerbeck, 31. Jan.(Diebstahl.) 300 Mark an Schmucksachen wurden einer hiesigen Wirtschaftsfrau, während sie in der Wirtschaft zu tun hatte, aus dem Schlafzimmer gestohlen. ** Bittermark, 31. Jan.(Von einem Stein erschlagen) wurde der langjährige Steinbrucharbeiter Gohmann. Er war sofort tot. Eine Frau und mehrere kleine Kinder betrauern den Tod ihres Ernährers. Die Zukunftspläne des Fürsten von Albanien. Ueber die Zukunftspläne des Fürsten von Albanien gehen der Korrespondenz„Heer und Politik“. von einer dem Prinzen zu Wied nahestehenden Seite folgende authentische Mitteilungen zu, die von allgemeinem Interesse sind: Der Prinz erstrebt die Schaffung eines Kulturstaates unter besonderer Berücksichtigung des albanischen Volkslebens an. Am dieser so im großen gezeichneten Aufgabe auch wirklich restlos nachgehen zu können, ist die Erledigung der Finanzfrage für den jungen Herrscher durchaus eine conditio sine qua non. Das Budget des neuen Fürstentums ist vorläufig auf 18 Millionen Franks berechnet, seine Deckung wird hinsichtgesagt worden. Aber auch von dieser Summe darf man sagen, daß mit ihrer Hilse nur die zuerst allernotwendigsten Reformen und staatlichen Sinrichtungen geschaffen werden können. Der zukünftige Herrscher des albanischen Staales hat sodann sein Regierungsprogramm, das in gewissem Sinne für Alvanien mehr ein Kulturprogramm bedeutet, entwickelt. Bei der Schaffung der staatlichen Institutionen wünscht er die albanische Eigenart in keiner Weise zu verwischen. Zwar werden sich alle Neueinrichtungen des von europäischen Mächten geschasfenen Staates an europäische Vorbilder anlehnen müssen, aber nur so weit, als es der Eigenart der Bevölkerung und der besonderen Verhältnisse zuträglich ist. Die Verwaltung des Fürstentums wird sich natürlich nur in wenigen Punkten von der aller übrigen europäischen Länder unterscheiden. Man kann annehmen, daß der Prinz zu Wied, soweit ihm das deutsche Verwaltungssystem mit seinen Vorzügen bekannt geworden ist, versuchen wird, annäherungsweise, wenigstens in großen Umrissen, eine ähnliche Verwaltungsordnung zu schafsen. Eine sehr bedeutungsvolle Aufgabe, deren völliges Gelingen erst dem jungen Fürstentume Lebensfähigkeit verbürgt, ist die Organisation des Heeres. Doch gibt sich der Fürst der Hoffnung hin, daß bei der starken kriegerischen Veranlagung der Albanesen die Bildung eines gut bewaffneten und ausgebildeten Heeres nach europäischem Muster wohl gelingen wird. Damit geht Hand in Hand der Gedanke, Albanien als Seestaat von der Seeseite her zu schützen. Ein Blick auf die Karte Albaniens lehrt, daß die Bucht von Valona entschieden der politisch und strategisch bedeutsamste Punkt Albaniens ist. Würde Valona als Kriegshafen ausgebaut, so bedeutete das die Beherrschung des Eingangs zum Adriatischen Meere durch den albanischen Staat. Auch dieser Punkt hat sehr wesentlich die Aufmerksamkeit des Prinzen auf sich zu lenken verstanden. Parallel damit liese eine etwaige Ausgestaltung anderer Häfen. Ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz in seinem Lande zur Durchführung zu bringen, liegt dem Prinzen ebensosehr am Herzen, wie die kulturelle Durchdringung mit Schulen und Lehranstalten aller Art. Trotzdem der Albanier sich mit dem Handel bisher wenig befaßt hat, will der Fürst von Albanien es doch versuchen, sein besonderes Augenmerk der Entwicklung eines gesunden Handels und auf vernünftiger Grundlage aufgebauten Geldwirtschaft zuzuwenden. Man wird von Herzen wünschen müssen, daß es dem jungen Fürsten, der mit den besten Wünschen für sein Volk beseelt, seine überaus schwere Aufgabe sehr bald antreten wird, gelingen möge, den Erwartungen, die Europa und sein eigenes Land auf ihn setzen, in jeder Beziehung zu entsprechen. schaft kämpfte unter Aufbietung sast übermenschlicher Kräfte gegen das Feuer, mußte aber schließlich das Schiff preisgeben. Drei Tage und zwei Nächte trieben die Schiffbrüchigen in ihrem Boot, auf hoher Sce einem schweren Sturm ausgesetzt. Schließlich wurden sie durch den Hamburger Segler „Eilbek“ aufgesunden und an Bord genommen. ( Das zweite Schiff der„Imperator=Klasse“ der Hapag, der Riesendampfer„Vaterland“, der den „Imperator“. noch etwas an Größe übertrifft, ist bereits so weit fertiggestellt, daß es seine Probefahrten demnächst machen und im Juni in Dienst gestellt werden kann. Auch dieser Dampfer ist mit außerordentlichem Luxus ausgestattet wordem ) Wandernde Denkmäler. Auch Denkmäler stehen nicht für alle Ewigkeit festgebannt, sondern können sehr wohl Wanderungen antreten, wofür besonders Berlin Beispiele biesert: Aus Anlaß des Baues der Nord= Süd=Linie der Untergrundbahn muß die Viktoriasäule auf dem Belle=Alliance= Platz abgetragen werden. Als vor 15 Jahren die Kurfürsten=Brücke hinter dem Schloß gebaut wurde, mußte auch das prächtige Reiterstandbild des Großen Kurfürsten seinen Standplatz um einige Meter verändern. Und vor drei Jahren wurden gar die Kolonnad#n vom Zentrum der Stadt kilometerweit in den früheren Botanischen Garten nach dem jetzigen Kammergerichtsplatz versetzt. 1 Die Ebernburg. Zu der Nachricht, daß die Ebernburg bei Münster am Stein, die Heimstätte Franz von Sickingens, an ein evangelisches Konsortium übergegangen sei, wird mitgeteilt, daß zwar Verkaufsverhandlungen im Gange seien, ein Abschluß indes bis jetzt noch nicht erfolgt sei. —— lich 16 Millionen aus den laufenden Einnahmen erfolgen, der Rest wird durch eine Anleihe aufgebrcht werden. Für die großen kulturellen Aufgaben, deren Durchführung gerade im Ansang besondere Schwierigkeiten erwachsen werden, reicht natürlich diese minimale Summe nicht aus. Hierfür ist dem Prinzen zu Wied bekanntlich seitens der Großmächte eine Anleihe in Höhe von 75 Millionen zuBunte Chronik 1( Das verunglückte englische Unterseeboot„A. 7“ mit seinen Leichen konnte noch nicht gehoben und geborgen werden. Alle Bergungsversuche mißglükken. Das Boot ist jetzt voll Wasser gelaufen, so daß seine Bergung noch schwerer ist. ( Wieder ein Millionär von Räubern entführt. In Spokane im Staate Washington, also in einer der kultiviertesten Gegenden Nordamerikas, wurde der Millionär Clarc von einer Räuberbande entführt. Die Räuber verlangen ein Lösegeld von 300000 Mark. Clarc bat selber um die Zahlung, da die Räuber sonst töten würden. Die Banditen teilten der Stadtverwaltung von Spokane mit, daß die Erschießung in zwei Wochen stattfinden werde, wenn das Lösegeld bis dahin nicht gezahlt sei. 1( Ein Schiffsbrand. Der englische Dreimaster „Hattle Abbey“ wurde auf der Fahrt von Newcastle nach Bancouver durch Feuer vernichtet. Die MannS Seg Paderborn, 2. Febr. Kardinal=Fürstbischof Dr. Kopp setzte sich gestern, dem„Westfäl. Volksblatt“ zufolge, um zu einer Verständigung in der Gewerkschaftsfrage zu kommen, mit dem Bischof von Paderborn in direkte Verbindung. Versetzung des Obersten v. Reutter und des Leutnants v. Forstner. Berlin, 2. Febr. Oberst v. Reutter, Kommandeur des 2. Oberrheinischen Insanterie=Regiments Nr. 99, ist als Kommandeur des Grenadier= Regiments Prinz Karl von Preußen(2. brandenburgischen) nach Frankfurt a. Oder versetzt worden. Die Order des Kaisers, durch die ihm die Versetzung persönlich mitgeteilt werden wird, ist, wie der„Lok.= Anz.“ erfährt, am gestrigen Sonntag nachmittag an ihn abgegangen.— Gleichzeitig wird bekannt, daß Leutnant Freiherr v. Forstner in das InfanterieRegiment Graf Schwerin(3. pommersches Nr. 14) nach Bromberg versetzt worden ist. Schwerer Raubansall im Eisenbahnzuge. Münster a. Stein, 2. Febr. Der Personenzug 312 wurde auf der Strecke Bingerbrück—Saarbrütken durch die Notbremse plötzlich zum Stehen gebracht. Einige Bahnbeamte beobachteten, wie ein Fahrgast im nahen Walde verschwand. Die sofort ausgenommene Durchsuchung des Zuges ergab, daß in einem Abteil 2. Klasse ein älterer Herr bewußtlos und blutüberströmt lag. Später konnte er angeben, hinter der Station Bingerbrück von einem unbekannten Mann überfallen, durch Nevolverschüsse am Kopf und an der Brust verwundet und seiner BriefPünnsr TE tasche beraubt werden zu sein. Der Uebersallene liegt bewußtlos im Hospital. Ueber den Täter ist nichts bekannt. Ein neuer Höhenweltrekord mit sechs Passagieren. Paris, 2. Febr. Der Aviatiker Garaix hat gestern nachmittag aus dem Flugplatz von Chartres den Höhenweltrekord mit sechs Passagieren um 1000 Metern geschlagen. Es ist Caraix gelungen, die Höhe von 1850 Metern zu erreichen. Der bisherige Höhenrekord für Flüge mit sechs Passagieren wurde von Franceois mit 850 Metern gehalten. Untergang eines deutschen Seglers. London, 2. Febr. Nach einem Telegramm aus Falmouth ist das Hamburger Segelschiff„Hera“, das sich mit einer Ladung Nitrit aus der Heimfahrt von Pisagua befand, in der vergangenen Nacht gesunken. Das Segelschiff, das seinen Kurs verloren hatte, lief in voller Fahrt auf den Sull=Felsen auf und erhielt ein großes Leck, so daß es in wenigen Minuten sank. Ein Nettungsboot, das von Falmouth aus der bedrängten Mannschaft des Seglers zu Hilfe eilte, vermochte fünf Mann zu retten, die übrigen 19 Manu der Besatzung ertranken. Mißstimmung unter den türkischen Offizieren. Konstantinopel, 2. Febr. Es ist nicht zu leugnen, daß unter den durch die Maßregeln Enver Paschas betrossenen Offizieren eine gewisse Erregung herrscht. Kennzeichnend dafür sind die Vorsichtsmaßregeln, mit denen man augenblicklich Euver Paschas Person umgibt. Es ist nur nach Erfüllung einer Unzahl Formalitäten möglich, im Kriegsministerium Zutritt zu erhalten, oder gar eine Audienz bei Enver Pascha zu bekommen. Bis an die Zähne bewaffnete Patrouillen zirkulieren fortwährend im Kriegsministerium. 15 Tote. Neuyork, 2. Febr. Der Schnellzug, der zwischen Chicago und Alton verkehrt, ist in der Nähe von Joliet entgleist. 15 Personen sind dabei ums Leben gekommen. Standesamt Schwerte. Sterbefälle im Januar. Invalide Güstav Böringer, 62 Jahre. Ehefrau Zimmermann Paul Höche, Hulda geb. Feld, 52 Jahre. Kaufmann Paul Johann Giesen zu Dortmund, 29 Jahne. Fabrikarbeiter Heinrich Steinmann, 45 Jahre. Witwe Kettenschmied Heinrich Keppmann, Karoline ged. Selve, 50 Jahre. Ehefrau Invalide August Kurtzke, Katharina geb. Specht, 80 Jahre. Uhrmacher Andreas Schäfer, 47 Jahre. Werkmeister Wilhelm Cloer, 53 Jahre. Berginvalide Albert Pudlik, 61 Jahre. Invalide Karl Carle, 73 Jahre. Maurer Theodor Hermann Ehlert, 52 Jahre. Kaufmann Heinrich Haver, 60 Jahre. Schreiner Karl Müller, 33 Jahre. Fabrikarbeiter Karl Kretschmann, 39 Jahre. Verantwortlich für die Redaktion Friede. Krang. Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. CHGUFT WKNNUNGT ich habe in letzter Zeit wiederholt festgestellt, daß in meinen Originalflaschen mit gesetzl. geschütztem Bodenbrand— andere Boonekampbzw. Bitterfabrikate vertrieben werden. Auch haben wiederholt Gastwirte und Restaurateure solche Fabrikate aus Flaschen verschänkt, die mit meinem, sowohl in seinen einzelnen Teilen, als auch in seinem Gesamtbilde geschützten Etikett versehen waren. Dies veranlatt mich zu der Erklärung, daß ich im Interesse meiner verehrlichen rechtdenkenden Kundschaft und des konsumierenden Publikums von jetzt ab jede mißbräuchliche Benutzung meiner Original-Flaschen und Original-Etiketts strafrechtlich verfolgen werde. Zugleich mache ich darauf aufmerksam, daß außer anderen Warenzeichen-Eintragungen auch die Warenzeichen „nderbeug“ un„Underbeug-Soonekamn für mich in die Zeichenrolle des Kaiserlichen Patentamtes eingetragen sind, so daß also unter diesen Warenbezeichnungen nur mein Fabrikat verabreicht bzw. in den Verkehr gebracht werden dart. H. Underberg-Albrecht Hofl. Sr. Maj. d. Kaisers und Könige Wilhelm II. Rheinberg(Rheinland) Spoch ion Pfund DOeig. Spech Mäger Prand Goeig. bei ganzen Seiten, soweit der Vorrat reicht. Statt besonderer Anzeige! Am Sonnabend, den 81 Januar morgens 6½ Uhr entschlief plötzlich und unVerwartet nach langem, schwerem mit grosser Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester und Schwägerin, die Ehefrau Kurten Einzemer Eebieisene GarnisonumgedungkKurten Erhaut Were,, der Königlichen Landesaufnahme sind zu beziehen durch die Buchhandlung Eart Braus, Schwiln(Kühr)! Große Marktstraße 3—5. im fasst vollendeten 62. Lebensjahre. Dieses zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Die trauernden Hinierbliebenen. Westheide u. Ardey b. Langschede, den 31. Januar 1914. Die Beerdigung flodet am Dienstag, den S Februar. nachmittags 9 Uhr vom Sterbehause und um 4 Uhr auf dem Friedhof in Schwerte statt. Long. Bimmlinn, Schwerie, Aahrsir. 1o. 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Februar 1914, morgens zwischen 10 und 12 Uhr in der alten Kirchschule, Zimmer 2(Haselackstraße) anzumelden. Schulpflichtig werden alle Kinder, welche bis zum 30. September 1914 einschl. das sechste Lebensjahr vollendet haben. Schwerte, den 29 Januar 1914. Die Stadtschuldeputation: ohrmann. Die mit Beginn des nächsten Schuljahres schulpflichtig werdenden evangel. Kinder sind am Mittwoch, den 4. Februar, oder am Sonnabend, den 7. Februar 1914, morgens zwischen 10 und 12 Uhr in der alten Schule am Markt, Zimmer unten rechts, anzumelden.„..,.„ 61 Lex mel ag bi. Schulpflichtig werden aule Kinver, werche bis zum 30 September 1914 einschl. das sechste Lebensjahr vollendet haben. Schwerte, den 29 Januar 1914. Die Stadtschuldeputation: Rohrmann. Hinweis. Der heutigen Auflage hat die Firma Gebr. Kaufmann. Hogen i. W., eine Beilage betr. TotalAusverkauf beigelegt, die wir geneigter Beachtung empfehlen. Die Geschäftsstelle. mit Pension zu sofort gesucht, mögl. Mitte der Stadt. Offerten unter P. 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